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Full text of "Biographie W.A. Mozart's : nach Originalbriefen, Sammlungen alles über ihn Geschriebenen, mit vielen neuen Beylagen, Steindrücken, Musikblättern und einem Fac-simile"

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Biographie  W.  A.  Mozart  's 


Georg  Nikolaus  von  Nissen,  Constanza 
Maria  Weber  von  Nissen 


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kör/ty:  TJünischer  wirk «  fU 


(is.lt«  der  WTllwt*  Mozarf 


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Biographie 

W.   A.  Mozart's 


Nach  Originalbriefen,  Sammlungen  alles  über  ihn 
Geschriebenen ,  mit  vielen  neuen  Beylagen, 
Steindrücken ,  Musikblättern  und  einem 

Feie  -  simile* 


ii'c  ^j  v\  j  •  -r^v 


<&eotö  Jliftoiaust  bon  $Limxi, 

Dänischem  wirklichen  Eutsrath  und  Ritter  vom  Dannebrog- 

Orden  etc.  etc. 


Nach  dessen  Tode  herausgegeben 

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Constanze,  Wittwe  von  Nissen, 

früher  Wittwe  Mozart. 

Mit  einem  Vorworte  vom  ZJr.  Feuerstein  in  Pirna. 


Leipzig,   I  ß  2  8. 

Gedruckt  und  in  Commiwion  bey  Breitkopf  und  Härtel. 


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Ihrer  Majestät, 

der  Allerdijrchlauchtigsten ,  Allergnädigsten 

Fürstin  und  Frau, 

Frau 

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j&Ätie  SopTjfe  fiXtittitt, 


meiner  allergnädigsten  Königin, 


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von 


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Constanze,  Wittwe  von  Nissen. 


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■ 


AUerdurchlauchtigste  Fürstin, 
Allergnädigste  Königin  und  Frau! 

Allerhöchstdieselben  haben  bereits  so  viele  Be- 
weise huldreicher  Fürsorge  für  Beschützung  und 
Förderung  der  Wissenschaften  und  Künste  gegeben 
und  Sich  .dadurch  bleibende  Denkmale  errichtet« 
Auf  solche  Weise  ward  mir  selbst  das  Glück,  von 
Ihro  KönigL  Majestät  zu  hören,  wie  sehr  Sie 
die  Talente  meines  vorigen  Gemahls  anerkenneten 
und  den  Verlust  durch  dessen  so  frühen. Tod  be- 
dauerten« 

Nicht  weniger  ist  Ihrer  König!,  Majestät 

mein  späterer  Gemahl  von  Nissen*  in  seinen  lang- 
jährigen königlichen  Diensten  für  so  vielseitige  Be- 
weise der  Allerhöchsten  Gnade  den  unversiegbarsten 
Dank  schuldig.    Da  nun  auch  er  nicht  mehr  ist, 
und  sich  mir  hier  eine  so  passende  Gelegenheit  zeigt, 
so  dürfte  ich  wohl  zunächst  verpflichtet  seyn,  diesen 
Dank  Ja  tiefster  Unterthänigkeit  hier  öffentlich  aus- 
zusprechen* 


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Und.  so  wagt  *  dehtf  die  »kfgebeugle  WkW* 
mit  diesem  Danke  zugleich  diese  Arbeit  ihres  leist- 
verstorbenen  Mannes,  rder  bis  an  seinen  Tod  den  Ma- 
nen des  früheren  so  viele  Liebe;  und  Verehrung  zollte, 
Allerllöchstderos^lbeil  Gnade  anzuvertrauen* 

In  der  frohen  Hoffnung,    dass  ich 
etiler,  ganz  ungnädigen  Aufnahme  versichert  glauben 
darf,  ersterbe  in  tiefster jBhrfurcht 


• 


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.:  .  .  .  H*er  ^niglicheft;  Majestät,  •  . 
•     ;  '.  /•  'rhtitier  ;Alletgnädigsten  Kdnigm 

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aUerunterthänicste  treticehorsamsto  Dieneriii 

*•  i  •  Constanze  Nissen. 


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V  o  r  w  ö  t  v     :;■  *l 

Iiis  ist  wohl  eine  unwiderlegbare  ^el?^upt^ing, 

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dass       A.  Momart  das  grösste  musikalische  ,Ge-y 

nie  nicht  allein  seines  Zeitalters  war,  sondern 

dass  er  es  auch  höchstwahrscheinlich  für  alle 

künftigen  Zeitalter  bleiben  wird. 

Die  Welt  freuet  sich  .daher :  mt  Recht  üi}er 
ein  sq  ,  seltenes  Geschenk  der  Natu*  und  ^a*^ 
es  auf  gleiche  Weis« :  4er  Vorsehung,  4ie  ihr 
Sinn  für  solch  oms,  allen  Nationen  verstHndUcJbe; 
Sprache  gegeben  hat.  .  ri.  r^;,  .  ,  ,.r,..;r.. 

Nicht  weniger  wird  aber  auch  wohl  jeder 
Freund  der  Musen,  so  wie  jede  edle  Menschen- 
brust mit  Trauer  über  das  allzufrühe  Dahin- 
scheiden dieses  grossen  Meisters  erfüllt,  und 
sick  selbst  nur  damit  einigen  Trost,  dals 


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VIII  . 

—  i  i—i  i    -    — -  ■  •-  m    ■■■  ■!■  •  •  • 

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nach  Erfahrungen  früh  entwickelte  Blumen  auch 
früher  dahin  welken,  wie  eben  Mozart  sich  sehr 
früh  zum  unerreichbaren  Koloss  seines  Faches 
hinaufschwang,  und  —  kaum  würdig  erkannt, 
ging  er  wieder  seiner  Heimath  zh. 

Ihm  bleibt  sein  Andenken  :  er  war  das  Wun- 
der seiner  Zeit,  und  wird  es  aller  der  nachfol-r 
gcnden  bleiben,  und  so  lange  man  seine  genia- 

f  \        ff      •  •     t  ■  t  f 

len  Schöpfungen  zu  empfinden  fähig  ,ist,  wird 
der  Qiiell  seiner  Verehrung  und  seines  Ruhmes 

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nicht  versiegen. 

Der  Verfasser  des  Vorwortes  zur  nachste- 


henden Biographie  kann  dabey  einem  eigenen 
Wehmüthigen  Gefühle  nicht  widerstehen ,  und 
indem  er  gewiss  mit  Recht  sein  Zeitalter  mit 
jenem  des  grossen  Geistes  vertauscht  wünscht, 
glaubt  er  sich  mehr  als  des '  vortheilhaften  Tau- 
sches gewiss. .  ... 

-  Die  Volker  fast  aller  Zeiten  haben  uns  schon 
gezeigt,  auf  welche,  wenn  auch  verschieden  rühm- 
liche Weise  sie  sich  bemühten,  das  Andenken 
Berühmten  und  Ausgezeichneten  aus  ihrer 


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IX 

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Mitte  auf  die  Nachwelt  zu  bringen ;  und  indem 

ein   Gleiches  bereits  von  unserm  Mozart  und 

i 

auch  anderen  berühmten  TomVünstlern  —  abge- 
rechnet, dass  sie  sich  die  bleibendsten  Denkmale 
in  ihren  Werken  selbst  aufstellten;  —  den  Nach- 
kommen niedergelegt  ist,  folgten  wir  ihrem 
rühmlichen  Muster.  •  . 

:■  So  viel  aber  auch  mehr  oder  weniger  aus- 
führliche Biosranhicen  von  -Mozart  erschienen 
seyn  mochten,  so  war  sich  der  den  Seinigen 
und  auch  mir  2U  früh  verstorbene  Freund  Nissen, 
obschon  seinem  Charakter  gemäss  bescheiden 
und  ganz  anspruchslos,  doch  und  sicher  nicht 
mit  Unbill  bewusst,  wie  sehr  willkommen  der 
Welt  seine  neue  Bearbeitung  der  vorliegenden 
Biographie  seyn  könne;  daher  möge  dieser  be- 
sonnen und  mit  so  grosser  Vorliebe  gewundene 
Kranz  im  Tempel  der  Musen  seinen  wohlver- 
dienten Platz  einnehmen,  .um  so  mehr,  als  der 
Geber  die  Blümchen  dazu  ao  lange  und  mit 
solcher  Liebe  pflegte.  !:  1  * 

Da  ich  längere  Zeit  mit  Nissen  und  mit  dem 
Plane  der  beabsichtigten  Biographie  bekannt  war 


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u&d  weiss,  wie  ihn  nur  Liebe  zur  Kunst  und 
Verehrung  der  Manen  des  grossten  musikalischen 
Meisters  zu  seinem  so  rühmlichen  Unternehmen 
trieb/  «  also  »ur  Ää  inniger  Wärrae  «eifrig  und 
raSeh  arbeitete,  mit  welcher  Anstrengung,  selbst 
nicht  ohne  grosseil  Aufwand  er  seit  mehren  Jah-^ 
ren  sammelte,  vorzüglich  in  der  letzten  Zeit  sei-[ 
Bü  X«ebens,.  wo^ec/sich  Yjoa  seinen  sonstigen 
Geschäften  für  dön  König  von  Dänemark  mehr 
zurückgezogen  hätte;  to  dem  Werke  selbst  die 
^qglicbste  Vollständigkeit  su  geben  5  ierner,  wie 
W --feilte-  so  sichere  Quelle  fcn  seiner  Gemahlin 
fcatte,  und  da  jmit  aus^rordetttlieher  Sorgfalt 
alles  Benutzenswerthe  gewissenhaft  anbrachte  und 
ordnete,}  da  es  wa^r  ist,  wie  zärtlich  er  um  seine 
Gattin  besorgt  war  und  wie.  SP  sehr  edel  er  sich 
en  seinen  Kindeto  hewiess,  wovon  die:  Welt  schon 
weiss  ,  was  #r  »n.  ihnen  Jhat,  *md  Wie  er  sich 
überhaupt  lak  Mensch  M  seiaein  ganzen  Leben 
Hon  Jkeiner  uxLem  als  zedier  und  grossen  Seite 
kund  that,  und  so  auch  mit  dem  Bewusstsejrn* 
»iclits  als  Gutes  gestiftet  iu  hafcen ,  aus  der  Welt 
gehen,  konnte,  ;  übe*  .  srelohö  seine  H«ridlungen 

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fflm  sein  Koni«  van  Dänemark  (wie  er  ihn  selbst 
zu  nennen  pflegte  und  dem  er  so  gern  jmd  treu 
diente)  die  kräftigsten  Beweise  wiederholt  zu  ge- 

*  *   »  •       •        •  • 

"ben  geruhte,  und  so  vieles  Andere,  was  Alles 
uns  auf  den  bedeutenden  Gewinn  seiner  mehr- 

****  #  #  ii 

jährigen  Arbeit  rechnen  lässt ;  —  so  bin  ich  sehr 
bereit,  diesen  Beweis  seines  biedern  Charakters 
zu  unterschreiben,  und  ich  kann  dabey  nur  noch 
\ninschen,  dass  das  Werk  selbst  ihm  dieses  Zeug- 
mss  nicht  versagen  wolle. 

a 

Ob  durch  Nissen's  Tod  (denn  er  6tarb  über 
seiner  Arbeit  am  a45ten  März  1826)  noch  man- 
cherley  Unbekanntes  von  und  über  Mozart  un- 
bekannt bleiben  wird,  weiss  ich  nicht \  nur  das, 
und  zwar  mit  grossem  Bedauern,  kann  ich  bestä- 
tigen, dass  er,  nach  Siebigice? s  Vorschlag,  noch 
ein  besonderes  Capitel  der  allmähligen  Ausbil- 
dung MozarVs  und  dem  stufenweisen  Gange  sei- 
nes Genie's  gewidmet  hatte,  in  so  fern  sie  sich 
aus  der  Kritik  einer  chronologischen  Sammlung 
seiner  früheren  und  frühesten  Werke  erkennen 
lassen,  was  nun  aber  einem  mit  MozarVs  sämmt- 


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•    liehen  Werken  ganz  Vertrauten  überlassen  blei- 


ben muss. 


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Sollte  ich  die  geistige  Seite  Nissens  nur  ei- 

0  .    "  *  ■ 

nigermaassen  treffend  angedeutet  haben,  so  ist 
-    '       •  :•  i 

mein  Zweck  schon  vollkommen  erreicht 

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Pirna  a.  <LEl]be,  im  July  1828. 


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D.  Feuerstein. 


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Schon  an  1  io*en  November  1767  schrieb  der 
Vater  Leopold  Mozart,  welcher  voraus  sah,  dass 
sein  Sohn  ein  grosser  Mann  werden  würde, 
einem  Freunde,  dass  er  die  Lebensgeschichte 
seines  Sohnes  seiner  Zeit  in  den  Druck  geben 
werde-  Er  muss  aber  von  diesem  Entschlüsse 
-abgekommen  seyn ,  denn  nach  seinem  Tode  ist 
davon  keine  Zeile  aufgefunden  worden,  indessen 
hat  man  es  diesem  Entschlüsse  zu  danken,  dass 
er  sehr  häufig  der  Frau  und  fochtet -  empfahl, 
alle  Briefe,  die  er  ihnen  auf  Reisen  mit  dem 
Sohne  schrieb,  sorgfältig  auf zubewahr en<  Und 
auf  diese  Art  haben  sich  nach  ihm  wohlverwahrt 
folgende  Sammlungen  gefunden:  '1 
r  i)  Des  Vaters  Briefe  von  der  Reise  mit 
seiner  ganzen  Familie  nach  Wien,  angetreten 
den  i8ten  September  1763  und  geendigt  im  Ja- 
nuar 1765.  Diese  Briefe  sind  an  den  Kaufmann 
Hagenauer,  seinen  FVeukd  und  Hausherrn ,  der 
sie  behalten  hat,  gerichtet.  •   «.  -  r"  • 

2)  Des  Vaters  Briefe  an  denselben ,  von  der 
grossen  ausländischen  Reise  mit  seiner  ganzen 

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Familie ,  angetreten  den  9ten  Juny  1763  und  ge- 
endigt im  November  176G. 

3)  Des  Vaters  Briefe  an  denselben ,  von  der 
zweyten  grossen  Reise  nach  Wien  mit  der  gan- 
zen Familie;  angetreten  den  nten  September 
1767  und  geendigt  im  December  1768. 

.  Witten  diese  Briefe  an  einen  Gelehrten  oder 
an  einen  Musikyerstöadigen  geschrieben  gewesen, 
so  hätte  der  Briefwechsel ,, ih.no»:  sieher  mehr 
Interesse  gegeb.eny,  als  .sie  entlialten.  ,  . 
1.  ;  Ich  habe  aus  diesen  Briefen  die  biographi- 
schen Nachrichten  herausgezogen,  um.  damit  die 
gedruckte  Lebensbeschreibung  zu  ergänzen-  MtWrr 
ches  kömmt  darin ;  von  ßta^ik  und  den  Sitten 
au  besonders  geistlichen  Höfen  vor.  .  fch  habe 
pur  einige  Proben-  der  Denket ,  besondere  der 
religiösen  stehen  lassen,  dio  bey  dem  Vater  Mo-r 
zarfs  zur  Bildung  des  Sohnes  ihro'Mefkwiicdig-r 

Nun  folgen  Briefe :  voi>  grösserm  Interesse, 
denn  di<5  Ff  au  konnte  mehr  Antheil  nahmen, 
als  Hagena^er*        '  „::  ,  \r  ..  .  •< .  "  < 

,  4)  Briefe  des  Vaters  an  die  Frau^  und:  Brief- 
chen YQrikW*  A.  Mozart  an  Mutter  und  ScWe- 
ster  auf  der  ersten,  italienischen  Reise  mit  dem 
Sohne,  angetreten  den         December  x/6g  bis 

März  *77*.     .1  [j  : , ,  ,  •, 

6);  Brief*  des  Vaters  an  die  Frau  auf  der 


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zweyten  italienischen  Reis«  vom  li^11  August 
-1771  bis  i5te* Decemberi77i. 

6)  Briefe  des  Vaters  auf  det  dritten  italie- 
nischen Reise  voin  24sUn  Öctober  1773  bis  i3ten 
Marz  1775.  -  :  '       '      '  '  '  :' 

'  '  7)  Briete  cfes  Vaters  ari  die  Fraü,  auf  der 
Reise  nach  Wieft  mit  demr  Sohne,  von* Julius 
1775  bis  2 a8t*Q-  September  1 773.       :  i'1  '  "  % 

8)  Briefe  des  Väters  äh  äfö  FraWj  iulder 
Reise  nach  München  mit  dem -'Sohne,  vom  De- 
cember  1774  bis  7ten  März  1778.        '  W: 

•  Von  jetzt  beginnt  eiri  höheres  Interesse  der 
Briefe  —  Mann  an  Mann.  :  ■ 

9)  W;  A»  Mozart VBriefe  an  seinen  Väter 
Und  die  der  Mutter  an  ihren  Mann ,  'auf  der  Reise 
nach  Paris  mit  der  Mutter  ,  'und  des  Vaters  Ant- 
worten an  Beyde,  vom  September  1777  bis  Ja- 
nuar 1779. ••  '    '  '         '*      '         '  '  " 

to)  Brieiwechsel  W."  A:  Mozart' 8  mit  Vater 
und  Schwester,  auf  der  ftöise  nach  München 
Und  währerfd  seiner  DomicilijMing  in  \Vieh,  vom 
8tftn  Noveinber  178a  bis  Julius  1784.  Die  Briefe 
des  Vaters  gehen  nur  bis  223tei*  März  1781.  :* 

W.  A.  Mozart  war  nun  fcu  beschäftigt,  zri 
zerstreut  und  zu  unabhängig  Vbm  Vater ;  um'tfes^ 
sen  Briefe  zu  verwahren  oder  fleissig  zu  schreiben. 
Im  Jahre  1786  waren  seine  Briefe  äusserst  selten 
und  bestanden  meistens  nur  iri  1 6  bis  i  ii  Zeilen. 


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XVI 


!  Als  1785  der  Vater  den  Sohn  besuchte,  liess 
er  diesen  zum  Maurer  aufnehmen.  Die  Schwe- 
ster Mozart's  meinte,  dass  die  Spuren  davon  iu. 
ihres  Bruders  Briefen  den  Vater  vermocht  haben, 
dessen  Briefe  seit  dieser  Epoche  zu  vernichten. 
Ein  einzelner  findet  sich  vom  Jahre  1787,  den 
dxe  ICrankheit  des  "Vaters ,  der  daran  starb  ,  *m_ 
der  Vernichtung  verhindert  haben  kann,  und  der 
wirklich  auch  eine  Allusion  auf  die  Ordensver- 
bindung .enthält,  welche  der  Vater  aufzubewahren 
Bedenken  tragen  konnte.       *  ,  '  . 

.  \  .Aus  obigem  Verzeichnisse  flieht  man,  dass 
die  wichtigeren  Briefe  W.  At  Mozart9 s  nur  den 
Zeitraum  vom  September  1777  Julius  1784 
begreifen.  Es  sind  zwar  eine  Menge  Briefe  früher 

(  rer,  Zeit  an  die' Sphjvester  da,  sfe.  haben  aber 
wenig  Werth.  Witz,  Lebhaftigkeit  uud  Charak- 
teristik ist  unleugbar  darin,  aber  geschmackloser 

{  .Wite,  kindische,  zum  Theil  pöbelhafte  Mieter- 
keit,.  ja  Ausgelassenheit,  die  sehr  weit  geht, 
machen  das  Meiste  aus;  wenig  von  der  Tom: 
kunst.  Es  gehört  viele  Auswahl  dazu,  um  etwas 
Anziehendes  und  Charakteristisches  b^raty*  zu 
finden,  was  ,mfM  dem  Publicum  bieten  darf, 
ohne  dem. Ruhme  und  der  Achtung  d<^  Namens 
Menschen  zu  schaden.1  r,  (  :  ■. 

svA\<M  <*en  Briefen  W.  A.  Mozart's  von  1777  ^ 
si^  ipa^che  v^  hohem  Werthe.    Aber  da§ 


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XVII 



Ganze  ist  nicht  befriedigend,  nicht  erschöpfend. 
Er  war  kein  Brief-  er  war  ein  Notenschreiber,  und 
damals  beschäftigter,  zerstreuter,  freyer  geworden. 
Die  Briefe  des  Vaters  hingegen  empfehlen 
i&  fast  alle,  und  der  Welt  ist  wohl  damit  ge- 
feit,  sie  zu  kennen.    Der  Mann  ist  schon  an 
äh  merkwürdig,  aber  hier  erscheint  er  zugleich 
als  Vater,  Erzieher,  Bilder  W.  A.  Mozarts} 
besser  und  vollständiger  kann  man  ihn  nicht  ken- 
nen lernen,  als  in  allen  diesen  vertraulichen 
Besserungen ,  selbst  über  anscheinende  Gering- 
fügigkeiten, deren  Bekanntmachung  er  nicht  be- 
rechnete.  Man  sieht,  wie  viele  Bildung  der  Vater 
auf  den  Sohn  übertragen  tonnte.  Seine  Schreib- 
art ist  freylich  die  der  lrüheren  Jahrzehente  des 
vorigen  Jahrhunderts ,  aber  der  Schreiber  war  ein 
gelehrter,  verständiger,  geistreicher,  kluger  und 
umsichtiger  Mann,  ein  Beobachter. 

•Die  Briefe  der  ersten  Sammlungen  sind  voller 
statistischer  Nachrichten,  breiten  sich  über  die 
Sitten  der  Länder  aus  ijnd  verdienten  wohl  den 
Druck.  Sed  non  hic  locus.  Allenthalben  besähe 
er  die  Sehenswürdigkeiten  un 4  besuchte  die  Män- 
ner von  Talent  in  allen  Fächern,  Gelehrte  und 
Künstler  aller  Gattungen  des  Schönen. 

Er  führte  den  Sohn,  auf  den  er  stolz  war,s 
den  er  ein  Wunder  nannte,   allenthalben  mit, 
weckte  dessen  Sinn  für  alles  Schöne  und  bildete 


den  Reichthum  und  die  Vielseitigkeit  der  Ideen 
desselben.   Er  machte  Register  der  Sachen,  der 

  > 

Bekannten  und  Freunde,  Hess  einige  von  W. 
Amadeus  machen  und  verwahrte  sie,  wie  man 
sie  noch  hat.  Kurz,  er  war  ein  Muster  von 
Ordnung,  und  Alles  war  bey  ihm  zweckmässig. 
Auch  scheint  er  Materialien  zu  einer  Biographie 
gesammelt  zu  haben. 

Da  wären  denn  Materialien  zur  Supplirung 
vieler  Lücken  in  den  erschienenen  Biographieen 
Mozart's.  Sie  sind  authentisch,  zusammenhän- 
gend und  bis  gegen  das  Ende  vollständige  Samm- 
lungen mit  vielen  Beylagen. 

Aus  den  Briefen  des  Vaters  an  seine  Toch- 
ter, geschrieben  während  seines  Aufenthaltes  in 
Wien  bey  dem  Sohne  1785,  leuchtet  einige  Kälte 
gegen  diesen  hervor,  welche  sich  mitgetheilt  ha- 
ben kann.  Auch  dieses  mag  die  Lauigkeit  des 
darauf  folgenden  Briefwechsels  erklären,  so  wie 
es  von  der  Unabhängigkeit  des  Sohnes,  an  die 
der  Vater  nicht  gewöhnt  war,  zum  Theil  erör- 
tert werden  kann. 

Uebrigens  war  auch  der  Sohn  mit  seinem 
Besuche  in  Salzburg  1783  nicht  recht  zufrieden 
gewesen.  Er  hatte  gehofft,  dass  man  seine  Frau 
mit  einigen  seiner  Jugendgeschenke  erfreuen 
würde,  welches  gänzlich  unterblieb. 

Die  Briefe  gehen  von  176a  bis  1784,  wo 

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XIX 

dann  der  von  W.  A.  Mozart  geführte  thematische 
Katalog  anfängt.    Die  einzigen  Lücken  sind  von 
den  Zwischenräumen  der  Reisen,  die  Mozart  in 
Salzburg  zubrachte.    Um  einen  guten  Theil  der 
Chronologie  seiner  Werke  und  Beschäftigungen 
zu  haben ,  bedarf  es  nur  noch  des  Verzeichnisses 
der  Werke  vor  1784,  welches  Herr  Andre  in 
Offenbach  hat  und  welches  derselbe  bald  heraus 
zu  geben  sich  erklärt  hat 

Nicht  leicht  hat  sich  der  Enthusiasmus  für 
einen  Tondichter  je  so  lebhaft,  so  allgemein  und 
so  lange  erhalten ,  als  für  Mozart.  Auf  welche 
Art  wird  er  nicht  gefeyert!  —  Kein  gemütli- 
ches Werk ,  worin  er  nicht  genannt  ist !  —  Kein 
Dichter,  der  ihn  nicht  besingt !  —  Und  34  Jahre 

sind  schon  verflossen!  —  

Freylich  hat  er  durch  den  Einfluss,  den  er 
auf  die  Veredlung  und  Verschönerung  des  Lebens 
ausgeübt  hat,  und  noch  ausübt,  durch  seine 
Werke  sich  das  bleibendste  Denkmal  gestiftet. 

Doch  hat  man  seine  Biographie  nicht!  So- 
genannte giebt  es  wohl  gegen  Zwanzig,  wovon 
D.  Lichtenthai  die  Namen  gesammelt  hat:  17  oder 
18  davon  sind  indess  blosse  Abschriften.  Nur 
Schlichtegroll,  Niemtschek  und  vielleicht  der  Ver- 
fasser von  „Mozarfs  Geist«  haben  aus  Quellen 
geschöpft.  Sie  verdienen  aber  alle  Dank  für  die 
Versuche,  die  sie  geliefert  haben,  da  sie  Alles 


XX 

gaben,  was  ihnen  zu  Gebote  stand,  wenn  ihre 
Leistungen  auch  nur  Skelette  blieben  und  blei- 
ben musstcn ,  weil  ihnen  die  Materialien  fehlten. 
Der  Nekrolog  bekam  die  seinigen  von  MozarVs 
Schwester,  an  die  er  gewisse  bestimmte  Fragen 
gerichtet  hatte,  auf  deren  Beantwortung  sie  sich 
einschränkte  und  auch  nicht  viel  weiter  hätte 
ausbreiten. können.  Niemtschek  hatte  W.  A.  Mo- 
zart selbst  und  seine  Frau  in  einigen  Jahren 
gekannt. 

Keiner  von  allen  aber  wusste  diese  Briefe, 
ohne  welche  Kenntniss  nichts  von  einigem  Be- 
lange zu  leisten  möglich  ist,  da  es  Briefe  sind, 
deren  Vollständigkeit  aus  dem  Datismus  deren 
fortlaufender  Ordnung  erhellt.  Diese  Briefe  ent- 
halten Nachrichten  von  Reisen  ausser  der  aller- 
ersten drey  wöchentlichen  nach  München  1762. 

In  den  Briefen  selbst  ist  Vieles  in  Chifferrt 
geschrieben,  damit  der  Erzbischof ,  mit  dem  sie  so 
viele  Ursache  hatten  unzufrieden  zu  seyn,  ihre 
Aeusserungen  und  Plane  nicht  erfahren  konnte. 
Ich  habe  alle  Pläne  dechiffrirt  Es  waren  zwey 
Chifiern : 

In  der  einen  bedeuteten  die  Buchstaben  a,  e, 
i,  o,  u,  nachstehende  m,  1,  f,  r,  h,  und  umgekehrt 
m  wieder  a,  1  wieder  e,  u.  8.  w.;  alle  anderen 
Buchstaben  des  Alphabets  blieben  unverändert: 

Der  zweyteii  Chiffer  war  gar  nicht  anzu- 

» 

m 


XXI 

merken ,  class  sie  eine  war ;  sie  war  etwas  müh- 
sam zusammenzusetzen.  Die  Anfangsbuchstaben 
jedes  Substantivs  musstcn  zusammengebracht  wer- 
den, um  den  verdeckten  Sinn  zu  finden;  z.  B. 
die  Stadt  hat  ein  Alter,  welches  die  Ursache 
ihrer  Leiden  ist,  hiess:  SauL  Die  ausnehmende 
Vorsichtigkeit,  Umsicht  und  Klugheit  des  Vaters  * 
ist  in  dem  Gebrauche  derselben  zu  erkennen. 
Manchmal  fragt  man  sich  sogleich,  warum  er 
diess  oder  jenes  chiffrirt  hat;  man  findet  aber 
immer  eine  gegründete  Ursache. 

Die  Briefe  sind  als  Sittengemälde  einer  vor- 
übergegangenen Zeit  nicht  un merkwürdig.  Wie 
diese  Briefe  zu  benutzen  sind: 

De  mortui*  nil ,  nisi  benel 

De  mortui*  nil.  nisi  verel 

- 

(Vcrschweigiwg  ist  schon  Unwahrheit) 

Der  Mann  soll  gezeigt  werden,  wie  er  war, 
diess  ist  die  Forderung  an  den  Biographen,  der 
aber  durch  gar  viele  Rücksichten  gehemmt  wird. 

• 

Es  mag  wold  von  einem  neulich  Verstorbenen 
keine  treue  Lebensbeschreibung  existiren,  in 
welchem  Falle  man  sich  begnügen  muss,  sich 
der  Wahrheit  und  der  Genauigkeit  zu  nähern. 
Man  will,  man  darf  seinen  Helden  nicht  öffent- 
lich ganz  so  zeigen,  wie  er  sich  etwa  selbst, in 
Abenden  der  Vertraulichkeit  geschildert  hat: 
könnte  er  befragt  «werden,    würde  er  es  selbst 


> 


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schwerlich  zugeben:  er  war  und  bleibt  der  Herr 
seiner  Worte,  die  er  hätte  ungeschrieben  lassen 
können,  und  die  er  nicht  hinschrieb,  als  für 
einen,  dem  er  beichten  wollte.  Er  hatte  Schwä- 
chen, Fehler,  die  er  etwa  später  verbesserte, 
welches  man  nicht  etwa  Gelegenheit  hat  zu  zei- 
gen. Durch  alle  Wahrheit  kann  man  seinem 
Ruhme,  seiner  Achtung  und  dem  Eindrucke  sei- 
ner Werke  schaden*  In  diesen  Briefen  kommeni 
von  allen  Seiten  sogenannte  unanständige  Aus- 
drücke vor,  die  es  zu  der  Zeit,  in  dem  Lande 
weniger  waren,  und  die  wohl  Jedermann  sich 
gegen  Verwandte  mehr  oder  weniger  noch  im- 
nier  erlaubt.  Sollen  diese  ausgemerzt  werden? 
Wenn  von  solchen  Personen,  ja  Freunden  oder 
Lehrern  und  Wohlthätern  des  Helden  Uebles 
auch  Wahres  gesprochen  wird,  wirft's  Schalten 
von  Undankbarkeit,  was  man  zu  sagen  gern 
vermeidet? 

Nun  leben  auch  noch  einige  jener  Personen 
oder  ihre  nahen  Anverwandten,  es  betrifft  einen 
Fürst -Erzbischof  —  man  scheuet  sich. 

Und  der  Held  wird  nicht  ganz  geschildert 
—  die  Menschenkenntniss  hat  durch  die  Biogra-  | 
phie  nicht  Alles  gewonnen,  was  sie  konnte,  hat 
nicht  gehörig  zugenommen. 

Es  könnte  heissen,  man  wünsche  nur  die 
Briefe  W.  J.  MozarVa  zu  kennen ;  wer  verlangt 


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die  de«  Vaters?    Aber  hier  ist  in  den  ersteren 
Biographie,  und  die  späteren  machen  einen  Theil 
des  Briefwechsels  mit  dem  Sohne  aus,  dessen 
Briefe   ohne  die  Mittheilung  der  anderen  nicht 
'   verständlich  wären.     Dazu  kommt,   dass  nicht 
allein  der  Verfasser  der  Violinschule  ein  höchst 
schätzbarer  Mensch  war,    sondern  dass  seine 
Briefe   eine  fortlaufende  Erziehung  des  Sohnes 
sind,  dass  sie  mithin  im  Ganzen  weit  mehr  In- 
teresse als  die  des  Sohnes  haben  und  sich  immer 
auf  ihn  beziehen.   Man  lese  sie  daher  und  hof- 
fentlich wird  man  sie  mit  Vergnügen  gelesen 
haben.  . 

Auch  sind  darin  viele  Kleinigkeiten  und  un- 
bekannte Namen  aus  einer  Zeit,  die  nicht  mehr 
ist  In  so  fern  sind  sie  aber  Literatur  zur  Ge- 
schichte  der  Musik  und  Kunde  von  Künstlern, 
fragmentarische  Chronik,  wie  man  sie  in  voriger 
Zeit  nicht  sammelte,  wie  man  in  jetziger  Zeit 
zu  thun  pflegt,  und  so  habe  ich  wohl  manchem 
Menschen  wenn  auch  meistens  nur  Nachrichten 
geben  können.  #  j 

Aus  den  Briefen  lernt  man  einige  Compo- 
sitionen  MozarVs  kennen,  von  deren  Existenz 
Niemand  mehr  etwas  wusste,  und  wovon  viele  . 
vergebens  gesucht  wurden.  Wären  die  Briefe 
für  den  Druck  bestimmt  gewesen,  so  würde 
sicher  ihr  Inhalt  gewichtiger.    Aber  so  zeigen 

■ 

» 

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XXI Y 

\ 

sie  die  Menschen  J  wie  sie  waren,  sind  somit 
charakteristischer  als  wenn  sie  zierlicher  wären, 
wo  sie  in  familiärer  Nachlässigkeit  von  Herz  an 
Herz  geschrieben  sind. 

Gar  zu  kindische  und  gemeine  Spässe  findet 
man  noch  in  7V.  A.  MozarVs  Briefen  von  seinem 
21*tcn  jahre,  wo  überhaupt  sein  Leichtsinn,  sein 

übermässiger  Hang  zur  ausgelassenen  Lustigkeit 

i 

ersichtlich  ist  Seine  Ausdauer,  vtrenn  ich  so 
sogen  kann,  in  letzterer,  die  Muhe,  der  er  sich 
dabey  unterwerfen  konnte,  bezeugen  vielfältig 
die  P.S.  seiner  Briefe,  die  hier  nicht  alle  gege- 
ben sind.  Uebrigens  behielt  er  die  jugendliche 
Spaassmacherey  bis  an  seinen  Tod.  • 

In  neueren  Zeiten  hatte  sich  Mozart  so  sehr 
angewöhnt,  Gedankenstriche  zu  machen,  dass 
ihrer  in  allen  seinen  Briefen  unendliche  sind. 
Seiner  Frau  hatte  er  wenig  geschrieben,  da  sie 
fast  stets  bey  einander  waren,  und  die  wenigen 
Briefe  sind  kein  zusammenhangendes  Ganze,  da 
sie  nur  seine  stete  Geldnoth,  eine  ungezügelte, 
alle  Schranken  überschreitende  Ausgelassenheit 
und  eine  ungemeine  Zärtlichkeit  für  seine  Frau 
bezeugen. 

(So  weit  gehen  Nissen**  JVorte.) 


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Subscribentenverzeichniss, 


St  Majestät ,  der  Kaiser  von  Oestreich 
Uro  Majestät,  die  Kaiserin  yon  Oestreich 
Sc.  Majestät,  der  König  yon  Dännemark 
Ulto  Majestät,  die  Königin  yon  Dännemark 
Se.  Majestät,  der  König  von  Baiern 
Duo  Majestät,  die  Königin  von  Baiern 
Se.  Majestät,  der  König  von  Sachsen 
s   k.  K.  Hoheit,  der  Vicekönig  v.  Italien 
Ihro  K.  K.  Hoheit,  die  Vicekönigin  v.  Italien 
Diro  Majestät,  die  Herzogin  von  Parma 
Se.  Königl.  Hoheit,  der  Grossherzog  von 

Sachsen  -  Weimar  -  Eisenach 
Se.  Durchlaucht,  Friedrich  Joseph ,  Fürst 

von  Schwarzenberg,  in  Salzburg 
Se.  Durchlaucht,  Fürst  von  Lichnovsky, 

in  Troppau 

Se.  Fiirstl.  Gnaden,  Fürst  -  Erzbischof 
Augustin  von  Gruber,  Primär  von 
Deutschland,  Sr.  Majestät  wirkL 
Geheimer  Rath  zu  Salzburg 

Catharine ,  Freifrau  von  Frimont  v.  An- 
I  9 

trodoco,  geb.  Mitterpacher  von 
Mitternburg. 


I 

XXVT 


Berlin. 

Se.  Majestät,  der  Konig  von  Preussen 
Se.  Königliche  Hoheit,    der  Kronprinz 

von  Preussen  ................................. 

Se.  Königliche  Hoheit,  der  Prinz  Wilhelm 

von  Preussen,  Sohn  Sr.  Majestät 
Se.  Königliche  Hoheit,  der  Prinz  Carl 

von  Preussen  ;  

Ihro  Königliche  Hoheit,  die  Prinzessin 

Carl  von  Preussen.  ...................... 

Se.  Königliche  Hoheit,  der  Prinz  Albrecht 

von  Preussen  

Se.  Königliche  Hoheit,  der  Prinz  Wil- 
helm von  Preussen,  Bruder  Sr. 

Majestät.  

Se.  Königliche  Hoheit,  der  Prinz  August 

von  Preussen  

Se.  Königliche  Hoheit,  der  Herzog  von 

Cumberland  

> 

Se.  Hoheit,  der  Herzog  Carl  v.  Mecklen- 
burg -  Strelitz.  .............................. 

Se.  Durchl.,  der  Fürst  Radzivill  

Se.  Durchlaucht,  der  Fürst  zu  Sayn- 
>  Wittgenstein,  Königl.  Ober-Kam- 
merherr und  wirklicher  Geheimer 
Staats -Minister  


f 


I 


xxVn 


Herr  Graf  Ton  Alopeus ,  Excellenz,  KaiserLRuss.  J 
Gesandter  in  Berlin 

—  Baron  von  Altenstein,  Excellenz,  König!. 

wirklicher  Gcli.  Stünts  —  Älimstcr 

—  Baron    von   Braudel,  Excellenz,  Königl. 

Schwedischer  Gesandter  in  Berlin 

—  von  Brochhausen,  Excellenz,  Königl.  Ge- 

-  heimer  Staats  -  Minister 

—  Bimsen,    Königl.  Geheimer  Legationsrath 

und  Minister -Resident  am  päpstlichen 
Stuhle 

—  Graf  von  Gneisenau,   Excellenz,  Königl. 

General  -  Feldmarschall 

—  Graf  von  Hatzfeld,    Excellenz,  Königl. 

wirklicher  Geheimer  Rath 

—  Graf  v.  Luxburg,  Excellenz,  Königl.  Baier. 

Gesandter  in  Berlin 

—  von  Motz,  Excellcnz,  Königl.  wirklicher 

Geh.  Staats -Minister 

—  von  Nagler,  Excellcnz,  Königl.  General  - 

Postmeister  und  Gesandter  am  deut- 
s  c  Ii  c  1 1  33 u ndcs 

—  Baron  v.  Beden,  Excellenz,  Königl.  Han- 

noverscher Gesandter  in  Berlin. 
Sir  Brook   Taylor,  Excel  lenz,  Königl.  Gross - 

Britanischer  Gesandter  in  Berlin 
Herr  Graf  von  Trautmannsdorff,  Excellenz,  K.K. 

Oesterreichischer  Gesandter  in  Berlin 

—  von  JVatzdorff,  Exccllenz,  Königl.  Säch- 

sischer Gener allicutcnant  und  Gesandter 
in  Berlin 


Königliche  Kapelle  inBerlin. 

Herr  General  -  Musikdirector  Spontini 

—  Kapellmeister  Seidel 

—  Kapellmeister  Schneider 

—  Musikdirector  Moeser 

—  Conccrtmcistcr  Seidler 

—  Conccrtmcistcr  Henning,  senior 

—  Ballet -Iltpetitcur  Flügel 


xxvur 


Kammer  musike 


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xien 

♦  Henning,  jun. 

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Hertel 

JJam 

Ries  » 

Gans 
Barnewitz 

Hauch 

— 

JVinaur 

Langenhaun 

Vidal 

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Zimmermann 

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Spiets 

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Böhmer 
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J'ACfiüaiim 

Kolbe 

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Menge» 

Mohs 

Hemmers 

JViejfrecht 

JValpurger 

Brendecke 

Ulrich 

Semler  / 

Gareis 

TTIrLrh 

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Couriard 

Krüger 



Richter,  Vater 

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Gährich 

Richter,  SoUii 

Hilmer 

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KKeQlT 

Ganz 

Nestler 

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Herr  Cubelius 

—  Schmidt 

—  Bock 

—  Birnbach  S  o 

—  Griebel,  Sohn       f  J 

—  Just 

—  Topfer  J 

—  Sc/i  neider 

—  Lisold 
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—  Schlecht* 

—  Rudolff  \  M 

—  Weiss  (  g 

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—  Issermann  j  ^ 

—  Hancks  ) 


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—  Gabrielsfy,  d.  ä.  f  c 

—  Petzoldt 

—  HorzUzhy  |  g 

—  Gabrielsky,  d.  j. 

—  WestenhoU 

—  Hambuch 

—  Cr/^/,  <L  j. 

—  G/x>**  S  o 


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—  Tausch  * 

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—  Tamm 

—  Schick 

—  Nehrlich 

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—  Bärmann  \ 
-Humann  o 

—  CWe^/,  Vater    V  £ 

I  E!  I  * 

—  Up  J 

Desargus,  Harfenist 

—  TtfcA*,  Klavierspieler 


XXX 


Ijcrr  Lenx*  * 

—  Schunke,  Vater 
— -  Bliesener, 

—  Pfaf* 

—  Zerner 

—  Stölzel 

—  SchunkeL,  Sohn 
— ■  SchunkelLSohn 

ri  Schubert 

—  Bagans 

—  JVendroth 


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Iii 


—   Hentschel,  Pauker 


W4  Jirenske 

'— —  Ludwig 

~  5cÄtf/s  ]  Triangel 

—  Hemme]  Trommel. 


} 


Posannen. 


'  .  Accessisten. 

—  Ronneburger  \ 

~  VioHne. 

—  JVendick*     )  i 


—    Benelli,  Professor  der  Gesangschulo. 
Dlu  Schmäh,  Gesanglehrerin.  ( 
Herr  JLeidel,  Chor-Director. 

i  <  ■ 

Herr  Wibrecht,  Königl.  Geh.  Cahinetsrath 
-i-    C.  /f.  Amelang 


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«0 


. —  Baron  v.  Arnim,  Königl.  Kammerherr 

,—  Graf  v.  Arnim,  Königl.  Kammerherr  und 
Domkapitular 

—  Graf  v.  Arnim,  Rittmeister  a.  D. 

—  Arnold,  Musiklchrer 

—  Bach,  Organist 

—  Bader,  Königl.  Sänger 


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XXXI 

•  •       ■    —  ■*  —  — 

•  ,  .1 

Frl.   Albertine  v.  Barddeben 
Herr  Bardt,  Kaufmann 

—  Bauer ,  KönigL  Justiz  -  Commissarius 
D11*   Bauer,  KönigL  Schauspielerin 
Mad.  Amalie  Beer 

Herr  Heinrich  Beer,  Banquicr 

—  WUh.  Beer,  Banquicr 

—  Begösse,  Professor 

—  Behrnauer,  KönigL  Geh.  Ob.  Regierungsrath 
JVfacL  L*  Benecke 

Herr  Wilhelm  Berger  . 

—  Bernard,  Kaufmann 

—  Bitthow,  Kammergerichts  -Referendarius 

—  Heinr.  Blume,  Königl.  Sänger 
Frau  v.  Boguslawshy 

Herr  Brassert,  KönigL  Kammergerichtsrath 

—  EratscnecK ,  itector 

—  Breiting,  KönigL  Sänger 

—  Graf  von  Brühl,  General  -  Intendant  der 

Königl.  Schauspiele 

—  Busolt,  Königl.  Sänger 

—  Calcara,  Kapellmeister 

—  /.  Coulon,  KönigL  Hofrath 

—  Crelinger,  KönigL  Geh.  Kriegsrath 
Mad.  Crelinger,  KönigL  Schauspielerin 
Herr  Crelle,  KönigL  Geh.  Ober -Baurath 

—  Cursch,  Königl.  Reisepostmeister 

—  Dehn,  Attache  bei  der  KönigL  Schwedi- 

schen Gesandtschaft  i 

—  Delcour,  Schauspieler  aus  Paris 

—  Louis  Delmar ,  Banquicr 

—  Devrient  junior,  KönigL  Sänger 
Mad.  Dötsch,  KönigL  Schauspielerin 

Herr  Duncker,  KönigL  Geh.  Ob.  Regierungsrath 

—  Ebers ,  KönigL  Lieutenant 

—  Ebers,  Musikdirector 

—  Joachim  Ebers ,  Banquier 

—  Victor  Eber»  ,  Banquicr 

—  Eichhof,  Buchhändler 

—  D*  Elben 

—  Engelhardt,  Gutsbesitzer  * 

—  JVilh.  Ermeler ,  Kaufmann 

—  Esperstedt,  KönigL  Hofrath 


XXXTI 

Herr  Eunicbe,  Königl.  Sanger 

—  C.  JSmanuel  Ezechel,  Königl.  Geh.  Commer- 

z\pnrath 
mmm    Heinr.  Ezechel,  Banguier 

—  A.  Falkmann 
Frau  Dr  Förster 
Mad.  Fränhel 

—  Friebe ,  gel).  Wach 

Herr  A.  Friedländer,  Kaufmann 

—  Gäde,  Königl.  Justizrath 

—  Eduard  Gehe,  in  Dresden,  Grosshcrzogl. 

Hessen -Darmstädtischcr  Hofrath 

—  Gern,  d.  Sohn,  König],  Schauspieler 

—  Gern,  d.  Vater,  König].  Sänger 

  jy  v.  Gräfe,  Königl.  General  -  Stabs  -  Arzt 

und  Geh.  Ober  Medizinalrath 
>— ^    Graw ander,  Musicus 

—  Greulich,  Musiki  ehrer 

—  Gropius ,   Königl.  Theater  -  Inspektor  und 

Decorations  -  Maler 

—  -v.Grunenthal,  König], Geh. Ob. Finanz-Rath 

—  v.  Hänlein,   Königl.  Legationsrath  u.  Ge- 

schäftsträger am  Churf.  Hofe  zu  Cassel 

—  Hansmann,  Königl.  Geh.  exped.  Secrctair 

—  Heilborn,  Königl.  Lieutenant 

—  Heütvig,  Musikdircctor 

—  Henschel,  Maler 

—  Hertlots,  Iii cater dichter  bei  der  Kön«  Bühne 
  Heun,  Königl.  Geheimer  Hofrath  ' 

—  Heuser,  König],  Geh.  Rcgistrator 

—  A.  Hirschwald,  Buchhändler 
Dlu  Hoffmann,  Kömgl.  Sängerin 
Herr  C.  von  Hollei 

Dlu  Honig 

Fr.  v.  Horn,  geb.  Graun 

Herr  Alexander  von  Humboldt,  Königl.  Kam- 
merherr 

—  Jacobson 

—  Jacoby,  Königl.  Hofrath  und  Rendant 

—  Jordan 

—  Jordan,  Königl.  Geh.  Justizrath 

—  t.  Jvernois,  Königl.  Major 

—  Jungken,  Professor 


] 
1 


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XXXTII 

■ 

Herr  X.  Junge,  Kaufmann 

—  Kisting,  Instrumentenmacher. 

—  C.  Klagt '  9  Musüd  ehrer  * 
— —    Bernhard  Klein 

— -    Joe,  Klein  ,      . . 

—  Hobes ,  Rentier 

—  äö/s,  Königl.  Geh.  Kriegsrath. 
— •   Baron  von  König 

—  Körner ,  Königl.  Geh,.  Ob.  Rrgicrungsrath 
C.  F.  Äor» 

—  Krahmer,  Königl.  Baurath 

—  Kremnitz,  Königl.  Hofrath 

—  Krüger,  Königl.  Schauspieler 
Frau  Professor  Krüger,  geb.  iüunicke 
Herr  Baron  von  Krull 

—  v.  Lestocq,  Königl.  General  -  Major 

—  Lettow ,  Königl.  Ii  eieren  dar ius 
Baron  von  Lichtenstein 

—  Lichtenstein,  Professor 

—  Limberger,  Kaufmann  .   •    .  . 

—  Loos ,  Königl.  Münzrath 

—  Ludolf,  Königl.  Justizrath 

—  Marchqnd,  Königl.  Justizrath  ,., 

—  Baron  Carl  v.  Martens 

—  D*  A.  Martern  \ 

—  Marx,  Königl.  Refcrcndarius  fcl 

—  v.  Massow ,  Königl.  Kammcrhcrr  und  Hof- 

marschall Sr.  K.  H.  des  Kronpru 
—    Matton,  König].  Geh.  Rcgistrajor  ,  , 

—  Maurer,  Buchhändler  , 

—  Felix  Mendelssohn  i, ..  •  «  v- 
Dlu  Marie  Mendelssohn 

,—    Carl  Merz,  Musiklehrer 
— -    Metzle .  Scehandlunes  Buchhalter 


f  •  .  .| 


Mad.  Milder,  £önigl.  Sängerin 
Herr  Moser,  Königl.  Baurath  « 
.  —    Müller,  Königl.  Geh.  Kriegsrath  / 

Naumann ,  Stadtrath 
—     Neithardt,  Königl.  Stabshautboist  t  n 
.  T"  i  Nicolai,  Königl.  Divisions  -  Auditeur   .  t fc 


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I  / 


Herr  Nicolovius ,  König! 
.  rungsrath 
-u    Graf  v.  Kostitz, 
Gen. -Adjutant 
Dr  von  Olfen,  Kc._p_. 
—    JD.  Oppenfeld ,  Banquier 
-r    M.  Oppenfeld, 
_  Otto 


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Legatio  nsT  a  th 


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—  Dr  Parthey 

—  Pascal 

—  Patzig,  König].  Geh.  Regierungsrath 
DUo  Per  thaler,  aus  Grate 
Herr  Plantier,  Kaufmann 
^  —   D*  S.  L.  Plehn 

—  von  P Lessen,  König!  Lieutenant 
»—    Dr  Georg  Pölchau 

—  Rauch ,  Professor 

—  'Raumer,  Profescor 

—  *  Ravene1,  Königl.  Hof iihrmaehef 

Rebenstein    Königl.  Schauspieler 
'  — —    Graf  von  Redern ,  König K  Kammerherr* 

—  £. Reimann ,  Kaufmann 
< —    £.  Rellstab 
Mad.  Marie  Richter 

—  Robert ' 
Herr  Ludwig  Robert 

—  Rönisch,  Königl.  Solo  -  Tänzer 
1  -j-    Rother,  Königl.  Präsident 
i         Rungenhagen ,  Musikdirector 

—  D*  Rust,  Königl.  Gen.  Stabsarzt  und  Geh. 

Ob.  Medizinalrath 
I  _    Sola,  Kaufmann 

—  Schadow,    Dircctor  der  Academie  der 

Künste 

Frl.  v.  Schätzel,  Königl.  Sängerin 
Herr  v.  Scheue,  Königl.  Präsident 
:  4-    Schinkel,  Königl.  Geh.  Ober  -Baurath 
•'  4"         M.  Schlesinger,  Musicalienliandler 
'  —    J.P.  Schmidt,  Königl.  Hofrath 

—  Schoch,  Königl.  Geh.  Registrator 
Ff.  v.  Schüu 


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XXXV 


Fj  W.Schultze,  JKaufmana  ;    „  n 
Jtlad.  Schulze ,  Küni^  I.  Sängerin 
Herr  Schweder si y ,  Kaufmann 
Herr  Graf  von  Schwerin,    £önigl.  Kammcrgc 

*  riebtsratb 
 Df  Carl  Seidel 

—  Seijfart 

.  —   Semmler  ,  König].  Gell.  R  cgiern ngsratfi 
£>IU  Solmar 

—  llenriettc  San  tag ,  Königl.  Kammersängerin 
Jlcrr  Solzmann,  Königl.  Geb.  Ob.  Finauzratb 

—  Graf  v.  Spauer 

—  LT  S/u'i*>r 

—  Snitzeder  San  cor  a.  Köniasstadtiscben  Thea 

i  ter  • 

Mao.  Spontini  \ 
litrr  Stawinfibx)  Regisseur  der  Königl.  Scbau 
,  »  spiele 

—  Steibelt,  Königl.  Hof-Instmmentenmacbcr 
4-    von  Steinsdorf,  Königl.  Ilofratb 

—  von  Strampff 
T-   Ä*w.  Stumer,  Königl.  Sänger 

—  Stuhr ,  B  u  cbl  la  n  d  1  er 

—  SiuümüUer,  Königl.  Solo -Tänzer 

—  Teichmann,  .Kaufmann 

—  Teichmann,  Kon.  Geb.  exped.  SecreUir 
.  —    TWfe,  König).  Bajletmeistcr 

—  Ternüe,  Kön.  Hofmaler  Gallericdirector 
^Thursclwdt  . 

DUc  Constanze  Tibaldi  . 
Herr  71**,  Professor 

—  Titus  ,  König].  Balletmeister 

—  T.  Trautwein,  Buch-  u.  Musiealienbändlir 

—  von  Tschirschfy,  KönigL  Geb.  Ob.  Tribn- 

nalsratb 

—  Tzschoppe,  Königl.  Geb.  Regier ungsratb 

—  U/rici,  Kaufmann 

—  Unzelmann,  Königl.  Sebanspiclcr 

—  Valentina,  Prpfessor 

—  Varnhagen  v.  Ense,  Königl.  Geb.  Lcgations- 

Rath 

NT  ad.  Viewe&  « 
Herr  Wach,  .?rafc«or      _  ; 


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Herr  Wagener,  Kön.  Hofstaat«- 

Höh.  des  Prinzen  Carl  von  Prenssen 
Herr  Wagenfuhr,  Buch-  u.  : 
Fr.  Ober  -  Medizinalrätinn 
Herr  Wauer ,  Königl. 

—  W egener,  Kaufmann 

—  Weitzmann,  Königl.  Sänger 

—  Weiler,  Königl.  Stabshautboist 

—  Wichmann,  Professor 
'  —  Königl.  Kammergerichtsrath 

—  Wutich,  Buchhändler 
Frau  Generalin  von  Witzleben 
Herr  Aug.  Worlitzer ,  Banquicr 

_    Wolfram,  Bürgermeister  in  Töplitz 
Wustrow,  Königl  Hofrath  • 

Königsstädtischen 


Theater« 


Die  musikalische  Akademie  m  München 
Herr  §4derholz,  Buchhändler  in  Breslau 

—  Aiblinger ,  Königl.  Kapellmeister  in  München 

—  Dr.  Albert,  Abt  zu  St.  Peter  in  Salzburg 

—  Baron  Schweizer  von  Aisina ,  in  Hamburg 

—  Hofrath  Andri  in  Offcnbach  a/M. 

—  Artaria  u.  Comp.,  in  Wien 

—  Matthia*  Artaria,  in  Wien 

—  Aschenfeldt,  I.,  in  Lübeck 

—  Graf  Jgnaz  von  Aiterns,  Excellenz,  Lands- 

hauptmann in  Graz 

—  C.  Bachmann,  Hofmusikhandl.  in  Hanover 

\9  Seminarist  in  Querfurth 

\,  Buchhändler  in  Eisenach 
Frau  Josephine  v.  Baroni,  geb.  Gräfin  Castiglione 

in  Lemberg 
Frau  Gräfin  von  Bathyany  in  Mailand 
Herr  IC  Bartweh,  Archidiac.  zu  Pirna  a.  d.  Elbe 


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August  Johann  Baumeister,    Rechnung*  - 
Official  des  K.  K.  Hof baurath«  -  Filial  - 
1  Departem.  zu  Lemberg 

•  —    C.  Bäche,  Flötist  in  Leipzig 

—  Perthes  u.  Besser,  Buchhändler  in  Hamburg 

—  B.  F.  Beutler,  Musikdirector  in  Mühlhauscn 
Die  Bibliothek  des  Kön.  Hoftheater«  zu  München 
Herr  Black  Young  et  Young  in  London 

—  von  Bö  deren  in  Groningen 

—  Maximil.  Böhme,  Königl.  Baier.  Hofmusicus 

in  München 

—  Moritz  Böhme,  in  Stettin 
Börne,  geb.  von  Rönne,  Justizräthin  in  Preetz 


ral-l 

—    Bohne1 ,  in  Cassel 


•,  in 


fin 


in  Carlsruhe 
von  Bretfeld,  geb.  Grä 
Ahlefeid  in  Verona 

in  Rovercdo 
in  Copcnhagen 


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l 


—  Bürhly,  Obrist-  Lieutenant  u.  Vicepräsident 

d.  allg.  Musikgcsellschaft  in  Zürich 

—  Anton  W.  Bundesmann ,  K.  K.  Einrcichungs- 

Protoc.  Adjunct  bei  der  Gr  all.  Kammer- 
Procuratur  in  Lemberg  / 

—  Busch,  Buchhändler  in  Altona 

—  Fr»  Campe ,  Buchhändler  in  Nürnberg 
MacL  Catherina  Conti ,  Königl.  Hof- Oper-  und 

Kammersängerin  in  Württemberg 
Herr"  Jo.  Nepom.  Cavaüo ,   Königl.  Hofmusicus 
in  München 
von  Cornelius,  Ritter,  Königl.  Director  d. 

bildenden  Künste  in  München 
Jos.  Georg  Cornet,  K.  K.  Forstadjunct  bei 
deT  Gefällen  Verwaltung  für  Tyrol  und 
Vorarlberg,  zu  Inspnick 

—  Crotersche  Buchhandlung  in  Jena 

—  Ludwig  Crophius,  Abt  des  Stiftes  Thein  in 
•    1  Grä* 


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, ,(ü  oonte)  in  Wien 
i,  (ü  confcs)  EsceUenz, 

in  Wien;    :      •  ; 
C.  DUUr,  Buchbinder  in  Pirna  *.  d.  £U>q 


Nonnenberg  in  Salzburg  v 
Heinrich  Dusens jr  in  Prag    ni  » 

*     i  r...    i ••••».    •  .>**  *  .    m  v 
Engelmansv,  Buchhändler  in  Leipzig 
Faustin  Ens,  Prof.,  dei  Musetun»  in  Troptonu 
i,  geb.  Graumann  in  Mailand 

din 


i  —  CÄr.  iEW,  in  ZitUÜ       v  it  .  ■ 

4r  !  X  C  Falkenberg  in  CobltoÄ    M    »■  / 
+-    FedrigoUi  in  RoYcredo    '  -^O  .  vV  . .'. 


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.•     _  t 


Carl  Ferga  in  Prag      J.u  \A 
—  ,  Dft:/Wvf«*B,  Arzt  in  Pirna  a.  d.  Elbe  ; 
JViad  von  flhfry  geb.  Kanzler,  MinirterialrätUin 

i  in  München  .  ;    I  .  .  A\  .  \ 

Herr  CG.  Förster,  AfujiUHenhandJ.  in. Breslau 
,  +m  Ant.  Ton  Frantin,  Tyrokr  Landmann  urtd 
<.  :  K.  K.  AppeUatioiMgcricUUrcpotitor  zh 

i  1  n spr u ck.  i 

Franzi ny  ZU  Inapruck  1  m  » 

l  —  /^^ricA3uch.u.Mn8.Hdlg,uiFrankf.a/M. 
7?»  Frommann   Buchhändler  in  Jen*       '  • 

|  t 

j.    .  •  ••«•IN 

J7«try  GaÄ*  in'  Hamburg        .       >  . 
!  —    Freyherr  Gustav  van  Geramb,  Lieutenant 
de»  IQ  KgerbataiD.  in  Trupp**  , 
_    iV.  Gereon,  .Großhändler  inCopenhage» 
,Mad.  Elise  Goldstein,  in  Prag 
.Herr  Jos.  Gosztonyi  von  Gowo/iy»  u.  Kövea-Sza- 
ry ,  R.  A#^a        W.  m;  f,  O.  ft  in 


XXXIX 

Herr  Gräfe,  Buchhändler  in  Leipzig 
mmm    Cr äff f  Buchhändler  in  St.  Petersburg  I 

—  Till  von  Griesinger,  Konigl.  Sacks.  Legati- 
|         uns  rat  Ii  am  Wiener  Hofe 

— •    Graf  von  Camilla  Gritti  in  Mailand 

—  Graf  von  Griinne,  König].  Niederl.  Gene- 

ral -  Lieuten.  u.  B 
jPrankfurt  a/M. 


Dr.  S.v.  Häher l,  Ob.  Medicinalr.in  München 

Louis  Hähne  in  Altona  i 

0.  F.  Hagen ,  Weinhändler  in  Copenhagcn 

Franz  Hanfstaengl,  Lrthograh  in  München 

Jos.  Hannes,  Claviermeister  in  München 

Hartleben  f  Buchhändler  in  Perth  . 

Graf  Front  von  Hatüg,  Exccllenz,  in  Gräz, 

(Gouverneur  in  Steiermark) 
Haueisen,  Musiklehrer  in  Frankfurt  a/M. 
Hausen,  Mitglied  der  Oper  in  Frankf.  a/M. 
Hauser,  Mitglied  der  Oper  in  Frankf.  a/M. 

    •         mim  *  -  ■ 


—   Vusensy- Heiner  ich  in  Prag 


—  Hempely  Hauptmann  in 

—  Jos.  von  Henichstein,  Ritter,  in  Wien 

—  Eduard  Henissen  in 
Mad.  £Ä*a  Ära  in  Prag 


•  ■ 


Hesse,  Kaufmann  in 
Jo.Jlilveti,  Fiirttl.  JLichnovaky'ficher  Wlrth- 

.schaftsinspector  zu  Troppaü      .    ;*  •  & 
Carl  Hocheber ,  Ewenhändler  in  Graz 
pr.  Holderich ,  Pfarrer  zu  Reichcnhall 
Holscher ,  Buchhändler  in  Coblenz 
F.  JV.  Hof- Buch,-,  und  Kunsthandlung  in 

Neuwied  r  

Dr.  von  Hoffbauer  au  Gräz  . 
Joseph  Hof  mann,  Supplcnt  der  latcin.  und 

griech.  Philologie  an  der  Universität  zu 

Lemberg  •  ■ 

Hoff mann  u.  Campe  in  Hamburg 
C.  F.  Holm,  Königi.  Gevollmächtigter  in 

« Copenhagen 


Herr  PeL  Harr,  Musiklchrer  in  Oflenhacb  a/M. 
— -   Baron  Hrabowsky  vonHarbona,  Obrist,  zu 


Jähndl,  Chordirector  bei  <L  adeli- 


•  I 


—  ÄTor/tf  Jessen,  Buchhändler  in  Flensburg 
Diö  Königl.  Hofmusik -//i*«danx  in  München. 

Herr  /w£*/i  in  Sorau  , 

i    •  .       •     •  •  •  • 

•     .   X         %  ■•  ...... 

r-    Pastor  Karmrode  in  Altona     .  . 

/.  .F.  C.  Äaywr.  in  Hamburg 
i—  JTdfer,  erster  Organist  an.  d.  Kön, 

Baier.  Hofcapellc  zu  Altotting 

—  Kipper,  Gcsanglchrer  in  Coblenz 

—  Heinrich  KleinfelUr,  Handelsm.  in  Kitzingen 
r-y    KolUr,  Buchhändler  in  London 

r~    JT/ti^/  Kaufm.  in  Offenbach  a/M. 

r-t    i\  C.  Kaufmann  in  Offenbach  a/iVL 

Mai  Therese  Kramer  y  geb.  Bcrra,  in  Mailand 
Herr  Krieger ,  Buchhändlerin  Marburg 

—  .PÄtf.  Ä>w//,  Buchhändler  in  Landshuth 

—  />.  C  Ämwer,  Buchhändler  in  Leipzig 

—  FL  Kupferberg,  Buchhändler  in  Main« '.  \ 


—  Leopold  von  Lämel  in  Prag  ,  i..; 
Mad.  Maria  Frey  fr  au  von  Lauer,  geb.  Von  Ha-» 

?         berecker ,  in  Verona  ,  .... 
Herr  Baron  von  Lazarini  in  Mailand  . 
— *    C.  Lebrün*  Director  des  Theaters  in  Harn- 
i  !  bürg 

Mad.  j^rnit^  /V-eym  vonXec&rw,  geb.  von  Tratt- 
ner, in  Verona  .  .  . 
Herr  Lehnhold,  Musikhändler  in  Mosco 

—  LesJbe,  in  <  Darmstadt 

—  Leuchart,  Musicalienhandler  in  Breslau, 
i       .     (für  sich,  für  Oberlehrer  Hintssch  in 

Breslau  u.  für  D. 

frei.) 

—  Dr.  Lichtenthai  in  Mailand 


Her*  Carl  Lissner,  Musicalicnhandler  in  St  Pe- 
tersburg 

—  Victor  Locher  in  Mailand 

—  Baron  von  Löwenschild  in  Copenkagcn 

—  Max.  Lötventhal  in  Wien 

—  C.  C.  Lose ,  Musikhändler  in  Copenhagen 

—  Lubbers  u.  Schobert  in  Hamburg 

—  Cantor  Maerhel  in  Stadt -Wehlen  a.  d.  Elbe. 
Abbe^  Jos.  Mainzer,  in  Trier. 

—  Jgnaz  Schumann  Y.Mansegg ,  Domcapitular 

und  Consistorialrath  in  Salzburg. 

—  Lorenz  Friedrich  Graf  v.Marzani  in  Ho  veredo 

—  L.  MassonneaUy  Grossh.  Mckl.  Schwer.  Con- 

certmeistcr. 
— —    Mansche  Buchhandlung  in  Salzburg. 

—  Lud*».  Graf  von  Mazuchelli%  Generalf eld- 

mar schall -Lieutenant  und  Divisionar  in 
Graz. 

'  —   Pietro  Mechetti,  Musicalienhandlcr  in  Wien 

—  Ja*  Meiners  in  Mailand 

—  Adolph  Meissner  in  Pirna  a.  d.  Elbe 

—  A.  Methfessel ,  Miwikdirector  in  Hamburg 

—  Aug.  Mittag ,  K.  K.  Hof-  und  Kammermu- 

sicus  in  Wien 
Mad.  P.  Moder  in  Copenhagen 
Herr  L,  Moissl,  K.  K.  pens.  Landrichter  in 

Lofer  . 

—  Morigottiy  K.  B.  Oberappellations-Dircctor 

in  München 

Frau  Theophi/4  Frederique  Comtessc  Mozyuska, 
nee  Comtcsse  Moszyusha  in  Lemberg 

Mad.  A.  Müßelmann  in  Copenhagen 

Herr  Miilltr  y  Gelehrter  in  Bremen 

Die  Grosherz.  Musicalien- Bibliothek  in  Darm- 
stadt 

Herr  Heinrich  Mylius  in  Mailand 

♦ 

—  Senf.  Kailea  in  Lemberg 

—  Baron  Alex  and.  von  Neffzer  in  Mailand 

—  Franz,  Edler  von  Neuhäuser ,  Gouvernal 

rath  u.  Landcsprotomedicus  in  Lemberg 
•  —    G*  Neukirch  in  Cassel 

d 


XLTI 


Herr  Fr.  Nohr,  Hcrzogl.  Meining.  Concertm.  in 
Meiningen 

—  Jos.  Nowaczek ,  Fürstl.  Schwarzcnb.  Kastner 

in  Wrschowitx  in  Böhmen 

—  Georg  Oberpfrinniger  in  Salzburg 

—  von  Oppel,  Excel!.,  IL  S.  Coburg.  Geb. 

Rath  zu  Gotha 

—  Ferd.  Orlandi,  Kapellmeister  in  München 

—  Carl,  Graf  von  Pachta  in  Mailand 
- —    Palm,  Buchhändler  in  München 

—  —  für  d.  Kön.  Hof-Ccntral-Bibliothek  das. 

—  Anton,  Freiherr  von  Paumann,  Concepts- 

practicant  bei  d.  K.  K.  galizischcn  Lan- 
dcss teile  zu  Lemberg 

—  Ph.  Passavant ,  Kaufmann  in  Frankfurt  a/M. 

—  W M.  Paul  in  Dresden 

—  Baron  Carl  von  Pazzotini  in  Mailand 

— -    /oh.  Perlhaler,  K.  K.  Hauptmann,  Amts- 
Controlleur  in  Graz 

—  Adolph  Pfeifer,  jur.  utr.  Dr.  zu  Lemberg 

—  Dr.  Ernst  Pienitz ,  Ritter  des  König  1.  Sachs. 

Civilverd.  Ord.  u.  Director  der  Kranken- 
Anstalt  auf  Sonnensteiu  a.  d.  Elbe 

—  M.  Piüwitz ,  Hospitalprcdiger  in  Pirna  a.  d. 

Elbe 

- —    Pixis  in  Paris 

• —    Freyherr  von  Poissl,  Königl.  Hofmusik- 
u.  Hoftheatcr  -  Intendant  in  München 

—  Baron  ,  Jean  BapU  von  Pulhon ,  Chef  des 

Schüllerschcn  Handelshauses  in  Wien 
/o,  Ladislaus  von  Pyrter,  Patriarch  u.  Erz- 
bischoft"  von  Erlau,  Sr.  Majcst,  wirkl. 
Geh.  Rath  etc.  in  Wien 

■ 

—  Dr.  77*.  /.  Rappel  in  München 

—  C.  A.  Reichel  in  Danzig 

—  Reit  sei,  Buchhändler  in  Copenhagen 

—  F.  Graf  von  Riesch,  Königl.  Baier.  Kammer- 

herr in  München 

—  Sigisrn*  von  Robinig,  Grosshändler  in  Salz- 

burg •  ; 


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XLITI 
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I  I 

Herr  Wenzel  Jos.  Rollet sehe k,  Kapellmstr.  an  der 
Mctropolitankirche  in  Lemberg 

—  Art.  Costa  Jloseili,  K.  K.  Gouvernal  -  Con- 

eipient  in  Triest 

—  Carl  Hilbeck,  MusicalienMndler  in  Lübeck 

—  C.  F.  Rudolph,  Organist  in  Naumburg 

—  Joseph  SandritU  in  Mailand 

—  Baron  von  Sazdagna  in  Mailand 

—  Schalbacher  u.  Comp.,  Buchhändler  in  Wien 

—  Schtlble,   Dircctor   des  Cäcilien verein»  in 

Frankfurt  a/M.  . 

—  /.  Aloys  Schlosser,  Buch-  u.  Kunsthändler 

in  Augsburg 

—  Jos.  Schos/er,  Burgcraeister  zu.  Troppau 

—  B.  Schott  Söhne  in  Mainz 

—  /.  Bapt.  Schröß,  Pfarrchomegent  an  der 

MctropoJitankirche  211  München 

—  Schwaan,  Musiklehrer  in  Rostok 

—  Schwabe,  Rcgierungssecretair  in  Coblenz 

—  Graf  von  Seinsheim,  Exceilenz,  Königl.  Re- 

gicrungsdirector  etc.  in  München 

—  Baron  von  Sinnig,  Kais.  K.  Major  in  Wien 

—  Traugott  Frcih.  von  Sksbenskyni  in  Troppau 

—  Särgel,  Musikdirector  in  Nordhausen 

—  Sonneivald ,  Buch  -  u.  Musicalienhändler  in 

Stuttgart 

—  Sonntag,  Buchhändler  in  Naumburg 

—  Max.  Ludu>*  von  Sosmaus ,    Kais.  K.  Hof- 

u.  K um m (Tunisiens  in  Wien 

—  Andr.  Spaeth ,  Musikdirector  zu  Morgcs  im 

Waadtlande 

Frau  Thekla,  Gräfin Stadnicka ,  geb.  Gräfin  Stad- 
nicka  in  Lemberg 

—  Stahl,  Buchhändler  in  Würzburg 
— —    Stein,  Buchhändler  in  Nürnberg 

licrr  Cajetan  Strobl,  Theatincr  in  Salzburg 

—  Graf  Julius  von  Slrassoldo ,  Präsident  des 

Landesgouvernements  in  Mailand 

—  Strela,  Krcissjustizcommissar  u.  Stadtrichter 

zu  Friedeberg  am  Gneis 

—  Hh  von  Slruve,  Exceilenz,  Kais.  Russisch. 

wirklicher  Staats  -  Rath  u.  .Minister  bei 
den  freien  Hansestädten,  in  Hamburg 


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1 


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XLIV 


Der  Sludtntenverein  in  Copcnhagen 

Herr  General ,  Baron  von  Swinbure  zu  Mailand 

—  Graf  Vincent  Ssapary,  Excellenz,  Kämme- 

rer zu  Graz 

• 

— ,    Joseph  Tatzauer  in  Lemberg 

—  von  Thannhausen,  Kön.  Postsecr.  in  München 

—  Jo.  Wenzel  Tomascheck,  Tonkünstl.  in  Prag 

—  Toresani,  K.  K.  wirkl.  Geheimer  Rath  und 

Gcneralpolizeidirector  in  Mailand 

—  Treuttely  Sohn  u.  Richter  in  London 

—  Treuttel  u.  IVurz  in  Strasburg 

— -    B.  A.  Tunckel,  Kais.  Russ.  Consul.  Secrctair 

—  E.  Tutein,  Sccretair  in  Copenhageu 

Mad.  Caroline  Unger  jm  Mailand 

Herr  Valentin  Kaufmann  in  Dresden 

—  Velten,  Kunsthändler  in  Carlsruhe 

—  Carl  Voigt  in  Hamburg 

—  //.  C.  Volke  u.  Gebr.  Hartmann  in  Haag 

— <»  Waagepetersen ,  Königl.  dänis.  Hofagent  in 
Kopenhagen 

—  Johann  Weillaff   in  Prag 

—  C.  W.  Wenzel  in  Zeyst  bei  Utrecht 
  Herrmann  Wiener  in  Prag  ' 

—  Professor  Weysse,  in  Copcnhagen 

—  HercuL  Wieser,  Cantor  in  Tegernsee  bei 

München 

—  Wiesicke,  Buchhändler  in  Brandenburg 

—  Wittasseck,  Domkapcllmcister  in  Prag 
Frau  Gräfin  Sophie  Woyna,  Hofdame  in  Mailand 
Herr  Graf  Ferdinand  von  Wurmbrand,  Lieute- 
nant beim  12.  Jägerbataül.  in  Troppau 

-        Raimund  Ximenes  in  Mailand 

—  Zinch,  Hof organist  in  Copcnhagen 


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Die  Vier  und  Zwanzig  ersten  Jahre 
von  Mozarts  Leben. 


* 


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* 


•    •  •    «  •  i  . 

Assentior:  nil  tarn  facile  in  animos  teneroa  atque  molles 
quam  hu  jus  hominis  sonos,  quorum  dici  vix  potest% 
sit  vis  in  utramque  partim»  Namque  et  ineitat 
languentes,  et  languefacit  excitatosy  et  tum  remittit  änimosx 
tum  contrahit.  — • 

Cicbro. 

Ist  auch  unseren  Bergen  die  Nachtigall  versagt,  so  hat  uns 
Gott  mit  dem  herrlichsten  Sänger  der  Welt,  Mozarten,  ersetzt» 

Lorenz  kühner, 
in  der  Oberdeutschen  Litteraturzeituntr. 


•    t  . 


Jener,  dessen  Tonwerke  nach  schon  rlerzjV  Jahren, 
statt  zu  veralten,  gleichfalls  immer  mehr  noch  entzücken 
werden,  möge  mit  Mozart  um  den  Vorrang  rechten. 

,  ".  Boffbauer. 

**   •    •  f l     .  I  »i     I  * 

Unter  den  feerühmten  Namen;  die  für  alle  Zeiten 
in  der  Geschichte  der  deutschen  Musik  glänzen  wer-» 
den,  steht  ohen  an  Johannes  Chrisostomus  Wolfgang 


• «      ......      », . 


Amad.  (Gottlieh)  Mozart. 

Sehr  wahr  und  treffend  spricht  Herr  Hofrath 
Rochlitz,  in  dem  Jahrg.  1798  der  Leipz.  music.  £eit.: 
„Es  ist  das  Schicksal  ausgezeichneter  Männer  von 
„jeher  gewesen,  dass  sich  der  Haufe  gemeiner,  von 
„allen  Seiten  beschränkter  Geister  gleichsam  in  Masse 
»gegen  sie  vereinigt,  um,  wenn  es  ihnen  nicht  ge- 
lingt, jenen  Genie's  das  Verdienstliche  und  Ausge- 

i 


• 


'  2 


•   •  i 


„zeichnete  ihrer  Werke  wegzudeinonstriren  oder 
„wegzuwitzeln,  wenigstens  irgend  eine  schwache 
„Seite,  die  jeder  grosse  Mann,  da  er  doch  immer 
„Mensch  bleibt,  hat,  hervorzusuchen ,  aufzustützen, 
„hie  und  da  Manches  aus  eigenem  Schatze  des  Her- 
„zens  hinzu  zu  thun  ,  nun  das  Ganze  emsig  bekannt 
„zu  machen,  und  dann  lächelnd  oder  prahlend 


zurufen:  Adam  ist  worden  wie  unser  Einerl  So 


„ging  es  auch  dem  wackern  M.,  so  lange  er  lebte, 
„und  so  geht  es  ihm  grösstenteils  noch.  Man.  hört 
„seine  vortrefflichen  Compositionen,  kann  dem  ge- 


waltigen Eindrücke  derselben  nicht  widerstehen, 
„kann  diesen  sich  selbst  und  Andern  nicht  ableug- 


„nen,  bricht  desshalb  allenfalls  in  ein  allgemeines  Lob 
„und  gleichfalls  im  Allgemeinen  Inn  und  her  gezerr- 
„tes  Geschwätz  darüber  aus  —  welches  Beydes  M. 
„selbst  fast  so  bitter  wie  Schurkerey  hasste  —  knüpft 
„aber  immer  und  owig  Bemerkungen  daran,  wie: 
„Sollte  Iflan's  glauben ,  dass  ein  solcher  Mann  doch 
„übrigens  Zeitlebens  ein  Kind  war?    und  dergl. 
„Freylich  gab  M.  bey  seinem  liberalen  Leben,  bey 
„seinem  nur, allzu ; offenen  Charakter,  bey  seiner  Vor* 
„achtung  alles  Geschwätzes  über  ihn,  —  einer.  Ver- 
„achtung,  welche  zu  tief  war,,  als  dass  er  jemals 
„etwas  Anderes  hätte  thun,  als  darüber  lachen  sol- 
len —  Gelegenheit  zu  solchen  Urtheilen.   Seit  ei- 
„nigen  Jahren  hat  die  Biographie  Mozarts  in  Schlich- 
„tegroüs  Nekrolog,  wo  es  denn  doch  gewiss  Zeit 
„und  Ort  gewesen  wäre,  den  Mann  ganz  und  zwar 
„mehr  in  seinem  Öffentlichen  als  Privatleben  darzu- 
„stellen  —  noch  mehr  zur  Verbreitung  solcher  klein- 
„licher  Anekdoten  beygetragen,   und  diesen  sogar 


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dauerhafte  Haltung  und  ziemliche  Autorität 
„verscliafFt ;  indess  Mozart's  künstlerische  Verdienste 
„fast  einzig  mit  einem  allgemeinen  himmelhohen  Lohe 
„abgefertigt  werden.     Dieses  ist  nicht  gegen  den 
„wackern  Herausgeher  dieses  Werks  gesagt  5  ich 
„weiss  —  dieser  Üiut  Alles,  um  sein  Institut  seinem 
„Zwecke  so  nahe  zu  bringen,  als  es  —  in  Deutsch- 
„land  möglich  ist:  sondern  gegen  Mozart'*  nähere 
„Bekannte  und  gegen  Kenner  und  Verehrer  seiner 
„Verdienste  spreche  ich,  die  dem  Herausgeher  des 
„Nekrologs  nichts  weiter  gaben  und  geben  wollten* 
„Ich  behaupte  hiermit  nicht,  dass  die  kleine  Samm- 
lung zusammen  gereiheter  Anekdoten,  welche  dort 
„die  Stelle  einer  Biographie  des  Künstlers  einnimmt, 
„offenbare  Unwahrheiten  enthalte:    aber  wie  viel 
„kömmt  nicht  auf  die  Art  der  Darstellung 
„selbst  solcher  kleinen  Züge  an?    auf  den  Zweck 
„des  Erzalüers  —  blos  zu  unterhalten  oder  zu  he- 
„lehren  u.  s.  w.  ?  Man  braucht  wahrlich  einen  Mann 
„nicht  vorsätzlich  verläumden  zu  wollen;    ja  man 
„braucht  sogar  der  Wahrheit  der  Thatsachen  kein 
„Jota  wissentlich  zu  vergeben :   und  kann  dennoclj, 
„aus  weiss  — ,    wenn  auch  nicht  schwarz,  doch 
„schmutzig  grau  machen*     Und  dann,   was  eine 
„Hauptsache  ist:  sind  denn  Anekdoten  aus  dem  Pri~ 
^vatleben  eines  Mannes  für  die  Welt,  eines  grossen 
„Künstlers,  das  Wichtigste,  was  man  von  ihm  zu 
„sagen  hat  ?    Ist  es  denn  nicht  eben  so  gehässig  als 
„kleinlich  (ich  spreche  lner  nicht  mein:  gegen  den 
„Nekrolog),  sich,  wie  bey  Mozart,  so  oft  der  Fall 
„war  —  in  eines  bedeutenden  Mannes  Bekanntschaft 
drängen  \  sich  von  ihm  freundschaftlich  aufge- 


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■ 


4 

;,nommen,  unterlialten,  vergnügt  zu  sehen;  dabey  im 
„Hinterhalte  zu  liegen  und  ihm  irgend  eine  Schwach-1  ■ 
„heit  abzulauern,  dann  davon  zu  ziehen,  freudig 
„über  den  getlianen  Fund ,  und  diesen  nun  mit 
„grosser  Herrlichkeit  der  Welt  aufzutischen?  Ja, 
„ich  setze  hinzu:  dürfen  wir  einen  Mann  von  so 
j,eigcnen  Kräften  und  so  eigener  Thätigkeit,  einen 
^,Mann,  der  so  einzig  in  seiner  Ideen-  und  Phanta- 
/  „sieen-Welt  lebte,  einen  Mann,  dessen  Geist,  eben 
•„weil  und  damit  er  das  werden  und  seyn  konnte,4 
'„was  er  ward  und  war,  nur  in  seiner  Kunst  weben, 
i,nur  hier  Befriedigung,  nur  hier  wahres  Interesse 
r„finden  konnte,  dagegen  Alles,  was  im  weitesten 
„Sinne  des  "Wortes  Verhaltni  ss  heisst ,  vernach- 
lässigen, verachten  musste  —  dürfen  Wir  einen 
„solchen  Mann  nach  dem  Maassstabe  beurüi eilen ,  der 
„mit  Recht  für  uns  mittelmässige  Leutchen  zum  Rieht- 
;,scheit  dient  ?  Duo  dum  faciunt  iderri,  non  est  idem." 
So  spricht  Herr  Hofrath  Rochlitz,  welcher  Mozart 
in  Leipzig  kennen  lernte,  an  den  meisten"  Gesell- 
schaften, in  die  er  dort  kam,  und  die  von  der  Art 
waren,  dass  sich  Etwas  mit  den  Leuten  an- 
fangen Hess,  wie  sich  M.  ausdrückte,  Theil  ge- 
habt, und  später  die  ^ekanntschaft  seiner  Wittwe 
und  einiger  vertrauter  Freunde  M.'s  gemacht  hatte. 

Wem,  der  jemals  bey  den  Harmonieen  dieses* 
grossen  Tonkünstlers  sich  bald  in  süsse  Empfindun- 
gen verloren  gefühlt,  bald  den  unerschöpflichen 
Reichthum  seiner  Ideen  bewundert  hat,  und  die  Ge- 
walt, mit  der  er  das  Gebiet  seiner  Kunst  in  ihrem 
weiten  Umfange  beherrschte;  wem  also  von  allen 
Kennern  und  Freunden  der  Musik  muss  es  nicht 

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I 


I 

willkommen  seyn,  etwas  von  der  merkwürdigen  Le- 
bensgeschichte dieses  früh  entwickelten,  grossen  nnd 
originellen  Genie's  zu  frören!   "Wer  von  allen  diesen 
wird  es  nicht  denjenigen  seiner  Freunde,   die  seit 
frühen  Jahren  Zeugen  seines  bewunderungswürdigen 
Talentes,   und  des  unerhört  schnellen  Ganges  der 
Entwickelung  desselben  waren,  recht  warm  und  in- 
nig danken,    dass  sie  den  Freunden  der  süssesten 
unter  allen  Künsten  das  Vergnügen  nicht  haben  vor- 
enthalten wollen,  den  Zauberer,  der  ihnen  so  man- 
che frohe  Stunde  verschönert,  so  manche  trübe  er- 
heitert hat,  in  der  Geschichte  seiner  Kindheit  und 
Jugend ,  die  leider  die  Geschichte  seines  ganzen  Le- 
bens ist«  näher  kennen  zu  lernen?  — -  . 

Der  Mens di,  mit  wunderähiüichen  Gaben  und 
Fertigkeiten  von  der  Natur  beschenkt,  ist  selten  ein 
allgemeines  lauster  zur  Nachahmung  für  Andere. 
So  wie  seine  Vollkommenheiten  uns  Upbiigen  uner- 
reichbar sind,  so  können  auch  seine  Fehler  nicht  zu 
unserer  Entschuldigung  gereichen.  Um  sich  brauch- 
bare Regem  fiir  das  praktische  Leben  als  Mensch  im 
Allgemeinen  abzuziehen,  und  durch  Aufmerksamkeit 
auf  Bey spiele  sich  dem  erreichbaren  Grade  der  Aus- 
bildung unserer  Natur  zu  nähern,  müssen  wir  nicht 
jene  seltenen  Menschen  zum  Muster  auswählen;  son- 
dern vielmehr  Geister  von  mittleren  Gaben,  die  aber 
diese  Anlagen  gleicliförmig  und  vorsichtig  ausgebil- 
det haben,  und  denen  wir  es  gleich  zu  thun  hoffen 
dürfen. 

Aber  mibesclireiblich  schätzbar  und  wichtig  bleibt 
ungeachtet  dessen  dennoch  das  Andenken  jener  Men- 
schen mit  seltenen  Kräften  und  Anlagen  zu  einzelnen 

•  » 

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» 


Fertigkeiten.  Sie  sind  Phänomene,  die  man  anstaunt, 
d  deren  treue  Abbildungen  der  Forscher  der  Men- 
schennatur als  unschätzbare  Kabinetsstücke  ansieht, 
zu  denen  er  oft  zurückkehrt,  um  an  ihnen  den  un- 
begrenzten Umfang  des  menschlichen  Geistes  zu  be- 
wundern. -Zu  ihnen  gehört  Mozart,  ein  Wunder 
eines  früh  reifen  Talents;  man  würde  das,  was  voh 
ihm  erzählt  wird,  kaum  glauben  kennen,  wenn  er 
nicht  unser  Zeitgeuosse  gewesen  wäre,  und  wenn 
diese  Erstaunen  erregenden  Züge  nicht  von  so  vielen 
Menschen  bestätiget  wurden.  '         .  " 

Der  genaue  Zusammenhang,  der  zwischen  den 
Schicksalen  Mozarts  mit  denen  seines  Vaters  Statt 
findet,  und  durch  welchen  er  sich  schon  ein  blei- 
bendes Denkmal  seines  fluhmes  und  seiner  Verdienste 
gestiftet  hat>  und  dazu  die  Bildung  seines  Sohnes, 
erfordert  eine  Erwähnung  des  Letztern. 

Der  Vater  dieses  ausserordentlichen  Genie's,  Leo- 
pold  Mozart,  Vice -Kapellmeister,  Violinist  und  An- 
fuhrer des  Orchesters  in  der  Fürst  -Erzbischöflichen 
Kapelle  zu  Salzburg,  geboren  zu  Augsburg  den  14. 
December  1719,  gestorben  zu  Salzburg  am  3».  May 
1787,  war  der  Sohn  eines  Buchbinders,  und  trat, 
nachdem  er  die  Jurisprudenz  in  Salzburg  studirt 
natte^  dann  Kammerdiener  bey  dem  Grafen  von 
Thurn,  Domherrn  daselbst,  gewesen  war,  endlich 
1743  in  erwähnten  Dienst  *  denn  der  Fürst  machte 
ihn  zu  seinem  Hofmusicus,  weil  er  sich  ganz  der 
Tonkunst  widmete  und  die  Violine  besonders  schön 
spielte. 

1  In  dieser  Kapelle  waren  bis  in  die  spätesten  Zei- 
ten der  Unabhängigkeit  des  Landes  eine  Menge  aus- 


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■ 


gezeichneter  Künstler,  z.  B#*  Eberliii,  Michael  Haydn, 
Adlgasser  u.  xhv  A,  -  «  Ä  *.  .  v.L 

Die  Fürsten,  und  noch  der  letzte  Unter  ihnen, 
besoldeten  $id  unglaublich  Ächlechl^  • 

Was  sie  anzog  und  hielt,  Vfiu4  die,  obgleich  ge- 
ringe, Versorgung  der  WittWejdie  Umgebung  des 
Hofes  und  da«  behagliche  und-  wohlfeile  Leben.  •  ' 
Im  J.  t7€2  wurde  or^  Viee  -  Kapellmeister.  Er 
i  beschäftigte  sich  neben  soirtom  Dienste  an*  Hofe  und 

in  der  Metropolt  tankirche*  init-  tfnterweisüng  auf  der 
Violine  und  rattComponiren.  T  Seit  1743  hat  er  sich 
von  jeder  Seite  um  die  Musik  verdient  genlacht; 
erstlich  als  Schriftsteller,  dann  &Ia  Cor npoiüst,  ünd 
durch  die  vortreffliche  und  ehrenvolle  musikalische 
Erziehung  seines  Sohnes  utid  seiner  Tochter.  Wie 
I  viele  Ehre  erwarh  er  sich  auf  der  grossen  Reise  mit 

|  seinen  Kindern.    In  Paris  verewigte  man  sie  alle 

drey  durch  einen  Kupferstich,  auf  welchem  der  Sohn 
I         den  Flügel,  der  Vater  hinter  ihm  die  Violine  Spielt, 
indem  die  daneben  stehende  Tochter  singt,  mit  fol- 
gender lnsshrift 5        '    '       f     /  ' 

L.  Mozart,  pire  de  Marianne  Mozart,  vfrttiose 
Agie  de  onze  ans,  et  dm  J.  C.  JV olfgang  Mozart, 
compoätear  et  Mattre  d&Muaique,  /ige  de  sept  ans. 
Im  Jahre  1756  liess  er  zu  Augsburg  Äuf  seine 
fc         Kosten  drucken:    Versuch  einer  gründlichen 
Violinschule^  ttiit  viel?  Kupfertafeln  sälnmt 
einer  Tabelle  versehen'  u.  s.  w.    Sie  ist  ins 
*     Französische  und  Holländische  übersetzt.    Eine  2te 
und  3te  Auflage  sind  1770  und  1792  zu  Augsburg 
herausgekommen.   Spaterhin;  ist  das  Werk  bey  Küh- 
ne! in  Leipzig  unter  dem  Titel;  Violinschule,  oder 

m 

( 

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Anweisung,  die  Violine  zu  spielen;  neu  umgearbei- 
tete Ausgabe  von  Neukomm  (mit  der  Lehre  vom 
guten  Vortrage)  herausgekommen.  ( <  j 

Man  findet  in  diesem  Werke  den  gründlichen 
und  geschickten  Virtuosen,  den  vernünftigen,  und 
methodischen  Lehrmeister  und  de*v  gelehrten  Mua*- 
cus.  Schubart  sagt  v4n  demselben:  „Durch  (dieses 
„Buch,  das  in  sein-  gujem  Deutsch  und  mit  tiefer 
„Einsicht ;  abgefasst  istr ,  hat  er  sich  ein  grosses  Ver- 
dienst erworben.  Die  IJeyspiele  sind  trefflich  ge- 
„ wählt,  und  seine  Applioatur  ist  nichts  weniger  als 
„pedantisch.  Er  neigt  sich  zwar  zur  Taitini'scben 
„Schule,  lässt  aber  doch  dem  Schüre*  inehr Freyheit 

„in  der  Bogenlenkung,  als  dieser.'?   

/Nach  dem  Zeugnisse«  ider  grössten  Meister  ist  das 
Werk  von  dem  ausgebreifcetsten  Nutzen  gewesen  5  die 
treulichsten  Violinisten,  die  Deutscliland  in  der  zwei- 
ten Hälfte  des  achtzehnten  Jahrhunderts  besessen,  sind 
tfurch  fo^elbe  gebildet  worden.  .; 

^BLurz^  er  war  einer  von  denen,,  welchen  die. 
Ehre  vorbehalten  war,  die  ersten  Urheber  einer  ge- 
läuterten Methodologie  in  der  ausübenden  Kunst  zu 
werden;  r. .     *      \  ?    '  .  .  ....  . 

Sohubart  sagt  ferner  von  ihm:  „Er  hat  die  Mu- 
„sik  in  Salzburg  auf  einen  trefflichen  Fuss  gestellt. 
„Selbst, ist  er  auch  als  Componist  ehrenvoll  bekannt. 
„Sein  Styl  ist  etwas  altvaterisch,  aber  gründlich  und 
„voll  contrapunktischer  Einsicht.  Seine  Kirchen- 
Stücke  sind  von  grösserm  Werthe  als  seine  Kam- 
„merstüeke."  •  ■      •   ;•  .  . 

Von  eeiuen  vielen  mit  Beyfall  aufgenommenen 
praktischen  Werken  sind  blos  6  Violin-Trios, 


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die  er  1740  selbst  in  Kupfer  radirt  hat,  herausge- 
kommen,  und  1759  zwölf  Ciavierstücke  zu 
Augsburg,  unter  dem  Titel:  Der  Morgen  und 
der  Abend,  den  Einwohnern  von  Salzburg 
melodisch  und  harmonisch  angekündigt.  Es 
sind  diess  diejenigen  zwölf  Stücke,  welche  da»  soge- 
nannte Ilornwerk.  oder  vielmehr  Orcrelwerk.  auf  der 
Festung  Hohen- Salzburg  Morgens  und  Abends  spielW 

•••  j  •  •  #  .  . 

im  3ia.nuscript  waren  Hingegen  von  mm  zwoit 
Oratorien  und  andere  Kirchensachen,  eine 
Menge  theatralischer  Werke,  worunter  die 
Semiramis  und  die  verstellte  Gärtnerin  be- 
kannt sind ,  auch  Pantom im e n  und  eine  grosse 
Anzahl  von  Symphonien,  über  30  grösse  Sere- 
naden, eine  Menge  Concerte  für  Blasinstrumente 
und  noch  mehr  Trios  u;  s.  w.'      '  :  1  1 1* .  * 

Im  neuen  Künstler-Lexikon  ist  folgender  Zusatz : 
i,Noch  hat  man  von  ihm  folgende  Composiüonen : 

„Bastien  und  Basti enne,  eine  Operette;  la 

"  ■  ■ 

„Cantatrice  ed  il  Poeta,  Intermezzo  zu  zwey 
„Personen;  musikalische  Schlittenfahrt  (ar- 
„rangirt  für  Pianoforte  bey  Kühnel  in  Leipzig)." 

Aber  auch  durch  Unterricht  hat  er  viele  Künst-» 
ler  und  Künstleiinnen  gebildet;  denn  die  Zeit,  die, 
ihm  «eine  Amt^geschäfte  übrig  liessen,  widmete  er 
dem  Unterricht  in  der  Composition  und  auf  der 
Violine. 

Seine  fleissige  Correspondenz  mit  seiner  Familie 
lasst  ihn  als  einen  Mann  von  vielen  vortrefflichen 
Eigenschaften  erkennen.  Es  charaktorisirt  ihn  auch, 
das«  er  an  Geliert,  den  protestantischen  andächtigen 


Dichter,  einen  Brief  geschrieben  hat,  der  ihm  foU 
gendo  Antwort  zuzog:  . 

„  \  u .  • .  „Hochedler,  Hoctau  verehrender  Herr !     .  . 

-  „leb  müsste  sehr  unempfindlich  «eyn,  wenn  mich 
die  ausserordentliche  Gewogenheit,- mit  der  Sie  mich 
ehren,  nicht  hätte  rühren  sollen  5  und  ich  würde  der 
undankbarste  Mann  «oyn,  wenn  ich  Hiren  so  freunde 
scbafüichen,  Brief  ohne  Erkenntlichkeit  hätte  lesen* 
l$nnen.  Nein,  mein ;  wertester  ( Herr ,  ich  nehme 
Ihre  Liebe  und  Ihre  Freundschaft  mit  eben  der  Auf- 
ricjitigkeit  an,  mit  der  Sie  mir  sie  janbieten,  unöVich 
nehme  sie  nicht  allein  ant  sondern  ich  bitte  Sie  dai> 
um,  und  will  mich  bemühen #  «ie  zu, verdienen,  je 
weniger  ich  sie  vielleicht  noch  verdienet  habe.  Ich 
werde  oft  mir  uliig,  wenn  ich  gehe,  dass  mir  meine 
Schriften  die  Gewogenheit  so  vieler  rechtschaffenen 
Leute  ,  zuwege  bringen  5  denn  ich  will  diess  Glück 
nicht  allein  erlangen,  sondern  auch  behaupten;  und 
äazu  gehören  noch  mehr  Verdienste,  als  ich -habe. — 
Also  lesen  Sie  meüie  Schriften  gern,  hochzuvereh- 
render Herr,  und  ermuntern  auch  Eire  Freunde,  sie 
zu  lesen?  Diese  Belohnung,  wie  ich  Ihnen  aufrich- 
tig sage,  habe  ich  von  dem  Orte,  aus  dem  ich  sie 
erhalte,  ohne  Eigenliebe  kaum  hoffen  können.  Wie 

*  *  « 

glücklich  bin  ich,  wenn  ich  glauben  darf,  dass  ich 
zur  Erhaltung  des  Geschmacks  und  der  guten  Sitten 
auch  ausser  meinem  Vaterlande  etwas  bey trage!  Hat 
der  Christ,  eines  von  meinen  letzten  Gedichten,  auch 
Ihren  Beyfall?  Ich  beantworte  mir  diese  Frage  bey- 
nahe  mit  Ja.  Seih  Inhalt,  Ilir  edler  Charakter,  den 
Sie,  ohne  es  zu  wissen,  in  Ilirem  Briefe  mir  ent- 


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worfen  haben,  und  meine  redliche  Absaht,  scheinen 
mir  dieses  Ja  zu  erlauben.  — " 

„Ich  würde  mehr  mit  Ihnen  reden,  wenn  ich 
nicht  im  Begriffe  stände,  in  das  Carlsbad  zu  reisen, 
dahin  mich  die  elendeste  Krankheit,  ich  meyrie  die 
Hypochondrie,  toR*v:  Möchte  es  doch  Gott  gefallen, 

'  mich  von  diesem  Orte,  den  er  für  so  viele  tausend 
Kranke  gesegnet  hat/  üud  an  dem  ich  schon  vor  dem 
Jahre  oft  mit  Thronen*  und  Heiterkeit  des  Geistes 
gebetet  habe,  mich,  sage  ich,  gesünder  zu rück zu- 
bringen , :  als  ich  dahin  tfeise!  Doch  vielleicht  wun- 
e  «che  ich  zu  viel,  vielleicht  gar  etwas,  das  mir  nicht 
gut  **yri  würde.  Begleiten  Sie  mich  indessen  mit 
Ihren  Wünschen,   werthester  Herr.    Bin  ich  im 

{  Stande,  Ihnen  hie*  in  Leipzig,  e*  sey  worinne  es 
wolle,  zu  dienen:  so  Will  ich  Ihnen  beweisen,  dass 

I  ich  des  Vertrauens,  das  Sie  in  mich  setzen,  nicht 
unwertn  bin.  Allen  Ihren  Freunden,  wenn  sie  Ihnen 
gleichen  (unck  wie  sollten  Sie  Freunde  haben,  die 
Ihnen  nicht  ähnlich  wären?),  empfehle  ich  mich 
bestens;  Ihnen  aber  danke  ich  nochmals  für  den 
schönen ,  beredten  und  empfindungsvollen  Brief,  mit 
dem  Sie  mich  erfreuet  haben,  und  bin  mit  der  voll- 
kommensten  Hochachtung        •  ' 

'   ■  Euer  HochedL       .  "  '  ' 

gehorsamster  Diener 

Christian  Fürchtegott  Gellerl.« 

P.  S.  Der  Herr  Professor  Fortney  in  Berlin  hat  einen 
kleinen  Roman  vons mir,  Leben  de*  schwedi- 
schen Grafin,  in  das  Französische  schön  über- 
setzt, wenn  Sie  vielleicht  dieses  Werk  leaen  wofleziJ 

■ 

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,  Ein  Zeichen  von  der  Achtung,  wekhe  fer,  sogar 
,  in  der  Ferne  genoss,  ist,  dass  der  erste  der  kritir 
f eilen  Briefe  über  die  Tonkunst,  die  in  Berlin  1759 
und  1760  herausgegeben  wurden,  an  ihn,  der  damals 
noch  Geiger  in  der  Salzburgischen  Kapelle  war  (Hof* 
Compon ist  wird  er  in  der  Ueberschrift  genannt,  hiess 
aber  nicht  so  zu  Salzburg),  , gerichtet  war.  Der  Brief 
nimmt  acht  Quartseiten  ein.  Es  wird  ihm  darin  ge- 
meldet« dass  eine  Gesellschaft  dieses  musikalische 
WochenUatt  schreiben  will,  und  dass  diese  Briefe 
immer  au  Personen  von  Verdienst  gerichtet  werden 
sollen  (so  wie  sie  qs  auch  wirket  an  Eraanuel  und 
friedemanu  Bach,  Kirnberger,  'Marpurg,  Zachariä, 
Benda^  gönnte,  heisst  ,  die  Gesellschaft 
Jb,ey  (diMem...  Vorsatze  einen  ^ückH©hera 
A/uf ang  .als, :mit  Ihnen  machen?  ,  9 
•  j  .Jn  seinen  J ) x  1 1 ' f\- 1 1  «in  ,  tlio  Frau  und  den  Sohn 
schildert  er  sich  am  besten.  In  Salzburg  wird  er  als 
satirischer;  Humorist  charakterisirt;  Ejie  Briefe  be- 
zcuflfeii  dieses  aucli.     Alan  muss  das  Glück  unser« 

einen  Va- 
ter gab,  der  .selbst  mehr  als  gemeiner  Musiker,  ein 
durch  .ajlerley:  Studien  gebildeter  Kopf  war.,  und  als 
solcher  die  frühen  Regungen  des  Genie's  erkannte, 
und  sie  nicht  durch  sein  Verfahren  unterdrückte« 
sondern  sie  zu  befördern  wusste. 

Leopold  Mozart  war  mit  Anna  Bertlina  (geboren 
den  25.  Dee.  1720),  Pflege- Tb chtör  von  St.  Gilgen, 
seit  dem  %U  Npy.  1743  verheirathet ;  Beyde  waren 
von  einer  so  vorteilhaften  Körpergestalt,  dass  man 
sie  zu  .ihrer  Zeit  für  das  schönste  Ehepaar  in  Salz- 
burg hielt,  .  ;..  :      ,     4,  ,r  .  •  5 


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<3 

Er  zeugte  sieben  Kinder,  aber  nur  zwey  blieben 
am  Leben;  ein  Madchen  nnd  ein  Knabe.  Der  Sohn, 
der  im  J.  1756  am  27.  Jänner  geboren  ward,  hiess 
Johannes  Chrysostomns  Wolfgang  Gottlieb  oder  Ama- 
deus*), und  die  Schwester,  die  älter  war,  geboren 
1751  den  29.  August,  hiess  Maria  Anna.  Der  Vater 
hatte  bisher  jede  Stunde,  die  er  dem  starken  Hof- 
dieöste  abkargen  konnte,  bey  seiner  schlechten  Be- 
soldung, der  Composition  und  dem  Unterrichte  im 
Violinspielen  weihen  müssen.  Freudig  mit  achtem 
Künstlerstolze  gab  er  Beydes  auf,  als  er  die  treff- 
lichen Anlagen  seiner  Kinder  zur  Musik  bemerkte, 
und  sorgte  ausschliesslich  für  ihre  Bildung. 

Der  Vater,  aufimerksam  auf  die  frühzeitigen  Ta- 
lente Beines  Sohnes,  übernahm  seine  Bildung  und 
Erziehung  bereits  in  den  Jahren,  wo  man  den  Geist 
der  Kinder  in  Unthätigkeit  schlummern  lässt.  ' 

Der  Shakespeare  der  Musik  hat  Eines  gemein 
mitMengs,  so  drückt  sich  Hornmayer  aus,}  Eines, 
was  nicht  Vielen  zu  Theil  geworden  ist :  dass  der' 
Götterfunke  des  Genie's,  in'  den  Tiefen  seiner  kind- 
lichen Seele  verborgen,  mit  allem  Fleisse  einer  plan- 
massigen  ,  sorgsamen  Erziehung  ausgebildet  wurde* 
Ni<Sht  in  Torquato  Tasso  hat  sich  der  Dichtkunst 
heiliges  Feuer  früher  -und  entschiedener  geäussert, 
als  bey  Mozart  die  Spuren  seines  musikalischen  Ge- 
nie's.  Die  ersten  Eindrücke,  die  sein  Olir  aüffasste, 

■ 

Harmonieen  und  Gesang  5  die  Musik  die  er- 


*)  Auf  dem  Titel  »einer  ersten  Werte  In  Paria  lind  London 
hei«t  er  J.  G.  Wolfgangs  »päter  iit  er  Wolfgang 
Amadeus  geworden. 


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.  sten  Begriffe,  die  sich  in  seino  Seele  ergossen.  So 
und  überall  kamen  die  gründlichen  Kenntnisse  des 
Vat cv3  dem  aufkeimenden  Talente  entgegen»  , .  , 

war,  ent- 
sprach der  väterlichen  Unterweisung  so  gut,  dass  sie 
in  der  Folge  bey  den  Reisen  der  Familie  die  Be- 
wunderung, die  man  dem  Sohne  zollte,  durch  ihre 
Geschicklichkeit  theilte,    Sie  machte  1762  bis  1768 
mit  ihrem  Vater  und  Bruder  die  grosse  Reise  nach 
Frankx*eich*  Holland.  England.  "Wien.   In  den  Jah- 
Ken  ihres  ledigen  Standes,    die  sie  im  väterlichen 
Hause  zubrachte,  gab  sie  einigen  jungen  Frauenzim- 
mern der  Stadt  Salzburg  Unterricht  im  Clavierspie- 
len.    Sie  verehelichte  sich  daun  1784  mit  Freyherrn 
Johann  Baptist  von  Berchtold  zu  Sonnenburg,  Salz- 
burgischem Hofrath  und  Pfleger  zu  St.  Gilgen,  wo 
sie  in  anspruchsloser  Stille  ganz  den  schönen,  Pflich- 
ten der  Gattin  und  der  Mutter  lebte,  und  gegen 
20  Jahre  glücklich  verheirathet  war.    Als  Wittwo 
begab  sie  sjch  1801  wieder  in  ihre  Geburtsstadt  Salz- 
burg zurück,  und  ertheilte  Unterricht  im  Clavier- 
spiele,  welchen  sie  auch  noch  gegenwärtig  (1826)  in 
ihrem  76sten  Lebensjahre  nicht  ganz  aufgegeben  hat. 
Viele  und  sehr  vortreffliche  Schülerinnen  sind  aus 
ihrer  Schule  hervorgegangen,  und  noch  jetzt  findet 
man  dort  die  geschickten  Schülerinnen  der  Nanette 
Mozart  durch  Nettigkeit,  Präcision  und  wahre  Ap- 
plicatur  vor  allen  Uebrigen  heraus. 

Der  Sohn  war  damals  drey  Jahre  alt,  als  der 
Vater  seine  siebenjährige  Tochter  auf  dem  ClavTere 
zu  unterweisen  anfing.  Der  Knabe  zeigte  schon  da 
sein  ausserordentliches  Talent»  Er  unterhielt  sich  oft 


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?  Mozart: 


Beilage  zu  Seite  15. 


:.jcutU  in.  einer  Jialbcu  Slunde,  No.  12.  am 
*J  !e  er  im  Jaiu  1762.  No.  16.  comp,  er  am 
*  "er  tfra  16.  Juli  1762.  No.  20.  comp,  er  am 
Messet  dedizirte  Sonate,  (SieJie  Seite  64.) 


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lange  beym  Ciavier  mit  Zusammensuchen  und  An- 
schlagen  der  Terzen,  und  war  entzückt,  wenn  es 
ihm  glückte,  ein  harmonisches  Intervall  zu  treffen* 
Als  vierjähriger  Knabe  behielt  er  immer  die  brillanr 
testen  Solostellen  der  Concerte  im  Gedächtnisse.  Im 
vierten  Jahre  seines  Alters  fing  sein  Vater  gleichsam 
zum  Scherze  spielend  an,  ihm  einige  Menuets  und 
andere  Stüqfce  *)  zu  leliren.  Zu  einer  Menuett 
brauchte  er  eine  lialbe  Stunde,  zu  einem  grössern 
Stück  eine  Stunde,  um  es  zu  lernen,  und  es  dann 
mit  der  vollkommensten  Nettigkeit  und  mit  dem 
festesten  Takte  zu  spielen.  Von  nun  an  machte  er 
solche  Fortschritte,  dass  er  in  seinem  fünften  Jahre 
schon  kleine  Stücke  componirte,  die  er  seinem  Va- 
ter vorspielte  und  von  diesem  zu  Papier  bringen 
Hess.**) 

In  der  Leipziger  allgemeinen  musikalischen  Zei^ 
tung  (1817)  schreibt  Professor  Fröhlich  auf  Anlass 
der  grossen  Symphonie  Voglers :  „Eine  eigene  Rich- 
tung der  Denk-  und  besonders  der  Gefiihlskraft  hat 
jedes  Genie  als  eine  reiche  Mitgabe  von  der  ^Natur 
erhalten.  Die  Art  hingegen,  wie  sich  beyde  ent- 
wickeln und  ausbilden ,  ja  sogar  oft  eine  eigene 
.Wendung  derselben,  hängt  häufig  von  den  Lebens- 
verhältnissen des  Künstlers  ab.  Recensent  hat  das 
Buch  gesehen,  worin  die  ersten  Stücke,  welche  Mo- 

"  .\    Ol  .    H  t.rr.\.     •     «  •    '  • 

*)  Von  diesen,  die  der  Vater  in  ein  eigenea  Buch  schrieb,  be- 
sitze ich  fcwÖif  daraus  abgeschrieben.     "  : 

•*)  Von  diesen  besitze  ich  ans  demselben  Buche  fünf,  wovon 
dio  »teste  rom  Jänner  176a  und  noch  drey  grössere  aus 
dem  Jahre  i763.  Die  Schwester  beaitat  das  ganie  Buch 
und  bewahret  diese  kostbare  Reliquie  auf. 


1 

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2art,"  dieser  Heros  der  Tonkunst;  in  seinem  vierten 
Jahre  lernte  ,  nebst  den  ersten  eigenen  Versuchen 
desselben  in  seinem  fünften  Jahre,  von  seiner  eige- 
nen Hand  geschrieben  (nicht  alle),  enthalten  sind. 
So  wenig  Interesse  lur  die  Kunst  selbst  diese  kleinen 
Arbeiten  von  wenigen  Zeilen  haben  mögen,  so  zeigt 
sich  doch  darin  die  eigentümliche  Richtung  dieses 
grossen  Geistes,  angeregt  durch  jene  in  seinen  Ue- 
bungsstucken  enthaltene  Form,  welche  er  aber  mit 
seiner  Eigenheit  in  diesen  ersten  Versuchen  gestal- 
tete, und  dann,  in  der  Folge,  bis  zu  der  erstau- 
nenswerthen  Höhe  ausbildete/1 

•  •  • 

Vor  der  Zeit,  ehe  er  Musik  kannte,  war  er,*  sei- 

_____  *  ■ 

nein  lebhaften  Temperamente  nach,  für  jede  Kinde- 
rey,  wenn  sie  nur  mit  eiuem  wenigen  Witze  gewürzt 
war,  ,  so  empfänglich,  dasS  er  darüber  Essen  und 
Trinken  und  alles  Andere  vergessen  konnte.  Ueber- 
all  zeigte  sich  ein  liebendes,  zärtliches,  lebhaftes  Ge- 
fühl  in  ihm,  so  dass  er  die  Personen,  die  sich  mit 
ihm  abgaben,  oft  zehnmal  an  einem  Tage  fragte, 
ob  sie  ihn  lieb  hätten  ?  und  wenn  man  es  ihm  im 
Scherze  verneinte,  sogleich  die  hellen  Thränen  im 
Auge  zeigte.  Aber  von  der  . Zeit  an,  wo  er  mit  der 
Musik  bekannt  wurde,  verlor  er  allen  Geschmack  an 
den  gewöhnlichen  Spielen  und  Zerstreuungen  der 
Kindheit,  und  wenn  ihm  ja  noch  diese  Zeitvertreibe 
gefallen  sollten,  so  mussten  sie  mit  Musik  begleitet 
seyn.    Wenn  z.  B.  er  und  ein  gewisser  Freund  *) 


*)  Andreas  Sehachtner ,  Hoftrompeter  m  Salzburg,  der  auch  ein 
wiwenschaOlich  gebildeter  Mann  und  roriügiich  guter  Dich- 
ter war. 


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vom  Hause,  der  sich  viel  mit  ihm  abgab,  Spielzeug 
aus  einem  Zimmer  in's  andere  trugen,  niusste  allemal 
derjenige  von  beyden,  der  leer  ging,  einen  Marsch 
dazu  singen,  oder  auf  der  Geige  spielen.  Sein  Ton- 
sinn behielt  nun  die  Oberherrschaft. 

Er  war  in  diesen  Jahren  überaus  gelehrig,  und 
er  begriff  zu  gleicher  Zeit  auch  andere  Wissenschaf- 
ten 5  so  machte  ihn  der  mit  dem  Ton-  und  Farben- 
sinne  so  innig  verbundene  Zahlensinn  in  der  Folge 
zu  einen  der  geübtesten  Rechenmeister,  welcher 
"Wissenschaft  er  sich  eine  Zeit  lang  mit  demselben 
umfassenden  Eifer  wie  der  Tonkunst  widmete,  so 
dass  er  darüber  alles  Andere,  selbst  die  Musik,  auf 
einige  Zeit  zu  vergessen  schien«   Als  er  z.  B.  rech- 
nen lernte,  waren  Tisch,  Sessel,  Wände,  ja  sogar 
der  Fussboden  von  ihm  mit  Kreide  voll  Ziffern  ge- 
schrieben.  Er  war  im  Ganzen  voll  Feuer,  und  hing 
jedem  Gegenstande  leicht  an  5    er  wurde  daher  in 
Gefahr  gewesen  seyn,  auf  schädliche  Abwege  zu 
geralhen,  wenn  ihn  nicht  seine  treffliche  Erziehung 
dafür  geschützt  hätte.    Aber  bald  war  es  wiederum 
die  Musik,  von  der  seine  Seele  voll  war,  und  mit 
der  er  sich  unablässlich  beschäftigte.    Mit  Riesen- 
schritten ging  er  darin  vorwärts,  so  dass  selbst  sein 
Vater,  der  doch  täglich  um  ihn  war  und  jede  Stufe 
der  Fortbildung  bemerken  konnte,  oft  davon  über- 
rascht und  darüber,  wie.  über  ein  Wunder,  in  Er- 
staunen gesetzt  wurde.  f  . 

Ja,  wunderbar  waren  seine  Anlagen,  und  die 
Entwickelung  und  Aeusserung  seines  Genie's  schritt, 
den  grössten  Erwartungen  vor.  In  der  That  war  die 
ausserordentliche  Fertigkeit,  die  er  auf  dem  Chi  viere 

8 


1 


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<8 

besass,  und  die  tiefe  Einsicht  in  die  Kunst,  in  einem 
Alter,  wo  Kinder  sonst  noch  gewöhnlich  keinen 
Kunsttrieb  äussern,  erstaunend  und  über  alle  Vor- 
stellung. Was  man  ihn  lehren  Wollte,  davon  schien 
sein  Geist  dunkle  Ahnungen  gehabt  zu  haben,  die 
zur  völligen  Deutlichkeit  nur  einer  Erinnerung  be- 
durften. 

Unser  Mozart  hatte  als  Knabe  nocli  keine  Kennt- 
nisse der  Composition,  gleichwohl  verfiel  er  auf  den 
Gedanken,  ein  Clavierconcert  zu  compohiren.  Konnte 
er  auch  kein  wirkliches  Kunstproduct  liefern,  so 
zeigte  er  doch  einen  kindischen  Versuch  für  das, 
was  -er  werde  leisten  können,  wenn  seinem  Talente 
die  Regeln  der  Kunst  zu  Hülfe  kämen.  Er  strich 
aus,  wischste  und  klekste  so  lange  an  dem  Mach- 
werke, *bis  er  glaubte  es  vollendet  zu  haben.  Als 
sein  Vater  aus  der  Kirche  mit  einem  Freunde  nach 
Hause  zurück  kam ,  trafen  sie  den  kleinen  Wolfgang 
mit  der  Feder  beschäftigt  au.  Was  machst  Du  denn 
da?  fragte  ihn  sein  Vater. 

Wolfg.  Ein  Concert  für  das  Ciavier 5  der  erste 
Theil  ist  bald  fertig. '  ' 
,     Vater.  Lass  sehen,  das  muss  was  Sauberes  seyn. 

Wolfg.   Nein,  es  ist  noch  nicht  Fertig. 

Der  Vater  nahm  es  ihm  weg  und  zeigte  seinem 
Freunde  diess  Geschreibsel,  das  man  vor  Klecksen 
kaum  lesen  konnte,  indem  es  grösstenteils  auf  aus- 
gewischte Dintenflecke  hingeschrieben  war;  denn  der 
Kleine  hatte  allemal  mit  der  Feder  bis  auf  den  -Grund 
des  Dintenfasses  getaucht,  und  so  musste  denn  der 
Feder  immer  ein  Fleck  entfallen,  den  er  dann  mit 
der  flachen  Hand  wieder  auswischte  und  immer  wic- 


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1 


1!) 


der  darauf  fortschrieb.  Beyds  Freunde  lachten 
fangs  über  diesen  GalimaÜxias  von  Noten*  Als  aber 
der  Vater  die  Composition  selbst  mit  Aufmerksam- 
keit betrachtete,  blieb  sein  Blick  lange  starr  auf  das 
Blatt  geheftet,  bis  endlich  helle  Thränen,  Thränen 
der  Bewunderung  und  der  Freude,  seinen  Augen 
entfielen.  Es  waren  nämlich  Gedanken  darin  be- 
merkbar, die  weit  über  seine  Jahre  gingen*  „Sehen 
Sie,  Freund,"  sagte  er  mit  Rührung  und  Lächeln, 
„wie  Alles  richtig  und  nach  der  Regel  gesetzt  ist  5 
nur  kann  man  es  nicht  brauchen,  weil  es  so  ausser- 
ordentlich  schwer  ist,  dass  es  kein  Mensch  zu  spielen 

......    r  I  .....  T 

im  Stande  wäre."  —  „Dafür,"  fiel  der  kleine  Wolf- 
gang  ein,  „ist  es  auch  ein  Concert;  man  muss  so 
lange  exerciren,  bis  man  es  herausbringt.  Sehen  Sie, 
so  muss  es  gehen.u  Er  fing  nun  an  zu  spielen, 
konnte  aber  auch  nur  so  viel  herausbringen,  dass 
man  sali,  welches  seine  Ideen  gewesen  waren.  Denn 
er  hatte  sich  damals  den  Begriff  gebildet,  dass,  Con- 
cert spielen  und  Mirakel  wirken  einerley  seyn  müsse  5 
darum  war  sein  Aufsatz  von  zwar  grösstenteils  rieh-" 
tigen,  aber  so  schwer  zusammengesetzten  Noten,  dass 
es  selbst  jedem  Meister  unmöglich  war,  sie  zu  spie- 
len. Uebrigens  war  das  Concert  mit  Trompeten  nnd 
Pauken  und  Allem,  was  sich  blasen  und  geigen  lässt, 


Zu  dieser  Zeit  hatte  es  der  Knabe  in  der  Musik 
schon  so  weit  gebracht,  dass  der  Vater  ohne  Beden- 
ken auch  das  Ausland  zum  Zeugen  der  ausserordent- 
lichen Talente  seines  Sohnes  machen  konnte. 


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30 

I,te  ' Reise  des  Vaters  mit  dem  Sohne  und  der 

Tochter  nach  München. 

Die  erste  Reise,  die  der  Vater  mit  den  beyden 
Kindern  unternahm,  war  nacli  München  im  J.  1762 
den  12»  Januar,  wo  also  unser  Mozart  noch  nicht 
das  sechste  Jahr  vollendet  hatte.  Von  dieser  ersten 
Reise  sind  weiter  keine  Nachrichten  vorhanden,  ab 
dass  sie  dort  drey  Wochen  geblieben,  wo  Wolfgan^ 
vor  dem  Churfursten  ein  Concert  spielte,  und  mit 
seiner  Schwester  die  grösste  Bewunderung  einerntete. 

Als  sie  nach  Salzburg  zurückgekehrt  waren,  und 
beyde  Kinder  nun  täglich  vollkommener  auf  dem 
Claviere  wurden,  ging  die  gesammte  Familie  im 
Herbste,  den  19«  Sept.  1762,  also  auch  im  sechsten 
Altersjahre  Mozarts,  nach  Wien,  wo  die  beyden 
kleinen  Virtuosen  dem  kaiserlichen  Hofe  vorgestellt 
wurden. 

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II*  Reise  des  Väterd  mit  den  beyden  Kindern 

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nach  Wien. 

\  Schon  während  der  Reise  nach  Wien  schrieb 
der  Vater  an  den  Kaufmann  Hagenauer  nach  Salzr 
burg  unter  andern  Folgendes  i 

(Leopold  Mozarts  Brief  No.  i.) 

-  • 

Linz,  3.  October  176a.  J 

Haben  Sie  nicht  geglaubt,  wir  wären  schon  iu 
Wien,  da  wir  doch  noch  in  Linz  sind?  Morgen, 

wenn  Gott  will,  gehen  wir  dahin  ab.  Wir 

wären  schon  in  Wien,  wenn  wir  nicht  in  Passau 
fünf  ganze  Tage  hätten  sitzen  müssen.  Diese  Ver- 
zögerung, woran  der  dasige  Bischof  Schuld  war,  ist 


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*   

mir  um  achtzig  il.  Schade,  die  'ich  in  Linz  einge- 
nommen hätte,  wenn  ich  früher  gekommen  wäre, 
da  ich  mich  nun  mit  etlichen  vierzig  fL  begnügen 
jnu. ss,  die  mir  aus  dem' vorgestern  gegebenen  Con- 
certe  geblieben  sind.  Wolfgang  hatte  die  Gnade, 
sich  bey  dem  erwähnten  Fürsten  zu  produciren,  und 
dafür  bekam  er  einen  ganzen  Ducate^n. 

In  Passau  waren  wir  den  20«  September  ange- 
kommen. Am  26.  Sept.  reisten  wir  mit  dem  Dom- 
herrn Grafen  Ilerberstein  hielier,  ^uid  trafen  an  dem- 
selben Tage  ein,  Die  Kinder  sind  lustig  und  überall 
wie  zu  Hause.  Der  Bube  ist  mit  allen  Leuten,  be- 
sonders mit  Offizieren,  so  vertraulich,  als  wenn  er 
sie  schon  seine  ganze  Lebouszeit  hindurch  gekannt 
hatte.  Meine  Kinder  seyn  übrigens  alle  in  Verwun- 
derung, sonderheitlich  der  Bube. 

Graf  Herberstein  und  G  raf  Schlick ,  der  hiesige 
Laudeshauptmann,  wollen  uns  in  Wien  einen  grossen 
Lärm  vorangehen  lassen.  Allem  Ansehen  nach  wer- 
den unsere  Sachen  gut  gehen.  Gott  erhalte  uns  nur, 
wie  bisher,  gesund«  Ich  bitte  Sie,  auf  unsere  Inten- 
tion vier  heilige  Messen  zu  Maria- Piain  *)  zu  ver- 

■ 

austalten..  und  zwar  so  bald  es  möglich  ist,  

(Leopold  M.  Brief  No.  2.)         "  % 

Wien,  iG.  Oc;tbr.  176a. 

I  mm         m    a  *  #  %# 

t  *  •  •  • 

Am  Fesle  des  heil.  Franziscus  sind  wir  von  Linz 
abgereist  und  in  Matthatisen  angelangt.  Den  folgen- 
den (Dienstag)  Erchtag  kamen  wir  nach  Ips,  wo  zvvey 
Miuoriten  und  ein  Beuedicliner,  die  unsere  Wasser- 

•)  Ein  berühmter,  eine  kleine  Stunde  ron  der  Stadt  cnüegoner 
/  Wallfalirlsoit. 

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reise  mitgemacht  hatten,  heilige  Messen  lasen,  unter 
welchen  unser  Woferl  *)  sich  auf  der  Orgel  so  her- 
um tummelte  und  so  gut  spielte,  dass  die  Franzis- 
caner  Patres,  dio  eben ;  mit  einigen  Gasten  an  der 
Mittagstafel  sassen,  sammt  ihren  Gästen  das  Essen 
verliessen,  dem  Chöre  zuliefen  und  sieh  last  zu  Tode 
wunderten.  Nachts  waren  wir  zu  Stein,  und  am 
Mittwoch  langten  wir  hier  an.  Auf  der  Schänzel- 
mautli  wurden  wir  ganz  geschwind  abgefertigt,  und 
von  der  Hauptmauth  gänzlich  dispensirt.  Das  hat- 
ten wir  unserm  Herrn  Woferl  zu  danken,  denn  er 
machte  sogleich  Vertraulichkeit  mit  dem  Mauthner, 
zeigte  ihm  -das  C lavier,«  machte  seine  Einladung, 
spielte  ihm  auf  dem  Geigerl  ein  Menuett. 

Bis  jetzt  sind  wir,  trotz  des  abscheulichsten  Wet- 
ters, schon  bey  einer  Akademie  des  Grafen  Collalto 
gewesen ,  und  die  Gräfin  SinzendorfF  hat  uns  zu  dem 
Grafen  Wilschegg  und  den  41.  zu  dem  Reichs- Vice- 
kanzler  Grafen  von  Colloredo  gefuhrt,  wo  wir  die 
ersten  Minister  und  Damen  zu  sprechen  die  Gnade 
hatten,  namentlich  den  ungarischen  Kanzler,  Grafen 
Palffy,  den  böhmischen  Kanzler,  Grafen  Chotek,  den 
Bischof  Esterhazy.  Erwähnte  Gräün  ist  sehr  für  uns' 
bemüht,  und  alle  Damen  sind  in  meinen  Buben  ver- 
liebt. Nun  sind  wir  schon  aller  Orten  in  Ruf.  Als 
ich  am  10.  October  in  der  Oper  war,  hörte  ich  den 
Erzherzog  Leopold  aus  seiner  Loge  in  eine  andere 
hinüber  erzählen:  es  sey  ein  Knabe  in  Wien,  der 
das  Ciavier  so  trefflich  spiele  etc.  Selbigen  Abend 
um  ii  Uhr  erhielt  ich  Befehl,  am  12«  nach  Schön- 


•)  d.  K.  Wull'gang. 


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23 

« 

braun  zu  kommen.  Am  folgenden  Tage  ward  ich 
aber  auf  den  13.  bestellt,  weil  am  ±%  der  Maximi- 
lians- und  folglich  ein  Galla -Tag  wäre,  und  man 
die  Kinder  in  Bequemlichkeit  hören  will.  Alles  er- 
staunet ob  dem  Buben,  und  ich  habe  noch  Niemand  , 
von  ihm  sprechen  hören,  der  nicht  sagte,  dass  seine 
Fähigkeit  unbegreiflich  ist.  Der  Baron  Schell  be- 
müht sich  sehr  für  mich,  und  erkennt  mit  dankba- 
rem  Gemüthe  die  Güte,  die  er  in  Salzburg  genossen 
hat,  welches  ich  dem  gnädigen  Herrn  Chiusolis  an- 
zuriihmen  bitte;  ich  .hatte  an  ihn  ein  Schreiben  von 
dem  Grafen  Daun  zu  meinen  Gunsten.  Er  macht 
mir  gute  Hoffnung,  und  es  scheint,  dass  er  es  darf, 
da  der  Hof  uns  zu  hören  verlangt  hat,  ehe  wir  uns 
gemeldet  haben.  Dieses  ist  so  zugegangen :  Ein  jun- 
ger Graf  Palffy  ging  durch  Linz,  als  eben  unser 
dortiges  Concert  anfangen  sollte.  Er  wartete  der 
Gräfin  Schlick  auf,  die  ihm  von  dem  Knaben  er- 
zählte und  ihn  bewog,  die  Post  vor  dem  Rathhause 
halten  zu  lassen  und  mit  ihr  in  das  Concert  zu  ge- 
hen. Er  horte  es  mit  Erstaunen  an  und  machte  bey 
seiner  Anherkunft  die  Erzählung  dem  Erzherzoge 
Joseph,  der  sie  der  Kaiserin  wiederholte.  So  bald 
es  nun  bekannt  war,  dass  wir  in  Wien  wären,  er- 
ging der  Befehl  an  uns,  bey  Höfe  zu  erscheinen.  — 
Ich  hätte  Ihnen  sogleich  berichtet,  wie  unsere  Er- 
scheinüiig  ausfiel,  wenn  wir  nicht  schnurgerade  von 
Schönbrunn  zum  Prinzen  von  Hildburghausen  hät- 
ten fahren  müssen.  Es  überwogen  solchergestalt  sechs 
Ducaten  das  Vergnügen,  Ihnen  unverzüglich  zu  schrei- 
ben. Noch  heute  lässt  mir  die  Zeit  nicht  zu,  Ihnen 
mehr  zu  sagen,  als  dass  wir  von  den  Majestäten  so 


?4 


ausserordentlich  gnädig  aufgenommen  worden  bind, 
dass  man  meinen  Bericht  für  eine  Fabel  halten  würde. 
Der  Woferl  ist  der  Kaiserin  auf  den  Schoos«  ge- 
sprungen ,  hat  sie  um  den  Hals  genommen  und  recht- 
schaffen abgeküsst«  Wir  sind  von  3  bis  6  Uhr  bey_ 
ihr  gewesen,  und  der  Kaiser  kam  selbst  in  das  zweyto 
Zimmer  hinaus,  mich  Ii  ine  in  zu  holen,  um  die  In* 
fantin  auf  der  Violine  spielen  zu  hören.  Gestern, 
als  am  Theresien-Taae.  schickte  die  Kaiserin  uns 
durch  den  geheimen  Zalilmeister,  der  in  Gala  vor 
unsere  Wohnung  gefahren  kam,  zwey  Kleider,  eins 
für  den  Buben,  eins  für  das  Mädel.  Der  geheime 
Zahlmeister  wird  sie  immer  nach  Hofe  abholen. 
Heute  Nachmittag  müssen  sie  zu  den  .  zwey  jüngsten 
Erzherzögen ,  dann  zu  dem  genannten  Grafen  Palffy, 
Gestern  sind  wir  bey  dem  Grafen  Kauniz  und  vor- 
gestern bey  der  Gräfin  Kinsky  und  dem  Grafen 
Udefeld  gewesen.  ( 

(Leopold  M.  Brief  No.  3«) 

Wien,  ig.  October  1762. 

—  _  *_  Heute  wurde  ich  zum  geheimen 
Zahlmeister  gerufen.  Er  empfing  mich  mit  der  gröss- 
ten  Höflichkeit  und  fragte  im  Namen  des  Kakers: 
ob  ich  mich  nicht  hier  noch  einige  Zeit  aufhalten 
könnte?  Meine  Antwort  war:  dass  ich  mich  Seiner 
Majestät  zu  Füsson  legte.  Der  Zahlmeister  händigte 
mir  darauf  100  Ducaten  ein,  mit  dem  Beysatze:  dass 
Seine  Majestät  uns  bald  wieder  rufen  werden.  Ich 
mag  es  betrachten,  wie  ich  es  immer  will,  so  sehe 
ich  vor,  dass  ich  vor  dem  Advent  kaum  nach  Hause 
komnieu  werde 5  allein  ich  werde  schon  vorher  noch 


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wegen  Verlängerung  der  Erlaulmiss  bitten.  Denn 
ich  muss,  wenn  ich  auch  in  vierzehn  Tagen  oder 
drey  Wochen  von  hier  weggehen  könnte,  wegen  der 
Kinder  langsam  reisen,  damit  sie  zu  Zeiten  ein  paar 
Tase  ausruhen  und  nicht  krank  werden* 

»       ,  |    *  '  . 

Heute  waren  wir  bey  dem  französischen  Bot- 

wir  zu  einem  Grafen 
Harrach.  Aller  Orten  werden  wir  durch  die  herr- 
schaftlichen Wagen ,  mit  einem  Bedienten  abgeholt 
und  zurückitefuhrt.  Von  sechs  bis  neun  Uhr  sind 
wir  für  sechs  Ducaten  zu  einer  grossen  Akademie- 
veraecordirt,  wobey  die  grössten  Virtuosen,  die  der-« 
mal  in  Wien  sind,  sich  produciren  werden?  Man 
bestellt  uns  viej ,  fünf,  sechs,  bis  acht  Tage  voraus, 
um  nicht  zu  spät  zu  kommen  5  so  bey  dem  Oberst- 
Postmeister,  Grafen  Paar,  auf  den  Montag.  Einmal 
sind  wir  um  halb  drey  bis  gegen  vier  Uhr  an  einem 

■  ■ 

Orte  gewesen.  Da  liess  uns  der  Graf  Hardegg  mit 
seinem  Wagen  holen  und  zu  einer  Dame  in  vollem 
Galopp  fuhren,  wo  wir  bis  halb  sechs  Uhr  blieben; 
dann  ging  es  zum  Grafen  Kauniz,  bey  dem  wir  bis 
gegen  neun  Uhr  waren» 

Wollen  Sie  wissen ,  wie  des  Woferls  Kleid  aus- 
sieht? Es  wt  vom  feinsten  Tuche,  lillafarben;  die 
Weste  von  Moir,  nämlicher  Farbe;  Rock  und  Ca- 
misol  mit  doppelten  und  breiten  Gold -Borten.  Es 
war  für  den  Erzherzog  Maximilian  gemacht.  Der 
Nannerl  ihr  Kleid  war  das  Hofkleid  einer  Erzher- 
zogin. Es  ist  weiss  brochirter  TafFent,  mit  allerhand 
Garnirungcn.  — — '   '  * 


.  (LeopoWM.  BrUf  Np.  M  '  . 
•  ,  %  Wien,  5o.  October  176a. 
OT  mm  mmi  .mm  Glück  und  Glas,  wie  bald  bricht 
ein  Essigkrug  l  Ich  dachte  e&  fast,  dass  wir  vierzehn 
Tage  nach  einander  zu  glücklich  waren«  Gott  hat 
uns  ein  kleines  Kreuz  zugeschickt,  und  wir  danken 
seiner  unendlichen  Güte,  dass  es  noch  so  abgelaufen 
ist*  Den  21.  waren  wir  Abends  um  sieben  Uhr  aber- 
mals bey  der  Kaiserin.  Woferl  war  schon  nicht 
recht  wie  sonst.  Später  zeigte  es  sich,  dass  der 
Woferl  eine  Art  Scharlach  -  Ausschlag  hatte.  Die 
Herrschaften1 -hatten  wicht  nur  die  Gnade,  sich  tag- 
lieh  um  die  Umstände  des  Buben  erkundigen  zu  las- 
sen, sondern  sie  empfahlen  ihn  auf  das  Eifrigste  dem 
Arzte  der  Gräfin  Sinzendorf,'  Bernhard,  der  auch 
sehr  besorgt  war.  Jetzt  nähert  sich  die  Krankheit 
sehr  dem  Ende.  Indessen  ist  sie  mir,  gering  gerech- 
net, fünfzig  Ducaten  Schade.  Ich  bitte,  dass  drey 
heilige  Messen  zu  Loretto  bey  dem  heiligen  Kindel, 
und  drey  dito  in  Bergl  bey  dem  heil.  Franz  de  Paula 
gelesen  werden  mögen.  

(Leopold  M.  Brief  No.  5.) 
.  *  *  Wien,  6.  November  170a. 

Die  Gefahr  meines  Woferls  und  meine  Angst 
sind,  Gottlob!  Überständern  Gestern  liaben  wir  uu- 
sern  guten  Arzt  mit  einer  Musik  bezahlt.  Einige 
Herrscliaften  liaben  indes*  zu  uns  geschickt,  um  sich 
nach  WolfgÄiigerl  zu  erkundigen  und  ihtn  zum  Na- 
menstage Glück  zu  wüuschen.  Das  war  aber  auch 
Alles;  nämlich  der  Graf  Ferdinand  Harrach,  Graf 
Palify,  der  französische  Botschafter,  Gräfin  Küasky, 

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I 


-22- 

Baron  Prohmann,  Baron  Kurz,  Gräfin  Paar.  Wäre 
er  nicht  schon  bald  vierzehn  Tage  zu  Hause  gewe- 
sen, so  würde  es  nicht  ohne  Geschenk©  abgegangen 
seyn.  Jetzt  müssen  wir  sehen,  dass  die  Sache  wie- 
der in  ihren  Gang  kommt,   dor  reclitschaffen  gut 


•  • . . 

•  •  •  * 


< 


•  •  •  •     ;  t 


■  '      »(Leopold  M.  BrkfNö.  6.)  >   \       '  * 

*  '* :         Wi©«,'  io.  November  1^6 !  ' 

 ■  —  —  Beyliegende  Reime  bürden 

mir  in  dem  Concerte,  das  gestern  bey  der  Marquisin 
Pacheco  war,  von  dem  Grafen  Collalto  überreicht; 

•  •  •  •  i 

ein  gewisser  Pußendorf  hat  sie  bey  Anhörung  mei- 
nes Buben  niedergeschrieben. 


Auf  den  kleinen  sechsjährigen  Clavieristeu 

aus  Salzburg. 

•        »        .  . 
•  i  *  "  - 

Wie ii,  den  25.  December  1763. 

• 

Ingenium  coeleste  suis  velocius  annis 
Surgit ,  et  ingratae  fert  male  damha  morae\ 

Bcwtitid^rtingÄWcrthcs  KincH,  tlcss  FcrtigVeft  man  prcw't, 
Und  Dich  den  kleinsten,  doch  den  gröasten  Spieler  heisst, 
Die  Tonkunst  hat  für  Dich  nicht  weiter  viel  Beschwerden: 
Du  kannst  in  kurzer  Zek  der  gTÖsste  Meister  werden ; 
Nur  wünsch»  ich,  dass  Dein  Leib  der  Seele  Kraft  aussteh', 
Und  nicht,  wie  Lübeck'«  Kind»),  zu  früh  eu  Grabe  geh». 


•)  Dieses  Wunder  von  einem  gelehrten  Kinde,  welches  gana 

Deutschland  vou  sich  reden  gemacht,  und  in  soinem  sechsten 

Jahre  viele  Sprachen  und  Wissenschaften  in  seiner  Gewalt 

>,  starb  BMi  etlichen  Jahren,  und  bewies  leider  mit 

Beyspielo  den  GnmdsaU;  Fructus  t**4  idetn  diutur* 

nus  ac  praecox  nequit. 

•    •  •»  .  Puff  end&rf. 


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2ft  1 

- 

ti    /  (LcopoJd  M,  Brief  No.  7.) 

-r  .  ■  .  •  '  Wien,  den  a4.  November  17G2. 
— —  —  Wir  müssen  mit  Geduld  abwar- 
ten, unsere  Sachen  in  den  guten  alten  Gang  bringen 
zu  können.  Es  furchtet  sich  nämlich  die  hiesige 
Noblesse  sehr  vor  Blattern  und  allen  Gattungen  de* 
Ausschlags.  Folglich  hat  uns  die  Krankheit  des  Bu- 
ben fast  vier  Wochen  zurückgeschlagen.  Denli,  ob- 
wohl wir,  seitdem  er  gesund  ist,  21  Ducaten  einge- 
nommen haben,  so  ist's  doch  nur  eine  Kleinigkeit, 
weil  unsere  Ausgaben  taglich  nicht  unter  einem  Du- 
caten  zu  bestreiten  sind.  Unterdessen  leben  wir  sonst 
guten  Muthes.  Die  Gräfin  Theresia  Lodron  hat  uns 
mit  ihrer  Loge  bedient,  und  meinem  Woferl  Schuh- 
schnallen  verehrt,  die  goldne  Platten  haben.  Am 
Elisabeth  tage  haben  wir  die  Gallatafel  gesehen.  Die 
Ehren  und  Gnaden,  die  uns  da  von  der  Noblesse 
widerfahren  sind,  waren  ausnehmend,  und  es  kann 
Ihnen  genügen,  zu  wissen,  dass  die  Kaisenn  mich 
von  der  Tafel  weg  augerufen,  ob  der  Bube  nun 
recht  gesund  scy.  Boy  dem  Capelimeis ter  Reitter 
und  Herrn  v.  Wohlau  siud  wir  für  immer  eingehe 
den  5  allein  es  möchte  der  Gesundheit  meiner  Kinder 
schädlich  seyn,  oft  davon  zu  profitireu.  —  

•  vi 

.  (Wl»old  M-  Brief  No.  8.)  . 

Wien,  den  39.  December  176a. 


Wir  sind  von  einer  Reise  nach  Pressburg  zurück, 
die  wir  am  H.  angetreten  hatten.  Da  dio  Gräfin 
Leopold  Kinsky  täglich  sich  nach  uns  hatte  erkun- 
digen lassen,  so  eilte  ich  bald  zu  ihr.   Sie  hatte  mit 


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Schmerzen  auf  uns  gewartet,  und  eine  Tafel  verscho- 
ben, die  sie  dem  Feldmarschall  Daun  geben  wollte, 
der  uns  zu  kennen  wünschte.  Diese  Tafel  ist  geger- 
ben, und  am  Frey  tage  kehre  ich  zu  Ihnen  zurück. 

Eine  verehrungswürdige  Dame,  die  damals  am 
Hofe  war,  versicherte  mich  (schreibt  Professor 
Niemtscheck ) ,  dass  beyde  Kinder  ein  allgemeines 
Erstaunen  erregt  haben;  man  konnte  kaum  seinen 
Augen  und  Ohren  trauen,  wenn  sie  sich  producirten. 
Vorzüglich, hat  der  verewigte  Schätzer  der  Künste, 
Kaiser  Franz  L,  an"  dem  kleinen  Hexenmeister 
(wie  er  ihn  scherzweise  nannte)  viel  Wohlgefallen 
"gefunden.  Er  unterhielt  sich  vielmal  mit  ihm.  l- 
Kaiser  Franz  sagte  unter  andern  im  Scherze 
zu  dem  Sohne:  „es  sey  keine  Kunst,  mit  allen  Fin- 
gern zu  spielen;  aber  nur  mit  einem  Finger  und 
auf  einem  verdeckten  Claviere  zu  spielen,  das  würde 
erst  Bewunderung  verdienen."  Anstatt  durch  diese 
unerwartete  Zjumutnimg  betroiien  zu  werden,  spielte 
der  Kleine  sogleich  mit  einem  Finger  so  nett,  als  es 
möglich  ist;  Hess  sich  auch  die  Claviatur  bedecken, 
und  spielte  dann  mit  solcher  bewunderungswürdigen 
Fertigkeit,  als  wenn  er  es  schon  lange  geübt  hatte. 
Das  Lob  der  Grossen  machte  schon  als  Kind  keinen 
solchen  Eindruck  auf  ihn,  um  darauf  stolz  zu  wer- 
den. Schon  in  seinen  damaligen  Jahren  spielte  er 
nichts  als  Tändeleyen  und  Tänze,  wenn  er  sich  vor 
Personen  musste  hören  lassen,  die  nichts  von  Musik 
verstanden. 

Er  zeigte  hier  schon  immer  des  Künstlers  Selbst- 
gefühl und  war  von  Ruhmredigkeit  und  Verlegen- 


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30 


heit  gleich  weit  entfernt.  Hingegen  war  er  allezeit 
ganz  Feuer  und  Aufmerksamkeit,  wenn  Kenner  zu- 
gegen waren ;  desshalb  musste  man  ihn  oft  hinter- 
gehen  und  seine  vornehmen  Zuhörer  für  Kunstver- 
ständige ausgeben.  Als  sich  der  sechsjährige  Knabe 
beym  Kaiser  Franz  I.  an  das  Ciavier  setzte,  und 
er  vielleicht  merkte,  dass  er  Von  lauter  Hofleuten 
umgeben  wäre,  die  er  nicht  für  Kenner  kannte  oder 
hielt,  saute  er  zu  dem  Kaiser:  ..Ist  Herr  Wacenseil 
nicht  hier?  Der  soll  herkommen  $  der  versteht  es." 
Der  Kaiser  liess  darauf  Wagenseil  an  seine  Stelle  . 
ans  Ciavier  treten,  zu  dem  nun  der  kleine  Mozart 
sagte:  „Ich  spiele  ein  Concert  von  Ihnen 5  Sie  müs- 
sen mir  umwenden.  *) 

Von  dieser  Reise  hat  man  noch  folgende  Anek- 
dote. Als  der  Knabe  einst  hey  der  Kaiserin  war, 
führten  ihn  zwey  der  Erzherzoginnen,  unter  welchen 


•\  Zu  dieser  Anekdote  Esst  eich  folgende,  freylich  fn  eine  viel 
;  spätere  Zeit  gehörende,    anführen.     Mozart*  Gattin  hatte 
einen  Hund ,  der  ihr  sehr  zugethan  war.  Auf  einem  Spazier- 
gange im  Auga-ftcn  scherzten  sie  vor  dem  treuen  Thiere, 
und  sie  sagte:  „Thno  nur,:  als  wenn  Du  mich  schlü- 
gest."  Als  Mozart  4»Q**  that,  trat  der  menschenfreundliche 
Kaiser  Joseph  aus  seinem  Sommerhause:  Ey,  ey,  drey 
\vVehen  erst  verheirathet,  und  schon  Schläge!44 
.    Mozart  erzöilt»  den  Zusammenhang  und  der  Kaiser  lachte. 
.  In  der.  Unterredung,  die  er  fortsetzte,  fragte  er  Mozarten: 
„Erinnern  Sie  sich  noch  der  Anekdote  mit  Wagenseil? 
und  wie  ich  Violine  spreite  und  Sie  unter  den  Zuhörern  im 
.     Vorzimmer  bald  Pfui,  das  war  falsch!  bald  Bravo  riefen?" 

Ein  ander  Mal  (1785),  als  viel  von  der  unglücklichen 
Heirath  der  Madame  Lang  (Schwester  der  Mozart)  öffentliche 
Rede  war,  und  der  Kaiser  der  Mozart  begegnete,  sagte  er  zu 
ihr:  „Was  für  ein  Unterschied  ist's,  einen  liebenden  Mann 
zu  haben  I"  — 


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st  ' 

-  ^ 

die  nachmalige  unglückliche  Königin  von  Frankreich, 
\m  Antoinette,  war,  herum.  Er  fiel  auf  den,  ihm 
ungewohnten  ,  geglätteten  Fusshoden.  Die  eine  der 
Prinzessinnen  machte  sich. nichts  daraus;  die  andere, 
Marie  Antoinette,  hob  ihn  auf  und  that  ihm 
gütig.  Er  sagte  zu  ihr:  „Sie  sind  brav?  ich 
will  Sie  heirathen.44  Sie  erzahlte  das  der  Mut- 
ter, und  als  diese  den  Wolfgang  fragte,  wie  ihm 
dieser  Entschluss  käme,  antwortete  er t  „Aus  Dank- 
barkeit; sie  war  gut  gegen  mich,  während 
ihre  Schwester  sich  um  nichts  beküm- 
merte.*4       .  :    '  t   '  .  x 

Bis  jetzt  hatte  Mozart  bloss  das  Ciavier  gespielt, 
v  und  es  schien,  als  wenn  man  bey  der  beyspiellosen 
Fertigkeit,  mit  welcher  er  für  seine  Jahre  dieses  In- 
strument behandelte,  an  einen  Knaben  keine  Forde- 
rung, auch  andere  Instrumente  zu  spielen,  wagen 
dürfe.  Aber  der  Geist  der  Harmonieen,  der  in  sei- 
ner  Seele  wohnte,  kam  allen  Erwartungen  und  allem 
N  Unterrichte  bey  weitem  zuvor.  Er  hatte  aus  Wien 
eine  kleine  Geige  mitgebracht,  die  er  dort  geschenkt 
bekommen  hatte,  und  auf  der  er,  wicter  Wissen  des 
Vaters,  Fortschritte  gemacht  hatte.  Kurz  darauf, 
als  die  Familie  wieder  nach  Salzburg  zurückgekehrt 
war,  kam  Wenzl,  ein  geschickter  Geiger  und  ein 
Anfanger  in  der  Composition ,  zu  dem  Vater  Mozart 
und  bat  sich  dessen  Erinnerungen  über  sechs  Trio's 
aus,  die  er  während  der  Abwesenheit  der  Mozart'- 
schen  Familie  gesetzt  hatte. 

•        •  •  •  »       m         *  I 

Schachtne»,  eili  zur  selbigen  Zeit  lebender  Hof- 
Trompeter  in  Salzburg,  den  der  kleine  Mozart  be- 


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32 

sonders  Lebte,  war  eben  gegenwärtig.  „Der  Vater," 
so  erzählt  dieser  glaubwürdige  Augenzeuge,  „spielte 
mit  der  Viola  den  Bass,  Wenzl  die  erste  Violine, 
und  ich  sollte  die  zweyte  spielen.  Der  kleine  Wolf- 
gang bat,  dass  er  doch  die  zweyte  Violine  spielen 
dürfe.   Aber  der  Vater  verwies  ihm  seine  kindische 
Bitte,  weil  er  nocli  keine  Anweisung  auf  der  Vio- 
line gehabt  hätte  und  unmöglich  etwas  Gutes  vor- 
bringen könnte.   Der  Kleine  erwiederte:  dass,  um 
die  zweyte  Violine  zu  spielen,   man  es  ja  wohl 
nicht  erst  gelernt  zu  haben  brauche  5  aber  sein  Va- 
ter hiess  ihn  halb  unwillig  fortgehen,  damit  er'  uns 
nicht  weiter  störe,   Hierauf  fing  der  Knabe  bitter- 
lich zu  weinen  an  und  lief  mit  seiner  kleinen  Geige 
davon.     Ich  bat,  man  möchte  ihn  doch  mit  mir 
spielen  lassen.   Endlich  willigte  der  Vater  ein  und 
sagte  zu  Wolfgang:  Nun,  so  geige  mit  Herrn 
Schachtner,  aber  so  stille,  dass  man  Dich 
nicht  hört;    sonst  musst  Du  gleich  fort* 
Wir  spielten,  und  der  kleine  Mozart  geigte  mit  mir. 
Aber  bald  bemerkte  ich  mit  Erstaunen,  dass  ich  da 
ganz  übrig  sey.  Ich  legte  still  meine  Geige  weg  und 
sah  den  Vater  da,«  an,  dem  bey  dieser  Scene  Thrä- 
nen  der  gerührten  und  bewundernden  Zärtlichkeit 
aus  den  väterlichen  Augen  über  die  Wangen  rollten. 
Wolfgang  spielte  so  alle  sechs  Trio's  mit  Präcision 
und  Nettigkeit  durch.     Nach  Endigung  derselben 
wurde  er  durch  unsern  Beyfall  so  kühn,  dass  er  be- 
hauptete,  auch  die  erste  Violine  spielen  zu  können. 
Wir  machten  zum  Scherz  einen  Versuch  und  muss- 
ten  herzlich  lachen,  als  er  auch  diese,  wiewolil  mit 
lauter  unrechten  und  unregclmässigen  Applicaturen, 


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33 

»  »  —  - 

tpielte;  doch  aber  so,  dass  er  wenigstens  nie  ganz 
stecken  blieb."  . 

Von  nun  an  zeigte  es  sich  auch,  dass  das  ganze 
innere  Seyn,  die  eigentliche  Individualität  des  Kna- 
ben, der  Musik  hingegeben  und  nur  durch  sie  vor- 
handen war;  denn  nur  Musik  beschäftigte  ihn,  nur 
Musik  war  das  Mittel,  wodurch  die  Seele  im  Kör- 
per «ich  kund  thaL  Auch  ist  es  schon  aus  dieser 
Periode  höchst  bemerk ens werih  und  giebt  uns  über 
den  Charakter  aller  seiner  Werke  einen  so  höchst 
befriedigenden  Aufschluss ,  dass  seinem  Gehöre  jeder 
Missklang,  ja  sogar  schon  jeder  rauhe,  falsche,  durch 
Zusammenstimmung  nicht  gemilderte  Ton  ihn  un- 
willkürlich auf  die  Folter  spannte.  Die  Zartheit 
seiues  Gehörs  müss  ausserordentlich  gewesen  seyn! 
Finden  wir  die  Wirkung  von  diesem,  nur  für  das 
Schöne  der  Kunst  empfänglichen,  Gemütbe  nicht  in 
allen  Werken  Mozarts  wieder?  Herrscht  nicht,  trotz 
der  gewohnten  Vollstimmigkeit,  in  jedem  Takte  der- 
selben eine  Klarheit,  eine  Lieblichkeit,  die  selbst  in 
ihren  kühnsten  Uebergängen  und  Fortschreitungen 
auch  dem  ungebildetsten  musikalischen  Sinne  zur 
Wohllust  wird.?  Bewirkt  nicht  eben  diese  klare 
Verständlichkeit  der  Mozart'schen  Werke,  dass  sie 
sammtlich  ohne  Ausnahme  aufgeführt,  gesungen  und 
von  Jedermann  mit  gleichem  Entzücken  genossen 

■ 

werden?  ...  . 

In  dieser  Periode  der  Kindheit  und  fast  bis  iil 
das  zehnte  Jahr  hatte  Mozart  eine  unbezwingliche 
Apathie  gegen  die  Trompete,  besonders  wenn  sie 
allein  geblasen  wurde,  und  es  wirkte  oft  schon  feind- 
lich auf  ihn,  wenn  man  ihm  ein  solches  Instrument 

3 


I 


34 

• 

nur  vorhielt.  Sein  Vater  wollte  ihm  diese  kindische 
Furcht  benehmen  und  befahl  einmal,  däss  mau,  trotz 
•einer  Bitten,  auf  ihn  zu  bliese.  Aber  gleich  beym 
ersten  Stosse  wurde  er  bleich  und  sank  zur  Erde, 
und  leicht  hätte  ihm  etwas  Aergeres  widerfahren 
können,  wenn  man  das  Schmettern  nicht  unterlassen 
hätte.  Um  diese  Zeit  spielte  er  einmal  auf  der  Geige 
Schachfcners ,  dieses  schon  erwähnten  Freundes  des 
Afozart 'sehen  Hauses,  und  lobte  sie  sehr  wecen  ihres 
sanften  Tones ,  wess wegen  er  sie  auch  immer  nur  die 
^uttergeige  nannte.  Einige  Tage  darauf  traf  Jener 
den  kleinen  Mozart  an,  als  er  sich  eben  auf  seiner 
eigen en  Geige  u nter hielt.  W as  macht  Ihre  But-, 
tergeige?  fragte  er  ihn  sogleich  und  fuhr  dann  in 
seiner  Phantasie  fort.  Endlich  dachte  er  eine  kleine 
"Weile  nach  und  sagte  dann  zu  Schachtner:  „Wenn 
Sie  Ihre  Geige  doch  so  gestimmt  Hessen,  wie  sie 
war,  als  ich  das  letzte  Mal  darauf  spielte 5  sie  ist  um 
einen  halben  Viertelten  tiefer,  als  meine  da."  Man 
lachte  über  diese  genaue  Angabe  in  einer  Sache,  wo 
das  geübteste  Kennerohr  kaum  einen  Unterschied  zu 
bemerken  im  Stande  ist;  aber  der.  Vater,  der  schon 
mehrere  Proben  Von  dem  ausserordentlich  zarten 
Tongefuhl  und  von  dem  Gedächtnisse  dieses  Kindes 
hatte,  Hess  die  Geige  holen  und  znm  allgemeinen 
Erstaunen  traf  die  Angabe  zu;  / 
Ungeachtet  er  täglich  neue  Beweise  von  dem 
Erstaunen  und , der  Bewunderung  der  Menschen  über 
seine  grossen  Anlagen  und  seine  Geschicklichkeit  er- 
hielt, so  machten  ihn  diese  durchaus  nicht  selbst* 
süchtig,  stolz  oder  eigensinnig,  sondern  er  war  ein 
überaus  folgsames  und  gefälliges  Kind.  .  .  .  ' 


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3.5 


Mozart  hatte  eine  so  zärtliche  Liebe  zu  seinen 
Eltern,  besonders  zu  seinem  Vater,  dass  er  eine  Me- 
lodie componirte,  dje  er  taglich  vor  dem  Schlafen- 
gehen sang,  wozu  ihn  sein  Vater  auf  einen  Sessel 
stellen  und  immer  die  Secunde  dazu  singen  musste. 
Wenn  diese  Feyerlichkeit  vorbey  war,  welche  kei- 
nen Tag  unterlassen  werden  durfte ,  kiisste  er  dem 
Vater  noch  ein  Mal  mit  innigster  Zärtlichkeit  die 
Nasenspitze  und  sagte  oft:  wenn  der  Vater  alt  wäre, 
würde  er  ilm  in  einer  JCapsel,  vorn  mit  einem  Glase, 
vor  aller  Luft  bewahren ,  um  ihn  immer  bey  sich 
un4  in  Ehren  zu  halten.  Auch  während  des  Sin- 
gens kiisste  er  bisweilen  die  Nasenspitze  des  Vaters, 
und  legte  sich  dann  mit  voller  Zufriedenheit  und 
Ruhe  zu  Bette.  Dieses  trieb  er  bis  in  sein  zehntes 
Jahr.  Die  Worte  waren  ohngefahr:  oragna  ßgata 
fa  marina  gamina  fa. 


Eine  Redensart,  die  er  häufig  brauchte,  war  die: 
Nach  Gott  kömmt  gleich  der  Papa.  Wahr- 
scheinlich war  diess  nicht  allein  Ausdruck  von  Lie- 
be, sondern  auch  von  Bewunderung,  weil  er  wusste, 
dass  der  kluge  Vater  für  Alles  Rath  schaffte. 

Niemals  bezeigte  er  sich  unzufrieden  über  einen 
Befehl  meines  Vaters,  und  wenn  er  sich  gleich  den 
ganzen  Tag  hindurch  Jiatte  hören  lassen  müssen,  so 
spielte  er  doch  noch  Jedem  ohne  Unwillen  vor,  so 

3* 


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•bald  es  sein  Vater  wollte.  Nie  hat  er  sinnliche  Stra- 
fen verdient.  Jeden  Wink  seiner  Eltern  verstand 
und  befolgte  er,  und  er  trieb  die  Anhänglichkeit  an 
sie  so  weit,  dass  er  sich  nicht  einmal  getrauete,  ohne 
Erlaubniss  derselben  auch  nur  das  Geringste  zu  essen 
oder  anzunehmen,  wenn  ihm  Jemand  etwas  bot. 

Anch  war  er  für  seinen  zarten  Körperbau  viel- 
leicht zu  fleissig.  Man  musste  ihn  oft  mit  Ernst  von 
dem  Claviere  treiben.  Diese  Vergessenheit  seiner 
selbst  blieb  ihm  bis  an  sein  Ende  eigen.  -  Täglich 
spielte  und  phäntasirte  er  am  Fortepiano,  wesshälb 
man  hier  behaupten  kann,  dass  das  Genie  seinen  Ge- 
genstand  immer  allmächtig  mit  ganzer  Seele  umfasste. 

Am  9.  Jun.  1763,  also  im  siebenten  Jahre  seines 
Alters,  als  Mozart  nicht  allein  Blüthen,  sondern  auch 
schon  Früchte  zeigte,  machte  die  Mozart'sche  Fami- 
lie die  erste  grosse  Reise  ausser  Deutschland,  wo-  . 

durch  nun  der  Ruhm  dieses  frühen  Künstlers  sich 

*  • 

allgemein  verbreitete. 

.  ... 

IIIte  Reise  ausser  Deutachland  nach  Paris,  Lon- 
don,  Holland,  oder  die  erste  grosse  Reise 

genannt. 

O  Gloria  del  giovine  maestro  si  sparse  general- 
mente  dietro  i  passi  suoi  e  fini  in  breve  col  precederli. 

Schon  aus  Wasserburg  in  Baiern  schrieb  der  Va- 
ter an  seinen  Hausherrn ,  den  Kaufmann  Hagenauer : 

(Leopold  M.  Brief  No.  9.) 

■  •   •  • 

;  Wasserburg,  ^en  11.  Jtin.  1763. 

—  —  —  —  —  Um  uns  zu  unterhalten,  sind 
wir  auf  die  Orgel  gegangen,  und  ich  habe  dem  Wol- 


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37 

-   J_  ■  . 

ferl  das  Pedal  erklärt.  Er  legte  gleich  steinte  pede 
Probe  abdrückte  den  Schemel  hinweg,  präambulirto 
stehend  und  trat  das  Pedal  dazu,  und  zwar  so,  als 
wenn  er  es  schon  viele  Monate  geübt  hätte.  Alles 
gerieth  in  Erstaunen,  und  es  ist  eine  neue  Gnade 
Gottes,  die  Mancher  nach  vieler  Mühe  erst  erhält. 


.r. 

. .  i 


Sie  kamen  den  12.  Juuius  in  München  an,  wo 
der  junge  Mozart  boym  Churfiirsten  ein  Concert  auf 
der  Violine  spielte  und  zwischen  den  Cadenzen  aus 
dem  Kopfe  präambulirte.  Das  Weitere  erzählt  uns 
der  Vater. 

pf«      ff  (Leopold  M.  Brief  No.  ioJ. 

München,  den  ai.  Jun.  1763. 

—  —  —  —  Am  i2.  angekommen.  ,Am  fol- 
genden Tage  fuhren  wir  nach  Nymphenburg.  Der 
rrmz  von  Zweibrücken,  der  uns  von  Wien  kannte, 
sähe  uns  vom  Schlosse  aus  im  Garten  spazieren  und 
gab  uns  ein  Zeichen  vom  Fenster.  Nachdem  er  Vieles 
mit  uns  gesprochen  hatte,  fragte  er:  ob  der  Chur- 
fürst  wüsste,  dass  wir  hier  wären?  Auf  unsere  ver- 
neinende  Antwort  schickte,  er  gleich  einen  neben  ilun 
stehenden  Cavalier  mit  der  Fräse  zum  Churfürsten: 
oh  er  die  Kinder  mcht  hören  wollte?  In  der  That 
kam  bald  ein  Läufer  mit  dem  Befehle,  dass  wir  um 
acht  Uhr  bey  der  Musik  erscheinen  sollten,  —  Der 
YVolferl  machte  seine  Sachen  cut.  Au  den  folgenden 
beyden  Tagen  waren  wir  bey  dem  Herzoge  Clemens, 
Nun  hat  es  Hitze,  wie  wir  von  hier  weiter  kommen, 
da  der  Gebrauch  hier  ist,  lange  warten  zu  lassen,  so 
dass  man  froh  seyn  muss,  das  zu  bekommen,  was 


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man  verzehrt.  Am  18.  speis'te  der  Churfiirst  in  der 
Stadt.  Wir  gingen  zur  Tafel.  Er*  seine  Schwester 
und  der  Prinz  von  Zweibrucken  unterhielten  sich  mit 
uns  die  ganze  Tafel  durch.  Ich  liess  den  Buben  sa- 
gen: dass  wir  morgen  abreisen.  Der  Churfiirst  be- 
zeugte zwey  Mal,  dass  es  ihm  leid  wäre,  das  Mädel 
nicht  gehört  zu  haben.  Bey  dem  Zweyten  Male  er- 
wiederte  ich:  dass  es  nicht  darauf  ankäme,  noch  ein 
paar  Tage  zu  bleiben.  Bey  dem  Herzoge  wercle  ich 
nicht  eigentlich  aufgehalten,  allein  er  erwartet  zu 
sehen,  was  der  Churfurst  giebt.  Herr  Tomasini  hat 
Ursache,  mit  Letzterem  übel  zufrieden  zu  seyn. 
Nachdem  er  sich  zwey  Male  producirt  hatte,  musste 
er  lange  warten  und  hat  endlich  nur  acht  Maxd'or 
bekommen.  Der  Herzog  hat  ihm  doch  eine  schöne 
goldne  Uhr  gegeben.  Ueber  den  Churfursten  habe 
ich  mich  nicht  zu  beklagen.  Er  ist  gnädigst.  Er 
sagte  mir  gestern:  Wir  sind  schon  alte  Bekannte, 
denn  es  wird  neunzehn  Jahre  seyn,  dass  wir  uns 
kennen.  Aber  die  Apost6ln  denken  Jeder  an  sich 
selbst  und  den  Beulel.  Wir  haben  hier  zwey 
sächsische  Käthe,  Messrs.  de  Bose  und  Üopfgarten, 
kennen  gelernt,  die  die  artigsten  Leute  sind. 

N.  S.  Nun  sind  wir  expedh  t.  Von  dem  Chur- 
Kirsten  habe  ich  100,  von  dem  Herzoge  75  fiV  be- 
kommen. — ■  Die  Nannerl  hat  mit  dem  grössten  Ap- 
plaus bey  beyden  dieser  Herrschaften  gespielt  und 
sie  haben  uns  bey  der  Beurlaubung  eingeladen,  bald 
wieder  zu  kommen.  Der  Prinz  von  Zweibrucken 
will  uns  in  Manheim  selbst  ansagen.  Der  Herzog 
Clemens  hat  uns  an  den  Churfursten  von  der  Pfalz 
ein  Empfehlungsschreiben  gegeben.  —  —  — 


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Die  Salzburg»-  Zeitung  vom  19.  July  1763  eut- 
lüUt  hierüber  Folgende« : 

< 

•    -  Augsburg,  den  9.  July. 

Vorgestern  ist  der  Salzburgische  Vice -Kapell- 
meister Li.  Mozart  mit  seinen  zwey  bewuriderungs- 
werthen  Kindern  von  hier  nach  Stüttgard  abgeregt, 
um  seine  Reise  über  die  gfössten  Höfe  Deutschlands 
nach  Frankreich  und  England  fortzusetzen.  Er  hat 
den  Li  wohnern  seiner  Vaterstadt  das  Vergnügen  ge- 
macht, die  Wirkung  der  ganz  ausserordentlichen 
Gaben  mit  anzuhören,  die  der  grosse  Gott  diesen 
zwey  lieben  Kleinen  in  so  grossem  Maasse  mitge- 
theilt  und  deren  der  Herr  Kapellmeister  sich  mit  so 
unermüdetem  Pleisse  als  ein  wahrer  Vater  bedient 
hat,  um  ein  Mägdlein  von  eilf  und,  Was  unglaublich 
ist,  einen  Knaben  von  sieben  Jahren  als  ein  Wunder 
unserer  und  voriger  Zeiten  auf  dem  Clavecm  der 
musikalischen  Welt  darzustellen.  Alle  Kenner  ha- 
ben dasjenige,  was  ein  Freund  vdn  Wien  ehedem 
von  diesen  berühmten  Kindern  geschrieben  und  in 
den  allhiesigen  Intelligenz -Zettel  ist  eingerückt  wor- 
den, so  unglaublich  es  schien,  nicht  nur  wahr,  son- 
dern noch  weit  bewuudemngswertlier  gefundeu. 

(Leopold  M.  Brief  Nu,  w.) 

Ludwigs  bürg,  den  Ii.  Jnly  1763. 

Augsburg  liat  mich  lange  aufgehalten  und  mir 
wenig  genutzt,  weil  Alles  hier  ungemein  theuor  ist. 
Was  in  die  Concerte  k.am ,  waren  fast  durchaus  Lu- 
theraner.        •  • 

Wir  verliesseu  Augsburg  am  6.  Als  wir  über 
Ulm  nach  Plochingen  gekommen  waren,  hatten  wir 


•  40 

die  Fatalität,  zu  erfahren,  dass  der  Herzog  nach  sei- 
nem Jagdschlosse  Grafenegg  reisen  wollte.   Wir  be- 
gaben uns  dalier,  statt  nach  Stuttgard,  gleich  über 
Canstadt  hieher,  um  den  Herzog  noch  anzutreffen. 
Am  10.  sprach  ich  mit  dem  Ober -Kapellmeister  Jo- 
melli  und  dem  Ober- Jägermeister  Baron  Pöllniz,  an 
die  ich  Briefe  von  dem  Grafen  Wolfegg  hatte;  al- 
lein es  war  nichts  zu  machen.   Auch  Iii'.  Toraasini, 
der  kurz  zuvor  hier  war,  kam  nicht  dazu,  sich  hö- 
ren zu  lassen.    Zudem  hat  der  Herzog  die  schöne 
Gewohnheit,   die  Künstler  lange-  warten  zu  lassen, 
bis  er  sie  beschenkt.    Ich  sehe  die  ganze  Sache  ala 
ein  Werk  des  Jomelli  an,  der  sich  alle  Mühe  giebt, 
die  Deutschen  an  diesem  Hofe  auszurotten.    Es  ist 
ihm  auch  schon  fast  gelungen  und  wird  ihm  immer 
mehr  gelingen,   da  er,   nebst  seinem  Gehalte  von 
4000  11.,  Portion  für  vier  Pferde,  Holz  und  Licht, 
einem  Hause  in  Stuttgard  und  einem  hier,  die  Gnade 
des,  Herzogs  im  ersten  Grade  besitzt.   Seine  Wittwe 
erhält  2000  fl.  Pension.   Ueberdiess  hat  er  bey  seiner 
Musik  unumschränkte  Macht,  und  das  ist  es,  was 
die  Musik  gut  macht.  Wie  sehr  er  für  seine  Nation 
eingenommen  ist  ?  können  Sie  daraus  scliliessen,  das« 
I      er  und  seine  Landsleute,    deren  sein  Haus  immer 
voll  ist,  um  ihm  aufzuwarten,  sich  vernehmen  Hes- 
sen, es  sey  kaum  glaublich,  dass  ein  Kind  deutscher 
Geburt  ein  solches  musikalisches  Genie  seyn  und  so 
viel  Geist  und  Feuer  haben  könne. 

Ich  habe  einen  gewissen  Nardini  gehört,  der  in 
der  Schönheit,  Reinigkeit,  Gleichheit  des  Tones  und 
im  singbaren  Geschmack  von  Niemanden  übertroflen 
werden  kann;  er  spielte  aber  nicht  gar  schwer.  — 

—  • 


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I 


«I 

m  ■  —  ■  . 

(Leopold  M.  Brief  No.  ix) 

Schwetzingen,  den  19.  JuJy  17G5. 
•i—  «m  —  —  Wir  sind  über  Bruchsal  hieher 
gegangen,  wo  der  Hof  den  Sommer  zubringt»  Aus- 
ser der  Empfehlung,  die  ich  von  Wien  an  den  Mu- 
sik-Intendanten Baron  von  Eberstein  hatte,  war  ich 
im  Beskz  eines  eigenhändigen  Briefes  des  Prinzen 
Clemens  von.  Bayern  an  die  Churfiirstin ,  den  der- 
selbe mir  nach  Augsburg  nachgeschickt  hatte,  und 
der  Prinz  von  Zweibrücken  liatte  uns  angesagt»  Ge- 
stern ward  eigends  unsertwegen  Akademie  gegeben; 
es  war  die  zweyte  seit  dem  May.  Sie  dauerte  von 
fünf  bis  neun  Uhr.  Ich  hatte  das  Vergnügen,  nebst 
guten  Sängern  und  Sängerinnen,  einen  bewunderungs- 
würdigen Flüttraversisten  Wendling  zu  hören.  Das 
Orchester  ist  ohne  Widerspruch  das  beste  in  Deutsch- 
land, und  lauter  junge  Leute,  durchaus  von  guter 
Lebensart,  weder  Säufer  nochxSpieler,  noch  lieder- 
liche Lumpen, 'so  dass  sowohl  ihre  Conduito  als  ihre 
Productionen  hochzuschätzen  sind.  Meine  Kinder 
haben  ganz  Schwetzingen  in  Bewegung  gesetzt.  Die 
churfiirstlichen  Herrschaften  hatten  ein  unbeschreib- 
liches Vergnügen  und  Alles  gerieth  in  Verwunderung. 

Die  französische  Comödie  ist  hier,  besonders 
wegen  der  Ballette  und  der  Musik  unverbesserlich. 


(Leopold  M.  Brief  No.  i3.) 

* 

Maynz,  den  5.  Augorf  1765. 
—  —  —  —  —  —  Nachdem  wir  eüie  Spazier- 
fahrt nach  Heidelberg  gemacht  hatten,    wo  unser 
Wolfgangel  in  der  heil.  Geistkirche  die  Orgel  mit 


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I 


42 

solcher  Bewunderung  gespielt  hat,  dass  zum  ewigen 
Andenken  sein  Name  mit  Umständen,  auf  Befehl  des 
Stadt* Dechants,  an  der  Orgel  angeschrieben  worden, 
sind  wir  mit  einem  Geschenke  von  fünfzehn  Louis- 
d'or  über  Worms  hieher  gegangen.  In  Manheim 
schenkte  ein  französischer  Oberster  der  Nannerl  ein 
Ringel  und  dem  Wolfgangerl  ein  artiges  Zahnstöcher- 
BüchseL  In  Worms  speis'ten  wir  bey  dem  Baron 
Dalberg.») 

Hier  gehören  die  Grafen  Schönborn,  Ostein  und 
Bassenheim  unter  unsere  Gönner.  Wir  haben  bey 
einem  Canonicus  Stark  cesueis't.  —  <—  — 

(Leopold  M.  Brief  No.  i4.)  v 

■  •  •  ■ 

Frankfurt,  den  i3.  August  1763. 
—    —   —   —   —    Wir  wareu  nicht  bey  dem 
Churfürsten  von  Maynz,  weil  er  krank  ist.  Indessen 
haben  wir  dort  ein  Concert  im  Römischen  König 

*  ■ 

gegeben  und  sind  hieher  gefaliren. 

(Leopold  M.  Brief  No.  i5.)    •  •  ' 

Frankfurt,  den  20.  August  1763. 

 Am  18.  war  unser  erstes  Concert  hier. 

Es  war  gut!  Alles  gerieth  in  Erstaunen.  Gott  giebt 
uns  die  Gnade,  dass  wir  gesund  sind  und  aller  Or- 
ten  bewundert  werden.  Der  Wolfgangerl  ist  ganz 
ausserordentlich  lustig,  aber  auch  schlimni.  Die  Tsan-  < 


*)  Diese  Familie  isi  so  alt,  dass  man  einen  Brief  von  lusammen- 
gerolltem  Zeuge,  das  einer  Baumrinde  ähnlich  ist,  vorzeigt, 
in  welchem  ein  Herr  von  Dalberg  unter  andern  Neuigkeiten 
berichtet:  dass  ein  Zimmermanns -Sohn,  der  sich  Tür  den 
Messias  angab,  cum  Krcusgalgen  verurtheilt  worden  sey. 
CrtdibiU  ut  vetercs,  latro  »tu  praesul  et  hospeß. 


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43 

■  ■ 

nerl  leid*  nun  durch  den  Buben  nichts  mehr,  indem 
sie  so  spielt,  dass  Alles  ihre  Fertigkeit  bewundert« 

Einmai  auf  der  Reise  fing  der  Wolfgangerl  bey 
dem  Erwachen  an  2u  weinen.  Ich  fragte  um  die 
Ursache.  Er  antwortete:  es  wäre  ihm  so  leid,  die 
Herren  Hagenauer,  Wenzl,  Spitzeder,  Reibl,  Leit- 
geb, Vogt,  Cajetan,  Nazerl  und  andere  Freunde 
nicht  zu  sehen.  *)  ♦ 

In  Mainz  hat  die  Nannerl  einen  englischen  Hut 
und  ein  Galanterie  -  Flaschenkellerl  zum  Geschenk 
bekommen  (es  ist  ein  Werth  von  vier  Ducaten),  hier 
eine  Tabatiere  von  Lac -Martin  und  ein  Gamitur- 
Palatin;  Wolfgangerl  eine  Tabatiere  von  Porzellain, 

(Leopold  M.  Brief  No.  x6.) 

Köhlens,  d«n  ai.  Sept.  1763. 
_  —  —  Vor  der  Abreise  aus  Maynz  mussto 
ich  der  Noblesse  noch  ein  Concert  geben.  Der  Ba- 
ron Walderndorf  und  der  Graf  Bergen,  kaiaerl.  Ge- 
sandter, hatten  bald  nach  unserer  Ankunft  hier  rnei«- 
ne  Kinder  bey  der  Hand  zum  Churfursten  geführt. 
Daher  haben  wir  uns  schon  am  18.  produciren  kön- 
nen. Wir  wurden  auch  sogleich  mit  zehn  Louisd'or 
beschenkt. 

Wir  leben  viel  in  der  Familie  des  Baron  Kerpen, 
der  churfürstl.  Geheimerrath  und  Ritterhauptmann 
(Chef  des  Adels)  isU  Er  hat  sieben  Söhne  und  zwey 

1    -      ■  11 

*)  Diese  sind ,  bis  auf  den  ersten,  lauter  Namen  tou  Hoftnnsi- 
kem  au«  der  Capelle.  Cajetan  ist  der  Vorname  des  A  Hl  - 
gasser;  Naserl  der  des  Lipp.  Bey  de  waren  Orgauisteu 
und  Compoiitettri. 


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Töchter  |  (Jie. fast  Alle  Ciavier  und  theils  Violin  und 
Violoncell  spielen,  tlieils  singen.  Sonst  besucht  uns 
noch  der  Baron  Hohenfeld.  Was  werden  Sie  sagen, 
wenn  ich  Ihnen  melde,  dass  wir,  seit  wir  von  Salz- 
burg weg  sind,  schon  1068  fl.  ausgegeben  haben?  , 
Doch  diese  Ausgaben  haben  Andere  bezahlt.  Uebri- 
gens  müssen  wir,  zur  Erhaltung  unserer  Gesundheit 
und  zu  meines  Hofes  Reputation,  noblement  reisen. 
Dagegen  haben  wir  auch  keinen  Umgang,  als  mit 
dein  Adel  und  distinguirten  Personen,  und  empfan- 
gen ausnehmende  Höflichkeiten  und  Achtung.  

(Leopold  M.  Brief  No.  17.) 

*  1 

•  1 

Brüs«el,  den  17.  October  1763. 

—  —  —  —  —  In  Bonn  war  der  Churfürst 
nicht  anwesend.  f 

Li  Aachen  war  zwar  die  Prinzessin  Amalie,  des 
Königs  von  Preussen  Schwester,  allein  sie  hat  kein 
Geld.  Wenn  die  Kusse  *  die  sie  meinen  Kindern, 
zumal  dem  Meister  Wolfgang,  gegeben  hat,  Louis- 
d'ors  waren,  so  hätten  wir  froh  seyn  können.  Aber 
.weder  der  Wirth  noch  die  Postmeister  lassen  sich 
mit  Küssen  abfertigen.  Ihr  Zureden,  nicht  nach  Pa- 
ris, sondern  nach  Berlin  zu  gehen,  konnte  mich  un- 
möglich bestimmen.  Der  Prinz  Karl  hat  mir  selbst 
gesagt,  dass  er  meine  Kinder  hören  will.  Aber  es 
hat  das  Ansehen,  dass  Nichts  daraus  wird.  Der 
Prinz  hat  manche  andere  Liebhaberey,  tind  am  Ende 
kömmt  heraus,  dass  es  ihm  an  Gelde  fehlt.  Indessen 
darf  ich  weder  abreisen,  noch  ein  öffentliches  Con- 
cert  geben,  sondern  muss  den  Entschluss  des  Prinzen 
»abwarten.  Da  wird's  um  die  Bezahlung  meiner 'Zeche 

% 

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und  Reisekosten  nach  Paris,  zu  welcher  letztem  ich 
200  fl.  brauchen  werde,  schlecht  aussehen.  Meine 
Kinder  haben  zwar  verschiedene  kostbare  Geschenke 
bekommen,  die  ich  aber  nicht  zu  Gelde  machen  will. 
Z.  B.  Wolfgang  zwey  magnißque  Degen>  vo»  Welchen, 
der  eine  von  dem  ErZbischof  von  Mechern,  Grafen 
Frankenberg,  der  zweyte  von  dem  General  Grafen 
Ferraris.  Das  Mädol  hat  niederländische  Spitzen  vöni1 
Erzbischof,  von  Andern  Saloppen,  Mäntel  u.  dergh* 
erhalten.  Von  Tabatieren,  Etuis  u.  s.  w.  könnte» 
wir  bald  eine  Boutique  errichten.  Schon  in  Salzburg 
liegt  eine  Schachtel,  die  unsere  peruanischen  Kost-1 
barkeiten  und  Schätze  enthält.  Aber  an  Gelde  bin 
ich  arm;  Ich  habe  zwar  Hoffnung,  am  Montage,  da 
ein  grosses  Concert  seyn  wird,  eine  gut*  Beute  von 
Louisd'ors  und  grossen  Thalcni  zu  machen-; 


man  sich  aber  allezeit  sicher  stellen  muss,  bitte  ich 
Sie  um  einen  neuen  Cretlitbrief. 


Wenn  Salzburg  sich  bisher  über  meine  Kinder 
verwundert  hat,  so  wird  es,  wenn  Gott  uns  zurück«^ 
kommen  lässt,  vollends  erstaunen.   Der  Graf  Coro- 
nini  ist  unser  bester  I>eun4.  *)  .  ,  tl    .  ;., 


*     •  *  *  i     l     r       n  iimi  i_ 


4'  •»  •■ 


■r 

f  •    I  •  .»  . 


Am  18.  November  kamen  sie  in  Paris  an,  wo 
sie  sich  ein  und  zwanzig  Wochen  aufhielten.  Die 
weitere  Correspondenz  des  Vaters  an  Hagenauer  in 
Salzburg  lautet  so: 


*)  In  diesem  Briefe  heisst  es  auch:  „Sind  die  Portraite 
»einer  Kinder  noch  nicht  in  Ihren  Händen?4 
Also  damals  schon  waren  Portraite  gemacht. 


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46 

...  ;  .  (Leopold  M.  Brief  No.  18.)        ;    •  -  • 

Pari«,  den  8.  Pecember  1765. 

***  ~  Nachdem  wir  in  Brüssel  ein  grosses 
Coheert,  in  welchem  der  Prin^  Karl  gegenwärtig  war, 
gegeben  ivdien,  sind  wir  unter  der  traurigen  Beur- 
laubung vieler  guter  Freunde  von  dpi?t  abgereist. 
Am  18.  November  kamen  wir  hier  in  dem  Hotel 
de«  Bayerschen  Gesandten  Grafen  van  Eyck  an,  der 
uns  mit  der  Gräfin  freundlichst  empfing  uu(j  uns  bey 
sich  ein  Zimmer  einräumte,  wo  wir  gelegen  und  gut 
wohnen?  ein  Vortheil,  den  wir  der  Empfehlung  der 
Familie  der  Gräfin  *)  verdanken. 

Morgen  müssen  wir  zu  der  Marqnisin  Vüleroi 
und  zu  der  Gräfin  Lillibonne.  Die  Trauer  wegen 
der  Infantin  hindert  uns  noch,  am  Hofe  spielen  zu 
können.   —   —  ,   

'  '  •  • 

Ein  Brief  aus  Paris  an  einen  deutschen  Fürsten, 

•vom  1.  December  1763,  welcher  aus  Grimm's  und 
Diderot's  Correspondenz  1753— 1779  entnommen  ist, 
lautet:     '  *         .  « 

Die  ächten  Wunder  sind  zu  selten,  als  dass  man 
nicht  gern  davon  plaudern  sollte,  wenn  man  einmal 
das  Glück  gehabt  hat,  so  etwas  zu  sehen.  Ein  Ka- 
pellmeister von  Salzburg,  Namens  Mozart,  ist  hier 
so  eben  mit  zwey  ganz  allerliebsten  Kindern  einge- 
troffen.  Seine  eilfjährige  Tochter  spielt  das  Ciavier 
auf  eine  brillante  Manier;  mit  einer  erstaunlichen 
Präcision  führt  sie  die  grössten  und  schwierigsten 
Stücke  aus.   Ihr  Bruder,  der  künftigen  Februar  erst- 

•)  Siö  war  die  Tochter  dei  salaburgischen  ©beratkauiimcrera 
Grafen  Arpo. 


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I 

I 

47 

sieben  Jahre  alt  seyn  wird,  ist  eine  so  ausserordent- 
liche Erscheinung,  dass  man  das,  was  man  mit  eige- 
nen Augen  sieht  und  mit  eigenen  Ohren  hört,  kaum 
glauben  kann.  Es  ist  dem  Kinde  nicht  nur  ein  Leich- 
tes, mit  der  grössten  Genauigkeit  die  allerschwersten 
Stücke  auszuführen,  und  zwar  mit  Handchen,  die  kaum 
die  Sexte  greifen  können;  nein,  es  ist  unglaublich, 
wenn  man  sieht,  wie  es  eine  ganze  Stunde  hindurch 
phantasirt  und  so  sich  der  Begeisterung  seines  Ge- 
nie'» und  eine*  Fülle  entzückender  Ideen  hinpebt, 
welche  es  mit  Geschmack  und  ohne  Wirrwarr  rauf 
einander  folgen  lasst.    Der  geübteste  Kapellmeister 
kann  unmöglich  eine  so  tiefe  Kenntniss  der  Harmo- 
nie und  der  Modulationen  haben,  welche  es  auf  den 
wenigst  bekannten,  aber  immer  richtigen,  Wejgen 
durchzuführen  weiss.    Es  hat  eine  solche  Fertigkeit 
in  der  Claviatur,  dass,  wenn  man  sie  ihm  durch  eine 
darüber  gelegte  Serviette  entzieht,  es  nun  auf  der 
Serviette  mit  derselben  Schnelligkeit  und  Pracisüm 
(brtspielt.    Es  ist  ihm  eine  Kleinigkeit,  Alles,  was 
man  ihm  vorlegt,  zu  entziffern;    es  schreibt  und 
componirt  mit  einer  bewunderungswürdigen  Leich- 
tigkeit, ohne  sich  dem  Cla viere  zu  nähern  und  seine 
Accorde  darauf  zu  suchen.    Irih  habe  ihm  eine  Me- 
nuett aufgesetzt  und  ihn  ersucht  ,  den  Bass  darunter 
zu  legen;  das  Kind  hat  die  Feder  er griffen,  und  ohne 
sich  dem  Claviere  zu -nahen,  hat  es  der  Menuett  flen 
Bass  untergesetzt.   Sie  können  wohl  denken,  dass  es 
ihm  nicht  die*  geringste  Mühe  kostet,  jede  Arie,  die 
man  ihm  vorlegt,  zu  transponiren  und  zu  spielen, 
aus  welchem  Tone  man  es  verlangt.  Allein  Folgen- 
des, was  ich  gesehen  habe,  ist  nicht  weniger  uobe> 

•  « 

■ 

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greiflich.  Eine  Frau  fragte  ihn  letzthin:  ob  er  wohl 
nach  dem  Gehör,  und  ohne  sie  anzusehen,  eine  italie- 
nische Cavatine,  die  sie  auswendig  wusste,  begleiten 
würde?  Sie  fing  an  zu  singen.  Das  Kind  versuchte 
einen  Bass,  der  nicht  nach  aller  Strenge  richtig  war; 
weil  es  unmöglich  ist,  die  Begleitung  eines  Gesanges, 
den  man  nicht  kennt,  genau  im  Voraus  anzugeben l 
Allein,  so  bald  der  Gesang  zu  Ende  war,  bat  er  die 
Dame,  von  vorn  wieder  anzufangen,  und  nun  spielt«! 
er  nicht  allein  mit  der  rechten  Hand  das  Ganze,  son- 
dern fügte  zugleich  mit  der  Linken  den  Bass  ohne 
die  geringste  Verlegenheit  hinzu;  worauf  er  zehn  Mal 
hinter  einander  sie  ersuchte,  von  neuem  anzufangen, 
und  bey  jeder  Wiederholung  veränderte  er  den  Cha- 
rakter seiner  Begleitung.  Er  hätte  noch  zwanzig  Mal 
wiederholen  lassen,  hätte  man  ihn  nicht  gebeten,  auf- 
zuhören. Ich  selie  es  wahrlich  noch  kommen,  dass 
dieses  Kind  mir  den  Kopf  verdreht,  höre  ich  es  nur 
ein  einziges  Mal,  und  es*  macht  mir  begreiflich,  wie! 
schwer  es  seyn  müsse,;  sich  vor.  Wahnsinn  zu  be- 
wahren, wenn  man  Wunder  erlebt.   1  */  • 

• 

-  '  Herrn  Mozarts  Kinder  haben  die  Bewunderung 
aller  derer  erregt,  die  sie  gesehen  haben.  Der  Kai-, 
ser  und  die  Kaiserin  haben  sie  mit  Güte  überhäuft. 
Dieselbe  Aufnahme  haben  sie  in  München  und  Man- 
heim erfahren.  Schade,  dass  man  sich  liier  zu  Lande 
«o- wenig  auf  Musik  versteht!   :•  :>  •. 

s  Huer  ist  nun  eine  Lücke.  Es  fehlt  nämlich  der 
Bericht  von  der  Aufnahme  am  Pariser  Hofe  zu  Ver- 
sailles. Die  Schwester  erinnert  sich  davon  nur,  dass 
die  Pompadour  ihren  Bruder  auf  einen  Tisch  stellen 


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I 

40 


Hess,  dass  er  «ich  gegen  sie  hinüber  neigte,  um  sie 
zu  küssen,  was  sie  aber  abwehrte,  und  er  darauf  un- 
willig fragte:  „Wer  ist  die  da,  dass  sie  mich 
nicht  küssen  will?  Hat  mich  doch  die  Kai- 
serin geküsst!"  ' 

„Die  Madame  Pompadour  ist  eine  noch  schöne 
Person,  etwas  Aehnliches  von  der  Bildung  der  Rö- 
mischen  Kaiserin,  besonders  in  den  Augen.  Sie  ist 
von  einem  grossen  Hochmuth  und  regiert  zur  Stunde 
noch  Alles."  —  So  die  Schilderung  des  Vaters  in 
einem  Briefe  aus  Versailles  vom  8.  Dec.  1763. 

Sie  Hessen  ^sich  vor  der  königlichen  Pamüie  in 
Versailles  hören,  auch  spielte  der  kleine  achtjährige 
Knabe  in  der  dortigen  Kapelle,  in  Gegenwart  des 
ganzen  Hofes,  die  Orgel.  Man  schätzte  zu  dieser 
Zeit  sein  .Orgelspiel  noch  höher,  als  sein  damaliges 
ClavierspieL  Dem  Publicum  gaben  sie  zwey  grosse 
Akademieen  in  einem  Privatsaale.  Sie  fanden  hier, 
wie  leicht  zu  erwarten  war,  sehr  ihre  Welt;  gleich 
nach  ihrer  Ankunft  wurde  der  Vater  und  die  bey- 
den  Kinder  niedHch  in  Kupfer  gestochen,  und  aus- 
serdem überall  sehr  ehrenvoll  behandelt.  Hier  war 
es  auch,  wo  Wolfgang  seine  beyden  ersten  Werke 
fertigte  und  bekannt  machte,  und  sich  also  selbst 
schon  ein  Denkmal  setzte.  Das  erste  dedicirte  er 
der  Madame  Victoire,  der  zweyten  Tochter  des  Kö- 
nigs 5  das  andere  der  Gräfin  Tesse.  Beyde  Stücke 
sind  in  Paris  gestochen.  Er  war  damals  acht  Jahre 
alt.  Es  sind  Sonaten  für  das  Ciavier,  mit  Begleitung 
einer  Violine.  Die  Nachricht,  dass  der  Vater  diese 
corrigirt  hat,  welche  man  irgendwo  findet,  ist  so  wahr- 
scheinlich ,  dass  man  sie  für  gewiss  annehmen  darf. 

4 


Die 


50 

(Ltopold  M.  Briof  No.  19.) 

Vertaillei  (ohne  Datum). 

_  —  —  —  Meki  Bube  hat  von  der  Gräfin 
/fesse  eine  goldeao  Tabetiere,  mein  Mädel  von  der 
Prinzessin  Carignan  eine  kleine  durchsichtige,  mit 
Gold  eingelegte  Tabatiere,  so  wie  mein  Sohn  von 
derselben  ein  Sackschreibzeug  von  Silber  mit  silber- 
nen Federn  zum  Componiren  erhalten.  Meine  Kin- 
der machen  hier  fast  Alles  zum  Narren;  allein  man 
merkt  ajler  Orten  die  Folgen  des  letzten  Krieges,  — 

An  Madame  Hagenauer  von  Mozarts  Vater. 

Paris,  den  1.  Februar  1764. 

Man  mufis  nicht  immer  an  Mannspersonen  schrei- 
ben, sondern  sich  auch  des  schönen  und  andächtigen 
Geschlechts  erinnern»  Ob  die  Frauenzimmer  in  Pa- 
ris schön  sind,  kann  ich  Ihnen  mit  Grund  nicht  sa- 
gen, denn  sie  sind,  wider  alle  Natur,  wie  die  Berch- 
tesgadner  Docken,  so  gemalt,  dass  auch  eine  von 
Natur  schöne  Person  durch  diese  garstige  Zierlich- 
keit dem  Auge  eines  ehrlichen  Deutschen  unerträg- 
lich wird.  Was  die  Andacht  anbelangt,  so  kann  ich 
versichern,  dass  man  gar  keine  Mühe  haben  wird, 
die  Wunderwerke  der  französischen  Heiliginnen  zü 
untersuchen 5  die  gross ten  Wunder  wirken  diejeni- 
gen, die  weder  Jungfern,  weder  Frauen  noch  Witt- 
wen  sind;  und  diese  Wunder  geschehen  alle  bey 
lebendigem  Leibe.  Genug!  man  hat  Mühe,  hier  zu 
unterscheiden,  wer  die  Frau  vom  Hause  ist;  Jeder 
lebt  wie  er  will,  und .  (wenn  Gott  nicht  sonderheit- 
lich gnädig  ist)  so  geht  es  dem  Staate  von  Frank- 
reich wie  dem  ehemaligen  persischen  Reiche. 


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Ich  würde  seit  meinem  letztern  Schreiben  an« 
Versailles  13 inen  ohnfehlbar  wieder  geschrieben  ha- 
ben, wenn  ich  nicht  immer  gezaudert  hätte,  um  den 
Ausgang  unserer  Afiaire  zu  Versailles  abzuwarten 
und  folglich  Ihnen  benachrichten  zu  können»  Allein, 
da  hier  Alles  noch  mehr  als  an  anderen  Höfen  auf 
der  Schneckenpost  geht,   sonderlich  diese  Sachen 
durch  die  Menu  des  plaisirs  müssen  besorgt  werden, 
bo  muss  man  Geduld  haben*   Wenn  die  Erkennt- 
lichkeit dem  Vergnügen  gleich  kömmt,  welches  mei- 
ne Kinder  dem  Hofe  gemacht  haben  ,  so  muss  es 
sehr  gut  ausfallen*  Es  ist  wohl  zu  merken,  dass  hier 
keinesweges  der  Gebrauch  ist,  den  königlichen  Herr-  , 
schaften  die  Hände  zu  küssen,  oder  sie  ctu  passage, 
wie  sie  es  nennen,  wenn  sie  nämlich  durch  die  kö* 
niglichen  Appartements  und  Gallerie  in  die  Kirche  . 
gehen,  weder  mit  Ueberreichung  einer  Bittschrift  zu 
beunruhiger,  noch  solche  gar  zu  sprechen;  wie  es 
auch  hier  nicht  üblich  ist,  weder  dem  Könige,  noch  j 
Jemanden  von  der  königL  Familie,  durch  Beugung 
des  Hauptes  oder  der  Kniee  einige  Ehrenbezeugung 
zu  erweisen,  sondern  man  bleibt  aufrecht  ohne  min-* 
deste  Bewegung  stehen,  und  hat  in  solcher  Stellung 
die  Freyheit,  den  König  und  seine  Familie  hart  bey 
sich  yorbey  gehen  zu  sehen»   Sie  können  sich  dem- 
nach leicht  einbilden,  was  es  denen  in  ihre  Hofge- 
bräuche verliebten  Franzosen  für  einen  Eindruck  und       -  ' 
Verwunderung  muss  gemacht  haben,  Wenn  die  Töch- 
ter des  Königs  nicht  nur  in  ihren  Zimmern,  sondern 
in  der  Öffentlichen  Passage,  bey  Erblickung  meiner  | 
Kinder  stille  gehalten,  sich  ihnen  genähert,  sich  nicht 
nur  die  Hände  küssen  lassen,  sondern  solche  gekusst 

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und  sich  ohne  Zahl  küssen  lassen.  Eben  das  Näm- 
liche ist  von  der  Madame  Dauphine  zu  Verstehen. 
Das  Ausserorden tlichste  schien  denen  Herren  Fran- 
zösen, dass  au  grand  couvert,  welches  am  Neuen- 
Jahrstage  Nachts  war,  nicht  nur  uns  Allen  bis  an 
die  königliche  Tafel  hin  musste  Platz  gemacht  wer* 
den  5  sondern  dass  mein  Herr  Wolfgangus  immer 
neben  der  Königin  zu  stehen,  mit  ihr  beständig  zu 
sprechen  und  sie  zu  unterhalten,  ihr  öfters  die  Hän- 
de zu  küssen,  und  die  Speisen,  so  sie  ihm  von  der 
Tafel  gab,  neben  ihr  zu  verzehren  die  Gnade  hatte. 
Die  Königin  spricht  so  gut  Deutsch,  als  wir.  Da 
nun  aber  der  König  nichts  davon  weiss,  so  verdol- 
metschte die  Königin  ihm  Alles,  was  unser  helden- 
müthiger  "Wolfgang  sprach.  Bey  ihm  stand  ich;  auf 
der  andern  Seite  des  Königs,  wo  an  der  Seite  der 
Mr«  Dauphin  und  MÄe*  Adelhaide  sass,  stand  meine 
Frau  und  meine  Tochter.  Nun  haben  Sie  zu  wissen, 
dass  der  König  niemals  öffentlich  speist;  als  alle 
Sonntage  Nachts  speis't  die  ganze  Familie  beysammen. 
Doch  wird  nicht  gar  Jedermann  dazu  eingelassen. 
Wenn  nun  aber  ein  grosses  Fest  ist,  als  der  Neu- 
jahrstag, Ostern,  Pfingsten,  die  Namenstage  u.  s.  w., 
so  heisst  es  das  grosse  Couvert,  dazu  werden  alle 
Leute  von  Unterschied  eingelassen;  allein  der  Platz 
ist  nicht  gross,  folglich  ist  er  bald  voll.  Wir  kamen 
spät,  man  musste  uns  demnach  durch  die  Schweizer 
Platz  machen,  und  man  führte  uns  durch  den  Saal 
in  das  Zimmer,  das  hart  an  der  königl.  Tafel  ist, 
und  wodurch  die  Herrschaft  in  den  Saal  kommt.  Im 
Vorbeygehen  sprachen  sie  mit  unserm  Wolfgang  und 

zur  Tafel. 


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Dass  ich  Ilinen  übrigens  Versailles  beschreiben 
sollte ,  das  können  Sie  oh n möglich  von  mir  verlan*- 
gen.  Nur  das  will  ich  Ihnen  sagen,  dass  wir  am 
Weyhnadtts  -Abende  da  angelangt  sind  und  in  der 
königlichen  Kapelle  der  Metten  und  den  drey  heili- 
gen  Messen  beygewohnt  haben.  Wir  waren  in  der 
königlichen  Gallerie,  als  der  König  von  der  Madame 
Dauphinc  zurückkam,  wo  er  ihr  wegen  der  erhalte- 
nen Nachricht  des  Todesfalles  ihres  Bruders,  des 
Churfursten  von  Sachsen,  Nachricht  gab. 

'  j  Ich  hörte  da  eine  schlechte  und  gute  Musik« 
Alleq  was  mit  einzelnen  Stimmen  war  und  einer 
Arie  gleichen  sollte,  war  leer,  frostig  und  elend, 
folglich  französisch;  die  Chöre  aber  sind  alle  gut, 
und  recht  gut.   Ich  bin  taglich  mit  meinem  kleinen 

^  Manne  desswegen  in  die  königl.  Kapelle  zu  des  Kö- 
nigs Messe  gegangen ,  um  die  Chöre  in  der  Motette, 
die  allezeit  gemacht  wird,  zu  hören.  Des  Königs 
Messe  ist  um  ein  Uhr,  geht  er  aber  auf  die  Jagd,  so 
ist  seine  Messe  um  zehn  UHr  und  der  Königin  Messe 
um  halb  ein  Uhr.  In  sechszehn  Tagen  hat  es  uns  in 
Versailles  gegen  die  zwölf  Louisd'or  gekostet.  Viel- 
leicht ist  es-  Ihnen  zu  viel  und  unbegreiflich  ?  In 
Versailles;  sind  keine  Carosse&  de  remise  noch  Fiacres, 
sondern ,  lauter  Sessel  trager ;  für  jeden  Gang  müssen 

L  zwölf  Sols  bezahlt  werden.    Jetzt  werden  Sie  bald 

einsehen,  dass  uns  manchen  Tag,  da  wir,  wo  nicht 
drey,  doch,  allezeit  zwey  Sessel  haben  inussten,  die 
Sessel  auf  einen  Laubthaler  und  mehr 
denn  es  war  immer  böses  Wetter.  Wenn  Sie  nun 
vier  neue  schwarze  Kleider  dazu  rechnen,  so  wer- 
den Sie  sich  nimmer  wundern,  wenn  uns  die  Reise 


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nach  Versailles  auf  26  bis  27  Louisd'or  zu  stehen 
kommt.  Nun  wollen  wir  sehen,  was  uns  dafür  vom 
Hofe  einkommt.  Ausser  dem,  was  wir  vom  Hofe 
zu  hoffen  haben,  haben  wir  in  Versailles  mehr  nicht 
als  zwölf  Louisd'or  in  Gelde  eingenommen.  Dann 
hat  mein  Meister  Wolfgang  von  der  Madame  la 
Comtesse  de  Tetsd  eine  goldene  Tabatiere,  eine 
goldene  Uhr,  die  wegen  ihrer  Kleine  kostbar  ist, 
dann  die  Nanerl*)  ein  ungemein  schönes,  starkes, 
ganz  goldenes  Zahnstocher -Etui  bekommen. 

Von  einer  andern  Dame  hat  der  Wolfgang  ein 
silbernes  Reise -Schreibzeug  und  die  Nanerl  ein  un- 
gemein feines  schildkrötenes  Tabatierl  mit  Gold  ein- 
gelegt bekommen.  Unsere  Tabatieres  sind  mit  einer 
rothen  mit  goldenen  Reifen,  mit  einer  von,  weiss 
nicht,  was  für  glasartigen  Materie  in  Gold  gefasst, 
mit  einer  von  Laque  Martin,  mit  den  schönsten 
Blumen  von  gefärbtem  Gold  uud  verschiedenen  Hir- 
teninstrumenten  eingelegt,  vermein t  worden,  uazu 
kommt  noch  ein  in  Gold  gefasster  Carniolring  mit 
einem  Antique Kopf,  und  eine  Menge  Kleinigkeiten, 
die  ich  für  Nichts  achte,  als:  Degenbander,  Bänder 
und  Ann -Maschen,  Blumen  zu  Hauben  und  Hals- 
tüchel  etc.  für  die  Nannerl  etc.  Mit  einem  Worte! 
in  Zeit  von  vier  Wochen  hoffe  etwas  Besseres  von 
Louisd'or  berichten  zu  können  5  denn  es  braucht  mehr 
als  zu  Maxglan**),  bis  man  in  Paris  rechtschaffen  be- 
kannt wird;  und  ich  kann  Sie  versichern,  dass  man 

die  schlechten  Früchte  des  letzten  Krieges  ohne  Au- 


•)  Nanerl,  Nannette  Moaart,  di«  Tochter. 

**)  Ein  Dorf  bey  Saltborg. 


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gg 

genglas  aller  Orten  sieht.  Denn  den  äusserlichen 
Pracht  wollen  die  Franzosen  im  höchsten  Grade  fort- 
führen, folglich  ist  Niemand  reich  als  die  Pächter; 
die  Herren  sind  voll  Schulden.  Der  grösste  Reich- 
thum befindet  sich  etwa  unter  hundert  Personen,  die 
sind  einige  grosse  Banquiers  und  Fermiers  generaux, 


• 

das  meiste  Geld  wird  auf  Lucretien, 
sich  nicht  selbst  erstechen,  verwendet.  Dass  man 
übrigens  hier  ganz  besonders  schöne  und  kostbare 
Sachen  sieht,  das  werden  Sie  sich  wohl  einbilden; 
man  sieht  aber  auch  erstaunliche  Narrheiten.  Die 
Frauenzimmer  tragen  nicht  nur  im  Winter  die  Klei- 
der mit  Pelz  garnirt,  sondern  sogar  Halskreserl  oder 
Halsbindel,  und  statt  der  Einsteckblümchen  alles  der- 
gleichen von  Pelz  gemacht  in  den  Haaren»  auch  an- 
statt  der  Maschen  an  den  Armen  u.  s.  w.    Da*  ;Lä- 

M 

cherlichste  ist,  ein  Degenband  (welche  hier  Mo^'J 
sind)  mit  einem  Pelze  um  und  um  ausgeschlagen  zw 
sehen.  Das  wird  gut  seyn,  dass  der  Degen  nicht 
eingefriert.  Zu  dieser  ihrer  narrischen  Mode  in  allen 
Sachen  kommt  noch  die  grosse  Liebe  zur  Bequem- 
lichkeit, welche  verursacht,  dass  diese  Nation  auch 
die  Stimme  der  Natur  nicht  mehr  hört,  und  desswe- 
gen  giebt  Jedermann  in  Paris  die  neugebornen  Kir.' 
der  auf  das  Land  zur  Auferzichung.  Es  sind  eigens 
geschworne  sogenannte  Führerinnen,  die  solche  Kinder 
auf  das  Land  führen;  jede  hat  ein  grosses  Buch,  da  hin- 
ein 


r 

wo  das  Kind  hingebracht  wird,  der  Name  der  Amme, 
oder  besser  zu  sagen,  des  Bauern  und  seines  Weibes, 
von  dem  Parocho  loci  eingeschrieben  wird;  und  das 
thun  hohe  und  niedere  Standespersonen,  und  man 


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zahlt  ein  Bagatelle,  Man  sieht  aber  auch  die  er- 
bärmlichsten Folgen  davon;  Sie  werden  nicht  bald 
einen  Ort  finden,  der  mit  so  vielen  elenden  nnd 
verstümmelten  Personen  angefüllt  ist.  Sie  sind  kaum 
eine  Minute  in  der  Kirche  und  gehen  kanm  durch 
ein  paar  Strassen,  so  kommt  ein  Blinder,  ein  Lah- 
mer, ein  Hinkender,  ein  halb  verfaulter  Bettler,  oder 
es  liegt  einer  auf  der  Strasse ,  dem  die  Schweine  als. 
ein  Kind  die  Hand  weg  gefressen;  ein  anderer,  der 
als  ein  Kind  (da  der  Nährvater  und  die  S einigen  im 
Felde  bey  der  Arbeit  waren)  in  das  Kaminfeuer  ge- 
fallen und  sich  einen  halben  Arm  weggebrannt  u.  s.w., 
und  eine  Menge  solcher  Leute,  die  ich  aus  Ekel  im 
Vorbeygehen  nicht  anschaue.  Nun  mache  ich  einen 
Absprung  vom  Hässlichen  auf  das  Reizende,  und 
zwar  auf  dasjenige,  was  einen  König  gereizt  hat 
Sie  möchten  doch  auch  wissen,  wie  die  Madame 
Marquise  Pompadour  aussieht,  nicht  wahr?  —  Sie 
muss  sehr  schön  gewesen  seyn;  denn  sie  ist  noch 
sauber,  Sie  ist  von  grosser,  ansehnlicher  Person;  sie  ist 
fett,  wohl  bey  Leibe,  aber  sehr  proportionirt,  blond 
und  in  den  Augen  einige  Aehnlichkeit  mit  der  Kai- 
serin Majestät.  Sie  giebt  sich  viel  Ehre  und  hat  ei- 
nen ungemeinen  Geist.  Ihre  Zimmer  in  Versailles 
sind,  wie  ein  Paradies,  gegen  den  Garten  zu,  und 
in  Paris  der  Fauhourg  St.  Honort,  ein  ungemein 
prächtiges  Hotel,  so  ganz  neu  aufgebauet  ist.  In 
dem  Zimmer,  wo  das  Clavecin  war,  welches  ganz 
vergoldet  und  ungemein  künstlich  lakirt  und  gemalt 
ist,  ist  ihr  Portrait  in  Lebensgrösse  und  an  der  Seite 

das  Portrait  des  Königs.    Nun  was  Anderes!  

Hier  ist  ein  bestandiger  Krieg  zwischen  der  franzö- 


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 51 

sischen  und  italienischen  Musik.    Die  ganze  franzö- 
sische Musik  ist  kein  T— — ■  werthj  man  fangt  aber 
nun  an  grausam  abzuändern  5  die  Franzosen  fangen 
nun  an  stark  zu  wanken,  und  es  wird  in  zehn  bis. 
fünfzehn  Jahren  der  französische  Geschmack,  wie  ich 

^~  ,  hoffe,  völlig  erlöschen^  Die  Deutschen  spielen  in 
Herausgabo  ihrer  Compositionen  den  Meister,  darun- 
ter Mr.  Schoberth,  Eckard,  Hannauer  für's  Clavierj, 
Mr.  Hochbrucker  und  Mayr  für  die  Harfe  sehr  be- 
liebt sind,  Mr,  le  Grand,  ein  französischer  Ciavierist, 
hat  seinen  Goüt  gänzlich  verlassen  und  seine  Sonaten 
sind  nach  unserm  Gesehmacke.  Die  Herren  Schoberth, 
Eckard,  le  Grand  und  Hochbrucker  haben  ihre  ge- 
stochenen Sonaten  alle  zu  uns  gebracht  und  meinen 
Kindern  verehrt.   Nun  sind  vier  Senaten.  .vou_Mr. 

Y  Wolfgang  Mozart  beym  Stecher.    Stellen  Sie  sich 

den  Lärmen  vor,  den  dies©  Sonaten  in  der  Welt 
machen  werden,  wenn  aufm  Titel  steht,  dass  es  ein, 
Werk  eines  Kindes  von  sieben  Jahren  ist,  und  wenn 
man  die  Ungläubigen  herausfordert,  eine  Probe  diess- 
falls  zu  unternehmen ,  wie  es  bereits  geschehen  ist, 
wo  er  Jemanden  eine  Menuett  oder  sonst  etwas  nie-r. 
derschreiben  lässt  und  dann  gleich  (ohne  das  Ciavier 
zu  berühren)  den  Bass,  und  wenn  man  will,  auch 
das  zweyte  Violino  darunter  setzt.  Sie  werden  sei- 
ner Zeit  hören,  wie  gut  diese  Sonaten  s^nd  ;,  :;ciu 
Andante  ist  dabey  von  einem  ganz  sonderbaren  Goüt. 
Und  ich  kann  Ihnen  sagen,  dass  Gott  täglich  neue 
Wunder  an  diesem  Kinde  wirkt.  Bis  wir  (wenn 
Gott  will)  nach  Hause  kommen,  ist  er  im  Stande, 
Hofdienste  zu  verrichten.  Er  accompagnirt  wirk- 
lieh  allezeit  bey  öffentlichen  Concerten.  Er  transpo-* 


1 

1 


\ 


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nirt  sogar  priniq  viata  die  Arien  beyin  Accompagui-  * 
ren,  und  aller  Orten  legt  man  ihm  bald  italienische, 
bald  französische  Stücke  vor,  die  er  vom  Blatte  spielt. 

 Mein  Mädel  spielt  die  schwersten  Stücke,  die 

wir  jetzt  von  Schoberth  und  Eckard  etc.  haben,  dar- 
unter die  Eckard'schen  Stücke  die  schwereren  sind, 
mit  einer  unglaublichen  Deutlichkeit  und  so,  dass 
der  niederträchtige  Schoberth  seine  Eifersucht  und 
seinen  Neid  nicht  bergen  kann,  und  sich  bey  Mr. 
Eckard,  der  ein  ehrlicher  Mann  ist,  und  bey  vielen 
Leuten  zum  Gelächter  macht. 

(Leopold  M.  Brief  No.  ao.) 

Pari«,  den  aa.  Februar  1764. 

—  —  —  Ich  bitte,  vier  heilige  Messen  zu 
Maria -Piain  und  eine  heil.  Messe  bey  dem  heiligen 
Kindel  zu  Lorctto ,  so  bald  es  seyn  kann ,  lesen  zu 
lassen.  Wir  haben  sie  wegen  meines  lieben  Wolf- 
gangs und  der  Nannerl ,  die  beyde  krank  waren,  ver- 
sprochen. Ich  hoffe,  die  anderen  heiligen  Messen  zu 
Loretto  werden  allezeit  fortgelesen  werden,  so  lange 
Wir  aus  sind,  wie  ich  gebeten  habe. 

Wir  werden  in  vierzehn  Tagen  wieder  nach 
Versailles  gehen ,  wohin  es  der  Duc  d'Ayas  gebracht 
hat,  um  das  Oeuvre  I0f  der  gestochenen  Sonaten  der 
Madame  Victoire,  zweyten  Tochter  des  Königs,  zu 
überreichen,  welcher  es  dedicirt  wird.  Oeuvre  II«1« 
wird,  glaub*  ich,  der  Gräfin  Tesse"  dedicirt  werden. 
In  Zeit  von  vier  Wochen  müssen,  wenn  Gott  will, 
wichtige  Dinge  vorgehen.  Wir  haben  gut  angcbauet; 
nun  hoffen  wir  auch*  eine  gute  Ernte.  Man  muss 
Alles  nehmen,  wie  es  kömmt.  Ich  würde  wenigstens 


89 


— 


«wölf  Louisd'or  mehr  haben,  wenn  meine  Kinder 
nicht  einige  Tage  das  Haus  hätten  hüten  müssen. 
Ich  danke  Gott,  dass  ihnen  besser  ist.  Die  Leute 
wollen  mich  alle  bereden,  meinem  Buben  die  Blat- 
tern einpfropfen  zu  lassen.  Ich  aber  will  Alles  der 
Gnade  Gottes  überlassen.  Es  hängt  Alles  von  seiner 
göttlichen  Gnade  ab,  ob  er  diess  Wunder  der  Na- 
tur, welches  er  in  die  Welt  gesetzt  hat,  auch  darin: 
erhalten,  oder  zu  sich  nehmen  will.  Von  mir  wird 
Wolfgang  gewiss  so  beobachtet,  dass  es  eins  ist,  ob 
wir  in  Salzburg,  oder  auf  Reisen  sind.  Das  ist  es 
auch,  was  unsere  Reise  kostbar  macht. 

Mr*  d'Hebert,  Tresorier  de  menu  plaiair  du  Roi, 
hat  dem  Wolfgang  fünfzig  Louisd'or  und  eine  gol- 
dene Dose  vom  Könige  eingeh 


i  Hit  IM 


(Leopold  M.  Brief  No.  ai,) 

Pari«,  den  4.  Mar*  1764.  , 
—  —  —  —  Ich  hätte  Ihnen  längst  schreiben 
sollen;  aber  die  Beschäftigungen,  die  ich  einige  Tage 
hatte  und  bis  zum  I0ten>  haben  Werde,  um  zu  ma- 
chen, dass  ich  am  iOten  Abends  von  sechs  bis  neun 
Uhr  75  Louisd'or  einstecke,  haben  mich  billigst  g«- 
hmutut.  —  —  —  ——  : 

Sur  les  enfans  de  Mr.  Mozart 

Mörtels  clUtls  des  Dieux  et  des  Äois. 

que  l'harmome  a  de  puissanceJ 
Quand  les  son$  modulis  soupirent  sous  vos  doigts, 

que  de  Finesse  et  de  Science ! 

Pour  Vous  louer,   on  n'a  que  le  silence. 
Avcc  quel  sentiment  le  boie  pibre  et  fremii! 
Vn  Corps  muet  devient  sonore  et  sensible»  t, 
A  Vous,  mortels  hcureux ,  est-il  rien  (Pimpossible ! 
Tont  jusqu'au  iact  en  Vous  a  de  Vesprit. 


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■ 

(Leoppld  M.  Brief  No.  aa.) 

•  r      •  •         Parit,  dau  u  April  1764.  •  . 

-y-  —1—7  r-^.— —  Ich  hoffe,  in  wenig  Tagen 
dem  Banquier  M..  2QQ  Louisd'or  einzuhändigen,  um 
sie  nach  Hause,  zu  schicken.  Am  9-ten  dieses  liabe 
ich  wieder  einen  solchen  Schrecken  auszustehen  ge~ 
habt,  ,  als  ich  am  loten  März  hatte.  Doch  zweifle  ich, 
pb  djeser  zweyte  Schrecken  so  gross  als  der  erste 
aeyu,  wird.  Am  iOten  M^ürz  nahm  ich  1111  JLouisd'or 
ein.  :^un,  .50  bis .  $0.sind  anchr nicht  zu  verachten. 

Unsere  Concerte  werden  gegeben  au  TlUatre  de 
Mr.  Felix,  rue  et forte  St*  Honvr,e\  Diess  ist  ein. 
Saal  in  dem  Hause  ;  eines  vornehmen  Afannes,  in 
welchem  ein  kleines  Theater  steht,  auf  dem  fae  No- 
blesse unter  sich  Schauspiele  aufführt.  Und  diesen^ 
Platz  habe  ich  durch  Madame  de  Clermont,  die  in 
dem  Hause  wohnt,  erhalten.  Die  Erlaubniss  aber, 
diese  zwey  Concerte  zu  halten,  ist  etwas  ganz  Be- 
sonderes und  schnurgerade  wider  die  Privilegien  der 
Oper,  des  Goncert  spirituel  und  der  französischen 
und  italienischen  Theater  5  sie  hat  durch  Botschaften 
und1  eigene  Zuschriften  des  Herzogs  von  Chartres,* 
des  Herzogs  vöh:Durat,  des  Grafen  Tesse*  und  vieler 
der  ersten  Damen  an  den  Herrn  Särtiü,  Lieutenant 
ge'ndral  de  la  police*  erhalten  werben  müssen. 

Ich  bitte,  vom  l^ten  April  an  acht  Tage  nach 
einander  taglich  eine  heilige  Messe  für  uns  lesen  zu 
lassen.  Sie  mögen  sie  nach  Ihrem  Belieben  ausfei- 
len, wenn  nur  vier  davon  zu  Loretto  bey  dem  heil. 
Kindel  und  vier  auf  einem  Unserer  lieben  Frauen 
Altare  gelesen  werden.  Nur  bitte,  ja  die  erwähnten 
Tage  gewiss  zu  beobachten.   Sollte  mein  Brief,  wi- 


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61 

w-w-    .    ■  •mumm' 

der  Vennuthen,  nach  dem  12ten  April  erst  ankoni- 

*  •  * 

men,  so  bitte  ich,  gleich  den  andern  Tag  anfangen 
zu  lassen.    Es  hat*  seine  wichtigen  Ursachen.  Nun 
!  ist's  Zeit,  Ihnen  von  meinen  zwey  sächsischen  Freun- 

den, den  Baronen  Hopfgarten  und  Bose,  mehr  zu 
sagen«  Als  sie  von  hier  nach  Italien  gingen,  gab  ich 
ihnen  einen  Empfehlungsbrief  an  Sie  mit.  Sie  sind 
unsere  getreuen  Reisefreunde  gewesen  5  bald  haben 
wir  ihnen,  bald  sie  uns  Quartier  bestellt.  Sie  wer- 
den da  ein  paar  Menschen  sehen,  die  Alles  haben, 
was  ein  ehrlicher  Mann  auf  dieser  Welt  haben  soll. 
Und  wenn  sie  gleich  Lutheraner  sind,  so  sind  sie 
doch  ganz  andere  Lutheraner  und  Leute,  an  denen 
ich  mich  oft  sehr  erbauet  habe.  Zum  Abschiede  hat 
der  Baron  Bose  dem  Wolfgangerl  ein  schönes  Buch,  / 
Gellerts  Lieder,  zum  Angedenken  verehrt  und  Vor- 
an Folgendes  hinein  geschrieben: 

•  •  •  r 
Nimm,  kleiner  siebenjähriger  Orpheus,  diess 

Buch  aus  der  Hand  Deines  Bruders  und  Freuu- 
des.  Lies  es  oft  —  und  fühle  seine  göttlichen 
Gesänge  und  leihe  ihnen  (in  diesen  seligen  Stun- 
den  der  Empfindung)  Deine  unwiderstehlichen 
Harmonieen,  damit  sie  der  fuhllose  Religions- 
verächter lese  —  und  aufmerke  damit  er  sie 
•  .  • 

höre  —  und  niederfalle  und  Gott  anbete. 
^  »        Friedrich  Carl  Baron  v.  Bose. 

Nun  sind  wir  mit  allen  hiesigen  Gesandten  der 
auswärtigen  Potentaten  bekannt«    Mylord  Bedford 
•     und  sein  Sohn  sind  uns  sehr  gewogen.  Fürst  Galli- 
zin  liebt  uns  wie  seine  Kinder.    Die  Sonaten,  die 
der  Herr  Wolfgangerl  der  Gräfin  Tessd  dedicirt. 


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wären  fertig,  wenn  die  Gräfin  zu  überreden  gewesen 
wäre,  die  Dedication  anzunehmen,  die  unser  bester 
Freund  Mr.  Grimm  gemacht  hat.  Man  musste  also 
eine  Aenderung  vornehmen.  Allein  die  Gräfin  will 
nicht  gelobt  seyn;  sie  und  mein  Bub  sind  beyde  in 
dieser  Schrift  lebhaft  abgeschildert«  Es  ist  recht 
Schade,  dass  sie  nicht  hat  dürfen  gestochen  werden. 
Späterhin  schenkte  die  Gräfin  Tess6  dem  Wolfgang 
noch  eine  goldene  Uhr  und  der  Nannerl  ein  goldo- 
nes  jLiLiii.  i 

Dieser  Mr.  Grimm,  mein  grosser  Freund,  von 
dem  ich  hier  Alles  habe,  ist  Secretair  des  Herzogs 
von  Orleans,  ein  gelehrter  Mann  und  ein  grosser 
Menschenfreund.  Alle  meine  übrigen  Briefe  waren 
Nichts.  Ja  wohl,  der  französ.  Botschafter  in  Wien! 
Ja  wohl,  der  kaiserliche  Gesandte  in  Paris  und  alle 
Empfehlungsschreiben  vom  Minister  zu  Brüssel,  Gra- 
fen Cobenzl!  Ja  wohl,  Prinz  Conti,  Herzogin  von 
Aiguillon  und  die  Anderen,  deren  ich  eine  Litaney 
hersetzen  könnte.  Der  einzige  Mr.  Grimm,  an  den 
ich  von  einer  Kaufmannsfrau  in  Frankfurt  einen  Brief 
hatte,  hat  Alles  cethan.  Er  hat  die  Sache  nach  Hofe 
gebracht.  Er  hat  das  erste  Concert  besorgt.  Er  allein 
hat  mir  80  Louisd'or  bezahlt,  also  320  Billets  abge- 
setzt, und  noch  die  Beleuchtung  mit  Wachs  bestrit- 
ten; es  brannten  über  60  Tafelkerzen.  Nun,  die- 
ser Mann  hat  die  Erlaubniss  zu  dem  Concerte  aus- 
gewirkt und  wird  nun  auch  das  zweyte  besorgen, 
wozu  schon  hundert  Billets  ausgetheilt  sind.  Sehen 
Sie,  was  ein  Mensch  kann,  der  Vernunft  und  ein 
gutes  Herz  hat!  Er  ist  ein  Regensburger,  aber  schon 
über  fünfzehn  Jahre  in  Paris,  und  weiss  Alles  auf 


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■ 

die  rechte  Strasse  so  einzuleiten«  dass  es  ausfallen 
muss,  wie  er  will. 

Mr.  de  Mechel,  ein  Kupferstecher,  arbeitet  über 
Hals  und  Kopf  an  unsern  Portraiten,  die  Herr  von 
Carmontelle,  ein  Liebhaber,  sehr  gut  gemalt  hat* 
Der  Wolfgang  spielt  Ciavier,  ich,  hinter  seinem 
Sessel,  Violine;  die  Nannerl  lehnt  sich  auf  das  Cia- 
vier mit  einem  Arme,  mit  der  andern  Hand  hält  sie 
Musikalien,  als  sauge  sie.  > 

i 

//  Sonates  pour  le  Clavecin, 
quipeuvent  se  jouer  avec  Vaccompagnement  de  Violon, 
dediees  ä  Madame  Victoire  de  France* 

Par  J>  G*  Wolfgang  Mozart  de  Salzbourg,  age  de  sept  ans. 

Oeuvre  premier.   Prix  4  liv.  4  S.   Gravees  par  Mme.  Vend6me% 
ci-devant  rue  St.  Jacques,  u  präsent  rue  St.  Jlonore  vis -ä-  vis 
le  Palais  Royal.    A  Paris  aux  adresses  l>rdinaires. 

Privilege  du  Roi. 


A  Madame  Victoire  de  France. 
Madame! 

Les  cssais  que  je  ni0s  ä  Vos  pieds ,  sont  sans 
doute  mtäiocres;  mais  lorsque  Votre  bontd  me  per- 
met  de  les  par  er  de  Votre  auguste  Nom,  le  succes 
n'en  est  plus  douteux,  et  le  Public  ne  peut  manquer 
d'indulgence  pour  un  Auteur  de  sept  ans,  qui  pa- 
roit  sous  Vos  Auspices. 

Je  voudrois .  Madame .  aue  la  lansue  de  la  Mw- 
siqueßit  celle  de  la  reconnaissance  $  je  eerois  moins 
embarrassd  de  parier  de  Vimpression  que  Vos  bien- 
faits  ontfait  sur  moi.  Natur e  qui  m'afait  Musicien 
comme  eile  fait  les  rossignols,  m'inspirera,  le  Nom 
de  Victoire  restera  gravi  dans  ma  memoire  avec 


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f>4 

le& \  iraits  ineffacables  qu'il  porte  dans  le  coeur  de 
tous  les  Francois.  N 

Je  suis  avec  le  plus  profond  respect, 

•  »••  ,  •  * 

Madame, 

9  «j      m  m 

Tofre  /ri*  humble.  tres  obeissant  et  trh  pefit  serviteur 

..  * 

.  J.  G.  Wolf  gang  Mozart. 

»  •        ■  • 

•  Von  diesen  beydeu.  Sonaten  befindet  sich  die 
erste  in  den  Oeuvres  complettes  de  JV.  A.  Mozart, 
Cahier  XVII.  Sonata  III.  pag.  67,  bey  Breitkopf  u. 
Härtel,  und  die  Sonata  IL  pag.  76  in  demselben  als 
IV.  Sonata.  Nach  der  Ausgabe  b.  Steiner  u.  Comp, 
in  Wien  ist  die  erste  im  VII.  Hefte  Sonata  I.  und 
die  2\veyte  im  VHI.  Hefte  als  VII.  Sonata. 

Sonates  pour  le  Clavecin, 
qui  pewent  se  jouer  avec  taccompagmt.  de  Violon, 

•  •  *   

didiees  h  Mme»  la  Comtesse  de  Tessd, 

Dame  de  Madame  la  Dauphine* 
Par  J.  G.  W.  Mozart  de  Salzbourg,  age  de  sept  ans.  Oeuvre  II. 

A  Madame  la  Cofoesse  de  Tessd, 

Dame  de  Madame  la  Dauphin«. 
Madame!  '  \ 

Votre  goüt  pour  la  Musique  et  les  honte's,  dont 
Vous  m'avez-  combld ,  me  donnent  le  droit  de  Vous 
consacrer  mes  foibles  talens.  Mais  lorsque  Vous  en 
agreez Vhommage,  est-il  possible  que  Vous  difen- 
diez  h  un  enfant  texpression  des  sentimens  dont  son 
coeur  est  plein?  ,  * 

Vous  ne  poulez  pas,  Madame,  que  je  dise  de 
Vous  ce  que  tout  le  Public  eti  dit.  Cette  rigueur 
diminuera  le  regret  que  j'ai  de  quitter  la  France. 


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CS 


■ 


Si  je  Ttai  plus  le  bonheur  de  Voua  faire  ma  cour, 
j'irai  dana  lea  paya  oü  je  parieren  du  moina  tont 
que  je  voudrai,  et  de  ce  que  Voua  itea,  et  de  ve 
que  Voua  doia.  ' 

Je  suis  uvec  un  profond  reapect, 

petit  Meruitiur 

.  ,  .        •  /.  G.  JVolfgang  Mozart. 

Von  diesen  zwey  Sonaten  ist  nur  die  erste  in 
genannter  Leipziger  Ausgabe  Galt.  VIT,  und  in  der 
erwähnten  Steinerschen  im  X.  Hefte  enthalten,  des- 
sen Thema  folgendes  isti 

Sonata  II.      Mlegro  spirituosö* 


Violino. 


W#=s  r  r  r  Mg^ztirfa 

1     ■  '       l    I  "  ■  ■ 


TT? . 


■   ■■  I 





'  1 


I 

■  •  -  k  a 


Am  loten  Aprü  1764  reis'ten  sie  über  Calais  nach 
England,  wo  sie  sich  bis  in  die  Mitte  des  folgenden 
Jahres  aufhielten.  Schon  am  27e*en  desselben  Monats 

5 


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66 

Hessen  sich  die  Kinder  vor  den  beyden  Majestäten 
hören;  eben  so  wieder  im  folgenden  Monate,  wo 
der  Sohn  auch  die  Orgel  des  Königs  spielte.  Alle 
schätzten  hier  sein  Orgelspiel  weit  höher  als  sein 
Ciavierspiel.  Sie  gaben  nun  ein  Benefiz,  oder  eine 
grosse  Musik  zu  ihrem  Vortheile ,  wobey  alle  Sym- 
phonieen  von  der  Composition  des  Sohnes  waren : 
eine  andere  gaben  sie  zum  Vortheile  des  Hospitals 
der  Wöchnerinnen«  Nach  einem  gefährlichen  Hals- 
weh ,  das  den  Vater  an  den  Rand  des  Grabes  brachte, 
und  das  er  in  Chelsea  überstand,  kehrten  sie  nach 
London  zurück  und  spielten  wieder  vor  der  könig- 
lichen Familie  und  dem  vornehmsten  Adel. 

Als  der  Vater  in  England  todtkrank  lag,  durfte 
kein  Ciavier  berührt  werden.  Um  sich  zu  beschäf- 
tigen,  componirle  das  Kind  seine  erste  Symphonie 
mit  allen  Instrumenten,  besonders  mit  Trompeten 
und  Pauken.  Die  Schwester  musste,  neben  ihm  siz- 
zend,  abschreiben*  Indem  er  componirte  und  schrieb, 
sagte  er  einmal  zu  ihr  i  „Erinnere  mich ,  dass  ich 
dem  Waldhorne  was  Rechtes  zu  thun  gebe." 

Es  lasst  sich  denken,  dass  die  Kinder,  und  vor- 
züglich der  Sohn  Runter  dem  reichen  BeyfaUe,  des- 
sen sie  sich  von  allen  Seiten  ungeiheilt  zu  erfreuen 
hatten,  nicht  bloss  auf  der  erreichten  Stufe  stehen 
blieben,  sondern  sich  immer  mehr  fortzubilden  be*> 
eiferten.  Beyfall  konnte  den  jungen  Mozart  nichi 
zum  Uebermuthe  verleiten,  vielmehr  strebte  er  im- 
mer mehr  dem  Ziele  entgegen,  das  er  zuletzt  er- 
reichte. Sö  spielten  jetzt*  beyde  Kirifder  'tiberall  Con- 
certe  auf  zwey  Ciavieren;  auch  sang  der  Sohn  Arien 
mit  der  grössten  Empfindung.   In  Paris  sowohl  als 


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J 


auch  in  London  legte  man  dem  Sohne  verschiedene 
schwere  Stücke  von  Bach,  Händel,  Paradies  und  an- 
deren Meistern  vor,    die  er  nicht  nur  vom  Blatte 
spielte,   sondern  sie  sogleich  in  dem  angemessenen 
Takte  und  mit  aller  Nettigkeit  vortrug.  Als  er  beym 
Könige  spielte  >  nahm  er  eine  blosse  Bassstimme  und 
spielte  eine*  vortreffliche  Melodie  darüber.  Johann 
Christian  Bach,  der  Lehrmeister  der  Königin,  nahm 
den  kleinen  Mozart  auf  den  Schooss  und  snielte  ei« 
nige  Takte,  dann  fuhr  Mozart  fort,  und  so  abwech- 
selnd spielten  sie  eine  ganze  Sonate  mit  einer  solchen 
Präcision,  dass  Jeder,  der  ihnen  nicht  zusah,  glauben 
musste,  das  Stück  würde  nur  von  Einem  gespielt  • 

!Siebigke  sagt  in  seinem  Werkchen  über  Mozart: 
„Dass  der  junge  Componist  bey  seinem  Aufenthalte  ,  ' 
in  London  schwere  Stücke  von  Bach,  Handel,  Para- 
dies und  andern  Meistern  mit  a]ler  Nettigkeit  vom 
Blatte  gespielt  habe,  ist  vielleicht  eine  nicht  genug 
geprüfle  Sage,  die  sich  von  Nichtkennern  hei'schreibt 
u.  s.  w." 

Siebigke  hat  nicht  Unrecht,  hier  misstrauisch  zu 
seyn;  er  lese  aber  Barrington's  und  Grimm's  Zeug- 
nisse, und  er  wird  aufhören,  an  der  freylich  un- 
glaublich scheinenden  Sache  zu  zweifeln. 

Während  dieses  Aufenthaltes  in  England,  und 
folglich  im  achten  Jahre  seines  Alters,  componirte  er 
sechs  Sonaten,  gleichfalls  mit  Begleitung  einer  Vio- 
line, die  er  in  London  stechen  Hess  und  der  Köni- 
gin  widmete. 

Die  Corrospondenz  des  Vaters  während  seines 
Aufenthalts  in  England  ist  die:  .  . 


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es 


(Leopold  M.  Brief  No.  a3.)  » 

London,  den  a8.  May  1764; 

* 

_  _  —  —  Den  27sten  April ,  fünf  Tage  nach 
unserer  Ankunft,  waren  wir  von  6  bis  9  Uhr  Abends 
bey  den  Majestäten.  Das  Präsent  war  zwar  nur  24 
Guineen,  die  wir  im  Herausgehen  aus  des  Königs 
Zimmer  empfingen.  Allein  die  uns  von  beyden  ho- 
hen Personen  bezeugte  Gnade  ist  unbeschreiblich. 
Ihr  freundschaftliches  Wesen  Hess  uns  gar  nicht  den- 
ken, dass  es  der  König  und  die  Königin  von  J&ner- 
land  wären.  Man  hat  uns  an  allen  Höfen  noch  aus- 
serordentlich höflich  begegnet;  allein,  was  wir  liier 
erfahren  haben,  übertrifft  alles  Andere.  Acht  Tage 
darauf  gingen  wir  in  St.  James  Park  spazieren.  Der 
König  kam  mit  der  Königin  gefahren,  und  obwohl 
wir  Alle  andere  Kleider  anhatten,  erkannten  sie  uns, 
grüssten  uns  nicht  nur,  sondern  der  König  öffnete 
das  Fenster,  neigte  das  Haupt  heraus  und  griisste 
lächelnd  mit  Haupt  und  Händen,  besonders  unsern 
Master  Wolfgang. 

Ich  habe  neuerdings  zu  bitten,  folgende  heilige 
Messen  baldigst  lesen  zu  lassen :  drey  heilige  Messen 
bey  dem  heiligen  Kindel  zu  Loretto,  drey  zu  Maria- 
Piain,  zwey  bey  dem  heil.  Franz  de  Paula  im  Ber- 
gel  und  zwey  bey  dem  heil.  Johann  von  Nepomuck 
in  der  Pfarre,  oder  wo  Sie  wollen 5  dann  auch  zwey 
bey  dem  heil.  Antonius  in  der  Pfarre. 

Wir  haben  die  meiste  Bagage  bey  dem  Banquier 
Hummel  in  Paris  gelassen,  z.  B.  alle  Tabaiieren, 
2  Uhren  und  andere  kostbare  Sachen.  Mr.  Grimm, 
unser  geschwomer  Freund,  der  Alles  in  Paris  für 
uns  gethan  hat,  hat  zum  Abschiede  über  alle  seine 


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89 


Gulthaten  noch  der  Nannerl  eine  goldene  Uhr  und 
dem  Wolfgangerl  ein  Confect- Obstmesser,  dessen 
Heft  von  Perlmutter  in  Gold  gefasst  ist  und  das  eine 
Klinge  von  Gold,  eine  von  Silber  hat,  verehrt. 

Den  I9ten  May  hahen  wir  abermals  Abends  von 
6  bis  10  Uhr  bey  den  Majestäten  zugebracht,  wo 
Niemand  als  die  zwey  Prinzen,  der  Bruder  des  Kö- 
nigs und  der  Bruder  der  Königin  zugegen  waren. 
Bey  dem  Austritte  aus  dem  Zimmer  wurden  mir 
abermals  24  Guineen  gereicht.  Nun  werden  wir  ein 
sogenanntes  Benefiz  am  Öten  Juny  haben.  Es  ist  jetzt 
eigentlich  keine  Zeit  mehr,  Conoerte  zu  geben,  und 
man  kann  sich  nicht  viel  versprechen,  da  die  Unko- 
sten sich  auf  40  Guineen  belaufen.  Basta!  Es  wird 
schon  gut  werden,  wenn  wir  nur  mit  der  Hülfe  Got- 
tes gesund  bleiben  und  wenn  Gott  nur  unsern  un- 
überwindlichen Wolfgang  gesund  erhält.  Der  König 
hat  ihm  nicht  nur  Stücke  von  Wagenseil,  sondern 
auch  von  Bach,  Abel  und  Händel  vorgelegt;  Alles 
hat  er  vrima  vista  wexrfresnielt.  Er  hat  auf  des  Kö- 
nigs  Orgel  so  gespielt,  dass  Alle  sein  Orgelspiel  weit 
höher  als  sein  Ciavierspiel  schätzen.  Dann  hat  er 
der  Königin  eine  Arie,  die  sie  sang,  und  einem  Flü- 
traversisten  ein  Solo  accompagnirt.  Endlich  hat  er 
die  Violonstiinme  der  Handeischen  Arien,  die  von 
ungefähr  da  lagen,  hergenommen  und  über  den  glat- 
ten Bass  die  schönste  Melodie  gespielt,  so  dass  Alles 
in  das  äusserste  Erstaunen  gerieth.  Mit  einem  Worte: 
das,  was  er  gewusst  hat,  als  wir  Salzburg:  verliesseu, 
ist  ein  purer  Schalten  gegen  das ,  was  er  jetzt  weiss. 
Es  übersteigt  alle  Einbildungskraft.  Er  empfiehlt  sich 
Ihnen  vom  Claviere  aus,  wo  er  eben  sitzt  und  Bach  s 


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I 


» 


Trio  durchspielt;  es  vergeht  kein  Tag,  wo  er  nicht 
wenigstens  dreyssig  Mal  von  Salzburg  und  seinen 
und  unseren  Freunden  und  Gönnern  spricht.  Er  hat 
jetzt  immer  eine  Oper  im  Kopfe,  die  er  von  lauter 
jungen  Salzburgern  aufführen  lassen  will.  Ich  habe 
ilun  oft  alle  jungen  Leute  zusammen  zahlen  müssen, 
die  er  zum  Orchester  aufschreibt»        —  —  — 

(Leopold  M.  Brief  No.  a4.)  .  . 

London,  den  8.  Juny 

—  — •  ■—  Ich  hatte  wieder  einen  Schrecken 
vor  mir,  nämlich  100  Guineen  in  Zeit  von  3  Stun- 
den einzunehmen.  Es  ist  glücklich  vorbey.  Da  Alles 
aus  der  Stadt  ist,  so  war  der  5te  Juny  der  einzige 
Tag,  an  dem  man  etwas  versuchen  konnte,  weil  der 
4te  der  Geburtstag  des  Königs  war.  Es  war  mehr, 
,  um  Bekanntschafton  zu  machen.  Nur  ein  paar  Tage 
hatten  wir,  um  Billette  zu  vertheilen,  weil  Niemand 
eher  in  der  Stadt  war.  Da  zu  einer  solchen  Ver- 
theilung  sonst  vier  bis  acht  Wochen  gebraucht  wer- 
den,  so  hat  man  sich  verwundert,  dass  uns  200  ab- 
genommen .worden  sind.  Es  waren  alle  Gesandten 
und  die  ersten  Familien  Englands  zugegen.  Ich  kann 
noch  nicht  sagen,  ob  mir  100  Guineen  Profit  bleiben, 
weil  icli  noch  Geld  von  Mylord  March  für  36,  von 
einem  Freunde  aus  der  Stadt  für  40  Billette  haben 
soll,  und  die  Kosten  erstaunlich  gross  sind.  Für  den 
Saal,  ohne i Beleuchtung  und  Pulte,  5  Guineen;  für 
jedes  Ciavier,  deren  ich,  wegen  der  Concerte  mit 
zwey  Ciavier«,  zwey  haben  musste,  eine  halbe  Gui- 
nee;  dem  Sänger  und  der  Sängerin,  Jedem  5  bis  6 
Guineen;  dem  ersten  Violinisten  3  u.  s.  w.;  und  so 


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71 


auch  die  Solo-  oder  Concertspieler,  3,  4,  5$  den  ge- 
meinen Spielern  ~  Jedem  eine  halbe  Guiuee.  Allein 
ich  hatte  das  Glück,  dass  die  ganze  Musik  mit  Saal 
und  Allem  nur  auf  2Q  Guincen  zu  stehen  gekommen 
ist,  weil  die  meisten  Musiker  Nichts  angenommen 
haben.   Nun  Gottlob!  diese  Einnahme  ist  vorbey. 

Particularitäten  kann  ich.  Ihnen  nicht  mehr  be- 
richten,  als  was  Sie  hier  und  in  Zeitungen  finden. 
Genug  ist  es,'  dass  mein  Mädel  eine  der  geschickte- 
sten Spielerinnen  in  Europa  ist,  wenn  sie  gleich  nur 
zwölf  Jahre  hat;  und  dass  der  grossmächtige  Wolf- 
gang,  kurz  Zu  sagen,  Alles  in  diesem  seinem  acht- 
jährigen Alter  weiss ,  was  man  von  einem  Manne  von 
vierzig  Jahren  fördern  kann.  Mit  Kurzem:  wer  es 
nicht  sieht  und  hört,  kann  es  nicht  glauben.-  Sie 
selbst  Alle  in  Salzburg  wissen  Nichts  davon,  denn 
die  Sache  ist  nun  ganz  etwas  Anderes.  

»        •  »      -  - 

•     •  "  I  (Leopold  M.  Brief  No.  i5.)       -  • 

t       »«r:;!.  -~.:*  1a     tdadön,  den  aB.  Jdny  t764. 

—  — *  — i  ~  —  Ich  habe  wieder  10Q  Guineen 
nach  Salzburg  zu  schicken,,  die  ich  zwar  um  die 
Hälfte  vermehren  könnte,  phne  mich  zu  entblössen. 
Küiiftige  Woche  gehen  wir  nach  Tunbridge,  wo 
sich  viel  Adel  im  July  und  August  zum  Bade  ver- 
sammelt.        ,  .  , 

•    •  Ii.   J      J»-l      Ii«/*    '    **■  »»•  •'     *  » 

In ,  lUnelagh .  wird  & ;  Benenz  zum  Vortheile  , 
eines  neu  aufgerichteten  Spitals  für  Wöchnerinnen 
gegeben.  Da  lasse  ich  den  Wol%angerl  ein  Concert 
auf  der  Orgel  spielen ,  um  dadurch  den  Act  eines 
englischen  Patrioten  auszuüben.  Sehen  Sie,  das  ist 
ein  Weg,  sich  die  Liebe  dieser  Nation  zu  erwerben. 


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•  •  ... 

•  .  (Leopold  M.  Brief  No.  a6a.) 

London,  den  5.  August  i764. 

i 

—  —  —  —  Der  grosse  Gott  hat  mich  mit  einer 
jähen  und  schweren  Krankheit  heimgesucht,  die  ich 
mir  durch  eine  Erkaltung  bey  dem  Zuhausegehen 
aus  dem  bey  Mylord  Thanet  gehaltenen  Concert  zu- 
gezogen habe,  mm  ~~  ~+  :»  « 

(Leopold  M.  Brief  No.  a6  5.) 

London,  den  9.  August  1764. 

Seit  dem  6ten  befinde  ich  mich  eine  Stunde  aus- 
ser der  Stadt,  um  meine  Besserung  abzuwarten.  Das 
Allernotliwendigste  nun,  warum  ich  Sie  bitte,  ist, 
sobald  als  möglich  für  mich  lesen  zu  lassen:  7  heil. 
Messen  au  Maria- Piain,  7  zu  Loretto  bey  dem  heil. 
Kindel,  zwey  bey  der  heil.  Walpurgis,  diese  in  der 
Kirche  am  Nonnberg,  weil  nirgends  sonst  ein  solches 
Bild  ist  5  2  heil.  Messen  in  der  St.  Wolfgangs  -  Ka- 
pelle zu  St.  Peter;  und  zu  veranstalten,  dass  auch 
4  hejiige  Messen  auf  dem  Mariahilf-  Berge  zu  Passau 


(Leopold  M.  Brief  No.  36c.) 

-    —    •  1  CheU*a,  den  i3.  8ept.  1764. 

Meiner  Unpässlichkeit  wegen  haben  wir  hier  ein 
Haus  bey  Mr.  Randal  in  Fivefield-Row  gemiethet. 
Unter  meinen  Freunden  in  London  ist  ein  gewisser 
Sipruntini,  ein  grosser  Virtuose  auf  dem  Violoncelli 
Er  ist  der  Sohn  eines  hollandischen  Juden,  fand  aber 
diesen  Glauben  und  seine *  Ceremonieen  und  Gebote, 
nachdem  er  Italien  und  Spanien  durcbgereis't  hatte, 
lächerlich  und  verliess  den  Glauben.  Da  ich  neulich 
von  Glaubenssachen  mit  ihm  sprach,  fand  ich  aus 


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•allen  seinen  Reden,  das«  er  sich  dermalen  begnügt, 
Einen  Gott  zu  glauben  und  ihn  zuerst,  dann  seinen 
Nebenmenschen  wie  sich  selbst  zu  lieben  und  als  ein 
ehrlicher  Mann  zu  leben.  Ich  gab  mir  Mühe,  ihm 
Begriffe  von  unserm  Glauben  beyzubringen,  und  ich 
brachte  es  so  weit,  dass  er  nun  mit  mir  einig  ist, 
dass  unter  allen  christlichen  Glauben  der  katholische 
der  beste  ist»  Ich  werde  nächstens  wieder  eine*  At- 
taque machen;  man  muss  ganz  gelinde  darein  gehen. 
Geduld!  Vielleicht  werde  ich  noch  Missionarius  in 
England*  —  ,h 

 (Leopold  M.Brief  No.  a7.)  ( 

*  »                     »  London,  den  a>  Not.  1764.  I 

—  —  —  —  —  Noch  ist  die  Noblesse  nicht  in 
der  Stadt.  Ich  muss  aus  dem  Beutel  zehren*  Seit 
Jidy  bin  ich  um  170  Guineen  geringer  geworden; 
Ueberdiess  habe  ich  eine  grosse  Ausgabe  ,  6-  Sonaten 
ron  unserm  Herrn  Wolfgang  stechen  und  drucken 
*u  lassen,  die  der  Königin  nach  ihrem  Verlangen 
dedicirt  werden.  *  •  • 
*  Als  ich  aüs  Ihrem  Briefe -'die  Standesveranderung 
Ihres  Sohnes  (er  war  geistlich  geworden)  -vorlas, 
weinte  der  Wolfgang.  Auf  Befragen,  warum,  ant- 
wortete er:  es  wäre  ihm  leid,  weil  er  glaubte,  dass 
er  ihn  nun  nicht  mehr  sehen  würde.  Wir  belehrten 
ihn  eines  Anderen,  und  er  erinnerte  sich,  dass  Ihr 
Sohn  ihm  oft  Fliegen  gefangen ,  die  Orgel  aufgezogen 
und  die  Polzel -Windbüchse  gebracht  hatte-,  so  bald 
er  nach  Salzburg  zurück  komme,  wolle  er  nach  St. 
Peter  gehen  und  sich  von  ihm  eine  Fliege  fangen 
lassen,  und  dann  müsse  er  mit  ihm  Pölzel  {kleine 
Bolzen)  schiessen.  — '•»• 


74 

  (Mop9ld  M.  Brief  No.  a&}  .  ..    ;  :,  . 

.  I  \        .  ■  '       •  "    '  London,  den  5.  flec.  i764. 

.  — *  —  —  Mir  ist  leid,  daas  einige  Fehler 
ini  Stechen  der  Pariser  Sonaten  und  «in  der  Verbes- 
serung  nach  geschehener  Correotur  stehen .  geblieben 
sind.  Madame  Vendome,  die  sie  gravirte ,  und  ich 
wen  zu'sehiv  ÄirtfenTt,  und  da  Alles  in  Eile,  .ge- 
schähe^ so  hatte  ich  nicht  Zeit,  einen  zweyten.  Pro- 
beabdruck machen  zu.  lassen,  welches  verursachte, 
dass  besonders  in  Oeuvre  IL  in  dem  letzten  Trio 
drey  Quinten  mit  der  Violine  stehen-geblieben  sind, 
die  mein  junger  Herr  gemacht  und  die  ich  dann 
corrigirt  hatte,  Es  ist,  immer  ein  Beweis,  dass  unser 
Wolfgangerl  sie  selbst  gemacht  bat,  welches,  wie 
biiüg,  vielleicht  nicht  Jeder  glauben  wird.  Genug, 
es  ist  doch  also,;  ~  . 

.  ;  Mein  Wolfgangerl  empfiehlt  sich  Ihnen  sämmt- 
lich  ufcd :  besonders  Hru.  Spitzeder,  und  er  soll  Sr. 
Hochlürstl.  Gnaden  die  Sonaten  produciren  und  Hr. 
Wenzl  das  Violin  dazu  spielen.  Den  2osten  Octbr., 
am  Krönungstag©  ;de^  Königs,  waren  wir  von  6  bis 
jftfl  Uhr  beym  Kömge  und  der  Königin. 

'  (Leopold  M.  Brief  No.  ag.) 

•  i»  ::  v .  ,•«■#•■ 

J  .  .    ,     London, >n  8.  Febr.  i765. 

..!  ^.r"  t.  Am  15ten  werden  wir  ein  Concert 
auffuhren,  welches  mir  wohl  150  Guineen  vcrsehaf- 
fen  wird.  Ob  und  was  mir  werden  .wird,  muss  die 
Zeit 1(  In  en.  Der  König  hat  durch  die  Zurücksetzung 
der  Einberufung  des  Parlament*  den  Künsten  und 

Wissenschaften  grossen  Schaden  gellian.  

Niemand  macht  diesen  Winter  grosses  Geld ,  als 


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75 


Manzuoli  und  einige  Andere  von  der  .Oper.  Man- 
zuoli  hat  1600  Pfd.  St.  für  diesen  Winter,  und  das 
Geld  hat  müssen  in  Italien  assecurirt  werden,  weil 
der  Impresario  vorigen  Jahres,  Dejardino,  fallirte. 
Sonst  wäre  er  nicht  nach  London  gegangem  Nebst 
diesen  hat  er  auch  «in  Benefiz.  Man  hat  ihn  recht- 
schaffen bezahlen  müssen ,  nm  der  Oper  aufzuhelfem 
Füiif  oder  sechs*  Stücke  werden  aufgeführt.  Das  erste 
war  Ezio,  das  zweyte  Berenice  (alle  beyde  Pasticci 
von  entschiedenen  Meistern),  das  dritte  Adriano  in 
Syria,  von  Bach  neu  componirt.  Es  kömmt  noch 
Dcmofeonte,  von  Vento  neu  componirt.  y 

Die  Symphonieen  im  Concerte  werden  alle  von 
Wolfgang  seyn.'  t—'  — »  •  ■    "  • 

■ 

(Leopold  M.  Brief  No.  5o.)    A   >    •  .  . 

London,  den  19.  Mär»  1765. 

Mein  Concert  ward  erst  den  21sten  Februar  ge- 
geben und  war  wegen  der  Menge  der  Plajsirs  nicht 
so  stark  besucht  y  als  ich  es  hoffte,  Doch  wären  es 
130  Guineen,  wovon  27  für  Unkosten .  abzurechnen 
sind.  Ich  weiss  aber  auch,  wo  es  fehlt  und  warum 
man  uns  nicht  reiclilicher  behandelt  hat;  ich  habe 
einen  mir  gemachten  Vorschlag  nicht  angenommen. 
Allein  was  hilft  s,  viel  von  einer  Sache  zu  sprechen, 
die  ich  nach  reifer  Ueberlegung  und  schlaflosen  Näch- 
ten mit  Wohlbedacht  gethan  habe,  und  die  nun  vor- 
bey  ist,  da  ich  meine  Kinder  an  keinem  so  gefähr- 
lichen Orte  (wo  der  meiste  Theil  der  Menschen  gar 
keine  Religion  hat,  und  wo  man  nichts  als  böse  Bey- 
spiele  vor  Augen  hat)  erziehen  will.  Sollten  Sie  die 
Kinderzucht  hier  sehen t  Sie  würden  erstaunen.  Von 


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76 


übrigen  Religionssachen  ist  gar  Nichts  zu  sprechen. 
Die  Königin  hat  unserm  Wolfgang  für  die  Dedica- 
iion  der  Sonaten  50  Guineen  geschenkt.  Und  doch 
werde  ich  nicht  so  viel  Geld  hier  gewonnen  haben, 
als  es  Anfangs  das  Aussehen  hatte. 

Ich  bitte,  drey  heilige  Messen  lesen  zu  lassen, 
eine  zu  Loretto  bey  dem  heiligen  Kindel,  eine  bey 
den  Franziscanern  auf  dem  Hochaltare  und  eine  im 
Nunnherge, 

:      .,5*r  Sonates  pour  le  Clavecin, 
qui  peupent  se  jouer  avec  l'accompagm*>  de  Violon 

ou  Flute  traversiere, 
tre*s  humblement  dediees  ä  Sa  Majeste 
Charlotte,  Reine  de  la  Gr  ande- Bretagne. 

Composees  par  J.  G.  IV olfgang  Mozart  ,  dgi  de  halt  ans. 

Oeuvre  III.  London, 

. 

Ala  Reine* 

*  Madame ! 

-  Plein  d'orgueil  et  de  joie  d'oser  Vous  offrir  un 
hommage,  fachevois  ces  Sonates  pour  les  porter  aux 
pieds  de  Votre  Majeste*^  j'dtois,  je  l'apoue,  ivre 
de  panite*  et  rari  de  moi  mtme,  lorsque  j'appercu  le 
Genie  de  la  Musique  ä  ebti  de  moi. 

„Tu  es  bien  pain"  me  dit-il,  „de  eavoir  icrire 
a  un  dge  ou  les  autres  apprennent  encore  ä  tpeller.« 

„Moi,  pain  de  ton  Ouvrage?"  lui  r4pondis-je. 
„Non,  j'ai  d' autres  motifs  de  vanitL  Rdconnois  le 
fapori  de  la  Reine  de  ces  Isles  fort  unies.  Tu  pre- 
tendsp  que  nie  loin  du  rang  supreme  qui  la  distin- 
gue,  sex  talens  Uauroient  illustree:  eh  bien!  placee 
sur  le  trdne,  Elle  les  honore  et  les  protege.  Qu  Elle 


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77 

te  permctte  de  lui  faire  une  offrande,  tu  es  avide 
de  gloire,  tu  feras  si  hien  que  tonte  la  terre  le 
saura;  plus  philosophe,  je  ne  confie  mon  orgueil 
qu'a  mon  clavecin,  qui  en  devient  un  peu  plus  elo- 
quent.  Voila  tout, 

„Et  cette  eloquence  produit  des  Sonates!  *  •  .  ; 
Est-il  hien  sür  que  j'aie  jamais  inspird  un  faiseur 
de  Sonates?" 

Ce  propos  me  piqua.  Fi,  mon  p&re,  lui  dis-je, 
tu  parles  ce  matin  comme  un  pddant  .  .  .  Lorsque 
la  Reine  daigne  m'dcouter,  je  m'abandonne  h  toi, 
et  je  deviens  sublime;  loin  d'Elle  le  cliarme  s'aßbi- 
blit,  son  auguste  image  m'inspire  encore  quelques 
idees  que  l'art  conduit  ensuite  et  acheve  •  •  •  Mais 
que  je  vive,  et  un  jour  je  lui  offrirai  un  don  digne 
d'Elle  et  de  toi;  car  avec  ton  sdcours,  j'dgalerai  la 
gloire  de  tous  les  grands  hommes  de  ma  patrie,  je 
deviendrai  immortel  comme  Händel  et  Hasse,  et  mon 
nom  sera  aussi  cdlebre  que  celui  de  Bach, 

Un  grand  dclat  de  rire  deconcerta  ma  noble 
confiance.  Que  Votre  Majeste  juge  de  la  pa- 
tience  qu'il  me  faut  pour  vivre  avec  un  Etre  aussi 
fantasque!  • .  •  Ne  vouloit-il  pas  aussi  que  j'osasse 
rdprocher  ä  Votre  Majestd  cet  excts  de  honte  qui 
fait  le  sujet  de  mon  orgueil  et  de  ma  gloire?  Moi, 
Madame,  Vous  rdprocher  un  ddfautl  Le  beau  dd- 
faut!  Votre  Majeste*  ne  s>en  corrigera  de  sa  vie. 

On  dit  qu'il  faut  tout  passer  aux  Gdnies;  je 
dois  au  mien  le  bonheur  de  Vous  plaire,  et  je  lui 
pardonne  ses  caprices.  Daignez,  Madame,  recevoir 
mes  foibles  dons.  Vous  fätes  de  tout  temps  destinde 
ä  regnet  sur  un  peuple  libre:  les  enfans  du  Gdnie 


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78 

ne  le  aont  paa  moins  que  le  Peuple  Britannique, 
librea  aur  tout  deine  leura  hommagea,  ila  se  plaiaent 
u  entourer  Votre  fröne*  Vpa  vertua,  Voa  tcüena, 
V oa  bienfoita  aeront  ä  jamaia  prfoena  ä  ma  mt~ 
moire;  partout  oü  je  vivrai,  je  me  regarderai  conir- 
me  le  aujet  de  Votre  Mctj eatd. 

Je  auia  avec  le  plua  profond  reapeet, 
Madame, 
de  Votre  Majeatd 
\    .  .  U  tri*  humble  et  tri*  obiissant 

4  Londres,  Pet** 

t*  18.  Javier 'i765.  /.  G.  IV.  Mozart. 

• 

Diese  VI  Sonaten  sind  in  Cah.  XV.  Son.  I  VI. 

der  Breitkopf  u.  Härteischen  Ausgabe  in  Leipzig. 

In  der  Steinerschen  Ausgabe  ist  Sonata  /.  im 
IX.  Hefte  Sonata  XL,  Son.IL  im  XI.  Hefte  Son.  XXI., 
Son.  III.  im  X.  Hefte  Son.  XIV.,  Son.  IV.  im  IX.  H. 
Bon.  XII.,  Sön.  V.  im  XI.  H.  Son.  XXII.,  Son.  VI. 
im  Vm.  Hefte  Sonata  VI.  ... 

•  •     •  .  .  • 

^       (Leopold  M.  Brief  No.  3i.) 

London,  den  18.  April  i765. 

—  ^y  '.ym  yfir  haben  in  dem  Jahre ,.  das  wir 
hier  zugebracht  haben,  300  P£  St.  ausgegeben.  

.  — — —  

Die  Salzburger  Zeitung  vom  6.  Aug.  1765  ent- 
hält Folgendes  aus  London,  den  6«  July.  . 
•  Der  allhiesige  sehr  berühmte  Claviermacher  Bur- 
kard Thudy,  ein  geborner  Schweizer,  hatte  die  Ehre, 
für  Seine  Königl.  Preuss.  Majestät  einen  Flügel  mit 
zwey  Manuals  zu  verfertigen,  welches  von  Allen,  die 
es  sahen,  sehr  bewundert  worden.    Man  hat  es  als 


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79 

etwas  Ausserordentliches  bemerkt,  dass  Herr  Thudy 
alle  die  Register  in  ein  Pedal  angebracht ,  so  dass  sie 
durch  das  Treten  so  nach  einander  können  abgezo- 
gen und  das  Abnehmen  und  Zunehmen  des  Tones 
dadurch  nach  Belieben  kann  genommen  werden,  wel- 
ches  crescendo  und  decrescendo  die  Herren  Clavieri- 
sten  sich  längst  gewünscht.  Herr  Thudy  hatte  aus- 
serdem den  guten  Bedacht  genommen,  seinen  ausser- 
ordentlichen Flügel  durch  den  ausserordentlichsten 
Clavierspieler  dieser  Welt  das  erste  Mal  spielen  zu 
lassen,  nämlich  durch  den  sehr  berühmten  sieben- 
oder  neunjährigen  Musikmeister  Wolfg.  Mozart,  be- 
wunderungswürdigen Sohn  des  Salzb.  Herrn  Kapell- 
meisters L.  Mozart-  Es  war  ganz  etwas  Bezaubern- 
des, die  vierzehn  Jahre  alte  Schwester  dieses  klei- 
nen Virtuosen  mit  der  erstaunlichsten  Fertigkeit  die 
schwersten  Sonaten  auf  dem  Flügel  abspielen,  und 
ihren  Bruder  auf  einem  andern  Flügel  solche  aus 
dem  Stegreife  aecompagniren  zu  hören.  Beyde  tlmn 
Wunder!  Das  Museum  Britannicum  hat  sich  nicht 
nur  die  in  Paris  gedruckten  und  hier  publicirten  So- 
naten sammt  dieser  geschickten  Familie  Portrait«  aus- 
gebeten, um  solches  Alles  der  Seltenheit  ihrer  wun- 


l9 

einige  Original  -Manuscripte  von  diesem  Wunder- 
kinde, darunter  ein  kleiner  Chor  von  vier  Stimmen 
auf  englische  Worte  ist,  auf  Ansuchen  erhalten. 


«-  ...   .«  »» 


...      .  •      »     %     .    •     v  • 


•  ••\»  i.l 

» 


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/  80 

Abschrift  de»  6diriftlicl.cn  Ansuchens  des 

•   

Museum  Britannicwn. 


Sir! 

I  am  ordered  by  the  Standing  Committee  of 
the  Tnistees  of  the  British  Museum,  to  signify  to  You, 
tliat  they  lutve  received  the  present  of  the  Musi- 
cal Performances  of  Your  very  ingenious 
son,  ivhich  You  were  pleased  lately  to  male  Them, 
and  to  retour  You  their  llianhs  for  the  same. 

Briti.h  Museum,  '  Maty, 

July  19.  1765. 


Philosophical  Transactions. 
Vol.  60.   For  the  year  1770. 

Received  Nov.  a8.  176g. 
Zondon.  Printed  for  Cochyer  Davis  etc.  MDCCLXXI.  4. 

VIII.  Account  of  a  very  remarhable  young  Musi- 
cian.  In  a  letter  from  tlie  Honour able  Daines 
Barrington  F.R.S.  to  Matliew  Maly  M.D.Sec.R.S. 

Re*«  si  Sir! 
F«br.  15.  mo.      jf  j  wa8  to  9en^  you  a  weft  atte8ted 

account  of  a  hoy  u>ho  measured  seven  feet  in  height, 
when  he  was  not  more  than  eight  years  of  age9  it 
might  be  considered  as  not  undeserving  the  notice 
of  the  Royal  Society.   ' 

The  instance  which  I  now  desire  you  will  com- 
municate  to  that  learned  body,  of  as  early  an  exer- 
tion  of  most  extraordinary  musical  talents,  seems 
perhaps  equally'  to  claim  their  attention. 

Joannes  Chryostomus  IVolfgangus  Theophilus 


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Mozart  14X18  born  at  Saltzbourg  in  Bavaria  on  the 
of  Jan.  17-56.  *) 
.    /  have  been  informed  by  a  most  able  tnusician 
and  composer,  that  he  frequently  sau>  him  at  Vienna> 
when  he  was  little  more  tlian  four  years  old. 

By  this  time  Jie  was  not  only  capable  of  execu~ 
fing  lessons  on  hü  favourite  Instrument  the  Jiarpsi* 
chordß  but  composed  some  in  an  easy  etile  and  taste, 
which  ivere  much  approved  of  .  ;V- 

flis  extraordinary  masical  talents  eoon  reached 
the  ears  of  the  present  emperess  dowager,  who  used 
to  place  Mm  upon  her  hnees,  ivhilst  he  played  on 
the  liarpsichord. 

This  notice  taken  of  him  by  so  gfeat  a  perso* 
nag*>  together  with  a  certain  conscioumess  of  his 
most  singular  abilities,  liad  much  emboldened  the 
i  ^ 

*) '  I  here  subjoin  a  copy  of  the  iranstation  from  the  regieret 
at  Saltzbourg,  as  it  was  procured  from  his  excellency  Courtt 
Haslang,  envoy  extraordinary  and  minister  plenipotentiar^ 
of  the  eJectors  of  Bavarits  and  Palatine* 

,J,  the  ünä*er-  written,  certify,  thät  in  tnh  yeat  1756 
the  17«*  *;  of  Jan*,  at  eight  o*  dock  in  the  evening;  was 
born  Joannes  Chrisost antue  IVolfyangus  Theophilux,  son  of 
Mr.  Leopold  Mozart,  Organist  of  his  higness  the  prince  of  . 
Saltzboürg,  and  of  Mario)  Ann,  hie  lawful  Unfe  (wfiose 

mt  ten  o>  dock  in  the  morning,  at  the  prince' s  chathedrai 
church  here;  his  godfather  heing  Gottlieh  Pergmayr,  mer- 
chant  in  this  city.  In  ttuih  whereof  I  haue  taken  this 
certificate  from  the  parochial  regist  <r  of  christnings,  and 
ander  the  usual  seal,  eigned  the  same  with  my  ou>n  hand. 

Saltzbourg,  Leopold  Comprecht, 

Jan.       1769,  Chaplain  to  his  Highness  in  this  city.u- 

°)  Mosa  ein  Druck  -  oder  Schreibfehler  seyn*   Der  27»te  war 
der  GebdrUla*,  ^  • 

6 


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IlH-Ic  71J.H '•  S l  <  1 1 1 •      JSdn-g   tliercfore   t IhO    TIC\  t  year  (it 

one  of  the  German  courts,  wJiere  tlie  elector  encour 
raged  him  by  saying,  tliat  he  had  nothing  to  fear 
from  hie  august  presence,  Utile  Moeart  immediately 
sat  down  with  great  conßdence  to  his  harpsicliord 
informing  his  highness,  that  he  had  played  before 
tlie  emperess* 

•  At  neven  years  of  äge  hie  fatJier  oarried  him 
to  Paris,  where  he  so  distinguished  hirnseif  by  Jiis 
compositions)  that  an  engraving  was  made  of  hirru 

this  print  are  excessively  like  their  portraits,  as  is 
also  Utile  Mozart,  who  is  stiled:  „Compositeur  et 
Maitre  de  Musique,  age  de  sept  ans/'  ... 

After  the  name  of  the  engraver  follows  the  date, 
which  is  in  1764,*  Mozart  was  tlierefore  at  tJus  tune 
in  the  eight  year  of  Iiis  age*  —  * 

Upon  leaving  Paris,  he  came  over  to  England, 
whcre  he  continued  more  than  a  year.  As  during 
this  Urne  I  was  witness  of  his  most  e$traojrdinary 
abilities  as  ß  musician,  both  at  some  gublick  con- 
certs,  and  Uhewise  by  having  been  alone  with  him 
for  ä  cönsiderable  time  at  his  father's  hou#e$  /  send 
you  tlt*foH.owing  account*  amazing  and  incredible 
almost  as  it  may  appear. 

I  carried  to  him  a  mdnuscript  duet,  which  was 
composed  by  an  English  gentleman  to  some  favou- 
rite  words  in  Metastasixfs  opera  of  Demofoonte. 

Tlie  whole  score  was  in  five  parts,  viz.  aecom- 

paniments  for  a  first  and  second  vioUn,    the  two 

•**  •**■*  •       ^  • 

vocal  parts  and  a  base, 

/  shall  here  Uhewisen  mention,  tliat  the  parts 


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* 


»3 

for  the  first  and  second  poice  were  written  in  wliat 
the  Italiens  stile  the  Contnalto  cleff;  tlie  reason 
for  tahing  notice  of  which  particular  will  appear 
hereafier.  ,  .  .  ..  . 

My  intention  in  carrying  with  me  tMs  manu- 
script  ( omposition ,  was  toliave  an  irrefragahle  proof 
of  his  abilities  as  a  player  at  sight,  it  being  abso- 
hitely  impossible,  tfat  lie  could  have  ever  eeen  tlus 
musiel  before.  ^ . . 

TJie  score  was  no  sppner  put  upon  his,  desl, 
than  hs  began  to  play  tlie  sympliony  in  a  moH  ma- 
tter ly  manner  ^x  as  welk  as  in  the  time  and,  stile 
which.  corresppnded  with  the  intention  of  tlie  com- 

I  mention  tliis  circunistance,  because  tlie  greatest 
masters  ofUn  fail  in  tiiese  particulars  Qfl  the  first 
triaL  ,  , 

The  symphony  endedr  he  tooh  Ute  upper  part 
leaving  the  unier  one  to  Ms  fatlier.     ...         .  . 

His  poiee  in  tlie  tone  of  itu?aetten.and  infan- 
tine  but  nothing  could  qxceqd  tlie  masterly  manner 
in  wluch  he  sung.  His  Jather ,  who  tooh  the  under 
part  in  this  duet,  was  once  or  twice  ouf,,though 
tlie  passages  were  not  more  difficult  than  those  in 
the  upper  one$  on  which  occasions  the  son  loohed 
back  with  some  anger ,  pointing  out  tö  Mm  his  mis- 
takes,  and  setting  Mm  rights 

He  not  only  howeper  did  complete  justice  to  the 
duet,  by  singing  his  own  part  in  the  truest  taste, 
and  with  thß  greatest  precisiont  he  also  t/irew  in 
the  aecompaniments  of  the  two  violins,  wherever  they 
were  most  necessary  and  produced  the  best  ejfects. 

•  ,  Digitized  by  Google 


i  pA 

« 

It  is  well  hnown,  that  none  but'tht  most  capital 
musicians  are  capable  of  accompaning  in  this  supe- 
rior  stile.-+-    '     v>'    •  •V' • 

t  \As  many  of  those,  who  may  be  present,  when 
this  letter  may  have  the  honour  ofbeing  read  before 
the  society,  may  not  posstbly  be  acquainted  with  the 
difficuliy  of  playing  thus  from  a  müsical  score \  I 
will  endeävoxir  to  estplain  it  by  the  most  similar 
comparison  I  can  think  of 

.  1  ihiist  <tt  the  same  thtie  admit,  that  the  illmtra- 
tiori  will  fail  in  one  particular,  as  the  voice  in  rea- 
ding  bannot  comprehend  more  than  what  is  contai- 
rted  in  a  single  line  l  muH  süppose  however,  that 
the  reader's  eye,  by  habit  and  quiclness,  may  talce 
in  other  7mes,  though  tke-toice  carinöt  articulate 
tnem,  as  the  musician  accompanies  i/ie  Wofds  of  an 
air  by  the  harpsichord,  •  • 

-  Let'Wbe  imagined  therefore,  that  a  child  of 
ei ght  years  old  was  directed  to  read  five  Tines,*)  at 
once  in  fotir-f)  qf  which  the  letters  of  the  alpliabet 
were  to  liape  different  powers. 

For'example,  in  the  first  line  A,  to  have  it* 
common  powers,  1  1  **» 

V  By  tfds  I  ine  an,     '»*>  *V»  i    ;  . 

The  two  parts  for  the  violins 
The  upper  part  for  the  voice 
The  words  set  to  nntsic 
And-  lastly  the  base   .  ,  * 

fj  By  this  I  mean  . 

The  violin  parts.  in  the  common  f reble  cleff 

The  upper  part  for  the  Voice  in  the  ronfralto  cleff  as 

jiefore  mentioned 
The  words  in  common  characters 

And  the  base  in  its  common  cleff'. 

1 


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«5 


•:V\ 


In  the  second  that  of  B 
In  the  tJürd  that  of  C  ...  v\  .... 
In  tlie  fourth  of  D 

Let  it  be  conceived  also,  that  the  Unea  so 
posed  of  characters  with  different  powers  are  not 
ranged  so  as(  to  he  read  at  all  times  one  exactly 
ander  the  ot/ier ,  but  often  in  a  desultory  manner. 

Suppose  then,  a  capital  Speech  in  Shakespeare*) 
neuer  seen  before  and  yet  read  by  a  child  of  eight 
years  old,  with  all  the  patltetic  energy  of  a  Garrick. 

Let  it  be  conceived  lihewise,  tJiat  the  same  child 
is  reading  with  a  glance  of  the  eye,  three  different 
connnents  ort  this  speech  tending  to  its  Illustration; 
and  that  one  comment  is  abritten  in  Greeh,  the  se- 
cond in  Hebrew,  and  the  third  in  Etruscan  duz- 
r acters*  ■  ■  A* 

Let  it  be  also  supposed,  tliat  by  different  signs 
he  could  point  out  which comment  is  most  matei%ial 
upon  evry  word;  and  sometimes  that  perhaps  all 
three  are  so,  at  others  only  two  of  thcm. 

IVhen  all  this  is  conceived  ,  it  will  convey  some 
idea  of  wliat  the  boy  was  capable  of,  in  singing 
such  a  duet  at'sight  in  a  masterly  manner  from  the 
score,  throwing  in  at  tlie  same  time  all  its  proper 
accompaniments.  J 

When  he  had  ßnished  the  duet,  he  expressed 
himself  highly  in  its  approbation ,  asling  with  some 
eagerness,  whether  I  had  brought  any  more  such 


•  •    •  * 

nuisic* 


;"\\t»   ..       •  •«•••<• 


*)  The  worda  in  Ißelasta&io's  duet,  which  Utile  Mozart  sung, 

I  * 


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Having  beert  informed,  however  that  he  was 
often  visited  with  musical  ideas,  to  which  even  in 

m 

the  midst  of  the  night,  he  would  give  utterance  on 
his  harpsichord;  I  told  his  father,  that  I  should  be 
glad  to  hear  some  of  his  extemporary  composition3. 

The  father  shooh  his  head  at  this,  saying ,  that 
it  depended  intirely  upon  his  being  as  it  were  mu- 
sicallv  insnired:  but  that  I  mitritt  ash  htm.  whether 
he  Utas  in  humour  for  such  A  composition. 

Happening  to  hnow  tliat  little  Mozart  wäs  much 
tahen  notice  ofby  Manzoli,  tlie  famous  singer  who 
came  over  to  England  in  1764 ,  I  said  to  the  boy, 
that  I  should  be  glad  to  hear  an  extemporary  Love 
Song,  such  as  his  friend  Manzoli  might  choose  in 
an  opera* 

The  boy  on  this  (who  continued  to  sit  at  his 
harpsichord)  loohed  back  with  some  archness,  and 
imtnediately  began  five  or  six  lines  of  a  jargon  re- 
citive  proper  to  introdace  a  love  song. 

He  then  played  a  symphony,  which  might  cor- 
respond  with  an  vir  composed  to  the  single  word 
AffettOt 

It  bad  a  first  and  second  part,  which,  together 
with  the  symphonies,  was  of  the  length  tliat  opera 
songs  gener ally  last:  if  this  extempory  composition 
was  not  aniazingly  capital,  yet  it  was  really  above 
mediocrity,  and  shewed  most  extraordinary  readi- 
uess  of  invention. 

Finding  that  hs  was  in  humour  and  as  it  were 
inspired,  I  tlien  desired  him  to  compose  a  Song  of 
Rage  such  as  miglU  be  proper  for  the  opera  stage. 
The  boy  again  loohed  back  with  much  arclmess, 


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and  begari  five  or  six  lines  of  a  jargon  recitive  pro- 
per to  precede  a  Song  of  Anger. 

This  lasted  also  about  the  same  time  with  the 
Song  of  Ltove;  and  in  the  middle  of  it,  he  had 

harpsichord  lihe  a  person  possessed,  rising  someti- 
mes  in  chair.  '  s 

The  word  he  pitched  upon  for  this  eecond  ex- 
temporary  composition  tvas  Perfidq. 

After  this  he  played  a  difficult  lesson,  which  he 
had  finished  a  day  or  two  before:*)  his  execution 
was  amazing,  considering  that  his  little  fing  er  s 
could  scarcely  reach  a  fifth  on  the  harpsichord. 

His  astonishing  readiness,  however  did  not  arise 
merely  firom  great  practice;  he  had  a  thorough 
knowledge  of  the  fundamental  principles  of  compo- 
sition, as  upon  producing  a  t reble,  he  imniediately 
wrote  a  base  under  it,  which,  when  tried,  had  a 
very  good  effect. 

He  was  also  a  great  master  of  modulation,  and 
his  transitions  from  orte  hey  to  another  were  exces- 

*)  He  published  sif  Sonatas  for  the  harpsichord,  with  an  ac- 
companimeitt  for  the  violin,  or  German  flute,*)  which  are 
sold  by  JR.  Bremner,  in  the  Strand,  and  are  intituled: 
Oeuvre  Troi*m*# 

He  is  said  in  the  title  page  to  have  been  only  eight 
-  years  of  age  when  he  composed  these  sonatas. 

The  dedication  is  to  the  Queen  and  is  dated  at  London 
Jan,  18,  1766-  He  subscribes  hiniself  „trea  humble  et  uh% 
obcissant  petit  serviteur." 

Tha>e  lessons  are  composed  in  a  very  original  Stile,  and  - 

some  of  t/iem  are  masterly. 

•)  Auf  dem  Titelblotte  heisst  es:  Printed  for  the  auf  hör 
and  sold  at  his  lodgings  at  Mr'  PFilliatnson  in  Thrift 
Street  Hoho, 


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88 

sivel'V  natural  and  iudicious  z    he  oractised  in  this 
manner  for  a  considerable  time  with  a  liandkerchief 
Qver  the  heys  of  the  harpsicliord. 

The  facts,  I  have  been  mentioning,  I.waa  my- 
aelf  an  eyewitness  of^to  which  I  must  add,  that  I 
liavebeen  informed  by  two  or  three  able  musicians, 
wfien  Bach  tlie  celebrated  composer  liad  begun  a 
fugue  and  left  off  abrupt  ly,  tliat  little  Mozart  liatli 
immediately  talen  it  up,  and  worked  it  after  a  most 
rnasterly  manner. 

Witness  as  I  was  myaelf  of  mo$t  of  theae  ex- 
traordinary  facta,  I  muat  own 

auspecting  hia  fatjier  imposed  with  regard  to  tlie 
real  age  of  the  boy,  though  he  liad  not  only  a  most 
cJiildish  appearance,  but  lihewise  all  the  actione  of 
that  stage  of  life. 

For  example,  whilst  lie  was  playing  to  me,  a 
fauourite  cot  came  in,  upon  which  he  immediately 
left  his  harpsicliord,  nor  could  we  bring  him  back 
for  a  considerable  time. 

He  wo\dd  also  sometimes  run  ahout  tlie  room 
with  a  stich  between  hia  lege  by^  way  of  a  horse. 

I  found  lihewise  the  most  of  the  London  musi- 
ciona  were  of  tlie  aome  opinion  with  regard  to  his 
age,  not  believing  it  poaaible  tliat  a  child  of  ao  ten- 
der  yeare  could  aurpasa  most  of  the  mosters  in  tliat 
science. 

I  luive  tlierefore  for  a  considerable  time  made 
the  best  inquiriea  I  was  able  from  some  of  the  Ger- 
man musicians  resident  in  London,  but  could  never 
receive  any  further  Information  than  that  he  was 
born  ntar  Saltzbourg ,  tili  I  was  so  fvrtunate  as  to 


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89 

mM 

procure  an  extract  from  the  register  of  that  place, 
tlirough  his  excelience  count  Haslang. 

Ii  appears  from  this  extract,  tliat  Mozart* s  fa- 
ther  did  not  impose  with  regard  to  /äs  age  when 
he  was  in  England  for  it  was  in  June,  ±765;  tliat 
I  was  witness  to  wfiat  I  have  above  related,  when 
the  boy.  was  only  eight  years  and  five  months  old. 

I  Jiave  niade  frequent  inquires  with  regard  to 
this  very  extraordinary  genius  since  he  left  Eng- 
land, and  was  told  last  Miirmripr  tlmt  hp  tun.*  tfu>n. 
at  Saltzbourg,  where  he  had  composed  several  ora* 
torios,  which  Ufere  much  admired. 

I  am  also  in  for  med,  that  the  prince  of  Saltz- 
bourg, not  crediting  that  such  masterly  compositions 
were  really  tliose  of  a  child,  shut  Jiim  up  for  a 
week,  durin g  which  he  was  not  permitted  to  see 
any  one  and  was  left  only  with  music-paper ,  and 
tlie  words  of  an  oratorio. 

Düring  this  short  time  he  composed  a  very  ca~ 
pital  oratorio,  which  was  most  highly  approved  of 
upon  being  performed. 

Having  stated  the  above  mentioned  proofs  of 

Mozarfst  fTpjiij tu .  tuhpn  of  al most  an  infantine,  a&p 

■       V  mm         »    %f     U  Ks*  rill  Vf    9  r'r   Hl    /*  /  •Ww»'»  *  \r  %M  Wf        *     r  W       W  9  *rß  W       V*  f  p 

it  may  not  be  improper  perhaps  to  compare  them 
with  what  hath  been  well  attested  with  regard  ta 

Amongst  tliese  John  Barratier  hath  been  most 
particulary  distinguished ,  wlw  is  said  to  liave  un- 

dprttnnil.    T^ntirt   tuhpn  Jlp  tvrut   hu.t   four   vrars  nid 

Hebrew  when  six,  and  three  other  languages  at  the 
oge  o^  nine* 

This  same  prodigy  of  plulological  L  aming  also 


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90 

■  i  um  ii  ■..  ■ 

traaslaled  the  travels  of  Rabbi  Benjamin  when  ttle- 
*>e/j  year*  o/c?,  accompanying  his  version  with  notes 
arid  dissertations.    Before  Jus  death,  wlucJi  Jiappe- 

have  astonisJied  Germany  with  his  arnazing  exte/U 
of  learningi  and  it  need  not  be  said,  that  its  in- 
crease  in  such  a  soil,  from  year  to  year,  is  com- 
mordy  arnazing. 

Mozart,  however  is  now  not  mach  more  tlian 
thirteen  years  of  age,  and  it  is  not  tlierefore  neces- 
sary  to  carry  my  comparison  further. 

The  Rev,  Mr.  Manwaring  (in  his  Memoirs  of 
Handel)  hath  given  us  a  still  more  apposite  in- 
stance,  and  in  the  same  science. 

This  great  musician  began  to  play  on  the  Cla- 
vichord, when  he  was  but  eeven  years  of  age,  and 
is  said  to  liave  composed  some  church  Services  when 
he  was  only  nine  years  old,  as  also  the  opera  of 
Almeria,  when  he  did  not  exceed  fourteen. 

Mr.  Manwaring  lihewise  mentions  tliat  Handel, 
when  very  young,  was  Struck  sometimes  whilst  in 
bed  with  musical  ideas,  and  that,  like  Mozart,  he 
us  cd  to  try  their  ejfect  immediately  on  aspinnet, 
which  was  in  his  bedchamber. 

v  »  /  am  tJie  more  glad  to  state  tJiis  short  compa- 
rison between  these  two  early  prodigies  in  music, 
as  it  may  be  hoped  tliat  little  Mozart  may  possibly 
attain  to  the  same  advanced  years  as  Handel,  con- 
trary  to  the  common  Observation  that  such  ingenia 
praecocia  are  generally  sliort  lived. 

I  tliinh  I  may  say  without  prejudice  to  the  me- 
mory  of  this  great  composer ,  that  the  scale  most 

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9i 

• 

Charly  preponderatea  on  the  aide  of  Mozart  in  this 
comparison,  as  J  haue  already  stattet  that  he  was  a 
coniDOser  wheti  he  did  not  ntuch  exceed  the  nee,  of 

* 

£Kf  extemporary  compositions  also,  of  which  I 

uvas  ci.  tvitnetm     nrotfß  Iii**  frpnirißt  nnd  znvpntian  to 

Zwz^  oe?e/j  mos*  astonishing;  lernt  however  I  ahould 
insenaibly  become  too  atrongly  hia  panegyriat  permit 
nie  to  eubscribe  myself,  Sir, 

Dainee  Barrington. 

Philosophical  Tranaactions. 
60r-  Band,  Für  das  Jahr  1770. 

Erhalten  den  a8.  Nov.  1769. 

London,  bey  Cockyer  Davis  etc.   MDCCLXXI.  4- 

■ 

fTZI.  Nachricht  von  einem  sehr  merkwürdigen 
jungen  Musiker.  In  einem  Briefe  von  Daiues 
Barrington,  Mitgliede  der  königlichen  Gesellschaft,  an 
Matthew  Maly,  Secr.  der  königl.  Gesellschaft. 

vorgelesen,  Mein  Herr! 

d.  15.  *cbr.  1770.  \yenn  jCn  Ihnen  eine  wohl  beglaubigte 
Nachricht  von  einem  Knaben  senden  sollte,  der,  bey 
einem  Alter  von  nicht  mehr  als  acht  Jahren,  sieben 
Fuss  lang  wäre,  so  könnte  es  immer  als  etwas  der 
Kenntniss  der  königl.  Gesellschaft  nicht  Unwürdiges 
angesehen  werden. 

Das,  was  ich  jetzt  Sie  ersuche,  der  gelehrten 
Versammlung  mitzutheilen,  von  einem  so  früh  sich 
zeigenden,  ganz  ausserordentlichen  musikalischen  Ta- 
lente, scheint  ebenfalls  Anspruch  auf  ihre  Aufmerk- 
samkeit machen  eu  dürfen. 

» 


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92 

,  Johann  Chrysostomus  Wolfgang  Mozart  ward 
zu  Salzburg  in  Bayern  am  27.  Jan,  1756  geboren.  *) 

J  dl  1)111  von  einem  sehr  geschickten  Musiker  und 
Tonsetzer  benachrichtigt  worden,  dass  er  ihn  häufig 
zu  Wien  gesehen  habe,  als  er  noch  nicht  viel  über 
vier  Jahre  alt  war. 

Zu  jener  Zeit  war  er  nicht  nur  im  Stande,  Ue- 
buugsstücke  auf  seinem  Lieblings  »Instrumente,  dem 
Cla viere,  zu  spielen,  sondern  er  componirte  auch  ei- 
nige in  einem  leichten  Styl  und  Geschmacke,  die 
vielen  Bevfall  gefunden  haben. 

Sein  ausserordentliches  musikalisches  Talent  kam 
bald  der  jetzigen  verwittweten  Kaiserin  zu  Ohren, 
die  ihn  auf  ihren  Schooss  zu  setzen  pflegte,  wenn  er 
auf  dem  Claviere  spielte. 

Der  Umstand,  dass  eine  so  hohe  Person  Kennt- 
niss  von  ihm  nahm,  und  ein  gewisses  Selbstgefühl 


*)  Ich  füge  hier  eine  Abschrift  der  Uebersetzung  aus  dem  Kir- 
chenbuche zu  Salzburg  bey,  wie  solche  von  Sr.  Ex  cell,  dem 
lljerrn  Grafen  Haslang,  ausserordentlichem  Botschafter  und 
bevollmächtigtem  Minister  bey  den  Churfürsten  von  Bayern 
und  von  der  Pfalz,  eingesandt  worden. 

„Ich  Endesunterschriebener  bezeuge  hiermit,  dass  im  J. 
1756  den  17.  Jan.  Abends  um  acht  Uhr,  Johann  Chrysosto- 
mus  Wolfgang  Theophilus,  Sohn  von  Hrn.  Leopold  Mozart, 
Organisten  Sr.  Durchlaucht  des  Fürsten  (Fürst -Erabischofs?) 
von  Salzburg,  uud  von  Maria  Anna,  dessen  Ehegattin,  gc- 
horoen  Pertlin,  geboren,  und  am  folgenden  Tage,  um  zehn 
Uhr  des  Morgens,  in  der  erzbischöflichen  Domkirche  allhier 
getauft  worden;  Pathe  war  Gottlieb  Pergmayr,  ein  hiesiger 
Kaufmann.  Zu  dessen  Urkunde  habe  ich  dieses  Zeugruss  aus 
dem  Taufregister  der  Kirche  ausgezogen  und  mit  Beysetsung 
des  gewöhnlichen  Siegels  solches  eigenhändig  unterzeichnet. 

Salzburg,  Leopold  Comprecht, 

den  3w  Jan.  1769.  Capellan  Sr.  Durchl.  in  dieser  Stadt. 


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93  _ 

seiner  so  vorzüglichen  Fähigkeiten  hatten  den  klei- 
nen Tonkünstler  kühn  gemacht*  Als  er  daher  im 
folgenden  Jahre  an  einem  der  deutschen  Höfe  war, 
wo  ihm  der  Churfurst  Muth  machen  wollte  und  ihm 
sagte:  er  habe  nichts  von  seiner  hohen  Gegenwart  211 
furchten,  setzte  sioh  der  klein©  Mozart  mit  grossem 
Selbstvertrauen  an  sein  Ciavier  und  sagte  Sr.  Durch- 
laucht: er  habe  schon  vor  der  Kaiserin  gespielt*  ß*- 

Als  er  sieben  Jahre  alt  war,  nahm  ihn  sein  Vä- 
ter mit  nach  Paris,  und  dort  zeichnete  er  sich  so 
selir  durch  seine  Compositionen  aus,  dass  ein  Kupfer- 
stich auf  ihn  gemacht  wurde. 

Der  Vater  und  die  Schwester,  die  in  diesem 
Kupferstiche  mit  vorgestellt  sind,  sind  so  genau  ge- 
troffen, wie  der  kleine  Mozart  selbst,  der  auf  dem- 
selben „Compo&iteur  et  Maitre  de  Musique,  dge  de 
8ept  ans"  (Tonsetzer  und  Musikmeister,  sieben  Jahre 
alt)  genannt  wird. 

•  mm  •  V  • 

Nach  dem  Namen  des  Stechers  folgt  die  Jahrzahl 
1764?  folglich  war  Mozart  damals  im  achten  Jahre 
seines  Alters.      ,  ^  %t  .x    •    .  u  . 

Als  er  Paris  verlassen  hatte,  ging  er  nach  .Eng- 
land, wo  er  über  ein  Jahr  lang  blieb*  Da  ich  wäh- 
rend dieses  Zeitraumes  Zeuge  seiner  ganz  ausserorK 
deutlichen  Fertigkeiten  als  Tonkünstler  gewesen  bin, 
sowohl  in  einigen  öffentlichen  Concerten,  als  auch  in 
seines  Vaters  Hause,  wo  ich  lange  Zeit  mit  ihm  al- 
lein war;  sende  ich  Ihnen  folgenden  Bericht,  so 
steunenswürdig  und  fast  unglaublich  er  auch  erschei- 

♦ 

nen  mag*  .  /.  : 

brachte  ihn*  ein  geschriebenes  Duett, 


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94 

nir*  von  einem  Engländer  auf  einige  Lieblingsworte 
in  Metastasio's  Singspiel  Demofoonte. 

Die  ganze  Partitur  bestand  aus  fünf  Abtheilun- 
gen, nämlich  die  Begleitung  für  die  erste  und  zweyte 
Violine  >  die  zwey  Singstimmen  und  ein  Bass. 

Ich  muss  hier  gleichfalls  erwähnen,  dass  die  Par- 
thieen  für  die  erste  und  zweyte  Stimme  in  dem  von 
den  Italienern  so  genannten  Contralto- Schlüssel  ce— 
schrieben  waren.  Es  wird  sich  in  der  Folge  zeigen, 
warum  ich  hierauf  aufmerksam  mache« 

.  Absichtlich  brachte  ich  ihm  diese  Composition 
im  Manuscripte,  um  einen  unwidersprech liehen  Be- 
weis von  seiner  Fähigkeit,  vom  Blatte  zu  spielen,  zu 
erhalten,  da  es  durchaus  unmöglich  war,  dass  er 
diese  Musik  je  zuvor  gesehen-  haben  konnte. 

Kaum  war  die  Partitur  auf  sein  Notenpült  ge- 
legt, so  fing  er  an  die  Symphonie  höchst  meisterhaft 
zü  spielen,  und  zwar  sowohl  in  Hinsicht  des  Taktes, 
als  auch  des  Styles,  der  Absicht  des  Componisten 
entsprechend. 

Ich  erwähne  diesen  Umstand ,  weil  oft  die  gross- 
ten  Meister  in  diesen  Stücken  bey  der  ersten  Probe 
fehlen.  ,\  •  .  \ 

Die  Symphonie  endete,  er  nahm  die  höhere  Sing* 
stimme  und  überliess  die  tiefere  seinem  Vater*)  J  .  i 
Seine  Stimme  hatte  einen  schwachen,  kmderar- 
tfgert  Ton,  aber'  nichts  konnte  die  meisterhafte  Art, 
womit  er  sang,  übertreffen.  Sein  Vater,  der  die 
tieferd  Stimme« in  diesem  Duette  übernommen  hatte, 
kam  ein  oder  zwey 1  Mal  heraus,  obgleich  die  Passat 
gen  nicht  schwerer  waren,  als  die  in  der  höhearn 
Als  diess  vorfiel,  sah  sich  der  SoJm  mit 

V 


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einigem  Unwillen  um,  zeigte  ihm  seine  Fehler  mit 
dem  Finger  nnd  wiess  ihn  wieder  zurecht*  ■  ; 

Er  lies*  indessen  nicht  nur  dem  Duette  Tollige 
Gerechtigkeit  widerfahren,  indem  er  seine  eigeno 
Parthie  in  dem  richtigsten  Geschmack  nnd  mit  der 
grössten  Pricision  sang,  sondern  auch  «he,  Begleitung 
der  beyden  Violinen  mit  hinein  brachte >  wo  sie  am 
nöthigsien  waren  und  die  beste  Wirkung  hervor- 
1  trachten*  •  ••«  •*   * 

.  Es  ist  wohl  bekannt ,  dass  nur  die  aljervorzüg-? 
liclist.cn  Tonkiüistler  in  einem  so  ausgezeichneten 
Style  zu  begleiten  im  Stande  sind.:1*)-  v».J  . 

•  Als  er  das  Duett  beendigt  hatte,  drückte  er  sich 
sehr  stark  in  seinem  Beyfalle  aus  und  fragte  etwas 
hastig»  pty  ich  nicht  noch  mehr  solche  Musik  mitge- 
bracht hätte?        ,    (  .  .  ....... 

Ich  hatte  gehört,  dass  ihm  oft  musikalische  Ideen 
einiämen,  die  er,  selbst  mitten  in  der  Nacht,  auf 
seinem  Claviere  ausführe;   ich  sagte  daher  seinem 
-  • 

*)  Hr.  Barrragton,  um  auch  Unkundigen  iu  «eigen,  wie  schwer, 
es  «cy,  von  einer  Partitur  zu  fpielehV  Vergleicht  es  mit  Her 
Schwierigkeit,  fünf  über  einander  stebonfk*  Jkilen,  i.B*  eine 
Stelle  aus  Shakespeare  (da  die  Worte  in  Metastasio's  Duette, 

«        die  der  kleine  Mozart  sang,'  sehr  voller  Pathos  waren),  zu 
Jesen,  wo  die  oberste  Zeile  den  Test,  dann  die  andern  CW> 
mentare  enthielten,  mit  verschiedener  pchrifl  geschrieben* 
oder  so,  dass  in  der  ersten  Zeile  a  ein  a,  in  der.zweyten 
•      aber  ein  6,  in  der  dritten  ein  c  u.  s.  w.  Bedeutete.  Denke* 
man  sich  nun  dabey  ein  Kind  von  acht  Jahren,  das-  diese 
nie  vorhergesehenen  Zeilen  mit  einem  Blicke  auflasst, 
mit  der  Energie  eines  Garrick  ausspricht  \  durch  verschiedene 
Zeichen  »ngleirh  andeitet,  welcher  Commentar  am  treffen d- * 
sten  über  jedes  \Vor$  ist,  so  könne  man  sieh  einen  Begriff 
von  der  Fähigkeit  des  Knaben  machen,  der  ein  solches  Duett 

•       vom  Bütte  aus  der  Partitur  sang  und  spielte*  : 

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96 

Vater,  es  würde  mich  sehr  freuen,  einige  von  «ei- 
nen extempörirten  Compositioneri  zu  hören. 

Der  Vater  schüttelte  den  Kopf  dabey  und  sagte, 
diess  hange  gänzlich  davon  ab,  ob  er  so  zu  sagen 
musikalische  Eingebungen  habe,  doch  möchte  ich 
ihn  fragen,  ob  er  bey  Laune  wäre  zu  einer  solchen 
Composition.      .  « 

Da  ich  wusste,  dass  der  kleine  Mozart  sehr  von 
Manzoli,  dem  berühmten  Sänger,  der  nach  England 
1764  kam,  geachtet  wurde,  sagte  ich  zu  dem  Kna- 
ben, es  würde  mir  angenehm  seyn,  einen  extempo- 
rirten Liebes -Gesang  zu  hören,  so  wie  ihn  sein 
Freund  Manzoli  in  einer  Oper  etwa  gern  haben 
mooiiie.  * 

Der  Knabe  (der  noch  immer  an  seinem  Claviere 
saass)  sah  sich  ein  wenig  listig  um  und  fing  sogleich 
fünf  oder  sechs  Zeilen  von  einem  recitirenden  Jargon 
ariy  passend  zu'  eiiier'  Introduction  zu  einem  Liebes- 
gesänge.-   :  '     •         '       '      ■  ' 

Hierauf  spielte  er  eine  Symphonie,  welche  einer 
Arie,  über  das  einzige  Wort  Ajfetto  (Neigung,  Liebe) 
componirt)  entsprechen  konnte* 

*  _  Sie  hatte  einen  ersten  und  zweytcn  Theil,  und 
diess  mit  den  Symphonieen  zusammen  war  von  der 
Länge,  wie  gewöhnlich  Operngesänge  dauern.  Wenn 
auch  diese  extcmporirte  Composition  nicht  so  ganz 
zum  Erstaunen  treiflich  war«  so  war  sie  doch  merk- 
lich über  das  Mittelmässige  erhaben  und  zeigte  sehr 
ausserordentliche  Fertigkeit  im  Erfinden. 

Da  ich  fand,  dass  er  hey  Laune  war  und  so  zu 
sagen  Eingebungen  hatte,  bat  ich  ihn,  einen  Gesang 


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-  97 

i 

der  Wuth  zu  compöniren,  so  Wie  er  fiir  die  Sing- 
spiel-Bühne geeignet  seyn  dürfte. 

Der  Knabe  sah  sich  wieder  sehr  listig  um  und 
begann  fünf  oder  sechs  Zeilen  von  einem  recitiren- 
den  Jargon,  der  passend  zu  einem  Vorspiele  für  einen 
Zorngesang  war. 

Dieses  dauerte  ungefähr  eben  so  lange,  als  bey 
dem  Liebesgesange,  und  in  der  Mitte  davon  hatte  er 
sieh  zu  einer  solchen  Begeisterung  hinauf  gearbeitet, 
dass  er  sein  Ciavier  wie  ein  Besessener  schlug  und 
einige  Mal  in  seinem  Stuhle  sich  empor  hob« 

Das  Wort,  das  er  zu  dieser  zweyten  extempo- 
rirten  Composition  erwählte,  war  Perfido. 

Nach  diesem  spielte  er  ein  schweres  Uebungs- 
stück,  das  er  einen  oder  zwey  Tage  zuvor  beendigt 
natte.  *)  Seine  Ausführung  setzte  in  Erstaunen,  da 
seine  kleinen  Finger  kaum  eine  Quinte  auf  dem  Cla- 
viere  spannen  konnten. 

Seine  Staunens  Würdige  Fertigkeit' entsprang  nicht 

•  ■         •         •,«««•*••       •      #      i  # 

■J  Er  gab  sechs  Sonaten  für  das  Ciavier  heraus,  mit  Begleitung 
einer  Violine  oder  deutschen  Flöte ,  •)  die  zu  haben  sind  bey 
R,  Bremner,  in  dem  Strand,  und  betitelt  sind:  Oeuvre  trois"**'  , 

Auf  dem  Titel  wird  gesagt,  er  sey  nur  acht  Jahre  alt  ge- 
wesen, als  er  diese  Sonaten  compönirte*. 

Sie  sind  der  Königin  gewidmet,  und  datirt:  London,  den 
18.  Jan.  1765«  Er  unterzeichnet  sich:  tres  humble  et  tres 
obtissant  petit  serviteur  (unterthäuigster  und  gehorsamster 
kleiner  Diener.) 

•  Diese  Musikstücke  sind  in  einem  sehr  originellen  Style 

gesetzt;  einige  davou  sind  meisterhaft. 

» 

•)  Auf  dem  Titelblatte  heisst  es:  Printed  for  the  author 
and  sold  at  Ais  lodgingS  at  Mr»  fViÜiamson  in  Thrift 
Street  Hoho  (gedruckt  auf  Kosten  des  Verf.  und  ver- 
kauft in  dessen  Wohnung  bey  Herrn  "Williamson  in 
Thrift-Street  Öoho.  • 

7 

» 

■ 

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9ft 

bloss  aus  grosser  üebung;  er  hatte  eine  vollkommene 
Kenntuiss  der  Grundsätze  der  Tonsetzkunst;  so  schrieb 
er,  wenn  man  ihm  einen  Discant  vorlegte,  sogleich 
einen  Bass  darunter,  der,  wenn  man  ihn  probirte, 
sehr  guten  Effect  machte.  •«.■.! 

Er  war  auch  ein  grosser  Meister  in  der  Finger- 
setzung, und  seine  Uebergänge  von  einer  Taste  zur 
andern  waren  ungemein  natürlich  und  wohl  überlegt; 
er  spielte  auf  diese  Art  eine  lange  Zeit  unter  einem 
Tuche,  das  über  die  Tasten  des  Claviers  gelegt  war. 

Von  Allem  dem,  was  ich  hier  erwähnt  habe, 
war  ich  Augenzeuge;  diesem  muss  ich  noch  beyfü- 
gen,  dass  zwey  oder  drey  geschickte  Musiker  mir 
gesagt  haben,  dass,  als  der  berühmte  Tonsetzer  Bach 
eine  Fuge  angefangen  und  plötzlich  abgebrochen  hatte, 
der  junge  Mozart  sie  sogleich  aufgenommen  und  in 
einer  höchst  meisterhaften  Manier  ausgearbeitet  habe. 

Da  ich  selbst  Zeuge  von  diesen  ausserordentlichen 
Dingen  war,  muss  ich  gestehen,  dass  ich  mich  des 
Verdachtes  nicht  erwehren  konnte,  der  Vater  könne 
vielleicht  das  wahre  Alter  des  Knaben  verbergen; 
doch  war  sein  Ansehen  sehr  kinderhaft,  und  eben 
so  auch  trugen  alle  seine  Handlungen  das  Gepräge 
dieses  Lebensalters.  Zum  Beyspiele:  während  er  mir 
vorspielte,  kam  eine  Lieblingskatze  herein,  worauf  er 
sogleich  sein  Ciavier  verliess,  auch  konnten  wir  ihn 
eine  gute  Zeit  hindurch  nicht  wieder  zurück  bringen. 

Zuweilen  ritt  er  auch  auf  einem  Stocke  zwischen 
den  Beinen  im  Zimmer  herum. 

Ich  fand  ebenfalls,  dass  die  meisten  Londoner 
Tonkiinstler  dieselbe  Meinung  wegen  seines  Alters 
hatten;  sie  glaubten,  es  aey  nicht  möglich,  dass  ein 

* 

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Kind  in  so  zartem  Alter  die  meisten  unter  den  Mei- 
stern in  dieser  Kunst  übertreffen  könne. 

Desswegen  habe  ich  lauge  Zeit  hindurch  die  be- 
sten Erkundigungen,  die  ich  vermochte,  bey  einigeu 
deutschen,  in  London  wohnhaften  Tonkünstlern  ein- 
zuziehen gesucht,  aber  ich  konnte  weiter  nichts  er- 
fahren ,  als  dass  er  nicht  weit  von  Salzburg  geboren 
wäre,  bis  ich  so  glücklich  war,  mir  einen  Auszug 
aus  dem  Kirchenbuche  jenes  Ortes,  durch  Sc.  Exe. 
den  Hrn.  Grafen  Haslang,  zu  verschaffen.  : 

Aus  diesem  Auszuge  ergiebt  sich,  dass  Mozart's 
Vater  dessen  Alter  nicht  falsch  angegeben  hatte,  als 
er  in  England  war  5  denn  es  war  im  Juni  17657  als 
ich  Zeuge  war  von  dem,  was  ich  oben' erzählte,  da 
der  Knabe  erst  acht  Jahre  und  fünf  Monate  alt  war. 

Ich  habe  mich  hau  (ig  nach  diesem  ausserbrdent- 
liehen  Genie  erkundigt,  seitdem  er  England  verlas^ 
sen  hat,  und  letzten  Sommer  hörte  ich,  er1  wäre' 5h 
Salzburg,  wo  er  einige  Oratorien,  die  sehr  bewun- 
dert wurden,  componirt  habe.«       ■  •  •  • 

Auch  habe  ich  die  Nachricht  erhalten,  dass 'der 
Fürst  (Erzbischof)  von  Salzburg,  weil  er  nicht  glau*- 
ben  konnte,  dass  solche  meisterhafte  Compositiondn 
wirklich  das  Werk  eines  Kindes  waren,  ihn  eine 
Woche  lang  eingeschlossen  und  während  dieser  Zeit 
ihm  nicht  erlaubt,  irgend  Jemand  zu  sehen,  auch 
ihm  bloss  Notenpapier  und  die  Worte  eines  Orato- 
riums  gelassen  habe.   "         ":  • 

Während  dieser  kurzen  Zeit  componirtc  er  ein 
sehr  vorzügliches  Oratorium,  welches  den  grössten 
Beyfall  fand,  als  es  aufgeführt  wurde. 

Nach  den  oben  angeführten  Beweisen  von  Mo- 

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100 

■ 

I 

zart's  Geist,  in  einem  Alter,  wo  er  fast  noch  ein 
Kind  war,  mag  es  nicht  unpassend  seyn,  sie  mit 
dem  zu  vergleichen,  was  von  andern  Beyspielen  die- 
ser Art  durch  Zeugnisse  bestätigt  ist« 

Unter  diesen  war  Joh.  Barratier  besonders  aus- 
gezeichnet, der,  nur  vier  Jahre  alt,  Lateinisch,  sechs 
Jahre  alt,  Hebräisch,  und  als  er  neun  Jahre  war, 
noch  drey  andere  Sprachen  verstanden  haben  soll» 

Eben  dieser  übersetzte,  eilf  Jahre  alt,  die  Rei- 
sen  des  Rabbi  Benjamin  und  begleitete  seine  Ueber- 
setzung  mit  Anmerkungen  und  Abhandlungen.  Vor 
seinem  Tode,  der  noch  vor  dem  Alter  von  zwanzig 
Jaliren  erfolgte,  scheint  Barratier  Deutschland  durch 
seine  ungemein  ausgebreitete  Gelehrsamkeit  in  Stau- 
nen versetzt  zu  haben.  ;  •/ 
Mozart  indessen  ist  nun  nicht  viel  über  dreyzehn 
Jahre  alt,  und  daher  ist  es  nicht  nöthig,. meine  Ver- 
gleichung  weiter  zu  treiben. 

Der  hochwürd.  Hr.  Manwaring  (in(  seinen  Denk- 
würdigkeiten von  Händel)  hat  uns  ein  noch  pas- 
senderes Beyspiel  und  in  derselben  Kunst  aufgestellt. 
Dieser  grosse  Tonkünstler  fing  an  das  Ciavier  zu 
spielen,  als  er  nur  sieben  Jahre  alt  war,  und  soll 
einige  Kirchenmusiken,  als  er  nur  neun  Jahre,  und 
auch  die  Oper  Almeria,  als  er  noch  nicht  über  vier- 
zehn war,  componirt  haben. 

Hr.  Manwaring  sagt  auch,  dass  Händeln,  als  er 
noch  sehr  jung  war,  zuweilen  im  Bette  musikalische 
Ideen  bey fielen,  die  er  dann  sogleich  auf  einem  Spi- 
net,  das  in  seiner  Schlafkammer  stand,  ausführte. 

Ich  stelle  diese  kurze  Vergleichung  zyrischen  zwey 
so  frühzeitigen  Wunder -Genies  in  der  Musik  an,  da 


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man  hoffen  darf,  der  kleine  Mozart  werde  vielleicht 
ein  gleich  hohes  Alter  wie  Händel  erreichen,  der 
gewöhnlichen  Bemerkung  entgegen,  das«  solche  in- 


Ich  glaube,  ohne  Nachtheil  für  das  Andenken 
jenes  grossen  Tonsetzers,  sagen  zu  können,  dass  die 
Waagschale  in  dieser  Vergleichung  sehr  merklich 
auf  Mozart's  Seite  sinkt,  da  ich  schon  gezeigt  habe, 
dass  er  componirte,  als  er  noch  nicht  viel  über  vier 
Jahre  alt  war.  • 

Seine  extemporirten  Com  Positionen  auch,  wovon 
ich  Zeuge  war,  beweisen,  dass  sein  Geist  und  seine 
Erfindung  höchst  Staunenswerth  waren;  doch  um 
nicht  zu  sehr  sein  Lobredner  zu  werden,  erlauben 
Sie  mir,  mich  zu  unterzeichnen  etc. 

Daines  Barrington. 


.4  * 


•»     •  « 


Shakespeare  Mirchant  of  Venice.  A.  5.  S.  1. 

—      —      —      —       The  poet  '« 

did  feign  that  orpheus  drew  trees,  stones  and  fioods  ' 

since  nouglü  so  stockish  hard  and  füll  of  ragef 

but  Musick  for  the  time  doth  chatige  his  Nature. 

The  man  that  hath  no  Musich  in  himself 

nor  is  not  mov'd  with  coucord  of  sweet  faundt% 

is  fit  for  treasons,  stratagems  and  spoils 

the  motions  of  his  spirit  are  dull  as  nifht,  ' 

and  his  affection»  drak  as  ßrebusi 

ht  no  such  man  be  trusted. 


(Leopold  M.  Brief  No.  3a.) 

London,  <Jea  9.  4"ty  1765. 
—  —  — .  _  _  Ich  bitte,  gleich  sechs  heilige 
Messen  lesen  zu  lassen,  zwey  bey  dem  heil.  Kindel 
zu  Loretto,  zwey  in  der  Pfarre  und  zwey  äu 


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-  * 

103 

Piain.  Diese  sollen  uns  den  Weg  über  das  Meer 
bahnen«  ■ 

Man  verlangt,  dass  ich  nach  Hause  eile?  Ich 
bitte,  man  wolle  mich  mir  machen,  und  dasjenige, 
was.  ich  mit  Gott  angefangen  habe,  auch  mit  dessen 
Hülfe  ausmachen  lassen.  Ich  hoffe,  es  wird  Alles, 
gut  werden,  wenn  die  Häftel  daran  kommen.  Gott 
yerlässt  keinen  ehrlichen  Teutschen*        ,  . 

,  Jch  habe  meinen  Freund  Mr.  Grimm  gebeten, 
eine  Quantität  von  unsern  Portrait  -  Kupferstichen 
nach  Salzburg  zu  senden.  Diese  Kupfer  sind  gemalt 
WPrden,:  als  der  Bube  sieben,  das  Mädel  eilf  Jahre 
ajt  war,  gleich  bey  unserer  Ankunft  in  Paris.  Mr« 
Grimm,  war  der  Anstifter.  In  London  hat  Wolf- 
gangerl sein  erstes  Stück  für  vier  Hände  gemacht« 
Es  warg  bis  dahin  noch  nirgends  eine  vierhändige 

Sonate  gemacht  worden.  

•  j      •■  i 

1  Mozart's  überreiche  Phantasie  war  schon  in  den 
Kinderjahren,  wo  sie  im  gewöhnlichen  Menschen 
noch  schlummert,  so  wach  und  so  lebhaft,  und  er 
vollendete  das,  was  er  einmal  begriffen  hatte,  schon 
so,  dass  man  sich  nichts  Sonderbareres  und  in  ge- 
wissem Betrachte  Rührenderes  denken  kann,  als  die 
schwärmerischen  Schöpfungen  derselben,  welche,  da 
der  kleine  Mensch  noch  so  wenig  von  der  wirklichen 
Welt  wusste,  himmelweit  von  dieser  verschieden 
waren. 

Da*  die  Reisen  (erzählt  seine  Schwester) ,  die  wir 
machten,  ihn  in  so  manche  verschiedene  Länder 
führten,  so  sann  er,  während  wir  von  einem  Orte 
zum  aendern  zogen,  sich  ein  Königreich  aus,  welches 


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>  •  

er,  ich  weiss  nicht  mehr  warum,  das  Königreich 

Kücken  nannte.  Dieses  Reich  und  dessen  Einwoh-  . 
ner  wurden  mit  Allem  begabt,  was  sie  zu  guten  und 
fröhlichen  Kindern  machen  konnte.  Er  war  der  Kö-  f 
nig  des  Reichs.    Und  diese  Idee  haftete  so  in  ihm  0 
und  wurde  von  ihm  so  weit  verfolgt,  dass  unser  Be- 
dienter, der  ein  wenig  zeichnen  konnte,  eine  Charte 
davon  machen  musste,  wozu  er  ihm  die  Namen  der 
Städte,  Märkte  und  Dörfer  dicürte. 

Im  Julius  1765  fuhren  sie  wieder  nach  Calais 
über  und  reis'ten  durch  Flandern,  wo  Wolfgang  oft 
die  Orgeln  der  Klosterkirchen  und  der  Kathedralen 
spielte.  In  Haag  lagen  beyde  Kinder  so  hart  dar- 
nieder, dass  man  ihren  Tod  fürchtete.  Da  Wolf- 
gang das  Bett  nicht  verlassen  konnte,  so  musste  man 

■ 

ihm  ein  Bret  auf  der  Decke  einrichten,  um  darauf 
schreiben  zu  können;  und  wenn  gleich  die  Finger 
der  Feder  den  Dienst  versagten,  so  liess  er  sich 
doch  nicht  vom  Spielen  und  Schreiben  abhalten. 

(Leopold  M.  Brief  No.  33.)         '  /  *  ''/'  '. 

»  • 

Haag,  deu  19.  Sept.  1765. 

—  —  —  Der  holländische  Gesandte  in  London 
war" uns  vielmals  angelegen,  nach  dem  Haag  zu  dem 
Prinzen  von  Oränien  zu  gehen,  aber  er  hatte  tauben 
Ohren  gepredigt.  Allein,  nachdem  wir  London  am 
24.  July  verlassen  hatten,  blieben  wir  einen  Tag  in 
Canterbury  und  bis  zu  Ende  des  Monats  auf  dem 
Laudgute  eines  englischen  Cavaliers.  Noch  am  Tage 
unserer  Abreise  hatte  uns  der  Gesandte  in  unserem 
Quartiere  gesucht,  fulur  bald  darauf  zu  uns  und  bat 
uns  um  Alles,  nach  dem  Haag  zu  gehen,  indem  die 

#  " 


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1 

Prinzessin  von  Weilburg,  Schwester  des  Prinzen  von 
Oranien,  eine  ausserordentliche  Begierde  hätte,  die- 
ses Kind  zu  sehen.  Ich  musste  mich  um  so  eher 
entschliessen,  da  man  einer  schwangern  Frau  Nichts 
abschlagen  darf« 

Am  i.  August  verliess  ich  England.  In  Calais 
waren  die  Herzogin  von  Montmorency  und  der  Prinz 
de  Croy  unsere  Bekanntschaften.  In  Lille  wurde  ich 
und  Wolfgang  durch  Krankheit  vier  Wochen  aufge- 
halten und  waren  in  Gaud  noch  nicht  recht  herge- 
stellt. Hier  spielte  Wolfgang  auf  der  grossen  neuen 
Orgel  bey  den  P.  P.  Bernhardinern,  so  wie  in  Ant- 
werpen auf  der  grossen  Orgel  in  der  Kathedralkirche. 

In  Haag  sind  wir  nun  acht  Tage.  Wir  waren 
zwey  Mal  bey  der  Prinzessin  und  ein  Mal  bey  dem 
Prinzen  von  Oranien,  der  uns  mit  seiner  Equipage 
bedienen  Hess.  Nun  war  meine  Tochter  krank  ge- 
worden. Wenn  sie  besser  ist,  sollen  wir  wieder 
zum  Prinzen  und  zu  der  Prinzessin  von  W.  und  zu 
dem  Herzog  von  Wolfenbüttel. 

Die  Reise  ist  bezahlt;  wer  nun  aber  die  Rück- 
reise bezahlt,  muss  ich  erst  sehen. 

Meine  Frau  lässt  Sie  bitten,  sechs  heil.  Messen 
lesen  zu  lassen,  nämlich  drey  bey  dem  heil.  Johann 
von  Nep.  in  der  Pfarre,  eine  zu  Maria -Plaint,  eine 
zu  Loretto  bey  dem  heil.  Kindel  und  eine  zu  Ehren 
der  heil.  Walpurgis,  wo  Sie  wollen.  —  - 

( L  e  ci  j)  o  1  (1  M.  Brief  No.  54.) 

.  Haag,  den  5.  November  1765. 

Ich  musste  wider  meine  Neigung  nach  Holland 
gehen,  um  da,  wo  nicht  gar  meine  arme  Tochter  zu 


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verlieren,  doch  schon  fast  in  den  letzten  Zügen  lie- 
gen zu  sehen.  So  weit  war  es  mit  ihr  gediehen.  Ich 
bereitete  sie  zur  Resignation  in  den  göttlichen  Wil- 
len, Sie  erhielt  nicht  nur  das  heil.  Abendmahl,  son- 
dern auch  das  heilige  Sacrament  der  letzten  Oelung. 
Hätte  Jemand  die  Unterredungen  gehört ,  die  ich, 
Frau  und  Tochter  hatten,  und  wie  wir  letztere  von 
der  Eitelkeit  der  Welt,  von  dem  glückseligen  Tode 
der  Kinder  überzeugten ,  so  würde  er  nicht  ohne 
nasse  Augen  geblieben  seyn,  da  inzwischen  Wolf- 
canc  sich  in  einem  andern  Zimmer  mit  seiner  Musik 

f 

unterhielt« 

,  Zuletzt  sandte  mir  die  Prinzessin  von  W«  den 
ehrlichen  alten  Professor  Schwenkel  zu,  der  die 
Krankheit  auf  eine  neue  Art  behandelt«  Sehr  oft 
war  meine  Tochter  nicht  bey  sich,  weder  schlafeud, 
noch  wachend,  und  sprach  immer  im  Schlafe  bald 
die  eine,  bald  die  andere  Sprache,  so  dass  wir  bey 
aller  Betrübniss  manchmal  lachen  mussten«  Diess 
brachte  auch  den  Wolfgang  etwas  aus  seiner  Trau- 
rigkeit. Nun  kömmt  es  darauf  an,  ob  Gott  meiner 
Tochter  die  Gnade  giebt,  dass  sie  wieder  zu  Kräften 
gelangt,  oder  ob  ein  sie  in  die 

Ewigkeit  schickt.  Wir  haben  uns  jederzeit  dem  gött- 
lichen Willen  überlassen,  und  schon  ehe  wir  von 
Salzburg  abgereis't  sind,  haben  wir  Gott  instandigst 
gebeten,  unsere  vorhabende  Reise  zu  verhindern,  oder 
zu  segnen.  Stirbt  meine  Tochter,  so  stirbt  sie  glück- 
selig. Schenkt  ihr  Gott  das  Leben,  so  bitten  wir  ihn, 
dass  er  ihr  seiner  Zeit  eben  so  einen  unschuldigen, 
seligen  Tod  verleihen  möge,  als  sie  jetzt  nehmen 
würde«   Ich  hoffe  das  Letztere,  indem,  da  sie  seh» 


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schlecht  war  4  am  nämlichen  Sonntage  ich  mit  dem 
Evangelium  sagte:  „Domine,  descende,  bevor  meine 
Tochter  stirbt 5"  und  diesen  Sonntag  hiess  es:  „die 
Tochter  schlief,  dein  Glaube  hat  dir  geholfen."  Su- 
chen Sie  nur  im  Evangelium,  Sie  werden  es  linden. 

Nun  bitte  ich,  wegen  meiner  Tochter  eine  heiL  * 
Messe  zu  Maria-Piain,  eine  heilige  Messe  bey  dem 
heil.  Kindel  zu  Loretto,  eine  zu  Ehren  der  heiligen 
Walpurgis  und  zwey  zu  Passau  auf  dem  Mariahüf- 
Berge  lesen  zu  lassen.  Nun  hat  mein  Mädel  auch 
an  die  fromme  Crescentia  gedacht  und  auch  ihr  zu 
Ehren  eine  heil.  Messe  wollen  lesen  lassen.  Allein, 
da  wir  noch  nicht  dergleichen  zu'  thun  befugt  sind, 
bevor  unseve  Kirche  in  Betreff  dieser  frommen  Per- 
son Etwas  decidirt  hat,  so  überlasse  ich  Ihrer  Frau/ 
mit  etlichen  Patribus  Franciscanern  ein  Consistorium 
darüber  zu  halten,  und  die  Sache  so  einzurichten, 
dass  meine  Tochter  zufrieden  gestellt,  die  Satzungen 
Gottes  und  unserer  Kirche  aber  nicht  beleidigt  werden. 

So  bald  die  Besserung  meiner  Tochter  mir's  er- 
laubt, fahre  ich  mit  Wolfgang  auf  etliche  Tage  nach 

•# 

(Leopold  M.  Brief  No.  35.) 

Haag,  den  la.  December  1765. 

Nun  hat  auch  unser  lieber  Wolfgang  einen  fürch- 
terlichen Strauss  ausgestanden:  er  hatte  ein  hitziges 
Fieber,  welches  ihn  mehrere  Wochen  sehr  elend 
machte.  Geduld!  Was  Gott  sendet,  das  muss  man 
annehmen-  Jetzt  kann  ich  also  Nichts  thun,  als  die 
Zeit  abwarten,  da  seine  Kräfte  ihm  zu  reisen  erlau- 
ben. Auf  die  Kosten  ist  nicht  zu  denken.  Hole  der 


1 


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Kukuk  das  Geld,  wenn  wir  nur  den  Balg  davon  tra- 

Gnade  Gottes  gehabt  hätten,  würden  meine  Kinder 
diese  schweren  Krankheiten  und  wir  diese  drey  Mo- 
nate  nicht  haben  uberstehen  können*  Nuu  bitte  ich 
Sie,  folgende  heil.  Messen  alsobald  lesen  zu  lassen: 
drey  bey'm  heil.  Kindel  zu  Loretto,  eine  zu  Maria- 
Piain,  eine  zu  Passau  auf  dem  Mariahilf- Berge,  zwey 
bey  der  heil.  Anna  bey  den  P»  P.  Franziscanern  in 
der  Pfarrkirche,  eine  zu  Ehren  der  heil.  Walpurgis 
und  eine  zu  Ehren  des  heil.  Vincentii  Ferrery* 

Die  Krankheit  meiner  Kinder  hat  nicht  nur  uns. 
sondern  auch  unsere  Freunde  hier  in  Betrubniss  ge- 
setzt.  Wer  aber  diese  Freunde  sind,  kann  ich  nicht 

eine  Grosssprecherey  hal- 
ten möchte*     ..  /  i 

Wiewohl  bey  unserer  Anwesenheit  in  Amster- 
dam wegen  der  Fastenzeit  alle  öffentlichen  Vergnü- 
gungen streng  verboten  waren,  wurde  es  uns  doch 
erlaubt,  zwey  Concerte  zu  geben,  und  zwar,  wie  die 
fromme  und  besonnene  Resolution  lautete,  weil  die 
Verbreitung  der  Wundergaben  meiner  Kinder  zu 
Gottes  Preis  diente.  Auch  wurde  Nichts  als  Wolf- 
gangs eigene  Instrumental -Musik  gegeben.  —  —  — 

Erst  nach  vier  Monaten  erholten  sich  beyde  Kin- 
der wieder  und  dann  bestand  die  erste  Arbeit  des 
Sohnes  in  sechs  Sonaten  für  das  Ciavier,  mit  Beglei- 
tung einer  Violine,  die  er  mit  einer  Zuschrift  an  die 
Prinzessin  von  Nassau- Weilburg  stechen  Hess.  Im 
Anfange  des  Jahres  1766  brachten  sie  vier  Wochen 
in  Amsterdam  zu  und  reis'ten  dann  zum  Installatious- 


* 


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• 

Feste  des  Prinzen  von  Oranien,  und  von  da  wieder 
in  den  Haag.  Der  Sohn  setzte  für  diese  Festlichkeit 
ein  Quodlibet  für  alle  Instrumente,  nebst  verschiede- 
nen Variationen  und  einigen  Alien  für  die  Prinzen- 
sin.  Alle  diese  genannten  Compositionen  wurden 
theils  in  Haag  und  theils  in  Amsterdam  gestochen. 
Nachdem  sie  öfters  beym  Erbstatthalter  gespielt  hat- 
ten, reis'ten  sie  wieder  nach  Paris,  blieben  dort  zwey 
Monate,  während  welcher  Zeit  sie  zwey  Mal  in  Veiv 
sailles  waren. 

(Leopold  M.  Brief  No.  36.) 

Paria,  den  16.  May  1766.  . 

Nachdem  ich  Ihnen  in  langer  Zeit  nicht  geschrie- 
ben und  nur  durch  Freunde  Ihnen  Nachrichten  von 
uns  gegeben  habe,  fange  ich  selbst  wieder  an. 

Wir  gingen  von  Amsterdam  zu  dem  Feste  des 
Prinzen  von  Oraiüen  (am  Ilten  März)  wieder  nach 
Haag,  wo  man  unsern  kleinen  Compositeur  ersuchte, 
sechs  Sonaten  für  das  Ciavier,  mit  Begleitung  einer 
Violine,  für  die  Prinzessin  von  Nassau- Weilburg  zu 
verfertigen,  die  auch  gleich  gravirt  wurden.  Ueber- 
diess  musste  er  zum  Concert  des  Prinzen  Etwas  ma- 
chen, auch  für  die  Prinzessin  Arien  componiren 
u.  s.  w.  Ich  sende  Ihnen  dieses  Alles,  und  unter 
andern  zweyerley  Variationen,  die  der  Wolfgaug 
über  eine  Arie«  die  zur  Minorennität  und  Installa- 
tion  des  Prinzen  gemacht  worden  ist,  hat  verfertigen 
müssen,  und  die  er  über  eine  andere  Melodie,  die 
in  Holland  durchaus  von  Jedermann  eesuimen  ,  ce- 
blasen  und  gepfiffen  wird,  in  der  Geschwindigkeit 
hingeschrieben  hat.    Bs  sind  Kleinigkeiten.  Ferner 


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■ 

erhalten  Sie  meine  Violinschule  in  holländischer 
Sprache.  Diess  Bnch  hat  man  in  dem  nämlichen 
Format  in  meinem  Angesichte  ins  Hollandische  über- 
setzt, dem  Prinzen  dedicirt  und  zu  seinem  Instalia- 
tions-  Feste  überreicht.  Die  Edition  ist  ungemein 
schön.  Der  Verleger  (Buchdrucker  in  Harlem)  kam 
mit  einer  ehrfurchtsvollen  Miene  zu  mir  und  hänr 
digte  mir  das  Buch  ein,  in  Begleitung  des  Organi- 
sten, der  unsern  Wolfgang  einlud,  auf  der  berühm- 
ten grossen  Orgel  in  Harlem  zu  spielen,  welche« 
auch  am  folgenden  Morgen  geschah.  Diese  Orgel  ist 
ein  trefflich  schönes  Werk  von  68  Registern  5  Alles 
Zinn,  weil  Hol*  in  diesem  feuchten  Lande  nicht 
dauert.  ••  •  .  ... 

Wir  «ind  über  Mecheln  gereis't,  wo  wir  niwern 
alten  Bekannten,  den  Erzbischof,  besuchten.  Hier 
haben  wir  ein  von  unserm  Freunde  Mr.  Grimm  für 
uns  bestelltes  Quarüer  bezogen.  .". 

Für  meine  Kinder  und  meinen  Geldbeutel  wäre 
es  zu  beschwerlich,  schnurgerade  nach  Salzburg  auf- 
zubrechen. Es  wird  Mancher  noch  Etwas  zu  dieser 
Reise  bezahlen,  der  jetzt  Nichts  davon  weiss-  —  *-   '  , 

(Leopold  M.  Brief  No.  57.) 

•       •  .  •         -  »  ••'•*. 

Paris,  den  9.  Juny  X766. 

Künftige  Woche  sollen  wir  wieder  nach  Ver- 
sailles, wo  wir  vor  zwölf  Tagen  ganzer  vier  Tage 
waren.  Wir  haben  die  Gnade  gehabt,  den  Erbprin- 
zen von  Braunschweig  bey  uns  zu  sehen.  Er  ist  ein 
sehr  angenehmer,  schöner,  freundlicher  Herr.  Und 
bey  seinem  Eintritte  fragte  er  mich  gleich:  ob  ich 
der  Verfasser  der  Violinschule  wäre?  —  —  — - 

- 

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Lettre  de  Paris  ±766. 

(Probableinent  icrite  par  Mr.  Grimm.)  - 

Nous  venons  de  poir  ici  les  deux  aimablee  en- 
fans  de  Mr.  Mozart,  maitre  de  Chapelle  du  Printe 
ArclUvique  de  Salzbourg ,  qui  ont  eu  un  si  grand 
succes  pendant  leur  sijour  ä  Paris  en  1764.  Leur 
pere,  aprhs avoir  passi  pres  de  18  mois  en  Angle- 
terre  et  6  mois  en  Hollande,  vient  de  les  reconduire 
ici,  pour  s'en  retourner  a  Salzbourg.  Partout,  oü 
ces  enfans  ont  fait  quelque  sejöur,  ile  ont  reuni 
tous  les  suffrages,  et  cause'  de  titonnement  aux 
connoisseurs.  M&+  Mozart,  &g4e  maintenant  de  13 
ans,  d'ailleurs  fort  embellie,  a  la  plus  belle  et  la 
plus  brillante  exdcution  sur  le  Clavessin:  il  n*y  a 
que  son  fr&re,  qui  puisse  lui  enlever  les  suffrages. 
Vetenfant  meroeilleux  a  actuellenient  neu/  ans:  il 
n'a  presque  pas  grandi$  mais  il  a  faxt  des  progres 
prodigieux  dans  la  musique.  II  dtoit  deja  Composi- 
teur  et  auteur  de  Sonates  il  y  a  deux  ans :  il  en  a 
fait  grauer  six  depuis  ce  tems-la  a  Londres ,  pour 
la  Reine  de  la  Grande- Bretagne;  il  en  a  publiS  six 
autres  en  Hollande  pour  Mme>  la  Princesse  de  Nas- 
sau -  TVeilbourg  $  il  a  composi  des  Simphonies  ä 
grand  OrcJiestre,  qui  ont  ete  executies  et  ginirale- 
ment  applaudie'es ;  il  a  mime  ecrit  plusieurs  airs 
Italiens,  et  je  ne  desespere  pas  qu'avant  qu'il  ait 
att  eint  l'dge  de  12  ans,  il  tfait  dt  ja fait  jouer  un 
Opdra  sur  quelque  Theatre  df  Italic  Ayant  entendu 
Munzuoli  a  Londres  pendant  tout  un  hiver,  il  en  a 
si  bien  profitd,  $ue  quoiqu'il  ait  la  voix  excessive- 
ment  foible,  il  clumte  avec  autant  de  goilt  que  d'ame. 
Mais  ce  qu'il  y  a  de  plus  incomprdhensible ,  c'est 


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I 


IM 

cette  profonde  science  de  Pharmonie  et  de  ses  passa- 
ges  les  plus  cach^s,  qu'il  pos seile  au  suprime  dtgre", 
et  qui  a  fait  dire  au  Prince  hirtdüaite  de  Broun- 
swick,  juge  trls-compitent  en  cette  mattere,  comme 
en  beaucoup  d'autres,  que  dee  mattree  de  Cluxpelle* 


pris  ce  que  cet  enfont  fait  a  neuf  ans.  Nou's  lui  . 
avons  vu  soütenir  dee  assauts  pendani  une  heure  et 

grosses  gvuttee,  et  avöient  toute  la  peine  du  monde 
ä  se  tirer  -d^affaire  avec  un  enfant,  qui  quittoit  le 
combat  sans  itre  fatiguL  Je  l'ai  vu  sur  l'orgue  d6~ 
router  et  faire  taire  des  organistes,  qut  se  croioient 
fort  habt  les  ä  Lomir  es.  Bach  le  prCnoit  entre  .ses* 
genoüx,  et  ils  jouoient  ainsi  de  töte  alternativernen £ 
sur  le  mime  Clavessin  deucc  heu  res  de  suite,  en  pr&« 
eence  du  Boi  et  de  la  Beine.  Ici  il  a  subi  la  intimer 
dpreuve  avec  Mr.  Baupach,  nobile  musicien,  qui  a 
ete  long  tems  ä  Petersbourg ,  et  qui  improvise  avec 
une  gründe  suptriorite.  On  pourroit  s*entretenir 
longtems  de  ce  Phenomene  singulier.  t**st  d'ailleurs 
une  des  plus  aimobles  creatures,  qu'on  puisse  voir, 
mettant  ä  tout  ce  qu'il  dit  et  ce  qu'il  fait,  de  Zes- 
prit  et  de  Ponte  avec  la  grace  et  la  gentillesse  de 
son  dge.  II  rassure  mime  par  sa  gaiete  contre  la 
crainte  qufon  a,  qu'un  fruit  si  pre'coce  ne  tombe 
avant  sa  maturite*»  Si.  ces  enfans  vivent,  ils  ne 
resteront  pas  a  Salxbourg.  Bientbt  les  Souverains 
se  disputeront,  ä  qui  les  aitra.  Le  pere  est  non- 
eeulement  nobile  musicien,  mais  komme  de  sens  et 
d*un  bon  esprit,  et  je  n'äi  jamais  vu  un  komme  de 
sa  profession  riunir  h  son  talent  tant  de  me'rite.  — 


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Brief  aus  Paris  1766. 

(wahracheinlich  von  Hrn.  Grimm  geschrieben.) 

So  eben  haben  wir  hier  die  beyden  liebenswür- 
digen Kinder  Hrn.  Mozart's,  Kapellmeisters  bey  dem 
fürst  -Erzbischof  von  Salzburg  gesehen ,  die  so  vie- 
len Beyfall  während  ihres  Aufenthalts  in  Paris  1764 
gehabt  haben,  Ihr  Vater  ist  achtzehn  Mona*  in  Eng- 
land und  sechs  Monat  in  Holland  gewesen ,  und  hat 
sie  vor  Kurzem  hierher  zurück  gebracht ,  um  von 
hier  nach  Salzburg  zurück  zu  kehren.  Ueberall,  wo 
«ich  diese  Kinder  einige  Zeit  aufgehalten  haben,  ist 
-nur  Eine  Stimme  zu  ihrem  Vortheile  gewesen  und 
«ie  haben  alle  Kenner  in  Staunen  gesetzt,  Mademoi- 
8elle  Mozart,  jetzt  dreyzehn  Jahre  alt,  übrigens  sehr 
Von  der  Natur  begünstigt,  hat  die  schönste  und  glan- 
zendste  Ausführung  auf  dem  Claviere;  nur  ihr  Bru- 
der allein  vermag  die  Stimme  des  Beyfalls  ihr  zu 
Tauben.  Dieser  wundervolle  Knabe  ist  jetzt  neun 
Jahre  alt.  Er  ist  fast  gar  nicht  gewachsen;  aber  er 
hat  ungeheure  Fortschritte  in  der  Musik  gemacht. 
Er  hat  schon  vor  zwey  Jahren  Sonaten  componirt 
und  geschrieben,  er  hat  sechs  Sonaten  seitdem  in  Lon- 
don für  die  Königin  von  Gross britannien  stechen 
lassen;  sechs  andere  hat  er  in  Holland  für  die  Prin- 
zessin von  Nassau -Weilburg  herausgegeben,  er  hat 
Symphonien  für  ein  grosses  Orchester  componirt ,  die 
aufgeführt  und  mit  allgemeinem  Bevfali  aufeenom- 
men  worden  sind.  Er  hat  sogar  mehrere  italienische 
Arien  geschrieben,  und  ich  gebe  die  Hoffnung  nicht 
auf,  dass  er,  noch  ehe  er  zwölf  Jahre  alt  ist,  schon 
eine  Oper  wird  haben  auf  irgend  einem  Theater 
Italiens  spielen  lassen.  Er  hatte  Manzuoli  in  London 


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Winter  hindurch  gehört,  und  diese» 
so  gut  benutzt ,  da.ss  er,  obgleich  seine  Stimme  aus- 
serordentlich schwach  ist,  doch  mit  eben  soviel  Ge- 
schmack als  Gefühl  singt.  Aber  das  Unbegreiflichste 
ist  jene  tiefe  Kenntnis*  der  Harmonie  und  ihrer  ge- 
heimsten Passagen ,  die  er  im  höchsten  Grade  besitzt, 
und  wovon  der  Erbprinz  von  Braunschweig,  der  gül- 
tigste Richter  in  dieser  Sache,  so  wie  in  vielen  an- 
dern, gesagt  hat,  dass  viele  in  ihrer  Kunst  vollendete 
Kapellmeister  stürben,  ohne  das  gelernt  zu  haben, 
was  dieser  Knabe  in  einem  Alter  von  neun  Jahren 
leistet.  Wir  haben  ihn  anderthalb  Stunden  lang 
Stürme  mit  Musikern  aushalten  sehen,  denen  der 
Schweiss  in  grossen  Tropfen  von  der  Stirne  rann, 
und  die  alle  Mühe  hatten,  sich  aus  der  Sache  zu  zie- 
hen mit  einem  Knaben,  der  den  Kampf  ohne  Er- 
müdung verliess.  Ich  habe  ihn  gesehen,  wie  er  auf 
der  Orgel  Organisten,  die  sich  für  sehr  geschickt 
siegte  und  zum  Schweigen  brachte.  Bach 
zuweilen  zwischen  seine  Kniee,  und\sie 


nahm 

spielten  so  zusammen  abwechselnd  auf  dem  nämlichen 
Ciaviere  :awey  ;  Stunden  lang  in  Gegenwart  des  Kö- 
nigs und  def  Königin.  Hier  hat  er  die  nämliche 
Probe  mit Hrn- Raupach  bestanden,  einem  geschick- 
ten Tonkünstler,  der  lange  in  l*etersbnrg  gewesen  ist, 
und  mit  groser  Gewandtheit  phantasirt.  Man  könnte 
lange  sieh  mit  diesem  besondern  Phänomen  unter- 
halten. Uebrigens  ist  er  eines  der  liebenswürdigsten 
Wesen,  die  Ä  sehen  kan»i  in  alles,  was  er  sagt 
und  thut,  bringt  er  Geist  und  Gefühl,  vereint  mit  der 
Anmuth  und  dem  holden  .  Wesen  seines  Alters.  Er 
benimmt  sogar  durch  seine  Munterkeit  die  Furcht, 

8 


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die  man  hat,  dass  eine  so  frühreife  Frucht  vor  der 
Zeit  abfallen  mochte.  Bleiben  diese  Kinder  am  Le- 
ben, so  werden  sie  nicht  in  Salzburg  bleiben.  Bald 


Der  Vater  ist  nicht  nur  ein  geschickter  Tohkünstler, 
sondern  er  ist  auch'  ein 'Mann  von  Verstand  und 
Geist,  und  noch  nie  sah  ich  einen  Mann  von  seiner 
Kunst,  der  mit  seinem  Talente  so  viel  Verstand 
verband.  •  •  •       '  *, 


R  o  n  d  e  a  u 

.  '       ,.         •  ».«*••  i  .j 

,  de  la  compositio*  de  S.  Mademoi*elle 

(ßlle  äu  'Üuc  d  Orleans  "), 

•       ••     »•    ••••         •  •  §  «•  • 

qui  prena  la  liierte  de  presenter  son  ouvragc 

*  a 


V         0  t      •  » 


Violon.* 


M'-  Wolf  gang  Mozart.' 


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i  ■  •  *tn 


♦)  Es  hfU&t,  das»  KaUer  Joseph  II.  dieso  Vi  in/estin  hatte  hei- 

ratliPfi  Milien,  und  das«  er,  weil  die  Ein»iiinmung  »einer 
Miller  abging,  hetclrloss,  Heh  nicht  mchf'*»  Ycrehelithe«. 


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0 


m. 


: 


Wir 


(Leopold  M.  Brief  No.  38») 

Lyon,  den  16.  August  i?6ß. 

irid  am  9-  J»ty  von  Paris  nach  Dijon 
gegangen  und  dort  14  Tage  geblieben.  Der  Prinz 
von  Conde*  hatte  uns  wegen  der  Versammlung  der 
Stände  von  Burgund  dahin  eingeladen.  


Sie  gingen  dann  über  Lyon  durch  die  Schweiz, 
wo  der  ganzen  Familie  viel  Ehre  erwiesen  wurde. 
Salomon  Gessner  schenkte  der  Familie  seine  Schrif- 
ten und  «schrieb  vor  dem  Titelblatte  hinein: 

„Nehmen  Sier  wertheste  Freunde,  diess  Geschenk 
mit  der  Freundschaft,  mit  der  ich  es  Ihnen  gebe. 
Möchte  es  würdig  seyn,  mein  Andenken  beständig 
bey  Ihnen  zu  unterhalten.  Geniessen  Sie,  vereh- 
.  rungs würdige  Eltern,  npch  lange  die  besten  Früchte 
der  Erziehung  in  dem  Glücke  Ihrer  Kinder;  sie 
seyen  so  glücklich,  als  ausserordentlich  ihre  Ver- 
dienste sind!  In  der  zartesten  Jugend  sind  sie  die 
Ehre  der  Nation  und  die  Bewunderung  der  Welt. 
Glückliche  Eltern!  Glückliche  Kinder!  Vergessen 
Sie  Alle  nie  den  Freund,  dessen  Hochachtung  und 
Liebe  für  Euch  sein  ganzes  Leben  durch  so  leb- 
haft  seyn  werden  als  heute." 
t      Zürich       •    ■  Salomon  Gessner."  ■ 

d.  3.  Wmnmonat  1766. 

•  ....      * ■,«■>  ♦  ... 


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U7 

Judith,  geborne  Heidegger,  Gessner's  Frau, 
schenkte  der  Familie  die  poetischen  Schriften  Wie- 
lands, und  ihr  Bruder  Heidegger  dem  Vater  deu 

 1   »  _ x  „ „     IT..  J'l.   » 

verueurscnten  rnjuiDicis. 

Von  der  Schweiz  gingen  sie  nach  Schwaben,  wo 
sie  einige  Zeit  in  Donaueschingen  bey  dem  Fürsten 
von  Füvstenberg  verweilten. 

Aus  München,  wo  sie  den  8»  November  anka- 
ii  schrieb  der  Vater  folgende  drey  Briefe: 


(Leopold  M.  Brief  No.  59.) 

München,  den  10,  fJorbr.  1766. 

—  —  —  In  Lyon  blieben  wir  vier  Wochen. 
In  Genf,  wo  die  Unruhen  in  voller  Flamme  waren, 
hielten  s  wir  aus.  In  Lausanne  wollten  wir  uns  nur 
einige  Stunden  aufhalten;  allein  bey  dem  Absteigen 
kamen  die  Bedienten  des  Prinzen  Ludwig  von  Wiir- 
temberg,  der  Madame  d' Autbonne,  der  Madame 
dUermenche,  des  Mr.  de  Severy  zu  uns,  und  ich 
ward  beredet,  fünf  Tage  zu  bleiben.  Erwähnter  Prinz 
war  noch  bey  uns ,  als  wir  einstiegen,  und  ich  musste 
ihm,  da  wir  schon  im  Wagen  waren,  bey  dem  Ilän- 
dedrack  versprechen,  ihm  oft  zu  schreiben  und  von 
unsorn  Umstanden  Nachricht  zu  geben.  Hier  ver- 
schweige ich  noch  das  Meiste,  da  ich  weiss,  wie  ver- 
schieden dieUrtheile  nach  Verschiedenheit  der  manch- 
mal sehr  schwachen  Einsicht  der  Menschen  sind. 
Von  Lausanne  nach  Bern  und  Ziirch.  Am  ersten 
Orte  8  Tage,  am  zweyten  14  Tage  geblieben.  Den 
letzten  Aufenthalt  machten  die  zwey  gelehrten  Herren 
Gessner  »ehr  angenehm  und  unsern  Abschied  sehr 
betrübt.    Wir  haben  die  Merkmale  ihrer  Freund- 


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schaft  mit  uus  genommen.  Von  da  über  Winter-  j 
ih um  nach  Schaflhausen ,  wo  ein  viertägiger  Aufent- 
halt auch  sehr  angenehm  war;  dann  nach  Donau- 
eschingen. Der  Fürst  empfing  uns  ausserordentlich 
gnädig:  wir  hatten  nicht  nöthig  uns  zu  melden.  Man 
erwartete  uns  schon  mit  Begierde,  und  der  Musik- 
direktor Rath  Martelli  kam  gleich,  uns  zu  compli- 
mentiren  und  einzuladen.  Wir  blieben  £2  Tage.  In  I 
9  Tagen  war  Musik  von  5  bis  9  Uhr  Abends :  wir 
machten  allezeit  etwas  Besonderes.  Wäre  die  Jahres- 
zeit nicht  so  weit  vorgerückt,  so  hätte  man  uns  nicht 
fahren  lassen.  Der  Fürst  gab  mir  24  Louisd'or,  und 
jedem  meiner  Kinder  einen  diamantenen  Ring.  Die 
Thränen  flössen  ihm  aus  den  Augen,  da  wir  uns 
beurlaubten;  auch  weinten  wir  alle.  Er  bat  mich, 
ihm  oft  zu  schreiben.  Dann  über  Möskirchen,  Ulm, 
Günzburg  und  Dillingen,  wo  wir  zwey  Tage  blieben, 
und  von  dem  Fürsten  zwey  Ringe  abholten.  Vor- 
gestern sind  wir  hier  angelangt.  Gestern  haben  wir 
den  Churfursten  bey  der  Tafel  besucht ,  und  wurden 
gnädigst  empfangen.  Wolfgang  musste  gleich  neben 
Sr.  Durchlaucht  ein  Stück  auf  der  Tafel  componiren, 
davon  der  Kurfürst  ihm  den  Anfang  oder  Idea  von 
ein  paar  Takten  vorsang.  Er  musste  es  auch  nach 
der  Tafel  im  Cabinet  spielen.  Wie  erstaunt  Ieder- 
inan  war,  dieses  zu  sehen  und  zu  hören,  ist  leicht 
zu  erachten. 

(Leopold  M.  Brief  No.  4o,) 

München,  den  i5.  Norbr.  1766. 

Um  dem  instandigen  Verlangen  des  Prinzen  J^ud- 
wigs  von  Würtemberg  und  der  Fürsten  von  Fürsten- 

/ 

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berg  und  Taxis  ein  Genüge  zu  ihun ,  müsste  ich  nach 
Regensburg  gehen,  aber  ich  muss  sehen,  ob  die  Um- 
stände meines  Sohnes,  der  wieder  krauk  geworden, 
es  erlauben  werden,  —  —  — 

■ 

,     (Leopold  M.  Brief  Nu.  4a.) 
.  .  München,  den  aa.  Norbr.  1766. 

 Es  kömmt  darauf  an,  dass  ich  zu  Hause 

eine  Existenz  habe,  die  besonders  für  meine  Kinder 
zweckgemäss  ist.  Gott  (der  für  mich  bösen  Menschen 
allzugütige  Gott)  hat  meinen  Kindern  solche  Talente 
gegeben ,  die,  ohne  der  Schuldigkeit  des  Vaters  zu 
denken ,  mich  reitzen  würden ,  alles  der  guten  Er- 
ziehung derselben  aufzuopfern*  Jeder  Augenblick, 
den  ich  verliere,  ist  auf  ewig  verloren,  und  wenn 
ich  jemals  gewusst  habe,  wie  kostbar  die  Zeit  für 
die  Jugend  ist,  so  weiss  ich  es  jetzt.  Es  ist  Urnen 
bekannt ,  dass  meine  Kinder  zur  Arbeit  gewohnt  sind :  ' 
sollten  sie  aus  Entschuldigung,  dass  eins  oder  das  an- 
dere, z.  B.  in  der  Wohnung  und  ihrer  Gelegenheit 
sie  verhindert,  sich  an  müssige  Stunden  gewöhnen, 
so  würde  mein  ganzes  Gebäude  über  den  Haufen  fal- 
len. Die  Gewohnheit  ist  ein  eiserner  Pfad,  und  Sie 
wissen  auch  selbst,  wie  viel  mein  Wolfgang  noch  zu 
lernen  hat.  Allein,  wer  weiss,  was  man  in  Salzburg 
mit  uns  vor  hat!  Vielleicht  begegnet  man  uns  so, 
dass  wir  ganz  gern  unsere  Wanderbündel  über  den 
Rücken  nehmen.  Wenigstens  bringe  ich  dem  Vater- 
lande,  wenn  Gott  will,  die  Kinder  wieder.  Will 
man  sie  nicht,  so  habe  ich  keine  Schuld.  Doch  wird 
man  sie  nicht  umsonst  haben.  —  — 


120 

-  i 

* 

Endlich  kamen  sie  nach  einer  Abwesenheit  von 
länger  als  drey  Jahren  zu  Ende  des  November  1766  j 
wieder  in  Salzburg  an,  nachdem  sie  Gewinn  gehabt 
und  Ehre  genossen  hatten.  Mit  der  kleinen  Zauber-  | 
hand  das  Reich  der  Töne  schon  bemeisternd,  hatte 
Wolfgang  nun  schon  in  den  Erstlingsbliithen  seiner 
Composition  den  künftigen  Wundersatz  der  Kunst 
ali neu  lassen.  * 

Von  dieser  grossen  Reise  weiss  man  noch,  dass 
der  Knabe  auf  dem  gräflichen  Schlosse  Babenhausen 
die  Beweise  seiner  Geschicklichkeit  ablegte,  und  dass 
er  im  Markte  Biberach  einen  musikalischen  Wett- 
streit auf  der  Orgel  mit  dem  nachherigen  Pater  Six- 
tus Bachmann  (geb.  1754,  zuletzt  im  Kloster  March- 
thal an  der  Donau)  hatte,  in  welchem  Jeder  sein 
Aeusserstes  tliat,  um  dem  Andern  den  Vorzug  strei- 
tig zu  machen.  Der  Ausgang  war  für  Beyde  sehr 
rühmlich. 

In  Salzburg  blieb  nun  die  Mozart'sche  Familie  ! 
mehr  als  ein  Jahr  in  Ruhe.  Diesen  Zeitraum  der 
Müsse  wendete  der  junge  Künstler  auf  das  höhere 
Studium  der  Composition,  dessen  grösste  Tiefe  er 
nun  bald  ergründet  hatte.  Emanuel  Bach,  Hasse, 
Händel  und  Eberlin  waren  seine  Männer  —  ihre 
Werke  sein  unablässiges  Studium  I  Dadurch  erwarb 
er  sich  eine  ausserordentliche  Fertigkeit  und  Ge- 
sell windigkeit  der,  linken  Hand.  Er  studirte  fleissig 
die  Werke  der  strengen  alten  Componisten  und  be- 
reitete sich  dadurch  zu  den  kolossalen  Arbeiten  vor, 
mit  denen  er  in  seinem  männlichen  Alter  als  der 
Reformator  der  Instrumental-  und  besonders  der 
Theater -Musik  so  glänzend  auftrat. 

■ 

■ 

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121 

Keineswegs  vernachlässigte  er  die  allen  italieni- 
schen Meister ,  deren  Vorzüge  in  Rücksicht  der  Me- 
lodie und  der  Gründlichkeit  des  Satzes  so  auffallend 
gegen  die  heutigen  Italiener  abstechen.     So  schritt 
er  immer  näher  der  Stufe  der  Vollkommenheit ,  auf 

•  welcher  ihn  bald  darauf  die  Welt  ajs  eine  seltene 

•  Erscheinung  erblickte. 


IV*  Reise,  mit  Sohn  und  Tochter  nach  Wien, 

angetreten  den  Ü,  September  1767,  geendigt 
im  Decembcr  1768- 

Den  Ii.  September  1767  trat  die  ganze  Familie 
die  Reise  nach  Wien  an.  Kaum  aber  dort  angekom- 
men,  wurde  sie  durch  die  in  Wien  grassirenden 
Blattern  veranlasst,    nach  Ollmütz  zu  gehen,  wo 
beyde  Kinder  diese  Krankheit  auch  bekamen.  In 
Ollmütz,  wo  der  Knabe  an  den  Blattern  so  krank 
war,  dass  er  neun  Tage  blind  lag  und  mehrere  Wo- 
chen nach  seiner  Genesung  die  Augen  sehr  schonen 
musste,  wurde  ihm  die  Zeit  lang.    Der  erzbischöfl. 
Kaplan  Hay,  nachheriger  Bischof  von  Königsgraz, 
besachte  die  Familie  taglich.  Dieser  war  in  Karten- 
künsten sehr  geschickt.   Der  Knabe  lernte  diese  mit 
vieler  Behendigkeit  von  ihm.  Da  der  dortige  Fecht- 
meister auch  öfters  hinkam,    so  musste  ihn  dieser 
das  Fechten  lehren. 

Schon  früher  hing  Wolfgang  mit  inniger  Zärt- 
lichkeit an  jeder  Art  von  Kunst.  Jeder  Compositeur, 
Maler,  Kupferstecher,  den  die  Familie  auf  ihren 
Reisen  keimen  lernte,  hatte  ihm  von  seiner  Arbeit 
ein  Andenken  geben  müssen,  welches  er  sorgfaltig 


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I 


m 

aufbewahrte.  Nun  hören  wir  des  Vaters  Briefe  wah- 
rend seiner  Abreise  von  Salzburg.  , 

■  • 

(Leopold  M.  Brief  No.  4a.) 

*  *  • 

Wien,  den  IX  Sept.  1767. 

Unterweges  hat  uns  der  Prälat  von  Lambach  zu 
Mittag  eingeladen.  Als  wir  in  Mölk  waren,  gingen 
wir  ins  Kloster,  und  Hessen  uns  die  Zimmer  zeigen, 
und  gaben  uns  weiter  nicht  zu  erkennen,  bis  wir  bey 
Beschauung  der  Kirche  und  der  Orgel  dem  Organis* 
ten  Gelegenheit  gaben,  den  Wolfgangerl  am  Spielen 
zu  kennen,  oder  vielmehr  zu  errathen. 

Von  unsern  hiesigen  Verrichtungen  ist  noch 
Nichts  zu  berichten.  Se.  Majestät  sind  erst  aus  Un- 
garn zurück,  und  die  Kaiserin  hatte  dieser  Tage  ihre 
allmonatliche  Andacht  wegen  des  Todesfalls  des  seli- 
gen Kaisers.  

(Leopold  M.  Brief  No.  43.) 

Wien,  den  29.  Sept.  1767. 

Ich  weiss  Ihnen  Nichts  zu  berichten,  als  dass 
wir  alle  Gottlob !  wohl  auf  sind ,  und  das  ist  ganx 
sicher  schon  das  Postgeld  werth. 

Die  Oper  von  Hasse  ist  schön,  aber  die  singen- 
den Personen  sind  NB.  für  eine  solche  Festivität  gar 
nichts  Besonderes.  Sign.  Tibaldi  ist  der  Tenor,  und 
Sign.  Raucini  von  München  der  beste  Castrat,  Prima 
Donna  die  Sign.  Deiberin,  eines  wienerischen  Hof- 
violinisten Tochter.  Die  Tänze  aber  sind  trefflich: 
die  Hauptperson  ist  der  berühmte  Vestris.  

(Leopold  M.  Brief  No.  44.) 

Wien,  den  7.  October  1767. 
 Dass  die  Blattern  bey  I.  K.  H.  der 


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Prinzessin  Josepha,  des  Königs  von  Neapel  Braut* 
ausgebrochen  sind,  macht  uns  in  etwas  auch  einen 
Strich  durch  unsere  Rechnung.  —  —  — 

(Leopold  M.  Brief  No.  45.) 

Wien,  den  i4.  October  1767. 

 Wir  haben  noch  nirgends  gespielt,  weil 

wir  nicht  bey  Hofe  haben  spielen  können.  —  —  — 

(Leopold  M.  Brief  No.  46.) 
.    .    .,  Wien,  den  17.  October  1767. 

—  Die  Prinzessin  Braut  ist  eine  Braut  des 

himmlischen  Bräutigams  geworden. 

Wir  haben  Umgang  mit  dem  Herzoge  vjjn  Bra- 
ganza,  Fürsten  Kaunitz,  Mr.  de  l'Augier,  dem  Ba- 
ron Fries. 

Vergessen  Sie  nicht,  für  uns  zu  beten,  denn 
wenn  Gott  nicht  über  uns  wachte,  so  würden  wir 
gewiss  übel  daran  seyn,  wie  Sie  seiner  Zeit  hören 
werden. 

(Leopold  M.  Brief  No.  47.) 

Ollmütz,  den  10.  Norbr.  1767. 

Te  Deum  Laudamua !  Der  Wolfgangerl  hat  die 
Blattern  glücklich  überstanden  und  wo?  In  OUmütz 
und  wo?  In  der  Residenz  Sr.  Excellenz  des  Herrn 
Grafen  Podstatsky. 

Sie  denken  sich  die  Verwirrung,  die  in  Wien 
gewesen  ist.  Nun  muss  ich  Linen  einige  besonder© 
Sachen  erzählen,  die  uns  allein  angehen,  und  daraus 
Sie  sehen  werden ,  wie  die  göttliche  Vorsehung  Alles 
so  zusammen  verbindet,  dass  wir,  wenn  wir  uns 
derselben  mit  gänzlichem  Vertrauen  überlassen,  un- 
ser Schicksal  nicht  verfehlen  können. 

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V24 


Ein  Sülm  unsers  Wirths   bekam  die  Biatlem 

■ 

gleich  bey  unserer  Ankunft,  wie  wir  ein  paar  Tage 
später  erst  er  rühren.  Vergebens  suchte  ich  in  der 
Geschwindigkeit  eine  andere  Wohnung.  Ich  floh 
mit  Wolfgang  allein  zu  einem  Freunde.  Nun  hörte 
man  von  Nichts  als  von  den  Blattern  reden,  an  de- 
neu  unter  zehn  Kranken  neun  starben.  Wie  mir  \ 
zu  Muthe  war,  lässt  sich  leicht  einbilden.  Die  Nächte 
schlief  ich  nicht  und  bey  Tage  hatte  meine  Frau 
keine  Ruhe.  Ich  war  entschlossen,  gleich  nach  dem 
Tode  der  Prinzessin  nach  Mähren  zu  gehen,  bis  die 
erste  Traurigkeit  vorüber  war.  Allein  man  Hess  uns 
nicht  weg,  weil  der  Kaiser  oft  von  uns  sprach,  dass 
es  nie  sicher  war,  wann  es  ihm  einfiele,  uns  kom- 
men zu  lassen.  Sobald  sich  aber  die  Erzherzogin 
übel  befand,  licss  ich  mich  von  Nichts  aufhalten, 
denn  ich  konnte  den  Augenblick  kaum  erwarten, 
meinen  Wolfgang  aus  dem  mit  den  Blattern  gänzlich 
angesteckten  Wien  in  eine  andere  Luft  zu  führen.  - 
Wir  eilten  nach  Brünn,  wo  ich  mit  dem  Wolfgan- 
gerl dem  Grafen  Scluattenbaoh  und  der  Gräfin  Her- 
berstein aufwartete.  Es  wurde  von  einem  Coneerte 
gesprochen,  um  die  Kinder  zu  hören;  allein  ich  hatte 
einen  innerlichen  Trieb,  den  ich  mir  nicht  aus  dem 
Kopfe  bringen  konnte,  und  der  mir  auf  einmal  kam, 
nach  Ollmütz  zu  reisen,  und  das  Concert  in  Brünn 
bey  der  Rückkunft  zu  machen,  Graf  Scliratteubach 
war  es  zufrieden.  .  .  . 

Gleich  bey,  unserer  Ankunft  erkrankte  Wolfgang. 
Ich  ging  ^u  dem  hiesigen  Domdechant  Grafen  Pod- 
statsky  (der  in  Salzburg  Domherr  ist).  Als  ich  ihm 
von  der  Krankheit  sprach,  und  meine  Furcht  äus- 


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serte,  dass  es  die  Blattern  waren,  erbot  er  sich,  uns 
zu  sich  zu  nehmen,  weil  er  diese  Krankheit  nicht 
scheute.  Er  befahl  gleich  seinem  Hausmeister,  zwey 
Zimmer  für  uns  in  Ordnung  zu  bringen,  und  schickte 
seinen  Arzt  uns  zu.  Darauf  kamen  wir  in  die  Dom- 
dechantey.  Es  wurden  wirklich  die  Blattern;  aber 
er  ist  schon  in  der  Besserung. 

Sie  sehen  schon,  dass  mein  Leibspruch  wahr  ist: 
In  te,  Domine,  aperavi,  non  confundär  in  aeterhum. 
Ich  überlasse  Ihnen  zu  betrachen,  wie  wunderbarlich 
wir  durch  unser  Schicksal  nach  OHmutz  gezogen 
worden  sind,«  und  \vie  ausserordentlich  es  ist,  dass 
Graf  P.  aus  eigenem  Triebe  uns  mit  einem  Kinde 
aufgenommen  hat,  das  die  Blattern  bekommen  sollte. 
Ich  will  nicht  melden ,  mit  was  für  Güte,  Gnade  und 
Ueberfluss  wir  in  Allen  bedient  sind;  sondern  ich 
will  nur  fragen,  wie' Viele  es  etwa  noch  dergleichen 
geben  mögte,  die  eine  ganze  Familie  mit  einem  Kinde, 
das  in  solchen  Umstanden  ist,  und  noch  dazu  aus 
eigenem  Triebe  der  Menschenliebe  in  ihre  Wohnung 
aufnehmen  würden.  Diese  That  wird  .dem  Grafen 
in  der  Lebensgeschichte  unseres  Kleinen,  die  ich  sei- 
ner Zeit  in  den  Druck  geben  werde,  keine  geringe 
Ehre  machen,  denn  hier  fängt  sich  auf  eine  gewisse 
Art  eine  neue  Zeitrechnung  seines  Lebens  an. 

Aber  nun  werde  ich  später  in  Salzburg  eintref- 
fen, als  ich  gedacht  hatte,  um  nicht  Wolfgangs  Le- 
ben in  Gefahr  zu  setzen.  Inzwischan  bitte  ich,  drey 
heil.  Messen  zu  Loretto  bey  dem  heil.  Kindel,  und 
drey  heil.  Messen  zu  Maria -Piain  lesen  zu  lassen. 

Aus  dem  offenen  Schreiben  des  Mr.  €*rimm,  'das 
Sie  mir  sandten,  werden  Sie  gesehen  haben,  was  er 


Di 


126 

mir  vom  russischen  Hofe  und  von  dem  Erbprinzen 
von  Braunschweig  schreibt* 

Uebrigens  sehen  Sie  wohl,  wie  krumm  alles  ge- 
gangen ist  Da  wir  glaubten,  dass  Alles  recht  arg 
wäre,  hat  Gott  uns  mit  der  grossen  Gnade  erfüllt, 
und  unsera  lieben  Wolfgang  die  Blattern,  glücklich 
überstehen  lassen.  Nun  achte  ich  gar  nichts,  so  mir 
dieses  gut  vorbey  ist.  Da  wir  nichts  verdienen,  so 
habe  nun 

aufgenommen.  Basta!  wer  weiss,  wem  der  Vater 
den  Schimmel  schenkt?  . 

(Leopold  M.  Brief  No.  48.) 

Ollmut*,  den  39.  Norbr.  1767. 

Iterum,  itemmque  Te  Deum  laudamus. 

•  —  Meine  Tochter  hat  die  Blattern  glück- 

lieh  überstanden.  Ich  bilte  zu  Loretto  beym.  heil. 
Kindel  eine  heil.  Messe  lesen  zu  lassen.  -** 

(Leopold  M.  Brief  No.  4g.) 

•  •  • 

Wien,  den  1a.  Januar  1768. 
Wir  haben  uns  14  Tage  in  Brünn  aufgehalten. 
Die  Gnade,  die  wir  im  gräfl.  Schrattenbachschen 
Hause  empfangen .  haben ,  und  die  sonderbare  Ach- 
tung, die  der  ganze  Brünnische  hohe  Adel  für  uns 
hatte,  kann  ich  nicht  beschreiben.  • — 


Anfangs  Januar  1768  ging  die  Familie  nach  Wien 
zurück  und  die  Kinder  spielten  vor  dem  Kaiser  Jo-^ 
seph,  der  dem  zwölfjährigen  Knaben  den  Auftrag 
gab,  eine  Opera  buffa  zu  schreiben.  Sie  hiess  La 
ßßta  seniplice  und  erhielt  den  wahren  oder  aus  Höf- 


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V27 


lieh kei t  bezeugten  Beyfall  des  Kapellmeisters  Hasse 
und  MetastasioV  wurde  aber  nicht  aufgeführt. 

Dagegen  wurde  die  von  ihm  für  ein  Gesellschafts- 

Theater  des.  bekannten  Freundes  der  Mozart'schen 

■ »-  •  " 

Familie,  Dr.  Mesmer,  componirte  deutsche  Operette, 
Bastien  und  Bastienne,  in  dqm  Gartenhause 
Mesmers  in  einer  Vorstadt  Wiens  aufgeführt.  ,  Es 
war  eine  von  Anton  Schachtner '  in  deutsche  Verse 
übersetzte  Opera  comique. 

Sein  scharfer  Beobachtungsgeist,  sein  Abstractions- 
Vermögen  mit  umfassendem  Verstände  zeigten  sich 
auffallend  in  seiner  Fähigkeit,  aus  dem  Stegreife  Be- 
gleitungen zu  setzen.  Eine  simple  Arie  oder  Melodie, 
italienische  oder  jede  andere,  durfte  ilun  nur  vorge- 
legt werden,  und  er  schrieb  im  Beyseyn  der  grossten 
Gesellschaft  die  Stimmen  dazu  rur  alle  Instrumente, 
ohne  inne  zu  halten.  Bey  den  Kapellmeistern. Bond 
und  Hasse,  bey  dem  Dichter.  Metastasio,  bey  dem 
Herzoge  von  jßraganza,  bey  dem  Fürsten  Kauniz  und 
Anderen  liess  der  Vater  immer  die  erste  beste  ita- 
lienische % Arie  aufschlagen,  und  der  Sohn  setzte  auf 
der  Stelle  in  Gegenwart  dieser  Personen  alle  Instru- 
mente  dazu.  Dieses  Factum  bestätigen  mehrere  noch 
lebende  verehrungswürdige  Zeugen ,  aus  deren  Munde 
ich  diese  Anekdote  gehört  habe,,  sagt  tfiemtscheck." 

Die  gründliche  Kenntniss  eines  Orchesters  und 
die  hiezu  nötliige  und  schnell  und  richtig  gefasste 
Idee  waren  w^haft  wunderbar  bey  rfnenTzwotf- 
jährigen  Knaben ,  fnnd  entsprachen  seinem  Vermögen, 
in  diesem  Altfer  ein  zahlreiches  Musikcorps  bey  Auf- 
führung seiner  iMesse,  welche  W'WIlnmt  -Offtrto^um 
und  einem  Trompeten  -  Conoerte  zur  Bin  weihung  der 


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*28 

Waisenhaus -Kirche  gesetzt  hatte,  in  der  Kirche  vor 
dem  kaiserlichen  Hofe  zu  dirigiren» 

(Leopold      Brief  No.  5o.) 

Wien,  den  a5.  Januar  1768. 
Am  löten  waren  wir  von  halb  drey  bis  halb 
fünf  Uhr  bey  der  Kaiserin.  Der  Kaiser  kam  heraus 
in  das  Vorzimmer,  wo  wir  warteten,  bis  der  Caifee 
genommen  war,  und  führte  uns  selbst  hinein.  Der 
Prinz  Albert  und  alle  Erzherzoginnen  waren  da: 
sonst  keine  Seele.  Es  würde  zu  lange  seyn ,  Ihnen 
Alles  zu  schreiben,  was  gesprochen  ward,  und  was 
alles  .geschah.  Ueberhaupt  will  ich  nur  anführen, 
dass  Sie  sich  unmöglich  vorstellen  können,  mit  wel- 
cher Vertraulichkeit  die  Kaiserin  mit  meiner  Frau 
«prach,  und  sich  theils  wegen  der  Blattern  ihrer 
Kinder  ?  und  theils  wegen  unserer  grossen  Reise  un- 
terhielt, sie  über  die  Wangen  strich  i  jund  bey  <Jeh 
fänden  drückte,  da  inzwischen  der  Kaiser  mit  mir 
und  mit  dem  Wolf^angerl  von  der  Musik  und  vielen 

andern  Sachen  sprach,  und  der  Nannerl  sehr  oft  die 

...  *  . .  j,  >  ■ 

Rothe  ins  Gesicht  trieb.  Mündlich  mehr.  Ich  liebe 
nicht  Sachen  zu  schreiben,  die  mancher  hinter  dem 
Öfen  sitzender  aufgeblasener  Gogelhopf  (das  ist  eine 
schwäbische ,  baiersche  Benennung)  für  Lügen  halten 
würde.  Sie  müssen  aBer  aus  dieser  ausserordentlichen 
^gkeit  nicht  auC.eine  Wnältnl^^e  kW- 
tige  Beschenkung  schliessen.  — 

-.i.h  7/  Wien,  den  ^Jimnar, 1768, 

•  * 

miEs.ist  Zeit,  Urnen  eine  mehrere  und  JOärere  Nach- 
richt mn  unsern,  ich  weiss  nicht  glücklichen  oder 


  7..  .  i  A  ij 


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129 

unglücklichen  Umstanden  ^fujeben.  Wenn  das  Gold 
die  einzige  Glückseligkeit  der  Menschen  ausmacht,  so 
sind  wir  ohne  Zweifel  dermalen  zu  bedauern,  indem 
wir  so  viel  von  dem  Unsrigen  ausgelegt  haben,  dass 
wenig  scheinbare  Hoffnung  übrig  ist,  uns  wieder  er- 
holen zu  können.  Ist  hineeeen  die  Gesundheit  und 
die  Geschicklichkeit  in  Wissenschaften  das  beste  Gut 
des  Menschen,  so  sind  wir,  Gott  sey  gelobt!  noch 
wohl  daran.  Der  gefahrlichste  Hauptsturm  ist  über- 

• 

standen.  Wir  sind  alle  durch  die  Gnade  Gottes  ge- 
sund, und  meine  Kinder  haben  gewiss  Nichts  ver- 
gessen, sondern,  wie  es  sich. zeigen  wird,  grossem 
Fortgang  gemacht.  .  \  « 

Nichts  wird  Urnen  nun  unbegreiflicher  seyn,  als 
wie  es  zugeht,  dass«  unsere  Sachen  keinen  bessern 
Fortgang  haben.  Ich  werde  es  Ihnen,  sot  gut  ich 
kann,  erklären,  obwohl  ich  die  Sachen,  die  der  Feder 
nicht  anzuvertrauen  sind,  weglassen  muss.  Da&s  tdie 
"Wiener  in  gertere  reden,  nicht  begierig  sind,  Ernst- 
haftes und  Vernünftiges  zu  sehen,  auch  wenig  oder 
gar  keinen  Begriff*  davon  haben,  und  nichts  als  när- 
risches Zeug,  Tanzen,  Teufel,  Gespenster,  Zaube- 
reyen, Hanswurste,  Lipperl,  Bernardon,  Hexen  und 
Erscheinungen  sehen  wollen,  ist  eine  bekannte  Sache 
und  ihre  Theater  beweisen  es  täglich.  Ein  Herr, 
auch  mit  einem  Qrdensbande,  wird  wegen  einer 
hans wurstischen  Zote  oder  einfältigen  Spasscs  mit 
den  Händen  klatschen,  lachen,  dass  er  fast  aus  dem 
Athem  kömmt,  hingegen  bey  der  ernsthaftesten  Sce- 
ne,  bey  der  rührendsten  und  schönsten  Action  und 
bey  den  sinnreichsten  Redensarten  mit  einer  Dame 
so  laut  schwatzen,  dass  andere  ehrliche  Leute  kein 

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1  *30 

i  •       •  • 

Wort  verstehen.  Das  ist  nun  der  Hauptgrund.  Die 

Hauswarthschaft  des  Hofes,  die  ich  hier  nicht  be- 

schreiben  kann,  ist  eine  Sache,  die  viele  Folgen  nach 

sich  zieht,  und  der  zweyte  Grund.  Aus  diesen  zwey 

Gründen  entspringen  unzählige  wunderliche  Sachen, 

weil  Alles  von  dem  puren  blinflen  und  ungefähren 

Glücke,  auch  öfters  von  einer  abscheulichen,  doch 

nicht  allen  Menschen  gegebenen,  Niederträchtigkeit, 

oder  gar  von  einer  recht  kecken  und  verwegenen 

Windmacherey  abhängt.    Nun  auf  unsere  Sache  zu 

kommen,  so  haben  sich  viele  andere  widrige  Zufalle 

ereignet.   Bey  unserer  Ankunft  konnten  wir  nichts 

Anderes  thun,  als  uns  den  Eingang  nach  Hofe  zu 

eröffnen.   Allein  die  Kaiserin  hält  keine  Musik  mehr 

bey  sich;  sie  geht  weder  in  die  Oper  noch  in  die 

Comödie.    Sie  liess  uns  an  den  Kaiser  anweisen. 

Allein,  da  dieser  Herr  Alles,  was  Ausgaben  nach 

sich  ziehen  möchte,  im  höchsten  Grade  verabscheut, 

so  ging  es  lange  her,  bis  er  zu  einem  Entschlüsse  kam. 

Darauf  folgte  der  Todesfall  der  Prinzessin  Braut. 

Nach  unserer  Rückkunft  aus  Mähren  kamen  wir 

zu  den  allerhöchsten  Herrschaften,   ohne  dass  wir 

daran  dachten.   Kaum  wurde  der  Kaiserin  erzählt, 

•  •  • 

was  in  Oilmütz  vorgegangen  war  und  dass  wir  zu- 
rück waren,  erhielten  wir  Tag  und  Stunde,  wann 
wir  erscheinen  sollten.  Allein,  was  hilft  alle  die  er- 
staunliche  Gnade ,  die  unbeschreibliche  Leutseligkeit? 
Was  ist  die  Wirkung  davon?  Nichts,  als  eine  Me- 
daille, die  zwar  schön  ist,  aber  so  wenig  beträgt, 
dass  ich  gar  nicht  einmal  deren  Werth  hersetzen  mag. 
Sie  überlässt  das  Uebrige  dem  Kaiser,  und  dieser 
schreibt  es  in  das  Buch  der  Vergessenheit  ein  und 


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131 


glaubt  ganz  gewiss,  dass  er  uns  mit  seinen  gnadig« 
sten  Unterredungen  bezahlt  hat. 

Was  die  Noblesse  in  Wien  thut?  Die  Ausga- 
ben schränken  sie  Alle  ein,  so  viel  es  möglich  ist, 
um  sich  dem  Kaiser  gefallig  zu  machen.  So  lange 
der  Fasching  dauert,  denkt  man  hier  auf  Nichts  als 
das  Tanzen,  In  allen  Ecjcen  ist  Ball,  aber  NB.  Alles 
auf  gemeine  Unkosten.  Sogar  die  Redoute  bey  Hofe 
ist  für  baares  Geld.  Und  wer  hat  den  Nutzen  da- 
von? Der  Hof;  denn  alle  Tanze,  Redouten,  Bälle 
und  Spectakel  sind  verpachtet.  Andere  haben  den 
Namen  und  der  Nutzen  wird  zwischen  dem  Hofe 
und  den  Pachtern  so  zu  sagen  getheilt*  Wer  also 
hingeht,  erweis't  auch  dem  Hofe  einen  guten  Dienst« 
Diess  sind  demnach  die  politischen  Ausgaben  des 
Adels.  "Wir  haben  die  grossten  Personen  desselben 
zu  unserer  Protection.  Der  Fürst  Kaunitz,  der  Her- 
zog von  Braganza,  die  Fräulein  Guttenberg,  die  das 
,  Unke  Auge  der  Kaiserin  ist,  der  Oberst- Stallmeister 
Graf  Dietrich 


■ 

»WM 


welcher  Alles  bey 
vermag,  sind  unsere  Freunde.  Aber  welcher  Zufall! 
Noch  haben  wir  diess  Mal  den  Fürsten  Kaunitz  nicht 
sprechen  können,  weil  er  die  Schwachheit  hat,  die 
Blattern  so  zu  furchten,  dass  er  Leute  scheuet,  die 
auch  nur  noch'  rothe  Flecken  im  Gesichte  haben. 
Da  dieses  der  Fall  mit  Wolfgang  ist,  so  lies«  er  uns 
nur  durch  unsern  Freund  de  TAugier  sagen,  dass  er 
in  der  Fasten  für  unser  Interesse  sorgen  werde,  weil 
man  in  der  Faschingzeit  die  Noblesse  nicht  unter 
einen  Hut  bringen  könne.  Als  ich  nun  diese  Sache 
am  besten  überlegte  und  bedachte,  dass  ich  bereits 
so  viel  Geld  ausgelegt  hätte,  so  ereignete  sich  eine 

9* 


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> 

'  13* 

ganz  andere  Begebenheit.  Ich  erfuhr,  dass.  alle  Cla- 
vieristen  und  Componisten  in  Wien  sich  unseren 
Fortgange  widersetzten,  ausgenommen  der  einzige 
Wagenseil,  der  aber,  da  er  krank  ist,  wenig  oder 

nichts  für  .uns  thun  kann.    Die  Hauptmajime  dieser 

*  * 

Leute  war,  alle  Gelegenheit,  uns  zu  sehen  und  die 
Wissenschaft  des  Wolfgangerls  einzusehen,  sorgfal- 
tigst zu  vermeiden.  Und  warum?  Damit  sie  bey 
den  so  vielen  Fällen,  wo  sie  gefragt  werden,  ob  sie 
diesen  Knaben  gehört  haben  und  was  sie  davon  hal- 
ten, allezeit  sagen  könnten,  dass  sie  ihn  nicht  gehört 
haben  und  dass  es  unmöglich  wahr  seyn  könnte;  dass 
es  Spiegelfechterey  und  Harlekinade  wäre;  dass  es 
abgeredete  Sachen  wären,  da  man  ihm  Musik  zu 
spielen  gäbe,  die  er  schon  kenne;  dass  es  lächerlich 
sey,  zu  glauben,  er  componire.  Sehen  Sie,  desswe- 
gen  fliehen  sie  uns.  Denn  wer  gesehen  und  gehört 
hat,  kann  nicht  mehr  so  reden,  ohne  sich  in  Gefahr 
zu  setzen,  seine  Ehre  zu  verlieren.  Einen  von  die- 
ser Art  Leute  habe  ich  in  das  Garn  bekommen. 
Wir  hatten  mit  Jemand  abgeredet,  uns  in  der  Stille 
Nachricht  zu  geben,  wenn  er  zugegen  wäre.  Er 
sollte  aber  daliin  kommen,  um  dieser  Person  ein 
recht  ausserordentlich  schweres  Conoert  zu  überbrin- 
gen, welches  man  dem  Wolfgangerl  vorlegen  sollte. 
Wir  kamen  also  dazu  und  er  hatte  hiemit  die  Gele- 
genheit, sehr  Concert  von  dem  Wolfgangcrl  so  weg- 
spielen zu  hören,  als  wüsste  er  es  auswendig.  Das 
Erstaunen  dieses  Compositeurs  und  Ciavieristen ,  die 
Ausdrücke,  deren  er  sicli  in  seiner  Bewunderung  be- 
diente, gaben  uns  Alles  zu  verstehen,  was  ich  Ihnen 
oben  angezeigt  habe.    Zuletzt  sagte  er j.  ich  kann 


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als  ein  ehrlicher  Mann  nicht  anders  sagen, 
als  dass  dieser  Knabe  der  grösste  Mann  ist, 
welcher  dermalen  in  der  Welt  lebt:  es  war 
unmöglich  zu  glauben. 

Um  nun  das  Publicum  tu  überzeugen,  was  ei- 
gentlich an  der  Sache  ist,  so  habe  ich  es  auf  einmal 
auf  etwas  ganz  Ausserordentliches  ankommen  zu  las- 
sen mich  entschlossen.  Nämlich,  er  soll  eine  Oper 
für  das  Theater  schreiben.  Und  was  glauben  Sie, 
was  für  ein  Lärmen  unter  der  Hand  unter  dmi  Com- 
ponisten  entstanden  ist:  „Was?  heute  soll  man 
einen  Gluck,  und  morgen  einen  Knaben 
Ton  zwölf  Jahren  bey  dem  Flügel  sitzen 
und  seine  Oper  dirigiren  sehen?"  Ja,  trotz 
allen  Neidern  !  Ich  habe  sogar  den  Gluck  auf  unsere 
Seite  gebracht,  so  zwar,  wenn  es  ihm  auch  nicht" 

von  Herzen  geht,  dass  er  es  nicht  darf  mer- 
ken lassen,  denn  unsere  Protectoren  sind"  auch  die 
seinigen.  Und  um  mich  wogen  der  Acteurs  sicher 
zu  stellen,  die  den  Componisten  gewöhnlich  den  mei- 
sten Verdruss  machen,  so  habe  ich  die  Sache  mit 
ihnen  selbst  angefangen  und  einer  von  ihnen  musste 
mir  selbst  alle  Anschläge  dazu  geben.  Den  ersten 
Gedanken  aber,  den  Wolfgangerl  eine  Oper  schrei- 
ben zu  lassen,  gab  mir,  die  Wahrheit  zu  bekennen, 
der  Kaiser  selbst,  indem  er  den  Wolfg,  zwey  Mal 
gefragt  hat,  ob  er  nicht  eine  Oper  schreiben  und 
selbst  dirigiren  wolle.  Dieser  antwortete  freylich:  Jaj 
allein  der  Kaiser  konnte  auch  mehr  nicht  sagen,  in- 
dem die  Opern  den  dfftigio  angehen. 

Nun  darf  ich  mich  kein  Geld  gereuen  lassen, 
denn  es  wird  wohl  heut  oder  morgen  wieder  kom~ 


134 

•  > 

men.  Wer  Nichts  wagt,  gewinnt  Nichts;  ich  muss 
die  Sache  recht  ans  Licht  bringen.  Es  muss  gehen 
oder  brechen.  Und  was  ist  dazu  geschickter  als  das 
Theater? 

Es  ,  ist  aber  keine  Opera  seria,  denn  es  wird 
keine/  Opera  seria  mehr  jetzt  gegeben  und  man  liebt 
sie  auch  nicht,  sondern  eine  Opera  huffa.  Nicht  aber 
eine  kleine  Opera  huffa,  sondern  zu  drittehalb  bis 
drey  Stunden  lang.  Zu  seriösen  Opern  sind  keine 
Sanger  hier.  .  Selbst  die  traurige  Gluck'sche  Oper : 
Alceste  ist  von  lauter  Opera  huffa  -  Sängern  aufge- 
führt worden.  Jetzt  macht  G.  auch  eine  Opera  huffa. 
Für  die  Opera  huffa  sind  excellente  Leute  da:  Sig- 
nori  Caribaldi,  Caratoli  Poggi,  Laschi,  Polinij  die 
Signore  Bernasconi,  Eberhard* ,  Baglioni. 

Was  sagen  Sie  dazu?  Ist  der  Ruhm,  eine  Oper 
für  das  Wiener  Theater  geschrieben  zu  haben,  nicht 
der  beste  Weg,  nicht  nur  einen  Credit  in  Teutsch- 
land, sondern  in  Italien  zu  erhalten?  ^—      ^—  — 

(Leopold  M.  Brief  No.  52.) 
•  .  Wien,  den  So,  Märt  1768. 

Wir  befinden  uns  Alle  gesund  und,  Gott  sey 
Dank  gesagt,  in  guten  Umständen.  Pas  Eis  ist  ge- 
brochen, iiicjit  WW  auf  der  Donau,  sondern  in  un- 
sern  Angelegenheiten.  Unsere  Feinde  sind  geschla- 
gen, NB,  hier  in  Wi«n»  Es  kann  Nichts  auf  einmal 
geschehen.  Ich  habe  durch  FMegma  Bestien  in  Men- 
♦  sehen  verwandelt  und  sie  ihrer  eigene»  Beschämung 
überlassen.       .:  1  . 

Vorige  Weche  war  für  uns  ein  grosses  Concert 
bey  dem  russischen  Botschafter,  Fürsten  Gallizin. 


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Mit  der  Oper  (?)  geht  es  auch  gut,  Allein  sie  iyird 
erst  bey  der  Rückkunft  des  Kaisers  aus  Ungarn  viel- 
leicht aufgeführt  werden.  —  — 

*  •  w  ■  Ii,' 


(Leopold  M.  Brief  No.  53.) 

Wien,  den  11«  May  1768. 


Von  uiiserm  Oberst -Hofmeister  habe  icli  fol- 
gendes  Sclireiben  erhalten: 

„Per  espresso  comando  di  S.  A.  Rma.  dep  o  far 
sapere  a  V.  S.>  qualmente  il  clcmentissimd  Principe 
Padrone  niente  abbia  in  contrario,  che  il  Sign.  Mo- 
zart se  ne  possi  restar  fuori  a  suo  piacimento  sin 
tanto  che  yuole,  ed  inoltre  gli  passerä  ancora  questo 
mese  di  Marzo  il  suo  salario;  ma  inavvenire,  quando 
non  sej  attualmente  presente  in  Salisburgo,  sara  ben 
si  mantenuto  conie  prinia  nel  suo  servisio,  ma  du~ 

•'..«—  St 

rante  la  sua  assenza  non  gli  lasciera  piu  correre  il 
solito  salario." 

Sehen  Sie,  welche  Gnade!  Ich  kann  nach  mei- 
nem Belieben  ausbleiben,  wenn  ich  nur  nicht  begeh- 

f  *  * 

re,  dass  man  mich  bezahle.  "Ich  bin  sein*  wohl  da- 
mit zufrieden.  Wenigstens  kann  ich  ohne  fernem 
Vorwurf  ausbleiben.  Dass  ich  durch  den  Vorsprach 
des  Herrn  Bruders  Sr.  hoehfürstlichen  Gnaden  die 
Besoldung  als  Instructor  in  det  Violine  in  dem  fürst- 
lichen Kapellhause  und  erster  Geiger  wieder  erbet- 
teln könnte,  wie  man  mir  schreibt,  mag  wohl  wahr 
seyn.  Der  Bruder  weiss  die  schöne  IJistorie  5  ich 
erzählte  sie  ihm  liier.  Allein  wie  kann  ich  mit  Bil- 
ligkeit  und  Ehre  etwas  erbetteln,  was  ich,  da  ich 
meinen  Dienst  in  Salzburg  nicht  verrichte,  nach  dem 
gewissesten  Ausspruche  der  meisten  dasigen  Hofleuto 


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136 

nicht  verdiene?  Es  ist  im  Gegentheile  dieses  dasje- 
nige ,  was  mir  eine  Erlaubniss  zur  Reise  nach  Italien 
erleichtert:  eine  Reise,  die,  wenn  man  alle  Umstän- 
de in  Erwägung  zieht,  nicht  mehr  kann  verschoben 
werden  und  dazu  ich  vom  Kaiser  selbst  allen  Vor- 
schub in  alle  kaiserl.  Staaten  und  nach  Florenz  und 
Neapel  habe.  Oder  sollte  ich  vielleicht  in  Salzburg 
sitzeri,  in  leerer  Hoffnung  nach  einem  bessern  Glücke 
seufzen,  den  Wolfgangerl  gross  werden  und  mich 
und  meine  Kinder  bey  der  Nase  herumführen  lassen, 
bis  ich  zu  Jahren  komme,  die  mich,  eine  Reise  zu 
machen,  Verhindern,  und  bis  der  Wolfgangerl  in  die 
Jahre  und  den  Wachsthum  kömmt,  die  seinen  Ver- 
diensten die  Verwunderung  entziehen?  Soll  mein 
Kind  durch  die  Oper  in  Wien  den  ersten  Schritt 
umsonst  gethan  haben  und  nicht  auf  dem  einmal  so 
breit  gebahnten  Wege  mit  starken  Schritten  fort- 


(Leopold  M.  Brief  No.  54.) 

...»  •        •••».  ,x 

.  Wien,  den  27.  Juuy  1768. 

Iph  hätte  Ihnen  eine  schwere  Menge  von  allen 
Gattungen  der  ausgesonnensten  Ränke  und  boshaften 
Verfolgungen  zu  erzählen.  Allein  ich  bin  zu  müde, 
sie  in  meinen  Gedanken  zu  wiederholen,  und  will  es 
besser  auf  mündliche  Unterredung  versparen, 

■ 

Wir  befinden  uns,  Gottlob!  Alle  gesund,  wenn 
gleifch  der  Neid  auf  allen  Seiten  auf  uns  losstürmt. 
Ich  bleibe  bey  meinem  alten  Spruche:  In  te,  Domi- 
ney  speravi}  ßat  volantas  tua.  WaS  Gott  nicht  will, 
will  ich  auch  nicht. 


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I 

(Leopold  M.  BtttfjNft  55.)  ' 

Wion,  den  5o.  Jujy  1768. 

 i   Unsern  so  langen*  Aufenthalt  hier- 

selbst  betreffend,  sind  wir  höchst  rriissvergnügt 5  ja, 
Nichts  als  unsere  Ehre  hält  uns  zurück,  sonst  wür- 
den wir  bereits  lange  in  Salzburg  zurück  seyn.  Demi 
wollten  Sie  Wohl,    dass  man  4ri  ganz  Wien  sagen" 
sollte,   der  Wolfgangerl  hätte  die  Oper  in  Wieri 
nicht  verfertigen  können,    oder  sie  wäre  so  elend 
ausgefallen,  dass  man  sie  nicht  hätte  aulrühren  kön- 
nen, oder  er  hätte  sie  nicht  gemacht,  sondern  der 
Vater?    Wollten  Sie,  dass  man  mit  kaltem  Blute  * 
erwarten  sollte,  dass  derley  Verlaumdungen  in  alle 
Länder  ausgeschrieben  würden  ?  Wurde  dieses  Wohl 
zu  unserer  Ehre,  ja,  würde  es  zur  Ehre  unsers  gnä- 
digsten Fürsten  seyn?   Sie ,  werden  fragen,  was  der 
Kaiser  dazu  sagt.  Hier  muss  ich  die  Sache,  nur  kurz 
berühren,  denn  ausführlich  lässt  es  sich  nicht  be- 
schreiben. Doch  Sie  werden  es  einsehen;  Hätte  ich 
Alles  gewusst,  was  ich  nun  weiss,  und  hätte  ich  Zu- 
fälle vorhersehen  können,  die  sich  ereignet  haben^ 
so  wurde  der  Wolfgangerl  gewiss  keine  Note  ge- 
schrieben haben,  sondern  längst  zu  Hause  seyn.  Das 
Theater  ist  verpachtet,  oder  vielmehr  einem -gewis- 
sen Affligio  überlassen.    Dieser  muss  jährlich'  einige 
tausend  Guldeit  an  Leute  bezahlen ,  die  der  Hof  sonst 
bezahlen  musstc.   Der  Kaiser  und  die  ganze  kaiserl. 
Familie  zahlen  Nichts  für  die  Eutree.    Folglich  hat 
diesem  Affligio  der  Hof  nicht  ein  Wort  zu  sagen, 
indem  Alles  auf  seine  Gefahr  gehfund  er  nun  wirk- 
lich in  Gefahr  steht,  ins  Verderben  zu  gerathenV    1  s 
Der  Kaiser  fragte  einst  unsern  Wolfgangerl,  ob 


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13S 

er  nicht  eine  Oper  schreiben  möchte,  und  setzte  hinzu, 
dass  er  ihn.  gerne  bey  dem  CJaviere  die  Oper  dirigi- 
ren  seien  würde.  Der  Kaiser  liess  dieses  auch  dem 
Affligio  zu  erkennen  geben,  der  es  denn  auch  gegej* 
Bezahlung  von  100  Dukaten  mit  uns  richtig  machte. 
Die  Oper  sollte  anfangs  auf  Ostern  gemacht  werden; 
allein  <Jer  Poet  war  der  erste,  der  es  hinderte,  in- 
dem, er.,  um  nur  da  und  dort  nothwendige  Verän- 
derungen vorzunehmen,  es  immer  verzögerte,  so  das« 
man  von  den  veränderten  Arien  um  Ostern  erst  zwev 
von  ihm  erhalten  konnte.  Es  wurde  auf  Pfingsten, 
und  dann  auf  die  Rückkunft  des  Kaisers  aus  Ungarn 
festgesetzt.  Allein  Jii^r  fiel  die  Larve  vom  Gesicht. 
Denn  unter  dieser f  Zeit  haben  alle  Componisten,  da- 
runter Gluck  eine.  Hauptperson  ist,  Alles  untergra- 
ben, um  den  Fortgang  dieser  Oper  zu  hindern.  Die 
Sänger  wurden  aufgeregt,  das  Orchester  aufgehetzt, 
und  Alles  angewandt,  um  die  Aufführung  der  Oper 
einzustellen.  Die  Sänger,  die  ohnehin  kaum  die  No- 
ten <  kennen,  und  darunter  ein  und  Anderer  Alles 
gänzlich  nach  dem  Gehöre  lernen  muss,  sollten  nun 
sagen;  sie  könnten  ihre  Alien  nicht  singen,  die  sie 
doch  yorhcr  im  Zimmer  bey  uns  hörten ,  genelimigT 
ten,  applaudirten ,  und  sagten,  dass  sie  ihnen  recht 
wären.  Das  Orchester  sollte  sich  nun  nicht  gerne 
von  einem  Knaben  dirigiren  lassen,  u.  s.  w.  Inzwir 
sehen  wurde  von  Einigen  ausgesprengt,  die  Musik 
sey  keinen  blauen  Teufel  Werth j  von. Andern^  die 
Musik  sey  nicht  auf  die  Worte,  und  wider  das  Me- 
trum geschrieben ,  indem  der  Knabe  nicht  genug  die 
ilalienkche  ßprache  verstehe.  Kaum  hörte  ich  dieses, 
^  bewiess  ich  an  den  ansehnlichsten  Orten,  das«  der 

9    •  *  * 


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139 

Musikvater  Hasse  und  der  grosse  Metastasio  sich  dar- 
über erklärten,  dass1  diejenigen  Verleumder,  die  die- 
ses aussprengten,  zu  ihnen  kommen  sollten,  um  aus 
ihrem  Munde  zu  hören,  dass  dreissig  Opern  in  Wien 
aufgeführt  worden  wären,  die  in  keinem  Stücke  der 
Oper  dieses  Knaben  beykämen,  welche  sie  beyde  in 
höchstem  Grade  bewunderten.  Nun  hiess  es,  nicht 
der  Knabe,  sondern  ü!ep  Vater  habe  sie  gemacht  Aber 
auch  hier  fiel  der  Credit  der  Verläumder,  denn  sie 
verfielen  ab  uno  extremo  ad  aliud,  und  hier  saassen 
sie  gleich,  im  Pfeffer.  Ich  liess  den  nächsten  besten 
Theil  der  Werke  Metastasio's  nehmen,  das  Bueh  öff- 
nen, die  erste  Arie,  die  in  die  I Lande  kam,  dem 
Wolfgangerl  vorlegt  n.  Er  ergriff  die  Feder  und 
schrieb,  ohne  sich  zu  bedenken,  in  Gegenwart  vieler 
Personen  von  Ansehn  die  Musik  dazu  mit  vielen  In- 
strumenten in  der  erstaunlichsten  Geschwindigkeit. 
Diess  that  er  bey  dem  Kapellmeister  Bono,  bey  Me- 
tastasio, bey  J  lasse,  bey  dem  Herzoge  von  Braganza 
d  bey  dem  Fürsten  Kaunitz.  Indessen  war  wieder 
eine  andere  Oper  ausgetheilt  worden:  da  aber  nun 
nicht  mehr  zu  widersprechen  ist,  so  soll  Wolfgan- 
gerls gleich  darauf  gemacht  Wörden*  v :  j;  t . 

Hundertmal  liabe  ich  wollen  zusammen  packen 
und  davon  ziehen.  Und  wäre  es  eine  Opera  aeria, 
wäre  ich  den  Augenblick,  ja  den  ersten  Augenblick 
abgereist,  und  hätte  sie  Sr.  hochfurstl,  Gnaden  zu 
Füssen  gelegt.  Allein,  da  es  eine  Opera  buffa  ist, 
und  zwar  eine  solche,  die  besondere  Charaktere  von 
persone  buffe  erfordert,  so  muss  ich  unsere  Ehre 
hier  retten,  es  kos^e,  was  es  wolle.  Es  steckt  die  Ehre 
unseres  gnädigsten  Landesfürslen  ebenfalls  darunter. 


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'  140 

  * 

Sc.  hochfürstl.  Gnaden  haben  keinen  L  ügner,  keinen 
Charlatan,  keinen  Leutebetrüger  in  Ihren  Diensten, 
die  mit  Vorwissen  und  gnädigster  Erlaubniss  an  frem- 
de Orte  gehen,  um  den  Leuten,  gleich  den  Taschen- 
spielern, einen  blauen  Dunst  vor  die  Augen  zu  ma- 
chen,  nein,  sondern  ehrliche  Männer,  die  zvu?  Ehre 
ihres  Fürsten  und  Vaterlandes  der  Welt  ein  Wun- 
der  verkündigen,  welches  Oott  in  Salzburg  hat  las- 
seh gdbohren  werden.   Ich  bin  diese  Handlung  dem 
allmächtigen  Oott*  schuldig  5  sonst  wäre  ich  die  un- 
dankbarste  Creatur.    Und  wenn  ich  jemals  schuldig 
bin,  die  Welt  dieses  Wunders  halber  zu  überzeugen, 
so  ist  es  eben  jetzt,  da  man  Alles,  was  nur  ein  Wun- 
der heisst,  lächerlich  macht,  und  allen  Wundern 
widerspricht.    Man  muss  sie  demnach  überzeugen ; 
und  war*  es  nicht  eine  grosse  Freude  und  ein  gros- 
ser Sieg  für1  mich,  da  ich  einen  Voltairianer  mit  ei- 
nem Erstaunen  zu  mir  sagen  horte:  Nun  habe  ich 
einmal  in  meinem  Leben  ein  Wunder  g'ese- 
lien;  das  ist  das  erste.    Weil  nun  aber  dieses 
Wunder  zu  sichtbarlich  und  folglich  nicht  zu  wider- 
sprechen  ist,  so  will"  man  es  unterdrücken.  Man 

will  Gott  die  Ehre  nicht  lassen.    Man  denkt, 

.  .  •  •  •  ■ 

es  kömmt  nur  noch  auf  einige  Jahre  an,  alsdann 
verfällt  es  ins  Natürliche  und  hört  auf,  ein  Wunder 
Gottes  zu  seyn.  Man  will  es  «demnach  den  Augen 
der  Welt  entziehen;  und  wie  würde  es  sichtbarer, 
als  in  einer  grossen  volkreichen  Stadt  durch  ein  öf- 
fentliches Spectakel?  Aber  sollen  wir  uns  üljer  frem- 
de Verfolgungen  wundern,' da  fast  dergleichen  in 
3em  Geburtsorte  dieses  Kindes  geschehen?  "Welche 
Schande!   Welche  Unmenschlichkeit! 


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I 

* 

I 

Nun  werden  Sie  sich  noch  wundern,  warum  der 
Fürst  Kaunitz  und  andere  Grosse,  ja  der  Kaiser  selbst 
nicht  befehlen,  dass  die  Ojter  aufgeführt  wird.  Erst- 
lich können  sie  es  nicht  befehlen,  weil  «3  nur  das 
Interesse  des  Sign.  Affligio  (den  einige  Graf  Affligio 
heissen)  betrifft.  Zweytens  würden  sie,  es  ihm  zu 
einer  andern  respective  befehlen.  Allein,  da  der 
Fürst  Kauniz  wider  den  Willen  des  Kaisers  den  Af- 
fligio  beredet  hat,  dass  er  französische  Comödianten 
hat  kommen  lassen,  die  ihm  jährlich  über  70000  fl» 
kosten,  und  die  ihm  nun,  da  sie  den  gehofften  Zu- 
lauf nicht  haben,  den  Untergang  bringen,  und  A. 
die  Schuld  auf  den  Fürsten  Kauniz  wälzt,  dieser; 
Fürst  hingegen  sich  Hoffnung  machte,  den  Kaiser 
dahin  zu  bewegen,  dass  er  an  dem  französischen 
Theater  Belieben  habeh  und  die  Unkosten  dem  A# 
ersetzen  sollte,  so  Hess  der  Kaiser  sich  viele  Wochen 
in  keinem  Spectakel  sehen-  Sehen  Sie  den  verdriess- 
iichen  Umstand,  der  sich  zu  gleicher  Zeit  ereignen 
musste,  und  der  auch  dazu  half,  dass  A.  sich  leicht 
bereden  liess,  die  Oper  des  Wolfgangerls  vom  Hals 
zu  schieben,  und  die  100  Dukaten  im  Sacke  zu  be- 
halten,  und  die  anderer  Seits  verhinderte,  dass  aus 
Furcht  des  Ersatzes  der  70000  ü»  Niemand  mit  einem 
scharfen  und  befehlenden  Nachdruck  mit  A.  sprechen 
wollte.  Inzwischen  ist  doch  Alles  dieses  unter  der 
Hand  geschehen.  A.  schob  den  Verschub  auf  die 
Sänger,  und  sagte,  sie  könnten  und  wollten  die  Oper 
nicht  singen.  Die  Sanger,  hingegen  schoben  es  auf 
den  A. ,  und  gaben  vor,  er  hätte  gesagt,-  dass  er  sie 
nicht  auffuhren  werde;  sie  könnten  sich  ja  ein  und 
anderes  ändern  lassen.  Sie  soll  also  aufgeführt  wer- 


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I 


142 

den.  Sollte  nun  aber  ein  neues  Hindernis*  sich  aus- 
sern,  so  werde  ich  meine  Klage  an  die  Majestäten 
gelangen  lassen  und  eine  solche  Genugthuung  ver- 
langen, die  unsere  Ehre  vor  der  ganzen  ehrlichen 
Welt  rettet 5  denn  es  würde  keine  Ehre  für  uns,  ja 
für  den  Hof  zu  Salzburg  seyn,  wenn  wir  uns  durch 
den  uns  verfolgenden  Neid  so  platterdings  abtreiben, 
und  den  Bosshaften  Platz  liessen,  nach  unserer  Ab- 
reise  dem  unwissenden  Publicum  vorzusagen  (wie  es 
bereits  geschehen),  dass  der  Wolfgang  die  Oper  gar 
,    nicht  zu  Stande  gebracht  habe ,  oder  dass  sie  so 
schlecht  ausgefallen,  dass  man  sie  gar  nicht  habe  auf- 
führen können.  So  muss  man  sich  in  der  Welt  durch- 
raufen.   Hat  der  Mensch  kein  Talent,  so  ist  er  un- 
glücklich genug.  Hat  er  Talent,  so  verfolgt  ihn  der 
Neid  nach  dem  Maasse  seiner  Geschicklichkeit.  Ueber 
alles  dieses  fällt  jetzt  die  Sängerin  Bernasconi  in  einen 
starken  Katharr,  und  die  Baglioni  ist  auch  nicht  wohl.  . 
Das  wird  wieder  die  Sachen  auf  drey.  Wochen  ver- 
schieben, so  dass  ich  mit  dem  äussersten  Verdrusse, 
dergleichen  ich  auf  unsern  vorigen  Reisen  keinen 
gehabt  habe,  den  Ausgang  dieser  verhassten  Säche 
abwarten  muss.  Alle  vernünftigen  Menschen  müssen 
mit  Schaam  bemerken,  dass  es  eine  Schande  für  un- 
•     sere  Natron  ist,    dass  wir  Teutschen  einen  Teut- 
schen  zu  unterdrücken  suchen,  dem  fremde  Nationen 
durch  die  grösste  Bewunderung,  ja  durch  öffentliche 
Schriften  haben  Gerechtigkeit  wiederfahren  •  lassen. 
Allein  mit  Geduld  und  Standhaftigkeit  muss  man 
die  Leute  überzeugen,  dass  die  Widersacher  boshafte 
Lügner,  Verläumder  und  neidische  Creaturen  sind, 
die  über  ihren  Sieg  in  die  Faust  lachen'  würden, 


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/ 


143  / 

»  — — — — — — 

wenn  man  sich  erschrecken  oder  ermüden  Hesse,  um 
so  mehr  als  solche  Leute  in  Wien,  die  etwa  eine 
Prinzessin  oder  einen  k.  Prinzen  zu  unterrichten  ha- 
ben; ja  auch  diejenigen,  die  nur  die  hiesige  Luft 
einschlucken,  sonst  stolz  genug  sind,  weil  hi 
Sitz  des  Kaisers  ist,  Leute,  die  auswärtigen  Für- 
sten dienen,  mit  Verachtnng  anzuschauen,  üriJ  von 
auswärtigen  Fürsten  höhnisch  und  niederträchtig  zu 
sprechen.  Nun,  glaube  ich,  wissen  Sie  meine  Um- 
stände, und  dennoch  habe  ich  nur  überhaupt  erzählt; 
Ich  würde  auch  diese  Begebenheit  an  Se.  hochfürstl. 
Gnaden  unsern  gnädigsten  Herrn  selbst  gerichtet  ha- 
ben, wenn  ich  Höchstdieselben  mit  einer  so  langen 
Geschichte,  in  wich  tigern  Sachen  zu  stören,  nicht 
Anstand  genommen  hätte«  Wir-  empfehlen  uns  Ihro 
Hochwürden  und  Gnaden,  dem  gnädigen  Hrn.  Beicht- 
vater, und  bitten,  er  möchte  uns  Sr.  hochfiirstlichen 
Gnaden  ztt  Füssen  legen. 

Sie  sehen  aus  Allem,  dass  meine  Feinde  in  Salz- 
burg es  gut  mit  uns  meynen,  da  sie  daselbst  aus- 
sprengen, der  Wolfgang  hätte  2000  fl.  für  die  Oper 
bekommen.   *  '  '  ' 

(Leopold  M.  Brief  No.  56.)  . 

Wifen,  den  6.  Angurt  1768. 

—  —  —  Ich  würde  der  verdriesslicheri  Begeben- 
heiten, die  mich  hier  halten,  müde  seyn,  wenn  ich 
nicht  aus  Erfahrung  wüsste,  dass  manche  Sache  oft 
eine  ganz  andere  Wendung  bekömmt ,  als  man  jemals 
hoffen  hönnte.  Wie  manchmal  hat  mich  die  gött- 
liche Vorsehung  augenscheinlich  mit  Gewalt  arige* 
trieben  oder  zurückgehalten  l  —  —  — 


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(Leopold  M.  Brief  No.  57.) 

;:  :         .    .  •       .  • 

...    „;    yKtu,  den  i3.  Sept.  1768.  ; 

,  —  Das  Beste  ist  npch,  dass  wir  Alle, 

Gottlob!  gesund  sind.  Ich  kann  Ihnen  unsere  Sachen 
unmöglich  umständlich  genug  beschreiben:  es  fehlt 
an  Zeit  und  Geduld.  Mündlich  sollen  Sie  Alles  und 
zwar  erstaunliche  Sachen  hören.  Sobald  unser  Han- 
del aus  ist,  reisen  wir  augenblicklich  ab. 

"Wir  speisen  manchmal  bey  dem  P.  Parhammer, 
und  waren  auch  bey  ihm,  als  der  Kaiser  den  Grund- 
stein zu  der  neuen  Kirche  legte.  Damals  fragten 
Se.  Majestät,  wie  Mehrere  hörten,  den  Wolfgang, 
wie  weit  er  mit  der  Oper  gekommen  wäre,  und 
sprach  sehr  lange  mit  ihm.  — . 

\  (Leopold  M.  Brief  No,  53.)  .  '  ] 

Wien,  den  i4,  Sept.  1768.  , 

— «  Was  die  Oper  des  \Volfg*  anbelangt» 

kann  ich  Ihnen  kurz  nichts  anders  sagen ,  als'  dass 
die  ganze  Musikhölle  sich  empört  hat,  um  zu  ver- 
hindern, dass  man  die  Geschicklichkeit  eines  Kindes 
sehen  soll.  Ich  kann  sogar  auf  die  Aufführung  nicht 
dringen,  da  man  sich  verschworen  hat,  sie,  wenn  es 
aeyn  müsste,  elend  aufzufuhren,  und  zu  verderben. 
Ich  jnusste  die  Ankunft  des  Kaisers  erwarten :  sonst 
würde  die  Bataille  längst  ihren  Anfang  genommen 
haben.  Ich  werde  Nichts  unterlassen,  was  die  Ret- 
tung der  Ehre  meines  Kindes  erheischt.  Ich  wusste 
es  schon  lange:  noch  länger  aber  argwohnte  ich  es. 
Ich  sagte  es  sogar  deni  Grafen  von  Zeil,  welcher 
aber  glaubte,  dass  alle  Musici  für  den  Wolfg.  ein- 
genommen wären,  weil  er  auch  nach  dem  Aeusser- 


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i45 

in    im  i 

liehen  artheilte,  und  ihm  die  innerliche  Bosheit  die* 
ser  Vieher  nicht  bekannt  war.  Geduld!  die  Zeit 
wird  Alles  aufklären,  und  Gott  übst  Nicht*  verge- 
bens geschehen.  —  *—  .  .  * . 

/ 

(Leopold  M.  firfef  fto.  5g.) 

Wien,  den  a4.  Sept  1768. 

-  • 

Heute  habe  ich  an  Se.  JTochfurstliche  Gnaden 
geschrieben.  Ich  hoffe,  der  Bruit,  von  dem  Sie 
1  melden,  werde  ohne  Grund  seyri.  Sollte  aber  Gott 
etwas  Anderes  mit  uns  vorhaben,  so  stünde  es  zu 
ändern,  nicht  in  unserer  Gewalt.  Immer  hoffe  ich, 
Sie  werden  mich  nicht  in  Ungewissheit  lassen,  auch' 
nur  einen  Augenblick. 

.  ■**,•» 
Am  21.  d.  M.  hatte  ich  bey  dem  Kaiser  Audienz 

und  überreichte  ihm  meine  Beschwernisse  wider  deu 
Theaterimpressar.  Es  ist  auch  schon  die  Untersu- 
chung dem  Grafen  Spork  übergeben,  und  Aflligio 
hat  Befehl  sich  zu  verantworten.  Der  Kaiser  war 
auf  das  gnädigste  und  versprach  alle  Gerechtigkeit. 
Heute  habe  ich  wieder  Geld  aufnehmen  müssen.  t)et 

Himmel  wird  Alles  wieder  ersetzen.  —  —  — • 

«  » 

» 

.    Species  facti.  ' 

  .  •  .  .    .  Wian. 

Nachdem  viele  des  hiesigen  Adels  sowohl  durch 
auswärtige  Nachrichten  als  durch  eicene  Untersuchung" 

■ 

und  angestellte  Proben  von  dem  ausserordentlichen 
Talente  meines  Sohnes  überzeugt  waren,  wurde  es 
durchgehend*  als  eine  der  bewunderungswürdigsten 
Begebenheiten  dieser  und  der  vorigen  Zeiten  ange- 
sehen, wenn  ein  Knabe  von  zwölf  Jahren  eine  Oper 
schreiben  und  selbst  dirigiren  sollte.   Eine  gelehrte 

10  1 

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i46 

Schrift  aus  Paris  bestärkte  diese  Meinung,  indem  sol- 
che, nach  einer  ausführlichen  Beschreibung  des  Ge- 
nie's  meines  Sohnes,  behauptet:  es  wäre  kein  Zweifel, 
dieses  Kind  werde  in  einem  Alter  von  zwölf  Jahren 
auf  einem  oder  dem  andern  Theater  Italiens  eine 
Oper  schreiben.  Und  Jederman  glaubte,  ein  Deut- 
scher müsse  solch  einen  Ruhm  nur  seinem  Vaterlande 

'  ■  _    *  w  % 

vorbehalten.  Ich  wurde  hierzu  einhellig  aufgemun- 
tert. Jch  folgte  der  allgemeinen  Stimme,  und  der 
holländische  Gesandte,  Herr  Graf  von  Degenfeld  war 
der  erste  >  welcher  dem  Theaterimpressarius  Affligio 
den  Vorschlag  machte,  weil  ihm  die  Fähigkeit  des 
Knaben  schon  von  Holland  aus  bekannt  war.  Der 
Sänger  Carattoli  wer  der  zweyte,  der  es  dem  Affli-  ' 
gio  vortrug.  Und  die  Sache  ward  bey  dem  Leib- 
medicus .  Laugier  in  Gegenwart  des  jungen  Baron 
von  Swieten  und  der  zwey  Sänger  Carattoli  und 
Caribaldi  mit  dem  Impressarius  beschlossen,  um  so 
mehrmals  Alle,  sonderbar  die  zwey  Sänger,  mit  gröss- 
tem  Ausdruck  behaupteten,  dass  eine  auch  «ehr  mit« 
telmassige  Musik  von  einem  so  jungen  Knaben  we- 
gen des  ausserordentlich  wunderbaren,  und  schon  um 
dieses  Kind  ein.  Orchester  beym  Ciavier  sein  Werk 
dirigiren  zu  sehen,  die  ganze  Stadt  ins  Theater  zie- 
hen müsse.  Ich  liess  also  meinen  Sohn  schreiben. 
\  /  febbald  der  erste  Akt  fertig  war,  bat  ich  den 
Garattoli  selbst,  solchen  zu  Koren  und  zu  benrth ei- 
len, um  mich  sicher  tu  stellen.  Er  kam,  und  seine 
Verwunderung  war  so  gross,  dass  er  gleich  den  fol- 
genden Tag  wieder  bey  mir  erschien  J  tfnd  den  Cari- 
baldi mit  sich  brachte.  Caribaldf,  nicht  weniger  er- 
staunt ,  führte  ein  paar  Tage  darauf  den  Pöggi  zu 


mir/  Alle  zeigten  einen  so  ungemeinen  Beyfall,  dass 
sie  alle  auf  mein  wiederholtes  Fragen:  ob  sie  wohl 
glaubten,  dass  es  gut  wäre?  ob  sie  dafür  hielten, 
dass  er  fortfahren  sollte  ?  sich  über  mein  Miss  trauen 
ärgerten,  und  öfters  mit  vieler  Bewegung  ausriefen: 
Cosa!  Come!  Questo  e*  un  portento.  Questa  opera 
andra  alle  stelle.  CuncLjneraviglia.  Nondubiti,  che 
scrwi  avantil  samrat  einer  Menge  anderer  Ausdrücke*  * 
Das  Nämliche  sagte  mir  Carattoli  in  seinem  eigenen 
Zimmer. 

•  •  • 

Durch  den  Beyfall  der  Sänger  eines  erwünschten 
Erfolgs  versichert,  liess  ich  meinen  Sohn  in  der  Ar- 
beit fortfahren,  bat  aber  auch  den  Leibmedicüs  Logier, 
mit  dem  Impressarius  der  Bezahlung  halber  in  mei- 
nem Namen  Richtigkeit  zu  machen.  Es  geschähe, 
und  Aflligio  versprach  100  Ducaten.  Um  nun  mei- 
nen theuern  Aufenthalt  in  Wien  zu  verkürzen, 
machte  ich  damals  den  Antrag,  dass  die  Oper  noch 
vor  der  Abreise  Sr.  Majestät  nach  Ungarn  aufgeführt 
werden  möchte.  Allein  einige  Abänderungen,*  die 
der  Poet  im  Texte  zu  machen  hatte,  hemmten  die 
Composition;  und  Affligio  erklärte  sich,  dass  er  sol- 
che auf  die  Zurückkunft  Seiner  Majestät  wolle  auf- 
führen lassen. 

•     ,  .  .  .■,.»• 

Nun  lag  die  Oper  schon  einige  Wochen  fertig. 
Man  fing  zu  copiren  an,  und  der  erste  Akt  wurda 
den  Sängern,  gleich  darauf  der  zweyte,  ausgetheilt, 
da  unterdessen  mein  Sohn  eine  und  andere  Arie,  ja 
sogar  das  Finale  des  ersten  Akts  bey  verschiedenen 
Gelegenheiten  der  Noblesse  beym  Ciavier  produciren 
rausste,  welche  von  Allen,  bewundert  worden,  davon 

..  10* 

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148 

bey  dem  Fürsten  von  Kauniz  Affligio  selbst  Augen- 
und  Ohrenzeuge  war,  •■  • 

Nun  sollten  die  Proben  ihren  Anfang  nehmen. 
Allein,  wie  hätte  ich  dieses  vermuthen  sollen l  hier 
nahmen  auch  die  Verfolgungen  gegen  meinen  Sohn 
ihren  Anfang.  . 

Es  geschieht  sehr  selten,  dass  eine  Oper  gleich 
bey  der  ersten  Probe  vollkommen  gut  ausfallen ,  und 
nicht  hin  und  wieder  eine  Abänderung  erleiden  sollte. 
Eben  desswegen  pflegt  man  Anfangs  beym  Flügel  al- 
lein, und  bis  nicht  die  Sänger  ihre  Parthien,  beson- 
ders die  Finalen  wohl  zusammen  studirt  haben,  nie- 
mals  mit  allen  Instrumenten  zu  probiren.  Doch  hier 
geschah  das  Gegentheil.  Die  Rollen  waren  noch  nicht 
genug  studirt,  es  war  keine  Probe  der  Sänger  bey 
dem  Claviere  gemacht,  die  Finalen  nicht  zusammen- 
studirt;  und  dennoch  nahm  man  die  Probe  des  ersten 
Acts  mit  dem  gauzen  Orchester  vor,  um  nur  der 
Sache  gleich  Anfangs  ein  geringes  und  verwirrtes 
•  Ansehen  zu  geben.  Niemand,  der  zugegen  war,  wird, 
es  eine  Probe  nennen,  ohne  darüber  zu  erröthen. 
Das  lieblose  Betragen  derjenigen,  denen  es  ihr  Ge- 
wissen sagen  wird,  will  ich  nicht  anführen.  Gott 
mag  es  ihnen  verzeihen! 

Nach  der  Probe  sagte  mir  Affligio :  es  wäre  gut ; 
doch  da  ein  und  anderes  zu  hoch  wäre,  so  müsste  da 
und  dort  einige  Veränderung  gemacht  werden;  ich 
möchte  nur  mit  den  Sängern  sprechen:  und  da  Se. 
Majestät  schon  in  zwölf  Tagen  hier  wären,  so  wolle 
er  die  Oper  in  vier,  längstens  sechs  "Wochen  aufrüh- 
ren, damit  man  Zeit  habe,  Alles  in  gute  Ordnung  zu 
bringen,  ich  solle  mich  darüber  gar  nicht  aufhalten; 


i 


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•  I 

149 

er  sey  Mann  von  seinem  Worte,  und  werde  in  Allem 
sein  Versprechen  halten;  es  sey  nichts  neues;  auch 
bey  andern  Opern  gingen  Veränderungen  vor, 

Bs  wurde  demnach  dasjenige,  was  die  Sänger 
verlangten,  abgeändert,  und  in  dem  ersten  Acte  zwey 

h  neue  Arien  gemacht,  unterdessen  aber  im  Theater 

-  la  Caschina  aufgeführt.  .  . 

Nun  war  die  bestimmte  Zeit  verflossen ,  und  ich 
hörte,  Affiigio  habe  abermals  eine  andere  Oper  aus- 
theilen  lassen.  Es  ging  sogar  die  Rede,  Affligio 
werde  die  Oper  gar  nicht  aufführen;  er  hatte  sich 
verlauten  lassen,  die  Sänger  könnten  sie  nicht  sin- 
gen. —  Und  diese  hatten  sie  vorher  nicht  nur  gut 
geheissen,  sondern  auch  bis  in  den  Himmel  erhoben. 
Um  mich  auch  wider  dieses  Geschwätz  siclier  zu 

«  stellen,  musste  mein  Sohn  bey  dem  jungen  Baron 

von  S  wie  ton  in  Gegenwart  des  Grafen  von  Spork, 
des  Duca  di  Braganza  und  anderer  Musik  verständigen 
die  ganze  Oper  beym  Ciavier  produciren.  Alle  ver- 
wunderten sich  höchstens  über  das  Vorgeben  des 
Affligio  und  der  Sänger:  Alle  waren  sehr  gerührt 
und  erklärten  einhellig,  dass  ein  so  unchristliches, 
unwahrhaftes  und  boshaftes  Vorgeben  nicht  zu  be- 
greifen wäre;  dass  sie  diese  Oper  mancher  italieni- 
schen vorzögen,  und  dass,  statt  ein  solches  himmli- 
sches Talent  zu  ermuntern,  eine  Kabale  dahinter 
stecke,  welche  sichtbarlich  nur  dahin  abeiele,  dem 
unschuldigen  Knaben  den  Weg  zu  seiner  verdienten 
Eine  und  Glück  abzuschneiden. 

Ich  begab  mich  zu  dem  Impressarius ,  um  die 
wahre  Beschaffenheit  der  Sachen  zu  erfahren.  Die- 
ser sagte  mir:  er  wäre  niemals  dagegen,  die  Oper 


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150 

aufzuführen;  ick  werde  es  ihm  aber  nicht  verdenken, 
wenn^er  auf  sein  Interesse  sehe;  man  hatte  ihm  ei- 
nigen  Zweifel  beygebracht,  dass  die  Oper  vielleicht 
nicht  gefallen  möchte;  er  habe  die  Caschina  und 
wolle  nun  auch  die  Buona  figliuola  probiren  lassen, 
dann  aber  gleich  des  Knaben  Oper  aufführen;  sollte 
sie  nicht,  wie  er  wünsche,  gefallen,  so  wäre  er  we- 
nigstens schon  mit  zwey  andern  Opern  versehen. 
Ich  schützte  meinen  bereits  laugen  Aufenthalt  vor, 
und  -dessen  Verlängerung.  Er  erwiederte:  Ey  was! 
acht  Tage  mehr  oder  .weniger!. 'Ich  lasse  sie 
dann  gleich,  vornehmen.    Bey  diesem  blieb  es 
nun.    Des  Carattoli  Arien  .waren  geändert,  mit  Ga- 
ribaldi Alles  richtig  gemacht,  desgleichen  mit  Poggi 
und  Laschi,  Jeder  versicherte  mich  insbesondere:  er 
hätte  nichts  einzuwenden,    Alles  käme  lediglich  auf 
den  Affligio  an.  Inzwischen  verflossen  mehr  als  vier 
Wochen.  Der  Copist  sagte  mir,  er  habe  noch  keine 
Ordre,  die.  veränderten  Arien  abzusclireiben;  und  da 
ich  bey  der  Hauptprobe  der  Buona  figliuola  ver- 
nahm ,  Affligio  wollte  wieder  eine  andere  Oper  vor- 
nehmen, stellte  ich  ihn  seibst  zur  Rede.  Hierauf 
gab  er  in  meiner  und  des  Poeten  Coltellini  Gegen- 
wart demCopisten  Befehle  dass  Alles  in  zwey  Tagen 
ausgetheilt  und  die  Oper  längstens  in  14  Tagen  mit 
dem  Orchester  probirt  werden  sollte. 

Allein  die  Feinde  des  armen  Kindes  (wer  sie 
immer  sind)  haben  es  abermals  hintertrieben.  An  dem 
nämlichen  Tage  bekam  der  Copist  Befehl,  mit  dem 
Schreiben  i  einzuhalten.  Und  in  ein  paar  Tagen  er- 
fuhr ich,  Affligio  hätte  nun  Beschlossen,  die  Oper 
des  Knaben  gar  nicht  auf  das  Theater  zu  geben.  Ich 


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151 

wollte  Gewissheit  in  der  Sache  haben,  ging  zu  ihm, 
und  erhielt  den  Bescheid:  Er  hätte  die  Sänger  zu- 
sammen berufen,  diese  geständen  ein,  dass  die  Oper 
zwar  unvergleichlich  componirt,  aber  nicht  theatra- 
lisch wäre,  und  folglich  von  ihnen  nicht  könnte  auf- 
geführt werden  v.  Diese  Rede  war  mir  unbegreiflich» 
Deun  sollten  wohl  die  Sänger  wirklich  wagen,  das- 
jenige, ohne  schamroth  zu  werden,  zu  verachten,  was 
sie  vorher  bis  au  die  Stqrne  erhoben,  zu  welchem 
sie  den  Knaben  selbst  aufgemuntert,  und  was  sie 
dem  Aflligio  selbst  als  gut  angepriesen  haben?  Ich 
antwortete  ihm:  er  könnte  nicht  .verlangen,  .dass  der 
Knabe  die  grosse  Mühe,  eine  Oper  zu  schreiben ,  um- 
sonst unternommen  habe.  Ich  erinnerte  ihn  seines 
Accordes.  Ich  gab  ihm  zu  verstehen,  dass  er  uns 
vier  Mouato  herumgezogen,  und  uns  iu  mehr  als 
160  Ducaten  'Unkosten  gebracht  habe.  Ich  .ariiincrto 
ihn  der  v^n.  njir,  versäumten  Zeit,  und  versiegte 
ihm,  dass  icl>  mich  sowohl  der  iOO  Ducaten,  dLC  Cr 
mit  dem,  Lcibinedicus  Laugier;  accordirt-  Ji^tte,  als 
übrigen  Unkosten  halber;  ,an  ihn  „Judten;  wej^le.  Auf 
diese  meine  billige  Forderung  ertheilte  exv  inir  eine 
unverständliche  Antwort,  die  seine  Verlegenheit  Vcr- 
rieth,  mit  der  5?r(. sich,  ich  weiss  nicht  wricj  voi,'  <jer 
ganzen  Sache  loszumachen  suchte,  bis  er  endlich  hiich 
mit  den  schändlichst  lieblosen  Ausdrücken  verliess: 
wenn  ich  den -Knaben  wollte  prostituirt  haben,  b0 
Werde  er  die  Oper  belachen .  mid  auspfeifen  lasse^. 
Coltellini  hörte  dieses  Alles.   .  , 

Dicss  wä>e  also  4er  Lohn,  der  meinem  Söhnt* 
für  seine  grosse  .Bemühung ,  eine  Oper  zu  schreiben, 
davon  sein  Original  £58  Seiten  beträgt,  für  die  ver7 


i 


152 

säumte  Zeit  und  die  gemachten  Unkosten  angeboten 
wird!  Und  wo  bliebe  endlich,  was  mir  am  meisten 
am  Herzen  liegt,  die  Ehre  und  der  Ruhm  meines 
Sohnes,  da  ich  nun  nicht  mehr  wagen  darf,  auf  die 
Vorstellung  der  Oper  zu  dringen,  nachdem  man  mir 
deutlich  genug  zu  verstehen  gegeben  hat,  dass  man 
sich  alle  Mühe  geben  wurde,  solche  elend  genug  zn 
produciren;  dass  man  ferner  bald  vorgiebt,  die  Com- 
positum sey  nicht  zu  singen,  bald,  sie  sey  nicht  thea- 
teralisch,  bald,  sie  sey  nicht  nach  dem  Texte,  bald, 
er  wäre  nicht  fähig  gewesen,  eine  solche  Musik  zu 
schreiben,  und  was  derley  albernes  und  sich  selbst 
widersprechendes  Geschwätz  immer  ist,  welches  doch 
Alles  bey  einer  genauen  Untersuchung  der  musika- 
lischen Kräfte*  meines  Kindes,  —  um  welche  ich 
hauptsächlich  zu  seiher  Ehre  angelegentlichst  und 
aUtöruntertliänigst  bitte  —  zur  Schande  der  neidischen 
ehrenrauberischen  Verlaumder  wie  ein  Rauch  ver- 
ackernden  und  Jederman  überzeugen  wird,  dass  es 
ledigen  dahin  abziele,  ein  unschuldiges  Geschöpf, 
dem  Gott  ein  ausserordentliches  Talent  verliehen, 
Welt%nes  andere  Nationen  bewundert  und  aufgemun- 
tert haben,  in  der  Hauptstadt  seines  deutschen  Va- 
terU&des  zu  unterdrücken  önd  unglücklich  zu  machen. 

4.  •  * 

*    *  •  *  •  •         w#a*«/*^w    ii  $     ■        «     '#',4  • 

/    .  (Leopold  M.  Brief  No.  60.)  " 

%      .  »•  '  >'    1       !      .7    h.      Wien,  den  ia.  Not.  1768. 

—  —  Am-  Feste  der  unbefleckten  Em- 
piangniss  wird  die  neue  Kirche  des  F.  Parhammer- 
ischen  Waisenhauses  benedicirt  werden.  Der  Wolfg. 
hat  zu  diesem  Feste  eine  solenne  Messe ,  ein  OlFer- 
torium  und  Trompeten  -  Concert  für  einen  Knaben 


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.   .  153 

componirt  und  dem  WaisetiRause  verehrt.  Glaublich 
wird  der  Wolfg.  selbst  tactiren.  Es  hat  Alles  seine 
Ursachen«  — •  —  — •  *  

(Leopold  M.  Brief  No.  61.) 
,  /   •  •  Wien,  den  i4.  Dec.  1768. 

k  —  —        Wir  haben  unsere  Sachen  erst  jetzt 

beendigen  können. 

Die  Messe,  die  am  7.  Decbr.  in  Gegenwart  des 
kaiserl.  Hofes  bey  dem  P.  Parhammer  von  Wolfg. 
ist  aufgeführt  worden  und  wobey  er  selbst  den  Tact 
geschlagen  hat.  hat  dasjenige,  was  die  Feinde  durch 
Verhinderung  der  Oper  zn  verderben  gedacht  haben, 
wieder  gut  gemacht,  und  hat  den  Hof  und  das  Pu- 
blicum, da  der  Zulauf  erstaunlich  war.  von  der 
Bosheit  unserer  Widersacher  überfuhrt.   Das  Um- 

(►  standliqhere  mündlich. 

1                Nioht  weniger  ist  ein  schönes  Präsent  von  der 
Kaiserin  erfolgt  —   ~:  . 

1     '  Sinngedicht 

für  Ehre  des  Herrn  WolTgang  Mozart. 

.« 

Es  hatte  die  Natur  der  alten  Richter  Traume 
Mit  Ekel  lan-'  ceuuxr  ceduldic  angehört:  •  • 

D     O         D  D  D        o  ~  v 

Bald  wenn  ein  Orpheua  die  Thiere,  Felsen,  Bäume, 
Auf  seiner  Lauten  Schall,  entzückt  zu  tanzen  lehrt; 
*£ald  lässt  sich  ein  ApoU  dort  auf  die  Erde  nieder, . 
..  Wenn  von  dem  Göttersitz»  ihn  seine.  Schuld  verbannt, 
Und  als  verstellter  Hirt  macht  er  die  ersten  Lieder  . 
Bev  seiner  Lämmer  Schaar  den  Sterblichen  bekannt; 
,      Bald  muss  Mercur'.  Gesang  den  Argus  schläfrig  mache*, 
Der  für  die  «chöne  Kuh  mit  hundert  Augen  wacht. 
Gedichte,  Fabehverk,  ein  Chaos  selt'ner  Sachen, 
Ein  eitles  Himcesninst  der  sclilafclosen  Nacht. 
Gelehrte  Missgeburt,  die  oft  bey  freyen  Stunden 
Des  Dichter«  leichter  Geist  in  seiner  Hitz'  gebar, 
Zum  Trotze  der  Natur,  zum  Scherze  nur  erfunden, 
Womit  das  dumme  Volk  selbst  gern  geäfTet  war« 


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t 

So  überstieg  der  Mensch  durch  fipreluder  Erfrechen 


>ie  Ordnung  der  Natur ,  die  dieser  Schimpf  verdross, 
Und  um  den  kühnen'  Stolz  nrit  gleicher  Art  su  rächen,^  *  H 
Eia  neues  Wunderwerk  zu  schafla»  sioh-enUehloz*.  . 

Da,  wo  der  Salzastrom  aus  finstera  Klippen  eilet, 
Wo  er  das  fiache  Land  mft  reiner  Fhith  begrüsst, 
Und  dem  -beglückten  Ort  die  schöne  Stadt  vertheUet, 
Die  sich  jetzt  eine  tfurg  you  dessen  NameaJieissi, 
Liess  die  Natur  ein  Kind  des  Tages  Licht  betreten,  . 
Ein  Kunststück  ihrer  Hand,  ein  wundervolles  Kiud, 
'  Durch  dessen  Fähigkeit  die  Fabeln  der  Poeten, 
Die  man  mit  Recht  verlacht,  Geschichten  worden  sin<L 
O  KnabM  Dein  edler  Geist  hat  Dich' so  weit  erhoben, 
Öass  mein  zu  schwacher"  Kiel  von  Dir  nur  niedrig  spricht, 
•  -  Ja«  toll  man  Deinen  Werth,  wie  Du- Verdienest,  loben, 
So- hält  die  ^aqhwpU  doch  den  RnWfüj  -eju  Gedicht.  „ 
Wer  glaubte,  dass  ein  Kyi4  »°ß«r  m*1  «ieben  Jahren 
Schon  in  der  Musik -Kunst  den  ersten  Geistern  gleicht?  ' 
,    iDass,  .was  *a«ta  Wenige  durch  langen  «eiss  erfahre* 
,  Statt  eitlen  ICindewpiel  Dein  früher  ?ric,b  erreicjit?  , 
'V    Öocn  nein!  der  schnelle  Ruf,  der  Lohn  so  selt'ner  Gaben 

Hat  Deinen  Namen  schon  der  ganzen  Welt  geweiht, 
:;  Proben  ^eve/Konzt,  io  ferne  Völker  iiaben, 

Verkünden  Deinen  Ruhm  der  spaten  Ewigkeit. 
Mit  Dir  nat  die  Natur  die  GränzenlTberschritten, 
Die  Häupter  diese? . ^ety  .erkennen*  feinen  Werth: 
Der  Deutsche,  der  Franzos',  der  tiefe  Sinaf,der  Britten 
Sind  stolz  auf  den  Besuch,  mit  dem  Du  sie  beehrt; 
'    Sie  preisen  jenes  Land^  so  Dich  der  Weit'  geboren, 
Und  Deiner  Vaterstadt  beneiden  sie  das  Glück-, 
Sie  klagen,  dass  «ie  Dich  bald  wiederum  verloren. 
Und  denken  ndch  entzückt  auf  Deine  Kunst  zurück. 
Der  Zufall  gönnte  mir  die  Ehre,  Dich  zu  kennen, 
Und  Dein  belebter  Geist  nahm  mich  gleich  Andern  ein: 
Dtr  -würdigtest  Dich  gar,  mifch  Deinen  Freund  zu  nennen. 
Mein  Wolfgang,  könnt»  ich  doch  Hof  Dir  riöch  länger  seynl 
ich  wünsche  Dir  . (darf  ich  noch  meiden  Wunsch  'beyfügen) 
Nur  die  Unsterblichkeit,  sie  Ist  Dein  Eigenthum. 
Ja !  wir  st  Dn  doch,  mein  V reundi  den  Eltern  zum  Vergnügen, 
Die  Doincr  würdig  sind,  unsterblich,  wie  Dein  Rühm! 

,  '  Ergebener  Diener  und  Freund 

'     M-l  Christ  9ph  von  Zabueijng,  roa  Aug  «bürg, 

»o  z.  Marz.      '  »  >  J^.T«  . 

als  Durchreisender. 


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tgg 

Das  Jahr  1769  braclite  Wulfcane  mit  seinem  Vat 
ter  in  Sababurg  zu,  tlieik  mit  dem  Studium  der  Ita- 
lien i^cbea.  Sprache  und  theils  mit  der  Fortsetzung 
des  tiefem  Eindringens  in  die  Tiefen  der  Composi* 
tion.  In  demselben  Jahre  wurde  unser  Mozart  zum 
Concertmeister  bey  dem  Salzburgischen  Hofe  ernannt 
und  ist  in  den  Salzburgischen  Hofkalendern  voü  den 
Jahren  1770  bis  1777  als  fürstlicher  Concertmeister 
angeführt,  Mozart  hatte  nun  die  ansehnlichsten  Län- 
der Europa's  gesehen,  der  Ruhm  seines  grossen,  früh 
gereiften  Künstlertalents  blühte  bereits  von  den  Ufern 
der  Donau  bis  zur  Seine  und  Themse  hin;  aber  er 
war  noch  nicht  in  dem  Vaterlande  der  Musik  gewe- 
sen. Die  Tiber  sollte  nun  das  Diplom  seines  Ver- 
dienstes besiegeln  5  oder  vielmehr  zu  voller  Ausbil- 
dung seiner  Kenntnisse  und  seines  Geschmacks  war 
diese  Reise  nöthig,  wesswegen  er  auch  seine  Stelle 
niederlegte. 

Mozarts  frühere  Arbeiten  aus  seiner  Lehrlings- 
Periode  sind  noch  immer  Nachahmungen  von  vor- 
handenen Formen  und  nichts  weniger  als  classisch. 
Da,  wo  die  beginnende  Reife  allmählig  eintritt,  er-  . 
scheint  auch  seine  Originalität  kräftiger,  und  wenn 
man  seinem  Geiste  vom  ersten  bis  zum  letzten  Pro- 
ducta cbrpnologisch  nachschleicht,,  so  wird  die  alle- 
in ähl  ige  Ausbildung  und  Progression  seines  Genie's 
erst  klar,  wie  selbst  seine  Form  sich  nach  und  nach 
in  sich  selbst  reinigt  und  sich  der  innorn  Vollendung 
nähert,  woraus  die  späteren  Producte  natürlich  immer 
reiner,  reifer  und  vollendeter  hervorgehe*  müssen. 

Auch  war  es  ja  seinem  nach .  Vollkommenheit 
strebenden  Geiste  daran  gelegen,  die  Blütbe  der  Ton- 


t 


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156 

kunst  —  den  Gesang  —  auf  seinem  natürlichen  Bo- 
den zu  beobachten,  und  die  vielen  grossen  Männer, 
die  damals  Italiens  Ruhm  in  der  Musik,  stützten,  zu 
—  und  von  ihnen  zu  lernen. 


Vle  Reise  des  Vaters  mit  dem  Sohne  nach  Italien, 

angetreten  den  12.  December  1769, 
*     '  geendigt  Ende  März  1771.      * ' ' 

Nachdem  also  unser  Wolfgang  durch  anhalten- 
des Studiren  der  Werke  Bach 's,  Hasse's  und  Ilän- 
del's  sich  zu  Höherem  vorbereitet  und  die  Schöpfuu- 
gen  dieser  Männer  sich  zu  Mustern  gewählt  hatte, 
trat  er  mit  dem  Vater  allein  im  December  17G9  eine 
Reise  nach  Italien  an,  um  sich  durch  lebendige  Mu- 
ster  und  dufch  die  Bekanntschaft  mit  den  dortigen 
Meistern  noch  mehr  auszubilden. 

Auf  dieser  Reise  gaben  sie  in  Inspruck  eine  Aka- 
demie  beym  Grafen  Künigl,  wo  der  Sohn  ein  Cou- 
cert  prima  vista  spielte.  Ueber  den  dortigeu  Em- 
pfang und  Aufenthalt  schreibt  der  Vater  selbst: 

-  o  .  •        j  ./(Leopold  M.  Brief  No.  60.)  .  '  . 

Inspruck,  den  17.  Dec.  1769. 
Graf  Spftur  hat  uns  sehr  wohl  empfangen,  und 
uns  sciuen  Wagen  angetragen.    Wir  wurden  bald 
zu  einem  bey  dem  Grafen  Leopold  Künigl  veranstal- 

« 

teten  Concert  eingeladen,  wo  Wolfgang  ein  sehr 
schönes  Concert,  das  er  da  prima  vista  spielte,  zum 
Geschenk  bekam.  Wir  sind  wie  gewöhnlich  mit 
allen  Ehren  empfangen,  auch  mit  zwölf  Dukaten  be- 
schenkt worden.  Kurz  wir  sind  vollkommen  zu- 
frieden.   


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I 


* 


Die  Insprucker  Zeitung  vom  18.  Dec«  1769  ent- 
hält folgenden  Artikel  über  oben  genanntes  Concert: 

Den  i4ten  d.  M.  ist  hier  angelangt  Hr.  Leopold  fc/ 
Mozart,  Hochf.  Salzb.  Kapellmeister,  mit  seinem  Sohne 
Hr.  W.Mozart,  dermalen  wirkL  Hochf.  Sakb.  Con- 
certmeister,  welcher  wegen  seiner  ausserordentlichen 
musikalischen  Wissenschaft  sich  schon  seit ,  seinem 
sechsten  Jahre  an  vielen  Höfen  und  durch  das  ganzo 
römische  Reich  berühmt  gemacht  hat.  Gestern  wurde 
derselbe  zu  einem  Concerte.  welches  der  hohe  Adel 
veranstaltet  hatte,  eingeladen,  in  welchem  er  die 
schönsten  Proben  seiner  ganz  besondern .  Geschick- 
lichkeit ablegte.  Dieser  zunce  Tonkünstler,  welcher 
dermalen  dreyzehn  Jalire  alt  ist,  hat  also  auch  hier 
seinem  Ruhme  einen  neuen  Glanz  heygelegt,  und 
durch  sein  ausserordentliches  Talent  die  Stimmen 
aller  Musikverständigen  zu  seinem  Lebe  vereinigt. 

Hatte  der  kleine  Mozart  in  den  von, ihm  bereis*-, 
ten  Ländern  schon  Bewunderung  erregt,  so  konnte 
es  wohl  nicht  fehlen,  dass  seine  Erscheinung  in  Ita- 
lien sehr  willkommen  seyn  musste,  wo  die  Musik  in 
ihrem  eigenen  Boden  wurzelt  und  die  Kunst,  we- 
nigstens damals,  unter  die  ersten  Verdienste  gezählt 
wurde. 

Vater  und  Sohn  besuchten  dann  von.  Inspruck 
auf  ihrem  Wege  nach  Mailand  die  Städte  Roveredo, 
Verona,  Mantua,  worüber  uns  des  Vaters  Briete 
Folgendes  berichten:  •  „ 

(Leopold  M.  Brief  No.  63.) 

Verona,  den  7.  Januar  1770. 

—  —  —  In  Roveredo  erzeigte  una  sogleich  der 

■ 

1 

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m 

Kreishauptmann  alles  Liebe.  Bey  ihm  fanden  wir 
den  Grafen  Septimo  Lodron  und  Mehrere,  tlie  un- 
sere Ankunft  herbey  gelockt  hatte.  Kurz  darauf 
hielt  die  Noblesse  ein  Concert  in  dem  Hause  des 
Baron  Todescy.  Was  sich  der  Wolfgang  für.  eine 
Ehre  gemacht,  ist  unnöthig  zu  schreiben.  Den  Tag 
darauf  gingen  wir  auf  die  Orgel  der  Hauptkirche, 
Und  obwohl  es  nur  sechs  bis  acht  Hauptpersonen  ge— 
wusst  habon,  «o  fanden  wir  doch  ganz  Roveredo  in 
der  Kirche  versammelt,  und  es  mussten  eigens  starke 
Kerl*  vorangehen,  um  uns  den  Weg  auf  das  Chor 
zu  bahnen,  wo  wir  dann  eine  halbe  Viertelstunde 
zu  thun  hatten,  um  an  die  Orgel  zu  kommen,  weil 
jeder  der  nächste  seyn  wollte. 

•     In  Verona  hat  die  Noblesse  erst  nach  7  Tagen 
ein  Concert  veranstalten  können  (dazu  wir  eingeladen 
waren),  weil  täglich  Oper  ist.  Die  Cavaliere,  an  die 
wir  empfohlen  waren,  sind  Marchese  Carlo tti,  Conte 
Carlo  Einily,  Marchese  Spolverini,  Marchese  Dioni- 
sio  S.  Fermo,   Conte  Giusti  del  Giardino,  Conte 
Allegrn    Bey  Carlotti  waren  wir  für  allezeit  einge- 
laden, wie  auch  bey  Hrn.  Locatelli.  Zweymal  speis- 
ten wir  bey  Ersterm,  dann  bey  Emily*  zweymal 
bey  Giusti,  u.     w.   Heute  war  eine  völlige  Ver- 
wirrung.   Wir  waren  bey  einem  Hrn.  Ragazzoni 
eingeladen.  Der  Generaleannelöner  von  Venedig  Hr. 
Luggiatti  bat  die  Cavaliere,  mich  zu  ersuchen,  dass 
ich  erlauben  möchte,  den  Wolf  gang  abmahlen  zu 
lassen.    Gestern  Vormittags  geschah  es,  und  .heute 
nach  der  Kirche  sollte  er  das  zweyte  Mal  sitzen. 
Lugiatti  bat  zu  diesem  Zwecke  Ragazzoni,  uns  ihm 
zu  überlassen.    Dieser  musste  es  geschehen  lassen, 


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weil  L.  eine  grosse  Hand  in  Venedig  hat.  Es  kam 
aber  wieder  ein  Stärkerer,  nemlich  der  Bischof  von 
Verona,  aus  dem  Hanse  Giustiniani,  welcher  uns  nicht 
nur  nach  der  Kirche,  sondern  auch  zu  Tische  bei  sich 
haben  wollte.  Auf  die  ihm  gemachte  Vorstellungen, 
dasswir  auf  der  Abreise  wären,  willigte  er  ein ,  dass 
wir  bey  Luggiatti  zum  Speisen  gingen,  hielt  uns  aber 
bis  nach  ein'  Uhr  bey  sich  auf.  Nun  wurde  W.'s  Por- 
trait  ausgemalt  und  um  drey  Ulli*  zu  Tische  gegangen. 
Später  fuhren  wir  nach  der  Kirche  St.  Tomaso ,  um 
dort  auf  zwey  Orgeln  zu  spielen ;  und  obwohl  dieser 
Entschluss  erst  während  der  Mahlzeit  genommen  und 
durch  Billete  dem  March.  Carlotti  und  dem  GVafen 
reciemonte  oeKannt  gemacnt  woraen  war,  so  war  aen* 
noch  bey*  unserer  Ankunft  in  der  Kirche  eine  so  loh  o 
Menge  versanimelt,  dass  wir  "kaum ■  Raum  hatten,  aus 
der  Kutsche  zu  steigen.  Es  war  ein  solches  Gedränge, 
dass  wir  gezwungen  waren,  durch  das  Kloster  zu 
gehen,  wo  uns  dann  in  einem  Augenblicke  so 'viele 
Menschen  zuliefen,  dass  wir  nicht  würden  Platz  ge- 
funden haben,  wenn  uns  nicht  die  Tatred,  die  uns 
schon  an  de*  lÜosterpforte  erwarteten,  in  dre  Mitte 
genommen  hätten.  Als  es  vorbey  war,  war  der  Lär- 
men noch  grösser,  denn  jeder  wollte  den  kleinen 
Organisten  sehen.  Morgen  fahren  wir  mit  Locatelli 
zu  dem  Amphitheater  und  den  übrigen  Merkwür-r' 
dfgkeiteni  -1  *  ■  % 

•ff  _  •*  •       •      (V  ••••  «»•         f    *       *  ■  •    »  .  . 

.   \       '       (Wolfg.  A.  Mo*trt*.  Brief  No.  u)  » 

Verona,  7.  Genna  jo' 1770, 

•    *  "   Allerliebste  Schwerter!  — 
feinen  spannenlangen  Brief  habe  ich  gehabt,  weil 


160 

1 1  I 

i 

ich  auf  eine  Antwort  vergebens  gewartet  habe  5  ich 
hatte  auch  Ursache,  weil  ich  Deinen  ,Brief  noch  nicht 
em nfane eu  hatte*   Jetzt  hört  der  teutsche  Töne!  auf 
und  das  wälsche  Tölperl  fangt  an.  Lei  e  piu  franca 
nella  lingua  italiana  di  quel  che  mi  ho  ima  gl  netto. 
Lei  mi  dica  la  cagione,  percM  Lei  non  fä  nella 
commedia  che  anno , giqcato  i  Cavalieri.  Adesso  sen- 
tiamo  sempre  una  Opera  titolata:  II  Ruggiero. 
Oronte,  il  padre  di  Bradamante,  e  un  principe 
(/a  il  Sign,  Affer  i),  bravo  cantante,  un  baritonoß 
ma  gezwungen,  wenn  er  in  Falset  hinauf  piepet,  aber 
doch  nicht  so  sehr,  wie  Tibaldi  in  Wien«  Brada- 
mantef  innamorata  di  Ruggiero,  {ma  sie  soll  den 
Leone  heirathen,  will  aber  nicht)  fä  una  povera  Ba- 
ronessa,  che  Iw  avuto  una  gran  disgrazia,  ma  non 
sö  la  quäle  Recita  unter  einem  fremden  Namen,  ich 
weiss  aber  den  Namen  nicht  ;  ha  una  voce  passabile 
e  la  statur a  non  sarr ebbe  male,  ma  distuona  come 
il  diavolo.  Ruggiero,  un  rieco  principe  innamorato 
di  Bradamante ,  e  un  Musico:  canta  un  poco  man- 
zuolisch  ed  a  una  bellissima  voce  forte  ed  e  gib. 
vecchio  s  ha  55  anni  ed  a  una  läufige  Gurgel.  Leone 
soll  die  Bradamante  heirathen,  ricchississimo  e$  ob 
er  aber  ausser  dem  Theatro  reich  ist,  das  weiss  ich 
nicht.    La  moglie  di  Afferi  che  lia  una  bellissima 
voce,  ma  &  lanto  sussuro  nel  teatro  che  non  si  sente 
niente.  Irene  fa  una  sorella  di  Lolli  del  gran  Vio- 
linista  die  luibbiamo  sentito  a  Vienna,  a  una  schrof- 
felte  voce  e  canta  sempre  um  ein  Viertel  zu  Iiardi  o 
troppo  a  buon'  ora.    Ganno  fa  un  signore  che  non 
sb  come  si  chiama:  &  la  prima  volta  che  lui  recita» 
Zwischen  einem  jeden  Act  ist  ein  Ballet.   Es  ist  ein 


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braver  Tänzer  da,  der  sich  nennt  Monsieur  Roesler. 
Er  ist  ein  Teutscher  und  tanzt  recht  brav.  »  Als  wir 
das  letzte  Mal  (aber  nicht  gar  das  letzte  Mal)  in  der 
Oper  waren,  haben  wir  den  Mi*.  Roessler  in  unsern 
Palco  herauf  kommen  lassen  (denn  wir  haben  die 
Loge  des  Mr.  Carlotti  frey,  denn  wir  haben  den 
Schlüssel  dazu)  und  mit  ihm  geredet.  A  propos, 
Alles  ist  in  der  Maschera  jetzt,  und  was  das  Com- 
modeste  ist ,  wenn  man  eine  Larve  aüf  dem  Hute  hat 
und  hat  das  Privilegium,  den  Hut  nicht  abzuziehen, 
wenn  Einer  mich  grüsst,  und  nimmer  beym  Namen 
zu  nennen,  sondern  allezeit:  Servitore  umiliasima, 
Signora  Maschera.  Cospetto  di  Bacco  ,  das  spritzt. 
"Was  aber  das  Rareste  ist,  ist  dieses,  iWs  wir  um 
halb  acht  Uhr  zu  Bette  gehen.  Se  Lei  indovinaase 
questo,  io  dirö  certamente  che  Lei  sia  la  Madre  di 
tutti  gli  indovini,  Küsse  anstatt  meiner  der  Mama 
die  Hand,  und  Dich  küsse  ich  zu  tausend  Mal  und 
versichere  Dich,  das»  ich  werde  bleiben  immer  • 

Dein  aufrichtiger  Bruder.'  ' 

Portez  Voua  hien  et  aimez  moi  toujours* 


(Leopold  M.  Brief  No.  64.) 

Mantua,  den  11.  Januar.  1770. 

Gestern  sind  wir  angelangt  und  eine  Stunde  dar- 
i£  in  die  Oper  gegangen.  Wir  sind,  Gott  Lob!  ge- 
sund. Der  Wolfgangerl  sieht  aus*  als  wenn  er  einen 
Feldzug  gemacht  hätte,  nämlich  ein  wenig  rothbraun, 
sonderheitlich  um  die  Nase  und  den  Mund,  von  der 
Luft  und  dem  Kaminfeuer;  so  zum  Beyspiel  wie  Se. 
Majestät  der  Kaiser  aussehen.    Meine  Schönheit  hat 

11 


• 

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1 


162  - 

♦ 

noch  nicht  viel  gelitten;  sonst  würde  ich  in  Ver-  \ 
zweiflung  seyn. 

Heute  suchte  ich  den  Fürsten  von  Taxis,  der 

» 

aber  nicht  zu  Hause  war,  und  seine  gnädige  Dame 
hatte  so  nothwendig  Briefe  zu  schreiben,  dass  sie  nicht 
uns,  ihre  Landsleute,  sprachen  konnte.  Morgen  sind 
wir  zu  Mittage  bey  dem  Grafen  Franz  Eugen  von 
Arco.  In  Verona  sahen  wir  noch  das  Museum  lapi- 
darium.  In  Keysler's  Reisebeschreibung  kannst  Du 
davon  lesen.  Uebrigens  bringe  ich  Dir  ein  Buch  von 
den  Alterthümern  in  Verona  mit.  Ich  würde  die 
Briefe  zu  sehr  beschweren  und  theuer  machen,  wenn 
ich  die  Zeitungsblätter,  die  von  dem  Wolfgang  in 
Mantua  und  andern  Orten  schreiben,  einsenden  wollte. 
Hier  schliesse  ich  doch  eins  bey,  in  welchem  zwey 
Fehler  sind.  Nämlich  es  heisst  wirklicher  Kapell- 
meister und  —  in  einem  Alter  von  noch  nicht  13  Jah- 
ren, anstatt  14  Jahre»  Ich  könnte  Dir  noch  andere 
Sachen  schicken,  denn  die  Poeten  sangen  in  Verona 
in  die  Wette  über  ihn.  Hier  ist  die  Abschrift  des 
in  unserer  Gegenwart  aus  dem  Stegreife  verfertigten 
Sonnetls  von  einem  gelehrten  Liebhaber,  Zaccaria 
Betti,  und  eines  andern  von  Meschini,  so  wie  auch 
selbst  der  Kapellmeister  Danieli  Barba  über  den  W. 

die  schönsten  Verse  gesungen  hat.  ■ 

•  •     •  • 

■ 

AI 

S  i  g  n  o  r  e   Amadeo  Mozart, 

Giopenetto  ammirabite» 
Sonnetto  estemporaneo, 

1       '    Se  nel  puro  del  Gel  la  Cetra  ol  conto 
desta  fra  dolci  carmi  il  divo  Anipre, 
onde  quanto  e  quaggiu  col  vario  error* 

al  conosciuto  suon  risponde  intanto:  ■  * 

« 
« 


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163 


Bene,  o  a  mobil  GarzoTiy   darti-puoi  vantu, 

che  tu  reformi  l'armonia  migliore; 

poi  che  natura  in  te  scolpi  nel  core 

tutte  le  note  di  quel  plettro  santo. 
Voi,  che  tanV  anni  in  sä  le  dotte  carte 

per  isfogar  Varmonico  desto 

Vopra  chiedetey  ed  il  fat  or  de  l'Arte. 
Voi  sapete  fegli  erra  il  pensier  mio$ 

che  al  dolcs  suon  de  le  sue  note  spartt 

ite  dicendo:  se  la  fe  col  Dia. 

In  Argumenta  di  Maraviglia  e  di  Amore 
Zaccaria  Betti. 


A m a de o  Mozart 

•  •  • 

Dulcissimo  Puero 
et  elegant issimo  Lyristae 

Antonius   Maria  Meschini 

Vcroncnsis. 
..,»«.  •  , 

51  raptilt  sylvas  Orpheus,  »l  tarlara  wo  vif, 
Kuno  tu  corda,  l  utrr  »urripU,  astra  moves. 

Cosi   come   tu  fait 
suonando   il   biondo  Apollo 
colla    sua    cetra    al  collo 
spandea    celesti  rai. 
Ma   noy    che   col    suo  canto 
teco  perdeva    il  ranto. 


Leopold  M.  Brief  No.  65.  (an  seine  Frau.) 

Mailand,  den  26.  Januar  1770. 

Am  löten  war  in  Mantua  im  Saale  der  Accademia 
ßlarmonica  das  gewöhnliche  wöchentliche  Concert, 
wozu  wir  eingeladen  waren.  Ich  wünschte,  dass  du 
das  Teatrino  dieser  Accademia  gesehen  hättest.  Ich 
habe  in  meinem  Leben  von  dieser  Art  nichts  Schö- 
neres gesehen.  Es  ist  kein  Theater,  sondern  ein  wie 
die  Opernhäuser  gebauter  Saal  mit  Logen.   Wo  das 

Ii* 


Theater  stehen  soll,  ist  eine  Erhöhung  für  die  Mu- 
sik, und  hinter  der  Musik  abermal  eine  wie  Logen 
gebaute  Gallerie  für  die  Zuhörer,  Die  Menge  der 
Menschen,  das  Zurufen,  Klatschen ,  Lärmen  und 
Bravo  über  Bravo,  kurz  die  allgemeine  Bewunderung 
kann  ich  dir  nicht  genug  beschreiben.  Wir  haben 
bey  dem  Grafen  Eugen  von  Arco  in  Mantua  alle 
Gnaden  und  Höflichkeiten  empfangen.  Aber  bey 
dem  Fürsten  von  Taxis  haben  wir  nicht  das  Glück 
gehabt,  zur  Audienz  zu  kommen.  Als  wir  zum  zwey- 
ten  Male  hingingen,  traten  sie  vor  uns  in's  Haus. 
Es  ward  uns  aber  geantwortet:  der  Fürst  habe  jetzt 
noth wendige  Verrichtungen,  und  wir  möchten  gleich- 
wohl ein  ander  Mal  kommen.  Das  Gesicht,  die  zit- 
ternde Stimme  des  Bedienten,  und  seine  halbgebro- 
chenen Worte  zeigten  mir  gleich,  dass  der  Fürst 
keine  Lust  habe,  uns  zu  sehen.  Behüte  mich  der 
Himmel,  dass  icli  Jemanden  in  seinen  Geschäften  störe, 
sonderlich  da  ich  noch  überdiess  desswegen  weit  lau- 
fen oder  einen  Lehenwagen  bezahlen  sollte.  Zum 
Glück  haben  wir  beyderseits  dadurch,  dass  wir  uns 
nicht  in  der  Nähe  gesehen,  Nichts  verloren  (denn 
wir  sahen  uns  in  der  Ferne),  sondern  ich  ersparte 
das  Geld  hinzufahren,  und  der  Herr  Fürst  die  Angst, 
die  er  etwa  hatte,  verbunden  zu  seyn,  uns  einige 
kleine  Höflichkeiten  für  die  am  Salzburger  Hofe  und 
von  der  salzburgischen  Noblesse  empfangenen  Ehren 
wieder  entgegen  zu  erweisen.  • 

Hier  schliese  ich  dir  aberraal  eine  Poesie  bey, 
die  von  einer  Signora  Sartoretti  kömmt,  bey  der 
wir  in  Mantua  zu  Gaste  waren.    Den  Tag  darauf 

kam  der  Bediente,  und  brachte  auf  einer  schönen 

i 


» 

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1  ic>r, 

Schaale  einen  ungemein  schönen  Blumenstrauss ,  an 
dem  unten  rothe  Bänder,  und  in  der  Mitte  der  Bän- 
der ein  Medaille  von  vier  Ducaten  eingeflochteii 
lag:  oben  darauf  war  die  Poesie.  Ich  kann  dich  ver- 
sichern, dass  ich  .  noch  an  jedem  Orte  die  liebsten 
Leute  gefunden  habe,  und  aller  Orten  fanden  wir 
unsere  besonderen  Leute,  die  bis  zu  dem  letzten 
Augenblick  unserer  Abreise  bey  uns  waren,  und 
alle  ihre  Kräfte  anwandten,  uns  den  Aufenthalt  an- 
genehm äu  machen.  Ich  nenne  dir  z.  B.  das  Gräf- 
lich Spaursche  Haus  in  Insprukj  den  Baron  Piccini, 
den  Grafen  Ladron,  Cristiani,  Cosmi  hl  Roveredo, 
den  Grafen  Carlo  Emily,  Marquis  Carlo tti,  Graf 
Giusti,  das  Haus  Lugiatti  und  besonders  den  Herrn 
Locatelli  in  Verona,  in  Mantua  das  Gräflich  Arcoi- 
sche  Haus  und  vornämlich  den  Signor  Bcttinelli, 
welcher  sammfc  seinem  Bruder  und  seines  Bruders 
Frau  völlig  zu  unseren  Diensten  waren.  Die  Frau 
war  wie  eine  Mutter  für  den  Wolfg.  besorgt,  und 
wir  verliessen  einander  mit  weinenden  Augen.  Hier 
schliese  ich  auch  eine  Zeitung  von  Mantua  bey. 

Ich  muss  dir  noch  sagen,  dass  weder  die  dorti-  » 
gen  Akademieen  noch  die  in  Verona  für  Geld  gege- 
ben werden.  Alles  geht  frey  hinein:  in  Verona  nur 
die  Noblesse,  weil  sie  von  ihr  allein  unterhalten 
wird;  in  Mantua  aber  Noblesse,  Militair  und  an  sehn- 
liebe  Bürgerschaft,  weil  sie  von  der  Kaiserin  eiue 
Stiftung  hat.  Daraus  lernst  du,  dass  wir  in  Italien 
nicht  reich  werdeu,  und  du  weisst,  dass  genug  ge- 
than  ist.,  wenn  man  seine  Reisekosten  macht.  Diese 
habe  ich  auch  allezeit  gemacht.  In  den  6  Wochen, 
da  wir  nun  von  Salzburg  weg  sind,  haben  wir  70 


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™1^^^— 1 

Ducaten  ausgeben  müssen;  denn  wenn  man  gleich 
a  parto  lebt  und  iiberdiess  meistens  nicht  zu  Hause 
speisst,  so  ist  dach  das  Nachtessen,  Holz,  Zimmer 
so  Üieuer,  dass  man  unter  sechs  Ducaten  aus  keinem 
Wirtlishaus  kömmt,  wo  man  9  bis  Ii  Tage  war. 
Ich  danke  Gott,  dass  ich  euch  zu  Hause  gelassen. 
Erstlich  würdet  ihr  die  Kälte  nicht  haben  ausstehen 
können;  zweytens  hatte  es  erstaunliches  Geld  gekos- 
tet, und  wir  hätten  die  Freyheit  der  Wohnung  nicht 
gehabt,  die  wir  jetzt  haben,  nämlich  im  Kloster  der 
Augustiner  di  S.  Marco,  wo  wir  zwar  nicht  frey  ge- 
halten weiden,  aber  bequem,  sicher  und  nahe  bey 
Sr.  Exc.  dem  Grafen  Firmian  wohnen«  Alle  Nacht 
werden  unsere  Betten  eingewärmt,  so  dass  der  Wolf- 
gang bey  dem  Schlafengehen  allezeit  in  seinem  Ver- 
gnügen ist.    Wir  haben'  einen  eigenen  Bruder  Fra- 

ter  Alphonso  zu  unserer  Bedienung.  «—  —  

* 

(Wolfg.  Amad.  Mozart's  Brief  No.  a.) 

a6.  Jauuar  1770. 

Mich  freut  es  recht  von  ganzem  Herzen,  dass 
v  Du  bey  der  Schlittenfahrt,  von  der  Du  mir  schreibst, 
Dich  so  sehr  ergötzt  hast,  und  ich  wünsche  Dir  tau- 
send Gelegenheiten  zur  Ergötzung,  damit  Du  recht 
lustig  Dein  Leben  zubringen  mögtest.  Aber  Eins 
verdriesst  mich,  dass  Du  den  Herrn  von  Mölk  so 
unendlich  seufzen  und  leiden  hast  lassen«  und  dass 
Du  nicht  mit  ihm  Schlitten  gefahren  bist,  damit  er 
Dich  hätte  umschmeissen  können.  Wie  viele  Schnupf- 
tücher wird  er  nicht  denselbigen  Tag  wegen  Deiner 
gebraucht  haben  vor  Weinen.  Er  wird  zwar  vor- 
her schon  drey  Loth  Weinstein  eingenommen  haben. 


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167 

die  ihm  die  grausame  Unrein igkeil  seines  Leibes ,  die 
er  besitzt ,  ausgetrieben  haben  wird.  Neues  weiss 
ich  Nichts^,  als  dass  Hr.  Geliert,  der  Poet  zu  Leip- 
zig gestorben  ist,  und  dann  nach  seinem  Tode,  keine 
Poesieen  mehr  gemacht  hat.  Just,  ehe  ich  diesen 
Brief  angefangen  habe,  habe  ich  eiue  Aria  aus  dem 
Demetrio  verfertigt,  welche  so  anfangt: 

Misero    tu    non  seii 
tu    spieghi    U    L/.-  dolore. 
B    sti   non   deJ&  amort, 
Titrotfi   almen  pietä. 
Misefu    ben    soh  iö, 
che    nel   segretto  laccio 
emo,   non.  spero    e  taccio, 
e   l'idol   mio    nol  sä. 

Die  Oper  zu  Mantua  ist  hübsch  gewesen.  Sie 
haben  den  Demetrio  gespielt.  Die  prima  Donna  singt 
gut,  aber  still;  und  wenn  man  sie  nicht  agiren  sähe, 
sondern  singen  nur  allein,  so  meynte  man,  sie  sänge 
nicht,  denn  den  Mund  kann  sie  nicht  offnen,  son- 
dern winselt  Alles  her,  welches  uns  aber  nichts  Neues 
ist  zu  hören.  Die  seconda  Donna  macht  ein  Ansehen 
wie  ein  Grenadier,  und  hat  auch  eiue  starke  Stirn- 
ine,  und  singt  wahrhaftig  nicht  übel,  für  das,  dass 
sie  das  erste  Mal  agirt.  //  primo  uomo,  il  musico 
singt -schön,  aber  hat  eine  ungleiche  Stimme.  Er 
nennt  sich  Caselli.  secondo  uomo  ist  schon  alt, 
und  mir  gefallt  er  nicht.  Der  Tenor  nennt  sich 
Ottini:  er  singt  nicht  übel,  aber  halt  schwer,  wie 
alle  italienischen  Tenore;  er  ist  unser  sein?  guter 
Freund«  Wie  der  zweyte  heisst,  weiss  ich  nicht. 
Er  ist  noch  juog,  aber  nicht  viel  Rares.  Primo  bal- 
lerinoy  gut;  Prima  ballet  ina,  gut,  und  mau  sagt, 


- 


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_______ 


sie  sey  gar  kein  Hund;  ich  aber  habe  .sie  nicht  in 
der  Nähe  gesellen.  Die  üebrigen  sind  wie  alle  An- 
dere. Ein  Grotesco  ist  da,  der  gut  springt,  aber 
nicht  so  schreibt  wie  ich:  wie  die  Saue  brumzen. 
Das  Orchester  ist  nicht  übel.  Zu  Cremona  ist  das 
Orchester  gut,  und  der  erste  Violinist  heisst  Spagno- 
letta.  Prima  Donna  nicht  übel;  schon  alt,  glaube 
ich,  wie  ein  Hund;  singt  nicht  so  gut,  wie  sie  agirt, 
und  ist  die  Frau  eines  Violinisten,  der  bey  der  Oper 
mit  geigt,  und  sie  nennt  sich  Masci.  Die  Oper  hiess 
La  clemenza  di  Tito.  Seconda  Donna,  auf  dem 
Theater  kein  Hund;  jung,  aber  nkhts  Rares.  Primo 
uomo,  musico,  Cicognani,  eine  hübsche  Stimme  und 
ein  schönes  Cantabile.  Die  andern  zwey  Castraten, 
jung  und  passabel.  Der  Tenor  nennt  sich: 
hat  ein  angenehmes  Wesen,  sieht  dem  lo  Roi  zu  Wien 
natürlich  gleich.  Baller ino  primo,  gut  und  ein  sehr 
grosser  Hund.  Eine  Tänzerin  war  da,  die  nicht  übel 
getanzt  hat,  und  was  das  nicht  für  ein  capo  Lopera 
ist,  ausser  dem  Theater  und  in  demselben  kein  Hund. 

r 

Die  Uebrigen  wie  Alle.  _£in  Grotesco  ist  auch  dort, 
der  bey  jedem  Sprunge  einen  hat  streichen  lassen. 
Von  Milano  kann  ich  Dir  wahrhaftig  nicht  viel  schrei- 
ben j  wir  waren  noch  nicht  in  der  Oper.  Wir  haben 
gehört,  dass  die  Oper  nicht  gerathen  hat.  Primo 
uomo,  Aprilo,  singt  gut,  hat  eine  schöne  gleiche  Stim- 
me. Wir  haben  ihn  in  einer  Kirche  gehört,  wo 
just  ein  grosses  Fest  war.  Madame  Piccinelli  von 
Paris,  welche  in  unserm  Concerte  gesungen  hat,  agirt 
bey  der  Oper.  Herr  Pick ,  welcher  zu  Wien  tanzte, 
tanzt  jetzt  hier.  Die  Oper  nennt  sich  Didone  ahban- 
donata,  und  wird  bald  aufhören.   Sign.  Piccini,  wel- 


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I 


169 

eher  die  zukünftige  Oper  schreibt,  ist  hier*  Ich  habe 
gehört ,  dass  seine  Oper  heisst :  Ceaare  in  Egitto. 

Wolfgang  de  Mozart, 
Edler  ton  Hocheuthal,  Freund  des  ZaMhausen*. 


Verona,  9.  Genna jo. 

Questa  Citta  non  pub  non  annunziare  il  valor 
portentoso,  che  in  etä  di  non  ancor  13  anni,  ha 
nella  musica  il  giovanetto  Tedesco  Signor  Amadeo 
IV olfgango  Mozart,  nativo  di  Salisburgo ,  e  figlio 
deW  attuale  Maestro  di  Cappella  di  Sua  Altezzä, 
Rma.  Monsig.  Arcivescovo  Principe  di  Salisburgo 
suddetto,  JEsso  giovane  nello  scorso  Venerdl  S. 
deW  andante  in  una  sala  della  Nobile  Accademia 
Filarnwnica,  in  faccia  alla  publica  Rappresentansa,  . 
ed  a  copiosissimo  concorso  di  Nobiltä  deW  uno,  e 
l'altro  sesso,  ha  date  tall  prove  di  sua  perizia  nelV 
arte  predetta,  che  ha  fatto  stordire.  Egli,  fra  una 
scelta  adunanza  di  valenti  Professori,  ha  saputo, 
prima  d'ogn'  altra  cosa,  esporre  una  bellissima  sin- 
fonia  d'introduzione  di  composizione  sua,  che  ha 
meritato  tuttö  Vapplauso.  Indi  lia  egregiamente  " 
sonato  a  prima  vista  un  concerto  di  cembalo,  e  suc- 
cesswamente  altre  sonate  a  lui  novissime.  Poi  sopra 
ijuattro  versi  esibitigli  lux  cornposta  sul  fatto  un' 
aria  d'ottimo  gusto  nelV  atto  stesso  di  cantarla. 
Un  soggetto,  ed  un  Finale  progetta  togli,  egli  mi- 
rabilmente  concerto  sulle  migliori  leggi  deW  arte. 
Suonö  all3  impropviso  assai  bene  un  Trio  del  Boche- 
rini,  Compose  benissimo  in  partitura  un  Sentimento 
da  togli  sul  violino  da  un  Professore.  In  somma  si 
in  questa,  che  in  altre  occasione,   esposto  a'  piü 


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% 


170 

I 

ardui  cimenti.  gli  ha  tut  Ii  sunerati  con  indicibil 
i  valore  e  quindi  con  universale  arnmirazione,  special- 
mente  de'  Dilettantin  tra'  quali  i  Signori  Lugiati, 
che,  dopo  aver  goduti,  e  fatti  ad  altri  godere  piu  . 
saggi  maravigliosi  delV  abilitä  di  tal  giovine,  hanno 
infino  voluto  farlo  ritrar re  in  tela  al  naturale,  per 
serbarne  eterna  memoria.  Ne*  e  giä  nuovo  questo 
pensiero;  imperciocchi ,  da  che  cgli  va  girando  per 
entro  l' Europa  col  padre  suo,  per  dar  pruova  di 
se,  ha  tanta  meraviglia  eccitata  in  ogni  parte,  fino 
dalla  tenera  etä  di  7.  anni,  die  se  ne  serba  tutta 
via  il  ritratto  in  Vienna,  in  J?arigi,  dope  sono  * 
anclte  i  ritratti  di  tutta  la  sua  jamiglia,  in  Olan- 
da,  ed  in  Londr a,  in  cui  si  collacb  esso  ritratto 
suo  insigne 

sione,  che  celehrava  la  stupenda  sua  bravura  nella 
musica  nella  verde  eta  d'anni  8.,  che  soll  allora 
oontava.  Nel  per  tanto  nun 

seguimenio  del  suo  viaggio,  che  ora  fa  per  V Ita- 
lic, non  sia  per  apportare  eguale  stupore,  dovun~ 
quc  ei  recJierä,  massunamente  agü  Esperti,  ed  In- 
telligenti. 

■ 

*  »  • 

y     •  Die  Mantuaner  Zeitung  lieferte  folgende  Nach- 
richten : 

Den  l6ten  <L  M.  Iiielt  man  auf  dem  Schauplatze 
der  köiiicl.  Akademie  die  gewöhnliche  nhilliarmoni- 
sehe  Akademie ,  lun  bey  der  Durchreise  des  unver- 
gleiclilichen  Knaben  W.  A.  Mozart  Gelegenheit  zu 
-  haben,  das  wundersame  Talent  und  die  ausserordent- 
lich meisterliche  Geschicklichkeit  in  der  Tonkunst, 
welche  er  in  seinem  Alter  von  13  Jahren  besitzt,  von 


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171 


dieser  ganzen  Stadt  bewundern  zu  lassen.  Sowohl 
für  die  Sänger  als  fiir  die  klingenden  Instrumente  in 
so  vielen  concertirenden  und  obligaten  Stimmen,  als 
man  nur  will,  gleich  den  besten  Meistern  zu  schrei- 
ben, ist  ihm  eine  so  leichte  und  geringe  Sache,  dass 
er  es  ebenmässig  auch  auf  dem  Claviere  zu  spielen 
weiss.  Eben  diesen  Abend,  in  Gegenwart  aller  ho- 
hen politischen,  militairischen  und  geistlichen  Stan- 
despersonen,  dann  der  Bürgerschaft  nnd  einer  auser, 
lesenen  Versammlung  der  akademischen  Liebhaber 
und  Professoren,  spielte  er  nebst  zwey  Symphonieen 
von  seiner  Compositum,  wovon  die  eine  die  Akade- 
mie erofFnete  und  die  andere  dieselbe  beschloss,  Con- 
certe,  Sonaten,  und  diese  mit  den  schönsten  Varia- 


Tonarten  wiederholte.  Er  sang  prima  vista  eine 
Arie,  welche  aus  lauter  von  ihm  niemals  gehörten 
Versen  bestand,  mit  richtigem  Accompagnement. 
Von  dem  Orchester  -  Directeur  wurden  ihm  zwey 
Gedanken  auf  der  Violine  angegeben,  worüber  er 
gleich  zwey  Sonaten,  eine  nach  der  andern  compo- 
nirte,  und  selbe  sehr  artig  in  der  Secund-  Stimme 
mitmachte.  Es  wurde  ihm  eine  Violin-Stimme  von 
einer  Symphonie  vorgelegt,  wozu  er  auf  der  Stelle 
die  andern  Stimmen  componirte.  Was  aber  uoch 
am  meisten  bewundert  wird,  ist,  dass  er  zur  näm- 
lichen Zeit  eine  Fuge  über  ein  ganz  einfaches  The- 
ma, welches  man  ihm  vorlegte,  componirte,  diese 
in  eine  meisterhaft  harmonische  Verbindung  brachte 
und  sie  wieder  so  leicht  auflös'te,  dass  Alle  von  der 
Akademie  darüber  erstaunen  mussten.  Alles  dieses 
produckte  er  auf  dem  Claviere.   Endlich  spielte  er 


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1  17'2 

» 

ein  Trio  von  einem  sehr  berühmten  Meister  nur  auf 
der  Violine  allein  unvergleichlich.  • 

Nach  verschiedenen  besonderen  Prüfungen^  wel- 
che unsere  Professoren  und  Meister  der  Musik  wäh- 

* 

rend  der  wenigen  Tage  seines  hiesigen  Aufenthalts 
mit  ihm  noch  vorgenommen,  fürchteten  sie  nicht  zu 
viel  zu  sagen,  wenn  sie  behaupteten,  dass  dieser  Jung- 
ling  nur  die  in  der  Musik  erfahrensten  Männer  zu 
beschämen  ihnen  geboren  zu  seyn  scheine,  welche 
Meinung  mit  der  eines  angesehenen  Gelehrten  von 
Verona  völlig  übereinstimmend  ist,  der  an  den  Se- 
cretair  hiesiger  philharmonischen  Akademie,  eben 
um  diesen  Hrn.  Wolfgang  anzuempfehlen,  schreibt: 
dass  er  eben  ein  "Wunderwerk  der  Natur  sey,  gleich- 
wie Terracinen,  die  Mathematiker  zu  demüthigen, 
und  Corillen,  die  'Poeten  zu  beschämen,  geboren 
worden  sind* 

•       *  ■ 

Er  reiset  mit  seinem  Hrn.  Vater,  Leopold  Mo- 
zart, welcher  ebenfalls  ein  Manu  von  Talent  und  ein 
angesehener  Kapellmeister  ist,  durch  ganz  Italien. 
Der  italienische  Boden,  der  doch  sonst  der  Sitz  des 
guten  Geschmacks,  besonders  in  dieser  Kunst  ist, 
wird  in  diesen  Zweyen  genug  zu  bewundern  finden. 

Die  Akademie  ist  also  sehr  glänzend  und  mit 
der  grössten  Zufriedenheit  ausgefallen,  da  überdem 
auch  noch  zwey  Arien,  ein  Duett,  ein  Concert  für 
die  Violine  und  eines  für  die  Oboe,  lauter  ausge- 
zeichnete Compositionen ,  von  Unserii  Meistern  da- 
zwischen aufgeführt  wurden. 

Der  Concertzettel  selbst  war  folgender : 


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173 
— — 

  Concert  -  Zettel. 

m  > 

Serie  delte  Compoaizioni  musiccili  da  eaeguirsi  nelt 
Accodemia  pubblica  Filarmonica  di  Mantova,  la  aera 

del  di  16.  del  corrente  Gennajo, L7*70. 
in  occaaione  dellct  venuta  deW  espertissimo  giovanetto 

Sign.  Amadeo  Mozart. 

*  ■ 

1.  Sinfonia  di  Compoaizione  d'eaao  Sign.  Amadeo. 

2.  Concerto  di  Gravecembalo  eaibitogli,  e  da  lui  eae- 

.„  .  ■ 
guito  aiF  improvviao.  •  v 

3.  Aria  d'un  Profeasora 

4.  Sonata  di  Cembalo  alt  improwiao,  eaegiiita  dal 
Giovine,  con  variazioni  analoghe  d'invenzione  aua 
e  replicata  poi  in  tuono  diverao  da  quello  in  cui 
e*  acritta.  • 

5.  Concerto  di  Violino  d'un  Profeaaore.  . 

6.  Aria  compoata, '  e  cantata  nelt  atto  atesao  dal  i 
Sign.  Amadeo  all'  improwiao,  co'  debiti  accom- 
pagnamenti  eaaeguiti  aul  Cembalo,  aopra  parole 
fatte  espressamente  $   ma  da  lui  non  vedute  in 
prima. 

7.  Altra  aonata  di  Cembalo  compoata  inaieme,  ed 
eaeguita  dal  medeaimo  aopra  un  motivo  muaicale, 
propoatogli  improwiaamente  dal  primo  Violino. 

8.  Aria  d'un  Profeaaore. 

9.  Concerto  d'Oboe  d'un  Profeaaore* 

10.  Fuga  muaicale,  compoata  ed  eaeguita  dal  Sign. 
Amadeo  aul  Cembalo,  e  condötta  a  compiuto  ter- 
mino  aecondo  le  leggi  del  Contrappunto ,  aopra 
un  aemplice  tema  per  la  medeaima,  preaentato- 
gli  all'  improwiao. 

11.  Sinfonia  dal  medeaimo,  concertata  con  tutte  le 

■ 

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parti  sul  Cembalo  sopra  una  sola  parte  di  Vio- 
lino  postagli  dinanzi  improwisamente. 

12.  Duetto  di  Professorin 

13.  Trio,   in  cui  il  Sign.  Amadeo  ne  sonerä  col 
Violino  una  parte  aW  improwiso. 

14.  Sinfonia  ultima  di  composizione  del  Suddetto. 

I   

Bey  derselben  Gelegenheit  verfasste  Signora  Sar- 
toretti  in  Mantua  folgendes  Gedicht: 

AI  Sign.  Amadöo  JVolfgango  Motzzart. 


Ana 


Genietti  lepidi, 
Genietti  gai, 
Qua  presto  rapidi, 
Ck>io  Vinvitai, 
Fate  Corteggio 
AI  dolcc  Arpeggio. 
No  non  ingannomi, 
Voi  siete  quellt 
Vezzosi  amabili 
Cortesi,  e  belli, 
Che  ä  Danze  liefe 


E  Grazie,  e  Veneri 
Vengon  con  Voi; 
Piacer  vi  deggiono 
I  preggi  suoi     ,  . 
Genietti  ei  v>amoy 
Suona  e  vi  chiamo. 

A  sei  bell»  indole 

Ai  capei  d'oro,  „ 
Quasi  uno  sembrami 
Del  vostro  coro : 
Come  furbetti 
Son  quelli  ochiettil 

Non  v>innamorano 
Le  Vermigliozze 


E  ritonduzzef 
Stiansi  librate 
I/ali  dornte. 
Non  v'innamorano 
Que>  vivi  accenti 
Che  in  note  or  languide 
Ora  vementi 

< 

i '  T  t  \  *  rr  ) 'r  **  fr  rr  #  <i      e  n />  C  C/l 

Kxvr gy "g, ff •  **  ** jjCo ö u 

Con  Felo  istesso? 
Vi  come  tremola 

Le  ditay  e  vibra, 
AI  docil  Cembalo 
Tenta  ogni  Fibra; 
E  a  Voi  fä  parte 
Dell*  agil  arte. 
Europa  videlo    ■ .  •  ■ 
In  fresca  etade 
Di  se  riempiere 
'    Le  sue  contrade? 
Guaj,  se  l'udiva 
\Za  Cipria  Diva: 
Dunque  ä  che  noiavi 
Tardaro  un  puoco? 
EUipub  accendervi  n 
Del  suo  bei  fuocoi  , 
Genietti  e  v'ama, 
U  e  vi 


I 


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« 


175 


Bsela 


Di  scelti  fiori 

Clie  i  pensier  torbidi  Le  tempie  teuere 

Da  Valma  obblia,  Intanto  onori , 

Che  desto  in  petto  Voi  giel  reccate 

L'astro,  e  l'affetto,  GeniJ,  e  n'andate. 

Tanto  dileitavi,      •  Di  me  tacceteli 

Ralegra ,  e  piacet  Qual  io  mt  sin, 

Frenate  il  eelero  Meai  pik  nobile 

Volo  fugace;  E  grata  sia 

Ma  nö,  se  udite,  Questa  Corona 

Piü  non  partite  Che  il  genio  dona. 


(Leopold  M.  Brief  No.  66.) 

■ 

Mailand,  den  3.  Febr.  1770. 

Wir  waren  gestern  in  der  Hauptprobe  der  neuen 
Oper  Cesare  inEgitto,  die  recht  gut  ist,  und  haben 
den  Maestro  Piccini  und  die  Madame  Piccinelli  ge- 
sehen und  gesprochen.  Der  Wolfg.,  der  sich  alle 
Tage  in  sein  gutes  eingewärmtes  Matraz  freut,  kann 
heute  nicht  schreiben,  weil  er  zwey  lateinische  Mo- 
tetten componirt  für  zwey  Castraten,  deren  einer 
15,  der  andere  16  Jahre  alt  ist.  Sie  haben  ihn  da- 
rum gebeten,  und  weil  sie  Cameraden  sind,  und  schön 
singen,  konnte  er  es  ihnen  nicht  abschlagen.  Ich 
habe  dieser  Tage  wieder  Etwas  in  den  Zeitungen 
gefunden,  wie  sie  uns  in  Bozolo  ordentlich  furgepasst 
haben.  —  —  —  — 

(Leopold  M.  Brief  No.  67.) 

Mailand,  den  10.  Februar  1770. 

/  -Da  der  Graf  Firmian  sich  nun  besser 

* 

befindet,  so  haben  wir  bey  seiner  Tafel  gespeiset. 
Se.  Excell.  verehrte  nach  der  Tafel  dem  Wolfg.  die 
Theile  der  Werke  des  Metastasio.    Es  ist  eine 


1  , 


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der  schönsten  Editionen,  nämlich  die  Turiner,  und 
sehr  schon  eingebunden«  Du  kannst  Dir  vorstellen, 
dass  diess  ein  sowohl  mir  als  dem  Wolfg.  sehr  an- 
genehmes Present  ist.  Der  Graf  ist  durch  die  Ge- 
schicklichkeit des  W.  äusserst  gerührt  und  distinguirt 
uns  mit  besonderer  Gnade  und  Vorzüglichkeit;  und 
es  würde  zu  weitläufig  seyn,  Dir  zu  erzählen,  was 
der  Wolfg.  in  Gegenwart  des  Maestro  Sammartino 
und  einer  Menge  der  geschicktesten  Leute  für  Pro- 
ben seiner  Wissenschaft  abgelegt  und  alle  in  Erstau- 
nen gesetzt  hat.  Du  weiss t  ohnedem,  wie  es  in  der- 
gleichen Fällen  geht:  Du  hast  es  oft  genug  gesehen. 
Wir?  haben  Gelegenheit  gehabt,  verschiedene  Kir- 
chenmusiken zu  hören;  unter  andern,  gestern  das 
Requiem  für  den  alten  Marquis  Litta,  welcher  zum 
Verdrusse  der  grossen  Familie  jetzt  im  Fasching  ge- 
storben  ist,  da  sie  ihm  doch  das  Leben  gerne  bis  in 
die  Fasten  gegönnt  hatte.  Das  Dies  irae  von  diesem 
Seelenamte  dauerte  gegen  drey viertel  Stunden;  um 
zwey  Uhr  Nachmittags  war  Alles  aus. 

* 

Du  musstDir  nicht  einbilden,  dass  ich  Dir  eine 
Beschreibung  der  hiesigen  Andachten  machen  werde ; 
ich  könnte  es  vor  Aergerniss  nicht  thun.  Alles  be- 
steht in  der  Musik,  und  im  Kirchenaufputz:  das 
Uebrige  ist  alles  die  abscheulichste  Ausgelassenheit« 

Der  Wolfg.  freut  sich  auf  einen  Brief.  

Nachschrift  ron  Wolfg.  A.  M.  (dessen  Briefe  No.  3.) 

Wenn  man  die  Sau  nennt,  so  kömmt  .sie-  gerennt. 
Ich  bin  wohl  auf,  Gott  Lob  und  Dank,  und  kann 
kaum  die  Stunde  erwarten,  eine  Antwort  zu  sehen. 
Ich  küsse  der  Mama  die  Hand,  und  meiner  Schwe- 


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177 

ster  schicke  ich  ein  Blattern  —  —  Busserl,  und 
bleibe  der  nämliche  aber  wer?  —  der  näm- 
liche Hanswurst  Wolfgang  in  Deutschland.  Amadeo 
m  Italiens                r       » •  '  •  •  » 

 :  .     •  MorzantinL 


(Leopold  J&'Brief  No.  G8.) 

Mailand,  den  17.  Februar  1770,  . 

Wir  sind  Gottlob!  beydo  gesund.  Dass,  wie 
Du  schreibst,  der  Winter  nicht  so  gefährlich  in  Ita- 
lien ist  wie  der .  Sommer,  will  ich  wohl  glauben. 
Allein  wir  hoffen,  Gott  werde  uns  erhalten.  Und 
wenn  man  seine  Gesundheit  nicht  durch  Unordnung 
und  überflüssiges  Fressen  und  Saufen  verdirbt,  auch 
sonst  keinen  innerlichen  Naturfehler  hat,  so  ist  Nichts 
zu  besorgen.  "Wir  sind  aller  Orten  in  der  Hand 
Gottes.  Mit  Essen  und  Trinken  wird  sich  der  Wolfg. 
nicht  verderben.  Du  weiss t,  dass  er  sich  selbst  mas- 
sig l,  und  ich  kann  Dich  versichern,  dass  ich  ihn 
noch  niemals  so  achtsam  auf  seine  Gesundheit  gese- 
heu  habe  als  in  diesem  Lande.  Alles ,  was  ihm  nicht 
gut  scheint,  lässt  er  stehen,  und  er  isst  manchen  Tag 
gar  wenig  und  befindet  sich  fett  und  wohl  auf  und 
den  ganzen  Tag  lustig  und  fröhlich. 

Eben  jetzt  war  der  Schneider  da  mit  Mänteln 
nndBajuten,  die  wir  uns  haben  müssen  machen  las- 
sen. Ich  sähe  mich  im  Spiegel  f  als  wir  sie  probir- 
ten,  und  dachte  mir:  nun  muss  ich  in  meinen  alten 
Tagen  auch  noch  diese  Narredey  mit  machen.  Denl 
Wolfg:  steht  es  unvergleichlich  an ,  und  da  wir  schort 
diese  närrische  Ausgabe  machen  mussten*  so  ist  mein 
Trost,  dass  man  es  zu  ^allerhand  andern  Sachen  wie- 

12 


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178 

der  brauchen,  und  wenigstens  zu  Kleid erfutter,  Für- 
tuch etc.  gebrauchen  kann.—  —  • 

Morgen  kömmt  der  Herzog  und  die  Prinzessin 
ron  Modena  zum  Grafen  Firmian,  um  Wolfg.  zu 
hören.  Abends  werden  wir  en  masque  in  die  Oper 
in  Galla  fahren,  nach  der  Oper  wird  der  Ball  seyn, 

und  dann  werden  wir  mit  unserm  sehr  guten  Freunde 

.        .  »  •*  * 

Sign.  Don  Ferdinando,  Haushofmeister  des  Grafen, 
nach  Hause  fahren.  Künftigen  Freytag  wird  Akade- 
mie fiir's  ganze  Publicum  seyn  5  dann  wollen  wir 
selicn ,  was  heraus  kömmt.  —  Viel  wird  in  Italien 
überhaupt  nicht  heraus  kommen.*  Das  einzige  Ver- 
gnügen ist,  dass  eine  mehrere  Begierde  und  Einsicht 

hier  ist,  und  dass  die  Italiener  erkennen,  was  der 

• »»    *  •  *  * 

Wolfg.  versteht.  Uebrigena  muss  man  sich  freylich 
meistens  mit  der  Bewunderung  und  dem  Bravo  be- 
zahlen lassen ,  wobey  ich  Dir  aber  auch  sagen  muss, 
dass  wir  mit  aller  nur  ersinnlichen  Höflichkeit  aller 
Orten  empfangen  und  bey  allen  Gelegenheiten  zur 
hohen  Noblesse  gezogen  werden.  Der  Wolfg.  lässt 
Ihro  Exc.  der  Gräfin  von  Arco  die  Hände  unterthä- 
nigst  küssen  und  dankt  für  den  geschickten  Kuss, 

der  ihm  viel  angenehmer  ist,  als  viele  junge  Busserl. 

...... 

Nach.chrift  Tön  Wolfg.  A.  M.  {dessen  Brief  No.  4.) 

•  •  •  • 

Da  bin  ich  auch,  da  habt's  mich:  Du  Mariandel, 
mich  freut  f$.  recht,  dass  Du  so  erschreckheh  —  — - 
Justig  gewesen  bist.  Dem  Kindsmensch,  der  Uraorl, 
aage,  dass  ich  immer  meyne,  ich  hätte  ihr  alle  Lie- 
der wieder  zurück  gestellt;  aber  allenfalls,  ich' hätte 
sie  in  den  wichtigen  und  hohen  Gedanken  nach  Ita- 
lien mit  wir  geschoben,  so  werde  ich  nicht  erman- 


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179 

geln,  wenn  ich  es  finde,  es  in  den  Brief  hinein  zu 
prägen«  Addio,  Kinder,  lebt's  wohl,  der  Mama  küsse 
ich  tausendmal  die  I  Tande ,  und  Dir  schicke  ich  hun- 
dert  Busserln  oder  fSchmazerln  auf  Dein  wunderbares 
Pferdgesicht,   Per  fare  ilfine,  bin  ich  Dein  etc. 

(Leopold  M.  Brief  No.  69.) 

•  *  •  j  : 

.«    Fiwching- Erch-  (Diens-)  Tag  1770. 

nun  vorbey:  sie  war  am 
Freytag.  Es  ging  wie  aller  Orten,  und  braucht  keine 
weitere  Erklärung.  Wir  leben  gesund,  Gott  sey 
gelobt!  und  wenn  wir  gleich  nicht  reich  sind,  so 
haben  wir  doch  immer  mehr  als  die  Noth wendigkeit. 
In  der  zweyten  Fastenwoche  werden  wir  mit  Gottes 
Hülfe  Mailand  verlassen,  und  nach  Parma  eehen.  In 
der  ersten  Woche,  will  Graf  Krmian  noch  qine  grosse 
Akademie  für  die  Damen  in  seinem  Hause  geben  $ 
und  es  sind  noch  ^andere  Sachen  auszumachen.  ■ 
Das  Unglück  des  Hrn.  von  Aman,  von  dem  Du 
schreibst,  hat  uns  nicht  nur  höchstens  betrübt f  son- 
dern dem  Wolfgi  viele  Thränen  gekostet:  Du  weisst, 
wie  empfindlich  er  ist.  —  —7  —  , 

Nachschrift  ton  Wolfg.  A.  M.  (dessen  Brfef  N*  &.) 

Und  ich  küsse  die  Mama  und  Dich.  Ich'  bin 
völlig  verwirrt  vor  lauter  Af&iren.  Ich  kann  un- 
möglich mehr  schreiben.  ;  '  #  ■ 

•    •       •  •*{'•••        >  '  Ihm  S        •  > 

(WoLCgf  AuMosart^flrief  No.  6.)     ,  ,,,, 

•       I.ii   .wV   '.         i\»r     den  5.  Mär«  1770.  , 
Cara  sorella  mia!  »  •  : 

Recht  vom  ganzen  Herzen  freut  es  mich,  dass 
Du  Dich  so  lustig  gemacht  hast.    Du  mögtest  aber 

12*  . 


1*0 

i 

k  • 

etwa  glaubten,  ich  hatte  mich  nicht  lustig  gemacht. 
Aber  Ja,  ich  könnte  ea  nicht  zahlen.  Ich  glaube  ge- 
wiss, wir  waren  sechs  oder  rieben  Mal  in  der  Oper, 
und  dann  in  den  feste  di  ballo,  welche,  wie  zu  . 
Wien,  nach  der  Oper  anfangen,  aber  mit  dem  Un- 
terschied ,  dass  zu  Wien  mit  dem  Tanzen  mehr  Ord- 
nung ist.  Die  facchinata  und  clucelierata  haben  wir 
auch  gesehen.  Die  erste  ist  eine  Maskerade,  welche  - 
schön  zu  sehen  ist,  weil  sich  Leute  anlegen  als  fac- 
chini  oder  als  Hausknechte,  und  da  ist  eine  barca 
gewesen,  worin  viele  Leute  waren,  und  viele  sind 
auch  zu  Fusse  gegangen.  Vier  oder  sechs  Chöre 
Trompeten  und  Paucken,  und  auch  etliche  Chöre 
Geigen  und  andere  Instrumente.  Die  clucelierata  ist 
auch  eine  Maskerade.  Die  Mailänder  heissen  chic- 
chere  diejenigen,  die  wir petits  mattres  heissen,  oder 
Windmacher  halt,  welche  denn  alle  zu  Pferde,  wel- 
ches recht  hübsch  war.  Mich  erfreut  es  jetzt  so, 
dass  es  dem  Hrn.  von  Aman  besser  geht,  als  wie  es 
mich  betrübt  hat,  wie  ich  gehört  habe,  dass  er  ein 
Unglück  gehabt  hat.  Was  hat  die  Madame  Rosa  für 
eine  Maske  gehabt?  Was  hat  der  Herr  von  Molk  . 
für  eine  gehabt?  Was  hat  Herr  von  Schidenhofen 
für  eine  gehabt?  Ich  bitte  Dich,  schreibe  es  mir, 
wenn  Du  es  weiss t:  Du  wirst  mir  einen  sehr  grossen 
Gefallen  erweisen.  Küsse  statt  meiner  der  Mama 
die  Hände  1000000000000  Male.  An  alle  gute  Freunde 
Complimente,  und  Dir  tausend  Complimente  von 
(wenn  Du  ihn  erwischest,  so  hast  Du  ihn  schon) 
wansten  derwischt,  so  hasten  schon,  und  von  Don 
Casarella,  absonderlich  von  hinten  her«.  — 

■  ■ 
# 

» 

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181 
■  ■  m 

i 

i  • 

(Leopold  M.  Brief  No.  70.) 

Mailand,  deu  i3.  Marx  1770. 
Zu  dem  Concert,  welches  gestern  im  Firnnani- 
schen  Hause  war,  hat  Wolfg.  drey  Arien  und  ein 
Recitativ  mit  Violinen  componiren  müssen:  und 
ich  war  gezwungen,  die  Violinpartes  selbst  heraus  zu 
schreiben,  und  dann  erst  verdoppeln  zu  lasson,  da- 
mit sie  nicht  gestohlen  werden.   Es  waren  über  150 
Personen  da  vom  ersten  Adel:  die  Hauptpersonen 
waren  der  Herzog,  die  Prinzessin  und  der  Cardinal. 
Zwischen  heute  und  morgen  wird  auch  noch  eine 
andere  Sacli«  ausgemacht.   Man  will  nämlich,  d;*ss 
der  "Wolfg.  die  erste  Oper  kommende  Weihnachten 
schreiben  soll.    Wir  haben  genug  zu  thun,  dass  wir 
auf  die  Charwoche  nach  Rom  kommen.    Du  weisst, 
dass  Rom  der  Ort  ist,  wo  man  sich  nothwendig  auf- 
halten muss.    Dann  kommen  wir  nach  Neapel,  so 
ist  dieser  Ort  so  beträchtlich ,  dass,  wenn  uns  nicht 
eine  scrittura,  die  Oper  in  Mailand  zu  machen ,  zu- 
rück zieht,  sich  leicht  eine  Gelegenheit  ereignen  kann, 
die  uns  den  ganzen  kommenden  Winter  allda  zurück- 
hielte.   Sollte  nun  aber  die  scrittura  gemacht  wer- 
den, so  wird  uns  das  Buch  gesclückt,  der  Wolfgang 
kann  die  Sache  ein  wenig  ausdenken,  wir  können  den 
Weg  über  Loretto  nehmen,  und  dann  in  Mailand 
wieder  seyn.   Und  da  der  Compositeur  nicht  länger 
verbunden  ist  zu  bleiben,  als  bis  die  Oper  in 
rteena  ist,  so  können  wir  alsdann  über  Venedig  nach 
Hause  gehen.    Ich  überlasse  Alles  der  Vorsehung 
und  Anordnung  Gottes. 

Morgen  speisen  wir  zum  Abschiede  mit  Sr.  Exc. 
welcher  uns  mit  Briefen  nach  Parma,  Florenz,  Rom 

f 


1 


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181 

Neapel  versieht  Ich  kann  Dir  nicht  beschreiben, 
wie  gnädig  er  uns  die  ganze  Zeit  unseres  Aufent- 
halts begegnet  ist.  — 

Nachschrift  ron  Wolfg.  A.  M.  (deweu  Brief  No.  7.) 

Ich  empfehle  mich  und  küsse  die  Mama  und 
meine  Schwester  Millionen  Male  und  lebe  gesund, 
Gott  sey  Dank*  Addio, 

Das  Mutterland  der  Musik,  Italien,  drückte  also 
auch  diesen  ihren  Sohn  an's  warme  Herz.  Selbst  der 
sonst  feste  Nationalstolz  und  das  Vorurthcil  der  Ul- 
tramontaner  machten  dem  Ruhme  des  zwölfjährigen 
Genius  Platz,  der  dem  Olymp  entsandt  schien,  um 
Anthusa's  Mauern  mit  Amphions  Leyer  zu  beleben« 
Nachdem  er  in  Mailand  grossen  Beyfall  im  Firmian- 
ischen  Hause  eingeerntet  und  auch  Verschiedenes 
dort  componirt  hatte,  reis'ten  Beyde,  nachdem 
Wolfgang  zuvor  noch  die  Scrittura  zur  ersten  Oper 
für  das  Carneval  1771  in  Mailand  erhalten  und  zu 
Lodi  Abends  im  Wirthshause  ein  Quartett  compo- 
nirt, hatte,  im  März  1770  weiter  nach  Bologna.  Dort 
fand  Mozart  einen  enthusiastischen  Bewunderer  an 
dem  grossen  Conträpunctisten,  Pater  Maestro  Martini. 
Dieser  war  nebst  anderen  Kapellmeistern  ganz  ausser 
sich,  als  ihm  der  dreyzehnjährige  Mozart  über  jedes 
Fugenthema,  welches  Martini'  ihm  hinschrieb ,  die 
dazu  eehöriee  Iii  dos  ta  nach  dem  Riirore  modi  angab 
und  die  Fuge  augenblicklich  auf  dem  Qaviere  aus- 
führte« Hierüber  und  über  den  Aufenthalt  in  Bo- 
logna schreibt  der  Vater  selbst  umständlicher: 

> 


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1*3 

;  ■ 
(Leopold  M.  firief  No.  71.) 

.  Bologna,  d«n  a4.  Mari  1770. 

Heute  angelangt.  Wir  sind  gesund,  und  leben 
der  Hoffnung ,  Gott  werde  uns  gesund  erhalten.  Wir 
werden  über  vier  Tage  nicht  bleiben,  in  Florenz  ,  . 
fünf  bis  sechs.  Folglich  sind  wir  mit  Gottes  Hülfe 
in  der  Charwoche  in  Rom  und  sehen  sicher  die  funo- 
tiones  am  grünen  Donnerstage  u.  s.  w. 

Die  Scrittura  oder  der  schriftliche  Contract  we- 
gen der  Oper,  die  Wolfg.  machen  soll,  ist  gemacht, 
und  gegen  einander  ausgewechselt.   Es  kömmt  jetzt 
nur  auf  die  Erlaubniss  unseres  Fürsten  an,  die  ich 
nachgesucht  habe.  Wir  bekommen  100  Gigliati  und 
freye  Wohnung.    Die  Oper  fängt  in  den  Weih- 
nachtstagen an.    Die  Recitative  müssen  im  October 
nach  Mailand  geschickt  werden,  und  den  lsten  No- 
vember müssen  wir  in  Maüand  seyn,  dass  der  Wolfg. 
die  Arien  schreibt.   Die  Prima  und  Seoonda  Donna 
sind  die  Signora  Gabrielli  und  ihre  Schwester,  der 
Tenor  Signor  Ettore,  dermalen  U  Cavaliere  Ettore, 
weil  er  einen  gewissen  Orden  trägt.    Die  Ucbrigea 
sind  noch  nicht  bestimmt.    Die  Gabrielli  ist  in  ganz 
Italien  als  eine  erstaunlich  hochmüthige  Närrin  be- 
kannt, die  nebst  dem,  dass  sie  all'  ihr  Geld  ver- 
schwendet, die  närrischsten  Streiche  machL  Wir 
werden  sie  unterwegs  antreffen.    Sie  kömmt  -von 
Palermo,  und  dann  werden  wir  sie  wie  eine  Königin 
ehren  und  recht  hoch  erheben  >  dann  kommen  wir 
in  Gnaden.    In  Parma  hat  uns  die  Signora  Guari, 
oder  sogenannte  Bastardina  oder  Bastardella  zum 
Speisen  eingeladen,  und  hat  uns  drey  Arien  gesun- 
gen.  Dass  sie  bis  ins  C  sopra  acuto  soll  hinauf  sin-? 

t 

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gen,  war  mir  nicht  zu  glaube»  möglich:  allem  die 
Ohren  haben  mich  dessen  überzeugt.  Die  Passagen, 
die  der  WoLfg.  aufgeschrieben,  waren  in  ilirer  Arie, 
und  diese  sang. sie  zwar  etwas  stiller,  als  die  tiefern 
Töne,  allein  so  schön  wie  eine  Octavin- Pfeife  in  ei- 
ner Orgel.  Kurz  die  Triller  und  Alles  machte  sie 
sa,  wie  Wolfgang  es  aufgeschrieben  hat:  es  sind  die 
nämlichen  Sachen  von  Note  zu  Note.  Nebst  dem 
hat  sie  eine  gute  Alt- Tiefe  bis  ins  G.  Sie  ist  nicht 
schön,  doch  auch  nicht  eben  garstig,  hat  zu  Zeiten 
mit  den  Augen  einen  wilden  Blick,  wie  die  Leute, 
die  der  Fraiss  (Convulsionen)  unterworfen  sind,  und 
hinkt  mit  einem  Fuss.  Sonst  hat  sie  eine  gute  Auf- 
führung, folglich  einen  guten  Charakter  und  guten 
Namen. 

Der  Graf  Firmian  hat  dem  Wolfg.  eine  Taba- 
tiere,  in  Gold  gefasst,  und  in  derselben  20  Gigliati 
'     verehrt.  —  —  —  —  — 

■ 

(Wulfg.  A.  Moiart'i  Brief  Nu.  8.) 
•      '  a4.  Mär«  1770. 

O  Du  Fleissige  Du! 

Weil  ich  gar  so  lange  faul  war,  so  habe  ich  ge- 
dacht, es  schadete  nicht,  wenn  ich  wieder  eine  kurze 
Zeit  flcissigwäre.  Alle  Posttage ,  wann  die  deutschen 
Briefe  kommen,  schmeckt  mir  das  Essen  und  Trin- 
ken  viel  besser.  Ich  bitte,  schreibe  mir,  wer  bey 
den  Oratorien  singt  Schreib'  mir  auch,  wie  der  Ti- 
tel von  den  Oratorien  heisst.  Schreibe  mir  auch,  wie 
Öir  die  Haydirschen  Menuette  gefallen,  ob  sie  besser 
ab  die  erstem  sind.  Dass  Herr  von  Aman  wieder 
gesund  ist,  freut  mich  von  Grund  meines  Herzens: 


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1HÜ 

ich  bitte  Dich,  sage  ihm,  er  soll  sich  wohl  in  Obacht 
nehmen;  er  soll  keine  starke  Commotion  machen. 
Sage  es  ihm,  ich  bitte  Dich,  Aber  sage  ihm  auch, 
dass  ich  so  oft  an  Dich  denke,  wie  wir  zu  Trieben- 
bach Handwerker  gespielt  haben,  und  da  er  durch 
den  Schrettbeutel  und  durch  das  Ischmachen,  den 
Namen  Schrattenbach  (Name  des  Fürst- Erzbischofs 
von  Salzburg)  vorstellte.  Und  sage  ihm  auch:  dass 
ich  so  oft  daran  denke,  da  er  oft  zu  mir  gesagt 
hatte  folgende  Worte :  Wollen  wir  uns,  vertheilen  ? 
„und  da  ich  ihm  allezeit  antwortete:  Wie  z'wieder! 
Aufs  nächste  werde  ich  Dir  ein  Menuett,  welchen  Mr. 
Pick  auf  dem  Theater  tanzte,  schicken,  und  welchen 
dann  in  feste  di  hallo  zu  Mailand  alle  Leute  tanzten, 
nur  damit  Du  daraus  siehst,  wie  langsam  die  Leute 
tanzen.  Der  Menuett  an  sich  selbst  ist  sehr  schön. 
Er  ist  natürlich  von  Wien,  also  gewiss  von  Teller 
oder  von  Starzer.    Er  hat  viele  Noten.  Warum? 

« 

weil  es  ein  theatralischer  Menuett  ist,  der  langsam 
geht.  Die  Menuette  aber  von  Mailand  oder  die  wäl- 
schen  haben  viele  Noten,  gehen  langsam  und  viel 
Takte.  Z.  B.  der  erste  Theil  hat  16,  der  zweyte 
20  auch  24  Takte.  — . 

/  Zu  Parma  lernten  wir  eine  Sängerin  kennen, 
und  hörten  sie  auch  recht  schön  in  ihrem  eigenen 
Hanse,  nämlich  die  berühmte  Bastardella,  welche 
i)  eine  schöne  Stimme,  2)  eine  galante  Gurgel,  3)  eine 
unglaubliche  Höhe  hat.  Folgende  Töne  und  Passagen 
hat  sie  in  meiner  Gegenwart  gesungen: 

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IM 


Nota.   Ursprünglich  im  Sopranschlüssel  geschrieben. 


(Leopold  M.  Brief  No.  73.) 

Bologna,  den  27.  Märs  1770. 

Gestern  war  bey  dem  Feldmarschall  Grafen  Pal-  ' 
lavicini  ein  Concert,  dazu  der  Cardinal  und  die  erste 
Noblesse  eingeladen  waren.  Du  kennst  den  Grafen 
Carl  v.  Firmian  (er  war  aus  Salzburg)  5  ich  wünschte, 
dass  Du  auch  den  Grafen  Fallavicini  kennen  inöch- 
test.  Diess  sind  ein  Paar.  Cavaliere,  die  in  allen 
Stücken  gleiche  Denkungsart ,  Freundlichkeit,  Gross- 
muth,  Gelassenheit  und  eine  besondere  Liebe  uikJ 
Einsicht  in  alle  Gattungen  der  Wissenschaften  be- 
sitzen. Kaum  hörte  Letzterer,  dass  ich  in  der  hei- 
ligen Woche  in  Rom  einzutreffen  wünschte,  so  sagte 
er,  er  wolle  trachten,  es  sö  einzurichten,  dass  er  am  1 
folgenden  Tage  das  Vergnügen  haben  könne,  diesen 
jungen  ausserordentlichen. Virtuosen  nicht  nur  zu  hö- 
ren, sondern  auch  dem  ersten  Adel  dieser  Stadt  das 
nämlichor  Vergnügen  zu  verschaffen.  Der  berühmte 
Pater  Martino  ward  auch  eingeladen,  und  obwohl  er 

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187  ' 

1 

f  ' 

sonst  niemals  in  ein  Concert  geht,  kam  er  dennoch. 
Das  Concert,  wobcy  150  Personen  zugegen  waren, 
fing  um  halb  acht  Uhr  an  und  dauerte  bis  halb  zwölf 
Uhr,  weil  die  Noblesse  keinen  Aufbruch  machte. 
Die  Signori  Aprile  und  Cicognani  sangen* 

Was  mich  sonderheitlich  vergnügt,  ist,  dass  wir 
hier  ungemein  beliebt  sind,  und  dass  der  Wolfgang 
hier  noch  mehr  bewundert  wird,  als  in  allen  andern 
Städten  Italiens,  weil  hier  der  Sitz  und  Wohnplatz 
ron  vielen  Meistern,  Künstlern  und  Gelehrten  ist. 

'  Hier  ist  er  auch  am  stärksten  versucht  worden,  und 

diess  vergrössert  seinen  Ruhm  durch  ganz  Italien, 
weil  der  Pater  Mar tino  der.  Italiener  Abgott  ist  und 
dieser  mit  solcher  Verwunderung  von  dem  Wolfg. 

r  spricht  und  alle  Proben  mit  ihm  gemacht  hat.  Wir 

haben  den  Pater  Martino  zwey  Mal  besucht  und  je- 
des Mal  hat  der  Wolfg.  eine  Fuge  ausgeführt,  da- 
von der  Pater  Martino  nur  den  Ducem  oder  la  Guido. 
mit  etlichen  Noten  aufgeschrieben  hat*  Wir  haben 
den  Cavaliere  Broschi  oder  sogenannten  Sign.  Fari- 
nelli  auf  seinem  Gute  ausser  der  Stadt  besucht.  Wir 
haben  die  Spagnoletta  hier  gefunden,  die  in  der  Oper, 
«die  im  May  gespielt  wird,  prima  donna  seyn  wird, 
anstatt  der  Gabrielli,  die  noch  in  Palermo  ist  und 
die  Bologneser,  angesetzet  hat. 

\  Noch  haben  wir  hier  den  Castraten  Manfredini 

ange  tr o  ff en ,  der ,  von  Russland  kommend,  bey  uns 
in  Salzburg  war. 

Wir  sind  in  dem  htituto  gewesen.  Was  ich 
da  Alles  gesehen  habe,  übertrifft  das  Museum  Bri- 
tannicum.  Denn  hier  sind  nicht  nur  die  Natur -Sel- 
tenheiten, sondern  Alles,  was  nur  immer  Wie- 


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1*8 

t 

senschaft  heisst,  gleich  einem  Lexikon  in  schö- 
nen Zimmern  reinlich  und  ordentlich  verwahrt  zu 
sehen;  Du  würdest  erstaunen.  Von  Kirchen,  Male- 
reyen, schöner  Baukunst  und  Einrichtung  verschie- 
dener Palläste  will  ich  gar  nichts  sagen. 

Wegen  des  Pferdes  hast  Du  nicht  die  mindeste 
Meldung  zu  machen.  Wer  meine  Sache  ohne  mein 
Wissen  und  Willen  verschenkt,  »wird  mir  solche 
mit  etwas  Besserm  ersetzen,  wenn  er  ein  Cavalier 
i#t,  der  nicht  anders  als  edel  denken  kann.  Meine 
Freunde  werden  mir  verzeihen,  dass  ich  ihnen  nicht 
schreibe.  Kommabit  aliquando  Zeitus  bequemus 
schfieibendu  Nunc  Kopffus  meus  aemper  voUus  est 
multis  Gedanlibus.  —  


Von  Bologna  reis'tcn  sie  nach  Florenz,  wo  dio 
fiewunderung  besonders  dadurch  stieg,  dass  der  dor- 
tige Musik -Director,  Marchese  Ligneville,  ebenfalls 
ein  starker  Contrapunclist,  dem  jungen  Künstler  die 
schwersten  Fugen  und  Themata  vorlegte,  die  er  so- 
gleich vom  Blatte  spielte. 

(Leopold  M.  Brief  No.  73.) 

Floren*,  den  5.  April  1770. 
Den  30«  März  angelangt.  Den  i.  April  gingen 
wir  zu  dem  Grafen  Rosenberg,  der  uns  gleich  vor- 
liess,  . obwohl  fünfzig  Personen  im  Vorzimmer  waren, 
weil  wir  einen  Brief  vom  Grafen  Firmian  hatten, 
und  weil  er  schon  durch  den  Grafen  Joseph  Kauniz, 
der  mit  uns  beym  Grafen  Pallavicini  gespeis't  hatte, 
von  uns  Nachricht  hatte«  Rosenberg  schickte  uns 
gleioh  nach  Hofe  zum  Duca  Salviati,  mit  Vermelden, 

9 


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189 

dass  er  uns  dem  Grossherzoge  vorstellen  sollte*  Der 
Grossherzog  war  ungemein  gnädig  und  fragte  nach 
der  Nannerl;  er  sagte,  seine  Frau  wäre  seh*  begie- 
rig, den  Wolfgang  zu  hören.  Er  sprach  eine  gute 
Viertelstunde  mit  uns. 

Den  2ten  April  wurden  wir  naoh  dem  Schlosse 
ror  der  Stadt  abgeholt  und  blieben  bis  nach  10  Uhr. 
Die  Sache  ging  wie  gewöhnlich,  und  die  Verwunde- 
rung war  um  so  grösser,  da  der  Marquis  Ligneville, 
der  Musik -Director,  der  stärkste  Contrapunctist  in 
ganz  Italien  list  und  folglich  dem  Wolfg.  die  schwer- 
sten Fugen  •  vorgelegt  und  die  schwersten  Themata 
aufgegeben  hat,  die  der  Wolfg.,  wie  man  ein  Stück 
Brod  isst,  weggespielt  und  ausgeführt  hat«  Nardini 
accompagnirte.  Heute  gehen  wir  zu  Manzuoli.  Der 
Castrat  Nicolini,  der  mit  dem  Guadagni  zu  Wien 
war,  ist  auch  hier.  '.  :  »•..'%.., 
•  Ich  bin  sehr  betrübt,  dass  wir  am  Freytage  schon 
abreisen  müssen,  um  in  Rom  einzutreffen.  Ich 
wünschte,  dass  Du  Florenz  selbst  und  die  ganze  Ge- 
gend und  Lage  der  Stadt  sehen  könntest:4  Du 'wür- 
dest sagen,  dass  man  hier  leben  und  sterben  soll. 
Ich  werde  in  diesen  Paar  Tagen  Alles  sehen,  was 
zu  sehen  ist.  —  —  —  .u  : 


In  Florenz  machte  Mozart  noch  die  Bekanntschaft 
eines  jungen  Engländers,  Thomas  Liridley,  eines  Kna- 
ben von  vierzehn  Jahren  ,  also  mit  ihm  von  gleichem 
Alter.  Dieser  war  ein  Schüler  des  berühmten  Nar- 
dini und  spielte  sein  Instrument  mit  einer  bezau- 
bernden Fertigkeit  und  Lieblichkeit.  Diese  Bekannt- 
schaft, die  zwischen  diesen  beyden  bewunderten  Kna- 


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190 

ben  ein  liebliches  Bild  des  Erkennens  und  Wieder- 
findens verwandter  Geister  ist,  erreichte  gar  bald 
einen  hohen  Grad  von  Zärtlichkeit;  ihre  Freund- 
4  schaft  war  nicht  bloss  Knaben -Anhänglichkeit,  son- 
dern Zärtlichkeit  zweyer  tieffühlender,  übereinstim- 
mender Seelen:  sie  achteten  sich  als  Künstler  und 
benahmen  sich  wie  Männer«  Daher  war  ihnen  die 
Trennung  auch  so  bitter. 

•  Burney,  in  seinem  Tagebuche  seiner  musikaliT 
sehen  Reise,  erwähnt  des  Tomasino  Lindley  als  ge^- 
schickten  Künstlers,  und  auch  der,  wie  er  sie  nennt, 
übernatürlichen  Fähigkeiten  des  jungen  Deutschen 
(Mozart's),  da  er  zu  dieser  Zeit  mit  Beyden  zugleich 
in  Verschiedenen  Städten  Italiens  war.     ;  . 

•  Vater  und  Sohn  Mozart  reis'ten  von  Florenz 
wieder  ab  und  kamen  am  H.  April  in  Rom  an,  von 
welcher  Reise  und  ihrem  Aufenthalte  in  Rom  uns 
des  Vaters  und  des  Sohnes  Briefe  Folgendes  erzählen. 

(Leopold  M.  Brief  No.  74.) 

Rom,  den  i4.  April  1770. 
Am  Uten  angelangt.    In  Viterbo  sahen  wir  die 
heil»  Rosa,  die,  so  wie  die  heil.  Catharina  di  Bologna, 
in  Bologna  unverwesen  zu  sehen  ist.  Von  der  ersten 
haben  wir  Fieberpulver  u.  Reliquien,  von  der  zweyten 
einen  Gürtel  als  Andenken  mitgenommen.  Am  Tage 
unserer  Ankunft  gihgen  wir  schon  nach  St.  Peter  in 
die  Capetta  Sixti,  um  das  Miserere  in  der  Mette  zu 
hören.  Am  12ten  naben  wir  die  Functiones  und,  da 
der  Papst  bey  der  Tafel  den  Armen  aufwartete,  ihn  so 
nahe  gesehen,  dass  wir  oben  an  neben  ihm  standen.* 
Unsere  gute  Kleidung,  die  teutsche  Sprache  und  mei- 
ne gewöhnliche  Freyheit,  mit  welcher  ich  meinen 


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m  teutscner  opracne  aen  genarnisciiteii 
Schweizern  zurufen  Hess,  dass  sie  Platz  machen  soll- 
ten* halfen  uns  aller  Orten  bald  durch.  Sie  hielten 
den  Wolfgang  für  einen  teutschen  Cavalier,  Andere 
gar  für  einen  Prinzen ,  und  der  Bediente  liess  sie  im 
Glauben:  ich  war  für  seinen  Hofmeister  angesehen, 
Eben-  so  gingen  wir  zur  Tafel  der  Cardinale.  Da 
begab  fes  sich,  dass  Wölfgang  zwischen  die  Sessel 
zweyer  Cardinale  zu  stehen  kam,  deren  einer  der 
Cardinal  Pallavicini  war 5  dieser  gab  dem  Wolfgang 
Wink ,  und  sagte : ,  Wollten  Sie-  nicht  die  Guto 
n,  mir  im  Vertrenen  zu  sagen,  wer  Sie  sind. 
Wolfg.  sagte  es  ihm.  Der  Cardinal  antwortete  ihm  mit 
der  grössten  Verwunderung :  Ey  sind  Sie  der  berühmte 
Knabe,  von  dem  mir  so  Vielem  geschrieben  worden 
ist?  Auf  dieses  fragte'  Ihn  Wolfgang:  Sind  Sie  nicht 
der  Cardinal  Pallavicini?  Der  Cardinal  antwortetet 
der  bin  ich  5  warum?  vDer  Wolfg.  sagte  ihm  dann, 
dass  wir  Briefe  an  Se.  Eminenz  hätten,  Und  unsere 
Aufwartang  machen  wurden.  Der  Cardinal  bezeugte 
ein  grosses  Vergnügen  darüber,  sagte,  dass  Wolfg. 
gut  italienisch  spräche,  und  setzte- hinzu':  ick  kan 
auk  ein  benig  deutsch  sprekken.  Als  wir  weg  gingen 
küsste  ihm  Wolfgang  die  Hand,  und  der  Cardinal 
nahm  das  Baret  Vom  Haupt,  und  machte^  ihm  ein 
sehr  höfliches  Compliment.  »•  " 

Du  «w«isk,  dass  das  hiesige  berühmt*  Miserere 
so  hoch  geachtet  ist,  dass  den  Musitis  der  Kap  eile 
unter  der  Excomrnunication  verboten  ist,  eine  Stim<-# 
me  davon  aus  der  Capelle  wegzutragen,  zu  copiren 
oder  Iemanden  zu  geben.  *  Allein,  wir  haben  es 
schon.    Wolfg.  hat'  es  schon  aufgeschrieben ,  und 


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I 

■  • 

192 
■  ■  ■  ■■ 

wir  würden  es  iu  diesem  Briefe  nach  Salzburg  ge- 
schickt haben,  wenn  nicht  unsere  Gegenwart,  nra 
es  zu  machen,  nothwendig  wäre.  Die  Art  der  Pro- 
'  duction  muss  mehr  dabey  tliun  als  die  Composition 
selbst.  Wir  indessen  wollen  es  auch  nicht  in  andere 
Hände  lassen,  dieses  Geheimniss,  ut  non  incurrtmus 

St.  Peterskirche  haben  wir  schon  rechtschaffen  durch- 
gesucht, und  es  soll  gewiss  Nichts  unbeobachtet  blei- 
ben, was  zu  sehen  ist.  Morgen  werden  wir,  wenn 
Gott  will,  Se.  Heiligkeit  pontificiren  sehen.  Nach 
den  Functionen,  am  Montage,  werden  wir  anfangen 
unsere  20  Empfehlungs  -  Schreiben  abzugeben.  So 
froh  ich  bin,  dass  ihr  nicht  mit  uns  gereist  seyd, 
so  leid  ist  mir,  dass  ihr  alle  die  Städte  Italiens >  be- 
sonders Rom,  nicht  sehet.  Ich  rathe  Dir  noch  ein- 
mal Kaysslers  Reisebeschreibung  zu  lesen.  Wir  sind 
durch  den  Abbate  Marcobruni  in  einem  Privathause 
abgestiegen,  müssen  aber,  um  empfangen  zu  können, 
eine  ansehnlichere  Wohnung  nehmen.  Wo Lfg.  be- 
findet sich  cut.  und  schickt  einen  Contratanz.  Er 
wünscht,  dass  Hr.  Cyrillus  Hoßnann  *)  die  Schritte  dazu 
componiren  möchte,  und  zwar  möchte  er,  dass,  wenn 
die  zwey  Violinen  als  Vorsänger  spielen,  auch  nur 
zwey  Personen  vortanzen,  und  dann  allezeit ,  so  oft 
die  ganze  Musik  mit  allen  Instrumenten  eintritt,  die 
ganze  Compagnie  zusammen  tanze.  Am  schönsten 
wäre  es,  wenn  es  mit  fünf  Paar  Personen  getanzt 
würde.  Das  erste  Paar  fangt  das  erste  Solo  an,  das 
zweyte  tanzt  dass  zweyte  und  so  fort,  weil  fünf 
Solo  und  fünf  Tutti  sind. 

•)  Dieser  war  ab  T;mEmei*ter  am  Hofe  xu  Salzburg.  ■  :  • 


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193 


Nun  kömmt  die  Zeit,  die  mir  die  meiste  Un- 
ruhe macht,  weil  die  Hitze  kömmt«  Doch  sagt  mir 
Jedermann,  das«  Neapel  unvergleichlich  mehr  Luft 
hat,  und  viel  gesünder  als  Rom  ist*  Ich  werde  also 
alle  mögliche  Vorsicht  brauchen,  sonderheitlich  we- 
gen der  Malaria,  unsere  Rückreise  ohne  Lebensge- 
fahr anzustellen.  Bittet  fleissig  den  lieben  Gott  für 
unsere  Gesundheit:  an  uns  wird  es  nicht  fehlen, 
denn  ich  kann  Dich  versichern,  dass  wir  alle  mög- 
lichste Sorge  haben,  und  der  Wolfg.  so  Acht  auf 
seine  Gesundheit  hat,  als  wäre  er  der  erwachsenste 

Mensch.    Gott  erhalte  euch  gleichfalls  gesund!  — , 

•»  • 

•  i 

»  •     •  •  i 

Wolfg.  A.  Mozart's  Nachschrift.   Brief  No.  9. 

_X i-- 1 1     1)1  Ii  j         oLt    *I"_jOlj     11 1 1  cl    T-3(tlllv  %     llt-l^iSt  ITlC-llK^l 

miserablen  Feder,  gesund  und  küsse  die  Mama  und 
die  Nannerl  tausend,  oder  1000  MaU  Ich  wünschte 
nur,  dass  meine  Schwester  zu  Rom  wäre,  dpnn  ihr 
würde  «iiese  Stadt  gewiss  Wohlgefallen,  indem  die 
Peterskirche  regulär,  und  viele  andere  Sachen  zu 
Rom  regulär  sind.  Die  schönsten  Blumen  tragen  sie 
jetzt  vorbey;  den  .  Augenblick  sagte  es  mir  der  Papa. 
Ich  bin  ein  Narr,  das  ist  bekannt.  O  ich  habe  eine 
Noth.  In  unserm  Quartier  ist  nur  ein  Bett.  Das 
kann  die  Mama  sicli  leicht  einbilden,  dass  ich  bev 
dem  Papa  keine  Ruhe  habe*  Ich  freue  mich  auf  das 
neue  Quartier«  Jetzt  habe  ich  just  den  heij.  Petrus 
mit  dem  Schlüsselamt,  den  heiligen  Paulus  mit  dem 
Schwert,  und  den  heil.  Lukas  mit  meiner  Schwester 
etc.  etc.  abgezeichnet.  Ich  habe  die  Ehre  gehabt,  des 
heil.  Petrus  Fuss  zu  S.  Pietro  zu  küssen,  und  weil 

13 


I 


„194 

ich  dasÜügliick  habe,  so  klein  zu  seyn,  so  hat  man  ' 
midi  als-  den-näralichen  allen  •  •  . !"  "  ■ 

.   »  '*•'-  -       *       Wolfgang  Mozart 

hinauf  gehoben,  .!.;;:.*:«.  ■ 

•  »  ■      i     »  •  . 

•  •    •  •  ■  •  i  ■  , 

•  •  • «  * 

.         -  .    (Loop.ojd  1%  Brief  No.  7$.)  ; 

:   i  .!.    Rom,  den. ai.  April  1770.  ,; 

-Wir  haben  hier  den.  Mr.  Beckfort  getroffen,  der 
uns  bey  der  Lady  Effingham  in  London  kannte. 
Wir  wohnen  jetzt-  im  Hause  des  Päpstlichen  Couriers 
Uslinghi.  Die  Frau  und  die  Tochter  wissen  nicht 
genug,  wie  sie  uns  bedienen  sollen.  Der  Mann  ist 
in  Portugall,  und  sie  sehen  uns  als  Herren  vom 
Hause  an.  Es  sind  bereits  Nachrichten  von  unserer 
Anwesenheit  in  Bologna  und  Florenz  zu  lesen ;  allein 
ich  mag  dergleichen  Sachen  nimmer  einschicken. 
J:::r:je::tiefer  wir  in  Italien  hinein  kommen,  desto 
menr  wäfchst  Mio  Verwunderung.  Wolfg.  bleibt  mit 
semer  ^"Wissenschaft  auch  nicht  stehen,  und  wächst 
von  Tage- zu  Tage  so,  dass  die  grössten  Meister  und 
Kenner  nicht  Worte  finden,  ihre  Bewunderung  an 
den  Tag  zu  legen.  Vor  zwey  Tagen  waren  wir  bey 
einem  Neapolitanischen  Prinzen  S.  Angelo,  gestern 
bey  dem  Prinzen  Ghigi ,  wo  der  sogenannte 
(Plnghitterra  oder  Prätendent,  und  der  Staatssecretair 
Cardinal  Pallavicim  waren.  Wir  werden  bald  Seine* 
Heiligkeit  vorgeführt  werden. 

Aber  ich  habe  t)ir  noch  eine  artige  Begebenheit 
zu  schreiben.      «•   . •      •  ...  .  ..r< 

In  Florenz  fanden  wir  einen  jungen  Engländer, 
welcher  ein  Schüler  des  berühmten  Nardini  ist.  Die- 
ser Knabe,  welcher  wunderschön  spielt,  und  in  Wolf- 

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I 


195 

gangs  Grösse  und  Alter  ist,  kam  in  das  Haus  der 
gelehrten  Poetin  Sign.1  Corilla,  wo  wir  uns  auf  Em- 
pfehlung  des  Mi-.  Laugier  befanden.  >  Diese  zwey 
Knaben  producirten  sich  wechselweise  den  ganzen 
Abend  unter  beständigen  Umarmungen.  Den  andern 
Tag  liess  der  kleine  England  er,  ein  allerliebster  Kna- 
be, seine  Violine  zu  uns  bringen,  und  spielte  den 
-ganzen  Nachmittag,  \Vplfg.  accosnpagnirte  ihm  auf 
der  Violine.  Den>Tßg  darauf  sppisten  wir  bey  Mr. 
öaoard,  Administratdr  "der  "Grossherzogl.  Finanzen, 
und  die-  zWey  Knaben  spielten  den  ganzen  Nachmit- 
tag wechselweise ,  nicht  als  Knaben,  sondern  als  Mäm 
ner.  Der  kleine  Tommaso  begleitete  uiaa  nach  Hause, 
und  weinte  die  bittersten  Thrarten,  wedl  wir  den 
Tag  darauf  abreisen  sollten.  Da  er  aber  vernalim, 
dass  unsere  Abreise  erst  auf  den.  Mittag  festgesetzt 
sey,  so  kam  er  Morgens  um  neun  Uhr,  und  gab 
dem  Wolfg.  unter  vielen  Umarmungen  iblgende  Poe-i 
sie,  die  die  Sign.:  Gorilla  den  Abend  vorher  hatte 
machen  müssen,  und  dann  begleitete  er  nnsern  Wa- 
gem<bis.  zum  Stadtthore.  Ich  wünschte,  dass  Du  diese 
Scciie  gesellen:  hättest.  .:  10   >*  / 

•i  ."•  '"2  •.   '•'«  .„.i.,  ,;,.d     .  *"    i!  '  m- . 

•  .  <-..••  • 

Per  Iß  partenza  clel  'Sgr.  fV..  A.  Mozart 

da  £  Lr  enze. 

Da  poi  che  il  fato  ff  ha  da  me  divifüit 

io  non  fb  che  seguirti  col  pensiero,  , 
ed  in  pianto  cangai  la  gioja'e  il  ' ri«o%' 
ma  in  mezza  al  pianto rivedetä  .#••  sper*. 

QueJla  dolce  armonia  di  pa^adiso  ■ 

che  ha  un  cstasi  d'amor  mi  apr\  il  sentfero, 
mi  rimona  fiel  ttrtr,1  e  d>  improwso  * 
mi  porta  in  cielo  a  contemplare  il  vetf*.  . 

13* 


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Oh  lieto  giorno  t   O  fortunato  ist  mite 

in  cui  ti  vidi  e  attonito  ascoltai 

e  della  tua  virtü  divenni  amante ! 
Voglian  Ii  •  Dei  che  dal  tuo  cuor  giammai 

non  mi  diparta !    lo  ti  amero  costante 

emul  di  tua  virtu  de  ognor  mi  avrau. 

In  aegno  di  sincera  »tima  ed  affetto 
Tommas  o  Linier, 

m  ™  ■  I 


(Wolf g.'  Amad.  Mozart's  Brief  No.  10.) 

Rom,  den  21.  April  1770.  *■ 

Cara  sorella  mial 
■\  Ich  bitte  Dich,  Du  wirst  die  Künste -von  dei- 
Rechenkunst  finden,  denn  Du  hast  sie  selbst  aufge- 
schrieben, und  ich  habe  sie  verloren,  und  weiss  also 
Nichts  mehr  'davon.  Also  bitte  ich  Dich,  sie  mir 
zu  copiren,  nebst  andern  Rechenexempeln,  und  mir. 
sie  her  zu  schicken. 

Manzuoli  steht  im  Contrapt  mit  den  Mailändern, 
bey  meiner  Oper  zu  singen.  Der  hat  mir  auch  dess- 
wegen  in  Florenz  vier  oder  fünf  Arien  gesungen, 
auch  von  mir  einige,  welche  ich  in  Mailand  compo- 
niren  habe  müssen,  weil  man  gar  nichts  von  thea- 
tral.  Sachen  von  mir  gehört  hatte,  um  daraus  zu 
sehen,  dass  ich  fähig  bin,  eine  Oper  zu  schreiben. 
Manzuoli  ■  begehrt  1000  Ducaten.  Man  weiss  auch 
nicht,  ob  die  Gabrielli  sicher  kommen  wird.  Einige 
sagen,  es  wird  die  de'  Amicis  singen,  welche  wir  in 
Neapel  sehen  werden.  Ich  wünschte,  dass  sie  und 
Manzuoli  recitirten.  Da  waren  nun  zwey  gute  Be- 
kannte und  Freunde  von  uns.  Man  weiss  auch  nocli 
nicht  das  Buch.  Eins  von  Metastasio  habe  ich  dem 
Don  Ferdinando  und  dem  Herrn  von  ^Troyer  re- 
commandirt»  •  • 

1 

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I 


0 


197 

—   > 

Jetzt  habe  ich  just  die  Arie:  seardire  e  speranza 

I 

An  Leopold  Mozart/ s  Gattin;  " 
Madame! 

Sino  dai  primi  del  presenle  anno  ammirb  questa 
nostra  Cittä  nella  pregiatissinia  persona  de  Ama- 
deo  PVolJgango  Mozart,  di  Leifiglio,  un  portento, 
si  pub  dire,  di  Natura  nella  Musica,  giacche  tarte 
aficora  non  potea  esercitare  il  suo  uffizio,  se  pure 
non  avesae  con  questo  prevenuta  la  tenera  etä  sua, 

Tra  gli  ammiratori  io  lo  fui  al  certo,  mentre 
qualche  diletto  avendomi  sempre  recato  la  Musica, 
e  per  quanto  abbia  ne  miei  viaggi  di  questa  inteso, 
ne  posso  far  quel  giudizzio  che  spero  non  sia  fal- 
lace;  ma  di  si  raro  e  portentoso  Giovane  e  certa- 
mente  giustissimo  ,  tanta  avendone  voncepita  stima 
clie  lo  feci  al  naturale  ritrarre  coli*  iscrizione  ri- 
coppiata  sul  fine  della  cantata,  che  Gli  sara  grade- 
vole  di  leggere.  —  La  dolce  sua  ejffigie  mi  £  di 
conforto,  ed  altre  si  di  eccitamento  a  ripr ender c 
qualche  fiata  la  musica  per  quanto  le  publice  e  pri- 
vate occupazioni  me  lo  permettano,  non  avendo  perb 
mai  perdute  le  traccie  del  S'-  Amadeo  e  S*--  Leopoldo 
anuibilissimo  suo  padre,  avendone  da  Mantova,  Mi- 
lan o  ed  ultimamente  da  Firenze  avute  con  piacere 
notizie  del  loro  stato  ed  universale  riportato  ap~ 
plauso,  come  fra  poco  da  Roma  sarb  per  avere> 
dove  allespiu  illustri  persone  Ii  ho  giä  diretti. 

—  Io  non  faccio  die  risvegliare  a  Lei,  o  Ma- 
damnut, quel  piacere  die  provb  quando  ancor  piu 
tenero  nelle  prime  Citßä  d'Europa  lo  condusse  seco 


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t 

p 


I 


colla  portentosa  flglia,  che  fa  il  soggetto  delle  vir- 
tuose universali  ammiraziom ,  oeme  lo  e  Egli  pre- 
sentemente,  Quanto  io  stimo  l'uno  e  l' ultra,  lo  pub 
da  questu  'itiitt  rilevare  e(f  in  consequenza  quanto 
abbia  in  prezio  i  suoi  genitori,  che  con  si  atterita 
educazione  coltivati  abbiano  ei  rari  talenti,  che  loro 
poi  recata  avenda  ei  esuberante  compiacenza,  ancora 
universale  ne  apportarono  al  Mondo  l'ammirazione. 

.  Degni  aggradir.e  tai  sentimenti,  che  nascono  da 
buon  aniniOy  vera  stirna ,  giacche  a  cid  fare  sommh- 
nistra  Voccasione  l'adempire  all*  impegno  contraUo 
c°l  ßgti°  di  far  gli  tenere  due  pezzi  di  JMjisica,  da 
lui  venduti  presso  di  me  in  quey  momcnti,  che  sog- 
giornb  meco,  i  quali  lw  io  fatti  ricopiare  occib  Ii 
gradisca  e  se  ne  serva  pienamente. 

Finisco  augurandole  ogni  mag'  felicitä  e  cosl 
alla  sua  prtgiam<**  famiglia,  nel  mentre  con  sincera 
divota  stirna  mi  dichiaro  « 

di  Madama 

Verona,  divolmo-  olbligtmo'  tervidore 

ss.  Aprlü  ,77o.  Pietro  Lugiati.  *) 

« 

*   ■  (Wolfg.  Amad.  Moaart's  Brief  No.  11.) 

a5.  April  1770. 

Card  sorella  mial 
Io  vi  accerto,  che  io  aspetto  con  una  incfedibile 
premura  tutte  le  giornate  di  posta  qualche  lettera 
di  Salisburgo,  Jeri  fummo  a  S.  Lorenzo,  e  sen- 
timmo  il  Vespero ,  e  oggi  niatina  la  messa  cantata, 
e  la  sera  poi  il  secondo  vespero,  perchi  era  la  festa 


*)  General -Einnehmer  In  Venedfg,  von  dem  in  den  Briefen  oft 
die  Rede  war. 


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della  Madonna  dal  Buonconfiglio.  Quevti  giorni 
fiumnp  nel  Campidoglio  o.viddemmo  varie  helle  cose. 
Se  io  voUssi  scrivere  tutto  quelche  viddi,  npn  baste- 
rebbe  qucsto  fogliettoi  In  due  Accudtmic  buunai ,  c 
domani  suonero  anche  in  una.  —  Subito  dopo  pran- 
so  giuochiamq  a  Potsch.  Quesio  e  uri  giuoco  che 
imparai  qui  quando  verro  a  casa,  ve  l'imparerb. 
Finita  questa  lettera  finirb  una  sinfonia  mia,  che 
cominciai,  Varia  e  finita,  una  sinfonia  e  dal  co- 
pista  {il  quäle  6  il  mio  padre)  perchet  noi  non  la 
vogliamo  dar  via  per  copiarla;  altriniente  ella  sa- 
rebbe rubatai  • 

Roma  caput  mündig  TV o If  ga  ngo,  in  .Germania, 
ü      JpriU  anno  i77p,      Jmadeo  Mozart  injtatia. 

ndl'  anno  venturo  1771. 

Hinten  wie  vorn  und  in  <3er  Mitte  doppelt. 

■••■*#«  ,i  i« 

,    (Leopold  M.  BriefNo,  7G.)  .  .  I  . 

,     Rom,-  den.  28.  April  177». 

Wir  waren  bey  der  Principessa  Barbarini,  wo 
wir  den  Prinzen  Xaver  von  Sachsen,  auch  den  Prä- 
tendenten abermals  antrafen;  heute  sind  wir  bey  dem 
Ambassadeur  von  Malta.  Morgen  hat  uns  der  Duca 
di  Bracciano  zur  Akademie  des  Duca  Altems  (Hohen 
Ems)  eingeladen.  Montag  speisen  wir  bey  den  Au- 
gustinern. Am  May  wollten,  wir  mit  Qottes 
Hülfe  mit  dem  Procacciö  nach  Neapel  reisen,  wo 
wir  schon  Wohnung  bestellt  haben.  Die  Wege  sind 
sehr  unsicher:  ich  gehe  nicht  weg,  bis  ich  weiss, 
dass  Sicherheit  ist,  und  mit  dem  Procacciö  ist  man 
in  einer  grossen  Compagnie.  Wolfg.  befindet  sich, 
Gottlob!  gesund;  nur  hat  er,  wie  gewöhnlich,  ein 
wenig  Zahnweh  auf  einer  Seite. 


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t 


■  200 

i  "  r 

NtS.  von  Wolfg.  Am  ad.  Mozart  (dessen  Briefe  No.  12). 

Meine  Schwester  küsse  ich  ins  Gesicht,  und  der 
Mama  die  Hände.  loh  habe  noch  keine  Scorpionen 
und  Spinnen  gesehen:  man  redet  und  höret  gar  nichts 
davon.  Die  Mama  wird  wohl  meine  Schrift  kennen. 
Schreibe  die  Mama  mir'*  geschwinde,  denn  sonst 
setze  ioh  meine  Namen  her. 

(Leopold  M.  Brief  No.  77.) 

Rom,  den  a.  May  1770. 

Du  willst  wissen,  ob  Wolfgang  noch  singt  und 
geigt.  Er  geigt,  aber  nicht  öffentlich.  Er  singt,  aber 
nur  allzeit,  wenn  man  ihm  einige  Worte  vorlegt. 
Er  ist  etwas  gewachsen.  Wir  haben  Gelegenheit, 
mit  4  Augustinern  naoh  Neapel  zu  reisen.  Ich  hoffe, 
Gott  ^werde  Dich  und  die  Nannerl  gesund  erhalten, 
und  uns  gesund  nicht  nur  nach  Neapel,  und  dann 
wieder  zurück ,  sondern  auch  seiner  Zeit  glücklich 
nach  Hause  kommen  lassen.  In  Neapel  halten  wir 
uns  etwa  fünf  Wochen  auf.  Dann  über  Loretto  nach 
Bologna  und  Pisa,  und  dorten  die  grösste  Hitze  an 
einem  Orte  auswarten,  der  am  kühlsten  und  gesun- 
desten ist.  Heute  haben  sich  Herr  Meissner,  der 
aus  Neapel  augekommen  ist,  und  Wolfgang  im  deut- 
schen Collegium  producirt. 

N.S.  von  Wolfg.  Amad.  Moeart  (f.essen  Briefe  No.  i3). 

Ich  bin  Gott  Lob  und  Dank  gesund,  und  küsse 
der  Mama  die  Hand,  wie  auch  meiner  Schwester 
das  Gesicht,  Nase,  Mund,  Hals,  und  meine  schlechte 
Feder.  » 

m 

  1  ■ 


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10i 


Da  sich  Wolfgang  das  Miserere  nach  genauem 
Anhören  zu  Mause  aufgeschrieben  hatte,  hielt  er  spä- 
ter, als  dieses  Miserere  am  Charfreytage  wieder  ge- 
geben wurde,  sein  Manuscript  im  Hute,  um  noch 
einiges  berichtigen  zu  können.  Dieses  wurde  in  Rom 
bald  bekannt  und  erregte  allgemeines  Aufseilen.  Es 
gab  Gelegenheit,  dass  Mozart  sein  nachgeschriebenes 
Stück  in  einer  Akademie  beym  Claviere  singen  musste, 
wobey  der  Castrat  Christofori,  der  es  in  der  Kapelle 
gesungen  hatte,  zugegen  war,  und  welcher  durch 
sein  Erstaunen  Mozart's  Triumph  documentirte.  Man 
darf  nur  bedenken,  welche  Anstrengung  es  kostet, 
eine  einfache  Melodie  zu  behalten,  um  hier  in  zwei- 
felndes Erstaunen  zu  sinken!  Dieses  lange  kritische, 
Choralstück,  und  noch  dazu  zweychörig,  voller  Imi- 
tationen und  Repercussionen,  ewig  wechselnd  im 
Einsetzen  und  Verbinden  der  Stimmen  unter  einan- 
der «—  welche  Kenntniss  des  reinen  Satzes,  des  Con~ 
^(^^m^st^^s  ^  xi  1 1 i  fei *s  >s  g n  ( >s       d  tt  ^  J 1 1 1 1 1  >s >s  ^  ^^^^^Ic^Jli, 

ein  Ohr,  welchen  allumfassenden  Tonsinn  erforderte 
dieser  in  seiner  Art  einzige  musikalische  Diebstahl! 

In  Rom  verweilten  sie  bis  zum  8.  May,  von  wo 
sie  dann  nach  Neapel  reis'ten. 

(Leopold  M.  Brief  No.  78,) 

•  »  • 

Neapel,  den  19.  May  1770. 

Wir  sind"  den  8.  May  in  Gesellschaft  dreyer 
anderer  Sedien  oder  zweysitzigen  Wagen  von  Rom 
abgereist,  haben  zu  Marino  im  Augustiner  Kloster 
Mittagsmahl  genommen,  und  sind  den  Uten  zu  Sessa 
abermals  in  einem  Augustiner  Kloster  über  Nacht 
wohl  bewirthet  worden,  am  i^ten  in  Capua  bey  den 


202 

■  ■  Ml  ■  H  * 

Augustinern  angelangt,  uud  wollten  Abends  in  3Sea- 
pel  seyn.  Allein  es  fügte  sich,,  dass.  den  Sonnlag 
darauf,  den  13teu,  die  Einkleidung  einer  Dame  in 
dem  Kloster  vor  sich  gehen  sollte,  wo  einer  meiner 
Reisegefährten,  Pater  Segarelli,  vor .  einigen  Jahren 
Beichtvater  war.  Er  sollte  also  dieser  Einkleidung 
bey wohnen,  und  bat 

die  Einkleidung.  Ausser  den  nächsten  Verwandten 
war  Niemand  zur  Mittagstafel  in  dem  Frauenkloster 
eingeladen,  als  wir. 

Schon  am  i2ten  langte  ein  Kapellmeister  sammt 
drey  bis  vier  Wagen  mit  Virtuosen  an,  die  gleich 
durch  Symphonien  und  ein  Salve  Regina  den  Anfang 
der  Feyerlichkeit  machten1.  Alle  diese  Virtuosen 
wohnten  in  dem  nämlichen  Augustiner  Kloster.  Am 
l4ten  kamen  wir  hier  an.  Wir  wohnten  zwey  Nächte 
in  einem  Hause,  das  dem  Kloster  der  Augustiner 
a  S.  Giovanni  Carbonaro  gehört.  Jetzt  sind  wir  in 
einer  Wohnung,  wo  wir  monatlich  vier  Salzburger 
Ducaten  bezahlen.  Gestern  fuhren  wir  vergebens 
nach  Portici,  um  dem  Minister  Marquis  Tanucci  auf- 
zuwarten. Abends  besuchten  wir  den  englischen  Ge- 
sandten Hamilton,  unser n  Bekannten  aus  London, 
dessen  Frau  ungemein  rührend  das  Ciavier  spielt, 
und  eine  sehr  angenehme  Person  ist.  Sie  zitterte, 
da  sie  vor  dem  Wolfg.  spielen  sollte. 

Am  löten  haben  wir  bey  Baron  Tschudy  ge- 
speisst,  der  uns  unzählige  Mal  geküsst  und  seine 
Dienste  angetragen  hat. 

*  ■ 

Wenn  die  Portraite  gut  gemacht  sind ,  magst  Du  , 
bezahlen,  was  Du  willst.  .  .. 


* 


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203  . 

i   — — 

.    ,  IWolfg.  A»ad.  Mourt't  Brief  No.  i4J  .  . 

Neapel,  den  19.  Waj  1770. 

•     C  S.  M. 

■  Vi  prego  di  acrivermi  presto  e  futti  i  giorni 
di  posti  .  Io  vi  ringrazio  di  avermi  mandato  queati 
Rechenhistorie,  e  vi  prego,  sa  niai  volete  avere  mal 
di  testa,  di  mandarmi  ancora  un  poco  di  queati 
Künste.  Perdonate  mi  che  scrivo  ai  malamente,  vui 
la  razione  i  perchö  anche  io  ebbi  un  poco  mal  di 
testa.  Der  12te.  Menuett  von  Haydn,  den  Du  nur 
geschickt  hast,  gefällt  mir  recht  wohl,  und  den  Bass 
hast  Du  unvergleichlich  dazu  coinpoiiirt,  und  ohne 
mindesten  Fehler*  Ich  bitte  Dich,  probire  öfter  sol- 
che Sachen. 

Die  Mama  soll  nicht  vergessen,  die  Flinten  alle 
beyde  putzen  zu  lassen.  Schreibe  mir,  wie  es  dem 
Herrn  Canari  geht.  Singt  er  noch?  Pfeift  er  noch? 
Weiss t  Du,  warum  ich  auf  den  Canari  denke?  Weil 
in  unserm  Vorzimmer  einer  ist,  welcher  ein  G'seis 
macht,  wie  unserer.  A  propoa,  der  Herr  Johannes 
wird  wohl  den  Gratulations- Brief  empfhngen  haben, 
den  wir  haben  schreiben  wollen.  Wenn  er  ihn 
aber  nicht  empfangen  hatte ,  so  werde  ich  ihm  schon 
selbst  mündlich  sagen  zu  Salzburg,  was  darin  hätte 
stehen  sollen.  Gestern  haben  wir  unsere  neuen  Klei- 
der angezogen;  wir  waren  schön  wie  die  Engel.  An 
die  Nandl  meine  Empfehlung,  und  sie  soll  fleissig 
für  mich  beten.  Den  30ten  wird  die  Oper  anfangen, 
welche  der  Jomelli  componirt.  Die  Königin  und  den 
König  haben  wir  unter  der  Messe  zu  Portici  in  der 
Hof  kapeile  gesehen,  und  den  Vesuvius  haben  wir 
auch  gesehen.    Neapel  ist  schön,  ist  aber  volkreich 


wie  Wien  und  Paris.  Und  von  London  und  Neapel, 
in  der  Impertinenz  des  Volkes,  weiss  ich  nicht,  ob 
nicht  Neapel  London  übertrifft ;  indem  hier  das  Volk, 
die  Lazzaroni,  ihren  eigenen  Obern,  oder  Haupt  ha- 
ben, welcher  alle  Monate  25  Durati  d'argento  vom 
Ftönig  hat,  um  nur  die  Lazzaroni  in  einer  Ordnung 
zu  halten.  • 

Bey  der  Oper  singt  die  de  Amicis.  Wir  waren 
bey  ihr.  Die  zweyte  Oper  componirt  Caffaro;  die 
dritte  Ciccio  di  Majo,  und  die  vierte  weiss  man  noch 
nicht.  Gehe  fleissig  nach  Mirabell  in  die  Litaneyen, 
und  höre  das  Regina  coeli  oder  das  Salve  Regina, 
und  schlaf  gesund  und  lass  Dir  nichts  Böses  träumen. 
An  Hivvon  Schideuhofen  meine  grausame  Empfeh- 
lung tralaliera,  tralaliera.  Und  sage  ihm,  er  soll 
den  Repetiter- Menuett  auf  dem  Cla viere  lernen,  da- 
mit er  ihn  nicht  vergessen  thut.  Er  soll  bald  darzu 
thuu,  damit  er  mir  dio  Freude  thut  machen,  dass 
ich  ihm  einmal  thue  accompagniren.  An  alle  andere 
gute  Freunde  und  Freundinnen  thue  meine  Empfeh- 
lungen machen,  und  thue  gesund  leben,  und  thue 
nit  sterben,  damit  Du  mir  noch  kannst  einen  Brief 
thun,  und  ich  Dir  hernach  noch  einen  thue,  und 
dann  thuu  wir  immer  so  fort,  bis  wir  was  hinaus 
thun,  aber  doch  bin  ich  der,  der  will  thun,  bis 
es  sich  endlich  nimmer  thun  lässt.  Indessen  will 
ich  thuu  bleiben 

W.  M. 

(Leopold  M.  Brief  No.  79.) 

Neapel,  deu  22.  May  1770. 

Gestern  waren  wir  bey  der  Kaiserl.  Gesandtin, 
Gräfin  Kauniz,  geborner  Fürstin  von  Oellingen.  — 


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205 

« 

Die  Marquise  Tanucci  schickte  gestern  ihren  Haus- 
hofmeister zu  mir,  und  Hess  mir  melden,  dass  der- 
selbe jederzeit  zu  meinem  Befehle  wäre,  uns  aller 
Orten  herum  zu  führen,  und  uns  alle  Seltenheiten 
zu  zeigen.  Diess  ist  eine  Distinction,  die  Jedermann 
in  Verwunderung  setzt,  da  dieser  Minister  eigenüich 
König  ist,  und  sehr  hoch  gehet.  Die  Opera  huffa 
ist  hier  sehr  gut.  Die  alte  Principessa  Belmonte  sah 
uns  da,  und  machte  uns  viele  Complimente,  obwohl 
unsere  Loge  von  der  ihrigen  weit  entfernt  war.  — 

•  mm 

*  •  «  » 

N.  S.  von  Wolfg.  Amnd.  Mozart  (dessen  Briefe  No.  i5). 

Ich  bin  Gott  Lob  und  Dank  gesund,  und  küsse 
der  Mama  die  Hände,  und  alle  Beyde  küsse  ich  zu 
tausend  Mal. 

•      i*  ■  • 
■  » 

(Leopold  M.  Brief  No.  80.) 

Neapel,  den  a6.  May  17*0. 

Die  Aussichten  und  Seltenheiten  Neapels  hoffe 
ich  Dir  in  Kupfer  zu  bringen ,  wie  ich  sie  schon 
von  Rom  habe.  .... 

Am  Montag  wird  eine  Akademie  seyh,  die  die 
Gräfin  Kauniz,  Lady  Hamilton,  Principessa  Bel- 
monte, Principessa  Francavilla,  Duchessa  Calabritta, 
veranstalten ,  und  die  uns  glanblich  150  Zechinen  ein- 
bringen wird.  Wir  haben  aber  auch  Geld  nöthig; 
denn  gehen  wir  fort,  so  haben  wir  eine  lange  Reise, 
ohne  Etwas  einzunehmen.  Bleiben  wir  hier,  so 
müssen  wir  fünf  Monate  aushalten.  Freylich  hier 
wir  immer  unsere  Nothwendigkeit  einnehmen. 

Dass  ich  Dir  nichts  ausfuhrlich ers  von  Rom  ge- 
schrieben habe,  hat  «feine  Ursachen,-  Du  wirst  Alles 
umständlich  hören. 


Die  Frau  Hagenauer  wird  wohl  zu  Reiten  ein 
Vater  Unser  für  uns  betenw  "Es  thut  wirklieh  •  Noth* 
denn  wir  beten  nicht  gar  vieL  /•< 

.  )        (Leopold  M.  Brief  No.  Ii.)         ^  . 
,  .  t   .   "   ,  .  ;  .Ne.apel,  deaag.  Waj  1770.. 

Gestern)  hatten  wir  unsere  Akademie,  diu  sehr 
.  gut  ausfiel»   Morgen  kommt  der  Hof  in  die,  Stadt, 
um  des  Königs  rSfaraensfesfc mit  Opern  t  icwzu.feyern. 

-  -  "Wenn  «wir  den  löten  von  hier  reisen ,  so  gehen 
wir  bis  nach  Marino,  wo  wir  im  Augustinerkloster 
absteigen.  J)et  Pater  Prior  allda  hat  sich 's  ausge- 
beten.  Er  will  mit  uns  nach  Gcnzano,  um  uns  das 
wunderlhatige  fiild  Maria  von  guten  Rath  zu 
zeigen.  Wir  können  dann  eine  "Woche  bey  unseren 
Freunden  in  Rom  bleiben;  und  dann  unsere  Reise 
nach  Lorefte"  antreten.  In  Rom  habe  ich  für  Kost 
und  Zimmer  keinen  Kreuzer  bezahlt.  Ich  war  gänz- 
lich Herr  vom  Hause,  und  da  die  Frau  sich  über 
keine  Bezahlung  erklären  wollte,  so  werde  ich  nun 
bey  der  Rückkunft  Etwas  kaufen,  und  der  Tochter 
ein  ansehnliches  Präsent  machen. 

Wenn  ■  wir  nun  die  besagte  Zeit  abreisen,  so 
werden  wir  am  Ende,  so  zu  sagen,  ganz  Italien  ge-  ' 
sehen  haben,  denn  wir  werden  von  den  Gegenden 
über  Loretto  hinaus,  wo  es  uns  einfallt,  nach  Bo- 
logna  oder  Florenz,  Pisa,  Lucca,  Livorno  u.  s.  w. 
gehin,  die  heissen  zwey  Monate  an  dem  bequemsten 
dieser  Orte  zubringen,  und  glaublich  über  Genua 
nach  Mailand  kommen.  Wenn  Wolfg.  nicht  schon 
die  Scrittura'  zur  Oper  in  Mailand  hatte,  so  würde 
er  sie  zu  Bologna,  Rom  und  Neapel  bekommen  ha- 

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» 


•J07 


ben:  sie  ist  iiim  an  allen  diesen  drey  Orten  angetra- 
gen worden.  Ungeachtet  die  Hitze  jetzt  nicht  sehr 
stark  ist,  werden  wir  ziemlich  schwarz  nach  Hause 
kommen,  denn  diu  Luft  bringt  es  mit  sich;  1)ü 
weisst,  dass  Wöl fg.  sich  immer  wünscht,  brünett 
zu  seyn.  Er  kann  die  Post  tage  kaum  erwarten  y  und 
bittet  Dich,  Du  sollst  die  Woche  zu  Zeiten  zwey? 
Mal  schreiben,  sonderheitlibhy  wenn es 'etwas  Neues 

Der  Vcsuvius  hat  mir  das  Vergnügen  noch  nicht 
gemacht,  sich  brennend  oder  vielmehr  feuerspeyend 
zu  zeigen»    Wir  werden  ihn   dieser  Tage  naher* 

■.'(1  fauv 


!•  •  • 


*      »4  •  • 


•  •  • 


•  •  •••».' 


•  t 


< 


(Wolfg,  A.  Mozart'*  Bx\ei  No.  x6.) 
..y'i   3  j-  Nea;aeJri4eu  a9.  May  i77p. 


•  *  *»  .1  *»,..' 


Jert  Vattto  fmimo  nella  prova  deW  opera  det 
Sign.  Jomelli ,Ma  qnide  e  una  opera  che  4  ben  sdritta 
e  che  me  piace  veramente.  II  Sign,  Jomelli'  ei  ha 
parlati  ed  ern  molto  citdle.  E  fummo  anche  in  una 
chiesa  a  aentir  una  Musica  la  quäle  fü  del  SigW. 
Ciccio  de  Majo,  ed  era  una  betlissima  Musica*  Anr- 
eite lui  ci  parlo  ed  era  molto  compito.  La  Signora 
De  Amicia  cantb  a  meraviglia*    Stiamo  Dio  grazia 


bene  di  salute,  particolarmente  io,  qitandwvene 
una  lettera  di  Salisburgo.  Vi  prego  di  acrivermi 
tutti  giorni  di  pesta,  e  tre  anelie  non  avete  hiente 
da  ecrivermi,  solamente  porre:  averlo  per  aver  qual- 
che  lettera  tutti  giorni  di  posta.  Egli  non  Rar r ebbe 
mal  fatto,  ae  voi  mi  acriveste  quakhe  volta  una  hei- 


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iLeopold  M.  Brief  No.  82.) 

Neapel,  den  5.  Juny  1770. 
Unser  Concert  ist  sehr  gut  abgelaufen,  aber  vom 
Hofe  kann  ich  Dir  noch  Nichts  schreiben.  Die  Prin- 
cipessa  Francavilla  hat  uns  auch  ein  schönes  Präsent 
gemacht,  und  wir  haben  zu  noch  ein  paar  Kleinig- 

  ■ 

leiten  Hoffnung,  -  » 

Du  wirst  übel  zufrieden  seyn,  dass  ich  Dir  un- 
sere Einnahme  nicht  umständlicher  schreibe.  Ich 
thue  es  darum  nicht,  weil  man  in  Salzburg  nur 
die  Einnahme  ansieht,  und  auf  die  Ausgabe  nicht 
denkt,  und  wenige  wissen,  was  Reisen  kostet«  Es 
wird  Dir  genug  seyn,  dass  wir  an  Nichts,  Gottlob I 
Mangel  haben,  was  immer  uns  nothwendig  ist,  unsere 
Reise  mit  aller  Ehre  fortzusetzen.  Bey  allen  Kut- 
schen werden  Abends  die  Plambeaux  auf  der  Spazier- 
tour angezündet,  um  eine  Art  von  Illumination  zu 
machen.  Da  wir  täglich  mitfahren ,  und  allezeit  durch 
einen  herrschaftlichen  Wagen  bedient  werden,  so 
haben  wir  allezeit  zwey  Flambeaux.  Der  herrschaft- 
liche Bediente  hat  sein  Flambeau ,  un^unser  Bediente 
das  Unserige.  Auf  der  Promenade  grüsst  I.  M.  die 
Königin  uns  allezeit  mit  ganz  besonderer  Freundlich- 
keit. Am  Pfiugstsonntage  waren  wir  bey  dem  gros- 
sen Balle,  den  der  franz.  Gesandte  wegen  Vermäh- 
lung des  Dauphins  gab,  durch  zwey  Billete  einge- 
laden. . 

Mein  Entschluss  ist  noch,  den  l6ten  mit  den 
Procaccio,  oder  glaublicher,  wenn  ich  . eine  gewisse 
Sedia  bekomme,  mit  dem  kaiserlichen  Gesandten 
Graf  Kauniz,  per  posta  am  2 Osten  nach  Rom  zu 
reisen.  —  • 


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 ^^^^fc^  

Ich  kann  mich  nicht  genug  wundern ,  dass  in 
Salzburg  Alles  theuer  wird.  Man  denkt  dort  halt 
nicht  daran,  dass,  wenn  das  System  in  einer  Sache 
ändert , .  man  darauf  bedacht  seyn  muas,  auf  einer 
andern  Seite  ein  System  zu  formiren ,  so  dass  sich 
das  Ganze  in  seinem  nöthigen  Gleichgewichte  er- 
hält.  ..     .  ..  . 

(W°Ifg.  Amad.  Mozart'a  Brief  No.  17.) 

t  •  •  « .  •     •  1  • 

.  Neapel,  den  5.  Jnny  1770. 

c.  s.  M. 

Heut  raucht  der  Vesuvius  stark.  Potz  Blitz  und 
ka  nent,  aini.   Haid  homa  gfresa  beym  Herr  Doli. 
Dos  is  a  deutscha  Compositör  und  a  brawa  Mo. 
Anjetzo  beginn'  ich  meinen  Lebenslauf  zu  beschrei- 
hen.   Alle  9  ore,  qualche  volta  anche  alle  dieci  mi 
sveglio,  e  poi  andiamo  fuor  di  casa,  e  poi  pranzia- 
mo  da  un  trattore,  e  dopo  pranzo  scriviamo,  e  poi 
sortiamo,  e  indi  venia  im  > ,  rna  che  cösa?    AI  giorno 
di  grosso,  un^nezzo  pollo  owero  un  piccolo  boccone 
d'arrostoi  al  giorno  di  magro,  un  piccolo  pesce;  e 
di  poi  andiamo  a  dormire.   Est-ce  que  V pus  apez 
compris?    Redma  dafir  soisburgarisch,    don  as  is 
gschaida.  Wir  sand  Gottlob  gesund ,  da  Voda  und  i. 
Ich  hoffe,  Du  wirst  Dich  auch  wohl  befinden,  wie 
auch  die  Mama.  Neapel  und  Rom  sind  zwey  Schlaf- 
städte.  A>  scheni  Schrift  1  Net  wor?    Schreibe  mir 
und  sey  nicht  so  faul.    AHrimente  avrete  qualche 
eist*  ffirfät      Ii c.  /  t ^ et  1  ^ i \ r*  $  */t  ^£  C^X^ä^^*^Xj  Iti  f  ( fc  > 
Ich  freue  mich  schon  auf  die  Porträte,  und  i  bi  ko- 
lios,  wias  da  gleich  sieht  5  ^ons  ma  gfoin,  so  los  i 
mi  un  den  Vodan  a  so  macha.   Mädli,  las  Da  saga, 

14 


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210 

wo  bist  dan  gwesa,  he?   Die  Oper  hier  ist  von  Jo- 

•  •  ... 

melli;  sie  ist  schön,  aber  zu  gescheut  und  «u  altva- 
terisch füYs  Theater.  Die  De  Amicis  singt  uii  ver- 
gleichlich,' wie  auch  der  Äprüe,  welcher  201  Äfäiland 
i  gesungen  hat.  Die  tolnzef  sind  miserabel  pompös. 
Das  Theater  ist  schön«  Der  König  ist  grob  neapoli- 
tanisch auferzogen,  und  steht  in  der  Oper  allezeit 
auf  einem  Schemerl,  damit  er  ein  Bissel  grösser  alt 
die  Königin  scheint.  Die  Königin  ist  schön  und  höf- 
lich, indem  sie  mich  gewiss  sechs  Mal  im  Molo  (das 
ist  eine  Spazierfahrt)  auf  das  Freundlichste  gegrüsst 
hat.  1 
N.  S.   Meinen  Handkuss  an  die  Mama  ! 

.  .  {Leopold  M.  Brief  No,  85.) 

Neapel,  den  9.  hmj  1770. 

Dt.  ist  . auf  eine  gewisse  Art  Schade,  dass  wir 
nicht  länger  hier  bleiben  können,  indem  verschiedene 
artige  Sachen  den  Sommer  durch  hier  zu  sehen  sind, 
und  eine  beständige  Abwechselung  der  Fruchte,  Krau- 
ter und  Blumen ,  von  Woche  zu  Woche  hier  zu  se- 
hen ist;  *)ie  Lage  des  Orts ,  Fruchtbarkeit ,  Lebhaf- 
tigkeit, Seltenheiten  u.  s.  w.  hundert  schöne  Sachen 
machen  mir  meine  Abreise  aus  Neapel  tranrig.  Die 
Uuflaterey,  tlie  Menge  der  Bettler,  das  abscheuliche 
"VWk,  ja  das  gottlose  Volk,  die  schlechte  Erziehung 
der  Kinder,  die  unglaubliche  Ausgelassenheit  sogar 
in  den  Kirchen,  macht,  dass  man  auch  das  Gute 
mit  ruhigeren  Gemüthe  verlässt.  Ich  werde  nicht 
nur  alle  Seltenheiten  in  vielen  schönen  Kupferstichen 
mit  bringen,  sondern  habe  auch  von  Hr.  Mäuricoffro 
eine  schihle  Sammlung  Von  der  Lava  des  Vesuvs 


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erhalten;  nicht  von  der  Lava,  die  Jedermann  leicht 
nahen  kann,,  eondern  untersuchte  Stücke  mit  der  Be- 
schreibung der  .Mineralien,  die  sie  enthalten ,  die  rar 
sind.  Du  warst  schöne^  Sachen  sehen ,  wenn  wir  zu- 
rück kommen*  Nächste  Woche  werden  wir  den 
Vesnv,  die  zwey  versunkenen  Städte,  Oasexta  etc. 
kurz  alle  Seltenheiten  besehen,  wovon  ich  schon  di« 
Kupferstiche  in  Händen  habe.  # ,  k 

m^^^^W  ^^^Br^BM  ^^^^^^P'^P^  ^H^^^B-  ^^^V       ^■^■^^■^^  ^ 

(Leopol*  M.  Brief  No.  84.) 

m      m      I .      i     ml  ■  -  *•    *    «  «  • 

,  ....  Neapel,  den  i6.  Jon*  1770.., 

Wir  können  noch  nicht  den  20*  ten  abreisen,  da 
der  Graf  Kauniz  niclit  bis  dahin  fertig  wird«  Am 
13ten  sind,  wir  in  einem  Wagen  nach  Puzzuolo,  und 
von  da  zu  Schiffe  nach  Baja  gefahren,  und  haben  da 
gesehen  die  Neronwchen  Bäder,  die  unterirrdische 
Grotte  der  Sibylla  Cumana,  Logo  tfAvernQ,  Tenir- 
pio  di  Vener e9  Tempio  di  Diana,  Sepolcro  d'Agrip* 
pina,  die  elisäisphen  Felder,  das  todte  Meer,  wo 
Charon  Schiffinann  war,  Iß  piscina  mirahih,  die 
cento  camereile  n.  s«  wr.  im  Rückweg  viele,  filtfi:JSäder, 
Tempel,  unterirrdische  Zimmer ,  montenuovo,  monte 
gauro,  molo  äi  Puzx6B,  ^totisseo  9  Solfatara,  As- 
trorti,  groita  Hel  cane,  lago  di  Agnano,  vor  allen 
aber  la  grotta  di  VustiuMi  und  das  Grab  des' Vir- 
gils. Heute  speisten  wir  zu  Mittag  auf  der  Hohe 
a  G.  Martina  bey  den  Carthauserh ,  und  besahen  alle 

des  Orts  ontd  bewtm- 
Aussicht,  Montag  und  Erchtag  geht  es 
an  den  Vesuv,  Pompeji,  Hercohuium,  die  dort  ge- 
fundenen Sachen,,  Caserta  und  Capo  di  Monte,  wel- 

iAUc8  )Geld!  kosten  wird.  

14* 


•  ■ 


1 . .  •  >  ■  • 


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N.S.  ron  Wolfg.  Amad.  Mowrt  (dessen  JBriefJNo-  18). 

Ich  bin  auch  noch  lebendig  und  beständig  lustig 
wie  alle  Zeit,  und  reise  gern:  nun  bin  ich  auf  dem 
mediteranischen  Meer  auch  gefahren*  Ich  küsse  der 
Mama  die  Hand  und  die  Nännerl  zu  1000  Malen 
und  bin  der  Sohn  Steffi?!  und  der  Bruder  HansLj  -i- 


Als  Wolfgang  in  Neapel  in  dem  Conservatorio 
alla  pieta  spielte ,  fielen  seine  Zuhörer  unter  andern 
wegen  der  ausserordentlichen  Fertigkeit  und  Ge- 
schwindigkeit seiner  linken  Hand  auf  den  Gedanken, 
dass  in  seinem  Ringe  die  Zauberey  »tacke;*  er  zog 
daher^deri  Ring  ab,  spielte  eben  so,  und  nun  wurde 
natürlich  die  Verwunderung  erst  recht  gross.  Da  er 
in  Neapel  kein Piano  forte  fand,  so  musste  er  seih 
M<u  stria  nur  auf  einem  soKto  Cembalo  hören  ksseri. 

Von  Neapel  kehrten  sie,  und  Wolfgang  mit  e?- 
mem  Rufe,  der  nur  selten  einem  Künstler  voraus- 
geht, nach  Rom  zurück  ,  wo  sie  den  25sten  Juirius 
ankamen,  und  von  Wo  aus  der  Vater  folgende  Briefe 
an  seine  Frau  nach  Salzbürg  schrieb: v»  ^  •••*" 

t      •  r        •  • 

<  "  *V;  •»  -  •  *...*...»   »w««  »»  •  •  •  -  A 

... ..."  :     (Leopold  M.  Brief,  Wo.  86.)  •..  ..     ,  , 

....  1«,/  .  ,  ..  .       ßom,  den      Jiwy  1770;  ,, 

.  .*  Gestern  angelangt«  Nur  27  Stunden  auf  der 
Reise,-  auf  welcher  wir,  mit  dem  Vetturm  fünftehalb 
Tage  zubrachten.  Graf  Kauniz  kam  erst  heute.  .Ich 
dachte,  es  wäre  besser  allein-  zu  reisen,  weil  man 
oft  nieht-Pferde  genug  auf  den  Stationen*  findet;  auch 
wusste  ich,  dass  zwey  Reisende  zwölf  Pferde  auf 
der  ganzen  Route  brauchten.  Wir  reisten  also  allein 
Ich  gab  mich  für  den  Haushofmeister  des  kaiserl. 


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Gesandten  ans]  weil  die  Haushofmeister  solcher  Her- 
ren in  diesen  Orten  in  vielem  Ansehen  stehen*  diess 
machte  meine  Reise  sicher,  verschaffte  mir  gute  Pfer- 
de, und  geschwinde  Beförderung,  und  in  Rom  durfte 
ich  nicht  in  die  Mauth  zur  Visitation  fahren;  mau 
machte  mir  beyin  Thore  sogar  ein  tiefes  Compliment, 
hies*  mich  gerade- nach  Hause  fahren,  und  ich  warf 
ganz  vergnügt  ihnen  ein  paar  Paoli  ius  Gesicht. 
Wir  hatten  in  27  Stunden  unserer  Reise  nur  zwey 
Stunden  geschlafen.    Sobald  wir  ein ,  wenig  Reis  und 
ein  paar  Ey er  gegessen  hatten,  setzte  ich  den:  Wolf- 
gang auf  einen  StuhL    Er  fing  augenblicklich  an  zu 
schnarchen  und  so  fest  zu  schlafen,  das*  ich  ihn  völ- 
lig auszog  und  ins  Bett  legte,  ohne- dass  er  das  min- 
deste Zeichen  gab,  dass  er?  wach  werden  konnte. 
Er  schnarchte  immer  fort,  obwohl  ich  ihn  zu  Zeiten 
von  dem  Sessel  aufheben  und  wieder  niedersetzen, 
nnd  endlich  gänzlich  schlafend  ins  Bette  schleppen 
musste.   Als  er  nach  neun  Uhr  Morgens  erwachte, 
wusste  er  nifcht,  wo  er  war  und  wie  er  ins  Bett  ge- 
kommen.   Er  lag  schier  die  gan^o  Nacht  auf  dem 
nämlichen  Platze.  Nun  werden  wir  die  Feuerwerke, 
die  Girandole  und  alle  dergleichen  schöne  Sachen, 
dann  die  Ueberreichung  des  Neapolitanischen  Tributs, 
und  das  Amt  und  Vesper  in  St.  Peter  sehen.  In 
Neapel  hat  der  Iinpressar  Sign.  Amadoii,  da  er  den 
Wolfg.  bey  Jomelli  gesehen  und  gehört  hatte,  ihm 
angetragen,  eine  Oper  auf  dem  König!..  Theater  S« 
Carlo  zuschreiben,  welches  wir  wegen  Mailand  nicht 
annehmen  konnten.      *  : .  :    \  •  -    :  . 

Hrw  Meuricoffer,  der  abgereiset  ist,  hat  uns  die 
g*össteri  FreuhdscluifUtückö  erwiesen/  und  uns  noch 


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214 


zuletzt  125  Ducaten  aufgetrieben,  theils  Komani,  tffcils 
Gigliati  und  Zechinen,  um  wenigstens  das  meiste  un- 
-  ,-rcs  neapolitanischen  Geldes  auszuwechseln»  —  — 


Oh  wir  hey  dem  Könige  von  Neapel  gespielt 
haben?  Nichts  weniger;  es  ist  bey  dem  puren C«uu- 
plimenten  geblieben,  die  uns  die  Königin  aller  Orten, 
wo  sie  uns  sah,  gemacht  hat»:  Die  Königin  kann 
Nichts  thun,  und  was  der  König  für  ein  Subject  ist, 
schickt  sich  besser  zu  erzählen,  als  zu  beschreiben. 
Du  kamist  Dir  leicht  einbilden,  wie  es  an  diesem 
Hofe  zugeht.  Der  junge  Violinist  Lamotte,  der  in 
der  Kaiserin  Diensten  ist  und  auf  ihre  Ordre  und 

Ünkosten  nach  Italien  irereis't  ist.  war  lange  Zeit  in 
Neapel  und  blieb  drey  Wochen  langer,  weü  mau 
ihm  das  Maul  machte,  der  König  und  die  Königin 
Würden  ihn  hören;  dennoch  geschah  es  nicluV  Ich 
werde  seiner  Zeit  eine  Menge  lustige  Sachen,  yon 
diesem  Hofe  erzählen.  Du  wirst  auch  das  Portrait 
des  Königs  sehen.  *p»  Ich  habe  noch  nirgends  meine 
Aufwartung  hier  i  machen  können.  Die  Ursache  habe 
ich  Dir  im  ersten  Briefe  verschwiegen»  Weil  es  nun 
aber  besser  aussieht,  so  muss  ich  Dir  den  bösen  Zu- 
fall berichten.  Du  weisst,  dass  zwey  Pferde  und  ein 
Postillon  drey  Bestien  sind.  Auf  der  letzten  Post 
nach  Rom  schlug  der  Postillon  das  Pferd,  welches 
zwischen  den  Stangen  geht  und  folglich  die  Sedia 
auf  dem  Rücken  tragt.  Das  Pferd  stieg  in  die  Höhe, 
verwickelte  sich  inj  dem  mehr  als  spanntiefen  Sand 
und  Staube,  und  fiel  mit  Gewalt  nach  der  Seite  zu 


(Leopold  M.  Brief  tfo.  86.) 


Rom,  fcfj  3q.  Juuy  1770. 


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Boden ,  fis^  folglich  den  vordem  Theil  der  Scdia 
mit  sich,  weil  diese  nur  zwey  Räder  hat.  Ich  hielt 
den  Wolfg.  mit  einer  Hand  zurück,  damit  er  nicht 
hinaus  stürze;  mich  aber  riss  die  Gewalt  mit  dem 
rechten  Fusse  dergestalt  an  das  mittlere  Eisen  des  zu- 
rückfallenden Spritzleders.  dass  ich  das  halbe  Schien- 
bein  des  rechten  Fusses  fingerbreit  aufriss  u.  s .  w. 

(Leopold  M.  Brief  No.  87.) 

Rom,  den  4.  July  1770. 

Morgen  Mittag  speisen  wir  bey  dem  Cardinal 
Pallavicini,  übermorgen  bey  dem  toscanischen  Ge- 
sandten, Baron  Saint  Odile.  Wir  sollen  morgen  eine 
Neuigkeit  erfahren,  die  Euch  in  Verwunderung  setzen 
wird.  Der  Cardinal  Pallaticini  soll  nämlich  Ordre 
haben  vom  Papste,  dem  Wolfgang  ein  Ordenskreuz 
und  Diplom  zu  überreichen.  Sage  noch  nicht  Vielos 
davon;  ist  es  wahr,  so  schreibe  ich  Dir  es  nächstens. 
Da  wir  letzthin  beym  Cardinal  waren,  sagte  er  et- 
liche Male  zu  Wolfgang:  Signore  Capaliere; 
wir  glaubten  es  sey  Spass.  Wolfgang  ist  in  Neapel 
siditbarJUch  gewachsen.  ^-  -r  —  —  ,.. 

•      •        •    *     •  •  ••     •  t  ••    •  • 

(Leopold  M.  Brie£No.  88.) 

.  Rom>  4en,  7.  July  1770. 

Was  ich  Dir  letzthin  von  einem  Ordenskreuzc  *) 
feschrieben  habe»  hat  seine  Richtigkeit.    Es  ist  das 

f  '  1  4      •  •  '  .•         .  .         .  %    .  .  1 

*)  Dissen  Orden,  durch  den  er  eben  sowohl  den  Namen  der 
Ritter  Ton  Mozart  ah  Gluck,  den,  der  Ritter  von 
Gluck  erworben  hatte,  trng  er  nie,  ab  in  der  Jugend  in 
Reichsstädten,  auf  seiner  Reise  nach  Paris  nach  seine«  Vaters 
Vorschrift.   Gluck  soll  den  seinigen  getragen  haben. 


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t 

216  . 

■       ■  ■  - 

• 

nämliche,  was  Gluck  hat,  und  heisst:  te  creamus 
auratae  rnilitiae  equitem.  Er imiss  ein  schönes  gol- 
denes Kreuz  tragen,  das  er  bekommen  hat,  und  Du 
*  kannst  Dir  einbilden,  wie  ich  lache,  wenn  ich  alle- 
zeit  zu  ihm  Sign.  CavaKere  sagen  höre.  Wir  wer- 
den morgen  desswegen  beym  Papst  Audienz  haben. 

Nachschrift  von  Wolfß.  Amad.  Mozart. 

Ich  habe  mich  recht  verwundert,  dass  Du  so 
schön  componiren  kannst.  Mit  einem  Worte,  das 
Lied  ist  schön,  Probire  öfter  Etwas.  Schicke  mir 
bald  die  andern  sechs  Menuetten  von  Haydn.  Jfß% 
j'ai  l'honneur  d'itre  Votre  tres  humble  eerviteur  et 

frere  Clievalier  dt  Mozart.  —  Addio. 

...  . 

(Leopold  M.  Brief  No.  89.) 

Bologna,  den  ax.  July  177°- 
Wir  gratuliren  Euch  zu  Euerem  verflossenen 
gemeinschaftlichen  Namenstage,  und  wünschen  Euch 
die  Gesundheit,  vor  Allem  aber  die  Gnade  Gottes: 
sonst  haben  wir  Nichts  nöihig;  das  Uebrige  findet 
sich  Alles.  In  Civita  Castellana  hörten  wir  eine 
Messe:  nach  derselben  spielte  Wolfg.  die  Orgel.  In 
Loretto  traf  es  just  auf  dem  I6ten,  dass  wir  da  un- 
sere Andachten  machten.  Ich  habe  sechs  Glöckel 
und  verschiedenes  Andere  gekauft.  NB.  Nebst  Re- 
liquien bringe  ich  auch  einen  heil.  Kreuzpartikel  von 
Rom  mit.  Zu  Sinigaglia  haben  wir  den  Jahrmarkt 
in  Augenschein  genommen.  Gestern  kamen  wir  hier 
an ;  am  loten  hatten  wir  Rom  verlassen.  Graf  Palla- 
vicini  hat  uns  hier  alles  Nöthige  angeboten:  «einen 
Wagen  habe  ich  accepürt. 


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■ 


Weiih  der  Wolfgang  so  fort  wächst  9  wird  er 
ziemlich  gross  nach  Hause  kommen.  — 

"'    Nach*thrift  Ton  Vf^fe.  4,1?.  6^  Briefe,  No.  19.J  ; 

Ich  gratulire  der  Mama  zu  dem  Na  mens  feste, 
und  wünsche ,  tlass  die  Mama  noch  möge , viele  'hun- 
dert Jahre  leben  und  immer  gesund  bleibe«,  welches 
ich  immer  bey  Gott  verlange,  und  bete  alle  Tage 
und  werde  alle  Tage  für  Sie  Beyde  beten. ,  Jch  kann 
unmöglich  mit  Etwas  aufwarten,  als  mit  etlichen 
Loretto  Glöckeln  und  Kerzen  und  Haubeln  und 
Flor,  wenn  ich  zurück  komme.  Inzwischen  lebe  die 
Mama  wohl,  ich  küsse  der  Mama  1000  Mal  die  Hände 
und  verbleibe  bis  in  den  Tod  1  . 

.  ...        Ihr  getreuer  Sohn. 

Nachschrift  von  Wolfg.  Ä'.  ÄL  (dessen  Briefe  No.  ao.) 
Jo  vi  auguro  d'Iddio  Vi  dia  sempre  salute,  e 
vi  lasci  vivere  ancora  centf  anni,  e  vi  faccia  morire, 
quando  avrete  mille  anni.  Sjpero  die  Vo\  impare- 
rete  meglio  conoscermi  in  ayvenire,  e  che  poi  ne  giu- 
dicherete  come  ch9  egli  vi  piace.  II  tetripo  non  mi 
permette  di  tcriver  molto.  La  penna  non  vale  un 
corno,  ne  pure  quello.che  la  dirigge.  II  titolo  deW 
opera  che  ho  da  comporre  a  JMilano,  non  si  sä  an- 
cora. Ich  habe  die  Tausend  und  eine  Nacht  in  ita- 
lienischer Sprache  von  unserer  Hausfrau  zu  Rom  zu 
schenken  bekommen;  es  ist  recht  lustig  zu  lesen. 

(Leopold  M.  Brief  No.  go.)  • 

Bologna,  den  38.  Jnly  1770. 

Ich  habe  noch  meine  Fusskrankheit,  welcher 
Stoss  mir  wohl  zwölf  Ducaten  kosten  wird;  denn  in 


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r 


"  Wirthshäusern  ist  es  nicht  lustig,  krank  >  W  «ejn. 
Wenn  ich  in  Neapel  1000  Doppien  eingenommen 

verschmerzen.  — 

Genug,  ich  habe  immer  mehr  als  wir  brauchen,  und 
damit  sind  wir  zufrieden  und  loben  Gott. 

Gestern  haben  wir  das  Opernbüchlein  und  die 
Namen  der  Recitirenden,  erhalten.  Die  Oper  heisst: 
Mitridate,  Re  di  Ponto,  und  ist  von  einem  Poeten 
aus  Turin,  Namens  Vittorio  Amadeo  Cigna -Santi. 
Sie  ist  dort  im  Jahre  1767  aufgeführt  worden.  Die 
Personen  sind;  •    •  -  . 

«  Mitridate,  Re  di  Ponto.  Sign.  Gugliemo  d'Et- 
tore,  Tenor. 
Aspasia,  promessa  eposa  di  Mitridate.  Signora 

Antonia  Bernasconi,  Prima  Donna* 
Sifare,  figlio  del  etesso,  amante  di  Aspasia.  Sign. 
Santo  rini,  Soprano*  primo  uomo  (welch ei- 
erst verflossenen  Carneval  in  Turin  recitirt  hat). 
'  Farnace,  prin%o  ßglio  di  Mitridate,  amante  della 
medesima  Aspasia.   Sigr.  Cicognani. 
Ismene,  figlia  del  Re  de*  Parti,  amante  di  Far* 
[        nace.   SJgra.  Varese,  II**  Donna  Soprano. 
Arbate,  Govematore  di  Ninfea.  Soprano. 
Marzio,  Trihuno  romano.    Tenor e. 
,  Sartorini  hat  uns  in  Rom  gesungen.   Die  Ber- 
nasconi kannten  wir  auch  schon.   Cicoguani  ist  un- 
ser guter  Freund. 

Die  zwey  Portraite  gefallen  uns  sehr  wohl,  und 
um  sie  gut  zu  finden,  nnpsa -man  sie  nicht  nahe  an- 
sehen ;  denn  Pastell  ist  kein  Miniatur:  sie  sind  et- 
was zu  fett,  allein  in  einer  kleinen  Entfernung  ver- 
liert sich  Vieles,  und  wir  sind  zufrieden :  das  ist  genug. 

» 


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219  # 

(Woli^.  Amad.  Mozart  s  lidei:  Ho.  atjt     %r-   t  .  fy 

.  61  8.  M. 

Jq  VI  devo  confetaarty  che  ho  un  grandinsinw 
piacere,  cAe  ci  avst«  inandati  i  ritratti,  i  quali  mi 
piacoiono  molto. 

(Lipoid  M.Brief  Wo.  9*.) 

bologna,  den  4.  Augu«t  1770, 

Schwerlich  komme  ich  bey  meiner  Krankheit 
aus  dem  Wirthshause  unter  20  Ducaten,  wenir*s  riür 
kleckt.  in  Gottes  Namen,  wenn  man  nur  immer 
•eine  Haut  davon  bringt.  Hole  der  Plunder  das  Geld! 
Misliwetschek,  der  eben  bey  mir  war,  hat  die  Scrit- 
tura,  in  Mailand  die  erste  Oper  des  Carnevals  1772 
zu  machen;  Die  zweyte  heurige  Oper  wird  die  Ni~ 
tettl  seyn. ;  *• .  « 

N.  S.  ?on  Wolfg.  A.  Mozart  (deaaen  Briefe  No.  aa). 
Ich  bedaure  recht  von  Herzen,  da«,  die  Jung, 
frau  Martha  immer  so  krank  ist,  und  bete  alle  Tage 
für  sie,  damit  sie  gesund  werde«    Sage  ihr"  anstatt 
meiner,  sie  soll  nicht  viel  Bewegung  machen  und 

brav  gesülzt e  Sachen  essen«    (SU  hatu  die  Abzehrung.) 

A  propos ,  hast  Du  denn  Robini  siegerl  meinen 
Brief  gegeben?  Du  schreibst  mir  Nichts  davon,.  Ich 
bitte,  wenn  Du  ihn  siehst,  so  sage  ihm.,  er  «oll  auf 
mich  gar  vergessen.  Ich  kann  unmöglich  schöner 
schreiben,  denn  die  Feder  ist  eine  Notenfeder  und 
keine  Schriftfeder.  Nun  ist  meine  Geige  neu  besai- 
tet  und  ich  spiele  alle  Tage.  Aber  diese*  setze  ich 
nur  hinzu,  weil  meine  Mama  einmal  zu  wissen  ver- 
langte, ob  ich  noch  geige.  Gewiss  ihrer  sechs  Mal 
habe  ich  die  Ehre  gehabt,  allein  in  die  Kirchen  und 


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I 


220 

prächtige  Functionen  zu  gehen.  Unterdessen  habe 
ich  schon  vier  italienische  Symphonien  componirt, 
ausser  den  Arien,  deren  ich  gewiss  fünf  oder  sechs 
schori  gemacht  habe,  und  auch  ein  Motetto. 

Kömmt  der  Herr  Tölpel  öfters?  beehrt  Euch 
noch  mit  seinem  unterbaltlichen  Discourse?  Und 
Herr  Edler  Karl  von  Vogt,  würdigt  er  sich  noch, 
Eure  unerträglichen  Stimmen  anzuhören?  Der  Herr 
von  Schidenhofen  soll  Dir  fleissiu  Menuette  schrei- 
ben  helfen ,  sonst  bekömmt  er  kein  Zuckerl  nit.  t 

Meine  Schuldigkeit  wäre,  wenn  es  mir  die  Zeit 
erlaubte,  Herrn  v.  Mölk  und  Schidenhofen  mit  ein 
Paar  Zeilen  Beyde  zu  belästigen,  aber  da  mir  das 
Noth wendigste  dazu  mangelt,  so  &Ue  ich,  meinen 
Fehler  zu  verzeihen  und  mir  auf  das  Zukünftige 
diese  Ehre  aufgehoben  seyn  zu  lassen«  Meine  einzige 
Lustbarkeit  besteht  dermalen  in  englischen  Schritten, 
Cäpijiölen  und  Spaggat  machen.  Italien  ist  ein  Schlaf- 
land :  es  schläfert  Einen  immer.  ( —  —  —  — ) 

Uli  VAU   V            .     .•   .                            •                m»  i 
i  ;uJ   - '  (Leopold  M.  Brief  No.  92.)    t 

^ysvA*  Vom  Landgute  ausser  Bologna, 

»«    ...  I'  •  .    ..  den  is«  August  1770. 

1  Wir  leben  hier  bey-dem  Feldmarschall  Pallavi- 
cini  auf  fürstliche  'Art  ,"  und  haben  für '  uns  einen 
Läufer*  uria  einen  Bedienten :  der  erste  schläft  in  uii- 
serm  Vorzimmer,  um  immer  bey  der  Hand  zu  seyn. 
Wir  haben  die  kühlsten  Zimmer  neben  der  nala 
terrena.  Der  junge  Graf,  der  die  beste  Erziehung 
und  Talente  hat,  ist  der  beste  Freund  Wolfgangs 
und  dieser  der  seinige.  —  Die  Herrscliäft  lasst  mich 
niemals  stehen,  sondern  ich  rauss  immer  sitzen,  und 


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I 

m 
■  -  ■  ■  ■ 

den  Fuss  auf  tauen  andern  Sessel  legen.  Sogar  haben 
sie  mir  heute  in  der  Kapell«  l?ey  :der  Messe  zwey 
Sessel  zurecht  stellen  lassen.,  Um.  zwölf,  UI*r  ist  alle 
Tage  die  heilige  Messe,  wo  der  junge  Graf,  der, 
ungeachtet  in  Wolfgangs  Alter,  schon  kais.  Kammer- 
herr ist,  miwtrirt:  nacli  der  Messe  wird  ein  Rosen- 
kranz, die  Liuncy,  das  Sähe  Regina  und;  das  rfr 
Prvftmdi9  gebeteU   ■  I      »-..,    '  ,|..J 

"  Wolf)^  fahrt  mit  der  Grafinn  und'  dem  Sohne, 
ich  mit  dem  alten  Grafen  spazieren.  Wir  bleiben* 
hier,  bis  mein  Fuss  ganz  hergestellt  ist  —  — 

>     Utk        •••••     •«<  "».»». 

/       •    -A  (Leopold  JH.  Brief  No.  93.) 

Wir  sind  noch  auf  dem  Landgut©  aüa  croce  deJ 
Bmoeo ,  welches '  dem  Grafen  Bolognetti  gehöfct,J  afce» 
vom  Grafen  I  Pailavichii  au  f  ein  ige  Jahre  •  ib  iBestaifd 
genommen ist;  Am  30s  ten  wird  »da*  jährliche  gifesse 
Fest  seyn,  welche«  die  Mitglieder  der  bologneaischen 
philharmonischen  Gesellschaft  mit  Vesper  und  I loch- 
amt  prächtigst  halten«        —  -u<':i.\ r.  ";  '"wwixtd 

•       •  r  •     •  m 

N.  S.  Ton  W o  1  fg.  A.  Mozart  (dessen  Briefe  jNo.      . .  ,r  • 

;Ioh  bin  auch  noch  lebendig  und  zwar  sehr  lustig. 
Heute  kam  mir  die  Lust,  auf  einem  Esel  znjt  reg- 
ten; denn  in  Italien  ist  es  der  Brauch, und  also:  l|abe 
ich  gedacht,  ,ich  jmass  es  d0ch  auch  probiren.:  ^fir 
haben  die  Ehre,  imt  einem  gewissen  Pomin£caner 
umzugeben,  wfclcher  für  heilig  gehalten ,  wird.  Ich 
«war  glaube  es  nicht  recht,  denn  er  nimntf  zum 
Frühstück  oft  eine  Tasse  Chocolade,  gjeich  darauf 
ein  gutes  Glas  starken  spanischen  Wein?  pd  ich 


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habe  selbst  die  Ehre  gehabt ,  mit  diesem  Heiligen 
211  speisen,  welcher  brav  Wein  und  auf  die  Letzte 
ein  ganzes  Glas  voll  starken  Weins  bffy  der  Tafel 
getrunken  hat,  zwey  gute  Schnitze  Melonen,  Pfir- 
siche, Birnen,  fünf  Schalen  Kaffee,  einen  ganzen 
Teller  Voll  Nageln,  zwey  volle  Teller  Milch  mit 
Limonien.  Doch  fliese«  könnte  er  mit  Fleiss  thun, 
aber  ich  glaube  nicht,  denn  es  wäre  zuviel,  und  aber 
er  nimmt'  viele  Sachen  zur  Jausen  (Collation)  auf 

Nachmittag.  iV««.*  •   !  s  .i .; 

•  •  •  •  »  • 

(Leopold  M.  Brief  No.  94.) 

•    YologiiA,  den  a5.  August  1770. 

«Noch  auf Üem  Lande.   Da  wir  die  Gelegenheit 
haben,  hier  einen  Pater  Dominicaner  zu  haben,  der 
eiik  teutscher  Böhme  ist*  so  haben  wir  heute  in  der 
Ifarrkirche  unsere  Andacht  verrichtet,  gebeichtet 
und  commimioirt ,  dann  den  Kreuzweg  mit  einander 
gemacht:  zu  Mittag  waren  wir  im  Schlosse  bey  der 
^ewohoUchen  Messse  und  Rosenkranz.    Du  kannst 
inzwischen  in  Salzburg-  ein-  Paar  schön  vergoldete 
Scheine  für  uns  machen  lassen,  denn  wir  kommen 
siehe*'  als  Heilige  nach  Hause.  —  Meine  Freunde 
sollen  ^mir '  die  Saumseligkeit  meines  Briefwechsels 
nicht 'verübeln.   Lange  geborgt,  ist  nicht  geschenkt 
tiitd'  Heoer  epät  als  gar  nicht  —  sind  zwey  Sprüche 
wärtery  die  meiner  Nachlässigkeit  ein  wenig  hinaus- 
helfe«.   UnÜ  auf  Reisen  hat  man  an  tausend  Sachen 
«U  denken.   Meine  Bücher  und  Musikalien  wachsen 
merklich  an.   An  Wolfg.  wird  Alles  zu  enge. Die 
viele  «Seide j  die  an  «einem  Brillantring  war,  ist  alle 
weg,  und  nur  ein  »wenig  Wach«  übrig 5  alle  seine 


■  223 

Glieder  sind  grösser  und  stärker  geworden»  Stimm« 
zum  Singen  Kai  er  jetzt  fear  keine.  BieW  ist  völlig 
wegf  er  hat  weder  Tiefe  noch  Höhe,  und  nicht  fünf 
reine  Töne.  Die*»  verdriesst  ihn  sehr,  denn  er  kann 
aeine  eigenen  Sachen  nicht  singen,  dio  er  doch 
manchmal  singen  möchte.  —  — •  , 

•*'  ■       (teopolä  M.  Ä-ief  No.  950  '  '  ' 

'  Ä  "  "  Bologna,  den  *.  Sept.  1770."  ' 

Noch  auf  dem  Lande.  Am  3Östen  hörten  wir 
in  der  Stau* t  da«  Amt  und  die  Vespe*  der  fttilhar- 
moniker,  welches  vdn  zfehn  'Verschiedenen  Meistern 
conipbnirt  ist.  Das  K^rie  ünd  Clotfa'von  ^Eineni, 
das  Credo  von  einem  Andern  u.  n»  w.  Jeder  schlug 
den  Takt  seiner  Cömposition*  Es  mussten  aber  lau- 
ter Mitglieder  der  Akademie  seyni'  1    '  •  §;  v  -lial 

(Leopold  M.  Brief  Ko.  06.)    «  >r  * 

Bologna,  den  8.  Sept.  1770. 

Unterlasse  nich't  mir  zu  schreiten ,  was  für  geist- 
liche Rat h e  in  Salzburg  angelangt  sind,  und  wie  es 
mit  öieirem  Congresse  gent  ,  und  wo  er*' genalten  wird/ 
Kannst  Du  es  nicht,  so  bittd  Diesen' tfÄeif  Jenen  da- 


:  Nun  denken  Wir'  "bald  nach  Mailand  zu  gehen, 
ich  Livorno  nicht  habe  sehen  können,  so  weitle 


Tum. 
Da 

ich  von  Mailand  aus  eine-  Tour  nach  d*n:  seheüswiir- 
en  borromäischen  Inseln  machen. 


tfi*.  Ton  Woffg.  A*  Ät.  (defcen1  &SeiVfc6. 

Damit  ich  nicht  wider  meine  Schuldigkeit  fehle, 
so  will  ich  auch -  ein  Paar  "Worte'  sclireiten.  Ich 
bitte;  mir  zu  schreiben,  in  welchen  Bruderschaften 
icVüin,  und  mir1  ffie'dazü  nothwend'igen  Gebete  zu 


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0 


224 

wissen  zu  machen.  Jetzt  lese  ich  just  im  Telemach 
ich  bin  schon  im  «weyten  Theile.  , 


(Wölfg.  A.  Mozart'a  Brief  No.  a4.) 
3  *  Bologna,  den  ax  Sept.  1770. 

mW  ■  • 

Ich  hoffe,  meine  Mama  wu'd  wohl  auf  seyn,  wie 
;h  Du,  und  wünsche,'  dass  Du  mir  doch  ins  Künf- 
tige auf  meine  Briefe  besser  antworten  wirst,  clenn 
es  ist  ja  weit  leichter,  Etwas  zu  beantworten,  als 
selbsten  Etwas  erfinden. 

Die  sechs  Menuetten  von  Haydn  gefallen  mir 
besser  als  die  ersten  zwölf.  Wir  haben  sie  der  Grä- 
fin  oft  machen  müssen,  und  wir  wünschen,  dass  wir 
im  Stande,  wären,  den  teutschen  Menuett -Gusto  in 
Italien  einzuführen,  indem  ihre  Menuette  bald  so 
lang  wie  ganze  Symphonieen  dauern.  Verzeihe  mir. 
dass  ich  so  schlecht  schreibe;  allein  ich  könnte  es 
schon  besser,  aber  ich  eile. 


•1 

-  Ii ,  • 


(Leopold  M.  Brief  ^o.  97.)      ...  ,  - 

Bologna,  den  39.  Sept.  1770. 

Sowohl  Wolfg-  als  iqh  sind  unglaublich  betrübt 
der  $uten  Martfierl.  Gqtt  stärke  sie!  Was 
ist  zu  machen?  Wir  könne^  sie  Beyde  den  ganzen 
Tag  nicht  aus  dam  Kopfe  bringen*  .  ,  4 

Wolfgang  hat  heute  die  Recitative  «ur  Oper 
angefangen. 

N.S.  Ton  Wolfg.  A.  M.  (dessen  Briefe  No.  *5). 
Damit  der  Brief  ein  wenig  voller  wird,  will  ich 
auch  ein  paar  Wort«  hinzusetzen.  Mir  ist  von  Her- 
zen leid  wegen  der  so  lang  anhaltenden  Krankheit, 
weiche  die  arme  Jungfrau  Martha  empfinden  und  mit 


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I 


225 


Geduld  übertragen  mus*.  Ich  hoffe,  mit  der  Hülfe 
Gottes  wird  sie  schon  wieder  gesund  werden.  Wo 
nicht,  so  muss  man  sich  nicht  zu  stark  betrüben, 
denn  der  Wille  Gottes  ist  allezeit  der  beste;  und 
Gott  wird  schon  besser  wissen,  ob  es  besser  ist,  zu 
seyn  auf  dieser  Welt,  oder  in  der  andern.  Aber  sie 
soll  sich  trösten,  indem  sie  jetzt  von  dem  Regen  in 
das  Schöne  Welter  kommen  kann.  —  ~ 


(LedpoidM.  Brief  No.  98.)     .  . 

4  'Bologna,  den  6.  October  1770. 

Wir  sind  nun  schon  fünf  Tage  in  der  Stadt  und 
haben  das  Fest  des  heil.  Petronius  gesehen,  das  sehr 
herrlich  begangen  wird,  und  wo  in  der  sehr  grossen 
Kirche  dieses  Heiligen  eine  Musik  aufgeführt  wird, 
wobey  alle  Musici  von  Bologna  erscheinen.  Wir 
wollten  am  Dienstage  nach  "Mailand  aufbrechen;  al- 
lein es  ist  Etwas,  das  uns  ein  paar  Tage  aufhalten 
wird.  Ein  Etwas,  welches,  wenn  es  zu  Stande 
kömmt,  dem  Wolfg.  eine  ausserordentliche  grosse 
Ehre  macht. 

Meine  Violinschule  hat  Pater  Martino  jetzt  durch 
Euch  erhalten.  Wir  sind  die  besten.  Freunde  zu- 
-  sammen.  Jetzt  ist  der  zweyte  Theil  seines  Werkes 
fertig.  Ich  bringe  beyde  Theile  nach  Hause.  Wir 
sind  täglich  bey  ihm  und  halten  musikalisch  -  histo- 
rische Unterredungen. 

Ihr  habt  also  drey  Akademieen  gehabt?  Nur 
brav  darauf!  Und  uns  habt  Ihr  nicht  eingeladen? 
Wir  wären  flugs  erschienen  und  dann  wieder  davon 
geflogen.         .  B  . 

15 


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Nachschrift  von  Wolfg.  A.  M.  (dessen  Briefe  »o.  *jt) 
Mich  freut  es  recht  vom  Herzen,  dass« Du  Dieh 
so  lustig  geraucht  hast;  ich  WÜnsöhe,  ich  Wäre  da- 
hey  gewesen.   Ich  hoflfe,  *las*-üie  Jtihgfraü'  Ma¥tha 
hesser  seyn  Wird.   Heute  spiefte  ich  bey  den  Domi- 
nicanern die  Orgel.  Mache  meinen  Gluckswunseh  an 
^  und  sage  ihnen,  dass  ich  vom  Herzenswün- 
sche, dass  sie  noch  können  uie  Secuudiz  Von  Pater 
Dominicus  erleben,  und  damit  wir  Alle  wieder  so 
vergnügt  beysammen  seyn  können.   An  alle  There- 
sein meinen  Glückswunsch  und  an  alle  Freunde  in 
und   ausser  -dem  Hause   mein   ComplimenU  Ich 
wünschte,  dass  ich  bald  die  Berchtesgadener  Sym- 
phonieen  hören  könnte,  und  etwa  ein  Trorapeterl 
oder  P£eiferl  dazu  blasen.    Ich  habe  das  grosse  Fest 
des  heil.  Petronilla  in  Bologna  gehört  und  gesehen. 
Es  war  schön,  aber  lang,  und  die  Trompeter  haben 
von  Lucca  kommen  müssen  ,  um,  den  Tusch  zu  raa- 
chen, welche  aber  abscheulich  geblasen  haben.  


'     (Leopold  M.  Brief  No.  99.) 

Mailand,  den  ao.  October  1770. 

•  •  •  •  ■  /• 

Am  1 8 ten  angekommen.  In  Parma  waren  wir' 
einen  ganzen  lag.  Die  Accademia  Filarm.  'au  Bo- 
logna hat  den  Wolfg.  mit  einhelliger  Stimme  in  ihre 
Gesellschaft  aufgenommen  und  ihm  das  Patent  des 
Accademico  überreicht.  Es  ist  aber  solches  mit  allen 
nöthigen  Umständen  und  vorausgegangener  Prüfung 
geschehen.  Er  mueste  nämlich  den  9ten  Öct.  Nach- 
mittags um  vier  Uhr  in  dem  akademischen  Saale  er- 
scheinen. Da  gab  ihm  der  Princeps  Academiae  und 
die  zwey  Censoren  (die  alle  alte  Kapellmeister  sind) 


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•  •  » 


Beilage  zu  Seite  227. 

. » 


V 


ON.ICI 


turis,  felicitatem. 


-t  —  * 


; 


omparet  Nomen,  attamen  pro 
maj<Hinc  est  quod  hujusce  nosirae 
PHBulere,  sinffulonunciue  Acaderni- 
conia.  Wolfgangum  Amadeum 
Mo  jcademiae  nostrae  MAGISTROS 
et  merita  perenni  benevolentiae 
monSque 

-  v   .     1  ! 

•  :  cl 


oysius  Xav.  Ferri,  « 

i 


Camplonerius  j 

C*jetinus  Croci. 


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d  den  zwei  Censoren  vorgelegte 
>  ad  Magnificat.  Dom»  XIV.  post  Pentecost. 


1  Toni- 


et  haec 


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227 

in  Gegenwart  aller  Mitglieder  eine  Antiphona  aus 
dem  Antiphonarium  vor,  die  er  in  einem  Neben- 
zimmer, wohin  ihn  der  Pedell  führte  und  die  Thüre 
zuschloss,  vierstimmig  setzen  musste.  Nachdem  er 
sie  fertig  hatte,  wurde  sie  von  den  Censoren  und 
allen  Kapellmeistern  und  Compositoren  untersucht, 
und  votirt  durch  schwarze  und  weisse  Kugeln«  Da 
nun  alle  Kugeln  weiss  waren,  so  wurde  er  gerufen. 
Alle  klatschten  bey  seinem  Eintritte  mit  den  Händen 
und  *wuns61iten  ilim  Glück,  nachdem  ihm  vorher  der 
Princeps  im  Namen  ü* er  Gesellschait  die  Aufnähme 
angekündigt  hatte. '  Er  bedankte  sich  uria*  'damit  war 
es  vor  bey.  Ich  war  unterdessen  mit  meinem  Beglei- 
ter auf  einer  andern  Seite  des  Saales  eingesperrt  in 
^  ......   .  -  ■  »      *  » 

der  akademischen  Bibliothek,  Alle  wunderten  sich, 
dass  er  es  so  .geschwind  fertig  hatte,  da  Manche  drey 
Stunden  mit  einer  Antiphona  von  drey  Zeilen  zuge- 
bracht haben.  Du  musst  aber  wissen,  dass  es  nichts 
Leichtes  ist,  indem  diese  Art  der  Coraposition.  viele 
Sachen  ausschliesst,  die  man  nicht  darin  raachen  darf, 
wie  man  ihm  vorhergesagt  hatte.  Er  hatte  es  in  ei- 
ner starken  halben  Stunde  fertig.  Das  Patent  brachte 
uns  der  Pedell  ins  Haus.  Es  sind  unter  andern  die 
Worte  darin.:  Testamur  Dominum  W*  A.  jtf.  

inter  Academiae  nostme  Magistroz  Compositores 

'    •  •  •  •  *  •* 

adscriptum  fuisxe  etc. 

*  • 

Bologna,  1!  la.  öct.  1770. 

Attesto  io  infrascrittOy  cpme  avendo  aputo  sotto  degü 
occhi  alcune  composizioni  tnusicalj  di  pario  stile,  *  avendo 
piu polte  ascoltate  suonare  il  Cembalo ,  il  Violino ,  e  cantare 
il  Sign.  Cav.  Amadeo  IVolf gango  Mozart  di  Salisburgo, 
Maestro  di  Musica  della  Camera  di  sua.  AUezza  V.ecceho 
Principe  Arcivescovo  Salisb.  in  etä  di  anni  circa  i4,  con 

15* 

* 

Digitiz 


mia  fingolare  ammirazione ,  e  /'Ao  ritrovato  rersatissimo  in, 
ognuna  delle  acccnnatte  qualUä  di  Muiica,  avendo faito  la 
prova  sopra  tutto  nel  mono  di  Cembalo  con  dargli  parj  sog- 
X  getti  all'  improvviso,  i  quali  con  tutt£  maestria  ha  condotti 
con  qualunque  condizione,  che  richiede  l'Arte.  In  Jede  di 
die  ho  scritta  e  sottoscritta  la  presente  di  mia  mono. 

P.  G  i  ambatta  Martin, 
minor  Conventuale.  *) 

•  « 

Es  macht  ihm  dieses  um  so  mehr  Ehre,  als  die 
Akademie  über  100  Jahre  alt  ist  und,  ausser  dein 
Padre  Martino  und  anderen  ansehnlichen- Leuten  Ita- 
liens,  auch  die  ansehnlichsten  Männer  anderer  Na- 
tionen Mitglieder  der  Academia  bononiensi*  sind, 

N.  S.  ron  Wolfg.  A.  M.  (dessen  Briefe  No.  aS.) 
Meine  liebe  Mama,  ich  kann  nicht  viel  schrei- 
bcn,  denn  die  Finger  thun  sehr  weh  von  so  vielem 
Recitativ  schreiben.  Ich  bitte,  bete  die  Mama  für 
mich,'  dass  die  Oper  gut  geht,  und  dass  wir  dann 
glücklich  wieder  beysammen  seyn  können.  Ich  küsse 
der  Mama  tausend  Mal  die  Hände,  und  mit  meiner 
Schwester  hätte  ich  viel  zu  reden.  Aber  was?  Das 
weiss  nur  Gott  und  ich  allein.  Wenn  es  Gottes 
"Wille  ist,  werde  ich  ihr  es  mündlich,  wie  ich  hoffe, 

_ 

•)  Man  begreift  nicht,  wozu  gegenwärtiges  "Zcugniss  verlangt 
und  gegeben  worden  seyn  kann.  Drey  Tage  vorher  war 
W.  A.  Mozart  Philharmoniker  von  Bologna  geworden,  war, 
wie  sein  Diplom  sagt,  inier  Magist  ros  Compositores  der 
dasigen  Akademie  eingeschrieben  worden.  Das  war  denn 
doch  wohl  weit  ehrenvoller  und  empfehlender  zu  einer  An- 
stellung, d$e  gesucht  worden  seyn  mag,  alt  selbst  des  be- 
rühmten Padre  noch  dazu  ziemlich  laues  Zeugniss.  Noch 
weniger  ist  begreiflich,  dass  der  Padre  ihn  nicht  Filarmo- 
nico  di  Bologna  in  diesem  Zeugnisse  nennt,  wo  natürlich  das 
Vortheilhafteste  von  seinem  Klienten  Statt  haben  musste. 


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-339 

„ 

bald  eröffnen  können.  Inzwischen  küsse  ich  sie  tau- 
send  Mal.  Wir  haben  die  gute  Marth erl  verloren, 
doch  werden  wir  *sie  mit  der  Hülfe  Gottes  in  einem 
guten  Stande  finden« 


Nun  eilten  sie,  um  nach  Mailand  zurück  zu 
kommen,'  weil  der  Sohn  sich  zur  Composition  der 
dortigen  ersten  Carneval  -  Oper  verbindlich  gemacht 
hatte.   Wäre  diess  nicht  gewesen,  so  hätte  er  die 

Sprittura  zur  eisten  Oper  auch  in  Bologna,  Neapel 

..."  i     ■**  ' 

oder  Rom  erhalten  können.    Am 'l'8ten  October  ka- 

men  sie  in  Mailand  an,  wo  nun  der  Sohn  in  seinem 
vierzehnten  Jahre  die  Opera  seria:  Mitridate  com- 
ponirte.-  Hierüber,  so  wie  über  den  ganzen  Aufent- 
halt in  Mailand,  sagen  folgende  Briefe  das  Weitere: 

(Leopold  M.  Brief  N0.100.) 

Mailand,  deu  37.  October  1770.'* 

•      «  1  * 

Wir  werden,  wenn  Gott  will,  nach  dem  halben 
Januar  von  hier  abreisen,  und  über  Bresciä,  Verona, 
Farma,  Vicenza,  Padua  nach  Venedig  gehen ,  um 
dort  das  Ende'  des  Karnevals  zu  sehen,  und  dann 
auch  einige  Akademieen  in  der  Fasten '  zu  hören, 
welches  die  beste  Zeit  seyn  soll  ,  sich  zu  produciren. 
Ich  mochte  durch  Kämthen  zu  Euch  kommen/  denn 
ich  habe  Tyrol  gesehen,  und  finde  keine  Freude,  den 
Weg  zwey  Mal  zu  machen,  wie  die  Hunde. 

Misliwelschek  hat  uns  in  Bologna  öfters  besucht 
und  wir  ihn.    Er  schrieb  ein  Oratorium '  Für'  Padua, 
und  geht  nach  Böhmen.  Er  ist  ein  Ehrenmann,  und  , 
wir  haben  vollkommen  Freundschaft  mit  einander 
gemacht.      '   .  . 


■  • 


.  1  - . 


•••  • 


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I 

N,  S.  Ton  Wolfg.  A.  M.  (de«eu  Briefe  No.  29.) 

»  . '  **    ,    .        *"'  l».  Ii. 

Allerliebste  Schwester!  Du  w.qisst,,  dass  ich  ein 
grosser  Schwätzer  bin,  und  auch  als  solcher  Dich  ver- 
lassen habe.  Nun  verlege  ich  mich  aber,  mehr  auf 
das  Deuten,  indem  der  Sohn  vom  Hause  stumm  und 
gehörlos  ist.  Nun  habe  ich  zu  schreiben  für  4ie  Oper, 
Es  ist  mir  von  Herzen  leid,  dass  ich  Dich  wegen, 
der  verlangten  Menuette  n\cht  bedienen  kann;  doch,, 
wenn  Gott  will,  auf  Ostern  vielleicht  wirst  Du  sie 
samrat  mich  selbsten  bekommen.  Mehr  kann  ich 
und  weiss  ieji  nicht  zu  sclireibeu.  Lebe  wohl  und 
bete  für  mich,  

J  '    (Leopold  M.  Brief  No.  ioj.)  *  "  * 

Mailand,  den  3.  Novbr.  1770. 

Wolfgang  bedankt  sich  für  Deinen  Glückwunsch 
zu  seinem  Namenstage,  und.  hofft,  „wenn  uns  der 
liebe Gott  wieder  glüoküch  einander  sehen  lasst, 
Dir  in  Allein,  was  Du  ilim  gewünscht  hast,  voll- 
kommenes Vergnügen  und  Freude  zu  machen. 

Uebrigens  weiss  ich  Dir  nichts  zu  scjire^ben,  als 
dass  wir,  Gott  Lob!  gesund  sind,  un4  wünschten, 
dass  sc}ion  der  Neujahrstag  wäre,  oder  wenigstens 
Weihnachten;  denn  bis  dahin  giebt  es  immer  etwas 
zu  thun  oder  was  zu  denken,  vielleicht  einen  kleinen , 
Verdruss,  dass  man  Pomeranzen  schmeissen  möchte, 
und  folglich  unruhige  Tage.  Geduld!  es  ist  so  vie- 
les Unternehmen ,  Gott  sey  gebenedeyet!  glücklich 
vorbey,  und,  noch  eiumal  Gott  sey  gelobt!  mit  Ehre 
vorbey.  Wir  werden  uns  mit  der  Hülfe  Gottes 
durch  die  unvermeidlichen  Verdrusse,  die  jeder  Ka- 
pellmeister von  der  Virtuosen  -  Canaille  ausstehen 


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I 


inuss,  auch  glücklich  durchbeißen,  wie  der  Haiu- 
w  ms  i  durch  den  Dr  —  berg» 

N.  Sv*  von  Wölfg.  A.'  M.  (dewen  Bricfö  No.  5o. ) 

:  '•  lAÜerlietistes  HerzeTtsschweslerchen ! 
*  Ibh  bedanke  mich  bey  der  Mama  und  bey  Dir 
für  die  redlichen"  Wünsche,  und  brenne'  vor  Begierde, 
Euch  Beyde  bald  wieder  in  Salzburg  zu  sehen..  Auf 
Deinen  Glückwunsch  zu  kommen,  so  kann  ich  Dir 
sagen,  dass  ich  bald  gewähnt  hätte,  dass  Hr.  Marti- 
nelli  Dir  Deinen  welschen  Wunsch  aufgesetzt  hätte. 
Weil  Du  aber  immer  die  kluge  Schwester  bist,  und 
es  so  witzig  gewusst  hast  anzustellen,  indem  Du  nach 
Deinem  Velschen  Glückwunsch  gleich  die  Empfeh- 
lung von  Herr  Martineiii,  welche  in  nämlicher 
Schreibart  geschrieben  war,  darunter  gesetzt,  so  habe 
ich  es,  und  war  es  mir  unmöglich  zu  merken,  und 
ich  sagte  gleich  zum  Papa:  Ach,  könnte  ich  doch  so 
klug  und  witzig  werden!  Dann  sagte' der  Papa:  Ja, 
das  ist  wahr ;  und  ich  sägte  'hernach :  mich  schläfert, 
und  er  sagt  jetzt  just:  Höre  auf!  Addio,  bitte  Gott, 
dass  die  Oper  güt  gehen  möge.  Ich  bin  Dein  Bruder 

1    <*'■■'  ~.    '•  ;'  ''    •   :  w.-'m. 

'    dessen  Finger  vom  Schreiben  müde  sind. 

i       . •     •      i ■        ■       i  «I.«  •»  , 

4 

(Leopold  M.  Brief  No.  loa.)« 

> 

...  t      |        .      Mailand,  den  10.  Novbr.  j 770. 

Wenn  unsere  guten  Freunde,  wie  letzthin,  zu 
Zeiten  einen  Spaass  in  Deine  Briefe  schreiben,  thun 
sie  ein  gutes  Werk  5  denn  Wolfgang  ist  jetzt  mit 
ernsthaften  Sachen  beschäftigt*  und  folglich  sehr  emst- 
haft: ich  bin  froh,  wenn  er  zu  Zeiten  etwas  Lusti- 
ges unter  die  Hände  bekommt.  Meine  Freunde  müs- 


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m 

sen  mich  entschuldigen,  dass  ich  ihnen  nicht  schreibe. 
Jetzt  bin  ich  weniger  als  jemals  dazu  aufgelegt.  Du 
wirst  Dich  mit  der  Zeit  verwundern,  was  für  einen 
Sturm  wir  haben  abschlagen  müssen,  dazu  Gegen- 
wart des  Geistes  und  beständiges  Nachdenken  nöthig 
ist.   Die  erste  Bataille  haben  wir,  Gottlob!  gewon- 
nen, und  einen  Feind  geschlagen,  welcher  der  Pri- 
ma Donria  alle  Arien  ins  Haus  gebracht,  die  sie  in 
unserer  Oper  zu  singen  hat,  und  sie  bereden,  wollen, 
keine  von  Wolfgang's  Arien  zu  singen.  Wir  haben 
sie  Alle  ,  gesehen ;  es  sind  Alles  neue  Arien :  weder 
sie  noch  wir  wissen  aber,   wer,  sie  componirt  hat. 
Sie  hat  es  aber  diesem  bösen  Menschen  abgeschlagen, 
und  ist  ganz  ausser  sich  vor  Freuden  über  die  Arien, 
die  ihr  Wolfgaug  nach  ihrem  \Villen  und  Wunsch 
gemacht  hat,  so  wie  auch  ihr  Maestro  Lam pugnajii, 
welcher  mit  ihr  ihren  Part  repetirt,  der  des  Wolf- 
gang's  Arien  nicht  genug  loben  kann.  Es  steht  aber 
noch  ein  anderer  Sturm  am  theatralischen  Himmel, 
den  wir  schon  iu  der  Ferne  sehen.  Allein  mit  Got- 
tes Hülfe  und  guter  Art  werden  wir  uns  wohl  durch- 
schlagen.  Du  musst  Dich  aber  gar  nicht  wundern. 
Diess  sind  unvermeidliche  Sachen,   die  auch  den 
grössten  Meistern  begegnen.    Wenn  wir  nur  gesund 
sind,  das  Uebrige  hat  Nichts  zu  sagen.    Man  muss 
sich  die  Sachen  nicht  stark  zu  Herzen  nehmen. 

(Leopold  M.  Brief  No.  io3.) 

Mailand,  den  17.  Novbr.  1770. 

Wolfgang  hat  seinen  gewöhnlichen  Zahnfluss  auf 
einer  Seite  gehabt. 

Einen  eweyteu  Sturm  haben  wir  zwischen  ge- 


s 


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• 

stern  und  heute  abgeschlagen.  Obwohl  noch  Eins 
und  das  Andere  vorfallen  wird ,  so  hoffe  ich ,  dass 
mit  der  Hülfe  Gottes  Alles  gut  gehen  wird;  denn 
dass  eine  Oper  in  Italien  einen  allgemeinen  Beyfalt 
erhalte,  ist  ein  Glückszufall,  der  sich  selten  ereignet, 
weil  viele  Factionen  sind.  Genug,  es  ist  schon  Vieles 
mit  uns  vorbey;  auch  dieses  wird  mit  Gottes  Bey- 
stande  sein  glückliches  Ende  erreichen.  Öes  Nach- 
mittags gehen  wir  gewöhnlich  spaziren ,  denn  nach 
dem  Essen  will  ich  nicht,  dass  Wolfgang  schreibe, 
ohne  die  grösste  Notwendigkeit.. 

(Leopold  M.  Btfef  No.  io4.) 

Mailand,  den  a4.  Novbr.  1770. 

Wolfg.  hat  die  Hände  voll  za'  thun,  indem  die 
Zeit  anrückt,  und  er  für  den  Primo  uomo  erst  eine 
einzige  Arie  gemacht  hat,  weil  er  noch  nicht  hier 
ist,  und  doppelte  Arbeit  will  er  nicht  haben,  folg- 
lich Leber  seine  Gegenwart  abwarten,  um  das  Kleid 
recht  an  den  Leib  zu  messen.  1  ■  ♦ 

,.  (Leopold  M.  Brief  No.  io5.) 

Mailand,  den  1.  Decbr.  1770.  . 

Eure  Glücks  wünsche  zu  meinem  Namenstage, 
deren  Ausbleiben  ich  Euch  neulich  vorwarf,  sind 
nun  angekommen.  Wolfg.  hat  mir  ganz  traurig  ge- 
sagt: „die  Mama  uhd  du?  Nannerl  erbarmen  mich 
recht,  weü  der  Papa  solche  spaasshafte  Stichreden 
ihnen  in  seinem  vorigen  Briefe  geschrieben  hat." 

'  Du  schreibst  mir  von  einer"  Gräfin  Lodron.  Al- 
lein von  welcher?  Man  muss  eine  Sache  nicht  halb, 
sondern  ganz  schreiben. 


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0 


234 

Da  gjaul)3t,7  die  Oper  ist  schon  fertig; 'Du  irrest 
Dich  sehi-.  Wenn  esi  an  unserm,  Sohne  gelegen- halte, 
SP.  würden  .z^ej  Opern  fertig  seyn.  Allein  in  Ita- 
lien geht  es  ganz,  närrisch  zu ;  zu  seiner^  Zeit ,  sollst 
Du  Alles  qr&Jnsen.  ,  Der  Prirnp  norm  lärmt  erst 
feflpf?»  •.*.;*/„•. ;.i  8v  >       -  r 

JEf|f*  A,,#^rt>  *Uoh*hrin.   Brief  No;  . 

a 

"'•>•'     '    ;<Liebe  SchtresterT-  '       •     " •  «v-;L- 

Weil  ich  so  lange  nicht  geschrieben  haKe,  so 
habe  ich  gedacht,  Deinen  Verdruss  oder  Verschmach 
zu  besänftigen  mit  gegenwärtigen  Zeilen.  Nun  habe 
ich  viel  zu ,  schreiben  und  zu  arbeiten  an  meiner 
Oper.  Ich  hoffe,  es  wird.  Alles  gut  gehen  mit  der 
Hülfe  Gottes.'  *   \  J 

(leopold  M.  Brief  No.  106.) 

,        ,   ,  Mailand,  <fep  8.  »cebr.  j 770..  . 

»..  *««4         Vilm  1  h  »,  ••  «■  •■       •  »• 

Heute  ist  nach  Betläuten  die  zwey$e  RfcifcaiiyT 
Probe.  Die  erste  ging  so  gut,  dass  man  nur  ein  ein- 
ziges Mal  die 'Fäder ;  in  die  Hand  nahm,  um  einen 
einzigen  Buchstaben  :zu  andern  und  della  in  dalla 
zu,  verändern. Diess  rmachts,  dem,  Gopisten  Ehre  und 
bey  Allen  machte  es  Verwunderung.  Ich  w:ünsehe, 
dass  es  bey  den  Instrumental -Proben  auch  so  gehe. 
ir  So  viel  ich  ohne  väterlich*,  Partheylichkeit  sagen 
kann,  finde  ich,  dass  er  die  Oper,  gut  und  mit  vie- 
lem Geiste  geschrieben  Jiat.  Die  Säuger  sind  gut: 
nun  kömmt  es  auPs  Orchester  au.  und  letztlich  auf 
{He  Caprice  der  Zuhörer,  Folglich  kömmt  auch 
Vieles  aufs  Glück  an,  wie  in.  einer  Lotterie» 


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235 

....  .  Mailand,  den,  i5,  Docbr.  im. 

.  Ain  ^Un^ar.die,  ers,te  mit  Insti*menten, 

aber  nur  init  i^P^soueiU  11m,  zuhisejie*,  ob.^Ue*. 
correct  geschrieben -ist.  Den  *7ten  ist  die  erste  Probe 
mit  ganze»  ^qliestjer,  ;welcJkes^n{0|Prim-  und  ebet^ 
*?.  vielem  Sewild^.VioJjwen, .  2.  CMyiereii, i  6  Cootra-r 
bässen,  2  Viplpnpellen>  2  Fagotten^^  Violen>:2  Obpen; 
und^  Flautrayersi^  (Welche,  wo  teine^lauti  dabey, 
sint^v  allezeit,  init  4,  Oboen_  mitspielen,  4  Corni  <U 
cßccip  uncj  2,  Cfarifii,  folglich  .in,  60  Personen  besteh t. 

.. .  Be^r  .%  «SL?»^  mh  Ueinen  Prester 
gemacht  wurde,j;  If^^W^t)  W  I^ujten  ßefehl^ 

welche  init  satyriaclie*.  ^in^ ^e^.Mflß* ,  W». 
Voraus  als  etwas,.  Junges.  un4.  EJemjes  ausgesehen, 
und  so  zi;  s/igeu  nrppfa^zey^t,,.  dai(sie  behaupteten,, 
dass  es  unmöglich  wäre,  dass  ein  so  jmigex  Kpab^b 
und  noch  dazu  ein  Teutscher,  eine  italienische  t)per 
schreiben  könnte,  und  dass  er,  ob ? sie  ihn  gleich  als 
einen  grossem  Virtuosen  erkannten,   doch  das  zum 
Theater  nötige,,  Cliiaro  e$  oscuFp  unmöglich  ^erste- 
hen und  einsahen  könnte.   .  Alle  diese  Leute,  sind, 
nun  von  dem  Abend  der .  ersten  .kleinen  Prqbe  an* 
verstummt  und  reden  nicht  eine  §ylbe.  mehr..  .  Der, 
Copist  ist  ganz,  voll  Vergnügen, ywelche^  i^jftaljen 
eine  gute  Vprbe^utpng  wt?  pdem^  wenn  die  #usik 
gn^  ausfallt,  der,  (?opist  manchmal  durch  Verschik-; 
knng  upd  Verkauf ung  der  ■  Arien  mehr  Geld  gejidnmV 
alft  der  Kape^lineister  für  die  Composition  ka^.  Die 
Sängerinnen  und  Sänger  sind  sein:  zufrieden  und 
völlig  vergnügt,  absonderlich .  die  ;jPrvwa  Dorm*  und 
Primo  uomo  wegen  des  Duetts  .voller  Freude.  Der, 

■ 


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Primo  uorno  sagte :  „dass',  wenn  dieses  Duett  nicht 
gefalle ,  er  sich  noch  einmal  wolle  beschnazeln 
lassen.  Basta!  "Nun  kömmt  ejr  ahf'die  Caprice  des 
ganzen 1  Publicum 3  an.  In  der  Sache  selbst  ist  uns 
ausser  der  wenigen 4 bitein  Ehre  nicht  viel  daran  ge- 
legen.1-Wir  haben  Vieles  in  dieser  wunderlichen 
Welt  schon  «tmternöntfirietf,'  und  Gott  hat  uns1  allezeit 
bejrgeslaiideh.: '  'Nun- stehen  wir  am"  ftanfte  *eW 
tfegeii  einigei-  Umstände  eben  nicht  so  geringen1  ijii- 
ternehmens,  und  Gort  wird  auch  jetzt  mit  uns  seyn. 

Ära  heil.  Stephanstage,  eine  gute  Stunde  nach 
Ave  Maria,  könnt  Ihr  in  Gedanken  den  Maeätro 
Don  Arnadeo  beym  Ciavier  im  Orchester,  mich  ater 
oben  rtL  einer  Loge  als  Zuseher  und  Zuhörer  Euch*' 
vorstellen  oder  einbilden,  und  ihm' in  Cedanken  eine 
glückliche  Production<  wünschen;  auch  deswegen 
ein^aar  Vater  uns  e*  beten.  ,!        "  ' :> 

rj;.  ffc:  .      «.  (LetopQld  M.  Bribf  No.;iq&)    1*"»  t< 

i;r.J.;    .  :>    :: .  .     .  :  *     Mailand,  den  aa.  Decbr.  1770.  • 

•  ■':;  Am  £9ten  war  die  erste  Probe  am  Theater,  da 
sie  den  17ten  vorher  im  kodoutensaale  war.  Es1* 
ging,  Gott  Lob!  recht  gut.    Gestern  War  Recitativ- 
Frobe;-  heute  wird1  eine  zweyte  Probe  lauf  dem  The- 
a£er:unoV  Montags  d he  Hauptprobe  seyn. 

■!';'Wä  nun  den  26sten,  den  Tag  der  Aufführung 
betrflft;  so  'ist  mein  Trost,  das«  ich  sehe,  dass  sü- 

>  *  •  •  •  ■ 

wx>hl"die  Recztanti  &Ys  das  Orchester  zufrieden  sind; 
und  icfc  habe,  Gott  Lob!  auch  selbst  noch  Ohren. 
Ich  stellte  mich  bey  der  Probe  ganz  zurück  unter 
(fen  Haupteingang,  um  es  in' der  Ferne  recht  zu  hö- 
ren.   Vielleicht  aber  'waren  meine  Ohren  zu  par- 


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theyisch.  Untenlessen  sehen  und  hören  wir,  d&is 
unsere  guten  Freunde  lustig  und  vergnügt  sind,  und 
meinem  Sohne  mit  Freuden  gratuliren;  die  Uebel- 
« es  in  n  tcn  hingegen  sind  nun  stumm«  Die  grössten 
und  ansehnlichsten  Kapellmeister  dieser  Stadt,  Fio- 
roni  und  SammarthiOj  sind  unsere  wahren  Freunde, 
wie  auch  L<ampugnani,  Piazza  Colombo  etc.  Folg- 
lieh  wird  der  Neid ,  oder  vielmehr  der  Unglaube 
und  die  schlechten  Vorurtheile,  die  Einige  wegen 
der  Composition  unsers  Sohnes  hatten,  wenig  scha- 
den können.  Wenigstens  hoffe  ich,  dass  es  das  böse 
Schicksal  des  Hrn.  Jomelli  nicht  haben  wird,  dessen 
zweyte  Oper  in  Neapel  jetzt  so  a  terra  gegangen  ist, 
dass  man  gar  eine  andere  dafür  einsetzen  will.  Diess 
ist  nun  ein  so  berühmter  Meister,  aus  dem  die  Ita- 
liener  einen  erschrecklichen  Lärmen  machen.  Es 

•  *  r    • » •  »•■•■•  1  •••• 

war  aber  auch  ein  wenig  närrisch,  dass  er  in  einem 
Jahre  zwey  Opern  auf  dem  nämlichen  Theater  zu 
schreiben  unternommen,  um  so  mehr,  als  er  hat 
merken  müssen,  dass  seine  erste  Oper  keinen  gros- 
sen Beyfall  hatte«  Wir  sind  alle.  Abende  eine  Stunde 
nach  Ave  Maria  seit  dem  löten  bia  11  Uhr  in  der 
Oper  5  nur  die  Freytage  ausgenommen. 

(Leopold  M.  Brief  No.  109.) 

Mailand*,  den  ao.  Dcckr.  1770. 

Gott  sey  gelobt !  die  erste  Aufführung  der  Oper 
ist  den  26sten  mit  allgemeinem.  Bey falle  vor  jsich  ge- 
gangen, und  zwey  Sachen,  die  in  Mailand  noch  nio 
geschehen  sind,  vorgefallen.  Nämlich,  dass  wider 
alle  Gewohnheit  der  ersten  Sera  eine  Arie  der  Pri~ 
ma  donna  ist  wiederholt  worden,  da  jnan  sonst  bey 


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der  ersten  Pruduclicm  niemals  filöra  "ruft;  und  zwey- 
tens,  dais  nach  Ml  an*h  Arien,  kaum  ein  paar  Arien 
'delle  pecchirze  parii  ausgenommen,  ein  erstaunliches 
Händeldatschen  und  Evvipa  il '  Maestro Evviva  il 
meÄö^RHif  erfolgte.  1         :  '-•  ""   '  ' 

Den  2Tsten  sind  zwey  Arien  der  Prima  donna 
wiederholt  worden,  und,  da  es  Donnerstag  war,  folg- 
lieh  da  es  in  den  Freytag  hinein  ging,  so  musste 
man  suchen,  kurz  davon  zu  kommen;,  sonst  wurde 
auch  das  Duett  wiederholt  worden  seyn,  denn  der 
Lärmen  fing  schon  an.'  Allein  die  Meisten  wollten 
riocli  zu  Hause  essen,  und  die  Oper  mit  drey  Bal- 
letten dauerte  ihre  sechs  starke  Stunden.  Heute  ist 
die  dritte  Heciia. 

So  wie  Hasse  il.Sassone  und  Galuppi  Buranello 
genannt  werden.,  sq  nennt  man  unsern  Sohn  «7  Qa- 
valiere  filarmonico.  .. 

*  *  * 


I.    .    |  • 


,       ,  .  |  I  .  •  '  »  t  «  . 

Der  Vater  schrieb  »einige  Tage  darauf  am  jjten 
Januar  1771  aus  Mailand  folgenden  Brief  an  den  Pa- 
ter Martini  in  Bologna v  "'  ' 

Indem  ich- Ihnen  ein  glückliches  neues  Jähr  wün- 
sche, gebe  ich  Ihnen  zugleich  Nachricht,  dass  die 
Oper  meines  Sohnes  eine  sehr  glückliche  Aufnahme 
gefunden  hat,  ungeachtet  der  grossen  Ränke  unserer 
Feinde  und  Neider,  die,  ohne  noch'  em&  Note  gese- 
hen zu  haben,  ausstretfeten ,  das*  es' eine  barbarische 
Musik  t)hne  Ordnung  und  Tiefe,  ja  unmöglich  vom 
Orchester  auszuführen  sey;  dergestalt,  dass  sie  die 
Hälfte  von  Mailand  glauben  machten ,  man  würde, 
statt  einer  Oper,  nichts,  als  x?ine  Stopfeley  erhalten. 


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Emer  hatte  sogar  der  ersten  Sängerin  alle  ihre  Arien 
sammt  dem  Duett,  von  der  Compositum  des  Abbate 
Gasparini  zu  Turin,  verschafft,  und  beredete  sie, 
diese  einzulegen,  sp  wie  von  diesem  jungen  Men- 
schen nichts  anzunehmen,  der  nie  fähig  seyn  würde, 
eine  gute  Arie  zu  schreiben.  Allein  die  erste  Sän- 
gerin erklärte  sich  zufrieden1,  ja  überzufrieden.  Des- 
sen ungeachtet  Lessen-  unsere  Verlätanuer  nicht  ab, 
eine  fcble  Meynung  über  die  Oper  meines  Sohnes  zu 
verbreiten;  doch  d;e  erste  Instrumetf talprobe  schlosa 
diesen  , grausamen  SciiwätiöTO  ^auf  eine  Art  den^Miwid^ 
dass  man  kein  Woi*  /mehr  von  ihnen  hörte.  Alle 
Professoren  im  Orchester  erklärten,  dass  <üe  Musik- 
klar, deutlich  -und  leicht  zu  spielen  sey,  so  wie  sich', 
die  Sänger  insgesammt  zufrieden  zeigten«  Die  erste/ 
Oper  jzu  Mailand  hat  gewöhnlich  das  Üttgltöck,  wenn 
sie  nicht  gar  durchfallt,  doch  Wenig  Zulauf  zu  (inw 
den,  indem  Alles  auf  die  «weyte  Wartet;  allein  bis- 
her war  in  den  ersten  sechs  Vorstellungen  das  The- 
ater immer  sehr  voll,  und  jeden  Abend  mussten 
zwey  Arien  wiederholt  werden,  indess  man  auch  den 
meisten  andern  Musikstücken  grossen  rJeyfall  schenkte. 
—  Liebster  Herr  Pater,  wir  hoffen  rücksichtlich  Ih- 
rer Gesundheit  gute  Nachrichten  zu  vernehmen?  ich 
verzweifle  noch  nicht,  das  versprochene  Miß  er  et # 
von  Ihrer  ausgezeichneten  Composition,  so  wie' jene 
Musik  zu  16  Stimmen  zu' erhalten.  Hr.  Joseph  IMn- 
sechi  wird  nicht  ermangeln,  den  Betrag  für  die  do- 
pirung  zu  entrichten*,  so  wie  ich  nicht  unterlassen- 
werde,  so  bald  ich  nach  Hause  komme,  nämlich  zu 
Ostern,  Ihnen  Alles  zu  senden,  was  Ihnen  angenehm 
seyn  könnte.    Mein  Sohn  küsst  Ihnen  d\e  Hände, 


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240 

11   ■  .■ 

und  ich  nenne  mich  mit  ihm  mit  aller  Verehrung 

und  Hochachtung  *  .  *. 

Ew.  Hochwih-dea 

ergebensten  Diener 

Leopold  Mozart  m.  p. 

(Leopold  M.  Brief  No.  110.) 

Mailand,  den  5.  Januar  Anno 
r    hinten  wie  vorne  und  in  der  Mitte  doppelt  (1771).  . 

*  Gestern  war  eine  kleine  Akademie  bey  dem  Gra- 
fen Firmian,  wo  dem  Wolfgang  ein  neues  schönes 
und  schweres  Concert  zum  Spielen  vorgelegt  wurde. 
Kommenden  Montag  werden  wir  nach  Turin  gehen 
auf  acht  Tage.  Die  Oper  unseres  Sohnes  geht  mit 
allgemeinem  Beyfalle  fort,  und,  wie  die -Italiener 
sagen,  ist  alle  stelle.  Jedermann  ist  begierig,  den 
Maestro  zu  sehen  und  zu  sprechen.  In  den  ersten 
drey  Abenden,  wo  Wolfg.  das  erste  Ciavier  spielte, 
accompagnirte  der  Maestro  Lampugnani  auf  dem 
zweyten.     Dieser  spielt  nun  das  erste,;  und  der 

Maestro  Melchior  Chiesa  das  zweyte.  .  ... 

*    •  • 

Die  Mailänder  Zeitung  vom  2ten  Januar  1771 
enthielt  folgenden  Artikel  über  diese  Oper:   

M  il  an  o.  —  Mercoledl  scorso  ei  e  riaperto 
questo  Regio  Ducal  Teatro  colla  rappresentazione 
del  Dramma  intitolato :  il  Mitridate,  Re  di 
Ponto,  che  ha  incontrata  la  pubblica  soddisfazione 
si  per  il  buon  gusto  delle  Decorazioni,  quanto  per 
Ueccellenza  de  IIa  Musica,  ed  abilita  degli  Attori. 
Menne  Arie  cantate  dalla  Signora  Antonia  Berna- 
sconi  esprimono  vivamente  le  passioni,  e  toccino  il 
euore.     II  giovine  Maestro  di  Cappella ,  che  non 

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oltrepassa  l'eta  d'anni  quindici,  studio,  il  hello  della 
natura,  e  ce  lo  rappresenta  adorno  delle  piu  rare 
grazie  Musicali* 

m 

(Leopold  M.  Brief  No.  111.) 

Mailand,  den  la.  Januar  1771. 

Die  Accademia  filarmonica  zu  Verona  hat  un- 
aern  Sohn  zum  Mitgliede  angenommen,  und  der  Can- 
celliere  de  II*  Accademie  ist  im  Begriffe,  das  Diplom 
auszufertigen.  Gott  Loh!  die  Oper  hat  einen  sol- 
chen Zulauf,  dass  das  Theater  taglich  voll  ist. 

,   . — 

Copia  tratta  dal  Protocollo  delV  Archiaio 
della  Accademia  Filarmonica  di  Verona* 
Foglio  E,e,e.  Pag.  31.  1771.  5.Gennajo.\.  . 

//  giorno  delli  5  dal  Mese  di  Gennajo  1771  con» 
vocata  la  Magnißca  Accademia  Filarmonica  di  Ve- 
rona con  Vassistenza  de?  Padri  Gravissimi. 

Espose  il  Sign.  Conte  Murari  Bia,  Governatore, 
essere  antico  istituto  di  questa  Accademia  il  prohao- 
ciarsi  Vonore  delle  persone  virtuose,  acciocchS  dallö 
Ipro  distinte  vir  tu  ridondi  sempre  piu  lustrote  de** 
coro  alla  stessa  Accademia,  cosl  essendo  bastante- 
mente  note  le  prerogative  distinte,  delle  quali  va 
adorno  il  portentoso  Giovane  Sign.  Amadeo  fVolf- 
gango  Mozart  di  Salisburgo,  Maestro  de*  Conzerti 
di  S.  A,  ReiS"*  VArciveecovo  Principe  di  Salisburgo, 
Cavaliere  dello  Speron  d'oro  condecorato  dal  Reg- 
nante  Sommo  Pontefice,  die  ei  degnb  udirlo  ed  ap- 
plaudire  al  merito  di  esso  giovane:  e  peramente 
puö  decantarsi  per  un  prodigio  de9  piu  distinti  nella 
Professione  di  Musica,  e  lo  puö  accertare  questa 

16 


• 


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242 

nostra  Viilä  di  Verona  mentre  in  que*  pochi  giorni, 
che  . vi.  si  trattenne,  diede  prove  tali  del  9uo  valore 
nel  suonare  il  Clavicembalo ,  in  piu  incontri  all*  im- 
provviso  le  cose  piu  dijjficoltose  con  tale  prontezsa  e 
leggiadria  riducendo  sul  fatto  in  ottima  Musica 
concertata  a  piu  istromenti  alcuni  trqtti  poetici  che 
gfi'furono  esibiti,  con  istupore  de*  piu  intendenti  in 
tale  arte»  JE  questa  nostra  Accademia  Filarmonica 
pub  fare  le  piu  veridiche  sinccre  attestazioni  dcl 
merito  inipareggiabile  di  qucsto  Giovane,  il  quäle 
'  nclla  Sdlä  deW  Accademia  in  Gennaro  dell*  anno 
scorso  alla  presenza  di  Dame  e  Cavalieri  e  della 
pubblica  Rappresentänza  colli  musieali  stromenti 
sostenne  con  sonima  maestria  e  ammiräzione  e  «or- 
presa  di  tutta  quclla  nobile  Adunanüa,  i  maggiöri 
cimenti.  E .  eib  oltre.  le  moltiplici  notizie  avute  da 
piu  parti  dell'  Italia ,  dove  si  e  fatto  sentire  questo 
ammirabile  Giovane  da.  primi  Professor i  e  Dilct-i 
tanti  .di  Musica  *  riportandone  da  tutti  encomj  ed 
applausL  In  sornma  questo  insigne  talento  promette- 
scmprc  piu  avvanzanueriti  ammirevoli  da  far  istupire 
tutli  queili  che  l'avranno  ad  udire  in  progresso, 
poichc.  in  etä  cosl  frcsca  il  suo  raro  ingegno  e  per- 
venuto  a  tal  grado  di  saper e  che  ormai  awanza  & 
supera  i  piu  valorosi  intendenti  di  Musica. 

Percib  sarebbe  di  gran  vantaggio  a  questa  no- . 
stra  Accademia  la  quäle  nella  Musica 9  Poesia  e> 
Belle  Letter e  ha  sempre  avuto  nome  da  per  tutto- 
fra  .le  piu  segnalate  e  distinte,  che  questo  insigne 
Giovane  fosse  ascrittö  Maestro  di  Capeila  dell*  Ac- . 
cademia  Filarmonica,  sperando  che  da  lui  sarä  ag- 
gradita  questa  dimostrazionc  di  stima. 


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243 


Proposta  in  Accadernia  sl  decofosa  proposizione, 
e  discorm  con  erudita  faebndia  dagli  Accademivi 
vi  .  Ab  univer&almente  accLunata ,  e  per  consequenza 
descritto  ii  Sign.  Amndeo.  Wolf  gang  q  Mozart  Mae- 
stro di  Capclla  dcllci  ' Magnißca  Accadernia  Filar* 
monica  di  V erona.  .  , 

•  "i        "»  ,''  ■■■t>  .  ;i      m  r  .-if  ,  - 

Abschrift'  aus  dem  Protricoll  des  Archivs  der  Acca- 
dcmiß  Filarmonica  in  Verona.  Ful.  JS,  e~*>)  pag.  31.' 
1771?  d m  5.,  Jwuar,  ^  .  # 

In  der 'Versammlung  der  Hochlöbl.  Accadernia  Filarmonica 
Ton  Verona  vom  5.  Januar  1771  trug  in  Beyseyn  der  Hoch  würdi- 
gen Väter  der  Herr  Graf* Murari  Bia,  Gouverneur,*  vor:  es  sey 
eine  alte  Einrichtung  dieser  Akademie,  sich  dio  Ehre  talentvoller 
Personen  zu  verschaffen,  damit  deren  ausgezeichnete  Talente  zu 
immer  gTÖsserm  Glan«'  ünd»  Zierde  dieser  Akademie  gereichen 
mochten ;  nun  aber  seyen  die  ungemeinen  Vorzüge  hinlänglich  .'be- 
kannt, womit  der  wundervolle  junge  Mann,  Hr.  Amadeus  Wolfgang 
Mozart  aus  Salzburg,  Concertineistcr  Sr.  Hochwürdetf  des  Herrn 
Fürst -Erzbischofs  von  Salzburg,  Ritter  vom  goldenen  Sporn,  ge- 
ziert mit  diesem  Orden  von  Sr.  Heil,  dem  jetzt  regierenden  Papste, 
der  geruht  hat,  ihn  zu  hören  und  seinem  Verdienste  Beyfall  zu 
geben,  begabt  ist;  und  in  Wahrheit  kann  er  als  eine.  Wunder -Er- 
scheinung in  der  Tonkunst  gerühmt  werden,  und  diese  unsere  Stadt 
Verona  fcann  es  selbst  bestätigen,  da  er  in  den  wenigen  Tagen,» 
dass  er  hier  sich  aufhält  >  solche  ProLen  «einer  Stärk»  am  ClaWer- 
spielen  gegeben  hat,  indem  er  bey  mehren  Gelegenheiten  aus 
dem  Stegreife  die  schwersten  Sachen  mit  solcher  Schnelligkeit  und 
Leichtigkeit  auf  der  Stelle  in  die  trefflichste  Äinsik  mit  mehren 
Instrumenten  begleitet,  gebracht  -  hat ,  und  zwar  einige  ppetische, 
Stücke,  die  ihm  vorgelegt  wurden,  zum  Staunen  der  grössten  Ken- 
nur  dieser  Kunst;  auch  kann -diese  unsere  Accadernia  Filarmonica 
die  wahrhaftesten  und  aufrichtigsten  Zeugnisse  des  unvergleichlichen 
Verdienstes  dieses  jungen  Mannes  geben,  der.  im  Saale  der  Akade- 
mie, im  Januar  des  verflossenen  Jahres,  in  Gegenwart  von  Damen 
und  Herren  und  bey  öffentlicher  Aufführung  mit  musikalischen  In- 
strumenten, mit  höchster  Meisterschaft  und  zur  Bewunderung  und 
Uebcrraschung  jener  ganzen  edlen  Versammlung,  .die  grössten  und 
härtesten  Proben  bestand.  Uebcrdicss  hat  man  auch  vielfache  Nach- 
richten aus  mehren  Theilen  Italiens,  wo  sich  dieser  hewunderns- 

1G* 


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1 


244 

würdige  jung©  Mann  hat  hören  lassen,  dass  ihm  von  den  ersten 
Professoren  und  Dilettanten  alle  Lobsprüche  und  Beyfallsbezeigun- 
gen  ertheilt  worden  sind.  Kurz,  dieses  vorzügliche  Talent  ver- 
spricht immer  mehre  wundervolle  Fortschritte,  um  alle  diejenigen, 
welche  ihn  künftig  hören  werden,  in  Staunen  zu  setzen,  da  dieser 
seltene  Geist  in  so  jugendlichem  Alter  zu  einer  solchen  Stufe  des 
Wissens  gelangt  ist,  dass  er  es  jetzt  schon  den  stärksten  Tonkünst- 
lern zuvorthut  und  sie  übertrifft. 

-  Daher  würde  es  für  diese  Akademie,  die  in  der  Tonkunst, 
der  Dichtkunst  und  den  schönen  Wissenschaften  stets  einen  Namen 
unter  den  ausgezeichnetsten  und  vorzüglichsten  überall  gehabt  hat, 
von  crossem  Vortheil  seyn ,  wenn  dieser  treffliche  junge  Mann  zum 
Kapellmeister  tfer  Accademia  Filarmonica  ernannt  würde,  mit  der 
Hoffnung,  dass  er  diesen  Beweis  von  Achtung  annehmen  werde. 

Nachdem  dieser  rühmliche  Vorschlag  der  Akademie  vorgelegt 
und  von  den  Akademikern  mit  gelehrter  Beredtsamkeit  darüber  ge- 
sprochen worden,  ward  er  mit  allgemeinem  Beymll  aufgenommen, 
und  dem  zufolge  Hr.  Amadeus  Wolfgang  Mozart  zum  Kapellmeister 
der  Hochlöbl.  Accademia  Filarmonica  in  Verona  ernannt, 

«•  •  ■   M  1 

•  •  i_  ' 

f 

Nachschrift,  von  Wolfg.  A.  M.  (dessen  Brief  No.  3i.) 

Alt      1*1.  o    1  I      '** "  ,f*  >'  ?  >J 

Allerliebste  Schwester!      m  m  yiit  fMt 

Ich  habe  schon  lange  nicht  mehr  geschrieben, 
weil  ich  mit  der  Oper  beschäftigt  war*  Da  ich  jetzt 
Zeit  habe,  will  ich  meine  Schuldigkeit  mehr  beob- 
achten. Die  Oper,  Gott  Lob  nnd  Dank,  gefallt,  in- 
dem alle  Abende  das  Theater  voll  ist,  welches  auch 
Alle  in  Verwunderung  setzt,  indem  Viele  sagen,' 
dass  sie,  so 'lange  sie  in  Mailand  sind,  keiue  erste 
Oper  so  voll  gesehen  haben,  als  dieses  Mal.  leb 
sammt  meinem  Papa  bin  gesund,  G-ott  Lob  und  Dank, 
und  hoffe,  dass  ich  der  Mama  und  Dir  auf  Ostern 
Alles  mündlich  erzählen  kann.  A  propos,  gestern 
war  der  Copist  bey  uns,  und  sagte,  dass  er  meine 
Oper  just  für  den  Hof  nach  Lissabon  schreiben  muss. 
Leben  Sie  wohl,  meine  liebe  Mademoiselle  Schwester. 


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Icli  habe  die  Ehre  zu  seyn  und  zu  verbleiben  von 
nun  an  bis  in  Ewigkeit  ■ 

Dero  getreuer  Bruder« 

(Leopold  M.  Brief  No.  112.) 

Mailand,  den  a.  Febr.  1771. 

Am  3i.  Januar  sind  wir  aus  der  scbönen  Stadt 
Turin  zurück  gekommen,  wo  wir  eine  recht  präch- 
tige  Oper  gesehen  haben.    Mündlich  mehr.  Wir 

*    * 

speisen  heute  wieder  bey  Firuiian. 

Der  Kapellmeister  Francesco  di  Majo  zu  Neapel 
ist  gestorben,  eben  so  Hr.  Carratolli  in  Pisa* 

lala  •  *  • 

•  (Leopold  M.  Brief  No.  IlS.)  I 
.*    '  Venedig,  den  i5.  Febr.  177». 

Am  Fasching  -  Montage  angelangt.    Wir  sind 
taglich  in  der  Oper  und  andern  Belustigungsorten. 
In  Breacia  waren  wir  in  4c*r  opera  bujfa. 
Der  ehemalige  Impresario  Crosa  geht  in  Mai- 
land elend  gekleidet  mit  einem  langen  Balte  betteln. 
Also  straft  Gott  die  Betrüger. 

m 

(Leopold  M.  Brief  No.  .i4.) 

Venedig,  den  20.  Febr.  177t." 
Von  Mailand  her  habe  ich  noch  Folgendes  zu 
erzählen.  Wir  hörten  da  Etwas,  welches  Euch  un- 
glaublich scheinen  wird,  und  ich  nie  geglaubt  hätte, 
NB.  in  Italien  zu  hören.  Wir  hörten  nämlich  auf 
der  Gasse  zwey  Arme,  Mann  und  Weib,  mit  einan- 
der singen,  und  sie  saugen  Alles  in  Quinten,  so  dass 
keine  Note  fehlte.  Das  habe  ich  in  Deutschland  nicht 
gehört.  In  der  Ferne  glaubte  ich,  es  wären  zwey 
Personen,  die  jede  ein  besonderes  Lied  sängen.  Da 


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t 


246 ... 

wir  näher  kamen,  fanden*  wir,  dnss  es  ein  schönes. 

Duett  in  puren  Quinten  war.  —  

Ich  kann  Dir  die  Ehrlichkeit  des  Kaufmanns 
Wider,  an  dem  ich  hier  empfohlen  bin,  und  seiner 
Familie  nicht  genug  riüimen.  Man  kann  von  ihnen 
nicht  genug  Gutes  sagen.  Ich  habe  auch  ein  wenig 
die  Leute  in  dieser  Welt  kennen  gelernt,  allein  ich 
habe  wenige,  ja  sehr  wenige  dergleichen  angetroffen; 
denn  nebst  dem,  dass  sie  dienstfertig,  redlich  und 
voll  Ehrlichkeit  und  Menschenliebe  sind,  sind  sie 
auch  dabey  höflich,  voll  guter  Art  und  keineswegs 
stolz  auf  die  erwiesenen  Höflichkeiten.  Wir  sind 
auf  alle  Tage  bey  ihnen  eingeladen,  wo  man  uns 
nicht  anderswo  zu  Mittage  gewünscht  hat.  Wir  sind 
nun  bald  genug  in  den  Gondeln  gefahren.  Morgen 
speisen  wir  bey  Catarina  Cornero,  am  Sonntage  bey 
dem  Patriachcn,  Montag  bey  Dolfino.  Kommende 
Woche  werden  wir  meistens  bey  andern  Nobili 
speisen. 

N.S.  von  Wolfg.  A.  M.  (dessen  Briefe  No.  53). 

Ich  lebe  auch  noch  und  bin,  Gott  Lob  und  Dank, 
gesund.  Weisst  Du,  was  es  ist,  die  attacca  geben 
zu  lassen  ?  Man  muss  sich  auf  dem  Boden  den  Hin- 
tern  prellen  lassen,  um  ein  rechter  Venetianer  zu 
werden.  Mir  haben  sie  es  auch  thun  wollen,  ha- 
ben  alle  sieben  Weibsbilder  zusammen  [geholfen,  und 
doch  waren  sie  nicht  im  Stande,  mich  zu  Boden  zu 
bringeu. 

(Leopold  M.  Brief  No.  n5.) 
r     i  •  -  Venedig,  den  1.  Mära  »77>- 

Wir  sind  immer  bald  da,  bald  dort  eingeladen, 


■ 

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<M7 

■ 

folglich  haben. wir  beständig  die  Gondeln  der  Herr- 
schaften vor  dem  Hanse,  und  fahren  auf  dem  Canal 
granda,  —  '  Auf  der  Reise  müssen  wir  uns  einige 
Tage  in  Vicenza  aufhalten,  weil  der  dasige  Bischof, 
aus  dem  Hause; Gornero,  uns  anders  nicht  will  durch- 
reisen lassen.  Dann  eben  so  lange  in  Verona.  Es 
ist  mir  nur  leid,  dass  wir  Nichts  als  betrübte  Fast- 
tage auf  der  Reise  haben  werden.  Vielleicht  Uun- 
men  wir  am  Charfreytage  nach  Reicheuhall,  die  ge- 
wöhnliche Passions -Oper  dort  zu  hören.  Wie  mir 
das  Arsenal,"  die  Kirchen,  Spitäler  —  ja  wie,  mir 
ganz  Venedig  gefallen,  davon  mündlich.  Schöne  und 
besondere  Sachen  sind*  hier  zu  sehen.  1     •  1  „> 

Was  die  Oper  anbelangt ,  werden  wir  sie  nicht 
mitbringen,  indem  sie  noch  in  <|cs  Copisten  Händen 
ist,  und  er,  wie  alle  Operncopisten  in  Italien:,  das 
Original  nicht  aus  den  Händen  lässt,  so  lange  sie 
ihren  Schnitt  machen  können,  damit  sie  es  allein 
haben.  Der  Copist  hatte,  da  wir  Mailand  verliessen, 
fünf  ganze  Copieen  zu  machen,  nämlich  eine  für  die 
Impresa;  zwey  nach  Wien,  eine  für  die  Herzogin 
von  Parma  und  eine  für  den  Hof  von  Lissabon,  von 
einfachen  Alien  Nichts  zu  melden.  Später  kann  er 
noch  mehrere  Bestellungen  erhalten  haben. 

Am  Dienstage  werden  wir  eine  grosse  Akademie 
haben.  Sonnlag  vorher  worden  wir  bey  dem  kaiserl. 

Gesandten  seyn,  am  Montage  bey  Maffetti. 

*  i 



(Leopold  M.  Brief  No.  11G.)  ,  . 

Venedig,  den  G.  Mär»  1771. 

Gestern  war  eine  schöne  Akademie,  und  in  die- 
sen Tagen  sind  wir»  so  scluecklich  gequält,  dass  icli 


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248 


nicht  weiss,  wer  den  Preis  davon  tragen  wird,  uns 
bey  sich  zu  haben.  —  Es  ist  Schade ,  das«  wir  uns 
hier  nicht  langer  aufhalten  können,  indem  wir  mit 
der  ganzen  Noblesse  genaue  Bekanntschaft  gemacht, 
und  aller  Orten  in  Gesellschaften,  bey  Tafeln,  kurz 
bey  allen  Gelegenheiten  so  mit  Ehren  überhäuft  ^  er- 
den, dass  man  uns  nicht  nur  durch  den  Secretair 
vom  Hause  in  Gondeln  abholen  und  nach  Hause  be- 
gleiten lässt,  sondern  oft  der  Nobile  selbst  mit  uns 
nach  Hause  fährt,  und  zwar  von  den  ersten  Häu- 
sern, als  Cornero,  Griinani,  Mocenigo ,  Dolfin,  Valier. 

Ich  fürchte,  wir  werden  einen  erschrecklichen 
Weg  zu  machen  haben,  da  es  stark  regnet.  Basta. 
Man  muss  Alles  nehmen  wie  es  kömmt.  Diess  sind 
Sachen,  die  mich  ganz  ruhig  schlafen  lassen,  .wenn 
wir  nur  gesund  sind, 

i 

(Leopold  M.  Brief  No.  117.) 

* 

.    Vicenza,  den  i4.  Mar*  1771. 

....         -  t 

Wir  machten  Jedermann  in  Venedig  glauben,  dass 
wir  einen  Tag  früher  abreis'ten,  als  wir  abreis'ten, 
um  einen  Tag  frey  zu  haben  und  ruhig  einzupacken. 
Allein  es  würde  doch  bekannt,  und  wir  mussten  noch 
bey  Cotari  und  Cornero  speisen ,  wo  wir  eine  schöne 
Tabatiere  u.  2  Paar  kostbare  Spitzentazeln  (Manschetten) 
mit  auf  die  Reise  bekamen.  Wir  besahen  in  Padua,  was 
in  einem  Tage  möglich  war,  da  wir  auch  dort  keine 
Ruhe  hatten,  und  Wolfg.  an  zwey  Orten  spielen 
inusste.  Er  bekam  aber  auch  eine  Arbeit,  indem  er 
ein  Oratorium  nach  Padua  komponiren  muss.  Wir 
besuchten  al  Santo  den  Maestro  Padre  Vallotti, 
dann  den  Ferrandini ,  wo  Wolfg.  auch  spielte.  End- 


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249 


lieh  spielte  er  die  sehr  gute  Orgel  in  der  unvergleich- 
lichen Kirche  S.  Giustino.  Morgen  bleiben  wir  hier, 
nicht  ohne  Ursache. 

(Leopold  M.  Brief  No.  u8.) 

Verona,  den  18.  März  1771. 

Wir  wohnen  bey  Luggiaü,  wo  sich  eine  schöne 
Gesellschaft  versammelt. hat,  um  Wolfgang  zu  hören. 

Es  wird  mir  ein  Schreiben  aus  Wien  angekün- 
digt, das  ich  in  Salzburg  erhalten  werde,  und  das 
Euch  in  Verwunderung  setzen  wird ,  unserm  Sohne 
aber  eine  unsterbliche  Ehre  macht. 

(Leopold  M.  Brief  No.  119.) 

1  ;:.  pruck,  den  a5.  März  1771» 

*  .  • 

Heute  hier  angekommen.  Donnerstag  hoffe  ich 
bey  Dir  zu  seyn.       —  —  — 


Wie  Mozart's  Ruhm  immer  mehr  wuchs  und 
seine  Talente  im  Auslande  bekannter  wurden,  so 
gab  es,  wie  es  in  der  Welt  herzugehen  pflegt,  auch 
Feinde  und  Gegner,  die  seinem  Genie  keine  Gerech- 
tigkeit widerfahren  lassen  wollten.  Es  würde  also 
um  so  auffallender  und  inconsequ enter  gewesen  seyn, 
*  nn  er,  andern  grossen  Geistern  gleich,  nicht  auch 
Neid ,  Scheelsucht  und  Missgunst  zu  gemessen  gehabt 
hätte.  Mit  Mitridate  begann  er  seine  dramatische 
Laufbahn.  Zu  sagen,  dass  ein  ähnliches  Product 
früher  einmal  schon  aus  der  Feder  eines  vierzehn- 
jährigen Knaben  geflossen  sey,  würde,  nach  Busby's 
Behauptung,  den  Glanz  eines  Wunders  partheyisch 
verhüllen  heissen.  „Die  Vortreifiichkeit  dieser  Oper 


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2/30 


würde  dem  reifen  und  durch  lange  Erfahrung  un- 
terstützten Manne*  Ehre  gemacht  haben." 

Eben  darum  wurde  mit  ihm  sogleich  von  der 
Impresa  der  schriftliche  Accord  auf  die  erste  Opera 
seria  für  das  Carneval  1773  eingegangen. 

Als  Mozart  nach  einem  i6monatlichen  genuss- 
reichen und  ehrenvollen  Aufenthalte  in  Italien,  ohne 
Zweifel  mit  einem  ungemeinen  Schatze  von  Kennt- 

* 

nissen,  Ideen  und  geläutertem  Geschmacke,  und  mit 
der  Bewunderung  einer  Nation  beehrt,  die  von  der 
Natur  zur  Richterin  der  Tonkunst  berufen  scheint* 
mit  seinem  Vater  zu  Ende  Marz  1771  wieder  eintraf, 
fand  er  einen  Brief  des  Grafen  Firmian  in  Mailand, 
der  ihm  im  Namen  der  Kaiserin  Maria  Theresia 
auftrug,  eine  grosse  theatralische  Serenada*)  zur 
Vermählung  des  Erzherzogs  Ferdinand  zu  schrei- 
ben. Da  die  Kaiserin  den  ältesten  unter  den  Kapell- 
meistern, den  berühmten  Hasse,  zur  Composition 
der  Opera  bestimmt  hatte,  so  wählte  «e  doch  unter 
Allen  den  jüngsten  für  diese  Serenade  $  die  Kaiserin 
schien  aus  ganz  besonderer  Absicht  dem  jüngsten 
Theater -Componisten  die  Ehre  erwiesen  zu  haben, 
ihn  mit  einem  der  bewundertsten  Meisler  seiner  Zeit 
♦wetteifern  zu  lassen.  Diese  Serenada  hiess  Ascanio 
in  Alba,  dessen  Poesie  vom  Abbas  Parini,  Verfasser 
des  Giorno,  war.  ,#  . 

Mozart  übernahm  diesen  ehrenvollen  Auftrag 
nnd'reis'te  im  August  mit  seinem  Vater  wieder  auf 
einige  Monate  nach  Mailand,  wo  er  während  der 

-         1  '  '  ■ 

i 

*)  Serenaden  waren  eine  Gattung  Cantatcn.  denen  ein  drama- 
tische«  Sujet  zum  Grunde  lag.  Sic  hatten  also  Aehulichkeit 
mit  den  Oratorien.       :  • 


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26i 

4 

Vermalilungs-Feyerkchkeiten  immer  an  der  Opera 
und  der  Serenada  abwechselnd  arbeitete.  Unstreitig 
hatten  diese  Reisen  einen  grossen  Einfluss  auf  die 
Bildung  seines  Geschmacks;  denn  ausser  einer  ge- 
drängten Gedankenfülle,  die  in  Mozart's  Composi- 
tionen  herrscht,  zeichnen  sie  sich  auch  besonders 
noch  dadurch  aus,  dass  die  ernste  vaterländische 
Muse  mit  wälscher  Grazie  gepaart  ist. 

Was  sich  während  der  Reise  nach  Mailand  und 
des  dortigen  Aufenthaltes  bis  zur  Rückkehr  nach 
Salzburg  zugetragen  hat,  darüber  erzälilen  uns  die 
Briefe  Folgendes: 

■  :   '    *     "     (Leopold  M.  Brief  No.  lao.) 

Verona,  den  18.  Angust  1771. 

In  Ala  waren  wir  bey  den  zwey  Herren  Piccirii, 
und  blieben  einen  Tag  unterm  Andern,  um  in  un- 
sern  Reisekleidern  heute  bequemlicher  als  in  Verona 
in  die  Kirche  zu  gehen.  In  Ala  unterhielten  wir 
uns,  oder  vielmehr  sie  mit  Musik.  Hier  sind  wir 
Loy  LuggiaUi  abgestiegen.  -  . 

N.S.  von  Wolfg.  A.  M.  (dessen  Briefe  No.  34). 

A.  S.  Ich  habe  nicht  mehr  als  eine  halbe  Stunde 
gesclilafen,  denn  das  Schlafen  nach  dem  Essen  freuet  * 
mich  nicht.  Du  kamist  hoffen,  glauben,  meynen, 
der  Meynung  seyn,  in  der  steten  Hoffirong  verhar- 
ren, gut  befinden,  Dir  einbilden,  Dir  vorstellen,  in 
Zuversicht  leben ,  dass  wir  gesund  sind  5  aber  gewiss 
kann  ich  Dir  Nachricht  geben.  Frage  den  Herrtl 
von  Heflher,  ob  er  die  Anna  Mindl  nicht  gese- 
hen hat. 


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232 

(Leopold  M.  Brief  No.  lai.)         •  „ 

•  .  *  •  ■ 

Mailand,  den  24.  August  1771. 

Am  2isten  angekommen.  Die  Poesie  von  Wien 
ist  noch  nickt  angelangt.  Am  15.  Octobcr  kömmt 
der  Erzherzog  an,  und  die  Vermahlung  ist  an  dem- 
selben Tagew  , 

•  ■* 

N.  S.  von  Wolfg.  A.  Mozart  (dessen  Briefe  No.  35). 

A.  S.  Wir  haben  auf  der  Reise  viele  Hitze 
ausgestanden,  und  der  Staub  hat  uns  beständig  im- 
pertinent seckirt,  dass  wir  gewiss  erstickt  und  ver- 
schmachtet wären,  wenn  wir  nicht  gescheuter  gewe- 
sen wären.  Was^  Du  mir  versprochen  hast  (Du 
weisst  schon  was  —  —  —  o  Liebe  Du)  halte 
gewiss,  ich  bitte  Dich»  Ich  werde  Dir  gaydss  ver- 
hunden  seyn. 

Jetzt  blase  ich  just  vor  Hitze:  nun  reisse  ich 
das  Leibel  auf.  Addio.  lieber  uns  ist  ein  Violinist, 
unter  uns  auch  einer,  neben  uns  ein  Singmeister, 
der  Lection  giebt,  in  dem  letzten  Zimmer  uns  gegen 
über  ein  Ohrist.  Das  ist  lustig  zum  CompOniren, 
das  giebt  Gedanken«  

(Leopold  M.  Brief  No  122.) 

•  * 

Mailand,  den  5j.  August  1771. 

•0  m 

Die  Poesie  ist  endlich  da.  Wolfgang  hat  aber 
noch  nichts  als  die  Overtura  gemacht,  nämlich  ein 
etwas  langes  Allegro ,  dann  ein  Andante,  welches 
gleich  muss  getanzt  werden,  aber  mit  wenigen  Per- 
sonen. Dann  statt  des  letzten  Allegro  hat  er  eine 
Art  von  Contratanz  und  Chor  gemacht,  das  zugleich 
gesungen  und  getanzt  wird.    Nun  wird  es  diesen 


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Monat  durch  ziemlich  Arbeit  geben.    Herrn  Hasse, 
v  der  eben  angekommen  ist,  werden  wir  gleich  be- 
suchen* 

•  .  0  •  •    •      ^  •  ■  • 

Wir  waren  bey  der  Prinzessin  Braut«  Sie  war 
so  gnädig,  dass  sie  nicht  nur  lange  Zeit  mit  uns  sprach, 
und  uns  auf  das  Allerfreundlichste  begegnete,  son- 
dern es  war  merkwürdig,  dass,  als  sie  uns  sah,  sie 
geschwind  auf  uns  zueilte,  die  Handschuhe  abzog 
und  die  Hand  reichte,  und  von  ferne  schon  zu  spre- 
chen  anfing,  ehe  wir  unsere  Anrede  machen  konnten. 

■ 

'  'KS.  von  Wolfg.  A.  Momart  (dessen  Brief©  No.  36). 

*  i  * 

Wir  sind,  Gott  Lob  und  Dank,  gesund.  Ich 
habe  schon  anstatt  Deiner  viele  gute  Hirnen ,  Pfirsiche 
und  Melonen  gegessen.  Meine  einzige  Lustbarkeit 
ist,  mit  dem  Stummen  zu  deuten,  denn  das  kann  ich 
aus  der  Perfection.   Ich  bitte  Dich  noch  wegen  den 

»         •    •  *  * 

gar  Andern,  wo  nichts  Anderes  mehr  sey:*)  Du 
verstehst  mich  schon. 

(Leopold  M.  Brief  No.  ia5.)  :°" 

Mailand,  aen  7.  Sept.  1771« 

Deine  wenigen  Zeilen  habe  ich  erhalten.  Es 
war  sehr  hauswirthschaftlich  gedacht,  dass  Du  auf 
die  erste  Seite  wenig,  auf  die  zweyte  aber  gar  Nichts 
schriebst,  deim  so  viele  tausend  Buchstaben  könnten 
einen  firief  so  beschweren,  dass  man  ihn  mit  sechs 
Pferden  nach  Mailand  führen  miisste.  Himmel,  wel- 
che Unkosten!  Die  leeren  Papiere  sind  immer  ge- 
ringer zu  fuhren,  als  die  überschriebenen. 

■  « 

■        ■  •   ,  •  . 

*)  Ein  Friiulein,  die  er  gern  sah,  sollte  helratnen. 


2o4 

Wir  haben  jetzt  den  Kopf  voll,  indem  die  Poe- 
sie spät  angelangt,  und  noch  zur  Aenderung  in  Ei- 
nem und  dem  Andern  in  den  Händen  des  Poeten 
einige  Tage  geblieben  ist.  Es  wir£,  hoffe  ich,  gut 
ausfallen.  'Allein  der  Wolfg.  hat  die  Hände  voll  zu 
schreiben,  da  er  das  Ballet,  welcjies  die  zwey  Acte 
oder  Thefle  mit  einander  verbindet,  componiren  müss.  . 

Dass  der  Erzherzog  Maximilian  Domherr  gewor- 
den war,  war  mir  nichts  Ausserorden tliches.  Jch 
liabe  es"  ;a  seit  meiner  Rückkehr  aus  Italien  aller 
Orten  in  Salzbürg  gesagt,  dass  es  geschehen  wurde. 
Das  Uebrige  wild  sich  auch  geben.  Nur  Geduld! 
Mir  ist  leid,  dass  ich  nicht r Alles,  schreiben  kann. 
Salzburg  ist  nicht  der  einzige  Gegenstand  dieses  er- 

sten  Schritt's.  . 

»*....»•  i- 

i  ... 
'••    (Leopold  M.  Brief  No.  124.) 

Mailand,  den  i3.  Sept.  1771.  ' 

r  •       .  * 

DieSerenäda,  welche  eigentlich  melir  eine  azione 
teatrale  von  zwey  Theilen  ist,  wird  Wolfgang  mit 
der  Hülfe  Gottes  in  zwölf  Tagen,  völlig  fertig  haben. 
Die  Recitative  mit  und  ohne  Instrumente  sind  alle 
fertig,  wie  auch  alle  Chöre,  deren  acht  sind,  und 
deren  fünf  zugleich  getanzt  werden.  Heute  haben 
wir  die  Tanzprobe  gesehen,  und  uns  sehr  über  den 
Fleiss  der  zwey  Balle tmeister  Pick  und  Fabier  ge- 
wundert. Die  erste  Vorstellung  ist  Venus,  die  aus 
den  Wolken  kömmt,  von  Genien  und  Grazien  be- 
gleitet. 

Das  Andante  der  Symphonie  wird  schon  von 
eilt  Weibspersonen  getanzt,  nämlich  acht  Genien  und 
den  Grazien,  oder  acht  Grazien  und  drey  Deessen. 


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I 


I 

SM 

Das  letzte  Allvgro  der  Symphonie  ist  ein  Chor  von 
32  Choristen,  nämlich  acht  Sopranen,  acht  Contral- 
ten,  acht  Tenoren  und  acht  Bassisten,  und  wird  von 
16  Personen  zugleich  getanzt,  acht  Frauen,  acht 
Männern.  i 

Ein  anderes  Cnor  ist  von  Hirten  und  Hirtin- 
nen,  so  wieder  andere  Personen  sind.  Dann  sind 
Chöre  von  den  Hirten  allein,  folglich  Tenore  fcnd 
Bässi;  andere  Chore  von  Pästorellen,  folglich  Soprani 
und  Contralti.  In  der  letzten  Sccrie  sind  Alle  *bey- 
sammen,  Gcni,  Grazi,  Pdstöri,  Pastorelte,  Chor- 
sänger und  Tänzer  heydcrv  Geschlechter,  und  diese 
tanzen  Alle  den  letzten  Chor  zusammen.  Hier  sind 
die  Solotänzer  nicht  mit  eingerechnet,  nämlich 'Mr. 
Pick,  Mad.  Binetti,  Mr.  Fahler  und  Mamsell  Blache. 
Die  kleinen  *Solos,  die'unter  den'  Chören,  hald  zwi- 
schen zwey  Sopranen,  hald  Alt  und  Sopran  u.  svw. 

vorkommen,  werden  auch  mit  SoloV  der  Tänzer  und 

i  •  •  .  ... 

Tänzerinnen  untermischt. 

Die  Personen  in  der  Cantate  sind:  la  V euere , 
Signa.  Falchini,  seconda  donna.  Ascanio  ,  Sign. 
Manzoli,  primo  uomo.  Silvia,  Signa.  Girelli,  prima 
donna.  Aceste,  Saccrdote ,  Sign.  Tiboloji , .. Tenore. 
Fauno  Pastore,  Sign.  Solzi,  secondo  uomv. 

■  NB.  Wegen  Venedig  1773  habe  ich  auch  schon 
Alle«  in  Händen..  ...  :    -,  •• 

i.  ••••  •  . 

.  i :  *      •       •*.*;«     •  •».*.. 
Adi  17  del  Messe  rf«  Agosto  1771  Venezia. 

Con  la  preaente  privata  Scrittura,  quäle  voglion 
le  parti  che  abbia  forza,  e  vi  göre,  come  se  fatta 
fosse  per  mano  di  Pubblico  Nodaro  di  questa,  ed 


> 


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altra  Cittä}  il  Sign.  Michel  äaW  Agata  Conduttore  ■ 
delly  Opera  Eroica,  che  si  dover a  rappresentare  nel 
venture*  Carnovale  deW  Anno  1773  prineipiando  le 
Recit&  il  Giorno  di  S.  Stefano,  nel  Magnifico  Tea- 
tro  Nobile  di  San  Benedetto  ferma,  e  stabilisce  il 
Sign.  Amadeo  Wolfgango  Mozart  Maestro  di 
Capella  per  scrivere  la  seconda  Opera,  che  sarä 
'  data  in  detto  Carnovale  con  obbligo  di  non  dover 
scrivere  in  alcun  altro  Teatro  della  Capitale,  se 
non  ha  prima,  esseguito  la  presente  Scrittura.  Con 
obbligo  di  ritrovarsi  in  Venezia  per  Ii  30.  Novem- 
bre  1772  per  esser  pronto  a  tutte  le  Prove,  e  Rap- 
presentazioni ,  die  si  dover  anno  fare  nel  detto  tem- 
po,  ed  in  ricompensa  delle  sue  virtuose,  fatiche  Ii 
viene ,  aecordato  dal  Signor  dalV  Agata  Zecchini 
Num.  settanta  —  o  sua  giusta  valuta,  onde  pro- 
mette  il  suddetto  di  pontualmente  adempire  senza 
riserva  di  nissun9  altra  rispettiva  parte ,  salvo  solo 
Ii  patti  soliti  riservarsi  in  materia  de9  Teatri,  ed 
in  fede  vale  Zecchini  Num.  70.  — 

Michele  dalV  Agata. 

> 

.     Nachschrift  von  Wolfg.  A.  M.  (dessen  Briefe  No.  37.) 

» 

A.  S.  Ich  schreibe  nur  desswegen,  damit  ich  . . . 
schreibe:  mir  ist  es  zwar  ungelegen,  weil  ich  einen 
starken  Katarrh  und  Sträuchen  habe.  Sage  der  Fräu- 
lein W.  von  Mölk,  dass  ich  mich  recht  auf  Salzburg 
wieder  freue,  damit  ich  nur  wieder  ein  solches  Prä- 
sent für  die  Menuette  bekommen  kann,  wo,  wie  ich 
es  bey  derselben  Akademie  bekommen  habe:  sie 
weiss  es  hernach  schon. 


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\ 


257 

(Leopotd  M.  Brief  No.  n5.) 

Mailand,  den  ai.  Sept.  1771. 

Heute  wird  die  erste  Instrumental  -  Probe  des 
Hrn.  Hasse  seyn,  der  sich  Gott  Lob,  wohlbefindet. 
Künftige  Woche  wird  die  Serenada  probirt.  Montag 
ist  die  erste  Recitativ- Probe;  die  übrigen  Tage  wer- 
den die  Chöre  probirt.  Montag  wird  Wolfg.  gänz- 
lich fertig  seyn.  Manzuoli  kömmt  oft  zu  uns;  Ti- 
bajdi  fast  täglich  gegen  ±±  Uhr  und  bleibt  am  Tische 
sitzen  bis  gegen  Eins,  da  Wolfg.  unterdessen  com- 
ponirt.  Alle  sind  ungemein  höflich  und  haben  die 
grosste  Achtung  für  Wolfgang.  Ja,  wir  haben  nicht 
den  geringsten  Verdruss,  weil  es  lauter  gute  Und 
berühmte  Sänger  und  vernünftige  Leute  sind.  Diese 
Serenada  ist  eigentlich  eine  kleine  Oper,  und  die 
Oper  in  der  Musik  selbst  ist  nicht  länger,  denn  sie 
wird  nur  durch  die  zwey  grossen  Ballete,  die  nach 
dem  ersten  und  zweyten  Acte  aufgeführt  werden, 
und  deren  jedes  drey  Viertelstunden  dauern  wird, 
verlängert« 

Vor  zwey  Tagen  haben  die  italienischen  Cotnö- 
dien  aufgehört,  weil  man  jetzt  das  Theater  frey  ha- 
ben muss  zur  Einrichtung.   Diese  Comödianten  wa-  * 
ren  ungemein  gut,  besonders  in  Charakterstücken 
und  Tragödieeu. 

In  Deinem  vorigen  Briefe  hiess  es,  dass  schon 
viele  Personen  in  Salzburg  närrisch  geworden  wären. 
Jetzt  schreibst  Du,  dass  Viele  an  der  rothen  Ruhr 
sterben.  Das  ist  sehr  böse.  Denn  wenn  es  die  Leute 
beym  Kopfe  und  beym  —  angreift,  sieht  es  in  der 
That  gefährlich  aus.    Ich  musa  auch  Etwas  mit  mir 

17 


1 


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I 


258 

aus  Salzburg  getragen  haben ,  denn  ich  empfinde  noch 
manchen  Anstoss  von  Schwindel.  Es  ist  aber  kein 
Wunder,  wo  die  Luft  schon  angesteckt  ist  —  man 
kann  leicht  Etwas  erben.  Deswegen  habe  ich  Pillen 
von  Dir  verlangt:  ich  will,  dass  der  Kopf  kuriret 
werde. 

N.S.  von  Wolfg.  Amad.  Mo«art  (dewen  Briefe  No.  58). 

Ich  bin  gesund ,  Gott  Lob  und  Dank.  Viel  kann 

ich  nicht  schreiben.    Erstens  weiss  ich  nicht,  was; 

zweytens  thun  mir  so  die  Finger  vom  Schreiben 

wehe.  Ich  pfeife  oft  meinen  Pfiff,  und  kein  Mensch 

giebt  mir  Antwort.    Jetzt  fehlen  nur  zwey  Arien 

von  der  Serenada,  und  hernach  bin  ich  fertig.  Ich 

habe  keine  Lust  mehr  nach  Salzburg:  ich  fürchte, 

ich  möchte  auch  närrisch  werden. 

•   *  i 

(Leopold  M.  Brief  No.  ia6.) 

Mailand,  den  a8.  Sept.  1771. 

Unsere  Vecanz  und  Unterhaltungen  haben  nun 
angefangen:  wir  gehen  spaziren.  Heute  ist  die  erste 
Probe  mit  der  ganzen  Musik :  gestern  war  die  Probe 
der  Chöre  allein,  und  zwar  ohne  Instrumente.  Ich 
kann  Dir  zum  Vergnügen  voraus  sagen,  dass  ich 
hoffe,  die  Composition  des  Wolfgang  werde  einen 
grossen  Beyfall  finden.  Erstlich,  weil  Manzuoli,  so 
wie  alle  die  andern  singenden  Personen,  nicht  nur 
mit  ihren  Arien  im  höclisten  Grade  zufrieden,  son- 
dern mehr  als  wir  selbst  begierig  sind,  die  Serenada 
mit  allen  Instrumenten  heute  Abends  zu  hören. 
Zweytens,  weil  ich  weiss,  was  er  geschrieben  hat, 
und  was  für  einen  Effect  es  machen  wird,  und  weil 


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259 

nur  gar  zu  gewiss  ist,  dass  er  sowohl  für  die  Sänger, 
als  für  das  Orchester  gut  geschrieben  hat.  Wir  sind 
übrigens,  Gott  Lob,  gesund.  Es  ist  mir  lieb,  wenn 
Du  mir  in-  allen  Briefen  schreibst,  wie  die  Witte- 
rung bey  Euch  ist.  (Er  schrieb  selbst  immer  von 
der  Witterung  umständlich.) 

(Leopold  M.  Brief  No.  117,) 

Mailand,  den  5.  Octfcr.  1771. 

Gestern  war  abermal  Probe  im  Theater  von  der 
Cantata  Wolfgangs,  und  heute  wird  die  Oper  pro- 
birt;  Dienstags  abermals  die  Cantata. 

KS.  von  Wolfg.  Amad.  Moaart  (dessen  Briefe  No.  39). 

Ich  bin',*  Gott  Lob  und  Dank!  auch  gesund,  aber 
immer  schläfrig.  Alles,  was  ich  201  schreiben  hatte, 
hat  mir  der  Papa  von  der  Feder  weggenommen  (das 
ist,  dass  er  es  schon  geschrieben  hat).  Sigra.  Ga~ 
brielli  ist  hier:  wir  Werden  sie  mit  Nächstem  be- 
suchen, damit  wir  alle  vornehme  Sängerinnen  ken- 
nen  lernen. 

(Leopold  M.  Brief  No.  128.) 

Mailand,  den  12*  Octbr.  1771. 

Gestern  war  die  vierte  Probe  der  Serenada. 
Morgen  wird  die  siebente  des  Sign*  Sassone  seyn, 
iind  Montag  die  letzte  Probe  der  Serenada  wegen 
der  Scenen. 

* 

Wir  haben  zwey  Spartet!  zii  übersehen,  die  wir 
für  den  Kaiser  und  für  den  Erzherzog  haben  müssen, 
die  in  Eile  copirt  worden,  und  eingebunden  werden 
müssen. 

17*  ' 


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(Leopold  M.  Brief  No.  129.) 

Mailand,  den  29.  October  1771. 

Die  Serenada  hat  am  .iTten  so  erstaunlich  gefal- 
len, dass  man  sie  heute  repetiren  muss.  Der  Erz- 
herzog hat  neuerdings  zwey  Copieen  angeordnet. 
Alle  Cavaliere  und  andere  Leute  reden  uns  bestän- 
dig auf  den  Strassen  an,  um  Wolfg.  zu  gratuliren. 
Kurz,  mir  ist  leid:  die  Serenada  des  Wolfgangs 
hat  die  Oper  von  Hasse  so  niedergeschlagen,  dass 
ich  es  nicht  beschreiben  kann. 

Betet  und  danket  Gott.    \  *  . 

(Leopold  M.  Brief  No.  i3o.) 

Mailand,  den  a6.  Octbr.  1771. 

Vorgestern  im  Theater  war  das  Publicum  Zeuge, 
wie  der  Erzherzog  und  seine  Gemahlin  nicht  nur 
durch  Händeklatschen  zwey  Arien  der  Serenada  wie- 
derholen Hessen,  sondern  unter  der  Serenada  sowohl 
als  besonders  nach  derselben  Beyde  von  ihrer  Loge 
sich  gegen  den  Wolfgang  hinunter  neigten  und  durch 
Bravissimo  Maestro -Rufen  und  Händeklatschen  ihm 
ihren  gnädigen  Beyfall  bezeugten,  dem  dann  jeder- 
zeit das  Händeklatschen  der  ganzen  Noblesse  und 
des  ganzen  Volkes  nachfolgte.  Sonntag  und  Montag 
ist  abermals  die.  Serenada.  . , 

Wenn  Du  Kleidung  nöthig  hast,  so  lass  machen, 
was  noth wendig  ist.  Weder  Du  noch  Nannerl  soll 
sich  die  Notwendigkeit  abgehen  lassen.  Was  seyn 
muss ,  das  muss  seyn.  Und  nimm  Dir  nichts  Schleen- 
tes:  man  macht  keine  Erspar ung?  wenn  man  etwas 
Schlechtes  kauft.    Lasse  Dir .  ein  schönes  Kleid  auf 

•  •  • 

die  Feyertage  machen,  und  das,  was  zu  Wien  ge- 


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* 

macht  worden  ist,  trage  alle  Tage.  Nur  nichts 
Wollenes!  das  ist  kein  Teufel  werth. 

N.6.  Ton  Wolfg.  Arn  ad.  Mozart  (dessen  Brief  No.  4o). 

Ich  bin  auch,  Gott  Lob  und  Dank,  gesund. 
Weil  nun  meine  Arbeit  ein  Ende  hat,  so  habe  ich 
mehr  Zeit,  zu  schreiben;  allein  ich  weiss  nichts 
Neues,  als  dass  in  der  Lotterie  35,  59,  66,  61,  62 
heraus  gekommen  sind ,  und  also ,  dass ,  wenn  wir 
,  diese  Nummern  gesetzt  "hatten,  wir  gewonnen  hätten ; 
Weil  wir  aber  gar  nicht  gelegt  haben,  weder  ge- 
wonnen noch  verloren, 'sondern  die  Leute  ausgelacht- 
haben.  Die  zwey  Arien,  die  in  der  Serenada  wie- 
,  derholt  wurden,  waren  von  Manzuoli  und  von  der 

Giroiii.  .  • '  .»!.." 

i     •  »  ■       •      t  — 

•  I      '      '         L  La  "II  '*f  I 

(Leopold  M.  Brief  No.  i5i.)  ' 

\t       "      §■#•*"  *         '•' >  ***  .  # 

Mailand,  den  ä.  Norbr.  1771. 

Ich   rau$s   an  den  Marschall  Graf  Pallavicini 

schreiben,  der  mir  einen  ungemein  .höflichen  Brief 

■  •    •  •  0,  • 

gesclirieben  bat.  1 ,     -       .  . .  . 

Nachschrfft  von  Wolfg.  A.  M.  (dessen  Briefe,  No.  ii.) 

t  1  • 

(Beschreibung  alter  gewesenen  Feyerlichkeiten.) 
Der  l*apä  sagte,  däss  Herr  Kerschbaumer  sicher  seine 
Reise  mit  Nutzen  und  aller  Beobachtung  gemacht 
hat,  und  wir  können  versichern,  dass  er  sich  sehr 
vernünftig  aufführte.  Er  kann  sicher  von  seiner 
Reise  mehr  Rechenschaft  geben /als  Andere  aus  sei- 
ner Freundschaft,  deren  einer  Paris  nicht  recht  se- 
hen konnte,  weil  die  Häuser  da  zu  hoch  sind.  Heute 
ist  die  Opera  des  Hasse  5  weil  aber  der  Papa  nicht 
ausgeht,  kann  ich  nicht  hinein.    Zum  Glück  weiss 


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* 


ich  schier  alle. Arien  auswendig,  und  also  kann  ich 
sie  zu  Hause  in  meinen  Gedanken  hören  und  sehen. 

(Leopold  M.  Brief  No.  i3a.) 

Mailand,  den  9.  Novbr.  1771. 

.    .  :       »  / 

Gestern  haben  wir  mit  Hrn.  Hasse  bey  Graf 
Firmian  gespeis't.  Sowohl  Hr,  Hasse  als  Wolfgang 
sind  wegen  de*  Oppositionen-  schön  beschenkt  wor- 
den; üjber  das,  was  sie  in  Gelde  bekommen,  hat 
Hr.  Hasse  eine  Tabatiere  und  Wolfgang  eine  mit 

Diamanten  besetzte  Uhr  erhalten. 

•        •  .     *      ■  *  • 

•  ...  «. 

(Leopold  M.  Brief  No.  i33.)  f 

Mailand,  den  16.  Novbr.  1771. 

Ich  würde  abgereis't  seyn,  aber  der  Erzherzog 
will  noch  mit  uns  sprechen ,  wenn  er  von  Varese 
zurück  kömmt.  Geduld!  Wir  werden  doch,  wenn 
Gott  will,  einander  bald  sehen.  Wir  sind,  Gott 
Lob  *  gesund.  Für  den  kranken  Hm.  von  Vogt  zu 
Salzburg  haben  wir  zu  Gott  gebetet.  Dass  die  Se- 
renada ungemeinen  Beyfall  gehabt  hat,  hat  seine 
Richtigkeit.  Ob  aber,  wenn  eine  Besoldung  ledig 
wird,  unser  Erzbischof  sich  des  Wolfgangs  erinnern 
wird,  zweifle  ich  sehr. 

,  (Leopold  M.  Brief  No,  .54.) 

Mailand,  deji  »4.  Novbr,  1771. 

Heute  war  Rüsliwetschek  bey  uns,  der  gestern 
angekommen  ist  und  die  erste  Oper  schreibt.  Ge- 
stern machten  wir  eine  starke  Musik  bey  Hin.  von 
Mayer. 


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2fi3 

N.  3.  von  Wolig.  A.  ItL  (dooon  Briefe  No.  4a.) 

.  A.  S.  Der  Herr  Manzuoli,  der  sonst  von  allen 
Leuten  als  der  gescheuteste  unter  den  Castraten  an- 
gesehen und  gehalten  worden,  hat  in  seinen  alten 
Tagen  ein  Stück  seiner  Unvernunft  und  Hoffart  ge- 
zeigt. Er  war  fiir  die  Oper  mit  500  Gigliati  ver- 
schrieben, und,  weil  Nichts  von  der  Serenada  in  der 
Scrittura  gemeldet  worden,  so  hat  er  für  die  Sere- 
nade noch  500  Gigliati  haben  wollen ,  also  1000«  Der 
Hof  hat  ihm  nur  700  und  eine  schöne  goldene  Dose 
gegeben  (ich  glaube,  es  wäre  genug).  Er  aber,  als 
ein  Castrat,  hat  die  700  G.  nebst  der  Dose  zurück- 
gegeben, und  ist  ohne  Nichts  weggereist.  loh  weiss 
nicht,  was  für  ein  Ende  diese  Historie  nehmen  wird: 
ich  glaube ,  ein  übles«  ... 

m  * 

»    •  «  %  • 

(Leopold  M.  Brief  No.  i55.)  , 

Mailand,  den  5o.  Norbr.  1771. 

Es  sind  Umstände,  die  mich  liier  noch  aufhal- 
ten, und  es  ist  ohnehin  die  Adventzeit,  da  keine 
Musik  in  Salzburg  bey  Hofe  ist.  Wir  sind,  Gott 
Lob,  gesund 5  das  ist  das  Beste,  was  ich  Dir  schrei- 
ben kann. 

*  «  • 

Wolfg.  A.  Moeart'a  Nachschrift.   Brief  No.  43. 
Damit  Ihr  nicht  glaubet,  dass  ich  krank  bin,  so 
schreibe  ich  diese  zwey  Zeilen.    Ich  habe  hier  auf 
dem  Domplatze  vier  Kerle  hängen  sehen;  sie  hen- 
ken hier  wie  zu  Lyon. 

•  * 

(Leopold  M.  Bri«f  No.  i36.) 

Ala,  den  8.  D«cbr.  1771. 

Heute  sind  wir  bey  dem  Hrn.  Piccini  angelangt.. 


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(Leopold  M.  Brief  No.  157.) 

Brixen,  den  ti.  Decbr.  1771. 
Wir  werden  erst  am  Montage  eintreffen,  weil 
Graf  Spaur,  der  hier  ist,  es  nicht  anders  geschehen 
liissU 

•   ' 

Zu  Ende  Decemher  1771  kamen  Vater  und  Sohn 
wieder  in  Salzburg  an,  wo  der  Sohn  im  folgenden 
Jahre  1772  zur  Wahl  des  neuen  Erzbischofs  (Hiero- 
nymus, aus  dem  fürstlichen  Hause  Colloredo  von 
Wallsee  und  Möls  etc.,  den  14.  März  1772  erwählt) 
die  Serenada;  //  Sogno  di  Scipione,  von  Metastasio, 
schrieb. 

Im  October  reis'te  er  mit  seinem  Vater  nach 
Mailand,  wo  er  die  übernommene  Opera  seria:  Lu- 
cio Silla,  nach  der  Poesie  des  Gio.  de  Gamerra,  für 
das  Carneval  1773  schrieb.  Von  dieser  Abreise  bis 
zur  Zurückkunft  nach  Salzburg  geben  folgende  Briefe 
weitere  Nachrichten. 


Sechste  Reise. 

Der  Vater  mit  dem  Sohne  allein  nach  Mai- 
land. Die  dritte  italienische  Reise,  an- 
getreten im  October  1772  und  beendigt 
im  März  1773. 

U riefe  vom  Vater  an  seine  Frau  und  vom  Sohne  an 
die  Mutter  und  an  die  Schweiler. 

Der  Contract  wegen  Fertigung  der  Oper  zum 
Carneval  selbst  ist  folgender: 

Resta  accordato  il  Sign»  Amadea  Mozart  per 
mattere  in  mueica  il  primo  Dramma ,  che  si  rappre- 

1 


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* 


265  , 

senterä  in  questo  Regio  Ducai  Teatro  di  Milano 
nel  Carnovale  delP  anno  1773  e  le  si  assegnano  per 
onorario  delle  tue  virtuose  fatiche  Gigliati  cento 
trenta,  dico  130  r*  ed  allogio  mobigliato. 

Paito  che  il  sudd*'  Sign.  Maestro  debba  trans- 
metter e  tutti  Ii  recittativi  posti  in  musica,  entro  il 
Mese  di  Sbr0'  dell'  anno  1772,  e  ritrovarsi  in  Milano 
al  principio  del  susseguente  mese  di  9br*  per  com- 
porre  le  arie,  ed  assistere  a  tutte  le  prove  necessarie 
per  VOpera  suddetta,  Risservati  Ii  soliti  infortunij 
di  Teatro,  e  fatto  di  Principe  (che  &io  non  voglia), 

■ 

miano  '    Gl'  Astocciati  nel  Regio  Appalto 

AMarzoi-jju  fei  Teatro. 

Federico  Castiglione. 

(Leopold  M.  Brief  No.  i38.) 

Botaen,  den  a8.  Octbr.  177a. 

Da  in  St.  Johann  keine  frühere  Messe  als  das 
Friihamt  um  6  Uhr  war,  so  ward  es  7  Uhr,  ehe  wir 
weiter  reis'ten.  Von  Innsbruck  fuhren  wir  nach  Hall 
spaziren,  um  das  Damenstift  zu  sehen,  wo  die  Gräfin 
Lodron  uns  allenthalben  heruinfiilirte,  Wolfg.  spielte 
in  der  Kirche  die  Orgel.  Bötzen  ist  ein  trauriger 
Ort;  aber  meine  Gesundheit  ist  dermalen,  Gott  Lob, 
bey  der  lieben  Unordnung  der  Reise,  wie  mir  scheint, 
ziemlich  wieder  in  Ordnung  gekommen.  Wenn  mir 
zur  Gesundheit  das  Reisen  nothwendig  ist,  so  werde 
ich  mir  Mühe  geben,  eine  Courierstelle  zu  erhalten, 
oder  wenigstens  Conducteur  eines  Postwagens  zu 
werden.  Wolfgang  befindet  sich  wohl:  er  schreibt 
eben  für  die  lange  Weile  ein  Quattro* 


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266  ' 

U.S.  von  Wolfg.  Amad.  Moiart  (de*«en  Jkiefe  No.  44). 

r  •        -  . 

Nim  sind  wir  schon  zu  Bötzen.  Schon?  erst! 
Mich  hungert,  mich  dürstet,  mich  schläfert,  ich  hin 
faul;   ich  bin  aber  gesund.     Ich  hoffe,  Du  wirst 

Dein  Wort  gehalten  haben.  —  — 

.  /  *#  »  .t\  •  .  * 

\\  (Wolfg.  Amad.  Mozart'«  Brief 'No.  45.) 

%    Mailand,  den  7.  Novbr.  1773. 

•  •  •  ■ 

'  Erschrecken  Sie  nicht,  da  Sie  anstatt  der  Schrift 

« 

des  Papa  die  meine  finden.  Die  Ursache  ist,  weil 
wir  bey  dem  Herrn  von  Osto  sind,  und  ist  der  Ba- 
ron Cristiani  da,  und  da  haben  sie  so  viel  zu  reden, 
dass  er  unmöglich  Zeit  hatte,  zu  schreiben. 

Wir  sind  am  4ten  angelangt;  wir  sind  gesund. 
Von  dem  italienischen  Kriege,  von  dem  in  Teutsch- 
land stark  gesprochen  wird,  und  den  hiesigen  Schloss- 
Befestigungen  ist  Alles  nicht  wahr. 

Wir  küssen  die  Mama  1000000  Mal  (mehr  Nul- 
len habe  ich  nicht  hingebracht) ,  und  meine  Schwe- 
ster umarme  ich  lieber  in  persona,  als  in  der  Ein- 
bildung. 

Nachschrift  vom  Vater.  . 
Den  Namenstag  des  Wolfgang-  haben  wir  in  Ala 
bey  den  Gebrüdern  Piccini  lustig  zugebracht,  her-  1 
nach  uns  auch  in  Verona  aufgehalten;   daher  sind 
wir  so  spät  nach  Mailand  gekommen.    In  Verona 
und  auch  schon  hier  haben  wir  Opera  buffa  gesehen. 

t 

•  1 

(Leopold  M.  Brief  No.  i3g.) 

Mailand,  den  i4.  Norbr.  1772. 
Nachdem  ich  nun  bald  ein  Paar  Wochen  in 
Mailand  ruhig  lebe,  melden  sich  wieder  einige  Klei- 


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2f>7 

■ 


nigkeitea  von  Unpäßlichkeiten,  und  ich  komme  zu 
Zeiten  in  sakburgische  Gedanken,  in  denen  ich  eine 
Zeit  stecke,  ohne  es  zu  merken,  die  ich  mir  denn 
geschwinde  ausschlage,  oder  wenigstens  auszuschlagen 
mir  Mühe  gebe,  geschwind  als  alle  böse  Gedanken, 
die  mir  der  Teufel  in  meinen  jungen  Jahren  eingab. 
—  Von  den  Singenden  ist  noch  Niemand  da,  als  die 

hat  Wolfg.  Unterhaltung  genug  gehabt,  die  Chöre, 
deren  drey  sind,  zu  schreiben,  und  die  wenigen 
Recitative,  die  er  in  Salzburg  gemacht  hat,  zu  än- 
dern, zum  Theil  neu  zu  schreiben,  indem  der  Poet 
die..  Poesie  an  Metastasio  zur  Untersuchung  nach 
Wien  gesandt  hatte,  und  dieser  ilim  Vieles  verbe*- 
sert,  abgeändert,  und  eine  ganze  Scene  im  zweyten 
Acte  beygesetzt.  Dann  hat  er  alle  Eecitative  und 
die  Overturci  geschrieben. 

In  Brescia  ist  ein  Graf  Leccbi,  starker  Violin- 
«pieler,  grosser  Musikverständiger  und  Liebhaber, 
bey  dem  wir  bey  unserer  Rückreise  schnurgerade 
abzusteigen  versprochen  haben. 

(Leopold  M,  Brief  No.  i4o.) 

■ 

Mailand,  den  ai.  Novbr.  1773. 

Wir  sind,  Gott  £ob,  frisch  und  gesund,  wie 
die  Fische  im  Wasser,  denn  es  hat  seit  acht  Tagen 
erstaunlich  geregnet.  Heute  ist  die  Jahrszeit  unser« 
Hochzeittags.  Es,  werden,  wie  ich  glaube,  25  Jahre 
aeyn,  dass  wir  den  guten  Gedanken  hatten,  uns  zu 
heiratheu;  diesen  Gedanken  hatten  wir  zwar  viele 
.  Jahre  zuvor.  Gute  Dinge  wollen  ihre  Zeit!  Der 
Primo  utmw,  Hr.  Rauzzini,  ist  angelangt.   Es  wird 


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also  immer  mehr  zu  thun  geben.  fia  wird  aber  auch 
au  kleinen  Comödien ,  wie  es  beym  Theater  gewöhn- 
lich ist,  nicht  fehlen.  Das  sind  Kleinigkeiten.  Die 
Feigen,  die  Wolfg.  von  Salzburg  mit  bekam,  waren 
so  wundersam ,  wie  das  Brod  und  die  Fische  im 
Evangeüo;  sie  haben  uns  bis  jetzt  gedauert*  M-  * 
J  >  Ja,  ja,  es  giebt  jetzt  viel  zu  thun.  Ist  es  keine 
Arbeit,  so  sind  es  halt1  dennoch  Verrichtungen. 

*  ■  ä 

i    -       *'  '  - 

N.§.  von  Wolfg.  A.  M.  (deaeen  Briefe  No.  46.)  >   i  . 

Ich  sage  Dir  Dank,  Du  weisst  schon  für  was^  — 
Ich  kann  dem  Hrn.  von  Heffher  unmöglich  schreiben. 
Wenn  Du  ihn  siehst ,  so  lass  ihn  das  Folgende  lesen. 
Ich  bitte  ihn,  er  möge  sich  indessen  begnügen.. 

Ich  werde  meinem  wohlfeilen  Freunde  nicht  vor 
übel  haben,  dass  er  mir  nicht  geantwortet  hat:  so 
bald  er  wird  mehr  Zeit  haben,  wird  er  mir  gewiss, 
Zweifelsohne,  ohno  Zweifel,  sicher,  richtiglich  ant- 
worten. : 

*  • 

(Leopold  M.  Brief  No.  i4i.)  . 

Mailand,  den  6.  Decbr.  1772. 

Wir  sind,  Gott  Lob,  gesund,  wiewohl  ich  mit 
einer  schlechten  Feder  schreibe.  Die  De  Amicis  ist 
erst  gestern  angekommen.  Der  arme  Tenor  Cardoni 
ist  so  krank  geworden,  dass  er  nicht  kommen  kann. 
Man  hat  daher  um  einen  andern  nach  Turin  und 
Bologna  geschickt,  der  nicht  nur  ein  guter  Sänger, 
aondern  absonderlich  ein  guter  Acteur  und  eine  an- 
sehnliche Person  seyn  muss ,  um  den  Lucio  Silla 
mit  Ruhm  vorzustellen.  Das  Meiste  und  Hauptsäch- 
lichste üer  Oper  hat  aus  fliesen  zwey  Ursachen  noch 


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a69 

nicht  oomponirt  werden  können.  Nun  wird  es  erat 
ernstlich  darauf  los  gehen« 

f.."'. 

N,  3.  Ton  Wolfg.  A.  M.  (dewcn  Briefe  No.  47.) 

Nun  habe  ich  noch  vierzehn  Stücke  zu  machen, 
dann  bin  ich  fertig.  Freylich  kann  man  das  Terzett 
und  das  Duett  für  vier  Stücke  rechnen.  Ich  kann 
unmöglich  viel  schreiben,  denn  ich  weiss  nichts;  und 
zweytens  weiss  ich  nicht,  was  ich  schreibe,  indem 
ich  nun  immer  die  Gedanken  bey  meiner  Oper  habe, 
und  Gefahr  laufe,  Dir  statt  Worte,  eine  ganze  Arie 
herzuschreiben.  Ich  habe  hier  ein  neues  Spiel  ge- 
lernt, welches  heisst  Mercante  in  fiera.  Sobald  ich 
nach  Hause  komme,  werden  wir  es  spielen*  Eine 
neue  Sprache  habe  ich  auch  von  einer  Frau  gelernt, 
die  ist  zum  Reden  leicht,  zum  Schreiben  mühsam, 
aber  auch  tauglich.    Sie  ist  aber  ein  wenicr  —  —  — 

~  www  »■  "  —  ^  r  *  wwr  w   m*  ^»  w.<<mm*  T ■ 

kindisch,  aber  gut  für  Salzburg.  Meine  Empfehlung 
an  unsere  schöne  Nandl  und  an  den  Canarienvogel, 
denn  diese  zwey  und  Du  sind  die  unschuldigsten 
in  unserm  Hause.  Euer  Kapellmeister  Fischietti  wird 
wohl  bald  anfangen,  an  seiner  Opera  buffa  (auf 
teutsch,  an  seiner  närrischen  Oper)  zu  arbeiten. 

« 

(Leopold  M.  Brief  No.  i4a.) 
'  Mailand,  den  12.  Decbr.  177a. 

Wir  befinden  uns,  sonderheitlich  ich,  in  guter 
Gesundheit.  Während  der  nächsten  acht  Tage  hat 
Wolfg.  die  grösste  Arbeit;  denn  die  gebenedeyten 
Theaterpersonen  .lassen  Alles  auf  die  letzten  Augen- 
blicke ankommen.  Den  Tenor,  der  aus  Turin  kömmt, 
sehen  wir  erst  am  intern  er  ist  aus  der  königlichen 


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t 

I 


270 


Kapelle.  Dann  müssen  erst  vier  Arien  für  ihn 
ponirt  werden.  Die  De  Amicis  ist  mit  ihren  drey 
Arien,  die  sie  dermalen  hat,  ganz  ausserordentlich 
zufrieden.  Wolfg.  hat  ihr  die  Hauptarie  mit  solchen 
Passagen  gemacht,  die  neu  und  ganz  besonders  und 
erstaunlich  schwer  sind.  Sie  singt  solche,  dass  man 
erstaunen  muss,  und  wir  sind  in  der  allerbesten 

ceit  mit  ihr.  Heute 


1_  1 

Uli 

Nil? 

war  die  erste  Recitativ  -  Probe :  die  zweyte  wird, 
wenn  der  Tenor  kömmt. 

Dass  Wolfg.  der  Fraulein  Waberl  die  Menuett 
nicht  gegeben  hat,  war  ein  Fehler,  den  sie  ihm  ver- 
zeihen wird,  wenn  sie  bedenkt,  dass  er  ein  flüchtiger 
Mensch  ist,  der  leichtlich  Etwas  in  die  Vergessen- 
heit bringt. 

... 

Ich  lasse  der  Nannerl  sagen ,  dass  sie  ihre  kleine 
Schülerin  mit  Fleiss  und  Geduld  lehren  soll,  ich 
weiss,  dass  es  zu  ihrem  eigenen  Nutzen  ist,  wenn 
sie  sich  gewöhnt,  Jemanden  etwa^ grundlich  und  mit 
Geduld  zu  zeigen.    Ich  schreibe  es  nicht  umsonst. 

(Leopold  M.  Brief  No.  i43.) 

Mailand,  den  18.  Decbr.  177a.". 

Morgen  ist  die  erste  Probe  mit  allen  Instrumen- 
ten. Dieser», Tage  waren  drey  Recitativ  -  Proben. 
Gestern  Nachts  ist  erst  der  Tenor  angekommen  \  und 
heute  hat  Wolfg.  zwey  Arien  füjp  ihn  gemacht,  und 
hat  ihm  noch  zwey  zu  machen.  Samstag  ist  die 
zweyte  Probe,  Erchtag  die  dritte,  Mittwoch  die 
Hauptprobe.  Am  26sten  die  Oper,  mit  Gott,  eben 
an  dem  Tage,  da  Ihr  diesen  Brief  erhaltet.  Diess 
schreibe  ich  Nachts  um  il  Uhr,  da  Wolfg.  eben 


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371 

die  zweyte  Tenor -Arie  fertig  hat.    Morgen  spielen, 
oha!  speisen  wir  bey  Herrn  von  Mayr. 

(Leopold  M.  Brief  No.  i44.) 

Mailand,  den  26.  Decbr.  177«. 

In  drey  Stunden  wird  die  Oper  aufgeführt.  Gott 
gebe  seine  Gnade.  Die  Hauptprobe  ist  so  gut  vor- 
bey  gegangen,  dass  wir  den  besten  Erfolg  hoffen 
können.  Die  Musik  allein  ohne  Ballette  dauert  vier 
Stunden.  Das  Unglück  des  Hrn.  Hagenauer,  das 
Du  uns  meldest,  geht  uns  sehr  zu  Herzen.  Wir 
haben  heute  in  der  Kirche  Beyde  für  seine  Besserung  1 
Gott  inständigst  gebeten.  In  drey  Tagen  war  alle 
Abende  grosse  Gesellschaft  in  dem  Firmian'schen 
Hause.  Sie  dauerte  jedes  Mal  unter  beständiger  Vo- 
cal-  und  Instrumental -Musik  von  5  Uhr  Abends  bis 
Ii  Uhr.  Wir  waren  auch  eingeladen.  Wolfgang 
spielte  jeden  Abend;  sonderheitlich  den  dritten  Tag 
musste  Wolfg.  gleich  beym  Eintritte  Sr.  Königlichen 
Hoheit  auf  Ihr  Verlangen  spielen.  Beyde  Königl. 
Hoheiten  sprachen  lange  Zeit  mit  uns.  Die  De 
Amicis  ist  unsere  beste  Freundin ,  sie  singt  und  agirt 
wie  ein  Engel,  und  ist  in  ihrer  Vergnügenheit,  weil 
Wolfg.  sie  unvergleichlich  bedient  hat.  Ihr  würdet 
mit  ganz  Salzburg  erstaunt  seyn,  sie  zu  hören.  * 

Wir  befinden  uns  zwar,  Gott  Lob,  gesund,  doch 
bleibt  mein  Kopf  noch  immer  mein  heimlicher  Feind. 
Von  Zeit  zu  Zeit  kömmt  mir  meine  Empfilftlung  im 
Kopfe  wieder,  besonders  da,  wo  ich  unglücklicher 
Weise  Nachts  den  Fall  gethan.  Ich  wünsche,  dass 
ich  diese  Empfindung  noch  fünfzig  Jalire  zu  leiden 
habe. 


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273 

(Leopold  M.  Brief  No.  i45.) 

Mailand,  den  3.  Januar  1773. 

Glückseliges  neues  Jahr!  Letzthin  habe  ich  die- 
ses zu  wünschen  vergessen,  weil  ich  nicht  nur  in 
Eile,  sondern  in  Verwirrung,  in  Gedanken,  zerstreut 
und  in  dem  Augenblicke  geschrieben  habe,  wo  wir 

lieh  abgelaufen,  obwohl  den  ersten  Abend  verschie- 
dene verdriessliche  Umstände  sich  ereigneten.  Der 
erste  war,  dass  die  Oper  gewöhnlich  eine  Stunde 
nach  Betläuten  anfangen  soll,  aber  diess  Mal  drey 
Stunden  später  anfing,  nämlich  um  acht  Uhr,  und 
erst  um  zwey  Uhr  bey  der  Nacht  geendigt  wurde. 
Der  Erzherzog  kam  nämlich  spät,  weil  er  nach  der 
Tafel  noch  fünf  eigenhändige  Neujahrglückwünsche 
an  den  Kaiser,  die  Kaiserin  etc.  zu  schreiben  hatte; 
und  NB.  er  schreibt  sehr  langsam.  Stelle  Dir  nur 
vor,  dass  das  ganze  Theater  um  halb  sechs  Uhr  er- 
füllt war.  SäDger  und  Sängerinnen  snid  den  ersten 
Abend  in  einer  grossen  Angst,  sich  das  erste  'Mal 
einem  so  ansehnlichen  Publicum  zu  zeigen.  Die  be- 
angsteten  singenden  Personen  mussten  in  ihrer  Angst 
das  Orchester  und  das  ganze  Publicum  in  Ungeduld 
und  auch  Hitze,  Viele  stehenden  Fusses,  drey  Stun- 
den auf  den  Anfang  warten.  Zweytens  ist  zu  wissen, 
dass  der  Tenor,  den  man  aus  Noth  nehmen  musste, 
ein  Kirchensänger  aus  Lodi  ist,  der  niemals  auf  ei- 
nem so  ansehnlichen  Theater  agirt  hat,  der  nur  etwa  % 
zwey  Mal  in  Lodi  einen  Primo  Tenore  vorgestellt, 
endlich  erst  acht  Tage  vor  der  Oper  verschrieben 
worden  ist.  Dieser,  da  die  Prima  donna  in  ihrer 
ersten  Arie  von  ihm  eine  Action  des  Zorns  erwarten 


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273  .  , 

muss,  machte  diese  zornige  Action  so  übertrieben, 
dass  es  schien,  als  wollte  er  ihr  Olirfeigen  geben 
und  ihr  die  Nase  mit  der  Faust  wegstossen:  diess  bewog 
das  Publicum  zum  Lachen,  Pie  Sigra.  De  Amicia 
beobachtete  nicht  sogleich  im  Eifer  ihres  Singens, 
warum  sie  war  betroffen 

und  wusste  anfangs  nicht,  wer  ausgelacht  wurde, 
und  sang  den  ganzen  ersten  Abend  nicht  gut,  weil 
noch  die  Eifersucht  dazu  kam,  dass  dem  Primo 
uomö,  sobald  er  auf  das  Theater  trat,  in  die  Hände 
von  der  Erzherzogin  .  geklatscht  wurde*  Diess  war 
ein  Kastratenstreich ,  denn  er  hatte  gemacht,  dass 
der  Erzherzogin  gesagt  wurde,  dass  er  vor  Furcht 
nicht  werde  singen  können,  um  dadurch  zu  erhal- 
ten, dass  ihm  der  Hof  gleich  Courage  und  Applauso 
machen  sollte.  Um  nun  die  J)c  Amicis  wieder  zu 
Crösten,  ward  sie  gleich  den  Tag  darauf  nach  Hofe 
berufen,  und  hatte  eine  ganze  Stunde  Audienz  bey 
Heyden  Königl.  Hoheiten  5  dann  fing  die  Oper  erst 
an ,  gut  zu  ^ehen ,  und  da  sonst  bey  der  ersten  Oper 
das  Theater  sehr  leer  ist,  so  war  dasselbe  nun  die 
ersten  sechs  Abende  (heute  ist  der  siebente)  so  voll, 
dass  man  kaum  hinein  kam,  und  hat  noch  meistens 
die  Prima  Donna  die  Oberhand,  deren  Arien  wie- 
derholt wurden.  ... 

(Leopold  M.  Örief  Mo.  i46.)  '  . 

•:   •  Mailand,  den      Istmaß  1773. 

Die  Oper  gejit  unvergleichlich  gut,  so  dass  das 
Theater  stets  erstaunlich  voll  ist,  da  doch  sonst  die 
Leute  in  die  erste  Oper  nicht  zahlreich  gehen,  wenn 
sie  nicht*  sonderbaren  Beyfall  hat.    Täglich  werden 

18 


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274 


Arien  wiederholt ,  und  die  Oper  hat  flach  der  ersten 
Sera  täglich  aufgenommen  und  voll  Tag  zu  Tage 
mehr  Beyfall  erhalten.  Ja,  Graf  Castelbarco  hat 
meinem  Sohne  eine  goldene  Uhr  mit  einer  goldenen 
Uhrkette  verehrt,  daran  eine  Portechaise  und  eine 
Laterne  von  Gold  hangen.   Du  kannst  Dich  also  in 

der  Portechaise  tragen  ünd  Dir  vorleuchten  lassen. 

■»  *  •  • 

(Leopold  M.  Brief  No.  i47.) 

Mailand,  den  16.  Januar  1773. 
Wir  befinden  um  wohl.  Nur  zwey  Mal  war 
mein  Kopf  nicht  gut.  Wenn  ich  bey  Freunden  in 
der  Akademie  gespielt  habe,  ward  er  erhitzt,  und 
den  Tag  darauf  kam.  der  gewöhnliche  Schwindel 
und  Dummheit  im  Kopfe  wieder,  so  wie  ich's  alle 
Abende  in  Salzburg  nach  der  Musik  hatte.  Nun  ist 
Wolfgangs  Oper  siebzehn  Male  gegeben,  und  wird 
in  Allem  etliche  und  zwanzig  Male  gegeben  werden. 

(Leopold  M.  Brief  No.  i43.)  , 

•  •  • 

Mailand,  den  3o.  Januar  1773.  / 

Heute  ist  die  zweyte  Oper  zum  ersten  Male. 
Ich  bin  unglücklich  genug,  sie  nicht  hören  zu  kön- 
nen. Ich  schicke  Wolfg.  in  die  Loge  deä  Hrn.  von 
Grimani,  und  werde  unterdessen  Trübsal  blasen. 
Ich  liege  an  einem  verfluchten  Rheumatism  nieder 
und  leide  wie  ein  Hund*).  Wolfgang  befindet  sich 
wohl,  denn  eben  da  ich  dieses  schreibe,  macht  er 
immer  Capriolen. 

*)  Dieso  Krankheit  war  Verstellung.  Er  hatte  Schritte  in  Flo- 
renz gemacht,  um  dort  angestellt  zu  werden.  Im  P.  S.  dieses 
Briefes  heisst  es:  oder  seinen  Sohn  dort  austeilen  zu  lassen. 


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275 

MUridate  und  L.  Sulla  unterscheiden  sich  we- 
der im  Plane,  noch  in  der  Instrumentation  von  den 
damals  gewöhnlichen  Opern,  Nur  der  feurige  Ge- 
sang, das  Leben  und  der  warme  Geist  seiner  Melo- 
dieen  heben  sie  weit  über  den  Tross.  Sie  behaup- 
ten- wie  die  meisten  italienischen  Opern«  den  drev- 
stimmigen  Satz,  und  besitzen  nur  wenig  von  den 
künstlichen  harmonischen  Constructionen,  die  man 
an  seinen  späteren  Arbeiten  anstaunt.  Eine  auffal- 
lende Erscheinung  bey  den  Chören  dieser  s  beyden 
Opern,  so  wie  bey  seinen  früheren  Messen,  ist  eine 
Steifheit,  die  sich  ängstlich  an  die  Regel  bindet,  und 
die  man  eher  von  einem  alten  trockenen  Componi- 
sten,  als  von  diesem  emporkeimenden  Talente  er- 
wartet hätte. 

Im  Frühjahre  1773  kamen  Vajter  und  Sohn  wie- 
der in  Salzburg  an,  machten  aber  im  Sommer  des- 
selben Jahres  eine  Reise  nach  Wien,  wo  sie  bis  ge- 
gen Ende  Septembers  verweilten  und  dann  wieder 
in  Salzburg  eintrafen. 

i 

Siebente   Reise«  1 
Der  Vater  mit  dem  Sohne  allein  nach  Wien, 

im  Julius  1773  bis  Ende  September  1773« 

: 

Briefe  vom  Vater  an  seine  Frau  und  vom  Sohne  an 
die  Muttefr  und  die  Schwester» 

(Leopold  M*  Brief  No.  i49.) 

/    Wien,  den  12.  August,*^. 

Ihre  Majestät  die,  Kaiserin  waren  sehr  gnädig 
mit  uns;  allein  dieses  ist  auch  Alles,  und  ich  muss, 
es  Dir  mündlich  zu  erzählen,  auf  unsere  Rückkunft 
versparen,  denn  Alles  lässt  sich  nicht  schreiben,  und  * 

18» 

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276 

Alles  hat  seine  Hindernisse.  Mit  nächster  Post  wirst 
Du  hören,  wann  wir  ahreisen.  Wenn  wir  nicht 
kommenden  Montag  ahreisen,  so  kommen  wir  vor 
Anfang  Septembers  nicht  zurück.  Zwischen  heute 
und  morgen  werde  ich  es  erfahren.  N.  K.  hat  wirk- 
lich Talent,  so  dass  er  nur  mein  Sohn  seyn  sollte, 
oder  wenigstens  sollte  er  bey  mir  seyn.  Am  Feste 
des  heil.  Cajetan  haben  uns  die  HH.  Patres  «um 
Speisen  und  zum  Amt  eingeladen,  und  weil  die  Or- 
gel nichts  nutz  war,  ein  Concert  zu  spielen,  so  hat 
Wolfg.  von  Hrn.  Trieber  eine  Violine  und  ein  Con- 
cert entlehnt,  und  die  Keckheit  gehabt,  ein  Concert 
auf  der  Violine  zu  spiden.  Bey  den  Jesuiten  ist  in 
der  Octave  des  heil.  Ignatius  eine  Messe  von  Wolfg. 
producirt  worden,  nämlich  die  Pater  Dominicus- 
Messe:  ich  habe  tactirt,  und  die  Messe  hat  erstaun- 
-lich  gefallen. $ 

(Leopold  HL  Brief  No.  i5o.) 
,  Wien,  den  i4.  August  1773. 

Wann  wir  kommen?  —  Noch  nicht;  denn  Sc. 
hochfürstl.  Gnaden  haben  uns  erlaubt,  annoch  hier 
zu  verweilen.  Schreibe  mir  jeden  Postlag,  was  Du 
von  dem  Aufenthalt  oder  der  Abreise  Sr.  hochfürstl. 
Gnaden  hörst,  damit  ich  mich  darnach  richten  mag. 

■ 

N.S.  von  Wolfg.  Amad.  Mozart  (dessen  Briefe  No.  48). 

An  seine  Schwester. 
Ich  hoffe,  meine  Königin,  Du  wirst  den  höch- 
sten Grad  der  Gesundheit  geniesseh,  und  doch  dann 
und  wann,  oder  vielmehr  zuweilen,  oder  besser  bis- 
weilen, oder  noch  besser  qualche  volta,  wie  der 
Walsche  spricht, .  von  Deinen  wichtigen  und  drin- 


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I 

277 

genden  Gedanken  (welche  allezeit  aus  der  schön- 
sten und  sichersten  Vernunft  herkommen ,  die  Du 
nebst  Deiner  Schönheit  besitzest,  obwohl  in  so  zar- 
ten Jahren,  Du,  o  Königin,  auf  solche  Art  besitzest, 
dass  Du  die  Mannspersonen,  ja  sogar  die  Greise 
beschämest}  mir  etliche  davon  aufopfern.    Lebe  wohL 

Hier  hast  Du  was  Gescheutes.  . 

(Im  Briefe  des  Vaters  stand:  Das  ganze  Haus 
von  Martinez  und  Bono  empfehlen  sich.  Dazu  hatte 
W.  A<  geschrieben :  „wenn  es  die  Witterung  er- 
laubte. "  Es  war  just  sehr  veränderliche  Witterung 
in  Wien.) 

•      •     •  $    •  * 

(Leopold  M.  Brief  No.  i5i.) 

Wien,  denn.  August  1775. 

Letzten  Posttag  habe  ich  nicht  geschrieben ,  weil 
wir  eine  grosse  Musik  bey  unsern  Freunden  Mesmers  <» 
auf  der  Landsti-asse  im  Garten   hatten.     Mesmer  . 
spielt  sehr  gut  die  Harmonica  der  Miss  Devis.  Er 
ist  der  Einzige  in  Wien ,  der  es  gelernt  hat ,  und  er 
besitzt  eine  viel  schönere  Gläsermaschine ,  als  Miss  » 
Devis  hatte.  Wol fg.  hat  auch  schon  darauf  gespielt: 
wenn  wir  nur  eine  hätten  l   Die  des  Mesmer  hat  50 
Ducaten  gekostet. 


Wir  hätten  Euch  gerne  bey  unsj  aber  wir  sind 
nicht  in  den  Umständen,  grosse  Kosten  aufzuwenden. 
Hätten  wir  einige  Aussicht  oder  Geldeinnahme  ge- 
habt, so  liätte  ich  Dich  kommen  lassen.  Allein  es 
sind  viele  Sachen,  die  man  nicht  schreiben  kami. 
Und  überdas  muss  man  Alles  verhindern,  was  eini- 
ges Aufsehen  oder  einigen  Argwohn  sowohl  hier  als 


1 

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278 


NB.  in  Salzburg  machen  kann,  und  welches  Gele- 
genheit giebt,  Prügel  unter  die  Füsse  zu  werfen. 

Wir  wissen  selbst  nicht,  wenn  wir  abreisen. 
Es  kann  geschehen  gar  bald,  kann  sich  aber  auch 
einige  Zeit  verziehen.  Es  kömmt  auf  Umstände  an, 
die  ich  nicht  benennen  kann.  Auf  Ende  Septembers 
sind  wir  ganz  gewiss,  wenn  Gott  will,  zu  Hause. 
Die  Sache  wird  und  muss  sich  andern.  Seyd  getrost 
und  lebt's  gesund!  Gott  wird  helfen.  Sollte  der 
Erzbischof  lange  ausbleiben,  so  eilen  wir  nicht  nach 
Hause, 

(Leopold  M.  Brief  No.  i5a.) 

Wien,  den  a5,  August  1775. 
Unser  Beutel  wird  sehr  leer;  so  wie  mein  Leib 
zunimmt  und  fetter  wird,  so  wird  der  Beutel  mager 
werden.    Dass  ich  sichtbar  fett  werde,  kannst  Du 
sicher  glauben» 

(Leopold  M.  Brief  No.  i55.) 

Wien,  den  8.  Septbr.  1773. 

Ich  bin  den  Herreu  Salzburgern  höchst  verbun- 
den, dass  sie  für  meine  Zurückkunft  so  sehr  besorgt 
sind.  Das  macht,  dass  ich  mit  mehr  Vergnügen  in 
Salzburg  eintreffen  und  dann  gleich  die  ganze  Nacht 
in  der  Beleuchtung  oder  erleuchteten  Stadt  spaziren 
gehen  werde,  damit  die  Lichter  nicht  umsonst  bren- 
nen. Wenigstens  werde  ich  das  Schlüsselloch  an  der 
Hausthüre  eher  finden,  weil  am  Eck,  wie  ich  ver- 
muthe,  sich  zum  guten  Glücke,  der  Austheilung 
nach,  eine  Laterne  treffen  wird.  Ich  werde,  wenn 
Gott  will,  gegen  Ende  der  künftigen  Woche  abrei- 
sen. Allein,  da  ich  diesen  Weg  öfters  gemacht,  und 


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zu  Mariazell  niemals  gewesen,  so  könnte  es  gesche- 
hen, dass  ich  nach  Mariazell  und  dann  über  St. 
Wolfgang  nach  Hause  ginge,  um  den  Wolfg.  auf 
die  Wallfahrt  seines  heil.  Namqnspatrons  zu  führen, 
wo  er  niemals  gewesen,  und  ihm  den  berühmten 
Geburtsort  seiner  Mutter,  St.  Gilgen,  zu  zeigen. 
Dass  mein  Geld,  was  ich  bey  mir  hatte,  nun  alles 
beym  T  -  -  ist,  kannst  Du  Dir  leicht  vorstellen ,  und 
bald  wird  die  Nachricht  eintreffen,  dass  ich  bei  ei- 
nem hiesigen  Bauquier  mir  zwanzig  Ducaten  habe 
bezahlen  lassen.  Das  hat  aber  nichts  anders  zu  be- 
deuten,  als  dass  ich  Geld  nöthig  habe  und  keinen 
Doctor.  Die  Ursache,  warum  ich  hier  60  lange  ver- 
bleiben mu ss,  werde  ich  aller  Welt  zu  seiner  Zeit 

» 

erzählen,  und  Jedermann  wird  sie  gegründet  finden. 
Ich  habe  die  nämliche  Ursache  Sr.  Hochfurstl.  Gna- 
den gemeldet,  und  diese  Ursache  ist  es  bis  diese 
Stunde. 

(Leopold  JVL  Brief  No.  l54.) 

Wien,  den  18.  Septbr.  1773. 

Schreibe  an  Hrn.  N.  N.  und  mahne  ihn  auf  seine 
Schuld  au  mich;    eine  Frau  kann  die  Commission 
ihres  Mannes  schärfer  ausdrücken.  Wolfgang 
ponirt  an  Etwas  ganz  eifrig. 

N. S.  von  Wolfg.  A.  M.  (dessen  Briefe  No.  $9.) 
(Au  die  Schweeter.) 

Wien,  den  i5.  8eptbr.  1773. 
Wir  sind,  Gott  Lob  und  Dank,  gesund.  Diess 
Mal  haben  wir  uns  die  Zeit  genommen,    Dir  zu 
schreiben,  obwohl  wir  Geschäfte  hätten.    Wir  hof- 
fen, Du  wirst  auch  gesund  seyn.    Der  Tod  des  Di. 

'  *  »  Digitized 


Niderls  hat  uns  sehr  betrübt.  Wir  versichern  Dich, 
vyir  haben  schier  geweint,  geplärrt,  gerehrt  und  trenzt. 
Unsere  Empfehlung  an  —  alle  gute  Geister  loben 
Gott  den  Herrn  —  und  an  alle  gute  Freunde  und 
Freundinnen.  Wir  bleiben  Dir  hiermit  mit  Gnaden 
gewogen,   Wien  7  aus  unserer  Residenz. 

•Wolfgang. 

■ 

W.  A.  Moaart  an  Hrn.  v.  Hofner. 

Ich  hoffe,  wir  werden  Sie  noch  in  Salzburg  an- 
treffen ,  wohlfeiler  Freund.  Ich  hoffe,  Sie  werden 
gesund  seyn,  und  mir  nicht  seyn  Spinnefeind,  sonst 
bin  ich  Ihnen  Fliegenfeind,  oder  gar  Wanzenfeind. 

.    Also  ich  ratlie  Ihnen,  bessere  Verse  zu  machen. 

Sonst  komm' 
ich  meiner  Lebtag  zu  Salzburg  nicht  mehr  in  Dom; 
denn  ich  bin  gar  capax  zu  gehen  nach  Constant- 
inopel,  die  docli  allen  Leuten  ist  bekannt. 
Hernach  sehen  Sie  mich  nicht  mehr,  und  ich  Sie 

auch  nicht.  Aber, 
wenn  die  Pferde  hungrig  sind,  giebt  man  ihnen 

.*  •  einen  Haber. 

Leben  Sie  wohL    Ich  bin  zu  aller  Zeit,  * 
Von  nun  au  bis  in  Ewigkeit. 

■ 


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-  281 


Achte  Reise. 

Der  Vater  mit  dem  Sohne  allein  nach  Mün- 
chen, vom  Decembcr  1774  bis  zum  7ten 
1775. 


Briefe  des  Vaters  an  die  Frau  und  die  des  Sohnes 
an  die  Mutter  und  an  die  Schwester. 

Die  letzt*  Reise  des  Vaters  mit  dem  Sohne. 

Im  folgenden  Jahre,  Anfangs  December  1774, 
machte  nnser  Wolfgang  mit  «einem  Vater  eine  Reise 
nach  München,  welche  ihm  zur  Verfertigung  meh- 
rer vortrefflichen  Musikstücke,  wie  der  Opera  buffa, 
La  finta  Qiardiniera,  zweyer  grossen  Messen,  eines 
Ofiertoriums  und  einer  Vesper  de  Dominica  für  die 

Kapelle  des  Chui'fursten  Gelegenheit  bot. 

—  ....  t  j  * 

(Leopold  M.  Brief  No.  i55.)  ,  . 

München,  den  9.  Decbr.  1774. 
Wegen  der  Oper  kann  ich  noch  Nichts  schrei- 
ben. Heute  haben  wir  erst  die  Personen  kennen  ge- 
lernt, welche  Alle  mit  uns  sehr  freundschaftlich  wa- 
ren, besonders  Graf  Seau.  — 

(Leopold  M.  Brief  No.  i56.) 

München,  den  i4.  Decbr.  1774. 

Wegen  unserer  Tochter,  die  herkommen  möch- 
te, um  ihres  Bruders  Oper  zu  hören,  habe  ich  noch 
keinen  anständigen  Ort  gefunden:  in  diesem  Puncte 
ist  hier  grosse  Aufmerksamkeit  nöthig.  Suche  mir 
in  meiner  Musik  die  zwey  Litaneyen  de  V enerabili 
und  vom  hocliwürdigen  Gute,  die  im  Stundgebete 
gemacht  werden.  Eine  von  mir  ex  D:  die  neuere 
fangt  an  mit  Violin  und  Bass  staccato,   Du  kennst 


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283 

sie  schon:  die  zw.ey.te  Violine  hat  beyin  Agnus  Dei 
lauter  dreyfache  Noten.  Dann  des  Wolfgangs  Lita- 
ney,  in  welcher  die  Fuge  Pignus  futurae  gloriae. 
Diese  zwey  Litaneyen  werden  hier  am  Neujahrstage 
im  Stundgebete  gemacht  werden/  — *  

» 

* 

(Leopold  M.  Brief  No.  157.) 

IHünchon,  den  16.  Decbr.  1774. 

Ich  habe  nun  eine  Wohnung  für  die  Namierl 
bey  Frau  von  Durst.  Diese  ist  28  Jahre  alt,  sehr 
eingezogen  und  voller  Belesenheit  und  Vernunft:  sie 
leidet  keinen  Umgang  von  Schmirbern  um  sich,  und 
ist  sein:  höflich  und  angenehm.  Nannerl  findet  da 
einen  Flügel  zu  eigenem  Gebrauch ;  auf  diesem  muss 
sie  fleissig  die  Sonaten  von  Paradies  und  Bach  und 

das  Concert  von  Lucchesi  spielen.  —  — 

•  » 

(Leopold  M.  Brief  No.  i58.) 

München,  den  ai.  Decbr.  1774. 
Nannerl  soll  auch  des  Wolfgangs  geschriebene 
Sonaten  und  Variationen  mitbringen.  Wolfgangs 
Concert  haben  wir  mit  uns.  

(Leopold  M.  Brief  No.  159.) 

München,  den  28.  Decbr.  1774. 
Von  Wolfgangs  Oper  ist  die  erste  Probe  gewe- 
sen. Sie  hat  so  sehr  gefallen,  dass  sie  auf  den  5ten 
Januar  verschoben  wird,  damit  die  Sänger  sie  besser 
lernen,  und,  wenn  sie  die  Musik  recht  im  Kopfe 
haben,  sicherer  agiren  können,  auf  dass  die  Oper 
nicht  verdorben  werde.  Die  bestimmt  gewesene  Auf- 
führung am  morgenden  Tage  wäre  übereilt  gewesen. 

gelallt,  so  kommt  es 


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i 


Mg 

nur  auf  die  Production  im  Theater  an,  die,  wie  ich 
hoffe,  gut  gehen  soll,  weil  die  Schauspieler  uns  nicht 
abgeneigt  sind.  Dass  die  Herren  Hofleute  mit  Euch 
höflich  sind,  glaube  ich  gerne:  das  ist  ihre  Politik, 
und  sie  argwöhnen  allerhand  Sachen.  Die  Nannerl 
muss  mir  einen  Creditbrief  mitbringen,  denn  wenn 
man  gleich  ein  Regal  erhält,  so  wird  es  oft  verscho- 
ben, dass  man  es  nicht  abwarten  kann,  ja  manchmal 
erst  nachgeschickt ;  und  ich  will  mich  auf  Nichts  ver- 
lassen, denn  hier  ist  Alles  langsam  und  oft  ver- 
wirrt.  —  —  — 

N  n  c  h  a  cirift  von  Wolfg.  A.  M.  (deaaen  Briefe  No.  Ii.) 
Meine  liebste  Schwester!  Ich  bitte  Dich,  vergi'ss 
nicht  vor  Deiner  Abreise,  Dein  Versprechen  bu  hal- 
ten, d.  im  den  bewussten  Besuch  abzustatten  —  denn 
ich  habe  meine  Ursachen.  Ich  bitte  Dich,  dort 
meine  Empfehlung  auszurichten  —  aber  auf  das  Nach- 
drücklichste —  und  Zärtlichste  —  und  oh  —  ich 
darf  mich  ja  nicht  so  bekümmern,  ich  kenne  ja 
meine  Schwester,  die  Zärtlichkeit  ist  ihr  ja  eigen. 
Ich  weiss  gewiss,  dass  sie  ihr  Mögliches  thun  wird, 
um  mir  ein  Vergnügen  zu  erweisen,  und  aus  In- 
teresse —  ein  wenig  boshaft!  —   Wir  wollen  uns 

in  München  darüber  zanken.    Lebe  wohl! 

.  * 

(Leopold  M.  Brief  No.  160.)  1 

München,  den  3o,  Decbr.  1774. 

Am  Donnerstage  wird  die  Oper  aufgeführt.  Nun 
musst  Du  wissen,  dass  der  Maestro  Tozi,  der  heuer 
die  Opera  seria  schreibt,  vor'm  Jahre  um  eben  diese 
Zeit  eine  Opera  buffa  geschrieben,  und  sich  so  be- 
müht hat,  solche  gut  zu  schreiben,  um  die  Opera 


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284 

teria,  die  vor'ra  Jahre  der  Maestro  ßales  schrieb, 
niederzuschlagen ,  dass  des  Sales  Opera  wirklich  nicht  ' 
mehr  recht  gefallen  wollen.  Nun  ereignet  sich  der 
Zufall,  dass  Wolfgangs  Oper  eben  vor  der  Oper  des 
Tozi  gemacht  wird  $  und  da  sie  die  erste  Probe  hör- 
ten, sagten  Alle:  uun  wäre  Tozi  mit  gleicher  Münze 
bezahlt,  indem  Wolfgangs  Oper  die  seinige  nieder- 
schlage. Dergleichen  Sachen  sind  mir-  nicht  lieb, 
nnd  suche  dergleichen  Reden  zu  stillen,  protestire 
ohne  Ende;  allein  das  ganze  Orchester  uud  Alle, 
die  die  Probe  gehört  haben,  sagen,  dass  sie  noch*^ 
keine  schönere  Musik  gehört  haben,  wo  alle  Arien 
schön  sind.   Basta.  ,  Gott  wird  Alles  gut  machen. 

N.3.  von  Wolfg.  A.  Mosart  (desaen  Briefe  No.  5a). 

Ich  bitte  meine  Empfehlung  an  die  Roielane, 
und  sie  wird  heute  Abend  mit  dem  Sultan  den  Theo 
nehmen.  An  die  Jungfrau  Mizerl  bitte  alles  Erdenk- 
liche, sie  soll  an  meiner  Liebe  nicht  verzweifeln:  sie 

•  •    •    t  , 

ist  mir  beständig  in  ihrem  reizenden  Negligee  vor 
Augen.  Ich  habe  viele  hübsche  Madel  hier  gesehen, 
aber  eine  solche  Schönheit  habe  ich  nicht  gefunden. 
Meine  Schwester  soll  nicht  vergessen,  die  Variatio- 

von  Eckart,  uud  meine  Va- 
riationen über  den  Menuett  von  Fischer  mitzuneh-  . 
men.  Gestern  war  ich  in  deV  Comödie:  sie  haben 
es  recht  gut  gemacht.  Meine  Empfehlung  an  alle 
gute  Fremide  und  Freundinnen.  Ich  hoffe,  Du  wirst 
—  Lebe  wohl!  —  Ich  hoffe  Dich  bald  in  München 
zu  sehen.  Der  Mama  küsse  ich  die  Hände,  und  da- 
mit hat  es  heute  ein  Ende.  Halte  Dich  recht  warm 
auf  der  Reise,  ich  bitte  Dich,  sonst  kamist  Du  Deine 


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vierzehn  Tage  zu  Hause  sitzen  und  hinter  dem  Ofen 
schwitzen.  Wer  wird  Dich  dann  beschützen?  Ich 
will  mich  nicht  erhitzen.  Jetzt  fängt  e«  an  zu  bl 
Ich  bin  wie  allezeit  etc.  •  .  » 


(Leopold  M.  Brief  No.  161.) 

München»  den      Januar  1775.  . 

Gestern  kam  die  Nannerlf  —    Sperre  *gut  die 
Zimmer, /damit  Nichts  gestohlen  wird.    Wenn  man 
ausgeht,  kann  leicht  Etwas  geschehen.    Die  Ope/ 
.wird  erst  am  I3ten  gegeben.  r,„/i^  .  f. 

'    7  '     *'      (Ledpold  M.  Brief  No.  i6a.)  **  ** ' 

rjünchen,  den  11.  Januar  1775. 

Bis  dato  scheint  es,  dass  der  Wolfg.  . alle  Hoff- 
nung hat,  die  grosse  Oper  aufs  Jahr  hier  zu  schreiben. 

,   .  ..    .1  *».»••■  f          •!«*•  !•■  I 

N.  3.  von  Wolfg.  A.  Moaart  (dessen  Briefe  No.  55)J 

Wir  befinden'  uns  Alle,  Gott  Lob,  rtcht  wohl. 
Icli  kann  unmöglich  viel  schreiben,  denn  ich  muss 
den  Augenblick  in  diö'Probe.  Morgen  ist  die  Haupt- 
probe 5  den  i3ten  geht  meine  Oper  in  Seena.  Die 
Maina  darf  sich  nicht  sorgen,  es  wird  "Alles  jgüt 
gehem  Dass  die  Mama  einen  Verdacht  auf  den  Graf 
Seau  geworfen,  thut  mir  sehr  'wehe,  Öenn  er  ist  ge- 
wiss* ein  lieber,  höflicher  Herr,  und  hat  mehr  Le- 
bensart, als  Viele  seines  Gleichen  in  Salzburg»  Hr. 
von  Molk  (aus  Salzburg)  hat  sich  hier  so  verwundert 
und  verkreuzigt  über  die  Opera  terra, wie  er  sie 
horte y  dass  wir  uns  schämten,  indem'  Jedermam 
klar  daraus  sah,  dass  er  sein  Lebtag  nichts  als  Salz- 
»urg  una  innsorucK  gesenen  nat.  jlaclio*  len  Kusse 
der  Mama  die  Hände. 


.    ■  •  ■  • 


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286 


(Wolfg.  Amaä.  Mozart».  Brief  No.  64.) 

MUnchen,  den  i4.  Januar  1776. 
Gott  Lob  1  Meine  Oper  ist  gestern  in  Seena  ge- 
gangen, und  so  gut  ausgefallen,  dass  ich  der  Mama 
den  Lärmen  unmöglich  beschreiben  kann«  Erstens 
war  das  ganze  Theater  so  gestrotzt  voll,  dass  viele 
Leute  wieder  zurück  haben  gehen  müssen.  Nach  einer 
jeden  Arie  war  allezeit  ein  erschreckliches  Getos  mit 
Klatschen,  und  Viva  Maestro -Schreyen.  Ihro  Durch!, 
die  Churliirstin  und  die  Verwittwete  (welche  mir  vis 
h  vis  waren)  sägten  mir  auch  Bravo,  Wie  die  Oper 
aus  war,  so  ist  unter  der  Zeit,  wo  man  still  ist  bis 
das  Ballet  anfangt,  nichts  als  geklatscht  und  Bravo 
geschrieen  worden,  bald  aufgehört,  wieder  angefan- 
gen, und  so  fort«  Nachdem  bin  ich  mit  meinem 
Papa  in  ein  gewisses  Zimmer  gegangen,  wo  der  Chur- 
furst  und  ganze  Hof  durch  muss,  und  habe  Ihren 
.Durchlauchten,  dem  Churfürsten,  der  Churfürstin 
und  den  »Hoheiten  die  Hände  geküsst,  welche  Alle 
sehr  gnädig  waren.  Heute  in  aller  Frühe  schickten 
Se.  Fürstl.  Gnaden  der  Bischof  von  Clüemsee  her, 

mir  gratuliren,  dass  die  Oper  bey  Allen 
so  unvergleichlich  ausgefallen  wäre.  Wegen  unserer 
Rückreise  wird  es  so  bald  nicht  werden,  und  die  Mama 
soll  es  auch  nicht  wünschen,  denn  die  Mama  weiss, 
wie  wohl  das  Schnaufen  thut.  —  —  —  Wir  wer d 
noch  früh  genug  zum  (hier  war  ausgettrichen)  kommen. 
Eine  rechte  und  noth wendige  Ursache  ist,  weil  am 
Freytage  die  Oper  abermals  gegeben  wird,  und  ich 
sehr  noth  wendig  bey  der  Production  bin  —  —  sonst 

würde  man  sie  nicht  mehr  kennen  denn  ea  ist 

gar  kurios  hier.  (Grüsse)  An  Bimberl  1000  Busserln. 


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(  287 

(Leopold  M.  Brief  No.  iG3.) 

München,  den  18.  Januar  1775. 

Dass  die  Oper  einen  allgemeinen  Beyfall  hatte, 
wirst  Du  schon  aus  vielen  Berichten  wissen.  Steile 
Dir  vor,  wie  verlegen  Se.  Hochfürstl.  Gnaden  unser 
Erzbischof  und  Herr  seyn  musste,  von  aUer  Chur- 
fiirstl.  Herrschaft  und  dem  ganzen  Adel  die  Lobes- 
erhebungen  der  Oper  anzuhören,  und  die  feyerlich- 
sten  Glückwünsche,  die  sie  ihm  Alle  machten,  an- 
zunehmen. Er  war  so  verlegen,  dass  er  mit  Nichts 
als  mit  einem  Kopfneigen  urld  Achsel  In  die  Hfthe 
ziehen  antworten  konnte.  Noch  haben  wir  nfcht  mit 
ihm  gesprochen,  denn  er  ist  noch  mit  Complimenten 
der  Noblesse  umgeben.  Die  Opera  buffa  Wolfgangs 
wird  er  nicht  hören  können,  weil  er  jn  wenigen  Ta- 
gen abreis't,  und  sie  in  einer  Woche  nicht  gegeben 
wird.  Lebe  wohl,  habe  Geduld,  und  sperre  \  die 
Zimmer  gut  zu. 

Nachschrift  von  Wolfg.  A.  M.  (dessen  Brief  No.  55.) 

Meine  liebe  Schwester,  was,  kann  ich  denn  da- 
für, dass  es  jetzt  just  7£  Uhr  geschlagen  hat?  

Mein  Papa  hat  auch  keine  Schuld  —  —  das  Mehre 
wird  die  Mama  von  meiner  Schwester  erfahren. 
Jetzt  ist  es  aber  nicht  gut  fahren,  weil  sich  der  Erz- 
hischof nicht  lange  hier  aufhält  —  —  mtfu  will  gar 
sagen,  er  bleibe  so  lange,  bis  er  wieder  wegreis't  — 
—  mir  ist  nur  leid,  dass  er  die  erste  Redoute  nicht 
sieht.  Der  Mama  lasse  ich  die  Öände  küssen.  Lebe 
wohl;  ich  werde  Dich  gleich  abholen.  Dein  getreuer 

Mailand,  d.  5.  May  i;56.  Franz  Nasenblut. 


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288 


.  '(Leopold  Jfi.  Brief  No.  lG4.)       ,  ' 
,  -r  .  München,  den  31.  Januar  1775. 

...   Dass  die  Herren  Salzburger  so  ,  viel  Gewäsche 
machen,  und  glauben,  dass  der  Wolfg.  in  Churfurstl. 
.Dienste  getreten,  kömmt  von  unsern-  Feinden,  und 
von  denen,  denen  ihr  Gewissen  sagt,  dass  er  es  zu 
_thun  rUrsache  hätte,.    Du  weiss t  .wohl,  wir  sind  an 
.diese  &ipderj>oss,en  £ew;ohnt;  mich  machen  derglei- 
chen,  I^udereyen  weder  kalt  noch  warm,  und  das 
Rannst  Du  Jedermann  sagen.  —  Schreibe  Alles,  was 
,0^  hörst;  so.  haben  wir  Etwas  zu  lachen,-  denn  wir 
kennen  die  Narrexu /:,        ..  .  / 

I  * 


•  •  •  • 


(Leopold  M.  Brief  No  i65.) 


\  München,  den  i5.  Febr.  i775. 

— *     iL  *« 


Sonntage  ist  eine  kleine  Messe  von  Wolfg. 
in  der  Hofkapelle  gemacht  worden,  und  ich  habe 
tactirt.  Am  Sonntage  wird  wieder  eine  gemacht.  — 
Heute  gehen  wir  nicht  in  die  Redouiej  wir  müssen 
ausruhen:  es^st  $l  erste,  die  wir  auslassen.  Du 
mxißit  doch  auclf  auf  t  eine  Redoutfe  nicht  versäumen. 


(Leopöld  M.  Brief  No.  169.) 

München,  Ascher  -  Mittwoch  1775. 

Gott  Lob!  der  Cameväl  ist  yorbey;  aber4mser 
Beutel  hat  ein  grosses  Loch  bekommen.  Die  Histo- 
rie von  Tozi^der  die  Oper  Orfeo  componirt  hat, 
in  welcher  seine  Frau  jetzt  die  Enrydice  macht,  und 
der  Gräfin  Seefeld,  gehornen  Gräfin  Sedlizky  darfst 
Öu  Jedermann  erzählen.  —  Anv  7ten  treffen  wir 
bey  Dir  ein.    •»  '  *     '    -    '      •  '  - 


— 


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0S9 

,  « 

In  der  Oper  La  finta  Üiardiniera  scheint  Mo- 
zart's  musikalische  Knospe  aufzusprossen ,  die  sich 
später  im  Idomeneo  als  frische  Blume  entfaltet.  Der 
Styl  ist  von  einer  besondern  Weichheit  und  unge- 
meiner Zärtlichkeit. 

Im  Jahre  1789  ist  diese  Oper  zwar  noch  unter 
dem  Titel:  die  verstellte  Gärtnerin  zu  Frankfurt 
aufgeführt  worden,  sie  missfiel  aber  durchaus.  Das 
Stück  ist  gewissermaassen  abgeschmackt  und  langwei- 
lig, und  Mozart's  Satz  ist  fast  immer  schwer  und 
künstlich,  indem  er  sich  über  die  Fassungskraft  ge- 
wöhnlicher Dilettanten  hinweg  zu  schwingen  scheint, 
so  majestätisch  und  launig  er  auch  in  einzelnen  Stel- 
len und  so  voll  starker  Harmonie  auch  das  Ganze  ist. 
Diese  Musik  ist  mehr  für  den  Kenner,  der  ihre  Fein- 
heiten  zu  entwickeln  versteht,  und  weniger  für  den 
Dilettanten,  der  sich  bloss  von  seinen  natürlichen 
Gefühlen  leiten  lässt  und  Jbloss  nach  dem  ersten  un- 
mittelbaren Eindruck  entscheidet. 

Am  7ten  März  1775  reis'ten  Vater  und  Sohn 
wieder  von  München  nacli  Salzburg  zurück.  In  die- 
sem Jahre  hielt  sich  der  Erzherzog  Maximilian  in 
Salzburg  auf,  bey  welcher  Gelegenheit  Mozart  eine 
Serenada,  //  Re  Pastore,  componirte,  welche  ihm 
ausserordentlichen  Beyfall  erwarb,  und  die  ihren 
Werth  auch  unter  seinen  späteren  Werken  erhielt, 
weil  er  in  ihr  schon  jenen  Geist  ahnen  liess,  der 
seine  späteren  Kunstwerke  belebte.  Sie  scheint  den 
Uebergang  aus  seiner  Schüler -Periode  in  die  seiner 
Vollendung,  welche  mit  seinem  20sten  Jahre  beginnt, 
zu  bilden.  Bis  zu  seinem  l9ten  Jahre  blieb  Mozart 
das  musikalische  Wunder  von  Europa,   theils  in 

*  19 

t 

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I 


290 

Hinsicht  des  erstaunlichen  Umfanges  seiner  Talente, 
und  theils  wegen  seiner  Jugend. 

Unser  Wolfgang  schrien  an  den  Pater  Martini 
selbst  Folgendes: 

6  öle  bürg,  den  7.  Septbr.  1776. 

Die  Hochachtung  und  Ehrerbietung,  die  ich  ge- 
gen einen  so  würdigen  Mann  hege,  veranlasst  mich, 
Ihnen  ungelegen  zu  seyn  und  Ihnen  ein  schwaches 
Stück  meiner  Composition  zu  Ihrer  Prüfung  zu  über- 
senden* Ich  schrieb  voriges  Jahr  zum  Carneval  eine 
komische  Oper,  La  finta  Giardiniera ,  zu  München. 
Wenige  Tage  vor  meiner  Abreise  verlangte  der 
Churfürst,  eine  contrapunetisch  ausgearbeitete  Musik 
meiner  Composition  zu  hören.  Ich  war  daher  ge- 
zwungen, diese  Motette  in  Eile  zu  schreiben,  und 
noch  eine  Abschrift  von  der  Partitur  für  Se.  Durch- 
laucht zu  verfertigen  und  die  Stimmen  ausschreiben 
zu  lassen,  damit  das  Stück  am  nächsten  Sonntage 
während  der  grossen  Messe  als  Offertorium  aufge- 
führt werden  könnte.  Liebster,  theuerster  Herr  Pa- 
ter! ich  bitte  Sie  inniglich,  mir  frey  und  ohne  Rück- 
halt Ihre  Meinung  darüber  zu  sagen.  Wir  leben  ja 
in  dieser  Welt,  um  immer  weiter  zu  kommen,  und 
besonders  auch  dadurch,  dass  Einer  den  Andern 
durch  seine  Ansichten  aufklärt,  wie  überhaupt,  so 
in  den  Wissenschaften  und  schönen  Künsten  immer 
*  mehr  zu  lernen.  Wie  oft  wünsche  ich,  Ihnen  näher 
zu  seyn,  um  mit  Urnen  zu  reden  und  Ihnen  meine 
Ansichten  mitzutheilen !  Ich  lebe  in  einem  Lande, 
wo  die  Musik  jetzt  sehr  wenig  Glück  macht.  Aber 
ungeachtet  derer,  die  uns  verlassen  haben,  besitzen 

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wir  doch  noch  bravo  Künstler,  ünd  besonders  gründ- 
liche, wissenschaftliche  nnd  geschmackvolle  Compo- 
'  nisten.  Was  das  Theater  betrifft,  so  ist  es  in  Rück- 
sicht der  Sänger  schlecht  bestellt.  Wir  haben  keine 
Castraten  nnd  werden  sie  anch  so  leicht  nicht  haben, 
da  sie  gut  bezahlt  seyn  wollen,  und  die  Freygebigkeit 
unser  Fehler  nicht  ist*  Ich  beschäftige  mich  indessen, 
für  die  Kammer  und  Kirche  zu  schreiben.  Hier  sind 
noch  andere  zwey  Contrapunctisten,  nämlich  die 
Herren  Michael  Haydn  und  Cajetan  Adlgasser.  Mein 
Vater  ist  Kapellmeister  an  der  Metropolitan-Kirche. 
So  ist  mir  Gelegenheit  verschafft,  für  diese  zu  schrei- 
ben, so  viel  ich  will.  Da  übrigens  mein  Vater  die- 
sem Hofe  bereits  36  Jahre  dient,  und  weiss,  dass 
der  Erzbisch of  nicht  gern  alte  Leute  sehen  kann, 
noch  mag,  so  bekümmert  er  sich  wenig  um  Musik- 
Auflohrungen,  und  hat  sich  auf  die  Literatur  dieser 
Kunst,  als  sein  Lieblings -Studium,  verlegt.  Unsere 
•Kirchenmusik  ist  von  der  in  Italien  sehr  verschie-  • 
den,  um  so  mehr,  da  eine  Messe  mit  Kyrie,  Gloria, 
Credo,  der  Epistel- Sonate,  dem  Offertorium  oder 
Motetto,  Sanctus  und  Agnus  Bei,  auch  an  den 
grössten  Festen,  wenn  der  Fürst  selbst  die  Messe 
lies't,  nicht  länger  als  höchstens  drey  Viertelstunden 
dauern  darf.  Da  braucht  man  für  diese  Art  Com- 
positum ein  besonderes  Studium,  und  doch  muss  es 
eine  Messe  mit  allen  Instrumenten  seyn,  auch  mit 
Kriegstrompeten!  So?  Ja,  theuerster  Herr  Pater. 
O  wie  wohl  würde  es  mir  thun,  Ihnen  recht  viel  zu 
erzählen!  Ich  empfehle  mich  ergebenst  allen  phil- 
harmonischen Mitgliedern,  bitte  Sie  immer  herzlicher 
um  Ihre  Gewogenheit,  und  höre  nicht  auf,  mich  zu 

19* 


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191 

betrüben,  so  weit  von  jenem  Manne  entfernt  zu 
seyn,  den  ich  in  der  Welt  am  meisten  liebe,  hoch- 
schätze nnd  verelire,  und  gegen  den  ich  unverän- 
derlich bin  etc. 

Antwort  des  Paters  Martini  auf 
.  Wolfg.  A.  Mozart's  Brief. 

Bologna,  den  18.  Decbr.  1776, 

■ 

Mit  Ihrem  angenehmen  Schreiben  habe  ich  zu- 
gleich die  Motette  erhalten.  Mit  Vergnügen  bin  ich 
sie  vom  Anfange  bis  zu  Ende  durchgegangen,  und 
ich  sage  Ihnen  mit  aller  Aufrichtigkeit,  dass  sie  mir 
gar  sehr  gefallt,  indem  ich  darin  Alles  finde,  was 
die  moderne  Musik  erheischt:  gute  Harmonie,  reife 
Modulation,  angemessene  Bewegung  der  Violinen, 
natürlichen  Fluss  der  Stimme  und  gute  Durchfüh- 
rung. Ich  freue  mich  besonders,  dass,  seit  ich  das 
Vergnügen  hatte,  Sie  zu  Bologna  auf  dem  Claviere 
zu  hören,  Sie  so  grosse  Fortschritte  in  der  Compo- 
sition  gemacht  haben*  Fahren  Sie  unablässig  fort, 
sich  zu  üben  5  denn  die  Natur  der  Musik  fordert 
Uebung  und  grosses  Studium,  so  lange  man  lebt  etc. 

< 

,  Je  ausserordentlicher  das  angeborne  Talent  und 
die  schnelle  Entwickelung  dieses  grossen  Künstlers 
war,  desto  mehr  werden  die  Leser  die  gewissenhafte 
Genauigkeit  rechtfertigen,  mit  welcher  hier  die  stu- 
fenweise Ausbildung  desselben  erzählt  ist. 

Wie  schon  angegeben,  so  ist  Mozart's  zwanzig- 
stes Lebensjahr  die  Epoche  seiner  Vollendung  als 
Meister  $  denn  von  dieser  Zeit  an  zeigt  er  sich  im 
glänzendsten  Lichte  und  mit  einer  entschiedenen 


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293 


Ueberlegenheit  des  Geschmacks  und  Genie'sj  allo 
seine  Werke,  die  er  seitdem  geliefert  hat,  sind  clas- 
sisch  und  erwerben  ihm  die  Krone  der  Unsterblich- 
keit. Den  Gipfel  seiner  Kunst  hat  er  mit  diesem 
Alter  erreicht,  und  nun  war  sein  Ruhm  durch  alle 
Länder  Europa's  verbreitet«  Welche  der  grössteu 
Städte  er  auch  jetzt  wählen  wollte,  um  darin  seine 
seltenen  Talente  der  Unterhaltung  des  Publicuins  zu 
widmen,  so  war  er  einer  allgemeinen  Bewunderung 
gewiss.  Zu  einer  solchen  Erwartung  berechtigte  ihn 
sicher  im,  hohen  Maasse  die  grosse  Wirkung,  die 
sein  gleich  grosses  Talent  des  Clavierspielers  und 
des  Componisten  jedes  Mal  und  überall  auf  das  Fu- 
blicum  machte. 


Neunte  Reise. 

Wolfg.  A.  Mozart  reis't  mit  seiner  Mutter 
nach  Paris.  Die  sogenannte  grosse  oder 
die  Pariser  Reise,  vom  23*  Septbr.  1777 
bis  zum  11.  Januar  1779* 

Diese  Periode  hegreift  Wolfg.  A.  Mozart* s  Briefe  an  seinen 
Vater  und  die  der  Mutter  bis  zu  ihrem  Tode  an  ihren  Manny 

eine  Autobiograpliie,  eine  Auto  Charakteristik  an* 

Indessen  schien  doch  der  grosse  Marktplatz  aller 
ausgezeichneten  Talente  in  den  schönen  Künsten,  das 
damalige  Paria^  der  schicklichste  Ort  für  ihn  zu  seyn, 
da  er  schon  dort  bekannt  war  und  ein  von  ihm  be- 
geistertes  Publicum  vorfand.  Mozart  reis'te  dalier  in 
Begleitung  seiner  Mutter  den  23sten  September  1777 
nach  dieser  sonstigen  Hauptstadt  des  europäischen 
Luxus.    Dass  der  Vater  nicht  mit  nach  Paris  ging, 


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294 


rührte  theils  von  geiuer  Furcht,  dass  dort  nicht  ge- 
nug für  vier  Personen  verdient  werden  würde,  theils 
von  Betrachtungen  der  Klugheit  her,  nicht  seine 
Anstellung  in  Salzburg  rr.  weil  es  doch  eine  war  — 
zu  risitiren.  •:•„.■• 

8chon  vom  zweyten  Tage  dieser  Reise,  den  25. 
September,  erhielt  der  Vater  vom  Sohne  einen  Briof 
aus  Wasserburg  (der  Hälfte  des  Weges  nach  Mim- 

rülirtem  und  freudigem  Herzen  gelesen  und  an  dem- 
selben Tage  schon  an  Frau 
schrieb. 

Die  ganze  Correspondenz  dieser  Reise  ist  nun 

folgende : 

Des  Vaters  Brief  an  Beyde  nach  München. 

Salzburg,  den  25.  Septbr.  1777. 

Ich  erhielt  dos  lieben  Wolfgangs  Schreiben  heute 
Vormittags  mit  grösstem  Vergnügen  5  und  nun  eben 
las  es  auch  Herr  Bullinger,  der  sich  empfiehlt,  und 
lacht  vom  Herzen.  Bin  höchst  vergnügt,  wenn  Ihr 
wolüauf  seyd:  ich  befinde  mich,  Gott  Lob,  um  viel 
besser.  Nachdem  Ihr  abgereiset,  ging  ich  sehr  matt 
über  die  Stiege  und  warf  mich  auf  einen  Sessel  nie- 
der. Ich  habe  mir  alle  mögliche  Mühe  gegeben,  mich 
bey  unserer  Beurlaubung  zurückzuhalten,  um  unsern 
Abschied  nicht  schmerzlicher  zu  machen,  und  in  die- 
sem Taumel  vergass  ich,  meinem  Sohne  den  väter- 
lichen Segeu  zu  geben.  Ich  lief  zum  ebenster  und 
gab  solchen  Euch  Beyden  nach,  gab  aber  Euch 
nicht  heym  Thoro  hinaus  fahren,  und  wir  mussten 
glauben,  Ihr  wäret  schon  vorbey,  weil  ich  vorher 

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295 


lange  da  saass,  ohne  auf  Etwas  zu  denken.  Die  Nan- 
nerl weinte  ganz  erstaunlich  und  ich  mussle  mir  alle 
Mühe  geben,  sie  zu  trösten.  — *  —  — ^ 

So  verging  dieser  Uaurige  Tag ,  den  ich  in  mei- 
nem Leben  nicht  zu  erleben  glaubte., 

Heute  früh  Hess  ich  Hin,  Glatz  von  Augsburg 
zu  mir  kommen,  und  wir  kamen  überein,  dass  Ihr 
in  Augsburg  beym  Lamb  in  der  heil.  Kreuzgasse 
absteigen  sollt,  wo  Ihr  Mittags  die  Person  30  Xr. 
bezahlt,  und  schöne  Zimmerle  sind ,  auch  die  ansehn- 
lichsten Leute,  Engländer,  Franzosen  etc,  da  einkehren. 
Von  da  habt  Ihr  auch  ganz  nahe  die  Kirche  zum 
heil.  Kreuz,  und  mein  Bruder  Franz  Aloys  ist  auch 
in  der  Nähe,  nämlich  in  der  Jesuitergasse.  Ihr  dürft 
also  zum  Hrn.  Albert  nichts  sagen;  denn  bey  den 
drey  Mohren  ist  es  zu  theuerj  er  fordert  erstaunlich 
für  die  Zimmer,  und  jede  Mahlzeit  kömmt  die  Per- 
son auf  45  und  auch  48  Xr.    Solltet  Ihr  nun  nach 
Augsburg  kommen,  so  müsste  der  Wolfgang  sich, 
gleich  zum  Hrn.  Orgelmacher  Stein  führen  lassen. 
Hr.  Stein,  der  ihn  seit  seinem  siebenten  Jahre  nicht 
mehr  gesehen,  würde  ihn  schwerlich  mehr  kennen. 
Er  könnte  ihm  sagen,  er  wäre  aus  Innspruck  und 
hätte  Commission,  Instrumente  anzusehen*   Mir  sagt 
Hr.  Glatz,  dass  Hr.  Stein,  Hr.  Bioley  und  Hr.  Fin- 
gerl im  Stande  sind,  ein  recht  schönes  Concert  zu 
veranstalten.    Den  Hrn.  Christoph  von  Zabuesnig, 
der  die  schöne  teutsche  Poesie  in  Salzburg  über  Dich 
gemacht,  musst  Du  auch  besuchen  y  er  ist  ein  Kauf- 
mann und  ein  Gelehrter.    In  Augsburg  kann  was 
Schönes  und  Nachdruckliches  durch  diesen  Herrn 
in  die  Zeitun&  kommen,     Li.  Kaufmann  Gasser  ist 


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ggg 

derjenige,  der  mir,  ohne  Kosten,  meine  Bücher  nach 
Frankfurt  packt,  und  da«  gelöste  Geld  mir  zurück- 
bringt*  Du  musst  ihn  also  besuchen  und  Dich  statt 
meiner  bedanken  j  es  ist  eine  Gefälligkeit,  die  er  mir 
immer  erweisen  kann.  Mein  Bruder  oder  seine  Toch- 
ter werden  Dich  wolil  zu  Uiro  Gnaden  dem  Hrn. 
Stadtpfleger  von  Langenmanttl  führen,  wo  Du  meine 
untertänigste  Empfehlung  ablegen  kannst.  Die  Mama 
weiss  schon,  wie  gut  wir  mit  einander  bekannt  sind. 
Wir  sind  mit  einander  nach  Salzburg  gereiset,  wo 
des  Hrn.  von  Hefners  Vater  auch  dabey  war.  An 
den  Höfen  musst  Du  Dein  Kreuz  nicht  tragen;  aber 
in  Augsburg  musst  Du  es  alle  Tage  nelunen;  da  macht 
es  Dir  Ansehen  und  Respect,  und  so  an  allen  Orten, 
wo  kein  regierender  Herr  ist.  Wenn  Du  willst  die 
Klöster  zum  heü.  Kreuz  und  St.  Ulrich  besuchen, 
das  kannst  Du  alles  thun  uüd  ihre  Orgeln  probiren» 
Hr.  Siein  wird  Dich  wohl  auf  seine  Orgel  zu  den 
Baarfüssern  führen.  Zu  St.  Ulrich  ist  des  Herrn 
Iiiibers  Sohn  im  Kloster.  In  Augsburg  hält  sich 
ein  gewisser  Organist  und  Compouist  auf,  aus  dem 
sie  Vieles  machen;  ich  habe  den  Namen  vergessen. 

Die  Hölzer  wirst  Du  wohl  allezeit,  wenn  Du 
wo"  bleibst,"  durch  den  Hausknecht  in  die  Stiefel 
stossen  lassen?  —  — 

Der  Musikpack  kann  allezeit  voran  im  Magazine 
bleiben ,  mir  solltet  Ihr  noch  eine  grosse  Wachslein- 
wand  kaufen,  und  ihn  sammt  der  alten  noch  ein 
Mal  damit  recht  einschlagen,  um  ihn  recht  gut  zu 
versichern. 

Ich  glaube,  dass  ich  auch  erinnern  muss,  dass 


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1 


die  Salzburger  Halbbatzen*)  weiterhin  und 
schon  in  München  nichts  mehr  nutz  seyn  werden. 
Ihr  werdet  keine  hahen,  sonst  könnte  es  Euch  der 
Salzburger  Conducteur  auswechseln.  Ob  die  Batzen 
gut  sind,  weiss  ich  nicht,  mah  muss  sich  wegen  der 
kleinen  Münze  bey  Hrn.  Albert  erkundigen.  —  — 

•  Wenn  Ihr  von  München  abgehen  solltet,  ohne 
es  mir  benachrichten  zu  können,  so  müsst  Ihr  einen 
Zettel  auf  der  Post  in  München  lassen,  wo  darauf 
stehet:'  „Wenn  Briefe  mit  folgender  Adresse  an- 
langen sollten :  ä  Mr.  Wolf  gang  Amadd  Mozart, 
Maitre  de  Musique,  so  ersuche  solche  nach  Augs- 
burg zum  Lambwirth  in  der  heil.  Kreuzgasse  lau- 
fen zu  lassen«  '  ':  • 

Nun  ist  die  Hosen  zum  hechten  grauen  Kleide 
zurück  geblieben.  Sollte  ich  keine  aridero  Gelegen- 
heit finden,  so  geW  ich  sie  nebst  der  Andretterinn 
Musik 9  einigen  Contra  Tänzen  y  und  dem  Adagio 
und  Rondeaux,  die  dem  Brunetti  gemächt  worden, 
und  wenn  mir  sonst  noch  was  in  die  Hände  kommt, 
dem  Boten,  der,  wenn  er  Euch  nicht  mehr  antreffen 
sollte,  -denn  er  kommt  erat  glaublich  am  Montag 
Mittag  an,  solches  an  meinen  Bruder  nach  Augsburg 
kann  gehen  lassen. 

Das  Amt  hat  bis  drey  Viertel  auf  Ü  Uhr  ge- 
dauert, Und  ist  abermals  ein  Agnus  Hei  von  Haydn 
gemacht  worden,  weil  Rust  nicht  feilig  wurde.  Die 
Sonate  war  von  dem  Wolfgang.  Vergesse  nicht, 
Briefe  in  München  zu  suchen  $  NB.  vom  Fürsten  von 
Chiemsee  auch. 


*)  Eine  Scheidemünze,  im  Werth«  a  Xr.  RW. 


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e  l)iv  nach  \Vurzburg 
Vi 


Graf 
ben,  der 

0 

München,  den  a6.  Septbr.  1777. 

Man  tri*  eher  Pire! 

Wir  sind  den  24sten  Abend«  um  halb  fünf  Uhr 
alücklich  in  München  angelangt.  Was  mir 
das  Neueste  war,  dass  wir  zur  Mauth  fahren 
ten,  begleitet  von  einem  Grenadier  mit  aufgepflanz- 
Bajonette.  Die  erste  bekannte  Person,  die  uns 
Fahren  begegnete,  war  Sign.  Consoli,  welcher 
mich  gleich  kannte,  und  eine  unbeschreibliche  Freude 
hatte,  mich  zu  sehen.  Er  war  den  andern  Tag  gleich 
bey  mir.  Die  Freude  von  Herrn  Albert  kann  ich 
nicht  geuug  ausdrücken  $  er  ist  in  der  That  ein  grund- 
ehrlicher Mann  und  unser  sehr  guter  Freund.  Nach 
meiner  Ankunft  war  ich  bis  zur  Essenzeit  immer 
beym  Claviere.  Als  Hr.  Albert  kam,  gingen  wir 
mitsammmen  herab  zum  Tische,  wo  ich  den  Mr. 

seinen  recht  gu- 
ten Freund,  antraf,  fieyde  lassen  sich  empfelüen. 
Wir  kamen  spät  ins  Bett  und  waren  müde  von  der 
Reise.  • 

Den  25sten  ging  ich  gegen  ü  Uhr  zum  Grafen 
Seau.  Allein,  als  ieh  hinkam,  hiess  es,  er  sey  schon 
auf  die  Jagd  gefahren.  Geduld!  ich  wollte  unter- 
dessen zum  Chorherrn  Bernard  gehen;  er  ist  aber 
mit  dem  Baron  Schund  auf  die  Güter  gereis't.  Hrn. 
Bellval  traf  ich  voll  in  Geschäften  an.  Er  gab  mir 
tausend  Complimente  auf.  Unter  dem  Mittagsessen 
kam  Rossi,  um  zwey  Uhr  Consoli,  und  um  drey 
Uhr  Becche  und  Hr.  von  Bellval.  


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2Qp 

Es  giebt  hier  einen  gewissen  Herrn  Professor 
Huber;  vielleicht  erinnern  Sie  sieh  besser  als  ich. 
Er  sagt,  er  hat  mich  das  letzte  Mal  zu  Wien  beym 
jungen  Hrn.  von  Mesmer  gesehen  und  gehört.  Er 
ist  nicht  zu  gross,  nicht  zu  klein,  bleich,  hat  w eis- 
graue Haare,  und  sieht  in  der  Physiognomie  dem 
Hrn.  Unterbereiter  nicht  ungleich.  Dieser  ist  .  auch 
ein  Vice  «Intendant  du  thddtre.  Seine  Arbeit  ist, 
die  Gomödieeör  die  man  auffuhren  will,  durchzu- 
lesen, zu  verbessern,  zu . verderben ,  hinzu  zu  thun, 
hinweg  zu  nehmen.  Er  kömmt  alle  Abende  zum 
Albert.   Er  spriclit  sehr  oft  mit  mir* 

Heute,  den  26*ten  d.  M;  Frey  tags,  war  ich  um 
halb  neun  Uhr  beym  Grafen  Seau.  Es  war  so:  als 
ich  ins  Haus  hinein  ging  und  die  Madame  N.,  die 
Comödiantin,  just  heraus  ging,  fragte  mich  diese: 
„Sie  wollen  gewiss  zum  Grafeu?"  Ja.  „Er  ist  noch 
in  seinem  Garten;  Gott  weiss,  wenn  er  kömmt. " 
Ich  fragte  sie,  wo  sein  Garten  sey.  „Ja,"  sagte  sie, 
ich  habe  auch  mit  ihm  zu  sprechen;  wir  wollen 
mitsammen  gehen."  Kaum  kamen  wir  vor's  Thor 
hinaus,  so  kam  uns  der  Graf  entgegen,  und  war 
etwa  zwölf  Schritte  von  mir.  so  erkannte  er  mich 
und  nannte  mich  beym  Namen*  Er  war  sehr  höf- 
lich und  wusste  schon,  was  mit  mir  vorgegangen  ist*  . 
Wir  gingen  ganz  allein  und  langsam  die  Treppen 
hinauf;  ich  entdeckte  mich  ihm  ganz  kurz«  Er  sagte, 
ich  sollte  nur  schnurgerade  bey  Sr.  Churfiirstl.  Durch-, 
laucht  Audienz  begehren.  Sollte  ich  aber  im  Falle 
nicht  zukommen  können,  so  sollte  ich  meine  Sache 
nur  schrif tlich  vorbringen.  Ich  bat  ihn  sehr,  dieses 
Alles  still  zu  halten;  er  versprach  es  inir.    Als  ich 


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300 

ihm  sagte,  es  ginge  hier  wirklich  ein  rechter  Com- 
positeur  ah,  so  sagte  er:  „Das  weiss  ich  wohl.,a 
Nach  diesem  ging  icli  zum  Bischof  von  Chiemsee,  und 
war  «ine  halbe  Stande  bey  ihm.  Ich  erzählte  ihm 
All 0.9.  Er  versprach  mir,  sein  Möglichstes  in  dieser 
Sache  zu  thun.  Er  fahr  um  1  Uhr  nach  Nymphen- 
f ) 1 1 T*flr .  und  versi)r3.cli  mir.  m i t  Ihrer  CvliurfYirsLliclien 
Durchlaucht  der  C  hur  Fürstin  gewiss  zu  sprechen« 
Sonntag  Abend s  kommt  der  Hof  herein«  — 

meist  er  declarirt  worden,  und  das  durch  eine  grobe 
Rede.  Er  hat  zwey  Symphonieen  (Dio  mene  liberi) 
von  seiner  Composition  producirt.  Der  Churfurst 
fragte  ihn:  „Hast  Du  das  wirklich  componirt?  — 
Ja,  Ew.  Durchlaucht.  —  „Von  wem  hast  Du's  ge- 
lernt? "  —  Von  einem  Schulmeister  in  der  Schweiz. 

„Man  macht  soviel  aus  der  Composition"  —  — * 
Dieser  Schulmeister -hat  mir  doch  mehr  gesagt,  als 
alle  unsere  Compositeurs  hier  mir  sagen  könnten. 

Heute  ist  der  Graf  Schönborn  und  seine  Ge- 
mahlin, die  Schwester  des  Erzbischofs,  angelangt. 
Ich  war  gerade  in  der  Comödie.  Hr.  Albert  sagte 
im  Discours,  dass  ich  hier  sey,  und  erzählte  ihm*, 
dass  ich  aus  den  Diensten  bin.  Er  und  sie  haben 
sich  verwundert.  Sie  haben  ihm  absolument  nicht 
giaaben  wollen,  dass  ich  i2  fl.  30  Xr.  seligen  Ange- 
denkens gehabt  habe.  Sie  wechselten  nur  die  Post, 
und  hätten  mich  gerne  gesprochen.  Ich  Iraf  sie  aber 
nicht  mehr  an.  •  i 

Jetzt  aber  bitte  ich,  dass  ich  nach  Ihren  Um- 
ständen und  Ihrer  Gesundheit  mich  erkundigen  darf. 
Ich  hoffe,  wie  auch  meine  Mama,  dass  sich  Beyde 


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1 

■ 

<  301 

x  t.. Cs i. i i 1 1     c  i 1 1 i w •    I i i    Ij x i x   j  rn n^i  c  k    ha    Iii c  i i ic  Iii 

schönsten  Humor.    Mir  ist  so  federleicht,  seitdem 
ich  von  dieser  Chicane  weg  bin!  —  — 

Der  Vater  an  den  Sohn. 

■  .      SaUburg,  den  a&  Septbr.  1777. 

•  •  • 

—  —  —  —  —  Nun  auf  die  Sache  von  München 
zu  kommen,  so  würde  es  vielleicht  gehen,  wenn  Du 
nur  Gelegenheit  bekommen  kannst,  dass  der  Chur- 
fiirst  Alles  hört,  was  Du  kannst,  und  souderheitlich 
Fugen-,  Canons-  und  Contrapuncts- Compositionen 
zu  machen  im  Stande  bist.  Dem  Grafen  Seau  musst 
Du  erschrecklich  das  Maul  machen,  was  Du  ihm 
für  sein  Theater  in  Arien  und  Ballets,  ohne  eine 
Bezahlung  zu  verlangen,  Alles  machen  willst.  Mit 
den  Cavalieren  musst  Du  erstaunlich  höflich  seyn, 
denn  ein  Jeder  hat  sein  Maul  ''darin.  Consoli  könnte 
die  neue  Scene  für  die  Mad.  Duschek  singen.  Von 
der  Madame  Duschek  kannst  Du  mit  dem  Grafen 
Seau  im  Vorheygenen  sprechen.  Vielleicht  kenntet 
Ihr  beym  Grafen  Seau  im  Garten  eine  Musik  machen. 
Wenn  die  Sache  einiges  Ansehen  der  Hoffnung  ge- 
winnt, so  wird  Euer  Aufenthalt  in  München  länger 
nothwendig  seyn.  Mache  Dir  den  Hrn.  Moschitka 
recht  zum  Freunde;  er  hat  immer  Gelegenheit,  mit 
dem  Churfursten  zu  sprechen,  und  hat  allen  Credit. 
Solltest  Du  für  den  Churfursten  auf  die  Gamba  Et-  . 
.  was  machen  müssen ,  so  kann  Dir  derselbe  sagen, 
wie  es  seyn  muss,  und  die  Stücke  zeigen,  die  der 
Churfiirst  am  meisten  liebt,  um  dessen  Geschmack 
einzusehen.  Solltest  Du  mit  dem  Churfursten  nicht 
gesprochen  haben,  oder  nicht  sprechen  können,  und 


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302 

gezwungen  seyn,  ihn  schriftlich  anzugehen,  so  wird 
Hr.  von  Bellval  Dir  rathen,  wer  die  Schrift  verfas- 
sen soll.  Du  kannst  Dich  sowohl  schriftlich  als  münd- 
lich beym  Churfursten  und  Grafen  Seau  herauslassen, 
dass  Se.  Durchlaucht  sich  in  Betreff  Deiner  Contra- 
puncts -Wissenschaft  nur  an  den  P.  Maestro  Martini 
in  Bologna,  auch  an  den  Hrn.  Hasse  nach  Venedig 
wenden  möchten,  tim  dieser  Herren  Urtheil  von  Dir 
zu  hören,  und  findest  Du  es  nothwendig,  so  will  ich 
Dir  die  zwey  Diplomata  schicken,  wo  Du  schon  im 
vierzehnten  Jahre  Deines  Alters  als  Maestro  di  Ca- 
peila der  Akademieen  zu  Bologna  und  Verona  er- 
klärt bist.  

Nachschrift.  Ich  schicke  Dir  hier  die  zwey 
Diplomata  und  die  Attestation  des  P.Martini;  mache, 
<lass  es  der  Churfiirst  zu  lesen  bekommt,  auch  Graf 
Seau  muss  es  lesen  und  den  Churfursten  lesen  lassen. 
Das  macht  grosses  Aufsehen,  dass  Du  schon  vor  sie- 
ben Jahren  Maestro  di  Capella  von  den  Akademieen 
geworden. 

Der  Sohn  an  den  Vater. 

München,  den  29.,S«ptbt.  1777. 

—  Ich  war  heute  beym*  Fürsten  Zeil, 

und  der  hat  mir  Folgendes  mit  aller  Höflichkeit  ge- 
sagt: „Ich  glaube,  hier  werden  wir  nicht  viel  aus- 
richten. Ich  habe  bey  der  Tafel  zu  Nymphenburg 
heimlich  mit  dem  Churfursten  gesprochen.  Er  sagte 
mir:  jetzt  ist  es  noch  zu  früh,  er  soll  gehen,  nach 
Italien  reisen,  sich  berühmt  machen.  Ich  versag© 
ihm  Nichts,  aber  jetzt  ist  es  noch  zu  früh."  Da 

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303 


0 

haben  wir's!   Die  meisten  grossen  Herren  haben  ei* 
nen  so  entsetzlichen  Welschlands -Paroxismus.  —  % 
Der  Bischof  Ton  Chiemsee  sprach  auch  ganz 
allein  mit  der  Churfiirstin.  Dieso  schupfto  die  Ach- 
seln und  sagte:  sie  wird  ihr  Möglichstes  thun,  allein 
sie  zweifelt  sehr.    Graf  Seau  fragte  den  Fürsten 
Zeil,  welcher  ihm  Alles  erzählt  hatte i  „Wissen  Sie 
nicht,  hat  denn  der  Mozart  nicht  so  viel  vom  Hause, 
dass  er  mit  ein  wenig  Beyhülfe  hier  bleiben  könnte  ? 
Ich  hätte  Lust  ihn  zu  behalten."   Der  Bischof  gab 
ihm  zur  Antwort:   „Ich  weiss  es  nicht;  aber  ich 
zweifle  sehr.   Doch  dürfen  Sie  ihn  ja  nur 
sprechen."   Diess  war  also  die  Ursache, 
folgenden  Tag  so  gedankenvoll  war»   Hier  bin  ich 
gern,  und  ich  bin  der  Meynung,  wie  Viele  meiner 
guten  Freunde,  dass,  Wenn  ich  nur  ein  Jahr  oder 
zwey  hier  bliebe,  ich  mir  durch  meine  Arbeit  Ver- 
dienst und  Meriten  machen  könnte,  und  folglich  eilen- 
der vom  Hofe  gesucht  würde,  als  suchen  sollte.  — 
Heute,  als  den  dOsten,  ging  ich  nach  Abrede 
mit  Wotschika  um  neun  Uhr  nach  Hofe.   Da  war 
Alles  in  Jagd- Uniform.  —  —  —  —  Als  der  Chur- 
furst  an  mich  kam,  so  sagte  ich:   „Ew.  Churfürstl. 
Durchlaucht  erlauben,  dass  ich  mich  unterthänigst 
zu  Füssen  legen  und  meine  Dienste  antragen  darf.  — 
Der  Churfürst  antwprtete  mehrmals:'  „Ja*  mein 
liebes  Kind,  es  ist  keine  Vacatur  vorhanden!"  ~- 

Hr.  Wotschika  rieth  mir,  ich  sollte  mich  öfters 
beym  Chi 


mm 

fr 

Der  Vater  an  den  Sohn. 
Ich  habe  mir  von  München  keine  günstige  Vor*- 


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3C4 

Stellung  gemacht;  der  (Kurfürst  ist  gebunden,  ohne 
Vacatur  Niemanden  aufzunehmen,  und  zu  allem 
dem  hat  man  immer  heimliche  Feinde,  die  es  aus 
Angst  verhindern.  —  * 

Kann  diese  Sache  jetzt  nicht  in  Gang  gebracht 
werden,  so  kann  Hr.  Albert  und  andere  unserer  gu- 
ten Freunde  dieses  Werk  in  Gang  zu  bringen  trach- 
ten; Ihr  könnt  aber  Eure  Reise  fortsetzen  und  von 
Hrn.  Albert  Briefe  erwarten.  Der  Paroxismus  für 
die  Italiener  geht  eben  nicht,  mehr  gar  weit,  und 
schliesst  sich  fast  mit  München.  Das  ist  der  über- 
triebene Paroxismus!  Denn  in  Manheim  ist  schon 
Alles  deutsch,  nur  ein  paar  Castraten  ausgenommen. 
In  Trier  bey  Sr.  Königl.  Hoheit  dem  Churfürsten 
Prinz  Clemens  von  Sachsen  ist  nur  der  Mro-  Sales, 
das  Uebrige  ist  deutsch;  in  Maynz  ist  Alles  deutsch; 
in  Würsburg  nur  der  Sgr.  Fracassini,  ein  Violinist, 
nnd  jetzt,  glaub'  ich,  Concertmeister  oder  gar  Ka- 
pellmeister, und  das  wegen  seiner  deutschen  Frau, 
einer  Sängerin  und  Würzburgerin.  Bey  allen  klei- 
neren protestantischen  Fürsten  sind  gar  keine  Wel- 
sche. Ich  schreibe  dieses  in  Eüe,  Herr  Lptter  will 
es  mitnehmen.  Ich  schliesse  hier  die  Choraltöne  bey, 
die  Dir  vielleicht  da  oder  dort  nützlich  und  viel- 
leicht gar  nothwendig  seyn  können;  man  muss  Alles 
wissen. 

Jetzt  war  ich  beym  Obersthofmeister,  der  wird 
dieser  Tage  eigens  zu  mir  kommen,  dass  icli  ihm 
Alles  von  Grund  aus  erzähle  und  lese,  da  bey  ihm 
keine  Ruhe  und  immer  Jemand  sich  melden  lässt, 
oder  seine  Gräun  hinein  lauft.  Er  liebt  Dicli  von 
Herzen,  und  ehe  er  die  Historie  erfahren,  hatte  er 


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305 

vier  Pferde  gekauft,  und  sich  auf  Dem  Vergnügen 
gefreuet,  welches  Du  haben  "wirst,  wenn  er  mit  vier 
Reitpferden  kommt.  Da  er  nun  die  Sache  erfahren, 
war  sein  Verdruss  unaussprechlich.  Da  er  dem  Erz- 
bischof  seine  Aufwartung  machte,  sagte  solcher  zu 
ihm:  „Nun  Iwben  wir  eine  Person  weniger  bey  der 
Musik."  Er  antwortete  ihm :  Ew.  Hochfurstl.  Gna- 
den Itaben  einen  grossen  Virtuosen  verloren.  — 
„Warum?"  —  Er  ist  der  grb'sste  Ciavier spieler, 
den  iclb  in  meinem  Lehen  gehört.  Bey  der  Violine 
hat  er  Ew*  HochfürstL  Gnaden  gute  Dienste  ge- 
tJian,  und  war  ein  recht  guter  Componist.  Der 
Erzbischof  schwieg  still  und  konnte  kein  .Wort  dar- 
auf sagen.  '  :: 

•  •  • 

Der  Solin  an  den  Vater*  : 

München,  den  a.  Octbr*  1777. 

«—*—■*-  —  Beym  Grafen  Salern  spielte  ich  die 
drey  Tage  hindurch  viele  Sachen  von  Kopf,  dann 
die  zwey  Cassationen  ftir  die  Gräfin,  und  die  Final- 
Musik,  mit  dem  Rondo  auf  .  die  letzt  auswendig.  Sie 
können  sich  nicht  einhÜden,  was  der  Graf  Salern 
lur  eine  Freude  hatte  r*  er  versteht  doch  die  Musik, 
denn  er  sagte  allezeit  Bravo,  wo  andere  Cavaliers 
eine  Prise  Tabak  nehmen  —  sich  sehnenden,  räus- 
pern — -  —  oder  einen  Discours  anfangen. 
Ich  sagte  ihm,  ich  wünschte  nur,  dass  der  Churfurst 
da  wäre,  so  könne  er  rdoab  was  hören  er  Weiss 
nichts  von  mir,  er  weiss  nicht,  was  ich  kann.  Ich 
lasse  es  auf  eine  Probe  ankommen  5  er  soll  alle 
Componisteh  von  München  herkommen  lassen,  er 
kann  auch  einige  von  Italien  und  Frankreich,  Deutsch- 

20  , 


» 

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land,  England  und  Spanien  versehreiben.  Ich  traue 
mir  mit  einem  Jeden  zu  schreiben.  Ich  erzahlte  ihm, 
was  in  Italien  mit  mir  vorgegangen  ist }  ich  bat  ihn, 
wenn  ein  Discours  von  mir.  Ware,  diese  Sachen  an- 
zubringen. Er  sagte:  >9Ich  bin  der  Wenigste  y  aber 
was  bey  mir  steht,  von  ganzem  Herzen/*  Er  ist 
halt  auch  der  Meinung dass ,  wenn  ich  unterdessen 
so  hier  bleiben  könnte  ,  die  Sache  hernach  von  sich 
selbst  ginge.  Für  mich  allein  wäre  ertlich t  unmög- 
lich, mich  durchzubringen  5  denn  vom  Grafen  Seau 
wollte  ich  wenigstens  300  iL  bekommen,  und  für  das 
Essen  dürfte  ich  nicht  sorgen  5  •  denn  ich  wäre  immer 
eingeladen,  und  wenn  nicht,  so  machte  sich  Albert 
eine  Freude,  mich  bey  sich  zu  Tische  zu  haben,  fch 
esse  wenig,  trinke  Wasser  und  zuletzt  zum  Obst  ein 
Gläschen  Wein.  Ich  wurde 'mit  Graf  Seau  den  Con- 
tract  so  machen  (Alles  auf  Einrathen  meiner  guten 
Freunde),  alte  Jahre  4  teutsche  Opern, -theäs  buffe, 
theils  serie  zm  liefern.  Ich  hätte  dann  von  einer 
jeden  eine  Sera  oder  Einnahme  für  mich*,  welche* 
schon  so  gebräuchlich  ist,  und  dieses  wurde  mir  al- 
lein weüigdteus  '500  fl.  tragen,  -welches  mit  meinem 
Gehalte  achofe  600  h\  wäre,  wo  nicht  m ehr f  denn 
der  Reißer , ,  Schauspieler  und  S än gter ,  riahmi  in 1  «ei- 
ner Sera  200  <L  ein,  und  ich  bin  hier  sehr  &olieht$ 
und  wie  würde  ich  erst  beliebt  werden,— wenn  ich 
der  deutschest  Nationalbühne  in  der  Musik  empor- 
helfen würde?  ~  Und  daa  w^irde  durch  mich  gewiss 
geschehen;  dehn  ich  war  schon  voll  Begierde,  zu 
schreiben,  als  ich  das  deutsche  Singspiel' hörte.  Die 
erste  Sängerin,  von  hier  gebürtig,  mit  Namen  Kei- 
serin,  ist  eine  Kochstochter  von  einem  hiesigen  Gra- 


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,307  „ 

fen,  ein  sejir  angenehmes  Mädel  auf  dem  Theater: 
in  der  Nähe  sah  ich  sie  hoch  niemals.   Wie  ich  sie 
hörte,  war  es  erst  das  dritte  Mal,  dass  sie*  agirte. 
Sie  hat  eine  Schone  Stimme ,~nicht  stark,  doch  auch 
nicht  schwach,  sehr  rein  und  gute  Intonation.  Ihr 
Lehrmeister  ist  Valesi,  und  aus  ihrem  Sjngen  erkennt 
man,  dass  ihr  Meister  sowohl  das  Singen,  als  das 
Singenlehren  Versteht.    Wenn  sie  ein  paar  Tacte 
aushalt,  so  habe  ich  mich  sehr  verwundert,  wie 
schön  sie  das  Crescendo  und  Decrescendo  macht. 
Den  Triller  schlägt  sie  nödi  langsam,  und  das  freut 
mich  recht,  denn  er  wird  nur  desto  reiner  und  kla- 
rer, wenn  sie  ihn  einmal  geschwinder  machen  will. 
Oeschwind  ist  er  ohnehin  leichter.  Die  Leute  haben 
hier  eine  rechte  Freude  mit  ihr  —  —  und  ich  mit 
ihnen.  Meine  Mama  war  im  Parterre  5  sie  ging  schon 
um  halb  5  Uhr  hinein,  um  Rät»  m  bekommen;  ich 
ging  aber  erst  um  halb  7  Uhr,  denn  ich  kann  über- 
all in  die  Logen  gehen,  weil  ich  bekannt  genug  bin. 
Ich  war  in  der  Loge  vom  Hause  Branca.   Ich  be- 
trachtete die  Keiserin  mit  meinem  Fernglase,  und 
sie  lockte  mir  öfters  eine  Zähre  ab  5  ich  sagte  oft 
Brava,  bravissimo,*,  denn  ieh  dachte  mir,  dass  sie 
erst  das  dritte  Mal  auf  dem  Theater  ist.    Das  Stück 
Hess  das  Fischermädchen,  eine  nach  der  Musik  des 
riccini  sehr  gute  Uebersetzung.-  Orlgiti&lstücke  haben 
sie  noch  nicht.   Eine  deutsche  öpefa  serin  möchten 
sie  auch  bald  geben  —  —  und  man  wünschte,  dass 
ich  sie  conrpomrte.    Der  schon  genannte  Professor 
Huber  ist  auch  von  den  wünschenden  Personen.  — 
Baron  Rumling  machte  mir  neulich  das  Com- 
pliment :  „  Spectakel  sind  meine  Freude :  gute  Acteurs 

20* 


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/ 

« 

308 

und  Actrices,  gute  Säuger  und  Sängerinnen,  und 
dann  einen  so  braven  Componisten  dazu,  wie  Sie." 
 —  Das  ist  freylich  nur  geredet  und  re- 
den lässt  sich  viel  —  —  j  doch  hat  er  niemals  mit 
mir  so  geredet,  —        .  , 

Heute  früh  um  acht  XJhv  war  ich  beym  Grafen 
Seau;  ich  machte  es  ganz  kurz  und  sagte  nur:  „Ich 
bin  nur  da,  Ew.  Excellcnz  mich  und  meine  Sache 
recht  zu  erklären.  Es.  ist  mir  der  Vorwurf  gemacht 
worden,  ich  sollte  nach  Italien  reisen.  Ich  war  16 
Monate, in  Italien,  habe^  drey  Opern  geschrieben,  das 
ist  genug  bekannt.  Was  Weiter  vorgegangen ,  wer- 
den Ew.  Exsellenz  au*  diese»  P*pie*fön  sehen."  Ich 
zeigte  ihm  die ^  Diplomata  mit  den  Worten:  „Ich 
zeige  und  sage  Ew.  Excellenz  dieses  Alles  nur,  da- 
mit, wenn  eine  Rede  von  mir  ist,  und  mir  etwa 
Unrecht  gethan  würde,  sich  Ew.  Excellenz  mit 
Grund  meiner  annehmen  können. "  Er  fragte  mich, 
ob  ich  jetzt  nach  Frankreich  ginge?  Ich  sagte,'  ich., 
würde  noch  in  Deutscliland  bleiben.  Er  verstand 
aber  in  München,  und  sagte,  vor  Freude  lachend: 
„So!  hier  bleiben  Sie  noch?"  Ich  sagte:  „Nein, 
ich  wäre  gern  geblieben*  und  die  Wahrheit  zu  ge^ 
stehen,  hätte  ich  nur  desswegen  gern  vom  Churfiir-r« 
sten  Etwas  gehabt,  damit  iph  Ew.  Excellenz  hernach, 
hätte  nur  mit  meiner  Composition  bedienen  können, 
und  zwar  ohne  alles  Interesse.  Ich  hätte  mir  ein 
Vergnügen  daraus  gemacht."  Bey  diesen  Worten 
rückte  er  gar  seine  Schlafhaube.  —  —  — 

Der  Vater  an  den  Sohn. 

Salzburg,  den  6.  October  1777. 

—  Dass  Du  allein  in  München  leben  könntest,  ^ 

■ 

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309 

hat  seine  Richtigkeit:  allein  was  würde  Dir  dieses 
für  eine  Ehre  machen?  wie  würde  der  Erzbischof 
darüber  spotten?  Das  kannst  Du  aller  Orten,  nicht 
nur  in  München.  Man  muss  eich  nicht  so  hlein 
machen,  und  nicht  so  hinwerfen.  Dazu  ist  gewiss 
noch  keine  Noth. 

.   .  .1 
Der  Sohn  an  den  Vaters 

Augabur^,  den  i4.  October  1777^ 
Wir  sind  den  Uten  d.  M.  Mittags  12  Uhr  von 
München  abgereis't,  und  Abends  um  9  Uhr  glücklich 
hier  angelangt,  und  wir  werden,  glaube  ich,  künf- 
tigen JYeytag,  als  übermorgen,  wieder  wegreisen. 
Denn  hören  Sie  nur,  wie  schön  generös  die  Heyren 
Augsburger  sind!   Ich  bin  noch  in  keinem  Orte  mit 
so  vielen  Ehrenbezeugungen  überhäuft  worden,  wie 
hier.  Mein  erster  Gang  war  zum  Hrn.  Stadtpfleger . . . ; 
mein  Hr.  Vetter,  der  ein  rechter  braver,  lieber 
Mann  und  ein  ehrlicher  Bürger  ist,  hat  mich,  l|in 
hegleitet,  und  hatte  die  Ehre,  oben  im  Vorhause 
wie  ein  Laquais  zu  warten,  bis  ich  von  dem  Erz- 
stadtpfleger heraus  kommen  würde.   Ich  ermangelte 
nicht,  gleich  anfangs  die  untertänigste  Empfehlung 
vom  Papa  auszurichten.    Er  erinnerte  sich  allergna- 
digst  auf  Alles ,  und  fragte  mich :   „  Wie  ist's  dem 
Herrn  immer  gegangen?"   Ich  sagte  gleich  darauf: 
„Gott  Lob  und  Dank,  recht  gut,  und  Ihnen,  hoffe 
ich,  wird  es  auch  ganz  gut  gegangen  seyn?«  — ■ 
Er  wurde  hernach  höflicher  und  sagte  „Sie,"  und 
ich  sagte  Euer  Gnaden,  wie  ich  es  gleich  vom  An- 
fange gethan  hatte.   Er  gab  nicht  nach,  ich  musste 
mit  ihm  hinauf  zu  seinem  Schwiegersohn  (im  zwey- 


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ten  Stock) ,  und  mein  Hr.  Vetter  hatte  die  Ehre* 
unterdessen  über  eine  Stiege  im  Vorhause  ziv  war- 
ten« Ich  musste  mich,  zurückhalten  mit  aller  Gewalt, 
sonst  hätte  ich  mit  der  grössten  Höflichkeit  Etwas 
gesagt.  .  Ich  hatte  oben  die  Ehre ,  in  Gegenwart  des 


m 

gen  jungen  Frau,  und  der  einfaltigen  alten  Frau  so 
beyläuGg  drey  Viertelstunden  auf  einem  guten  Cla- 
vicord  von  Stein  zu  spielen.  Ich  spielte  Phantasieen 
und  endlich  Alles,  was  er  hatte,  prima  vista,  unter 
andern  sehr  hübsche  Stücke  von  einem  gewissen 
Edelmann.    Da  war  Alles  in  der  grössten  Höflich- 
keit, und  ich  war  auch  sehr  höflich;  denn  meine 
Gewohnheit  ist,  mit  den  Leuten  so  zu  seyn,  wie  sie 
sind,  so  kömmt  man  am  Besten  hinaus.   Ich  sagte, 
dass  ich  nach  dem  Essen  zum  Stein  neben  würde« 
Der  junge  Herr  trug  sich  also  gleich  selbst  an ,  mich 
lünzuführen.    Ich  dankte  ihm  für  seine  Güte,  und 
versprach  Nachmittags  zwey  Uhr  zu  kommen.  Ich 
kam,  und  wir  gingen  mit  einander  in  Gesellschaft 
seines  Hrn.  Schwagers,  der  einem  völligen  Studenten 
gleich  sieht.  Obwohl  ich  gebeten  hatte,  still  zu  hal- 
ten,  wer  ich  sey,  so  war  Hr.  von  Langenmantel 
doch  so  unvorsichtig,   und  sagte  zum  Hrn.  Stein: 
»Hier  luibe  ich  die  Ehre  einen  Virtuosen  auf  dem 
Ciavier e  aufzuführen,"  und  schmutzte  dazu.  Ich 
protestirte  gleich  und  sagte,  ich  wäre  nur  ein  un- 
würdiger Schüler  von  Hrn.  Sigl  aus  München,  von 
dem  ich  viele  tausend  Camplimente  ausgerichtet  habe. 
Er  sagte  Nein  mit  dem  Kopfe  —  und  endlich  — 
„sollte  ich  woM  die  Ehre  liaben,  den  Hm*  Mozart 
vor  mir  zu  luiben?"  —   O  nein,  sprach  ich,  ich 


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311 

v 

I 

nenne  mich  Trazom ,  ich  habe  auch  hier  einen  Brief 
an  Sie.  Er  nahm  den  Brief  und  wollte  ihn  gleich 
erbrechen.  Ich  Hess  ihn  aber  nicht  Zeit,  und  sagte: 
JVae  wollen  Sie  denn  jetzt  da  den  Brief  lesen? 
machen  Sie  dafür  auf,  dass  wir  in  den  Saal  hinein 
können,  ich  bin  so  begierig,  Ihre  Piano fortes  zu 
sehen,  —  —  „Nun,  meinetwegen,  es  sey,  wie  es 
wolle;  ich  glaube  aber,  ich  betrüge  mich  nicht." 
Er  machte  auf.  Ich  lief  gleich  zu  einem  von  den 
drey  Ciavieren,  die  im  Zimmer  standen.  Ich  spielte; 
er  konnte  kaum  den  Brief  aufmachen,  vor  Begierde 
überwiesen  zu  seynj  er  las  nur  die  Unterschrift.  O, 
schrie  er  und  umarmte  mich  und  war  sehr  erfreut. 
Wegen  6einen  Ciavieren  werde  ich  uaebgehends 
s Drechen*  *~ 

Der  Sohn  an  den  Vater. 

Augsburg,  deu  17.  Octbr.  1777. 

Nun  muss  ich  gleich  bey  den  Steinischen  Piano- 

von  Stein  seiner  Ar- 
beit etwas  gesehen  habe,  waren  mir  die  Spättischen 
Claviere  die  lieosteii,  nun  aber  muss  ich  den  Steini- 
sehen  den  Vorzug  lassen;  denn  sie  dämpfen  noch 
viel  besser,  als  die  Regensburger.  Wenn  ich  stark 
anschlage,*  ich  mag  den  Finger  liegen  lassen  oder 
aufheben,  so  ist  halt  der  Ton  im  Augenblicke  vor- 
bey,  da  ich  ihn  hören  liess.  Ich  mag  auf  die  Cla- 
ves  kommen,  wie  ich  will,  so  wird  der  Tou  immer 
gleich  seyn,  er  wird  nicht  scheppern,  er  wird  nicht 
schwächer,  nicht  stärker  gehen,  oder  gar  ausblei- 
ben; mit  einem  Worte,  es  ist  Alles  gleich.  Es  ist 
wahr,  er  giebt  so  ein  Pianoforte  nicht  unter  300  fl; 

* 

» 

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Sil 

aber  seine  Mühe  und  Fleiss,  die; er  anwendet,  ist 
nicht  zu  bezahlen.    Seine  Instrumente  haben  beson- 
ders  das  vor  andern  eigen,  dass  sie  mit  Auflösung 
gemacht  sind,  womit  sich  der  Hundertste  nicht  ab- 
gießt }  aber  ohne  Auflösung  ist  es  halt  nicht  möglich, 
dass  ein  Pianoforte  nicht  schä'ppere  oder  nachklinge. 
Seine  Hämmer,  wenn  man  die  Claves  anspielt,  fallen 
in  dem  Augenblicke,  da  sie  an  die  Saiten  hinauf- 
springen, weder  herab,  man  mag  den  Clavis  liegen 
lassen,  oder  auslassen.    Wenn  er  ein  solch  Ciavier 
fertig  hat,  (wie  er  mir  selbst  sagt)  so  setzt  er  sich 
erst  hin,  und  probirt  allerley  Passagen,  Läufe  und 
-  Sprünge,  und  schabt  und  arbeitet  so  lange,  bis  das 
Ciavier  Alles  tbut$  denn  er  arbeitet  nur  zum  Nutzen 
der  Musik,  und  nicht  seines  Nutzens  wegen  allein, 
sonst  würde  er  gleich  fertig  seyn.    Er  sagt  oft: 
„Wenn  ich  nicht  selbst  ein  so  passionirter  Lieblia- 
her  der  Musik  wäre,  und  nicht  etwas  Weniges 
auf  dem  Ciapiere  konnte,  so  hätte  ich  gewiss  längst 
schon  die  Geduld  bey  meiner  Arbeit  verloren :  allein 
ich  bin  halt  ein  JLieblwher  von  Instrumenten,  die 
den  Spieler  nicht  ansetzen,  und  dauerliaft  sind.« 
Seine  Claviere  sind  auch  wirklich  von  Dauer.  Er 
steht  gut  dafür,  dass  der  Resonanzboden  nicht  springt 
und  nicht  bricht.    Wenn  er  einen  Resonanzboden 
«n  einem  Claviere  fertig  hat,  so  stellt  er  ihn  in  die 
Luft,  Regen,  Schnee,  Sonnenhitze  und  allen  Teufel, 
damit  er  zerspringt,  und  dann  legt  er  Späne  ein  und 
leimt  sie  hinein,  damit  er  stark  und  recht  fest  wird. 
Er  ist  völlig  froh,  wenn  er  springt;   man  ist  halt 
hernach  versichert,  dass  ihm  nichts  mehr  geschieht. 
Er  schneidet  gar  oft  selbst  hinein,  und  leimt  ihn 


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813 


wieder  zu,  und  befestigt  ihn  rechL  Er  hat  drey 
solche  Pianoforte  fertig  und  ich  habe  erst  heute 

wieder  darauf  gespielt.  —  Die  Maschine,  wo 

man  mit  dem  Knie  drückt,  ist  auch  bey  ihm  besser 
gemacht,  als  bey  den  Andern.  Ich  darf  es  kaum 
anrühren,  so  geht  es  schon;  und  sobald  man  das 
Knie  nur  ein  wenig  wegthut,  so  hört  man  nicht  den 
mindesten  Nachklang.  Nun,  morgen  komme  ich 
vielleicht  auf  seine  Orgel  —  d.  h.  ich  komme  da- 
rüber zu  schreiben.  Als  ich  Hrn.  Stein  sagte,  ich 
möchte  gern  auf  seiner  Orgel  spielen,  denn  die  Orgel 
sey  meine  Passion;  so  verwunderte  er  sich  gross, 
und  sagte:  „Was,  ein  solcher  Mann  wie  Sie,  ein 
solclier  Ciavierist,  will  auf  einem  Instrumente  spie- 
.  len,  wo  leine  Douceur,  leine  Expression,  kein  Piano 
noch  Forte  statt  findet,  sondern  immer  gleich  fort- 
gehet?" —  Das  hat  Alles  nichts  zu  bedeuten.  Die 
Orgel  ist  doch  in  meinen  Augen  und  Ohren  der 
König  aller  Instrumente.  Nun,  meinetwegen.  Wir 
gingen  nun  mit  einander.  Ich  merkte  schon  aus 
«einem  Discours,  dass  er  glaubte,  ich  würde  nicht 
viel  auf  seiner  Orgel  machen  $  ich  würde  blo*  völlig 
Claviermässig  spielen.  Er  erzählte  mir,  er  hätte 
auch  Chobert  auf  sein  Verlangen  auf  die  Orgel  ge- 
fuhrt, und  es  war  mir  sei  von  bange  (sagte  er),  denn 
Chobert  sagte  es  allen  Leuten,  und  die  Kirclie  war 
ziemlich  voll;  denn  ich  glaubte  halt,  der  Mensch 
tvird  voll  Geist,  Feuer  und  Geschwindigkeit  seyn, 
und  das  nimmt  sich  nicht  aus  auf  der  Orgel,  aber 
tvie  er  anfing,  war  ich  gleich  anderer  Meynung. 
Ich  sagte  nichts  als:  Was  glauben  Sie,  Hr.  Stein, 
werde  ich  herumlaufen  auf  der  Orgel?  Ach 


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314 

Sie!  das  ist  ganz  was  Anderes.  Wir  kamen  auf  den 
Chor,  ich  fing  zu  präludiren  an,  da  lachte  er  schon; 
dann  eine  Fuge.   „Das  glaube  ich,  sagte  er,  dass 

Sie  gern  Orgel  spielen,  wenn  man  so  spielt.  

Anfangs  war  mir  das  Pedal  etwas  fremd,  weil 
es  nicht  gebrochen  war.    Es  fing  C  an,  dann  D,  E 

oben,  wie  hier  Es  und  Fis*  Ich  kam  aber  gleich 
drein«  Ich  war  auch  zu  St,  Ulrich  auf  der  alten 
Orgel.  Die  Stiege  ist  was  Abscheuliches,  Ich  bat, 
es  möchte  mir  auch  wer  darauf  spielen,  denn  ich 
möchte  hinabgehen  und  zuhören  5  denn  oben  macht 
die  Orgel  gar  keinen  Effect«  Ich  nahm  aber  nichts 
aus,  denn  der  junge  Regens  CJu>ri9  ein,  Geistlicher, 
machte  Läufe  auf  der  Orgel  herum  ,  dass  man  nichts 
verstand,  und  wenn  er  Harmonieen  machen  wollte, 
w  t^r  c  11  ^RH  l^mt^^l  1 )  i  <i>  1 1  1 1  n  n  i  ^  u  y  n  1 1  t^<s 
nicht  recht.  —  —  — 

Der  Vater  an  seine  Frau. 

Salzburg,  den  a3.  Octbr.  1777. 
—  Diesen  Augenblick  schickt  mir  Herr  Hage- 
nauer das  Intelligenzblatt,  und  in  eben  der  Minute 
die  Frau  von  Ehrlichs  die  Zeitung,  weil  in  Bcyden 
das  Concert  angekündigt  ist.  Es  ist  gut,  dass  zwey 
Einlagsplätze  sind.  Die  Ankündigung  ist  sehr  gut 
gemacht.  Ihr  werdet  also  das  Concert  a  3.  Clavecius 
spielen?  —  —  — 

Der  Vater  an  den  Sohn. 

Vom  nämlichen  Datum. 

Ich  soll  Dir  zu  Deinem  Namenstage  Glück  wün- 
schen! Aber  was  kann  ich  Dir  jetzt  wünschen,  was 


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* 


3<5 

•  i 

ich  Dir  nicht  immer  wünsche?  Ich  wünsche 

Dir  'die  Gnade  Gottes,  die  Dich  aller  Orten  begleite, 
die  Dich  niemals  verlassen  wolle,  und  niemals  ver- 
lassen wird,  wenn  Du  die  Schuldigkeit  eines  wahren 
katholischen  Christen  auszuüben  beflissen  bist.  Du 
kennst  mich.  —  Ich  bin  kein  Pedant,  kein  Betbru- 
der, noch  weniger  ein  Scheinheiliger  5  allein  Deinem 
Vater  wirst  Du  wohl  eine  Bitte  nicht  abschlagen« 
Diese  ist,  dass  Du  für  Deine  Seele  so  besorgt  seyn 
wollest,  dass  Du  Deinem  Vater  keine  Beängstigung 
in  seiner  Todesstunde  verursachst,  damit  er  in  jenem 
schweren  Augenblicke  sich  keinen  Vorwurf  machen 
darf,  als  hätte  er  an  der  Sorge  für  Dein  Seelenheil 
etwas  vernachlässigt.  Lebe  wohl!  Lebe  glücklich! 
Lebe  vernünftig!  Ehre  und  schätze  Deine  Mutter, 
die  in  ihrem  Alter  nun  viele  Mühe  hat.  Liebe  mich, 
wie  ich  Dich  liebe  als  Dein  wahrhaft  sorgfältiger 
v  Vater 

Leopold  Mozart. 
Der  Sohn  an  den  Vater. 

Augsburg,  den  a4.  Octbr.  1777, 

Gestern,  Mittwoch  den  23sten  ist  meine  Akade- 
mie in  Seena  gegangen.  Graf  Wolfegg  war  fleissig 
dabey  und  brachte  etliche  Stiftsdamen  mit.  Ich  war 
schon  gleich  die  ersten  Tage  in  seinem  Logement, 
um  ihm  aufzuwarten;  er  war  aber  nicht  hier.  Vor 
etlichen  Tagen  ist  er  angelangt,  und  da  er  erfahren, 
dass  ich  hier  bin,  so  erwartete  er  nicht,  dass  ich  zu 
ihm  kam,  sondern,  da  ich  gerade  Hut  und  Degen 
nahm,  um  ihn  meine  Visite  zu  machen,  trat  er  eben 
zur  Thüre  herein.  Nun  muss  ich  eine  Beschreibung 


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von  den  vergangenen  Tagen  machen,  ehe  ich  zum 
Concert  komme«  Vergangenen  Samstag  war  ich  zu 
St.  Ulrich  5  etliche  Tage  zuvor  im  Kloster  heil.  Kreuz 
einige  Male,  wo  ich  auch  vergangenen  Sonntag,  den 
19ten  d.  M.  speiste,  und  unter  Tafel  wurde  Musik 
gemacht.  So  schlecht  als  sie  geigen,  ist  mir  die 
Musik  in  dem  Kloster  doch  lieber  als  das  Orchester 
von  Augsburg.  Ich  machte  eine  Symphonie,  und 
spielte  auf  der  Violine  das  Concert  B  dur  von  Wan- 
hall  mit  allgemeinem  Applaus.  Der  Hr.  Dechant 
/  ist  ein  braver  lustiger  Mann;  er  ist  ein  Vetter  von 

Eberlin,  heisst  Zeschinger,  und  kennt  den  Papa  ganz 
gut.  Auf  die  Nacht  beym  Souper  spielte  ich  das 
Ikrasburger  Violin- Concert.  Es  ging  wie  Oehl.  Alles 
lobte  den  schönen  reinen  Ton.  Hernach  brachte 
man  ein  kleines  Clavicord.  Ich  präludirte  und  spielte 
eine  Sonate  und  Variationen  von  Fischer.  Dann 
flüsterten  die  übrigen  dem  Hrn.  Dechant  ins  Ohr, 
er  sollte  mich  erst  orgelmässig  spielen  hören.  Ich 
sagte,  er  möchte  mir  ein  Thema  geben,  und  da  er 
nicht  wollte,  gab  mir  einer  aus  den  Geistlichen  Ei- 
nes an.  Ich  führte  es  spaziren  und  mitten  darin 
(die  Fuge  gieng  exG  minor)  fing  ich  major  an,  und 
ganz  etwas  Scherzhaftes,  aber  im  nämlichen  Tempo, 
dann  endlich  wieder  das  Thema,  aber  umgekehrt; 
endlich  fiel  mir  ein,  ob  ich  das  scherzhafte  Wesen 
%  nicht  auch  zum  Thema  der  Fuge  brauchen  könnte? 
—  —  Ich  fragte  nicht  lange,  sondern  machte  es 
gleich,  und  es  ging  so  accurat,  als  wenn  es  ihm  der 
Vaser  angemessen  hätte.  Der  Hr.  Dechant  war  ganz 
ausser  sich  vor  Freude.  „Das  ist  vorbey ,  da  nützt 
nichts  (sagte  er),  das  habe  ich  nicht  geglaubt,  was 

0 

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1 


Bi7 

ich  da  gehört  habe,  Sie  sind  ein  ganzer  Mann.  Mir 
hat  freilich  mein  Prälat  gesägt,  dass  er  sein  Lebe-, 
tag  Niemand  so  bündig  und  ernsthaft  die  Orgel 
liabe  spielen  Iwren."  Denn  der  Hr.  Prälat  bat  mich 
einige  Tage  verlier  gehört,  der  Dechant  aber  war 
nicht  hier.   Endlich  brachte  Einer  eine  Sonate  her, 
die  fugirt  war,  und  ich  sollte  sie  spielen.   Ich  jagte 
aber:   Meine  Herren,  das  ist  zu  viejj  das  jnuss  ich 
gestehen,  die  Senate  werde  ich  nicht  gleich  so  spie* 
len  können.   „Ja,  das  glaube  ich  auch  (sprach  der 
Dechant  mit  violem  Eifer,  denn,  ei*  war  ganz  für. 
mich),  das  ist  zu  viel,  da  giebfs  keinen,  dem  das 
möglich  wäre."   Uebrigens  aber,  sagte  ich,  will  ich 
es  doch  probiren.   Da  hörte  ich  aber  immer  hinter 
mir  den  Dechant  ausrufen:  O  Du  Erzschuftü  O 
Du  Spitzbube!  —  —  —   Ich  spielte  bis  H  Uhr«, 
Ich  wurde  mit  fester  JH^enlJbema's  bombardirt,  so, 
auch  neulieb  beym  Stein  mit,  meiner  Sonate  von;, 

BoCCfae;  *r-  -Tr  .    .  eil    ;     ;  •»  f.  ?'  '   "   I         ..Li;:  ; 

.  .Apropos,  wegen  Herrn  Steins  seinem .  Mitdel.  ; 
Wer  sie  spielen  sieht  und  hört,  und  nicht  lache» 
muss,  der  musa  von  Stein  wie  ihr  Vater  seyn> !  Es 
wird  völlig  gegen  den  Discant  hinauf  gesessen,  trad; 
nicht  in  der  Mitte,  damit  man  mehr  Gelegenheit  hat, 
sich  zu  bewegen  und  Grimassen  zu  machen.  .  Die 
Augen  werden  verdreht,  es  wird  geschmutzt;  rweun 
eine  Sache  zwey  Mal  kömmt,  so  wu?d\  sie  dassweyte 
Mal  langsamer  gespielt 5  kommt  selbe  drey  Mal,  wie-  • 
d«r  langsamer.  Der  Arm  muss  in  aller  Höhe,  wenn' 
man  eine  I'assage  maclit ,  und  w  ie  dxe  JPassago  mar* 
kirt  wird,  so  muss  es  der  Arm,  nicht  die  Finger, 
und  das  recht  mit  allem  Fleisse  schwer*  und  unge- 

■ 

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schickt  thun.  Das  Schönste  aber  ist,  dass,  wenn  in 
einer  Passage,  welche  fortfliessen  soll  wie  Oel,  noth-*  . 
wendiger  Weise  die  Finger  gewechselt  werden  müs- 
sen, so  braucht's  nicht  viel  Achtung  zu  geben,  soli- 
dem wenn  es  Zeit  ist,  so  lässt  man  Aus,  hebt  die 
Hand  auf  und  fangt  ganz  commode  wieder  an,  wo- 
durch man  auch  eher"  Hoffnung  hat,  einen  falschen 
Ton  zu  erwischen,  und  das  macht  oft  einen  curiosen 
Effect.  Ich  Ächreibe  dieses  nur,  um  dem  Papa  einen 
Begriff  vom  Ciavierspielen  und  Instinüren  Zu  geben, 
damit  der  Papa  seiner  Zeit  einen  Nutzen  daraus  zie-i 
hen  kann,  \  !     •  "  " 

Herr  Stein  ist  völlig  in  seine  Töchter  vernarrt. 
Sie  ist  8i  Jahre  alt;  sie  lernt  nur-  noch  Alles  aus- 
wendig.   Sie  kann  werden,  sie  hat  Genie;  aber  auf 
diese  Art  wird  sie  nichts,  sie  wird  niemals  viel  Ge- 
schwindigkeit bekommen,  weil  sie  sich  völlig  befleisst, 
die  Hand  schwer  zu  machen.    Sie.  wird  das  Noth- 
wendigste  und  Härteste  und  die  Hauptsache  in  der 
Musik  niemals  bekommen ,  nämlich  da»  Tempo ,  weil 
sie  sich  von  Jugend  auf  völlig  beflissen  hat,  nicht 
auf  den  Tact  zu  spielen.   Herr  Stein  tmd  ich  Jiaben 
gewiss  zwey  Stunden  mit  einander  über  diesen  Pünct' 
gesprochen.   Ich  habe  ihn  aber  schon  ziemlich  be~* 
kehrt.   Er  fragt  mich  jetzt  in  Allem  um  Rath.  Er 
war  in  den  Becohe  völlig  vernarrt.  *fcm  sieht  und 
hört  er,  dass  ich  mehr  spiele  als  Becche,  da  s  ich 
kein*  Grimassen  mache  und  doch  so  expressive  spiele, 
dass  noch  Keiner,'  nach  seinem  Bekenntnisse,  seine 
Pianoforte  so  gut  zu  träotiren  gewusst  hat,  dass  ich 
immer  accurat  im  Tacte  bleibe*   üeber  das  verwun- 
dern sich  Alle.   Das  tempo  rubato  in  einem  Adagio, 


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I 

319 



dass  die  linke  Hand  nichts  darum  weiss,  können  sie 
gar  nicht  begreifen;  denn  bey  ihnen  giebt  die  linke 
Hand  nach.    Graf  Wolfegg  und  mehrere,  die  ganz 
passionirt  für  Becch6  sind,  sagten  neulich  öffentlich 
im  Certcerte ,  dass*  ich  den  Becchö  in  Sack  schiebe. 
Graf  Wölfegg  Her  immer  im  Saal  herum  und  sagte; 
„so  habe  ich  mein  LeVeiag  nichts  gehört«  Er  sagte 
tu  mir*  ,Jch  muss  Ihnen  sagen,  dass  idh  Sie  nie- 
mals-so  spielen  gelih'rt ,  wie  heute;   ich  ivetde  es 
auch  Thtem  Vater  sagen,  so  bald  ich  nach  Salz- 
burg hörhme.«    '  :      '  1       '  '  ' 
Was  meynt  der  Papa,  was  das  erste  war  nach 
der  Symphonie?  —  Das  Cfoncert  auf  drey  Ciavieren. 
Hr*  Debitier  spielte  da*  erste,  ich  das  zweyte,  und 
Herr  Stein  das  dritte.    Dann  spielte  ich  allein  die 
letzte  Sonate  ex  D  für  die  Dürnitz,  dann  mein  Con*- 
cert  ex  B,  dann  Wieder  allein1  ganz  regelmässig  eine 
Fuge  C  minor,  und  auf  einmal  eine*  prachtige  Sortate 
ex  C  major  so  aus  flem'Kopfe  mit  eirfem  Rondo  am 
Ende.  Es  Vrtir  ein  rechtes  ^Getösts* und  Lärmen.  Hr.. 
Stein-  machte  nichts  als  Gesichter  und  Grimassen  für 
Bewunderung;  Hr.  Demier  musste  beständig  lachen. 
Dieser  ist  ein  so  cürioser  Mensch ,  dass,  wenn  ihm 
Etwas*  sehr  gefallt,  so  muss  er  ganz  entsetzlich  lachen.' 
Bey  mir  fing  er  gar  zu  fluchen  an.  —  —  —  —  ,K'1 
,       1)as  Concert  hat  90 fl.  getragen  j   ohne  Abzug 
der  Unkosten*   Wir  haben  also  nun  mit  den  2  Du- 
catett  auf  der  Stube  100  fl.  eingenommen.   Die  Un- 
kosten vom  Concerte  haben  nicht  mehr  als  16  fl.  30  Xr. 
gemacht.  Den  Saal  hatte  ich  frey*  und  von  der  Mur'  , 
sik,  glaube  ich,  werden  halt  Viele  umsonst  gegan- 
gen sey*.  ~      ;,  :          '        •  • 


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320 

Ich  küsse  dem  Papa  die  Hand  und  danke  gehor- 
samst für  den  Glückwunsch  zu  meinem  Namenstage« 
Lebe  der  Papa  unbesorgt  5  ich  habe  Gott  immer  vor 
Augen ,  ich  erkenne  seine  Allmacht,  ich  furchte  sei- 
nen Zorn$  ich  erkenne  aber  auch  seine  Liebe,  sein 
1  Mitleiden  und  seine  Barmherzigkeit  gegen  seine  Ge- 
schöpfe j  er  wird  seine  Diener  niemals  verlassen. 
Wenn  es  nach  seinem  Willen  geht,  so  geht  es  auch 
nach  meinem;  mithin  kann  es  nicht  fehlen  —  ich 
muss  glücklich  und  zufrieden  seyn.  Ich  werde  auch 
ganz  gewiss  mich  bcfleissigen,  Ihrem  Befehle  und 
Rathe,  den  Sie  mir  zu  geben  die  Güte  hatten,  auf 
das  Genaueste  nachzuleben. 

Den  26sten,  als  Uebermorgen,  reisen  wir  schnür* 
gerade  nach  Wallerstein. 

 ■  . 

Sohn  und  Mutter  reis'ten  also  den  26sten  Octbr. 
1777  von  Augsburg  weg  über  Donauwörth,  Nörd- 
'l  in  gen  bis  Hochenaltheim ,  wo  sich  der  Fürst  von 
Wallerstein  aufhielt.  Dort  verweilten  sie  ,  ein  paar 
Tage,  und  reis'ten  dann  weiter  bis  Manheim,  wo 
sie  den  30stcn  October  anlangten. 

Den  Tag  darauf  schrieb  der  ,Sohn  dem  Vater 
und  meldete  ihm  ihre  glückliche  Ankunft,   wo  er 

unter  andern  Folgendes  schreibt:  .  ., 

—  ■ 

„Heute  bin  ich  mit  Hrn.  Danner  bey  M.  Can- 
nabich  gewesen.  Er  war  ungemein  höflich.  Ich 
spielte  ihm  Etwas  auf  seinem  Pianoforte,  welches 
sehr  gut  ist,  und  wir  gingen  nachher  mit  einander 
in  die  Probe.  Ich  habe  geglaubt,  mich  des  Rachens 
nicht  enthalten  zu  können,  als  man  mich  den  Leu- 
ten vorgestellt  hat.  Einige ,  cKe  mich  par  Reno7nmie 


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3ai 

gekannt  haben,  waren  sehr  höflich  und  voll  Ach- 
tung; Einige  aber,  die  weiter  nichts  von  mir  wissen, 
haben  mich  gross  angesehen,  aber  auch  so  gewiss 
lächerlich,  Sie  denken  sich  halt,  weil  ich  klein  und 
jung  bin,  so  kann  nichts  Grosses  und  Altes  hinter 
mir  stecken  5  si#  werden  es  aber  bald  erfahren/j  — 


Der  Sohn  hielt  sich  mit  seiner  Mutter  vom  3östen 
October  £777  bis  i4ten  März  1778  in  Manheim  auf. 
Ueber  diesen  Aufenthalt  geben  uns  des  Vaters  und 
Sohnes  Briefe  folgende  Nachrichten :  , 

•  .,*.  »    •  t  \m       .  . 

•  •  i!,  |i  t  Ii      **•  •       ■    t  » 

...    Manheita,  M  4,  Novbr.  1777, 

Diess  ist  der  zweyte  Brief,  den  ich  von  Man- 
heim aus  schreibe.  Ich  bin  alle  Tage  bey  Carnia- 
bichj  heute  ist  auch  meine  Mama  mit  mir  hingegan- 
gen« Er  ist  ganz  ein  anderer  Mann,  als  er  vorher 
war,  welches  auch  das  ganze  Orchester  sagt.  Er  ist 
sehr  für  mich  eingenommen*  Er  hat  eine  Tochter- 
die  ganz  artig  Ciavier  spielt,  und  damit  ich  ihn  mir 
recht  zum  Freunde  mache,  so  arbeite  ich  letfct  /m 
einer  Sonate  für  seine  Mselle.  Tochter.  Ich  habe, 
wie  ich  das  toste  Allegro  und  Andante  geendigt 
hatte,  selbe  hingebracht  und  gespielt.  Der  Papa  kann 
sich  nicht  vorstellen,  was  die  Sonata  für  -einen  T  y- 
fall  hat.  Es  waren  Einige  von  der  Musik  gerade 
dort,  als  der  jungö  Danner,  ein  Waldhornist  Lang 
und  der  Hautboist  Ramm,  welcher  recht  gut  blast 
und  einen  hübschen  feinen  Ton  hat«  Ich  habe  ihm 
ein  Präsent  mit !  demiOboe- Concert  gemacht,  wel- 
ches im  Zimmer  bey  Cannabich  abgeschrieben  wird. 
Der  Mensch  ist  närrisch  vor  Freude.   Ich  habe  ihm 

21 


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s  an 

das  Concert  heute  auf  dem  Pianofbrle  bev  Canna- 
bich  vorgespielt;  und  obwohl  man  wusste,  das*  es 
von  rnir  ist,  so  gefiel  es  doch  sehr.  Kein  Mensch 
$ag$e;  dass  es  nicht  gut  gesetzt  sey;.  weil  es  die 
Leute  hier  nicht  verstehen*)  —  —  Sie  sollen  nur 
den  Erzbischof  fragen ,  der  wird  sä  gleich  auf  den 
rechten  Weg  bringen* 

•  Heute  habe  ich  aHe  meine  sechs  Sonaten  bevm 
Cannabich  gespielt.  Hr.  Kapellmeister  Holzbauer 
hat  mich  heute  selbst  zum  Hrn.  Intendanten  Graf 
Savioli  geführt.  Cannabich  war  just  dort.  Hr.  Holz- 
bauer sagte  auf  welsch  zum  Grafen,  dass  ich  möchte 
die  Gnade  haben,  mich  bey  Sr.  Churfürstl.  Durch- 
laucht hören  zu  lassen,  indem  ich  schon  vor  fünfzehn 
Jahren  hier  gewesen  bim,  als  ich  sieben  Jahre  alt 
war;  aber  nun  bin  ich  aller  und  grösser  geworden, 
und  so  auch  in.  der  Musik.    Ja  so,  sagte der  Graf, 

das  ist  der  .  Was  weiss  ich,  für  wen  er  michr 

hielt,  m  nahm  aber  gleich  der  Cannabich  das  Wort. 
Ich  stellte  mich,  als  wenn  ich  nichts  hörte,  und  liess 
mich  mit  Andern  in  Discours  ein,  merkte  aber,  dass 
er  mit  einer  ernsthaften  Miene  von  mir  sprach. 
Der  Graf  sagte  dann  zu  mir :  Ich  höre,  dass  Sie 
so  ganz  passabel  Ciavier  spielen.  Ich  machte  eine 
Verbeugung.  Nun  muss  ich  von  der  hiesigen  Mu- 
sik reden.  Ich  war  Samstag  am  Allerheiligen -Tage 
in  der  Kapelle  im  Hochamte.  Das  Orchester,  ist 
sehr  gut  und  stark,  auf  jeder  Seite  zehn  bis  eitf 
Yiolinen,  vier,  Bratschen,  zwey  Oboen  r  zwey  Fkud, 
und  zwey  Clarinetti,  zwey  Comd,  vier 


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323 

vier  Fagotti,  vier  Contrabassi  und  Trompeten  und 
Pauken.  Es  lässt  sich  eine  schöne  Musik  machen, 
aber  ich  getrauete  mir  keine  Messe  von  mir  hier  zu 
produciren,  Warum?  —  Wegen  der  Kürze?  — 
Nein ,  hier  muss  auch  Alles  kurz  seyn.  —  Wegen 
des  Kirchenstyls?  —  Nichts  weniger,  sondern  weil 
man  hier  jetzt  bey  den  dermaligen  Umstanden  haupt- 
sächlich für  die  Instrumente  schreiben  muss,  weil 
man  sich  nichts  Schlechteres  denken  kann,  als  die 
hiesigen  Vocalstimmen.  Sechs  Soprani, .  sechs  Alti, 
sechs  Tenori  und  sechs  Bassi  zu  zwanzig  Violini 
und  zwölf  Bassi  verhält  sich  just  wie  0  zu  1»  — »  — • 
Diess  kommt  daher,  die  Italiener  sind  hier  jetzt  mi- 
seiciuci  angcscjiricDeir«  oie  naueu  nur  zwey  ^asiiuien 
hier,  und  diese  sind  schon  alt.  Man  lässt  sie  halt 
absterben.  Der  Sopranist  möchte  schon  auch  lieber 
den  Alt  singen,  er  kann  nicht  mehr  hinauf.  Die 
etliche  Buben,  die  sie  haben,  sind  elendig,  und  die 
Tenori  und  Bassi  wie  bey  uns  die  Todtensänger*). 
Der  Hr.  Vice -Kapellmeister  Vogler,  der  neulich 
das  Amt  machte,  ist  ein  musikalischer  Spaassmacher  **), 
ein  Mensch,  der  sich  recht  viel  einbildet  und  nicht 
viel  kann.  Das  ganze  Orchester  mag  ihn  nicht. 
Heute  aber,  als  Sonntag,  habe  ich  eine  Messe  von 
Holzbauer  gehört,  die  schon  26  Jahre  alt,  aber  recht 
gut  ist.  Er  schreibt  sehr  gut,  einen  guten  Kirchen- 
styl,  einen  guten  Satz  der  Vocalstimmen  und  der 
Instrumente,  und  gute  Fugen.  Zwey  Organisten 
haben  sie  hier,  wo  es  der  Mühe  werth  wäre,  eigends 

•)  Welche  bey  Begräbnissen  die  Leiche  begleiten.  . 
•*)  D.  h.  zur  selbigen  Zeit. 

21* 


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324 

nach  Manheim  zu  reisen.  Ich  habe  Gelegenheit  ge- 
habt, sie  recht  zu  hören;  denn  hier  ist  es  nicht  üb- 
lich, dass  man  ein  Benedictas  macht,  sondern  der 
Organist  muss  dort  allezeit  spielen.  Das  erste  ivial 
habe  ich  den  Zweyten  gehört,  und  das  andere  Mal 
den  Ersten.  Ich  schätze  aber  nach  meiner  Meynung 
den  Zweyten  noch  mehr  als  den  Ersten;  denn  wie 
ich  jenen  gehört  habe,  so  fragte  ich,  wer  ist  der, 
welcher  die  Orgel  schlägt?  Unser  zweyter  Orga- 
nist. Er  schlägt  miserabel.  Wie  ich  den  Andern 
hörte,  wer  ist  der?  —  Unser  Erster.  Der  schlägt 
noch  miserabler.  Ich  glaube,  wenn  man  sie  zusam- 
menstösse,  so  würde  noch  was  Schlechteres  heraus 
konmen.  Es  ist  zum  Todtlachen,  diese  Herren  zu 
sehen.  Der  Zweyte  ist  bey  der  Orgel  wie  das  Kind 
beym  Drecke;  man  sieht  ihm  seine  Kunst  schon  im 
Gesichte  an.  Der  Erste  hat  doch  Brillen  auf.  Ich 
bin  zur  Orgel  hingestanden,  und  habe  ihm  zugese- 
hen, in  der  Absicht,  ihm  Etwas  abzulernen.  Er 
hebt  die  Hände  bey  jeder  Note  in  aller  Höhe  auf. 
Was  aber  seine  Force  ist,  ist,  dass  er  sechsstimmig 
spielt  •  meistens  aber  nuintenstimmic  und  oclavstim- 
mig;  er  lässt  auch  oft  für  Spaass  die  rechte  Hand 
aus  und  spielt  mit  der  linken  ganz  allein.  Mit  einem 
Worte,  er  kann  machen,  was  er  will,  er  ist  völlig 
Herr  über  seine  Orgel. 

Mutter  und  Sohn  an  den  Vater. 

Manheim,  den  8.  Novbr.  1777. 

—  —  letzt  sind  die  Gallatage  vorbey.  Den  er- 
sten Tag,  als  den  4ten,  war  um  11  Uhr  das  Hoch- 
amt.   Der  Wolfgang  hat  nach  dem  Amte  zu  der 


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325 
. — v 

Churfurstin  gehen  müssen,  all  wo  ihn  der  Intendant 
Graf  Savioli  aufgeführt  hat.  Sie  hat  sich  noch*  sei- 
ner erinnert,  als  er  vor  Vierzehn  Jahren  hier  gewe- 
sen, hätte  ihn  aber  nicht  mehr  gekannt.  —  —  — 

Den  dritten  Tag,  als  den  6ten,' watf  grosse  Aka- 
demie,  wobey  der  Wolfgang  ein  Concert,  und  vor 
der  Schluss- Symphonie  aus  dem  Kopfe  und  eine 
Sonate  gespielt  hat.  Er  hat  von  dem  Churfürsten 
und  der  Churfurstin ,  wie  auch  von  Allen ,  so  ihn 
gehört  haben,  einen  ungemeinen  Beyfall  erhalten. 

Wir  haben  Beyde  an  dem  Tage,  wo  die  Aka- 
demie war,  bey  Hrn.  Cannabich  gespeis't,  und  heute 
hat  mein  Sohn  allein  bey  ihm  gespeis't,   weil  er 
gleich  nach  Tische  mit  ihm  zn  den  Churfürsten  «ei- 
nen KJndern  gehet,  wo  er  auch  gestern  war.  Der 
Churfiirst  ist  allezeit  dabey  gegenwärtig  gewesen. 
Es  sind  vier  Kinder,  und  zwey  daron  spielen  Cia- 
vier.   Der  Churfiirst  liebt  seine  Kinder  über  Alles, 
und  hat  es  dem  Intendanten  befohlen,  dass  man  den 
Wolfgang  solle  hinfuhren.  Der  Wolfgang  wird  noch 
ein  Mal  bey  der  Churfurstin  ganz  allein  spielen, 
denn  sie  hat  es  ihm  versprochen.   Jetzt  müssen  wir 
erwarten,  bis  sie  es  befiehlt,  —  • 

Ich  habe  heute  bey  Hrn.  Cannabich  das  Rondo 
zur  Sonate  für  seine  Mselle.  Tochter  geschrieben, 
folglich  haben  sie  mich  nicht  mehr  weggelassen.  Der 
Churfiirst,  die  Churfurstin  und  der  ganze  Hof  ist 
•  mit  mir  sehr  zufrieden.  In  der  Akademie,  alle  zwey 
Mal  wie  ich  spielte,  ging  der  Churfürst  und  die 
Churfurstin  völlig  neben  meiner  zum  Ciavier.  Nach 
der  Akademie  machte  Cannabich,  dass  ich  den  Hof 
sprechen  konnte.    Ich  küsste  dem  Churfürsten  die 


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Hand,  Er  sagte:  Es  ist  jetzt,  glaube  ich,  fünfzehn 
Jahre,  das*  Er  nicht  hier  war?  Ja,  Ew.  Durch- 
laucht, fünfzehn  Jahre,  dass  ich  nicht  die  Gnade 
cehabt  habe  —  —  Er  svielt  unvergleichlich.  Die 
Prinzessin,  als  ich  ihr  die  Hand  küsste,  jagte  zu 
mir:  Monsieur,  je  vous  ossäre,  on  ne  peut  pas 
iouer  mieux.  — m 

Gestern  war  ich  in  dem  Orte  mit  Cannabich, 
wo  die  Jiama  schon  geschrieben  hat.  Da  sprach  ich 
den  Churfiirsten,  wie  meinen  guten  Freund«  Er  ist 
ein  recht  gnädiger  und  guter  Herr.  Er  sagte  zu 
mir:  Ich  habe  gehört,  Er  hat  zu  München  eine 
Opera  geschrieben?  Ja,  Ew.  Durchlaucht!  Ich  em- 
pfehle mich  Ew.  Durchlaucht  zur  höchsten  Gnade, 
mein  ^rösster  Wunsch  wäre,  hier  eine  Opera  zu 
schreiben.  Ich  bitte  auch  mich  nicht  ganz  zu  ver- 
gessen. Ich  kann,  Gott  Lob  und  Dank,  auch  deutsch, 
und  schmutzte.  „Das  hann  leicht  gescheiten"  Er 
hat  einen  Sohn  und  drey  Töchter,  die  älteste  und 
der  junge  Graf  spielen  Ciavier.  Der  Chtirlurst  fragte 
mich  ganz  vertraut  um  Alles  wegen  seiner  Kinder. 
Ich  redeto  ganz  aufrichtig,  doch  ohne  den  Meister 
zu  verachten.  Cannabich  war  auch  meiner  Meynung. 
Der  Churfurst,  als  er  ging,  bedankte  sich  sehr  höf- 
lich bey  mir, 

Heute  nach  Tische  gleich  um  zwey  Uhr  ging 
ich  mit  Cannabich  zum  Flötisten  Wendling,  da  war 
Alles  in  der  grössten  Höflichkeit.  Die  Tochter  spielt 
recht  hübsch  Ciavier.  Hernach  habe  ich  gespielt. 
Ich  war  heute  in  einer  so  vortrefflichen  Laune ,  dass 
ich  es  nicht  beschreiben  kann,  denn  ich  habe  nichts 
als  aus  dem  Kopfe  gespielt,  und  drey  Duelü  mit 


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g 

Violine«  die  ich  mein  Lebetaac  niemals  gesehen  und 
dessen  Auto*  ich  niemals-  nennen  gehört  liabe.  Sie 
waren  allerseits  so  zufrieden,  (Jörns  ich  —  die  Frauen- 
zimmer küssen  musste.  Bey  der  Tochter  kam  es 
'  mir  gar  nicht  hart  an;  denn  sie  ist  gar  kein  Hund. 
Hernach  gingen  wir  wiederum  zu  den  Kindern  des 
Chuxförsten,  da  spielte  ich  recht  von  ganzem  Her- 
zen. Ich  spielte  drey  Mal 5  der  Churfiirst ..ersuchte 
mich  allezeit  selbst  darum,  setzte  sich  allezeit  neben 
mir  und  blieb  unbeweglich*  Ich  liess  mir  auch  von 
einem  gewissen  -Professor  ein  Thema  zu  einer  Füge 
geben  und  führte  sie  aus.  "5  1 

.  ,»  •  ......     .    .      /  * 

y    ,  r        Der  Sohn  an  deu  Vater.  ;.t  .  • 

,  .  Manhoim,;  den  i3.  Novbr.  1777. 

,  _  r-  *~  Gestern  liabe  ich  mit  Gannäbich 

zum  Hm/  Intendanten  Grafen  Savioli  gehen  müssen, 
um  mein  PüSsent  abzuholen.  Es  war  so,  wie  kh  es 
mir  eingebüdet:  nichts  in  Gelde,  sondern  eine  «chö- 
ne  goldene  Uhr«  Mir  wären  aber  10  Carolin  lieber 
gewesen  als  die  Uhr,  welche  man  mit  Ketten  und 
Devisen  auf  20  Carolin  schätzt;  denn  auf  der  Reise 
braucht  man  Geld;  Nun  habe  ich  mit  Dero  Erlaub- 
nis* 5  Uhren,  und  ich  habe  auch  kräftig  im  Sinne, 
mir  an  jeder  Hosen  noch  ein  Uhrtaschol  machen  zu 
lassen,  um,  Wenn  ich  zu  einem  grossen  Herrn  kom- 
me, :  zwey  Uhren  zu  trögen  (wie  es  oluiehin  jetzt 
Mode  ist),  damit  nur  keinem  mehr  einfallt .  mir  eine 
Uhr  zu  verehren.  Ich  «ehe  a&i  des  Papa  Schreiben, 
dass  Sie  des  Voglers  Buch  iiicht  gelesen.  Ich  habe 
es  von  Caunabich  entliehen  und  jetzt  gelesen";  Nun, 
seine  Historie  ist  ganz  kurz.  Er  kam  miserabel  her, 


j       Digitized  by  Google 


producirte  sich  auf  dem  Ciavier  und  machte  ein  Bal- 
let Man  hatte  Mitleiden,  und  deu  Churfiirst  schickte 
ihn  nach  Italien.  Als  der  Churfürst  nach  Bologna 
kam,  fragte  er  <fen  Pater  ValMti  wegen  dem  Vogler: 
„O  alterra,  questo  <i  un.  grand  uomol".  etc.  Er 
fragte  auch  den  P.  Martini:  99Alterray  e  buono,  ma. 
ä  poco.ä  poco,  quando  sära  un  poco  piu  vecchio, 
piü  sodöj  si  farä,  si  farä.  Ma  bisogna  che  si  lengi 
molto."  Als  Yogier  zurück  kam,  wurdo  er  geistlich 
und  gleich  Hofkaplan*  Er  producirte  ein  Miserere, 
welches,  wie  mir  Jedermann  sagt,  nicht  zu  hören  ist? 
denn  es  geht  Alles  falsch.  .Er  hörte*  Jass  man .  qa 
nicht  viel  lohte,  und  ging  also  zum  Churfhrsten  und 
beklagte  sieh,  1  dass '  das  Orchester  ihm  ' zum  Fleiss 
und  ^rotz  schlecht  spielte;  mit  einem  Worte,  er 
wus&te .  es  •  so  gut  herum  zu  .drehen  (spieke-auch  so 
kleine  ihm :  nutzbare  Scldechtigkeiten  mit  Weibern)* 
dass  er  Vice -Kapellmeister  geworden  i&U  Er  ist  ei» 
Narr-,  ,der  sich  einbildet,  dass  nichts  Besseres  und 
Vollkommneres  sey  als  er,.  Das  ganze  Orchester  von 
oben  bis  unten  mag  ihn  nicht.  ,  Er  hat  dem  Holz*- 
baucr  viel  Verdruss  gemacht.  Sein  Buch  dient  mein* 
zum  Rechnen  als  zum  Componiren  lernen..  Er  sagt, 
er  macht  in  drey  Wochen  einen  Compositeur,  .  unjj, 
in  sechs  Monaten  einen  Sänger.  Man  hat  es  aber 
noch  nicht  gesehen.  Er  verachtet  die  grössten  Mei- 
ster: mir  selbst  hat  er  den  Bach  verachtet.  Dach 
hat  hier  zyrey  Opern  geschrieben,  wovon  die  erste 
besser  .gefallen,  als  die  zweyte,  welche  war  Lucio 
SUla.  Weil  ich  nun  die  nämliche  zu  Mailand  ge- 
schrieben habe,  so  wollte  ich  selbe  sehen.  Ich  wusste 
von.  Holzbauer,  dass  sie.  Vogler  hat,,  und  begehrte 


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sie  vonihm...-.  jPb»  Herzen  gern,  antwortete  er  mir; 
Morgen  werde  ich  sie  Ihnen  schielen.  Sie  werden 
aber  nicht  viel  Gescheutes  sehen.  Etliche  Tage  dar- 
auf, als  er  mich  «ah,  sagte  «r  zu  mir  ganz  spöttisch: 
Nun,  lwben  Sie  was  Schönes  gesehen?  Haben  Sie 
was  daraus  gelernt  t  —  Eine  Aria  ist  gar  schon  — 
wie  heisst  der  Text?  (fragte  er  einen,  der  neben 
ihm  stand)  ÄTot  für  eine  Aria?  ^  Nun',  die 
abscheuliche,  Aria.  1  von  Bach  i  'die  Sauer efr  —  ja, 
Pupille  amate,  die  hat  er  gewiss  im  Punschrausche 
geschrieben.  Ich  habe  geglaubt,  ich  xnüsste  ihn  beym 
Schopf  nehme***  ick  that  aber,  als  wenn  ich  es  nicht 
gehör*  hafte,  sagte  nichts  and  ging  weg.  Erbat 
beym  Chufiursten  auch  schon  ausgedient. 

Nun  ist  die  Sonata  iur  die  Mad«*1*.  Cannabich 
auchv  schon  fertig.  Vergangenen  Sonntag  spielte  ich 
aus  Spaass  die  Orgel  in  der  Kapelle«  Ich  kam  unter 
'  dem  Kyrie,  spielte;  das  Ende  davon,  und  nachdem 
der  Priester  d**Mloria  angestimmt,  machtp  ich  eine 
Cadenz,  Weil  sie  aber  gar  so  verschieden  von  den 
hier  so  gewöhnlichen  war,  so  sali  »ich  Alles  um,  und 
besonders  gleich  der  Holzbauer,  Er  sagte  zu  mir: 
»Wenn  ich  das  gewusst  hätte,  so  hätte  ich  eine 
andere  Messe  aufgelegt«  Ja,  sagte  ich,  damit  Sie 
mich  angesetzt  hätten!  —  Der  alte  Toeski  und 
Wendling  standen  immer  neben  mir.  Die  Leute 
hatten  genu?  zu  lachen,  denn  es  stand  dann  und 
wann  pizzicato,  da  gab  ich  allezeit  den  Tasten  Baz- 
zeln.  Ich  war  in  meinem  besten  Humor.  Anstatt 
des  Benedictas  muss  man  hier  allezeit  spielen  5  ich 
nahm:  also  den  Gedanken  vom  Sanctus  und  führte 
»      ihn  fugirt  aus.  Da  standen  sie  Alle  da  und  machten 


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330 

Gesichter.  Zuletzt  nach  dem  he  trüaaa  est  spielte 
ich  eine  Fuge.  Das  Pedal  ist  ander«  als  bey  uns, 
welches  mich  anfangs  ein  wenig  irrig  machte,  aber 
ich  kam  gleich  d'reim  — 

•  »        .  .  v  .  .. 
Der  Sohn  an  (Jen  Vater, 

■ 

.  ,  f  .  .  Manheim,  den  ao.  Norbr.  1777.  , 
Gestern,  als  Mittwoch  den  i9ten  d.  M.  fing  wie* 
der  die  Galla  an*  Ich  war  im  Amte,  welches  ganz 
fankelnagelneu  von  Vogler  componirt  War,  und  wo- 
von schon  vorgestern*  Nachmittag«  die  Probe  war, 
ich  aber  gleich  »ach  geendigtem  Kyrie  davon  ging. 
So  etwas  habe  ich  mein  Lebetag  nicht  gehört,  denn 
es  stimmt  oft  gar  nicht;  er  geht  in  die  Töne,  dass 
man  glaubt,  er  wolle  einen  bey  den  Haaren  hinein 
reissen,  aber  nicht,  dass  es  der  Mühe  werth  wäre, 
etwa  auf  eine  besondere  Art,  nein,  sondern  ganz 
plump.  Von  dar  Ausführung  der  Ideen  wül  ich  gar 
Nichts  sagen.  Ich  enge  nur  das,  dass  es  unmöglich 
ist,  dass  ein  Vogler 'sches  Amt  einem  Compositeur 
(der  diesen  Namen  verdient)  gefallen  kann  5  denn 
kurz,  jetzt  höre  ich  einen  Gedanken,  der  nicht  übel 
ist  —  ja,  er  bleibt  gewiss  nicht  lange  nicht  übel  — 

sondern  er  wird  bald  —  schön?  Gott  behüte! 

—  übel  und  sehr  übel,  und  das  auf  zwey-  oder 
dreyerley  Manieren,  nämlich,  dass  kaum  dieser 
Gedanke  angefangen,  kömmt  gleich  etwas  Anderes 
und  verdirbt  ihn,  oder  er  schliesst  den  Gedanken 
nicht  so  natürlich,  dass  er  gut  bleiben  könnte,  oder 
er  steht  nicht  am  rechten  Orte,  oder  er  ist  endlich 
durch  den  Satz  der  Instrumente  verdorben.  So  ist 
die  Musik  des  Vogler.  — — 


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831 

s      Wanheim,  den  »a.  NoW>r. 

 Gestern  Vormittags  haben  wir  Ih- 

Brief  vom  17ten  erhalten,  ich  war  aber  eben 
lieht  zu  Hause,  sondern  bey  Cannabich,  wo  der 
Flötist  Mr.  Wendling  ein  Concert  probirt  hat,  zu 
welchem  ich  ihm  die  Instrumente  gesetzt  habe.  Heute 
um  6  Uhr  Abends  war  die  Galla  -  Akademie.  Ich 
hatte  das  Vergnügen,  den  Hrn.  Franzi  auf  der  Vio- 
line ein  Concert  spielen  zu  hören.  -Er  gefallt  mir 
jehr.  Sie  wissen,  dass  ich  kein  grosser  Liebhaber 
von  Schwierigkeiten  bin.  Er  spielt  schwer,  aber 
man  erkennt  nicht,  dass  es  schwer  ist;  man  glaubt, 
man  kann  es  gleich  nachmachen,  und  dfess  ist  das 
Wahre.  Er  hat  auch  einen  sehr  schönen  runden 
Ton,  es  fehlt  keine  Note,  man  hört  Alles,  es  ist 
Alles  markirt,  er  hat  ein  schönes  Staccato  in  einem 
Bogen ,  sowohl  hinauf  als  herab ,  und  den  doppelten 
Triller  habe  ich  noch  nie  so  gehört,  wie  von  ihm. 
Mit  einem  Worte,  er  ist  meinetwegen  kein  Hexen- 
meister, aber  ein  sehr  solider  Geiger.  — *  

■ 

Der  Sohn  an  den  Vater.  . 

Manheim,  den  a6.  Jforbr.  1777. 
—  Die  Ursache,  warum  wir  noch  hier  sind,  ist, 
weil  ich  im  Sinne  habe,  den  Winter  hier  zu  ver- 

sten  warte.  Der  Intendant  Graf  Savioli.ist  ein  recht 
braver  Cavalier,  und  diesem  habe  ich  gesagt,  er 
möchte  dem  Churfürsten  sagen,  dass,  weil  ohnedem 
jetzt  eine  schlechte  Witterung  zum  Reisen  ist,  so 
wollte  ich  hier  bleiben  und  den  jungen.  Grafen  ihr 
struiren«    Er  versprach  mir  auch,  sein  Möglichstes 


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r 


MI 

zu  thun,  nur  tollte  ich  Geduld  haben,  bis  die  Galla- 
lage  vorbey  waren.  Dieses  geschah  Alles  mit  Wis- 
sen und  auf  Anstiftung  des  Cannabich,  indem  ich 
ihm  erzählte,  dass  ich  beym  Savioli  war,  mid  was 
ich  ihm  sagte;  so  sagte  er  mir,  dass  er  gewisser 
glauben  würde,  es  geschehe,  als  nicht.  Nun  hat 
Cannabich,  noch  ehe  der  Graf  mit  dem  Churfiirsten 
geredet  hat,  über  dieses  gesprochen.  Nun  muss  ich 
es  abwarten.  *— 

Ich  hatte  freylich  nicht  geglaubt,  dass  ich  hier 
eine  Uhr  würde  zu  verehren  bekommen,  aber  jetzt 
ist  es  nun  einmal  so.  Ich  wäre  scion  langst  weg, 
aber  Alles  sagt  mir:    JVo  wollen  Sie  denn  den 

Winter  hin?  Bey  dieser  Jahreszeit  ist  es  ja 

gar  übel  zu  reisen.  Bleiben  Sie  hier.  Der  Canna- 
bich wünscht  es  auch  gar  sehr  5  mithin  habe  ich  es 
also  probirt,  und  weil  man  so  eine  Sache  nicht 
übereilen  kann ,  so  muss  ich  es  mit  Geduld  erwar- 
ten, und  ich  hoffe,  Ihnen  bald  eine  gute  Nachricht 
geben  zu  können.  Zwey  Scholaren  habe  ich  im  vor- 
aus schon,  ohne  die  Erz -Scholaren,  die  mir  gewis- 
ser als  nicht,  ein  jeder  einen  Louisd'or  den  Monat 


Manheim,  den  29.  Norbr.  1777. 

Den  vergangenen  Dienstag  vor  acht  Tagen,  den 
I8ten  d.  M.,  nämlich  den  Tag  vor  Elisabeth,  ging 
ich  Vormittags  zum  Grafen  Savioli,  und  fragte  ihn, 
ob  es  nicht  möglich  wäre,  dass  mich  der  Churfürst 
diesen  Winter  hier  behielte?  Ich  wollte  die  juuge 
Herrschaft  instruiren.  Er  sagte:  Ja,  ich  will  es  dem 
Churfürsten  proponiren,  und  wenn  es  bey  mir  steht, 


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333 

so  geschieht  es  gewiss.  Nachmittag  war  ich  bey 
Cannabich,  und  weil  ich  auf  sein  Anrath cn  zum 
Grafen  gegangen  bin.  so  fragte  er  mich  deich,  ob 
ich  dort  war?  —  Ich  erzählte  ihm  Alles.  Er  sagte 
mir:  Mir  ist  es  sehr  lieb,  wenn  Sie  den  Winter 
bey  uns  bleiben;  aber  noch  lieber  wäre  es  mir,  wenn 
Sie  immer  und  recht  in  .Diensten  wären.  Ich  sagte, 
ich  wollte  nichts  mehr  wünschen,  als  dass  ich  immer 
um  Sie  seyn  könnte,  aber  auf  beständig  wusste  ich 
wirklich  nicht,  wie  das  möglich  wäre.  Sie  haben 
schon  zwey  Kapellmeister,  ich  wiisste  also  nicht, 
was  ich  seyn  könnte,  denn  dem  Vogler  möchte  ich 
nicht  nachstehen!  jpas  sollen  Sie  auch  nicht,  ent- 
gegnete er  mir,  denn  hier  steht  kein  Mensch  von 
der  Musik  unter  dem  Kapellmeister,  nicht  einmal 
unter  dem  Intendanten.  Der  Churfürst  könnte  Sie 
ja  zum  Kammer  -Compositeur  machen.  Warten  Sie, 
ich  werde  mit  dem  Grafen  darüber  sprechen.  Don- 
nerstag darauf  war  grosse  Akademie  5  als  mich  der 
Graf  gesehen  hatte,  bat-  er  mich  um  Verzeihung, 
dass  er  noch  nichts  geredet  habe,  indem  jetzt  di* 
Gallatage  sind,  so  bald  aber  die  Galla  vorbey  seyn 
Wird,  nämlich  Montag,  so  wird  er  gewiss  reden.  Ich 
Hess  dreyTage  vorbey  gehen,  und  als  ich  gar  nichts 
hörte,  so  ging  ich  zu  ihm,  um  mich  zu  erkundigen» 
Er  sagte :  Mein  lieber  Mozart  (das  war  Freytag, 
nämlich  gestern),  heute  war  Jagd,  mit  hin  habe  ich 
den  Churfürsten  unmöglich  fräsen  können ;  aber  mor- 
gen  um  diese  Zeit  werde  ich  Ihnen  gewiss  eine  Ant- 
wort sagen  können.  Ich  bat  ihn,  er  möchte  es  doch 
nicht  vergessen.  Die  Wahrheit  zu  gestehen,  so  war 
ich,  als  ich  weg  ging,  ein  wenig  aufgebracht,  und 


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334  ■ 

entschlosa  mich  also,  meine  leichtesten  sechs  Varia- 
tion* über  den  Fischer -Menuett,  die  ich  schon  ei- 
gends  wegen  diess  hier  aufgeschrieben  habe,  dem 
jungen  Grafen  zu  bringen,  um  Gelegenheit  zu  ha- 
ben, mit  dem  Churfiirsten  selbst  zu  reden.  Als  ich 
hin  kam,  so  können  Sie  sich  die  Freude  nicht  vor- 
stellen von  der  Gouvernante«  Ich  ward  sehr  hoflich 
empfangen,  und  als  ich  die  Variationen  herauszog 
und  sagte,  dass  sie  für  den  Grafen  gehören,  sagte 
sie:  O,  das  ist  brav,  aber  Sie  haben  ja  doch  für 
die  Comtesse  auch  was?  —  Jetzt  noch  nicht, ^sagte 
ich,  wenn  ich  aber  noch  so  lange  hier  bleibe,  dass 
ich  etwas  zu  schreiben  Zeit  habe,  so  werde  ich  — 
A  propos,  sagte  sie,  das  freut  mich,  Sie  bleiben  den 
ganzen  Winter  hier.   Ich?  —  da  weiss  ich  nichts! 

 Das  wundert  mich,  das  ist  curios.  Mir  sagte 

es  neulich  der  Churfürst  selbst.  A  propos,  sagte  er, 
der  Mozart  bleibt  den  Winter  hier.  Nun,  wenn  er 
es  gesagt  hat,  so  hat  es  derjenige  gesagt,  der  es  sa- 
gen kann;  denn  ohne  den  Churfiirsten  kann  ich 
natürlicher  Weise  nicht  hier  bleiben.  Ich  erzählte 
ihr  nun  die  ganze  Geschichte.  Wir  wurden  einig, 
dass  ich  morgen,  als  heute  nach  vier  Uhr  hinkom- 
men und  für  die  Comtesse  etwas  mitbringen  würde. 
Sie  werde,  ehe  ich  komme,  mit  dem  Churfiirsten 
reden,  und  ich  werde  ihn  noch  antreffen.  Ich  bin 
heute  hingegangen,  aber  er  ist  nicht  gekommen. 
Morgen  werde  ich  aber  hingehen.  Ich  habe  für  die 
Comtesse  ein  Rondo  gemacht.  Habe  ich  nun  nicht 
Ursache  genug,  hier  zu  bleiben  und  das  Ende  ab- 
zuwarten? —  Sollte  ich  etwa  jetzt,  wo  der  grösste 
Schritt  gethan  ist,  abreisen?  —   Jetzt  habe  ich  Ge- 


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3.1.5 

Diesen  Winter,  glaube  ich,  werde  ich  wohl  ver- 
muthlich  hier  bleiben;  denn  der  Churfurst  hat  mich 
lieb,  hält  viel  auf  mich,  und  weiss,  was  ich  kann. 
Ich  hoffe,  Timen  im  künftigen  Briefe  eine  gute  Nach- 
richt geben  zu  können.  Ich  bitte  Sie  noch  ein  Mal, 
sich  mc  in  zu  irun  zu  n  euen ,  ouer  zu  sorgen ,  unu 
die  Geschichte  keinem  Menschen  als  Hrn.  Bullinger 

ich  meiner  Schwester  das  Allegro  und  Andante  von 
der  Sonata  für  die  Mad*U«.  Cannabich$*)  das  Rondo 
folgt  nächstens.  Es  wäre  zu  dick  gewesen,  Alles 
zusammen  zu  schicken.  Sie  müssen  schon  mit  dem 
Originale  vorlieb  nehmen.  Sie  können  sich  es  leich- 
ter um  6  Xr.  den  Bogen  abschreiben  lassen,  als  ich 
um  %4  Xr.   Finden  Sm  das  nicht  theuer? 

» 

•  ■  •  *  •      •  > 

"  Manheim,  den  3.  Decbr,  197*. 

•  * 

Noch  kann  ich  gar  nichts  Gewisses  schreiben 
wegen  meinen  Ümständen  hier.  Vergangenen  Mon- 
tag hatte  ich  das  Glück,  nachdem  ich  drey  Tage 
nach  einander  Vor-  und  Nachmittags  zu  den  Kin- 
dern  hingegangen,  den  Churfiirstcn  endlich  anzutref- 
fen. Wir  haben  zwar  Alle  geglaubt,  es  wird  die 
Mühe  wieder  umsonst  seyn,  weil  es  schon  spät  war. 
Doch  endlich  sahen  wir  ihn  kommen.  Die  Gouver- 
nante liess  gleich  die  Comtesse  zum  Claviere  sitzen, 

•  *  .    *  * 

•)  Von  dieser  Sonate  schrieb  der  Vater  in  einem  Briefe  an  den 
Sohn  vom  n.  Derbr.  1779  folgende«  Urthcil :  „Die  Sonata 
ist  sonderbar!  Sie  hat  Etwas  vom  verma nitrirten  Manhei- 
mer Goät  darinnet  doch  nur  so  weni^^  dass  Deine  gute  Art 
nicht  dadurch  verdorben  wird"  «—  — 


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336 

und  ich  setzte  mich  neben  ihr  und  gab  ihr  Lection, 
und  so  sali  uns  der  Churfurst,  als  er  herein  kam« 
Wir  standen  auf;  aber  er  sagte,  wir  sollten  fort- 
machen« Als  sie  ausgespielt  hatte,  nahm  die  Gou- 
vernante das  Wort  und  sagte,  dass  ich  ein  schönes 
Rondo  geschrieben  hätte.  Ich  spielte  es  und  es  ge- 
fiel ihm  sehr.  Endlich  fragte  er:  Wird,  sie  es  aber 
wolil  lernen  können?  —  O  ja,  ich  wollte  nur  wün- 
schen, dass  ich  das  Glück  hätte,  ihr  es  selbst  zu 
lehren.  Er  schmutzte  und  sagte:  Mir  wäre  es  auch 
lieb;  aber  würde  sie  sich -nicht  verderben,  wenn  sie 
zweyerley  Meister  hätte?  —  Ach  nein,  Ew.  Durch- 
laucht, es  kömmt  nur  darauf  an,  ob  sie  einen  gu- 
ten, oder  einen  schlechten  bekömmt.  Ich  hoffe, 
E\V.  Durchlaucht  würden  nicht  zweifeln.  werieji 

Vertäuen  auf  mich  haben  O  das  gewiss,  sagte 

er.  Hierauf  sagte  die  Gouvernante:  Hier  hat  Mr. 
Mozart  Variations  über  den  Menuett  von  Fischer 
für  den  jungen  Grafen  geschrieben.  Ich  spielte  sie 
auch,  und  sie  gefielen  ihm  sehr.  Nun  scherzte  er  mit 
der  Comtesse,  da  bedankte  ich  mich  für  das  Präsent. 
Er  sagte:  Nun,  ich  werde  darüber  denken ;  wie 
lange  will  Er  denn  hier  bleiben?  —  So  lange  Ew. 
Durchlaucht  befehlen,  ich  habe  gar  kein  Engage- 
ment, .ich  kann  bleiben,  so  lange  Ew.  Durchlaucht 
befehlen.  Nun  war  Alles  vorbey.  Ich  war  heute 
Morgens  wieder  dort,  da  sagte  man  mir,,  dass  der 
Churfurst  gestern  abermals  gesagt  hatte,  der  Mozart  _ 
bleibt  diesen  JVinter  liier \  IjJun  sind  wir  so  weit 
gekommen,  dass  ich  doch  warten  muss.  Heute  habe 
ich  bey  Wendling  gespeis't.  Vor  dem  Essen  kam 
Graf  Savioli  mit  dem  Kapellmeister  Schweitzer,  der 


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gestern  Abehds  angekommen,  hin,  Savioli  sagte  zu 
mir;  Ich  habe  gestern  abermals  mit  dem  Churfür* 
sten  gesjproclien  ,  er  hat  sich  aber  noch  nicht  resol~ 
virt.  Ich  sagte  au  ihm ,  ich  muss  mit  Ihnen  ein  paar 
Worte  sprechen.  Wir  gingen  ans  Fenster;  Ich  sagte 
ihm  die  Zweifel  des  Churfiirsten,  'beklagte  mich, 
dass  es  gar  so  länge  hergeht,  dass  ich  schon  so  viel 
hier  ausgegeben ,  hat  ihn,  «r  möchte  doch  machen, 
dass  mich  xler  Chuifiirst  auf  beständig  nehme,  indem 
ich  fürchte,  dass  er  mir  den  Winter  so  wenig  geben 
wird,  dass  ich  etwa  ^ar  nicht  hier  bleiben  kann. 
Er  soll  mir  Arbeit  gehen,  ich.  arbeite  gem.  Er  sagte 
mir,  er  würde  es  ihm  gewiss  so  proponiron.  Heute 
Abends  könnte  es  zwai  nicht  seyn,  indem  er  heute 
nicht  nach  Hofe  kömmt  3  aber  morgen  »-verspricht  er 
mir  gewisse  Antwort.  Nun  mg'  geschehen^  was 
will«  Behalt  er  mich  nicht ,  so  dringe  ich  auf  ein 
Reisegeld*  denn  das  Rondo  und  die  Variation»  schen- 
ke ich  ihm  nicht»  Ich  versichere  Sie,  dass  ich  so  " 
ruhig  bey  der  Sache  hin^  weil  ich  gewiss  weiss,  dass 
es  nicht  anders  als  gut  gehen  kann,  es  mag  gesche- 
hen was  will.  —  —  — 

•  *  •  *  ,'.«•%•• 

'.Manheim,  den  10.  Dechr,  1777. 

Hier  ist  dermalen  Nichts  mit  dem  Churfürsten. 
Ich  war  vorgestern  in  der  Akademie  bey  Hofe ,  um 
eine  Antwort  zu  bekommen«  Der  Graf  Savioli  wich 
mir  ordentlich  aus,  ich  ging  aber  auf  ihn  zu,  und 
als  er  mich  sah,  schupfte  er  die  Achseln.  Was, 
sagte  ich,  noch  keine  Antwort?  —  Bitte  um  Ver- 
gebung, sagte  er,  aber  leider  Nichts*  —  Eh  bien, 
antwortete  ich,  das  hätte  mir  der  Churfürst  eher  sa- 

22 

< 

,  Digitized  by  Google 


an 


g<*n  können.  Ja,  sagte  er,  er  hätte  sich  noch  nicht 
resolvirt,  wenn  ich  ihn  nicht  dazu  getrieben  und 
ihm  vorgestellt  hatte,  das*  Sie  sclwn  so  lange  hier 
sitzen  und  im  Wirtlishause  Ihr  Geld  verzehren. 
Das  verdriesst  mich  auch  am  meisten,  versetzte  ich, 
das  ist  gar  nicht  schön.  Uebrigens  bin  ich  Ihnen, 
Herr  Graf,  sehr  verbunden,  nnd  bitte  im  Namen 
meiner  beym  Cburfiirsten  zu  bedanken  für  die  zwar 
.späte,  doch  gnadige  Nachricht,  nnd  ich  versicherte 
ihn,  dass  es  ihn  gewiss  niemals  gereuet  hatte y  wenn 
er  mich  genommen  hätte.  O,  sagte  er,  von  diesem 
bin  ich  mehr  versichert,  als  Sie  es  glauben.  Ich 
erzählte  Jiernach  diese  Resolution  Herrn  Wendling, 
welcher  völlig  roth  WTirde  und  ganz  hitzig  sagte: 
Da  müssen  wir  Mittel  finden,  Sie  müssen  hier  blei- 
ben, wenigstens  die  zwey  Monate,  bis  wir  hernach 
mit,  einander  nach  Paria  gehen.  — 
-  Den  andern  Tag  kam  ich  wie  sonst  zum  Wend- 
ling, zum  Speisen,  da  sagte  er  mir:  Unser  Indianer 
(das  ist  ein  Holländer,  der  von  seinen  eigenen  Mit- 
teln lebt,  Liebhaber  von  allen  Wissenschaften  und 
ein  grosser  Freund  und  Verehrer  von  -mir)  ist  halt 
doch  ein  rarer  Mann.  Er  giebt  Ihnen  200  fl.,  wenn 
Sie  ihm  dtey  kleine\  leichte  und  kurze  Concerte  und 
ein  paar  Quattro  auf  die  Flöte  machen.  DurcJi  den 
Cannabich  bekommen  Sie  wenigstens  zwey  Scholaren, 
die  gut  bezahlen.  Sie  machen  hier  Düetti  auf  das 
Ciavier  und  eine  Violine  auf  Subscription,und  las- 
^eti  selbe  stechen.  Tafel  haben  Sie  sowold  Mittags 
als  Abends  bey  uns.  Quartier  liaben  Sie  für  sich 
hey  Herrn  Hof  -  Kammer  rath  Serarius;  das  kostet 
Ihnen  4llcs  Nichts.  >  — 


339  - 

Ich  werde'  die-zwey  Monate  hindurch  genug  zu 
schreiben  haben,  3  Cohcerte,  2  Quartetten,  4  oder 
6  Duetü  auf  Ciavier,  und  dann  habe  ich  auch  im 
Sinne,  eine  neue  grosse 


*  •  .  • 


Der  Vater  an  den  Sohn. 

■  *  i  •      •  • 

Salzburg,  «Jen  18.  Decbr.  1777* 
—  Nun  muss  ich  Dir  gründlich  schreiben.  Du 
t,  wie  viele  Jahre  man  unsere  Geduld  in  Salz- 
burg auf  die  Probe  gesetzt;  Du  weisst,  wie  oft  Du 
und  ich  davon  zu  gehen  Lust  hatten.   Es  wird  Dir 
noch  erinnerlich  seyn,  Was  ich  für  Einwendungen 
machte,  die  uns  verhinderten,  Salzburg  ALU  zu  ver- 
lassen. Du  hast  nun  die  Probe  davon  —  grosse  Un- 
kosten auf  den  Reisen,  und  nicht  viel  oder  wenig- 
stens nicht  hinlängliche  Einnahme,  solche  mit  einer 
ganzen  Familie  zu  bestreiten.    Dich  allein  reisen  zu 
lassen,  war  damals  nicht  möglich 5  Du  weisst,  dass 
Du  auf  Alles  allein  Acht  zu  haben  — '  Dir  selbst  ein 
und  Andere*,  ohne  fremde  Hilfe,  zu  thun  nicht  ge- 
wohnt —  mit  den  Geldsorten  wenig,  mit  auswärti- 
gen aber  gar  nicht  bekannt  warst,  vom  Einpacken 
und  derley  vielen  auf  Reisen  vorkommenden  Not- 
wendigkeiten nicht  den  mindesten  Begriff  hattest. 
Ich  stellte  Dir;  oft  vor,  dass  Du  (wenn  Du  auch  bis 
ein  paar  Jahre  über  das  Zwanzigste  hinaus  in  Salz- 
burg bleibst)  nichts  verlierst,  da  Du  unterdessen  Ge- 
legenheit hast,  Dich  in  andern  nützlichen  Wissen- 
schaften in  Etwas  umzusehen»   und  durch  Lesuiju 
guter  Bücher  in  verscluedenen  Sprachen  die  Ver- 
nunft mehr  auszubilden,  und  Dich  in  Sprachen  zu 

22* 


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340 

üben.  Ich  «teilte  Dir  finier  w,  dawr  ein  junger 
•  Arensch «  wenn  er  auch  vom  Himmel  gefallen,  über 
alle  ^Meister  hinweg  nähe;  dennoch ••■die  Achtung-  nie* 
mals  zmrttben  wiwU^ddeer rertjiewwi  dazu  will  es 
gewisse  Jahre  haben,  und  so  lange  man  unter  zwan- 
zig Jahren  ist,  wissen  die  Neider  ^Feinde  und  Ver- 
folger den  Stöff  ihres :  Tadels  und  ihrer  zu  machen- 
den AfisstellüH gert"feue"  lle*  Jugend,  den  wenigen  Jah- 
ren , .  bu  wenigem  Ansehen  und  Erfahrenheit  heraus 
zu  ziehen«  ■  Und  zweifelst  Du  etwa ,  dass  dergleichen 
dornt  Cbixrfürsten  .  .wegen;  Unter^weistihg'  Äeh  ■  Kmdei 
beigebracht  worden»  Ferner  ibin« ' dich  W /wenig 
vom  Kriechen  ein  Liebhaber  als  Du,  and  Du  wirst 
Dich  erinnerny  dasä  ich  Dir  wegew  München  ge- 
schrieben, Ba  .  solltest  «Dich  nicht,  hinwerfen  $  nnd 
alle  diese  Bemühung,  durch  ^ine  Versammlung  von 
zehn  Personen  es- dahiar^  hringe«,  uni  iallda  blek 
benf  zu  können,  war  mir-  zu  hriechefi&  JUlein  Du 
warst  durch  das  Zureden  gutherzige*  üntfr  Wohlmei- 
nender Freunde  dazu  bewogen  5  das  sind  Strohfeuer; 
die  geschwind  aufbrennen  —  undn  sich  mit  -einem 
Rauch  enden.  Dass  ich  Dir  jetzt  «inert  Platz '  ge- 
wünscht hätte,  hat  seine  Richtigkeit,  aber,  nur  einen 
solchen  Platz,  wie  München  oder  'Manheim,  oder 
auch  einen  andern,  NB.  wo  Dil  zu  Zeiten  eine  Reise 
zu  machen  nicht  gehindert  wärest  5  attefc  meine tlial- 
ben  keinen  Platz  jper  Decretam  auf  lebenslang.  Hät- 
test Du  einen  solchen  Platz  auch  nur  auf  ein  paar 
Jahre,  so  würden  Dir  die  Reisen  nach  Frankreich 
und  Italien  nicht  ausbleiben.  Man  kömmt  durch  die 
Jahre  und  durch  den  Titel,  den  man  als  ein  Com- 
positeur  eines  Churfürsten  etc*  hat,  in  mehr  Ansehen 


341 

und  Respect  etc.;  das  weisst  Dtt  gelbst.  Das  ist  nun 
auch  mein  Gedanke  wegen  München;  so  bald  man 
nur  auf  eine  Zeit  einen  Platz  sucht,  so  ist  es  gewiss 
nicht  Iriechend,  weil  man  nur  dadurch  Gelegenheit 
sucht*  das,  was  .man  kann  und  versteht, 'zeigen  zu 
können,  d<*  bejr  'allen  Höfen  Leute  sind,  die  es  zu 
verhindern  suchen ,  da ,  um  sich '  recht  zu  zeigen, 
Zeit  und  Gelegenheit  erfordert  wird.  —  Dem  Wolf- 
gang hat  Niemand  mehr  entgegen  gearbeitet,  als  "der 
Herr  Vogler.'  Das  sagte  ich  'immer  voraus  zu  Hrn. 
Bullinger  und' Nannerl,  — 

.  .       .....    r;..  •  :  . 

Der  Sohn  an  dcn  V^tcr.,  .  m4  t  .• 

•  •  «•  - 

Mäfthdifia,  dten  18.  Decbr.  1777. , 

Heute  ist  ein  vornehmer  Lutheraner  zu  uns  ge- 
kommen und  hat  mich  mit  aller  Höflichkeit  einge- 
laden, ihre  neue  Orgel  in  der  lutherischen  Kirche 
zu  probiren;    es  waren  alle  hiesigen  Kapellmeister 

um  3  Uhr  probirt  wurde,  ist  sehr  gut,  sowohl  im 
ganzen  Pieno,  als  in  einzelnen  Registern*  Vogler 
hat  sie  gespielt.  Er  ist,  so  zu  sagen,  nichts  als  ein 
Hexenmeister;  denn  so  bald  er  etwas  majestätisch 
spielen  will,  so  verßült  er  ins  Trockene,  und  man 
ist  ordentlich  froh,  •  dass  ihm  die  Zeit  gleich  lang 
wird  und  mithin  nicht  lange  dauert,  allein  was  folgt 
hernach?  —  Ein  unverständliches  Gewäsch.  Ich  habe 
ihm  von,  ferne  zugehört.  Hernach  fing  er.  eine  Fuge 
an,  wo  6  Noten  auf  einen  Ton  waren  und  Presto. 
Da  ging  ich  hinauf  &u  ihm ,  denn  ich  will  ihm  in 
der  That  lieber  zusehen,  als  zuhören.     Es  waren 


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34a 

.im  ii  ' 

«ehr  viele  Leute  da,  auch  von  der  Musik ,  als  Holz- 
bauer, Gannabich,  Toeschi  etc.  —  —  — 

•  "     *  a  ■ 

Manheim,  den  217.  Decbr.  1777. 

• 

— -  —  —  Neulich  bin  ich  mit  dem  holländi- 
schen OJücier,  Mr.  de  la  Pottrie,  in  die  reforrairte 
Kirche  gegangen  und  habe  1|  Slundo  auf  der  Orgel 
gespielt.  Es  ist  mir  auch  recht  vom  Herzen  gegan- 
gen. Nächstens  werden  wir,  nämlich  die  Cannabich  • 
sehen,  Wendling'schen ,  Serarius'schen  und  Mozart  - 
sehen,  in- die  lutherische  Kirche  gehen,  und  da  wer- 
de ich  mich  auf  der  Orgel  köstlich  divertiren.  Das 
Picno  habe  ich  schon  bey  derselben  Prohe,  wovon 
ich  geschrieben  habe,  probirtj  habe  aber  nicht  viel 
gespielt,  nur  ein  Präludium,  und  dann  eine  Fuge.— 

Manheim,  den  17.  Januar  1778. 
Künftigen  Mittwoch  werde  ich  auf  etliche  Tage 
1    nach  Kirchheim -Poland  zu  der  Prinzessin  von  Ora- 
nien  gehen; -  man  hat  mir  hier  so  viel  Gutes  von  ihr 
gesprochen,  dass  ich  mich  endlich  entschlossen  habe. 
1'jin  jioiianaiscner  uiiiciei ,  aer  mein  guter  Jrreunu 
ist,   ist  von  ihr  entsetzlich  ausgescholten  worden, 
dass  er  mich,  als  er  hinüber  kam,  ihr  das  Neujahr 
an  zu  wünschen,   nicht  mitgebracht  habe.    Auf  das 
Wenigste  bekomme  ich  doch  acht  Louisd'or;  denn 
weil  sie  eine  ausserordentliche  Liebhaberin  vom  Sin- 
gen ist,  so  habe  icli  ihr  vier  Arien  ahschreiben  las- 
sen, und  eine  Symphonie  werde  ich  ihr  auch  geben, 
denn  sie  hat  ein  ganz  niedliches  Orchester  und  giebt 
alle  Tage  Akademie.   Die  Copiatur  von  den  Arien 
wird  mich  auch  nicht  viel  kosten,  denn  die  hat  mir 
ein  gewisser  Herr  Weber,  welcher  mit  mir  hinüber 


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343 


eehen  wird,  abgeschrieben«  Dieser  hat  eine  Tochter, 
die .  vortrefflich  gingt  und  eine  schöne  reine  Stimme 
hat,  und  erst  15  Jahre  alt  ist«  Es  geht  ihr  nichts 
als  die  Action  ab,  dann  kann  sie  auf  jedem  Theater 
die  Prima  dorma  machen.  Ihr  Vater  ist  ein  grund- 
ehrlicher deutscher  Mann,  der  seine  Kinder  gut  er- 
zieht, und  diess  ist  eben  die  Ursache,  warum  das 
Mädel  hier  verfolgt  wird.  Er  hat  6  Kinder,  5  Mä- 
del und  einen  Sohn.  Er  hat  sich  mit  Frau  und  Kin- 
dern 14  Jalire  mit  200  iL  begnügen  müssen,  und 
weil  er  seinem  Dienste  allezeit  gut  vorgestanden  und 
dem  Churfürsten  eine  sehr  geschickte  Sängerin  ge- 
stellt hat,  so  hat  er  nun  —  ganze  400  fl.  Mciue 
Arie  von  der  De  Amicis.  mit  den  entsetzlichen  Fas- 
sagen  singt  sie  vortrefflich;  sie  wird  diese  auch  zu 
Kiichlieim-Poland  singen.  — 

Nun  etwas  Anderes.  Vergangenen  Mittwocli  war 
in  unserm  Hause  ein  grosses  Tractament,  und  da 
war  ich  auch  dazu  eingeladen.  Es  waren  15  Gäste, 
und  die  Mad»ell°  vom  Hause  sollte  auf  den  Abend 
das  Concert,  welches  ich  sie  gelehrt,  spielen.  Um 
11  Uhr  Vormittags  kam  der  Hr.  Kammerrath  mit 
dem  Herrn  Vogler  zu  mir  herein.  Der  Hr.  Vogler 
fcat  ahsolument  mit  mir  recht  bekannt  werden  wol- 
len, indem  er  mich  schon  so  oft  geplagt  hatte,  zu 
ihm  zu  kommen,  so  hat  er  endlich  doch  seineu 
Jlochmuth  besiegt,  und  hat  mir  die  erste  Visitc  ge- 
macht. Ueberhaupt  sagen  mir  die  Leute,  dass  er 
jetzt  ganz  anders  sey,  weil  er  dermalen  nicht  mehr 
so  bewundert  wird;  denn  die  Leute  haben  ihn  an- 
fangs zu  einem  Abgott  gemacht.  Ich  »ging  also  mit 
ilun  gleich  hinauf,  da  kamen  so  nach  und  nach  die 


Gäste,  und  wurde  nichts  als  geschwatzt.  Nach  Tische 
aber  Hess  er  zwey  Claviere  von  ihm  holen,  welche 
zusammen  stimmen,  und  auch  seine  gestochenen  lang- 
weiligen Sonaten,   Ich  musste  sie  spielen  und  er  ac- 
compagnirte  mir  auf  dem  andern  Claviere  dazu.  Ich 
musste  auf  seiu  so  dringendes  Bitten  auch  meine  So- 
naten holen  lassen.  NB.  Vor  dem  Tische  hat  er  mein 
Concert  (welches  die  Mademoiselle  vom  Hause  spielt 
und  das  von  der  Litzau  ist)  prima  viata  —  herab- 
gehudelt. Das  erste  Stück  ging  prestissimo,  das  An- 
dante allegro  und  das  Rondo  wahrlich  prestissimo. 
Den  Bass  spielte  er  meistens  anders  als  es  stand,  und 
bisweilen  machte  er  eine  ganz  andere  Harmonie  und 
auch  Melodie.    Es  ist  auch  nicht  anders  möglich  in 
der .  Geschwindigkeit  $    die  Augen  können  es  nicht 
sehen  und  die  Hände  nicht  greifen.  Ja,  was  ist  denn 
das?  mm  so  ein  Prima  vista  spielen,  und  —  ist  bey 
mir  einerley.   Die  Zuhörer  (ich  meyne  diejenigen, 
die  würdig  sind,  so  genannt  zu  werden)  können  nichts 
sagen,  als  dass  sie  Musik  und  Ciavierspielen  —  ge- 
sehen haben.    Sie  hören,  denken  und  —  empfinden 
so  wenig  dabey  —  als  er.    Sie  können  sich  leicht 
vorstellen,  dass  es  nicht  zum  Ausstehen  war,  weil 
ich  es  nicht  gerathen  konnte,  ihm  zu  sagen:  Viel 
zu  geschwind.   Uebrigens  ist  es  auch  viel  leichter, 
eine  Sache  geschwind,  als  langsam  zu  spielen 5  man 
kann  in  Passagen  etliche  Noten  im  Stiche  lassen, 
ohne  dass  es  Jemand  merkt 5  ist  es  aber  schön?  — 
Man  kann  in  der  Geschwindigkeit  mit  der  rechte» 
und  linken  Hand  verändern,  ohne  dass  es  Jemand 
sieht  und  hört 5  ist  es  aber  schön?  —  Und  in  was 
besteht  die  Kunst,  prima  vista  zu  lesen?  In  diesem: 


das  Stück  im  rechten  Tempo,  wie  es  seyn  «oll,  zu 
spielen,  alle  Noten,  Vorschläge  etc.  mit  der  gehöri- 
gen Expression  und  Gusto,  wie  es  steht,  auszudrük- 
ken,  so  dass  man  glaubt,  derjenige  hätte  es  selbst 
eomponirt,  der  es  spielt.  Seme  Applicatur  ist  auch 
miserabel:  der  linke  Daumen  ist  wie  beym  seligen 
Adlgasser,  und  alle  Läufe  herab  mit  der  rechten  Hand 
macht  er  mit  dem  ersten  Finger  und  Daumen*  — 


Unterdessen  hatte  der  Vater  vor  Empfang  dieses 
vorhergehenden  Briefes,  also  einige  Wochen  früher 
schon  folgenden  Brief  an  Pater  Martini  in  Bologna 
geschrieben ; 

8a!tburg,  den  aa.  Doo.  1777. 

Tandem  aUquando!  Es  ist  ein  Jahr«  dass  mein 
Sohn  Ihnen  auf  Ihr  geneigtes  Schreiben  vom  18ten 
Dec.  v.  J.  die  Antwort  schuldig  ist,  in  welchem  Sie 
die  Güte  hatten,  der  Motette  zu  vier  realen  Stim- 
men Ihren  Beyfall  zu  schenken;  indem  Sie  zugleich 

Portrait  zu  erhalten*  Ich  zögerte  bis  jetzt,  aus  Man- 
cel  eines  geschickten  Malers.  Ihnen  damit  aufzuwar- 
ten.  Es  fehlt  nämlich  ein  solcher  in  unserer  Stadt, 
und  ich  hoffte  immer,  es  möchte  ein  geschickter 
Künstler  hierher  kommen,  wie  das  manchmal  ge- 
schieht. Somit  zauderte  ich  von  Zeit  zu  Zeit.  End- 
lich aber  war  ich  gezwungen,  mich  zu  entschliessen, 
das  Portrait  von  einem  hiesigen  Maler  verfertigen 
zu  lassen.  — •  Hören  Sie  nun  unsere  Geschichte  l  Es 
sind  bereits  fünf  Jahre,  dass  mein  Sohn  unsenn 
Fürsten  für  ein  Spottgeld  von  n  ü.  30  Xr.  (R.  W.) 


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I 


V 

in  dei?  Hoffnung  dient,  dass  nach  und  nach  seine 
Bemühungen  und  wenige  Geschicklichkeit,  vereint 
mit  dem  grössten  Fleisse  und  ununterbrochenen  Stu- 
dien, würden  beherzigt  werden:  allein  wir  landen 
uns  betrogen.  Ich  unterlasse  es ,  eine  lange  Beschrei- 
bung der  Denkungs-  und  Mandlungsweise  unseres 
Fürsten  zu  machen;  genug,  er  schämte  sich  nicht, 
zu  sagen,  das  mein  Sohn  nichts  wisse,  dass  er  nach 
Neapel  in  ein  Musik- Conservatorium  gehen  solle,  um 
Musik  zu  lernen  —  und  alles  dieses,  warum? 
Um  zu  verstehen  zu  geben,  ein  solcher  junger  Mensch 
solle  nicht  so  albern  seyn,  sich  selbst  zu  überzeugen, 
er  verdiene  etwas  mehr  Besoldung,  nachdem  diese 
bestimmten  Worte  aus  dem  Munde  eines  Fürsten 
hervorgegangen.  Das  Uebrige  wird  man  nach  und 
nach  in  Italien  erfahren;  ja,  ich  zweifle,  ob  es  nicht 
fichon  bekannt  ist.  Diess  hat  mich  denn  bewogen, 
meinem  Sohne  zu  erlauben,  seinen  Dienst  zu  ver- 
lassen; er  ist  also  am  23sten  Septbr.  von  Salzburg 
abgereist,  und  nachdem  er  sich  einige  Zeit  an  dem 
Churfürstlichen  Hofe  zu  München  aufgehalten,  ist  er 
nach  Manheim  gegangen,  wo  er  sich  sein-  wohl  be- 
endet, und  sich  Ihnen  ergebenst  empüelilt.  Sein 
Aufenthalt  in  Manheim  wird  bis  Anfang  Märzes,  näm- 
lich bis  Ende  des  Faschings  dauern,  uud  in  der  fol- 
inenden  frästen ,  wenn  Gott  will,  wieder  zu  Paris 
-seyn.  Diess  ist  denn  auch  die  Ursache  meines  Ent- 
schlusses, vor  seiner  Abreise  noch  sein  verlangtes 
Portrait  verfertigen  zu  lassen,  und  unserm  lieben 
Herrn  Pater  damit  zu  dienen«  Wenn  es  Ihrer  Güte 
gefallig  wäre,  Sr.  Durchlaucht  dem  Churfursten  eine 
gute  Idee  und  vortheihafte  Schilderung  von  meinem 


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\ 


347 

Sohne  bevzubrineen .  so  würden  Sie  etwas  wahrhaft 
Gutes  thun;  zwey  Worte  von  Ihnen  haben  mehr 
Gewicht,  als  die  Empfehlung  manches  Fürsten»  Ich 
schmeichle  mir,  dass  dieses  vielleicht  beyAnlass  des 
neuen  Jahres  möglich  wäre.  Aber  im  Fall  dieses 
Gemälde  noch  nicht  in  Ihren  Händen  ist,  werden 
Sie  fragen :  Wo  ist  es  denn  ?  Ich  habe  es  dem  Hause 
Siegmund  Haffner,  dem  Grosshändler  zu  Salzburg,  » 
eingehändigt,  der  es  mit  sich  auf  die  Messe  St.  An- 
drea nach  Bötzen  genommen  hat,  von  wo  aus  er  es 
Ihnen  zu  übermachen  suchen  wird.»  Vielleicht  ist  es 
an  Hm.  Prinsechi  in  Bologna  adressirt.  Die  Malerey 
hat  wenig  Werth,  aber  was  die  Aehnlichkeit  betrifft/ 
so  versichere  ich  Sie,  dass  es  ihm  ganz  und  gar  ähn- 
lich sieht.  Hinter  dem  Gemälde  habe  ich  seinen 
Namen  und  sein  Alter  verzeiclmet,  und  hege  noch 
eine  andere  Idee,  nämlich  Ihnen  die  ersten  seiner 
Compositionen  zu  senden  5  ich  meyne  seine  Clavier- 
sonatcu  für  die  Mad.  Victoire,  im  Alter  von  sieben 
Jahren  componirt,  und  in  Paris  gestochen;  jene  für 
die  Königin  von  England,  geschrieben  im  Alter 
von  acht  Jahren,  und  gestochen  zu  London;  jene 
für  die  Herzogin  von  Nassau -Weilburg,  componirt 
im  Alter  von  neun  Jahren,  und  gestochen  zu  liaag 
in  Holland,  und  dergleichen  mehr«  Diesen  werde 
ich  dann  eine  kleine  üebersicht  seiner  merkwürdig- 
sten Reisen  beyfugen.  In  Rücksicht  meines  Portraits 
glaube  ich  nicht,  dass  mein  Gesicht  verdient,  zu 
Männern  von  Talent  gesellt  zu  werden;  doch  wenn 
Sie  es  verlangen,  so  werde  ich  trachten,  Ihnen  Ge- 
nüge zu  leisten,  aber  ohne  dass  ich  mir  ein  anderes 
Verdienst  beymäase,  als  dass  ich  meine  Pflicht  erfül- 

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3<IS 


let,  das  Talent  zu  bilden,  das  der  gutige  Gott  mei- 
nem Söhne  gegeben  hat;  Erhalten  Sie  uns  Ihre  Ge- 
wogenheit und  Ihren  Schutz,  und  sorgen  Sie  für  dio 
Erhaltung  Ihrer  Gesundheit  eto.-  ' 

tLuiix  neuen  Jahre  wünsche  ich  Ihnen  gute  Ge- 
sundheit:  anderes  Glück  haben  Sie  nicht  nöthig; 
und  bitte  Gott,  dass  er  sage:  Amen! 

Leopold  Mozart  m.  p. ... 

zi  rs  r:. •.      D*f  Vater  an  Beyde. 

,  ßalsbnrg,  den  a6.  Januar  1778. 

V  feuern  Brief  vom  ITten  d.  M.  habe  ich  erhalten. 
Gott Xob,  Dir  seyd  gesund,  —  wir  auch.  P.  Mae-, 
stro  Martini  hat  mir  geantwortet,-  er  hat  aber  das 
Portrait  noch  nicht  in  Händen,  denn  es  ist  mit 
Waaren  gepackt,  folglich  geht  es  mit  Pulirleuten  sehr 
langsam.  Er  la'sst  dem  Wolfgang  tausend  Compli- 
mente  melden.  Er  wird >  wie  er  schreibt,  dem  Sign. 
Raff  schreiben,  dass  er  aus  seiner  Commission  und 
in  seinem  Namen  dem  Churfürsten  alles  Erdeukliclio 
von  Dir  sagen  und  nach-  Verdienste  von  Dir  anrüh- 
men  sott.   •  5 

.  •  .  1 

Von  Manheim  möchte  der  junge  Mozart  einen 

kleinen  Ausflug  nach '  Kircliheim  -  Polland  zu  der 
Prinzessin  von  Weilburg,  welche  eine:  ungemeine 
Liebhaberin  der  Musik  war,  selbst  sehr  brav  Ciavier 
spielte  und  gut  sang.  Während  seines  achttägigen 
Aufenthalts  spielte  er  zwölf  Mal  bey  der  Fürstin 
bey  Hofe ,  und  ein  Mal  auf  Verlangen  in  der  luthe- 
rischen Kirche  auf  der  Orgel.  Er  überreichte  der 
Fürstin  vier  Symphonien  von  seiner  Composition, 


349 

und -erhielt  bey  seiner  Abreise  .ein.  Präsent  von  sie- 
ben Ikmiid'or...  In.  einem  Briefe  ;«us  Manheim  vom 
7teh  «Februar  1778  über  seine  baldige  Abreise  nach 
Paris,  und  was  er  dort  äu  thuni  haben  werde*  .äus- 
serte^ seine  Abneigung,  sidi  tnit  Scholaren- aUdo*t 
abzugeben,  in  iL  drm -Werten:  Ich  bin  ein  Compow 
nistf  und  hin  fzir  einem  Kapellmeister  geboren,  und 
kann  mein  Talent  im  Componiren , .  welches  mir  der 
gütige  Gottrso  reichlich  gegeben  hat  (ich  dar/  ohno 
Hochmuth  s^.^en^dentt  icjh  iftjüe  es.  mfn  «eta 
als  jemals),  nicht- so  vergrabenylrakldas  würde  durch 
die  vielen  Sehoferen.  t~  Das  i  O Fernschreiben  Isteckt 
mir  stark  im  Kopfe,  französisch  lieber  als  den f sc]), 
und  italienisch  .lieber  als  französisch  und'  deutsch* 
Beym  Wendling»  sind'  sie  AUe  der.Mcynun^,  4a** 
fneine  Compbsiiion*  ausserordentlich  in  Paris  gefallen 
würde,  dehh  ipk.tknii  sb  ziemdiett,  wie  Sie</wisaeny 
alte  Arten  ViradV  <4Jfytv  von  Compositum*  annehmen 
und  nachahmen.  Ich  habe  der  Mselle.  GtistJ  (der, 
Tochter)  gleich  nach  meiner,  Ankunft  ein  franaösi- 
sches  Lied,  woztl  sie  mir.  den  Tebct  gegeben  hat,  ge- 
macht, welches  sie  unvergleichlich singt.  Hier  habe 
ich  die  Ehre,  damit  aufzuwarten.  Bey  Wendling 
wir d>  alle  Tage  gesungen,  sie  sind  völlig  Narren 
darauf.        .>l  :  7  >.     :  j  j 

'Auf  obigen  Brief  antwortete  3er  Vater  Folgerides : 

.1     i*  ....!!:  lioub  \    .•       -»i»  *  '*u  s      ~-  .  ' 

•  .;         }  .    :.  -  -    j&mU.eurg,  den  16.  Februar  1778» 

Euer  Schreiben  vom  7.  Febr«  sammt  der  beygefiigten 
französischen  Arie  habe  icli  richtig,  erhalten.  Die  bey- 
gescldossene  Arie  machte  mich  wieder  etwas  leichter 
schnauben ,  dau  ich  wieder  etwas  von  meinem  Ueben 


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3/50 


Wolfgang  »ah,  und  so  was  Vortreffliches.  Je- 
tlermann hat  Recht,  dass  Deine  Composition  in  Pa- 
ris sehr  gefallen  wird;  und  Du  seihst  (wie  ich)  hist 
überzeugt,  dass  Du  alle  Compositions- Arten  nach- 
zuahmen im  Stande  bist«  AVegen  des  Lection  gäben 
in  Paris  hast  Du  Dich  nichts  zu  bekümmern«  Erst" 
lieh  wird  Niemand  sogleich  seinen  Meister  abdai* 
kert  und  Dich  rufen  $  sweytena  wurde  es  Niemand 
wagend,  und  Du  Niemand  nehmen«  als  etwa  eine 
Dame,  die  schon  gut  *pielt,  um-  von  Dir  eihen  Gusto 
zu  lernen,  und  würde  das  so  eine i Arbeit  für  gute 
Bezahlung  seyn.  Da  dann  solche  Damen  sich  oben 
darein  alle  Mähe  geben,  för  Deine  Composition  Sub- 
scribenten  zu  sammeln*  :  Die  Damen  machen  Alles 
in  Paris,  —  und  sind  grosse  Liebhaberinnen  £ur!s 
Ciavier,  und  es  giebt  viele,  die  trefflich  spielen.  ~-t 
Diese  sind  Deine  Leute,  und  die  Composition;  da  Du 
mit  Herausgeben  von  Ciavier  adeltet i ,  Vi  olin- Quar- 
tetten, Sytnphonieen,  und  dann  auch  einer  Sammlung 
guter  französischer  Arien  mit  dem  Ciapiere,  wie  Du 
mir  geschickt,  und  endlich  mit  Opern  Geld  und 
Ruhm  machen  kannst«  —  Was  findest  Du  für  einen 

Anstand?  Bey  Dir  soll  Alles  den  Augenblick 

schon  geschehen  seyn,  bevor  man  Dich  einmal  gese- 
hen, oder  Etwas  von  Dir  gehört  hat.  Lies  das  grosso 
Yerzeichniss  unserer  damaligen  Bekanntschaften  in 
Paris,  —  es  sind  Alle  —  oder  doch  die  Meisten,  die 
grossten  Leute  dieser  Stadt.  Alle  werden  Dich  jetzt 
mit  Begierde  wieder  sehen;  und  sind  nur  sechs  Per- 
sonen darunter -(ja,  eine  einzige  der  Grossen  ist  ge- 
nug), die  sich  Deiner  annehmen»  so  machst  Du,  was 
Du  willst.   Hier  schliesse  ich  zwey 


uiymz 


ed  by  G( 


351  . 


tations  -  Schreiben  eihj  die  Ihr  wohl  verwahren,  ünd 
(lann  in  Paris  dem  Hrn.  Joseph  Felix  Arbaur,  dem 
grossen  Galanteriehändler  prasentiren  müsset,  Mr. 
Mayer  ist  des  Erstem  Commissionlr,  wo  Graf  Wolf- 
egg seine  Wohnung  hatte.  Heute  geht  der  rechte 
Brief  schon  nach  Paris,  wo  Alles  umständlich  wegen 
der  ^Wohnung  etc.  darin  ist«  Diese  Briefe  sind  nur. 
damit  man  weiss," dass  Ihr  diejenigen  seyd',  für«  die 
man  die  Anstalten  gemacht  hat.1—  Da  allem  Ver- 
muthen  «ach  dieser  der  letzte  Brief  seyn  kanri ,  den 
Du  gewiss  noch  -ron  mir»  in  Manheim  erhalten  wirst, 
so  ist  er  an  Dich  allein  gerichtet  Wie  schwer1  es 
mir  fallt,  dass  ich  nun  weiss,  dass  Öhi  Dich  noch 
weiter  von  nur  entfernest,  kannst  Dur  zwar  Dir  zum 
Theü  vorstellen,  aber  mit  derjenigen  Empfindlich- 
keit nicht  fühlen,  mit  der  es  mir  fcuf  dem  Herzen 
liegt.  Wenn  Du  fair  «6  Mühe  nehmen  willst,  be-1 
dächtlich  nachzudenken,  -  was  ich  mit'  fcuch  zwey 
Kindern  in  Eurer  zarten  Jugend  unternommen  habe, 
so  wirst  Da  mich  keiner  Zaghaftigkeit  beschlildigen, 
sondern  mir  mit  allen  Andern  das  Recht  wie d erfah- 
ren lassen,  dass  ich  ein  Mann  bin  und 'allezeit  war,  der 
das  Herz  hatte,  Alles  zu  wagen.  Nur  that  ich  Alles 
mit  der  menschenmögl ichsteh  Vorsichtigkeit  und 
Nachdenken:  —  wider  die  Zufalle  kann  man  dann 
nicht  5    denn  nur  Gott  sieht  die  Zukunft  voraus. 

a  ■  »  ff  • 

Wir  waren  freylich  bis  anhero  weder  glücklich, 
noch  unglücklich,  es  war  so,  Gott  sey  es  gedankt, 
so  mitten  durch.  Wir  haben  alles  versucht,  um 
Dich ,  -  und  auch  uns  durch  Dich  glücklicher  zu"  ma- 
chen, und  wenigstens  Deine  Bestimmung  auf  einen 
festern  Fuss  zu  setzen  5  allein  das  Schicksal  wollte, 


359 


daas  wir  nicht  zum  Zwecke  kamen.  Ich  bin:  aber 
durch  unsern  letzten  Schritt  tief  hinein  gesunken« 
Du  siehsj  also  spimenkkr  ein,  dass  Deine*;  alten 
Eltern,  und  gewiss  guten,  Djqh  von  ganzem  Herzen 
liebendeft  Sejiwesj,er  zukünftige»  Schicksal  Jetfigliek 
in  Deineni  Jfandfin  ist.  I9I1,  habe  seit  Eurer  .Geburt, 
und  aufih.  pcjion  jMber>  t  seitdem  ich  verjiewthet 
biq,  inir^  gewiss  sauer  genug  .werden  la^aen,  um 
uadr  und'  nach  einer  Frau  und  sieben  Kindern,  zwey 
gehalten;,  und  der  Mama  Mutter  :mit  25  iL  monat- 
lich gewissem ^Einkommen  Unterhalt  zu  verschaffen, 
Kindbetten ,  Todesfalle,  tmd  Krankheiten  auszuhallen, 
welche  Unkosten,, wenn  Du  s,ie  üherjegst,  Dich  über- 
zeugen werden,  dass  ich  nicht  nur  allein  nicht  meinen 
S^eiizer  auch  .nur  zu  meinem  in^desten  Vergnügen 
angewendet,  sondern  ohne  sonderbare  Gnade  Gottes, 
bey  aller  meiner  Speculatiqn  und  saurer  Mühe  es 
niemals  hatte  dahin  bringen  können«  ohne  Schulden 


als  jetzt«  Ich  habe  dann  alle  meine  Stunden  Euch 
cii  aulgeo^ofcrt ,  der  Holünung ,  es  sicher  d^t^* 
hin  zu  bringen,'  nicht  nur,  -das«  Ihr  Beyde  seiner 
Zeit  auf  Eure  Versonrune  Rechnung  machen  könn— 
tet,  sondern  auch  mir  ein  ruhiges  Alter  zu  verschaf- 
fen, Gott  für  die  Erziehung  meiner  Kinder  Rechen- 
schaft geben  zu  können,  ohne  fernere  Sorge  nur  für 
mein  Seelenheil  sorgen ,  und  mit  Ruhe  meinem  Todo 
enteecen  sehen  zu  können«  Allein  die  Ftiffunn  und 
der  Wille  Gottes  hat  es  so  geordnet,  dass  ich  mich 
nun  erst  von  Neuem  der  gewiss  säuern  Arbeit,, Lee- 
tion zu  geben*  unterziehen  muss.  und  zwar  an  einem 
Orte,  wo  diese  schwere  Bemühung  so  schlecht  bo- 


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3o3 


zahlt  wird,  dass  man  doch  alle  Monate  seinen  und 
der  Seinigen  Unterhalt  nicht  heraus  bringt  5  und 
dennoch  muss  man  noch  froh  seyn,  und  sich  eine 
Brustkrankheit  an  den  Hals  reden,  um  wenigstens 

doch  Etwas  einzunehmen»    Ich  habe  nun  in  Dich, 

•  •  • 

mein  lieber  Wolfgang,  nicht  nur  allein  kein,  auch 
nur  das  geringste  Misstrauen,  sondern  ich  setze  an 
Deine  kindliche  Liebe  alles  Vertrauen  und  alle  Hoff- 
ig.' Es  kommt  nur  auf  Deine  gesunde  Vernunft, 
die  Du  gewiss  hast,  wenn  Du  sie  hören  willst,  und 
auf  glückliche  Umstände  an  5  das  Letzte  lasst  sich 
nicht  zwingen,  Deine  Vernunft  aber  wirst  Du  immer 
zu  Rathe  ziehen,  das  hoffe  ich,  und  das  bitte  ich  Dich» 
Du  kommst  nun  in  eine  andere  Welt :  und  Du  musst 
nicht  glauben,  dass  icli  aus  Vorurtheil  Paris  für  ei- 


mmm 

Erfahrung  gar  keine  Ursa- 
che, Paris  für  gar  so  gefahrlich  anzusehen.  4  Allein 
meine  damaligen  und  Deine  dermaligen  Umstände 
sind  himmelweit  unterschieden.    Wir  waren  in  dem 

.  .  1 .  •  •  . :  •  Iii' 

Hause  eines  Gesandten,  und  das  zweyte  Mal  in  ei- 
ner geschlossenen  Wohnung;  ich  war  ein  gestande- 
ner Mann,  und  Ihr  yare*.  Kinder;  ich  vermied,  alle 
Bekanntschaft,  und  ffiM.  sonderheitlich  mit  Leuten 
von  unserer  Profession  flöhe  ich  alle  Familiarität ; 
denke  nach,  ob  ich  nicht  u\as  Nämliche  in. Italien 
that.  Ich  machte  nur  Bekanntschaft  und  suchte  nur 
die  Freundschaft  mit  Personen  yon  hölierem  Staude, 
—  und  auch  unter  diesen  nur  mit  gestandenen 
Leuten  und  nicht  mit  jungen  Burschen,  und  \vä- 
ren  sie  auch  vom  ersten  Range.  Ich  lud  Niemand 
ein,  mich  in  meiner  Wohnung  öfters  zu  besuchen, 

23 


uigi 


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-  m 

» 

um  in  meiner  Freiheit  zu  bleiben,  und  hielt  es 
immer  für  vernünftiger,  Andere,  wenn's  mir  gele- 
gen, zu  besuchen.  Denn,  gefallt  mir  der  Mann 
nicht,  oder  ich  habe  Arbeit  oder  Verrichtungen, 
so  kann  ich  wegbleiben;  —  im  Gegentheile,  kom- 
men die  Leute  zu  mir,  und  sind  von  schlechter 
Aufführung,  so  weiss  ich  nicht,  wie  ich  sie  los  wer- 
de; und  oft  eine  mir  sonst  nicht  unangenehme  Per- 
son hindert  mich  an  meiner  nothwendigen  Arbeit. 
Du  bist  ein  junger  Mensch  von  22  Jahren ;  hier  ist 
also  keine  Ernsthaftigkeit  des  Alters ,  die  einen  jun- 

tm  9 

gen  Burschen,  wessen  Standes  er  auch  immer  seyn 
mag,  —  einen  Aventurier,  einen  Schwänkemacher, 
einen  Betrüger,  —  er  mag  alt  oder  jung  seyn,  ab- 
halten könnte,  Deine  Freundschaft  und  Bekanntschaft 
zu  suchen,  um  Dich  in  seine  Gesellschaft  und  dann 
nach  uud  nach  in  seine  Absichten  zu  ziehen.  Man 
kommt  so  ganz  unvermerkt  hinein,  und  weiss 
alsdann  nicht  mehr  zurück.  Von  Frauenzimmern 
will  ich  gar  nicht  einmal  sprechen,  denn  da  braucht 
es  die  grösste  Zurückhaltung  und  alle  Vernunft,  da 
die  Natur  selbst  Unser  Feind  ist,  und  wer  da  zur 
nöthi^en  Zurückhaltung  nicht  alle  seine  Vernunft 
aufbietet,'  wird  sie  alsdann' umsonst  anstrengen,  sich 
aus  dem  Xabyrinth  heraus  zu  helfen:  ein  Ungliict, 
das  sich  meistens  erst  mit  dem  Tode  endet»  Wie 
blind  man  aber  oft  durch  anfangs  ganz  unbedeutende 
Scherze,  Schmeicheleyen ,  Spässe  etc.  anlaufen  kann, 
darüber  sich  die  nach  'der  Hand  erwachende  Ver- 
nunft schämt,  magst  Du  vielleicht  selbst  schon  ein 
wenig  erfahren  haben;  ich  will  Dir  keinen  Vorwurf 
raachen.   Ich  weiss,  dass  Du  mich  nicht  allein  als 


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Deinen  Vater,  sondern  auch  als  Deinen  gewissesten 
und  sichersten  Freund  liebst;  dass  Du  weisst  und 
einsiehst,  dass  unser  Glück  und  Unglück,  ja  mein 
längeres  Leben  oder  auch  mein  baldiger  Tod,  nächst 
Gott,  so  zu  sagen,  in  Deinen  Händen  ist.  Wenn  ich 
Dich  kenne,  so  habe  ich  nichts  als  Vergnügen  zu 
hoffen,  welches  mich  in  Deiner  Abwesenheit,  da  ich 
der  väterlichen  Freude,  Dich  zu  hören,  Dich  2u 
sehen  und  zu  umarmen,  beraubt  bin,  allein  noch 
trösten  mttss.  Lebe  als  ein  guter  katholischer  Christ, 
liebe  und  fürchte  Gott,  bete  mit  Andacht  und  Ver- 
trauen zu  ihm  mit  voller  Inbrunst,  und  führe  einen 
so  christlichen  Lebenswandel,  dass,  wenn  ich  Dich 
nicht  mehr  sehen  sollte,  meine  Todesstunde  nicht 
angstvoll  seyn  möge.  Ich  gebe  Dir  von  Herzen  den 
väterlichen  Segen,  und  bin  bis  in  den  Tod  Dein  ge- 
treuer Vater  und  sicherster  Freund 

Leopold  Mozart. 

Der  Sohn  an  den  Vater. 

M  an  Ii  e inj,  den  28.  Februar  1778. 

•  Gestern  war  ich  beym  Raff  und  brachte  ihm 
eine  Aria,  die  ich  diese  Tage  für  ihn  geschrieben 
habe.  Die  Worte  sind:  Se  cd  labro  mio  non  credi, 
hello,  nemica  mia  etc.  Ich  glaube  nicht,  dass  der 
Text  von  Metastasio  ist.  Die  Aria  hat  ihm  überaus . 
gefallen.  Mit  so  einem  Manne  muss  man  besonders 
umgehen.  Ich  habe  mit  Fleiss  diesen  Text  gewählt, 
weil  ich  gewusst  habe,  dass  er  schon  eine  Aria  auf 
diese  Worte  hat,  mithin  wird  er  sie  leichter  und 
lieber  singen.  Ich  habe  ihm  gesagt,  er  soll  mir 's  auf- 
richtig sagen,  wenn  sie  ihm  nicht  taugt  oder  nicht 

'23* 


356 

gefallt,  ich  will  ihm  die  Aria  ändern,  wie  er  will, 
oder  auch  eine  andere  machen.  Behüte  Gott!  sagte 
er,  die  Aria  muss  bleiben,  denn  sie  ist  sehr  selvön, 
nur  ein  wenig,  bitte  ich,  kürzen  Sie  mir9»  ab,  denn 

m 

ich  bin  jetzt  nimmer  so  im  Stande  zu  souteniren. 
Ich  erwiederte:  Von  Herzen  gern,  so  viel  Sie  wol- 
len. Ich  hahe  sie  mit  Fleiss  etwas  länger  gemacht, 
denn  wegschneiden  kann  man  allezeit,  aber  'dazu- 
setzen  nicht  so  leicht.  Nachdem  er  den  andern  Th eil 
gesungen  hatte,  so  that  er  seine  Brille  heran,  sali 
mich  gross  an  und  sagte:  Schön,  schön!  das  ist  eine 
schöne  seconda  Parte,  und  sang  es  drey  Mal.  Als 
ich  ^eg  ging,  so  bedankte  er  sich  höflich  bey  mir, 
und  ich  versicherte  ihn  im  Gegentheil,  dass  ich  ihm 
die  Aria  so  arrangiren  werde,  dass  er  sie  gewiss 
gern  singen  wird.  Denn  ich  liebe,  dass  die  Aria 
einem  Sänger  so  accurat  angemessen  sey,  wie  ein 
gut  gemachtes  Kleid.  Ich  habe  auch  zu  einer  Ue— 
bung  die  Aria  (Non  sb  d'onde  viene  etc.),  die  so 
schön  von  Bach  componirt  ist,  gemacht,  aus  der  Ur- 
sache, weil  ich  die  von  Bach  so  gut  kenne,  weil  sie 
mir  so  gefallt  und  immer  m  Ohren  ist  5  denn  ich 
habe  versuchen  wollen,  ob  ich  nicht  ungeachtet  die- 
sem Allen  im  Stande  bin,  eine  Aria  zu  machen,  die 
derselben  von  Bach  gar  nicht  gleicht?  —  Sie  sieht 
ihr  auch  gar  nicht  gleich.  Diese  Arie  habe  ich  an- 
fangs dem  Raff  zugedacht,  aber  der  Anfang  gleich 
schien  mir  für  den  Raff  zu  hoch,  und  um  ihn  zu 
andern,  gefiel  er  mir  zu  sehr,  und  wegen  Setzung 
der  Instrumente  schien  er  mir  auch  für  einen  Sopran 
besser.  Mithin  schrieb  ich  sie  und  nahm  mir  vor, 
sie  accurat  für  die  Weber  zu  raachen.   Es  ist  ein 


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357 


Andante  sostenuto  (vorher  ein  kleines  tyecitativ),  in 
der  Mitte  der  andere  Theil,  nel  seno  ä  de&tarnu, 
dann  wieder  das  Sostenuto.  Ich  freue  mich  auf  nichts, 
als  auf  das  Concert  spirituel  zu  Paris,  denn  da  werde 
ich  vermuthlich  Etwas  componiren  müssen.  Das  Or- 
chester sey  so  gut  und  stark ,  und  meine  Hauptfavo- 
rit- Composition  kann  man  dort  gut  auffuhren,  näm- 
lich Cliöre}  und  da  bin  ich  recht  froh,  dass  die  Fran- 
zosen viel  darauf  halten.   Das  ist  auch  das  Einzige, 
was  man  in  Piccini  seiner  neuen  Oper  Rolland  aus- 
gestellt hat,  dass  nämlich  die  Chöre  zu  nackt  und 
schwach  seyen,  und  überhaupt  die  Musik  ein  wenig 
zu  einförmig ;  sonst  hat  sie  aber  allen  Beyfall  gefun- 
den.   Zu  Paris  war  man  jetzt  die  Chöre  von  Gluck 
gewohnt.  Verlassen  Sie  sich  nur  auf  mich,  ich  werde 
mich  nach  allen  Kräften  bemühen,  dem  Namen  Mo- 
zart Ehre  zu  machen 5  ich  habe  auch  gar  nicht  Sorge 
ilarauf. 

ri  ^^^^^^  • 

■ 

Den  23sten  März  kamen  Mutter  und  Sohn  ge- 
il und  glücklich  nach  Paris ,  welches  der  Solm 
durch  folgenden  Brief  bekannt  macht. 

Paris,  den  a4.  Mär«  1778. 

Gestern,  Moulags  den  23sten,  Nachmittags  um 
4  Uhr  sind  wir*  Gott  Lob  und  Dank,  glücklich  hier 
angekommen.  Heute  werden  wir  einen  Fiacre  neh- 
men und  Grimm  und  Wendling  aufsuchen.  Morgen 
früh  werde  ich  aber  zum  Churpfal zischen  Minister, 
Hrn.  v.  Sükingen ,  welcher  ein  grosser  Kenner  und 
passionirter  Liebhaber  von  der  Musik  ist,  und  an 
den  ich  zwey  Briefe  von  Hrn.  von  Geinmingen  und 


3SS 

Mi*.  Cannabich  habe,  gehen.  Ich  habe  vor  meiner 
Abreise  zu  Manheim  dem  Hrn.  von  Gemmingen  das 
Quartett,  welches  ich  zu  Lodi  Abends  im  Wirths- 
hause  gemacht  habe,  und  dann  das  Quintett  und  die 
Variationen  von  Fischer  abschreiben  lassen.  Er 
schrieb  mir  dann  ein  besonders  höfliches  Biilet  und 
bezeugte  sein  Vergnügen  über  das  Andenken,  so  ich 
ihm  hinterlasse,  und  schickte  mir  einen  Brief  an  sei- 
nen  sehr  guten  Freund,  Hrn.  v.  Sückingen,  mit  den 
Worten:  Ich  bin  versichert,  dass  Sie  mehr  Em«* 
pfehlung  für  den  Brief  seyn  werden,  als  er  es  für 
Sie  seyn  kann.  Und  um  mir  die  Schreibkosten  zu 
ersetzen,  schickte  er  mir  3  Louisd'or.  Er  versicherte 
mich  seiner  Freundschaft  und  bat  mich  um  die  mei- 
nige. Ich  muss  sagen,  dass  alle  Cavaliere,  die  mich 
kannten,  HofVathe,  Kammerrathe,  andere  ehrliche 
Leute  und  die  ganze  Hofmusik,  sehr  unwillig  und 
betrübt  über  meine  Abreise  waren.  Samstag,  den 
l4ten  d.  M.,  reis'ten  wir  ab. 

Der  Vater  an  Beyde. 

Salzburg,  den  6.  April  1778. 
Wir  hatten  heute  das  sehnlichst  gewünschte  Ver- 
gnügen, Euern  schon  den  24sten  März  geschriebenen 
Brief  zu  erhalten.  Ihr  seyd,  Gott  Lob,  glücklich 
angelangt.  Jetzt  empfehle  ich  Dir  nachdrücklichst, 
Dir  durch  ein  vollkommenes  kindliches  Vertrauen 
recht  die  Gnade,  Liebe  und  Freundschaft  des  Hrn. 
Baron  v.  Grimm  zu  verdienen,  oder  vielmehr  solche 
zu  erhalten,  ihn  in  allen  Stücken  zu  Rathe  zu  zie- 
hen,  und  nichts  aus  eigenem  Kopf  oder  vorgefasster 
Eiubildung  zu  thun ,  und  durchaus  auf  Dein  und  da- 


durch  auf  uns  er  gemeinschaftlicJies  Interesse  bedacht 
zu  seyn.  Die  Lebensart  in  Paris  ist  von  der  deutschen 
sehr  unterschieden,  und  die  Art,  im  Französischen 
sich  höflich  auszudrücken,  sich  anzuempfehlen,  Pro- 
tection zu  suchen,  sich  anzumelden  u.  s.  w.,  hat  ganz 
etwas  Eigenes,  so  dass  Herr  Baron  von  Grimm  mir 
eben  auch  damals  Anweisung  gab,  und  mich  fragte, 
was  ich  sagen  und  wie  ich  mich  ausdrücken  sollte. 
Sage  ihm  nur,  nebst  meiner  gehorsamsten  Empfehlung, 
dass  ich  Dir  dieses  erinnert  habe,  und  er  wird  mir 
Recht  geben.  Was  diesen  Punct  nun  betrifft,  bin 
ich  zum  voraus  überzeugt,  dass  Du  Dich  immer  an  _ 
diesen  unsem  gewissesten  Freund  halten  wirst. 

Ihr  dürft  dem  Hrn.  Baron  von  Grimm  alle  un- 
sere Umstände  sagen ;  ich  selbst  habe  ihm  diess  und 
auch  alle  unsere  Schulden  in  zwey  langen  Briefen 
geschrieben,  und  mich  in  vielen  Stücken,  die  Ver- 
folgung und  die  Verachtung,  die  wir  vom  Erzbisch of 
ausgestanden,  betreffend,  auf  Deine  mündliche  Er* 
zähluiiz  berufen.   Ich  habe  ihm  erzählt,  dass  er  nur 
dann  höflich  geschmeichelt,  wenn  er  Etwas  nötliig 
hatte,  und  er  Dh*  für  alle  Compositionen  nicht  einen 
Kreuzer  bezahlt  hat.  —  Könntest  Du,  wie  Hannauer \ 
wie  der  selige  Sclwbert  etc.  von  einem  Prinzen  in 
Paris  einen  monatlichen  Gehalt  bekommen,  —  dann 
nebenbey  für's  Theater,  für 's  Concert  spirituel  und 
für's  Concert  des  amateurs  zu  Zeiten  Etwas  arbeiten, 
und  dann  einige  Male  par  Subscription  Etwas  gra- 
yiren  lassen,  —  ich  aber  und  Deine  Schwester  Lec- 
tion  geben,  und  Deine  Schwester  in  Concerten  und 

wir  gewiss  recht  gut 

zu  leben  haben.  — , 


'  360 

Die  Mutter  und  der  Sohn  an  den  Vater. 

.  Paris,  den  5.  April  1776. 

Wir  sind  Beyde,  Gott  Lob  und  Dank,  gesund, 
und  hoffen,  dass  Du  und  die  Nannerl  Euch  in  guter 
Gesundheit  befindet,  so  wird  mit  der  Hülfe  Gottes 
Alles  gut  werden.  Der  Wolfgang  hat  sehr  viel  zu 
thun,  denn  er  muss  bis  auf  die  Charwoche  für  das 
Concert  ipirituel  ein  Miserere  machen,  wo  drey  Chöre 
und  eine  Fuge  und  Duett  und  Alles  darin  seyn  muss, 
mit  sehr  vielen  Instrumenten.  Künftigen  Mittwoch 
soll  es  schon  fertig  seyn,  damit  es  kann  probirt  wer- 
den. Er  schreibt  es  bey  dem  Mr.  le  Gros,  der  Di- 
rector  von  dem  Concert  ist,  wo  er  die  meiste  Zeit 
speiset.  Bey  dem  Noverre  kann  er  auch  täglich 
speisen,  wie  auch  bey  der  Madame  d'Epinay.  Her- 
nach hat  er  für  einen  Duo  zwey  Concerts  zu  machen, 
eines  für  die  Flöte  und  eines  für  die  Harfe.  Für 
das  französische  Theater  muss  er  einen  Act  zu  einer 
Opera  machen.   Eine  Scholarin  hat  er  auch,  Welche 

ihm  für  zwölf  Lectionen  3  Louisd'or  bezahlt.  

Der  Wolfgang  ist  hier  wieder  so  berühmt  und  be- 
liebt, dass  es  nicht  zu  beschreiben  ist.  Der  Herr 
Wendling  hat  ihn  in  grossen  Credit  vor  seiner  An- 
kunft gesetzt,  und  jetzt  hat  er*  ihn  bey  seinen  Freun- 
den aufgeführt.  Er  ist  doch  ein  wahrer  Menschen- 
freund, und  Möns,  von  Grimm  hat  dem  Wendling 
auch  zugesprochen,  weil  er  als  ein  Musicus  mehr 
Credit  hat  als  er,  sein  Möglichstes  zu  thun,  damit 
er  bald  bekannt  wird.  —  —  — 

(Nun  schreibt  der  Sohn:) 

Nun  muss  ich  schon  deutlicher  erklären,  was 
meine  Mama  zu  dunkel  geschrieben  hat.   Der  Herr 


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3ßl 


Kapellmeister  Holzbauer  hat  ein  Miserere  hieher  ge- 
schickt 5  weil  aber  zu  Manheim  die  Chöre  schwach 
und  schlecht  besetzt  sind,  hier  aber  stark  und  gut, 
so  hätten  seine  Chöre  keinen  Effect  gemacht:  daher 
hat  Mr.  le  Gros  (Directeur  vom  Concert  spirituet) 
mich  ersucht,  andere  Chöre  zu  machen.  Der  An- 
fangs-Chor  bleibt  von  Holzbauer.  Quoniam  zniqui- 
tatem  meam  ego  etc.  ist  der  erste  Chor  von  mir, 
Allegro.  Der  zweyte,  Adagio:  Ecce  enim  iniquita- 
tibus ;  dann  Allegro :  Ecce  enim  veritatem  dilexiati, 
bis  zum:  Ossa  humiliata.  Dann  ein  Andante  für 
Soprano,  Tenore  und  Basso  soli:  Cor  mundum  crea; 
Redde  mihi  laetitiam  aber  Allegro  bis  ad  te  conver- 
tentur.  Dann  habe  ich  ein  Recitativ  für  einen  Bas- 
sisten gemacht:  Libera  me  de  san gut nibus ,  weil  eine 
Bassarie  darauf  folgt :  Domine  labia  Weil  nun 

Sacrificium  Deo  spiritue  eine  Aria  Andante  für  Raff 
(Tenore)  mit  Oboe  und  Fagott  Solo  ist,  so  habe  ich 
ein  kleines  Recitativ:  Quoniam  ei  voluisses,  auch 
mit  concertir  ender  Oboe  und  Fagott  dazu  gemacht; 
denn  man  liebt  jetzt  die  Recitative  liier.  Benigne 
fac  bis  muri  Jerusalem  Andante  moderato,  Chor. 
Dann  Tunc  acceptabis  bis  Super  altare  tuum  vitu- 
loe,  Allegro,  Tenor  Solo  (le  Gros)  und  Chor  zu- 
gleich. Finis. 

Ich  kann  sagen,  dass  ich  recht  froh  bin,  dass 
ich  mit  dieser  Schreiberey  fertig  bin  5  denn  wenn 
man  nicht  zu  Hause  schreiben  kann,  und  doch  dazu 
pressirt  wird,  so  ist  es  verflucht.  Nun  bin  ich,  Gott 
Lob  und  Dank,  fertig,  und  hoffe,  es  wird  seinen 
Effect  machen.  Mr.  Gossec,  den  Sie  kennen  müs- 
sen, hat,  nachdem  er  meinen  ersten  Chor  gesellen 


362 

■  ■ 

■ 

hat,  zu  Mr.  le  Gros  (ich  war  nicht  dabey)  gesagt, 
dass  er  charmant  sey  und  gewiss  einen  guten  Effect 
machen  würde,  dass  die  Wörter  sehr  gut  arrangirt 
seyen  und  überhaupt  vortrefflich  gesetzt  sey.  Er  ist 
mein  sehr  guter  Freund  und  ein  sehr  trockener  Mann. 
Ich  werde  nicht  einen  Act  zu  einer  Oper  machen, 
sondenv  eine  Opera,  ganz  von  mir,  en  deux  acta. 
Mit  dem  ersten  Act  ist  der  Poet  schon  fertig.  Mr. 
Noverre,  bey  dem  ich  speise,  so  oft  ich  will,  hat 
es  über  sich  genommen ,  und  die  Idee  dazu  gegeben^ 
ich  glaube,  es  wird  Alexandre  und  Roxane  weiden. 
Nun  werde  ich  eine  Sinfonie  concertante  machen 
für  Flauto  (Wendling),  Oboe  (Ramm),  Waldhorn 
(Punto)  und  Fagott  (Ritter).  Punto  bläs't  magnifique. 
Ich  komme  den  Augenblick  vom  Concert  spirituel 
her.  Baron  Grimm  und  ich  lassen  oft  unsern  mu- 
sikalischen Zorn  über  die  hiesige  Musik  aus,  NB. 
unter  uns 5  denn  im  Publico  heisst  es:  Bravo,  Bra- 
vissimo,  und  da  klat  steht  man,  dass  einem  die  Fin- 
ger brennen.  —  Was  mich  am  meisten  bey  der 
Sache  ärgert,  ist,  dass  die  Herren  Franzosen  ilxren 
Goüt  nur  in  so  weit  verbessert  haben,  dass  sie  nun 
das  Gute  auch  hören  können.  Dass  sie  aber  ein- 
sähen, dass  ihre  Musik  schlecht  sey  —  ey  bey  Leibe! 
—  Und  das  Singen!  —  oime!  —  Wenn  nur  keine 
Französin  italienische  Arien  sänge,  ich  würde  ihr 
ihre  französische  Plärrerey  noch  verzeihen;  aber  gute 
Musik  zu  verderben,  das  ist  nicht  auszustehen. 

Der  Vater  an  Beyde. 

Salzburg,  den  12.  April  1778. 

Mein  lieber  Wolfgang,   ich  erfreue  mich  von 


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Herzen,  dass  Du  schon  Arbeit  hast;  nur  ist  es  mir 
leid,  dass  Du  mit  der  Compositum  der  Chöre  so  sehr 
hast  eilen  müssen:  eine  Arbeit,  die  doch,  um  sich 
Ehre  zu  machen,  seine  Zeit  erfordert 5  ich  wünsche 
und  hoffe,  dass  sie  Beyfall  finden.  Mit  der  Opera 
wirst  Du  Dich  wohl  nach  dem  Geschmache  der 
Franzosen  richten.  Wenn  man  nur  Beyfall  findet 
und  gut  bezahlt  wird,  das  Uebrige  hole  der  Plunder ! 
Wenn  Du  mit  der  Opera  gefällst,  so  wird  bald  Et- 
was in  Zeitungen  seyn ,  das  möchte  ich  mit  der  Zeit 
wünschen,  dem  Erzbischof  zum  Trotze«  Die  Sin-* 
fonie  concertante  möchte  ich  mit  diesen  braven 
Leuten  hören*  Wenn  Du  könntest  ein  gutes  Clavi- 
chord, wie  das  unserige,  in  Paris  für  Dich  auftrei- 
ben, das  röirde  Dir  wohl  lieber  und  anstandiger 
seyn,  als  ein  Flügel.  Dass  die  Franzosen  ihren  Gusto 
noch  nicht  ganz  geändert  nahen,  höre  ich  nicht  gern : 
allein,  glaube  mir,  es  wird  doch  nach  und  nach  ge- 
schehen, denn  es  ist  keine  kleine  Sache,  eine  ganze 
Nation  umzuschmelzen.  Es  ist  schon  genug,  dass 
sie  das  Gute  auch  hören  können,  sie  werden  nach 
und  nach  auch  den  Unterschied  merken«  Ich  bitte 
Dich,  höre  nur,  bevor  Du  fiir's  Theater  schreibst, 
ihre  Opern,  und  was  ihnen  sonderheitlich  gefallt. 
Nun  wirst  Du  ein  ganzer  Franzose  werden,  und 
hofFentlich  hedacht  seyn,  den  wahren  Accent  der 
Sprache  Dir  anzugewöhnen.  Ich  und  die  Nannerl 
sind  Gott  Lob  gesund,  und  ich  bin  nun  jetzt  ausser 
aller  Sorge  und  recht  vergnügt,  da  ich  weiss,  dass 
unser  bester  Freund,  Baron  von  Grimm,  sich  Dei- 
ner annimmt,  und  Du.  an  dem  Platze  bist,  der  Dich 
durch  Deinen  Fleiss.  der  Dir  angeboren  ist,  von 


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364 

V  ————— 

dort  aus  in  der  ganzen  Welt  in  grossen  Ruhm  brin- 
gen kann.  Wenn' ich  mich  nicht  so  viel  für  Euch 
zu  sorgen  liabe ,  dann  bin  ich  gesund :  und  Du  kennst 
mich,  ich  halte  Alles  auf  Ehre  und  Ruhm.  Du  hast 
Dir  solchen  in  der  Kindheit  erworben  —  das  muss 
nun  so  fort  gehen.  —  Das  war  allezeit  und  ist 
immer  meine  Absicht;  diess  sind  nun  Deine  Jahre, 
die  Du  für  Dich  und  für  uns  Alle  benutzen  musst. 
Gott  erhalte  Euch  Beyde  nur  gesund.  Mache  von 
mir  und  der  Nannerl  unsere  Empfehlungen  an  Hin. 
Baron  von  Grimm,  an  Mr.  und  Mad.  Noverre,  an 
Mad.  Genomai,  Msclle.  d'Epinay,  Mr.  Wendling, 

Mr.  Raff,  Mr.  Gossec  etc.  — 

•  •  • 

Der  Sohn  an  den  Vater. 

■ 

Pari«,  den  1.  May  1778. 

Wir  haben  Ihren  Brief  vom  12ten  April  richtig 
erhalten.  Ich  habe  immer  geglaubt,  ich  will  das 
Schreiben  so  lange  verzögern,  bis  ich  Ihnen  etwas 
Neues  und  mehr  von  unsern  Umstanden  schreiben 
kann;  allein  nun  bin  ich  doch  gezwungen,  Ihnen 
von  wenigen  und  noch  zweifelhaften  Sachen  Nach- 
richt zu  geben.  Mr.  Grimm  gab  mir  einen  Brief  an 
Mad.  la  Duchesse  de  Chabot,  und  da  fuhr  ich  hin. 
Der  Inhalt  dieses  Briefes  war  hauptsächlich ,  mich 
bey  der  Duchesse  de  Bourbon  (die  damals  im  Kloster 
war)  zu  recommandiren,  und  mich  neuerdings  bey 
ihr  wieder  bekannt  zu  machen  und  sich  meiner  er- 
innern zu  machen.  Da  gingen  acht  Tage  vorbey,  ohne 
die  mindeste  Nachricht.  Sie  hatten  mich  dort  schon 
auf  über  acht  Tage  bestellt,  und  also  hielt  ich  mein 
Wort  und  kam.    Da  musste  ich  eine  halbe  Stunde 


I 

365 

in  einem  eiskalten ,  ungeheizten  und  ohne  Kamin 
versehenen  grossen  Zimmer  warten.  Endlich  kam 
dicD.  Chabotmit  grösster  Höflichkeit,  und  bat  mich 
mit  dem  Cla viere  vorlieb  zu  nehmen,  indem  keines 
von  den  ihrigen  zugerichtet  sey,  ich  möchte  es  ver- 
suchen. Ich  sagte,  .ich  wollte  von  Herzen  gern  Et- 
was spielen,  aber  jetzt  sey  es  unmöglich,  indem  ich 
meine  Finger  nicht  empfinde  vor  Kälte,  und  bat  sie, 
sie  möchte  mich  doch  wenigstens  in  ein  Zimmer, 
wo  ein  Kamin  mit  Feuer  ist,  fuhren  lassen.  O  oui9 
Monsieur,  voua  cives  raison.  Das  war  die  ganze 
Antwort.  Dann  setzte  sie  sich  nieder  und  fing  an, 
eine  ganze  Stunde  zu  zeichnen  en  Compagnie  aride- 
rer Herren:*  die  Alle  in  einem  Zirkel  um  einen  gros- 
sen Tisch  herum  saassen.  Da  hatte  ich  die  Ehre, 
eine  ganze  Stunde  zu  warten.  Fenster  und  Thür 
waren  offen;  ich  war  nicht  allein  in  Händen,  .son- 
dern im  ganzen  Leibe*  und  Füssen  eiskalt,  und  der 
Kopf  fing  mir  auch  gleich  an  wehe  zu  thun.  Da 
war  also  altutn  silenfium ,  und  ich  wusste  nicht,  was 
ich  so  lange  vor  Kalte,  Kopfwehe  und  langer  Weile 
anfangen,  sollte.  Oft  dachte  ich  mir,,  wenn's  mir 
nicht  um  Mr.  Grimm  wäre,  so  ging  ich  den  Augen- 
blick wieder  weg.  Endlich,  um  kurz  zu  seyn ,  spielte 
ich  auf  dem  miserabeln  elenden  Pianoforte.  Was 
aber  das  Aergste  war,  dass  die  Madame  und  alle  die 
Herren  ihr  Zeichnen  keinen  Augenblick  unterdessen, 
sondern  immer  fort  machten ,  und  ich  also  für  die 
Sesseln  und  Tisch  und  Mauern  spielen  musste.  Bey 
diesen  so  übel  bewandten  Umständen  verging  mir 
die  Geduld  —  ich  fing  also  die  Fischer'schen  Varia- 
tionen an,  spielte  die  Hälfte  und  stand  auf.  Da 


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366 


waren  eine  Menge  JEloges*  Ich  aber  sagte,  was  zu 
sagen  ist,  nämlich  dass  ich  mir  mit  diesem  Claviere 
keine  Ehre  machen  könnte,  und  mir  sehr  lieh  sey, 
einen  andern  Tag  zu  wählen,  wo  ein  besseres  Cia- 
vier da  wäre.  Sie  gab  aber  nicht  nach,  ich  musste 
noch  eine  halbe  Stunde  warten,  bis  ihr  Herr  kam» 
Der  aber  setzte  sich  zu  mir,  und  hörte  mit  aller 
Aufmerksamkeit  zuy  und  ich  ••*-  ich  vergass  darüber 
alle  Kälte,  Kopf  wehe,  und  spielte  ungeachtet  dem 
«lenden  Claviere  so  —  wie  ich  spiele,  wenn  ich  gu- 
ter Laune  bin.  Geben  Sie  mir  das  beste  Ciavier 
von  Europa,  und  aber  Leute  von  Zuhörern,  die 
nichts  verstehen,  oder  die  nichts  verstehen  wollen, 
und  die  mit  mir  nicht  empfinden,  was  ich  spiele,  so 
werde  ich  alle  Freude  verlieren.  Ich  habe  dem  Mr. 
Grimm  nach  der  Hand  Alles  erzählt.  Sie  schreiben 
mir,  dass  ich  brav  Visiten  machen  werde,  um  Be- 
kanntschaften zu  machen  und  die  alten  weder  zu 
erneuern.  Das  ist  aber  nicht  möglich.  Zu  Fuss  ist 
es  überall  zu  weit  und  zu  kothrg,  denn  in  Paris  ist 
ein  unbeschreiblicher  Koth;  und  in  Wögen  zu  fahren 
—  hat  man  die  Ehre,  gleich  des  Tages  vier  bis  fünf 
Livres  zu  verfahren,  und  umsonst,  denn  die  Leute 
machen  nur  Complimente  und  dann  ist  es  aus.  Sie 
bestellen  mich  auf  den  und  den  Tag,  da  spiele  ich, 
dann  heisst  es:  O  {fest  un  P rodige,  c?est  inconce- 
vable>  dest  itonnant  —  und  hiermit  a  Dieu.  Ich 
habe  hier  so  anfangs  Geld  genug  verfahren  —  und 
oft  umsonst,  dass  ich  die  Leute  nicht  angetroffen 
habe.  Wer  nicht  hier  ist,  der  glaubt  nicht,  wie 
fatal  es  ist.  Ueberhaupt  hat  sich  Paris  viel  verän- 
dert; die  Franzosen  haben  lange  nicht  mehr  so  viel 


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Politess e,  als  vor  fünfzehn  Jahren,  sie  glänzen  jetzt 
dtark  an  die  Grobheit,  und  hoffärtig  sind  sie  ab- 
scheulich.         '  : 

"  .  Nun  muss  ich  Ihnen  eine  Beschreibung  vom 
Concert  spiriiuel  machen.  Das  muss  ich  Ihnen  gleich 
im  Vorbey gehen  sagen,  dass  meine  Chöre- Arbeit^ 
so  zu  sagen,  umsonst  war;  denn  das  Miserere  von 
Holzbauer  ist  ohnediess  lang  und  hat  nicht  gefallen, 
mithin  hat  man  anstatt  vier,  nur  zwey  Chöre  von 
mir  gemacht,  und  folglich  das  Beste  ausgelassen. 
Das  hat  aber  nicht  viel  zu  sagen  gehabt*  denn  Viele 
haben  nicht  gewusst,  dass  Etwas  von  mir  dabey  ist, 
Und  Viele  haben  mich  auch  gar  nicht  gekannt.  Ue- 
brigens  war  aber  bey  der  Probe  ^in  grosser  Beyfall, 
und  ieh  selbst  (denn  auf  das  Pariser  Lob  rechne  ich 
nicht)  Bin  sehr  mit  meinen  Chören  zufrieden.  Nun 
aber  mit  der  Sinfonie  concertante  hat  es  wieder 
ein  Hickl-Hackl.  Da  aber,  glaube  ich,  ist  wieder 
was  Anderes  dazwischen,  denn  ich  habe  auch  hier 
meine  Feinde,'  und,  wo  habe  ich  sie  aber  nicht  ge- 
habt? —  Das  ist  aber  ein  gutes  Zeichen.  Ich  habe 
die  Symphonie  machen  müssen  in  grösster  Eile,  habe 
mich  sehr  beflissen,  und  die  vier  Concertanten  wa- 
ren und  sind  noch  ganz  darin  verliebt.  Le  Gros  hat 
sie  vier  Tage  zum  Abschreiben  j  ich  finde  sio  aber 
noch  immer  am  nämlichen  Platze  liegen.  Endlich 
am  vorletzten  Tage  finde  ich  sie  nicht,  —  suche  aber 
recht  unter  den  Musikalien,  und  finde  sie  versteckt, 
Thue  nichts  dergleichen  und  frage  den  Le  Gros: 
ft  propos,  haben  Sie  die  Sinfonie  concertante  schon 
zum  Schreiben  gegeben?  —  Nein,  —  ich  habe  es 
vergessen.    Weil  ich  ihm  natürlicher  Weise  nicht 


3f>8 

befehlen  kann,  dass  er  sie  abschreiben  und  machen 
lassen  soll,  so  sagte  ich  nichts.  Ging  die  zweyTage, 
wo  sie  executii  t  werden  sollten,  ins  Concert,  da  kam 
Ram  und  Punto  im  grössten  Feuer  zu  mir  und  frag- 
ten mich,  warum  denn  meine  Sinfonie  conc.  er  taute 
nicht  gemacht  wird?  —  Das  weiss  ich  nicht,  das 
ist  das  Erste,  was  ich  höre,  ich  weiss  von  Nichts. 
Der  Ram  ist  fuchswild  geworden,  und  hat  in  dem 
Musikzimmer  französisch  über  den  Le  Gros  geschmält, 
dass  diess  von  ihm  nicht  schön  sey  u*  b.  w.  Was 
mich  bey  der  ganzen  Sache  am  meisten  verdriesst^ 
ist,  dass  der  Le  Gros  mir  gar  kein  Wort  gesagt  hat, 
nur  ich  habe  davon  nichts  wissen  dürfen.  Wenn 
er  doch  eine  Excuse  gemacht  hätte,  dass  ihm  die 
Zeit  zu  kurz  wäre,  oder  dergleichen;  aber  gar  nichts. 
—  Ich.  glaube  aber,  daist  der  Cambini,  ein  welsche^ 
Maestro  hier,  Ursache;  denn  diesem  habe  ich  un- 
schuldiger Weise  die  Augen  in  der  ersten  Zusam- 
menkunft beym  Le  Gros  ausgelöscht.  Er  hat  Quar- 
tetti  gemacht,  wovon  ich  eines  zu  Manheim  gehört 
habe,  die  recht  hübsch  sind,  un4  die  lobte.ich  ihm 
dann ,  und  spielte  ihm  den  Anfang ;  da  waren  aber 
der  Ritter.  Ram  und  Punto«  und  Ii  essen  mir  keinen 
Frieden,  ich  möchte  fortfahren,  und,  was  ich  nicht 
weiss,  selbst  dazu  machen*  Da  machte  ich  es  denn 
also  so,  und  Cambini  war  ganz  ausser  sich,  und 
konnte  sich  nicht  enthalten  zu  sagen  r;  Questa  4  una 
gfan  Testa !  Nun,  das  wird  ihm  also  nicht  ge- 
schmeckt haben.      f  • 

Wenn  hier  ein  Ort  wäre,  wo  die  Leute  Öhren 
hätten,  Herz,  zu  empfinden,  und  nur  ein  wenig  Et- 
was von  der  Musik  verständen  und  Gusto  hätten, 


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I 


t 

so  würde  ich  von  Herzen  Zu  allen  diesen  ^Sachen  la- 
chen, aber  so  bin  ich  unter  lauter  Vieher  und  Be- 
stien (was  die  Musik  anbelangt)*  Wie  kann  es  aber 
anders  seyn?  Sie  sind  ja  in  allen  ihren  Handlungen, 
Leidenschaften  und  Passionen  auch  nicht  anders 
es  giebt  ja  keinen  Ort  in  der  Welt,  wie  Paris*  Sie 
dürfen  nicht  glauben,  dass  ich  ausschweife,  Wenn  ich2 
von  der  hiesigen  Musik  so  rede«  Wenden  Sie  sich," 
an  wen  Sie  wollen  —  mür-an  keinen  gebornen  Fran- 
zosen —  so  wird  man  Ihnen  (wenn  es  Jemand  ist, 
an  den  man  sich  wenden  kann)  das  Nämliche  sagen/ 
Nun  bin  ich  hier«  Ich  muss  aushalten,  und  das  Ih- 
nen zu  Liebe.  Ich  danke  Gott  ' dem  Allmächtigen, 
wenn  ich  mit  gesundem  Gusto  davon  komme*  Ich 
bitte  alle  Tage  Gott,  dass  er  mir  die  Gnade  giebt« 
dass  ich  hier  ständhaft  aushalten  kann,  dass  ich  mir 
und  der  ganzen  deutschen  Nation  Ehre  mache,  und 
dass  er  zulässt,  dass  ich  mein  Glück  mache,  brav 
Geld  mache,  damit  ich  im  Stande  bin,  Ihnen  dadurch 
aus  Ihren  dermaligen  betrübten  Umständen  zu  hei* 
fen,  und  dass  wir  bald  zusammen  kommen  und  glück- 
lich und  vergnügt  mit  einander  leben  können*  ,       *  ' 

•   '         r  *  • 

N        •     «  •  •  ■  .«.«. 

«■ 

,  '  Der  Vater  an  den  Sohtii 

...  Salxbafg,  ddA  a9i  April  1^8*  '* 

Montägy  den  Uten  JMay^  Diesen  Augenblick 
erhalte  ich  Euer  Schreiben  vom  isten  May.  Mein 
lieber  Wolfgartg,  mm  will  ich  aüf  Alles  antworten« 
Dass  mari  in  Paris  hundert  Gänge  umsonst  macht, 
weiss  ich  aus  de*  Erfahrung  imd  habö  Dir4  aucli 
solches  schon  voraus  einihal  geschriebeil.  Datfs"  die 
Franzosen  mit  Complhnenteri  auszahlen,  ist  mit  audl 

24 


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370 

bekannt  j  und  dass  Du  aller  Orten  Deine  Feinde 
haben  wirst,  ist  eine  unvermeidliche  Sache,  das  ha- 
ben alle  Leute  von  grossem  Talente.  Alle,  die  deiS» 
malen  in  Paris  in  Credit  stehen  und  im  Neste  sitzen, 
wollen  sich  nicht  aus  dem  Neste  treiben  lassen  5  sie 
müssen  sich  furchten,  ihr  Ansehen  werde  herabge- 
setzt ,  an  welchem  ihr  Interesse  hängt.    Nicht  nur 
Gambini,  sondern  Stamitz,  Piccini  und  Andere  müs- 
sen eifersüchtig  werden.   Ist  denn  Piccini  noch  in 
Paria?   Und  wird  Gretry  mcht  eifern?  —  Wend- 
ling sagte  Dir,  die  Musik  hätte  sich  geändert.  Ich 
glaubte  nicht  viel  davon.  —  —  Die  Instrumental- 
Musik,  ja,  die  war  damals  schon  besser,  aber  die 
'Singmusik  wird  noch  so  bald  nicht  besser  werden. 
Uebrigens  musst  Du  Dich  durch  Deine  Neider  nicht 
niederschlagen  und  ans  der  Fassung  bringen  lassen  5 
das  geht  aller  Orten  so.  Denke  nur  auf  Italien,  auf 
Deine  erste  Opera,  auf  die  dritte  Opera,  auf  d'Et-' 
tore,  auf  die  Intrigue  der  de  Amicis  zurück  u.  s.  w.$ 
man  muss  sich  durchschlagen.    Wenn  Du  und  die 
Mama  nur  jetzt  zu  leben  habt,  denn  die  Umstände 
in  Deutschland  muss  man  abwarten.  —  Sey  aufge- 
reimt, finde  Dich  in  die  Umstände,  und  da  Du  mir 
schreibst,  Du  solltest  eine  Opera  schreibön,  so  folge 
meinem  Rathe,  und  gedenke,  dass  an  dem  ersten 
Stücke  Dein  ganzer  Credit  hängt  Höre,  bevor  Du 
schreibst,  und  überlege  den  Geschmack  der  Nation, 
höre  oder  betrachte  ihre  Opern.    Ich  kenne  Dich, 
Du  kannst  Alles  nachahmen.  Schreibe  nicht  in  Eile, 
—  kein  Vernünftiger  thut  das.  Ueberlege  die  Worte 
vorher  mit  Br.  v.  Grimm  und  mit  Noverre,  mache 
Schizzi  und  lass  solche  sie  hören.  Alle  machen  es  so : 


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,371  „ 

Voltaire  lies't  seinen  Freunden  seine  Gedichte  vor, 
hört  ihr  Urtheil  und  ändert*  Es  ist  um  Ehre  und 
Geldeinnahme  zu  thnnv,  und  dann  wollen  wir  nach 
Italien  wieder  gehen,  wenn  ynr  Geld  haben.  Schreibst 
Da  Etwas  zum  Graviden,  so  schreib  es  leicht  für 
Liebhaber  und  populär  t  sehreib  nicht  eilig.  Streich 
weg,  was  Dir  nicht  gefallt,  mache  Nichts  umsonst, 

lass  Dich  für  Aller  bezahlen.  —  — * '  %  *■  v 

•  ....  , 

.im  mm       m    ■  •  *,  . 

<•>•».  4  • 

Der  Sahn,  an*  den  Vater* 

-    Nim:  nahe  ich  schon  so  viel  zu  thun,  wie  wird* 
es  erst  auf  den  "Winter  aussehen.   "VVaS  unsere  Um- 
stände betrifft,  können  wir  bey  dieser  Jahreszeit  zu- 
frieden seyn.    Ich  höbe  dermalen  drey  Scholaren, 
und  könnte  mehrere  haben;  ich  kann  sie  aber  nicht 
nehmen,   weil  Alles  so  weit  entlegen  ist  und  ich 
keine  Zeit  habe.    Unter  diesen  Scholaren  habe  ich 
auch  Eine,  welche  die  Tochter  des  Duc  de  Guines 
ist,  der  mich  über  Alles  liebt.  Diese  ist  meine  Scho- 
larin, der  ich  taglich  zwey  Stunden  Unterricht  in>  . 
der  Composition  geben  muss,  und  wofür  ich  brav 
bezahlt  werde.  Er  spielt  unvergleichlich  die  Flöte, 
und  sie  magnifique  die  Harfe.  Sie  hat  sehr  viel  Ta- 
lent und  Genie,  besonders  ein  unvergleichliches  Ge- 
dächtniss,  indem  sie  alle  ihre  Stücke,  deren  sie  wirk- 
lich 200  kann,  auswendig  spielt.    Sie  zweifelt  aber 
stark,  ob  sie  auch  Genie  zur  Composition  hat  be^ 
sonders  wegen  Gedanken-—  Ideen;  —  ihr  Vater  aber 
(der,  unter  unter  uns  gesagt,  ein  Bischen  zu  sehr  in 
sie  verliebt-ist)  sagt,  sie  habe  ganz  gewiss  Ideen,  es 
sey  nur  Blödigkeit  —  sie  habe  nur  zu  wenig  Ver- • 

"  -  24* 


# 


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372 

teauea  &Qf  ,sich  selbst  Nim  müssen  wir  sehen. 
Wenn  sie  -  keine  Ideen  öder  Gedanken  bekommt 
(denn  jetzt  hat  sie  wirklich  gar  keine),  so  ist  es 
nmsonst,  denn  —  ich  kann  ihr,:  weiss  Gott,  keine 
geben.  Die  Intention  vom  Vater  ist,  keine  grosse 
Componistin  aus  ihr  siu  machen,  Sie  soll,  sagte  er, 
leine  Opem, :  leine  Arien,  leine  Concerte,  leine 
Symphonieen,  sondern  nur  grosse  Sonaten  für  ihr 
Instrument,  wie  ich  für  das  meinige,  schreiben. 
Heute  habe  «  ich  ihr  die  vierte  Xecdon  gegeben,  und 
was.  die  Regeln  der  Composition  und  das  Setzen  an- 
klangt, so.  bin  ich  so  ziemlich  mit  ihr  zufrieden,  — 
sie  hat  mir  zu  , dem  ersten  Menuett,  den  ich  ihr  auf- 
gesetzt, ganz  gut  den  Bass  dazu  gemacht.  Nun  fangt 
sie  schon  an.  drevstiinmiß  zu  schreiben.  Es  srehL 
aber  sie  ennuyirt  sich  5  doch  ich  kann  ihr  nicht  hel- 
fen, denn  ich  kann  unmöglich  weiter  schreiten,  es 
ist  zu  früh,  wenn  auch  wirklich  Jas  Genie:  da  wäre, 
so  aber  ist  leider  keines  da  — '  man  wird  Alles  mit 
Kunst  tliun  müssen.  Sie  hat  aar  keine  Gedanken, 
es  kömmt  Nichts.  Ich  habe  es  auf  alle  mögliche  Art 
mit  ihr  probirt;  Unter  andern  kam  mir  auch  in  Sinn,  1 
einen  ganz  simplen  Menuett  aufzuschreiben,  und  zu 
versuchen,  ob  sie  nicht  eine  Variation  darüber  ma- 
chen könnte?  —  Ja,  das  war  umsonst.  —  Nun, 
dachte  ich,  sie  weiss  nicht,  wie  und  was  sie  anfan- 
gen soll  —  ich  fing  also  nur  den  ersten  Tact  an 
zu  variiren,  und  sagte  ihrf  sie  solle  so  fortfahren 

und  bey  der  Idee  bleiben  das  ging  endlich  so 

ziemlich.  Wie  das  fertig  war,  so  sprach  ich  ihr  zu, 
sie  möchte  doch  selbst  Etwas  anfangen,  —  nur  die 
erste  Stimme,  eine  Melodie  -  ja,  sie  besann  sich 


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_373 

**** 

eine  ganze  Viertelstunde  —  und  eä  kam  nichts.  Da 
schrieb  ich  also  vier  Tacte  von  einem  Menuett  und 
sagte  zuihr:  „Sehen  Sie,  was  ich  für  «ein  Esel  bin; 
jetzt  fange  ich  den  Menuett  an,  und  kann  nicht  ein- 
mal  den  ersten  Theil  zu  Ende  bringen.  Haben  Sie 
doch  die  Güte  und  machen  Sie  ihn  aus."  Das  glaubte 
sie  unmöglich.  Endlich  mit  vieler  Mühe  —  kam 
Etwas  an  den  Tag.'  Ich  war  doch  fioh,  dass  einmal 
Etwas' kam.  Dami  musste  sie  den  Menuett  ganz  aus- 
machen^- ttas  heisst*  hup"  1 -die  erste  Stimme.  Ueber  ' 
Haus  haie  ich  ihr  •  nichta  anders  anbefohlen,  als 
meine  vier  Tacte  zu  verändern,  und  von  ihr  Etwas 
zu  machen  —  einen  andern  Anfang  zu  erfinden  — 
wenn  es^ 'schön  die  nämliche  Harmonie  ist,  wenn 
nur '  die '  Melodie  anders '  ist.  Hun  werde  ich  morgen  . 
sehen,  was  es  ist.     °    *  '  -** 

Ich  werde  nun  bald,' glaube  ich;  die  Poesie  zu 
meiner  Opera  en  dettx  acts  bekommen  5  dann  muss 
ich  sie  erst  dem  Director  Mr.  de  Huime  prasentiren, 
ob  er  sie  annimmt.  Da  ist  gar  kein  Zweifel  nicht* 
denn  Noverre  hat  sie  angegeben,  und  dem  Noverre 
hat  de  Huime  seine  Stelle  zu  danken.  Noverre  wird 
auch  bald  ein  neues  Ballet  machen,  und  da  werde 
ich  die  Musik  dazu  setzen.  Rudolph',  der  Wald- 
hornist,  ist  hier  in  königlichen  Diensten,  und  mein 
sehr  guter  Freund;  er  versteht  die  Composition  aus 

dem  Grunde  und  schreibt  schön.  Dieser  hat  mir  die 

1  ... 

Organisten -Stelle  zu  Versailles  angetragen,  wenn  ich 
sie  annehmen  will.  Sie  trägt  das  Jahr  2000  Livres, 
da  muss  ich  aber  sechs  Monate  zu  Versailles  leben, 
die  übrigen  sechs  Monate  zu  Paris,  oder  wo  ich  will; 
ich  glaube  aber  nicht,  dass-  ich  es  annehmen  werde. 

■ 

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374 


Ich  muss  guter  Freunde  Rath  darüber  hören  5  denn 
2000  Livres  ist  doch  kein  so  grosses  Geld,  In  deut- 
scher  Münze  freylich,  aber  hier  nicht |  es  macht  zwar 
das  Jahr  83  Louisd'or  und  8  Livres,  das  ist  unsriges 
Geld  915  £1.  45,  Xr.,  das  iy£re  freylich  viel,  aber 
hier  nur  333  Thlr.  und  %  Livres  7—  das  ist  nicht  viel. 
Es  ist  ersohrecklich,  wie  geschwind  ein  Thaler  weg 
-  ist!  Ich  kann  mich  gar  nicht  verwundern,  wenn 
man  aus  dem  Louisd'or  nicht  viel  hier  macht;  denn 
es  ist  sehr  wenig;  4 

d'or,  welches  4as  Nämliche  ist,  sind  gleich  weg,  — 

•  •  «  ■ 

Der  Vater  an  den  Sohn. 

Salzburg,  den  o8.  May  1778» 

Mein  lieber  Sohn!  Ich  bitte  Dich,  suche  die 
Freundschaft  des  Z>ac  <fe  Guinea  zu  erhalten  und 
sich  bey  ihm  in  Credit  zu  setzen  5  ich  habe  ihn  oft 
in  Zeitunccn  eelesen.  er  eilt  Alles  am  Köniel.  Hofe; 
da  jetzt  die  Königin  seh  wanger  ist,  so  werden  dann 
bey  der  Geburt  grosse  Festivitäten  eeyn,  da  könn- 
test Dn  Etwas  zu  thun  bekommen,  so  Dein  Glück 
machen  könnte,  da  in  solchen  Fallen  Alles  geschehen 
wird,  was  die  Königin  nur  verlangt.  Da  schreibst, 
heute  habe  ich  der  Mad»«U*  des  Herzogs  die  vierte 
Lection  gegeben,  und  Du  willst,  dass  sie  schon  selbst 
Gedanken  aufschreiben  soll«  —  meinst  Du.  alle  Leute 

i 

haben  Dein  Genie?  Es  wird  schon  kommen! 

Sie  hat  ein  gut  Gedächtniss.  Eh  bien(  Lass  sie 
Stehlen  —  oder  höflich,  appliciren,  —  von  Anfang 
thut  es  nichts,  bis  dass  Courage  kommt.  Mit  Varia- 
tionen hast  Du  einen  guten  Weg  genommen,  nur 
fortgefahren !  Wenn  Mr.  I*  Duc  nur  etwas 


376 

Kleines  *»n  seiner  MWW*  Tochter  hört,  wir*  er 
ausser  «Ich  sevn-,  das  ist  wirklich  eine  glückliche 
Bekanntschaft!  —  Wegen  der  Opera,  die  Du  schrei^- 
bea  sollst,  babeSoh  Dip  letatEeh^schon  meme  Erin- 
nerungen gemacht.  Ich  wiederhole,  Dir  zu  sagen; 
die  Materie  woJUzu  überlegen,  die  Poesie  mit  Ba- 
ron Grimm  durchzulesen,  und  wegen  Eipressioh 
der  Affecten  mit  Noverre  Dich zu  verstehen,  dem 
Geschmack e  der  Nation  ith Gesäuge  zu  folgen,  wel- 
ches. Deine. Modulation  und  Deine  Stimmensetsung 
alsdann  erheben  und  von  andern  unterscheiden  wird. 
~~  Rudolph  hat  Dil*  die  Organisten -Stelle  in  Ver- 
sailles angetragen?  —  —  Steht  e*  bey  ihm?  •  — 
er  will  Dir  daau  verhelfen?  Das  musst  Du  nicht 
sogleich  wegwerfen.  Du.  ärasst  überlegen,  dass  die 
33  Louisd'or  in  sechs  Monaten  verdient  sind,  — 
dass  Dir  ein  halbes  Jahr  zu  andern  Vetdiensten 
übrig  bleibt,  dass  es.  vermuthÜch  ein  ewiger 
Dienst  ist,  Du  magst  krank  oder  gesund  seyn>  — 
dass  Du  ihn  allezeit  wieder  verlassen  kannst,  — 
dass  Dw  am  Hof e  bist,  folglich  täglich  in  den 
Augen  des  Königs  und  der  Königin,  und  dadurch 
Deinem  Glücke  näher,  —  dass  Du  bey  Abgang  eine 
der  zwey  Kapellmeister -Stellen  erhalten  kannst,  — 
dass  Du  seiner  Zeit,  wenn  Succession  da  seyn  sollte^ 
Ciaviermeister  der  königl.  jungen  HerrscJuiften  seyn 
würdest,  das  sehr  einträglich  wäre,  —  dass  Dich 
Niemand  hinderte,  fur>s  Theater  oder  Conccrt  spi- 
rituel  etc.  'Etwas  zu  schreiben,  Musik  graviren  zu 
lassen  und  den  gemachten  grossen  Bekannt sclutften 
zu  dediciren*  da  in  Versailles  Viele  der  Minister 
sich  aufhalten,  wenigstens  im  Sommer  5  —  dass  Ver- 


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376 

* 

milles  seihst  eine  kleine  Stadt  ist,  oder  wenigstens 
viele  ansehnliche  Bewohner  hat.  wo  allenfalls  «ich 
ein  oder  der  audere, Scholar  oder  Sc!  1  akrin  finden  wür- 
dfULfi  vuid  endlich  a&  das  der  sicherste  Weg,  sich 
der  PrptßctiQn  der  .  Königin  zu  versieliern,  und  sich 
beliebt  £U  machen,  .  Lese,  dieses :  dem  Herrn  Baron 
Cximm  vor,  und  höre  seine  Meinung,  Uobrigens  würde 
ich  3 mndert  Sachen,    die  ich  Euch  schreiben  will, 
vergessen,  wenn  ich  nicht . einen  Sogen  Papier  her-  . 
gerichtet Mtte,  wo  ich,  so  oft  Etwas  geschieht  oder 
mir  einfällt,  fbs  ick  Euch  sehreiben  will,  solches 
also^lcich  mit  ein.  paax  Worten  äufnotirtei  Schreibe 
ich  Eue h  7 in n,    so  nehme  ich  den  Bogen  her  und 
schreibe  die  Neuigkeiten,  und  dann  lese  ich  Euern 
letzten  Brief  und  antworte.   Das  konntet  Ihr  wohl 
auch  machen,  IV a*  ich  Euch  schreibe,  streiche  ich 
auf  dem  Sogen  aus,  damit  ich  das  Uebrige  ein  au* 
deres.  Mal  schreiben  kann,  was  noch  da  steht.  Und 
Du,  mein  liebes  Weib,  musst  fein  die  Zeilen  recht 
enge  an  einander  schreiben.    Du  siehst  ja,  wie  ich 
es  mache.     Unser  lieber .  Wolfgang  soll  nach,  und 
»ach,   wenn  er  gute  Claviorsachen  «findet,  Etwas 
sammeln  und  uns  mit  dem  Postwagen  schicken. 
Wir  brauchen  es  für  die  Scholaren.   Mit  guter  Ge- 
legenheit !  —   ^ 

...  .  ..   

Der  Sohn  au  den  Vater. 

]  m  Paris,  den  ia.  Jany  177»« 

m 

Ich  habe  nun  schon  gewiss  sechs  Mal  bey  Gra£ 
Siekingen,  Pfälzischem  Gosandten  gespeis't  —  da 
bleibt  man  allezeit  von  i  bis  10  Uhr.  Die  Zeit  geht 
»her  bey  ihm  «o  geschwind  herum,  dass  mau  es  gar 


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irfoht  merkt.  Er  hat  mich  «ehr  lieb.  Ich  bin  aber 
auch  sehr  «gern  bejr  ihm  widas  ist  ein  so  freundlicher 
und  vernünftiger  Herr,  und  dereiho  so  gesunde 
Vernunft  —  und  eme  wahre  Einsicht  in  die  -Musik 
hat.  Heute  war  ich  abermals  mit  Ha  IT  dort,  und 
ich  brachte  ihm,-  weil  er  mich  schon  längst  darum 
gebeten  chatte,  etliche  Sachen -von  mir  hin.  Heute 
nahm  ich  die  neue  Symphonie  mit,  die  ich  gerade  lertig 
hatte,  und  durch  welche  am  Frohnleichnamstage'das 
Concert  *piri*u$l  wird  eröffnet  werden.  Diese  hat 
allen  BeydeÄ-  überaus  Wohlgefallen;  Ich  bin  aucE 
sehr  wohl  damit  zufrieden.  Ob  sie  aber  gefallt*  das 
weiss  ich  nicht,  *  und  die  Wahrheit  zu  sagen^Megt 
mir  sehr  wenig  daran;  denn,  -  wem  wird- sie  nicht 
gefallen?  —  den  wenigen  gescJieidteh  Franzosen ,  die 
da  sind,  stehe  ich  gut  dafü*;  das*  sie  gefällt $  den 
Dummen ,  —  da  sehe  ich  kein  grosses  Unglück,  wenn 
sie  ihnen  niöht  gefällt.  —  Ich  habe  aber  doch  Hoff* 
nung,  dass  die  £sel  auch  Etwas  daran  finden*  das 
ihnen  gefallen  kann;  und  dann  habe  ich  ja  den  pre- 
Tnier  coup  Farchet  nicht  verfehlt!  —  und  das  ist  ja 
genug.  Da  machen  die  Ochsen  hier  ein  Wesen  da- 
raus! Was  Teufel!  —  ich  merke  keinen  Untere 
schied  —  sie  fangen  auch  zugleich  an  —  wie  in  an- 
dern Qrten.   Das  ist  zum  Lachen»  —  — 

•  *  — —      l     %••'»  %»•»•••»  •  •     «■        \  » 

*  »   «  «...  M  #•     •«  •  *  •  • 

Oer  Vater  an  den  Sohn.  .  .  ,.,r  ( 

j    .'  .  •  *,  Salzburg»  den  39.  Juny  »778.  -\ 

Am  heil.  Dreyfaltigkeits  -  Sonntage  Nachmittags, 
nach  der  Litaney  im  Priesterhauso  sagte  mir  Graf 
Starnberg,  ob  ich  nicht  morgen  zu  ihm  kommen 
könnte,  er  hatte  Etwas  mit  mir-  zu  sprechen.  Ich 


uiyi 


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kam  ^Niemaisd.  was  4a,  sk  9*\U  üruder,  der  La^ 
■erL  kpnigt.  M*jpr*.$M hbey  ihm  wohnt,  uud  , »ich 
hier  von  der  Furcht  Griten  lassen,  wttlf  die  er  vor 
£em  Preussischen  Ptdver  und  Biey,  bat.  Er  sagte 
mir  9  es  wäre,  ihm  ein  Organ isf  reeominandirt  worr 
4on,  LeB  wpiitft.  fiiqb  «ber  der  Sache(  nicht  anneJUmea, 
ohne;  zu  wissen,  ob  er  gut  wäre,  *-r  .er  wollte  sich 
demnach  bey  mir  er^flndigenj  ob  ich  ihn  nicht  keim  tu  5 
er  sagte  mir,  er  heisst  Mandl,  oder  wfe,  ;W  wüsstt 
es, gelbst  nich t recht«  rm  ' .  O  du  ungeschickter  Teu- 
fel! dachte,  ich;, .  mön.  wii-d  de»  Auftöag  oder  ein 
Ansuchen  aus  Wie»  cpcbaUenl,  um  Jemand  zu  recom- 
inaödiren  und  defc^NWwm  §5tpf  des  Cüenten  nicht 
»chteiheu.  loh ,  hätte  es  nicht  merken  sollen  ,  dass 
dieses  der  Eingang' wäre,  um  mich  zn  fcewegen,  von 
meinem*  gphn*  zureden:  aber  ich?  — nicht  eine 
gylbel.ich  sagte*  das*  ich  die  Ehre  nicht  hätte, .  die- 
sen  Manschen  zu  kennen,  und  dass  ich  niemals  es 
waeen  würde,  dem  Fürsten  Jemand  anzuemp fehlen, 
indem  es  immer  schwer  wäre,  Jemand  zu  flu  den, 
der  ihm  nach  der  Hand  recht  anstandig  wäre.  /*/ 
sagte  er,  —  1  Uly  Werdet  ihm  auoh  Niemand  recom- 

maudiren ,  es  ist  viel  au  luirt!  -  r  Ilir  Herr  Solm 

«rite  7«er  s</«f  (brÄroi  iftufgesossen)  dachte 

ich:*  iZa-s*  dieser  Mann  nicht  .ein  grosser 

Staats-Minister  und  Abgesandter  ist!  —  Dann  sagte 
ich  ihm:  wir  wollen  recht  aufritlUig  sprechen}  und 
fragte  ihn,  ob  man  nicht  alles  Mögliche  gethan,  ihn 
mit  Gewalt  aus  Salzburg  zu*  vertreiben?  Ich  fing 
vom  An&inge  an,  und  vergass  nichts  herauszusagen, 
was  Alles  vorbey  gegangen,  so  dass  sein  Bruder 
ganz  .erstaunte,  und  er  selbst  aber  nichts  anders  sa- 


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een  konnte,  als  dass  4  Lies  die  gründlichste  .Wahrheit 
wäre.«  Wir  kamen  - auf  AW#»  von  der  ganzen  Musik 
—  ich;  erklärte  ihm  Alles .  voä  ;  der  Brust  heraus ,  —7 
und  erj  erkannte,  dassAl|es;^o  vollkommene  Wahr- 
heit wäre,  und  sagte  endlich  seinem  Bruder,  dass 
alle  Frenke*  die  an*  den  Salzburgischen  Hof  gekomT 
men,  .nicjits  anderes  als  den  jungen  j\£o^,cit  t  1)6— 
wundert  hätten*  Er  wollte  mich  bereden ,  dass  ich 
an  meinem  Sohn  desswecen  schreiben  sollte:  ich  sacte 
ihm  aber,  dass  ich  diess  nicht  thun  könnte,  —»  dass 
es  e^ue  vergebliche  Ai'beit  wäre,  -n  dass  mein  Sohn 
über::  ejnen  solchen  Antrag  lachen  würde;  es  wäre 
denn  die  Sache,  dass  ich  ihm-  zugleich  den  Gehalt^ 
den  er  haben  sollte,,  überschreiben  könnte;  denn 
auf  den  Gehalt  eines  Adlgassers  wurde  nicht  einmal 
eine  Antwort  zu  hoffen  seyn*  Ja,  wenn  Se.  Iloch- 
fürstL  Gnaden  ihm  auch  monatlich  60  fl.  zu  geben 
sieh  entschliessen  könnten,  so  stündo  noch  car  sehr 
zu  zweifeln,  ob  ef  es  annehmen  würde»,  Wir^  gin- 
gen alle  Drey  mit  einander  aus  seinem  Hause,  denn 
sie  gingen  auf  die  Reitschule,  ich  begleitete,  sie,  und 
wir  sprachen  immer  von  dieser  Sache , ,  ich  blieb  da- 
bey  ,  was  ich  oben  gesagt  habe,  —  er  blieb  dabey, 
dass  er  für  meinen  Sohn  allein  eingenommen  wäre. 

Nun  müsst  Ihr  wissen,  -*dass  der  Fürst  keinen 
guten  Organisten  bekommt,  der  auch  ein  guter  Cla- 
vierspieler  ist.  —  Dass  er  jetzt  sagt  (aber  nur  zu 
seinen' Lieblingen),  dass  Becche*  ein  Scharlatan  und 
Schwankemacher  sev*  dass  der  Mozart  Alle  weit 
übertreffe,  also  »möchte  er  lieber  denjenigen  haben, 
den  er  kennt,  was  er  ist,  als  einen  Andern  für  das 
th euere  Geld,  den  er  noch  nicht  ,  kennt.   Er  kann 


I 


TW 

m 

a  (Wenn  er  ihm  weniger  ©ehalt  geben  wollte) 
eine  EinhäHme,'dai^''SchoIareh;;T^  da  de-^ 

ren  wenige  sind,  und  ich  solche  ha%e,  und  «war 
mit  dem  Kühme,  dass  k*in  Mensch  besser  Zäciiön 
zu  geben1  im  Stande  ist.  **-  Kegfc  nun-  der  Haaso 

im  Pfeffer!-  Rtf3s<Areibe  «b**>  alles  •  äies^ liefet  m 
der  Absiebt,  DÄ3»^  jriem  Keber--Wolfgan^'«*u  bere- 
den^ dass  Du  nach.  SalabuYg^aüruekkehre»  solltest 
denn  ich  rnache"ganz  und-gar  keine  Rechnimg'  auf 
die  Worffe  des  Brzbischofs ,  iclv  habe  auch  mit  der 
Ä  :Kttn  Wort  gesprochen^  Wntleitt*  Vermeide 
HSefiheftr  <  dÖef^'Gele^ehheÄ?  tfak  ihr  1  «usammeri-  zu 
^^6^:'  äa-siWraas  mindeste  W^für'WlÜfiWg* 
keit 1  und  Ansuchen  aufeehmentrnöchte.  Sie  müssen 
kommen  —  und  um  Etwas  einzugehen ,  müssten 
^ohl  gar  günstige  und  vortheöltafte  Cbnditiönes  vor- 
geschlagen*  werden,  und  daseist  rÜcht  zu  vermuthen. 
Wir  wollen  es  verwarten  man  rnuss  nichts  ver- 
redciij  als  das  Na^enabbeissenv*j  *m 

*  •  •  •  •  •  t 

A.m*  m  p  ,       b«m      •-«•.        U  l  I     §        '  -  ■  *  ».  »  ■ 

.'j*'         *  "  "0  •*  r    •••••••         •  ,     it  — 

Den  3teri  Julius  it/8  starb  Mozart's  Slutter  nach 

einem  vierz^ehntägigen  Krankenlager.  Der  Sohii  be- 
richtet diesen  FaU  Hrn.  Abbate  Bulluigcr,  um 'sei- 
nen Vater  darauf  vorzubereiten,  durch  folgenden 
Brief:         .  . 

**  Iii  "l    »  .    •  I  »  •••  •« 

•  \  ■ 

Allerbester  Freund!   (fü*  Sie  gan«  allein.) 

Trauern  Sie  mit  mir,  mein  Freund!  —  Diess 
war  der  traurigste  Tag  in  meinem  Leben  —  das 
schreibe  ich  um  zwey  Uhr  Nachts  —  ich  mtfss  es 
sagen,  meine  Mutter ,  meine  liebste  Mtil- 


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3H1 

■ 

ter  igt  nich  t  mehr !,       Gott  hat  sie  zu;  .sich  [berufen; 

—  et  wollte  sie  haben,  das  sah  iah; klar  mm  mithin- 
habe  ich  midb  in  dt*  Hillen  Gottes  gegeben. 

Ep  hat"  sie  mir  gegeben er  konnte  ?  sie  mir  auch 
nehmen«  '  Stellen  Sie  -  »ich  nur  alte  meine  Unruhe,, 
Angst. und  Sorgen  vjprY.  4t«:  ich  diese  vierzehn  Tage 
ausgestanden  habe*  Sü?  starb,  ohne  <  dass  sie  Et-, 
was  von  sich  wusste.:-r  Jßsehte  aus  wie  ein  Licht« 

«»  * 

Sie  hat  -drey  Tage  vorher  gebeichtet  ,  wurde  abge- 
.speis' t  und  empfing  die*  heilige  Oehlung.  — r  Die 
letzten  drey  Tage  aber  phantasirte  sie  beständig,  umd- 
heute  um  £  Uhr  21 Minuten  Abends  griff  sie  in  ZüV 
gen,,  verler  also  gleich  dabey  alle  Empfindung  ,und 
Sinne  —  ich  drückte  ihr  die  Hand,  redete  sie  an  — 
sie  sah  mich  aber  nicht,  hörte  mich  nicht,  und  em- 
pfand Nichts  -  so  lajg  sie,  bis  sie  verschied«  näm- 
lich in  5  Stunden,  um  10  Uhr  21  Minuten  Ahend* 

—  es  war  Niemand  dabey ,  als  ich ,  ein-  guter  Freund  _ 
von  um,,  den  mein  Vater  kennt,  Hr.  .Haine  und  die 
Wärterin.  —  Die  ganze  Krankheit  kftJtm  ich  Ihne*  : 
heute  unmöglich  schreiben  —  ich  bin  der  Meynung, 
dass  sie  hat  sterben  müssen  —  Gott  hat  es  so  haben 
wollen.  Ich  bitte  Sie  unterdessen  um  Nichts,  als 
tun  das  Freundschaftsstück,  dass  Sie  meinen  armen 
Vater  ganz  sachte  zn  dieser  traufigen  Nachricht  zu- 
bereiten —  ich  habe  ihm  mit  der  nämlichen  Post 
geschrieben  —  äber  nur,  dass  fcie  schwer  krank  ist 

—  warte  dann  nur  auf  eine  Antwort,  damit  ich  mich 
darnach  richten  kann«  Gott  gebe  ihm  Stärke  .und 
Muth!  —  Mein  Freund!  —  Ich  bin  nicht  jetzt, 
sondern  sehr  lange  her  getröstet!  —  ich  habe  aus 
besonderer  Gnade  Gottes  Alles  mit  Standhaftigkeit 


und  Gelassenheit  übertragen.   Wie  es  so  gefahrlich 
wurde,  to  bat  ich  Gott  nur  um  zwey  Dinge,'  näm- 
lich  um  eine  glückliche  Sterbestunde  für  meine 
Mutter,  und  dann  für  mich  um  Stärke  und  Muth  — 
und  de*  gutige  Gott  hat  mich  erhört  und  mir  die 
zwey  Gnaden  im  grössten  Maasse  verliehen.  Ich 
bitte  Sie  also,  bester  Freund,  erhalten  Sie  mir  mei- 
nen Vater,  sprechen  Sie  ihm~Muth  zu,  dass  er  es 
«ich  nicht  gar  zu  schwer  und  hart  nimmt,  wenn  er 
das  Aergste  erst  hören  wird.   Meine  Schwester  em- 
pfehle ich  Ihnen  auch  von  ganzem  Herzen  —  gehen 
Sie  doch  gleich  hinaus  Zu  ihnen,  ich  bitte  Sie  — 
sagen  Sie  ihnen  noch  nicht,  dass'  sie  todt  ist,  son- 
dern bereiten  Sie  sie  nur  so  dazu  vor  —  thun  Sie, 
was  Sie  wollen,  —  wenden  Sie  Alles  an  —  machen 
Sie  nur,  dass  ich  ruhig  seyn  kann  —  und  dass  ich 
nicht  etwa  ein  anderes  Unglück  zu  erwarten  habe. 
—  Erhalten  Sie  mir  meinen  lieben  Vater,  und  meine 
liebe  Schwester.  Geben  Sie  mir  gleich  Antwort,  ich 
bitte  Sie  —  Adieu,  ich  bin 

Dero 


.    .  :    Wolfgang  Amade  Mozart.  , 
Au«  Fürsorge.: 


Rue  du  gros  chenet,  vis-ä-vis  Celle  da  croissant 
ä  l'hötel  des  quatre  fds  aimont* 


Der  Sohn  an  den  Vater^      ;  , 

Paris,  den  3.  July  1778. 
Ich  habe  Ihnen  eine  sehr  unangenehme  und  trau- 
rige Nachricht  zu  geben,  die  auch  Ursache  ist,  dass 
ich  auf  Ihren  letzten  Brief,  vom  Ilten  Juny  datirt, 
nicht  eher  habe  antworten  können.    Meine  liebe 


r 


383  , 

Mutter  ist  sehr  krank  —  sie 'hat  «ich  ,  wie  sie  es  ge- 
wöhnt war,  Ader  'gelassen-,  und  es  war  auch  Seh* 
nothwendig,  und  war  ihr  auch  darauf  ganz  gut.  Doch"  i 
einige  Tage  darnach  klagte  sie  über  Frost  umi  auch 
gleich  Hitze,  — -*  bekam  den  Durchlauf  ^  Kopfwehe;' 
wir  brauchten"  anfangs  unsere  Hausmittel, "antispas-1 
modisch  Pulver*  wir  hätten  aucli  gern  das  schwarze 
gebraucht,  £s -mangelte ;  uns  aber,"  und  wir  konnten 
es  hier  nicht  bekommen ,  es  ist  auctT  unier  dem  Na- 
men pulvis '  eptlepttcus  nicht  bekannt.  —  Weil  es 
aber  immer  arger  wurde,  sie  hart  reden  konnte*,  das 
Gehör  verlor,  bö  dass  man  schreyen  musste,  —  so 
scjiicicte  der  uaion  uiinun  seinen  uoctor  ner.  — 
Sie  ist  sehr  schwach ,  hat  noch  Hitze  und  phantasirt^ 
—  man  giebt  mir  -Hoffnung  -,  ich  habe  aber  :nicht 
viel  —  ich  bin  nun  schon  länge  Tag  und  Nacht 
zwischen  Furcht  und  -  Hofinmnj  «—'Ich  habe  mich 
aber  ganz  in  den  Willen  Gottes  gegeben"—  und 
hoffe,   Sie  und  meine  liebe  Schwester  werden  es 
auch  thun.  :  Was  ist  denn  sonst  für  ein  Mittel,  um 
ruhig  zu  seynf  «^  ruhiger,  sage  ich,  denn  ganz 
kann  man  es  nicht  seyn.  —  Ich  bin  getröstet,  es 
mag  ausfallen,  wie  es  will,  —  weil  ich  weiss,  dass 
eis  Gott,  der  Alles  (wenn  es  uns  noch  so  quer  vor- 
kommt)  zu  unseren  Besten  anordnet,'  so  haben  will  5 
denn  ich  glaube,  und  dieses  lasse  ich  mir  nicht  aus- 
reden, dass  keinDoctor*  kein  Mensch,  kein  Unglück, 
kein  Zufall  einem  Menschen  das  Leben  wedei^  geben 
noch  nehmen  kann,  sondern  Gott  allein  —  das  sind 
nur  die  Instrumente,  deren  er  sich  meistenstheils 
bedient  —  und  auch  nicht  allezeit.  —    Wir  sehen 
ja,  dass  Leute  umsinken,  umfallen  und  todt  siuo*. 


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Ich  sage  desswegcn  Jijclft,  dass  meine  Mutter  sterben 
wird  und  sterben  mnss,  dass  alle  Hoffnung  verloren 
sey  —  sie  kann  frisch  und  gesund  werden,  aber  nur 
wenn  Gott  wilL  —  Ich  mache  mir,  nachdem  ich 
aus  allen  meinen  Kräften  um  die  Gesundheit  und 
das  Leben  meiner  lieben  Mutter  zu  meinem  Gott 
gebetet  habe,  gern  solche  Gedanken  und  Tröstungen, 
weil  ich  .mich  hernach,  mehr  beherzt,  ruhiger  und 
getrostep  finde,  —  denn  Sie  werden  sich  leicht  vor- 
stellen^ dass  ich  diess  brauche!  ßm  Nun  etwas  An- 
deres. Verlassen  wir  diese  traurigen  Gedanken ,  hof- 
"fV-  w  ^^rxr  ^  &b^r  ixxcln^  zix  \^ac1^  litiijc  ix  ^j^^xr  .^ixiscr  ^^/^d^** 
trauen  auf  Gott,:  und  trösten  wir  ups  mit  diesem 
Gedanken,  dass  Alles  gut  geht,  Y?enn  es  ,nach  dem 
•vVülen  des  Allmächtigen  geht,  indem  er  am  besten 
weiss,  was  uns  AUen  sowohl  zu  unserm  zeitlichen 
als  ewigen  Glück  und  Heü  erspriesslich  und  nutz- 
bar ist^-- .  •  .      ,      1        ,  ..•    •     .  i  - 

Ich  habe  eine  Symphonie,  um  das  Concert  spi-* 
riiuel  zu  eröffnen,  machen  müssen ,  und  sie.  wurde 
am  Frohnleichnamstage  mit  allem  Applaus  aufge- 
führt. Es  ist  auch,  so  viel  ich  höre,  im  Courier  de 
l'Europe  eine  Meldung  davon  geschehen-  —  Sie  hat 
also  ausnehmend  gefallen.  Bey  der  Probe  war  es 
mir  sehr  bange,  denn  ich  habe  meine  Lebenszeit 
nichts  Schlechteres  gehört  5  Sie  können  sich  nicht 
vorstellen,  wie  sie  die  Symphonie  zwey  Mal  nach 
einander  herunter  gehudelt  und  herunter  gekratzt, 
haben.  —    Mir  war  wahrlich  bange ,  ich  hätte  sie 

»,  *         mm  m     4«  V. 

gern  noch  einmal  probirtj  aber  weil  man  allezeit  so 
viel  Sachen  probirt,  so  war  keine  Zeit  mehr.  Ich 
musste  also  mit  bangem  Herzen  und  mit  unzufrie- 


I 

I 


SM 


Bett  gehen.  Den  an- 
dern Tag  hatte  ich  mich  entschlossen,  gar  nicht  ins 
Concert  zu  gehen;  da  es  aber  Abends  gut  Wetter 
wurde,  entschloss  ich  mich  endlich,  mit  dem  Vor- 
satze, dass,  wenn  es  so  schlecht,  wie  bey  der  Probe 
ging,  ich  gewiss  auf  das  Orchester  gehen  werde, 
und  dem  Hrn.  La  House,  erstem  Violinspieler,  die 
Violine  aus  der  Hand  nehmen  und  selbst  dirigiren 
werde.  Ich  bat  Gott  um  die  Gnade,  dass  es  gut 
gehen  möchte,  und  Ecce!  die  Symphonie  fing  an, 
Raff  stand  neben  mir,  und  gleich  mitten  im  ersten 
Allegro  war  eine  Passage,  die  ich  wohl  wusste,  dass 
sie  gefallen  müsste:  alle  Zuhörer  wurden  davon  hin« 
gerissen,  und  war  ein  grosses  Applaudissement«  — 
Weil  ich  aber  wusste,  wie  ich  sie  schrieb,  was  das 
für  einen  Effect  machen  würde,  so  brachte  ich  sie 
zuletzt  noch  einmal  an,  —  da  ging  es  nun  da  capo. 
Das  Andante  gefiel  auch,  besonders  aber  das  letzte 
Allegro«  Weil  ich  hörte,  dass  hier  alle  letzte  Alle« 
gro's,  wie  die  ersten,  mit  allen  Instrumenten  zugleich, 
und  meistens  unisono  anfangen,  so  fing  ich  es  mit 
den  zwey  Violinen  allein  piano  nur  acht  Tacte  an, 
—  darauf  kam  gleich  ein  Forte j  mithin  machten  die 
Zuhörer  (wie  ich  es  erwartete)  bey  Piano  sch— , 
dann  kam  gleich  das  Forte«  —  Sie  das  Forte  hören 
und  in  die  Hände  klatschen  war  Eins.  Ich  ging  also 
gleich  vor  Freude  nach  der  Symphonie  ins  Palais 
Royale,  nahm  ein  gutes  Gefrornes,  —  betete  den 
Rosenkranz,  den  ich  versprochen  hatte,  und  ging 
nach  Haus« 

Dass  ich  hier  nicht  gern  bin,  werden  Sie  schon 
längst  gemerkt  haben;  ich  habe  so  viele  Ursachen, 

25 

* 

Digitize 


die  aber,  weil  ich  jetzt 'schon  einmal  da  bin,  zu 
Nichts  nützen.  — 

—  ■  Mit  der  Opera  ist  es  dermalen  so.  Man  findet 
sehr  schwer  ein  -  gutes  Poeme ;  die  .alten,  welche  die 
besten  sind,  sind  nicht  auf* den  modernen  Styl  enr-. 
gerichtet,  und  die  neuen  sind  alle  nichts  werth;  denn 
die  Poesie,  welches  das  Einzige  war,  worauf  die 
Franzosen  haben  stolz  seyn  können,  wird  jezt  alle 
Tage  schlechter,  und  "die  Poesie  ist  eben  das  Einzige 
hier,  was  gut  seyn  muss,  weil  sie  die  Musik  nicht 
verstehen.  —  Es  sind  nun  zwey  Opern,  die  ich 
schreiben  könnte,  eine  en  deux  aete*y  die  andere  eh 
tröü  acte*.  Die  en  deux acte*  ist  Alexandre  et  Roxane 

—  der  Poet  aber,  der  sie  schreibt,  ist  noch  in  der 
Campagne.  Die  en  trois  actes  ist  Demofont  (von 
Metastasio),  übersetzt  und  mit  Chören  und  Tänzen* 
vermischt,  und  überhaupt  -für  das  französische  Thea- 
ter arrangirt,  von  dieser  habe  ich  auch  noch  nichts 
sehen  können. —  — •>.'  Wegen  i Versailles  -war  es 
nie  mein  Gedanke:;  ich  habe  auch  den  Rath  des 
Baron  Grimm  und  anderer  guten  Freunde  dar  über- 
gehört, sie  dachten  Alle  wie  ich.  Es.  ist  /wenig  Geld, 
man  muss  sechs  Monate  in  einem  Orte  verschmach- 
ten, wo  nichts  sonst  zu  verdienen  ist,  und  sein  Ta- 
lent vergraben«  Denn  wer  in  königlichen  Diensten 
ist,  der  ist  zu  Paris  vergessen,  und»  dann  Organist  1 

—  Ein  guter  Dienst  wäre  mir  «ein?  lieb,  aber  nicht 
anders  als  Kapellmeister  und  gut  bezahlt« 

.Nun  leben  Sie  reehtr ;wohl ,  habeji  Sie  Sorge  auf 
Ihre  Gesundheit,  verlassen  Sie  sich  au£  Gott,:  da 
müssen  Sie  ja  Trost  finden*  Meine  liebe  Mutter  ist 
in  den. Händen  des  Allmächügen,  'will  er  sie  uns 


387 

* 

*  0  * 

noch  sc] lenken,  so  werden  wir  ihm  für  diese  Gnade 
danken;  ^vill  er  sie  aber  zu  sich  nehmen,  so  nützet 
alP  unser  Aengsteri,  Sorgen,  Verzweifeln  nichts,  — 
geben  wir  und  lieber  standhaft  in  seinen  göttlichen 
Willen,  mit  ganzlicher  Ueberzeugung,  dass  es  zu 
unserm  Nutzen  seyn  wird,  weil  er  nicht«  ohne  Ur~ 
sache  thut* 

,   .  •••  •         •  • 

\t   .  ,    Des.  Vaters  Antwort  u.  s.  w.  , 

;.: Salzburg,  den  i3.  July  1778.  . 
'  •  Mein  liebes  Weib,  und  mein  lieber  Sohn! ; 

Um  Deinen  Namenstag ,  mein  liebes  Weib,  nicht 
zu  verfehlen,  schreibe  ich  üfoter  heutigem  Datum, 
-wo  der  Brief  noch  sicher  einige  Tage  vorher  ein- 
treffen muss.  Ich  wünsche  Dir  Millionen  Glück, 
solchen  abermals  erlebt  zu  haben,  und  bitte  den 
allmächtigen  Gott,  dass  er  Dich  diesen  Tag  noch 
viele  Jahre  gesund  und,  so  viel  es  auf  diesem  ver- 
änderlichen Welt-Theater  möglich,  auch  vergnügt 
möge  erleben  lassen.  Ich  bin  vollkommen  überzeugt 
dass  Dir  zu  Deinem  wahren  Vergnügen  Dein  Mann 
und  Deine  Tochter  mangelt.  Gott  wird  nach  seinem 
tmerforschlichen  R  Anschlüsse  und  heiligster  Vor- 
sehung Alles  zu  unserm  Besten  anwenden.  Hättest 
Bu  wohl  vor  einem  Jahre  geglaubt,  dassr  Du  Deinen 
kommenden  Namenstag  in  Paris  hinbringen  würdest? 
*—  —  So  unglaublich  es  damals  Manchen!  geschienen 
hätte  (obwohl  uns  eben  nicht)  —  eben  so  möglich 
ist  es,  dass  wir  mit  der  Hülfe  Gottes  eher,  als  wir 
es  vermuthen,  wieder  Alle  beysammen  sind:  denn 
dieses  allein  ist,  was  mir  am  Herzen  liegt,  —  von 
Euch  getrennt  zu  seyn  *—  von  .Euch  entfernt,  und 

25* 


I 


so  weit  entfernt  zu  leben;  sonst  sind  wir,  Gott  sey 
gelobt,  gesund!  Wir  Beyde  küssen  Dich  und  den 
Wolfgang  Millionen  Mal,  und  bitten  Euch  haupt- 
sächlich für  die  Erhaltung  Eurer  Gesundheit  besorgt 
zu  seyn.  — 

Dieses  Vorherstehende  schrieb  ich  gestern,  den 
Ölten  d.  M.  Heute  Vormittags  den  i3ten,  das  ist 
diesen  Augenblick  vor  10  Uhr,  erhalte  ich  Dein  be- 
trübtes Schreiben  vom  3ten  July.  Du  kannst  Dir 
leioht  vorstellen ,  wie.  uns  Beyden  um  das  Herz  ist. 
Wir  weinten  zusammen,  dass  wir  kaum  den  Brief 
lesen  konnten,  —  und  Deine  Schwester!  —  grosser, 
barmherziger  Gott!  Dein  allerheiligster  Wille  ge- 
schehe! Mein  lieber"  Sohn!  bey  aller  meiner  immer 
möglichen  Ergebung  in  den  göttlichen  Willen  wirst 
Du  es  doch  ganz  menschlich  und  natürlich  finden, 
dass  ich  durch  Thränen  fast  gehindert  werde,  zu 
schreiben.  Was  kann  ich  endlich  für  einen  Schluss 
machen?  —  Keinen  andern,  als:  jetzt,  da  ich  dieses 
schreibe,  wird  sie  vermuthlich  todt  —  oder  sonst 
muss  sie  besser  seyn,  denn  Du  schreibst  den  3ten, 
und  heute  ist  schon  der  13te.  Du  schreibst,  sie  be- 
fand sich  auf  das  Aderlassen  gut;  allein  einige  Tage 
hernach  klagte  sie  über  Frost  und  Hitze.  Euer  letz- 
ter Brief  war  vom  12ten  Juny,  und  da  schrieb  sie  — 
gestern  habe  ich  mir  Ader  gelassen  t  das  war  also 
den  Ilten  Juny,  und  warum  denn  an  einem  Sams- 
tage —  an  einem  Fasttage?  —  Sie  wird  wohl 

Fleisch  gespeis't  haben.  Sie  hat  mit  dem  Aderlassen 
zu  lange  gewartet.  Ich  habe  es  ja  erinnert,  weil  ich 
sie  kenne,  dass  sie  Alles  von  Heute  auf  Morgen  ver- 
schiebt, absonderlich  an  einem  fremden  Orte,  wo 

• » 

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sie  sich  erst  um  einen  Chirurgen  erkundigen 
Nun  ist  einmal  die  Sache  so  —  und  nicht  mehr  zu 
ändern«  —   Da  ich  mein  vollkommenes  Vertrauen 
in  Deine  kindliche  Liebe  setze,  dass  Du  alle  men- 
mmögliche  Sorgfalt  für  Deine  gewiss  gute  Mut- 
getragen hast,  und,  wenn  Gott  sie  uns  noch 
schenket,  immer  tragen  wirst;  für  Deine  gute  Mut- 
ter, deren  Augapfel  Du  warst,  und  die  Dich  ganz 
ausserordentlich  geliebt  hat,  —  die  völlig  stolz  auf 
Dich  war,  und  die  (ich  weiss  mehr  als  Du)  gänzlich 
in  Dir  gelebt  hat«  Sollte  nun  aber  alles  unser  Hoffen 
vergebens  seyn!    Sollten  wir  sie  verloren  haben!  — 
Grosser  Gott!   So  litis t  Du  Freunde  ?wthig,  red- 
liche Freunde!  sonst  kommst  Du  um  Deine  Sachen, 
Begräbniss- Unkosten  ».  8.  w.  mein  Gott!  manche 
Dir  ganz  unbekannte  Unkosten,  wo  man  einen  Frem- 
den betrugt  —  übernimmt  —  hintergeht  —  im  un- 
notnige  i^osten  bringt  una  aussaugt,  wenn  man  niciu 
redliche  Freunde  hat:  Du  kannst  es  wirbt  verstehen. 
Sollte  nun  dieses  Unglück  vorgefallen  seyn,  so  bitte 
Hrn.  Baron  von  Grimm,  dass  Du  Deiner  Mutter 
Sachen  aHe  zu  ihm  in  Verwahrung  bringen  darfst, 
damit  Du  nicht  auf  gar  so  viel  Sachen  Achtung  zu 
geben  nothwendig  hast:  oder  versperre  Alles  recht 
gut,  denn  wenn  Du  oft  ganze  Tage  nicht  zu  Hause 
bist,  kann  man  ins  Zimmer  brechen  und  Dich  aus- 
rauben.   Gott  gebe,  dass  alle  diese  meine  Vorsorge 
unnöthig  ist:  an  dieser  aber  erkennst  Du  Deinen 
Vater.   Mein  liebes  Weib!  mein  lieber  Sohn!  Da 
sie  einige  Tage  nach  dem  Aderlass  unpässlich  ge- 
worden, so  muss  sie  sich  seit  dem  l6ten  oder  17ten 
Juny  krank  befinden«   Ihr  habt  doch  zu  lange  ge- 


390 

wartet,  —  sie  hat  geglaubt,  es  wird  durch  Ruhe  im 
Bette »  ,durch.Diät,.  durch  eigene  Mittel  besser  wer- 
den; ich  weiss,  wie  es  geht,  man  hofft  und  schiebt 
von  Heute  auf  Morgen;  allein,  mein  lieber  Wolf- 
gang, das  Laxken  bey  Hitze  erfordert  augenblick- 
lich einen  Medicura,  um  zu  wissen,  ob  man  die 
Hitze  benehmen  oder  noch  lassen  muss,  da  die  ab- 
kühlenden Mittel  noch  mehr  Laxiren  machen und 
stillt  man  den  Durchlauf  zur  unrechten  Zeit,  so  geht 
die  Materia  peccana  in  einen  Brand,  fe*.  Gott,  Dir 
sey  Alles  uberlassen! 

Ich  wünsche  Dir  Glück,  dass  Du  mit  Deiner 
Symphonie  im  Comett  spirituel  so  glücklich  durch- 
gekommen. Ich  stelle  :  mir  Deine  Angst  >vor.  — « 
Dein  Entschluss,  wenn  es.  nicht  .gut  gegangen^ wäre, 
ins  Ouchester  zu  laufen,  war  wohl  nur  ein  erhitzter 
Gedanke.  -  Behüte.  GottL  diese  und  .alle  derley  Ein- 
fälle musst  Du  Pir  au^scldagen ;  sie  sind  unüberlegt, 
ein  solcher  Schritt  würde  Dir  das  Leben  kosten,  und 
das  setzt  doch  kein  vernünftiger .  Mensch  auf  eine 
Symphonie»  ,Ein  dergleichen.  Affront  r-i  und  zwar 
öffentlicher  Affront,,  Ty^urde  und  müsste- nicht  nur 
ein  Franzose,  sondern lt  jeder  Andere,  der  auf  Ehre 
hält,  mit  dem  Degen , in  der  Faust  rächen.  — r  — 

Ich  schrieb  ihjp  meinen  Glückwunsch  am  An- 
fange des  Briefes  v—  «und  die  Nannerl  wpllte  mit 
ihrem  Glückwunsche  denselben  scliliesen.  Allein  sie 
kann  (wie  Du  Dir 's  leicht  vorstellen  kannst)  keinen, 
Buchstaben  schreiben,  die  Sache  kommt  eben  jetzt, 
da  sie  schreiben  sollte,  —  jeder  Buchstabe,  den  sie 
hinschreiben,  soll,  treibt  üir  einen  Thräneuguss  in 
die  Augen.   Vertrete  Du,  ihr  lieber  Broder,  ihre 


391 

i  ■ 

Stelle  ^~  wenn  Du,  wie  wir' 

noch  vertreten  kannst.  •  •     . '  "       '  *• 

, Doch  nein i  Du  kannst  es  nicht  mehr.  —  Sie 
ist- dahin!  Du  bemühest  Dich  zu  sehr,  mich  zu  trö- 
ste»! das  thut  man  nicht  £ar  so  eifrig,  wenn  man 
nicht  durch den  Verlust  aller,  menschlichen  Hütt- 
nung,  oder  durch  den  Fall  selbst; dazu  ganz  natür« 

^ch  angetrieben  ivird.  Dieses  schreibe  ich  um 

halb  4  Uhr  Nachmittags.  Ich  weiss  nun,  dass  meine 
liebe  Frau  im:  Himmel  ist.  Ich  schreibe  es  mit  wei- 
nenden^Augen,  aber  mit  gänzlicher  Ergebung  in  den 
göttlichen  Willen!, '  .      .   '     '  ?  -u  ' 
i,  *  Hri  iBullinger.  fand  uns,  wie  alle  die  Uebrigen 
uns.  antrafen,  in  der  betrübtesten  Situation;  ich  gab 
ihm*  ohne  ein  Wort  zu  sagen,  Deinen  Brief  zu  le- 
$en,  und  er  verstellte  sich  trefilieh,  und  fragte  mich,  - 
was  ich  davon  hieltet  Ich  antwortete  ihm,  dass  ich 
fest  -glaubte,  mein  liebes  Weib  sey  schon  todt.  Er 
sagte  >  dass  e^  in  der  That  fast  eben  dieses  vermu- 
the,  und  dann  sprach  er  mir  Trost  ein,  und  sagte, 
mir  als  ein  wahrer  Freund; alle»  dasjenige,  was  ich 
mir I  bereits  ecbonyitlbat  gesagt  hatte.   Ich  gab  mir 
Mühe,  mich  aufzuräumen,  mich  bey  der  Ergebung 
in  den  allerheiligstcn  göttlichen  Wülen  zu  erhalten. 
Wir  cfnfligten  uiiser  Folzscmesseji,  Alles,  ging  betrübt 
weg,  Hr.  Biüliuger,  blieb  bey  mir,  und  fragte  mich 
dann  unbemerkt,  was  ich  davon  hielte,  ob  bejr  die- 
sen .beschriebenen  KränklieiUumstanden  noch  Ho:ü> 
nung  wäre*  Leih  antwortete  ihm,  dass  ich  glaubte, 
sie  tväre  nicht.  mir  jetzt  todt,  sondern  den  Tag,  da 
Dein  15 rief  geschrieben  worden,  - schoii  gestorben, 
dass  ich  mich  in  den  Willen  Gattes  ergeben  und  . 


392 


denken  müsse    daaa  ich  -wev  Kinder  hohe   die  mich 
7w ff  entlich  so  lieben  werden,  als  wie  ich  einzig  für 
sie  lebe;  dass  ich  es  so  gewiss  glaube,  dass  ich  sogar 
Erinnerungen  und  Besorgnisse  wegen  der  Folge  etat 
an  Dich  geschrieben  habe*   Auf  dieses  sagte  er  mir: 
ja,  sie  ist  todt!  und  in  diesem  Augenblicke  fiel  mir 
der  Schleyer  vom  Gesicht«  den  mir  dieser  schnelle 
Zufall  vor  die  Augen  hielt,  der  meine  Voraussehung 
verhinderte,  da  ich  sonst  geschwind  auf  die  Vennu- 
thung  verfallen  wäre,  Du  würdest  dem  Hrn.  Bullinger 
unter  der  Hand  das  Wahre  geschrieben  haben,  so 
bald  ich  Deinen  Brief  las.    Dein  Brief  hatte  mich  j 
aber  wirklich  dumm  gemacht  —  ich  war  im  ersten 
Augenblicke  au  sehr  niedergeschlagen ,   um  etwas 
nachdenken  au  können.    Jetzt  weiss  ich  nichts  zu 
schreiben!    Wegen  meiner  kannst  Du  ruhig  seyn, 
ich  werde  als  ein  Mann  handeln.   Denke  nach,  was  1 
Du  für  eine  zärtlich  liebende  Mutter  hattest  —  jetzt 
wirst  Du  ihre  Sorgen  erst  einsehen  —  so  wie  Du 
bey  reifen  Jahren  nach  meinem  Tode  mich  immer 
mehr  lieben  wirst.  — ■   Liebst  Du  mich  «— ■  wie  ich 

/ 

#ar  ?w"c7t<  zweifle  —  so  trage  Sorge  für  Deine  Ge- 
sundheit, —  o/i  Deinem  Leben  hängt  mein  Lehen 
—  und  der  künftige  Unterhalt  Deiner  ehrlich  Dich 
von  Herzen  liebenden  Schwester.  Dass  es  unbegreif- 
lich empfindlich  ist,  wenn  der  Tod  eine  gute  glück- 
selige Ehe  aerreisst,  das  muss  man  erfahren,  um  es 
zu  wissen.  —  Schreib*  mir  Alles  umständlich,  viel- 
leicht hat  man  ihr  au  wenig  Blut  gelassen?  —  Das 
Gewisseste  ist,  dass  sie  sich  au  viel  auf  sich  selbst 
getrauet,  und  den  Doctor  zu  spät  gerufen,  unter- 
dessen hat  der  Brand  in  intestinis  überhand  genom- 

t 

/ 

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393 

Sor&e  für  Deine  Gesundheit  *  mache  mui  nicht 
Alle  unglücklich!  Die  Nannerl  weiss  noch  nichts 
von  Buliingers  Briefe,  ich  habe  sie  aber  schon  so 


todt  ist.  Schreibe  mir  bald  -~  und  Alles  —  wann 
sie  begraben  worden  wohin?  — •  Grosser  Gott! 
das  Grab  meines  Heben  Weibes  man  ich  in  Paris 
suchen! 

Paris,  ce  9  Juillet  1778. 

Ich  hoffe,  Sie  werden  bereitet  seyn,  eine  der 


Standhaftigkeit  anzuhören.  —  Sie  werden  durch 
letztes  Schreiben  vom  3ten  in  die  Lage  gesetzt 
den  seyn,  nichts  Gutes  hören  zu  dürfen.  —  Den 
nämlichen  Tag,  den  3ten,  ist  meine  Mutter  Abends 
ran  10  Uhr  21  Minuten  in  Gott  selig  entschlafen  5  — 
als  ich  Ihnen  aber  schrieb,  war  sie  schon  im  Ge— 
der  himmlischen  Freuden  —  Alles  war  schon 
—  ich  schrieb  Ihnen  in  der  Nacht  r-  ich 
hoffe,  Sie  und  meine  liebe  Schwester  werden  mir 


ich 

und  Traurigkeit  auf  die  Ihrige  schloss,  so  konnte 
unmöglich  über's  Herz  bringen,  Sie  sogleich 


Nun  hoffe  ich  aber,  werden  Sie  sich  Beyde  gefasst 


allen  natürlichen  und  gar  wohl  zu  billigenden 

und  Weinen,  endlich  sich  in  den  Willen  Gottes 


uiymzt 


304 

und  allerweis  esie  Vorsehung  anzubeten.  — Sie  wer- 
den sich  leicht'  vorstellen  können,  < :  was  ich  ausge- 
standen -—  was  ich  .für  Muth  und  Sündhaftigkeit 
nuth  wendig  hatte,  um  Alles  so  nach  .und  nach  im- 

Übertragen  — >  und  doch,  der  gütige  Gott  hat' mir 
diese  Gnade  verliehen  ich  habe  Schmerzen  genug 
empfunden,  habe  genug  geweint  —  was  nützte!  es 
aber?  —  Ich  musste  mich  also  trösten.  Machen  Sie 
es  auch  so,  mein  Kebeir Vater  und  liebe  Schwester! 
—  Weinen  Sie,- weinen  Sie  sich  Weht  itis  ^  trösten 
Si6  sich  aber  endlich      bedenken.  6ie,  dass  es  der 

allmächtige  Gott  also  hat  haben  wollen  und  wa$ 

wollen ;  wir?  wider  ihn  machen  ?  —  Wir!  WQUen  lieber, 
beten,  und  ihm,  dankqn,  dass  es  so  gut  abgelaufen 

ist  <  denn  sie  i*^  sehr  glücklich,  gestorben  |  —  in 

jenen  betrübten  Uinständen  habe  iqh,  mich,  mit,.drey 
Saclien  getröstet j  nämlich  durch :  meine  gänzliche, 
vertrauungsvolle  Eingebung  wimWiOm  Gottes  *fn 
dann-,  durch  die  Gegenwart  ihres  so  leichten  und 
schönen  Todes,  indem,  ich  mir  vorstellte^  wie?  sie 
nun  in  einem  Augenblicke  so  g&cUidi;wird  —  M* 
glücklicher  sie  nun  ist,  als  wir  —  sö>  dass  ich 
gewrünscht  hätt^^in  diesem  Augenblicke  mit  ihr 
zu  reisen  —  aus  diesem  Wunsche  Uud  aus  diesen 
Begierde  entwickelte  sich  endlich  mein  dritter  Trost^' 
dass  sie  nicht  auf  ewig  fife  ions  ;Texionen  ist 
wir v. sie  .wiedersehen  werden  vergnügter 
ünd<  glücklicher  heysammen  seyn  werden,  als  auf 
dieser  W*lt,  Nüi« die  Zeit  ist  una  imbekannt -n:dati 
macht  mir  aber  gar  nicht  bang  wann ,  Gott  will, 
damilwall  ich  auoh.      -Nun,  der  göttliche,,  allerhein 


ligste  Wille  ist  vollbracht  —  beten  wir  also  ein  an- 
däcli tiucs  ^^Rfccr  unser  fiir  ilii*c  Seele  und  ttclii'ßi«» 
ten  wir  zu  andern  Sachen:  es  hat  Alles  seine  Zeit.  — 
loh  sclireibe  dieses  im  Mause  der  Madame  d'Eninav 
und  des  Möns.  Bar.  de  Grimm,  wo  ich  nun  logire, 
ein  hübsches  Z  im  in  er  1  mit  einer  sehr  angenehmen 
Aussicht  habe^  —  und,  wie  ei  nur  immer  mein  Zu- 
stand zulässt,  .vergnügt  bin.  —  Eine  grosse  Hülfe  zu 
meiner  möglichen  Zufriedenheit  wird  eeyn,.  wenn 
ich  hören  werde,  dasa  mein  lieber.  Vater  und  meine 
liebe  Schwester  sich  mit  Gelassenheit  und  Standhaft 
tigkeit  gänzlich  in  den  Willen  des  Herrn  geben,  — 
sich  ihm  von  ganzem  Herzen  vertrauen*  in  der  festen 
Ueberzeugung,  dass  -er  Alles  zu  unserm  Besten  an- 
ordnet. —  Allerliebster  Vater!  —  schonen  Sie  sich! 

Liebste  Schwester!  —  schone -Dich.        Du  hast 

noch  nichts  von  dem  guten  Herzen  Deines  Bruders 
eenossen  —  weil  er!  es;  noch  nicht  im  Stande  war.  •*•*» 
Meine  Merten.  Äeyjle!.-r  habt;  Sorge  auf  Eure  Ge- 
sundheit «r-  -denket,  dass  Ihr  einen  Sohn  habt  — 
einen.  JJruder  -rr.  der  aUe  seine  Kräfte,  anwendet,  um 
Euch  glücklich  eu  machen  —  wohl  wissend,  dass  Ihr 
ihm  auch  einstens  seinen  Wunsch  und.  sein  Vergnü- 
gen — ^  welches  ihm  gewiss  Ehre  macht,  nicht  )ver-* 
sagen,  und  auch  Alles  anwenden-. werdet,  um  ihn 
glücklich  zu  sehen.  hr^O  dann  wollen  wir  so  ruhig, 
so  ehrlich,  so  vergnügt  (wie  es  nur  imnier  auf  dia-* 
st?r  A\  elt  möglich  ist)  leben  —  .und  endlich,  wenn 
Gott  will,  dort  wieder  zusammen  kommen,  wofür 

Wir  bestimmt  und  erschaffen  sind.  H-  J  •ir-n 

WegeU  des  Balleis  des  NoVerre  habe  ich  ja 
niemals  etwas  andeils  geschrieben,  als  dass  er  viel- 


leicht  ein  neues  Ballet  machen  wird  —  er  hat  gerade 
ein  halbes  Ballet  gebraucht,  und  dazu  machte  ich  die 
Musik,  —  das  ist,  sechs  Stücke  werden  von  Andern 
darin  seyn,  die  bestehen  aus  lauter  miserabeln  fran- 
zösischen Arien;  die  Symphonie  und  Contretanze, 
überhaupt  zwölf  Stücke  werde  ich  dazu  gemacht  ha- 
ben. — "  Dieses  Ballet  ist  schon  vier  Mal  mit  gross- 
tem  Beyfalle  gegeben  worden.  —  Ich  will  aber  jetzt 
absolument  nichts  machen,  wenn  ich  nicht  voraus 
^reiss ,  ich  dafür  bekomme ,  denn  diess  ^var  nur 
ein  Freundschaftsstück  für  Noverre.  —  Mit  Piccini 
habe  ich  im  Concert  spiritucl  gesprochen.  Er  ist 
"  ganz  höflich  mit  mir,  und  ich  mit  ihm,  wenn  wir 
so  ungefähr  zusammen  kommen 5  übrigens  mache  ich 
keine  Bekanntschaft  weder  mit  ihm,  noch  andern 
Componisten  —  ioh  verstehe  meine  Sache  —  und  sie 
auch  —  und  das  ist  genug.  —  Wenn  ich  eine  Opera 
zu  machen  bekomme,  so  werde  ich  genug  VerdrUss 
bekommen  —  das  würde  ich  aber  nicht  viel  achten, 
denn  ich  bin  es  schon  gewohnt,  wenn  nur  die  ver- 
fluchte französische  Sprache  nicht  so  hundsfottisch 
zur  Musik  wäre!  —  Das  ist  was  Elendes  die 
deutsche  ist  noch  göttlich  dagegen,  — •  und  dann  erst 
die  Sänger  und  Sängerinnen  —  man  sollte  sie  gar 
nicht  so  nennen  —  aenn.  sie  singen  nicht,  sondern 
sie  schreyen  —  heulen  —  und  zwar  aus  vollem 
Halse,  aus  der  Nase  und  Gurgel.  -~ 

Ich  werde  auf  die  künftige  Fasten  ein  französi- 
sches Oratorium  fnVs  Concert  spirituel  machen  müV 
sen.  Der  Mr.  Le  Gros  (Directeur)  ist  erstaunlich 
für  mich  portirt.  Meine  Symphonie  für  das  Concert 
spirituel  fand  allen  Beyfall,  und  Le  Gros  ist  so  da- 


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397 

mit  zufrieden,   dass  er  sagt,   das  sey  seine  vbeste 
Symphonie«   Das  Andante  hat  aher  nicht  das  Glück  s 
gehabt,  ihn  zufrieden' zu  stellen;  er  sagt,  es  sey  zu  \ 
viel  Modulation  darin,  und  zu  lang  —  das  kam  aber 
daher,  weil  die  Zuhörer  vergessen  hatten,  einen  so 

*  starken  und  anhaltenden  Lärmen  mit  Händeklatschen 
zu  machen,  wie  bey  dem  ersten  und  letzten  Stücke; 
denn  das  Andante  hat  pon  mir,  von  allen  Kennern 
und  Liebhabern  und  den  meisten  Zuhörern  den 
grössteu  Beyfall  —  es  ist  just  das  Contraire,  was 
Le  Gros  sagt,  —  es  ist  ganz  natürlich  —  und  kurz; 

.  —  Um  ihn  aber  (und  wie  er,  behaupten  Mehrere) 
-  zu  befriedigen,  habe  ich  ein  anderes  Andante  ge- 
macht. —  Jedes  in  seiner  Art  ist  recht,  denn  es  hat 
jedes  einen  andern  Charakter  —  das  Letzte  gefiült 
mir  aber  noch  besser.  Ich  werde  Ihnen  die  Sym- 
phonie mit  der  Violinschule,  Ciaviersachen  und 
Voglers  Buch  der  Tonwissenschaft  und  Tonsetzkunst 
mit  einer  guten  Gelegenheit  schicken,  und  dann  will 
ich  auch  Ihr  Urtheil  darüber  hören.  —  Den  15ten 
August,  Mariae  Himmelfahrt, -  wird  die  Symphonie 
mit  dem  neuen  Andante  das  zweyte  Mal  aufgeführt 
werden.  Die  Symphonie  ist  es  Re  und  das  Andante 
ex  Sol  (hier  darf  man  nicht  sagen  D  oder  G).  Nun 
ist  halt  der  Le  Gros  ganz  für  mich»  —  Nun  ist  es 
Zeit,  dasi  ich  zum  Schlüsse  trachte.  Wenn 'Sie  mir 

•  schreiben,  so  glaube  ich,  wird  es  besser  seyu,  wenn 
Sie  setzen :  Chez  Mr.  le  Baron  de  Grimm,  chamsde 
ä 'Antin  pres  le  Boulevard.  > —  Mr.  Grimm  wird  Ei- 
nen nächstens  selbst  schreiben.  Er  und  die  Madame 
d'Epinay  lassen  sich  Ihnen  Beyden  empfehlen  und 
von  Herzen  condoliren  —  hoffen  aber,  Sie  werden 


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sich  in  einer  Sache,  die  nicht  zn  andern  ist,  zu  fas- 
sen wissen.  Trösten  Sie  sich  und  beten  Sie  brav* 
diess  ist  das  einzige  Mittel,  was  uns  übrig  bleibt.  — 
Ick  wollte  Sie  wohl  gebeten  haben,  eine  heil.  Messe 
in  Maria  Piain  und  zn  Loretto  lesen  zu  lassen  —± 
ich  habe  es  hier  auch  gethan.  —    "  . 

t   ••  .  .'.  i    *    r  •  r     •  • 

i . ...      .   . ....  .  /, .    Pari»>  den    JüJy  »773. 

.  loh  bitte  um  Vierzeihung,  dass  ich  so  spät  mit 
meinem  Glückwunsche  komme r  allein,  ich  habe 
meiner  Schwester  doch  mit  einem  kleinen  Präambu- 
ium  aufwarten  wollen  —  die  Spielart  lasse  ich  ihrer 
eigenen  Empfindung  übrig  —  diess  ist  kein  Prälu- 
dium, um  von  einem  Tone  in  den  andern  zu  gehen, 
sondern  nur  so  ein- Capriccio,  um  das  Ciavier,  zu 
probiren.  —  Meine  Sonaten  werden  bald  gestochen 
werden«  Bis  dato  hat  mir  noch  Keiner  das  geben 
wollen,  was  ich  dafür  verlangte  —  ich  werde  doch 
endlich  nachgeben  müssen  und  sie  um  15  Louisd'or 
hergeben :  —  auf  diese  Art  werde  ich  doch  am  leich- 
testen bekannt  hier.  —  So  bald  sie  gestochen  sind, 
werde  ich  sie  Ihnen  durch  wohl  ausstudirte  Gele- 
genheit, und,  so  viel  möglich,  ökonomisch,  nebst  ei- 
nigen meiner  Sonaten  auf  Ciavier  allein,  Sinfonie 
furV  Concert  spiritiiel,  Sinfonie  concertante,  zwey 
Quartetti  auf  die  Flöte  und  ein  {Joncext  für  Harfe 
und  Flöte  schicken.  — •  —  —  . 

Leopold  Mozart  an  Padre  Martini  in  Bologna. 

,     Salabufg,  den  ai.  August  1778. 

■ 

Ich  bat  Ew.  Hochwürden,  meinen  Sohn  mit  Ih- 
rer viel  vermögenden  Empfehlung  am  Hofe  zu  Man- 


heim  zu  begünstigen,  und  Sie'  hatten  die  Güte,  mir 
zu  antworten  v  Ich  werde  nicht  ermangeln,  dem  Hrn. 
Raff  zu  schreiben,  damit  er  ihn  von  meiner  Seite  an 

Qhi.Ii» ja    1  1  Tiif-li  f    />»-n  »-i  fYili  ]*»  .   .  narnnf    \v%    Jon,     Q__i*;  , 

ijOITir    I  f  1 1 1  I  1 1 1^1 1 1 1  *il  1    r*iH  IJ 1  Cji  1 1  \Zm       l/ill  tlLil     III   {IPTTI '  'nPBi/1*» 

tigungs- Schreiben  über  den  Empfang  de«  Portrait«; 
Die  Veränderungen  in  Bayern  und  die  Abreise  des 
Churfursten  von  der  Pfalz  vön  Manheim  werden 
vielleicht  verhindern,  dass  Sie.  einen,  gnten  Erfolg 
bey.Sr.  Durchlaucht  haben;  indessen,  wenn  Sie  sich 
auch  verspaten,  so  werden  Sie  doch  nicht  fehlen, 
Allein  Hr.  Raff  hat  Ihren  Brief  nicht  erhalten.  Mein* 
Sohn  kam  am  23sten  März  in  :G*aellschaft  seiner 
Mu  Ifcer  zu  Paris  an .  Darauf  langte  .  auch  der  Herr 
Raff  an,  wo  sie  eine  solche  Bekanntschaft  mit  ein-« 
ander  machten,  dass  Hr.  Raff  beynahe  täglich  mei* 
nen  Sohn  besuchte  und  bey  ihm  2  —  3  Stunden  vier*« 
weilte.  Er  nannte  meine  Frau  seine  liebe  Mutter, 
und.  wünschte  nichts  mehr,  als  meinen  Sohn  am 
pfalzischen  Hofe  angestellt  zu  sehen-  Aber  wie  trau-* 
rigl  Das  Schicksal  wollte,  dass  meine  liebe  Frau  er- 
krankte und  hald  starb;  Gott !  .welcher  Schlag  1  Den- 
ken Ew.  Hochwürden  sich  meinen  und  meiner  Toch- 
ter Zustand,  und  die  Lace  meines  Sohnes,  allein  und 
trostlos,  zu  —  Paris.  Hr.  Raff  war  abgereist,  denn 
der.  Chur fürst  befindet  sich  zu  Manheim.  Herr  Raff 
versicherte  bey  seiner  Abreise  meinem  Sohne  auf- 
richtige freundschaftliche  Verwendung,  indem  er 
nichts  anders  wünschte,  als  einen  vorzeigbaren  Brief 
von  unsernr  lieben  Hrn.  Pater.  Bey  dem  Umstände, 
dass-« der  Churfurst  nur  deutsche  Opern  will,  ist  ein 
deutscher  Kapellmeister  nöthig*  Der  Graf  Seau,  In- 
tendant der  Musik  sü  München,  ist  in  seiner  An- 


4QQ 

Stellung  bestätigt  worden  und  befindet  sich  ietzt  zu 
Manheim ,  wo  er  die  Verthcilung  des  Personals  in 
zwey  Musikchöre  für  Münclien  und  Manheim  macht« 
Sodann  kehrt  der  ganze  Hof  nach  München  zurück, 
WO  in  Zukunft  die  Residenz  seyn  wird« 

Liebster,  geeintester  Herr  Paterl  Sie  sehen  ei- 
nen  Menschen  im  22sten  Jahre  ganz  allein,  sich  selbst 
überlassen,  in  einem  Paris,  einer  so  gefahrvollen  Stadt« 
Sie  befinden  sich  in  der  Lage,  durch  Ihre  gutige  Ver- 
wendung seine  Seele  zu  retten  und  das  Glück  dieses 
jungen  Menschen  von  Talent  zu  machen.  Mit  einem 
Briefe  an  Seine  Durchlaucht,  oder  wenigstens  einem 
vorzeigbaren  an  Hrn.  Raff  und  einem  andern  an  den  . 
Grafen  Seau,  worin  Sie  die  Talente  meines  Sohnes 
bezeugen ,  können  Sie  ein  verdienstliches  Werk  ver- 
richten und  die  Seele  eines  gut  erzogenen,  aber  tau- 
send Gefahren  ausgesetzten  jungen  Menschen  retten, 
können  bewirken»  dass  seine  ausgezeichneten  Talente 
bekannt  werden.  Er  sucht  nur  eine  Gelegenheit, 
tich  zu  vervollkommnen,  und  thut  Nichts,  als  stu-  . 

stete  Herz  eines  Vaters  beruhigen  und  dessen  Leben 
retten.  Verzeihen  Sie,  wenn  ich  zu  übertrieben 
scheine :  aber  der  Tod  einer  vortrefflichen  Frau  und 
Mutter  und  die  Lage  eines  Sohnes  verdrehen  und 
betäuben  fast  meine  Sinne.   Ich  erwarte  Alles  von 

■ 

Ihrem  theilnehmenden  Herzen  und  etc. 

Der  Vater  an  den  Sohn. 

« 

i 

Salzburg,  den  27.  Aoguit  1778. 

Ich  habe  Dir  «chon  geschrieben,  dass  man 
Dich  wieder  hier  zu  sehen  wünscht,  und  man  ging 


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t 


401 

so  lange  um  mich  herum ,  ohne  dass  icli  mich  heraus- 
Ueaa9  bis  endlich  nach  dem  Tode  des  Lolli  ich  der 
Gräfin  sauren  musste.  dass  ich  dem  Erzbiscliof  rm» 
DiitscHriit  eingereicnt ,  in  weicner  lcn  aoer  nichts 
anderes  sagte,  als  dass  ich  mich  nach  meinen  so  viele 
Jahre  unllagbar  geleisteten  Diensten  zu  Gnaden  em- 
pfehle. Nun  fiel  endlich  die  Rede  auf  Dich  —  und 
ich  sagte  Alles  aus  der  Brust  heraus,  was  nothwen- 
dieg  war,  und  so,  wie  ieh  es  dem  Grafen  Stahrem- 
berg  gesagt  hatte.  Endlich  fragte  sie  mich,  ob  Du 
denn  nicht  kommen  würdest,  wenn  mir  der  Erz- 
bischof  den  LollTschen  Gehalt  und  Dir  den  Adlgas- 
ser'schen  geben  wurde,  welches,  da  ich  es  schon 
vorher  berechnet  hatte,  zusammen  jährlich  1000  fl. 
betragt 5  so  konnte  ich  nichts  anders  thun,  als  ant- 
worten, dass  ich  keinen  Zweifel  hätte,  dass  Du  die- 
ses, wenn  es  geschehen  würde,  mir  zu  Liebe  anneh- 
men würdest,  indem  sie  noch  beysetzte,  dass  nicht 
der  geringste  Zweifel  wäre,  dass  Dich  der  Erzbischof 
alle  zwey  Jahre  nach  Italien  reisen  Hesse,  indem  er 

SivH)^t  XXX3 XXX 0 1    1 }  t 1 1  eil  1  ^) l C- 1  j    cIn*SS   Jlltlll    "\  0 1 1       (  1 L  /^l      C- 1 L 

wieder  Etwas  hören  muss,  und  dass  er  Dich  mit 
guten  Recominandations  -  Briefen  verseilen  würde. 
Würde  dieses  geschehen,  so  könnte  ich  sicher  Rech- 
nung machen-,  dass  wir  alle  Monate  115  fl»  wenig- 
stens, un<J  wie  es  jetzt  ist,  mehr  als  120  fl.  monat- 
lich gewisse  Einkünfte  hätten.  Ohne  was  ich  durch 
den  Verkauf  meiner  Violinschule  einnelvme,  welches 
jährlich,  gering  gerechnet,  50  fl.  betragt,  und  ohne 
was  Deine  Schwester  für  sich  verdient,  die  jetzt 
monatlich  10  fl.  gewiss  einnimmt,  und  sich  damit 
kleidet,  indem  sie  die  zwey  kleinen  Fräulein  von 

26  " 

'Digitized 


der  Gräfin  unterweiset,  und  zwar  täglich,  ich  aber 
die  grossem  <Zwey.  Hierzu  ist  nun  nicht  gerechnet, 
was  Du  etwa  für  Dich  besonders  verdienen  könntest. 
Denn  obwohl  hier  auf  Niehls  Rechnung  zu  machen 
ist,  so  weisst  Du  doch,  dass  Du  von  Zeit  zu  Zeit 
Etwas  eingenommen,  und  auf  diese  Art  ständen  wir 
hesser,  als  an  jedem  andern  Orte,  wo  es  um's  Dop- 
pelte tlieurer  ist,  und  wenn  man  aufs  Geld  nicht 
so  genau  schauen  darf,  so  kann  man  sich  schon 
Tlntprlialtunffen  verschaffen.  Allein  der  Hauotnunct 
ist,  dass  ich  mir  auf  die  ganze  Sache  keine  Rech- 
nung mache,  weil  ich  weiss,  wie  schwer  dem  Für- 
sten ein  solcher  Entschluss  ankommen  würde»  Dass 
es  der  Gräfin  ihr  ganzer  Ernst  und  Wunsch  ist, 
darist  Du  gar  nicht  zweifeln,  und  dass  der  alteArco, 
der  Graf  Stahremberg  und  der  Bischof  von  Königs- 
grätz  dieses  mit  guter  Art  durchzubringen  wünschen, 
hat  seine  Richtigkeit.  —  Es  hat  aber  seine  Ursachen, 
wie  es  bey  allen  Sachen  geht,  und  wie  ich*  Dir's 
tausend  Mal  sage,  die  Gräfin  furchtet,  und  auch  der 
alte  Arco,  dass  auch  ich  fortgehe.  Sie  haben  Nie- 
mand zur  Unterweisung  auf  dem  Claviere;  ich  habe 
den  Ruhm,  dass  ich  gut  unterweise,  und  die  Proben 
sind  da.  Sie  wissen  nicht,  welchen .  und  wann  sie 
sodann  Jemand  bekommen :  und  sollte  Einer  von 
Wien  kommen,  wird  er  wohl  um  4  iL  oder  einen 
Ducaten  zwölf  Leclionen  geben,  da  man  andern 
Ortes  zwey  und  drey  Ducaten  bezahlt?  —  -i»  Diess 
setzt  sie  Alle  in  Verlegenheit*  Allein,  wie*  ich  schon 
gesagt  habe,  ich  mache  keine  Reclmung  darauf, 
weil  ich  den  Erzbischof  kenne :  obwohl  es  gewiss 
ist,  dass  er  Dich  im  Herzen  zu  haben  wünschte;  so 


403 

kann  er  doch  zu  keinem  Entschlüsse  kommen-  bp- 
sonders,  wenn  er  geben  soll,  —  Man  muss  Aich  in 
Ruf  bringen.  Wann  ist  Gluck  —  wann  ist  Piccini 
—  wann  sind  alle  die  Leute  hervor  gekommen?  — 
Gluck  wird  60  Jahre  auf  dem  Halse  haben,  und  es 
sind  erst  26  oder  27  Jahre,  dass  man  angefangen 
hat,  von  ihm  zu  reden,  und  Du  willst,  dass  jetzt 
das  französische  Publicum,  oder  auch  nur  die  Direc- 
teurs  der  Spectakel  von  Deiner  Compositions-  Wis- 
senschaft schon  sollen  überzeugt  seyn,  da  sie  in  ih- 
rem Leben  noch  Nichts  gehört  hatten ,  und  Dich 
nur  von  Deiner  Kindheit  an  als  einen  vortrefilichen 
Ciavierspieler  und  besonderes  Genie  kennen.  Du 
musst  also  unterdessen  Dir  Mühe  geben ,  durchzu- 
dringen, um  Dich  als  Componist  in  allen  Gattungen 
zeigen  zu  können,  —  und  da  muss  man  die  Gelegen- 
heiten dazu  aufsuchen  und  unermüdet  Freunde  su- 
chen, solche  anspornen,  und  ihnen  keine  Ruhe  las- 
sen,  solche,  wenn  sie  einsclüafen ,  wieder  aufmun- 
tern |  und  nicht  das,  was  sie  sagen,  schon  für  ge- 
than  glauben;  ich  würde  längst  an  Mr.  de  NoVerre 
selbst  geschrieben  haben,  wenn  ich  seinen  Titel  und 
Adresse  wüsste.  Unterdessen  werde  ich  und  Deine 
Freunde  weiren  München  sorgen* 

Der  Vater  an,  den  Sohn. 

Salzburg,  den  3i.  August  1778. 

—  Du  bist  nicht  gern  in  Paris,  und  ich  finde, 
dass  Du  eben  nicht  gar  Unrecht  hast.  Bis  jetzt  war 
mein  Herz  und  Gemüth  für  Dich  beängstigt,  und 
ich  musste  trotz  einem  Minister  eine  sehr  kitzliche 
Rolle  spielen,  da  ich  bey  aller  meiner  Herzensangst 

26* 


404 

micli  lustig  anstellen  musste,  um  Jedermann  glaüben 
zu  machen,  als  wärst  Du  in  den  besten  Umstanden 
und  hättest  Geld  im  Ueberflusse,  ob  ich  gleich  das 
Gregentheil  weiss.  Ich  verzweifelte  fast,  so,  wie  ich 
wollte,  durchzudringen,  weil,  wie  Du  weisst,  nach 
dem  Schritte,  den  wir  gethan,  von  demi  Hochmuthe 
des  Fürsten  wenig  zu  hoffen,  und  ihm  Deine  schnelle 
Abdankung  zu  sehr  auPs  Herz  gefallen  war.  Allein 
durch  mein  tapferes  Aushalten  habe  ich  nicht  nur 
allein  durchgedrungen ,  der  Erzbischof  hat  nicht  nur 
Alles  accordirt,  für  mich  und  für  Dich,  Du  hast 
500  fl«4  sondern  er  hat  sich  noch  entschuldigt,  dass 
er  Dich  jetzt  unmöglich  zum  Kapellmeister  machen 
könnte,  Du  solltest  aber,  wenn  es  mir  zu  mühsam 
wäre,  oder  wenn  ich  ausser  Stande  wäre,  in  meine 
Stelle  einrücken  5  er  hätte  immer  Dir  eine  bessere 
Besoldung  zugedacht  etc.  mit  einem  Worte,  zu  mei- 
nem Erstaunen ,  die  höflichste  Entschuldigung.  Noch 
mehr!  Dem  Paris*)  hat  er  5  fl.  Addition  gegeben, 
damit  er  die  mehresten  Dienste  verrichten  muss, 
und  Du  wirst  als  Concertmeister  wie  vörhero  decre- 
tirt  werden.  Wir  bekommen  also  vom  Zahlamte, 
wie  ich  Dir  schon  geschrieben,  jährlich  auf  1000  fl. 
Nun  kommt  es  darauf  an,  ob  Du  glaubst,  dass  ich 
noch  einen  Kopf  habe,  und  ob  Du  glaubst,  dass  ich 
Dein  Bestes  besorge,  —  und  ob  Du  mich  todt  oder 
beim  Leben  erhalten  willst.  Ich  habe  Alles  ausge- 
dacht« Der  Erzbischof  hat  sich  erklärt,  dass  er, 
wenn  Du  eine  Oper  schreiben  willst,  Dich,  wo  es 
immer  ist,  hinreisen  lasse;  er  sagte  zur  Entschul- 


•)  Em  Organist  von  der  Hofmusik  zu  Sahburg. 


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405 


diguiig  der  voriges  Jahr  uns  versagten  Reise,  dass 
er  es  nicht  leiden  könne,  wenn  man  so  ins  Betteln 
herum  reise.    Nun  bist  Du  in  Salzburg  im  Mittel- 
puncte  zwischen  München,  Wien  und  Italien.  Du 
kannst  leichter  in  München  eine  Oper  zu  schreiben 
bekommen,  als  in  Dienst  kommen;  denn  deutsche 
Opern -Componisten,  wo  sind  sie?    Und  wie  viel? 
—  Nach  des  Churfürsten  Tode  ist  Alles  dienstlos, 
und  da  entsteht  ein  neuer  Krieg.    Der  Herzog  vou 
Zwey brücken  ist  kein  grosser  Liebhaber  der  Musik. 
Nun  will  ich  aber  nicht,  dass  Du  eher  von  Paris 
abreisest,  bis  ich  nicht  das  Decret  unterschrieben  in 
Händen  habe,  weil  der  Fürst  heute  früh  nach  Lau- 
fen ist.    Die  Mselle.  Weber  stiebt  dem  Fürsten  und 
Allen  ganz  erstaunlich  in  die  Augen:  sie  werden  sie 
absolut  hören  wollen,  da  sollen  sie  bey  uns  wohnen. 
Mir  scheint,  ihr  Vater  hat  keinen  Kopf;  ich  werde 
die  Sache  besser  für  sie  einleiten,  wenn  sie  mir  fol- 
gen wollen.   Du  musst  hier  recht  das  Wort  reden, 
denn  zum  Gastraten  will  er  auch  eine  andere  Sän^e- 
rin,  um  eine  Opera  aufzuführen.  — • 

•  •  *       ■  * 

Man  hat  mir  immer  hier  zu  Ohren  geredet,  wa- 
rum wir  zwey  einzigen  Personen  in  einem  so  grossen 
Quartiere  bleiben,  wo  wir  so  viel  zahlen  müssen. 
Allein  ich  habe  immer  gedacht,  entweder  ich  gehe 
weg,  oder  Du  kommst,  und  dann  muss  es  besser 
gehen;  wir  haben  einen  Stall  im  Hause,  da  kann 
ich  ein  Pferd  •  halten.  Will  ich  eine  kleine  Chaise 
ödcrWürstl  kaufen,  so  gab'  ich  den  grossen  Wagen 
dafür  weg.  Mein  nächster  Brief  wird  Dir  sagen, 
dass  Du  abreisen  sollst.  — 


406 

Der  Vater  an  den  Sohn. 

S als  bürg,  den  3.  6cptombr.  1778. 

Da  der  Churfiirstl.  ganze  Hof  den  i5ten  Sep- 
tember in  München  erwartet  wird ,  so  kannst  Du  bey 
Deiner  Durchreise  Deine  Freunde ,  den  Grafen  Seau 
und  vielleicht  den  Churfürsten  selbst  sprechen,  — 
Du  kannst  sagen ,  dass  Dich  Dein  Vater  in  Salzburg 
zurück  zu  sehen  gewünscht,  da  Dir  der  Fürst  einen 
Gehalt  von  (da  lügt  man  2— 300  fl.  dazn)  7— 800  fl. 
als  Concertmeister  ausgeworfen)  dass  Du  aus  kind- 

s  lichem  Respect  gegen  Deinen  Vater  solches  ange- 
nommen, obwohl  er  gewünscht  hätte,  Dich  inCJiur- 

1  fürstl.  Diensten  zu  sehen,  NB.  aber  mehr  nicht! 
Dann  kannst  Du  wünschen,  eine  Oper  in  München 
zu  schreiben  j  —  und  dieses  Letzte  muss  und  kann 
man  von  hier  aus  immer  betreiben,  und  das  wird 
und  muss  gehen,  weil  zur  deutschen  Opern-Com- 
position  die  Meister  mangeln.  Schweitzer  und  ffolz- 
bauer  werden  nicht  alle  Jahre  schreiben,  und  sollte 
der  Michl  eine  schreiben,   so  wird  er  bald  ausge- 
michelt  haben.    Sollte  es  Leute  geben,  die  durch 
Zweifel  und  solcho  Possen  es  zu  hindern  trachteten, 
so  hast  Du  Professori  zu  Freunden,  die  für  Dich 
stehen  1  und  dieser  Hof  fuhrt  auch  unterm  Jahre  zu 
Zeiten  Etwas  auf,  —   Kurz,  Du  bist  hier  in  der 
Nähe:   unsere  Einkünfte  sind  so,  wie  ich  Dir's  ge- 
schrieben habe,  —  durch  Deine  hiesige  Lebensart 
wirst  Du  an  Deinem  Studiren  und  Speculiren  nicht 
gehindert;  Du  darfst  nicht  Violine  spielen  bey  Hofe, 
sondern  hast  beytn'Clavier  alle  Gewalt  der  Direk- 
tion, ao  wie  mir  die  ganze  Musik  —  alle  des  Fiir- 


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407 

sten  Musicalien,  und  die  Inspection  des  Kapellhauses 
jetzt  ist  übergeben  worden. 

Noch  eine  Sache  musst  Du  nicht  ausser  Acht 
lassen.    Du  musst  die  Namen  und  Adressen  der . 
'   besten  Musikhändler,  die  Etwas  laufen,  um  gra- 

viren  zu  lassen,  mit  Dirnehmen,  sonderheitlich  des- «  * 
jenigen ,  der  Dir  Deine  Ciavier- Sonaten  abgekauft 
hat,  damit  Du  mit  ihm  correspondiren  kannst.  Auf 
diese  Art  wird  es  eben  so  viel  seyn,  als  wenn  Du 
in  Paris  wärest;  man  kann  mit  ihnen  handeln,  so- 
dann die  Composition  einem  Kauf  manu  oder  Freunde 
einschicken ,  der  es  dem  Musik  -  Verleger  gegen  baare 
Bezahlung  ausliefert-  und  so  kannst  Du  alle  Jahre 
M  oder  20  Louisd'or  von  Paris  beziehen  und  Deinen 
Namen  aller  Orten  theils  mehr  bekannt  machen, 
theils  in  der  gemachten  Bekanntschaft  erhalten.  — 
Frage  den  Baron  von  Grimm,  ob  ich  nicht  Recht 
habe* 

Mozart  reis'te  den  26sten  September  1778  von 
Paris  über  Nancy  nach  Strasburg,  wo  er  sich  einige 
Tage  aufhielt  und  zwey  Mal  Concert  gab,  wie  fol- 
gender Brief  meldet : 

Straasburg.  den  a6.  Octobr.  1778.  , 

Ich  bin  noch  hier,  wie  Sie  sehen,  und  zwar 
auf  Anrathen  des  Herrn  Franks  und  anderer  Strass- 
burger  Helden,  —  doch  morgen  reise  ich  ab.  In 
dem  letzten  Briefe  vom  löten  d.  M.,  den  Sie  hoffent- 
lich richtig  werden  erhalten  haben,  habe  ich  Ihnen  ge- 
schrieben, dass  ich  den  I7ten,  Samstag,  etlichen  gu- 
ten Freunden,  Liebhabern  und  Kennern  zu  gefal- 

*  • 

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9  0  _   


408 



len,  par  Subscription  so  ungefähr  ein  kleines  Modell 
von  einem  Concert  geben  werde,  weil  es  liier  mit 
Concertgeben  noch  schlechter  ist,  als  in  Salzburg. 
Ich  habe  ganz  allein  gespielt,  gar  keine  Musik  ge- 
nommen, damit  ich  doch  Nichts  verliere-  Kurz, 
ich  habe  drey  Louisd'or  eingenommen,  —  das  Meiste 
bestand  aber  in  den  Bravo  und  Bravissimo,  die  mir 
von  allen  Seiten  zugeflogen  —  und  zwar  der  Prinz 
Max  von  Zweybrücken  beehrte  auch  den  Saal  mit 
seiner  Gegenwart.  —  Dass  Alles  zufrieden  war, 
brauche  ich  Ihnen  nicht  zu  sagen.  Nach  diesem 
wollte  ich  gleich  abreisen,  aber  man  hat  mir  gera- 
then,  ich  soll  noch  bleiben  bis  zum  andern  Samstag 
und  ein  grosses  Concert  im  Theater  geben  5  —  da 
hatte  ich  die  nämliche  Einnahme  zum  Erstaunen 
und  Verdruss  und  Schande  aller  Strassburger.  Der 
Directeur  Mr.  Villeneuve  schimpfte  über  die  Ein- 
wohner dieser  wirklich  abscheulichen  Stadt,  dass  es 
eine  Art  hatte  $  —  ich  habe  freylich  ein  wenig  mehr 
gemacht;  allein,  die  Unkosten  der  Musik  (die  sehr 
schlecht  ist,  sich  aber  sehr  gut  bezahlen  lässt),  der 
Illumination,  Wache,  Buchdruckerey,  die  Menge 
Leute  bey  den  Eingängen  etc.  machte  eine  grosse 
Summa  aus.  Doch  muss  ich  Ihnen  sagen,  dass  mir 
die  Ohren  von  dem  Applaudnen  und  Händeklatschen 
so  wehe  gethan,  als  wenn  das  ganze  Theater  voll 
gewesen  wäre.  —  Alles,  was  darin  war,  hat  öffent- 
lich und  laut  über  die  eigenen  Stadtbrüder  geschraa- 
let$  —  und  ich  habe  Allen  gesagt,  dass,  wenn  ich 
mir  mit  gesunder  Vernunft  vorstellen  können,  dass 
so  wenig  Leute  kommen  würden,  ich  das  Concert 
sehr  gern  gratis  gegeben  hätte,  nur  um  das  Ver- 


409 

mm  * 

gniigen  zu  haben ,  das  Theater  voll  zu  sehen  —  und 
in  der  That  mir  wäre  es  lieber  gewesen;  denn  bey 
meiner  Ehre  es  ist  nichts  Traurigeres,  als  eine  grosse 
T  Tafel  von  achtzig  Couverts ,  und  nur  drey  Per- 
sonen zum  Essen,  —  und  dann  war  es  so  kalt!  — 
Ich  habe  mich  aber  schon  gewärmt,  und  um  den 
Herren  Strassburgern  zu  zeigen,  dass  mir  gar  nichts 
daran  liegt,  so  habe  ich  für  meiue  Unterhaltung 
recht  viel  gespielt,  —  habe  um  em  Concert  mehr 
gespielt,  als  ich  versprochen  habe,  —  und  zuletzt 
lange  aus  dem  Kopfe.  Das  ist  nun  vorbey,  we- 
nigstens habe  ich  mir  Ehre  und  Ruhm  gemacht  — 
Ich  habe  auf  den  zwey  besten  Orgeln  von  Silber- 
mann öffentlich  gespielt,  in  den  lutherischen  Kir- 
chen —  in  der  Neukirche  und  Thomaskirche.  — « 

Der  Sohn  an  den  Vater. 

Manheim,  den  in.  Norbr.  1778,  • 
Ich  bin  hier  den  6ten  glücklich  angelangt,  und 
habe  alle  meine  guten  Freunde  auf  eine  angenehme 
Art  überrascht.  —  Ich  kann  hier  vielleicht  40  Louis- 
d'or  gewinnen!  —  freylich  muss  ich  sechs  Wochen 
hier  bleiben,  oder  längstens  zwey  Monate.  Die  Sei- 
ler'sche  Truppe  ist  hier,  die  Ihnen  schon  par  Re- 
nommee bekannt  seyn  wird,  —  Hr.  von  Daliberg  ist 
Director  davon.  —  dieser  lässt  mich  nicht  fort,  bis 
ich  ihm  nicht  ein  Duodrama  componirt  habe;  und 
in  der  That  habe  ich  mich  gar  nicht  lange  besonnen, 
denn  diese  Art  Drama  zu  schreiben  habe  ich  mir 
immer  gewünscht.  Ich  weiss  nicht,  habe  ich  Ihnen, 
wie  ich  das  erste  Mal  hier  war,  Etwas  von  dieser 
Art  Stücke  geschrieben?  —  Ich  habe  damals  ein  sol- 


410 

che*  Stück  ztfey  Mal  mit  dem  größten  Vergnügen 
auffuhren  gesehen  t  -r  In  der  That  —  mich  hat  noch 
niemals  Etwas  60  sürprenirt!  —  denn  ich  bildete  mir 
immer  ein,  so  was  würde  keinen  Effect  machen.  — 
Sie  wissen  wohl,  dass  da  nicht  gesungen ,  sondern 
declamirt  wird,  —  und  die  Musik  wie  ein  obligates 
Recitativ  ist  —  bisweilen  wird  auch  unter  der  Musik 
gesprochen,  welches  alsdann  die  herrlichste  Wirkung 
thut*  —  Was  ich  gesehen,  war  Medea,  von  Benda, 

—  er  hat  noch  eine  gemacht,  Ariadne  auf  Naxos, 
beydo  wahrhaft  vortrefflich.  Sie  wissen,  dass  Benda 
unter  den  lutherischen  Kapellmeistern  immer  mein 
Liebling  war;  ich  liebe  diese  zwey  Werke  so,  dass 
ich  sie  bey  mir  führe.  Nun  stellen  Sie  sich  meine 
Freude  vor,  dass  ich  das,  was  ich  mir  gewünscht, 
zu  machen  habe.  —  Wissen  Sie,  was  meine  Mei- 
nung wäre?  —  Man  solle  dio  meisten  Recitative  auf 
solche  Art  in  der  Opera  tractiren  —  und  nur  bis- 
weilen, wenn  die  Wörter  gut  in  der  Musib  auszu- 
drücken sind,  das  Recitativ  singen«  —  Man  errichtet 
hier  auch  eine  jicademie  des  ajnateurs ,  wie  in  Paris, 
wo  Hr.  Franzi  daa  Violin  dirigirt,  und  da  achreibe  ' 
icli  Herade  an  einem  Concert  für  Ciavier  und  Violine. 

Manheim,  den  3.  Decbr.  1778. 

Künftigen  Mittwoch  den  9ten  d.  M.  reise  ich  ab. 

—  -*  Ich  schreibe  nun  dem  Hrn.  von  Gemmingen 
und  mir  selbst  zu  Liebe  den  ersten  Act  der  decla- 
mirten  Opera  (die  ich  hatte  schreiben  sollen)  um- 
sonst —  nehme  es  mit  mir  und  mache  es  dann  zu 
Hause  aus;  —  sehen  Sie,  so  gross  ist  meine  Begierde 
zu  dieser  Art  Compositum  $  —  der  Herr  von  Gem- 


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41t 

ist  der  Poet,  und  das  Duodrama  heust 
miramis,  Wissen  Sie  wohl,  mit  was  für  Gelegen- 
heit ich  künftigen  Mittwoch  abreise?  —  Mit  dem 
Hrn,  Reichsprälaten  von  Kaysersheim.  Als  ihm  ein 
guter  Freund  von  mir  gesprochen,  so  kannte  er  mich 
gleich  vom  Namen  aus,  und  zeigte  viel  Vergnügen, 
^h  zum  Reise- Compagnon  zu  haben;  er  ist  ein 
recht  liebenswürdiger  Mann.  Ich  gehe  also  über 
Kaysersheim,  und  nicht  über  Stuttgard« 

Kaysersheim,  den  18.  Decbr.  1778. 
Sonntag  den  löten  bin  ich,  Gott  Lob  und  Dank, 
glücklich  mit  der  schönsten  Gelegenheit  von  der 
Welt  hier  angelangt,  und  habe  gleich  das  unbe- 
schreibliche Vergnügen  gehabt,  einen  Brief  von  Ih- 
nen zu  finden.  —  Warum  ich  Ihnen  nicht  gleich 
geantwortet,  ist  die  Ursache,  weil  ich  Ihnen  die 
sicherste  und  gewisseste  Nachricht  meiner  Abreise 
von  liier  meiuen  wollte,  und  lcn  aber  es  seiost  noen 
nicht  wusste,  mich  aber  endlich  entschlossen,  weil 
der  Herr  Prälat  den  26sten  oder  27sten  d.  M.  nach 


—  —  Was  die  Monodrame  und  Duodrame  b< 
trifft,  so  ist  eine  Stimme  zum  Singen  gar  nichl 
wendig,  indem  keine  Note  darin  gesungen  wird,  — 
es  wird  nur  geredet,  —  mit  einem  Worte,  es  ist -ein 
Recitativ  mit  Instrumenten,  —  nur  dass  der  Acteur 
seine  Worte  spricht  und  nicht  singt.  Wenn  Sie  es 
nur  einmal  am  Cla viere  hören  werden,  so  wird  es 
Ihnen  schon  gefallen,  —  hören  Sie  es  aber  einmal 
in  der  Execution,  so  werden  Sie  ganz  hingerissen, 
da  stehe,  ich  Ihnen  gut  dafür«  ■  Allein  einen  guten 
Acteur  oder  gute  Actrice  erfordert  es\  — 


412 


i  München,  den  119.  Decbr.  1778.  - 

Ich  bin  den  2$sten,.Gott  Lob  und  Dank,  glück- 
lich hier  angelangt.  Den  Tag  vor  meiner  Abreise 
von  Kaysersheim  habe  ich  meine  Sonaten  richtig  er* 
halten ,  und  werde  sie,  so  bald  sie  gebunden  sind, 
sogleich  der  Churfürstin 


Münc^on,  den  8.  Januar  1779. 

Gestern  war  ich*  mit  meinem  lieben  Freunde 
Cannabich  bey  der  Churfürstin  und  habe  meine  So- 
naten  überreicht.  Wir  waren  eine  halbe  Stunde  bey 
ihr  und  sie  war  sehr  gnädig.  —  Nun  habe  ich  schon 
gemacht,  dass  man  ihr  beybringt,  dass  ich  in  etli- 
chen Tagen  abreisen  werde,  damit  ich  bald  expedirt 
jWerde.  — -  — 

■ 

Der  Vater  an  den  Sohn. 

••  .  ■     •  .  » 

.  Salaburg,  den  11.  Januar  1779. 

Aus  meinem  Briefe,  den  ich  am  7ten  an  Möns. 
Becke  abgelassen  und  nicht  nur  einen  Einscliluss  an 
Herrn  Gschwendner  beygeschlossen ,  sondern  auch 
Etwas  an  Dich  bey  geschrieben  ist,  wirst  Du  ersehen 
haben,  dass  ich  will,  dass  Du  mit  Hrn.  Gschwend- 
ner abzureisen  Dich  bemühen  sollst,  da  ich  ihn  im 
Schreiben  darum  ersuche.  Diese  Gelegenheit  will 
ich  demnach,  dass  Du  sie  absolut  ergreifst,  und,  da 
er  früher  als  die  Mmo  Rob innig  abreiset,  alle  Deine 
Sachen  darnach  einrichtest,  wenn  Du  mich  nicht 
aufs  Empfindlichste  beleidigen  willst.  Ich  hoffe  also, 
•Du  wirst  nach  Anweisung  meines  Briefes  vom  7ten 
Deine  Anstalten  so  gemacht  haben,  dass  Dich  Nichts 
aufhält*  dass  Du  Deine  Bagage  (was  Dir  unnöthig 


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•     <g  - 

ist)  den  I3ten  dem  Postwagen  aufgeben  und  mit 
Hrn.  Gsch wendner  abreisen  kannst,  denn  er  wird 
Dir  diese  Gefälligkeit  gewiss  nicht  abschlagen.  Nun 
hast  Du  mich  verstanden*  Das  Präsent  von  der 
Churfürstiu  kann  Dich  nicht  aufhalten;  da  die  "So- 
naten  den  TM  übergeben  worden  t  so  muss,  wenn 
man  es  nur  betreiben  will,  Alles  in  acht  Tagen  ge- 
schehen seyii.  Hier  ist  keine  Ausrede,  die  Oper 
hast  Du  auch  gesehen.  Folgfa'chitoabe  ich  Alles  ge- 
than,  was  Du  wolltest.  Ich  erwarte  Dich  also  mit. 
Herrn  Gschwendner  unausbleiblich,  und  da  ich  und 
Deine  Schwester  Dich  Millionen  Mai  küssen,  bin  ich 
Dein  Dich  liebender  Vater.  »  >■  •  »  1  •  .  \ 

Mozart  kam  also  in  der  Mittd  Januar^  i77&  l*T 
seinem  Vater  in  Salzburg  an.  Es  würde  sehr  ;äul 
seinem  Vortheile  gewesen  seyn,  wenn  er'  in  Paris 
geblieben  wäre;  -  aber  er  fand  wenig  Geschmack  an 
der  französischen  Musik  und  in  dem  uortigen  Auf-% 
enthalte.  Sein  gerade*  Sinn  war  ntfcht  für  die  Schlan- 
genwindungen, die  auf  einem  Tummelplätze  mensch- 
licher Thorheiten  auch  Künste  und  ■  Wissenschaften 
umstricken*  Die  französische,  obeYflSchliohe  Musik 
war  nie  nach  dem  Sinne  des  tiefen,  feurigen,  gehalt-' 
vollen  Genie's,  das  an  italienische  Melodieen  gewöhnt 
war,  gewesen,  das  er  so  mächtig  in  sich  fühlte. 
Dazu  kam  die  Liebe  zu  der  nachherigen  Lange,  der 
Schwester  seiner  Constanze,  welche  Liebe  ihn  die 
Rückkehr  um  so  mehr  wünschen  Hess,  als  ihm  «eine 
Mutter,  die  ihn  dieses  Mal  allein  aus  der  Familie 
begleitet  hatte,  in  Paris  starb,  und  welcher  Todes- 
fall auch  seinem  gefühlvollen  Herzen  den  Aufenthalt 


414 

in  Paria  mag  verleidet  haben.  Diese  Reise  gab  der 
Welt  die  grosse  Symphonie  in  D  für'a  Coneert  sp*- 
rÜuel,  die  deshalb  und  ihres  raschen  Feuers  wegen 
die  französische  heisst;  ferner  die  Sinfonie  concer- 
tantc,  zwey  Quartetti  für  die  Flöte,  ein  Coneert  für 
Harfe  und  Flöte,  sechs  Sonaten  für's  Ciavier,  und 
mehrere  andere  Stücke,  deren  gefallige  und  zierliche 
Schönheiten  selbst  der  damalige  französische  Ge- 
schmack annahm  und  bewunderte« 

Als  Mozart  mit  seiner  Mutter  nach  Paris  reis'te, 
kam  er  durch  Manheim,  wo  er  die  Aloysia  Weber*} 
nachherige  berühmte  Sängerin  Lange,  bey  ihren 
A eitern  kennen  lernte*  Da  sie  Beyde  Talente  hat- 
ten, so  lernten  sie  sich  bald  schätzen  und  lieben« 
Ihr  Vater,  der  urtheüte,  dass  sie  vereinigt  grosses 
Aufsehen  machen  würden,  dachte  mit  Vergnügen 
sich  ihre  Verehelichung.  Er  musste  bey  der  Regie- 
rung* -Veränderung  nach  München  ziehen,  wo  Mo- 
zart,  wegen  der  Trauer  über  seine  Mutter,  nach 
französischer  Sitte,  in  einem  rothen  Rocke  mit 
schwarzen  Knöpfen  auf  seiner  Rückreise  von  Paris 
erschien,  aber  bey  der  Aloysia  veränderte  Gesin- 
nung für  ihn  fand«  Sie  schien  den.  um  welchen  sie 
ehedem  geweint  hatte,  nicht  mehr  zu  kennen,  als 
er  eintrat«     Desslialb  setzte  sich  Mozart  flugs  an's 


•)  Geboren  zu  Manheim,  betaas«  sie  alle  möglichen  Volik« 

Kelten  einer  grossen  Sängerin,  stand  «uerst  am  Münchner 
Hoftheater  (1779),  und  würde  dann  1791,  nach  mehreren  Rei- 
sen, in  Wien  für  die  grosse  Oper  mit  4oo  Ducaten  angestellt. 
1796  war  sie  in  Hamburg  beym  Schröder 'sehen  Theater,  und 
1798  kam  sie  zur  deutschen  Oper  in  Amsterdam,  mit  800 
Ducaten  Gehalt,  freyer  Wohnung  und  rwey  Bcnefiaen.  Ge- 
genwärtig pwatisirt  sie  in  Wien. 


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Ciavier  und  sang  laut:  „Ich  lass  das  Mädel  gern, 
das  mich  nicht  will."  Von  nun  an  suchte  ihre 
Schwester  Constanze,  die  vielleicht  mehr  für  sein 
Talent,  als  für  seine  Person  fühlte,  und  Mitleiden 
mit  dem  Betrogenen  hatte,  welches  er  von  der 
Aloysia  erdulden  musste,  ihn  zu  unterhalten*  Er 
unterrichtete  sie  im  Pianoforte,  als  eine  lernbegierige 
Schülerin,  mit  Vergnügen.  Später  sahen  sie  sich  in 
Wien  wieder,  und  es  fand  sich,  dass  Constanze 
mehr  Eindruck  auf  Mozart  als  einst  Aloysia  ge- 
macht hatte» 

Mozart  wurde  Organist  in  Salzburg,  denn  in 
den  Salaburgischen  Hofkalendern  1780  und  1781  is* 
er  als  Hof-  und  Dom -Organist  angeführt.  Der 
Bayerische  Hof,  der  schon  so  oft  Zeuge  seine» 
Künstler -Talentes  war,  und  insbesondere  der  da- 
malige Churfurst  Carl  Theodor,  der  Crosse  Sehätzer 
aller  schönen  Künste,  liebte  Mozart's  Musik  im  ho- 
hen Grade.  Er  bekam  daher  den  Auftrag,  für  den 
Gameval  von  1781  in  München  eine  Opera  eeria  zu 
schreiben.  Diese  Mozart'sche  Schöpfung  ist  die  Oper 
Idomeneo,  worin  eine  Gedankenfülle  und  eine  Wärme 
der  Empfindung  herrscht,  die  sich  nur  von  der  Ju- 
gendkraft eines  genialen  Tonkünstlers,  wie  Mozart, 


Man  kann  wohl  mit  Recht  behaupten,  dass  Mo- 
zart's eigentliche  schöpferische  Epoche  mit  Idomeneo 
(1780)  anlangt.  Mozart  rechnete  diesen  Aufenthalt 
in  München  unter  die  angenehmsten  Tage  seines  Le- 
bens, und  vergass  dabey  nie  die  gefällige  Freund- 
schaft, die  er  daselbst  von  so  vielen  Männern  von 
Verdienst  genoss. 


4i6 

Den  6teu  November  1780  reis'te  Mozart  «ach 
München,  von  wo  aus  er  seinem  Vater  schreibt; 

*      •  •  \   w    •  • 

#  w 

...     .  München,  den  9.  Novbr.  1780. 

•  .  •  -   >  ■ 

Glücklich  und  vergnügt  war  meine  Ankunft!  — 
Nun  yon  München:  —  Ich.  war  noch  den  nämlichen 
Abend  (wir  kamen  liier  erst  um  1  Uhr  Nachmittags 
an)  beym  Grafen  Seeau,  all  wo  ich,  weil  er  nicht  zu 
Hause  war,  ein  Billet  hinterHess.  Den  andern  Tag 
Morgens  ging  ich  mit  Becke  wieder  hin«  Seeau  ist 
von  den  Manheim  eni  wie  Wachs  zusammen  ge- 
schmolzen« Wecen  des  Buches .  sacte  der  Graf,  ist 
es  nicht  nötlng,  dass  der  Abbate  Varesco  es  nochmals 
schreibe  un£  hieher  schicke,  weil  es  hier  gedruckt 
wird«  Ich  meinte  aber,  er  sollte  es  gleich  zusammen 
schreiben,  aber  die  kleinen  Noten  dabey  nicht  ver- 
gessen, und  es  so  bald  möglich  sammt  dem  Argu- 
ment hieher  schicken.  Die  Namen  der  singenden 
Personen  betreffend,  ist  es  ganz  unnöthig;  das  kann 
wohl  am  leichtesten  hier  geschehen,  denn  es  werden 
so  da  und  dort  kleine  Veränderungen  vorgenommen 
werden,  die  Recitative  etwas  abgekürzt,  doch  wird 
Alles  gedruckt  seyn.  Ich  habe  nun  eine  Bitte  an 
den  Herrn  Abt :  die  Aria  der  Uia  im  2ten  Acte  der 
«fcten  Scene  möchte  ich  für  das,  was  ich  sie  brauche, 
ein  wenig  verändert  haben.  —  Sd  U  Padre  perdei, 
in  te  lo  ritrovo:  diese  Strophe  könnte  nicht  besser 
seyn.  —  Nun  aber  kömmt's,  was  mir  immer,  NB. 

meiner  Aria,  unnatürlich  schien.  —  nämlich  das 
Sparte- Reden.  Im  Dialoge  sind  diese  Sachen  ganz 
natürlich,  man  sagt  geschwind  ein  paar  Worte  auf 
die  Seite  j  aber  in  einer  Aria,  wo  man  die  Wörter 


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'      '  417  ' 

wiederholen  muss,  macht  es  üble  Wirkung*  und 
wenn  auch  dieses  nicht  wäre,  so  wünschte  ich  mir 
da.  eine  Arie  (der  Anfang  kann  bleiben,  wenn  er 
ihm  taugt,  denn  der  .ist  charmant),  eine  ganz  Natur 
fortfliessende  Aria,  wo  ich,  nicht  so  sehr  an  die 
Worte  gebunden,  nur  so  ganz  leicht  auch  fortschrei- 
ben kann  5  denn  wir  haben  uns  verabredet,  hier  eine 
Aria  Andantino  mit  vier  concertirenden  Blas-Instru- 
menten  anzubringen,  für  Flauto,  Oboe,  Corno  und 
Fagotto,  und  bitte,  dass  ich  sie  so  bald  als  möglich 
bekomme.  —  v 

Nun  eine  HundsfBtterey :  —  ich  habe  zwar  nicht 
die  Ehre,  den  Helden  del  Prato  zu  kennen,  doch 
der  Beschreibung  nach  ist  noch  fast  Ceccarelli  (Ca- 
strat)  besser,  denn  mitten  in  einer  Arie  ist  öfters 
schon  sein  Odem  hin,  und  NB.  er  war  noch*nie  auf 
einem  Theater,  und  Raff  ist  eine  Statue.  Nun  stel- 
len Sie  sich  einmal  die  Scene  im  isten  Acte  vor.  — 
Nun  aber  etwas  Gutes!  Mad.  Dorothea  Wend- 
ling ist  mit  ihrer  Scene  Arci:  contentiaszma ,  sie  hat 
sie  drey  Mal  nach  einander  hören  wollen.  —  • 

Der  Vater  an  den  Sohn. 

Salzburg,  den  n.  November  1780. 

Ich  schreibe  in  der  Eile  um  halb  10  Uhr  Nachts, 
da  ich  den  ganzen  Tag  nicht  Zeit  hatte ,  und  Varesco 
mir  das  Buch  spät  überbrachte.  Hier  übermache  ich 
das  Buch  und  den  Plan  zurück,  damit  Sc.  Excellenz 
Graf  Seau  sehen,  dass  Alles  nach  der  Vorschrift 
gemacht  worden  ist.  Ueber  acht  Tage  wird  mit 
dem  Postwagen  das  ganze  abgeschriebene  Buch  fol- 
gen, so  nämlich,  wie  Abbate  Varesco  wünscht«  dass 

27 


I 


*<8 

es  soll  gedruckt  werden.   Es  werden  auch  die  nö- 
I  thigen  Anmerkungen  dabey  seyn.  Hier  ist  auch  die 

Arie;  mir  scheint,  es  wird  recht  seyn,  wo  nicht,  — 
nur  geschwind  geschrieben.  Was  Du  mir  von  dem 
singenden  Personale  schreibst,  ist  traurig:  das  Beste 
also  wird  die  Musik-  Composition  thun  müssen.  Dass 
ich  mich  auf  das  vortreffliche  Orchester  wie  ein  Kind 
freue,  kannst  Du  Dir  leicht  vorstellen«  Ich  wünsche, 

dass  ich  bald  abkommen  kann. 

•  ... 

Der  Sohn  an  den  Vater. 

München,  den  i5.  Norember  1780. 

In  der  grössten  Eile  schreibe  ich,  denn  ich  muss 
zum  Grafen  Seau  mit  Cannabich,  Quaglio  und  Le- 
grand, dem  Balletmeister,  um  dort  zu  speisen,  und 
um  das  Nöthige  Wegen  der  Opera  zu  verabreden. 
Gestern  habe  ich  mit  Cannabich  bey  der  Gräfin  Baum- 
garten  gespeis't,  einer  gebornen  Lerchenfeld.  Mein 
Freund  ist  Alles  in  diesem  Hause,  und  ich  nun  also 
auch  5  das  ist  das  beste  und  nützlichste  Haus  hier 
für  mich,  denn  durch  dieses  ist  auch  Alles  wegen 
meiner  gegangen,  und  wird,  wilPs  Gott,  noch  gehen. 

Die  Opera  wird  erst  den  20sten  Januar  das  erste 
Mal  gegeben  werden.  Haben  Sie  die  Güte,  und 
schicken  Sie  mir  die  zwey  Sparten  von  den  Messen, 
die  ich  bey  mir  habe ,  und  die  Messe  aus  Bdur  auch  5 
denn  Graf  Seau  wird  nächstens  dem  Churfursten  Et- 
was davon  sagen.  Ich  möchte,  dass  man  mich  in 
diesem  Styl  auch  kennen  lernte.  Ich  habe  erst  eine 
Messe  von  Grua  gehört;  von  dieser  Gattung  kann 
man  leicht  täglich  ein  halbes  Dutzend  componiren. 

Gestern  hat  mich  Graf  Seau  bey  Sr.  Durchlaucht 


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4<9 

dem  Churfursten  vorgestellt?  er  war  sehr  gnädig 
mit  mir.  Das  zwey te  Duetto  in  der  Oper  bleibt  ganz 
^Vi^^^^i  ^   Uü^l  ^SA^f^U^  Uüfc  in  c  1 1  r      11 1  /a  v .  1 1  ci  1       c  \  i  d  d  i  l  j  l  1 1. 

die  Oper \  denn  Sie  sehen  wohl,  wenn  Sie  dieScene 
überlesen,  dass  selbe  durch  eine  Arie  oder  Duetto 
matt  und  kalt  wird,  und  für  die  andern  Acteurs, 
die  so  hier  stehen  müssen,  sehr  gdnant  ist  —  und 
überdiess  würde  der  grossmüthige  Kampf  zwischen 
Ilja  und  Idamante  zu  lange,  und  folglich  seinen 
ganzen  Werth  verlieren.  —* 

Der  Sohn  an  den  Vater. 

München,  den  i5.  November  1780, 
Ich  habe  Ihr  Schreiben,  oder  vielmehr  das  ganze 
Paquet  richtig  erhalten.  Nun  ist  die  Arja  ganz  vor- 
trefflich. —  Jetzt  giebt  es  noch  eine  Veränderung, 
an  welcher  Ralf  Schuld  ist.  Er  hat  aber  Recht,  und 
hätte  er  es  nicht,  so  müsste  man  doch  seinen  grauen 
Haaren  etwas  zu  Gefallen  thun.  Er  war  gestern  bey 
mir,  wo  ich  ihm  seine  erste  Arie  vorgeritten  habe, 
und  er  war  sehr  zufrieden.  Nun,  der  Mann  ist  alt: 
in.  einer  Aria,  wie  die  im  oten  Acte :  fuor  del  mar 
ho  un  mare  in  seno  etc.  kann  ersieh  dermalen  nicht 
mehr  zeigen 5  — ►  also,  weil  er  im  3ten  Act  ohnediess 
keine  Arie  hat,  wünschte  er  sich  (weil  seine  im  lsten 
Acte  vermöge  des  Ausdruckes  der  Worte  nicht  can- 
tabile  genug  seyn  kann)  nach  seiner  letzten  Rede: 
o  Creta  fortunata!  o  me  felice!  anstatt  des  Quar- 
tetts eine  hübsche  Aria  zu  singen,  und  auf  diese 
Art  fallt  auch  hier  ein  unnötliiges  Stück  weg,  und 
der  3te  Act  wird  nun  weit  besser  Effect  machen. 
In  der  letzten  Scene  im  2ten  Acte  hat  Idomeneo  zwi- 

27* 


420 

sehen  den  Chören  eine  Aria  oder  vielmehr  eine  Art 
von  Cavatina;  hier  wird  es  besser  seyn,  ein  blosses 
Recitativ  zu  machen ,  unter  welchem  die  Instrumente 
gut  arbeiten  können.  Denn  in  dieser  Scene,  die, 
wegen  der  Action  und  der  Gruppen,  wie  wir  sie 
kürzlich  mit  Legrartd  verabredet  haben,  die  schönste 
der  ganzen  Oper  seyn  wird,  wird  ein  solcher  Lärm 
und  Confusion  auf  dem  Theater  seyn,  dass  eine 
Aria  eine  schlechte  Figur  auf  diesem  Platze  machen 
würde,  und  überdiess  ist  das  Donnerwetter,  und 
das  wird  wohl  wegen  der  Aria, des  Hrn.  Raff  nicht 
aufhören?  —  lind  der  Effect  eines  Recitativs  zwischen 
den  Choren  ist  ungleich  besser.  Die  Lisette  Wend- 
ling hat  auch  schon  ihre  zwey  Arien  öfters  durch- 
gesungen; sie  ist  sehr  zufrieden.  Ich  habe  es  von 
einer  dritten  Hand,  dass  die  beyden  Wendlinge, 
Dbrothea  und  Lisette,  ihre  Arien  sehr  gelobt  haben. 
Raff  ist  ohnedies*  mein  bester,  liebster  Freund. 
Meinen  molto  amato  Castrato  del  Prato  xnuss  ich 
aber  die  ganze  Oper  lehren,  denn  er  ist  nicht  im 
Stande,  einen  Eingang  in  eine  Arie  zu  machen,  der 
etwas  heisst,  und  hat  eine  ungleiche  Stimme.  Er 
ist  nur  auf  ein  Jahr  engagirt,  und  so  bald  das  mit 
künftigem  September  aus  ist,  so  nimmt  Graf  Seau 
einen  Andern. 

Nun  hätte  ich  bald  das  Beste  vergessen:  Graf 
Seau  hat  mich  letzten  Sonntag  nach  dem  Amte  dem 
Churfiirsten  en  passant  vorgestellt,  welcher  sehr 
gnädig  mit  mir  war,  indem  er  sagte:  „Es  freut 
mich,  Ihn  wieder  hier  zu  sehen}"  und  als  ich  sagte, 
dass  ich  mich  beeifern  werde,  den  Beyfall^r.  Chur- 
fiirstl.  Durchlaucht ^zu  erhalten— so  klopfte  er  mich 


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421 

—  —   -  —  ■    '  — 

auf  die  Schulter  und  sagte:  „O  daran  fuibe  ich  kei- 
nen Zweifel,  das*  Alles  sehr  gut  seyn  wird." 

München,  den  »4.  November  1780. 

Ich  hoffe,  8ie  werden  unterdessen  auch  die  Aria 
für  Hrn.  Schickaneder  erhalten  haben.  Die  ersten 
acht  Tage  konnte  ich  selbe  wegen  meiner  andern 
Geschäfte,  wess wegen  ich  hier  bin,  nicht  ganz  zu 
Stande  bringen. 

Wegen  meiner  Oper  seyen  Sie  ausser  8orgen, 
mein  liebster  Vater 5  ich  hoffe,  dass  Alles  ganz  gut 
gehen  wird*  —  Eine  kleine  Cabale  wird  es  wohl 
absetzen,  die  aber  verinuthlich  «ehr  komisch  ausfal- 
len wirdj  denn  ich  habe  unter  der  Noblesse  die  an- 
sehnlichsten und  vermöglichsten  Häuser,  und  die 
Ersten  bey  der  Musik  sind  olle  für  mich,  besonders 

i  •  w  mm  w  • 

Cannabich.  — 

•  l  •  |  •        #  ■ 

MUnoÄon,  den  »9.  Norember  1780. 
Die  überschickte  Arie  für  Raff  gefallt  mir  und 
ihm  gar  nicht;  von  dem  era  will  ich  gar  nichts  sa- 
gen, denn  das  ist  bey  einer  solchen  Arie  allezeit 
gefehlt.  Metastasio  hat  es  auch  bisweilen,  aber  äus- 
serst selten,  und  sind  auch  dieselben  Arien  nicht 
seine  besten;  und  was  für  Notwendigkeit  ist  da?  — 
Ueberdiess  ist  sie  auch  gar  nicht  so,  wie  wir  sie 
gewünscht  haben,  nämlich  sie  soll  nichts  als  Ruhe 
und  Zufriedenheit  zeigen,  und  das  zeigt  sie  hier  nur 
erst  im  zweyten  Theile:  denn  das  Unglück,  welches 
er  Alles  auszustehen  gehabt  hat,  haben  wir  die  ganze 
Oper  durch  genug  gesehen,  gehört  und  gefühlt,  aber 
von  seinem  gegenwärtigen  Zustande  kann  er  wohl 
reden.     Wir  brauchen,  auch  gar  keinen  zweyten 


1 


421 

Tiieil  —  desto  besser.  —  In  der  Oper:  Achille  in 
Sciro  von  Metastasio  ist  so  eine  Arie  auf  diese  Art, 
und  nach  welcher  Art  sie  Raff  zn  haben  wünschte : 

Qr    che    mio  jiglio  $ei, 

O  fido    il   destin  nemico 

Senta    degl'    cmni  miei 

II   Peso    ä   leggierir.  .  • 

Sagen  Sie  mir,  finden  Sie  nicht,  dass  die  Rede 
von  der  unterirdischen  Stimme  zu  lang  ist?  Ueber- 
legen  Sie  es  recht.  —  Stellen  Sie  sich  das  Theater 
vor,  die  Stimme  muss  schreckbar  seyn  —  sie  muss 
eindringen  —  man  muss  glauben,  es  sey  wirklich  so 
—  wie  kann  sie  das  bewirken,  wenn  die  Rede  zu 
lang  ist,  durch  welche  Länge  die  Zuhörer  immer 
mehr  von  dessen  Nichtigkeit  überzeugt  werden?  — 
Wäre  im  Hamlet  die  Rede  des  Geistes  nicht  so  lang, 
sie  würde  noch  von  besserer  Wirkung  seyn.  — 
Diese  Rede  hier  ist  auch  ganz  leicht  abzukürzen ,  sie 
gewinnt  mehr  dadurch,  als  sie  verliert. 

Nun  brauche  ich  wegen  des  Marsches  im  2ten 
Acte,  den  man  von  der  Ferne  hört,  solche  Sordinen 
für  die  Trompeten  und  Hörner,  die  man  hier  nicht 
hat.  Wollten  Sie  mir  wohl  mit  nächstem  Postwa- 
gen von  jedem  Eines  schicken,  um  sie  hier  nach- 
machen lassen  zu  können? 

Munic,  1  Dscembre  1780. 

Die  Probe  ist  ausserordentlich  gut  ausgefallene 
Es  waren  nur  sechs  Violons,  aber  die  gehörigen 
Blas -Instrumente  5  von  Zuhörern  wurde  Niemand 
zugelassen,  als  die  Schwester  von  Seau  und  der  junge 
Graf  Seinsheim.  —  Heute  acht  Tage  wollen  wir 
eine  zweyte  Probe,  machen,  wo  wir  dann  zum  lsten 

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423 

Acte,  welcher  unterdessen  duplirt  wird,  zwölf  Gei- 
ger haben,  und  dann  wird  der  zweyte  (wie  das  vo- 
rige Mal  der  erste  Act)  mit  proba  t  werden.  Ich  kann 
Ihnen  nicht  sagen,  wie  Alles  voll  Freude  und  Er- 
staunen ist*  Ich  vermuthete  es  aber  nicht  anders; 
denn  ich  versichere  Sie.  ich  eine  mit  so  ruhigem 
Herzen  zu  dieser  Probe ,  aJU  wenn  ich  wo  auf  eine 
Collation  hin  ginge.  —  .  . 

Graf  Seinsheim  sagte  au  mir:  „Ich  versichere 
Sie,  dass  ich  mir  sehr  viel  von  Ihnen  erwartet  habe, 
aber  das  habe  ich  wahrlich  nicht  erwartet."  Das 
Cannabich'sche  Haus,  und  Alle,  die  es  frequentiren, 
sind  doch  wahre  Freunde  von  mir,  Als  ich  nach 
der  Probe  mit  Cannabich  (denn  wir  hatten  noch  Vie- 
les mit  dem  Grafen  zu  sprechen)  zu  ihm  nach  Hause 
kam.  ging  mir  schon  Mad.  Cannabich  entgegen  und 
umarmte  mich  voll  Vergnügen,  dass  die  Probe  so 
gut  ausgefallen :  denn  Hamm  und  Lange  kamen  wie 

>->  *^       ^™  ^^  ^^^  ™    T  W  *  iN  M  •        *  ~  "  ~  *  —  *■  ™*       Mi    ^  ■  *~  "  ■  ■         '  "         ■  • 

närrisch  nach  Hause.  Ramm  sagte  mir  (denn  wenn 
Sie  diesen  keimen,  werden  Sie  sagen,  das  ist  ein 
wahrer  Deutscher,  der  sagt  Ihnen  so  Alles  ins  Ge-  % 
sieht,  wie  er  sich  es  denkt):  „Das  kann  ich  Ihnen 
wohl  gestehen,  sagte  er,  dass  mir  noch  keine  Musik 
solche  Impression  gemacht  hat,  und  ich  versichere 
Sie,  dass  ich  wohl  fünfzig  Mal  auf  Ihren  Hrn.  Vater 
gedacht  habe,  was  dieser  Mann  für  Freude  haben 
muss,  wenn  er  diese  Oper  hört«"  Nun  genug  da- 
von! —  Mein  Katarrh  ist  bey  dieser  Probe  etwas 
ärger  geworden.  Man  erhitzt  sich  sehr  leicht,  wenn 
Ehre  und  Ruhm  im  Spiele  sind,  man  mag  Anfangs 
noch  so  kaltblütig  seyn.  Gestern  war  wieder  Mr. 
Raff  bey  mir,  um  die  Aria  im  2len  Acte  zu  hören. 


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Der  Mann  ist  so  in  seine  Aria  verliebt,  als  es  nur 
immer  ein  junger  feuriger  Mann  in  seine  Schöne 
seyn  kann ;  denn  Nachts  vor  dem  Schlafengehen,  und 
so  bald  er  erwacht,  singt  er  sie.  Er  hat  zu  Baron 
Vieregg,  Oberst- Stallmeister,  gesagt:  „Ich  war  sonst 
immer  gewohnt,  mir  in  die  Rollen  zu  helfen,  sowohl 
in  die Recitative  als  Arien;  da  ist  aber  Alles  geblie- 
ben, wie  es  war,  ich  wüsste  keine  Note,  die  mir 

nicht  abständig  wäre  u.  a.  w."  —  —  — 

•  » 

Der  Vater  an  den  Sohn. 

Salzburg,  den  %U  Decembcr  17&0. 
Ich  hoffe,  Du  bist  gesund.  Ich  empfehle  Dir, 
bey  Deiner  Arbeit  nicht  einzig  und  allein  für  das 
musikalische,  sondern  auch  für  das  unmusikalische 
Publicum  zu  denken:  —  Du  weiss t,  es  sind  hundert 
unwissende  gegen  zehn  wissende  Kenner;  —  vergiss 
also  das  sogenannte  Populäre  nicht,  das  auch  die 
langen  Ohren  kitzelt.  Wie  wird  es  mit  der  Spart 
gehen?    Wird  sie  nicht  copirt?    Du  musst  darauf 

■ 

bedacht  seyn.  Um  so  eine  Bezahlung,  wie  diese, 
kann  man  seine  Spart  nicht  zurück-  lassen.  Uebereile 
den  3ten  Act  nicht,  Du  wirst  dennoch  noch  früh 
genug  fertig.    Ende  gut!  Alles  gut! 

Diese  Tage  zeigte  mir  Fiala  einen  Brief  von 
Becke,  welcher  vojl  der  Lobeserhebungen  Deiner 
Musik  des  iston  Actes  war:  er  schrieb,  dass  ihm 
die  Thränen  in  die  Augen  traten,  als  er  die  Musik 
hörte,  vor  Freude  und  Vergnügen,  und  dass  Alle 
behaupteten,  das  wäre  die  schönste  Musik,  die  sie 
gehört  hätten ,  dass  Alles  neu  und  schön  wäre  etc  5 
dass  sie  nun  im  Begriff  wären,  den  2teu  Act  zu  pro- 


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435 

biren.  —  dass  er  mir  dann  selbst  schreiben  werde 

WU  1>11  J  V***<74»  »IUI        Villi»      »vlUüW      WU4  V*WVU       ¥T  VA\*  ^ 

u.  8.  w.  Nun,  Gott  sey  Dank  gesagt,  das  geht  gut. 
Ich  kann  nicht  glauben,  da  ich  Deine  Arbeit  kenne, 
dass  es  Complimente  sind  5  denn  ich  bin  überzeugt, 
dass  Deine  Compositum,  wenn  sie  gehörig  ausgeführt 
wird,  auch  ihre  Wirkung  thun  muss. 

1 

Der  Sohn  an  den  Vater. 

*  Jfufifc,  16  Decembr*  1.780. 
Heute  Nachmittag  ist  Probe  vom  isten  und  £ten 

Acte  wieder  im  Zimmer  beym  Grafen;  dann  werden 
wir  nichts  als  den  Sten  noch  nrobiren.  alsdann  aber 
gleich  auPs  Theater  gehen«    Wegen    der  Sparte 

•  brauchte  ich  es  gar  nicht  fein  zu  machen,  sondern 
sagte  es  ganz  gerade  dem  Grafen.  Es  war  allezeit 
in  Manheim  üblich,  wo  der  Kapellmeister  gewiss  gut 
bezahlt  war,  dass  er  das  Original  zurück  bekommen. 
Wegen  des  sogenannten  Populäre  sorgen  Sie  nicht, 
denn  in  meiner  Oper  ist  Musik  für  alle  Gattungen 
von  Leuten,  —  ausgenommen  für  lange  Ohren  nicht* 

Wie  ist  es  denn  mit  dem  Erzbischof  ?  Künfti- 
gen Montag  wird  es  sechs  Wochen,  dass  ich  von 
Salzburg  weg  bin.  Sie  wissen,  mein  liebster  Vater, 
dass  ich  nur  Ihnen  zu  Liebe  in  Salzburg  bin ;  denn, 
bey  Gott,  wenn  es  auf  mich  ankäme,  so  würde  ich, 
bevor  ich  abgereiset  bin,  das  letzte  Decret  zerrissen 
und  meine  Entlassung  begehrt  haben;  denn  mir  wird, 
bey  meiner  Ehre,  nicht  Salzburg,  sondern  der  Fürst 
und  die  stolze  Noblesse  alle  Tage  unerträglicher.  Ich 
würde  also  mit  Vergnügen  erwarten,  dass  er  mir 
schreiben  Hesse,  er  brauche  mich  nicht  mehr.  Ich 
würde  auch  bey  der  grossen  Protection,  die  ich  hier 


habe,  für  gegenwärtige  und  zukünftige  Umstände  ge- 
sichert seyn,  Todesfälle  ausgenommen,  für  welche 
Niemand  stehen  kann,  und  welche  aber  einem  Men- 
schen, der  ledig  ist,  keinen  Schaden  bringen« 

Kommen  Sie  bald  zu  mir  nach  München  und 
hören  Sie  meine  Opera,  —  und  sagen  Sie  mir  dann, 
ob  ich  Unrecht  habe,  traurig  zu  seyn,  wenn  ich 
nach  Salzburg  denke;  denn  Sie  wissen,  wie  schwer 
es  gehalten  hat,  diess  Mal  wegzukommen,  ohne  grosse 
Ursache  ist  gar  kein  Gedanke.  Es  ist  zum  Weinen, 
wenn  man  daran  gedenkt.  —  Doch  Ihnen  zu  Liebe 
Alles  in  der  Welt,  — -  und  leichter  würde  es  mir 
noch  ankommen,  wenn  man  doch  nur  bisweilen  auf 
eine  kurze  Zeit  weg  könnte,  um  Odem  zu  schöpfen. 
—  —  Adieu !  —  Ich  küsse  Ihnen  2000  Mal  die  Hände 
und  meine  Schwester  umarme  ich  von  ganzem  Her- 
zen, und  bin  ewig  Dero 

gehorsamster  Sohn 

W.  A.  M. 

*  • 

München,  den  19.  Docbr.  17S0. 
Die  letzte  Probe  ist,  wie  die  erste,  recht  gut 
ausgefallen,  und  hat  sich  das  Orchester,  wie  alle 
Zuhörer,  mit  Vergnügen  betrogen  gefunden,  dass  der 
zweyte  Act  in  Ausdruck  u.  Neuheit  unmöglich  stärker 
als  der  erste  seyn  kann.  Künftigen  Samstag  werden 
wieder  die  zwey  Acte  probirt,  aber  in  einem  grossen 
Zimmer  bey  Hofe,  welches  ich  längst  gewünscht, 
denn  bey  Graf  Seeau  ist  es  gar  zu  klein«  Der  Chur- 
fiirst  wird  in  einem  Nebenzimmer  incognito  zuhören. 
Da  soll  aber  auf  Leib  und  Leben  probirt  werden, 
sagte  der  Cannabich  zu  mir.  Bey  der  letzten  Probe 
war  er  ganz  durchnässt  vom  Schweisse« 


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Man  ist  doch  froh,  wenn  man  von  einer  so 
grossen,  mühsamen  Arbeit  endlich  befreyet,  und  mit 
Ehre  und  Ruhm  befreyet  ist :  denn  fast  bin  ich  es, 
—  denn  es  fehlen  nur  noch  drey  Arien  und  der 
letzte  Chor  vom  3ten  Acte,  die  Ouvertüre  und  das 
Ballet  —  et  adieu  partiel  , 

A  propos!  Die  Scene  zwischen  Vater  und  Sohn  ' 
im  is ten  Act,  und  die  erste  Scene  im  2ten  Acte, 
sind  beyde  zu  lang;  sie  ennuyiren  ganz  gewiss.  Be- 
sonders, weil  in  der  ersten  Beyde  schlechte  Acteurs 
sind,  und  in  der  zweyten  es  einer  ist;  und  der  ganze 
Inhalt  nichts  als  eine  Erzählung  von  dem,  was  die 
Zuschauer  schon  selbst  mit  Augen  gesehen,  ist.  Die 
Scenen  werden  gedruckt,  wie  sie  sind.  Nur  wünschte 
ich,  dass  der  Herr  Abbate  mir  anzeigen  wolle,  wie 
sie  abzukürzen  sind,  und  zwar  auf  das  Kürzeste, 
denn  sonst  muss  ich  es  selbst  thun;  denn  so  können 
die  zwey  Scenen  nicht  bleiben  —  versteht  es  sich, 
in  der  Musik.  — 

Der  Vater  an  den  Sohn. 

Salibnrg,  den  *5.  Decbr.  1780. 

In  der  ganzen  Stadt  ist  ein  allgemeines  Reden 
wegen  der  Güte  Deiner  Opera.  Den  ersten  Lärm 
machte  Baron  Lerbach;  die  Hofkanzlerin  sagte  es 
mir,  dass  er  ihr  erzählt  habe,  die  Opera  werde 
durchgehends  ausserordentlich  gelobt.  Den  zweyten 
machte  Herrn  Becke's  Brief  an  Fiala,  den  er  aller 
Orten  lesen  liess.  Ich  wünsche,  dass  der  dritte  Act 
die  nämliche  Wirkung  tliut,  und  hoffe  es  um  so  ge- 
wisser, als  hier  die  grossten  Affecten  vorkommen, 


428 

und  die  unterirdische  Stimme  sehr  überraschen  und 
schaudernd  seyn  muss.  Basta,  ich  hoffe,  dass  es 
heissen  soU:  Firns  coronat  opus.  Suche  nur,  das 
ganze  Orchester  bey  guter  Laune  zu  erhalten,  ihnen 
zu  schmeicheln  und  sie  durch  die  Sank  mit  Lobes- 
erhebungen Dir  geneigt  zu  erhalten;  denn  ich  kenne 
Deine  Schreibart,  es  gehört  bey  allen  Instrumenten 

•  die  unausgesetzte  erstaunlichste  Aufmerksamkeit  da- 
zu, und  es  ist  eben  kein  Spaass,  wenn  das  Orchester 
wenigstens  drey  Stunden  mit  solchem  Fieiss  und 
Aufmerksamkeit  angespannt  seyn  muss.  Jeder,  auch 
der  schlechteste  Bratschist,  ist  auPs  Empfindlichste 
gerührt,  wenn  man  ihn  tete  a  tite  lobt,  und  wird 

s  dadurch  eifriger  und  aufmerksamer,  und  so  eine 
Höflichkeit  kostet  Dich  nichts,  als  ein  paar  Worte. 
Doch  —  das  weisst  Du  ja  selbst,  —  ich  sage  es 
nur,  weil  man's  oft  da,  bey  der  Probe,  nicht  gleich 
thun  kann,  und  dann  vergisst,  und  weil  Du  erst 
dann  die  Freundschaft  und  den  Eifer  deS  ganzen 
Orchesters  nöthig  hast,  wenn  die  Opera  in  Seena 
ist.  Die  Lage  des  ganzen  Orchesters  ist  dann  ganz 
anders,  und  aller  Mitspielenden  Aufmerksamkeit 
muss  noch  mehr  angespannt  seyn.  Du  weisst,  dass 
man  nicht  Alle  zu  Freunden  haben  kann.  Es  muss 
immer  ein  Zweifel  und  Jber  mit  unterlaufen.  Mau 
zweifelte,  ob  der  zweyte  Act  so  neu  und  gut  als 
der  erste  Act  ausfallen  werde?  —  Da  nun  dieser 
Zweifel  gehoben  ist,  so  werden  Wenige  mehr  für 
den  dritten  Act  zweifeln.  Aber  ich  wollte  meinen 
Kopf  wetten,  dass  Einige  seyn  werden,  die  zweifeln 
werden,  ob  diese  Musik  in  Seena  auf  dem  Theater 
auch  die  Wirkung  wie  im  Zimmer  machen  werde?  • 


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429 

—  —  und  da  braucht's  auch  wirklich  den  grössten 
Eifer  und  guten  Willen  des  ganzen  Orchesters. 

Was  anbelangt  wegen  der  sechs  Woclien,  so 
bin  ich  entschlossen,  mich  gar  nicht  zu  rühren,  noch 
Etwas  zu  melden;  sollte  aber  eine  Rede  an  mich 
kommen,  so  bin  ich  entschlossen,  zu  antworten,  dass 
wir  es  verstanden  hätten,  dass  Du  sechs  Wochen 
nach  componirter  Opera  wegen  Probe  und  Pro- 
duction  in  München  Dich  aufhalten  könntest,  indem 

fürstU  Gnaden ,  dass  eine  solche  Opera  in  sechs 
fVochen  componirt,  abgeschrieben  und  aufgeführt 
könnte  u.  s.  w.  . 
Esser  hat  mir  und  dem  Ferrari  von  Augs- 
burg geschrieben.  Er  rühmte  die  zwey  Acte  Deiner 
Opera,  die  er  gehört,  ganz  besonders,  und  schrieb, 
dass  von  5  bis  8  Uhr«  probirt  wurde.  Herr  Becke, 
dem  wir  uns  empfehlen,  schrieb  mir,  dass  der  Chor 
im  zweyten  Acte  beym  Sturme  so  stark  wäre*  dass 
er  Jedem,  auch  in  der  grössten  Sommerhitze,  eiskalt  . 
machen  müsste.  Er  rühmt  die  concertirende  Arie 
der  Dorothea  Wendling  im  zweyten  Acte  ausseror- 
u.  s.  w.   Kurz,  es  wäre  zu  weitläufig,  alle 

Herr  Ferrari  macht  Dir  sein  Compliment  wegen 
des  allgemeinen  Beyfalls  Deiner  Oper.  Er  zeigte 
den  Brief  von  Hrn.  Esser,  weil  sich  dieser  darin 
wegen  des  Accompagnements  bey  seinem  Concerte 
zu  Salzburg  bey  dem  ganzen  Orchester  bedankte, 
desswegen  bey  Hofe  Allen,  besonders  dem  Haydn, 
Brünett i,  Hafeneder  etc.;  und  da  lasen  sie  auch, 
er  die  zwey  Acte  gehört,  und:  che  abbia 


■ 

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I 


I 


430 

tito  una  musioa  ottima  e  partioolare,  universalmente 

applaiulita.  1 
*  * 

•  ■  % 

Der  Sohn  an  den  Vater. 

IVI  u  n  c  h  c  n  j  den  ^y*  Docfcr.  iy8o» 

Die  letzte  Probe  ist  herrlich  gewesen ,  sie  war 
in  einem  grossen  Saale  bey  Hofe,  nnd  der  Churfurst 
war  auch  da.  Dieses  Mal  ist  mit  dem  ganzen  Or- 
chester (versteht  sich,  das  im  Opernhause  rTlatz  hat) 
probirt  worden.  —  Nach  dem  ersten  Acte  sagte  mir 
der  Churfurst  überlaut  Bravo,  und  als  ich  hinging, 
ihm  die  Hand  zu  küssen,  sagte  er:  Diese  Oper 
wird  charmant  werden,  Er  wird  gewiss  Ehre  da- 
von haben*  —  Weil  er  nicht  wusste*  ob  er  so  lange 
da  bleiben  konnte,  so  musste  man  ihm  die  concerti- 
rende  Aria  und  das  Donnerwetter  zu  Anfang  des 
zweyten  Actes  machen.  Nach  diesem  gab  er  mir 
wieder  auf  das  Freundlichste  seinen  Beyfall,  und 

einem  so  Meinen  Kopfe  so  was  Grosses  stecke»  Er 
hat  auch  den  andern  Tag  früh  beym  Cercle  meine 
Opera  sehr  gelobt.  —  Die  nächste  Probe  wird  ver- 
muthlich  im  Theater  seyn. 

A  proposl  Becke  sagte  mir  dieser  Tage,  dass  er 
Ihnen  nach  der  vorletzten  Probe  wieder  geschrieben 
hatte,  und  unter  andern  auch,  dass  RafFs  Arie  im 

dies  man  ihm  gesagt  hätte.  Ich  habe  ihm  darauf 
geantwortet:  Hätten  Sie  mich  eher  gefragt  und  her- 
nach erst  geschrieben.  —  Ich  muss  Linen  sagen,  dass 
derjenige  zu  wenig  Welsch  kann,  der  Ihnen  so  Et- 
was gesagt  hat.  Die  Aria  ist  ganz  gut  auf  die  Wör- 


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431 

■ 1 

■  ntm     <vA«/*lttnnl\An         A/Tn>-\     1,1t  ,ln  .  «-,,«,1     «Iam  ,,  , 

ter  gescnncucii.  liiaii  non  aas  tiicitb  unu  uas  innre 
funesto,  und  die  Passagen  sind  auf  minacciar  ange- 
bracht, welche  denn  das  minacciar,  das  Drohen, 
ganzlich  ausdrücken;  und  überhaupt  ist  diess  die 
prächtigste  Ana  in  der  Opera,  und  hat  auch  allge- 
meinen Beyfall  gehabt. 

■ 

Münte,  oe  5o  Dccemhre  1780. 

Glückseliges  neues  Jahr!  —  Verzeihen  Sie,  wenn 
ich  diess  Mal  sehr  wenig  schreibe,  denn  ich  stecke 
nun  über  Hals  und  Kopf  in  Arbeit.  —  Ich  bin  noch 
nicht  ganz  fertig  mit  dem  dritten  Acte,  und  habe 
dann,  weil  kein  besonderes  Ballet,  sondern  nur  ein 
zur  Opera  gehöriges  Divertissement  ist,  auch  die 
Ehre,  die  Musik  dazu  zu  machen,  welches  mir  aber 
sehr  lieb  ist,  denn  so  ist  doch  die  Musik  von  einem 
Meister.  Der  dritte  Act  wird  wenigstens  so  gut  aus- 
fallen, als  die  beyden  ersten,  —  ich  glaube  aber, 
unendlich  besser,  und  dass  man  mit  Recht  sagen 
könne:  Finie  coronat  opus.  —  Der  Churfürst  war 
letzthin  bey  der  Probe  so  zufrieden,  dass  er,  wie 
ich  Ihnen  letzthin  schon  geschrieben,  Morgens  beym 
Cercle  meine  Opera  sehr  gelobt,  und  dann  Abends 
bey  der  Cour  wieder;  —  und  dann  weiss  ich  es  von 
einer  sehr  sichern  Hand,  dass  er  den  nämlichen 
Abend  nach  der  Probe  Jedermann,  der  zu  ihm  ge- 
kommen ist,  von  meiner  Musik  geredet  hat,  mit 
dem  Ausdrucke:  ,Jch  war  ganz  surprenirt —  noch 
?iat  mir  keine  Musik  den  Effect  gemacht,  —  das  ist 
eine  magnifique  Musik." 

Vorgestern  haben  wir  eine  Recitativ- Probe  bey 
der  Wendling  gemacht  —  und  das  Quartett  zusam- 


Di 


433 

men  probirt.  Wir  haben  es  sechs  Mal  repetirt  — 
nun  geht  es  endlich.  Der  Stein  des  Anstosses  war 
der  Del  Prato;  —  der  Bube  kann  doch  gar  nichts. 
Seine  Stimme  wäre  nicht  so  übel,  wenn  er  sie  nicht 
in  den  Hals  und  in  die  Gurgel  nehmen  würde;  übri- 
gens hat  er  aber  gar  keine  Intonation  —  keine  Me- 
thode —  keine  Empfindung,  sondern  singt  wie  etwa 
der  beste  unter  den  Buben,  die  sich  hören  lassen, 
um  in  dem  Kapellhause  aufgenommen  zu  werden. 

Munic,  ce  3  Janvier  1781. 

Mon  tres  eher  Pörel 

Kopf  und  Hände  sind  mir  so  von  dem  dritten 
Acte  voll,  dass  es  kein  Wunder  wäre,  wenn  ich 
selbst  zu  einem  dritten  Acte  würde.  —  Der  allein 
kostet  mehr  Mühe,  als  eine  ganze  Opera,  denn  es 
ist  fast  keine  Scene  darin,  die  nicht  äusserst  inter- 
essant wäre.  —  Das  Accompagnement  bey  der  unter- 
irdischen Stimme  besteht  ganz  allein  aus  fünf  Stim- 
men,  nämlich  drey  Posaunen  und  zwey  Waldhörnern, 
welche  an  dem  nämlichen  Orte  placirt  sind,  wo  die 
Stimme  herkömmt.  Das  ganze  Orchester  ist  bey 
dieser  Stelle  «tili.  —  Die  Hauptprobe  ist  ganz  ge- 
wiss den20sten,  und  die  erste  Production  den  Josten. 

München,  den  11»  Januar  1781. 

So  eben  die  Nachricht,  dass  die  Opera  wieder 
um  acht  Tage  verschoben  ist;  die  Hauptprobe  ist 
erst  den  27sten,  NB.  an  meinem  Geburtstage,  und 
die  erste  Opera  am  29sten  d.  M.  —  Ich  bin  zwar 
froh,  so  kann  man  noch  öfter  probiren  und  mit 
mehr  Bedachtsamkeit.  ' 


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433 

_ 

Ich  habe  nebst  vielen  andern  kleinen  Streitig- 
keiten einen  starken  Zank  mit  dem  Grafen  Seau 
wegen  der  Posaunen  gehabt  —  ich  heisse  es  einen 
starken  Streit,  weil  ich  mit  ihm  habe  müssen  grob 
seyn,  sonst  wäre  ich  mit  ihm  nicht  ausgekommen. 

• 

Munic,  ce  18  Janvier  1781. 

Verzeihen  Sie,  wenn  ich  gegenwärtig  sehr  wenig 
schreibe ,  denn  ich  muss  augenblicklich  in  die  Probe, 
—  es  ist  heute  die  erste  Recitativ-  Probe  im  Theater. 

Die  Probe  mit  dem  dritten  Acte  ist  vortrefflich 
ausgefallen ,  und  man  hat  gefunden ,  dass  er  die  zwey 
ersten  Acte  noch  um  Vieles  übertrifft«  —  Nur  ist 
die  Poesie  gar  zu  lang,  und  folglich  auch  die  Musik 
(welches  ich  immer  gesagt  habe)  5  desswegen  bleibt 
die  Aria  von  Idamante:  Nb,  la  morte  io  non  pa- 
vento,  weg,  welche  ohnediess  ungeschickt  da  ist, 
worüber  aber  die  Leute,  die  sie  in  Musik  gehört 
haben,  seufzen,  —  und  die  letzte  Aria  von  Raff 
auch,  worüber  man  noch  mehr  seufzt*  Allein,  mau  , 
muss  aus  der  Noth  eine  Tugend  machen,  — 


Den  25sten  Januar  1781  reis'te  der  Vater  mit 
seiner  Tochter  von  Salzburg  ab ,  und  kam  den  26eten 
Abends  in  München  bey  seinem  Sohne  an,  um  die 
Freude  zu  gemessen,  Zeuge  von  dem  unbeschreib- 
lichen Beyfalle  seyn  zu  können,  den  sein  Sohn  bey 
jedesmaliger  Aufführung  seines  Idomeneo  einerntete. 
Auch  aus  seiner  Vaterstadt  hatte  seine  Oper  eine  grosse 
Anzahl  nach  München  gezogen,  um  der  Aufführung 
dieser  Oper  bey  zuwohnen  und  diese  meisterhafte  Mu- 
sik ihres  Landsmannes  zu  hören  und  zu  bewundern. 


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434 

i 

1  Zu  derselben  Zeit,  wo  Mozart  den  Idomeneo 
schrieb,  componirte  er  in  München  das  Offertörium: 
Misericordias  Domini  etc.,  um  tjieils  dem  Intendan- 
ten Grafen  Secau  sein  Talent  für  den  Kirchenstyl 
zu  zeigen,  und  theils  um  in  München  angestellt  zu 
werden,  was  er  so  sehr  wünschte  und  hoffte. 

Idomeneo  besteht,  nach  ehemaliger  Einrichtung, 
ausser  den  theils  einfachen,  theils  obligaten  Recita- 
tiven,  fast  bloss  aus  Arien  und  Chören,  Und  zählt 
nur  drey  mehrstimmige  Gesangstucke.  Die  Musik 
scheint  den  Liebhabern  des  neuesten  italienischen 
Opernstyls  veraltet.  Abgerechnet,  dass  dieses  nach 
der  Zeit,  in  welcher  sie  geschrieben  worden,  schon 
unmöglich  wäre,  so  rührt  es  daher,  dass  Idomeneo 
eine  der  frühesten  Arbeiten  Mozart's  ist  Allein  sie 
ist  darum  nicht  nur  nicht  weniger  gehaltvoll,  als 
seine  übrigen  Werke,  sondern  sie  nimmt  vielmehr 
durch  die  Erhabenheit  und  das  acht  tragische  Pathos, 
welche  in  der  Anlage  des  Ganzen  walten,  so  wie 
durch  die  kunstreiche  Ausführung  und  die  gariz  be- 
sonders geschmack-  und  wirkungsvolle  Instrumenü- 
rung,  einen  vorzüglichen  Platz  unter  seinen  Arbei- 
ten ein.  Wahr  ist:  hier  und  da  sind  gewisse  For- 
men der  italienischen  Schule,  die  damals  als  unver- 
brüchliches Gesetz  aufgestellt  waren,  das  selbst  Mo- 
zart's  hoch  aufstrebender  Genius  nicht  immer  zu 
überschreiten  für  gut  hielt,  sey  es,  um  dem  Neuen 
durch  die  Vermähl  uns  mit  dem  Herkömmlichen  Ver— 
zeihung  zu  verschaffen,  oder  um  seinen,  die  dama- 
lige Fassungskraft  ohnehin  übersteigenden  genialen 
Erzeugnissen  durch  einige  Schonung  des  herrschen- 
den Geschmacks  einen  gewissen  Grad  von  Populari- 


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»  » 

435 

tat  'zu  erhalten.  Man  findet  diese  Absicht  (mit  Aus- 
nahme der  Hochzeit  des  Figaro)  mehr  oder  weniger 
in  einzelnen  Theilen  aller,  selbst  seiner  letzten  Werr 
ke;  und  noch  in  der  Zauberflöte  sind  die  beyden 
Arien  der  Königin  der  Nacht  Beweise  davon,  wenn 
anders  sein  bekannter  Humor  jene  eben  dazumal  be- 
gonnene Entartung  des  Gesanges  nicht  etwa  damit 
persifliren  wollte.  In  Wien  hat  man  alle  Gesänge, 
deren  Form  ihrem  sonstigen  Werthe  Eintrag  thun 
konnte,  hinweg  gelassen.  Aber  dadurch  mussten  — 
um  den  gestörten  Zusammenhang  wieder  herzustel- 
len —  Musikstücke,  die  man  ungern  vermisste,  aus- 
geschlossen werden« 

Idomeneo,  sagt  Rochlitz,  schrieb  Mozart  unter 
äusserst  günstigen  Umstanden«  Sie  war  einzig  für 
das  damals  ganz  vortreffliche  Münchner  Theater  be- 
stimmt« Der  Churfürst  forderte  ihn  dazu  auf,  gab 
ihm  Beweise  seiner  Achtung  und  bezahlte  ihn.  Er 
schrieb  zugleich  für  eine  der  vorzüglichsten  damali- 
gen Kapellen  der  Welt,  der  er  also  viel  zumuthen 
und  mithin  dem  Fluge  seiner  Phantasie  ohne  äussere 
Beschränkung  folgen  konnte.  Er  war  in  der  höch- 
sten Blut  he  seines  Lebens,  im  fünf  und  zwanzigsten 
Jahre,  bey  ausgebreiteten  Kenntnissen,  glühender 
Liebe  für  seine  Kunst,  bey  raschem,  leichtem  Körper, 
bey  über  Alles  mächtiger  Jünglings -Phantasie. 

Dass  Mozart  nun  ein  Werk,  unter  solchen  Au- 
spizien geboren,  auch  wenn  es  nicht  seinen  hohen 
Werth  hätte,  vorzüglich  lieb  haben  musste,  ist  leicht 
einzusehen.  Er  hat  diese  seine  Vorliebe  auch  da- 
durch bewiesen,  dass  er  mehre  Hauptideen  dessel- 
ben zur  Grundlage  —  beynahe  zu  noch  mehr  als  das 

'    •  28* 

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bey  einigen  seiner  besten  späteren  Arbeiten  machte« 
Man  vergleiche  mit  der  Ouvertüre  des  Idomeneo  die 
Ouvertüre  der  Clemenza  di  Tito;  mit  der  unver- 
gleichlichen Arie :  Vofgi  intorno  lo  sguardo,  oSire  etc, 
im  Idomeneo  das  gleiclifalls  ganz  vortreffliche  Knale 
des  ersten  Actes  im  Titus;  die  rührende  Aiia  des 
erstern :  Se  iL  padre  perdei,  mit  der  Arie:  Diess 
Bildnis8  ist  bezaubernd  sclion,  und  dem  Andante 
der  Arie:  Zum  Leiden  bin  ich  auserlohren  in  der 
Zauberflöte;  den  Marsch  des  dritten  Actes  des  Ido- 
meneo mit  dem  zu  Anfange  des  zweyten  Actes  der 
Zauberflöte  etc. 

Man  hat  Mozart  dieses  zum  Vorwurfe  gemacht; 
ich  glaube,  mit  Unrecht.  Mozart  konnte  diese  seine 
frühere  Arbeit  benutzen,  nicht  nur,  weil  sie  vor- 
trefflich war,  sondern  auch,  weil  sie,  so  lange  er 
lebte,  wie  ein  vergrabener  Schatz  verborgen  lag. 

Was  noch  keine  deutsche  Bühne  gewagt  hatte, 
unternahm  das  Theater  in  Cassel  im  Jahre  1802,  den 
Idomeneo  aufzuführen. 

Von  München  wurde  Mozart  durch  einen  Auf- 
trag seines  Erzbischofs  nach  Wien  berufen,  wohin 
er  sogleich  folgte  und  den  löten  März  dort  eintraf. 

Von  dieser  Zeit  an,  das  heisst,  von  seinem  25sten 
Jahre,  lebte  er  in  dieser  Kaiserstadt,  die  eben  so 
sehr  durch  den  entschiedenen  Hang  des  Publicums 
zur  Musik,  als  auch  durch  die  Menge  vortrefflicher 
Tonkünstler  für  Mozart' s  Geist  wichtig  seyn  musste* 

Dreist  kann  man  behaupten,  dass  Mozart's  Ma- 
nier sich  hier  in  Wien  am  natürlichsten  zu  dem 
Grade  der  Gefälligkeit  ausbildete,  welcher  sie  später 
ihren  Zugang  zu  Aller  Herzen  verdankte.  Alle  seine 


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« 


437 

früheren  Werke  haben  eine  gewisse  Steifheit  und 
einen  Mangel  an  Politur  und  Vertreibung  der  Far- 
ben, die  sie  in  Vergleich  gegen  die  neueren  unge- 
niessbar  machen.  Seine  Schreibart  hatte  alle  mög- 
liche Anlage  zum  düstern  uud  verworrenen  Contra- 
punctisten;  und  hätten  ihn  Wiens  tändelnde,  gefal- 
lige Musen  nicht  zeitig  mit  ihren  Rosenge  winden 
umflochten,  er  wäre  sicher  ganz  in  die  Manier  Ema- 
nuel  Bach's  geratben.  Seine  Messen,  zumal  die  klei- 
nen aus  D  und  B  dur,  und  besonders  sein  Requiem, 
zeigen  dieses  auffallend.    Auch  im  Idomeneo  zeigen 


m 

Ein  Gluck  für  Mozart,  sagt  Gerber,  dass  er 
noch  jung  unter  den  gefalligen  und  tändelnden 
Wien'schen  Musen  seine  Vollendung  erhalten  hatte; 
es  hätte  ihn  sonst  leicht  das  Schicksal  des  grossen 
Friedemann  Bach  treffen  können,  dessen  Finge  nur 
wenige  Augen  der  übrigen  Sterblichen  nachsehen 
kon 


Zehnte  Reise. 

begreift  diejenige  vom  Sten  Kovbr.  1780,  wa  unser  Mozart 
nach  Wien  reis't  und  sich  dort  habititirt.  Bis  nach  Munohm 

•  •  • 

wurde  er  von  seinem  Vater  und  seiner  Schwester  begleitet* 

»  • 

Von  dem  Aufenthalte  Mozart's  in  München  bis 

•  •  • 

Mitte  März  1781  ist  wenig  Interessantes  bekannt, 
mehr  dagegen  von  seiner  Domicilirung  in  Wien. 

Mozart  meldet  seine  glückliche  Ankunft  in  Wien 
seinem  Vater  durch  folgenden  Brief  vom  l7.März  1781: 

Gestern,  als  den  lGten,  bin  ich,  Gott  Lob  und 
Dank,   glücklich  und  gesund  hier  Morgens  9  Uhr 


7 


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438 

angekommen.  Ich  schreibe  diese«  im  Mesmer'schen 
Garten  auf  der  Landstrasse.  —  Nun  sogleich  vom 
Erzbischof.  Ich  habe  ein  scharmantes  Zimmer  im 
nämlichen  Hause,  wo  der  Erzbischof  wohnt.  Bru- 
netti  und  Ceccarelli  logiren  in  einem  andern  Hause. 
Che  distinzione!  —  Mein  Nachbar  ist  Hr.  v.  Klein- 
mayern,  welcher  mich  mit  allen  Höflichkeiten  über- 
häufte; er  ist  auch  in  der  That  ein  scharmanter 
Mann.  Um  halb  zwölf  Uhr  Mittags  wird  schon  zu 
Tische  gegangen,  leider  für  mich  ein  bischen  zu  früh. 
Da  speisen  die  zwey  Leib -Kammerdiener,  der  Con*- 
trolleur,  Hr.  Zetti,  der  Zuckerbäcker,  zwey  Köche, 

4 

Ceccarelli,  Brunetti  und  meine  Wenigkeit.  Die  zwey 
Leib -Kammerdiener  sitzen  oben  an,  und  ich  habe 
wenigstens  die  Ehre,   vor  den  Köchen  zu  sitzen. 


7M 

m 

TT 

werden  einfältige  grobe  Spässe  gemacht;  mit  mir 
macht  Keiner  Spaass,  weil  ich  kein  Wort  rede,  und 
wenn  ich  was  reden  muss,  so  ist  es  allezeit  mit  der 
grössten  Seriosität,  und  so  wie  ich  abgespeiset  habe, 
gehe  ich  meines  Weges.  Abends  haben  wir  keine 
Tafel,  sondern  Jeder  bekömmt  drey  Ducaten  —  da 
kann  Einer  Weit  springen.  Der  Hr.  Erzbischof  hat 
die  Güte  und  gloriirt  mit  seinen  Leuten,  raubt  ih- 
nen ihre  Verdienste  und  bezahlt  sie  nicht  dafür.  — 
Gestern  um  4  Uhr  haben  wir  schon  Musik  ge- 
habt, da  waren  ganz  gewiss  zwanzig  Personen  von 
der  grössten  Noblesse  da.  —  Ceccarelli  hat  schon 
beyra  Palfy  singen  müssen.  Heute  müssen  wir  zum 
Fürsten  Gallizin,  der  gestern  auch  da  war.  —  Jetzt 
will  ich  nur  abwarten,  ob  ich  nichts  bekomme;  wenn 
nicht,  so  gehe  ich  zum  Erzbischof  uud  sage  es  ihm 


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439 


ganz  gerade:  wenn  er  nicht  will,  dasa  ich  wa*  ver- 
dienen «oll,  so  soll  er  mich  bezahlen,  daaa  ich  nicht 
von  meinem  Gehle  leben  muaa. 

■ 

Wien,  den  a4.  Mifra  1781. 

Was  Sie  mir  vom  Erzbiachof  achreiben,  hat, 
waa  aeinen  Ehrgeiz  in  Betreff  meiner  Peraon  kitzelt, 
in  ao  weit  aeine  Richtigkeit;  —  allein,  waa  nützt 
mir  Allea  dieaa?  —  Von  diesem  lebt  man  nicht«  — 
Und  waa  giebt  er  mir  denn  für  Diatinction?  —  Hr. 
von  Kleümiayrn,  Boenecke  haben  mit  dem  erlauch- 
ten Graien  Arco  eine  beaondere  Tafel;  —  daa  wäre 
Diatinctioa^  wenn  ich  bey  dieaer  Tafel  wäre,  —  aber 
nicht  bey  den  Kammer  dienern,  die  auaaer  dem  er- 
sten  Platze  am  Tische  die  Lüster  anzünden,  die 
Thüre  aufmachen  und  im  Vorzimmer  bleiben  müs- 
aen;  und  dann,  wenn  wir  wo  zu  einem  Concerte 
gerufen  werden,  ao  muas  ein  Herr  Leib -Kammer- 
diener herauspassen,  bia  die  Herren  Salzburger  kom- 
men ,  und  aie  dann  durch  einen  Lakay  weisen  laasen, 
damit  sie  hinein  dürfen,  wie  das  mir  Brunelti  so  im 
Discoura  erzählte.  Da  dachte  ich  mir:  wartet  nur, 
bia  ich  einmal  komme* 

Ala  wir  also  letzthin  zum  Fürsten  Gallizin  musa- 
ten,  ging  ich  mit  Fleiss  allein  hin;  —  als  ich  hinauf 
ging,  stand  achon  der  Hr.  Angerbauer  da,  dem  B©r 
dienten  zu  sagen,  dass  er  mich  hinein  führen  sollte. 
—  Ich  gab  aber  weder  auf  den  Hrn.  Leib -Kammer- 
diener, noch  auf  den  Bedienten  Acht,  sondern  eine. 
gerade  die  Zimmer  durch  in  das  Musik zimmer,  denn 
die  Thören»  waren  alle  offen,  —  und  schnurgerade 
zum  Prinzen  hin,  und  machte  ihm  mein  Coinpliinent, 

r 


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wo  ich  dann  stehen  blieb  und  immer  mit  ihm  sprach. 

—  Ich  hatte  ganz  auf  Brunetti  und  Ceccarelli  ver- 
gessen, denn  man  sah  sie  nicht,  die  steckten  ganz 
hinterm  Orchester  an  die  Mauer  gelehnt,  und  ge- 
traueten  sich  keinen  Schritt  hervor.  Ich  gehe  Heute 
Abends  mit  Herrn  von  Kleinmayrn  zu  einem  seiner 
Freunde,  zum  Hofrath  Braun,  wo  mir  Alle  sagen, 
dass  er  der  grösste  Liebhaber  vom  Ciavier  sey.  Bey 
der  Gräfin  Thun  habe  ich  schon  zwey  Mal  gespeis't, 
und  komme  fast  alle  Tage  hin:  das  ist  die  charman- 
teste, liebste  Dame,  die  ich  in  meinem  Leben  gese- 
llen, und  ich  gelte  auch  sehr  viel  bey  ihr.  —  Beym 
Grafen  Cobenzl  habe  ich' auch  gespeis'tt  —  Nun  ist 
raeine  Hauptabsicht  hier,  dass  ich  mit  guter  Manier 
zum  Kaiser  komme,  denn  ich  will  absolument,  dass 
er  mich  kennen  lernen  soll.  —  Ich  möchte  ihm  mit 
Lust  meine  Opera  durchspielen  und  dann  brav  Fu- 
gen spielen;  denn  das  ist  seine  Sache.  —  O  hätte 
ich  gewusst,  dass  ich  die  Fasten  nach  Wien  kommen 
würde,  hätte  ich  ein  kleines  Oratorium  geschrieben, 
und  zu  meinem  Vortheile  im  Theater  gegeben,  wie 
es  hier  Alles  macht.  Ich  hätte  leicht  vorher  zu 
schreiben  gehabt,  weil  ich  die  Stimmen  alle  kenne. 

—  Wie  gern  gäbe  ich  nicht  ein  öffentliches  Concert, 
wie  es  hier  gewöhnlich  ist;  aber  es  wird  mir  nicht 
erlaubt,  das  weiss  ich  gewiss:  denn  stellen  Sie  sich 
nur  vor  —  Sie  wissen,  dass  hier  eine  Societät  ist, 
welche  zum  Vortheile  der  Wittwen  von  den  Musicis 
Akademieen  giebt,  und  Alles,  was  nur  Musik  heisst, 
spielt  da  umsonst.  Das  Orchester  ist  180  Personen 
stark;  kein  Virtuos,  der  nur  ein  wenig  Nächstenliebe 
hat,  schlägt  es  ab,  darin  zu  spielen,  wenn  von  der 


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Societat  aus  darum  ersucht  wird  5  denn  man  macht 
sich  darum  sowohl  beym  Kaiser  als  beym  Publicum' 
beliebt*  —  Starzer  hatte  den  Auftrag,  mich  darum 
zu  bitten,  und  ich  sagte  es  ihm  sogleich  zu,  doch 
musste  ich  vorher  meines  Fürsten  Gutachten  darüber 
vernehmen,  und  ich  hatte  gar  keinen  Zweifel,  weil 
es  eine  geistliche  Art  und  un  entgeldlich,  nur  um  ein 
gutes  Werk  zu  thun,  ist.  —  Er  erlaubte  es  mir  nicht,  - 
welches  ihm  die  ganze  hiesige  Noblesse  übel  genom- 
men hat.  —  Mir  ist  es  nur  desswegen  leid :  ich  hatte 
kein  Concert,  sondern,  weil  der  Kaiser  in  der  Pro- 
scen-Loge  ist,  ganz  allein  präludirt,  eine  Fuge  und 
dann  die  Variationen  (Je  suis  Lindor)  gespielt.  — 
Wo  ich  das  so  öffentlich  gemacht  habe,  hatte  ich 
allezeit  den  grössten  Beyfall  erhalten,  weil  es  so  gut 
absticht  und  weil  Jeder  Etwas  hat.  Die  Gräfin  Thun 
hätte  mir  ihr  schönes  Pianoforte  von  Stein  dazu  ge- 
geben. .  .  .'  •       . , 

Den  a9.  Mär*. 

Ich  bin  mit  dem  Briefe  nicht  fertig  geworden^ 
weil  mich  Herr  von  Kleinmayrn  zum  Concert  beym 
Baron  Braun  in  der  Kutsche  abgeholt  hat;  mithin 
schreibe  ich  jetzt,  ,  dass  der  Erzbisch of  mir  erlaubt 
hat,  in  dem  Wittwen -  Concerte  zu  spielen;  denn 
Starzer  ist  zur  Akademie  beym  Gallizin  gegangen, 
und  er  und  die  ganze  Noblesse  haben  ihn  so  gequält, 
bis  er  es  erlaubt  hat.  —  Bin  ich  so  froh.  — 

Der  alte  Fürst  Colloredo,  bey  dem  wir  Musik 
hatten,  hat  Jedem  von  uns  fünf  Ducaten  gegeben.  — 
Die  Gräfin  Rombeck  habe  ich  zur  Schülerin. 

Wien,  den  4.  April  1781. 
Ich  habe  Ihnen  letzthin  schon  geschrieben,  dass 


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442 

I  mir  der  Erzbischof  ein  grosses  Hindernis*  ist*  deun 

er  macht  mir  wenigstens  100  Ducaten  Schaden,  die  ich 
ganz  gewiss  durch  eine  Akademie  im  Theater  machen 

» 

könnte .  denn  die  Damen  haben  sich  mir  schon  selbst 
angetragen,  Billets  auszütheiien.  Gestein,  kann  ich 
wohl  sagen,  dass  ich  mit  dem  Wiener  Publicum 
recht  zufrieden  war.  Ich  spieke  in  der  Akademie 
der  Wittwen  in  Karnthnerthor -Theater,  und  musste 
wieder  neuerdings  anfangen,  weil  des  Applaudirens 
kein  Ende  war.  Das,  was  mich  am  meisten  gefreut 
und  verwundert  hat,  war  das  erstaunliche  Silentium 
und  mitten  im  Spielen  das  BraYo-Schreyen.  Für 
Wien,  wo  so  viele*  und  so  viele  gute  Ciavierspieler 
sind,  ist  das  gewiss  Ehre  genug.  —  Was  glauben 
Sie,  wenn  ich  nun,  da  mich  das  Publicum  einmal 
kennt,  eine  Akademie  für  mich  gäbe,  was  ich  nicht 
da  machen  würde?  —  Allein  unser  Erzbischof  er- 
laubt es  nicht  —  er  will  nicht,  dass  seine  Leute 
Nutzen  haben  sollen,  sondern  Schaden.  Doch  diess 
kann  er  bey  mir  nicht  zuwege  bringen  5  denn  wenn 
ich  hier  zwey  Scholaren  habe,  so  stehe  ich  besser 
als  in  Salzburg. 

Heute  hatten  wir  Akademie,  wo  drey  Stücke 
von  mir  gemacht  wurden,  versteht  sich,  neue,  — 
als:  ein  Rondo  zu  einem  Concert  für  Brunetti  — — 
eine  Sonate  mit  Accompagnement  einer  Violine  für 
mich,  welche  ich  gestern  Nachts  von  11  bis  12  Uhr 
componirt  habe;  aber,  damit  ich  fertig  geworden 
bin,  nur  die  Accompagnement- Stimme  für  Brunetti 
geschrieben  habe,  ich  aber  meine  Parthie  im  Kopfe 
behalten  habe,  —  und  dann  ein  Rondo  für  Cecca- 
relli,  welches  er  hat  repetiren  müssen,  und  für  diese 


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t 


443 

< 

meine  Arbeit  bekomme  ich  nicht«.  Was  mich  aber 
halb  desperat  macht ,  ist,  dass  ich  an  dem  nämlichen 
Abend,  ab  wir  die  Musik  hatten,  zur  Gräfin  Thun 
invitirt  war,  und  also  nicht  hinkommen  konnte ,  und 
wer  war  dort?  —  Der  Kaiser;  —  Adamberger  und 
Weigl  waren  auch  dort,  und  hat  Jeder  50  Ducaten 
bekommen.  — -   Und  welche  Gelegenheit!  — 

Wien,  den  la.  Mty  1781. 

Sie  wissen  aas  meinem  letzten  Briefe,  dass  ich 
den  Fürsten  den  9ten  May  um  meine  Entlassung  • 
gebeten  habe,  weil  er  mir  es  selbst  geheissen  hat; 
denn  schon  in  den  ersten  zwey  Audienzen  sagte  er 
mir*  scher*  Er  sich  weiter,  wenn  Er  mir  nicht  recht  t 
dienen  will!  —  Was  Wunder  also,  wenn  ich 
endlich  durch  Bube,  Schurke,  Bursche,  liederlicher 
Kerl  und  dergleichen  Ausdrücke  mehr  ausser  mur, 
das :  scher9  Er  sich  weiter!  endlich  für  bekannt  an- 
genommen  habe* 

Ich  gab  den  folgenden  Tag  dem  Grafen  Arco 
eine  Bittschrift,  um  selbe  Sr.  HochfurstL  Gnaden  zu 
überreichen,  und  auch  wieder  das  Reisegeld,  welches 
in  15  IL  40  Xr.  für  die  Diligence,  und  %  Ducaten 
Verzehrungsgeld  besteht«  Er  nahm  mir  Beydes  nicht 

quittiren  könnte,  ohne  Ihre  Einwilligung,  mein  Va- 
ter, zu  haben.  Das  ist  Ihre  Schuldigkeit,  sagte  er 
mir.  —  Ich  versicherte  ihn  gleichfalls,  dass  ich  so 
gut  als  er  meine  Schuldigkeit  gegen  meinen  Vater 
kenne,  und  es  wäre  mir  sehr  leid,  wenn  ich  sie  von 
ihm  erst  lernen  müsste.  —  Gut  also,  sagte  er,  ist 
er  damit  zufrieden,  so  können  Sie  Ihre  Entlassung 

* 

% 

t 

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444 


begehren,  wo  nicht,  so  —  können  Sie  sie  —  auch 
begehren,  —  Eine  schöne  Distinction !  —  Alles ,  was 
mir  der  Erzbischof  in  den  drey  Audienzen  Erbau- 
liches  sagte,  besonders  in  der  letzten,  —  und  was 
mir  jetzt  wieder  dieser  herrliche  Mann  Gottes  Neues 
erzählte,  machte  eine  so  treffliche  Wirkung  auf 
meinen  Körper,  dass  ich  Abends  in  der  Opera  mit- 
ten im  ersten  Acte  nach  Hause  gehen  musste,  um 


mich  zu  legen;  denn  ich  war  ganz  erhitzt-—  zitterte 


ganzen  Leibe  —  und  taumelte  wie  ein  Besoffe- 
ner auf  der  Gasse,  blieb  auch  den  folgenden  Tag, 
als  gestern,  zu  Hause,  und  den  ganzen  Vormittag 
im  Bette,  —  Dass  Sie  glauben,  dass  ich  mich  bey 
der  Noblesse  und  dem  Kaiser  selbst  in  üblen  Credit 
setzen  werde,  ist  grundfalsoh,  denn  der  Erzbischof 
*  ist  hier  gehasst,  und. vom  Kaiser  am  meisten;  das 
ißt  eben  sein  Zorn,  dass  ihn  der  Kaiser  nicht  nach 

eingeladen  hat.  -  • 

Ich  will  also  nur  noch  den  Hauptvorwurf  über 
ienung  hersetzen.  Ich  wusste  nicht, 
dass  ich  Kammerdiener  wäre,  und  das  brach  mir 
den  Hals.  Ich  hätte  sollen  alle  Morgen  so  ein  paar 
Stunden  in  der  Auticamera  verschleudern;  man  hat 
mir  freylich  Öfters  gesagt,  ich  sollte  mich  sehen  las- 
sen, —  ich  konnte  mich  aber  niemals  erinnern,  dass 
diess  mein  Dienst  sey,  und  kam  nur  allezeit  richtig, 
wenn  mich  der  Erzbischof  rufen  Hess.  —  Nun  habe  ich 
mit  Ihnen  gesprochen,  als  wenn  wir  in  Gegenwart 
des  Erzbischofs  waren.  —  Jetzt  spreche  ich  aber 
ganz  allein  mit  Erneu,  mein  liebster  Vater.  Von 
allem  Unrecht,  welches  mir  der  Erzbischof  vom 
Anbeginn  seiner  Regierung  bis  jetzt  angethan,  von 


.   N        Digitized  by  Google 


I 


dem  unaufhörlichen  Schimpfen,  von  allen  Imperti- 
nenzen und  Sottisen,  die  er  mir  in  das  Gesicht  sagte, 
von  dem  imwidersprechlichen  Recht,  das  ich  habe, 
von  ihm  wegzugehen,  wollen  wir  ganz  schweigen, 
denn  da  lässt  sich  nichts  dawider  sagen.  Nur  will 
ich  von  dem  sprechen,  was  mich  —  auch  ohne  alle 
Ursache  einer  Kränkung  —  von  ihm  wegzugehen 
verleitet  hahen  wurde.  ■      *  • 

Ich  hahe  hier  die  schönsten  und  nützlichsten 
Connoissances  von  der  Welt,  bin  in  den  grössten 
Häusern  angesehen  und  beliebt,  man  erzeigt  mir 
alle  mögliche,  Ehre,  und  bin  dazu  noch  dafür  be- 
zahlt, — .  und  ich  soll  um  400  fl.  in  Salzburg  schmach- 
ten, ohne  Aufmunterung  ?  —  Was  würde  das  Ende 
davon  seyn  ?  —  immer  das  nämliche :  ich  •  müsste 
mich  todt  kränken  lassen,  oder  wieder  weggehen.— 
Ich  brauche  Jhnen  nichts  mehr  zu  sagen,  Sie  wissen 
es  selbst.  Nur  noch  dieses:  —  Die  ganze  Stadt 
Wien  weiss  schon  meine  Geschichte.  Die  ganze 
Noblesse  redet  mir  zu,  ich  soll  mich  ja  nicht  mehr 
einfuhren  lassen  u.  s.  w.  ' 


i  ■ 


— 


Von  dieser  Zeit  an  verliess  Mozart  die  Erz- 
liehen  Dienste,  indem  er  nun  seine  Entlassung 
eingab,  die  man  aber  nicht  annehmen  wollte,  indem 
sich  der  Graf  A.  alle  mögliche  Mühe  gab,  Mgzart's 
Eutschluss  zu  ändern,  um  ihn  wieder  nach  Salzburg 
zu  bringen.  Er  stellte  ihm  vor,  dass  für  ihn  Wien 
nicht  der  Ort  sey,  wo  er  sein  Glück  machen  werde, 
das  Publicum  sey  zu  wandelbar,  und  wende  nach 
kurzer  Zeit  schnell  einem  Neuern  seine  Gunst,  zu,, 
und  komme  in  einer  so  grossen  Stadt  ganz  in  Ver- 


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gewenheit.  Hierauf  antwortete  Mozart:  „Die  Wie- 
ner sind  wohl  Leute,  d  10  gern  abscliicsscn  — •  eher 
nur  am  T/teater,  und  mein  Fach  ist  zu  beliebt  hier, 
als  dass  ich  mich  nicht  souteniren  sollte«  Hier  ist 
doch  gewiss  das  Ciavierland!  —  und  dann«  lasse  ich 
es  zu,  so  wäre  der  Fall  erst  in  etlichen  Jahren,  eher 
gewiss  nicht."  —  Mozart  bestimmte  nun  Wien  zu 
seinem  Wohnplatze,  weil  ihm  die  Stadt,  ihre  Sit- 
ten, und  die  Schönheit  ihrer  freundlichen  Bewohner 
gefielen.  Sein  Wunsch  war,  sich  Ehre,  Ruhm  und 
Geld  zu  machen*  Und  er  hoffte  auch,  dass  er  sei- 
nem Vater  mehr  nützlich  sevn  könne,  als  in  Salz- 
bürg,  welche  Hoffnung  auch  in  Erfüllung  ging,  in- 
dem er  von  Zeit  zu  Zeit  ihm  10  bis  30  Ducaten 
schickte.  Der  Weg  nach  Prag  war  ihm  jetzt  weni- 
ger verschlossen,  als  wenn  er  in  Salzburg  geblieben 
wäre. 

Er  beschäftigte  sich  nun  mit  Ciavier- Unterricht, 
mit  der  Composition,  indem  er  sechs  Sonaten  auf 
Subscription  herausgab,  und  mit  dem  Studiren  der 
Händel'schen  Fugen.  Dazu  kamen  noch  die  häufigen 
Bestellungen  von  3en  höchsten  Personen,  um  dort 
zu  spielen.  Wie  fleissig  und  anstrengend  er  dort 
arbeitete,  darüber  geben  uns  seine  Briefe  an  seinen 
Vater  die  trieft igsten  Belege,  wovon  liier  billig  ei- 
nige Auszüge  mitgetheilt  werden. 

■ 

Wien,  den  3.  Noyember  1781. 

Mon  tres  eher  P&re! 

Ich  bitte  um  Verzeihung,  dass  ich  vergangenen 
Posttag  nicht  geschrieben  habe,  —  es  war  aber  eben 
mein  Namenstag,  wo  in  der  Frühe  ich  also  meine 


• 


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447 

Andacht  verrichtete,  und  —  da  ich  eben  .schreiben 
wollte,  so  kamen  mir  eine  Menge  Gratulanten  auf 
den  Hals.  Um  12  Uhr  fuhr  ich  in  die  Leopold- 
Stadt  zur  Baronesse  Waldstadter,  wo  ich  meinen 
Namenstag  zugebracht  habe.  Auf  die  Nacht  bekam 
ich  eine  Nachtmusik  von  zwey  Clarinetten,  zwey 
Hörnern  und  zwey  Fagotten,  und  zwar  von  meiner 
eigenen  Composition.  Diese  Musik  hatte  ich  auf  den 
Theresien-Tag  für  eine  Namensfeyer  gemacht,  all- 
wo  sie  auch  wirklich  das  erste  Mal  producirt  wurde. 
Diese  sechs  Herren,  die  solche  executiren,  sind  arme 
Schlucker,  die  aber  ganz  hübsch  zusammen  blasen, 
besonders  der  erste  Clarinettjst  und  die  zwey  Wald- 
hornisten. Die  Hauptursache,  warum  ich  sie  ge- 
macht, war,  um  dem  Herrn  von  Strak*),  welcher 
täglich  in  dieses  Hau*  kömmt,  Etwas  von  mir  hören 
zu  lassen;  und  desswegen  habe  ich  sie  auch  ein  we- 
nig vernünftig  gemacht.  —  Sie  hat  auch  allen  Bey- 
fall  erhalten.  Man  hat  sie  in  der  Theresien- Nacht 
an  dreyerley  Orten  gemacht $  denn,  wenn  sie  wo 
damit  fertig  waren,  so  hat  man  sie  wo  anders  hin- 
geführt und  bezahlt. 

Gestern  Nachmittags  liess  mich  um  3  Uhr  der 
Erzherzog  Maximilian**)  zu  sich  rufen.  Als  ich  hin- 

   .  ,  • 

*  ■ 

♦)  Der  Leibkammerdiener  des  Kaisers  Joseph. 

**)  Franz  Xaver  Joseph,  letzter  Churfürst  von  CÖIn,  Bischof 
Ton  Münster,  Hoch-  und  Deutschmeister  zu  Mergentheim, 
König!.  Prinz  Ton  Ungarn  Und  Böhmen  und  Erzherzog  von 
Oesterreich,  geb.  1756,  gest.  1801.  Er  war  der  jüngst« 
unter  den  Söhnen  der  grossen  Kaiserin  Maria  Theresia, 
und  einer  Ton  den  Fürsten,  "welche  Ton  ihren  Unterthanen 
gesegnet  und  von  der  Menschheit  mit  Ehrfurcht  genannt 
werden.  .•      ;  .!•'!*■ 


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448 

'  ein  kam,  stand  er  gleich  im  ersten  Zimmer  beym 
Ofen  und  passte  auf  midi,  ging  mir  gleich  entgegen 
und  fragte  mich :  ob  ich  heute  nichts  zu  thun  hätte  ? 

„Ew.  Koni  gl.  Hoheit,  gar  nichts }  und  wenn 
auch,  so  würde  es  mir  eine  Gnade  seyn, 

Ew.  KönigL  Hoheit  aufzuwarten«  Nein,  ich  will 
keinen  Menschen  geniren.  —  Dann  sagte  er  mir, 
dass  er  gesinnt  sey,  Abends  dem  Würtembergischen 
Hofe,  eine  Musik  zu  geben.  —  Ich  möchte  also  Et- 
was spielen  und  die  Arien  accompagniren,  und  um 
6  Uhr  sollte  ich  wieder  zu  ihm  kommen.  Mithin 
habe  ich  gestern  allda  gespielt. 

Wien,  den  26.  December  1781. 
Alle  Tage  früh  um  6  Uhr  kommt  mein  Friseur, 
und  dann  schreibe  ich  bis  10  Uhr.  Um  10  Uhr  habe 
ich  die  Stunde  bey  der  Frau  von  Trattner,  um  ff 
Uhr  bey  der  Gräfin  Rombeck,  und  Jede  giebt  mir 
für  zwölf  Lectionen  sechs  Ducaten.  —   Wenn  Sie 
einem  so  elenden  Buben  glauben  können,  dass  es 
wahr  sey,  dass  ich  bey  Hofe  und  bey  der  ganzen 
Noblesse  verhasst  sey,  so  schreiben  Sie  nur  an  Hrn. 
von  Strack  —  Gräfin  Thun  —  Gräfin  Rombeck  — 
Baronin  Waldstüdter  —  Hm.  von  Sonnenfels  — 
Frau  von  Trattner,  —  enßn,  an  wen  Sie  wollen. 
Unterdessen  will  ich  Ihnen  nur  sagen,  dass  der  Kai- 
ser letzthin  bey  der  Tafel  das  grösste  Eloge  von  mir 
gemacht  hat,  mit  den  Worten  begleitet:   „Cest  un 
talent  decide!"  —  und  vorgestern,  als  den  24sten, 
habe  ich  bey  Hofe  gespielt.  Es  ist  noch  ein  Ciavier- 
spieler  hier  angekommen ,  ein  Italiener,  er  heisst 
Clementi.  Dieser  war  auch  hinein  berufen.  Gestern 
sind  mir  fiir  mein  Spiel  50  Ducaten  geschickt  worden. 


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449 

1  ■ 

Nun  Yöm  Clomenti.  — •  Dieser  ist  ein  braver 
Cembalist,  damit  ist  aber  auch  Alles  gesagt.  —  Er 
hat  sehr  Viele  Fertigkeit  in  der  rechten  Hand,  — 
seine  Hauptpassagen  aind  die  Terzen,  — -  übrigens 
hat  er  um  keinen  Kreuzer  weder  Geschmack  noch 


P 

Der  Kaiser  tliat  bey  dem  Concert  (nachdem  wir 
genug  Complimente  machten)  den  Ausspruch, 
dass  JEr  zu  spielen  anfangen  sollte.  La  santa  Cfiiesa 
catholica,  sagte  der  Kaiser,  weil  Clementi  ein  Rö- 
mer ist.  —  Er  präludirte  und  spielte  eine  Sonate. 

—  Dann  sagte  der  Kaiser  zu  mir:,  Alfons,  d'rauf 
los!  ~  Ich  praludirte  auch  und  spielte  Variationen. 

—  Dann  gab  die  Grossfarstin  Sonaten  von  Paesello 
(miserabel  von  seiner  Hand  geschrieben)  her,  daraus 
musste  ich  die  AUegro,  und  er  die  Andante  und 
Rondo  spielen.  —  Dann  nahmen  wir  ein  Thema 
darauf  und  führten  es  auf  zwey  Pianoforten  aus.  — 
Merkwürdig  ist  dabey,  dass  ich  für  mich  das  Piano- 
forte  der  Gräfin  Thun  geliehen,  ich  aber  nur,  als 
ich  allein  gespielt,  darauf  gespielt  habe  >  weil  es  der 
Kaiser  so  gewollt,  Das  andere  Pianoforte  war 
verstimmt  und.drey  Tasten  blieben  stecken.  —  „Es 
thut  nichts,"  sagte  der  Kaiser.  Ich  nehme  es 
so,  und  zwar  von  der  besten  Seite,  dass  nämlich  der  ' 
Kaiser  meine  Kunst  und  Wissenschaft  in  der  Musik 
schon  kennt,  und  mir  den 'Fremden  recht  hat  ver- 
kosten wollen.  Uebrigens  weiss  ich  von  sehr  guter 
Hand,  dass  er  recht  zufrieden  war,  denn  der  Kaiser 
war  sehr  gnädig  gegen  mich,  und  hat  Vieles  heim- 
lich mit  mir  gesprochen,  —  auch  sogar  von  meiner 
Heirath. 

•  •  •       ,  •«  • 
29 


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I 


•450 

"  *    *  1  ,Wiön,  den  8.  Mny  1782. 

Nun  wird  diesen  Sommer  durch  im  Augarten 
alle  Sonntage  Musik  seyn.  Ein  gewisser  Martin  hat 
nun  durchwein  Decret  vom  Kaiser  die  Efl&übiüss  er- 
halten, und  zwar  mit  Versicherung  seine«  höchsten 
Wohlgefallens,  zwölf  Concerte  im  Augarten  zu  ge- 
ben, und  vier  grosse  Nachtmusiken  auf  den  schön- 
sten Plätzen  in  der  Stadt.  Das  Abonnement  für  den 
.  ganzen  Sommer  ist  zwey  Duralen.  Nun  können  Sie 
sich  leicht  denken,  dass  wir  genug  Subscribenten 
bekommen  werden ,  um  so  mehr,  da  ich  mich  darum 
annehme,  und  damit  assöciiret  bin.  Ich  setze  den 
Fall,  dass  Wir  nur  hundert  Abonnenten  haben,  so 
hat  doch,  wenn  auch  die  Unkosten,  höchstens  200  fl- 
wären,  welches  aber  unmöglich  seyn  kann,  Jeder 
300  fl*  Profit«  Baron  van  Swieten  und  die  Gräfin 
Thun  nehmen  sich  sehr  -  darum  an*  'Das  Orchester 
ist  von  lauter  Dilettanten ,  die  Fagottisten,  Trom- 
peten und  Pauken  ausgenommen. 

•  •    »  t 

■  «••»      »      •    «»  .  ;  •  *    •»  < 

■    -         ■         -  ■     .  «  ,  . 

In  einem  Briefe  vom  loten  April  ±762  schrieb 
Mozart  seinem  Vater  Folgendes:  •  .  *  • 

Schicken  Sie  mir  auch  die  sechs  Fugen  von  Hän- 
del. Ich  gehe  alle  Sonntage  um  12  Uhr  zu  Baron 
van  Swieten*),  und  da  wird -nichts  als  von  Händel 
und  Bach  gespielt.  Ich  mache  mir  eben  eine  Colleo- 
tion  von  den  Badi'sehen  fugen,  sowohl  von  Sebastian, 
,  als  Emanuel  und  Friedemann  Bach  5  ^-  dann  auch 

von  denHändeFschcn,  und  da  gehen  mir  diese  sechs 

•   .     ,  «         i*  •  •  ,.  ■ 

*)  K.  K.  wirklicher  geheimer  Rath  und  Präses  dar  Kaiserlichen 
Hof- Bibliothek,  war  ein  grosser  Freund  der  Tonkunst  und 
hatte  sehr  viel  Umgang  mit  Momart  und  Hajda.  Er  ttM'tSo*. 


1 


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Fugen  ab.  Sie  werden  wohl  schon  wissen,  dass  der 
Englinder  Bach  gestorben  ist?  —  Schade  ffir  die 
musikalische  Welt! 


Weiter  schreibt 
April  1782  an  seine 

Hier  schicke  ich  Di*  ein  Preludio  nnd  eine 
dreystimmige  Fuge.  Das  Prelridio  gehört  vorher, 
dann  folgt  die  Fuge  darauf.  Die  Ursache  aber  war, 
weil  ich  die  Fuge  schon  gemachtp  hatte,  und  sie, 
während  ich  das  Preludio  ausdachte,  abgeschrieben. 
Die  Ursache,  dass  diese  Fuge  auf  die  Welt  gekom- 
men, ist  wirklich  meine  Constanze.  Baron  ran 
Swieten,  zu  dem  ich  alle  Sonntage  gehe,  hat  mir 
alle  Werke  Handelt  und  Sebastian  Bach's,  nachdem 
ich  selbe  ihm  durchgespielt,  nach  I lause  gegeben. 
Als  die  Constanze  die  Fuge  horte,  ward  sie  ganz 
▼erliebt  darein,  —  sie-  will  nichts  als  Fugen  hören, 
besonders  aber  in  diesem  Fache  nichts  als  Händel 
nnd  Bach.  "Weil  sie  mich  nun  öfters  aus  dem  Kopfe 
Fugen  spielen  gehört  hatte,  so  fragte  sie  mich,  ob 
ich  noch  keine  aufgeschrieben  hatte?  —  Und  als 
ich  ihr  Nein  sagte,  so  zankte  sie  mich  recht  aus, 
dass  ich  eben  das  Künstlichste  und  Schönste  in  der 
Musik  nicht  schreiben  wollte,  und  gab  mit  Bitten 

nicht  nach,  bis  ich  ihr  eine  Fuge  aufsetzte,  und  so 

* 

ist  diese  dreystimmige  Fuge  entstanden.  Ich  habe 
mit  Fleiss  Andante  maestoso  hierauf  geschrieben,  da- 
mit man  sie  nur  nicht  geschwind  spiele;  denn  wenn 
eine  Fuge  nicht  langsam  gespielt  wird,  so  kann  sich 
das  eintretende  Subject  nicht  deutlich  und  klar  aus- 
i,  und  ist  folglich  von  keiner  Wirkung,  — 

29* 


Ich  wende  mit  det,JZcit  und  cuter  Gelegenheit  noch, 
fünf  Jiiac  hen,  und.  sie  dann  dem;  Baron  van  S  Wielen 
überreichen,  der  in  der  That  an  Werjtfn  einen  aejir,; 
grosseu,  an  der  Zahl  aber  freylich  einen  sehr  klei- 
nen Schatz' von  guter  Musik  Ii at.  Daher  bitte  ich 
Dich,  sie  keinen  Menschen  sehen  zu  lassen:  .  J^erne 
sie;aus^e^d|g  und^pieje  aje»  denn  .efoft  fuge  «pielt 
maa:  nicht*  ao  Reicht:  xwbi  ><f    .    :  (   .  -      :  .  ,  b 

.,:Von  Wien .  «ia,  yeri^eitejen  sich  Mozart's  erstaun, 
neus  würdige  Com j)o.,iUunen  zunächst  nach  Böhmen,. 
un4  dann,  erst  in  fa»  .übrige  Deutschland^  und  gäbe», 
den}  (Jcichniiicke  in  der  Musik  einen  bedeutenden 
ScUwunff.  eine,  neue  Richtlinie«  die  aber,  seine  zeit—; 
herigen.  Nachahme^  verzerrten  und  Terderbten,  /  .  :  . 

...  ßein  Spiel,  auf  dein  Piauofor^e  fand  zuerst  Be-* 
wunderer  und  Liebl laberi. denn  obschon  Wien  meh— 
re  grosse  Meister  diese«  Instrumentes,  des  Xieblin- 
ges  des»  Publicums  zahlte  j  so  kam  ,doch  feiner  un-j 
serm  Mozart .  .gleicj^    Eine  bewundernswürdige 
Geschwindigkeit,  die,  man  besonders  in  Rücksicht 

•  •  •  • 

der  linken  Hand  oder  des  Basses  einzig  nennen  konu- 

9  i JFcinlicit  lind  X) ( 1  iCcit<. >ss c  j %  ( d 1 1  sclioustc  5 y  rede  1 1  d  ^ 

■ 

ste  Ausdruck  und;  ein  GejKihl,  welches  unwidersteh-', 
lieh  zum  Herzen?  firang,  sind  die .  Vorzüge  seines 
Spieles  gewesen,  die,  gepaart  mit  seiner  Gedanken- 
fülle^ mit  der  Weihe  der  Compositum,  natürlich 
ieden  Hörer  hinrissen,  und  Mozarteu  zu  dem  eröss- 
teq.  Ciavierspieler  seiner  Zeit, erheben, mussten.       .  . 

Seine Cla vier -Compositiouen  aller  Art,  Sonaten, 
Variationen  und M Concerte  wurden  bald  allgemein, 
bekannt  und  beliebt.   Man  ward  bey  jedem  neu 


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— ;-f^L- 

WMtvmdä  'Werke'  dürch  dife  Neuheit  des  Style*  und 
tfei'  fceda&ett  überrascht  ^'  matt  -staunte  über  die 

'-Hohe,  rix der ^sich  die  Musik  durch  seine  Werke fco 
schneU  ekßW  JehWangi  ,,  M,>  ?f,'i'   :  ;    -  %  ' 

in  vticii  lciiia  lvxozart  tincit  x  oiiKunsiiei  ,  ucssen 
•  Genie  dem  seinigen  am ;  ahtilicHsten  war , i  1  'den- ''  be- 
TÜhnJten  Schöpfender  Aleestef  ftno*  Iphigenie,  JMWr 
vqh  Gluck  ,  einen  Böhmen 'Wri  Geburt J  -Der' Um- 
-gang  mit !  ihm  und  :das  'tfnabl ässrige  frtiidiilnr1  'seiner 
.  «eifabetfa*  Werfte  gab  Mi-zarte»  -viel  Nahrung  ;Juml 
*  chatte *-  EiwflüöS:  aiif  'seine  Opern  ->  Composftibiten.  »%>tt- 
•ses  Studium»  xler  Gluck'sefren  WerW  Herrath  sich 
-d«rfiKtfM*  :yorzüglifeh-^  MezWi  di 
ilHio)      ' '■'Mäh  •  vergliche  8iW  Cfcfcre  öer  -Ipiiigenie 
auf  TaiwiS'init  dem  Finale  CUcfcek  OfNöeht;  voll  etc., 
^nd..imadomen*o'  dtts  'Söhltis^GhoT  des«1  zweyfen 
-finale  » B  rkvU  •  <f  n^i^Cbrtiäm  "függitmio  etc. : :  In 
<>hmtn,  ^orhiNfczaiilein^i^Äi  nenen^eg»  ehAcldnfe, 
-ivar  Gln<^J^ti'^üster^'»^t;>^ö^  '^nte^es  flieht 
-seyn.  Ahe* utf*  Gbör^^äAw'gknis'  de&'Geist  tfie^ 

'ses*  ff  rossen  Mrfmres> 1  IT  bifii         iri>biiill   : -i: 

i  JBG*r  sWrde »"Mozart  rm<ih' bald  ikr  mÄ^sle'Ver^  f-V.-f, 
ehrer  des  grossen,  unvergleichlichen  Jo^R'ltThfäh,  *      '/«  . 
^er  schon5  dtofäls  der"*«&  'der  tfönMü^tffr;'  und  - 
twn,  «saclt  <5WPozärt,s  Uebei-gaj^'tier  ^zi^-^irebling 
**i>  der  Cota^oriist  der  deutsche« 1  Nation'  istvIJilÄozaäk 
-damit*  itof^J^in^n  4fA^|fii«Ö^bV«irf  fiele 
oeiner  ^Wörl^^dF'de«  PuUWr.Mon  '«Vir  ^Öiwensielit, 
und  von  dieser  Zeit  an  nahm  er  auch  Haydn  zu 
seinem1  ^&ftr<&  1  tind'  de^iciite  ihm  sechs  Violin- 
-QdaftettCftv       '  zü uVm  böfehs len  und  ÖtarKchslen 
tfeaer Gattung  gebößdi*  ■'V1*'  1     '"  s  l' 


* 


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4*4  r 

Bald  nachdem  Momart  »einen  Aufenthalt  in  Wien 
aufgeschlagen  hatte,  fasate  der  unvergeßliche  Kaiser 
Joseph  II.  den  seiner  so  würdigen  Gedanken,  den 
Geschmack  an  italienischen  Opera  durch  die  Unter- 
Stützung  deutscher  Singspiele  und  Sanger  zu  verdran- 
gen, und  für  das  Vaterländische  mehr  zu  stimmen. 
Er  ^irersammel to  daher  d je  besten  Sanger  und  San 
gerinnen,  und  Hess  von  Mozart  eine  deutsche  Oper 
setzen.  Für  diese  Virtuosen  schrieb  Mozart  die  liebe- 
volle Musik  zu  Bretzner's  Entfuhrung  aus  dem  Serail, 
1782.  Die  Sänger  und  Sangerinnen,  für  die  Mozart 
zu  schreiben  hatte,  waren  Mselle.  Cavalieri.  Mselle. 
Tayber,  Mr.  Fischer»  Mr.  Adamberger,  Mr.  Dauer 
und  Mr.  Walter«  Das  Buch  erhielt  Mozart  den 
31sten  September  i78l,  worüber  er  eine  so  grosse 
Freude  hatte ,  dass  er  schon  in  den  ersten  zwey  Ta- 
gen zwey  Arien  und  ,e,in  Terzett,  welches  den  er- 
sten Act  beschliesst.  fertigte«  Die  Oper  selbst  hätte 
nach  früherm  Antrage  schon  um  die  Mitte  des  Sep- 
tembers aufgeführt  werftet*  sollen,  allein  verschiede- 
ner Hindernisse  und  Hof- Festivitäten,  wegen  kam 
sie  erst  im  folgenden  Jahre  den  13ten  July  1782  zur 
Aufführung.  ... 

Sehr  interessant  sind  die  Urtheile  und  Bemerkun- 
gen  Mozarfs  in  den  .Briefen  an  seinen  Vater,  über 
die  Beai'beitimcr  seiner  Oüer.  der  Hlntfuhrune  aus 
efem  Serail,  die  er  flmi  desshalb  mittheilte,  um  dar- 
über sein  Urtheil  und  seinen  weisen  Rath  zu  erfahren. 

.     ..,   f»  |j    ft  ,  t  #        ,t  «§  ......  ...» 

.    p  r  Wion,  den  a6.  Septbr.  1781. 

Die  Oper  hatte  mit  einem  Monolog  angefangen, 
und  da  bat  ich  Hrn.  Stephan! ,  eine  kleine  Ariette 


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45-5 

1 

daraus  zu  machen«  '•«•-•  und  dass,  anstatt  nach  dem 
LieUchea  cfes  Osniin  die  Zwey  zusammen  schwatzen, 
ein  Duo  daraus  würde.  —  Da  wir  die  Rolle  des 
Osniin  Hrn.  Fischer  zugedacht  haben,  welcher  «re- 
wiasi  eine  vortreffliche  Bassstimme  fad*  obwohl  der 
Erzbisshof  zu  mir  gesagt,  er  singe  zu  tief  für  einen* 
Bassisten,  und  ich  ihm  aber,  betheuerfc,  ^er  würde 
nächstens  höher  singen  >  so  muss  man  so  einen  be- 
nutzen, besonders  da  er  das  hiesige  Publicum  ganz 
für,  sich  hat.  -U.  Dieser  Osmin  liat  aber  im  Origi- 
nal-Büchel  das  einzig»  Liedchen  zu  singen,  und 
sonst  nichts ,  ausser  in  dem  Terzett  und  Finale.  Die- 
ser hat  also  im  ersten  Acte  eine  Arle  bekommen, 
und  wird  auch  im  zweyten  Acte  noch  eine  haben. 
Die  Aria  habe  ich  dem  Ilm.  Stephäni  ganz,  angege-^ 
ben  -r  und  die  Hauptsache  der  Musik  davon  war 
schon  ganz  fertig,  ehe  Stephan  i  ein  Wort  davon 
wüsste.  .  Sie  haben  nur  den  Anfang  davon ,  und 
das  Ende,  .welches  von  guter  Wirkung  seyn  muss  — 
□er  Zorn  des  Osmin  wird  dadurch  in  das  Komische 
gebracht,  weil  die  türkische  Musik  dabey  angebracht 
ist».  ~.  .In  der  Ausführung  der  Aria  habe  ich  seine 
schönen  tiefen  Töne  .schimmern  lassen*  —  Das : 
Drum  beym  Barte  dek  Prop/ieUn  etc.  —  ist  zwar 
im  nämlichen  Tempo,  .aber  mit  geschwinden  Noten 

—  und  da  sein  Zorn  immer  wächst,  so  muss,  da  man 
glaube  di*  Aria-sey  schon,  zu  Ende  ^  das  jtllegro  assai 

—  ganz  in  einem  andern  Zeitmaasse  und  andern  Tone 
eben  den  besten  Effect machen;  denn,  em  Mensch,  der5 
sich  in  einem  so  heftigen  Zorne  befindet,  überschrei- 
tet ja  alle  Ordnung,  Maass  und  Ziel,  er  kennt  sich 
nicht  —  und  so  muss  sich  auch  die  Musik  nicht  mehr 


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456 


kemieij.  —    Weil  aber  die  Leidenschaften,  heilig 
oder  nicht,  niemals  bis  zum  Ekel  ausgedrückt  seyn 
müssen,  und  die  Musik»  auch  in  der  schaudervoll- 
sten Lage,  das  Ohr  niemals  beleidigen,  sondern  doch 
dabey    vergnügen,    folglich   allezeit    Musik  blei- 
ben muss,  so  habe  ich  keinen  fremden  Ton  zum  JP 
(zum  Tone  ,der  Aria),  sondern  einen  befreundeten, 
aber  nicht  den  nächsten,   D minore,  sondern  den 
weitern,   A minore,  dazu  gewählt.  —     Nun  die 
Aria  von  Belmonte  in  Adur:  O 
wie  feurig  etc.  wissen  Sie,  wie  es  ausgedrückt  ist  — 
auch  ist  das  klopfende  Herz  sohon  angezeigt  —  die 
Violinen  in  Octaven,  —  Diess  ist  die  Favorit- Arie 
von  Allen,  die  sie  gehört  haben  -«auch  von  -mir  — 
und  ist  ganz  für  die  Stimme  des  Adamberger  ge- 
schrieben.   Man  sieht  das  Zittern,  Wanken,  man 
sieht,  wie  sich  die  schwellende  Brust  hebt,  welches 
durch  ein  Crescendo  cxprimirt  ist;  man  hört  das 
Lispeln  und  Seufzen,  welches  durch  die  ersten  Vio- 
linen mit  Sordinen  und  einer  Flauto  mit  im  Uni- 
sono ausgedrückt  ist»  —   Der  Janitscharen— Chor  ist 
als  solcher  Alles ,  was  man  Verlangen  kann ,  kurz 
und  lustig  und  ganz  für  die  Wiener  geschrieben.  — 
Die  Aria  von  der  Constanze  habe  ich  ein  wenig  der 
geläufigen  Gurgel  der  Mselle.  Cavalieri  aufgeopfert« 
—  Trennimg  war  mein  i  bange*  Loos,  und  nun 
schwimmt  mein  Aug*  in  Thronen,  —  habe  ich,  so- 
viel es  eine  walsche  Bravoür-Arie  zulässt,  auszu- 
drücken gesucht.  —   Das  Hui  habe  ich  in  schnell 
verändert,  alsdi   Doch  wie  schnell  schwand  meine 
Freude  etc.   Ich  weiss  nicht,  wass  sich  unsere  deut- 
schen Dichter  denken;  wenn  sie  schon  das  Theater 


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die  Opern  anbelangt*  so  «allen 


als  wenn  Schweine  vor  ihnen  stünden;'  1  *  :  ;  1 
Nun  das  Terzett  ,  nämlich  der  SchluSs Vom  er- 
sten Acte;  Pedrülo  hat  seinen  Herrn  für  einen  Ban^ 
meister  ausgegeben,  damit  er  Gelegenheit  habe,  mit 
seiner  Constanze  im  Gärten  zusammen,  zu  kommen. 
Der  Eassa  hat  ihn  in  seine  Dienste  genommen ;  Osmin, 
als  Aufseher,  und  der  davon  nichts  weiss,  ist,  als 
ein  grober  Flegel  und  Erzfeind  von  allen  Fremden, 
impertinent,  und  will  sie  nicht  in  den  Garten  lassen* 
Das  Erste,  was  ich  angezeigt,  ist  sehr  kurz,  und 
weil  der  Text  dazu  Aulass  gegeben,  so  habe  ich  es 
so  ziemlich  gut  dreystiminig  geschrieben;  dann  fangt 
aber  gleich  daV3f<^  an,  welches  sehr 

gesell  wi  n  d  gehen  muss,  und  der  Schluss  wird  recht 
viel  Lärmen  machen,  und  das  ist'  ja  Alles,  was  zu 
einem  Schlüsse  Von  einem  Acte  gehört*  je  mehr 
Lärmen' y  je  besser, id*  je  kürzer,  je  besser,  —  da- 
mit die  Leute  zum  Klatschen  nicht  kalt  werden.  — 
Die  Ouvertüre  ist  ganz  kurz,  wechselt  immer  mit 
Forte  und  Piano  ab,  wo  beym  Forte  allezeit  die 
türkische  Musik  einfaßt,  —  modulirt  so  durch  die 
Tön*  fort,  und  ich glaube,  maä  wird  dabey  nicht 
schlafen  können,  und  sollte  man  eine  ganze  Nacht 
hindurch  nicht  geschlafen  haben.  —  'i  •!>  •* 
Nun  sitze  ich  wie  der  Haase  im  Pfeffer*  Ue- 
ber  drey  «Wochen  ist  schon  der  erste  Act  fertig, 
und  eine  Arie  im:  Zweyten  Acte,  und  das  Sauf- 
Duett,  welches  in  Nichts  als  in  meinem,  türkischen 
Zapfenstreiche  besteht;  mehr  kann  ich  aber  nicht  dä~ 
i ,  weil  jetzt  die  ganze  Geschichte 


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^cstm  /it.  wird,  -  ^und  ;ZWtir  .  auf  mein  \^ci  langen^,  ,  Im 
^ufaiige  de»  dritten  Actes  ist  ein charmantes  Quin- 
tett oder  vielmehr  Finale,;  diese*  möchte  ich  aber 
lieber  zu  in  Seid usse  des  zwevten  Actes  haben.-'  Um 
■diess  .benrerkateJJigeni  zu  kürniqu  muss  ciufi> grosse 
Veränderung,  ja  eine  ganz  neue  Jutrigue  vorgenom- 


t : . .  Nun  Wegen  k  des  Textes  von  der  Opera,  /Was 
des  Stephan!  seiae  Arbeit  anbelangt,  so  haben  Sie 
jiey lieh  Recht,  doch  ist  die  Poesie  dem  Charakter 
des  (Jummeu,  groben  und  boshaften  Osmin  ganz  an- 
€emesseri.  W  Ich  weiss  wohl,  dass  die  Versart  darin 
Jucht  die  beste  ist ; '  doch  ist  sie  so  'passend  mit  mei- 

j  neu  musikalischen  Geu^ 

mein  em  Kopfe  herum  spazirten,  übereingekommen, 
dass  sie.  mite  nolhwendig !  gefallen  musste;  und  ich 

i  tollte  wettert,  dass  man  bey  dessen  AufTiihrMig  nichts 

vermissen  wird.  Was  die  in  dem  Stücke  selbst  sieh 
■befindende  Poesie  betrifft,  so  könnte  ich  sie:  wirklich 
.lüght  verachten.  —  Die  Aria  von  Belmonte,t  O  wie 
ängstlich  ete.  konnte  fast  für  die.  Musik  nicht  besser 
geschrieben  seyn.  fi-  Das  Uu)  im d  Kummer  ruht  in 
Meinem  Sdhoüs*',  (denn  der  Kammer  katm  nicht;  sa- 
hen) ausgenommen,  ist  die  Aria  auch  nicht  schlecht, 
besonders  der  ewte.  Theü?  —  tad  ich  weiss,  hey 
-en*r--Q|^rar  muas  sohlechterduigs  die  Poesie  der 
Musik  gehorsame  Tochter  seyn.  —  Warum  gefallen 
denn  die  wälschen  kojnisclicn  Opern  überall,  sammt 
alle  dem  Elend ,  was  das  Buch  hat?  —  sogar  in  P  A- 
43»,  Wovon  ich  selbst  ein  Zeuge  war  l  Weib  da 
ganz  die  Musik)  herrscht  und  m*n  darüber  Albs  ver- 


über Hals  und  Köpf 


• 


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gisst;  um  »o  mehr  muss  ja  eine  Opera  gefallen,  wo 
der  Plan  des  Stückes  gut  ausgearbeitet,  die  Wörter 
aber  nur  bloss  für  die  Musik  geschrieben  sind,  und 
nicht  hier  und  dort«  einem  elenden  Reime  zu  gefal- 
len  (die  doch,  bey  Gott,  zum  Werthe  einer  theatra- 
lischen Vorstellung,  es  mag  seyn,  was  es  wolle,  gar 
-nichts  bey  tragen,  wohl  aber  ehe*  ßchaden  bringen), 
Worte  stehen,  oder  ganze  Strophen,  die  des  Com- 
nonisten  ganze  Idee  verderben,  -r-  Verse  sind  wohl 
für  die  Musik  das  Unentbehrlichste  —  aber  Reime  *r 
des  Reimens  wegen  das  Schädlichste  5  die  Herren, 

hin  sammt  der !  Musik  zu  Grunde  gehen*  Da  ist  es 
am  besten,  wenn  ein  guter  Componist,  der  das/Th*- 
ater  versteht  und  selbst  Etwas  anzugeben  im  Stande 
ist,  und  ein  gescheid ter  Poet,  als  ein  wahrer  Phö- 
nix, zusammen  kommen       dann  darf  Einen*  vef 

r-r;D|e  Poeten  kommen  mir  fast  vor*  wie,4i0;T<roni1- 
oeter  mit  ihren  Handwerksnossem  wenn  wir  Com- 
ponisten  immer  «o  getreu  unsern  Regeln  (<U>  damals, 
als  man  noch  niphto  Besseres  wiuste,  ganz  gut;  wa- 
ren) folgen  wollten,  so  würden  WÜ?  eben  so  untaug- 
liche Musik,  als  sie  untaugliche  Bücher,  verfertigen. 
— *  Nun  habe  ich  Ihnen,  dünkt  mich,  genug  albernes 
Zeug  daher  geschwatzt.  .    ,  :  «  . 

.v»  ».-.     ;  !:  ''Uli  •;•.*,-.  v     ....  1  \ —  ,  , 

Die  0)per  selbst  wurde  auf  Befehl  .des  iCaiscis 
nach  vielen  gemachten  frohen  jlen  I2ten  Julius  zum 
ersten  Male  mit  dem  rauschendsten.  Bey  falle  und  mit 
Wiederholung  der  meisten  Stücke*  ungeachtet  der 

gespielten  Kabalen,  aufgeführt.    Dieses  allgemeine 

1 


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tete,  blieb  bey  den  schnell  auf  iemäiider  folgend!^ 
Aufführungen  bey  gedrängt  vollem  Hause  in  dem 
i.amlMlien  Grade,  Wie  uns  Mozalfs  Briefe  an  »einen 
-yater  aelhit  s»$«ir'  11  ♦  .-  .  J  v..i  .  .'    1    !' }  •  ' 

..  ,  ,  .::  .;.  ;/.  ►.       ,  .Den  ao.  Julius  178a.  -.! 

«  *  %  0  9 

■:■  ■  /Gestern  ist  meine  Oper  zum  zweyten  Male  ge- 
geben -'worden*  Könnten  Sie  wohl  noch  vermuthen, 
dass  gestern  mx  h-eine  stärkere  Kabale  war,  als  am 
irrsten  Abend?—  Der  ganze  erste*'  Act  ging  verlöten, 
aber  das  lau  te  Bravo  -  Rufen  unte*  den  Arien 1  kon#- 
Eett  sie  doch  nicht  Verhindern.  Mefne  Moffming  war 
also1  das  SchlüS*-TerB«tf>,  da  maiilö  «bor  das  l.V 
gl ücV  1 den  Fißcher  .(Osmin)  fpMeny dadurch  »*fehlife 
ittüh  dei»  Danfer  (PedrlMo),  '~i  uhd  Adambcfgtr'alMn 
konnte  auch  nicht  •  Alles  ersetze»  $  mithin  ging  der 
ganz&  Effect  davtf«  «Verloren ,  tfnd  wurde  für  diess 
Mal  nicht  repefirt^  dass  doli 

Tiüicli '  niönt  karuttey  %e  wie^  auch  Adamberger,  *imd 
sagte  gleich,  das¥^);|Äie Oper  nieht  geben  fasse, 
ohne  vorher  eine,  kleine  Probet  für die  Sange**  zu 
machen.  Im  zweyten  Acte  wurden  die  beyden  Dueits 
wie  das  er*ter  Malrf  ;fcnd  dazu  das  Aondo  Von  Bel- 
•thonte*.  Wenn  dt*  ''■  Fahnde  Thtänen  fiessen*  etc.  wie- 
derholt. Das  Theater  <frar  olbteh'fast  voller  als  das 
erste  Mal  5  den  Tag  vorher  konnte!  man  eebon  &eiite 
gesperrten  Sitze  mehr  haben,  weder  auf  dem  noble 
pättepre,  noch'  *m  ^dritten 'Stocke,  ulffd/audh  -keine 
Loge  mek*  3>ie  -Oper  tat"  in  'dennartrey  Tagen 
^JiOd^fli  getragen.**  ;'!  »  !   »  *i  'i**  b  Jim  ,,if  I'  iif-lr«. 

Hier  Üb^söJnti^'  icb  Ihnen  das  Original  daWn 
und  Wey  BüclieL   Sie  werden  vieV  Ausgestrichenes 


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4Gi 


cl&rxn  «Gric^id^^  ^lti»s  t  ist-  y  \^  oiT  ac*1i  ^[fi\yussfc  IiüIj^ ^ 
liier  gleicli  die  Partitur  copirt.  wird,  mithin  Hess  ich 
meinen  Gedanken  frevcn  Lauf,  und  bevor  ich  ei 
z  u  in.  schi  t  ilxcii  gab, • «  machte  icli  eist  Ine  (  uucl  ilci 
meine  Veränderungen  .und,  4MÜr«unge*i,  ^JJnd  ao,, 
wie  Sie  nun  die  Oper  bekommen,  so  ist  sie  gegeben 
worden.'   Es^'Rleö'hle  nind  da  die  Trompeten  und 

Pauken,  Flauten,  Clarinetteh  und  türkische  Musik, 
weü  vieh  kein  Parier  von -so  viel  Linien  bekommet 
kernte ,  die  sind  'tfuf  ein  besonderes  Papier  geschrie- 
ben, der  Copist  wird  sie  verntutlillch  Verloren  ha- 
ben, denn  er  konnte  sie  nicht  finden. 

''"  'Nun  habe  ich  keine  geringe  Arbeit,  bis  Sonntag 
über  acht  Tage  muss  meine  Opera  auf  die  Harmo- 
nie gesetzt  seyn,  sonst  kömmt  mir  ein  Anderer  zu-*' 
vor  und  hat  anstatt  meiner  den  Profit  davon,  4md 
ich  'söll -nun  auch  eine  neue  Symphonie  mächen ! 
Wie  wird  das  möglich  seyn!  Sie  glauben  nicht1,  wie 
schwer  es  ist,  so  was  auf  die  Harmonie  zu  setzen^ 
dass  es  den  Blas -Instrumenten  eigen  ist  und  doch 
dabey  nichts  von  der  Wirkung  verloren  geht.  Je~ 
nun,  ich  muss  die  Nacht  dazu  nehmen,  anders  kann 
es1  nicht  gehen ,  und  Ihnen ,  mein  liebster  Vater,  s£y 
es  aufgeopfert«  Sie  sollen  alle  Posttage  sicher  Etwas 
bekommen ,  und  ich  werde,  so 'viel  möglich,  ge- 
schwind arbeiten/ und  so  viel  es  die  Eile  zulasst, 
gut  schreiben. 

Den  Augenblick  schickt  der  Graf  Zitchi  zu  mir 
und  lässt  mir  sagen,  ich  möchte  mit  ihm  nach  La- 
xenburg  fahren,  damit  er  mich  beym  Fürsten  Kau- 
nitz einführen  kann«  Ich  muss  also  schliessen«  um 
mich  anzukleiden?  denn  wenn  ich  nicht  gesonnen  bin, 


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Am 


anzugehen,  so  bleibe  ich  allezeit  in 
g<-<;.    So  eben  schickt  mir  der  Copist  auch  die  übri- 

2000  Mal,  ond  raeine  liebe  Schwester  umarme  ich 


Wien,  den  »7. 

Meine  Opera  ist  gestern  allen  Nannerln  zu  Eh- 
mit  allem  Applauso  das  dritte  Mal 

erschrecklieben  Hitze,  gestrotzt  voll.  Künftigen 
Frey  tag  soll  sie.  wieder  seyn,  ich  habe  aber  dagegen 
protestirt,  denn  ich  will  sie  nicht  so  auspeitschen 
lassen.  Die  Leute,  kann  ich  sagen,  sind  recht  nar- 
risch auf  diese  Oper.  Es  thut  Einem  doch  wohl, 
wenn  man  solchen  Ery  fall  erhält«  Ich  hoffe,  Sie 
werden  das  Original  richtig  erhalten  haben.  Lieb- 
ster, bester  Vater!  Ich  muss  Sie  bitten,  um  Alles 
in  der  Welt  bitten,  geben  Sie  mir  Ihre  Einwilli- 
gung, dass  ich  meine  liebe  Constanze  heirathen  kann« 
—  Glauben  Sie  nicht,  dass  es  um  des  Heirathens 
wegen  allein  ist,  wegen  diesem  wollte  ich  gern  war- 
ten« Allein  ich  sehe,  dass  es  meiner  Gesundheit  und 
meinem  Gemüthszustande  unumgänglich  nothwendig 
ist.  Mein  Herz  ist  unruhig,  mein  Kopf  verwirrt  — 
wie  kann  BMP  da  was  Gescheidtes  denken  und  ar- 
beiten? 

...    Wlsn,  den  3i.  JqKm  1782. 
-    Gestern  war  meine  Oper  zum  vierten  Male,  und 
Frey  tag  wird  sie  wieder  gegeben,  und  das  Theater 
wimmelt  allezeit  von  Menschen.  —  Sie  schreiben 
mir,  dass  die  gange  Welt  behauptet,  dass  ich  durch 


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t 


xjri osa.sprm Ii uii  hihi  ivrjusn~ii  uiu  rroiisson  von 
der  Musik  und  auch  andere  Leute ' arti  Feinden  liabe. 
Wae-fSr  eine  Welt?  Vermuthlich  die  Salzburger 
Welt?- Denn,  wer  hier  -ist,  der  wird  gentig  davon" 
das"  Gegen theil  sehen  und  hören,  und  das  soll  meine 
AnWort  darauf  seyn.  Sie  Werden  unterdessen  mei- 
nen letzten  Brief  erhalten  haben,  und  ich  zweifle 
auch  gar  nicht,  $ass  ich  mit  künftigem  Briefe  Ihre 
Emwilligu^ig  zu  meiner  Heirath  erhalten  werde,  Sie 
können  nichts  dagegen  einzuwenden  haben,  und  ha- 
ben, es,  auch  wirklich,  nicht,  das  zeigen  mir  Ihre 
Briefe,  denn  Constanze  ist  ein  ehrliches,  braves 
Mädchen,  von  guten  Eltern,  und  ich  bin  im  Stande, 
ihr  Brod  zu  verschaffen,  wir  liehen  uns  und  wollen 

i  «t    •     4  t  •     ••<  iil     t   A     •     m  f  «      .       •  _ 

uns,  da  ist  also  nichts  aufzuschieben, 

'       "   **•  '  1         4  "  ••'  ' 

Die  Oper:  Die  Entführung  aus  dem  Serail,  schrieb 
Mozart  also  im  Bräutigamsstande,  daher  ist  sie  voll 
süsser  Gefühle,  voll  schmachtender  Liebe,  wenn 
gleich  noch  in  dem  damaligen  Zuschnitte  deutscher 
Singspiele.  Die  Symphonie  hat  noch  ihre  drey  Satze 
(was  Mozart  sonst  bey  keiner  Oper  gethan  hat), 
ein  Allegro,  Andante,  Allegro,  welches  freylich 
durch  seine  schleppende  Verzögerung  der  Ueberra- 
schung  schadet;  keine  Finale.  Der  erste  Act  schliesst 
mit  einem  Terzett,  der  zweyte  mit  einem  Quartett, 
und  der  dritte,  nach  damals  von  Adam  Hiller  und 
Standfuss  hergebrachter  Weise,  mit  einem  Rundge- 
sange,  wo  jede  Person  zii  guter  Letzt  ihr  Versehen* 
singt.  Im  Ganzen,  und  die  Felder  seines  Zeitalters 
abgerechnet,  ist  /der  Plan  dieses  Singspiels  vortreff- 
lich, und  seine  Fabel  gewiss  das  vernünftigste  aller 


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Opern-Sujets.  Die  Charaktere  sind  vortrefflich  ge- 
zeichnet, und  von  Mozart  noch  vortrefflicher  colo- 
rirU  Dem  Angegebenen  zu  Folge  ist  die  Behaup- 
tung ganz  falsch,  dass  Idqmeneo  in  die. Periode;  des 
Liebesumganges  Mozart's  mit  Constanzen  falle,  denn, 
dieses  Liebesverhältniss  hatte  erst  in  Wien  begonnen. 

1  i      «i  »    t  ' 

Der  Beyfall,  den  die  Entfuhrung  aus  dem  Öerail 

einerntete,  begründete  Mozart's  Ruf.  Ich  kann/,  sagt 
Professor  Kiem^scheck,  den  Beyfall  und  die  Sensa- 
tion, die  sie  in  Wien  erregte,  nicht  aus  eigener  Er- 
fahrung  beschreiben,  aber  ich  bin  Zeuge  des  Enthu- 
siasmus gewesen,  den  sie  bey  ihrer  Aufführung  in 
Prag  bey  Kennern  und  Nichtkennern  verursachte !  Es 

V  ff-  .  •..^ar  J  *.    *  I 

war,  als  .wenn  das,  was  man  hier  gehört,  und  ge- 
kannt hatte,  keine  Musik  gewesen  wäre!  Alles  war 
hingerissen,  Alles  staunte  über  die  neuen  Harmo- 
nieen,  über  die  originellen,  bisher  ungehörten  Sätze 

der  Blas -Instrumente.   Von  letzt  fingen  besonders 

"     ■ '       .  .....  •  •  * 

die  Böhmen  an,  Mozart's  Compositionen  zu  suchen, 
und  in  eben  diesem  Jahre  hörte  man  in  allen  besseren 
musikalischen  Akademieen  Mozart's  Cla vierstücke  und 
Symphonieeii,  und  gerade  in  dieser  Periode  schrieb 
auch  Mozart  seine  schönsten  Sachen,  die  nun  in  Je- 
dermanns  Händen  sind.    $o  wie  sich  nun  Böhmens 

*  •  i  * 

Vorliehe  für  Mozart's  "Werke  entschieden  zeigte, 
waren  auch  die  grössten  Kenner  und  Künstler  Wiens 
die  grössten  Bewunderer,  die  feurigsten  Verkündi- 
ger  von  Mozart's  Ruhme.  *) 

•  .     »    -t  • 

*)  Vorzüglich  Duscheck,  Kucnans,  Fratipner,  Joh.  Kozelucli, 
die  beyden  Lo«chek,  Maschek,  Cajetan  Vogel,  Wenzel,  Wo* 
ber,  Röaler,  Witazaek,  Toraaachek  u.  A..nu 


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4M 

Mit  dem  Aufsehen,  welches  die  Entführung  aus 
dem  Serail  machte,  fühlten  die  Italiener  bald,  dass 
ein  solcher  Kopf  für  ihr  wälsches  Geklingel  bald 
gefahrlich  werden  dürfte,  daher  erwachte  der  Neid 
nun  mit  der  ganzen  Schärfe  des  italienischen  Giftes, 
der  ihn  bis  an  das  Ende  seines  Lebens  verfolgte. 

Der  Kaiser  Joseph,  der  im  Grunde  von  der 
neuen  und  tief  eindringenden  Musik  entzückt  war, 
sagte  wegen  der  Musik  zu  dieser  Oper  zu  Mozart: 
„Gewaltig  viel  Noten,  lieher  Mozart!"  —  „Ge- 
rade so  viel,  Ew.  Majestät,  als  nöthig  ist,"  versetzte 
dieser  mit  jenem  edlen  Stolze  und  der  Freymüthig- 
keit,  die  grossen  Geistern  so  gut  steht.  Mozart  hatte 
wohl  bemerkt,  dass  der  Kaiser  ein  fremdes  Urtheil 
ausgesprochen  hatte,  sagt  der  österreichische  Plutarch» 

Sonderbar  genug!  Als  Bonaparte  die  vortreff- 
liche Composition  Cherubini's  auf  den  Tod  des  Ge- 
neral Hoche  gehört  hatte,  sagte  er:  „Wahrhaftig, 
eine  herrliche  Musik,  liebster  Cherubini!  aber  viel 
Noten  d'rin."  Dieser  antwortete  darauf  gerade  wie 
Mozart  dem  Kaiser.  Von  einem  Pariser  Correspon- 
denten  wurde  in  der  Allg.  Leipz.  musikal.  Zeitung 
versichert,  dass  Cherubini  die  Anekdote  von  Mozart 
erst  später  erfahren  habe.  % 

Die  Entführung  aus  dem  Serail  wurde  von  Mo- 
zart's  Freunden  auch  die  Entfuhrung  aus  dem  Auge 
Gottes  deshalb  genannt,  weil  das  Haus  so  hiess, 
woraus  Mozart  seine  Braut,  deren  Mutter  ihre  Ein- 
willigung versagte,  so  zu  sagen  entführte,  denn  er 
führte  -sie  heimlich  daraus  zu  der  Baronin  Wald- 
stetten, wo  die  Hochzeit  den  4ten  August  1782  er- 
folgte, wovon  er  selber  schreibt: 

30 


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I 


,  466 

■ 

* 

nenne,  e§  7  d'Aout  1782. 

Mon  tria  eher  Pere! 
Meine  liebe  Constanze,    nunmehro  (Gott  sey 
Dank)  raeine  wirklich  Frau ,  wusste  r  ieine  Umstände 

und  Alles,  was  ich  von  Ihnen  zu  erwarten  habe, 

■ 

schon  lange  von  mir.  —  Ihre  Freundschaft  aber 
und  Liebe  zu  mir  war  so  gross,  dass  sie  gern  mit 
grösster  Freude  ihr  ganzes  künftiges  Leben  meinem 
Schicksale  aufopferte.  Ich  küsse  Ihnen  die  Hände, 
und  danke  Ihnen  mit  aller  Zärtlichkeit,  die  immer 
ein  Sohn  für  seinen  Vater  fühlte,  für  die  mir  gü- 
tigst zugetheilte  Einwilligung  und  väterlichen  Segen. 
—  Mein  liebes  Weib  wird  nächsten  Posttag  ihren 
liebsten,  besten  Schwiegerpapa  um  seinen  väterlichen 
Segen,  und  ihre  geliebte  Schwägerin  um  die  fernere 
Fortdauer  ihrer  werthesten  Freundschaft  bitten.  — 
Bey  der  Copulation  war  kein  Mensch,  als  die  Mut- 
ter und  jüngste  Schwester;  Hr.  von  Thorwart  als 
Vormund  und  Bey  stand  von  Beyden,  Hr.  Landrath 
von  Zetto,  Beystand  der  Braut,  und  Hr.  von  Gi- 
lowsky  als  mein  Beystand.  Als  wir  zusammen  ver- 
bunden wurden,  fing  sowohl  meine  Frau  als  ich  zu 
weinen  an;  davon  wurden  Alle,  sogar  der  Priester 
gerührt,  und  Alle  weinten,  da  sie  Zeugen  unserer 
gerührten  Herzen  waren.  Unser  ganzes  Hochzeits- 
fest bestand  aus  einem  Souper,  welches  uns  die  Frau 
Baronin  von  Waldstetten  gab,  —  das  in  der  That 
mehr  fürstlich  als  baronisch  war.  Während  des 
Souper  wurde  ich  mit  einer  sechzehnstimmigen  Har- 
monie von  meiner  Composition  überrascht.  —  Nun 
freuet  sich  meine  liebe  Constanze  noch  mehr,  nach 
Salzburg  zu  reisen,  und  ich  wette,  Sie  werden  sich 


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meines  Glückes  erfreuen,  wenn  Sie  sie  werden  ken- 
nen  gelernt  haben,  wenn  anders  in  Ihren  Augen, 
so  wie  in  den  meinigen,  ein  gutdenkendes,  recht- 
schaffenes, tugendhaftes  und  gefalliges  Weib  ein 
Glück  für  ihren  Mann  ist» 

Meine  Oper  ist  gestern  wieder,  und  zwar  auf 
Begehren  des  Ritters  Gluck  gegeben  worden 5  Gluck 
hat  mir  viele  Complimente  darüber  gemacht.  Mor- 
gen speise  ich  bey  ihm. 

Einige  nennen  die  Entfuhrung  ans  dem  Serail 
das  Piedestal ,  auf  welches  Mozart  seinen  Ruhm  grün- 
dete. Es  hat  unverkennbar  das  Gepräge  eines  liebe-  ' 
glühenden  Herzens.   Wie  schön  drückt  Mozart  und  . 
Belmonte  zugleich  in  der  ersten  Arie  die  Worte 
aus:    Klopft  mein  liebehfnnkes  Herz!   Und  wem 
könnte  es  einfallen,  diess  eine  schlechte  Malerey  zu 
nennen-,  wie  eben  den  einen  schlechten  Maler,  der 
das  Herz  nicht  roth  malte,   wenn  Belmonte  sich 
nicht  von  uns  an  den  Busen  fühlen  lässt,  sondern  es 
lieber  selbst  thut!    Was  Mozart  thut,  sehen  wifr 
aber,  und  er  singt  sich  eben  mit  seiner  Darstellungs- 
weise  so  in  unser  Inneres  hinein,  dass  wir  unwillkür- 
lich nach  unserer  Brust  greifen  und  glauben,  wenn 
wdr  dieser  schönen  Täuschung  und  freywilligen  und 
dennoch  bewusstlosen  Mischung  des  Subjects  mit  dem 
Objecte  fähig,  dass  wir  nicht  aus  Gyps  geformt  sind. 
Man  besinne  sich  auf  den  fast  ironischen,  aber  ganz 
humoristischen  Zug  von  höchster  Feinheit  in  Figaro's 
Arie,  wo  er  mit  dem  Maasse  den  Stubenboden  und 
die  Stellung  seines  Hochzeitbettes  ausmisst,  und  der 
Bass  ihn  messend  accompagnirt,  und  ordentlich  um> 

30* 

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46&  * 

•  # 

schlägt,  wie  die  Elle,  wenn  er  singt:  fiinf,  zehn, 
zwanzig,  dreyssig  u.  s.  f.  Ist  das  Gemalte,  und  ist 
es  nicht  mit  höchster Ueherlegenheit  des  Genies  über 
den  prosaischen  Stand  der  Ebbe  und  Trockenheit 
eines  bloss  perständigen  Menschen  oder  Zuhörers? 
—  Bey  Mozart  ist  das  Ideal  mit  dem  untergeordne- 
ten Humor  in  Eintracht« 

Wenn  Leporello  singt:  „so  macht  er9 8  mit  dem 
Kopfe,"  wer  sieht  nicht  da  in  der  Musik  den  Gou- 
verneur mit  seiner  drohenden  Antwort  nicken? 
Denn  ganz  analog  hebt  sich  die  Melodie  nur  bis  zur 
Quarte  langsam,  und  sinkt  mit  einem  Schritte  wie- 
der zurück,  so  wie  das  Haupt.  Warum  ist  es  gut? 
Weil  er  dazu  singt,  und  es  selbst  mit  Geberdenspiel 
begleitet:  es  wird  also  durch  die  Mittel  anschaulich: 
durch  Poesie,  Gesang  und  Mimik» 

Rochlitz  sagt:  Gegen  diejenigen  seiner  Werke, 
die  er  selbst  schätzte,  war  Mozart  strenger,  als  er 
vielleicht  wünschte,  dass  Andere  gegen  sie  seyu 
möchten.  So  hatte  er  seine  mit  Recht  noch  immer 
beliebte  Entführung  in  den  Jünglings- Jahren  ge- 
schrieben :  späterhin  nahm  er  eine  strenge  Recension 
vor,  in  welcher  er  Vieles  abänderte,  besonders  ab- 
kürzte. Ich  hörte  ihn  eine  Hauptarie  der  Constanze 
nach  beyden  Recensionen  spielen,  und  bedauerte  ei- 
nige gestrichene  Stellen:  Beym  Ciavier,  mag  es 
Wohl  so  angehen,  sagte  er,  aber  nicht  auf  dem  Thea- 
terj  als  ich  diess  schrieb,  hörte  ich  mich  noch  selbst, 
zu  gern,  und  konnte  das  Ende  immer  nicht  finden. 

Bey  einer  Aufführung  dieser  Oper  sagt  ein  Cor- 
respondent  in  der  Allgem.  Leipziger  musikal.  Zei- 
tung:   Mozarts  Genius  feyerte  auch  heute  einen 


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* 

schönen  Triumph,  der  in  dem  Maasse  erhöht  Wer- 
den muss,  als  einige  unserer  modernen  Compositeurs 
sich  immer  mehr  von  dem  durch  ihn  vorgezeichne-  . 
ten,  allein  als  richtig  anerkannten  Wege  der  Wahr- 
heit und  Klarheit  entfernen,  und  dadurch  bisweilen 
kalte  Bewunderung  erringen,  aber  der  Musik  ihr 
schönstes  Vorrecht,  Sprache  der  Seele  zu  seyn,  ent- 
ziehen. 

Uebrigens  schätzte  man  in  Wien,  wahrend  Mo- 
zart lebte,  die  Werke  dieses  Genie's  nicht  so  hoch, 
als  es  diese  unsterblichen  Arbeiten  verdienten.  Vie- 
len  seiner  Opern  ward  die  Kabale  entgegen  gesetzt, 
und  nicht  seilen  siegte  sie.  So  gefiel  weder  die 
Hochzeit  des  Figaro  noch  Don  Juan  in  einem  vor- 
züglichen Grade.  Nur  bey  der  Zauberflöte  war  der 
Beyfall  allgemein,  weil  diese  Oper  in  den  damali- 
gen Geschmack  des  Publicums  eingriff,  sehr  präch- 
t  **g  gegeben  wurde,  und  weil  der  Componist  bald 
nach  den  ersten  Vorstellungen  starb.  Seine  Instru- 
mentalwerke fand  man  zu  schwer  auszuführen,  und 
zu  verworren,  weil  sie  nicht  Jeder  gleich  begreifen 
konnte;  und  erst  einige  Zeit  nach  Mozart's  Tode 
zeigte^  es  sich  aufTallend,  und  man  fühlte  allseitig, 
was  die  Kunst  an  ihm  verloren  hatte. 

Der  preussische  Gesandte  Baron  von  Riedesel 
hatte  im  Auftrage  zu  Mozart  geschickt,  dass  er  seine 
Oper:  die  Entführung  aus  dem  Serail,  copirt  nach 
Berlin  schicke  $  die  Belohnung  dafür  werde  schon 
erfolgen.  Hierüber  schrieb  Mozart  seinem  Vater 
aus  Wien  vom  5 ten  Oc tober  1782 : 

Ich  habe  gleich  versprochen,  sie  copiren  zu  las- 
sen.  Nun,  da  ich  die  Oper  nicht  habe,  so  müsste 

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470 

ich  sie  vom  Copbten  entlehnen,  welches  «ehr  unge- 
legen wäre,  und  da  ich  sie  nicht  drey  ganze  Tage 
•icher  behalten  könnte,  indem  öfters  der  Kaiser  dar- 
um  schickt,  welches  erst  gestern  geschehen  ist,  und 
sie  überdiess  auch  öfters  eeceben  wird«  indem  sie 
nun  wirklich  schon  zehn  Mal  seit  dem  löten  August 
ist  gegeben  worden.  Mithin  wäre  mein  Gedanke, 
sie  in  Salzburg  copiren  zu  lassen,  allwo  es  heimli- 
cher und  wohlfeiler  geschehen  könnte!  Ich  bitte 
Sie  also,  sie  sogleich  in  die  Partitur  rein  schreiben 
zu  lassen,  aber  auch  mit  vieler  Eile.  Ich  war  selbst 
bey  Baron  von  Riedesel,  welcher  ein  charmanter 
Mann  ist,  und  versprach  ihm,  die  Oper  zu  Ende 
dieses  Monats  oder  Anfange  Novembers  zu  liefern. 
Um  Ihnen  aber  alle  Sorge  und  Bedenklichkeit  zu 
nehmen,  die  ich  mit  dem  dankbarsten  Herzen  als 
einen  Beweiss  Ihrer  väterlichen  Liebe  verehre,  so 
kann  ich  Ihnen  nichts  Ueberzeugeuderes  sagen,  als 
dass  ich  dem  Hrn.  Baron  recht  sehr  verbunden  bin, 
dass  er  die  Opera  von  mir  und  nicht  vom  Copisten 
begehrt  hat,  von  welchem  er  sie  alle  Stunden  um 
baares  Geld  hätte  haben  können.  —  Und  überdiess 
wäre  es  mir  sehr  leid ,  wenn  mein  Talent  mit  einem 
Male  bezahlt  werden  könnte,  besonders  mit  hundert 
Ducaten!  Ich  werde  unterdessen  (weil  es  nicht  nö- 
thig  ist)  Niemanden  was  sagen;  wird  sie,  wie  ganz 
zuverlässig,  und  was  mir  auch  das  Liebste  dabey 
ist,  aufgeführt,  so  wird  man  es  ganz  sicher  erfahren ; 
mich  aber  werden  desswegen  meine  Feinde  nicht  aus- 
lachen, und  nicht  als  einen  schlechten  Kerl  behan- 
deln können,  sondern  mir  nur  gar  zu  gern  eine 
Opera  zu  schreiben  geben,  wenn  ich  nur  will!  Denn 


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V 


i 


471 


ich  werde  eine  Opera  schreiben,  aber 
mit  100  Ducaten  am  sehen,  wie  das  Theater  in  vier- 
zehn Tagen  vier  Mal  so  viel  gewinnt;  sondern  ich 
Werde  meine  Opera  auf  meine  Unkosten  aufführen, 
und  in  drey  Vorstellungen  wenigstens  1200  fl.  ma- 
chen, und  dann  kann  sie  die  Direction  um  50  Du- 
caten haben  $  wo  nicht,  so  bin  ich  bezahlt  und  kann 
sie  überall  anbringen.  Uebrigens  hoffe  ich,  werden 
Sie  noch  niemals  einige  Spur  von  Neigung  zu  einer 
schlechten  Handlung  bey  mir  bemerkt  haben.  Man 
muss  keinen  schlechten  Kerl  machen,  aber  auch  kei- 
nen dummen,  der  andere  Leute  von  seiner  Arbeit, 
die  ihm  Studium  und  Mühe  genug  gekostet  hat,  den 
Nutzen  ziehen  lässt,  und  allen  fernem  Anspruch 
darauf  aufciebt. 

Heute,  den  12ten  October,  ist  dem  Russischen 
Hofe,  der  den  4ten  d.  M.  angekommen  ist,  meine 
Opera  gegeben,  wo  ich  für  gut  fand,  wieder  an  das 
Ciavier  zu  gehen  und  zu  dirigiren,  theils  um  das 
ein  wenig  in  Schlummer  gesunkene  Orchester  wie- 
der aufzuwecken,  theils  um  mich,  weil  ich  eben 
hier  bin,  den  anwesenden  Herrschaden  als  Vater 
von  meinem  Kinde  zu  zeigen. 

Wien,  den  31.  Dccbr.  178a. 

Ich  bin  bey  Prinz  Gallizin  auf  alle  seine  Con- 
certe  engagirt,  werde  allezeit  mit  seiner  Equipage 
abgeholt  und  nach  Hause  geführt,  und  dort  auf  die 
nobelste  Art  von  der  Welt  tractirL  —  Den  loten 
d.  M.  ist  meine  Opera  wieder  mit  allem  Beyfall, 
und  zwar  zum  vierzehnten  Male  aufgeführt  worden, 
und  zwar  bey  so  vollem  Hause ,  wie  das  erste  Mal, 


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.      472     -  • 

oder  vielmehr,  wie  allezeit.  Der  Intendant,  Graf 
.  Rosenberg,  hat  mich  bey  Gallizin  selbst  angeredet, 
ich  möchte  doch  eine  wälsche  Oper  schreiben.  Ich 
habe  auch  schon  desswegen  nach  Italien  geschrieben,  - 
habe  aber  noch  nichts  von  den  neuesten  Opere  buffe- 
Buchein  erhalten.  » 

Ueberhaupt  habe  ich  so  viel*  zu  thun,  dass  ich 
oft  nicht  weiss,  wo  mir  der  Kopf  steht*  Der  ganze 
Vormittag  bis  zwey  Uhr  geht  mit  Lectionen  herum, 
dann  essen  wir.  Nach  Tische  muss  ich  doch  eine 
kleine  Stunde  meinem  armen  Magen  zur  Digestion 
vergönnen;  dann  ist  der  einzige  Abend,  wo  ich  et- 
was schreiben  kann,  und  dieser  ist  nicht  einmal 
sicher,  weil  ich  öfters  zu  Akademieen  gebeten  werde« 
Nun  fehlen  noch  zwey  Subscriptions  -  Concerte.  — 
Die  Concerte  sind  eben  das  Mittelding  zwischen  zu  *  S,J 
schwer  und  zu  leicht,  sind  sehr  brillant,  angenehm 
in  die  Ohren,  natürlich,  ohne  in  das  Leere  zu  fal- 
len —  hier  und  da  können  auch  Kenner  allein  Sa- 
tisfaction  erhalten,  doch  so,  dass  die  Nichtkenner  . 
damit  zufrieden  seyn  müssen,  ohne  zu  wissen,  war- 
um. Ich  theile  Billets  aus,  gegen  sechs  Ducaten. 
Nun  vollende  ich  auoh  den  Ciavierauszug  meiner 
Oper,  welcher  im  Stich  herauskommen  wird,  und 
zugleich  arbeite  ich  an  einer  Sache,  die  sehr  schwer 
ist,  nämlich  an  einem  Bardengesang  von  Denis  über  J 
Gibraltar;  das  ist  aber  ein  Geheimniss,  denn  eine 
ungarische  Dame  will  dem  Denis  diese  Ehre  erwei-  ■ 
sen.  —  fiie  Ode  ist  erhaben,  schön,  Alles,  was 
Sie  wollen*;  allein  zu  übertrieben  schwülstig  für 
meine  feinen  Ohren.  Aber  was  wollen  Sie!  -das 
Mittelding,  das  Wahre  in  allen  Sachen  kennt  und 


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473 

'S. 

■ 

schätzt  man  jetzt  nimmer.  Um  Beyfall  zu  erhalten, 
muss  man  Sachen  schreiben ,  die  so  verständlich  sind  j 
das«  es  ein  Fiacre  nachsingen  könnte,  oder  so  un- 
verständlich ,  dass  es  ihnen,  eben  weü  es  kein  ver- 
n  un  fti  gc  r  ^Icnsch,  ^rerstelxen  ^ ann ,  gerade  eben  cless— 
wegen  gefällt.  ,   

• 

In  dieser  Periode  schrieb  Mozart  die  schönsten 
Sachen  fiir  das  Ciavier:  Sonaten  mit  und  ohne  Be- 
gleitung und  auch  Concerte.  Zur  Zeit,  als  seine 
Frau  zum  ersten  Male  in  Kindesnöthen  war,  arbei- 
tete er  sogar  an  dem  zweyten  der  sechs  Quartetten, 
welche  er  1785  Joseph  Haydn  widmete.  Diese  Um- 
stände waren  gewiss  nicht  zum  Notendenken  geeig- 

Noten  zuvor  schrieb  und  vollendete,  und  sie  dann 
erst  probirtej  und  dennoch  belästigte  ihn  nichts, 
wenn  er  in  dem  Zimmer  arbeitete,  wo  seine  Frau 
lag.  So  oft  sie  Leiden  äusserte,  lief  er  auf  sie  zu, 
um  sie  zu  trösten  und  aufzuheitern  $  und  wenn  sie 
etwas  beruhigt  war,  ging  er  wieder  zu  seinem  Pa- 
pier. Nach  ihrer  eigenen  Erzählung  wurden  der 
Menuett  und  das  Trio  gerade  bey  ihrer  Entbindung 
componirt. 

Bald  nach  der  Entbindung  seiner  Frau  hatte  er 
zwey  Arien  für  seine  Schwägerin,  Madame  Lange, 
und  für  Adamberger  ein  Rondo  in  eine  neue  wälsche 
Opera:  II  Curioao  indiscreto,  von  Anfossij  zu  ma- 
chen,   worin  diese  beyden  Deutschen  zum  ersten 

und  eines  Rondo  waren  seinen  Feinden,  an  deren 
Spitze  Salieri  jtand ,  ein  Dorn  im  Auge,  wesshalb 

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474 


die**  so  boshaft  waren  und  vor  der,  Aufführung  die 
Meinung  verbreiteten,  als  woUe, Mozart  die  Oper, 
des  Anfossi  corrigiren.  Doch  hierüber  höre  man 
Mozart'*  Worte  an  seinen  Vater  iü  einem  Briefe 
Ypn  Wien,  den  2ten  Julius  1783:  r  -« 

Sie  ist  vorgestern,  Montags,  zum'  ersten  Male 
gegeben  worden;  es  gefiel  gar  Nichts,  ab  die  zwey 
Arien  von  mir,  und  die  zweyte,  welche  eine  Bra- 
vour-Arie  ist,  musste  wiederholt  werden.  — »  Nun 
müssen  Sie"  wissen,  dass  meine  Feinde  so  hoshaft 
waren ,  schon  vorhinein  auszusprengen :  Mozart  will 
die  Opera  des  Anfossi  corrigiren.  Ich  hörte  es.  Ich 
Kess  also  dem  Grafen  Rosenberg  sagen,  dass  ich  die 
Arien  nicht  hergäbe,  ausgenommen,  es  würde  Fol- 
gendes sowohl  deutsch  als  wälsch  dem  Opernbüchel 
beygedruckt:   '  '  " 

Verwarnung. 

Die  beyden  Arien,  Seite  56  und  iqT,  sinf  von  Herrn 
Maestro  Mozart  aus  Gefälligkeit  für  Madame  Lange,  und 
nicht  vom  Herrn  Meister  Anfossi  in  Musik  gesetzt  worden. 


#  •  •  •  -• 


« i 


«  . 


ohne  nur  im  Mindesten  dem  Ansehen  und  dem  Rufe  des 
vielberülimten  Neapolitaners  zu  nalie  zu  treten» 

Es  wurde  beygedruckt,  und  ich  gab  dm  Arien 
her,  welche  sowohl  mir  als  meiner  Schwägerin  un- 
aussprechliche Ehre  ( machten.  —  Und  die  Herren 
Feinde  sind  ganz  betroffen!  Nun  kömmt  eine 
Tour  des,  Hrn.  Salieri,  welche  nicht  so  viel  mir  ,  als 
dem  armen  Adambercer  Schaden  thut.  Ich  glaube, 
dass  ich  Ihnen  geschrieben,  dass  ich  auch  für  den 
Adamberger  ein  Rondo  gemacht  habe.  Bey  einer 
Probe,  wo  das  Rondo  noch  gar  nicht  abge- 


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I 

475 


schrieben  war,  ruft  Salieri  den  Adamberger  auf  die 
Seite  und  sagt  ihm,  dass  der  Graf  Rosenberg  nicht 
gern  sähe,  dass  er  eine  Aria  einlegte,  und  er  ihm 
folglich  als  ein  guter  Freund  rathe,  es  nicht  zu  thun. 
Adamberger,  aufgebracht  über  den  Rosenberg  und 
dermalen  zur  Unzeit  stolz,  wusste  sich  nicht  anders 
zu  rächen,  beging  die  Dummheit  und  sagte:  „Nun 
ja,  um  zu  zeigen,  dass  Adamberger  schon  seinen 
Ruhm  in  Wien  hat,  und  nicht  nöthig  hat,  sich  erst 
durch  für  ihn  geschriebene  Musik  Ehre  zu  machen, 
so  wird  er  singen,  was  darin  steht,  und  sein  Leben 
lang  keine  Arie  einlegen."  Was  war  der  Erfolg 
davon?  Das,  dass  er  gar  nicht  gefiel,  wie  es  auch 
nicht  anders  möglich  war!  Nun  reuet  es  ihn,  aber 
zu  spät 5  denn,  wenn  er  mich  heute  ersuchte,  ihm 
das  Rondo  zu  geben,  so  würde  ich  es  nicht  mehr 
hergeben.  Ich  kann  es  sehr  gut  in  eine  der  meinigen 
Opern  brauchen.  Das  Aergste  aber  dabey  ist,  dass 
die  Prophezeiung  seiner  Frail  und  von  mir  wahr 
geworden  ist,  nämlich,  dass  der  Graf  Rosenberg 
sammt  der  Directum  gar  kein  Wort  davon  weiss, 
und  dass  es  nur  so  ein  Pfiff  des  Salieri  war. 


« 

Zu  Ende  Julias  des  Jahres  1783  stattete  Mozart 
mit  seiner  Frau  dem  Vater  in  Salzburg  einen  Besuch 
ab.  Schlechte  Umstände  hatten  ihn  diese  Reise  mehre 
Monate  verzögern  lassen,  und  noch,  wie  er  abreiste, 
war  er  in  traurigen,  —  so  dass,  wie  er  in  den  Wa- 
gen stieg,  ein  Gläubiger  ihn  nicht  fort  lassen  wollte, 
ohne  seine  30  fl.  bekommen  zu  haben.  Es  ward 
Mozart  schwer,  sie  zu  entbehren. 


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47(5 


Und  dieser  Mann,  wie  gebtauch ta  er  die  kurze 
Zeit  in  Salzburg?  Er  vollendete  die  Messe,  die 
er  für  seine  Frau  gelobt  hatte,  wenn  die  Entbindung 
glücklich  vorübergehen  würde,  und  von  welcher  er  im 
Januar  schon  die  Hälfte  fertig  hatte.  Diese  Messe 
wurde  den  23stcn  August  im  Kapellhause  probirt 
und  den  25sten  in  der  St.  Peterskirche  producirt, 
wobey  seine  Frau  die  Solo's  sang.  Ausserdem  schrieb 
er  für  Michael  Haydn  zwey  herrliche  Duetten  für 
Violine  und  Viola,  und  zwey  Acte  einer  italieni- 
schen Oper  von  Varesoo,  die  hernach  nicht  weiter 
fertig  wurde.  Mit  diesen  Duetten  verhielt  es  sich 
auf  folgende  Weise: 

Michael  Haydn  sollte  auf  höhern  Befehl  Duetten 
für  Violine  und  Viola  schreiben.  Er  konnte  selbige 
aber  zur  bestimmten  Zeit  nicht  hefern,  weil  ihn  eine 
heftige  Krankheit  befallen  hatte,  die  ihn  nachher 
länger,  als  man  es  vermuthete,  zu  aller  Arbeit  un- 
fähig machte.  Man  drohte  ihn  über  den  Aufschub 
mit  Einziehung  seiner  Besoldung,  weil  der  Gebieter 
von  Haydn's  Umstanden  vermuthlich  zu  wenig  un- 
terrichtet, oder  durch  falsche  Berichte  hintergangen 
war.  Mozart,  der  Haydn  täglich  besuchte,  erfuhr 
dieses,  setzte  sich  nieder  und  schrieb  für  den  be- 
trübten Freund  mit  so  unausgesetzter  Rastlosigkeit, 
dass  die  Duetten  in  wenigen  Tagen  vollendet  waren 
und  unter  Michael  Haydn's  Namen  eingereicht  wer- 
den konnten. 

„Noch  oft  ergötzten  wir  uns  in  der  spätem  Zeit 
mit  diesem  vortrefflich  gerathenen  Liebeswerke,  das 
auch  unser  Meister  als  ein  Heiligthum  im  Originale 
aufbewahrte  und  darin  immer  Mozart's  unsterbliches 


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477  . 

« 

* 

■ 

Andenken  ehrte."  So  erzählen  die  Verfasser  und 
Schüler  M*  Haydn's  in  dessen  biographischer  Skizze 
(Schinn  und  Otter). 

Diese  Duetten  wurden  nach  etlichen  Jahren  als 
MozarVs  Arbeit  bekannt  und  erschienen  öffentlich 
bey  Andre  in  Offenbach  5  er  selbst  hat  sie  aber 
nicht  herausgegeben«  ...  1 

.      Das  Duett  (No.  V.)  hat  ein  Allegro  G  dur  C, 
ein  Adagio  C  dur  J  und  ein  Rondo  G  dur  (ß.  . 

Das  (No.  VI.)  Adagio  con  Allegro  B  dur  C  J, 
Andante  cantabile  Es  dur  $ ,  und  Andante  grazioso 
con  6  Variazioni  B  dur  (JJ. 

Nach  einem  Aufenthalte  von  beynahe  drey  Mo- 
naten reisHe  Mozart  mit  seiner  Frau  den  27sten  Oc- 
tober  von  Salzburg  wieder  nach  Wien  zurück«  Auf 
dieser  Heimreise  schrieb  er  von  Linz  aus  seinem 
Vater:  1  l*  1  •••»•••     «  ...  . 

Wir  sind  gestern,  den  30sten  October  früh  um 
9  Uhr,  glücklich  hier  angelangt.    Den  ersten  Tag 
haben  wir  in  Vöcklbruck  übernachtet.    Den  -folgen- 
den Tag  sind  wir  Vormittags  in  Lambach  *)  ange- 
ommen ,  una  icn  kam  eben  recnt,  um  bey  dem 
Amte  das  Agnus  Dei  mit  de*  •  Orgel  *u  begleiten. 
■Der  Hr;  Prälat  hatte  die  grösste  fVeude,  mich  wie- 
der zu  sehen.  .Wir  blieben  den  ganzen  Tag  dort, 
wo  ich  auf  der  Orgel  und  einem  Clavichord  spieltev 
—  Ich  hörte,  dass  den  andern  Tag  zu  Ebersperg  bey 
Herrn  Pfleger  Steurer  eine  Opera  aufgeführt,  mit- 
hin ganz  Linz  alldort  versammelt  seyn  werde,  und 
entschloss  mich  also,  auch  dabey  zu  seyn,  unä  wir 

*)  Ein  Benedictiner- Kloster  in  Oberöaterreich.  '» 

< 

,  •  .  ^Digitized  by  Google 


478 


fuhren  dahin»  Da  kam  gleich  der  junge  Graf  Thun 
(Bruder  zu  dem  Thun  in  Wien)  zu  mir,  und  sagte, 
dass  sein  Herr  Vater  schon  vierzehn  Tage  auf  mich 
wartete,  und  ich  mochte  nur  gleich  bey  ihm  anfah- 
ren, denn  ich  müsste  bey  ihm  logiren/  Als  wir  den 
andern  Tag  zu  Linz  beym  Thore  waren ,  stand  schon 
ein  Bedienter  da,  um  uns  zum 
zu  führen,  allwo  wir  nun  auch  logiren.  Ich  kann 
Ihnen  nicht  genug  sagen,  Wie  sehr  man  uns  in  die- 
sem Hause  mit  Höflichkeiten  überschüttet.  Dienstag, 
als  den  4 tcn  November,  werde  ich  hier  im  Theater 
Akademie  geben,  und  weü  ich  keine  einzige  Sym- 
phonie bey  mir  habe,  so  schreibe  ich  über  Hals  und 
Kopf  an  einer  neuen,  Welche  bis  dahin  fertig  seyn 
muss.  Meine  Frau  und  ich  küssen  Ihnen  die  Hau  de, 
bitten  Sie  um  Verzeihung,  dass  wir  Ihnen  so  lange 
Ungelegenheit  gemacht  haben,  und  danken  nochmals 
recht  sehr  für  alles  Empfangene.         *  '  ■ 

Meine  deutsche  Oper:  Die  Entfuhrung  aus  dem 
Serail,  ist  in  Prag  und  in  Leipzig  sehr  gut  und  mit 
allem  Beyfalle  gegeben  worden,  welches  ich  von 
Leuten  weiss,,  die  sie  alldort  gesehen  haben.  Ich 
.bitte  Sie,  mir  so  bald  möglich  meinen  Idomeneo, 
die  zjyey  Yiolin  -  Duetten  und  Seb.  Bach's  Fugen  zu 
schicken.  —  Idomeneo  brauche  ich,  weil  ich  diese 
JFasten,  nebst  meiner  Akademie  im  Theater,  sechs 
Subscriptions-Akademieen  geben  werde,  wo  ich  auch 
jiese  Oper  darin  produciren  möchte.  4  I 


,  Wie  sehr  seine  Subscriptions-Akademieen  un- 
terstützt wurden,  darüber  sclireibt  Mozart  selbst  an 
seinen  Vater: 


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-  479 

Hier  haben  Sie  die  Liste  Tön  allen  meinen  174 
Subscribenten.  Ich  habe  allein  um  dreyssig  mehr, 
als  Richter  und  Fischer  zusammen,  da  ich  die  drey 
letzten  iviittwocnen  m  aer  rasten,  vom  l/ten  Marz 
angefangen,  drey  Concerte  im  Trattner'schen  Saale 
auf  Abonnement  gebe;  der  Preis  ist  auf  alle  drey 
Concerte  6  ü-  — ■  Im  Theater  werde  ich  dieses  Jahr 
zwey  Akademieen  geben;  nun  können  Sie  sich  leicht 
vorstellen,  dass  ich  nothwendig  neue  Sachen  spielen 
muss,  und  da  muss  man  also  schreiben.  Der  ganze 
Vormittag  ist  den  Scholaren  gewidmet,  und  Abends 
habe  ich  fast  alle  Tage  zu  spielen.  Hier  lesen  Sie 
von  allen  Akademieen,  worin  ich  spielen  muss* 

Donnerstag  den  26sten  Febr.  beym  Gallizin* 

Montag  den  isten  März  beym  Joh.  Esterhazy. 

Donnerstag  den  4ten  Marz  beym  Gallizin. 

Frey  tag  den  5t  en  März  beym  Esterhazy. 

Montag  den  8ten  März  beym  Esterhazy. 

Donnerstag  den  Uten  März  beym  Gallizin.  ' 

Freytag  den  12ten  März  beym  Esterhazy. 

Montag  den  15ten  März  beym  Esterhazy. 

Mittwoch  den  17ten  März  meine  erste  Akademie, 

•  •       Privat.  »  •»■••* 

Donnerstag  den  |8ten  März  beym  Gallizin.  ' 
Freytag  den  19ten  März  beym  Esterhazy. 
Samstag  den  20sten  März  beym  Richter. 

Sonntag  den  21«ten  März  meine  erste  Akademie  , 

...  • 

im  Theater. 

Montag  den  22sten  März  beym  Esterhazy.  '      m  \ 

Mittwoch  den  24sten  März  meine  zweyte  Privat- 
Akademie.  :   '  ' 

•  Donnerstag  den  25sten  März  beym  Gallizin.     4  . 


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Freytag  den  26sten  Marz  beym  Esterhazy. 
Samstag  den  27sten  März  beym  Richter. 
Montag  den  29sten  März  beym  Esterhazy. 
Mittwoch  den  3isten  März  meine  dritte  Privat- 
Akademie. 

Donner 8 tag  den  isten  April  meine  zweyte  Akade- 
mie im  Theater. 
Samstag  den  3ten  April  beym  Richter. 

Habe  ich  nicht  genug  zu  thun?  Ich  glaube 
nicht,  dass  ich  auf  diese  Art  aus  der  Uebung  kom- 
men kann« 

Nun  muss  ich  Ihnen  geschwind  noch  sagen,"  wie 
es  herging,  dass  ich  so  in  einem  Privatsaale  Akade- 
mieen  gebe.  Der  Ciaviermeister  Richter  giebt  näm- 
lich im  benannten  Saale  die  sechs  Samstage  Concert. 
Die  Noblesse  subscribirte  nur  mit  dem  Bemerken, 
dass  sie  keine  Lust  hätte,  wenn  ich  nicht  darin 
spielte.  Hr.  Richter  bat  mich  darum:  ich  versprach 
ihm,  drey  Mal  zu  spielen,  und  machte  auf  drey 
Concerte  für  mich  Subscription,  wozu  sich  Alles 
abonnirte.  Die  erste  Akademie  am  17ten  März  ist 
glücklich  abgelaufen;  der  Saal  war  angesteckt  voll, 
und  das  neue  Concert,  so  ich  gespielt,  hat  ausser- 
ordentlich gefallen,  und  wo  man  hinkömmt,  hört 
man  diese  Akademie  loben.  Morgen,  den  21sten  d.  M., 
hätte  meine  erste  Akademie  im  Theater  seyn  sollen. 
Fürst  Louis  Lichtenstein  giebt  aber  bey  sich  Opera, 
entführt  mir  nicht  allein  den  Kern  der  Noblesse, 
sondern  entzieht  mir  auch  die  besten  Leute  aus  dem 
Orchester.  Ich  habe  sie  also  durch  ein  gedrucktes 
Avertissement  auf  den  ersten  April  verschieben  lassen. 


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4SI 

'  " 

-  Wien,  den  10.  Aprü  i784. 

Durch  mein©  drey  Subscriptions  -  Akademieen 
habe  ich  mir  sehr  viel  Ehre  gemacht.  Auch  meine 
Akademie  im  Theater  ist  sehr  gut  ausgefallen.  Ich 
habe  zwey  grosse  Concerte  geschrieben,  und  dann 
ein  Quintett  für  Oboe,  Clarinetto,  Corno,  Fagotto 
und  Pianoforte,  welches  ausserordentlichen  Beyfall 
erhalten;  ich  selbst  halte  es  für  das  Beste,  was  ich 
noch  in  meinem  Leben  geschrieben  habe.  Ich  wollte 
wünschen,  Sie  hätten  es  hören  können!  und  wie 
schön  es  aufgeführt  wurde!  Uebrigens  bin  ich,  die 
Wahrheit  zu  gestehen,  gegen  das  Ende  hin  müde 
geworden  von  lauter  Spielen,  und  es  macht  mir  keine 
geringe  Ehre,  dass  es  meine  Zuhörer  nie  wurden. 

Den  a4.  April.  : 

Hier  haben  wir  nun  die  berühmte  Mantuanerin 
Strinasacchi,  eine  sehr  gute  Violinspielerin  5  sie  hat 
«ehr  viel  Geschmack  und  Empfindung  in  ihrem  Spiele. 
—  Ich  schreibe  eben  an  einer  Sonate,  welche  wir 
Donnerstag  im  Theater  bey  ihrer  Akademie  zusam- 
men spielen  werden.  Dann  sind  dermalen  Quartet- 
ten heraus  von  einem  gewissen  Pleyel;  dieser  ist  ein 
Scholar  von  Joseph  Haydn.  Wenn  Sie  selbige  noch 
nicht  kennen,  so  suchen  Sie  sie  zu  bekommen;  es 
ist  der  Mühe  werth.  Sie  sind  sehr  gut  geschrieben, 
und, sehr  angenehm;  Sie  werden  auch  gleich  seinen 
Meister  herauskennen.  Gut  —  und  glücklich  für 
die  Musik,  wenn  Pleyel  seiner  Zeit  im  Stande  ist, 
uns  Haydn  zu  remplaciren. 


1; 


Gelegenheit,  als  Mozart  für  die 
nasacchi  eine  Sonate  comnonirte  und  bev  ihrer  Aka- 

31 


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demie  spielte ,  gab  er  den  stärksten  Beweiss  von  sei- 
nem ausserordentlichen  Gedächtnisse» 

Diese  ausgezeichnete  Violinspielerin,  die  als 
Madame  Schlick  in  Gotha  in  herzoglichen  Diensten 
gestorben  ist,  kam  nach  Wien,  spielte  mit  allem 
Beyfalle  bey  Höfe,  und  kündigte  nun  ein  öffent- 
liches Concert  an,  wozu  ihr  Kaiser  Joseph  sein  ita- 
lienisches Hoftheater  bewilligt  hatte.  " 

•  *  •  * 

Sie  wollte  gern  auch  mit  einem  noch  unbekann- 
ten vorzüglichen  Solostücke,  und,  wo  möglich,  mit 
einem  von  Mozart,  und  neben  ihm  auftreten,  und 
ging  darum  den  Meister  um  Compositum  und  Spiel 
an.  Mozart,  gefallig  und  schnell  zur  Hand,  wie 
immer,  versprach  Beydes.  Aber,  weil  ihm  derglei- 
chen kleine  Arbeiten  zuwider  waren,  so  schob  er  die 
Arbeit  bis  am  Abend  vor  dem  Concert- Tage  aiu* 
wo  sie  endlich  ihre  Stimme  von  ihm  erpresste,  um 

*S  1  Q    cllll  X* C )  1  ^  O  II  d    1 1        0 1  XII 1 1. 1  <1 0 1 11  ^>  t. lid  1 1.  0 1 1   ZU  rvOllUCll» 

Diess  Einstudiren  geschab  jedoch  ohne  Bey  hülfe 
Mozarts.  Er  sah  die  Frau  erst  im  Concerte  wieder. 
Mozart  hatte  zwar  ihre  Partie  geschrieben ,  fand  aber 
bey  seinem  vielem  Lectiongeben  nicht  Zeit  für  die 
seinige.  Bev  der  Production  snielte  er  die  Sonate 
mit  ihr.  zum  höchsten  Entzücken  des  Publicums 
über  Com position  und  Vortrag.  Kaiser  Joseph,  der 
von  seiner  Loge  herab  auf's  Theater  lorgnirte,  glaubte 
zu  sehen,  dass  er  keine  Noten  vor  sich  hätte,  liess  ihn 
kommen,  um  die  Partitur  zu  sehen,  und  war  er- 
staunt, auf  seinem  Papiere  nichts  als  Tactstriche  zu 
finden.  „Haben  Sie  es  wieder  einmal  darauf  ankom- 
men lassen?"  sagte  der  Kaisen  • 


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\  .  ■ 

483 

■ 

Ew.  MajestSt  — ja,  antwortete  Mozart,  6a  ist 
aber  doch  keine  Note  ausgeblieben«  '* 

Hatte  Mozart  das  Stück ,  wenn  auch  nicht  ein- 
gelernt« doch  mehrmals  gespielt  gehabt«  so  hatte  er 
nicht  mehr  gewagt,  als  was  jedes  gute  Gedächtniss 
wagen  kann.  Es  musste  aber  sein  Gedächtniss  als 
ein  bewunderungswürdiges  hier  erscheinen,  weil  er 
diese  Sonate  mit  der  Virtuosin  nicht  ein  einziges 
Mal  probirt  und  es  sogar  mit  der  Violine  noch  nicht 
gehört  hatte. 

Den  24sten  May  1784  schrieb  er  unter  andern 
«einem  Vater: 

Ich  bin  nicht  im  Stande,  unter  den  beyden  Con- 
certen  ex  B  und  D  (gemacht  den  15ten  und  22sten 
März  1784)  eine  Wahl  zu  treffen.  —  Ich  halte  sie 
beyde  für  Concerte,  die  schwitzen  machen;  doch 
hat  in  der  Schwierigkeit  das  ex  B  den  Vorzug  vor  % 
dem  ex  D.  Uebrigens  bin  ich  sehr  begierig,  wel- 
ches unter  den  drey  Concerten,  B,  D  und  Gdur 
(letzles  gemacht  den  12ten  April)  Ihnen  und  meiner 
Schwester  am  besten  gefällt  f  denn  das  ex  Eb  (ge- 
macht den  9ten  Februar  1784)  gehört  gar  nicht  da- 
zu, welches  ein  Concert  von  ganz  besonderer  Art 
ist,  und  mehr  für  ein  kleines  als  grosses  Orchester 
geschrieben.  Also  ist  die  Rede  nur  von  den  drey 
Concerten,  und  ich  bin  begierig,  ob  Ihr  XJrtheil  mit 
dem  hiesigen  allgemeinen  und  auch  meinern  Urtheile 
nberein  kömmt.  Freylich  ist  es  nöthig,  dass  maii 
sie  alle  Drey  mit  allen  Stimmen  und  gut  producta  , 
hört.  Ich  Will  gern  Geduld  haben,  bis  ich  sie  wie- 
der  zurück  erhalte,  nur  dass  sie  kein  Mensch  in  die 
Hände  bekömmt;  denn  icfc  hätte  erst  heute  für  Ei- 

i 

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4*4 

\  "" 

I 

nes  24  Ducaten  haben  können;  ich* 'finde  aber,  dass 
es  mir  mehr  Nutzen  schafft,  wenn  ich  sie  noch  ein 
t>aar  Jährchen  bev  mir  behalte  und  dann  erst  durch 

den  Stich  bekannt  mache»  ;    .      \  , 

»  .  • 
»■«•    •  , 

Wien,  den  9.  Junlua  1784. 

Morgen  wird  beym  Hrn.  Agenten  Plöyer  zu 
Döbling  auf  dem  Lande  Akademie  seyn,  wo  die 
Fräulein  Babette  ihr  neues  Concert.ex  ich  das 
Quintett,  und  wirBeyde  dann  die  grosse  Sonate  auf 
zwey  Ciavieren,  spielen  weiden.  Ich  werde  den 
Paesiello,  der  auf  seiner  Rückreise  aus  Petersburg 
sich  seit  dem  May  hier  befindet  mit  dem  Wagen 
abholen,  um  ihn  meine  Composition  und  meine  Schü- 
lerin hören  zu  lassen.  —  Wenn  Maestro  Sarti  nicht 
heute  nach  Russland  hätte  wegreisen  müssen«  so 
wäre  er  auch  mit  mir  hinaus.  —  Sarti  ist  ein  recht-? 
schafFcner,  braver  Mann!  •  Ich  habe  ihm  sehr  viel 
gespielt,  endlich  .auch  Variationen  auf  eine  Arie  von 
ihm  gemacht,  woran  er  sehr  viele  Freude  gehabt  hat. 

.  Bisher  ilebte  Mozart,  ungeachtet  seines  grossen 

Ruhmes,  ohne  Anstellung,  also  ohne  bestimmte  Ein- 
künfte.  Clavier-Uhterricht  und  abonnirte  Coi^certe 
für  einen  geschlossenen*  Zirkel  des* -vornehmen  Adels 
waren- noch  4ie,:  ergiebigsten  ;Qaellen  seiner  Ein- 
künfte, wobey  sich  in  einer  Stadt,  \vie  Wien,  siebe)? 
Nichts  ersparen  Hess.  So  hatte  er  vom  Ilten  Februar 
1785  an  Subscriptions-  Concerte  auf  sechs rFFöy tage. 
Jede  Person  bezahlte  für  alle  zusammen  3  Duckten. 
Sie  waren  auf  der  Mfehlgrube.  Das  erste  von  diesen 
Concerten  war,  nach  dem  Urtheile  des  Väters^  «1er 


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/  I 

•  1 

•  <  • 

485 

* 

ihn   damals   besuchte,  unvergleichlich.  „Woifgang 
gab  (schrieb  jener 'an  seine  Tochter)  ein  neues  vor- 
treffliches CaavSer-Concert,  woran  der  Copist  noch 
gestern,  als  wir  ankamen  (am  loicn  Februar) ,  ab- 
schrieb, und- -Dein  Bruder  nicht  einmal  das  Rondo  . 
durchzuspielen  Zeit  hatte,  weil  er  die  Copiatur  nach- 
sehen  musste.    Das  Concert  geht  aus*  D  moll.  Am 
12ten  war  J.  Haydn  bey  uns.    Es  wurden  drey  der 
neuen  Quartetten  gemacht,  nämlich  aus  B,  A  und 
Cdur  (componirtldeh  9ten  November  1784,' und  den 
iOten  und  i4ten  Januar  1785).    Sie  sind  zwar  ein 
bischen  leichter,  als  die  drey  andern,  aber  immer 
vortrefflich  componirt.  Hr.  Häydn  sagte  zu  mir:  Ich 
sage  Ihnen  vor  Gott  und  als  ein  ehrlicher  *  Mann, 
dass  ich  Ihren  Sohn  für  den  gross ten  Compouisten 
anerkenne,  von  dem  ich  nur  immer  gehört  habe, 
er   hat   Gesclimack  "und  besitzt  die  gründlichsten 
Kenntnisse  in  der  Composition." 
..     "Weiter  schreibt  der  Vater  seiner  Tochter: 

i 

„Am  lftten  Februar  1785  spielte  Dein  Bruder 
im  .Theater,  hey  der  Akademie  der  Sängerin  Laschi 
ein  herrliches  Concert,  das  er  für  die  Paradies  nach 
Paris  gemacht  hatte.  Ich  war  in  einer  so  guten  Loge, 
das«  ich  das  Vergnügen  hatte,  alle  Abwechselung 
der  Instrumente  so  vortrefflich  zu  hören,  dass  mir 
die  Thränen  in  die  ' Augen  kamen.  Als  Dein  Bru- 
der weggüig,  machte  ihm  der  Kaiser  mit  dem  Hute 
in  der  Hand;  ein  Compliinent,  und  rief:  .Bravo, 
Mozart l.  Beym  Herauskommen  zum  Spielen  war 
ihm  ohnehin  zugeklalscht  worden." 
.  „Am  I4ten  spielte  Dein  Bruder  abermals  ein 
Concert  im  Theaterj  es  ist  alle  Tage  Akademie. 

.  *         Digitized  by  Google 


ßo  auch  am  lo^-^üj        1-Jein  i  "üx  udor  dclS  II  tue  grosse? 
Concert  ex  D  magnifique  spielte**' 

„Den  2isten  Februar:  Ich  bin  in  Deines  Bru- 
ders zweyter  Akademie  gewesen,  die  abermals  herr- 
lich war.   Heute  spielte  er  beym  Grafen  Ziejhy." 

„Den  12tenMärz:  Dein  Bruder,  der  auch  einen 
Abend  im  Theater  hatte,  machte  559  £L,  welche  wir 
nicht  vermutheten,  da  er  eine  aus  über  150  Perso- 
nen  bestehende  Subscriptions- Gesellschaft  hat,  und 
sich  so  .  oft  im  Theater  bey  Anderer  Akademieen 
aus  Gefälligkeit  hat  hören  hassen."  r  • 

„Deines  Bruders  F.  P.  Flügel  ist,  seit  ich  hier 
bin,  wenigstens  zwölf  Mal  ins  Theater  oder  zum 
Fürsten  Kauniz,  Grafen  Zichy  etc.  getragen  worden." 

„Er  hat  ein  grosses  F.  P.  Pedal  machen  lassen, 
das  unter  dem  Flügel  steht,  um  drey  Spannen  län- 
ger und  erstaunlich  schwer  ist."  , 

„Torriceila  sticht  einen  von  Deinem  Bruder  ge- 
machten Ciavierauszug  der  Entfuhrung,  aber  Dein 
Bruder  hat  ihn  noch  nicht  ganz  fertig  gemacht.  Drey 
Sonaten  sind  bey  T.  heraus,  davon  nur  eine  mit 
Violine."         .  .        •  •      •  ■ 

„Nun  ist  geschehen ,"  schrieb  der  Vater  an  seine 

nem  Sohne  vorher  gesagt  habe.  Die  Entführung  aus 
dem  Serail  ist  in  Augsburg  im  Clavierauszuge  bereits 
erschienen,  auch  in  Mainz  gestochen.  Seit  dem  März, 
wo  er  anfing,  hat  mein  Sohn  nicht  fertig  werden 
können.  Er  hat  die  Zeit,  und  Torriceila  die  auf- 
gewandten Kosten  verloren." 

In  dieser  Zeit  (Frühling  1785)  schienen  Mozart's 
Umstände  die  besten  jemals  gewesen  zu  seyn,  oder 


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4*7 


w«r  er  wenigstens  die  meiste  Einnahme  gehabt 
Der  Vater  schrieb  am  19ten  März  seiner  Tochter: 

„Ich  glaube ,  dass  mein  Sohn,  wenn  er  keine 
Schulden  zu  bezahlen  hat,  jetzt  2000  fl.  in  die  Bank 
legen  kann:  das  Geld  ist  sicher  da,  und  die  Haus- 
wirthschaft  ist,  was  Essen  und  Trinken  betrifft,  im 
höchsten  Grade  öconomisch." 

Den  28s ten  Decbr.  1785  schrieb  Mozart  seinem 
Vater,  dass  er  in  Eile  3  Subscriptions-Akademieen 
von  120  Subscribenten  gegeben  und  dazu  ein  Clavier- 
Concert  aus  Cmoll  gemacht  hatte,  wo  er  das  An- 


••  Es  ist  schon  erwähnt,  dass  Mozart  in  dieser  Pe- 
riode die  schönsten  Sachen  für  das  Ciavier,  Sonaten 
mit  und  ohne  Begleitung,  Concerte  etc.  schrieb.  Im 
Jahre  1785  gab  er  die  seinem  Freunde,  dem  Kapell- 
meister Joseph  Haydn  dedicirten  sechs  Quartetten 
iin  Stich  heraus,  wovon  die  Dedication  wälsch  und 
deutsch  folgende  ist: 

Sei   Quart  etti. 
per  due  Violini,  Viola,  e  Violoncello. 

Cotnposti  e  dedicati  al  Signor 

GIUSEPPE  HAYDN, 
Maeatro  Ji  Capella  di  0.  A.  U  Principe  d'EatcrWy  etc.  elc. 

Dal  suo  Antico 

W.  A.  Mozart. 

Optra  X. 

In  Vicnna  preaao  Artaria  et  Comp.  etc. 

}<'-,<  JL  6.  jo  Xr. 

•  _ 

AI  rnio  caro  amico  Haydn, 
Un  padre,  avendo  risolto  di  niandare  i  suoi  ßgli 
nel  gran  mondo,  stimo  doverli  aßdare  alla  protes- 


uigiiizeo 

i 


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488 

zione,  e  condotta  (Tun  uamo  mollo  cilehre  in  altera, 

m 

il  muilß  ner  huonci  sorte  era  di  niu  il  suo  mepliore 
amico.  —~  Eccoli  dcl  pari,  uom  cc  lehre  cd  amico 
mio  carissimo,  i  sei  mei  figlu  — -  JEm  sono,  e1  vero, 
il  frutto  di  una  lunga,  e  laboriosa  fatica,  pur  ta  «pe- 
ranza  fatta  mi  da  piu  amici  di  pederla  almeno  in. 
parte  compensita  m'incoraggisce ,  e  mi  lusinga,  che 
queati  parti  siano  per  essermi  un  giorno  di  quelclie 
consolazione.  Tu  stesso,  amico  carissimo,  nell'  ulti-  ' 
mo  tuo  sog  giorno  in  questa  capitale,  me  ne  dimc— 
strasti  la  tua,  saddisfazione.  —  Questo  tuo  suffra- 
gio  mi  anima  sopra  tutto,  per  che  io  se  Ii  raccom- 
mandi  e  mi  fa  sperare,  die  non  si 
UUto  indegni  del  tuo  favore.  — 
accoglierli  benignamente,  ed  esser  loro  Padre,  Guida 
ed^  Amico.  Da  questo  momento  Jo  ti  cedo  i  nüei 
diritti  sopra  di  essiti,  supplico  perb  di  guardare  coa 
indulgenza  i  difettij  che  Vocchio  parziale  di  Padre 
mi  puo  aver  celati,  e  di  continuar,  loro  malgrado, 
la  generosa  tua  Amicizia  a  chi  tanto  Vapprezza. 
Mentre  tono  di  tutto  cuoro 

Vi  una,  il  suo  tinccrissimo  amico 

il        Setiembre  1785.  fV.  A.  Mozart. 


Meinem  theuren  Freunde  Haydn! 

Ein  Vater,  der  bestimmt  hatte,  seine  Kinder  in 
die  grosse  Welt  zu  schicken,  glaubte  sie  vertrauen 
zu  müssen  dem  Schutze  und  der  Leitung  eines  da- 
mals sehr  berühmten  Mannes,  der  glücklicher  Weise 
noch  dazu  sein  bester  Freund  war.  Sieh  hier,  be- 
rühmter Mann  und  theuerster  Freund,  meine  sechs 

t 

1 


* 


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489 

Kinder.  Sie  sind,  es  ist  wahr,  die  Frucht 
gen  und  mühsamen  Arbeit;  dach  die  Hoffnung,  wel- 
che mehre  Freunde  mir  geben,  diese  Arbeit  zum 
Theil  wenigsten«  vergolten  zu  sehen,  giebt  mir  Muth 
und  schmeichelt  mir,  dass  diese  Kinder  einst  mir 
zu  einigem  Tröste  gereichen.  Du  selbst,  theuerster 
Freund,  hast  mir  bev  Deinem  letzten  Aufenthalt  in 
dieser  Hauptstadt,  Deine  Zufriedenheit  bezeigt«  Die- 
ser Dein  Beyfall  ermuthigt  mich  vor  Allem,  sie  Dir 
zu  empfehlen,  und  lässt  mich  hoffen,  dass  sie  Dei- 
ner Gunst  nicht  ganz  unwürdig  seyn  werden.  Es 
möge  Dir  daher  gefallen ,  sie  gütig  aufzunehmen  und 
"^^citcr j  1  liIixcx  und  "i?  i  cLind  zix  .  "^/^on  dxcp  ^ 

sem  Augenblicke  an  trete  ich  Dir  meine  Rechte  über 
sie  ab,  bitte  Dich  aber,  mit  Nachsicht  die  Fehler  zu 

Auge  des  Vaters 

mir  verborgen  haben  kann,  und  ungeachtet  dersel- 
ben Deine  edle  Freundschaft  dem  zu  erhalten,  der, 
sie  so  sehr  schätzt*      •  • . ,  .  . 

Indessen  bin  ich  von  ganzem  Herzen  etc. 


Diese  Dedication  an  J.  Haydn  ist  somit  die  Hul- 
digung eines  Genie's  gegen  ein  Genie!  Ein  schöner, 
seltner,  vielleicht  einziger  Zug  (wo  giebt's  Exem- 
pel? — )  seines  Hochachtungsgefuhls  für  diesen  gros- 
sen Mann.  Mit  keinem  Werke  hätte  er  Haydn  bes- 
ser ehren  können,  als  mit  diesem  Schatze  der  schön- 
sten Gedanken,  diesem  Muster  einer  vollendeten 
Quadro  -  Composition.  In  den  Augen  des  Kenners 
ist  sie  so  viel  werth,  als  jede  seiner  Opern.  Alles 
darin  ist  —  wie  freylich  überhaupt  in  allen  seinen 
neueren  classischen  Werken  —  durchdacht  und  voll- 


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...490 

endet.  Man  sieht  es  den  Quartetten  an,  dass  sie  ttm  ' 
J.  Haydn's  Beyfall  buhlten.   Für  diese  sechs  Quar- 
tetten erhielt  er  von  Artaria  100  Ducaten. 

•  Diese  Quartetten  hatten  hie  und  da  ein  sonder- 
bares Schicksal.  Als  Artaria  sie  nach  Italien  schickte, 
erhielt  er  sie  zurück,  „weil  der  Stich  so  fehlerhaft 
wäre«  Man  hielt  nämlich  dort  die  vielen  fremden 
Accorde  und  Dissonanzen  für  Sfichfehler.  Als  der 
Fürst  Grassalkowitsch  in  Ungarn  dieselben  Quartet- 
ten von  einigen  Spielern  aus  seiner  Kapelle  auffüh- 
ren liess,  rief  er  ein  Mal  über  das  andere:  Sie  spie- 
len nicht  recht!  Und  als  man  ihn  vom  Gegentheile 
.  überzeugte,  zerriss  er  die  Noten  auf  der  Stelle.  So 
warf  der  heilige  Hieronymus  Lycophrons  Cassandra 
in  die  Flammen,  mit  gleichem  Feuereifer  und  aus 
gleicher  Ursache,  —  weil  er  sie  nicht  verstand,  was 
er  offenherzig  bekannte.  Bey  Mozart's  Gegnern  war 
das  nicht  immer  der  Fall.        '  • 

l 

Stendhal  in  seinem  Leben  Rossini's  sagt: 
„Es  war  in  Italien  durchaus  unmöglich,  die  Ent- 
führung aus  dem  Serail  nur  erträglich  aufzuführen, 
weil  'das  nicht  eine  Musik  ist,  die  das  vom  zweynia- 
ligen  Singen  auffasst.  Nicht  weniger  als  sechs  M(h 
nate  brauchte  es,  .setzt  er  hinzu,  damit  die  besten 
Instrumentisten  das  erste  Finale  des  Don  Juan  im 
Tacte  spielen,  und  nicht  weniger  als  zwey  Monate, 
bis  die  Sänger  es  singen  konnten." 

In  eben  diesem  Jahre  schuf  Mozart  auch  seinen 
Davidde  penitente.  Die  Vorsteher  der  Pensions- 
Societät  für  KünsÜer-Wittwen  und  Waisen  zu  Wien 
baten  ihn  um  ein  Oratorium.  Die  Zeit  war  kurz. 
Er  nahm  das  Kyrie  und  Gloria  jener  Messe,  welche 


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I 


491 

er  1785  ans  Gelöbnis«  bey  glücklich  erfolgter 
Entbindung  seiner  .Frau  geschrieben,   und  welche 
Messe  er  vorzüglich  gern  hatte,  schrieb  eine  Arie/ 
(den  Ilten  Marz  1783)  fnr  die  OavagHerij  und  Jioch 
(den  6ten  Marz)  für  Adamberger,  und  ein  Ter- 


10  Nummern,  als:  i)  Ein  Chor  C  moll,  Andante 
moderat o ,  C;   2)  Coro  Allegro  vivace,  C  dur,  Cj 

3)  Aria  F  dur,  Allegro  aperto,  C,  für  Soprano; 

4)  Coro,  Adagio,  C,  A  moll;  ti)  D netto  für  2  So- 
prani,  {  All.  mod.  D  moll;  6)  Tenor -.Arie  B  dur. 
Andante,  i;  7)  Coro,  G  moll,  Largo,  C,  mit  dop* 
peltem  Ghore;  8)  Aria  für  Soprano,  C  moll,  An* 
dante  |  und  Allegro,  C  dur,  Q;  9)  Terzetto  für  % 
Soprani  und  Tenors,  E  moll,  Allegro,  (£;  10)  Coro* 
C  dur,  Adagio,  C,  mit  Schlussfuge,  (ß,  Allegro. 

.  j>  »••»  « ••» 

Davidde  penitente  gehört  in  Bezug  auf  seine 

Originalität,  seine  tief  gedachte,  überaus  kunstreiche 
Durchfuhrung,  dann  in  Rücksicht  seines  unermess- 
lichen  Reichthums  und  hohen  Ideenschwunges,  so 
wie  auch  in  Erwägung  der  Wahrheit  im  Ausdrucke 
und  des  hinreissenden  Stromes  der  tiefsten  Empfin- 
dungen nicht  nur  unter  die  ausgezeichnetsten  dieser 
Art,  sondern  es  ist  eine  der  schönsten  Zierden  in 
Mozart's  Künstlerkranze.  Die  Chöre  nennt  Rochlitz : 
gewaltige;  das  Requiem:  das  Wunderwerk  des 
Requiems, 

• 

- .    Im  darauf  folgenden  Jahre  1786  den  3ten  Febr* 
er  auf  Befehl  des  Kaisers  Joseph  für  Schön- 


Operette,  bestehend  aus  Ouvertüre,  zwey  Arien, 


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492 

Terzett  und  Vau  de  vi!  le 

tioiselle  Cavaglieri  und  Mr.  Adamberger.  ! 

Eben  zu  der  Zeit  machte  das  französische  Lust- 
spiel von!  Beaumarchais,  Figaro,  sein  Glück, 
kam.  auf  (ftlle  Theater.  Mozart; 
Joseph  dazu  bestimmt,  diesem  Lustspiele,  nachdem 
es  in  ein  Singspiel  umgegossen  worden,  auch  auf 
dem  italienischeil  Operntheater  durch '  seine  Musik 
Celebrität  zu  verschaffen.  Es  \*urde  in  Wien  von 
öeritelienischen  Operngesellschaft  aufgeführt.  Wenn 
es  wahr  ist,  was  man  allgemein  als  wahr  erzählt, 
und  tfas  sich  bey  so  vielen  glaubwürdigen  Zeugen 
freylich  nicht  in  Zweifel  ziehen  lässt,.  dass  die  San- 
► '  aus  Hass ,  Neid  und  niedriger  Kabale  bey  i  der 
Vorstellung .  durch  vorsätzliche  Fehler  sich 
alle  Mühe  gegeben  haben,  die  Oper  zu  stürzen:  so 
kann  der  Leser  daraus  schliessen,  wie  sehr  diese 
#action  die  Ueberlegenheit  des  Genie's  in  Mozart 
fürchtete,  und  wie  wahr  es  sey,  was  ich  kurz  vor- 
her bey  Gelegenheit  der  Entführung  aus  dem  Serail 
bemerkt  habe.  Dieser  feige  Bund  verdientloser  Meh- 

sehen  blieb  bis  an  das  frühe  Ende  des  unsterblichen 

,       .  •  ■  »•,.»•  ■ 

Künstlers  in  voller  Thätigkeit,  ihn  zu  hassen,  zu  v 


taumden  und  seine  Kunst  herabzusetzen.  Welchen 
Kampf  hatte  Mozart's  Geist  zu  bestehen ,  bis  er  voll- 
kommen  triumphirte!  '  Man  erzählt,  dass  die  Säu- 
ger durch  eine  ernste  Warnung  des  seligen  Monar- 
chen, zu  ihrer  1'flicht  gewiesen  werden  mussten,  da 
Mozart  voll  Bestürzung  zwischen  demizweyten  Acte* 
zu  ihm  in  die  Loge  kam,  und  ihn  darauf 
sam  machte. 


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493  • 

.  «  Figaros  Hochamt,  ein  Intrjguenstück ;  als  Oper 
zu  :  bearbeiten ,  ist  gewiss  kein  glücklicher  Einfall;  * 
ja,  man  darf  sagen,  ^a8S  es  de*  Natur  derselbe** 
gänzlich  widerspricht-  Beaumarchais  giebt  in  seinem 
Lustspiele  etliche  recht  artige  Bonmots,  einige  anzie- 
p  hende  Situationen  zum  Besten,  aber  für  die  Musik 

bat  er  nichts  gethan$  im  Gegen theile  verschloss  er 
ihr  beynahe  den  Weg,  indem  er  sein  Stück  zu  ei- 
ner einseitig  verständigen  und  witzigen  Beschlossen—  •  ' 
heit  ausbildete,  die  der  Musik  keines weges  zusagt* 
Mozart  nahm  vielleicht  das  Stück  nur,  weil  er  eben 
kein  anderes  hatte,  das  die  Celebrität  schon  im  Na- 
men trug,  und  er  durfte  es  schon  darauf  wagen, 
weil  einem  Genie,  wie  das  seinige,  nicht  leicht  etf 
was  unmöglich  seyn  mochte.  Er  hat  das  ganze  Stück 
verwandelt.  Aus  der  halb  nothwendigen  Beschränkt- 
heit ist  eine 

ist  Erhabenheit,  aus  der  etwas  seichten  Flüchtigkeife 
.  ein  tiefes  lebendiges  Leben  geworden.  Der  einzige 
Charakter,  der  auch  bey  Beaumarchais  selbst  hier  * 
und  da  einen  leisen  Anflug  von  Poesie  zeigt,  ist  der 
Page 5  aber  es  fehlt  denn  doch  noch  gar  viel,  um 
ihn  rein  ansgeiuhrt,  klar  und  vollständig  nennen  zu 
düiipiv  ^Wej^hhflit*  Ja  sogar  ein  wenig  Weichlich- 
keit  durfte  immer  ein  Jlauptzug  im  Charakter  dieses 
>  innren  Tutti  -  l^iebhabei»  seyn.    Nur  hät*e  Beau-i 

marchais  ihn  nicht  noch  überdrein  mit  Oberflächlich-*? 
keit  versetzen,  und  überhaupt  dem  Principe  des  ge-r 
WÖhnlifOien  Gallicism  wehren  sollen.  Was  Mozart 
aus  diesem  Pagen  gemacht,  ist  besser  zu  fühlen  als  . . 
auszusprechen.  Spllte  keiner  dieser  Accorde  Göthe 
umschwebt  haben ,  als  er  $ie  Miguon  schuf  ? 


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Le  nozze  di  Figaro  ist  ein  Hauptwerk  Mozart'*, 
das  er  später  selbst  sein  Lieblincskind  nannte,  dem 
jetzt  endlich  —  nachdem  er  verweset  —  die  ganze 
Welt  Gerechtigkeit  widerfahren  lässt  —  dieser  köst- 
liche Blumengarten  ,  worin  Alles  Geist  und  Gefühl, 
Anmuth  und  Schönheit,  Alles,  wie  oft  er  neu  eröff- 
net werde,  jung  und  frisch,  blühend  und  duftend  ist; 
den  in  seiner  Art  nichts  gleich  Vortreffliches  zu  be- 
sitzen, sogar  das  auf  Vergangenes  stolze  Italien,  das 
auf  Eigenes  einbilderische  Frankreich,  das  den  Frem- 
den abholde  England  eingesteht«  Diese  Oper  ist 
eine  wahre  Perle,  eine  unerschöpfliche  Fundgrube 
und  Modell  für  alle  Compositionen  dieser  Art«  Nie 
•werde  ich's  unternehmen,  auch  nur  das  erhabene 
Finale  desselben  zu  zergliedern.  Ein  Buch  würde 
nicht  hinreichen,  die  Schönheiten,  die  es  enthalt, 
auszuzeichnen.  In  dem  Eingangs -Duette,  wo  Figaro 
das  Cabinet  ausmisst,  und  in  dem  von  der  Gräfin 
Susanna  dictirten  Briefe  spricht  das  Orchester,  es 
singt,  wird  dramatisch,  trägt  die  Melodie,  den 
Hauptgesang,  und  supplirt  die  Leidenschaft  des  Sän- 
gers. (Castil  Blaze.) 

Die  italienischen  Opern  Mozart's  (sagt  von  Sonn- 
kithner)  konnten  bey  uns  Wienern  lange  den  Bey- 
fall  nicht  erringen,  den  ihnen  jeder  Kenner  immer- 
fort geben  wird,  weil  sie  von  dem  Gange  der  ge-* 
wohnlichen  italienischen  Opern  rfbwichen,  an  die 
wir  gewöhnt  waren.  • 1  • 

Am  Ilten  November  1785  schreiht  Mözart's 
Vater  an  seine  Tochter:  : 

„Endlich  habe  ich  einen  Brief  von  zwöf  Zeilen 
von  Deinem  Bruder  erhalten.    Er  bittet  um  Ver- 


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4M 

seümngj  weil  er  über  Hals  und  Kopf  U  nozse  <K 
Figaro  fertig  machen  muss.  Um  den  Vormittag 
frey  zu  haben ,  hat  er  alle  seine  Scholaren  auf  den 
Nachmittag  verlegt.  —  An  der  Musik  zweifle  ich 
nicht*  Aber  es  wird  ihm  viel  Laufen  und  Disputie- 
ren kosten,  bis  er  das  Buch,  welches  wirklich  aus 
dem  Lustspiele  vieler  Veränderung  bedarf,  sa  eh*» 
gerichtet  bekömmt,  wie  er  es  zu  seiner  Absicht 
wünscht«  Jbir  wird  bisher  nach  sejner  schonen  Ma- 
nier immer  aufgeschoben  und  sich  Zeit  gelassen  ha- 
ben: nun  muss  er  mit  Ernst  daran,  weil  er  vom 
Uberkammerer  gedrängt  wird« 

•  *  • 

Dieses  witzigste  aller  witzigen  französischen  Lust- 
spiele  ist  von  Mozart  behandelt  worden ,  als  wäre 
es  das  leidenschaftlich  gemüthvollste  aller  spanischen 
dramatischen  Poesie,  '  An  die  Stelle  der  von  den 
handelnden  Personen  jedes  Mal  nur  in  der  Reflexion 
und  Ironie  aufgefassten  Situation  ist  in  der  Musik 
die  Aeusserung  der  Leidenschaft  selbst  getreten,  wel- 
che diese  Personen  gezeigt  haben  würden,  wenn  sie 
statt  witzige,  gemüthsvolle  Menschen  gewesen  wa- 
ren. Bey  der  in  ihrer  Art  einzigen  Arie  (Nur  zu 
flüchtig  bist  du  u.  s.  w.)  scheinen  alle  Genien  der 
Harmonie  dem  Mozart  beygestanden  zu  haben« 

Figaro's  Hochzeit  war  in  demselben  Jahre  in 
Wien  geschrieben  und  aufgeführt,  als  Una  com  rara 
von  Martin,  der  diese  Oper  in  "Wien  componirte 
und  selbst  dirigirte.  Una  cosa  rara  machte  grosses 
Glück.  Mozart's  Figaro  gefiel  zwar  allerdings  auch; 
doch  (in  den  ersten  Jahren)  machte  er  nicht  Furore. 
Kaiser  Joseph  hatte  ihn  sehr  Heb  und  zog  ihn  allen 

• 

■ 

i 

■ 

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496 

früheren  Opern  Mozart's  bey  weitem  vor  5  dieser 
gleichfalls« 

Um  mit  Clementi  alternirend  zu  spielen,  hatte 
Mozart  sich  exercirt,  sonst  that  er  es  nie.  Diess  als 
vorläufige  Anmerkung  zum  folgenden  DittersdorFs 
eigenen  Berichte  von  einem  Gespräche  mit  Klaiser 
Joseph  im  Jahre  1786»  • 

Der  Kaiser.  Wie  gefallt  Ihnen  Mozart's  Spiel? 
-  *  Ich.   Wie  es  jedem  Kenner  gefallen  muss. 

K.  Einige  ziehen  Clementi  dem  Mozart  vor. 
Ihre  Meinung? 

*  /.  In  Clements  Spiele  herrscht  viel  Kunst  und 
Tiefsinn,  in  Mozart's  nebst  Kunst  und  Tiefsinn  aus- 
serordentlich viel  Geschmack. 

*      •  • 

K.   Das  sage  ich  auch.  Was  sagen  Sie  zu  Mo- 

* 

zart's  Composition? 

/.  Er  ist  unstreitig  ein  grosses  Original- Genie, 
und  ich  habe  noch  keinen  Componisten  gefunden, 
der  einen  so  erstaunlichen  Reichthum  an  neuen  Ge- 
danken besasse.  Ich  wünschte,  er  wäre  nicht  damit 
f  * 

so  verschwenderisch.  Er  lässt  den  Zuhörer  nicht  zu 
Athem  kommen:  denn  kaum  will  man  einem  Ge- 
danken  nachsinnen,  so  steht  schon  wieder  ein  ande- 
rer  da,  der  den  erstem  verdrängt,  und  das  geht 
immer  in  einem  fort,  so  dass  man  am  Ende  keine 
dieser  wahren  Schönheiten  im  Gedächtnisse  aufbe- 
wahren kann.  '  .  . 

K.  Wahr.  Nur  in  Theaterstücken  dünkt  mich, 
dass  er  öfters  zu  viele  Noten  anbringt-,  worüber  die 
Sänger  sich  sehr  beklagen.  : 

I.  Wenn  man  aber  die  Gabe  besitzt,  durch 
Harmonie  und  Geschicküchkeit  im  Begleitungsspiele 


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I 


I 


•  * 

den  Sänger  doch  nicht  zu  verdecken,  so  halte  ich 
das  für  keinen  Fehler. 

K» .  DUtitiguo.  Wenn  man  die  Gabe  besitzt, 
die  Sie  in  Ihrem  Hiob  gezeigt  haben.  —  Hören  Sie. 
Ich  habe  zwischen  Haydn  und  Mozart  eine  Parallele 
gezogen.  Ziehen  $ie  auch  eine^  damit  ich  sehe,  ob 
sie  mit  meiner  übereinstimmt. 

,    J.  Wenn  es  seyn  muss,  bitte  ich  Ew.  Majestät, 
mir  eine  Urfrage  zu  erlauben, 

JT.   Auch  das* ,  .  .  .  ,  K  .  . 

,  I.   Was  ziehen  Ew.  Majestät  für  eine  Parallele 
zwischen  Klopstocks  und  Gellerts,  Werken  ? 

K.  CPoweJ  Hni!  dass  Beyde  grosse  Dichter  sind 
—  dass  man  Klopstocks  Gedichte  öfter  als  ein,  Mal 
lesen  müsse,  um  alle  Schönheiten  zu  entschleiern  — 
dass  Gellerts  Schönheiten  schon  beym  ersten  An- 
blicke ganz  enthüllt  dä  liegen. 

.  ;,  /.  Nun  haben  Ihro  Majestät  Hure  Frage  selbst 
beantwortet. 

K.  Mozart  wäre  also  Kippstock,  Haydn  Geliert? 

L  .  So  halte  ich  dafür.   ,.  '  i 

.  K.   Ich  kann  nichts  einwenden. 

J.  Darf  ich  so  kühn  seyn,  um  die  Parallele 
Ew.  Majestät  zu  fragen?     ...  ■ 

JC.  Ich  ;  vergleiche  Mozart's  Composition  mit 
einer  goldenen  Tabatiere die-  in  Paris  gearbeitet, 
und  Haydn,'s  mit  einer,  die  in  London  verfertigt  ist. 
Beyde  schön,  die  erste  ihrer  vielen  geschmackvollen 
Verzierungen,,  jh>  zweyte  ihrer  Simplicität  und  aus- 
nehmend schönen  Politur  wegen.  Auch  hierin  sind 
wir  fast  eiuerley  Meinung.  ,  „ 

.»  •  - — '  .  .  .  • 

32 


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498 

« 

Mozart  gründete,  in  Prag  durch  die  Production 
seine*  Figaro,  Don  Juan;  Cosl  fan  tutte  und  Cl#- 
menza  di  Tito  seinen  Ruhm ,  der- von  dort  aus  durch 
ganz  Deutschland  erscholl  und  sich  in  die  übrigen 
Staaten  Europa'*  verbreitete.  Er  selbst  hat  sich  oR 
geäussert:  „Die  Böhmen  sind  es,  die  mich  ver- 
stellen" '  '  *" 

Als  vor  3f7  Jahren  Abbate  da  Ponte  aus  Beau- 
marchais höchstwitzigem  Lustspiele  diese  allerlieb- 
ste Intriguen  -  Oper  formte,  und  Mozart  sie  mit 
eineFTondichtung  ausstattete,  Welche,  was  Melodie, 
Originalität,  Charakteristik  und  den  ächten  Conver- 
satibiisstyl  anlangt,  wohl  selbst  allen  seinen  geist- 
reichsten Theater  -  Compositionen  den  Rang  abläuft 
und  schwerlich  wohl  jemals  erreicht,  nie  aber  über-  * 
U-offen  werden  kann,  damals  ward  das  Meisterwerk 
noch  nicht  nach  Verdienst  gewürdigt.  Die  Zeiten 
haben  sich  geändert.  Mozart,  der  Einzige,  wird  nun 
verstanden,  und  mehr  bedurfte  es  ja  nicht,  dass  seine 
Künstlerkrone  in  ewig  unvergänglicher  Schone  strah- 
le. —  Aber  in  der  Ursprache  muss  man  sie  geben  und 
hören.  Er  schrieb  ja  auf  italienische  Worte.  Des 
Vortrags  Frische  und  Lebendigkeit ,  der  süssen  Lie- 
beslaute Wohlklang,  eine  scharf  accentuirte  Mimik, 
die  momentane  Pointe  sind  dabey^bei-ücksichtigt, 
welche  selbst  in  der  gelungensten  Uebersetzung  an 
Wirkung  verlieren  müssen.  Man  muss  fceine  Werke 
geben  ,  wie  des  Meisters  Genius  sie  schuf  i  auf  deutsch 
die  Zauberflöte,  die  Bntruhrung  u.  s.  w. 

Le  Nosze  di  Figaro  ist  allerdings  ein  Meister- 
stück musikalischer  Composition,  die  Frucht  einer 
kolossalischen  Genialität 5  doch  erkennt  man,  dass 


■ 


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I  • 


409 

diese  Oper  dem  ernsten  Genius  des  grossen  Ton- 
Dichter  ihm  nicht  das  leichtfertigste,  von  ewigen 
Incidenzen  und  Schlüpfrigkeiten  durchwebte  Product 
jiaite  aaruieien,  wenigstens  in  seiner  r>earDenung  es 
]iatte  kürzer  halten  aollen«  Selbst  die  Musik  der 
Opera  buffa  muss  überhaupt  ihre  Haltpunkte  haben, 
ohne  welche  sie  verfliegt  oder  langweilig  wird. 

Mozart'a  Vater  achrieb  an  seine  Tochter  im 
April  1786: 

„Am  28sten  April  (den  Josten  April  hatte  er  es 
nach  Anzeige  seines  eigenhändigen  Katalogs  rein 
vollendet)  geht  le  nozze  di  Figaro  zum  ersten  Male 
in  die  Seena.  Es  wird  viel  seyn,  wenn  er  reüssirt, 
denn  ich  weiss,  dass  er  erstaunlich  starke  Kabalen 
wider  sich  hat»  Salieri  mit  seinem  ganzen  Anhange 
wird  wieder  suchen,  Himmel  und  Erde  in  Bewe- 
gung zu  setzen.  Duscheck  sagte  mir  neulich,  dass 
Dein  Bruder  so  viele  Kabalen  wider  sich  habe,  weil 
er  wegen  seines  besondern  Talents  und  Geschicklich- 
keit  in  so  grossem  Ansehen  stehe."  .  . 

Und  am  18ten  May:  „Bey  der  zweyten  Auf- 
führung der  Nozze  di  Figaro  in  Wien  syid  fünf 
Stücke,  und  bey  der  dritten  sieben  Stücke  repetirt 
worden,  worunter  ein  kleines  Duett  drey  Mal  hat 
müssen  gesungen  werden." 

Sein  Honorar  für  Le  nozze  di  Figaro  war  in 
Wien  nach  dem  Gebrauche  der  Ertrag  der  dritten 
Vorstellung,  der  gering  gewesen  seyn  muss  5  denn 
die  Oper  gefiel  damals  nur  Wenigen.  Hierdurch 
gekränkt,  sagt  Rochlitz,  blieb  Mozart  bis  kurz  vor 

32* 


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500 

t  * 

seinem  Tode  entschlossen ,  für  Wien  keine  Oper 
mehr  zu  schreiben  ,  sondern  trat  in,  Verbindung  mit 
Guardasoni,  dem  sehr  unterrichteten,  aber  nach  ita- 
lienischer Weise  kärglich  steuernden  Unternehmer 
jener  kleinen  vor trefflichen  italienischen  Gesellschaft, 
die  zu  Prag,  Warschau  und  Leipzig  abwechselnd 
Opern  gab.  Dieser  zahlte  für  jede  100  Dücaten,  mit 
Vorbehalt  der  Partitur  für  sich.  So  entstanden  Don 
Juan,  Cosl  fan  tutte  und  Clemenza  di  Tito.  Die 
Stände  bezahlten  diese.  Von  jenem  Entschlüsse 
machte  ihn  abwendig  Schickaneder,  Unternehmer, 
Director,  Dichter  und  erster  Komiker  des  Vorstadt- 

i      Ii  *  >        i  1  >  T 

Theaters  an  der  Widen  zu  Wien,  ein  kecker,  pos- 
s^rlicher,  lockerer  Zeisig. 

Prag  hatte  Mozart's  Meisterstücke  schon  lange 
verehrt,  und  dort  vielleicht  genoss  er  des  Ruhmes 
schon  in  seinem  Leben,  der  dem  Unersetzlichen 
nach  seinem  Tode  überall  zu  Theil  wurde.  Das 
Prager  italienische  Theater  hat  indessen  in  dieser 
Rücksicht  die  italienischen  Operisten  in  Wien  be- 
schämt. "  <:      1         /  i  •       v.  ....  ..: 

So  wie  jedes  Mozart'sche  Werk  in  Böhmen  nach 
seinem  wahren  Wertlie  erkannt  und  geschätzt  wurde : 
so  geschah  es  auch  mit  der  öper:  Lb  nozze  di  Fi- 
garo. Sie  wurde,  '  erzählt  Nierrftscliek ,  im  Jahre 
1786  Von  der  Bondini'schen  Gesellschaft  in  Prag  auf 
das  Theater  gebracht  und  gleich  bey^  der  ersten  Vor- 
stellung mit  einem  Beyfall  aufgenommen,  der  nur 
mit  demjenigen,  welchen  die  Zauberflöte  nachher 
erhielt,  verglichen  werden  kann.  Es  ist  die  strengste 

Wahrheit,  wenn  ich  sace.  dass  diese  Oner  fast  ohne 


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501 


Unterbrechung  diesen  ganzen  Winter  gespielt  Ward, 
und  das*  sie  den  traurigen  Umständen  des  Unter- 
nehmers vollkommen  aufgeholfen  hatte.  Der  Enthu- 
siasmus, den  sie  bey  dem  Publicum  erregte,  war 
bisher  ohne  Beyspielj  man* konnte  sich  nicht  genug 
daran  satt  hören,  Sie  wurde  bald  von  einem  unse- 
rer besten- Meister ,  Herrn  Kucharz,  in  einen  guten 
Ciavierauszug  gebracht,  in  blasende  Parthieen,  ins 
Quintett  für  Kammermusik,  in  deutsche  Tänze  ver- 
wandelt; kurz,  Figaro's  Gesänge  wiederhallteh  auf 
den  Gassen,  in  den  Gärten,  ja  selbst  der  Harfenist 
auf  der  Bierbank  musste  sein  Non  piü  andrai  tönen 
lassen,  wenn  ejc  gehört  werden  wollte.  Diese  Er- 
scheinung hat  fr ey lieh  grösstenteils  in  der  Vor- 
trefflichkeit des  Werkes  ihren  Grund  5  aber  nur  «in 
Publicum,  welches  so  viel  Sinn  für  das  wahre  Schöne 
in  der  Tonkunst  und  so  viel  gründliche  Kenner 
unter  sich  besitzt,  konnte  den  Werth  einer  solchen 
Kunst  auf  der, Stelle  empfinden;  dazu  gehört  auch  das 
unvergleichliche  Orchester  der  damaligen  Op«;,  welT 
dies  die  Ideen  Mozart's  so  genau  und  fleissig  auszu- 
fuhren verstand.  Denn  auf  diese  verdienten  Männer, 
die  zwar  grösstenteils  keine  Concertisten,  aber  desto 
gründlichere  Kenner  und  Orchester -Subjecte  waren, 
'machte  die  neue  Harmonie,  und  der  feurige  Gang 

des  Gesanges  den  ersten  und  tiefsten  Eindruck.  Der 

.  •  •        «   •         •  • 

'nunmehr-  verstorbene  ruhmlich  bekannte  Orchester- 
Director  Strobach  versicherte  oft,  dass  er  sammt  sei- 
nem Personale  bey  der  jedesmaligen  Vorstellung  so 
•sehr  ins  Feuer  gerat  he,  dass  er  trotz  der  mühsamen 
Arbeit  mit  Vergnügen  von  vorne  wieder  anfangen 
t  würde.  -  ... 


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9 


am  » 

Die  Bewunderung  für  den  Verfasser  dieser  Mu- 
sik  ging  so  weit,  dass  einer  unserer  edelsten  Cava- 
liere  und  Kenner  der  Musik,  Graf  Johann  Joseph 
Thun,  der  selbst  eine  vortreffliche  Kapelle  unter- 
hielt, ihn  nach  Prag  zu  kommen  einlud,  und  ihm 
Wohnung,  Kost  und  alle  Bequemlichkeiten  in  sei*» 
nem  Hause  anbot.  Mozart  war  zü  sehr  über  die 
Wirkung  erfreut,  die  seine  Musik  auf  die  Böhmen 
machte  —  zu  begierig,  eine  Nation  von  einem  sol- 
chen Musik gefühle  kennen  zu  lernen,  als  dass  er  die 
Gelegenheit  nicht  mit  Freuden  ergriffen  hätte*  Er 
kam  im  Februar  1767  nach  Prägt  am  Tage  seiner 
Ankunft  wurde  Figaro  gegeben,  und  Mozart  erschien 
darin*  Alsogleich  verbreitete  sich  der  Ruf  von  sei- 
ner Anwesenheit  im  Parterre,  und  so  wie  die  Sym- 
phonie zu  Ende  ging,  klatschte  ihm  das  ganze  Publi- 
cum Beyfall  und  Willkommen  zu. 

Mozarten  wurde  bey  dieser  Gelegenheit  in  Prag 
ein  Sonett  zu  seinen  Ehren  übergeben,  und  er  ge- 
>  wann  daselbst  durch  Musik  1000  fl. 

*  ■ 

Le  nozze  dl  Figaro  ward  sogar  mit  untergeleg- 
tem  wieder  ins  FraozSsische  übersetztem  Texte  zu 

seiner  Musik  1793  iu  Paris  aufgeführt.  — 

-  • 

Ries  hat  in  London  eine  grosse  Phantasie  über 
Ideen  aus  dem  Figaro  stechen  lassen,  so  wie  Andreas 
Romberg  ein  Potpourri  für  Violine  nach  Melodieen 
aus  Don  Juan  herausgegeben  hat. 

Figaro  machte  erst  wenig  Glück.  Besonders  sagte 
man  i  Die  Musik  ist  für  eine  komische  Oper  zu  schwer 
und  zu  weit  ausgesponnen.  Eben  so  sey  es  mit  Don 
Juan.  Die  Musik  ist  für  eine  romantische  Oper  zu 


i 


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eelehrt.    zu  vollgestopft  von  künstlich  gearbeiteter 

Harmonie.  ,  . 

Aber  der  Geist,  aus  dem  sie  beyde  gequollen, 
der  sie  beyde  erfüllt,  mit  dem  beyde  vollendet  sind, 

»x  .... 

ist  vom  ersten  Augenblicke  ihres  Erscheinens  selbst 
von  des  Meisters  Feinden  anerkannt  worden. 

Wenn  der  Geist  da  ist,  und  Dichter  und  Com- 
^  ponist  sogar  zugleich  das  Pünktchen  in  Hinsicht  »auf 
herrschenden  Zeitgeschmack  und  mitwirkende  Zu- 
fälligkeiten treffen,  dann  macht  das  Werk  sqgleich  • 
Glück,  und  zwar  um  Beyder  willen,  Diesa  war  der 
Fall  später  mit  der  Zauberflöte.  , 

.  Mozart  liess  sich  dann  auf  allgemeines  Verlangen 
iu  einer  grossen  musikalischen  Akademie  im  Opern-» 
Üieater  hören.    Nie  sah  man  noch  das  Theater  so 
voll  Menschen  ^  als  bey  dieser  Gelegenheit;  nie  ein 
stärkeres  einstimmiges  Entzücken,  als  sein  göttliches 
Spiel  erweckte.    Wir  wussten  in  der  That  nicht, 
was  wir  mehr  bewundern  sollten,  ob  die  ausser wv 
deutliche  Composition,   oder  das  ausserordentliche 
Spiel;  Beydes  zusammen  bewirkte  einen  Total-Ein- 
druck  auf  unsere  Seelen,  welcher  einer  süssen  Be- 
zauberung glich!    Aber  dieser  Zustand  lösete  sich 
dann,  als  Mozart  zu  Ende  der  Akademie  au£  dem 
Pianoforte  mehr  als  eine  halbe  Stunde  pbantasirte, 
und  unser  Entzücken  auf  den  höchsten  Grad  gespannt 
hatte,  in  laute,  überströmende  Beyfalls-Aeusseruiig 
auf.    Und  in  der  That  übertraf  dieses  Phantasmen 
Alles,   was  man  sich  vom  Ciavierspiele  vorstellen 
konnte,  da  der  höchste  Grad  der  Composition  mit 
der  vollkommensten  Fertigkeit  im  Spiele  vereinigt  » 
ward.   Gewiss,  so  wie  diese  Akademie  für  die  Pra- 


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504 


ger  die  eiiizige  ihrer  Art  war,  so  zählte  Mozart  die- 
seil  Tag  zu  den  schönsten  seines  Lebens. 

H   


Wiener  Allgem,  musihal.  Zeitung,  Recension  einer 
Fuge  mit  Vorspiel,  vom  Abbe'  Stadler,  im  3ten 
Hefte  des  Musee  musical  des  Clavecinistes.  Stei- 
ner und  Comp.  1818. 

• 

Der  Verfasser  beginnt  mit  einem  Vorspiele,  das 
man  eine  Phantasie  nennen  könnte.    Hier  herrscht 
die  heilige  Ordnung  der  ersten  Schöpfungstage :  Alles 
ist  so  leicht  fasslich,  so  wohl  geordnet;  ein  ruhiges, 
melodiöses  Thema,  stets  interessanter  durch  die  na- 
türlichste Harmoniefolge,   durch  den  Wechsel  cfer 
Begleitung,  das,  wie  Arachne's  Faden,  ununterbro- 
chen in  einem  fortgesponnen  ist,  nie  eine  Lücke  ge- 
wahren lässt,  sich  bey  jedem  Einschnitte  der  Rhyth- 
men gleichsam  selbst  neu  gebiert  und  verjüngt:  die 
zweckmässigste   Anwendung   und   Benutzung  aller 
contrapunktischen  Künste,   ohne  den  entferntesten 
Anstrich  von  Künsteley:  so  rieselt  diese  krystalli- 
sche  Quelle  des  Helikons  sanft  und  anspruchlos  fort. 
—  Und  so  phantasirte  auch  oft  der  verewigte  Mo- 
zart, wenn  er,  aufgefordert  zum  Spielen,  im  Kreise 
der  ihn  umringenden  Menge  nur  ein  paar  seiner 
Auserwählten  erschaute,  die  ihn  zu  verstehen  fähig, 
seinem  Geistesfluge  zu  folgen  erkohren  waren,  denen 
er  sich  nun,  unbekümmert  und  gedankenlos  für  alles 
üebrige,  ganz  hingab,  mit  ihnen  allein  nur  in  den 
Hieroglyphen  der  Tonsprache  redete,  einzig  für  sie 
im  unermesslichen  Reiche  der  Klänge  sein  volles 
Herz  ausströmte.  Beethoven  zeigt  sich  am  AUervor- 


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0 


gg 

l  licilliiftestcm.  in  der  frcyeii  Phantasie  Es  ist  wirk— 
lieh  ganz  ausserordentlich,  mit  welcher  Leichtigkeit 
und  zugleich  Festigkeit  in  der  Ideenfolge  er  auf  der 
•  Stelle  jedes  ihm  gegebene  Thema  nicht  etwa  nur  in 
den  Figuren  variirt,  sondern  wirklich  ausfuhrt«  Seit 
Mozart's  Tode,  der  mir  hier  noch  immer  das  non 
plus  ultra  bleibt,  habe  ich  diese  Art  des  Genusses 
nirgends  in  dem  Maasse  gefunden,  ab  wie  bey 
ueeuioven.      ...  , 

Gerber  sagt  über  Mozart'a  Spiel: 

Der  Geschmack  und  die  Einsicht,  womit  er  sein 
glänzendes  Talent  anwandte,  indem  die  Ueberwin- 
dung  der  Schwierigkeiten  immer  den  Regeln  der 
Harmonie  und  Melodie,  dem  Ausdrucke,  dem  Reize 
der  Neuheit  und  überhaupt  der  angenehmen  und 
schönen  Wirkung  untergeordnet  war,  entfernen  von 
ihm  den  Vorwurf,  die  musikalische  Charlatanerie, 
oder  Seiltänzerey  befördert  zu  haben.-  • 

Die  Symphonieen,  die  er  für  diese  Gelegenheit 
setzte,  sind  wahre  Meisterstücke  des  Instrumental- 
satzes,  voll  überraschender  Uebergänge,  und  haben 
einen  raschen,  feurigen  Gang,  so,  dass  sie  alsogleich  N 
die  Seele  zur  Erwartung  irgend  etwas  Erhabenen 
stimmen.  Diess  gilt  besonders  von  der  Prossen  Sym- 
phonie in  D  dur  und  Es  dur,  die  noch  immer  ein 
Lieblingsstück  des  Prager  Publicums  sind,  obschon 
sie  -wohl  hundert  Mal  gehört  waren. 

Eine  Symphonie  gehört  der  ganzen  Kunstwelt 
an,  eine  Oper  der  Nation,  in  deren  Sprache  sie  ge- 
schrieben worden.  Don  Juan  ist  kein  deutsches 
Product,  so  wenig  als  Iphigenie  in  Julis.  Man 
nenne  es  nicht  ein  Meisterstück  deutscher  Kunst  1  . 

*  m  * 

i 

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Der  O peru -Unternehmer  Bondini  schloss  zugleich 
mit  Mozart  den  Aceord  zu  einer  neuen  Oper  für  die 
Prager  Bühne  auf  den  nächsten  Winter,  welche  die- 
ser gern  annahm,  weil  er  erfahren  hatte,  wie  gut 
die  Böhmen  seine  Musik  zu  schätzen  und  auszufüh- 
ren verstanden.  Diess  äusserte  er  oft  gegen  seine 
Prager  Freunde.  Er  war  überhaupt  gern  in  Prag, 
wo  ihn  ein  gefühlvolles  Publicum  und  wahre  Freunde, 
so  zu  sagen,  auf  den  Händen  trugen.  Dem  Opern- 
Orchester  dankte  er  in  einem  Briefe  an  den  damali— 
gen  Director  S  Imbach  sehr  verbindlich,  und  schrieb 
seiner  geschickten  Ausführung  den  grössten  Theil 
des  Beyfalls  zu,  den  seine  Musik  in  Prag  erhalten 
hatte.  Dieser  Zug  seines  Herzens,  so  unbedeutend 
er  scheint,  ist  sehr  schön;  er  giebt  einen  Beweis, 
dass  Stolz,  Eigendünkel  oder  Undankbarkeit  seine 
Fehler  nicht  waren,  wie  man  es  so,  häufig  an  viel 

Damals  eilte  die  Tonkunst,  von  Mozart's  Alles 
beseelendem  Geiste  empor  gehoben,  dem  höchsten 
Ziele  zu.  Prag  ward  mit  der  Hoffnung  gekrönt,  in 
dieser  Kunst  dereinst  Europa'*  Leitstern  zu  werden. 
Die  damalige  Höhe  musikalischer  Ausbildung  dankte 
es  fast  allein  ihm,  der  leider  zu  früh  der  Kunst  ent- 
rissen wurde.  Dieser.  Orpheus,  der  Alles,  was  den 
Künstler  zur  Vollendung  führte,  in  sich  vereinigte, 
weilte  am  liebsten  im  Kreise  dortiger  Kunstvertrau-  . 
ten  und  nannte  das  Prager  Orchester  oft  das  seinige. 
Seine  Nähe  fachte  ieden  Funken  musikalischen  Ta- 
lentes  zur  hellen  Flamme  an,  die  kräftig  empor  lo- 
derte und  den  alten  Ruf  Prag's  von  Neuem  grün- 
dete.  Und  es  iat  noch  nicht  dahin  gekommen,  alle  * 


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# 


507 


su  ersticken,  die  sein  belebender  Hauch  dem 
fruchtbaren  Boden  entlockte* 

Im  nämlichen  Jahre  1787  gegen  den  Winter  kam 
Mozart  vermöge  seine«  Accordes  wieder  nach  Prag, 
und  vollendete  da  die  Krone  aller  seiner  Meister- 
werke, die  Oper:  //  dissoluto  punito,  oder  Don 
Giovanni.  Vollendet  hatte  er  sie  den  28sten  Octbr. 
bis  auf  die  Ouvertüre.  Den  4ten  November  wurde 
sie  zum  ersten  Male  gegeben.  Die  Böhmen  sind 
stolz  darauf,  dass  er  durch  eine  so  erhabene  und 
aus  der  Tiefe  seines  Genie's  geschöpfte  Musik  ihren 
guten  Geschmack  erkannte  und  ehrte.  „Don  Juan 
ist  für  Prag  geschrieben  «—  mehr  braucht  man 
nicht  zu  sagen,  um  zu  beweisen,  welchen  hohen  Be- 
griff Mozart  von  dem  musikalischen  Sinne  der  Böh- 
men hatte.  Es  gelang  ihm  auch  vollkommen ,  diesen 
Sinn  zu  treffen  nnd  zu  rühren;  denn  keine  Oper 
hat  sich  hier  in  einem  gleichen  Wohlgefallen  so 
lange  auf  dem  Theater  erhalten,  als  Don  Juan»  Es 
sind  nun  mehr  als  4l  Jahre,  seit  sie  gegeben  wird, 
uiiu  nucn  immer  noxx  mau  sie  mit  vergnügen,  nucn 
immer  lockt  sie  eine  zahlreiche  Versammlung.  Kurz, 
Don  Juan  ist  die  Lieblingsoper  des  bessern  Publi- 
cnms  in  Prag.  Als  Mozart  bey  der  ersten  Vorstel- 
lung derselben  an  dem  Ciavier  im  Orchester  erschien, 
empfing  ihn  das  ganze  bis  zum  Erdrücken  volle 
Theater  mit  einen!  allgemeinen  Beyfallklatschen. 
Ueberhaupt  bekam  Mozart  in  Prag  bey  jeder  Gele- 
genheit grosse  und  unzweydeutige  Beweise  der  Hoch- 
achtung und  Bewunderung,  welche  gewiss  ehrenvoll 
waren,  weü  nicht  Vorurtheil  oder  Mode,  sondern 
reines  Gefühl  seiner  Kunst  daran  Theil  hatte.  Man 


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konnte  man  gegen  die  Person  ihres  grossen  Schöpfers 
gleichgültig  bleiben?  — 

Die  Ouvertüre  zu  Don  Juan  ist  keine  Thüre  zu 
jeder  Oper,  sie  fuhrt  uns  nur  zu  Don  Juan  ein, 
und  ist  wie  eine  passende  Vorrede,  die  uns  über 
den  Inhalt  und  Tlan  des  Werkes  nötliigen  Aufschluss 
giebt,  nur  zu  diesem  Kunstwerke  passend  geschrie- 
ben. Kennte  man  auch  den  Inhalt  der  Oper  nicht 
näher,  man  würde  schon  hinlänglich  durch  sie  be- 
lehrt, dass  schauerlich  Ernstes  darin  mit  frevlem 
Muthwillen  in  abentheuerlicher  Mischung  abwechselt. 
So  bereitet  uns  das  Grave  schon  auf  den  grausen  In- 
halt mehrer  See  neu  vor,  auf  Mord,  Geister  -Er- 
scheinung und  Höllenfahrt.  Dagegen  entwickeln  «ich 
auch  in  dem  stufenweisen  heitern  Gange  des  Allegro 
die  lustigen  Situationen  mit  allen  ihren  Verwickelun- 
gen durch  das  ganze  Stück.  Welche  Einheit  der 
Idee. in  der  Durchführung,  welche  Klarheit,  welche 
unerreichbare  Fülle  von  Harmonie!  Wie  das. Alles 
zusammenhängt,  in  einander  greift:,  und  dabey  sich 
fliessend  fort  bewegt,  bald  in  mächtigen  rauschenden 
Strömen,  bald  in  zarteren  Wogungen  einer  glänzen- 
den Instrumentirüng,  auf  Wirkung  und  Charakter 
.gleich  vortrefflich  angelegt!  Das  nenne  ich  mir  eine 
Ouvertüre,  und  so  sind  sie  alle,  die  Mozart  zu  sei- 
nen Opern  geschrieben  hat. 

Bekanntlich  geht  die  Ouvertüre  zu  Don  Juan 
am  Ende  ruhig  in  den  Gesang  des  Leporello  über. 
Darum  setzte  der  selige  Musik  -  Director  Cannabich, 
um  sie  auch  getrennt  von  der  Oper  aufführen  zu 
können,  einen  eigenen  kräftigen  Schluss  dazu,  und 


i 


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509 

vermisst  darin  Mozart's  Geist  nicht,  denn  er 
wuaste  ihn  nnr  mit  dessen  eigenen  Gedanken  glücke 
lieh  auszuführen.         I  :  » 

Don  Juan  ist  eine  Legende  in  Pater  Kochern'« 
Geschmacke,  zu  der  Mozart's  herrliche,  nur  hier 
und  da  zu  gekünstelte  Musik  eben  so  passt,  als  Ra- 
phaels Manier  zu  den  Ideen  eines  Tenier  und  Callbfc 
Ungeachtet  das  Ganze  eine  Mönchsposse  ist,  ergriff 
mich  die  Scene  auf  dem  Kirchhofe  mit  Grausem 
Mozart  scheint  die  Sprache  der  Geister  Shakespear'h 
abgelernt  zu  haben i  Es  war  dumpfer,  schauerlicher 
Grabeston,  der  aus  der  Erde  zu  kommen  schien 5 
man  wähnte  die  Schatten  der  Abgeschiedenen/  aus 
ihren  Behältnissen  hervorgehen  zu  sehen*  1 


1  'i  t.« 


Per  geniale  Hofmann  sagt  von  Don  Juan:  „Es 
ist  e£ne  hohe  menschliche  Natur,  die,  gleich  Faust, 
vergebens  in  der  Liebe  Befriedigung  der  Sehnsucht 
zu  finden  geglaubt,  sich  nun  in  den  Strudel  des 
sinnlichen  Genusses  wirft,  zum  Teufel  der  Verfüh- 
rung wird,  und  die  Töchter  Evens  eben  so  unwider- 
stehlich anzieht,  als  die  Klapperschlange  die  kleinen 
Thiere:-  hohe  Kraft  des  Geistes  muss  sich  mit  phy- 
sischer Macht  in  dem  gefallenen  Engel  vereinen. 
Don  Juan  ist  der  Prüfstein ,  die  Wasser-  und  Feuer- 
probe  der  Operisten  und  ihrer  Begleitung.  Es  ist 
die  grösste  aller  Opern :  Handlung  und  Musik  sclirei- 
ten  unzertrennlich  fort  2  innere  Notwendigkeit  bin- 
det Uins  an  das  Andere."  .    .  „ 

Der  Triumph  des  unsterblichen  Meisters  also 
bleibt  immer  jDo/*  Juan,  besonders  wenn  man  ihn 
mit  jener  Würde  und  dem  Ernste  aufführt,  flen  das 


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Sujet  und  der  ganze  Gang  des  Poems  fordert, 
wenn  man  nicht  zuletzt,  um  ja  bey  jedem 
digen  allen  vorigen  Eindruck  zu  verlöschen,  Pater 
Kochern'«  Hölle  mit  Teufeln  in  AUongeperücken  auf 
die  Bühne  bringt. 

Don  Juan  est  Je.  plus  bei  exemple  de  la  musique 
expressive.  t  , 

„Wir  hedauern  Dich,"  aagt  die  Leipziger  Allg. 
musikal.  Zeitung,  Räuberischer  Mozart,  in  Deinen 
Bexten  Cosifan  tutte,  Figaro,  Don  Juan*)/' 

,  «  Die  Ouvertüre  von  Don  Juan  componirte  Mozart 
erst  in  der  Nacht  vor  der  ersten  Auffiihrung.  Die 
gelehrte  Dacier  hatte  den  Aristophanes  mehre  hun- 
dert Male  gelesen,  ehe  sie,  noch  immer  zu  voreilig, 
die  Behauptung  wagte,  dass  sie  ihn  nun  völlig 
stehe.  Je  öfter*  wir  diese  Oper  hören  und  in 
aufzunehmen  •streben,  desto  lebendiger  werden  wir 
\y  dass  sie  als  ein  Werk  des  Sehten,  voll- 
Genie's,  äls  eine  unehdKch  reiche,  wunder- 
bare Welt,  niemals  ganz  aus  verstanden  werden 
lönne,  sondern  immer  noch  der  fernern  Betrachtung 
neuen  Spielraum  werde  vergönnen  müssen. 

Don  Juan  erhielt  Anfangs  in  Wien  nicht  den 
verdienten  und  ausgezeichneten  Beyfall,  wie  der 
gleichzeitige  Axur,  von'Salieri,  woran  wohl  zum 


5 

noch  ausgeführt  wurde,  als  höthig  und  recht  war. 


♦)  Auch  in  dem  Don  Juan?   Die  Worte  sind  acfclecnt,  aber 
äer  J^ßnduag  Hat  das  Stück  in  nicht  ärmlichem 
Don  Juan,  wie  Fauat,  acheint  ein  für  alle  Zeitpn 
feaUtehender,  unerachöpflicher  Stoff  zu  aeyn  —  er  aelbat 
ttejit  rein  da  - 


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! 

i 

511 

Don  Juan  ist  eine  schauerlich  romantische  Volks- 
sage, von  ihrem  Schöpfer  selbst  Operä  buffa  genannt. 

■  ■  »  •  •        *  . 

Wer  ein  Beyspiel  will,  wie  Tonsetzer  mit  Glück 

malen,  der  betrachte  die  die  Welt  verlachende  und 
den  Himmel  anstürmende  Ouvertüre!  Die  der  Zau- 
berflöte nicht,  denn  diese  ist  eine  freye  Fuge,  wo- 
von  weiter  unten  bey  dieser  Oper  gesprochen  wer- 
den soll. 

»••         ■  » •        »i«  «••  •         .  <.  .  . 

Das  Sextett  im  Don  Juan  ist  das  erstaunenswer- 
theste  Prodüct,  welches  der  menschliche  Geist  in 
dem  lyrisch  -dramatischen  Style  hervorgebracht  hat* 
sagt  Castil-Blaze.         i         .  ■  .  • 

Don  Giovanni  und  Idomeneo  schätzte  Mozart 

•  ff  m  » 

unter  allen  seinen  Opern  am  höchsten.  Zwar  sind 
die  Verfasser  Terztiglicher  Werke  aller  Art  nicht 
immer  die  richtigsten  Beurtheiler  ihrer  Werke.  Sie 
bringen  vielleicht  die  darauf  verwandte  Arbeit  stär- 
ker in  Anschlag,  als  der  Kunstrichter ,  der  das  Kunst- 
werk nur  als  das,  was  es  ist,  beurtheilt;  oder-«ie 
verfertigten  das  Werk  unter  ihnen  besonders  in- 
xeressanten  umstanden,  aeren  Anaenlcen  sien  bey 
ihnen  an  das  Werk  knüpft;  dergleichen  man  auch 
von  Tizian  weiss,  der  seine  weniger  vollendeten 
Jugendarbeiten  höher  schätzte,  als  seine  gelungensten. 
Bringt  man  aber  bey  Bestimmung  des  Werthes  eines 
Kunstwerks  das  besonders  in  Anschlag,  dass  es  die 
eigenste  Individualität,  den  reinsten  und  festesten 
Charakter  des  Genius  seines  Terfassers  darstellt,  so 
ist  Mozart's  Urtheil  Über  seine  beyden  Opern  un- 
streitig das  richtigste,  was  gefallt  werden  kann. 
Dass  er  so  über  sie  urtheilte,  hörte  man  von  ihm 


4 


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« 


•512 


nur  zuweilen,  denn  er  sorach  unccrn  und  kurz  von 
seinen  Arbeiten.  Von  Don,  Giovanni  sagte  er :  Für 
die  Wiener  ist  diese  Oper  nicht,  für  die  Prager 
eher,  aber  am  meisten  für  mich  und  meine  Freunde 
geschrieben. 

Fast  unbegreiflich,  aber  zuverlässig  ist's,  dass  er 
die  Ouvertüre  dieser  Oper,  die  für  die  vortrefflichste 
von  allen,  die  er  geschrieben  hat,  anerkannt  wird, 
in  einer  Nacht,  und  zwar  in  der  Nacht  vor  der  er- 
sten öffentlichen  Aufführung  schrieb,  so  dass  die 
Copisten  kaum  bis  zur  Stunde  der  Aufführung  fer- 
tig wurden,  und  das  Orchester' sie  ohne  vorher  ge- 
haltene Probe  spielen  musste. 

Don  Giovanni  gefiel  Anfangs  in  Wien  nicht  son- 
derlich. Als.  in  Wien  in  einer  zahlreichen  Gespjl- 
scbaft,  worin  auch  Haydn  war,  viel  über  das 
Stück  gesprochen  worden  war,  und  Einige  es  aner- 
kannt hatten,  dass  es  das  schätzbarste  eines  reichen 
Genie's  und  einer  unerschöpflichen  Phantasie  wäre. 
Andere  dagegen  es  für  zu,  voll,  zu, chaotisch,  An- 
dere es  zu  unmelodisch  oder  für  zu  ungleich  gear- 
beitet  erklärt  hatten  (ürtheile,  a^  denen  irgend  et- 
was Wahres  ist),  wurde  Jos.  Haydn,  veranlasst,  zu 
sprechen.  Dieser  sagte:  Ich  kann  den  Streit  nicht 
ausmachen,  aber  das  weiss  ich  setzte  er  sehr 
lebhaft  hinzu  —  dass  Mozart  der  grösste  Componist 
ist,  den  die  Welt  jetzt  hat!  worauf  die  andern 
Kritiker  alle  schweigen  mussten, 
...  Auf  gleiche  Weise  handelte  ^lojart  auch  gegen 
J.  Haydn.  Die  sechs  Quartetten,  d}e  er  ihm  gewid- 
met hat,  gehören  unter  das  Allervorzüghchste,  was 
nicht  nur  Mozart  schrieb ,  sondern  was  überhaupt  in 


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» 


%  I 

* 

dieser  Gattung  existirt.  Seine  späteren  Quartetten 
sind  zwar  galanter,  concertir  ender;  in  jenen  aber  ist 
jede  Note  gedacht,  desshalb  müssen  sie  pünktlich 
executirt  und  keine  Figur  darf  verändert  werden«  * 
Seine  Dedication  selbst  ist  ein  schöner  Beweis  seiner 
Bescheidenheit  und  seiner  innigen  Verehrung  Haydn's. 
„Das  war  Schuldigkeit,  —  sagte  er  —  denn  ich  habe 
von  Haydn  erst  gelernt,  wie  mau  Quartetten  schrei-« 
ben  müsse." 

Nie  sprach  Mozart  ohne  Achtung  von  Haydrt, 
wenn  gleich  Beyde  an  einem  Orte  lebten,  nnd  es 
an  Veranlassungen  zu  gegenseitiger  Eifersucht  gar 
nicht  fehlte. 

Ein  gewisser,  damals  erst  bekannt  werdender, 
nicht  ungeschickter,  fleissiger,  aber  ziemlich  genie- 
armer Componist,  der  erst  spater  nach  Mozart's  Tode 
mehr  Ruf  gewonnen,  nagte  immer  nach  Möglichkeit 
an  Haydn's  Ruhme,  und  that  es  wahrscheinlich  noch  , 
später  auch*  Dieser  Mann  überlief  Mozarten  oft, 
brachte  ihm  z.  B.  Symphonieen,  Quartetten  von 
Haydn's  Composition,  hatte  sie  in  Partitur  gesetzt, 
nnd  zeigte  nun  Mozarten  mit  Triumph  jede  kleine 
Nachlässigkeit  im  Style,  welche  jenem  Künstler, 
wiewohl  selten,  entwischt  war,  Mozart  wendete  im- 
mer  so  ein  Gespräch  ab.  Endlich  wurde  es  ihm 
aber  zu  arg.  — •  Herr  —  sagte  er  äusserst  heftig  — 
und  wenn  man  uns  Beyde  zusammenschmilzt,  wird 
doch  noch  lange  kein  Haydn  daraus/  — • 

So  haben  immer  wirklich  grosse  Männer  anderen 
grossen  Männern  ihr  Recht  widerfahren  lassein  Nur 
wer  heimlich  sich  selbst  schwach*  fühlt,  sucht  dem, 
der  über  ihn  steht,  eine  Schwäche  abzulauern,  um 

33 

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I 

514 

■ 

i 

i 

ihn,  wenn  es  möglich  wäre,  zu  sich  herabzuziehen, 
weil  er  sicli  zu  ihm  zu  erheben  unfähig  ist. 

„Möchte  es  doch  (sagt  der  Sammler  in  Gratz 
vom  25stenJuly  1818)  der  Hoftlieater-Direction  ge- 
fallen, uns  dieses  Meisterwerk  nach  der  Original- 
Partitur  hören  zu  lassen,  wo  hinter  der  Katastrophe 
mit  Don  Juan  noch  ein  schönes  Duett  und  ein  herr- 
licher fugirter  Schluss-Chor  folgen.  Die  Sclwulusti- 
gen,  um  derentwillen  man  früher  das  jetzige,  damals 
auch  zweckmässige*)  Ende  wählte,  besuchen  diese 
Oper  nicht  mehr,  und  die  Verehrer  von  Mozart's 
Genius  würden  eine  solche  restitutionem  in  integrum  • 
nur  mit  freudigen  Gefühlen  aufnehmen."  * 

.  Die  Musik  soll  nicht  erzählend  seyn.  —  Ja, 
wenn  die  Erzählung  gedrängt  und  leidenschaftlich 
ist,  und  vom  Componisten  mehr  in  recilaüvischer, 
als  Arien- Schreibart  gesetzt  wird,  kann  sie  grossen 
Effect  thun.  Man  erinnere  sich  z.  B.  an  die  Scene 
im  Don  Juan,  wo  Donna  Anna  ihrem  Geliebten  den 
Mord  ihres  Vaters  und  die  vorhergehenden  Angriffe 
auf  ihre  Person  beschreibt. 

Don  Juan,  die  Oper  aller  Opern,  ist  der  Schlüs- 
sel, mit  dem  Mozart  sich  den  Tempel  des  Nach- 
ruhms für  ewige  Zeiten  aufgeschlossen  hat. 

Durch  Don  Juan  rettete  Mozart  den  Bondini, 

so  wie  später  durch  die  Zauberflöte  den  Schickaneder. 

— — — _ .  •     •  « 

Durch  die  so  dienstgefällige  Freundschaft  des 
Hrn.  Fried.  Dionys  Weber,  Professors  am  Conserva- 

•)  Welche  Schaulustigen?  Warum  damals  «weckmSwjg? 


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/ 

I 

515 

torium  zu  Prag,  wurde  mir  nebst  mehren  wichtigen 
Beiträgen,  wofür  ich  ihm  öffentlich  meinen  wärm- 
sten Dank  abstatte,  auch  folgender  Aufsatz  zu  Theil: 

Vorrede  zu  einer  böhmischen  Vebersetzung  der  Oper 
.  Don  Juan,  von  J.  N.  Stiepanek,  welche  die 
Geschichte  ihrer  Entstehung,  Aufführung  und 
ihres  Erfolges  in  Prag,  wie  auch  mehrere  sich 
darauf  beziehende  Anekdoten  enthält. 

Die  Oper  Don  Juan  ist  .ein  Pro  du  et  des  Mozart'- 
sclieu  unsterblichen  Genie's.  Der  Ruhm  dieses  Mei- 
sterstücks der  Tonkunst  verbreitete  sich  zuerst  von 
Prag  aus  in  die  ganze  gebildete  Welt,  und  von  ih- 
rem Schöpfer  giebt  selbst  der  grosse  Haydn  das  Zeug- 
niss,  dass  Mozart  der  grösste'  Composjteur  sey,  den 
die  Welt  aufzuweisen  hätte.  Da  nun  Mozart  diese 
Oper  für  die  Böhmen  schrieb,  so  will  ich  dieser 
meiner  Uebersetzung  derselben  eine  kurze  Nachricht 
von  ihrem  Entstehen  und  von  ihren  Fortschritten 
vorsetzen,  in  der  Hoffnung,  den  Böhmen,  meinen 
Landsleuten,  einen  Gefallen  damit  zu  erweisen.  Das 
italienische  Gedicht  Don  Juan  verfasste  Abbate  da 
Ponte,  Dichter  der  K.K.  Wiener  italienischen  Opern- 
Gesellschaft,- unter  dem  Titel:  II  dissoluto  puniLo; 
ossia:  II  Don  Giovanni,  und  zwar  nach  dem  spa- 
nischen Mährqhen:  El  Combidado  de  piedra  des 
Tirso  de  jjdolina ,  und  nach  dem  französischen  Lust- 
spiele des  Moliere,  welcher  ebenfalls  dieselbe  Quelle 
benutzte.  Früher  aber  hatte  schon  da  Ponte  auf  ajr  ■ 
ler höchsten  Befehl  Le Nozze  di  JFigaro  nach  einem 
französischen  Lustspiele  geschrieben,  und  dann  auch 
La  Clemenza  di  Tito  umgearbeitet,  welche  beyde 

33* 

* 

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516 

Opern  Mozart  durch  seine  Musik  ungemein  beliebt 
gemacht  hat« 

Die  Oper:  Le  Nozze  di  Figaro  wurde  im 
Jahre  1786  von  der  Bondini'schen  Operngesellschaft 
auf  das  Prager  Theater  gebracht  und  mit  einem  sol- 
chen Beyfalle  aufgenommen,  der  nur  mit  demjeni- 
gen, welchen  nachher  die  Zauberflöte  erhielt, '  ver- 
glichen werden  kann ;  und  in  der  That  hat  nur  diese 
Oper  den  damaligen  traurigen  Umstanden  des  Unter- 
nehmers vollkommen  aufgeholfen.  Der  Enthusias- 
mus, den  sie  jedes  Mal  bey  dem  Publicum  erregte, 
war  ohne  Beyspiel.  Der  Orchester  -Director,  Herr 
Strobach,  versicherte  oft,  dass  er  sammt  seinem  Per- 
sonale bey  der  jedesmaligen  Vorstellung  so  sehr  in 
Eifer  gerathe,  dass  er,  trotz  der  mühsamen  Arbeit, 
mit  Vergnügen  wieder  von  vorn  anfangen  würde. 

Die  Bewunderung  dieser  Musik  war  «o  allgemein 
nnd  so  gross,  dass  Joh.  Jos.  Graf  v.  Thun  Mozarten 
nach  Prag  zu  kommen  eingeladen,  und  ihm  Woh- 
nung, Kost  und  alle  Bequemlichkeiten  in  seinem 
Hause  angeboten  hat.  Mozart,  über  die  Wirkung 
seiner  Oper  auf  die  Böhmen  sehr  erfreut,  wurde 
begierig,  eine  Nation  von  einem  solchen  Musikge- 
fühle  kennen  zu  lernen,  und  nahm  diese  Einladung 
an.  Er  kam  im  Februar  1787  nach  Prag,  und  zwar 
an  demselben  Tage,  als  seine  Oper  Figaro  gegeben 
wurde,  und  erschien  sogleich  im  Theater.  Kaum 
verbreitete  sich  die  Kunde,  dass  Mozart  gegenwärtig 
aey,  so  klatschte  das  sämmtliche  Publicum  Beyfall 
und  Bewillkommung  dem  Schöpfer  eines  so  vortreff- 
lichen Werkes  zu.  Während  dieses  seines  Aufent- 
haltes Hess  sich  Mozart  auch  auf  allgemeines  Ver- 


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/  517 

langen  in  einet  gro«en  mmikaliscben  Akademie  im 
Operntheater  auf  dem  Pianoforte  hören,  in  welcher 
alle' Stücke,  die  aufgeführt  wurden,  von  seiner  Com- 
position  waren.   Wie  sehr  diese  Aller  Herzen  er- 
griffen, lÄ*3t  sich  nicht  schildern,  sondern  nur  füh- 
len. Zum  Schlüsse  der  Akademie  phantasirte  Mozart 
auf  dem  Pianoforte  eine  gute  halbe  Stunde,  und  stei- 
gerte dadurch  den  Enthusiasmus  der  entzückten  Böh- 
men auf  das  Höchste,  so  zwar,  dass  er  durch  den 
stürmischen  Beyfall,  den  man  ihm  zollte,  sich  ge- 
zwungen sah,  nochmals  an  das  Ciavier  sich  zu  setzen. 
Der  Strom  dieser  neuen  Phantasie  wirkte  noch  ge- 
waltiger, und  hatte  zur  Folge,  dass  er  von  den  ent- 
brannten Zuhörern  zum  dritten  Male  bestürmt  wurde*. 
Mozart  erschien,  und  innige  Zufriedenheit  über  die 
allgemein  enthusiastische  Anerkennung  seiner  Kunst-* 
Leistungen  strahlte  aus  seinem  Antlitz.    Er  begann 
zum  dritten  Male  mit  gesteigerter  Begeisterung,  lei- 
stete, was  noch  nie  gehört  worden  war,  als  auf  ein- 
mal aus  der  herrschenden  Todesstille  eine  laute 
Stimme  im  Parterre  sich  erhob,  mit  den  Worten: 
i^ws  Figaro!  worauf  Mozart  in  das  Motiv  der  Lieb- 
lings -Arie:  Non  piu  andrai  far  falom  etc.  einlei- 
tete und  ein  Dutzend  der  interessantesten  und  künst- 
lichsten Variationen  aus  dem  Stegreife  hören  liess, 

0 

und  somit  unter  dem  Täuschendsten  Jubellaute  diese 
merkwürdige  Kunst- Ausstellung  endigte,  die  für  ihn 
gewiss  die  glorreichste  seines  Lebens  und  für  die 
wonnetrunkenen  Böhmen  die  genusareichste  war.*) 


•J  Bald  darauf  ward  Moiart  «u  einem  «weyten  Concert  aufge- 
fordert, da*  denselben  ruhmvollen  Erfolg  hatte. 


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518 

Ucberall,    wohin  er  dann  kany  und  wo  er  sich 
nur  blicken  liess,  begegneten  ihm  die  für  ihn  ent- 
brannten Prager  mit  Hochachtung  und  Liebe.  Ge- 
rührt über  diese  Freudetrunkenheit,  in  welche  sie 
Le  Nozze  di  Figaro  versetzt  hatte,  sagte  er:  Dess- 
wegen,  weil  mich  die  Böhmen  so  gut  verstehen,  so 
muss  ich  für  sie  eine  Oper  schreiben.  Bondini  nahm 
daher  Mozarten  bey  seinem  Worte  und  schloss  mit 
ihm  einen  Accord  auf  diese  Oper  —  für  die  Prager 
Bühne  —  zu  dem  nächsten  Winter,   und  Mozart 
begab  sich  wieder  nach  Wien,  wo  er  als  K.  K.  Hof» 
Kammer -Compositeur  bey  Sr.  Majestät  dem  Kaiser 
Joseph  II.  stand.    Nach  seiner  Ankunft  war  er  bald 
darauf  bedacht,  den  Böhmen  sein  Versprechen  zu 
lösen,  und  fing  schon  dort  an,  sich  mit  der  Bear- 
beitung seines  Don  Juan  zu  beschäftigen«   Um  aber 
seinem  Werke  die  möglichste  Vollkommenheit  geben 
zu  können,  kam  Mozart  im  Monate  September  1787 
zum  zweyten  Male  nach  Prag,  wo  er  zuerst  in  den 
drey  Löwen  auf  dem  Kohlmarkte  seine  Wohnung 
nahm,   nachher  aber  bey  seinem  Freunde  Dussek 
wohute,  auf  dessen  Weihberge  zu  Kossir  (Kosohirz) 
er  sich  auch  meistens  aufgehalten  und  dort  seinen 
Don  Juan  geschrieben  hat. 

Während  der  Zeit  also,  als  noch  in  dem  Jahre 
1787  zu  Prag  die  Oper  Le  Nozze  di  Figaro  in  dem 
ständischen  Theater  aufgeführt  wurde,  welche  Mo- 
zart selbst  auch  während  der  Anwesenheit  Sr.  Durch- 
laucht des  Prinzen  Anton  von  Sachsen  und  seiner 
Gemahlin  Maria  Theresia,  einer  Schwester  unseres 
Kaisers  Franz,  bey  voller  Beleuchtung  des  ständi- 
schen Theaters,  dirigirte,  verfertigte  er  im  3lsteu 


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19 


Jahre  seines  Alters  seinen  Don  Juan.  In  der  Pro- 
ducüon  des  Figaro  hat  Mozart  den  Gesang  der  Sän- 
gerin M**  ein  wenig  forcirt,  worüber  sie  sehr  un- 
gehalten zu  seyn  schien;  anstatt  sich  bey  ihr,  dess- 
wegen  zu  entschuldigen,  rief  er  ihr  nach,  geendigjLem 
Gesänge  nur  die  zwey  Worte  zu:  Bravo,  Donneiia/ 
Diese  neue  italienische  Oper  Don  Juan  wurde  zum 

^*  .  I; 

'   Don  Giovanni  -   -   -    Sign.  Lui.  Bassi,    •  ' 

'     •<  •  {dam*U  aa  Jahre  alt.) 

*  -Donna  Anna  -  -  -    Big8*  Ter.  Saporiti. 

's    Donna  Elvira  -  -  -  .  Sig«*  CaU  Micelli. 

Don  Ottavio  -  -  -    Sigu.  Ant.  Baglioni* 

Leporello     -  -  -  -    Sigu.  Feiice  Pouziaui. 

Don  Pedro  ed\  i     .         •    *  : 

_/  >     -    -    Sign.  Gius.  Lolli. 

Masttto  ) 

.    ZerUna  -----   Sig™  Ter.  Bondini. 

Aus  dieser  ganzen  Gesellschaft  sind  nur  noch 
Zwey  am  Leben:  Herr  Bassi,  Vice  -  Directeur  der 
JCönigl.  italienischen  Oper  in  Dresden,  und  Hr.  LoUi 
in  Wien.  Mozart  studirte  selbst  die  Rollen  mit  ei- 
nem jeden  der  genannten  Mitglieder  ein.  Da  nun 
bey  der  ersten  Probe  dieser  Oper  im  Theater  Sigr* 
Jiondini  als  Zerlina,  zu  Ende  des  ersten  Actes,  da, 
wo  sie  vom  Don  Juan  ergriffen  wird,  nach  mehr- 
maliger 'Wiederholung  nicht  gehörig  und  in  dem 
wahren  Augenblicke  aufzuschreyen  vermochte,  so 
verliess  Mozart  das  Orchester,  ging  auf  die  Bühne, 
Hess  die  Sceue  noch  einmal  wiederholen  und  wartete 
den  Aucenblick  ab«  ergriff  sie  dann  in  demselben 
so  schnell  und  gewaltig,  dass  sie  ganz  erschrocken 


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520 

I 

aufschrie.   80  ist  es  recht,  sagte  er  dann,  sie  dafür 
.  .  ,  '  belobend,  zu  ihr,  so  muss  man  aufschreien. 
/il       '   Di*  Oper  war  nun  einstudirt  und  sollte  aufge- 
ftf    führt  werden 5  aber  Mozart  hatte  noch  den  Abend 
vor  dem  Tage  ihrer  ersten  Production  die  Ouvertüre 
nicht  fertig  gehabt,  und  er  war  noch  dazu  spät  in  die 
Nacht  in  der  Gesellschaft  seiner  Freunde,  deren  ängst- 
liche Besorgniss  desswegen  ihn  zu  unterhalten  schien. 
Endlich  sagte  einer  spiner  Yertrauten:  Mozart,  mor-> 
gen  soll  Don  Juan  aufgeführt  werden,  und  Du  hast 
noch  nicht  die  Ouvertüre  fertig.  Mozart  stellte  sich, 
,   als  wenn  er  ein  wenig  verlegen  wäre,  ging  darauf 
auf  ein  Nebenzimmer,  wohin  man  ihm  Notenpapier, 
Federn  und  Dinte  geschalt  hatte,  fing  an  um  Mitter- 
nacht zu  schreiben  und  vollendete  bis  früh  Morgens 
in  wenig  Stunden  eine  der  vortrefflichsten  aller  sei- 
ner und  aller  anderen  Ouvertüren.  Um  7  Uhr  Abends, 
da  die  Oper  angefangen  werden  sollte,  waren  die 
Copisten  mit  den  Stimmen  noch  nicht  fertig,  man 
mussto  daher  warten,  und  um  ein  Viertel  auf  8  Uhr 
brachte  man  erst  die  Orchester- Stimmen  noch  voll 
von  Streusand  in  das  Orchester,  zu  welcher  Zeit 
auch  Mozart  in  dasselbe  trat,  um  diese  erste  Pro- 

0  m 

duction  zu  dirigiren.  Die  ganze  sehr  zahlreiche  Ver- 
sammlung empfing  ihn  mit  einem  allgemeinen  Bey- 
fallklatschen.  Dio  Ouvertüre,  welche  zuvor  gar  nicht 
probirt  werden  konnte,  fing  nun  an,  das  Wohlge- 
fallen an  derselben  wurde  immer  grösser  und  grös- 
ser und  verwandelte  sich  endlich  in  ein  lautes  Lob- 
jauchzen9  Während  der  .In tro duction  sagte  Mozart 
zu  einigen  ihm  zunächst  Stehenden:  Es  sind  zwar 
viele  Noten  unter  die  Pulte  gefallen,  aber  die  Ou- 


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52i 

verture  ist  doch  recht  gut  von  Statten  gegangen. 
Diese  Oper  hat  sich  einen  so  allgemeinen  Beyfall 
erworben,  dessen  sich  noch  keine  andere  rühmen 
kann,  und  von  dieser  Zeit  an  wird  sie  auf  allen 
Theatern  festlich  aufgeführt.  Nur  in  Prag,  ihrem 
Geburtsorte,  wurde  sie  in  den  ersten  zehn  Jahren 
(die  italienische  Operngesellschaft  spielte  im  Jahre 
hindurch  nur  acht  Monate),  d.  i.  vom  Jahre  1*787 
bis  1798  inclusive,  theils  in  dem  standischen,  theils 
in  dem  gräflich  Thun'schen,  unter  dem  Director 
Michele,  theils  in  dem  K.  K.  priv.  Theater  bey  den 
Hyberneen  116  Mai  aufgeführt;  vom  Jahre  1799  bis 
zur  Uebergabe  der  Theater  -Directum  an  Karl  Lie- 
bich (im  Jahre  1806,  d.  i.  bis  zur  Auflösung  der 
italienischen  Operngesellschaft  im 1  Jahre  1807)  noch 
35  Mal  italienisch*  deutsch  wurde  sie  gegeben  vom 
Jahre  1807  bis  zum  Jahre  1825,  116  Mal;  also  von 
ihrem  Anfange  bis  auf  gegenwärtige  Zeit,  zusammen 
257  Mal. 

In  dieser  böhmischen  Uebersetzung  (in  welcher 
ich  mich  streng  nach  der  italienischen  Original* Par- 
titur, aus  welcher  Mozart  selbst  das  erste  Mal  diri- 
girt  hatte,  und  welche  in  dem  Archive  der  Direction 
des  Prager  ständischen  Theaters  aufbewahrt  wird, 
gehalten  habe),  welche  mit  Anfang  Aprils  (1825)  im 
ständischen  Theater  zum  Vortheile  des  neuen  Ar- 

• 

menhauses  bei  St.  Bartholomäi  aufgeführt  wird,  wird 
daher  Don  Juan  zum  258sten  Male  gehört  werden. 
Einige  Scenen  und  Gesänge,  welche  Mozart  später 
für  die  Wiener  italienische  Operngesellschaft  com- 
ponirt  und  auch  der  Prager  Bühne  mitgetheilt  hat, 
als:  im  zweyten  Acte,  den  Gesang  des  Leporelio: 


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« 

Ahl  pitta,  Sig&ori  rpifi  etc.  ,nnd  sein  .  Puett  mit 
Äerliüat  Per  queste  tue  maninß  etc.,  wie  auch  die 
Arien  der  Donna  Elvira:  Mi  tradl  quell9  almq  inr 
grata  etc.  und  £es  Don  Otlavio  im,  ersten  Acte: 
Dalla  9ua  pac$  <?*<v  habe  ich  nicht  unterlassen,  ge- 
hörigen Orts  einzuschalten,  um  me^er  Uebersetzung 
die  möglichste  Vollkommenheit  zu  gepen.  Eben  auch 
habe  rieh  im  ersten  Acte  die  7te  Scene,  in  welcher 
der  Gerichtsdiener  r  und  im  zweyten  Acte  die  2jt*le 
Scene ,  in  welcher  <ler  Kaufmann  zu  tliun  hat  (wel- 
che Scenen  in  der  deutschen  Uebersetzung  dieser 
Oper  so  angemessen  angebracht  sind),  nicht  ausge- 
lassen, weil  dadur  ch  der  Charakter  des  Don  Juan 
so  sehr  beleuchtet  wird.  Was  den  prosaischen  Dia- 
log anbelangt,  so  habe  ich  denselben  ebenfalls  nach 
den  ui'sprünglich  italienischen  Kecitativen  herausge- 
zogen, und  mit  Rücksicht  auf  die  theatralische  Dar- 
stellung umgearbeitet  und  nach  dem  gegenwärtigen 
Operngeiste  dem  Gesänge  angepasst.  . 

Das  Wohlgefallen  an  der  Oper  Don  Juan  ist 
noch  immer  dasselbe,  wie  es  im  Anfange  war:  noch 
jetzt  ist  es  ein  wahres  Vergnügen,  diese  Oper  zu 
hören,  denn  in  ihr  schmilzt  die  Schönheit  des  Ge-7 
Sanges  mit  Anmutli,  Lieblichkeit  und  kraftvoller 
Harmonie  so  lieblich  zusammen,  in  ihr  werden  alle 
Schönheiten  und  Schätze  der  Tonkunst  dargestellt, 
und  zwar  in  einer  solchen  Vollkommenheit,  dass  sie 
sowohl  den  Kunstkenner  als  auch  den  Kunstfreund 
ungemein  angenehm  ergreifen.  D.  Sievers  in  Paris 
urtheilt  über  Mozart's  Don  Juan  so:  „Don  Juan 
ist  der  Schlüssel,  mit  welchem  sich  Mozart  den  Tem- 
pel des  ewigen  Ruhm  es  geöhnet  hat,  er  ist  das  Pro- 


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503 


duct,  in  welchem  Alles  vollendet  ist,  was  der  mensch- 
liche Geist  in  seinem  Innersten  wahrnehmen  und 
empfinden  kann  5  aus  ihm  wehet  uns  der  Geist  mit 
seinem  Athem  an,  mit  dem  Alhem  des  Glaubens, 
der  Hoffnung  und  der  Liebe,  welcher  selbst  am 
jüngsten  Tage  dem  Gewissen  des  Ruchlosen  furcht- 
bare  und  zerknirschende  Pos3.unent.0ne  verkündigt« 
Mozart  ist  es,  welcher  hier  Beweise  liefert,  dass  die 
Producte  eines  wahren  Genie's  keiner  Zeit  und  kei- 
ner Mode  unterworfen,  sondern  dass  sie  Producte 
für  die  Ewigkeit  sind.  ;  r  ."  • 

Prag,  .  J-  N.  Stiepanek*.1 

den  12.  Märs  l8a5.  Director  und  Mitunternehmer  de« 

l        rt  .  .1  «tändischen  Theaters  zu  Prag. 

*  • 

1  

Zu  Anfange  des  Jahres  1787  schreibt  der  Vater 
seiner  Tochter:  „Wolfgang  tragt  mir  an,  seine 
zwey  Kinder  für  Bezahlung  zu  mir  zu  nehmen,  da 
er  im  halben  Fasching  eine  Reise  durch  Deutschland 
nach  England  machen  möchte,  wo  er  nicht  ungeneigt 
zu  bleiben  scheint  5  aber  sein  gewesener  Scholar  Att- 
wood  soll  ihn  yorher  in  London  etwas  Gewisses 
ausmachen,  einen  Contract  über  eine  Oper,  oder 
Subscriptions-Concerte.  Madame  Storon  wird  ihm 
das  Maul  wässerich  gemacht  haben,  und  mit  ihrer 
Gesellschaft  und  seinen  Scholaren  den  Gedanken  an- 
fangs  erweckt  haben.  Da  ich  ihm  aber  väterlich  ge- 
schrieben, dass  er  auf  der  Reise  im  Sommer  Nichts 
gewinnen  und  zu  unrechter  Zeit  nach  England  kom- 
men würde,  2000  fl.  im  Sacke  haben,  und  sicher 
Noth  leiden  müsse,  da  der  Storon  gewiss  die  erste 

Oper  schreiben  wird,  so  mag  er  den  Muth  verlieren/; 

•  •  

V 

\ 


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'    •  524 

■ 

■  '  Am  28s teu  May  diese«  Jahres  1787  verlor  Mo- 
zart seinen  Vater,  r  Diesem  durch  die  musikalische 
Erziehung  seines  Sohnes  für  die  Kunstgeschichte 
ewig  denkwürdigen  Manne  wurde  das  Glück  nicht 
*u  Theil,  seines  Sohnes  Meisterwerk :  //  DUsoluto 
punito,  <k  9,  il  Don  Giovanni,  .  zu  hören,  oder 
.doch  wenigstens  die  Nachricht  von  dieser  Oper  über 
-ihren  errungenen  ungetheilten  höchsten  Beyfall  er- 
leben zu  können*:.- 

v.  ..  Von  Moaartfs  Briefen  spricht  noch  dieser  ein-r 
zige  an  seinen  Vater,  da  die  übrigen  alle  an  seine 

Schwester  gericBter  sind  T 

•       •         •    •  • 

'     *  Wien,  den  4,  April  1787. 

Mon  tr&$  eher  Perel 

Diesen  Augenblick  höre  ich  eine  Nachricht,  die 
mich  sehr  niederschlägt  —  um  so  mehr,  als  ich  aus 

Ihrem  letzten  Briefe  vermuthen  konnte,   dass  Sie 

»  «     .  »i  • 

.sich,  Gott  Lob,  recht  wohl  belanden.  —  Nun  höre 
ich  aber,  dass  Sie  wirklich  krank  seyen!  Wie  sehn-, 
lieh  ich  einer  tröstenden  Nachricht  von  Ihnen  selbst 
entgegen  sehe,  brauche  ich  Ihnen  doch  wohl  nicht 
rz.u  sagen,  und  ich  hoffe  es  auch  gewiss,  obwohl  ich 
es  mir  zur  Gewohnheit  gemacht  habe,  mir  immer 
in  allen  Dingen  das  Schlimmste  vorzustellen«  Da 
der  Tod,  genau  genommen,  der  wahre  Endzweck 
unsers  Lebens  ist,  so  habe  ich  mich  seit  ein  paar 
Jahren  mit  diesem  wahren,  besten  Freunde  des 
Menschen  so  bekannt  gemacht,  dass  sein  Bild  nicht 
allein  nichts  Schreckendes  mehr  für  mich  hat,  son- 
dern sehr  viel  Beruhigendes  und  Tröstendes!  Und 
ich  danke  meinem  Gott,  dass  er  mir  das  Glück  ge- 


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* 

gönnt  hat,  mir  die  Gelegenheit  zu  verschaffen,  ihn 
als  den  Schlüssel  zu  unserer  wahren  Glückseligkeit 
kennen  zu  lernen.  Ich  lege  mich  nie  zu  Bette,  ohne 
zu  bedenken,  dass  ich  vielleicht  (so  jung  als  ich  bin) 
den  andern  Tag  nicht  mehr  seyn  werde;  und  es 
wird  doch  kein  Mensch  von  Allen ,  die  mich  ken- 
nen, sagen  können  >  dass  ich  im  Umgange  mürrisch 
oder  traurig  wäre;  und  für  diese  Glückseligkeit  danke 
ich  alle  Tage  meinem  Schöpfer,  und  wünsche  sie 
vom  Herzen  Jedem  meiner  Mitmenschen. 

Ich  hoffe  und  wünsche,  dass  Sie  sich,  wahrend 
ich  dieses  schreibe,  besser  befinden  werden 5  sollten 
Sie  aber  wider  alles  Vermuthen  nicht  besser  seyn, 
so  bitte  ich  Sie,  mir  es  nicht  zu  verhehlen,  sondern 
mir  die  reine  "Wahrheit  zu  schreiben  oder  schreiben 
zu  lassen,  damit  ich  so  geschwind  als  es  menschen- 
möglich ist,  in  Ihren  Armen  seyn  kann:  ich  be- 
schwöre Sie  bey  Allem,  was  uns  heilig  ist*  Doch 
hoffe  ich  bald  einen  trostreichen  Brief  von  Ihnen 
zu  erhalten,  und  in  dieser  angenehmen  Hoffnung 
küsse  ich  Ihnen  sammt  meinem  Weibe  und  dem 

Carl  1000  Mal  die  Hantle,  und  bin  ewig  etc. 

: 

Wien,  den  16.  Juny  1787. 

Liebste,  beste  Schwesterl 

Dass  Du  mir  den  traurigen  und  mir  ganz  un- 
vermutheten  Todesfall  unsers  liebsten  Vaters  nicht 
selbst  berichtet  hast,  fiel  mir  gar  nicht  auf,  da 
ich  die  Ursache  leicht  errathen  konnte.  —  Gott 
habe  ihn  bey  sich!  Sey  versichert,  meine  Liebe, 
dass,  wenn  Du  Dir  einen  guten,  Dich  liebenden 
und  schützenden  Bruder  wünschest,  Du  Um  gewiss 

■ 

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bey  jeder  Gelegenheit  in  mi*  finden  wirst./-*-  Meine 
liebste,  beste  Schwester!  wenn  Du  noch  unversorgt 
wärest,  so  brauchte  es  dieses  Alles  nicht.  Ich  würde, 
was  ich  schon  tausend  Mal  gedacht  und  gesagt  habe* 
Dir  Alles  mit  wahrem  Vergnügen  überlassen;  da  es 
Dir  aber  nun,  so  zu  sagen,  unnütz  ist,  mir  aber 
im  Gegentheil  es  zu  eigenem  Vortheil  ist,  so  halte 
ich  es  für  Pflicht,  auf  mein  Weib  und  Kind  zu 


Im  Jahre  1789  im  April  machte  /Mozart  durch 
Prag  über  Leipzig  und  Dresden  nach  Berlin  eine 
Reise  mit  dem  Fürsten  von  Lichnowsky,  seinem 
Scholar,  der  ihm  Platz  in  seinem  Wagen  bis  Ber- 
lin augetragen  hatte.  Diese  Reise  dauerte  bis  zum 
4tenJuny,  wo  er  dann  wieder  zu  den  Seinigen  nach 
Wien  zurückkehrte.  Schon  von  Prag  aus  schrieb 
er  seiner  Frau  den  iOten  April:  . 

Heute  Mittags  um  halb  zwölf  Uhr  sind  wir  hier 
glücklich  angekommen.  Nun  folgt  der  Rapport  von 
Prag.  Ich  ging  zu  Guardassoni,  welcher  es  auf 
künftigen  Herbst  fast  richtig  machte,  mir  für  die 
Oper  200,  und  50  Ducaten  Reisegeld  zu  geben. 
Ramm  ist  erst  vor  acht  Tagen  von  hier  wieder  nach 
Hause;  er  kam  von  Berlin  und  sagte,  dass  ihn  der 
König  sehr  oft  und  zudringlich  gefragt  hätte,  ob  ich 
gewiss  komme,  und  da  ich  halt  noch  nicht  kam,  sagte 
er  wieder:  ich- fürchte,  er  lömmt  nicht.  Ramm 
wurde  - völlig  bange,  er  suchte  ihn  des  Gegentheüs 
zu  versichern.  Nach  diesem  zu  schliessen,  sollen 
meine  Sachen  nicht  schlecht  gehen« 


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Der  grosse  Ruf  seines  Namens  ging  ihm  somit 
voran ,  und  man  fand  sich  nirgends  in  der  Erwartung 
getäuscht,  die  er  überall  erregt  hatte.  Der  damalige 
König  von  Preussen,  ein  freygebiger  Kenner  und 
Freund  der  Tonkunst,  war  ganz  für  ihn  eingenom- 
men und  gab  ihm  ausgezeichnete  Beweise  seiner' 
Achtung.  Wie  wahrhaft  und  dauernd  dieselbe  ge- 
wesen sey,  beweiset  die  königliche  Grossmuth,  mit 
welcher  dieser  Monarch  später  die  Wittwe  Mozart's 
in  Berlin  aufnahm  und  unterstützte. 

In  Leipzig  wurde  Mozart  gebeten,  ein  öffent- 
liches Concert  zu  geben,  und  er  fand  sich  bereit- 
willig dazu.  Hier  verdient  die  Probe  von  seinem 
gegebenen  Concerte  eine  besondere  Erwähnung,  wo- 
von Rochlitz  als  Augenzeuge  Folgendes  erzählt: 

Ueber  Nichts  klagte  Mozart  heftiger  als  über 
„Verhunzung"  seiner  Compositionen ,  hauptsächlich 
durch  Uebertreibung  der  Schnelligkeit  des  Tempo* 
„Da  glauben  sie,  hierdurch  soll's  feurig  werden; 
ja,  wenn's  Feuer  nicht  in  der  Composition  steckt,' 
so  wird's  durch's  Abjagen  wahrlich  nicht  hinein 
gebracht."  .'  ' 

Besonders  unzufrieden  war  er  desshalb  mit  den 
italienischen  Sängern.  „Sie  jagen  oder  trillern  oder 
ver  Schnörkeln ,  weil  sie  nicht  studiren  und  keinen 
Ton  halten  können." 

t)en  Abend  vor  der  Probe  seines  öffentlichen 
Concerts  in  Leipzig  hörte  ich  ihn  sehr  lebhaft  dar- 
über declamiren. 

Den  folgenden  Tag  bey  der  Probe  bemerkte  ich 
dennoch ,  dass  er  den  ersten  Satz ,  das  Allegro  einer 
seiucr  Symphonieen,    sehr  schnell   nahm.  Kaum 


528 

zwanzig  lacte  waren  gespielt,  und  das  Urcnester 
hielt  das  Tenipo  zurück  und  schleppte.  Mozart  rief  . 
Halt!  und  sagte,  worin  man  fehlte,  rief  Ancota,  und 
fing  eben  so  geschwind  an.  Der  Erfolg  war  der- 
selbe. Er  that  Alles,  das  Tempo  gleich  fort  zu  hal- 
ten, und  stampfte  ein  Mal  den  Tact  so  gewaltig, 
dass  ihm  eine  Schuhschnalle  in  Stücke  zersprang« 
Alles  umsonst.  Er  lachte  über  seinen  Unfall,  und 
liess  die  Stücke  liegen,  rief  nochmals  ancora  und 
fing  zum  dritten  Male  in  demselben  Tempo  an.  Die 
Musiker  wurden  unwillig  auf  das  kleine  blasse  Mann- 
ehen, das  sie  so  hudelte,  arbeitete  erbittert  darauf 
los,  und  nun  ging  es. 

Alles  Folgende  nahm  er  gemässigt.  Noch  mehr: 
der  brave  Mann  wollte  sich  nun  auch  wieder  die 
Liebe  des  erzürnten  Orchesters  gewinnen,  ohne  je- 
doch die  gute  Wirkung  seines  Eifers  zu  verscherzen. 
Er  lobte  also  nun  das  Accompagnement  und  sagte: 
Wenn  die  Herren  so  zu  spielen  vermöchten,  brauche 
er  seine  Concerte  nicht  zu  probiren  —  denn  die 
Stimmen  sind  richtig  geschrieben.  Sie  spielen  rich- 
tig und  ich  auch :  was  braucht's  beym  Accompagne- 
ment mehr!  —    Und  das  Orchester  accompagnirte 

schwere  und  intricate  Concert,  qhne  Probe,  und  zwar 
nun  vollkommen  richtig,  denn  es  spielte  mit  Ehr- 
furcht gegen  Mozart,  und  mit  möglichster  Delica- 
tesse,  denn  es  spielte  aus  Liebe  zu  ihm. 

Nach  der  Probe  sagte  er  zu  einigen  Kennern: 
„Wundern  Sie  sich  nicht  über  mich.  JEs  war  nicht 
Caprice.  Ich  sah  aber,  dass  die  meisten  Musiker 
bejahrte  Leute  sind.   JEs  wäre  des  Schleppens  hein 


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\ 

/ 

* 

Ende,  geworden,  wenn  ich  sie  nicht  erst  ins  Feuer 
getrieben  und  Lose  gemacht  liätte.  Vor  lauter  Aer- 
ger  tltaien  sie  nun  Mir  Möglichstes.«       '  niA 

Da  Mozart  dieses  Orchester  nie  spielen  hörte, 
so  zeugte  diese  Manier  von  nicht  unbedeutender  ' 
•     Mensch  enkenntniss;  mithin  war  er  ja  nicht  in  ÄT- 
lem,  Was  nicht  Musik  war,  ein  Kind,  wie  man  so 
oft  schreibt,    '  ,,;  ♦*  :»  ••   

In  'diesem  Concerte,  welches  drey  Jahre  vor 
seinein  Tode  war  und  den  12ten  May  1789  aufge- 
führt Wirde,  gab  er  nur  Compositionen  von  sich, 
die  meist  nur  im  "Manuscript  exisfirten,.  besonders 
das  sanft  'heiterhde  reitzende  Concert  aus  Rdur 
(componirt  den  .30sten'  September  1784).  Madame 
Duscheck  aus  Prag  sangj  die  äusserst  schwierige  und 
recht  eigentlich  für  diese  Sängerin  geschriebe_ne'Scene 
mit  obligatem  Fortepiano.  Im  zweyten  Theile  spiplte 
er  das  prachtvollste  und  schwierigste  aller'  seiner  • 
bisher  bekannt  gewordenen  Concerte  aus  Cdiir  (com- 
ponirt den  4ten  Öeceraber  178C)>  welches  die  *YVitt- 
we  nach  seinem  Tode  herausgab  j  vielleicht  das  pracht- 
vollste aller  Concerte,  die  je  geschrieben  worden 
sind.  Theils  durch  den  Geist  der  CoinpbsitionJ  theils 
durch  den  Glanz  und  dann  wieder  durch  die  herz- 
zerschmelzende  Zartheit  seines  Vortrags  verschaffte 
er  den  Zuhörern  einen  herrlichen  Gehuss. 

•  |     |j*    »V*,         t     '  "  ,  ,  .  I  '  '  I      I  • 

,  '  Um  dem  gewöhnlichen  Stehlen  seiner  Arbeit 
.  vorzubeugen,  spielte  er  von  einer  C lavierstimme, 
die  „nichts  als  einen  bezifferten  Bass  enthielt,  über 
den,  nur  die  Hauptideen  ausgeschrieben .  waren ,  die 
Figuren  und  Passagen  leicht  angedeutet j  so  .sehr 

34  - 

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I 


/5.to 


konnte  er  «ich  auf  sein  Gedächtnis*  und  auch  auf 
sein  Gefühl  verlassen. 

Am  Ende  des  Concerts  wünschten  Einige,  ihn 
noch:  allein  spielen  zu  hören;  und  der  gefallige 
Mann ,  der  schon  zwey  Concerte  und  eine  obligate 


7 

IM 

hatte,  setzte  sich  hin  und  spielte,  um  Allen  Alles 
zu  werden.  Er  begann  einfach,  frey  und  feyerlich 
in  C  moll  (componirt  den  20sten  May  1785)»  Da  er 
hier  mehr  auf  den  Kenner  Rücksicht  genommen 
hatte,  senkte  er  . sich  im  Fluge  seiner  Phantasie  nach 
und  nach  herab ,  und  beschloss  mit  den  nun  gedruck- 
ten Variationen  aus  Es  dur  (Cah.  II.  S.  43-  bey  Breit- 
kopf und  Härtel  in  Leipzig). 

Demohngeachtet  brachte  ihm  das  Concert  nicht 
die  Kosten  heraus,  denn  der  Saal  war  fast  leer. 
Kein  "Wunder!  Denn  er  stand  zu  hoch  über  seine 
Zeit,  als  dass  sie  ihn  hätte  würdigen,  ja  nur  fassen 
können. 

Alles,  was  ihn  kannte,  hatte  Freybillets  erhal- 
ten,  und  gewiss  die  Hälfte  derselben  ist  mit  solchen 
eingetreten.  Mozart  achtete  nicht  im  geringsten 
darauf,  denn  er  hätte  nicht  besser  gestimmt  seyn 
können,  wenn  der  Saal  gedrängt  voll  von  Bezahlen- 
den gewesen  wäre.  Da  er  kein  Chor  gab,  so  waren, 
der  Sitte  nach,  die  ziemlich  zalüreichen  Chorsänger 
von  der  freyen  Entree  ausgeschlossen.  Verschiedene 
kamen  Und  fragten  bey  dem  Billetier  nach.  —  „Ich 
Will,"  sagte  dieser,  „bey  dem  Herrn  Kapellmeister 
fragem"  „O  lassen  Sie  herein!  immer  herein!"  ant- 
wortete Mozart,  „wer  wird  es  mit  so  Etwas- genau 
nehmen!"  ;* 


■  # 


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I 

•531 

Oft  und  gern,  erzählt  Rochlitz  weiter,  war  Mo- 
zart bey  Doles,  dem  Cantor  an  der  Thomasschule  in 
Leipzig.  Hier  Hess  er  sich  ganz  gehen,  nahm  Nichts 
übel,  wie  ihm  Andere  auch  nicht.  Er  sollte  von  hier 
auf  einige  Tage  nach  Dresden  reisen.  Am  Vorabend© 
speis'te  er  bey  Doles  und  war  sehr  lüstig.  Doles, 
traurig,  wie  er  weggehen  wollte,  drang  in  ihn  mit 
den  Worten :  „TV er  weiss,  ob  wir  Sie  wieder  sehen  $ 
geben  Sie  uns  eine  Zeile  von  Ihrer  Handy  Mozart, 
gegen  alles  Ankommen  und  Abschiednehmen  ziem- 
lich gleichgültig,  hielt  sich  über  ihr  Pimpeln  auf, 

• 

und  wollte  schlafen  gehen,  statt  zu  schreiben.  Zu- 
letzt sagte  er  doch:  „Nun,  Papa,  so  geben  Sie  mir 
ein  Stück  Papier!"  Dieses  war  gleich  da,  Mozart 
riss  es  in  zwey  Hälften,  setzte  sich  und  schrieb  fünf 
oder  sechs  Minuten.  Dann  gab  er  dem  Vater  die 
eine  und  dem  Sohne  die  andere  Hälfte.  Auf  dent 
ersten  Blatte  war  ein  dreystimmiger  Canon  in  lan- 
gen Noten,  ohne  Worte.  Wir  sangen  die  Noten: 
der  Canon  war  trefflich  und  sehr  wehmüthig.  Auf  ' 
dem  zweyten  Blättchen  war  gleichfalls  ein  dreystim-* 
miger  Canon,  aber  in  Achteln  und  auch  ohne  Worte | 
wir  sangen  ihn  und  fanden  diesen  trefflich  und  sehr 
drollig.  Jetzt  bemerkten  wir  und  freueten  uns,  dass 
beyde  zusammen  gesungen  werden  konnten,  und 
also  ein  sechsstimmiges  Ganzes  ausmachten«  Nun 
die  Worte,  sagte  Mozart,  und  schrieb  unter  dem 
ersten:  Lebet  wohl,  wir  sehn  uns  wieder,  und 
unter  dem  zweyten:  Heult  noch  gar  wie  alte 
Weiber.  So  wurden  sie  noch  ein  Mal  durchgesun-  . 
gen,  und  es  ist  nicht  zu  sagen,  welch  eine  lach  er- 
liehe  und  doch  tief,  fast  ergrimmt  einschneidende,  also 

34* 


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532 

vielleicht  erhaben -komische  Wirkung  diess  auf  uns 
'  Alle  machte,  und  irr*  ich  nicht,  auch  auf  ihn  selbst; 
denn  mit  etwas  wilder  Stimme  rief  er:  „Adieu, 
Kinder."'  und  —  war  fort. 

.  .  Diese  Kleinigkeit  giebt  einen  neuen  Beweiss,  mit 
welcher  Freyheit  sein,  Genie  in  den  Untiefen  der 
Harmonie  lebte  und  webte,  denn  ein  so  ungemein 
schweres  musikalisches  Rechen  -  Exempel ,  wenn  es 
auch  nichts  weiter  als  das  gewesen  wäre ,  nach  reich- 
licher Mahlzeit  in  wenig  Minuten  zu  lösen,  will  viel 
sagen.  Auch  lässt  dieser  Vorgang  einen  gewissen 
Zug  seines  Charakters  durchblicken. 

Als  Mozart  in  Leipzig  einmal  Nachmittags  in 
der  Thomaskirche  ganz  unbemerkt  die  Or,gel  spielte, 
machte  sein  Meisterspiel  auf  den  hinter  ihm  stehen- 
den Cantor  Doles,  einen 

chen  Eindruck,  dass  er  mit  Rührung  äusserte,  er 
habe  geglaubt,  der  alte  Bach  sey  wieder  aufgestanden. 

•  Mozart  war  bis  jetzt,  ungeachtet  seines  grossen 
Ruhmes,  ohne  Anstellung,  ohne  sichere  Einkünfte. 
So  bekannt  auch  sein  Talent  war,  so  sehr  man  seine 
Compositionen  suchte:  so  wenig  dachte  man  daran, 
ihn  zu  belohnen  und  zu  unterstützen.  Er  hatte  zwar 
oft  beträchtliche  Einnahmen  gehaht  $  aber  bey  der 
Unsicherheit  und  Unordnung  der  Einkünfte, ,  bey  den 
häufigen  Kindbetten  und  den  langwierigen  Krank- 
heiten seiner  Gattin,  ^n  einer  Stadt  wie  Wien,  musst© 
Mozart  doch  im  eigentlichen  Verstände  darben.  Er 
beschloss  daher,  Wien  zu  verlassen,  wo  sich  keine  Stelle 
(  für  ihn  fände.  Sein  Plan  war,  nach  England  zu  ge- 
hen, wo  er  ein  besseres  Schicksal  um  so  mehr  er- 
warten konnte,  Als  ihm  oft  von  da  Einladungen  und 


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I  * 

» 

lockende  Antrage  gemacht  wurden;  oder' auch  nach 
Berlin,  wohin  ihn  der  König-  wiederholt  hatte  laden 
i  lassen.  Es  -kam  an  die  'Reise  nach  Berlin,  die  er 
mit  dem  Fürsten  Lachnowsky,  seinem  Scholaren  im 
Galanteriespiel  und  Generalbaß  :ffer  ihm  einen  Platz 
m  seinem  Wagen  anbot,  rriÄ--  *\ 

""  Aus  einem1  seiner  Briefe  Tön  :iBenKn  uns  sieht 
man',  dass  er  in  Potsdam  gcw*es¥h J  nach  Leipzig  zu- 
rück gegangen,  und  wieder  m: Berlin  war.  :'  :  - 
„Die  Königin*  will  mich  am :  Dienstage  horeri,** 
Schreibt  er  vöm  ^Heh  Ä&y*  ,)iaHwt  Ither  nicht  vzei' 
zu  machen.  Ich  Hess  mich  melden;'  weil  «es  gebrHuefc- 
lieh  ist  und  sio'es"  mir  sonst;  übel  nehmen  Würde* 
Da  musit  Dich  bey  ni einer  'Riickktiml  scWmeh* 
ätif  mich,  als auf  das  Geld  freuen.    100  Friedrichs- 

dror  (die  scheint  er  äho  vom  Könige*  leiommen  zu  haben)  sind 
7Ö0  ^Wiener  GuldWv    Lichhb\Vsk}r  müsste  forteilet!,' 
trnd  so  habe  ich  in  dem  theuren't'ots'dain  selbst  «eh-» 
Ten  müssen  $■  auch  habe  ich  Jemanden ,  1  dem  ich  es 
nicht  abschlagen  köhnfte,    lOo  ffi'1  geliehen.  1  Dazu 
kömmt,  dass  the  'Akademie  in' fceipiigl  wie 
iifer  sagte,  schlecht  niMgefklleti ■'■iit! 1  TäcTriiowsky  IfcsF 
mir  aber  keme*4luh'e,  Tch*  hiusste  hin:'  Hier  in  •Ber-' 
Im'  ist  mit  emer  Akademie  nicht  viel3  zu  mache** 
der  König  sSehi1  es '  nicht  ■  gern.   Dtr:musst'  also  mit 
mir  und  *  diesem  zufrieden  seyn,  dass  ich  fco  glück- 
lich bin,'  bey  dem  Könige  in -Önadeii  ^steh'enJ 
Was  ich  Dir"  da  geschrieben  habe,  bleibt  unter  uns." 
'     •  •   Als  Mozart  das  zweyte  und  letzt3  Mal  in  Berlin 
ankam,  war  es  gegen  Abend.    Kaum  ausgestiegen, 
fragte  er:   Giebas  diesen  Abend  nichts  yon  Musik 

hier?  :*  •  • .  - 

« 

i 

,  .  Digitized  by  Google 


334 

1 


O  ja,  so  eben  wird  die  deutsche 
Oper  angegangen  seyn!  ' 

Mozart*   So?>  Was  geben  sie  heute? 
Marqueurf   Die  Entführung  aus  dem  Serail  — 
1  Mozart»    Scharmant !  rief  er  lachend« 
Marqueur*   Ja !  Es  ist  ein  recht  hübsches  Stück. 
Es  hat's  componirt.  -r  wie  heisst  er  nun  gleich  — 

Indessen  T^ar  Mozart  im  Reiserocke ,  wie  er  war, 
schon  fort.  Im  Theatex  bleibt  er  ganz  am  Eingange 
des  Parterre  stehen,  um  da  ganz  unbemerkt  zu  lau- 
schen. Bald  freuet  er  sich  zu  sehr  u^er  den  Vor- 
trag einzelner  Stellen Ä  bald  wird  er  aber  auch  unzu- 
frieden mit  dem  Tempo,  bald  machen  ihm  die  Sän- 
ger und  Sängerinnen  zuviel  Schnörkeleyen  — *  wie 
ejr's  nannte;  kurz,  sein  Interesse  wird  immer  leb- 
haftor.  und  er  dran  et  sich  bewusstlos  immer  näher 
und  näher  dem  Orchester  zu,  indem  er  bald  diess, 
bald  jenes,  bald  leiser,  M4  U\i\er  brummt  und 
murret,  und  dadurch  den  Umstehenden,  die  auf  das 
kleine  unscheinbare  Männchen  im  schlechten  Ober- 
rocke  herabsehen,  $*>flf  genug  zum  Zachen  giebt  — 
wovon  er  aber  natürlich  nichts  weiss.  Endlich  kam 
es  zu  Fedrillo's  Arie:  Frisch  zum  Kampfe,  frisch 
zum  Streife  etc.  Die  Direction  haUe  entweder  eine 
unrichtige  Partitur,  oder  man  hatte  darin  verbessern 
wollen  und  der  zweyten  Violine  bey  den  oft  wieder- 
l^lten  Worten:  Jfyr  ein  feiger  Tropf  verzagt,  DU 
statt  D  gegeben,;  JJier  konnte  Mozart  sich  nicht 
länger  halten  %  ef  rief  fast  ganz  laut  in  seiner  Irey- 
lich  nicht  verzierten  Sprache:  Verflucht!  wollt  IJir 
J?  greifen  I  —  Alles  sähe  sich  um,  auch  Mehre  aus 
dem  Orchester.   Einige  von  den  Musikern  erkann- 


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ten  ihn,   und  nun  ging  es  wie  Lauffeuer  durch  das 
Orchester,  und  von  diesem  auf  die  Bühne:  Mozart 
ist  da!  —  Einige  Schauspieler,  .  besonders  &o_ jehr.- 
schatzbare  Sängerin  Madame  ß. ,   die  die  Blondine 
spielte,  wollte  nicht  wieder  heraus  auf  das  Theater. 
Diese  Nachricht  lief  rückwärts  an  den  Musik  ~*Direo> 
tot,  und  dieser  sagte  sie  in  der  Verlegenheit  Mo- 
zarten,    der  nun  rasch  bis  hinter  ihn  vorgerückt 
*   war.    Im  Augenblicke  war  dieser  hinter  den  Cou- 
lissen:    Madam,  sagte  er  zu  ihr,  was  treiben  Sie 
für  Zeug?^Sie7iaben  herrlich»  herrlich  gesungen, 
und  damit  Siß'a.:  ev?  andermal  noch  besser  maclien, 
will  ich  die  Bolle  mit  Ihnen  etnstudiren. 
-  i  .  Als  es  in  Berlin  bekannter,  wurde,  dass  Mozart 
da  sejr,  wurde  er  überall ,  besonders  auch  von  Lri/ed- 
nfch  Wilhelm  Jk:  äusserst  günstig  aufgenommen. 
Dieser  Fürst  sehätzte  und  bezahlte .  bekanntlich  nicht 
nur  Musik  ungemein,  sondern  war  wirklich  —  wenn 
auch  nicht  Kenner,  doch  geschmackvoller  Liebhaber. 
Mozart  musste  ihm,  so  lange  er  in  Berlin  war,  fast 
tätlich  voruhantasircn  und  öfters  auch  mit  einigen 
Üapellisten  Quartett  in  des  Königs  Zimmer  spielen. . 
Als  er  einmal  mit  dem  König  allein  war,  fragte  ihn  i 
dieser,  was  er  von  der  Berliner  Kapelle  halte.  Mo-., 
zart,  dem  nichts  fremder  als  Schineicheley  war,  ant-  . 
wortete:   „Sie  hat  die  grösste  Sammlung  von  Vir- 
tuosen in  der  Welt;  auch  Quartett  habe  ich  nirgends 
sö^  gehört,  als  hier:  aber  wenn  die  Herren  alle  zu- 
sammen sind,  könnten  sie  es  noch  besser  machen.44 
Der  König  freuete  sich  über  seine  Aufrichtigkeit, 
und  sagte  ihm  lächelnd:  Bleiben  Sie  bey  mir,  Sie 
können  es  dahin  bringen,  dass  sie  es  noch  besser 


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I 


machen!  Ich  biete  Ihnen  jährlich  drey  tausend*  Tha- 
lfcr  Gehalt  an,  —  Soll,  icli  meinen  guten  Kaiser  ganz* 
vorlassen? —  sagte  der  &rave  Mozart  unaV  schwieg 
geruht*. und  .nachdenkend.  Man  bedenke,  dass  der 
gute  Mozart  den  Kaiser  m cht  verlassen  wollte,  der 
ihn  damals  noch  darben  liess^  JLudv*  der  Konie 
schien  hierbey  gerührt,  nnd  setzte  nach  einer  Weile 
kiiizuiv  „Ueberlegen  Sie  sich's  1 «— :  ich  halte  mein 
Wort,  -auch  wenn  Sie  in  Jahr  und  Tag.  erst  kom- 
men sollten."    \.      •".  «^.Jut.-. . 

^»D«e  König  erzählte  nacliher  dieies  Gespräch 
verschiedenen  Personen,  unter  andern  auch  der  Gat- 
tin Mozart'*  selbst  j  als  sie  nach  ihres  Mannes  Tode 
nach«  Berlin  kam j  und  von  dem  Gönner  ihres  ver- 
storbenen Mannes  sehr  ans  cimlich  unterstützt  wurde. 

.  i  »  Mozart  reis' toi,  voll  von  diesem  Vorschlage,  nach 
Wien  icurück.    Er  wusste,  dass  ihn  hier  Wiedel 
Neid,  Kabale  mancherley  Art,  Unterdrückung,  Ve»*' 
kennung  und  Armuth erwarten  würden,  da  er  vom 
Kaiser  damals  noch  so  gut  als  Nichts  Gewisses  l>r- 
kam.    Seine  Freunde  redeten  ihm  zu  —  er  wurde 
zweifelhaft.  Ein  gewisser  UmBtaä&f)v4m-iA.mfr* 
erzähle,  an  dem'  Mozart  sich  selbst  mfcht  rächen  . 
wollte  —  bestimmte  ihn  endlich.  Er/giwg  zum  Kai- 
ser und  bat  um  seine  Entlassung.   Jöüeph^  dieser  so 
oft  verkannte,  so  oft  geschmähte  frörst,  dem  seine 
Fehler  von  seinen  Unterthanen  erst  aufgezwungen 
und  eingepresst  wurden,   dieser,  liebte  Musik  und 
besonders  Mozart'che  Musik  von  Herzen.    Er  Hess 

/  ■ — -       -  r    *    •  •  •  i 

Dieser  Unutand  war  Salomons  Erscheinen  in  Wien,  um  J. 
Haydn  und  Moiart  zu  ieinen  Concerten  in  London  zu 
ongagiren.  —    '  •  »   i      .  •  • 


-  537  . 

I 

Mozarten  jetzt  ausreden  und  antwortete  dann:  Lie- 
ber Mozart,  Sie  wissen,  wie  ich  von  den  Italienern 

denk?©:  und  Sie  wolfar  mich  dennoch  Verlässen? 

•  i  •   •  «...  .-*.• 

Mozart  sah  ihm  ins  ausdrucksvolle  Gesicht  und 
sagte  gerührt:  Ew.  Majestät  —  ich  —  empfehle  mich 

zuÖiiadeii  —  'ich  titeibe!   Und  üUmit  ging  er  nach 

JU.  iti  :.\  o-w.  •      •)      *v \n       v  -*\:  » 

llause. 

—  #i  v  *  'L-   .vt  *.  »'.i  *•   

^Aber^  Mozart,  sagte  ihm  ein  Freund,  den  er 

dann  traf  .und  dem  er  den  Vorgang  erzählte,  warum 

benutztest  Du  denn  nicht  die  Minute  und  verlangtest 

wenigstens  festen  Gehalt?       »     t  i 

A%»Jkr  TwfelsdenU  in  solche?  JStunde  dardni 
sqgte.ftlozart  unwillig.  .     . .     •  /. .»  /,    iV  ' 

Kaiser  Joseph  kam  später  aber  selbst  auf  die 
Wee,  Mozarten, ''der  bis  jetzt  riftr'  Anwartschaft  auf 
einträgliche  Steilen  nnd  einen  Tftel  hätte,  —  einen 
wenigstens  erträglichen  Gehalt  zu  bestimmen,  und 
befragte  darüber:  seinen  Kammerdiener  "Strack,  der' 
seinem  sparsamen  Fürsten  gefallig*  aeyn  wollte1,  den'  et 
aber  freylich  hier  am  wenigsten  hätte  befragen  sollen. 
Auf  die  Frage  des  Kaisers*,  der;  wie  jeder  grosse 
Herr,  nicht  wusste,  'was  zum  Leben  eines  'Bürgers 
gehörte,  und  dem1  eine  Null,  mehr  oder  weniger,' 
nicht  viel  mehr  als  eine  Null  war,  —  auf  die  Frage, 
wie  viel  man  für  Mozarten  anweisen  müsse,  schlug 
Jener  800  fl.  jährlich  von  Der  Kaiser  war  es  zufrieden 
und  die  Sache  war  abgemacht.  Mozart  bekam  also  nun 
jährlich  800  fl.  — '  in  Wien.  Die  Verbesserung  sei- 
ne* Lage  war  dadurch  unbeträchtlich  5  denn  sein 
Miethzins  war  im  Jahre  1785  schob  460  A*  Und 
dennoch  blieb  er  nach  wie  vor  bey  Joseph  und  er- 


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» 


538 

inner  tu  diesen  mit,  feinem  ^Vorte  au  dergleichen 
Verhältnisse. ,  .  ,  \ 
Im  August  1787  schrieb  Mozart  seiner  Schwester  | 
„Um  Dh*  über  den  Punkt  in  Betreff  meines 
Dienstes  zu  antworten^  SP  hat  .mich  der  Jtaiser  zu 
sich  in  die  Kammer  genommen,  .folglich  formlich 
decretirt,  einstweilen  aber  nur  mit  800/?.:  es  ist 
aber  Keiner  in  der  Kammer,  der  so  viel  hat,  — 
Auf*  dem  Anschlagzettel,  da  meine  Prager  Oper  ito/? 
Giovanni  (welche  eben  heute  wieder  gegeben  wird) 
aufgeführt  \^rurÜe;  auf  welchem  gewiss  nicht  zu  viel 
steht,  da  ihn  die  K.  K.  Theater  -  Direction  heraus- 
hiebt, «Und:  ^,Die  Musik  ist  von  Herrn  Mozart, 
Kapellmeister  in  wirklichen  Diensten  Seiner  K;  K. 
Majestät."     4  .,       ,  .       I%t .« 

Mozart  war*  also  K.  K.  Kammer  —  Comnositeur 
init  800  Jl., ;  mit  «Jjei;  ^usicjierung,  dass  auf  ihn  in 
4  er. .Zukunft  Bedacht  genommen  werden  würde,  und 
4a. Mozart  nie  trotzig  seyn  konnte ,: aa . nahm  er  es 
wUUg  an  und  blieb.  Das  Anstellungs-Decret  lautet 
Ypm  7ten  December  1787.  i:  -:r, ;.;     •  v- 

.',  Ich  überlasse  es  jedem  Leser,?<larüber  Beobach- 
Lungen  .anzustellen,  um  die  Ursachen  der  langen 
Vernachlässigung  eines  so  grossen  Künstlers  auszu- 
forschen. An  ihm  lag  die.  Sdiuld  gewiss  nic)it; 
man  müsste  denn  seinen  geraden  und  offenen,  zum 
Bücken  uud  Kriechen  untauglichen  Charakter  als 
Schuld  annehmen.      -  .  ■  \  m 

.     Mozart  war  zu  edel,  um  zu  kriechen,  zu  offen, 
Min  zu  schmeicheln,  zu  stolz  gewesen,  um  all9  ita- 
liano  zu  betteln  \  — ■  und  dann  war  er  Ja  nur  ein 
Deutscher. 


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•Ungeachtet  seiner  clänzenden.  allgemein  bekann- 
ten  Talente,  sagt  Gerber,  war  sein  Schicksal  in  Wien 
dennoch  nichts  weniger  als  beneidenswerth  $  denn 
um  mit  seiher  Familie  auszukommen,  sali  er  sich 
genöthigt,  Unterricht  zu  geben  und  für  Geld  zu 
componiren;  und  da  ihm,  bcy  seiner  wenigen  Auf- 
merksamkeit, seine  Manuscripte  oft  entwendet  und 
ohne  sein  Wissen  und  Vortheil  gestochen  wurden, 
so  musste  er  um  so  mehr  schreiben,  > 

Als  Mozart  einst  sein  Einkommen,  wie  es  im 
Oesterreichischen  heisst,  fa Liren  musste,  schrieb  er 
in  ein  versiegeltes  Billet: 

-  „Zu  viel  für  das,  was  ich  leiste;  zu  wenig  für 
das,  was  ich  leisten  könnte."  —  Der  Hof  hatte  ihm 
nämlich  in  seiner  Eigenschaft  als  Klammer  —  Comuo— 
siteur  niemals  einen  Auftrag  gegeben^ 

Manche  Biographen  haben  der  Welt  falschlich 
resaet.  dass  er  bev  der  Vermählung  des  ietzigen 
Kaisers  Franz  I.  zu  dessen  Kapellmeister  mit  6000  fl- 
Gehalt  ernannt  worden  sey. 

,  Freyherr  von  Hormayr  sagt  im,  achten  Bande 
seines  österreichischen  Plutarchs  über  Mozart;  „Zu 
seinen  vielen  Neidern  und  Nebenbuhlern  verhält  er 
sich,  wie  der  Rhein«  ein  schäumendes  Aloenwasser. 
dem  See,  durch  den  ihn  der  Lauf  zwingt,  entkom- 
men, nun  donnernd,  spiegelnd,  mit  tausendfaltiger 
Schönheit  ausgestattet,  zu  dem  Rhein,  der  sich  im 
batavischen  Sande  verliert." 

So  viele  Feinde  und  Neider  auch  jeden  seiner 
Vorzüge  durch  Herabsetzung  und  Verläumdung  zu 
verdunkeln  bemüht  waren :  so  vollkommen  war  den- 
noch  der  Triumph  seiner  Kunst  bey  unbefangenen, 


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540 

von  dein  Rost*'  «er  Mode  unverletzte^  Seelen.  Alle 
Wahren  Kenner  der  Tonkunst  huldigteil  ©einem  Ge- 
nie, wovon  Folgende*  zeugt:       "  ' 

Der  als  Staatsmann  uiid  Gelehrter  gleich  ver— 
ehrungäWÜrdige  Baron  van  Swieien,  ein  wahrer  Ken- 
her der  Tonkunst,  voll  Gefühl  für  den  ernsten  Ge- 
sang des  erhabenen'  Händel ,  Hess  oft  die  "Werke 
dieses  berühmten  Tonkünstlers,  die  für  den  täudeltt- 
den  Modegeschmäck  unserer  Tage  eine  zu  einfache 
Kost  sind,  in  Privat -Concerten  aufführen.  Er  be- 
diente sich  dazu  der  Talente  unseres  Mozart's,  der 

*  •  •  • 

die  grossen  Ideen  Handels  mit  der  Warme  seine* 
Empfindung  zu  beleben,  und  durch  den  Zauber  sei- 
fi!e»' Instrumental  -Ratzes  für  unser  Zeltalter  geniest 
Bär^zu  machen  verstand.  Mozart  bearbeitete  für  ihn 
Handels  Acis  Und  Galathea,  deH Messias ,  Cacilia, 
tind  das  Fist  Alexanders  in  den  Jähren  1788,  4789 
ünd  1^90.  Swieten  cörresJ)ondirte  oft  über  diese 
Angelegenheit  mit  Mozart  und  schrieb  ihm  einst 
unter  andern  vom  2i^ten  Marz  1789: 

„Ihr  Gedanke,' den  Text  der  kalten  Arie  in  ein 
Reeitativ  zu  bringen,  ist  vortrefflich,  und  in  der 
tfn gewissheit,  ob  Sie  wohl  die  Worte  zurück  be* 
halten  haben,  schicke  ich  Ihnen  sie"  abgeschrieben. 
"Wer  Handel  so  feycrlich  und  so  geschmackvoll  klei-* 
den  kann ,  dass  er  einerseits  auch  den  Modegecken 
gefallt1,  und  tmdererseits  doch  immer  in*  seiner  Er»- 
habenlieit  sich  zeigt,  der  hat  seinen  Werth  gefühlt, 
der  hat' ihn' verstanden,  der  ist  zu  der  Quelle  seines 
Ausdruckes  gelangt,  und  kann  und  wir"d  sicher  daraus 
schöpfen»  So  selie  ich  dasjenige  an,  was  Sie  leiste<*- 
ten,  und  nun  brauche  ich  von  keinem  Zutrauen 


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Mi 

-  — - • 

» 

mehr  zu  sprechen,  sondern  nur  von,  dem  Wunsche, 
das  Recitativ  hald  zu  erhalten."  i 
~:    Der  Messias  und  das  Alexanderfest  sind  auf  diese 
Weise  bearbeitet  in  Partitur  bey  Breitkopf  u.  Härte!  * 
in  Leipzig  erschienen»  m*  —  *  •, 

Mozart  machte  Handels  Chöre  zum  Gegenstände 
seines  Studiums  und  verschönerte  (t788  bis  1790) 
dessen  Oratorien  durch  zweckmässige  Vermehrung 
der  Instrumental-Begleitung,  sagt  Mosel.      U  *  ... 

Auf  da*  Alexanderfest  hat  Mozart  unverkennbar 
-viel  Liebe,  bewundernswerthe  Kunst  und  ausgezeich- 
neten Fleiss  verwandt.  Händel  war  in  der  Nolh- 
wendigkeit,  allen  ßecitativen  und  auch  mehren  So- 
losätzen einen  und  denselben  Tenor  zu  geben,  wo- 
durch etwas  Monotones  in  sie  kommen  musste.  Die 
meisten  Situationen  und  Scenen  sind  sehr  locker  ui*4 
etwas  wunderlich  durch  den  Ilhansodeu  mehr  zu- 
sammen  gebracht,  als  zusammen  gehalten.         :  '  ■  . 

Mozart  liess  j )  was  nicht  recht  zusammenhangen 
wollte,  »vollends  auseinander  fallen  und  vertheilte  die 
Parthieen  an  die  verschiedenen  Hauptstimmen  eben- 
massig  und  für  den  Effect  der  Musik  ungleich  vor- 
theilhafter.    ,.»..«        ,  •    •  ■  -. 

...  2)  In  dem  in  Händeis  Heimath,  den  Chören, 
entscheidenden  Gesango  hat  er  Nichts  geändert, 
ausser  das  für  die  Sache  Gleichgültige,  was  die  Un-  ' 
terlegung  des  deutschen  Textes  nöthig  machte.  Seine 
ernste  Ansicht,  seine  gerechte  Würdigung  des  Ver- 
dienstes und  seine  Bedachtsamkeit  sind  hier  bewie- 
sen, wenn  sie  bey  ihm  des  Beweises  bedürften. 
Selbst  abkürzen,  wie  er  es  sich  bey  einigen  Arien 
des  Messias  unterstand,  mochte  er  hier  Nichts.  Auch 

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7)42 

«ist  da«  Werk  im  Ganzen,  und  bloss  einige  Haupt- 
scenen  abgerechnet,  kurz  gehalten,  und  schreitet 
ziemlich  rasch  fort.  An  diesem  Theüe  der  Handei- 
schen Werke,  am  Gesänge  und  vor  Allem  am  Ge- 
sänge der  Chöre,  die  gleichgültigeren  Zwischenarien 
abgerechnet,  ist  Alles  gediegen,  entschieden  und  ei- 
genthümlich.  Und  in  jedem  Falle  darf  Handels  Ei- 
genthümlichkeit  und  der  Charakter  seiner  Werke 
nicht  durch  eine  andere  Behandlung  als  die  Mozart  - 
sehe  einen  ihrer  Hauptvorzüge  verlieren« 

3)  Ganz  anders  verhalt  es  sich  mit  der  Instru- 
mentation« Diese  war  zu  Handels  Zeiten  weit  zu- 
rück: er  hatte  zwar  starke,  aber  schlechte  Orchester; 
wo  er  nicht  im  Texte  bestimmte  Aufforderung  zu 
reicherer  Ausarbeitung  von  dieser  Seite  und  zu  be- 
sonderer Benutzung  verschiedener  Instrumente  für 
einen  ganz  eigenen  Effect  vorfand,  pflegte  er  gleich- 
,  gültig,  ja  oft  selbst  das  gleichgültig  zu  behandeln, 
was  er  als  Nebensache  betrachtete. 

Hier  griff  Mozart  ein,  indem  er  nicht  etwa  nur 
Verstärkungen  durch  Blas  -  Instrumente  oder  Aus- 
füllungen durch  übergangene  Mittelstimmen  hinzu- 
setzte, sondern  indem  er  zwar  das  Quartett  stehen 
liess,  wie  er  es  fand,  und  wo  es  unvollendet  gelas- 
sen war,  es  ganz  in  Händeis  Schreibart  vollendete \ 
immer  aber  Leas  er  mit  bewundernswerther  Kunst 
und  grosser  Delicatesse  aus  den  Hauptfiguren  der 
Stimmen  für  die  Blas -Instrumente  gleichsam  einen 
kleinen  Staat  der  Anmuth  mit  der  alten  Grösse  der 
Kraft  entstehen,  und  verband  beyde  durch  gleiche 
Grundgesetze  aufs  Engste  mit  einander.  Wie. er 
diess  ins  Werk  gerichtet,  und  wie  es  ihm  gelungen, 

i 

i 

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■ 

Weiss  Jedermann,  der  seine  Bearbeitung  des  Händei- 
schen Messias  kennt.  In  der  Idee  selbst  ist  es  hier 
wie  dort«  Hier  findet  sich  aber  ein  neuer  Beweis 
von  des  Künstlers  sicherm  Blicke:  in  der  Ausfüh- 
rung erscheint  er  hier  weniger  künstlich ,  weniger 
gelehrt,  mehr  schmeichelnd  und  den  Effect  auf  ein 
gemischtes  Publicum  berücksichtigend,  mitbin  eben 
so  dem  Charakter,  dem  Style  und  der  Bestimmung 
dieses  Händeischen  Werkes  angemessen ,  wie  es  dort 
dem  Charakter,  dem  Style  und  der  Bestimmung  je- 
nes angemessen  war,  so  weit  nämlich  dieses,  wie 
dort,  der  Sache  selbst  nach  hergestellt  werden  konnte. 
Wer  nicht  will,  dass  solche  Werke  der  vorigen  Zeit* 
bearbeitet  werden  sollen,  der  bedenke,  dass  sie  dann 
gar  zu  leicht  von  den  Repertorien  weggewiesen  wer- 
den, weil  sich  nicht  Äuhörer  genug  finden  würden; 
und  ferner,  dass  Mozart  ja  diese  Werke  in  Allem, 
was  nur  einigermaassen  zu  ihrem  Wesentlichen  ge- 
rechnet werden  kann,  ganz  unverändert  liess,  und 

hur  das  Seine  hinzusetzte.  «**••  Man  hat  also  neben 

•  •  • 

dem  Neuen  auch  das  Alte. 

Im  Jahre  1790  vollendete  Mozart  die  Opera  buffa* 
Cosi  fan  tutte,  welche  er  im  Frühjahre  dieses  Jah^ 
res  für  die  italienische  Oper  in  Wien  unternahm. 
Man  wundert  sich  allgemein,  wie  der  grosse  Geist 
sich  herablassen  konnte,  an  ein  so  elendes  Machwerk 
von  Text  seine  himmlisch  süssen  Melodieen  zu  ver- 
schwenden. Es  stand  nicht  in  seiner  Gewalt,  den 
Auftrag  abzulehnen,  und  der  Text  war  ihm  aus- 
drücklich aufgetragen.  „  '  1 

Die  Franzosen  gestehen  der  deutschen  Musik, 
und  an  ihrer  Spitze  Mozarteh ;  eine  unbedingt  ihnen 

« 

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*44 


überlegene  VortrefFlichkeit  zu:  eme  Vortrefflich^ 
die  von  ihnen  bey  allen  Werken  dieses  Componiaten 
mit  Bereitwilligkeit  anerkannt  wird, %  obgleich  der 
Genuss  derselben  in  ihnen  mehr  mittelbar  durch 
Verstandes -Operation,  als  durch  unmittelbar  mensch» 
liehe  Theiluahme  sich  zu  erkennen  giebt.  Da  das 
Colorit  dieser  Composition  unter  allen  Werken  Mo- 

V 

zart's  am  meisten  aus  dem  Verstände  hervorgegan- 
gen zu  seyn  scheint,  indem  der  freyern  romant^ 
sehen  Behandlung  durch  den  so  witzigen  Inhalt  des 
Textes  fast  allenthalben  Fesseln  angelegt  w,orden,  so 
muss  die  Natur  dieser  Musik,  einem  französischen 
Publicum  auch  schon  desshalb  mehr  zusagen, .  wie 
viele  dieser  Art  von  seinen  übrigen  Arbeiten.  \ 

Cosl  fan  luttc  oder  die  Schule  der  Liebenden, 
ist  ein  geniales,  kunst-  und  ^ebenvolles  Werk;  sie 
ist  die  lieblichste  und  scherzhafteste  Musik  Mazart's, 
voll  .Charakter  und  Ausdruck,  Die  Finale  sind  un- 
übertrefflich. Wenn  man  den  schlechten  Text  dieser 
Oper  betrachtet,  so  muss  man  über  die  Fruchtbar- 
keit des  Mozart'schen  GenieV  erstaunen,  welches,  fä- 
hig war,  ein  so  trockenes,  einfaltiges  Sujet  zu  bele- 
ben und  solche  Schönheiten  hervor  zu  bringen, 

Der  TürJkenkrieg  und  der  dadurch  am  20spm 
Februar  1790  veranlasste  Tod  des  unvergesslichen 
Josevhs  raubte  auch  Mo  zart  eu  eine  grosse  Stütze  sei- 
ner  Hoffnungen;  er  blieb  Kapellmeister  mit  800  iL 
und  ohne  Wirkungskreis!  • 

Im  Jahre  1790  reis'te  Mozart  zur  Kaiserwahrl 
nach  Frankfurt.  Nach  Lipowsky  hat  er  dort  mit 
dem  Musik  -  Director  des  Fürsten  von  Oettingen- 
Wallerstein,  den  er  den  Papa  der  Clarierspieler,  zu 


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543 


pflegte,  u«u  t«« 
Clavier-Concert  eu  vier  Händen  gespielt«  Er  scheint 
damals  in  sehr  schlechten  Umstünden  gewesen  zu  seyn, 
und  diese  Reise  nur  gemacht  zu  haben,  um  ihnen- 
wo  möglich  aufzuhelfen.  Aus  Freundschaft  nahm  er 
seinen  Schwager  Hofer.  einen  geschickten  Orchester— 
Geiger  mit,  der  auch  immer  nothleidend  warj  die- 
sem studirte  er  seine  Quartetten  ein,  damit  er  ein 
Mittel  hätte,  sich  Etwas  zu  verdienen,  wozu  er  ihm 
Gelegenheit  verschaffen  wollte.   Vom  28sten  Septbr»' 
schrieb  er  seiner-  Frau  von  Frankfurt  aus:  Mein 
Wagen  (ich  möchte  ihm  ein  Busserl  geben)  ist  sehr 
In  Regensburg  speis'ten  wir  prächtig  s  wir  hat- 
göttlkhe  Tafel -Musik,  eine  englische  Be~ 
wüthung  und  einen  herrlichen  Moslerwein*  Nürn- 
berg ist  eine  hässliche  Stadt:  Würzburg,  eine  schöne 
und  prächtige.   Ich  bin  fest  entschlossen,  meine  Sa- 
chen hier  so  gut  als  möglich  zu  machen,  und  freue 
mich  dann  herzlich  zu  Dir.   Welch  herrliches  Le- 
ben wollen  wir  führen!  Ich  will  arbeiten,  so  arbei- 
ten, dass  ich  durch  unvennuthete_  Zufalle  nicht  wie—, 
der  in  eine  solche  fatale  Lage  komme*   Der  letzte 
Antrag,  der  mir  in  Wien  gemacht  wurde,  war, 
dass  Jemand  mir  auf  Hofmeisters  Giro  Geld  herge- 
ben  wollte  —  1000  fl.  haar  und  in  Tüch.  Somit  könnte 
Alles,  und  noch  mit  Ueberschuss  bezahlt  werden, 
und  ich  .  dürfte  nach  meiner  Rückkunft  nicht!  als 
arbeiten.   Lasse  dieses  durch  —  betreiben." 

Der  zweyte  Brief  ist  vom  30sten  September  t 
„Es  wäre  mir  Sicherheits  halber  recht  lieb ,  wenn 
ich  auf  des  Hofmeisters  Giro  2000  fl.  bekommen? 
konnte  j  Uli  musst  aber  eine  andere  als  die  ^^lrklichö 

36 


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'  546 

'  - 

Ursache'  verwenden,  nämlich:  dass  iqh  eine  Specu- 
laiion  im  Köpfe  hätte,  die  Dir  unbewußt  wäre., 
Ich  werde  zweifelsohne,  gewiss  Etwas  hier  machen«'. 
So  gross  aber,  wie  Da  und  verschiedene  Freunde 

Bekannt  und  angesehen  bin  ich  hier  genug*  Nun, 
wir  wollen  sehen.  Ich  liebe  aber  in  iedem  Falle, 
das  Sichere  zu  spielen ,  darum  mochte  ich  gern  das 
Geschäft  mit  Hofmeister  machen,  weil  ich  dadurch 
Geld  bekommen  und  nicht  zurück  bezahlen  darf, 
sondern  bloss  arbeiten,  und  das  will  ich  ja  meinem 
Weibchen  zu  Liebe  gern.   Ich  freue  mich  wie  ein 

m<  t 

Kind  wieder  zu  Dir  :  zurück.  Wenn  die  Leute  ,  in 
mein  Herz  sehen,  könnten,  müsste  ich  mich  fast 
schämen.  Es  ist  Alles  kalt  für  mich  —  eiskalt.  Ja«, 
wenn  Du  bey  mir  wärest,  da  würde  ich  vielleicht 
an  dem  artigen  Betrauen  der  Leute  ce^en  mich  mehr 
Vergnügen  find«,  so  ist  es  aber  so  leer»  •.     '.  ;.  •' 

P.  S.  Als  ich  die  vorige  Seite  schrieb  ^fiel  mir 
auch  manche  Thrane  auf  das  Papier.  Nun  aber  lu- 
stig! Fange  auf  —  es  fliegen  erstaunlich  viel  Bus- 
serl herum.  Was  Teufel!  ich  sehe  auch  eine  Menge 
—  ha  ha!  ich  habe  drey  erwischt,  die  sind  kostbar  !** 

.  .Vomiten  Novbr,  ^chrieb  er  von  München  aus: 

„Ich  habe,  ungeachtet  ich  gern  lange  bey  mei- 
nen alten  Manheimer  Freunden  fCannabich. 
Marchandt)  bleiben  möchte,  i  Dir  zu  Lieb*  nu» 
Tag  bleiben  wollen.  Ich  rauss  aber  mehrere  Tage 
nieinen,  wen  mien  aer  unuriurst  wegen  aes  J^onigs 
von  Neapel  zur  Akademie  gebeten  Iiat,  welches  wirk- 
lich eine  Auszeichnung  ist.   Aber  eine  schöne  Ehre- 


r 


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für  den  Wiener  Hof,  das*  mich  der  König  in  frem- 
den Landern  hören  muss  !  Verzeihe,  das*  ich  Dir 
nicht  so  viel  schreibe,  als  ich  gern  möchte,  Dü 
kannst  Dir  aber  nicht  vorstellen,  wie  das  Gereisse 
um  mich  ist." 

Um  diese  Zeit  rückte  aber  anch  Mozart's  Endo 
heran;  er  sollte  den  grossen  Monarchen,  über  wel- 
chen sich  Friedrich  der  Grosse  folgendermaassen  er- 
klärte: „Kurs*  es  ist  ein  Kaiser,  wie  Deutschland 
4       lange  keinen  gehabt  hatJ"  nicht  lange  überleben. 
Das  Jahr  1791,  furchtbar  reich  an  grossen  Todten, 
ward  bestimmt,  der  Welt  auch  den  Stolz  der  Ton-  , 
kun.sL  zu  entreissen.    Mozart's  Todesjahr  ist  noch 
durch  die  Schöpfung  seiner  Werke  vorzüglich  merk- 
w i  d i ^ •      1 1 i ol i s ci iw        w  o  1 1 L er  n^jcli  ^^or  incin 
-  Ende  die  Fülle  seines  Geistes  mit  vollem  Maasse  in 
die  Nachwelt  säen,  arbeitete  er  unablässig  dem  gros- 
sen Ziele  zu,  an  dem  er  sein  schönstes,  vollendetstes, 
allen  Forderungen  der  Aesthetik  Genüge  leistendes 
Werk  —  die  Zauberflöte  schuf.    Die  Compositiou 
der  Clemenza  dl  Tito  und  des  furchtbar  erhabenen 
Requiem  fallt  ebenfalls  in  dieses  Jahr.    Gewiss  ha- 
ben diese  drey  Werke  ihm  den  ersten  Platz  unter 
den  Tonkünstlern  aller  Zeiten  und  den  Kranz  der 
Unsterblichkeit  errungen,    und  jedem  Kenner  der 
.     Tonkunst  dringt  sich  beym  Anhören  dieser  Werke 
unwillkürlich  der  Gedanke  auf:    Wie  viel  würde 

  * 

der  Mann  noch  geleistet,  welche  Harmonieen  würde 
er  noch  geschaffen  haben! 

Mozart  schrieb  nämlich  innerhalb  der  vier  letz- 
ten Monate  seines  Lebens,  wo  er  schon  kränkelte 
und  awey  Reisen  machte  i 

35* 

l 

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548 

1)  Im  July  eine  Ciavier -Cantate:  Die  ihr  des 
unerme88lichen  Weltalls  Schöpfer  ehrt* 

2)  Die  Zauber  flöte  im  July;  den  Priestermarsch 
und  die  Ouvertüre  componirte  er  erst  den  28&ten 
September« 

3)  La  Clemenza  di  Tito  den  5ten  September. 

4)  Ein  Concert  für  die  Clarinette  für  Hrn.  Stadler. 

5)  Eine  kleine  Freymaurer -Cantate  (den  i5ten 
November),  und* 

6)  das  Requiem,  nebst  noclt  vielen  anderen  klei- 
neren Sachen,  die  weniger  oder  gar  nicht  bekannt 
geworden  sind. 

Schon  über  der  ersten  dieser  Opern  versank  er, 
dem  Tag  und  Nacht  gleich  war,  wenn  ihn  der  Ge- 
nius ergriff  —  durch  Anstrengung  öfters  in  Ermat- 
tung und  Minuten  lange  Ohnmacht  und  Bewusstlo- 
sigkeit. 

Die  Zauberflöte  componirte  er  für  das  Theater 
des  Schi  kaue  der,  der  sein  alter  Bekannter  war,  auf 
dessen  Bitte,  um  ihn  aus  seinen  bedrängten  Umstan- 
den zu  retten.  Die  Dichtung  ist  von  Schikaneder 
selbst,  der  auf  diese  Weise  mit  zur  Unsterblichkeit 
hinüber  geschleppt  wurde. 

Schikaneder  war  nämlich,  theils  durch  eigene 
Schuld,  theils  durch  Mangel  an  Unterstützung  des 
Publicums,  ganz  herunter  gekommen.  Halb  ver- 
zweifelnd  kam  er  zu  Mozart,  erzählte  seine  Umstände 
und  beschloss  damit,  dass  nur  er  ihn  retten  könnte. 

JcÄ?_    Womit?  — 

Schreiben  Sie  eine  Oper  für  mich ,  ganz  im  Ge- 
schmacke  des  heutigen  Wiener  Publicums;  Sie  kön- 
nen dabey  den  Kennern  und  Ihrem*  Äuhme  immer 


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549 

auch  das  Ihrige  geben,  aber  sorgen  Sie  vorzüglich 
auch  für  die  niedrigen  Menschen  aller  Stände.    Ich  \ 
will  Ihnen  den  Text  besorgen,  will  Decorationen 
schaffen  u.  s.  w. ,  Alles,  wie  man'«  jetzt  haben  will  — 

Gut  —  ich  wilTs  übernehmen!      .  , 

Was  verlangen  Sie  zum  Honorar? 

Sie  haben  ja  nichts !  Nun  —  wir  wollen  die 
Sache  so  machen,  damit  Ihnen  geholfen,  und  mir 
doch  auch  nicht  aller  Nutzen  entzogen  werde.  Ich 
gebe  Ihnen  einzig  und  allein  meine  Partitur  $  geben 
Sie  mir  dafür,  was  Sie  wollen,  aber  unter  der  Be- 
dingung, dass  Sie  mir  dafür  stehen,  dass  sie  nicht 
abgeschrieben  werde»  Macht  die  Oper  Aufsehen,  so 
verlaufe  ich  sie  an  andere  Directionen,  und  das 
soll  meine  Bezahlung  seyn.  — 

Der  Herr  Theater- Dir ectonr  sebloss  den  Ver- 
trag mit  Entzücken  und  heiligen  Bethenrungen.  Mo- 
zart schrieb  emsig,  schrieb  brav  und  ganz  nach  dem 
Willen  des  Mannes*  Man  gab  die  Oper,  der  Zulauf 
war  gross,  ihr  Ruf  flog  in  ganz  Deutschland  herum, 
und  nach  wenigen  Wochen  gab  man  sie  schon  auf 
mehren  auswärtigen  Theatern,  ohne  dass  ein  Ein- 
ziges die  Partitur  von  Mozart  erltalten  hätte!  Als 
Mozart  die  Betrügerey  dieses  Menschen  erfuhr,  war 
Alles,  was  er  sagte:  Der  Lump!  —  und  damit 
war  es  vergessen.  Durch  Undankbarkeit  liess  sich 
Mozart  nicht  stören;  kaum  Minuten  lang  wurde  er 
unwillig  darüber.  . 

..    Die  Musik  der  Zauberflöte  hat  sich  mit  einer  . 
so  gewaltigen  Superiorität  an  den  Text  angeschlos- 
sen, dass  letzterer  fast  ganz  verschwunden  zu  seyn 
scheint.  Ihre  mannigfaltigen  Schönheiten  verschmel- 

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650 

zen  ohne  alle  schroffe  Antithetik,  wie  die  blühen- 
den Farben  des  Regenbogens  in  einander,  und  sind 
immer  nur  Eins  in  ihrem  üppigen  Wechsel.  Den 
ausgebreiteten  Ruhm  erwarb  sich  Mozart  durch 
diese  Oper,  wozu  die  theatralische  Beschaffenheit 
mit  beygetragen  haben  mag;  denn  wohl  nur  der 
kleinere  Theil  wusste  diese  Musik  gehörig  zu  wür- 
digen. Noch  stehen  die  Zeugnisse  des  Enthusiasmus, 
sagt  Gerber,  für  diese  Oper  in  allen  Schriften.  Aber 
trotz  der  hundertfaltigen  Bemerkungen,  die  man  in 
Zeit  Ton  sieben  Jahren  niedergeschrieben  hatte,  war 
es  doch  den  Wenigsten  aufgefallen,  dass  darin  von 
den  Priestern  die  ganze  reine  Choral  ^-Melodie:  Ach 
Gott  vom  Himmel  sieh  darein,  und  lass  dich  doch 
erbarmen  etc.  welche  man  dem  Z>.  Luther  zuschreibt, 
durch  und  durch  gesungen  wird.   "Wenigstens  hatte 

• 

noch  keine  der  hundert  Federn,  die  über  die  Schön- 
heiten und  Eigentümlichkeiten  dieses  Stücks  in  Be- 
wegung gesetzt  worden  waren,  diesen  Umstand  ge- 
nau berührt,  und  nach  so  vielem  Hören  hatte  man 
diesen  in  ein  neumodisches  Opernchor  eingekleideten 
Choral,  den  jedes  Kind  mitsingen  kann,  weniger 
bemerkt!  Wie  musste  ich  aufhorchen,  als  die  ge- 
harnischten Männer,  unterstützt  von  Posaunen  und 
Fagotten,  die  alte  Choral  -  Melodie  von  Wolf  Heinz: 
Christ,  unser  Herr,  mm  Jordan  tarn  etc.  anstimm- 
ten; da  keiner  der  vielen  Zergliederer  dieser  Oper 
ein  Wort  darob  hatte  fallen  lassen. 
-  Die  Zaüberflöte  hat  nicht  allein  Schikaneder, 
sondern  auch  noch  andere  Unternehmer  vom  Unter- 
gange gerettet.  Die  Ouvertüre  ist  eine  freye  Fuge, 
und  ein  für  sich  bestehendes,   in  sich  gewundenes 


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t 

m 

•  UM 

Zauberbild  von  höchster  Meisterschaft,  in  Welch  ei 
die  drey  Geisterrufe  der  Posaunen  nur  verbindend 
eingewebt  sind,  damit  der  Strahlenkranz  des  nach 
'ailen  Compass-  Ecken  springenden  Brillantfeuers 
der  fugirten  Sätee  —  nicht  das  Auge  verblendet, 
'sondern  den  in  wohnen  den  ernsten  Geist  im  voraus 
ahnen  lasst.  f»  •     »  «      .       •     •'  •  • 

Die  Höhe  der  Königin;  der  Nacht  ist  ein  Pro- 
•bierstein  für  hohe  Kopfstimmen ;  denn  melodischen 
:Gesang  und  sanftes  Tragen  der  Töne  fand  Mozart's 
•Weisheit  dieser  racheschnaubendea  Königin  zu  er- 
theiJen  nicht  für  gut« 

Schikaneder  pfuschte  fast  in  iede  seiner  aufce- 
führten  Opern  hinein,  strich  den  Tonsetzern  manch- 
mal die  beste  Stelle  weg  und  setzte  schlechte  dafür 
hinzu  So  mussto  sich  auch  Mozart  seiner  Kritik, 
aussetzen,  und  hatte  nicht  wenig  Verdruss  auszu- 
stehen. Das  Duett:  Bey  Männern  welche  etc.  musste 
er  sogar  fünf  Mal  componiren,  bis  es  Schikane  dem 
-gut  genug  war,      ■  ■  •/        *»  ■  • 

Mozart,  sagt  Alex.  Dusch,  ist  der  Genius,  der 
das  Zeitalter 1  des  Perikles  in  der  Musik  geschaffen 
»und  mit  seinem  frühen  tfode  wieder  geschlossen  hat 
Die  Verleger  mögen  kühn  bey  seinen  Werken  die 
alte  unwürdige  Politik  verlassen  und  nur  getrost  die 
Jahreszahl  des  Verlags  beyfügen* 

In  allen  Theilen  war  mir  die  Zauberflöte  geläu- 
fig, und  doch  bin  ich  bey  einer  neulichen  Auffüh- 
rung (im  Jahre  1624)  von  dein  Reize  unerschöpf- 
licher Neuheit  ergriffen  worden.  Mich-  überraschten 
selbst  die  abgeleyerten  Melodieen;  die  auf  den  Stras^ 
se nörgeln  zum  Ekel  geworden  sind!    Sie  grünten 


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552 


mir  frisch  an  ihrer  dramatischen  Stelle,  da  ich  sie 
im  Ganzen  hörte.  Welche  objective  Dichtung,  wel- 
che Darstellungskraft!  Diese  Töne  zeichnen  $  sie  ge- 
ben Farbe,  man  hört  und  sieht  zugleich,  was  ünd 
von  -wem  es  geschieht:  sie  sind  verwachsen  mit  .Si- 
tuation und  Charakter«    Flies  st  nicht  im  Gesänge 
des  Sarastro  und  in  den  Chören  der  Priester  die 
.reinste  Sprache  tiefer,  von  aller  Leidenschaft  abge- 
trennter Weisheit?   Man  kann  sich  nicht  täuschen': 
nur  eine  beruhigte  Welt  von  Eingeweihten  singt 
solche  Töne«    Hört  man  dagegen  die  Königin  der 
Nacht,  zur  Hälfte  schon  im  Gesänge  ihrer  verschleier- 
ten Damen  gezeichnet}  prächtig  und  stolz  beginnt 
ihr  Gesang,  lockend  gegen  den  Jüngling,  den  sie  zu 
cewinnen  strebt,  und  mit  dem  Flittenrolde  weibli- 
eher  Eitelkeit  besetzt*   Racheglühend,  von  allen  Un- 
stern Leidenschaften  aufgewühlt,    als  Mutter  und 
Königin  gebietend  erscheint  die:  Beherrscherin  der 
Nacht  in  der  zweyten  Arie«    Nur  eine  sternflam- 
mende Königin  kann  diese  Arie  singen.   Wie  zart 
und  edel  ist  die  Liebe  des  reinen  Jünglings  bey  aller 
Festigkeit  in  seiner  Prüfung  gezeichnet  l    Welch  ein 
Hauch  der  Unschuld  und  der  Hingebung  lebt  in  den 
Tu  neu  der  Famina!  Ist  nicht  die  ganze  lebenslustige 
Sinnlichkeit  des  Vogelfängers  frisch  und  heiter  in 
seiner  Melodie  wieder  gegeben?,  Und  wem  passen 
wohl  noch  sonst  jene  himmlischen  Gesänge  der  Ge- 
•  mm  an,, als  diesen  ätherischen  Wesen!  Mögen  ihre 
Theaturflügel  ihnen  noch  so  plump  angeheftet  seyn: 
man  hört  es,  wie  leicht  sie  der  Zephyr  trägt,  und 

^löfid  <S  1 0   021^  £^2^1      cl VI I3 X.  lc\  1 1  d     i\  1 1  ^ C- 1 1  i^)  X  1 11  *     "^^^/^l©  ist  C^ncjfl^ 

lieh  über  das  Ganze,  ein  FArbe&licbt  und  ein  zarter 


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Duft  gegangen,  die  uns  in  die  mahrehen hafte  Welt 
versetzen!       .7  •  .    •  •       .  / 

Man  hat  Beyspiele,   dass  Opern  von  verschie- 
denen Componisten  mehrmals  anders,  und  auch  von 
Jedem  in  seiner  Art  verdienstlich  in  Musik  gesetzt 
-Worden»   Versuche  man  diess  einmal  mit  einer  Mo- 
zart'schen  Oper  !    Hier  ist  die  chemische  Affinitat 
-der  Töne  zur  Situation,  zum  Charakter  und  zu  den 
.Worten  so  cross.  dass  ihre  Verbindung  unauflöslich 
t»    .M o 2^di  t  liät  den  ^ciiizcii.  ÄXcn  s  cli  cn  und   <> cino 
Lage  so  tief  und  zugleich  so  individuell  wieder  ge- 
geben, dass  seine  Musik  die  einzig  wahrste  isty  und 
jede  andere  daher  würde  mehr  oder  weniger  ein 
,  allgem einer  Wacbtmantel  für  die  auszudruckenden 
Gefühle  sevn.  Man  spiele  ircend  einen  dramatischen 
.Gesang  Mozart's  auf  einem  Instrumente;  man  wird 
nicht  im  Zweifel  bleiben,  dass  dieser  Gesang  einem 

1  w *  u  t  i  tyi  m  t  pii  IVT^yi  c r*Vi  f>T\    in   p l  Ti  P r   Via at"!  in  yyi f"f*Yi  T  Q <ta   i \ 1 1  f*T* 

Handlung  angehöre.  Es  bleibt  menschliche  Sprache, 
selbst  auf  dem  Instrumente*  Man  singe  dagegen 
manche  Opern -Melodie  sogar  mit  ihren  Worten  — 
sie  wird  nur  als  Instrumental -Musik  erscheinen,  die 
auf  der  Kehle  gespielt  wird.  Es  ist  unmöglich,  das« 
Mozart  das  Geringste  von  seiner  dramatischen  Musik 
erfunden«  bevor  der  Charakter,  die  Situation  und 
die  Worte  vor  ihm  standen.  Andere  tragen  den 
Kopf  voll  Opernmusik,  nur  verlegen,  ein  Sujet  da- 
zu zu  finden.  Es  giebt  noch  immer  Leute,  die  im 
JRrnste  behaupten,  die  Worte  hätten  bey  einer  Oper 
Nicbts  zu  bedeuten,  und  es  hat  mich  gewundert, 
dass  sie  sich,  zum  Beweiss  ihrer  Entbehrlichkeit  für 
den  Hörer,  nicht  auf  die  Mozart'ächc  Musik  berio- 


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fen ;  die  nöthigen  Falls  auch  ohne  Werte  verständ- 
lich ist,  weü  er  die  Worte  gar  wohl  verstanden 
und  gefühlt  hat.  Aber  freylich  waren  sie  bey  ihm 
kein  blosser  Faden,  um  fertige  Perlen  daran  zu  rei- 
hen. Eben  darum  sind  die  Mozart'schen  Opern  auch 
so  s ch wer,  gut  zu  besetzen ,  weil  er  nicht  bloss  Keh- 
len, sondern  ganze  Menschen  verlangt. 

Alles,  was  Mozart  schuf,  trägt  den  eigenthüm- 
lichsten  Charakter,  und  von  seinem  Ave  verum  Cor- 
pz/s  bis  zum  Ländlertanze  ist  Alles  mit  dem  Stempel 
des  Genius  bezeichnet.  Nur  wenige  Jahre  wirkte  er, 
um  sich  ein  unsterbliches  Denkmal  zu  errichten. 

•  *  -  .  • 

»    M  «       f.  .««.*«  •  «  » 

»         •  .  L« .        *  •     •  •  •    *  •   •  ■  ■    •  t 

i  ■  Kurz  vor  der  Krönung  des  Kaisers  Leopold, 
und  ehe  Mozart  den  Auftrag,  nach  Frag  zu  reisen, 
erhielt,  brachte  ihm  ein  unbekannter  Bote  einen 
Brief  ohne  Unterschrift,  der  nebst  mehren  schmei- 
chelhaften Aeusserungen  die  Anfrage  enthielt:  ob 

'-Mozart  die  Composition  eines  Requiem  übernehmen 
wolle,  und  um  welchen  Preis,  und  binnen  welcher 
Zeit  er  sie  liefern  könne? 

Mozart,  der  ohne  Vorwissen  seiner  Frau  nicht 
den  geringsten  Schritt  zu  thun  pflegte,  erzählte  ihr 
den  sonderbaren  Auftrag,  und  äusserte  dabey  seinen 
Wunsch,  sich  in  dieser  Gattung  auch  einmal  zu  ver- 
suchen, um  so  mehr, -da  der  höhere  pathetische  Styl 
der  Kirchenmusik  immer  sein  Lieblingsstudiuin  war. 
Seine  Frau  rieth  ihm  zur  Annahme  des  Auftrags, 
•und*  Mozart  schrieb  dem  unbekannten  Besteller  zu— 

-rück,  dass  er  das  Requiem  für  eine  gewisse  Beloh- 
nung verfertigen  «Mterde.  Die  Zeit  der  Vollendung 
könne  er  nicht  genau  bestimmen,  doch  wünsche  er 


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I 


» 


,   <55  _ 

den  Ort  zu  wissen,  wohin  er  das  Tollendete  Werk 

abzuliefern  habe.  Nach  einiger  Zeit  erschien  derselbe 
Bote  wieder,  brachte  nicht  nur  die  bedungene  Be- 
lohnung mit,  sondern  auch  das  Versprechen  einer 
beträchtlichen  Zulage  bey  Uebergabe  der  Partitur, 
da  er  mit  seiner  Forderung  so  billig  gewesen  sey. 
Uebrigens  solle  er  ganz  nach  der  Laune  seines  Gei- 
stes arbeiten.  Doch  solle  er  sich  gar  keine  Mühe 
£eben,  den  Besteller  zu  erfahren,  indem  es  gewiss 
umsonst  seyn  werde, 

Während  dem  erhielt  Mozart  den  ehrenvollen 
und  vortheilhaften  Antrag,  für  die  Prager  zur  Kro*- 
nung  des  Kaisers  Leopold  die  Opera  seria:  La  C/e- 
_  tnenza  di  Tito  zu  schreiben* 

Eben  als  er  mit  seiner  Frau  in  den  Reisewagen 
stieg,  stand  der  Bote  gleich  einem  Geiste  wieder  da, 
zupfte  die  Frau  am  Rocke  und  fragte:  „Wie  wird       ,  - 
es  nun  mit  dem  Requiem  aussehen?"   Mozart  ent^ 
schuldigte  sich  mit  der  Nothwendigkeit  der  Reise 
und  der  Unmöglichkeit,  seinem  unbekannten  Herrn 
davon  Nachricht  geben  zu  können;  übrigens  werde 
es  bey  seiner  Zurückkunft  seine  erste  Arbeit  seyn  5 
es  käme  nur  auf  den  Unbekannten  an ,  ob  er  so  lange 
warten  wolle:  und  damit  war  der  Bote  gänzlich  be-  ' 
friedigt. Die  Musik  zur  Clemenea  di  Tito  war  von  fj  .*  *  \ 
den  böhmischen  Ständen  zur  Krönung  des  Kaiser.  . 
Leopold  bestellt,  nach  dem  Texte  des  Metastasio  aber 
abgekürzt.  Die  Arbeit  dieser  Oper  begann  er  in  seir 
nem  Reisewagen  auf  dem  Wege  von  Wien  nach  Prag, 
und  vollendete  sie  in  achtzehn  Tagen  in  Prag.  Schon 
in  Prag  kränkelte  und  medicinirte  Mozart  unaufhör-  ; 

hörlich.   Seine  Farbe  war  blass  und  sein  Blick  matt        •  ; 

■    *  •  . 

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556 

und  traurig,  obschon  sich  «eine  frohe  Laune  im 
Zirkel  vertrauter  Freunde  noch  oft  in  fröhlichem 
Scherz  ergoss.* 

Man  scheint  in  Prag  erst  spät  an  diese  Oper  ge- 
dacht zu  haben ,  denn  die  Zeit  zur  Bearbeitung  der- 
selben war  so  kurz,  dass  Mozart  die  unbegleiteten 

davon  gefertigte  Nummer,  so  bald  sie  fertig  war, 
ßocleich  in  Stimmen  aussetzen  lassen  musste.  damit 
zu  rechter  Zeit  das  Ganze  fertig  war.  Somit  sah 
aich  Mozart  gezwungen,  entweder  ein  mittel  massiges 
Ganzes  zu  liefern,  oder  nur  die  Hauptsätze  sehr  gut, 
nnd  die  minder  interessanten  leicht  hin  und  bloss 
dem  Zeitgeschmacke  des  grossen  Haufens 
bearbeiten.  Die  Wahl  selbst  war  leicht.  Einen  Be- 
weis für  die  Richtigkeit  seines  Geschmacks  und  für 
seine  Kenntniss  des  Theaters  und  des  Publicum s  legte 
er  dadurch  ab,  dass  er  die  sehr  gedehnte  Verwech- 
selung, welche  bey  Metastasio  fast  den  ganzen  zwey- 
ten  Act  füllte,  wegschnitt,  wodurch  die  Handlung 
einen  raschern  Gane  bekömmt,  das  Ganze  melir 
concentrirt  und  dadurch  weit  interessanter  in  zwey 
massig  langen  Acten  vollendet  wird,  jedoch  so,  dass 
er  auch,  um  mehr  Mannigfaltigkeit  in  die  einför- 
migste Abwechselung  von  Arien  und  Recitativen  zu 
bringen,  mehre  dergleichen  Sätze  gegen  das  Ende  . 
des  ersten  Actes  zusammenschmolz,  und  daraus  das 
grosse  Meisterstück,  das  Finale  des  ersten  Actes  bü% 
,dete  —  eme  Compositum,  die  im  Ganzen  zwar  nach 
einer  Scene  seines  Idomeneo  angelegt  ist,  aber  Mo- 
zart's  Shakespear'sche  allmächtige  «Kraft  sowohl  im 
Grossen  und  Prachtvollen,  als  auch  im  Schrcddichen. 

< 


» 


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so  bis  mm  Haar -Emportreibenden  darlegt,  als  kaum 
das  berühmte  Finale  des  ersten  Actes  seines  Don  Juan« 
Um  aus  La  Clemenza  di  Tito  eine  wahrhafte  Oper 
zu  machen,  musste  er  also  das  ganze  Werk  umge- 
stalten, was  er  mit  aller  poetischen  Willkürlichkeit 
that,  die  ihm  zu  Gebote  stand«  Dieser  Titus,  der 
bey  dem  Dichter  eine  verschwimmende  Weichlich- 
keit, ja,  streng  genommen,  nicht  eine  Person,  son- 
dern eine  blosse  Sache  ist,  erhält  von  der  Musik 
hier  den  Charakter  sanfter  Liebenswürdigkeit«  Die 
im  Stücke  selbst  schon  einigen  Anlauf  machende 
Vitellia,  um  sich  zur  Erhabenheit  zu  steigern,  die 
ihr  aber  missglückt,  wird  als  solche  rein  und  kräf- 
tig dargestellt  $  und  die  als  alltägliches  Stück  und 
nur  halb  verwischt  angedeutete  Freundschaft  zwi- 
schen Sextus  und  Annius  erhebt  sich  hier  schon  im 
Duette  des  ersten  Actes  zu  einer  idealischett  Zartheit. 
Allenthalben  findet  sich  namenloser  Zauber,  der  wie 
ein  leichter  Blüthenhauch  aus  dem  Lande:  „wo  die 
Zitronen  blühn,"  über  dem  Ganzen  schwebt.  Alles 
einigt  und  bildet  und  vollendet  sich  in  sich  selbst. 
Wie  in  Göthe's  Torquato  Tasso ,  mit  dem  sich  die- 
ses Mozart'sche  Kunstwerk  wohl  vergleichen  lassen 
1,  ist  hier  die  Synthese  so  rein  und  beschlos- 
1,  dass  der  Kritiker  kaum  wagen  darf,  zu  analy- 
siren.  Ihm  bleibt  nur  übrig,  zu  sagen,  dass  jede 
Analyse  sich  damit  enden  müsse,  dass  der  Künstler 
nicht  analysirt  habe.  Es  war  diess  somit  für  Mozart 
gewiss  ein  sehr  gewagtes  Unternehmen,  da  das  Ganze 
so  gebrechlich  war,  welches  umzuschaffen  er  sich 
aufgab.   Bey  Allem  dem  schrieb  Mozart  den  Titus 


» 


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bey  hinschwindenden  Kräften,  denn  sein  Genius  war 
im  Abnehmen  begriffen,  und  mit  seinem  siechenden 
Körper  musste  die  Energie  seines  Geistes  um  so  mehr 
ermattem  Daher  schreibt  sich  die  einzelne  Instru- 
mental-Begleitung, die  stille  Erhabenheit  und  Schwer- 
muth  in  den  Melodieen  und  dem  Charakter  des  Ti-  - 
tus,  und  daher  auch  die  Umschaffung  der  von  Me- 
tastasio  gestaltete»  drey  Acte  der  Oper  in  zwey  von 
Mozart,  der  sonst  so  gern  componirte,  sich  über 
Alles  verbreitete  und  allenthalben  die  Schatze  seines 
Genie's  verschwenderisch  austheiltej  denn  in  seinem 
musikreichen  Don  Juan  componirte  er  nach  Ferti- 
gung des  Ganzen  dennoch  ein  halbes  Dutzend  Stücke 
nach,  so  dass  man  kaum  weiss,  wie  man  sie  bey  der 
Vorstellung  unterbringt;  und  hier  im  Titus  strich  er 
einen  ganzen  Act!  —  Ja«  er  schmolz  nicht  allein  den 
ersten  und  dritten  Act  wohl  oder  übel  an  einander, 
sondern  er  liess  auch  die  dialogisirenden  Recitativ© 
von  seinem  Schüler  Süssmavr  fertigen« 

►  *  •  r  •  >  • 

Diese  Oper,  die  jetzt  noch  immer  mit  dem  gröbs- 
ten Entzücken  gehört  wird,  gefiel  bey  ihrer  ersten 
Vorstellung  nicht  so  sehr,  als  sie  es  verdiente.  Ein 
Publicum,  von  Tanz,  Ball  und  Vergnügen  aller  Art 
und  dem  prunkenden  Geräusche  des  Krönungsfestes 
betäubt,  konnte  unmöglich  für  die  einfachen  Schön- 
heiten Mozart'scher  Kunst  Sinn  haben.  Ueberhaunt 
erfordert  der  Genuss  dieses  Kunstwerkes  eine  rein- 
gestimmte Seele  und  ein  vollkommen  ruhiges  Ge- 
müth,  es  wirkt  nur  nach  und  nach,  und  nur  wie- 
derholtes und  aufmerksames  Hören  weihet  alimähüg 
in  seine  erhabenen  Mysterien  ein« 

m  m 

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I 

559 

—  ... 

V 

Beym  Abschiede  in  dem  Zirkel  «einer  Freunde 
war  Mozart  so  wehmüthig,  das«  er  Thränen  vergoss* 
es  schien  ein  ahnende«  Vorgefühl  «eine«  nahen  Tode« 
diese  schwermüthige  Stimmung  hervorgeoracht  zu 
hüben  — -  denn  er  trug  schon  damals  den  Kleina  der 
ihn  bald  hinraffenden  Krankheit  in  «ich. 

Hierher  gehören  noch  einige  Anekdoten  und 
Charakterziige  Mozart'«  während  seine«  Aufenthalt« 
in  Prag.  s 

Als  Mozart  1787  die  erste  Probe  von  seiner  Oper 
Don  Juan  hielt,  liess  er  bei  den  Stellen  des  Comen- 
datore:  Di  rider  finirai,  etc  und:  Ribaldo  audace 
etc.,  welche  bloss  mit  drey  Posaunen  begleitet  waren, 
inne  halten,  weil  einer  von  den  Posaunisten  seine 

« 

Stimme  nicht  richtig  vortrug.  Da  es  nach  wieder- 
holtem Versuche  noch  nicht  besser  ging,  verfügte 
sich  Mozart  zu  dessen  Pulte  und  erklärte  ihm,  wie 
er  es  ausgeführt  zu  haben  wünschte,  worauf  dieser 
ganz  trocken  antwortete:  „Das  kann  man  nicht  so 
blasen,  und  von  Ihnen  werd'  ich  es  auch  nicht  erst 
lernen."  Mozart  erwiederte  lächelnd:  Gott  bewahre 
mich,  Sie  Posaune  lehren  zu  wollen:  geben  Sie  nur 
die  Stimmen  her,  ich  werde  sie  gleich  abändern. 
Er  tliat  diess  und  setzte  auf  der  Stelle  noch  zwey 
Hoboen,  zwey  Clarinetten  und  zwey  Fagotten  dazu. 

-  Mozart,  wahrend  er  1791  die  Krönung« -Oper: 
TM  CUmenza.  di  Tito  schrieb  besuchte  fast  tätlich 
mit  seinen  Freunden,  ein  unweit  «einer  Wohnung 
gelegene«  Kaffeehau«,  um  mit;  Billardspielen  sich  zu 
zerstreuen.  Man  bemerkte  einige  Tage  lang,  das« 
er  während  dem  Spielen  ein  Motiv  ganz  leise  für, 


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sich  mit:  hm  hm  hm  sang,  mehrmals  während  der 
Andere  spielte,  ein  Buch  aus  der  Tasche  zog,  flüch- 
tige Blicke  hineinwarf  und  dann  wieder  fortspielte« 
Wie  erstaunt  war  man,  als  Mozart  auf  einmal  sei- 
nen Freunden  in  Duschek's  Hause  das  schöne  Quin- 
tett aus  der  Zauherflöte  zwischen  Tamino ,  Papageno 
und  den  drey  Damen,  das  gerade  mit  demselben 
Motive  beginnt,  welches  Mozarten  während  des 
Billardspielens  so  beschäftigt  hatte,  auf  dem  Claviere 
.vorspielte.  Nicht  nur  ein  Beweiss  von  der  immer- 
währenden Thätigkeit  seines  schöpferischen  Geistes, 
die  selbst  mitten  in  Vergnügungen  und  Zerstreuun- 
gen nicht  unterbrochen  wurde,  sondern  auch  von 
der  Riesenkraft  seines  Genie's,  das  so  verschie- 
denartige Gegenstände  zu  einer  und  derselben  Zeit 
zu  bearbeiten  vermochte.  Bekanntlich  hatte  Mozart 
die  Zauberflöte  schon  unter  der  Feder,  bevor  er 
nach  Prag  reis'te,  um  da  La  Clemenza  di  Tito  zu 
componiren  und  aufzufuhren. 

Von  dem  ausserordentlichen  Gedachtnisse,  das 
Mozart  besaass,  dürfte  Folgendes  einen  Beweis  lie- 
fern. Zu  dem  Finale  des  zweyten  Actes  zu  Don 
Juan  schrieb  er  die  Trompeten  -  und  Paukenstimmen, 
ohne  die  Partitur  vor  sich  zu  haben,  bloss  aus  dem 
Gedächtnisse,  brachte  sie  selbst  in  das  Orchester  und 
gab  sie  den  betreffenden  Individuen  mit  den  Wor- 
ten: »Ich  bitte  Sie,  meine  Herren,  bey  dieser  Stelle 
besonders  au&nerksam  zu  seyn;  denn,  es  werden 
entweder  vier  Tacte  zu  viel  oder  zu  wenig  seyn. 
Und  richtig,  es  traf  ein,  dass  bey  der  angezeigten 
Stelle  diese  Instrumente  mit  den  übrigen  nicht  über- 


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I 
I 
I 

■ 

Mozart  ward  vom  Grafen  P**  ersucht,  ßr  die 
adeligen  Gesellschafts- Bälle,  welche  derselbe  leitete,  I 
einige  Contratänze  zu  schreiben»    Er  versprach  es» 
allein  es  wollte  immer  nichts  erfolgen.    Der  Graf 
gebrauchte   daher   die  List  und  liess  Mozart  zu 
Tische  laden,mit  dem  Bedeuten,  dass  diess  Mal  eine  j 
Stunde  früher  als  gewöhnlich  würde  gespeis't  wer- 
den. So  wie  Mozart  zur  bestimmten  Zeit  erschienen  ; 
war,  liess  der  Herr  vom  Hause  sogleich  die  erfor- 
derlichen Schreibmaterialien  bringen ,  und  drang  aufs 
Neue  in  ihn,  seine  Bitte,  für  den  Ball,  der  den  fol- 
genden Tag  statt  finden  sollte,  zu  erfüllen.    Mozart*  * 
auf  diese  Weise  in  Anspruch  genommen ,  setzte  sich 
ohne  weiteres  zum  Schreibepult,  *nd  war  In  weni- 
ger als  einer  halben  Stunde  mit  vier  Contratänzen 
für  das  grosse  Orchester  fertig.  .  < 

Im  Jahre  1787  componirte  Mozart  während  des 
Kegelspiels  in  dem  vor  der  Stadt  gelegenen  Garten 
seines  Freundes  Duschek  mehre  Stücke  zu  der  Oper 
Don  Juan.  Wenn  die  Reihe  des  Spiels  ihn  traf, 
stand  er  auf;  allein  kaum  war  diess  vorüber,  so 
arbeitete  er  sogleich  wieder  fort,  ohne  durch  Spre-* 
chen  und  Lachen  derer,  die  ihn  umgaben,  gestört 
zu  werden..      **  .  • 

Im  Jahre  1791  war  mit  Mozart  zu  gleicher  Zeit 
der  Ciavierspieler  W**  in  Prag r  Um  sich  da  auf 
dem  Pianoforte  hören  zu  lassen*  Als  man  Mozart 
den  Concertzettel,  worauf  derselbe  als  sein  Schüler 
angekündigt  war,  überreichte,  sagte  er:  ,*Der  jung© 
Mann  spielt  recht  brav,  aber  ich  habe  keinen  An- 
theil  daran;  vielleicht  hat  er  von  meiner  Schwester 
Etwaa  profitirt/« 


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/ 


662 

Ab  Mozart  zu  Prag  im  Gasthofe,  das  neue? 
Wirthshaus  genannt,  wohnte,  hörte  er  da  einen 
fertigen  und  allgemein  beliebten  Harfenisten,  der  die 
Gäste  mit  den  Favoritstücken  aus  der  so  beliebt  ge- 
wordenen Oper  Le  Nozze  di  Figaro  und  eigenen 
Phantasieen,  obschon  er  nicht  nach  Noten  spielte, 
zu  unterhalten  pflegte.  Mozart  Hess  ihn  auf  sein 
Zimmer  kommen  und  spielte  ihm  ein  Theme  auf 
dem  Pianoforte  vor,  mit  der  Frage:  Ob  er  wohl 
im  Stande  wäre,  über  dasselbe  aus  dem  Stegreife 
Variationen  zu  machen?  Dieser  besann  sich  eine 
kleine  Weüe,  bat  Mozart,  ihm  das  Theme  noch 
ein  Mal  vorzuspielen,  und  variirte  dasselbe  wirklich 
mehre  Male,  worüber  Mozart  seine  Zufriedenheit 
äusserte  und  ihn  sehr  reichlich  beschenkte.  Da  die- 
ses Theme,  welches  Mozart  wahrsdieinlich  auf  der 
Stelle  erfand,  bis  jetzt  nirgends  als  in  dem  Gedächt- 
nisse dieses  nunmehr  bejahrten  Harfenisten  aufzu- 
N  finden  war ,  so  entriss  ein  eifriger  Verehrer  Mozart's 
es  der  Vergessenheit  dadurch,  dass  er  es  in  Noten 
übertrug,  uud  somit  sein  Daseyn  fUr  immer  sicherte. 
Der  Besitzer  bewahrt  es  wie  das  kostbarste  Kleinod. 

Beweise  von  Liebe  und  Verehrung  erhielt  Mo- 
zart häufig  und  aller  Art.  G.  R.  S  *  *  kannte  per- 
sonlich einen  reisenden  Virtuosen  auf  der  Harfe, 
eine»  innigen  Freund  und  Verehrer  Mozart's.  Als 
dieser  auf  seiner  Kunstreise  von  dem  Tode  Mozart's 
in  Kenntniss  gesetzt  wurde,  zerschlug  er  seine  Harfe, 
und  kam  ohne  Instrument,  und  mit  dem  Vorsatze 
nach  Wien  zurück,  die  Musik  ganz  zu  verlassen,  da 
er  sie  durch  Mozart's  Tod  ohnediess  für  verloren 
hielt.   Nur  nach  längerer  Zeit  und  aufgedrungener. 


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,  563 

Weise  nahm  er  eine  andere  ihm  geschenkte  Harfe 
an,  und  spielte  einmal  in  einem  Privatzirkel. 

Nach  Mozart's  Zuriickkunft  von  Prag  nach  Wien  * 
nahm  er  sogleich  seine  Seelenmesse  vor,  und  arbei- 
tete mit  ausserordentlicher  Anstrengung  und  einem 
lebhaften  Interesse  daran;  aber  seine  Unpässlichkcit 
nahm  in  demselben  Verhältnisse  zu  und  stimmte  ihn 
zur  Schwermuth.  Mit  inniger  Betrübnis«  sah  seine 
Gattin  seine  Gesundheit  immer  mehr  hinschwinden. 
Als  sie  eines  Tages  an  einem  schönen  Herbsttage  mit 
ihm  in  den  Prater  fuhr,  um  ihm  Zerstreuung  zu 
verschaffen,  und  sie  Beyde  einsam  saassen,  fing  Mo- 
zart an  vom  Tode  zu  sprechen,  und  behauptete,  dass 
er  das  Requiem  für  sich  setze.  Dabey  standen  ihm 
Thränen  in  den  Augen,  und  als  sie  ihm  den  schwar- 
zen Gedanken  auszureden  suchte,  sagte  er:  Nein, 
nein,  ich  fühle  mich  zu  sehr,  mit  mir  dauert  es 
nicht  mehr  lange:  gewiss,  man  hat  mir  Gift  ge~ 
geben!  Ich  hann  mich  von  diesem  Gedanken  nicht 
/ostyinden* 

Zentnerschwer  fiel  <üese  Rede  auf  das  Herz  sei- 
ner Gattin 5  sie  war  kaum  im  Stande,  ihn  zu  trösten 
und  das  Grundlose  seiner  schwermü'thigen  Vorstel- 
lungen zu  beweisen.  In  der  Meinung,  dass  seine 
Krankheit  mehr  wachse  und  die  Arbeit  des  Requiem 
ihn  zu  sehr  angreife,  consultirte  sie  einen  Arzt  und 
nahm  ihm  die  Partitur  des  Requiem  weg.    //  ^ 

Wirklich  besserte  sich  sein  Zustand  etwas,  und 
er  war  während  dessen  fähig,  am  I5ten  November 
1791  eine  kleine  Cantate :  Das  Lob  der  Freundschaft, 
die  von  einer  Gesellschaft  für  ein  Fest  bestellt  wurde, 

36* 


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•564 

• 

zu  fertigen.  Die  gute  Aufführung  derselben  und  der 
grosse  Beyfall,  mit  dem  sie  aufgenommen  wurde, 
gab  seinem  Geiste  neue  Schnellkraft.  Er  wurde  nun 
etwas  munterer  und  verlangte  wiederholt  sein  Re- 
quiem, um  es  fortzusetzen  und  zu  vollenden«  Seine 
Frau  fand  nun  keinen  Anstand,  ihm  seine  Noten 
wieder  zu  geben.  Doch  kurz  war  dieser  hoffnungs- 
volle Zustand  5  in  wenig  Tagen  verfiel  er  in  seine 
vorige  Schwermuth,  wurde  immer  matter  und  schwä- 
cher, bis  er  endlich  ganz  auf  das  Krankenlager  hin- 
sank, von  dem  er,  ach!  nimmer  wieder  aufstand. 
Jj  Am  Tage  seines  Tocjes  Hess  er  sich  die  Partitur 
des  Requiem  an  sein  Bette  bringen.  ,JFIab?  ich  es 
nicht  vorher  gesagt,  dass  ich  diess  Requiem  für 
mich  schreibe?"  so  sprach  er,  und  sah  noch  einmal 
das  Ganze  mit  nassen  Augen  aufmerksam  durch.  Es 
war  der  letzte  schmerzvolle  Blick  des  Abschiedes 
von  seiner  geliebten  Kunst  —  eine  Ahnung  seiner 
Unsterblichkeit«  Man  hätte  Mozart  sterbend  malen 
aollen,  die  Partitur  des  Requiem  in  der  Hand. 
Schade,  dass  aber  dann  sein  Alter  nicht  durch  das 
Gemälde  versinnlicht  werden  konnte. 

Sein  Tod  erfolgte  zu  Mitternacht  am  5ten  De- 
cember  1791. 

.  Mozart  blieb  während  seiner  Krankheit  bey  voll- 
kommenem Bewusstseyn  bis  an  sein  Ende;  er  starb 
zwar  gelassen,  aber  doch  sehr  ungern.  Jedermann 
wird  diess  begreif  lieh  finden«  wenn  man  bedenkt, 
dass  Mozart,  als  er  von  Prag  zurück  gekommen  war, 
das  Anstellungs-Decret  als  Kapellmeister  an  der  St. 
Stephanskirche,  mit  allen  Emolumenten,  die  von 

« 

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565 

" 

Alters  her  damit  verbunden  waren,  bekam,  und  zu- 
gleich, ausser  seinen  für  das  Wiener  und  Prager 
Theater  bestellten  Arbeiten,  aus  Ungarn  und  Am- 
sterdam ansehnliche  Aocorde  auf  periodische  Liefe- 
rungen, und  hiermit  eine  frohe  Aussicht  in  eine  von 
Nahrungssorgen  gänzlich  freye  Zukunft  erhielt. 

Allein  zu  spät!  Schon  fühlte  er  die  Abnahme 
seiner  Kräfte.  Und  diess  ging  wohl  sehr  natürlich 
zu,  ohne  dass  man,  wie  er  selbst,  den  Grund  in  ei>  < 
haltenem  Gifte  zu  suchen  brauchte.  Er  war  eine 
früh  gereifte  Frucht,  deren  Existenz  nur  kurz  dauert. 
In  dem  zarten  Alter,  wo  die  Natur  noch  am  Her- 

■  •  •  i 

vorbringen  und  Sammeln  der  Lebensgeister  arbeitet, 
hinderte  er  ihr  Geschäft  nicht  nur  durch  sitzende 
Lebensart,  sondern  consumirte  auch  schon  anhaltend 
einen  Theil  der  Lebensgeister  durch  ununterbroche- 
nes Componiren.  Auch  beschleunigte  diese  Begierde 
zu  schreiben  noch  seinen  Tod,  wozu  seine  Celebritat 
nur  zu  vielen  Anlass  gab.  Wie  war  einem  von  Na- 
tur schwachen  und  durch  Krankheit  zerrütteten  Kör- 
per möglich,  eine  Anstrengung  wie  die  der  letzten 
vier  Monate  zu  überstehen?  Und  nicht  etwa  mit  so 
leichten  Partituren  wie  Pergolesi  und  Hasse,  sondern 
in  seiner  Manier,  mit  reicher,  voller  Behandlung 
der  Stimmen  etc* 

Dieses  sonderbare  Zusammentreffen  so  glücklicher 
Vorboten  eines  bessern  Schicksals,  seine  gegenwärti- 
gen traurigen  Vermögensumstände,  der  Anblick  einer 
trostlosen  Gattin,  der  Gedanke  an  zwey  unmündige 
Kinder:  Alles  dieses  war  nicht  geeignet,  einem  be- 
wunderten Künstler,  der  nie  Stoiker  gewesen  ist,  in 


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35sten  Jahre  die  Bitterkeit  des  Todes,  zu  ver- 
t>Eben  jetzt,"  so  klagte  <*r  oft  in  «einer 
Krankheit,  „soll  ich  fort,  da  ich  ruhig  leben  würdet 
Jetzt  meine  Kunst  verlassen,  da  ich  nicht  mehr  als 
Sclave  der  Mode,  nicht  mehr  von  Speculanten  ge- 
fesselt, den  Regungen  meiner  Empfindungen  folgen, 
frey  und  unabluingig  schreiben  könnte,  was  mein 
Herz  mir  eingiebt!  Ich  soll  fort  von  meiner  Fa- 
milie, von  meinen  armen  Kindern,  in  dem  Augen- 
blicke, da  ich  im  Stande  gewesen  wäre,  für  ihr 
Wohl  besser  zu  sorgen!" 

»  , 

Man  kann  sagen,  um  Mozart  flössen  unzählbare 
Thränenj  nicht  in  Wien  allein,  vielleicht  mehr  noch 
in  Prag,  wo  man  ihn  vorzüglich  liebte  und  bewun- 
derte. Jeder  Kenner,  jeder  Freund  der  Tonkunst 
hielt  seinen  Verlust  für  unersetzlich,  und  wahrlich, 
bis  jetzt  hat  man  nicht  Ursache,  diese  trostlose  Mei- 
nung zurückzunehmen!  Es  schien  unglaublich,  das« 
der  allmächtige  Schöpfer  der  erhabensten  Harmo— 
nieen,  der  unseren  Herzen  so  reine  Entzückungen 
geschaffen  hat,  ins  alte  Nichts  zurückgekehrt  seyn 
sollte. 

Gleich  nach  seinem  Tode  meldete  sich  der  ge- 
heimnissvolle Bote,  verlangle  das  Werk,  so  wie  es 
unvollendet  war,  und  erhielt  es.  Von  dem  Augen- 
blicke an  sah  ihn  die  Wittwe  nie  mehr  und  erfuhr 
nicht  das  Mindeste,  weder  von  der  Seelenmesse,  noch 
von  dem  unbekannten  Besteller.  Jeder  Leser  kann 
sich  leicht  vorstellen,  dass  man  sich  alle  Mühe  cab 
den  räthselhaften  Boten  auszuforschen,  aber  alle 
Mühe  und  Versuche  waren  fruchtlos.  ,1 


667 

Ein  Anonymer  stellt  Mozarl's  frühes  Ende  auf 
folgende  Weise  dar:  *) 

„Mozart's  Geist  entwickelte  sich  früh  —  «ehr 
früh,  und  erreichte  in  den  Jahren  schön  einen  gros- 
sen  Grad  von  Vollkommenheit,  "wo  hey  andern  ge- 
wöhnlichen Menschen  sich  kaum  der  Funke  des  Ta- 
lents zeigt.  Er  blühte  früh,  trug  frühzeitig  Früchte 
und  welkte  früh«  • 

Betrachten  wir  sein  Leben,  sein  ausserordentlich 
thatiges  Leben,  die  Menge  seiner  Compositionen,  die 
für  den  kurzen  Zeitraum  unglaubliche  Menge  von 
Compositionen:  welches  Anstrengen  der  Einbildungs- 
kraft, welches  ewige  Reiben  seines  Geistes,  welche 
Exaltation  seines  Gehirns!  Welch  ein  ununterbro- 
chenes Aufreiben  seiner  Lebenskraft !  Mit  einem 
Worte:  sein  ganzes  Leben  war  —  Lebens  -  Consum- 
tion.  Die  Gelehrten -Geschichte  zeigt  uns  eine  Menge 
grosser  Geister,  die  sich  —  selbst  aufzehrten. 

Es  giebt  eine  Menge  Componisten,  die  bey  einer 
Menge  Compositionen  sehr  alt  werden  und  gesund 
bleiben,  wie  Jos.  Haydn,  der  Greis  Piccini,  Paesiello ; 
—  aber  ihre  späteren  Compositionen  sind  immer  nur 
Nachahmungen  ihrer  Jugend  werke,  also  längst  ver- 
brauchte Gedanken,  die  einander  immer  gleichen; 
so  verläugnet  sich  Haydn  und  Paesiello  fast  bey  kei- 
nem seiner  Stücke.  Man  hört  immer  seine  Lieblings- 
gänge,  die  Schöpfung  in  seinen  Messen  und  seine 


• 

ginell,  wie  ewig  neu  ist  er!  Kein  Werk  gleicht  dem 


•)  Moüarfs  Geist,  seine  kurso  Biograpliio  und  a'stheti«*  he  Dar- 
stellung seiner  Werke.   Erfurt,  x8o3. 


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568 

l,  mau  überblicke  *ie  alle.  Jede«  tragt  das  Ge- 
präge einer  neuen  Originalität  !  Die  Entführung  aus 
dem  Serail  ist  etwas  ganz  Anderes ,  als  die  Clemenza 
di  TitQ,  die  Zauberflöte  etwa^  Andres  als  der  Dön 
Juan,  die  Messe  aus  Cit  hat  mit  dein  Requiem  nicht 
die  entfernteste  Aehnlichkeit,  und  seine  älteren  Werke 
überhaupt  halten  gar  keine  Vergleichung  mit  den 
neueren  aus,   sie  scheinen  von  einem  ganz  andern 
Meister  verfertigt.    Jedes  «einer  Werke  trägt  ein 
edles  Gepräge  im  AWgeineiiien,  aljer  es  Charakter isirt 
sich  wieder  vor  a}Jeu  übrigen  so,  als  hätye  es  einen 
eigenen  Verfasser,  Bey  diesem  beständigen  Haschen 
und  Ringen  nach  ewig  neuen  Ideen,  bey  diesem  Sin«? 
nen  und  Rechnen ,  bey  dieser  übermenschlichen  An- 
spannung der  Einbildungskraft,  war  denn  etwas  An- 
deres denkbar,  als  frühe  Zerstörung  seiner  organi- 
schen Thätigkeit?*)  Man  höre  die  erstaunlicheZau- 
berflöte,  die  (  I  nenza  di  Tito  und  das  Requiem  — - 
und  sage  sich:  diese  Menge  Musik  schuf  er  in  vier 
Monaten,  und  in  dieser  Zeit  machte  er  auch  noch 
zwey  Reisen!    Man  lege  die  dicken  Partituren  über 
einander  -r-  welch  Volumen!  —  Man  durchblättere 
eie       welche  ungeheure  Menge  Noten!   Wie  war 
es  möglich,  dass  sie  der  Mann  in  der  kurzen  Zeit 
 — — » -  - 

•)  Momart  schrieb  Alles  mit  einer  Leichtigkeit  und  Geschwirr 
digkeit,  die  wohl  beym  ersten  Anblicke  Flüchtigkeit  oder 
Uebereilung  scheinen  konnte:  er  kam  während  des  Schrei- 
ben, nie  *um  Claviere.  Seine  Einbildungskraft  stellte  ihm 
das  ganze  Werk  mit  seinem  Effecte  deutlich,  lebhalt  dar. 
Er  hörte  klingen,  schmettern,  pauken,  wahrend  er  schrieb. 
Selten  triflt  man  in  seinen  Mauuscripten  ausgestrichene 
yerhesserte  Stellen  au,  Sek*  Coaoopte  sind  at 
lieh  rein,  fc 


nur  schreiben  konnte !  Und  gleichwohl  ist  jede  die- 
ser Myriaden  von  Noten  überdacht,  überrechnet, 
genau  überrechnet ,  seinem  gehörigen  Instrumente 
zugetheilt,  in  seinen  Schlüssel  gesetzt,  ihr  Effect  be- 
stimmt —  ach,  und  was  Alles  noch  mehr!  —  Stu- 
dirt  die  Werke,  Hu?  jungen  Tonkünstler,  und  er- 
staunt I  <*-  Man  weiss,  dass  die  schauerlich  schöne 
Ouvertüre  des  Don  Juan  ein  Werk  von  vier  Stun- 
den ist!  —  Das  bestandige  Sitzen,  das  Arbeiten  in 
die  späte  Nacht,*)  die  Geistes -Anstrengung  abge- 
rechnet, musste  seinem  Körper  an  sich  schon,  scha- 
den, seine  geistige  Thätigkeit  konnte  nur  auf  Kosten 
seiner  köroerlichen  bestehen« 

Dabey  twar  er  Ehemann,  zeugte  vier  Kinder, 
pflegte  der  Liebe  treulich,  und  auch  ausser  der  Ehe 
gab  es  manohe  Galanterie,  was  ihm  seine  gute  Frau 
gern  übersah.  Noch  mehr,  er  sprang  von  einem 
Extreme  zum  andern.  Er  hatte  keine  fixe  Besoldung 
und  war,  was  bey  Dichtern  und  Virtuosen  gewöhn- 
lich der  Fall  ist,  kein  guter  Wirtli,  verstand  sich 
nicht  auf  den  Verdienst,  wusste  das  Geld  nicht  auf 
Wochen  und  Monate  einzutheilen,  er  kannte  seinen 
Werth  gar  nicht.  Oft  musste  er  bey  anhaltender 
Arbeit  mit  Frau  und  Kindern  darben,  war  der  Im- 
pertinenz mahnender  Gläubiger  ausgesetzt«  Kamen 
nun  einmal  einige  Rollen  Louisd'or,  schnell  änderte 
sich  die  Scene.  Jetzt  ging's  in  Freuden.  Mozart  be- 
trank sich  in  Champagner  und  Tokayer,  lebte  locker 
— ■   .   .  • 

•)  Noch  ?tla  Ehemann  brachte  er  halbe  Nachte  am  Claviero  tu. 

und  seine  mehreaten  Compoaitionen  sind  in  der  Nacht  gear- 
beitet, wo  die  Sinne  durch  keine  Susseren  Eindrücke  ter- 
atreut  werden ,  die  Einbildung  thütigcr  wirkt. 


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o70 
— — — — — 

und  war  in  wenig  Tagen  mit  seinem  Gelde  so  weit 
Wie  vorher. 

Man  weiss,  wie  er  oft  in  «eine  Gesundheit 
stürmte,  wie  manchen  Morgen  er  mit  Schickaneder 
verchampagnerte,  wie  manche  Nacht  er  verp mischte 
und  nach  Mitternacht  gleich  wieder  an  die  Arbeit 
ein cu  ohne  die  mindeste  Erholung  seinem  Körper 
zu  gönnen.  u  .•    .  ..  . 

Ich  frage  hier  jeden  Arzt,  wa»  die  Folgen  einer 
solchen  Lebensart  sind  ?  Man  braucht  hier  kein  Gift, 
keinen  geheimnissvollen  Boten,  keinen  feinen  Staub 
im  Briefe,  kein  Requiem;  —  seine  Kräfte  waren 
aufgerieben,  die  organische  Thätigkeit  durch  lieber- 
wiegen  der  Geisteskräfte  zerstört,  es  musste  Aus- 
mergelung  seines  Körpers,  Vertrocknung  (Tabes 
dor salin,  Phthisis  nervosa)  noth wendiger  Weise  er- 
iolgen« 

Dass  die  Umstände  bey  der  Compositum  des 
Requiem  viel  dazu  beygetragen  haben,    seine  ge- 

■ 

schwächten  Kräfte  durch  äusserste  Aufspannung 
vollends  zu  erschÖufen.  die  Einbildung  bis  zur 
Schwermuth  bey  ihm,  der  Geister  sieht  und  sich 
von  Allem  überzeugt  hält,  was  ihm  scheint,  zu 
w  ti^?x^5  j^^txx  xi^?ia  y  ci  x  3  i  &  t  t^^?^^  c  1 1 1  c*  x  xi  &  ^)  f  1 1  x  ^3  ^S^XXt^J  tÄiJfl 
Organismus,  wie  der  Mozart'sche  war,  gar  keinem 
Zweifel  unterworfen,  und  man  braucht  da  keine 
vergifteten  Briefe,  einen  solchen  unglücklichen  Geist 
aus  seiner  Hülse  zu  jagen«  Wenn  man  erst  einmal 
so  weit  zur  Schwermuth  herabgestimmt  ist,  bedarf 
es  gewiss  nur  noch  eines  kleinen  Hebels« 

Die  Klrankheits  -  Geschichte  Mozart's  beweis't 
Nichts  für  eine  Vergiftung.   Sollte  er  durch  Gift 


\ 

I 

571 

geopfert  werden,  so  musste  dies«  auf  zwey  Wegen 
geschehen:  schnell  oder  langsam.  Schnell  ist  es 
nicht  geschehen;  und  langsam  vergiftet,  hätte  er 
ganz  andere  Zufalle  haben  müssen. 

Mozart  hatte  zwar,  wie  jeder  grosse  Künstler, 
eine  Menge  Feinde,  zumal  unter  den  italienischen 
Operisten,  die  freylich  gewahren  mussten,  dass  mit 
Mozart's  Emporkeimen  ihr  welscher  Singsang  zu 
Grabe  gehen  werde.  Man  weiss,  welche  Mühe  sie 
sich  gaben,  den  Figaro  zu  verhunzen,  dass  sie  auf 
Mozart's  Bitten  beym  Kaiser,  durch  dessen  aus- 
drücklichen Befehl  zwischen  dem  ersten  und  zwey- 
ten  Acte  angehalten  werden  mussten,  bey  Ungnade, 
den  Gesang  gehörig  vorzutragen.  Allein,  wollten 
sie  Mozart  aus  dem  Wege  räumen,  so  durften  sie 
nicht  so  lange  warten,  bis  er  mit  seinen  übrigen 
Geistesprod ueten  ihrem  Charivari  den  letzten  Gna- 
denstoss  gegeben  hatte;  sie  mussten  rascher  zu  Werke 
schreiten. 

Noch  mehr,  er  kränkelte  schon  in  Prag,  ehe  er 
an  dem  Requiem  arbeitete,  er  sah  blass  und  traurig 
aus  und  medicinirte.  Seine  bevorstehende  Auflösung 
war  also  schön  damals  in  seinem  Körper  vorberei- 
tet — *■■  die  Anstrengung  über  dem  Requiem  konnte 
sie  mithin  nur  befördern. 

Der  Gedanke  der  Vergiftung  war  gewiss  ein 
blosses  Spiel  seiner  Einbildung.  —  Ja  sogar  sein 
Todesjahr  (das  35ste)  zeigt  mehr  für  Schwindsucht« 
In  diesen  Jahren  sterben  bekanntlich  die  mehresteil 
jungen  Leute  an  der  Schwindsucht.  Wenn  die? 
Aerzte  gleich  über  seine  Krankheit  nicht  ganz  einig 
waren,  so  folgt  noch  immer  nicht  daraus,  dass  er  an 


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573 

Vergiftung  starb;  die  Schwindsuchten  selbst  gestal- 
ten sich  verschieden  und  dann  auch  ihre  Symptome« 
Mozart  ist  nicht  der  erste ,  der  an  den  Folgen  aus- 
serordentlicher Anstrenfrunp  starb." 

*.   *        *••««•       •»  ••••     I   |      Iii        <i  . 

Seine  Todeskrankheit,  wo  er  bettlägerig  wurde, 
währte  15  Tage.  Sie  begann  mit  Geschwulst  an 
Händen  und  Füsseu  und  einer  beynahe  gänzlichen 
tjnbeweglichkeit;  derselben ,  der  später  plötzliches 
Erbrechen  folgte,  welche  Krankheit  man  ein  hitziges 
Frieselfieber  nannte.  Bis  zwey  Stunden  Vor  seinem 
Verscheiden  blieb  er  bey  vollkommenem  Verstände; 
das  Gefühl  seines  bevorstehend  en  Todes  und  seine 
Betrübniss,  Ifrßu  und  Kinder  unversorgt  zu  hinter- 
lassen, verdreyfachte  wohl' die  Marter  seiner  Krank- 
heit« Baron  van  Swieten  kam  gleich  nach  seinem 
um  mit  der  Wittwe  zu  weinen,  die  sich  in 
ihres  entschlafenen  Mannes  Bett  gelegt  hatte,  um 
angesteckt  zu  werden  und  mit  ihm  zu  sterben.  Da- 
mit sie  sich  aber  nicht  ihrer  Verzweiflung  überliesse, 
brachte  man  sie  zu  Hrn.  Bauernfeind,  dem  Associ6 
Schikaneders,  und  dann  zu  Hin.  Goldhann. 

.  j.  Der  Tod  Mozarts  erregte  öffentliche  Th  eil  nähme. 
Am  Sterbetage  selbst  blieben  viele  Leute  vor  seiner 
Wohnung  stehen  und  gaben  ihre  Theilnahme  auf 
mancherlei  Art  zu  erkennen.  Schikaneder  ging  her- 
um und  schrie  laut  auf :    Sein  Geist  verfolgt  mich 

immer  vor  meinen  Augen. 

;  Immer  war  Mozart's  Gesundheit,  die  in  der  letz- 
ten Zeit  sichtlich  dahinschwand,  sehr  zart  gewesen, 
und  wie  alle  Menschen  von  weichlichem  Gemüt  he, 
so  fürchtete  auch  er  den  Tod  sehr. 


i 


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573 

• 

Ein  Brief  seiner  Schwägerin  Sophie,  de»  Toch- 
v      tet  seiner  Schwiegermutter,  sagt  Folgendes:  .  , 

Mozart  bekam  unsere  selige  Mutter  immer  lie- 
ber, und'  sie  ihn  auch.    Daher  kam  er  zu  uns  oft 
auf  die  Wieden  in  Eile  gelaufen  mit  Päckchen  von 
Kaffee  und  Zucker  unter  dem  Arme,  und  sagte  bey 
der  Ueberreichung :   Hier,  liebe  Mama,  haben  Sie 
eine  kleine  Jause  (Collation).   Er  kam  niemals  leer 
zu  uns.  Als  er  erkrankte,  machten  wir  ihm  Nacht-, 
leibel,  um  sie  vorwärts  anzuziehen,  weil  er  wegen 
Geschwulst  sich  nicht  drehen  konnte?  und  weil  wir 
nicht  wussten,  wie  schwer  krank  er  War,  machte» 
wir  ihm  auch  einen  wattirten  Schlafrock  für  die 
Zeit,  dass  er  wieder  aufstünde.   Er  bezeugte  über 
denselben  eine  herzliche  Freude.   Ich  besuchte  ihn 
alle  Tage.   Einmal  sagte  er  zu  mir:  vermelden  Sie> 
der  Mama,  dass  es  mir  recht  sehr  gut  geht,  und 
dass  ich  noch  in  der  Octave  kommen  werde,  ihr 
zum  Namenstage  Glück  zu  wünschen»   Den  folgen- 
den Tag  eilte  ich  daher  nicht  hin,  und  ging  erst 
Abends  weg.  Wie  erschrak  ich,  als  meine  halb  ver- 
zweifelnde und  doch  sich  so  moderirende  Schwester- 
in  der  Thüre  mit  den  Worten  mir  entgegen  kam :  Gott 
Lob,  dass  Du  da  bist.  Heute  Nachts  ist  er  so  hranh 
gewesen,  dass  ich  schon  dachte,  er  erlebe  diesen. 
Tag  nicht!    Wenn  er  heute  wieder  so  wird,  so 
stirbt  er  die  Nachts  gehe  tu  Um,  und  siehe,  was 
er  macht.  Als  ich  mich  seinem  Bette  näherte,  rief, 
er  mir  zu:    Gut,  dass  Sie  da  sind:  heute  Nacht, 
bleiben  Sie  bey  mir:  Sie  müssen  mich  sterben  sehen.  t 
Ich  machte  mich  stark  und  wollte  es  ihm  ausreden. 
Allein   er   erwiederte  mir:     Ich  habe  ja  schon 

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* 


_  574 

den  Todtengeruch  auf  der  Zunge,  ich  rieche  den 
Tod,  und  wer  wird  meiner  Constanze  beistehen, 
wenn  Sie  nicht  bleiben?   Nur  einen  Augenblick  zu 
meiner  Mutter,  der  ich  Nachricht  versprochen  habe; 
sie  möchte  sonst  denken,  ein  Unglück  sey  geschehen. 
Als  ich  zu  meiner  trostlosen  Schwester  kam,  war 
Süssmaier  bey  Mozart  am  Bette.    Auf  der  Decke 
P  lag  das  Requiem,  und  Mozart  explicirte  ihm,  wie 
«eine  Meynung  sey,  dass  er  es  nach  seinem  Tode 
rollenden  sollte«    Ferner  trug  er  seiner  Frau  auf, 
den  Tod  geheim  zu  halten,  bis  sie  Albrechtsbergern 
davon  benachrichtigt  hätte,  denn  diesem,  sagte  er, 
gehört  mein  Dienst  vor  Gott  und  der  Welt.  (Sein 
Wille  wurde  auch  befolgt,  denn  Albrech tsberger  er- 
hielt den  Dienst.)    Als  sein  Arzt  D.  Closset  kam, 
verordnete  er  noch  halte  Umschlage  auf  den  heissen 
Kopf,    welche  Mozart  so  erschütterten,    dass  er 
nicht  wieder  zu  sich  kam,  bis  er  verschied.  Sein 
Letztes  war  noch,  wie  er  mit  dem  Munde  die  Pau- 
ken im  Requiem  ausdrücken  wollte  und  er  seine 
Backen  aufbliess.    Nach  seinem  Tode  kam  Müller, 
der  Eigenthümer  des  Kunstcabinets  (eigentlich  Graf 
Deym),  und  drückte  sein  bleiches  erstorbenes  Ge- 
sicht in  Gyps  ab.    Meine  Schwester  warf  sich  auf 
die  Kniee,  um  zu  beten.   Sie  konnte  sich  von  ih- 
rem Manne  nicht  trennen,  so  sehr  ich  sie  auch  bat. 
Wenn  ihr  Schmerz  noch  zu  vermehren  gewesen 
Ware,  so  musste  es  dadurch  geschehen,  dass  der  nach 
dieser  schauervollen  Nacht  folgende  Tag  die  Men- 
schen schaarenweise  herbeyzog,  und  welche  laut  um 
ihn  weinten  und  schrieen.    Ich  habe  in  meinem  Le- 
ben Mozart  nie  aufbrausend  und  viel  weniger  zor- 


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nig  gesehen.  Die  Geistlichen  weigerten  sich,  znr 
letzten  Oelung  zu  kommen,  weil  der  Kranke  sie 
nicht  selbst  rufen  lies«. 

.  Die  Schwägerin  meynt,  Mozart  sey  in  seiner 
Krankheit  nicht  zweckmässig  genug  behandelt  wor- 
den, dehn  statt  dass  man  auf  andere  Weise  das 
Friesel  noch  mehr  heraustreiben  sollte,  hätte  man 
ihm  zur  Ader  gelassen  und  kalte  Umschläge  auf  den 
Kopf  gemacht ,  worauf  die  Kräfte  Zusehens  geschwun- 
den und  er  in  Bewusstlosigkeit  gefallen  sey,  aus  der 
er  nicht- wieder  zu  sich  kam.  Selbst  in  seiner  schwe- 
ren  Krankheit  sey  er  nie  ungeduldig  geworden ,  und 
zuletzt  sey  sein  feines  Gehör  und  Gefühl  nur  noch 
gegen  den  Gesang  seines  Lieblings,  eines  Kanarien- 
vogels, der  sogar  aus  dem  Nebenzimmer  entfernt 
werden  musste,  weil  er  ihn  zu  stark  angriff,  em- 
pfindlich gewesen« 

D.  Guldner  von  Lobes  hat  folgenden  Bericht 
über  Mozart's  Krankheit  und  Tod  gemacht,  dem 
aber  nach  dem  Urtheil  anderer  Aerzte  die  erforder- 
ncne  Konsequenz  etc.  ge  Orient« 

„Mozart  erkrankte  im  Herbste  1791  an  einem 
rheumatischen  Entzündungsfieber,  welches  damals  fast 
allgemein  herrschte  und  viele  Menschen  dahinraffte. 
D.  Closset,  der  seine  Krankheit  behandelte,  hielt  sie 
für  gefahrlich  und  furchtet©  gleich  anfangs  einen 
schlimmen  Ausgang,  nämlich  eine  Gehirnentzündung.* 
Einige  Tage  vor  Mozart's  Tode  sagte  D.  SaÖaha: 
Mozart's  Krankheit  ist  nicht  mehr  zu  heilen ,  er  ist 

verloren.    Mozart  starb  hernach  auch  wirklich  an 

•  •  • 

den  gewöhnlichen  Symptomen  der  Hirnentzündung« 
Die  Krankheit  nahm  übrigens  ihren  gewöhnlichen 


57f> 

____ 

Gang  and  unter  denselben  Symptomen  sind  mehre 
Menschen  gestorben.  Bey  der  Untersuchung  des 
Cadavers  hat  sich  nichts  Ungewöhnliches  gezeigt." 

Jtfach  Neukomm's  Aussage  hatte  Mozart  seit  lan- 
ger Zeit  ein  Vorgefühl  seines  nahen  Todes;  Joseph 
Haydn  habe  seinem  Schüler  Neukomm  erzählt,  dass 
Mozart  ihm,  als  er  gegen  Ende  1790  seine  Reise 
nach  London  unternahm,  beym  Abschiede  mit  thra- 
nenden  Augen  gesagt:  Ich  fürchte,  mein  Vater, 
diess  ist  dass  letzte  Mal,  dass  wir  uns  sehen. 

Mozart's  sterbliche  Hülle  wurde  auf  dem  Todten- 
acker  vor  der  St.  Marxer -Linie  bey  Wien  begraben, 
auf  demselben,  wo  sein  inniger  Freund  Albrechts- 
berger  und  auch  J.  Haydn  seit  1809  gelegt  wurden. 

Durch  Mozart's  Tod  verfiel  die  Wittwe  selbst 
in  eine  schwere  Krankheit,  daher  besorgte  Baron 
van  Swieten  die  Beerdigung  der  Mozart'schen  Leiche, 
und  weil  er  dabey  die  grösstmöglicliste  Ersparaiss 
für  die  Familie  berücksichtigte,  so  wurde  der  Sarg 
nur  in  ein  gemeinschaftliches  Grab  eingesenkt  und 
jeder  andere  Aufwand  vermieden.  Zu  der  Zeit,  wo 
Mozart  starb,  wurden  nach  der  Angabe  des  Toäten- 
cräbers  die  Leichen  in  der  dritten  und  vierten  Reihe 
vom  Kreuze  an,  welches  auf  dem  St.  Marxer  Kirch- 
hofe steht,  begraben.  Der  Flecken,  auf  welchem 
Mozart's  Gebeine  ruhen,  konnte  1806,  wo  man  sich 
unterrichten  wollte,  nicht  mehr  bestimmt  werden, 
weil  die  Graber  periodisch  wieder  umgegraben  werden. 

La  vita  era  cosl  dire  una  fortuna  pubblica, 
una  vubblica  calamita  la  sua  morte*  — 

In  Wien  feyerte  man  das  Andenken  Mozart*« 
mit  Würde.  Unrichtig  ist  die  Meldung  einiger  Bio- 


< 


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677 
'  r— 

graphen,  welche  sagen ,  dass  sein  Requiem  zuerst 
bey  seiner  Begräbnissfeyer  wäre  aufgeführt  worden, 
denn  es  war  ja  nicht  einmal  fertig. 

Prag  zeichnete  sich  durch  die  wärmste  Theil- 
nahme  an  dem  Dahinscheiden  Mozart's  vorzugsweise 
aus;  die  Trauer  um  war  allgemein 

und  un&eheuchelt» 

Am  i4ten  Decemher  1791  um  10  Uhr  Morgens 
wurden  zu  Prag  in  der  Kleinseitner  Pfarrkirche  bey 

halten:  eine  Fever,  ganz  des  grossen  Meisters  wür- 
dig, und  die  dem  Prager  Orchester  des  National- 
theaters, von  dem  sie  veranstaltet  wurde,  und  allen 
berühmten  dortigen  Tonkünstlern ,  die  daran  Theü 
nahmen,  die  gröste,  und  den  Manen  Mozart's  eine 
unvergängliche  Ehre  macht.  Den  Tag  zuvor  wur- 
den darüber  gedruckte  Nachrichten  an  die  Noblesse 
und  das  ganze  Publicum  ausgetheiltj  am  Tage  der 
Feyerlichkeit  selbst  wurden  eine  halbe  Stunde  lang 
alle  Glocken  an  der  Pfarrkirche  geläutet«    Fast  die 

^^c^^l 7*^s  ^5 1 ^X cl.  t  st>x  ^^mt^5  J 1 11X«^1-X  y   S tl^^       1. i 1 i_  1    1 1  f.  X       d  1  ijclic^ 

Platz  die  Kutschen,  noch  die  sonst  für  beynahe  4000 
Menschen  geräumige  Kirche  die  Verehrer  des  Ver- 
klärten fassen  konnte.  Das  dabey  aufgeführte  Re- 
quiem war  von  dem  berühmten  Kapellmeister  Ro- 
setti  (Rösler).  Es  wurde  unter  der  Direction  .  des 
braven  Strobach  von  120  der  ersten  Tonkünstler, 
an  deren  Spitze  unsere  beliebte  Sängerin  Duschek 
sich  befand,  so  herzlich  executirt,  dass  Mozart's  Geist 
in  Elysium  sich  darüber  freuen  musste.  f  In  der 
Mitte  der  Kirche  stand  ein  herrlich  beleuchtetes 
Trauergerüst,    und   acht  Chöre    mit  Pauken  und 

37 


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Trompeten  ertöntön  in  dunipfem  Klange.  Das  Seelen- 
arat  hielt  der  Pfarrer  Fischer  mit  Assistenz.  Zwölf 
Schüler  des  Kleinseitner  Gymnasiums  trugen  Kam- 
.  merfackeln  mit  quer  über  die  Schulter  hangenden 
Trauerfloren  und  weissen  Tüchern  in  der  Hand. 
Festliche  Stille  war  umher,  und  tausend  Thränen 
flössen  um  den  Seligen,  der  so  oft  durch  seine  himm- 
lische Harmonie  unsere  Herzen  zu  den  zärtlichsten 
Gefühlen  stimmte. 

So  zollte  man  den  Verdiensten  dieses  Salzburgers 
in  Prag.  Unersetzlich  ist  sei*  Verlust.  Es  giebt 
und  es  wird  Meister  in  der  Tonkunst  geben,  aber 
um  den  Meister  der  Meiste*,  einen  Mozart  wieder 
hervor  zu  bringen,  da  wird  manches  Jahrhundert 
vergehen. 

Etwas  später,  den  28sten  December  1791» 
fternahm  eine  Gesellschaft  wahrer  Verehrer  des  Ver- 
storbenen in  Prag,  zur  Unterstützung  der  hinter- 
lassenen  Waisen  und  Wittwe,  ein  öffentliches  Con- 
cert  in  dem  National  -Theater  5  man  führte  einige 
der  besten,  weniger  bekannten  Compositionen  Mo- 
zart's  auf.  Eine  so  edle  Todtenfeyer  unterstützte 
das  Prager  Publicum  aus  allen  Kräften,  um  ßo  mehr, 
da  es  die  Gelegenheit  fand,  den  Tribut  seiner  Hoch- 
achtung dem  Genie  Mozart's  in  der  grossmüthigen 
Unterstützung  der  hülflosen  Waisen  zu  zollen.  Das 
Theater  war  voll  und  C'^  Einnahme  beträchtlich. 
Wie  glücklich  ist  ein  Künstler,  dessen  Talent  solche 
Freunde  erwirbt!  w 

'  In  Wien  wurde  die  Wittwe  auf  eine  eben  so 
grossmüthige  Art  unterstützt.  —  Mozart  hinter- 
liess  seiner  Familie  Nichts,  als  den  'Ruhm  seines 


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*79 

Namens.  Alle  Hülfsmitfel  ihrer  Erhaltung  beruhten 
auf  der  Grossrauth  eines  dankbaren  Publicum«,  dem 
Mozart  so  viele  Stunden  des  reinsten  Vergnügens 
und  der  edelsten  Unterhaltung  durch  sein  unerschöpf- 
liches Talent  geschaffen  hatte*  Und  wahrlich!  man 
kann  sagen,  dass  dieses  seine  Schuld  redlich  abzu- 
tragen suchte.  Die  Wittwe  liess  in  einem  öffent- 
lichen Concerte  zu  ihrem  Besten  die  merkwürdige 
Seelenmesse  Mozart'«  aufführen.  Der  grosse  Ruf 
dieses  Meisterstücks,  und  der  Wunsch,  die  Waisen 
zu  unterstützen,  zog  ein  zahlreiches  Publicum  her- 
•w  bey,  und  man  muss  es  den  edlen  Freunden  der  Ton-^ 
kunst  in  Wien  zum  Ruhme  nadisagen,  dass  diesel- 
ben auch  jetzt,  nach  37  Jahren  gegen  den  Mozart'- ' 
sehen  Namen  noch  nicht  gleichgültig  geworden  sind. 
In  allen  musikalischen  Akademieen,  die  der  Wittwe 
zu  ihrem  Besten  zugestanden  wurden,  war  das  Haus 
voll  und  die  Einnahme  gut* 

Mozart  h  in  t  er  Ii  ess  keine  bedeutenden  Werke, 
durch  deren  Heransgabe  die  Wittwe  für  sich  und 
ihre  Waisen  hätte  Vortheile  ziehen  können,  deim 
die  meisten  waren  schon  vielfach  herausgegeben 
ausser  dem  Requiem  und  dem  Idomeneo.  Ueber  er- 
«teres  hatte  die  Wittwe  nicht  zu  verfugen,  nur  von 
letzterer  Oper  kündigte  sie  einen  Ciavierauszug  nach 
der  Originalpartitur  von  Wenzel  auf  Pränumeration 
an,  der  im  November  1795  erscheinen  sollte,  aber, 
erst  1797  zu  Stande  kam,  worauf  sich  aber  Niemand 
meldete.  Und  somit  brachte  ihr  diese  Ausgabe  Nichts 
ein«  ol  #/  J..j      .  * 

Ein  gleiches  Schicksal  hatte  das  Mozart'sche  Cla- 
vier-Concert,  welches  die  Wittwe  dem  Prinzen  Lud- 

37* 


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580 

^ig  von  Preusscn  dedicirte.  Da  sie  die  Auslagen 
zur  Herausgabe  nicht  besaass  und  sie  daher  von  An- 
deren bestreiten  lassen  musste,  so  war  diess  wohl 
der  Grund,  warum  sie  keinen  Gewinn  davon  trug. 
Mehr  hat  sie  in  der  Art  nicht  unternommen« 

Hingegen  übertraf  die  Grossmuth  des  menschen- 
freundlichen und  den  Wissenschaften  und  Künsten 
zu  früh  entrissenen  Kaisers  Leopold  Alles,  was  bis- 
her der  Wittwe  zum  Besten  geschah. 

Kurz  vor  und  nach  Mozart'«  Tode  äusserte  sich 
die  Bosheit  seiner  Feinde  so  sehr,  dass  diese  den 
Seligen  sogar  auf  die  schändlichste  Weise  beym  Kai- 
ser verleumdeten 5  denn  sie  hatten  unter  andern  so- 
gar dem  Monarchen  vorgelogen,  dass  Mozart  m au- 
ch er  ley  Ausschweifungen  ergeben  gewesen  sey,  und 
nicht  mehr  als  eine  Schuld  von  30000  fl.  hinterlas- 
sen habe  —  eine  Summe,  über  die  der  Monarch 
erschrecken  musste,  und  wovon  ihn  Niemand  des 
Gegentheils  belehrte. 

Zu  eben  der  Zeit,  als  die  Wittwe  im  Begriff 
war.  bevm  Kaiser  um  Pension  zu  bitten,  wurde  sie 
von  einer  edeldenkenden  und  vortrefflichen  Schüle- 
rin Mozart's  auf  diese  geschehenen  Verleumdungen 
aufmerksam  gemacht,  und  ihr  gerathen,  bey  irgend 
einer  Audienz  den  gnädigen  Kaiser  eines  Bessern 
und  Richtigem  zu  belehren,  wozu  sich  auch  bald 
Gelegenheit  fand.  *  *  i  "Ii        "  fi»  ' 

1  „Ew.  Majestät/'  sagte  si*  dem  Kaiser  mit  ed- 
lem Eifer,  „jeder  Mensch  hat  Fetfad*;  aber  heftiger 
und  anhaltender  ist  noch  Niemand  verfolgt  und  ver- 
läumdet  worden ,  als  mein  seliger  Mann ,  wahrschein- 
lich bloss  weil  er  grosses  Talent  hatte  1   Man  hat  es 


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•  •* 

gewagt,  Ew.  Majestät  viel  Unwahres  über  ihn  zu 
sagen:  man  hat  sogar  seine  lünterlassenen  Schulden 
zehnfach  vergrössert.  Ich  stehe  mit  meinem  Leben 
dafür,  dass  ich  mit  einer  Summe  von  ungefähr  3000 
Gulden  Alles  bezahlen  konnte,  was  er  schuldig  ist, 
-  und  diese  Schuld  ist  noch  obendrein  nicht  muthwil-  - 
lig  gemacht  worden.  Wir  hatten  keine  sicheren 
Einkünfte,  wiederholte  Kindbetten,  ich  lag  ij  Jahr 
lang  hart  darnieder,  und  diese  Gründe  werden  dem 
menschenfreundlichen  Herzen  meines  Monarchen  hin- 
längliche Entschuldigung  seyn.«; 

„Wenn  es  so  ist,"  sagte  der  Monarch,  „da  ist 
wohl  Rath  zu  schaffen.    Geben  Sie  ein  Concert  von 

■ 

seinen  hinterlassenen  Werken,  und  ich  will  es  un- 
terstützen." 

•  Die  Bittschrift  wegen  gesuchter  Pension  nahm 
er  gnädig  ah;  und  in  kurzer  Zeit  wurde  ihr  eine 
Pension  von  260  fl»  angewiesen,  die  zwar  an  sich 
gering  ist,  aber  da  Mozart  erst  drey  Jahre  a7i ge- 
stellt, folglich  die  Wittwe  noch  nicht  pensionsfahig 
war,  so  blieb  es  immer  eine  Gnade.  Die  musikali- 
sche Akademie  wurde  unternommen,  und  der  un- 
sterbliche Monarch  erfüllte  so  grossmüthig  sein  Ver- 
sprechen, dass  die  Wittwe  dadurch  in  den  Stand 
gesetzt  wurde,  die  Schulden  ihres  Mannes  völlig  zu 
tilgen.  Aus  dieser  Begebenheit  kann  man  schliessen, 
wie  viel  an  den  boshaften  Erzählungen  und  derglei- 
chen Einschwärzungen  Wahres  seyn  mag.  Da  man 
so  wenig  seiner  Grösse  als  Künstler  beyzukommen 
im  Stande  war,  so  suchte  der  grämliche  Neid  seinen 
moralischen  Charakter  zu  entstellen!  Eine  sehr 
leichte  und  gewöhnliche  Taktik  kleiner  Seelen,  de- 


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582 

■ 

neu  jedes  Verdienst  und  jede  Grösse  unausstehlich 
ist:  um  so  mehr,  wenn  sie  ihrem  kleinen  Gewerbe 
unwillkürlich  zu  schaden  droht!  Es  ist  nur  Gerech- 
tigkeit, die  dem  Verdienste  gebührt,  wenn  man  sich 
Mühe  giebt,  solche  fremde  Flecken  aus  dem  Gemälde 
würdiger  Menschen  zu  verwischen.     '     '  • 

"Wenn  gegen  Mozart  diejenige  Billigkeit  ausge- 
übt wird,  die  Jeder  an  sich  selbst  zu  erfahren  wün- 
schen muss,  so  wird  er  desshalb  hoch  nicht  als  Mu- 
ster der  Oekonomie  und  Sparsamkeit  angepriesen. 
Es  ist  wahr,  er  hätte  den  Werth  des  Geldes  besser 
schätzen  sollen:  aber  kann  wohl  dieser  Leichtsinn 
von  der  Individualitat  eines  solchen  Mannes  als  ge- 
trennt gedacht  werden?  Darf  ein  grosser  Geist  keine 
Schwächen  und  keine  Fehler  haben?   Möchten  doch 

4 

die ,  welche  über  ihn  so  streng  urtheilen ,  an  ihr 
Herz  greifen  und  sich  fragen:  Quid  tu?  —  nulla 
1  iah  es  vitia?  — 

Und  sind  sie  in  irgend  einem  Fache  Mozarte? 

Da  man  sich  indessen  nur  immer  Geschichtchen 
erzählt,  wo  Mozart  Geld  vertändelte  und  wegwarf, 
so  muss  es  auch  gestattet  seyn,  andere  aufzuzählen, 
wo  er  es  zwar  mit  gewohnter  Liberalität,  aber  so 
brav  und  mit  so  viel  Gutmüthigkeit  und  Feinheit, 
und  auch  so  ganz  ohne  alle  feine  Eigennützigkeit, 
welche  oft  mit  Freigebigkeit  verbunden  ist,  ausgab. 
Als  er  sich  auf  der  Leipziger  Thomasschule  umsah 
und  das  Chor  ihm  zu  Ehren  einige  achtstimmige 
Motetten  von  Sebast.  Bach  sang,  gestand  er:  So  ein 
Chor  haben  wir  in  Wien  und  hat  man  in  Berlin 
und  Prag  nicht.  Unter  den  ohngefahr  vierzig  Sän- 
gern bemerkte  er  besonders  einen  Bassisten,  der  ihm 


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» 

/ 

583 

wähl  gefiel.    Mit  diesem  Hess'  er  sich. in  ein  kleines 
Gespräch  ein,  und  ohne  dass  einer  der  Anwesenden 
Etwas  bemerkte,,  drückte  er  dem  jungen  Manne  ein 
für  diesen  ansehnliches  Geschenk  in  die  Hand. 
!  .  Ein  alter  ehrlicher  Ciavierstimmer  hatte  Mozart 
ten  einige  Saiten  auf  sein  geliehenes  Instrument  ge- 
zogen. Lieber  Alter,  sagte  Mozart,  was  bin  ich  Ih* 
nen  fiir  Ihre  Mühe  schuldig?  denn  morgen  reise  ich 
ab. !  Der  alte  Mann ,  der  ewig  in  Verlegenheit  isb 
wenn  er  mit  Jemand  spricht,  stotterte:  Ihro  Kaiser-  - 
liebe  Majestät  -  wollt'  ich  sagen:  Ihro  Kaiserlichen 
Majestät  Herr  Kapellmeister,  —  ich  bin  freylich  zu 
verscliiedenen  Malen  hier  gewesen,  ich  bitte  desswe- 
gen  mir  einen  Thaler  aus.  Mozart  erwiederte :  Einen 
Thaler?  dafür  soll  so  ein  guter  Mann  nicht  ein  Mal 
zu  mir  kommen.    Und  damit  drückte  er  ilim  einige 
Ducaten  in  die  Hand.    Ihro  Kaiser!.  Majestät,  fing 
der  Mann  erschrocken  an  —  Adieu,  lieber  Alter,  , 
Adieu!   rief  Mozart  und  ging  schnell  ins  andere 

» 

Zimmer.  , 

Von  Niemand  wurde  Mozart's  Sorglosigkeit  um 
Geld  mehr  gemissbraucht,  als  von  Musikalienhänd- 
lern und  Theater  -  Directoren.  Die  meisten  seiner 
Ciaviersachen  brachten  ihm  nicht  einen  Pfennig  ein, 
denn  er  schrieb  sie  meist  aus  Gefälligkeit  für  Be- 
kannte, die  gern  etwas  Eigenhändiges  von  ihm  und 
zu  ihrem  eigenen  Gebrauche  haben  wollten.  Aus 
Letzterm  ist  erklärlich,  warum  viele  derselben,  be- 
sonders unter  den  Solo -Ciaviersachen,  seiner  selbst 
unwürdig  sind,  denn  er  musste  sich  nach  der  Fas- 
sungskraft, nach  der  Liebhaberey,  nach  den  Fähig- 
keiten und  Fingerfertigkeiten  derer  richten,  für  die 


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584 

er  sie  hinwarf.   Jene  Speculanten  wussten  sich  Ab- 
schriften  zn  verschaffen  und  druckten  frisch  darauf 
los«   Besonders  hatte  ein  gewisser  nnd  ziemlich  be- 
rühmter Kunsthändler  eine  Menge  Mozart'scher  Com- 
positionen  auf  diese  Weise  gedruckt,  verlegt  und 
verkauft,    ohne  den  Meister   darum  zu  befragen. 
Einst  kam  eine  Frau  zu  Mozart:    Da  hat  der  A  — 
wieder  einmal  eine  Parthie  Variationen  fiir's  Ciavier 
von  Ihnen  gedruckt:  wissen  Sie  davon?  —  NeinI  — 
Warum  legen  Sie  ihm  aber  nicht  das  Handwerk 
einmal?  —  Ei,  was  soll  man  viel  Redens  machen? 
sagte  Mozart,  er  ist  ein  Lump!  —  Es  ist  hier  aber 
nicht  bloss  des  Geldes,   sondern  auch  Ihrer  Ehre 
wegen!  —  Nun,  wer  mich  nach  solchen  Bagatellen 
beurtheilt,  ist  auch  ein  Lump!  Nichts  mein*  davon! 
erwiederte  Mozart«  .  • ... 

Gerber  endigt  den  Artikel  Naumann  in  seinem 
neuen  Künstler -Lexikon  folgenderweise:  Naumann 
starb  im  60sten  Jahre,  in  dem  blühendsten  Wohl- 
stande, mitten  im  Glücke,  vom  Tode  überrascht« 
Nicht  immer  ist  es  Einem  so  wohl,  die  Biographieen 
unserer  ersten  Künstler  mit  einem  Ausgange  be- 
schlossen zu  sehen,  der  ihren  Talenten  und  Auf- 
opferungen für  das  Glück  und  die  Freuden  ihrer 
Nebenmenschen  so  entspräche.  Ein  kurzer  Rück- 
blick auf  unsere  gewesenen  Lieblinge,  und  man  wird 
diese  meine  traurige  Erfahrung  nur  zu  sehr  bestätigt 
finden!  Welch  eine  glänzende  Periode  durchlebte 
Händel  etwa  fünfzehn  Jahre  hindurch;  aber  wie 
verdunkelte  sich  sein  Horizont  gegen  das  Ende  sei- 
nes Lebens!  —  Und  war  wohl  der  grosse  Hasse, 
als  er  in  seinen  alten  Tagen  in  Wien  und  Italien 

I 

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58.5 

herumirrte,  glücklicher?  Der  sanftmüthige  Graun 
wäre  vielleicht  ruhiger  auf  seinen  verdienten  Lor- 
beren  eingeschlummert,  wenn  sein  Schicksal  in.  den 
letzten  Jahren  seines  Lebens  zu  beneiden  gewesen 
wäre,  denn  die  Mitglieder  der  preußischen  Kapelle 
hatten  zur  Zeit  des  siebenjährigen  Krieges  mehre 
Lahre  keine  Besoldung.  Bekannt  ist  die  grosse  Ar- 
muth  und  Dürftigkeit,  in  welcher  Dittersdorf  und 
Piecini  ihren  Tod  erwarten  mussten.  —  Den  ge- 
nügsamen Sebastian  Bach,  der  nie  Ansprüche  auf 
glänzendes  Glück  machte,  konnte  nun  zwar  d4ess 
traurige  Loos  nicht  treffen;  dagegen  verfolgte  ihn 
im  Alter  das  Schicksal  mit  Blindheit.  —  Jomelli 
starb  vor  Gram  über  das  undankbare  Publicum*  und 
ähnliche  niederschlagende  Empfindungen  scheinen  den 
unglücklichen  braven  Georg  Benda  in  seinen  letzten 
Jahren  in  der  Entfernung  von  aller  menschlichen 
Gesellschaft  herum  getrieben  zu  haben.  Und 
was  war  endlich  das  Schicksal  des  allberülimten  Mo— 
^art?  —  . 

Mozart  hinterliess  von  sechs  Kindern,  nämlich 
von  vier  Knaben  und  zwey  Mädchen,  nur  zwey 
Söhne,  wovon  der  jüngere  vier  Monate  alt  war,  als 
der  Vater  starb.  Er  heisst  Wolf  gang,  wie  sein 
Vater,  ist  gegenwärtig  37  Jahre  alt,  und  durch  mehre 
Producte  seines  musikalischen  Talentes  dem  Publi- 

- 

cum  schon  vortheilhaft  bekannt.  Sein  Ciavierspiel 
zeichnet  sich  durch  feinen  Ausdruck  und  Präcision 
aus.  Und  so  wäre  denn  zum  Theile  die  scherzhafte 
Vorhersagung  seines  Vaters  erfüllt,  dass  diess  Kind 
ein  Mozart  werden  würde,  weil  es  einst  weinend 
in  den  Ton  stimmte,  aus  dem  der  Vater  eben  auf 


* 


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586 


dem  Fortepiano  spielte.  Offenbar  lebte  der  Geist 
seinei  ?; Vaters  in  ihm  :  aber  dem  Sohne  fehlte  eine 
so  bildende  Vaterhand,  wie  diejenige  war,  die  das 
Geni<3  des  Vaters  so  trefflicli  leitete  und  entwickelte« 
:  i  J3ie  Gesichtszüge  und  Ohren  des  Sohnes  Wolf- 
gang sind  denen  des  Vaters  ähnlich.  Was  ausser- 
ordentlich merkwürdig  zu  seyn  scheint«  ist  der  Bau 
von  Mozart's  Ohren  y  ganz  verschieden  von  den  ge- 
wöh  nlichen,  und  die,  im  Vorbeygehen  gesagt ,  nur 
sein,  jüngster  Sohn  von  ihm  geerbt  hat«  Aus  dieser 
besiegenden  Abbildung  ist  es  ersichtlich,  worin  der 
Unterschied  besteht«  »  . 

Die  verschiedenen  Geistesproducte,  die  der  Sohn 
Mozart's  der  Welt  bey  Breitkopf  und  Härtel,  und 
bejr  Peters  in  Leipzig,  bey  Andre  ik  Offenbach,  bey 
Spehr  in  Braunschweig,  und  bey  Steiner  und  Cappi 
in  Wien  niedergelegt  hat,  sind  Folgende: 
:  .  .  Concerto  p.  le  Pianoforte ,,  Oeuv.  i4;  —  Sonate 
mit  Begleitung,  Oeuv.  15;  —  Variation*  *ur  une 
Marche  de  Coriolan;  —  6  Polonoise*  melancolique*, 
Oeuv.  17;  und  6  Lieder  avec  Pianoforte ,  bey  Breit- 
kopf und  Härtel;  —  Grande  Sonate  avec  Violon 
ou  Violonceüe,  Op.  19,'  —  Variation*  (ä  peine  au 
sortir)Op.  23;  Concert  pour  Pianoforte ,  Op.  24$  — 
Rondo  tiri  de  *on  Concert,  Op.  25,  bey  Peters;  — 
bey  Andrd  in  Offenbach  a.  M«:  Sonate  pour  Piano- 
forte,  Op.  10;  —.bey  Steiner  in  Wien:  Quaiuor 
pour  Pianoforte,  Op.  1;  —  Sonate  in  B  dur  mit 
-Begleitung,  Op.  7;  —  Rondo  favori  pour  Piano- 
forte} —  7  Variation*  {Menuette  de  Don  Juan);  — 
7  Variations,  AlarcJie  de  Vopera  Alinex  —  8  Varia- 
tion* über  ein  russisches  Thema;  und  ebenfalls  8  der- 


1 


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gleichen ;  ferner:  P'ariations  sur  im  Tliime  favoH? 
—  12  Menuettes  avec  Trios,  bey  Cappi  in  Wien, 

In  den  Jahren  1819  und  1820  machte  Mozart'« 
Sohn  von  Lemberg  aus  eine  musikalische  Reise  zu 
«einer  damals  in  Kopenhagen  wohnenden  Mutter  und 
seinem  zweyten  Vater,  dem  danischen  Etats -Rath 
von  Nissen,  dem  beyde  Söhne  ihre  ganze  Bildung 
nur  allein  zu  verdanken  haben,  kam  dann  durch 
Preussen  und  Sachsen  nach  Italien,  spater  nach  Prag, 
worüber  in  Bezug  auf  seine  Kunstleistungen  die  all- 
gem.  Leipz.  musikal.  Zeitung  folgende  interessante 
Nachrichten  enthält: 

•i  •    ..  1   .     .  ' . 
.    Warschau,  im  Augmt  1819. 

Das  am  l4ten  Juny  von  Wolfgang  Amadeus 
Mozart,  einem  Sohne  des  unsterblichen  Meisters, 
im  Nationaltheater  gegebene  Concert  veranlasst  mich, 
Ihnen  wieder  einmal  über  hiesige  Musik  zu  schrei- 
ben. Dieses  kurze,  auf  die  Jahreszeit  berechnete, 
interessante  Concert  bestand  aus  Folgendem:  Den 
Anfang  machte,  absichtlich  gewählt,  die  Ouvertüre 
aus  der  Zauberflöte;  dann  spielte  der  junge  Mozart 
ein  Concert  aus  Es  jj  von  seiner  Composition  auf  dem 
Pianoforte.  Die  Meynung  der  anwesenden  Kenner 
war,  dass  der  Geist  seines  Vaters  in  dieser  Compo- 
sition wehe.  Das  erste  Allegro  ist  mit  Fleiss  und 
gut  gearbeitet,  und  man  fiihlt  es  in  der  That,  dass 
der  Sohn  die  Form  des  Ganzen  im  Vorbilde  seines 
verewigten  Vaters  gesucht,  und  sie  nach  Möglichkeit 
mit  den  Schönheiten  der  heutigen  Virtuosität  ver- 
eint hat*  Das  Rondo  ist  sehr  angenehm  und  hat 
allgemein  gefallen,  um  so  mehr,  da  das  Thema  an 


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I 


583 
— 

die  Zauberflöte  in  dem  Momente,  als  sich  Painina 
und  Tamino  zum  ersten  Male  erblicken:  Er  isfs, 
sie  isfs  etc.,  erinnert.  Hierauf  folgte  ein  Doppel- 
Concert  für  Waldhorn  und  Fagott  von  Gebauer. 
Nun  spielte  Mozart  das  bekannte  schöne  Rondo  aus 
A  dar  von  Hummel ,  worauf  das  Personale  der  pol- 
nischen Oper  das  unnachahmliche  Sextett  aus  dem 
zweyten  Acte  des  Mozart'schen  Don  Juan  in  Esdur 
vortrug.  Das  Ganze  beschloss  Mozart  mit  einer 
freyen  Phantasie,  in  welcher  Themen  von  polnischen 
Nationaltänzen  vorherrschten.  Die  Versammlung 
war,  ungeachtet  der  ungünstigen  Sommerzeit,  zahl- 
reich, und  schenkte  dem  Virtuosen  sowohl  in  Rück- 
sicht seines  acht  geschmackvollen  Spiels  als  seiner 
Composition  grossen  BeyfaU.  Künstler  und  Kunst- 
freunde wetteiferten,  ihm  seinen  kurzen  Aufenthalt 
so  angenehm  als  möglich  zu  machen. 


Königsberg,  den  II«  July  1819. 


>1 

iTT 

ner  harten  Beurtheilung  unterworfen,  indem  man 
sie  mit  ihren  Vätern  Vergleicht.  Sie  müssten  deren 
Ruhm  noch  überstrahlen,  um  den  Ansprüchen  zu 
genügen,  die  die  Welt  an  sie  macht.  Allein'  man 
vergisst,  dass  der  Heros  nicht  Heros  wäre,  wenn  er 
lauter  Heroen  zeugte,  dass  ferner  grosse  Männer 
selten  auf  ihre  Kinder  grosse  Sorge  wenden  können, 
da  sie  in  der  Regel  durch  mühsamen  Unterricht  den 
Lebensbedarf  anschaffen  müssen,  und  dass  endlich 
die  meisten  genialen  Menschen  nicht  alt  werden.  — 
Zu  dieser  Betrachtung  führte  mich  das  Hierseyn 
W.  A.  Mozarts,  des  Sohnes,  der  auf  einer  Reise 


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589 

von  Lemberg,  wo  er  als  Ciavierlehrer  lebt,  zu  «ei- 
ner in  Copenhagen  wohnenden  Mutter,  hier  ein 
Concert  gab.  Als  Jüngling  trat  dieser  zweyte  Sohn 
des  Unvergesslichen  mit  einigen  Compositionen  auf, 
die  nicht  genügten ,  theils  weil  sie  als  Jugendversuche 
der  Reife  entbehrten,  theils  weil  man  sie  unter  den 
Maassstab  der  Werke  des  Vaters  legte.  Es  freut 
mich  nun,  über  dieses  jungen  Mannes  Fortschritte 
in  der  Kunst  und  Composition  lobend  sprechen  zu 
können,  und  Deutschland  auf  ihn  aufmerksam  ma- 
chen zu  dürfen.  Doch  besser,  ich  theile  Ihnen  wört- 
lich die  Notiz  aus  einem  hiesigen  Blatte  mit,  die, 
wenn  mich  nicht  Alles  trügt,  einen  competenten 
Richter  zum  Verfasser  hat. 

Gestern  lernten  wir  Mozart  den  Sohn  kennen,' 
tds  Fortepiano- Spieler  und  als  Componisten.  Den- 
jenigen Musikfreunden,  die  sich  nicht  zum  Concert 
eingefunden  hatten,  können  wir  dreist  sagen,  dass 
sie  Etwas  versäumt  haben.  Der  berühmte  Name 
tauschte  nicht;  Mozart's  Geist  war  in  der  That  ge- 
genwärtig, und  das  allbekannte  Fortepiano  schien  in 
ein  neues  Instrument  verwandelt.  Denn  zu  der  Fülle 
seiner  Harmonieen  und  zu  dem  Schimmer  mannig- 
faltiger Figuren  empfing  es  von  den  Händen  dieses 
Spielers  noch  einen  so  höchst  lebendigen  und  zarten 
Vortrag,  dass  die  musikalischen  Gedanken  ganz  mit 
jener  sprechenden  Deutlichkeit  hervortreten  konnten, 
woran  wahre  Kunst,  hoch  erhaben  über  alle  Kunst- 
stücke, erkannt  und  empfunden  wird.  Hiermit  ist 
schon  gesagt,  dass  auch  die  Composition  in  einem 
hohen  Grade  vortrefflich  war;  sollte  aber  Jemand 
eine  bestimmtere  Charakteristik  derselben  verlangen, 


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590 

- 

so  würde  es  eben  darum  schwer  seyn,  ihm  zu  ge- 
nügen, weil  dieser  Künstler,  ähnlich  seinem  Vater» 
nicht  an  einer  besondern  Manier,  sondern  eben  nur 
an  der  Kunst  selbst  zu  erkennen  ist.  deren  Hülfs- 
mittel  er  vollständig  besitzt  und  mit  Gefühl  und  Be- 
sonnenheit gebraucht,  ohne  nach  irgend  welchen  Ef- 
fecten und  Seltsamkeiten  zu  haschen»  —  Diejenigen, 
welche  Gelegenheit  hatten,  den  noch  ziemlich  jun- 
gen Mann  (er  soll  28  Jahre  alt  seyn)  zu  sprechen, 
erwähnen  mit  Achtung  seiner  gesellschaftlichen  Sit- 
ten, seiner  Gefälligkeit  und  Bescheidenheit«  Viel- 
leicht hat  diese  Persönlichkeit  des  Künstlers  mit  da- 
zu bey getragen,  sämmtliche  Spielende  in  die  heitere 
Stimmung  zu  versetzen,,  welche  sie  während  des 
ganzen  ConcerU  zu  beleben  schien;  wenigstens  war 
es  auffallend,  dass  am  gestrigen  Abende  die  Ausfüh- 
rung sk'innitlichcr  Musikstücke  vorzüglich  wohl  ce— 
lang. 

Die  Anordnung  des  Concerts  zeigte  eine  ehrende 
Anerkennung  von  Mozart's  Verdienst,  denn  der  Zet- 
tel nannte  nur  den  Namen  Mozart»  Es  wurden  die 
Ouvertüren  zu  Don  Juan  und  zur  Zauberflöte  gut 
und  mit  Feuer  ausgeführt«  Dann  folgte  die  vortreu- 
liche Scene :  Ch'  io  mi  scordi  di  te  etc.  Non  temer, 
amato  bene  etc.,  wozu  Mozart  das  concertirende  Pia- 
no forte  spielte«  Hieraufspielte  Mozart  ein  Pianoforte- 
Concert  von  seiner  Compositum,  das  durch  Erfindung 
und  Vortrag  sehr  befriedigte.  f  ;Erstere  ist  in  der 
Weise  seines  Vaters,  natürlich  mit  Benutzung  des 
jetzigen  Pianoforte-Umfanges»  Eine  sogenannte  freye 
Phantasie  über  ein  russisches  und  polnisches  Thema 
machte  weniger  Eindruck,  wohl  wegen  der  unpas- 


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senden  Benennung,  indem  es  mehr  freye  Varia  tioneri 
über  zwey  Themata  waren.  Doch  fand  der  Vortrag 
dieses  Stückes  ebenfalls  Beyfall.  Die  Einnahme  war 
für  einen  schönen  Sommertag  bedeutend.  Die  bey- 
den  Ouvertüren  wurden  auch  beklatscht ,  theils  um 
Mozart's  Namen  zu  feyern,  theils  wegen  der  guten 
Ausführung.  Rühmliche  Erwähnung  verdient  es* 
dass  die  Mitglieder  des  Orchesters,  jetzt  alles  Er^ 
werbes  beraubt,  doch  aus  Achtung  für  Mozart's  Na- 
men grösstenteils  aller  Bezahlung  entsagten,  indess 
sich  die  Herren  Eigen thümer  des  Concertsaales  die 
hohe  Miethe  für  denselben  entrichten  Hessen.  1 
Herr  Mozart  beabsichtigt,  auf  seiner  Rückreise1 
Hamburg,  Berlin,  Leipzig  und  Dresden  zu  besuchen, 
alsdann  aber  nach  Lemberg  zu  seinen  Clavierschülern 
zurückzukehren.  Ist  denn  in  Deutschland  für  Mo- 
zart* 8  Sohn  kein  Plätzchen  offen ,  das  seinem  Talente 
Müsse  gäbe  ?  in  Deutschland ,  das  so  viele  Ausländer 
ernährt?  —  Aber  so  ist  der  Deutsche!  Bey  Säcu- 
larfeyern  sucht  er  wohl  die  Abkömmlinge  seiner 
grossen  Männer  unter  der  Hefe  des  Volkes  auf,  und 
beschenkt  sie  mit  Bibeln  und  Medaillen  u.  dgl.,  um 
kund  zu  thun,  wie  er  Verdienst  zu  ehren  wisse. 
Die  Kinder  seiner  grossen  Zeitgenossen  zu  unter- 
stützen, fallt  ihm  nur  selten  ein.  — 

■ 

•    •  » •    •  i  •  * 

0  •  ■ 

Prag,  den  *4.  Mär»  1820.  ' 

Gestern,  den  6ten  April,  gab  Hr.  W.  A.  Mo- 
zart ein  Goucert  im  Redoutensaale ,  welches  natür- 
lich die  regste  Theilnahme  bey  den  hiesigen  Kunst- 
freunden erregen  musste,  da  viele  der  älteren  sich 
noch  der  Zeit  erinnern,  wo  der  unsterbliche  Vater 


m 

unter  uns  wandelte,  und  zwey  seiner  Werke  (Don 
Juan  und  Titus)  ganz,  ein  drittes  (die  Zauberflöte) 
zum  Theil  hier  dichtete ;  selbst  die  jüngeren ,  welche 
ihn  nicht  mehr  leiblich  kannten,  verehren  ihn  doch 
nicht  minder  lebhaft  in  seinem  Wirken,  und  jeder 
Prager  ist  stolz  darauf,  dass,  während  Wien  Jahre, 

* 

und  andere  Völker  Jahrzehende  bedurften,  ehe  sie 
Seine  genialen  Schöpfungen  in  ihrem  ganzen  Umfange 
zu  würdigen  lernten,  selbige  hier  bey  ihrer  ersten 
Erscheinung  mit  all'  dem  Enthusiasmus  aufgenom- 

• 

men  wurden,  welche  sie  in  jedem  Menschen  von 
Geist  und  Herz  erregen  müssen.  Wie  wohl  hatte 
der  Sohn  dieses  berechnet,  da  uns  der  Anschlage- 
zettel die  herrlichen  Ouvertüren  aus  der  Zauberflöte 
und  Don  Juan  ankündigte!  (Es  ist  bekannt,  dass 
Mozart  die  letztere  erst  in  der  Nacht  vor.  der  ersten 
Aufführung  componirte,  und  manches  Mitglied  des 
Orchesters  mochte  sich  hier  noch  mit  Rührung  des 
Abends  erinnern,  wo  es  dieselben  Noten  zum  ersten 
Male  unter  der  Leitung  des  grossen  Kunstmeisters 

CI*  %J  l  S  t>  CL  S  J)  -1    t  O»  ^    ^T^^ir  1 1 0 X  t CIX  ,f\v  X  XX  (3X   dcXS  j^s^*OS30  ^^onx 

cert  in  C,  zwey  Arien  aus  Don  Juan  und  Figaro, 
und  zwey  Compositionen  des  Concertgebers ,  nämlich 
Variationen,  und  zwey  Sätze  eines  Pianoforte-Con- 
certs.  Wenn  nun  der  Name  Mozart  dem  jungen 
Künstler  einen  so  lebhaften  Antheil  verschaffte, .  so 
steigerte  er  auch  anderer  Seits  die  Anforderungen 
sehr  hoch,  welche  für  den  Pianoforte  — Virtuosen  in 
Prag  ohnehin  nicht  gering  sind,  da  wir  mehre  der 
•    ersten  Meister  auf  diesem  für  das  Concert  nicht  all- 

M dankbaren  Intrumente  gehört  haben,  und  selbst 
mitunter  Dilettanten  besitzen,  die  in  mancher  kleinen 

m 

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«93 

"  I 

Stadt  unter  die  Künstler  gezählt  werden  dürften. 
Herr  Mozart  kann  es  daher  immer  als  einen  nicht 
geringen  Triumph  «einer  Kunst  hinnehmen,  dass  er 
diesen  Erwartungen  Genüge  leistete:  sein  Spiel  ist 
klar,  präcis,  ausdrucksvoll  und  von  Geist  und  Ge- 
fühl belebt,  wodurch  er  auch  die  Gemüther  so  an- 
sprach, dass  man  es  ihm  verzieh,  wenn  er  die  küh- 
nen Passagen  und  ungeheueren  Sprunge,  die  man 
in  der  neuern  Zeit  anzustaunen  gewohnt  ist  und  so 
sehr  liebt,  grossen theils  verschmähte.  Was  seine 
Compositionen  betrifft,  so  fanden  wir  —  vorzüglich 
in  den  Concertsatzen  —  eines  Theils,  dass  die  schöne 
Gabe,  die  sein  Vater  vor  allen  Tondichtern  in  so  . 
hohem  Grade  besessen:  einen 

danken  nicht  eher  wieder  zu  verlassen,  bis  er  ihn 
in  allen  Formen  des  Schönen  entfaltet,  auch  auf  den 
Sohn  übergegangen  sey;  anderntheils  (was  freylich  . 
aus  der  Art  seines  Spiels  als  noth wendig  bedingt 
hervorgeht),  dass  er  ganz  frey  ist  von  der  schlim- 
men Weise  neuerer  Tonsetzer,  die  für  sich  selbst 
Concerte  schreiben,  nämlich,  dass  sie  stets  den  hö- 
hern Zweck  ihrer  Kunst  einem  niedern  unterordnen, 
und  statt  durch  Ideen  das  Gemüth  zu  erheben ,  bloss 
darauf  bedacht  sind ,  durch  Ueberwindung  ungeheue- 
rer  Schwierigkeiten  Bewunderung  zu  erregen.  Vor- 
züglich wurde  das  gediegene  und  in  sich  abgerundete 
Allegro  seines  Concerts  mit  Furore  aufgenommen. 

Gestern  Abend,  eben  während  Mozart  uns  ei- 
nen Kunstgen uss  gewahrte,  ist  Hummel  angekommen, 
uns  neue  zu  bereiten*  Es  ist  eine  Eigenheit  der 
Prager  Kunstliebhaber,  dass  sie  es  sich  mit  ihren 
Kritiken  (mündlich  und  manchmal  auch  gedruckt') 
<  38 

•  * 

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594  _■ 

etwas  bequem  machen,  und  statt  jedes  Kunstwerk 
und  jede  Kunst  mit  sich  selbst  und  ihren  Gesetzen 
zu  vergleichen,  viel  lieber  durch  Parallelen  urthei- 
len;  und  so  konnte  es  denn  auch  nicht  fehlen,  dass 
Vergleichungen  zwischen  Hummel ,  Moscheies  •  und 
Mozart  angestellt  wurden,  und  sich  für  Einen  und 
die  Anderen  gleichsam  Parteyen  bildeten*  Uns  scheinen 
diese  Parallelen  in  der  Kunst  überhaupt  zu  keinem 
Resultate  zu  führen,  hier  aber,  bey  der  dreyfach 
verschiedenen  Natur  dieser  Künstler,  ganz  unnütz 
uud  unanwendbar.  Moscheies  überwindet  ungeheuere 
Schwierigkeiten  mit  grosser  Sicherheit,  aber  nicht  ohne 
Prätension  auf  diese  Schwierigkeiten,  und  er  häuft 
selbige  nicht  selten  mit  etwas  künstlerischer  Koket- 
terie. Mozart  kann  so  gewallige  Tours  de  forte  nicht 
üben;  aber  er  scheint  auch  sich  mehr  vorgesetzt  zu 
haben,  auf  das  Gemüth  zu  wirken,  und  Hummel 
vereinigt  beyde  Effecte  in  sich,  da  er  alles  das  Un- 
geheuere des  Ersten  mit  der  Gemüthlichkeit  des 
Zweyten  verbindet,  und  nur  unaufmerksame  Beobach- 
ter können  glauben,  Moscheies  überwinde  grössere 
Schwierigkeiten,  als  Hummel,  weil  Letzterer  selbige 
anspruchlos  und  mit  lächelnder  Miene  besiegt,  wäh- 
rend jener  kund  zu  thun  scheint,  dass  er  eben  wie- 
der, wie  Herakles  in  der  Wiege,  zwey  Schlangen 
erdrücken  werde,  um  —  dass  er  sie  erdrückt  habe. 
Was  die  Compositionen  betrifft,  so  ist  Moscheies 
manchmal  etwas  zu  gekünstelt,  und  hascht  zu  sehr 
nach  Originalität  und  genialem  Schwünge  —  beyde 
müssen  angeboren,  nicht  errungen  werden  —  und 
wird  zuweilen  sogar  etwas  geziert,  während  Hum- 
mel mit  der  höchsten  Lieblichkeit  eine  klassische 


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Feinheit  und  Gediegenheit  verbindet,  und  Mozart 
nicht  ohne  Glück  —  wenn  gleich,  nicht  mit  einem  so 
überreichen  Genius  ausgestattet  —  auf  der  charak- 
teristischen Bahn  seines  .  unsterblichen  Vaters  fort- 


Im  Jahre  1826  im  August  reis'te  er  von  Lem- 
berg, seinem  dermaligen  Aufenthaltsorte,  auf  Ver- 
langen seiner  Mutter  nach  Salzburg,  um  den  Tribut 
seiner  kindlichen  Dankbarkeit  gegen  seinen  im  Mo- 
nat März  desselben  Jahres  gestorbenen  zweyten  Va- 
ter, den  Königl.  dänischen  Etatsrath  und  Ritter  des 

■ 

Danebrog  -  Ordens ,  Georg  Nicolaus  von  Nissen,*) 
der  die  beyden  noch  kleinen  Söhne  des  grossen 
Künstlers  als  Vater  erzogen  hat,  darzulegen,  indem 
in  der  Universitätskirche  mit  Bewilligung  des  hoch- 
würdigsten  Fürst  Erzbischofes  von  Salzburg,  Augu- 
atin  Gruber,  Seiner  Majestät  des  Kaisers  von  Oester- 
reich wirklichen  Geheimen  Raths  etc.  und  Primas  von 
Deutschland,  ein  feyerliches  Seelenamt  von  dem  hoch- 
würdigen Domcapitular  zu  Salzburg  und  K.  K.  Hof- 
Kapellan,  Ignaz  Schumann  von  Mannsegg,  abgehal- 
ten wurde,  und  wobey  Mozart's  Schwaneugesang,  das 
unübertreffliche  Requiem,  unter  der  Leitung  des  Soh- 


*)  Die  JVittwe  Mozart* s  trat  im  Jahre  1809  in  eine  zweyte  Ehe. 
Sie  verband  sich  nämlich  zu  Wien  sehr  glücklich  mit  dem 
damals  als  KÖnigL  dänischer  Geschäftsträger  dort  angestellten, 
verdienstvollen  Herrn  von  Nistent  und  lebte,  als  er  gleich 
darauf  noch  in  demselben  Jajire  zum  KÖnigl.  Etatsrath  er- 
hoben wurde,  zehn  Jahre  mit  ihm  zu  Kopenhagen*  Eine 
Kränklichkeit  nöthigte  ihn ,  das  Gasteiner  Bad  zu  gebrauchen, 
und  dadurch  kam  sie  wieder  in  ihr  Vaterland.  Sie  verlor  ihren 
.  .   geliebten,  allgemein  verehrten  Gatten  den  a6sten  März  ißaö. 

38*  , 


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59G 

nes  aufgeführt  wurde.  Nach  allgemeinem  einstimmi- 
gen Zeugnisse  wurde  Mbzart's  Requiem  in  Salzburg 
niemals  so  gut  gehört,  als  diess  Mal  unter  der  Di- 
rectum von  Mozart's  Sohne«  s 
Wie  sehr  er  von  Liebe  und  Dankgefuhl  gegen 
seinen  zweyten  Vater  durchdrungen  war,  davon  giebt  v 
folgender  Brief  das  beste  Zeugniss : 

Lemberg,  den  12.  April  i8aC 

Meine  liebe  theure  Mutter! 

Es  wäre  wohl  vergebliche  Mühe,  wenn  ich  Dir 
den  Schmerz  schildern  wollte,  der  sich  meiner  be- 
mächtigte, als  ich  gestern  den  Brief  des  Hrn.  Metz- 
ger erhielt.  Eben  gestern  erwartete  ich  die  Antwort 
meines  unvergesslichen  Vaters  auf  meinen  letzten 
Brief  vom  igten  März,  und  statt  diesen  muss  ich 
den  unersetzlichen  Verlust  erfahren,  der  uns  betrof- 
fen. Da,  meine  liebe  gute  Mutter,  weisst  nur  zu  » 
gut,  was  Er  uns  Allen,  und  besonders  mir  war. 
Mein  bester,  mein  einziger  Freund,  von  Kindheit  an 
mein  Vater  und  mein  Wohlthäter! '  Noch  vermag 
ich  es  nicht,  meine  Gedanken  zu  ordnen,  und  noch 
viel,  weniger  Dir  Trost  zuzusprechen,  da  ich  selbst 
noch  dessen  zu  sehr  bedarf;  und  ich  sende  nur  dess- 
halb  diese  Zeilen  an  Dien  ab,  um  Dich  aufs  angele- 
gentlichste zu  bitten,  mich  so  bald,  als  nur  immer 
möglich,  über  Dein  Befinden  zu  beruhigen,  und  mir 
wissen  zu  machen,  was  Du  allenfalls  für  Pläne  für 
die  Zukunft  gemacht  hast.  "Willst  Du  zu  mir  kom- 
men, so  erwarte  von  meiner  kindlichen  Liebe,  dass 
ich  Alles  thun  werde,  was  zu  Deiner  Zufriedenheit 
beytragen  kann.   Oder  wünschest  Du,  dass  ich  auf 


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I  ■  . 


täinige  Zeit  zu  Öir  komme,  um  Deine  Geschäfte  zu 
schlichten,  so»  schreibe  mir  es  unverzüglich 5  mit  ei- 
fern Worte,  was  Du  immer  zu  unternehmen  denkst, 
rechne  auf  Deinen  Sohn 

'  Wolfgang. 

v-..V.5\».\  .'.    'i         f.  1  • 

^  •  * 

*  Auf  allgemeines  Verlangen  gab  der  Sohn  ein  , 
paar  Tage  vor  seiner  Abreise  von  Salzburg,  den  / 
29sten  August,  eine  musikalische  Akademie  im  Rath- 
naus-öaaie,  wo  sicn  unter  anaern  aer  L/oncertgeuer 
mit  einem  Pianoforte-Concert  in  Es  äur  von  seiner 
Compositum,  Quintetto  concertant  für  das  Piftnoforte, 
Hautboia,  Ctarinetto,  Cor  et  Basson,  und  Phantasie 
zu  vier  Händen  vom  Vater,  und  einem  Terzette  für 
Männerstimmen  vom  Concertgeber  hören  Hess,  und 
'ungetheilten  Beyfall  erntete.  Auch  legte  er  während 
seines  Aufenthaltes  in  Salzburg  den  Grundstein  zu 
wem  iur  seinen  otielvater  erricnteten  Monumente« 

Er  reis'te  den  ls tcn  September  von  Salzburg  ab, 
Toll  Eifer  und  Begierde,  um  zu  seinem  erst  vor  we- 
nigen Monden  18256  in  Lemberg  gegründeten  Gesang- 
Institute,  dem  sogenannten  Cäcilien-Chore ,  zu  eilen. 
Diese  Anstalt,  deren  Gründung  ihrem  Stifter,  W. 
*Ä.  Mozart,  in  dieser  Stadt  ein  bleibendes  Andenken 
verbürgt,  hat  sich  die  Förderung  der  höhern  Ge- 
sangmusik  zum  Ziele  gesetzt,  und  erfreut  sich  eben 
so  sehr  der  allgemeinen  Theilnahme,  als  sie  bereits 
den  schönsten  Beweis  ihres  herrlichen  Gedeihens  und 
Fortschreitens  eben  bald  nach  seiner  Ankunft  von 
Salzburg  in  Lemberg  durch  die  Ausführung  des  Re- 
quiem seines  Vaters  den  5ten  December  desselben 
'Jahres  geliefert  hat,  welches  die  erste  öffentliche 


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1 


598 

Probe  ihrer  Leistungen  war.   Die  Mnemosyne,  eine 

in  Lemberg  erscheinende  Zeitschrift,  liefert  über 
diese  Kunstleistung  vom  23s ten  December  1826  fol- 
genden Berichts  ,i 

r 

'  Mozart' a  Todesfeyer  in  Lemberg. 

.  Die  Kunstliebe  unserer  Provinz  -Hauptstadt  und 
der  darin  herrschende  Eifer,  alles  Kunstschöne  zu 
fördern,  sind  allgemein  bekannt«  Mit  .dieser  natür- 
lichen Neicune  ihrer  Bewohner  vereintet  sich  deich- 
zeitig  eine  fast  unbegränzte  Verehrung  für  die  Schöp- 
fer und  Begründer  höherer  Kunstgenüsse,  welche 
sich  bev  ieder  Gelegenheit  deutlich  zu  erkennen  gibt. 
Ein  solcher  Anlass  wurde  den  kunstsinnigen  Lem- 
bergern zu  Anfange  dieses  Monats  in  der  Schloss- 
kirche zum  heil.  Georg  zu  Theile.    Dort  nämlich 
ist  zur  Feycr  des  auf  den  5ten  December  fallenden 
Sterbetags  des  unvergessliohen  Mozart  eine  Seelen- 
xnesse  abgehalten  und  dabey  dessen  berühmtes  Re- 
quiem ausgeführt  worden.  Der  Andrang  zur  Kirche 
war  ganz  besonders  zahlreich  Und  schon  von  aussen 
bemerklich  an  der  Menge  von  Wagen,  welche  nicht 
bloss  den  Schlosshof  ganz  füllten,  sondern  auch  ei- 
nen bedeutenden  Raum  des  nahen  Jahrmarktplatzes 
einnahmen.  Nicht  weniger  beträchtlich  war  die  An-' 
zahl  der  Fussganger,  welche  ungeachtet  des  ungün- 
stigen Wetters  an  den  ziemlich  entfernten  Andachts- 
ort hin  wallfahrte  ten.    Die  Ausführung  der  grossen 
Composition  war  des  unübertrefflichen  Meisters  wür- 
dig und  entsprach  selbst  in  den  schwierigsten  Paiv 
tieen  durch  Reinheit,  Präcision  und  richtige  Beto- 
nung des  Vortrags  der  allgemeinen  Erwartung  eben 


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so  sehr,  als,  sie  den  mächtigen  Zudrang  zur  Statte 
der  Erbauung  rechtfertigte.    Sie  ermangelte  daher 
auch  des  •  beabsichtigten  Eindruckes  nicht,  indem  das 
achmerzliche  Gefühl  um  den  herben  Verlust  des  ein- 
zigen Meisters  durch   die  erhabenen«  himmlische 
Tröstung  einflössenden  Gefühle  und  Ideen  dieser 
Musik  dich  tun  er   in  ieder  Brust  gemildert  und  be— 
seh  wichtigt  wurde;  ganz  so  wie  es  jedes  ächte,  grosse 
Kunstwerk  thun  soll»  indem  es  gleichzeitig  den  gan- 
zen Schwall  Grosser  Leidenschaften  und  tiefer  Em- 
pfindungen  in  der  Brust  anregt,  aber  auch  den  ge-. 
waltigsten  Kampf  zur  beruhigenden ,  Harmonie  .  auf- 
löset und  versöhnet.    Diese  "Wirkung"  wurde  durch 
das  eifrigste  und  verständigste  Zusammenstreben  aller, 
Theilnehmenden  vollkommen  erreicht.    Das  Ganze 
leitete  Herr  Wolfgang  Amade  Mozart,,  der  jüngere 
Sohn  des  verewigten  Meisters ,  welcher  seit  Jahren 
in  unserer  Mitte  weilt.   Er  wurde  in  dieser  durch 
ihn  veranlassten,  Kunstdarstellung  von  den  vorzüg- 
lichsten Künstlern  und  Musikfreunden  Lembergs  auf 
das  Werkthätigste  und  Uneigennützigste  unterstützt. 
Insbesondere  hat  Herr  Lipinski,.  der  als  Virtuos 
und  Compositeur  gleich  rühmlich  bekannte  Violin- 
spieler, die  Direction  des  Orchesters  übernommen, 
und  es  bedarf  wohl  kaum  der  Versicherung,  dass 
durch  seine  Mitwirkung  das  Ganze  wesentlich  gefor- 
dert wurde.   Die  Sihgpartieen  waren  ausschliessend 
von  den  Mitgliedern  des  erst  vor  wenigen  Monaten 
hier  gegründeten  Gesang -Instituts,  des  sogenannten 
Cäcilien-Chors',  besetzt,  und  ein  freundlicher  Glücks- 
stern vereinigte  zu  den  Solopartieen  die  vorzüglich- 
sten Gesangstaiente,  worunter  zwey  Damen  des  cr- 


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sten  Ranges,  eben  so  ausgezeichnet  durch  reiche  Na- 
turanlagen und  seltene  Ausbildung  derselben,  als 
hochgestellt  durch  Geburt  und  Rang,  mit  Bewunde- 
rung bemerkt  wurden.  Bey  Uebernahm'e  der  Instru- 
mental  -  Parti een  wetteiferten  Künstler  und  Kunst- 
freunde um  die  Ehre,  zur  Feyer  des  glorreichen  Mei- 
sters mitzuwirken;  ein  Umstand,  welchen  anfuhren 
zu  können  uns  um  so  grösseres  Vergnügen  gewahrt, 
als  bey  der  bekannten  Eigenheit  der  Künstler  dieses 
Fachs  das  Arrangement  einer  grössern  Kunstpro- 
duction  nicht  selten  zu  mannigfachen  Reibungen  An- 
lass  gibt.  Schlüsslich  können  wir  nicht  umhin,  als 
einen  ganz  besondern  Beweiss  der  allgemein  ver- 
breiteten Ergebenheit  und  tiefen  Verehrung  für  den 
hohen  Geist  Mozart's  noch  zu  erwähnen,  dass  zur 
Darstellung  dieses  Requiem  auch  eine  Abtheilung 
der  Kapelle  des  hier  garnisonirenden  Infanterie -Re- 
giments Mariassy,  unter  Anfuhrung  ihres  geschätzten 
Kapellmeisters  Hrn.  Wiskotczill,  ohne  alle  Entschä- 
digung mitgewirkt  hat. 


Wie  gross  übrigens  sein  Eifer  und  seine  Begierde 
für  das  höhere  Studium  der  Composition  ist,  davon 
liefert  den  stärksten  Beweis,  dass  er  alle  seine  übri- 
gen freyen  Stunden,  welche  nicht  dem  Musikunter- 
richte und  seinem  Singinstitute  gewidmet  sind,  ganz 
dazu  verwendet,  und  mehre  Jahre  schon  den  Unter- 
rieht  des  Kapellmeisters  Gallus,  eines  grossen  Con- 

trapunetisten  *)  geniesst,  und  es  auch  hierin  schon 

•        » •    »»•  ■     t  •  . . 

~  :  ■  •         v     •  • 

*)  Nebst  mehren  Opern  componlrte  er  tu  Babylon*  Pyramiden 


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seit  zwey  JiJireu f  >uf '  ciiio  hoho'  Stuf 6  gebracht 
Hierüber,  als  auch  Über  seinen  edeln  Charakter  ge- 
ben seine  Briefe  die  herrlichsten  Belege,  wovon  WUT 

•  r 


.  •  •        •#    *  • 
•   •  •       ■>  . 


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»»-•  ■ 


Lemberg,  den  5.  October  1816. 

Meine  theure,  vielgeliebte  Mutter! 

Ich  benutze  den  ersten  freyen  Augenblick,  um 
Tjir  meine  fflüekliehe  Ankunft  allhier  zu  melden. 
Als  ich  Dich,  meine  Hebe  Mutter,  verlassen,  'W 
auch  der  einzige  und  schönste  Zweck  meiner  Reise 
erfüllt,  denn  ich  war  ja  so  glücklich,  Dich  nach  ei- 
ner bangen  Trennung  von  sieben  Jahren  wieder  zu 
,  und  Dich,  dem  Himmel  sey  Dank,  so  "vVohl 


liebe  Gott  und  Deine  eigene  Vorsicht  mögen  Dich 

ir  noch  lange,  lange  erhalten,  und  es  bleibt  mir 

nichts  mehr  übrig,  als  mich  einst  nicht  mehr 

von  Dir  trennen  zu  dürfen«  Cj  ' 

Ich  kam  den  28sten  September  hier  an«  Ich 

kann  Dir  nicht  beschreiben  ,  wie  sich  Alles  um  mich 

her  meiner  Rückkunft  freute;  und  auch  ich  würde 

mich  ganz  glücklich  fühlen,  wenn  ich  Dich  nicht  so 

fern  wüsste!   Meine  Studien  mit  dem  alten  Gallus 

haben  schon  wieder  begonnen«  und  wenn  auch  Alles 

so  geht,  wie  ich  es  mit  aller  Wahrscheinlichkeit 

hoffen  kann,  so  dürfte  mir  doch  in  ein  paar  Jahren 

das  Glück  werden,  in  Deiner  Nähe  leben  zu  können. 

:  Was  macht  mein  Heber  Freund  Jähndl?  Para- 

1         .     !'■  .  •  ,  ■ '      •»..•*!• "  •!»  f*.  ••'     i .  .f 

/    poaitio«en  ron  ihm  gedrnckt,  so  wie  er  auch .  «ty»  Viele« 
im  Kirchenstyle  verfertigt  hat.    Gegenwärtig  priratisirt  er 
*  "      in  Lemberg,    Mehr  xlarüber  sehe  man  in  Gerbers  Lexikon. 


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dirt  e*  mit  4er;»JKflpp«(?  .Hoffentlich  wird;  sein  treuer 
Pudel  Frioo»  durch  sie  auch  an  mich  erinnert  wer* 
den,  denn  er  hatte  eine  besondere  Zärtlichkeit  zu 
meiner  Kappe.  Und  nun  lebe  woJiL.  liebe  Mutter  etc. 

Lemberg,  am  26.  Decbr.  i8a6.  ' 

Lieber  guter  Freund!        ;t   :   '  ■• 

,.v   Yot  dem  Jahresschlüsse  pflegen  gewissenhafte 
und  ordentliche  MenStehen  ijire  Rechnungen  etc.  ins 
Reine  zu  bringen.    Da  ich  nun  auch  nicht  ganz, 
doch  so  halb  und  halb  mich:  zu  diesen  Menschen, 
aählen  zu  können  glaube,  so  sitze  ich  nun  hier,  tun 
Ihnen,  mein  lieber  euter  Freund,   nicht  nur  alles 
Liebe  und  Gute  zum  neuen  Jahre  zu  wünschen, 
sondern  um  Ihnen  auch,   was  fsey  Ii  eh  ein  wenig 
früher  hatte  geschehen  sollen,  für  so  viele  mir  er- 
wiesene Freundschaft  aufs  Herzlichste  zu  danken» 
Vater!  nicht  doch  ~  freund!       weiset  es  nicld, 
was  hier  im  Herzen  spricht!«  kann  ich  Ihnen  mit 
voller  Ueberzeugung  sagen,  und  ich  wünsche  nur, 
dass  das  liebe  Salzburg  einst,  statt  eines  Festungs- 
Commandanten,  in  meiner  Wenigkeit  einen  Kapell- 
Commandanten  braucht,  um  Ihnen  mündlich  sagen 
zu  können,  dass  ich  Sie  recht  hertelich  liebe,  und 
mich  immer  der  Gelegenheit  erfreuen  werde,  Ihnen 
es  beweisen  zu  können.   Von  meiner  lieben  Mutter 
werden  Sie  erfahren  haben,  dass  ich,  meinem  Vor- 
sätze getreu,  am  28sten  September  hier  eingetroSen 
Üb,,  wo  ich  nun  .wieder  in  meinem  alten  Geleise 
fort  lebe,  d.h.  Lection  gebe,  zu  Zeiten  meine  Fin- 
ger  ein  Bischen  m  Ordnung  erhalte,  und  besonders 
mit  vielem  Eifer  meinen  Cäcilien-Chor  ausbilde,  der 


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J 


meines  unvergeßlichen  Vaters  traten  wir  zum  ersten 
Male  öffentlich  und  zwar  mit  dessen  Requiem  auL 


r  * 


von  Michael  Haydn's  und  meines  Vaters  Kirchen- 
jachen entgegen:  haben  Sie  die  Güte,  das  zu  beher- 
zigen, und  mir  auch  zugleich  wissen  zu  machen,  .wie 
hoch  ich  schon  in  Ihrer  Schuld  stehe,  denn  die  hin- 
terlassenen  3fi  fl«  sind  gewiss  schon  läncst  verbraucht- 
•1<  Schreiben  Sie  mir  ja  recht  bald,  wie  es  Ihnen 
geht,  was  Sie  machen,  und  ob  Sie  und  meine  andern 


Von  meiner  Seite  bedarf  diess  wirklich  kei- 
ner Versichernng,  und  es  ist,  nach  meiner  mitunter 


•   _• 

- 


liebliche  Erholung,  mir  die  fröhlichen  Stunden  ins 
Gedächtniss  zurückzuführen,  die  ich  in  Ihrem  Kreise 

/  i  '    "  '  ''       t     ii  '  ■ 


•    •••  •         •  •  M  •  I«  ■!  | 

Lemberg,  den  17.  April  1827. 


Meine  liebe  gute  Mutter!., 


Wenn  Du  No.  48  der  Wiener  Theater- Zeitung 
No*.  51  der  ebenfalls  in  Wien  erscheinenden 
Zeitschrift  für  Kunst,  Literatur,  Theater  und  Mode 
zu  lesen  bekommen  kannst,  so  wird  es,  Dir  Vergnii- 


nes  über  mein  letzt  •  gegebenes  Vocal-  und  Instru- 
mental -  Concert ,  zum  Besten  des  erst  Seit  Kurzem 
hier  errichteten  galizischen  Wittwen-  und  Waisen- 
Pensions  -  Instituts  den  5ten  April  mit  hoher  Be- 
willigung aufgeführt,  welches  Cencert  nicht  nur  *ejyf 
glänzend  ausfiel  und  ans  viel  Ehre  und  Beyfell 


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Warb,  sondern  das  auch,  nach  Abzug  der  Unkosten, 
'einen  reinen  Gewinn  von  400  fl.  O.  M-  abwarf.  Dife 
vorkommenden  Stücke  darin  waren:  l)  Der  j.03te 
Psalm  von  Naumann)  2)  Cantater  Ewiger  erbarme 
'Dich,  von  unserm  Vater;  3)  Grosses  Duo  für  zwey 
"Pianofortes ,  von  Ries;  4)  die  Harmonie  der  Sphären, 
von  Andreas  Romberg;  5)  Terzett*  Zu  Dir  aHerr, 
und  Schlussgesang  der  zweyten  Abtheilung  der  Schöp- 
•fung  von  J.  Haydn.  Eine  schöne  Beurtheilung  die*- 
*es  Concerts  erhältst  Du  mit  dem  Morgen  von  hier 
abgehenden  Postwagen  in  dem  liier:  erscheinenden 
Wochenblatte.  '  Sobald  wie  möglich  bekömmst  Du 
auch  vier  lithographirte  Exemplare,  die  heilige  Ofc 
cilia  vorstellend;  eines  davon  bitte  ich  für  Dich  zu 
behalten,  und  die  anderen  direy  den  Herren  von  Schut- 
mann,  Jahnal,  riaczer  m  meinem  rsamen  zu  geben. 
Es  ist  -die  Copio  eines  sehr  schönen  in  Oel  gemalten 
Rüdes  (fünf  Schuh  hoch  und  drey  Schuh  breit),  die 
mir  bey  Gründung  meines  Cäcilien- Chores  der  Her- 
zoglich Anhalt -Köthensche  Hofmaler  Enger t  ge- 
schenkt hatte« 1  1  '*  •  '  '*  f'  r 
?\uy\s  „i  r  v..,  •  .  J  tl*#  .   K  ff 

**  4   ;  ..     Lemberg,,  den  i*  Octbr.  i8*>M? 
'.'  *       Meine  Hebe  gute  Mutter! 

~  "'  i  Deinen  lieben  Brief  und  dien  Partituren-  Trans^ 
port  von  JShndl  habe  ich  glücklich  und  mit  grossem 

"Danke  für  Deine  gehabte  Mühe 'erhalten  j  und  würde 
es  auch  früher  bestätigt  haben ,  wenn  ich  nicht  einer 

-seht-  erfreulichen  Nachricht  entgegen  gesehen  hätte, 
die  ich  Dir  zugleich  mittheüen  wollte*  Dieses,  ist 
nun  erfolgt,  und  ich  säume  nicht,  Dir  zu  berichten, 


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60,5 

habt  hat.  die  Dedicatlon  einer  von  mir  componirten 
C  an  täte,  der  erste  Friihlingsmorgen  >  huldvollst  an- 
zunehmen. Wenn  ich  nicht  das  Glück  hätte,  den 
Namen  der  Kaiserin  auf  den  Titel  setzen  zu  dür- 
fen, so  würde  ich  wohl  schwerlich  einen  Verleger 
finden;  denn  diese  Herren  nehmen  nicht  gern  grös- 
sere Werke,  wie  meine  Cantate  eines  ist,  denn  die 
Auflage  kostet  viel,  und  es  finden  sich  auch  schwe— 

ÄL  ungefähr  kosten  wird.  \, 

Hat  Jähndl  schon  die  Partitur  des  Davidde  pa- 
nitente  bekommen?  Ich  ^ab  sie  einem  Bekannten, 
der  nach  Salzburg  öfters,  aber  zu  unbestimmten 
Zeiten  reis't,  mit.  —  *  ■':»."•. 

Freund  Gallus,  der  in  seinem  Eifer  nicht  nach- 
lässt,  ist  mit  meinen  Fortschritten  zufrieden ,  und 
prophezeiht  mir  immer,  dass  ich  gute  Fugen  machen 
werde:  wenn V  nur  wahr  wird,  denn  ich  möchte 
mich  gern  vorzüglich  auf  Kirchenmusik  verlegen, 
denn  da  ist  man  weniger  der  Kabale  und  der  Modo 
unterworfen,  und  kann  auch  mit  der  Zeit  ein  ruhi- 
ges  Brod  erwarten. 

Lemberg,  den  a8,  Decbr.  1817. 

Meine  liebe  gute  Mutter! 

In  der  Hoffnung,  dass  Du  meinen  Brief  vom 
12ten  October  erhalten  hast,  melde  ich  Dir,  dass 
Dein  Schreiben  von  demselben  Datum  mir  gleich- 
falls zugekommen  ist.  Es  wäre  wohl  meine  Schul- 
digkeit gewesen,  Dir  früher  zu  schreiben  und  Dir 
das  weiter  unten  Folgende  zu  erzählen  $  aber  mit 
dem  besten  Willen  von  der  Welt  war  es  mir  nicht 


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006  , 

r 

möglich,  früher  dazu  zu  kommen.  Ich  eile  nun,  das 
Versäumte  nachzuholen,  und  zwar  um  so  mehr, 
wen  icn  sonst  mit  meinem  nerziicnsj.en  wunseno 
zum  neuen  Jahre  und  zu  Deinem  Geburtstage  zu 
spat  kommen  konnte»    Der  Himmel  erhalte  Dich 
noch  lange  wohl  und  zufrieden,  und  vergönne  mir 
das  Glück,  t)ir  noch  recht  viele  Freude  zu  machen. 
Wie  sehr  hätte  ich  gewünscht,  Dich  an  meinem 
Namenstage  bey  mir  zu  haben,  mn  Zeuge  des  Ver- 
gnügens zu  seyn,  das  man  mir  bereitete.  —  Mon- 
tag, am  29«ten  October,  als  am  gewöhnlichen  Ver- 
sammlungstage  meines  Cacilien- Chores ,  fand  ich  zu 
meinem  nicht  geringen  Erstaunen  bey  meinem  Ein- 
tritte den  Saal  schon  beleuchtet,  alle  Mitglieder  des 
Vereins  schon  versammelt  (sonst  bin  ich  immer  der 
Erste),  und  die  Gesellschaft  noch  durch  dazu  einge- 
ladene Gäste  vermehrt.  Alle  Herren  waren  schwarz, 
und  die  Damen  auch  festlich  gekleidet.    Ich  war 
wirklich  stumm  vor  Staunen  und  Veirwirrung;  end- 
lich nöthigte  man  mich  zu  sitzen,  und  zugleich  tra- 
ten aus  einem  Nebenzimmer  sechs  der  jüngsten  und 
schönsten  Mädchen  des  Vereines,-  gekleidet  in  die 
Farbe  der  Unschuld,  und  überreichten  mir  auf  einer 
eigends  hierzu  gestickten  Tasse,  auf  der  lauter  mu- 
sikalische Instrumente  dargestellt  waren,  einen  sehr 
schönen  silbernen  und  inwendig  vergoldeten  Becher 
nebst  Untertasse,  mit  einem  Lorb  er  kränze  umwun- 
den.  Auf  dem  Becher  ist  die  Inschrift:    Der  Lem- 
berger Cäcilien-CJior  seinem  verehrten  Stifter  und 
Director  JV ■  j4»  M.  zur  freundliclten  Erinnerung 
an  den  Zisten  October  1827$  auf  der  Untertasse  sind, 
die  Worte:    Kurz  ist  das  Leben,  ewig  bleibend 


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g 

die  Kunst  •  Während  der  Becher  üb  erreicht  wurde, 
sang  der  Manner- Chor  das  öedicht  (s.  No.  f.),  wel- 
ches ein  Vereinsmitglied,  Hr. .  Rolletschek ,  Kapell- 
meister an  der  griechisch-katholischen  Domkirche, 
in  Musik  gesetzt  hatte.  Als  diess  geendigt  war  und 
die  Damen  wieder  an  ihren  Pulten  waren,  wurde 
noch  eine  zweyte  Ca n täte  für  den1  ganzen  Chor,  von 
einem  Vereinsmitgliede  in  Musik  gesetzt,  mit  vielen 
schönen,  und  sinnreichen  Anspielungen  auf  meinen 
Vater  und  mich  etc.  gesungen  (No.  2).  Nach  been- 
digtem  Gesänge  wurde  der  Becher  mit  Wein  gefüllt, 
una  aie  ganze  vreseiiscnait  tran&  aaraus  aut  mein 
und  des  Cäcilien- Chors  Wohl  und  Gedeihen.  Nach- 
dem nun  auch  für  den. Gaumen  gesorgt  war,  Henn 
es  wuruen  neust  wein  aucn  uactereyen  u.  uergi. 
herumgetragen,  fing  das  junge  Volk  an,  heym  Cla- 
viere  zu  tanzen,  und  so  endete  fröhlich  dieser  für 
mich  gleich  ehrenvolle  als  freundliche  Ahend.  Meine 
Freude  wurde  durch  das  reine  Vergnügen  erhöht, 
das  von  jedem  Gesichte  strahlte.  Die  Gesellschaft 
bestand  aus  45  Mitgliedern  und  23  Gasten.  Tags 
darauf  wurde  ich  noch  von  allen  meinen  Schülerin- 
nen  mit  niedlichen  Handarbeiten  beschenkt.  —  — 

•  ■ 

(No.  i.)  . 

,       Blumen  winden  Himmels -Mächte 
In  der  Jugend  Kranrgeflechtc. 

Blumen  welken  —  und  vcrblüh'nj 
Ares  und  Apollo  lohnen  .  i 

Mit  des  Ruhmes  Lorbeerkronen} 
Auch  der  Lorbeer  welket  hin. 

Doch  Lyä'us  kränzt  dio  Schläfe 
,  Mit  der  Reben  Laub,   und  Hefe 

Schmückt  der  Bacchen  Ang&ncht; 


;  Er  entzündet  Ares  Feuer»  : 
Er  begeistert  Fhoibos  Leier,  . 

Er  giebt  Jugend,  Glan«  und  Liebt, 


Darum  göttlich  ist  der  Zecher. 
Darum  lohnt  und  ehrt  ein  Becher 

Jeder  Gottheit  hehren  Sohn»; 
Nimm  ihn  denn  aus  schönen  Händen 
Zarter  Frauen,  die  ihn  spenden, 

Als  ein  Denkmal,  nicht  sie  Lohn. 

Schlurfe,  trink  mit  vollen  Zügen 
r!L  Sraftt  Gesundheit  und  Vergnügen, 

Lach'  des  Lebens  Kummer  Hohn! 
Denn  glückselig  ist  der 
'  Und  es  lohnt  und  ehrt  ein 

Jeder  Gottheit  hehren  Sohn* 


4  • 


(No.  2.)   •  - 
WORTE  DES  DANKES. 

Gesprochen 

vom  Lemberger  Cäcilien-Chor 

am  3i.  October  18117, 
/    '  gerichtet  an 

W.  A,  MOZART, 

den  Stifter  und  Director  dieser  Anstalt. 


Chor.  . 

Töne  fröhlich,  töne  freyer, 

Sang,  der  hin  zum  Aether  schwebt, 
Den  zur  schönen  Tagesfeyer 

Hehres  Dankgefühl  belebt; 
Für  den  Sohn  der  Kunst,  den  Einen, 

Der  in  uns'rer  Bnist  dich  schuf, 
Ihn  harmonisch  xu  Tereinen, 

Auserkohr  sich  zum  Beruf, 
Der  ein  nie  gekanntes  Sehnen 

Hin  nach  dem,  was  schön  und  gross, 
In  dem  Reiche  der  Kamönen, 

Uns  im  Innern  auferschloss. 


Rtcitatip, 

Es  naht  der  Tag,  der  Dich  zum  neuen  Lehen 
In  dieser  Welt,   tarn  schönen  Wirken  rief} 
Du  solltest  dem  die  Künstgestaltung  geben, 

Was  formlos  in  der  Jünger  Busen  schlief, 
In  anmuthvolle  Harmonieen,  weben, 

Was  im  Gemüth  so  räthsclhaft  und  tief 
Gelegen,  und  des  Herzens  hohe  Fülle 
Entfalten*  uns,  im  künstlerischen  Spiele« 


♦ » 


A  r  i  a. 


Nicht  apurloa  soll  der  Tag  entschwinden, 
In  uns  ein  stetes  Denkmal  finden, 

Der  uns  den  Meister  gab,  den  Freund, 
Der  uns  tum  schönen  Zweck  vereint. 
Des  Glückes  Stern  soll  ihm  erglänzen, 
Zufriedenheit  sein  Leben  kränzen, 

Sein  Name  werd'  in  jedem  Land»  • 
Mit  dem  des  Vaters  einst  genannt. 


Recitativ. 

Der  schÖno  Augenblick  soll  nicht  entflieh'n, 
Und  Dank  soll  bringen  diese  ganze  Rundo 

Dem  Lehrer  für  sein  liebevolles  Müh'n, 
Für  manche  nie  vergessene  Stunde, 

Die  Dankgeflihle,  die  im  Herzen  glüh'n, 
Er  höre  sie  aus  dem  beredten  Mund«: 


«• 


Quartett   mit  Chor. 

Für  das  meistervolle  Walten, 
Wahren  Kunstsinn  zu  entfalten, 
Für  das  herrliche  Beginnen, 


9 

i  * 


Worten  Harmonie  zu  geben, 

Bringt  dem  Stifter  und  dem  Leiter 
Tiefen,  stets  gefühlten  Dank. 
Auf,   erhebe  Dich,  Gesang  l)i 

Brust  und  Her«,  sie  werden  weiter; 
Könnten  Alle  doch  es  hören, 
Wie  wir  hoch  den  Meister  ehren ! 

39 


/  IV...* 


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610 

R  e  c  i  t  a  t  i  v. 

Wer  nur  den  Pfad  der  Kunst  betritt, 

Der  sieht  die  Welt  im  hellem  Glänze, 

Zu  höh'ren  Zwecken  aufgeblüht, 

Scheint  ihm  das  rathsclhafte  Ganze  i 

Dio  Schauer  einer  Ewigkeit,  (  M» 

,  Die  ahnungvoll  die  Brust  durchbeben^ 

Sie  bringen  reine  Seligkeit  » 
In  jede,  wahren  KünsÜers  Leben.  § 

Ar  i  a. 

Als  der  Schöpfer  sprach:   Es  werde! 
Schwebte  auf  der  jungen  Erde 
Unbewusst  der  grosse  Geist, 

Der  sich  durch  die  Kunst  um  wei&'t, 

,  •  •     •  •        •    » ■ 

Der  Apelles  Pinsel  führte,  . 
Der  Canova'a  Formen  zierte^ 

Der  in  M o  z  a  r  t » s  Tönen  Leget, 
Seine  Melodie'n  durchfliesst,  Xi 

Auf  St.  Peters  Dom  sich  wieget, 
Und  in  Schillers  Dichtung  spriesst, 

Dessen  hohes,  heil'ges  Wehen 
Uns  die  Kunst  nur  lehrt  verstehen*, 

Himmclstochter !   um  uns  breite 
Deine  Flügel  * 

Deine  treuen  Jünger 
Zum  Altar  ins  Heiügthi 


•  •  ■ 


S  c  hl  us  s  -  Chor* 

Wir   nahen    dem  Ziele, 

Wenn  Mozart  uns  führt, 
Wenn   er  1  uns   die  FfadV 

Zur    Künst   weisen   wird,  ' 
Aus   tieferem  Geisto 

Uns   freundlich  belehrt; 
Dafür    wer  d'    Er    ewig  • 

und   geehrt!  — 
*_i   •    •  - 


•  4 


Lemberg,  den  16.  Januar  i8a8. 

Meine  liebe  gute  Mutter!  ' 

Unser  Gouverneur,  der  Fürst  Lobkowitz,  hat 
vorigen  Monat  mit  einer  Fürstin  Schwarzen- 


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611 

*   * 

berg ,  .  Tochter  des  regierenden  Fürsten ,  vermählt, 
und  ist  mit  seiner  jungen  Gemahlin  am  4ten  d.  M. 
von  Wien  hier  angekommen.  Nun  jagt  ein  Ball  und 
ein  Fest  das  andere,  zum  Empfange  des  jungen  Für- 
stenpaaresi  Unter  anderm  gab  auch,  unser  Erzbischof 
aus  dieser  'Veranlassung  vorigen  Sonnabend  eine 
grosse  Assemblee,  und  da  bey  ihm  nie  getanzt  wird 
und  er  dem  Fürsten  eine .  besondere  Ueberraschung 
bereiten  wollte,,  so  gab  'er  mir  den  Auftrag,  eine 
Cantäte  zum  Empfange  der  Fürstin  zu  componiren. 
Montag,  am  7ten,  fasste  der  Erzbischof  erst  diesen 
Entschluss.  Dienstag  Mittags  bekam  ich  die  Worte 
und  Samstag  sollte  die  Aufführung  seyn!  Da  hiess 
es  sich  zusammen  nehmen.  Ich  war  auch  sd  glück- 
lich, bis  Donnerstag  Abends  mit  meiner  Arbeit  fer«- 
tig  zu  seyn.  Freytag  wurden  die  Stimmen  ausge- 
schrieben und  Samstag  probirt,  und  Abends  mit  Bey- 
lall  aufgeführt.  Mit  weniger  .Eile  hätte  ich  es  wohl 
besser  machen  können ;  aber  ich  kann  mir  doch  selbst 
das  Zeugniss  geben,  dass  meine  Composition  ihir  ge- 
lungen ist ,  und  dass  sie  Effect  macht.  Nach  dieser 
Cantate  spielte  meine  Schülerin,  die  jüngere  Fräu- 
lein Baroni ,  das  Rondo  brillant  in  Adur  von  Hum- 
mel, welchem  eine  von  Hrn.  Servaczinski  sehr  schon 
gespielte  Polonoise  von  Mayseder  folgte,  und  den 
Beschluss  machte  meine  der  Kaiserin  dedicirte  Can- 
tate, die  allgemein  anspräch.  Mir  machte  das  Ganze 
viele  Freude,  denn  es  lieferte  mir  neuerdings  den 
Beweis,  dass  ich  Talent  zum  Componiren  habe,  und 
dass  ich  etwas  Ausgezeichnetes  zu  leisten  im  Stande 
seyn  werde,  wenn  ich  meine  ganze  Zeit  darauf  werde 
verwenden  können.   Aber  so  muss  ich  mich  gegen- 

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r>i2 
^ ™^^— ™ 

wärtig  mit  Lectionen  plagen  und  abstumpfen«  .  Nur 
zwey  Jahre  Herr  meiner  Zeit,  und  mein  Vater  sollte 
sich  im  Grabe  über  mich  freuen!  — *  ilch  brauche 
noch  vier  bis  fünf  Monate,  um  mit  meinen  Studien 
fertig  zu  werden,  und  wenn  ich:  einmal  so  weit  bin, 
so  werde  ich  früher  einige  kleine  und  grossere  Stücke 
für  die  Kirche  schreiben  müssen,  um  mich  in  diesen 
Styl  erst  recht  einzuüben*  ••«••..'  -i 
Das  G alizische  Abendblatt  für  gebildete  Leser 
in  Lemberg  hat  in  No.  35  Folgendes:  „Ihro  Maj<* 
stät  unsere  geliebte  Kaiserin  Carolina  Auguata.  geb- 
rühte huldreichst  die  Dedication  einer  Cantate:  Der 
o i*s  t,  c  X^i*  l 1 1 1 1 1 11  ^  s  tn  ^  von  ~\  I^if  o ft^*^  z^tRc^iTT^oy^^ 
Diese  vierstimmige  Cantate  ist  bereits  in  "Wien  un-r 
ter  der  Presse  und  wird  ehestens  erscheinen;  sie  soll 
nach  dem  Urtheile  der  Kenner  ein  vortreffliches 
"Werk  seyn."  Bis  Ende  Junius,  hoffe  ich,  wird  sie 
endlich  herauskommen.  ,  -  J  -  !  1 


Möge  dieser  hbfrnungs  volle  Sohn  in  diesem  so 
schönen  Bestreben  nach  Vollkommenheit  nicht  er- 
müden, und  so  wie,  er  der  Erbe  des  väterlichen  Ta- 
lentes ist,  auch  seinen  rastlosen  FleisS  in  dem  Stu-f 
dium  grosser  Meister  geerbt  haben!  I^ur  dadurch 
geht  der  Weg  zum  wahren  Ruhme!  Der  ältere  Sülm 
Carl  ist.  gegenwärtig  in  Mailand  Secretair  <  beySder 
Kanzley  der  Regierung,  ist  aber  auch,  in  der  »Musik 

sehr  ausgebildet.  —  So  weit  von  Mozart7*  Sohne«;  ■■tt 

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*:  x*  w.  •  v  ' «  •  '  i  :r  u> '  a 


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'  Des  grossen  Mozart's  Kunst  -  Vollkommenheit 
tvurde  noch  bey  seinem  Leben  allgemein  anerkannt 
und  nach  Werthe  geschätzt:  aber  er  lebte  zu  kurz, 
um  die  wahre  Blüthezeit  seines  Ruhmes  zu  sehen. 
Selbst  in  Wien>  seinem  Wohnorte,  waren  es  nur 
Kenner,  die  seinem  Genie  Gerechtigkeit  widerfahren 
Hess on.  Der  Zauberflöte,  wovon  Mozart  die  ersten 
Vorstellungen,  und  folglieh  auch  den  ausserordent- 
lichen Beyfall  noch  erlebte,  war  es  vorbehalten,  seine 
Grosse  dem  Auslände  zu  verkünden.  Durch  diess 
Meisterwerk  begeistert,  suchte  man  seine  übrigen 
Werke  auf,  stüdirte  sie  und  empfand  ihre  Schön- 
heit, und  so  war  der  Name  Mozart  bald  in  der 
ganzen  gebildeten  Welt  gefeyert,  seine  Gesänge  die 
Lust  jedes  Ohres! 

In  der  allgem.  Leipz.  musik.  Zeitung  von  1819 
heisst  es  aus  Wien,  bey  Gelegenheit  einer  Reprise 
von  Mozart's  Mädchentreue  im  Hoftheater:  Wird 
zwar  das  hiesige  Publicum  bisweilen  von  dem  er- 
borgten Mondlicht  eines  Rossini  zu  menschlichen 
Schwachen  herabgezogen,  huldigt  es  dennoch  dem  all- 
mächtigen Strahlenmeere  der  ewigen  Sonne  anbetend, 
empfangt  das  unvergänglich  Schöne  stets  mit  war- 
mem Herzen  und  setzt  dem  wahren  Verdienste  jubelnd 
die  Lorberkrone  auf.  Wenn  man  so  die  Werke  des 
verklärten  Meisters  mit  aller  ihrer  Erhabenheit,  Lieb- 
lichkeit, mit  dem  unerschöpflichen  Borne  an  Neu- 
heit,'Fülle,  Reichthum  der  Melodiecn,  an  Ausdruck, 
Gefühl,  Wahrheit  und  Natürlichkeit  unter  die  Ka- 
pelle brächte,  wie  würde  doch  so  rein  gediegen  Gold 
zum' Vorscheine  kommen,  wie  tief  müsste  selbst  im 
umgekelirten  Verhältnisse  die  Waagschale  manches 


gefeyerten  Tondichters  unter  unseren  Zeitgenossen  zu 
Boden  sinken,  indess  jene  des  olympischen  Sängers 
—  gefüllt  mit  Aether  -  Blumen  —  himmelan  zum 
Mutterlande  empor  steigt!  —  .  '         \  . 

Die  Wittwe  erfuhr  es  auf  ihrer  im  Jahre  1796 
u uteri  lommciicii  Ii.  eise  durch  Deutschland  ^  uhcr3.ll 
zu  ihrer  innigsten  Wonne,  wie  gern  die  Deutschen 
wahres  Verdienst  erkennen  und  ehren,  und  wie  tief 
Mozart's  Gesänge  auf  ihre  Herzen  einwirkten.  In 
Leipzig  nahm  der  Gastwirth  Ernst  keine  Bezahlung 
ron  der  Wittwe:  Reisen  Sie  glücklich,  und  tom- 
Sie  bald  wieder,  war  seine  Antwort* 

Bey  ihrem  Aufentbalte  zu  Berlin  im  Februar 
1796  gab  der  höchstselige  König  JVillielm  IL,  dieser 
vortreffliche  Freund  der  Tonkunst,  der  Mozarten  noch 
ein  Jahr  vor  seinem  Tode  eine  goldene  Dose  und 
100  Friedrichsd'or  iibersandt  hatte,  und  der  ganze 
königliche  Hof  ausgezeichnete  Beweise  seiner  Liebe 
und  Achtung  für  das  Genie  Mozart's.    Durch  ein 
gnädiges  Handbillet  ward  ihr,  bloss  aus  Rücksicht 
auf  die  Talente  ihres  Mannes,  das  königliche  Theater 
und  die  Kapelle  zum  Gebrauche  für  ihr  Concert  über- 
lassen; und  ihre  Unternehmung  wurde  nicht  nur  von 
dem  Monarchen ,  sondern  auch  von  dem  ganzen  Publi- 
cum auf  das  Grosstnüthieste  unterstützt.    lieber  alle 
Beschreibung  gross  und  rührend  war  die  Wirkung, 
weiche  die  Aufführung  der  Singstücke  aus  der  Oper: 
ha  Clemenza  di  Tito  bey  dem  Concerte  auf  den  Kö- 
nig und  das  so  ungewöhnlich  zahlreich  versammelte 
Publicum  machte.    Alles  war  gleich  begeistert,  die 
grossen  Sänger,  das  vortreffliche  Orchester  und  die 
Zuhörer.    Der  Geist  des  verewigten  Künstlers  (so 


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drückt  sich  ein  Berliner  Wochenblatt  am)  schien 
über  der  Versammlung  zu  schweben,  als  zum  An* 
fange  die  Symphonie  aus  der  Zauberflöte,  von  dem 
rc^li^^stc^ s  ^)  ni  1 1  ^  t  i  J  i  tL  f^t  *\^^^ y  o  1 1  i  c  f o  ^  (_  1 1  i  1 1  c? 
einweihende  Stille  hervorbrachte«  Das  Ilandbillet, 
Worin  der  König  von  Preussen  einen  so  rühmlichen 
Beweis  seines  guten  Geschmacks  und  der  Achtung 
für  deutsches  Talent  gegeben,  lautet  wörtlich  so: 

„Se.  Königl.  Majestät  von  Preussen  etc.  machen 
sich  ein  wahres  Vergnügen,  durch  die  Gewährung 
des  Wunsches  der  Wittwe  Mozart  zu  beweisen,  wie 
sehr  Sie  das  Talent  ihres  verstorbenen  Mannes  ge- 
schätzt, und  die  ungünstigen  Umstände*  bedauert  ha- 
ben, welche  ihn  die  Früchte  seiner  Werke  einzu- 
ernten verhinderten.  Allerhöchs'tdieselben  bewilligen 
der  Wittwe  Mozart  zur  Ausführung  dessen  letzter 
Composition,  La  Clemenza  di  Tito,  da«  grosse  Opern- 
haus,  so  wie  Dero  eigenes  Orchester,  Laben  auch 
dieserhalb  die  nöthigen  Befehle  an  den  Kammerherrn, 
treyherrn  von  der  Rech  erlassen,  an  welchen  sich 
selbige  nunmehr  zu  wenden  hat,  um  wregen  des  zu 
bestimmenden  Tages  und  wegen  des  übrigen  petails 
mit  ihm  sich  gehörig  zu  besprechen.  Berlin,  den 
l4ten  Februar  1796." 

Selbst  Italien,  seit  Jahrhunderten  im  unbestritte- 
nen  Besitze  des  Meisterrechtes  der  Tonkunst,  über- 
wand seinen  Nationalstojz  und  erkennt  nun  Mozart's 
Ueberlegenheit  in  der  Musik  an.  Mozart's  .Opern 
werden  in  Rom,  May  1  and  und  anderen  Städten  mit 
Beyfali  gegeben,  die  Ciaviersachen  von  Jedermann 
gespielt*  und  Meister  studiren  seine  Partituren.  ! 


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616 

- 

Noch  früher  hat  Frankreich  seinem  Talente  ge- 
huldigt. Der  Beyfall,  den  die  Mysterien  der  Isis 
(Zauberflöte)  in  Paris  erhielten,  ist  ein  Beweis  da- 
von. Lachnith  hat  zwar  die  Zauberflöte  frevelhaft 
verstümmelt;  aber  gleich  dem  ephesischen  Tempel 
ist  das  Mozart'sche  Wunderwerk  (eines  der  sieben 
musikalischen,  die  alle  von  einem  und  demselben 
Componisten  sind)  auch  selbst  noch  in  seinen  Ruinen 
ein  erstaunendes  und  entzückendes  Monument  des 
unsterblichen  Meisters*  Baron  v.  Sievers  giebt  über 
dessen  Aufführung  folgenden  Bericht: 

Die  Ouvertüre  wurde  von  dem  Orchester  der 
grossen  Oper,  besonders  in  den  Parthieen  der  Blas- 
instrumente, mit  wunderbar  vollendeter  Reinheit  und 
Pracision  ausgeführt.  Von  einem  solchen  haarscharf 
bestimmten  und  durch  die  grosse  Masse  der  Künst- 
ler mit  überwältigender  Kraft  imponirenden  Vor- 
trage, der  bey  Mozart's  Werken  aller  Nüancirungen 
(welche  diesem  Orchester  überall  abgehen)  entbehren 
kann,  geben  die  deutschen  kleinen  Orchester,  in 
welchen  überdem  nur  zu  oft  Jedermann  Künstler 
und  Niemand  Ripienist  seyn  will,  keinen  Schatten 
zu  erkennen.  Was  aber  würden  deutsche  Musik- 
Liebhaber  zu  dem  herzerhebenden  Effecte  sagen, 
welchen  die  beyden  End -Chöre:  Es  lebe  Sarastro, 
und:  Es  siegte  die  fVeislieit,  hervorbringen,  wenn 
sie  von  ein  paar  hundert  Instrumentalisten  und  Vo- 
calisten  vorgetragen  werden,  die  Alle,  ohne  Aus- 
nahme, im  höchsten  Grade  musikalisch  sind  und 
eine  vollendete  Routine  besitzen!  So  kann  sich  ein 
deutsches  Ohr  gleichfalls  keinen  Begriff  von  der 
vollendeten  Präcision  und  Reinheit  machen,  mit 


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•«  / 

ff  17 
— * 

weicner  oaniiiiLiiciiu  oiucxe  cier  urey  uarnen  unu 
der  drey  Knaben,  von  welchen  letzteren  freylich 
nur :  Seyd  uns  zum  zweyten  Mal?  willkommen, 
beybehalten  worden  ist,  vorgetragen  werden.  Wer 
weiss  nicht,  dass  die  genannten  Stücke  auf  allen 
deutschen  Theatern  die  Partie  honteuse  sind,  von 
denen  ein  gebildeter  Musik -Kenner  sein  Gehör  ab- 
wenden möchte?  Hier  werden  die  drey  Damen, 
Welchen  auch  das  eben  erwähnte  Terzett  der  drey 
Knaben  zugetheilt  ist,  von  den  ersten  drey  Chor- 
Solo  -  Sängerinnen  der  grossen  Oper  gesungen,  drey 
Künstlerinnen  von  vollendet  musikalischer  Bildung, 
von  denen  insbesondere  Madame  Lebrun,  die  Gattin 
des  Componisten  des  Rossignol,  eine  vortreffliche 
i^ontra  —  /vitstimme  Desitzt.  uurcn  iure  Juraitige, 
kühne  und  präcise  Intonation  erhält  besonders  das 
Quintett:  Hu,  hu,  und  in  diesem  besonders  die 
Stelle:  So  lebet  wohl,  eine  Bedeutung,  die  mir  in 
Deutschland  gänzlich  unbekannt  geblieben  ist.  Der 
Charakter  der  ganzen  Vorstellung  offenbart  über- 
haupt eine  Grösse,  von  der  Mozart,  hatte  er  einer 
derselben  beywohnen  können,  wahrscheinlich  selbst 
ergriffen  worden  seyn  würde.  Die  Arie:  Diese 
Bikini ss  ist  bezaubernd  schön,  singt  Herr  Nourrit 
als  Tamino  (Ismenor)  aus  D  dur!  Was  die  Verän- 
derungen, welche  mit  dem  Texte  und  der  Musik 
vorgenommen  sind,  anbetrifft,  so  kann  ich  von  dem 
ersten,  ohne  in  ein  zu  weitläufiges  Detail  mich  ein- 
zulassen, nur  so  viel  sagen,  dass  ihm  alle  äusseren 
romantisch -bizarren  Auswüchse  abgeschnitten  sind, 
und  das  Stück  nun  einem  Knochen- Skelette  gleicht, 
_  von  welchem  das  Fleisch  abgestreift  ist.  Die  Grund- 


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Idee  Sclnkaneders  begreift  man  gerade  noch  so  viel 
als  man  den  Wein  in  einer  Bou teil le  riecht,  wenn 

W  m 

er  nicht  mehr  darin  ist.  Verschwunden  sind  die 
Schlange,  das  Schloss  am  Munde,  die  Königin  mit 
Donner  und  Blitz  und  ihren  zwey  Arien,  das  Was-* 
aer  und  Feuer,  die  geharnischten  Männer,  die  Sitzung 
der  Eingeweihten  mit  ihren  Posaunen,  die  wilden 
Thiere,  die  drey  Knaben,  der  Wahnsinn  Paminens, 
und  endlich  Monostatos  nebst  dem  Mondscheine;  ge- 
strichen alle  Musikstücke,  welche  durch  Ausmerzung 
obiger  Personen  von  selbst  wegfallen  mussten,  aus- 
ser: Sejd  uns  zum  zweyten  Mal  willkommen,  wel- 
ches, wie  schon  oben  gesagt,  von  den  drey  Damen, 
und:  Alles  fühlt  der  Liebe  Freuden,  welches  von 
der  Papagena  gesungen  wird.  Ausserdem  bleiben 
weg :  Wie  hold  ist  nicht  Dein  Zauberton,  die  bey- 
den  Duette  zwischen  Tain  in  o  und  Painina,  natürlich 
auch  (da  die  Knaben  fehlen)  Pamina's  Wahusinns- 
scene,  das  letzte  Quintett  zwischen  der  Königin, 
Monostatos  und  den  drey  Damen,  das  Final  des  er- 
sten Actes:  O  Herr  und  die  Folge  desselben,  wel- 
che mit  dem  Auftritte  des  Monostatos  anhebt,  (Es 
Übe  Sarastro  ist  geblieben)  Du  feines  Täubcfon, 
nur  herein,  und  endlich:  In  diesen  lieiVgen  Hallen. 
An  die  Stelle  sind  viele  Tanzstücke  und  mehre  Arien 
und  Chöre  getreten,  von  denen  ein  guter  Theil  von 
Herrn  Lachnith  selbst  seyn  soll.  Kein  einziges  der 
*  beybehaltenen  Stücke  ist  an  seiner  Stelle  verblieben, 
keinem  der  Sinn  seines  ursprünglichen  Textes  gelas- 
sen worden.  Aus  dem  Duett:  Bey  Männern,  wel~ 
che  Liebe  fulüen,  ist  ein  Terzett  geworden  u.  s.  w. 
Am  ärgsten  ist  es  aber,  dass  man  sich  sogar  Veriux- 

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in  der  Partitur  erlaubt  hat.  So  fehlt  z.  B. 
in  der  Arie:  /»  diesen  heil' gen  Hallen,  bey  der 
Stelle:  so  wandelt  er  an  Freundes  Hand,  der 

ahmende  B*.J^ 

der  hier  nicht  allein  d 
beb rl ich,  sondern  auch  auf  das  Wandeln  deutend, 
so  charakteristisch  ist,  ganz  und  gar,  nnd  die  Basse 
schlagen  statt  dessen  nur  das  h  einige  Male  an.  Wie 
nüchtern  und  kahl  diese  so  bewunderte  Stelle  nun 
üingt,  kann  man  sich  leicht  denken.  So  ist  d 
Verstümmelung  beschaffen,  in  .welcher  die  Zauber- 
flöte auf  dem  grossen  Pariser  Opern -Theater  gege- 
ben wird,  und  so  gross  ist  nichts  desto  weniger  die 
bewundernde  Anbetung,  mit  welcher  Kenner  nnd 
Liebhaber  die  Zaubertöne  anhören,  dass  sie  unbe- 
wegiicn  siLzen,  keine  xiana  runren,  unu  aas  Jint- 
zücken,  welches  sie  empfinden,  nur  durch  Verklä- 
rung ihrer  Mienen  zu  erkennen  geben. 

Lachnith  hat  die  Recitative  statt  des  deutschen 
Dialogs,  und  Herr  Molina  das  neue  Gedicht  ge+- 
schrieben.  •  v  / 

Don  Juan  machte  kein  so  grosses  Glück  $  aber 
diess  war,  wie  alle  Nachrichten  einstimmig  aussag- 
ten, die  Folge  der  schlechten  Darstellung  des  Stückes  5 
denn  der  hohe  Werth  desselben  wurde  vollkommen 
anerkannt.  Der  grosse  Spohr  schrieb  während  sei- 
nes  /vutentnaites  m  1  ans  iozö  nicruoer  roigenuess 
Gestern  sahen  wir  endlich  denn  auch  im  i 
lienischen  Theater  bey  überrolltem  Haus*  Don 
Ich  wurde  versucht  zu  glauben :  die  Pariser  hätten 
nun  endlich   die  klassische  Vortrefflichkeit  dieses 


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Werkes  begrinen,  und  drängten  wen  in  immer  gros- 
serer Menge  herbey,  um  es  zu  gemessen;  diese  Mei- 
nung gab  ich  aber  bald  wieder  auf,  wie  ich  sah,  dass 
die  herrlichsten  Nuibmern  der  Oper,  das  erste  Duett, 
das  Quartett,  das  grosse  Sepiett,  und  so  manches 
Andere,  ohne  Eindruck  auf  sie  zu  machen,  vorüber 
ging,  und  nur  zwey  Nummern  rauschenden  Beyfall 
erhielten,  der  überdiess  mehr  den  Sängern  wie  dem 
Componisten  galt.  Diese  zwey  Nummern,  die  jedes 
Mal  da  capo  verlangt  werden,  waren:  das  Duett 
zwischen  Don  Juan  und  Zerline :  Reich9  mir  die 
Hand,  mein  Leben,  und  die  Ariä  von  Don  Juan: 
Treibt  der  Champagner.  Die  ganze  Oper  ward  ver- 
kenn besetzt.  So  viel  wird  einem  Deutschen  aber 
doch  bald  klar,  dass  diese  Sänger,  die/die  neu  italieni- 
sche, besonders  Hossini'sche  Musik  in  höchster  Voll- 
endung  geben,,  die  Mozart'sche  nicht  mit  gleicher 
-Trefflichkeit  executiren  können ;  die  Gattung  ist  gar 
zu  verschieden.  Der  weichliche,  süsse  Vortrag,  der 
bey  jener  ganz  an  seinem  Platze  ist,  verwischt  hier 
zu  sehr  den  energischen  Charakter,  der  dem  Don  Juan 
vor  allen  anderen Mozart'schen  Opern  eigen  ist  u.  s.  vr. 


.  ,  Mozart's  Symphonieen ,  Glavier-Goncerte,  Quar- 
tetten werden  allgemein  bewundert«  häufln  cesnielt- 

neu  aufgelegt. 

:    England,  welches  deutsches  Tonküustlerverdienst 
von  jeher  schätzte  und  lohnte  ^  kennt  und  bewundert 
.auch  Mozart's  allgewaltigen  Geäst.     Das  Requiem 
wurde  in  London  öfters  mit  dem  grössten  Beyfall 

aufgeführt,  und  der  Absatz  seiner  bey  Breitkopf  u. 

* 

■ 

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Werke  ist  nach  England 
eben  so  stark,  als  in  Deutschland  und  Frankreich. 

Wo  giebt  es  überhaupt  Kenner  und  Liehhaber 
der  süssesten  der  Künste,  wo  nicht  MozartV/Tonö 
tönten  und  jedes  Ohr  entzückten?.   Selbst  in  den 


Welttheüen,  wohui  kaum  der  Name 
der  berühmtesten  Europäer  dringt,  hallen  seme 
Harmonieen  wieder.  In  den  philippinischen  Inseln 
(schreibt  der  bekannte  Botaniker  Hanke)  werden 
seine  Werke  mit  Entzucken  gebort.  , 


I.  LI  i'llVil 


Folgendes  Schreiben  aus  London  1817  an  die 
Redaction  der  Leipziger  allgemeinen  musikalischen 
Zeitung  enthält  Folgendes: 

Auf  dem  Theater  der  italienischen  Oper  in  Lon- 
don machen  Mozartfs  Meisterwerke,,  vor  aUdK  Don 
Juan,  endlich  auch.  Epoche,  so  dass4  Jeder  sich  selbst 
bey  der  feinen  Welt  das  Urtheil  sprechen  würdey 
der  nicht  Mozart  unter  den  Opern  ~  femponistej* 
eben'  so  hoch  stellte,  als  Händeln  unter  den  Kir- 
chen-Compomsfcem        .   .»  ;..•.!;»,•,...!  '  ..w  :n 

,    «Das«  Mpzart'a  Werke  in  Nord- Amerika  ziem«, 
lieh  bekannt  sind ,  kann  ich  versichern 5  .  dass  sie  ii 
Süd- Amerika,  in  Brasilien  durch  Neukomm  beka 
worden,  sehe:  ich  aus  Ihrem  Blatte;   und  dass 
nun  von  hier  au s  .  auch  nach  Indien  wandern  wer»; 

wohl  kein  Land  der  alten  und  der  neuen  Welt,  das/ 
überhaupt  kunstgemasse  Musik  besitzt ,  wo  nicht  j\Io-» 
zart  Bildung  und  vielfältigen  frohen  Genuss  verbrei«*: 
tele,—  er,  den  man  bey  Lebzeiten  kaum  aufducken 
und  hungern  lies*.  Kurz,  <&*yNwliwd*  ist  ge£m» 
die  Verdienste  und  das   Genie  Mozart's  «erecht. 


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Latrobo  fand  bey 
discher  Abkunft  im  Tief*  Innersten  des  Landes  der 
Hottentotten  und  Kafiern  MozartVhe  Hefte  auf  dem 
Notenpulte  des  Pianoforte.    Und  selbst  die  neuesten 

Reiseberichte  sagen  uns- (1827):         1J-\  -    •  • 

Ht[  *In  Mexico  hört  man  häufig  In  porfern  auf  dem 
Öelbirge  die  grossten Musikstücke  von  Haydn,  Mo-' 
starj:,  "Bach,  fieethoven^  weit  von  der  Hauptstadt; 
und 'Ciavierstücke  von  Pleyl,  fties,  Cramer  u. 
trifft  man  in  jedem  Hause. 

I  '1      V«       ....  *  v 

,%l  uM0^  o&  Künstler  und  Mensch. 

D» :  l/>nrösa  von  Mc-zart's 
gezeichnet,  dass  *ie,  wie  die  Umrisse  der  Köpfe 
Friedrich  II.  von  Preussen,  oder  von  Sokrates,  fast 
gar  nicht  ganz  verfehlt  werden  können.  Die  Kör- 
perbildun g  dieses  ausserordentlichen  Menschen  hatte 
nichts  Auszeichnendes;  er  war  klein ,  sein  Angesicht 
angenehm,  aber  es  kündigte,  wenn  man  das  grosse, 
feurige  -Auge  ausnimmt,  die  Grösse  seines  GeiuVa 
auf  den  ersten  Anblick  nicht  aiu  Sein  Auge  war 
mehr  matt  als  feurig,  ziemlich  gross  und  gut  geschnit- 
ten, mit  sehr  schonen  Augenbraue»  und  Wimpern* 
So.  lange  er  mager  war,  standen  die  Augen  etwas 
vor,  er  war  dann  übersichtig.  Die  Augen 
und  scharf:  mal 
schien  uns  tat  und « verstreut ,  ausser  wenn ,  er  am  Cla- 
vicre  saass ;  da  änderte  sich  sein  ganzes' Antlitz!  Ernst 
und  gesammelt  ruhte  dann  sein  -Auge ;  auf  jeder 
Muskelbeweeunc  drückte  sich  die-  Emufiiidumr 


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Welche' W  durch  sein  Sj>iel  vortrug,  und  in  dem  Zu- 
hörer s"o  mächtig  wieder  zu  erwecken '  vermochtet  ** 
"*  !  ißr  hatte  kleine,  schöne  Hände;  bey  dem  Ciavier*  -  „ 
spiiden  wusste  er  «  sie  sö  sanft  und  natürlich  auf  der 
Cläviatür  au  bewegen,  dass  sich  das  Auge  daran 
nicht  >  minder  als  das  «Ohr  an  den  Tönen  ergötzen 

mussie7.  «  Zu  bewundern  ist  es,  wie  er  damit  so  vie- 

*  •         •  • 

les ,  besonders  im  Basse  greifen  konnte.  Auch  darin 
tieiehhete  sich  also  Mozart  vor-  den  toinmelndfen  , 
KraflgeiuVs  unserer  Tage  aus !     I  '» 

:  &ein  Köpf  \*ar  far  den  fcorßer  verhältnissmässig  v 
W  gross:  derrKörpet  selbst,  die  Hände  und  Risse 
gut  proportionirt,  worauf  er  auch  etwas  eitel  war. 
Die  Nase  war  schon  $  nur  so  lange  er  mager  war 
und  nach  den  ersten  Jahren  seiner  Verheiratnunfe 
War  die  Grösse  «einer  Nase  auffallend.  Ini  Mor- 
genblatte  wird  er  einmal  dCr  endrm  benas'te  Mozart 
genannt.         '  ;-    .v.H..  1*  1       n  t  T'    :•       !  -»      .  < 

•  Der  zurückgebliebene  Wuchs  seines  Köi*pera 
mochte  von  seiner  frühen  Anstrengung  und  Bntwicke- 
hmg  seines  Geistes  .herkommen',  nicht  aber  von  dem* 
Mangel  an  freyer  Bewegung  in  seiner  Kindheit  (wie* 
einige  irrig  behaupten)*  denn  gerade  in  sein  er  Kind- 
heit und  Jugend  hatte  er  bey  seine*!  vielen  weiten* 
Reisen  die  meiste  Bewegung;  aber  in  spateren  Jahren 
bey  seinen  Studien  und  Compösitionen  kann  ihm 
Mangel  an  Bewegung  schädlich  'gewesen  seyn.  Er 
war  von  schönen  Eltern  gezeugt,  nnd  ist  selbst  ein 
schönes  Kind  gewesen»  Wie  känn  sich  aber  in  der 
Welt  Schönheit  an  sich'  erhalten ,  nnd  wie  bey  ei- 
, '  »em  Manne,  der  in  seinem  Leben  und  meist  des 
Nachts  soviel  schrieb  und  dichtete*   Da  Mozart  lbe- 


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kaimtermaassen  in  der  Nacht  am  liebsten  spielte  and 
oomponirte  und  die  Arbeit  oft  dringend  war;  so  ist 
leicht  begreiflich .  wie  sehr  ein  so  fein  orfranisirter 
Körper  darunter  leiden  musste.  Das«  eine  keines weges 
starke  Constitution,  eine  so  starke  JWifung,  als  seine 
ungemeine  Arbeitsamkeit  war-  aushalten  sollte,  war 
nicht  zu  er  war  Ich;  aber  das  s  bey  felilendem  Wohl- 
befinden der  Eifer  des  Tonkünstlers  noch  zunahm, 
davon  liegt  die  Erklärung  darin ,  dass  sein  Geist  sich 
auf  Kosten  des  Leiblichen  ausbildete ,  bey  dieser 
Ausbildung  sich  canz  fiir's  Leibliche  vercaass  und  nur 
das  Eine  zu  pflegen  bestrebt  war.  Daher  gab  die 
Zeit  seiner  nahenden  Auflösung  seinen  Anstren- 
gu ngen  neues  Feuer»  und  spornte  oft  seinen  Fleiss 
bis  zur  Ohnmacht,  Diese  anhaltende  Geistesanstren- 
cunff  hatte  nothwendie  Erschlaffung  und  Schwäche 
zur  Folge,  ähnlicji  der  ,  welche  Tasso  und  1. 1.  Rous- 
seau erlitten:  er  i?erietli  nämlich  in  einen  Zustand 
von Sch wermuth,  in  welcher  er  immer  das  schauerliche 
Todesbild  voi?  sich  sah.  Dieser  unglückliche  Ein- 
druck,  wurde  noch  durch  das  Ereigniss  bestärkt,  wel- 
ches seinem  letzten  und  edelsten  Werke  (dem  Re- 
quiem} die  Entstehung  gab.  Sein  früher  Tod  (wenn 
er  ja  nicht  auch  künstlich  befördert  war)  muss  die- 
sen Ursachen  hauptsächlich  zugeschrieben  werden. 

D,ie  Leipzjgpr  allgem.  musifcal.  JZeftung  enthalt 
über  seinen  frühen  Tod  bey  folgende  Veranlassung: 
i)ic  ^etzt  ^\  icdci  ei  \\  ach c  nd cn  1  i  eu n cl c  des  strengen 
Styls  der  Vorfahren  werden  gu  erinnern  seyn,  die 
Fortschritte  des  Zeitalters  in  anderm  Betrachte  nicht 
zu  verkennen,  und  auch  dem  freyern  anmuthjgen 
Styl  ein  offenes  Hera;  zu  erhalten.   Den  Componi- 


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625 

sten  hingegen,  die  seit  Mozart  mit  mehr  Ernst  und 
Gelehrsamkeit  sich  in  die  Tiefen  der  Harmonie  ver-  ' 
senken,  und  desshalb  sich  vornehmlich  an  die  wieder  > 
erweckten  Alten  halten,  scheint  es  rathsam,  zu  Ge-  , 
mütlie  zu  fuhren,  dass  die  gelehrteste  Ausführung 
allein  eine  Cömposition  noch  nicht  zum  Kunstwerke 
mache;  dass  ein  solches  nicht  nur.  das  Gefühl,  oder 
das  Gemüth  und  den  Verstand,  sondern  die  gesamm- 
Ifen  Geisteskräfte  des  Menschen  beschäftigen  müsset 
dass,  was  als  Studium  unschätzbar  ist,  doch  nur  dann 
erst  für  die  Kunst  selbst  Vortheile  bringen  kann, 
wenn  der  Künstler  es  sich  ganz  zu  eieen  gemacht 
und  sich  dadurch  in  den  Stand  gesetzt  hat,  um  so 
tiefere  Ideen  gewandter,  bestimmter,  körniger  und  , 
edler  auszusprechen     *  einen  Gebrauch  davon  zu 
machen,  wie  es  Mozart  in  seinem  Requiem  that,  das 
gerade  in  dieser  Hinsicht  das  Vollkommenste ,  ist, 
was  die  Welt  seit  Sebastian  Bach  und  Händel  auf- 
zuweisen  hat.    Eine  solche  Warnung  dürfte  um  so 
nöthiger  seyn,  da  die  anhaltende  und  ausschliessliche. 
Beschäftigung  mit  den  Werken  des  strengsten  Styls, 
wie*  alles  sich  Hingeben  in  die  Tiefen  der  Specula- 
tfan  nach  und  nach  einen  bezaubernden  Reiz,  eine 
fast  unwiderstehliche  Gewalt  über  den  Geist  bekömmt, 
und,  weil  der  darin  befangene,  indem. er  unendlich 
tic ici  zu  blicken  wahnt  j  ~\\  c it  mein  Iwiaft  au  l>.  u\n  <  n— 
den,  weit  fetter, zu  fte{ien  glaubt,  als .  <Jie  meisten 
seiner  Brüder,  die  mehr  ihrem  Sinne  folgen,  leicht 
überstreng  gegen  sie  und  ihre  Werls e, wirf,  sie  jrerr 

achtet,    ihnen  Unrecht  Lhut,    und  der  Kunst,  die, 

frisch,  gebend;  in,  ^en  Regionen,  wohin  alle  edleren 
Menschep  gehqren>  ( diese. beglücken  will  und  soll, 

40 


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C26 

« 

Fessel«  anlegt.  ,So  wird  z.B.  der  Maler,  und  wenn 
er  auch  Seelenmaler  ist,   schon  durch  die  Gegen« 
stände,  die  er  behandelt,  mehr  an  die  Natur  geket- 
tet;  der  Musiker  hingegen  findet  in  seiner  Jvunst 
kein  Band,  das  ihn  an  jene  schlösse,  er  wird  nur 
durch  gemeinschaftliches  Aufeinanderwirken  der  Gei- 
steskräfte in  Verbindung  mit  dem  Tonsinne  geleitet, 
und  wenn  er  durch  ununterbrochene  Anstrengung 
tmd  Thätigkeit  derselben,  gleichsam  durch  anhaltende 
Spannung  sie  erschöpft,  sie  durch  übermässige  Span- 
nung gleichsam  zur  Lähmung  bringt,  —  wie  kamt 
er  anders  werden,  als  kalt,  finster,  starr,  und  *für 
die  Welt,  der  er  doch  angehört,  ganz  verloren!  — 
Wie  diess  aus  der  Natur  der  Sache  von  selbst  ein- 
leuchtet, so  bestätigt  es  sich  näher  durch  die  Ge^ 
schichte  verschiedener  anderer  grossen  Geister  und 
auch  der  grössten  Musiker;  und  man  fühlt  gewiss, 
dass  unser  Mozart  unter  die  äusserst  seltenen  Men- 
schen gehöre^  die  mit  allem  Scharfsinn  -  auch  Tiefsinn 
und  eine  so  glühende  Phantasie  und  reines  Naturge- 
fühl  besaassen,  deren  Talenten  keine  Fesseln  anzule- 
gen waren.  Daher  war  Mozart  in  den  letzten  Jahren 
seines  Lebens  im  Stande,   die  Kunst  gleichsam  an 
ihren  beyden  Extremen  zu  erfassen,  festzuhalten  und 
darzustellen  —  und  dabey  war  er  nur  ein  Mensch* 
Da  sich  aber,  laut  aller  Erfahrung, .  übermässige  Gei- 
steskräfte  nicht  mit  der  Dauer  des  Körpers'  vertra- 
gen, da  sich  ersteTfc  immer  nur  auf  Kosten  des  letz- 
tern ausbilden,  so  wandelt  der  Geist,  -unbekümmert 
um  seine  Hülle,  seinen  Lauf,  und  geht  dann  leicht 
eine  Richtung,  die  grossen  Geistern  schon  begegnete: 
von  ihrer  Höhe  fallen  sie  zur  Tiefe  herab,  die  Klar- 

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637 


heit  neigt  sich  zur  Finsternis«,  das  Licht  znm  Schat- 
ten, und  —  der  Mensch  erlischt.  So  erging  es  auch 
unserm  Mozart,  der,  im  Vorgefühle  seiner  nahen 
Auflösung,  noch  in  eine  Art  Schwermuth  verfiel,  » 
die  das  gemeinschaftliche  Wirken  der  Seele  mit  dem 
Körper  nicht  beherrschen  konnte.  Man  möchte  fast 
sagen ,  dass  Mozart  bey  der  Arbeit  seines  Requiem 
schon  nicht  mehr  lebte,  dass  seine  Seele  schon  gröss- 
tenteils vom  Körper  getrennt  war  und  er  nur  als 
Halbverklärter  noch  hienieden  schuf.  Nur  auf  diese 
Weise  konnte  es  aber  auch  kommen,  dass  Mozart 
ein  Requiem  componirte,  wie  eben  sein  letztes  ist  3 
lind  hätte  er  auf  andere,  nicht  zu  sehr  angestrengte 
Weise,4  und  nicht  meist  bey  Nacht  es  arbeiten  wöf- 
len  -  nimmermehr  Vir«  ein  „olches  Geiatesproduct 
auf  die  Welt  gekommen, 

'  Da  Mozart  immer  geistig  und  nur  für  sein  Fach 
beschäftigt  war,  so  konnte  er  in  seiner  Art  seinem 
Verleger  Hofmeister,  der  ihm  sagte:  Schreib*  popu- 
lärer, sonst  lann  ich  Nichts  mehr  von  Dir  drucken 
und  bezahlen,  richtig  utfd  trefflich  antworten:  Nun, 
so  verdien*  ich  Nichts  mehr  und  hungere,  und  scher* 
mich  doch  den  Teufel  darum  I*  l,; 

Sophie,  seine  noch  lebende  Schw3gerin,  bestätigt 
seine  anhaltende  Geistes' -Thätigkeif,  'indem  sie*' 'von 
ihm  und  seinen  späteren  Jahren  erzählt :  J  Er  war 
immer  guter  Laune^  aber  selbst  in  der  besten' sehr 
nachdenkend,  eiriein  dabey  scharf  ins  Auge  blickend, 
auf  Alles;  es  mochte  heiter  oder  traurig  seyn,  über- 
legt antwortend,  und  doch  Schien  elf' dabey  an  ganz 
etwas  Anderm  tiefdenkeilfd;  zu  arbeiten.  Selbsf  wenn 
er  sich  in  der  Frühe  die  Hände  wusch,  ging  er ^a- 

40* 


628 

bey  im  Zimmer  auf  und  ab,  bljeb  nie  ruhig  stehen, 
schlug  dabey  eine  Ferse  an  die  andere  und  yrar  im- 
mer nachdenkend.  Bey  Tische  nahm  er  oft  eine 
Ecke  seiner  Serviette,  drehte  sie  fest  zusammen,  fuhr 

in  sei- 
nem Nachdenken  Nichts  davon  zu  wissen,  und  öfters 
machte  er  dabey  noch  eine  Grimasse  mit  dem  Munde. 
In  seinen  Unterhaltungen  war  er  für  eine  jede  neue 
sehr  passionirt,  wie  für's  Reiten  und  auch  für  Bil- 
lard. Um  ihn  vom  Umgänge  misslicher  Art  abzu- 
halten ,  versuchte  seine  Frau  geduldig  Alles  mit  ihm. 
Auch  sonst  war  er  immer  in  Bewegung,  mit  Händen 
und  Füssen,  spielte  immer  mit  Etwas,  z.B.  mit  sei- 
nem  Chapeau,  Taschen,  Uhrband,  Tischen,  Stühlen, 
gleichsam  Ciavier.  Just  so  war  sein  jüngster  Sohn 
in  seiner  Kindheit. 

In  Mozart's  unansehnlichem  Körper  wohnte  so- 
mit ein  Genius  der  Kunst ,  wie  ihn  die  Natur  nur 
wenigen  ihrer  Lieblinge  zu  verleihen  pflegt*  Die 
Grösse  und  der  Umfang  seines  Genie 's  lässt  sich,  nur 
nach  dem  so  frühen,  so  beyspiellos  schnellen  Gange 
seiner  Entwickelung  und  nach  der  hohen  Stufe  der 
Vollkommenheit  abmessen,  auf  die  er. gestiegen  war. 
Kein  TonknnsÜer  vor  ihm  hat: das  weite  Gebiet  der 
Kunst  in  seiner  vielseitigsten  Richtung  so  ganz  um- 
fasst  und  in  jedem  Zweige  derselben  so  vollendete 
Producte  geschaffen,  als  er.  Von  der  Schöpfung 
einer  Oper  an  bis  zu  dem  einfachen  Lied*,  von  der 
kritischen  Erhabenheit  einer  Symphonie  bis  zu  dem 
leichten  Tanzstucke  herab,  sowohl  im  Ernsten  als 
auch  im  Komischen,  tragen  seine  Werke  überall  den 
Stemnel  der  reichsten  Phantasie,  der  eindringe udsten 


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* 

Erfindung'  lind*  des  feinsten  Geschmackes*   Sie  ha- 
bfch  eine  Neuheit  und  Originalität,  die  sein  Genie'' 
imhezweifeU  beurkunden.    Selbst  das,  was  man  ihm 
als  Fehler  vorwirft,  zeugt  von  der  Kraft  seines  freyen, 
eine  neue  Bahn  gehenden  Geistes.  Dazu  denke  man 
noch  die  Vollkommenheit,  die  er  zugleich  im  Cla-* k 
vierspielen;  erreicht  hatte !  Mozart  will  nicht  bespro-* 1 
chen,"  nicht  erklärt,  nur  im  Fühlen  will  er  verstan- 
den  seyns  er :isfc  ein  'Wunder,  welches,  der  Ahnung 
imd  dem  Gefühle  allein  angehörend,   von  feinen*  >  " 
seichten  Verstände  berührt  werden  dar£  Seine  Werke ! 
ziehen,  ungeaehtdt  ihres  ganz  neu  erschaffenen  und 
aile  his  dahin  betretenen  Bahnen  hinter  sich  lassen- 
den Charakters,  durch  ihre  innere,  reiche  und  alle 
Mittel  der  Kunst  erschöpfende  und  doch  zugleick  ' 
hammlisch  klare.  Vollendung  den  Liebhaber  so  wie  1 
den  eigentlichen  Musiker  gleich  mächtig  an.    So  ist 
namentlich  sein  Don  Juan  ein  Werk,  in  dem  Alles 
erschöpft  ist,  was  die  Seele  des  Menschen  in  ihrer  1 
tiefsten  Tiefe  ahnet  und  empfindet,  aus  welchem  uns 
der  ewige  Geist  der  Welt  selbst  in  seinem  Hauche 
von  Glauben,  Liebe  und  Hoffnung  anweht,  ein  Werk, 
da»  selbst  in  seiner  sittlichen  Tendenz  zu  einem  jung- 
steh  Gerichte  für  alle  Verruchtheit  wird,  zu  deren 
Gewissen  die  Posaune  (denn  was  ist  die  mit  der  Er- 
scheinung des  Geistes  ertönende  Musik  anders  ?)  in ' 
schrecklichen,  Alles  zermalmenden  Tönen  redet. 
So  auel  fi  sein  Requiem,  in  welchem  Mozart's  Geist 
seine  eigene  Verklarung  feyert.    Der  Vf.  von  „Mo-4, 
zfert's  Geist"  sagtr  Das  heisse  Gefühl  wird  jeden  ta- 
lentvollen Künstler  bey  wiederholtem  Studium  des 
Requiem  überzeugen,  dass  MozartY  unerschöpflicher 


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630 


Reiqh  thum  keiner  Auseinandersetzung » in  Worten  be- » 
darf,  ,  da  das  geistvolle  Anschauen  allein  .vermögend » 
ist,  Grazien  zu  enthüllen,  an  deren  Ausdrucke  die 
Sprache  verarmt,  /  , .  .    f  ,  , ,  •  •  / 
In  Sebastian  Bach  hatte  die  contrapunctische  Pe- 
riode der  Tonkunst  ihren  Gipfel  und  ihre  Vollen- 
dung erreicht*  in  Verbindung  mit  der.  melodischen, 
erlebte  sie  sie  in  Mozart«  •  ■     f  u  •  ^ 

,  Alie  diese  so  seltenen,  so  mannigfaltigen  und  so 
innic  verwebten  Vorzüge  bestimmen  den  llane,  der 
unserin,  Mozart  unter  den  Genien  der  Künste  ge- 
bührt.   Er  war  einer  der  Crossen,  schönferischen 
Geister,  die  in  ihrer  Kunst  Epoche  machen,  weil 
sie  dieselbe  vervollkommnen,  oder  doch  ihren  Nach-* , 
folgern  neue  Ansichten  und  Pfade  eröffnen;  nach* 
deren  Erscheinung  indess  die  Kunst  gewöhnlich  still» 
steht  oder  rückwärts  geht.  .  ». 

Unter  den  schönen  Künsten  ist  keine  so  sehr 
Sklavin  der  Mode  und  des  Zeitgeschmackes,  als  die 
Mu.sik.  Da  Musik  bloss  dem  Vergnügen  dient,  bloss 
Sacho  des  Einzelnen  bleibt,  keinen  Vereinigungspunct 
und  keine  Anstalt  hat,  wodurch  der  Geschmack  des 
Publicums  die  gehörige  Richtung  bekäme;  da  ferner 
ihre  Theorie  noch  zu  wenig  bestimmt  und"  ihre  Em> 
vvickelung  so  schwierig  ist,  um  selbst  den  Künstlern 
djq  Grenzen  zu  zeigen,  oder  ein  Ideal  vorzustellen: 
so  muss  sie  immer*  zwischen  der  Laune  der  Mode, 
dem  Eigensinne  eines  verderbten  Geschmackes  und 
^!  w  i  j 1 1 c_  i x  t.1  c  n  ein ^"^^ c? L (_  ^ 1. 1_ c 1 1  1 1. <s toi  xi  i  o iS iS ^ x  _t*v_uns  t^loi^ 
uua la t  hin  und  her  schwanken ,  und  erhalt  nie  einen 
sichern  Gang  zur  Vollkommenheit*  Ueberdiess  sind 
ihre  Zeichen  und  Formen  zu  unbestimmt,  upd  das 

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viel  zu  untreuer  Bote,  und  «eine  Sensationen  sind  zu 
dunkel,  als  das«  man  so  deutlich  bestimmen  könnte, 
welches  das  wahre  Schöne  sey.  Was  dem  grossen 
Haufen  gefallt  —  heisst  schön!  Das  Neue  hat  einen 
starken  Reiz:  daher  ist  es  seines  Sieges  über  das  bes- 
sere Alte  gewiss;  und  darum  gilt  alte  Musik  und  alte 
Mode  einerley.  Demi  die  wenigsten  Menschen  haben 
Geschmack  und  Keimtniss  genug,  um  ächte  Schön- 
heit  vom  Flitterscheine  zu  unterscheiden«  Wenn 
grössere  Geister  durch  ihre  Meisterwerke  auch  mehr 
als  eine  augenblickliche  Rührung  hervorbringen  y  so 
srnnmeu  doch:  die  Leyerniäuner  mehr  die  kleinen 
Sächelchen  dem  Publicum  so  lange  um  die  Ohren, 
bis  der  Nachhall  schönerer  Töne  verschwindet!  Dann 
kennt  man  die  Namen  grosser  Meister  nur  noch  aus 
Büchern;  ihre  himmlischen  Harmonieen  sind  langst 
verhallt!  Das  ist  so  gewöhnlich  das  traurige  Schick- 
sal der  Musik  r 

IVIadanie  de  13a\vr  in  ihrer  Geschichte  der  Musik' 
stfetir   Jetzt,  da  der  Geschmack  am  Neuen  und  die 
Herrschaft  der  Mode  uns  dahin  gebracht  haben,  wo 
wir  sind  (1826),  ist  wohl  vorherzusehen,  dasa  jene 
inachtigen  Herrscher  uns  nicht  lange  da  lassen  wer- 
den*. Allein,  wo  werden  wir  hin  gerathen?  Wird 
man  neue  Entdeckungen  machen,  unsere  Ohren  noch 
lärmender  zu  ergötzen,  oder  wird  man  zur  Einfach- 
heit wieder  zimickkehren  ?  Dieser  retrograde  Schritt  . 
wurde  schon  einmal  gemacht,   und  Pergolesi's  und 
Vinci's  Meiosen  verdrängten  die  gelehrte  Harmonie, 
,  die  .sich  im  i?fcen  Jahrhundert  allein  breit  gemacht 
hatte.  Italien  wollt©  damals  nur  zwey  Violinen  und 


633 

einen  Bas«  in  seinen  Orchestern  hören,  und  verwärf  ^ 
die  Schatze,  welche  Jomelli  seinem  Vaterlande  aus 
der  Fremde  mitbrachte.   Doch  wenn  man  jetzt  zu- 
rückgeht, wird  11 1  an  nicht  zu  weit  zurückgehen  ?  Ueber/ 
diese  Frage  wild  die  nächste  Zeit  entscheiden;  In- 
dessen wollen  wir  uns  unserer  Efiectmusik  freuen, 
die  doch  noch  genug 'Frische  hat,  und  für  uns  nicht 
au  sehr  abgenützt  ist;  für  <üa  Zukunft  der  Kunst 
darf  uns  auch  nicht  bange  seyn,  so  lauge  noch. eine 
Partitur  von  Mozart  .vorhanden  ist«    Und  bliebe  nur 
eine  einzige  der  Nachwelt  übrig,  so  würde  dieser 
Typus  des  wahrhaft  Schönen  zum  Leuchtturme  wer- 
den, der  den  verirrten  Schifter  .stete  in  den  sichern. 
Hafen  leitet«  .  .  ....  ..-.;•»' 1  fu:i  ir-  l-       ••  '»if\  X 

»    Wie  viel  Kraft,  wie  viel  klassischer  Gehalt 


kung  von  dieser  Erscheinung  eine  Ausnahme  macht! 
Ihre  Schönheit  empfindet  man  gewöhnlich  dann  erst 
recht  lebhaft,  wenn  man  sie  wiederholt  gehört,  «rid 
dadurch  reoht  scharf;  geprüft  hat*  'Oder  haben  uns 
wohl  Figaro,  Don  Juan,  Titus,  wahrend  ihrer  viel- 
jährigen Vorstellung  noch  jemals  Langeweile  gemacht? 
Hört  man  Mozarts  Clavier-Concerte,  Sonaten,  Lie- 
der etc.  das  dreyssigste  Mal  nicht  fast  noch  lieber, 
als  das  erste  Mal  ?  Wer :  hat  <  die  tiefgedachten  Schön- 
heiten seiner  Violin  — Ouartelten  und  Ouintetten  nach 
der  häufigsten  Wiederholung  eriichöpft?  Dieses  ist 
der  wahre  Probierstein  des  klassischen;  Wertheal/  Die 
Meisterstücke  der  Römer  und  Griechen  gefallen  bey 
fortgesetzter  Leetüre»  und  je  reifer  der  Geschmack 
wird,  immer  mehr  und  mehr  ~  das  Nämliche  wi- 
derfahrt dem  Kenner  und  Nichtkenner  bevm  Ynhö- 


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Werke.  So  ging  es  bey  der  ersten  Vorstellung  des 
Don  Juan  und  insbesondere  des  Titus  in  Prag«  1  Das 
Fremdartig*  der  originellen  Werke,  die,  aus  eiheni 
tiefen  Innern  entsprungen,  in  eigentümlicher  Ge- 
stalt ! auf treten,  verblüfft,  ihr  vom  Gewohnten  Ab- 

spruch,  ihren  eigen  th  um  liehen  Sinn  fasst  man  nicht 


Manier  scheint  erzwungen;  doch  diess 
Glücke  nur  auf  eine  Weile.  Dann  ist  uns  das  Fremd- 
mehr so  fremd  dem  Abweichenden  ha-« 
wir  uns  genähert,  .der  Sinn  ist  uns  heller  auf-* 
und  die  Manier  geläufiger  geworden»  Nun 


ist,  dann  aber  wenden  diese  Werke  feststehen, 
fand  selbst  Mozart'*  Figaro  in  Wien 
Juan  in  Prag  anfangs 

,  Und  endlich  so  allgemeinen  Bey  fall,  dass 
sie  auf  den  Bühnen  aller  Nationen  feststehend  sind, 
und  die  Welt  immer  von  Neuem  entzücken.  Nufc 
darum  sprach  Mozart's  erstes  Ciavier- Quartett,  G h 
anfangs  so  Wenige  an,  daher  der  Verleger  Hofinei* 
ster  dem  Meister  den  vorausbezahlten  Theil  des 
Honorars  unter  der  Bedingung  schenkte,  dass  er  die 
zwey  anderen  accördirten  Quartette  nicht  schrieb  und 
Hoffmeister  seines  Contractea  entbunden  wäre  %  { — 

Möhra  von  dieser  Musik  ein* 
jetzt  würden  wir  das  Manuscript* 
das  wir  unterdrückten,  gewiss  mit  Perlen  aufwiegen, 


jetzt,  nachdem  die  meisten  Schöpfungen  seiner  Kunst 


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9b  Tns  40  Jahre alt  sind,  gefallen  sie:  am  meisten! 

rer  Componisten  die  still  erhabenen,  so  einfachen 
Gesänge  unseres. Lieblings!  Wie  wohl  Uran  sie  un- 
senh  Gefühle!  —  es  ist,  als  wenn  .man  ans  einem 
chaotischen  Ge wirre,  aus  dichter  Fi nsterniss  ins  Licht 
tmd  in  eine  heitere  Ordnung  versetzt  würde. 
J  b  Nebst  den  oben  angeführten  Eigen thümlichkeiten 
und  Vorzügen-  des  Mozart'schen  Kunsttalentes  beob- 
achtet der  aufmerksame  Zuhörer  seine*  Werke  einen 
gewissen  feinen  Sinn,  den  Charakter  jeder  Person, 
Lage  und  Empfindung  aufs  Genaueste  zu  treffen; 

sein  wahrer  Beruf  zum  dramatischen  Com ponisten, 
und  ist  zugleich  der  Erklärunpscrund  des  Zaubers 
unu  aer  giossen  Wirkung  seiner  wer  kg.  jL/aner  iiat 
jede  semer  Compositioneu  einen  bestimmten,  eigen- 
tümlichen Charakter,  eine  Individualität,  die  seihst 
in  der  Wahl  der  Tonart  sich  ankündigt.  Kenner 
seiner  Werke  bedürfen  keiner  besonderen  Beyspiele* 
da  alle.  Opern  von  seiner  Composition  diese  Eigen- 
schaft  ihn  hohen  Grade  in  sich  tragen,  wovon  jedoch 
jLa  Clemenza  di  THto  das  beste  Muster  seyn  mag. 
h'jii  Eine  andere  sich  auszeichnende  Eigentümlichkeit 
seiner  Werke  ist  die  Verbindung  der  höchsten  Com- 
^ositions  -  Kunst  mit? Lieblichkeit  und  Anmuth.  Diese 
Vereinigung  ist  eine  Aufgabe  bloss  für  Künstler  von 
Mozart'schem  Genie«  :  Den  Beweis  davon  giebt  die 
Erfahrung,  Er  hätte  die  ersten  Werke  .eines  Bach 
siudiri.  und  nahm  ihre  Gründlichkeit  zum  Muster  der 
eemigen ,  ohne  jedoch  ihre  Steifheit  nachzuahmen; 
er  ga1>  seinem  kräftigen  Genera lbasse  die  Leichtigkeit 


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der  italienischen  Musik  ohne  in.  ihr« 
faden  Wiederholungen,  leeren  Kraftlosigkeit«  und 
nichts  sagenden  Tändeleven  zu  verfallen  •  er 
deutsche  .Kraft  mit  italienischer  Anmuth,  wählte 
Beeden  di*  s*bÖ&*te  Seite,  umging  ihre:  Fehler,  nnd 
neue  Musik  war  seine  origineile:'*dhöpfangKJdi« 
Ton  Beyden  abstrahirt,  aber  keine  Nachahmung 
illi,  für  ,  sich  ***tefctv  Z-  Seena  con 

mit  Klavier  -  Solo  für  Mscl  Je.  S  torace  und  ihn  <274 
Dacember  47Hfi\  Nach  einem  meisterhaft  geführten 
und  declamirten  Reoitative  folgte  4i«sea;Rc«doi>  #0*. 
y  amato  bene,   das  Annehmlichkeit  und)  Reiz 

Reichthum  der  schönsten ,  bedeutendsten  Ii 
tal  -  Begleitung  mit,  «o  viel'  Wahrheit  und  Kjfcfti  de« 
Ausdrucks,  vereinigt ,  als  nur  immer  die  gliic}dkhste 
Anwendung  aller  jener  Zaubermittel  selbst  dem  g<* 
nie  vollsten  Comnonisten  gestatten  mafif*   Wet  dieses^ 
^ic  alle  Mozart'schen  Arbeiten,   an  Modulationen 
überAii«  reiche  Rondo  rein  und  mit  Kraftausdruck 
vortragt,  mag  sagen,  dass  er  singen  kann;  und  wer^ 
das  Fortepiano  dazu,  mit  ebej\  so  viel  Diskretion  al* 
Fertigkeit  zu  acaomflaguiren  vermag,7«Q  dass  Sänger 
und  Publicum  zugleich  mit  ihm t  Wilfrieden .  jseyn  tön?*: 
nen     masx  saften,  dass  er  Forteoiano  snielen  kann, 
wenn  gleich  dieses  Stück  für  italifcuisoJie  Kehlen  und; 
Kinger  nicht  ist   Wie  seUen  trifft  iuau  auf  Com&xr> 
sitionen,  die  den  beyden  Forderungen,  der  höchsten. 
Compositions  -  Kunst,  mit  Lieblichkeit ,  und  Anmuth' 
verbunden,    Genüge  leisteten?    Entweder  sind  es; 
bloss  contrapunclische  Kunststücke,  die  wohl  allen 
Ueffeln  des  Satzes   zusagen  müjieu;   aber  "Wärme, 


Anmutfc  und  kieWichkeit,   diese  Zaultermitter  Äer 
MhittWg,  Wlisst^ ihnen  ihr  Meister  ni cl i t  an zuzifFern : 
ddet^es  sind  geistlose,  fade  JbÄedeleyen,  ohne  Siim 
und  Zusammenhang    und  kaum  im  Stande,  dem 
Öhre .  mit  ihrem'  süssen  Geklingel  eine»  vorüberg0*i 
henden  Kitzel  zu  verursachen«  '"  fr  :v'  r '  "     f  ^"'^ 
•  >n-Wie  ganz  anders'  ist  es  beym,  IVlözart?  Wie^* 
schmilzt  iu>  seinen  Werken  das, -  was  man  Kunst  des  - 
Satzes:  nennt,  mit  Anmulh,  Lieblichkeit  und  Wohl-»- 
laut  so  schön  zusammen ,  dass1  Eines  «wegen  des  An- 
dem  da  zu  seyn  scheint  —  Beydes-  zur  Heivorbrin^ 
gnng  des  höchste»  Effektes  gleich  wirksam  ist!,  Und 
docfay  wie  ma  ssig  und  besonnen  war -er  in  dem  Ge- 
brauche I  der  Süssigkeiteii  und  Gewörze  ?   Er  kannte 
die- hohe  FWderuag  -'4eb'&unsfr>ttri<d0r  Natur.:  *r 
schrieb,  was  sein  Genius  ihm  eingab,  was  sein  rich- 
tiger *  Göscli^iacK  wahr  fand  ,  imhekümmärt ,  ob  es 
nach  dem  Gesohmacke  des  Parterre  seyn  wurde,  oder 
nicht;  und  so  bildete  er  sicli  selber  das  Publicum, 
überzeugt,  dass  wahre  Schönheit,  wie  die  Wahrheit," 
endlich  doch  erkannt  wird  und  gefällt.  Diess  thaten 
immer  grosse  Künstler,    welche*  die  Kraft  hatten, 
einen  eigenen  Weg  zu  gehen  und  der  Mode  nicht- 
zu1  frohnen.   Der  Punct '  dieser  Schönen  Vereinigung 
der  Gründlichkeit  des  Satzes  mit  Anmuth  und  Lieb- 
lichkeit ist  gewiss  die- treffliche  und  vor  seiner  Zeit 
unbekannte  Art,  die  Blas -Instrumente  wirken  sni* 
lassen:  Hierin  glänzt  «ein  Erfinderisches  Genie  ohne 
Beyspfei  ufa<i  ohne  Nebenbuhlern  Er  maass  mit  dem 
feinsten  Sinne  die  Natur  und  den  Umfang  der  In- 
strumente abzeichnete  ihnen  neüe  Bahnen  vor  und 
gab  jedem  derselben  die  zweckmässigste  Stellung,  um 


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«die- .kraft volle  Masse  Von  Harmonie  hervorzubringen. 
■Welche  die  Bewunderung  aller  Kenner  erzwingt  Und 
das  Muster  und  Studium  der  miten  Köüfe  bleiben 
/wird.  Wie  ganz  anders  sehen  hierin  die  Composir 
tionen  selbst  grosser  Meister  vor  Vfre  nach  Mo  zart 's 
•Periode  aus  1  ■  *^Vie  u neu  cl  1  ich  viel  haben  die  ^Jeueren 
gewonnen  durch  die  Anwendung  seiner  Art,  ;.  die 
Eins -  Instrumente  zu  gebrauchen?  Selbst  desi  grossen 
Jrlajf  du  s  "\^^"ei  ke  bestätigen  diese  Ü ehauptun^^.  J^^an 
vergleiche  die  ä I  lereli  Symphoniceii  Von  ihm  mit  den 
^eueren.  Die  Schöpfung  schrieb  Haydn  erst  nach 
U<mrVs  Epoche.  Wienn  Mozart  von  Haydn  Quar^ 
tetten  zu  schreiben  gelernt  hatte,  so  hat  wohl  Haydil 
.die  Blas-Instrumente  anzuwenden  von  ihm  gelernt. 

Gluck  war  es,  der  zuerst  von  den  Blas-Instxu~ 
in enten  den  gehörigen  Gebrauch  machte  und  das  Or- 
chester in  seine  Rechte  einsetzte.   Piccini  und  Sac- 

■ 

chini  folgten  ihm  mjt  einer  gewissen  Schüchternheit. 
Nur  Mozart  enthüllte  dessen  Zauber  ssum  blendend- 
sten Glänze.  Wie  leise  schmiegen  sich  die  Töne  der 
Blas-Instrumente  dem  Ilauptgesange  *n !.  wie  kühn 
wetteifern  sie  bald  wieder,  mit  der  Skigstimmei 
Welche  feiile0WeadvngenJ  'Welche  Mannigfaltigkeit 
und  Abwechselung  überall!  Bald  wieder,  wo  es  der 
Gegenstand  oder  Alfect '  erfordert .  wie  abstechend  der 
Contrast!  Wie  gewaltig  das  Aufbrausen  der  Leiden- 
schaft! Selbst  in  Stücken  ohne  Singstimmen  lehrte 
Mozart  seine  Instrumente  einen  Gesang  r  de*  so  ver~ 
nehm  Ii  cli  zu  dein  Gefühle ,  spricht,  dass  der  Zuhörer 
nur  wenig  die' Abwesenheit  der  Singstimme  wahr- 
nehmen kann.  Er  ersetzte  dadurch  Hey  seinen  Sym- 
phomeen  gleichsam  eine  Singstimme*  Man  .höre  seine 


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,  638 

/vnuanie  8  ouer  ivomanzen  in  uen  Klavier— v/oncercen 
und  QuartettenV  Bcy  dem  häufigen  Gebrauche  der 
Blas— Inst rumente,  wie  'vollkommen  wusste  doch  Ä£ö— 
zart  alle  Ueberladung  zu  vermeiden  I  wie  richtig  den 
Ort  und  den  Zeitpunct  zu  treffen,  wo  sie  Effect 
machen!  Nie  ist  ein  Instrument  verschwendet  oder 
gern  issbrau  cht,  und*  daher  überflüssig5!  Aber  nur  er 
Verstand  die  Oekonomie,  mit  dem  geringsten  Auf- 
wände ,  oft  durch  einen  einzigen  Zug  eines  Instru- 
ments,  durch  einen  Accora,  einen  l  rompetenstoss, 
einen  Paukenwirbel  die  grösste  Wirkung  hervorzu- 
zaubern! Wie  tief  stehen  viele  seiner  Nachahmer 
hierin  unter  ihm!  Was  sonst  Kunst  gewesen,  war 
ihm- keine,  und  er  greift  daher  mit  Leichtigkeit  aus, 
wo  Andere  noch  genug  zu  thun  haben,  nm  sich 
noth dürft  ig  auf  den  ersten  Stufen  zu  halten«  Und 
doch  will  Jeder,  dem  der  Theaterdichter  eiö  paar 
Geister  und  Fictionen  hingaukelte,  es  ihm  nachthun! 

Wer  nicht  mit  gewagten  Ideen  und  der  Instru- 
mental -  Musik  so  frisch  schalten  und  walten  kann, 
wie  Mozart,  der  sollte  ja  jede  unglückliche1  Erinne- 
rung an  ihn  vermeiden.         '    v  ' ?  ■     ■*  :  •  ' 

Die  Vervielfachung  der  Instrumente  (sagt  Nägeli) 
m  den  modernen  Orchester- Cöinpositionen  (voraus- 
gesetzt, die  CompoHisten  sind,  wie  Haydn  und  Mo- 
zart, erfahren  genug,'  jedes  der<'  Instrumente  nach 
seiner  akustischen  Natur  zu  behandeln,  nud  reich 
genug?  jedes-  eigenthümlich  zu  obligüfen*)  ist '  nicht, 
wie  schon  hat  behauptet  werden  wetliray'eine  Ent- 
artung, sondern,  Wtgen  der  Reize  der "  akustischen 
Mannigfaltigkeit,  ein  wahrer  und  grosser  Vorschritt 
der  Cultor.:  So  gross,  so  nett  ünmer  Mozart  in  der 


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f>39 


Instrumental -Partie  seyn  mag,  so  entfaltet  sich  doch 
sein  mächtiges  Genie  noch  reizender  in  dem  Salze 
des  Gesanges  für  menschliche  Stimmen*  Mozart  ist 
derjenige  Componist,  dessen  Musik  am  sangbarsten 
ist.  Mancher  Comoonist  behandelt  namentlich  die 
Gesangpartie  so  s tief väterlich ,  dass  die  Singstimme 
zur  Beel  ei  tun  er  sich  bevnahe  verhalt,  wie  eine  Alt- 
stimme  zur  Concertante.  Gretry  sagte  einst:  Man 
hat  die  Bildsäule  ins  Orchester,  und  das  Fussgestell 
auf  die  Bühne  gebracht.  Opern  sind  Musik  für  dei> 
oder  jenen  Schauplatz  —  für  ein  besonderes  Perso- 
nale und  Publicum:  was  Erstere  am  besten  executi- 
ng und  Letzte  im  am  besten  behagU  Daraus  erkläre 
man  sich  Mozart's  sonst  übertriebene  Forderungen 
an  Sänger  und  zuweilen  an  einzelne  Instrumente* 
Hierin,  im  Satze  des  Gesanges,  erwarb  sich  Mozart 
ein  zweyfaches,  gleich  grosses- Verdienst.  Mit  rieh-*, 
tigern  Geschmadke  führte  er  ihn  zu  seiner  anspracht 
losen  Mutter  j .: der  Natur  und  Empfindung  zurück. 
Er  wägte  es,  den  waischen  Sängern  zu  trotzen»  und 
alle  unnützen,  characterlosen  Gurgeleyen,  Schnörkel 
und  Passagen  zu  verbannen.  Auch  diess  ist  eine 
Ursache  der  Abneigung  der  welschen  Sänger  gegen 
seihe  Werke)  eine  noch  stärkere  ist  die  Mühe,  die 
es  ihrer  Unwissenheit  kostete,  seine  Gesänge  einzu- 
studiren.  Mozart  hat  zwar  von  diesem  Grundsatze» 
eine  Ausnahme  gemacht.  Aber  war  er  denn  in  be- 
stellten Sachen  immer  frey?  Musste  er  nicht  gegen 
Sänger  gefallig  seyn,  wenn  er  wollte,  dass  sie  ihm 
die  Sachen  nicht  verderben  sollten?  Darum  müsste 
man  immer  die  Sänger  kennen,  fiir  die  er  schrieb, 
wenn  man  ein  richtiges  Urtheil f  iiber  «e&e^rainat*  i 


i 


■ 

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640 

/  — — — 

sehen  Werke  fällen  wollte.    Mozart'«  Gesang  ist  im 
hohen  Grade  dramatisch  und  wahr 5    das,  was  er 
durch  ihn  nicht  ausdrücken  wollte,  aus  Furcht,  die 
Reinheit  der  Melodie  zu  trüben,  theilt  er  sinnreich 
dem  Orchester  zu.    Aber  Gesang  und  Begleitung 
sind  so  innig  verbunden,    dass  sie  nicht  getrennt 
werden  können,  ohne  das  Ganze  in  Unordnung  zu 
bringen.  Die  Folge  dieser  vollkommenen  Verschmel- 
zung ist,  dass  der  Sänger  sich  gezwungen  fühlt,  mit 
dem  Orchester  gleichen  Schritt  zu  halten;  dass  die 
kleinste  Laune,  die  geringste  Abweichung  vom  Zeit- 
maasse  eine  unvermeidliche  Verwirrung  nach  sich 
zieht.    Mozart  ist  daher  durch  das  Wesen  seines 
Styls  ein  unversöhnlicher  Feind  der  Gurgeleyen  und 
der  Verbrämungen,  kurz  aller  der  Verschwendung 
von  Zierrathen,  welche  die  musikalische  Phrase  ent- 
stellen und  den  Ausdruck  lähmen.  Jiit  einem  .Worte : 
Mozart  verlangt,  dass  man  musikalisch  sev.  um  seine. 
Musik  zu  singen.   Die  Catalani,  als  man  sie  als  Di-* 
rec torin  in  Paris  aufforderte,  ie  Nozze.  di  Figaro 
au  geben,  bat,  Mozarfs  Partitur  vorläufig  zu  strei- 
chen und  eine  leichtere  Instrumental  -  Hegleitung  un- 
terzulegen? als  wenn  eine  Schauspielerin,  diedieAtha- 
lia  oder  Phädra  spielen  soll,  Verlangt,  die  Verse  des 
Racine  in  Prosa  zu  übersetzen!       Arien,  wie  Voi 
che  sapete,  bedürfen,  um  an  das  Herz  zu  dringen, 
weder  Triller,  noch  Torisprünge,  weder  Verdrehung 
des  Kiefers,  noch  auch  jene  sogenannten  chromati- 
schen auf-  und  absteigenden  Leitern,   die  in  der 
Thai  Nichts  sind,  als  Gurgeleyeiw  :     .  i 
,ri  Daher  ist  Mozart's  Gesang  überall  einfach,  na- 
türlich, kraftvoll,  ein  reiner  Ausdruck  der  Empfin- 


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641 

düng  und  der  Individualität  der  Person  und  ihrer 
Lage.  Der  Sinn  des  Textes  ist  immer  richtig  und 
genau  getroffen,  dass  man  ausrufen  muss:  „Wahr- 
lich, die  Musik  sprichtl"  Aber  Mozart  scheint  sich 
selbst  zu  übertreffen,  wenn  er  den  Gesang  für  mehre 
Stimmen  dichtet,  in  Terzetten,  Quartetten,  Quintet- 
ten, nämlich  in  mehrstimmigen  Stücken  $  vorzüglich 
in  seinen  unübertrefflichen,  fürwahr  einzigen  Oper« 
Finalen.  Welcher  Reichthum!  welche  Manniefal- 
ligkeit  in  Wendungen  und  Veränderungen!  Wie 

_  ■ 

schlingt  sich  da  eine  Stimme  um  die  andere!  wie 
schön  vereinigen  sie  sich  alle,  um  ein  reizendes  Gan- 
zes zu  bilden,  um  eine  neue  Harmonie  hervorzu- 
bringen!  Und  doch  sagt  jede  nur  ihre  eigene,  oft 
entgegengesetzte  Empfindung!  Hier  ist  die  grösste 
Mannigfaltigkeit  und  die  strengste  Einheit  vereinigt» 
Man  findet  wohl  auch  schöne  Arien  bey  anderen  Mei- 
stern :  aber  Niemand  wird  in  mehrstimmigen  Sachen 
Mozsurt  die  Palme  entreissen.  Doch  wer  mag  sie 
alle  entwickeln,  die  unzähligen  Vorzüge,  die  uner- 
schöpflichen Schönheiten  seiner  Kunst?  Wer  mag 
mit  Worten  das  Neue,  Originelle,  Hinreissende,  Er- 
habene und  Volltönende  seiner  Musik  beschreiben? 
Seine  Musik  verfehlt  nie  ihre  Wirkung,  wenn  sie 
nur  pünktlich  und  mit  Feuer  vorgetragen  wird* 
Freylich  ist  es  nicht  leicht,  seinem  Geiste  nachzu- 
fliegen; und  da  bey  ihm  Alles  mathematisch  genau 
zu  der  Harmonie  berechnet  ist:  so  giebt  es  auch 
kein  so  arges  Missgetön,  als  wenn  rohe  Hände  un- 
wissender Bierfiedler  sich  an  seine  Heiligthumer  wa- 
gen. Mozart  hat  sich  durch  sein  frühes  Studium  der 
Harmonie  so  tief  und  eindringend  mit  ihr  bekannt 


gemacht,  dass  es  einem  ungeübten  Ohre  schwer  ist, 
ihm  auf  der  Stelle  zu  folgen  und  die  Schönheiten 
seiner  Musik  sogleich  zu  entdecken»  Man  muss  da- 
her seine  Musik  öfters  hören,  mit  Aufmerksamkeit 
ihr  folgen,  um  das  zu  finden,  was  man  soll,  und 
was  sich  in  derselben  so  herrlich  ausspricht. 

Die  berühmtesten  Tonkünstler  erkannten  die 
Grösse  seines  Genie  s  und  bewunderten  seine  Werke. 
Joseph  Haydn,  dieser  Liebling  der  Grazien,  der  in 
seinem  Alter  noch  das  Gefühl  eines  Jünglings  zeigte, 
ist  gewiss  vor  Allen  ein  befugter  und  berufener  Rich- 
ter« Sein  Urtheil  ist  unparteyisch ,  weil  er  als  ein 
redlicher  Mann  bekannt  ist,  und  Mozart's  aufblühen- 
der Ruhin  dem  seinigen  im  Wege  stand.  Schon  im 
Jahre  1785,  da  Mozart's  Vater  noch  lebte,  sagte  Jos. 
Haydn  bey  seiner  Zusammenkunft  in  Wien  zu  ihm : 
„Ich  sage  Ihnen  vor  Gott  und  als  ein  ehrlicher  Mann, 
dass  ich  Ihren  Sohn  für  den  irrössten  Comuonisteu 
anerkenne,  von  dem  ich  nur  immer  gehört  habe; 
er  hat  Geschmack  und  besitzt  die  gründlichste  Ken □  t  - 
niss  in  der  Kunst  der  Composition."  In  eben  die- 
sem Jahre,  1785,  sahen  Vater  und  Sohn  sich  zuletzt. 
Der  Vater  besuchte  den  Sohn  in  Wien.  Wiewohl 
sein  Aufenthalt  nur  sechs  Wochen  währte  und  er 
die  meiste  Zeit  unpass  war,  liess  er  sich  doch  zum 
Freymaurer  aufnehmen.  Der  Sohn  war  früher  schon 
im^Orden.  Diese  Anerkennung  Mozart's  von  Haydn 
war  nicht  minder  grosssinnig.  Er  widmete  ihm,  wie 
angegeben,  sechs  Quartetten,  die  man  für  /sein  Bestes 
in  dieser  Gattung- halten  kann.  Diese  Widmung, 
sagte  Mozart,  bin  ich  ihm  schuldig  gewesen,  weü  ich 
von  ihm  gelernt  habe,  Quartetten  zu  machen. 


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■ 

Im  Jahre  1787  im  December  schrieb  eben  dieser 
grosse  Haydn  an  einen  Freund  in  Prag,  der  mit  ihm 
seit  langer  Zeit  im  Briefwechsel  stand,  und  ein  Sing- 
spiel von  seiner  Composition  für  Prag  verlangte,  fol- 
genden merkwürdigen  Brief:  „8ie  verlangen  eine 
Opera  buffa  von  mir 5  recht  herzlich  gern,  wenn 
Sie  Lust  haben  von  meiner  Sing- Composition  Etwas 
für  sich  allein  zu  besitzen«  Aber  um  sie  auf  dem 
Theater  zu  Prag  aufzuführen,  kann  ich  Ihnen  diess- 
falls  nicht  dienen,  weil  alle  meine  Opern  zu  viel 
auf  unser  Personale  (zuEsterhazy  in  Ungarn)  gebun- 
den sind,  und  ausserdem  nie  die  Wirkung  hervor- 
bringen würden,  die  ich  nach  der  Localitat  berech- 
net habe.  Ganz  was  anders  wäre  es,  wenn  ich  das 
unschätzbare  Glück  hatte,  ein  ganz  neues  Buch  für 
das  dasige  Theater  zu  componiren.  Aber  auch  da 
hätte  ich  noch  viel  zu  wagen,  indem  der  grosse 
Mozart  schwerlich  Jemand  andern  zur  Seite  haben  \ 
kann.  Denn,  könnt'  ich  jedem  Musikfreunde ,  beson-* 
ders  aber  den  Grossen  die  unnachahmlichen  Arbeiten 
Mozart's  so  tief  und  mit  einem  solchen  musikalischen 
Verstände,  mit  einer  so  grossen  Empfindung  in  die 
Seele  prägen,  als  ich  sie  begreife  und  empfinde:  so 
würden  die  Nationen  wetteifern,  ein  solches  Kleinod 
in  ihren  Ringmauern  zu  besitzen.  Prag  soll  den 
theuern  Mann  festhalten  —  aber  auch  belohnen  $  denn 
ohne  dieses  ist  die  Geschichte  grosser  Genie* s  trau- 
rig, und  giebt  der  Nachwelt  wenig  Aufmunterung 
zum  fernem  Bestreben )  wesswegen  leider!  so  viel 
hoffnungs volle  Geister  darnieder  liegen.  Mich  zür- 
net es,  dass  dieser  einzige  Mozart  noch  nicht  bey 
einem  kaiserlichen  oder  königlichen  Hofe  engagirt 

■ 

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644 

♦  1 
ist.  Verzeihen  Sie,  wenn  ich  aus  dem  Geleise  kom- 
me i  ich  habe  den  Mann  zu  lieb.   Ich  bin  etc. 

Joseph  Haydn." 

N.  S.  An  das  Prager  Orchester  und  die  dasigen 
Virtuosen  mein  ergebenstes  Compliment, 

Wenn  ein  Haydn  so  urtheilt,  so  begeistert  spricht 
—  ein  Haydn,  der  allein  unter  allen  Tonkünstlern 
über  seinen  Verlust  zu  trösten  im  Stande  wäre,  was 
will  dann  das  Gekreische  einiger  kleiner  Geister  sa- 
gen, die  an  Mozart'«  Ruhme  zu  Rittern  werden 
wollten? 

Cherubini's  Vorliebe  für  Mozart  ist  eine  Art 
religiöser  Verehrung,  aus  dem  Innersten  seiner  Seele 
dem  hohen  Geiste  dargebracht.  Er  besitzt  leider  ei- 
nen sehr  schwächlichen  Körper  und  die  zarteste 
Reizbarkeit:  so  dass  er  nicht  selten  mit  Nervenzu- 
föllen  geplagt  ist,  und  versinkt  oft  in  die  tiefste  Me- 
lancholie. In  solchen  Stunden  des  Leidens  ist  oft 
eine  leise  Erinnerung  an  seinen  Mozart  hinlänglich, 
ihn  zu  beruhigen  und  zu  zerstreuen.  Dann  spricht 
er  allezeit  von  kleinen  Umständen  aus  dem  Leben 
dieses  Meisters  und  zergliedert  die  Schönheiten  sei- 
ner unsterblichen  Werke. 

Hr.  Naumann  bezeugte  bey  seinem  Aufenthalte 
zu  Prag  auf  eine  rühmliche  Weise  seine  Hochachtung 
und  Bewunderung  für  Mozart's  Werke  in  einer  rüh- 
renden Anrede  an  Mozart's  Sohn ,  als  ■  ihm  derselbe 
von  seiner  Freundin  Duschek  vorgestellt  wurde.  Wer 
die  redliche  anspruchslose  Denkungsart  dieses  be- 
rühmten Meisters  kannte,  wird  an  der  Wahrheit 
seiner  Gesinnungen  gewiss  nicht  zweifeln. 


I 


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I 


645 

Wie  «ehr  ihn  Gluch  geschätzt  habe ,  ist  schon 
erwähnt  worden.  Cherubim,  dessen  Geist  dem  Mo- 
zart'schen  am  nächsten  verwandt  scheint,  ist  sein 
grösster  Bewunderer,  und  hat  seine  Werke  zum 
Gegenstande  seines  beständigen  Studiums  gemacht« 
Alle  Neueren ,  wenn  sie  es  auch  nicht  gestehen  wol- 
len,  haben  von  Mozart  gelernt,  oder  ahmen  ihn  nach. 

Cherubini  ist  durch  sein  Requiem  gleichsam  mit 
Mozart  in  die  Schranken  getreten,  wodurch  aufVer- 
anlassung  zweyer  sehr  gelungener  Aufführungen  sei- 
nes Werkes  in  der  Augustiner -Hofkirche  in  Wien, 
welche  beynahe  ein  Schisma  bewirkten,  indem  der 
eine  Theil  von  Cherubinrs  hoher  Genialität  und  sei- 
ner ewig  neuen  Instrumentirung  geblendet,  ja  hin- 
gerissen wurde,  während  der  andere  Mozart's  engel- 
reines Gemüth ,  seine  tief  erschütternden  Harmonieen, 
den  andächtigen  Sinn  und  seine  Alles  überflügelnde 
contrapunctische  Technik  nur  ungern  darin  zu  ver- 
missen glaubten,  die  Theilnahme  einen  sehr  hohen 
Grad  erreichte.  —  Die  ausdrucksvollen  Worte,  die 
den  Charakter  der  demuthsvollen  Bitte  oder  des  zer- 
knirschten Gemüthes  an  sich  tragen:  Quid  aum  mi- 
aer  tunc  dictum*  ,  und  Salva  nie  fona  pietaii*  sind 
besser  bey  Mozart,  über  alle  Vergieichung  herrlich, 
und  doch  im  heiligsten ,  und  der  Kirche  au  passendsten 
Style  gegeben;  und  das  Tuba  mirum  von  Die*  irae 
sowohl,  als  auch  von  Rex  tremendae  vuijeaiati*, 
durch  die  grosse  charakteristische  Behandlung  unter- 
schieden, welche  dieses  Werk  Mozart's  durchstrahlt 
und  verherrlicht.    Nicht  so  bey  Chcrubinil  — 

Ein  noch  lebender  niehl  uuberühuiter  Tonkünst- 
ler  in  Wien  sagte  zu  einem  andern  bey  Mozart's 


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f,46 


Tode  mit  vieler  Wahrheit  und  Aufrichtigkeit  t  „Es 
ist  zwar  Schade  um  ein  so  grosses  Genie;  aber  wohl 
uns,  dass  er  todt  ist.  Denn,  würde  er  länger  gelebt 
haben,  warlich!  die  Welt  hätte  uns  kein  Stück  Brod 
mehr  für  unsere  Compositionen  gegeben!« 
-   *  Die  zahlreiche  Klasse  gründlicher  Tonkünstler 
in  Prag  verdient  mit  Recht  unter  den  Richtern  über 
Mozart's  hohen  Werth  einen  ansehnlichen  Platz.  Die 
meisten  von  ihnen  sprechen  mit  einer  Achtung  von 
Mozart's  Werken,  die  ein  rühmlicher  Beweiss  ihrer 
Kenntnisse  und  der  Unbefangenheit  ihres  Herzens 
ist.        Einige  (lange  noch  nicht  Alle)  sind  früher 
schon  genannt  worden»  Der  brave  Duschek  mit  sei«» 
ner  Gattin,  die  als  Künstlerin  und  gebildete  Frau 
im  gleichen  Maasse  auf  Achtung  und  Bey fall  Anspruch 
machen  kann«  waren  Freunde  und  Bewunderer  Mo- 
zart's»   Wie  viele  treffliche  Künstler,  auf  welche 
Böhmen  stolz  ist  —  wie  viele  gründliche  und  ge- 
schmackvolle Dilettanten  von  Adel  und  dem  Bürger- 
stande, die  in  jedem  andern  Lande  für  Virtuosen 
gelten  würden,  müsste  ich  nennen,  sagt  Niemtschek, 
wenn  ich  alle  Freunde  und  Verehrer  seiner  Werke 
und  seiner  Talente  in  Böhmen  herzählen  wollte! 

Doch  um  Mozart  als  Tonküustler  ganz  kennen 
zu  lernen,  ist  es  nöthig,  ihn  bey  seinem  Schreibpulte, 
wenn  er  die  unsterblichen  Werke  dichtete,  zu  be- 
obachten. 

So  lange  Mozart  lebte,  wurde  ihm  oft  mehr  aus 
unverständigem  Preis,  als  aus  neckendem  Uebelwollen 
nachgesagt,  er  werfe  seine  Werke,  auch  die  herr- 
lichsten, nur  schnell  hin*  —  Mozart  schrieb  aller- 
dings nicht  gern  —  denn  wie  schwer  oder  wie  leicht 


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647 

rausste  ihm  bey  «einem  Alter  und  Temperamente 
Stillsitzen  und  Federführen  seyn!  — :  dazu  musste  er 
oft  veranlasst,  sogar  gedrängt  werden.  Ward  er  aber 
das,  und  war  er  nur  erat  warm  dabey,  dann  ging's 
auch  sehr  schnell,  und  doch  zugleich,  wenigstens  in 
späteren  Jahren,  mit  so  beharrlichem  Zusammenfassen 
aller  seiner  geistigen  Kräfte,  dass  er  nicht  oft  was 
zu  verbessern  hatte.  Aber  desshalb  arbeitete  Mozart 
nicht  so  schnell  und  leicht  hin,  dass  man  es  spielend 
nennen  könnte;  was  er  schrieb,  fiel  ihm  sehr  selten 
erst  in  dieser  Stunde  bey,  und  wie  viel  weniger  war 

< 

diess  mit  der  Anordnung  und  Gestaltung  des  Ganzen 
der  Fall!  —  Mozart  hatte  die  Gewohnheit  —  war 
er  allein,  oder  mit  seiner  Frau t  oder  mit  Anderen, 
die  ihm  keinen  Zwang  auflegten,  vor  allem  aber 
auf  seinen  vielen  Reisen  im  Wagen  —  fast  unautr 
gesetzt,  nicht  nur  seine  Phantasie  auf  neu  melodische 
.Erfindungen ^ausgehen  zu  lassen,  sondern  auch  seinen 
Verstand  und  sein  Gefühl  gleich  mit  der  Anordnung, 
Benutzung,  Ausarbeitung  solch  eines  Fundes  zu  be- 
schäftigen; wobeyer,  ohne  es  zu  wissen ,  oft  summte, 
ja  laut  sang,  glühend  heiss  wurde,  und  keine  Stö- 
rung duldete.  So  fertigte  er  ganze  Musikstücke  im 
Kopfe  und  trug  sie  mit  $ich  herum,  bis  er  zum  Nie- 
derschreiben veranlasst  wurde,  oder  sie  durch  eige— 
Drang  los  seyn  wollte.  So  konnte  freylich  her- 
sein Schreiben  schnell  von  Statten  gehen;  ja, 
er  hatte  es  sogar  gern,  wenn  beyui  Niederschreiben 
um  ihn  her  Gleichgültiges  gesprochen  wurde,  und 
gab  wohl  auch  dazu  sein  Wort. 

Um  dergleichen  Vorarbeiten  nicht  zu  vergessen 
zu  vermischen,  brauchte  seine  leicht  entzünd- 


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bare  Phantasie,  seine  vollkommene  Beherrschung  al«* 
ler  TC  u nstmittcl  der  Ausarbeitung  und  sein  für  \fu— 
sik  erstaunenswürdiges  Gedächtniss  nichts  weiter  als 
kurze,  leiohte  Andeutungen $  und  zu  diesen  musate 
er  stets  t  vorzüglich  aber  auf  Reisen  in  einer  Seiten- 
tasche des  Wagens,  Blättchen  Notenpapier  zur  Hand 
haben,  welchen  dann  jene  Notizen,  jene  fragmenta- 
rischen Grundrisse  anvertraut  wurden,  und  welche 
Blättchen,  zusammen  in  einer  Kapsel  aufbewahrt, 
sein  in  höherer  Bedeutung  sogenanntes  Reise- Tage- 
buch ausmachten«  Diese  Fragmente  sind  solche  No- 
tizenblattchen  aus  dem  Fache  der  contranunetischen 
S  tAidicix  uiul  "\^~o  1* hu 1 1  Xi)s  *  jiiro  zu  \vrii.nscTycxiy 
deren  auch  aus  dem  Fache  der  melodischen  zu  ha- 
ben- wenn  auch  schon  die  Melodieen  in  ausueführ— 
ten  Stücken  benutzt  seyn  sollten»  Sie  würden  eben 
so  anziehend  und  lehrreich  seyn,  wie  die  skizzirten 
ersten  Entwürfe  grosser  Maler,  die  sie  hernach  in 
Gemälden  weiter  ausgeführt  haben,  und  zu  denen 
sie  als  Vorbereitung  dienten.  Solche  Symbole  für 
vortreffliche  Gedanken  sind  bey  Genie's  durchaus 
nÖthigj  denn  wie  oft  lässt  man  im  kältern  Augen- 
blicke wieder  fahren,  was  der  Geist  in  seiner  erhöh- 
teren  Thätigkeit  gedichtet  hat,  ja  oft  ist  es  spater 
unmöglich,  in  die  erste  glückliche  Erfindung  wieder 
hinein  zu  kommen. 

Die  Künstler  vergessen  oft,  dass  die  vortreff- 
lichste Anlage  nur  Anlage  ist,  dass  die  Natur  allein 
nie  etwas  Cranz  Vollendetes  in  der  Kunst  hervorbringt; 
dass  dio  ewigen  Werke  der  äusserst  wenigen  Künst- 
ler, die  nur  aussprachen,  was  ihnen  ein  Gott  gege- 
ben, zu  ganz  anderen  Zeiten  und  unter  ganz  anderen 

■ 

i 

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649 

Verhältnissen  lebteil,  und  dass  gerade  Deutschland. 

so  viel  ich  weiss nicht  eine  solch  siegreiche  Natur 
jemals  hervorgebracht  hat,  und  unter  den  Musikern 
diess  am  allerwenigsten«  Hier  führe  man  nicht  etwa 
den  unsterblichen  Mozart  am.«  JEr  war  zwar  für 
Vieles  nicht  gebildet,  aber  wie,  «ehr  war  erY  auch 
für  den  mechanischen  Theil  seiner  Kunst!  Und  mit 
welcher  ihn  selbst  aufreibenden  Anstrengung  studirle 
er  diesen  bis  an  sein  Ende!   Man  glaube  überhau  pt 
dem  Geschwätze  nicht,  als  habe  er  seine  bedeuten- 
den Werke  nur  flüchtig  und  schnell  hingeworfen. 
Er  trug  sich  sehr  lange  mit  den  Hauptideen  herum1, 
zeichnete  sie  sich  oft  kurz  auf,  arbeitete  im  Kopfe 
die  HauDtsachen  tranz  ferticrr    dann  erst  schrieb  er 
das  Ganze  schnell  nieder  —  und  auch  nicht  so  schnell, 
als  man  sich  einbildet:  er  besserte  sorgfaltig  nach, 
nur  war  er  in  solchen  Compositionen,   auf  die  «er 
selbst  Werth  legte,  äusserst  streng  gegen  sich.      !  i 
Es  ist  schon  oben  gesagt  worden,  dass  er  auch 
in  seinen  Mannesjahren  halbe  Nächte  beym  Ciavieira 
zubrachte,    welches  eigentlich  die  Schöpferstunden 
-seiner  himmlischen  Gesänge  waren.  Bey  der  sanften 
Ruhe  der  allen  denkenden  Geistern  günstigen  Nacht, 
wo  kein  Gegenstand  die  Sinne  fesselt,  entglühte  sein  je 
Einbildungskraft  zu  der  regsten  Thätigkeit  und  ent- 
faltete den  ganzen  Reichthum  seiner  Töne,  welchem 
die  Natur  in  seine  Talente  gelegt  hatte.   Hier  war 
Mozart  ganz  Empfindung  und  Wohllaut  —  hier  flos— 
sen  von  seinen  Fingern  die  wunderbarsten  Harmo— 
nieen!    Wer  Mozart  in  solchen  Stunden  hörte,  den 
nur  kannte  die  Tiefe  und  den  Ganzen  Umfang  seines? 
musikalischen  Geniels:  frey  und  unabhängig  von  je- 

4 

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630 

4 

4 ler  Rücksicht  durfte  da  sein  Geist  mit  kühnem  Fluge 
nich  zu  den  höchsten  Regionen  der  Kunst  hinauf- 
schwingen.    In  solchen  Stunden  der  dichterischen 
JLaune  schuf  sich  Mozart  unerschöpflichen  Vorrath, 
i  ind  daraus  ordnete  und  bildete  er  dann  mit  leicliter 
Hand  erst  seine  unsterblichen  .Werke.    Dass  hierzu 
.te.ine  reiche  Ader  erforderlich  war.    begreift  leiclit 
Jedermann,  denn  ohne  diese  würde  drum  alle  seine 
JCunst  unfruchtbar  geblieben  seyn.    Es  giebt  zwar 
Komponisten,  die,  durch  eisernen  Fleiss  einige  Ge- 
jä  anken  erawingen:  aber  wie  bald  versiegt  ihre  Quelle! 
.Dann  hört  man  sie  nur  wiederholen:  ihre  späteren 
y,V*rke  sind  gewöhnlich  nur  dio  Musterkarte  der 
"früheren.    :       r.r  .h  .  r  . 

fl.  •  Diese  Leichtigkeit,  mit  welcher  Mozart  schrieb, 
■hat  er,  wie  wir  schon  ausgesprochen  haben,  schon 
als  Knabe  gezeigt:  ein  Beweis,  dass  sie  ein  Werk 
t  les  Genie's  war.  Aber  wie  oft  überraschte  er  damit 
in  seinen  letzten  Jahren  selbst  «Mejenigen,  die  mit 
steinen  Talenten  vertraut  waren!  Die  genie volle  Ou- 
vertüre zum  Don  Juan  ist  hiervon  ein  merkwürdiges 
üBeyspiel.  Mozart  schrieb  diese  Oper  im  Octbr.  1787; 
,«ie  war  schon  vollendet,  einstudirt  .und  sollte  auf 
LTebermorgen  aufgeführt  werden ,  nur  die  Ouvertüre 
-fehlte  noch.  Die  ängstliche  Besorgniss  seiner  Freun- 
de, die  mit  jeder  Stunde  zunahm,  schien  ihn  zu  un- 
terhalten; je  mehr  sie  verlegen  waren,  desto  leicht- 
sinniger stellte  er  sich.    Endlich,  am  Abende  vor 
dem  Tace  der  ersten  Vorstellung,  nachdem  er  sich 
satt  gescherzt  hatte,  ging  er  gegen  Mitternacht  auf 
sein  Zimmer,  fing  an  zu  schreiben  und  vollendete 


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OOl 

■  I  > 

Ouvertüre  der  Zauberflöte  nachsetzen« 

Die  Wittwe  erzählt  den  Vorgang  so :  Den  vor- 
letzten Tag  vor  der  Aufführung,  als  die  Generale 
probe  vorbey  war,  sagte  er  Abends  zu  ihr,  er  wolle 
Nachts  die  Ouvertüre  schreiben,  sie  möge  ihm  Punsch 
machen  und  bey  ihm  bleiben,  um  ihn  munter  zu 
erhalten.  Sie  that's,  erzählte  ihm,  nach  seinem 
Wunsche,  leichte,  muntere  Sachen,  z.  B.  von  Alb*- 
din's Lampe,  Aschenbrödel  u.  s.  w-,  die  ihn  Thro- 
nen lachen  machten.  Der  Punsch  machte  ihn  aber 
so  schläfrig,  dass  er  nickte,  wenn  sie  pausirte,  und 
nur  arbeitete,  wenn  sie  erzählte.  Da  aber  die  An- 
strengung, die  Schlafrigkeit  und  das  öftere  Nicken 
und  Zusammenfahren  ihm  die  Arbeit  gar  zu  schwer 
machten,  ermahnte  seine  Frau  ihn,  auf  dem  Canapee 
zu  schlafen,  mit  dem  Versprechen,  ihn  über  eine 
Stunde  zu  wecken.  Er  schlief  aber  so  stark,  -dass 
sie  es  nicht  über's  Herz  brachte,  und  ihn  erst  nach 
zwey  Stunden  aufweckte.  Diess  war  am  5  Uhr  früh. 
Um  7  Uhr  war  der  Copist  bestellt  und  um  7  Uhr 
war  die  Ouvertüre  fertig.  Die  Copisten  wurden  nur 
mit  Mühe  bis  zur  Vorstellung  fertig,  und  das  Opern- 
Orchester,  dessen  Geschicklichkeit  Mozart  schon 
kannte,  führte  sie  prima  vista  vortrefflich  aus. 

Nach  der  Behauptung  des  Verfassers  von  „Mo- 
zart's  Geist"  soll  Mozart  die  erste  Ouvertüre  umge- 
arbeitet haben,  weil  J.  Havdn  Einiges  daran  auszu- 
setzen  hatte.  Die  Wittwe  weiss  indes  a  davon  nichts, 

Die  Musik  zur  Zauberflöte  war  schon  im  Julius 
1791  fertig.  In  der  Mitte  des  Augustus  ging  Mozart 
nach  Prag,  schrieb  da  innerhalb.^18  Tagen  La  Cle- 


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I 


0  • 

menza  di  Tito,  welche  am  5ten  September  auPs 
Theater  kam.  In  'der  Mitte  diese«  Monats  reis'te  er 
nach  Wien  zurück  und  schrieb  ein  paar  Tage  vor 
der  Vorstellung  der  Zauberflöte ,  die  am  30sten  Sep- 
tember 1791  geschah,  die  beste  seiner  Ouvertüren 
und  den  herrlichen  Priestermarsch  zu  Anfange  des 
zweyten  Actes  der  Zauberflöte  am  28«ten  September* 

Solcher  Beyspiele  könnten  mehre  angeführt  wer-r 
den«  Sein  ausserordentliches  Gedächtniss  zeigte  sich 
auch  schon  in  der  Jugend;  das  aufgefasste  Miserere 
in  Rom  giebt  hiervon  einen  vollen  Beweis.  Er  be- 
hielt es  ungeschwächt  bis  an  sein  Ende.  Es  hat  sich 
gefunden,  dass,  als  Burney  viel  spater  dieses  Mise- 
rere nach  einer  Copie  des  Originals  Öffentlich  be- 
kannt machte,  auch  nicht  eine  Note  anders  als  bey 
Mozart  darin  war. 

Da  man  seine  Compositionen  unglaublich  suchte: 
so  war  er  nie  sicher,  dass  ihm  nicht  ein  neues  Werk 
selbst  wahrend  des  Copirens  abgestohlen  wurde.  Er 
schrieb  daher  bey  seinen  Clavier-Concerten  gewöhn- 
lich nur  eine  Zeile  für  eine  Hand  auf,  und  spielte 
das  Uebrige  aus  dem  Gedächtnisse.  So  hat  er  einst 
ein  Ciavier -Concert,  welches  er  schon  seit  geraumer 
Zeit  nicht  in  Händen  gehabt  hatte,  in  einer  musika- 
lischen Akademie  aus  dem  Gedächtnisse  gespielt,  in- 
dem er  die  Principalstimme  in  der  Eile  zu  Hause 
gelassen  hatte. 

In  seiner  Akademie  zu  Leipzig  spielte  er  zwey 
€oncerte,  das  sanft  heiter  reizende  aus  B  dar  mit 
den  Variationen  aus  G  nioll,  und  das  glänzende,  pracht- 
volle aus  Cdur,  das  nach  seinem  Tode  heraus  kam. 
In  der  Probe,  wie  am  Concert- Abende,  hatte  er 

i 

» 

* 

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stntt  der  Solostimme  für  sein  Instrument  einen  blos— 
sen  Ba.ss,  hin  und  wieder  mit  Bezifferung,  Andeu- 
tung der  Eintritte  und  dem  Anfange  einiger  Haupt- 
figuren auf  dem  Notenpulte,  Die  Solostimmen,  sagt© 
er,  sind  wohl  verschlossen  in  Wien:  auf  Reisen  muss 
ich's  so  machen,  sie  stehlen  mir  sonst  Abschriften 
und  drucken  sie  frich  weg.  Hätte  er  auf  diesen  Rei- 
sen, wie  Virtuosen  wohl  pflegen,  ȟberall  dieselben 
Compositionen  vorgetragen,  so  wäre  davon  kein  Auf- 
heben zu  macheu,  selbst  wenn  er  davon  die  Bass- 
stimmen weggeworfen  hätte.  Aber  von  seinen  vie- 
len Compositionen  dieser  Gattung  spielte  er  an  ei- 
nem jeden  Orte  nur  die,  welche  er  für  das  Audito- 
rium am  geeignetsten  hielt;  und  dann,  welch  ein 
Unterschied  auch  für  das  Festhalten  im  Gedächtnisse, 
Concerte,  wo,  wie  gewöhnlich,  die  Solostimme,  b£- 
eiunt  sie  einmal,  durch  einen  Abschnitt  hindurch 
die  Hauptmelodieen  und  Figuren  allein  durchführt  — 
und  Concerte,  wo,  wie  bey  Mozart,  die  Solostim- 
*men  auPs  ennste  verschlungen  mit  allen  anderen .  nur 
die  erste  unter  Gleichen  bildet! 

Aber  wie  ist  Mozart  ein  so  grosser,  ja  man  . 
möchte  sagen,  einziger  Mann  in  seiner  Kunst  gewor- 
den? Hat  er  Alles  der  Natur,  oder  seinem  Studium 
und  seiner  Ausbildung  zu  verdanken?  Einige  deut- 
sche Schriftsteller  sprechen  von  einer  instinetartigen 
Beschaffenheit  seines  Geistes,  welche  ihn  unwillkür- 
lich zur  Hervorbringung  seiner  Meisterwerke  getrie- 
ben habe.  Diese  kennen  aber  sicher  Mozart  gar 
nicht,  und  scheinen  die  Leichtigkeit,  mit  welcher 
er,  wenn  die  Idee  des  Werkes  einmal  gebildet  war, 
schrieb ,  für  die  instinetartige  Wirkung  seines  Talen- 


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Genie's,  in  so  fern  es  angeboren  ist,  etwas  Jus  i  inet- 
artiges:  aber  nur  Bildung  und  Uebung  —  Studium 
giebt  ihnen  Reife  und  Vollendung.  Mozart  hatte 
von  der  Natur  ein  Genie  empfangen ,  wie  Shakespeare 

Gleichen,  aber  er  übertraf  diese 
\_/orrecineiu  i^r  piociuciite  mit 
Verstand  und  Wahl.  Diese  so  seltene  Vereinigung 
eines  feinen  Geschmackes  und  der  richtigsten  Beur— 
theilung  mit  den  gross ten  Naturanlagen,  die  Mo« 
«art  unter  den  Meistern  seiner  Kunst  den  ersten 
Rang  giebt,  war  grösstenteils  sein#  Werk  —  das 
Werk  seines  Eifers,  seines  Fleisses,  das  Werk  des 
tiefen  und  gründlichen  Studiums  der  Kunst. 

■ 

Aus  der  Geschichte  seiner  Jugend  haben  wir  ge- 
sehen, wie  sorgfaltig  er  jede  Gelegenheit  benutzte, 
um  zu  lernen,  wie  weise  und  streng  ihn  sein  Vater 
dazu  leitete  und  wie  tief  er  in  die  Geheimnisse  der 
Kunst  so  früh  schon  eingedrungen  war.  Aber  wir 
wollen  ihn  selbst  einmal  darüber  hören.  Einst  *— 
(es  war  nach  den  ersten  Proben  seines  Don  Juan)  — 
ging  Mozart  mit  dem  damaligen  Orchester -Director 
und  Kapellmeister  Kucharz*)  spaziern.  Unter  an- 
dern vertraulichen  Gesprächen  kam  die  Rede  auf 
Don  Juan.  Mozart  fragte:  Was  halten  Sie  von  der 
Musik  zum  Don  Juan?  "Wird  sie  so  gefallen  wie 
Figaro?    Sie  ist  von  einer  andern  Gattung! 

Kuch.  Wie  können  Sie  daran  zweifeln?  Die 
Musik  ist  schön,  originell,  tief  gedacht.   Was  von 

■ 

Mozart  kommt,  wird  den  Böhmen  gewiss  gefallen. 


•)  Ein  trefflicher  Schüler  SeegerU  und  rorzüglicher  Organist  etc. 


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Mög.  Ihre  Versicherung  beruhigt  mich,  sie 
kommt  von  einem  Kenner.  Aber  ich  habe  mir  Mühe 
und  Arbeit  nicht  verdriessen  lassen ,  für  Prag  Vi  was 
Vorzügliches  zu  leisten.  Ueberhaupt  irrt  man,  wenn 
man  denkt,  dass  mir  meine  Kunst  so  leicht  gewor- 
den ist.  Ich  versichere  Sie,  lieber  Freund,  Niemand 
hat  so  viel  Mühe  auf  das  Studium  der  Komposition 
verwendet,  als  ich.  Es  giebt  nicht  leicht  einen  be»± 
rühmten  Meister  in  der  Musik,  den  ich  nicht  fleissig 
und  oft  mehrmals  durchstudirt  hätte.  •  ' 

Und  in  der  That,  man  sah  die  Werke  grosser 
Tonkünstler,  z.  B.  Seb.  Baclrs ,  Durands,  Porpora'a, 
Leo's,  Händers,  u.  dgl.  auch  da  noch,  als  er  be- 
reits klassische  Vollkommenheit  erreicht  hatte,  auf 
seinem  Pulte;  besonders  waren  Bach's  und  Händers 
Fugen  und  Präludien  immer  auf  seinem  Clavierc. 

Man  hat  Mozart  den  Vorwurf  gemacht,  er 
habe  sich  nur  mit  seinen  Werken  beschäftigt,  «ich 
nicht*  um  das  bekümmert  und  nicht  das  gekannt, 
was  Andere  geleistet  haben.  Wenn  man  diesen  Vor- 
wurf auf  das  mehr  oder  weniger  einschränkt,  so  ist 
Mozart  nicht  ganz  frey  zu  sprechen.  Indessen  liegt* 
die  Schuld  weit  weniger  an  ihm  selbst,  als  in  seinen 
Verhältnissen,  nach  denen  er,  auf  Reisen  oder  com- 
ponirend,  fast  nur  Neues  oder  sich  selbst  hören  und 
kennen  lernen  konnte.  Wo  ihm  aber  etwas  Gutes 
aufstiess,  mochte  es  alt  oder  neu  seyn,  war  er  voll 
Freude  und  wusste  es  zu  schätzen.  Worin  er  nicht 
Etwas  von  eigenem  Geiste  fand,  das  warf  er  weg, 
mit  den  Worten :  Es  ist  ja  Nichts  darin.  Aber  auch 
das  leichte  Blinken  der  Funken  des  Genie's  übersah 
er  nicht,  nahm  den  jungen  Künstler  von  Talent  in 


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656 

«einen  Schutz,  und  trug  bey  am  seiner  Bildung,  Em- 
pfehlung, Belohnung  und  zu  seinem  Fortkommen* 
Die  Undankbarkeit,  die  bisweilen  sein  Loos  war, 
störte  ihn  nicht  darin:  er  vergass  das  Böse,  was  sie 
ihm  anthaten,  so  schnell,  als  sie  seine  Gutthaten. 

Zu  dem  oben  Gesagten  mögen  folgende  Anek- 
doten aus  dem  Munde  eines  Augenzeugen,  des  Hof- 
raths Rochlitz,  hier  nicht  am  unrechten  Orte  stehen. 

Auf  Veranstaltung  des  damaligen  Cantors  der  | 
Thomas  -  Schule  in  Leipzig,  des  verstorbenen  D^les, 
überraschte  Mozarfn  das  Chor  mit  der  Aufführung 
der  zweychörigen  Motette:  Singet  dem  Herrn  ein 
neues  Lied  —  von  dem  Altvater  deutscher  Musik, 
Schaut.  Bach.  Mozart  kannte  diesen  Albrecht  Ddrer 
der  deutschen  Musik  mehr  vom  Hörensagen,  als  aus 
seinen  selten  gewordenen  Werken.  Kaum  hatte  das  j 
Chor  einige  Tacte  gesungen,  so  stutzte  Mozart  — 
noch  einige  Tacte,  da  rief  er:  Was  ist  das?  —  und 
nun  schien  seine  ganze  Seele  in  seinen  Ohren  zu*eyn. 
Als  der  Gesang  geendigt  war,  rief  er  voll  Freude: 
Das  ist  doch  einmal  Etwas,  woraus  sich  was  lernen 
lässt!  Man  erzählte  ihm,  dass  diese  Schule,  an  der 
Bach  Cantor  gewesen  war,  die  vollständige  Samm- 
lung seiner  Motetten  besitze  und  als  eine  Art  Reli- 
quien aufbewahre.  Das  ist  recht,  das  ist  brav,  rief 
er 5  zeigen  Sie  her!  —  Man  hatte  aber  keine  Parti-  j 
tur  dieser  Gesänge;  er  liess  sich  also  die  ausgeschrie- 
benen Stimmen  geben  —  und  nun  war  es  Tur  den 
stillen  Beobachter  eine  Freude,  zu  sehen,  wie  eifrig 
sich  Mozart  setzte,  die  Stimmen  um  sich  herum,  in 
beyde  Hände,  auf  die  Kniee,  auf  die  nächsten  Stühle 
vertheilte,  und,  alles  Andere  vergessend,  nicht  eher 


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657  . 

\  ii  ii  im 

I 

aufstand,  bis  er  Alles,  was  von  Bach  da  war,  durch- 
gesehen hatte.  Er  erbat  sich  eine  Copie,  hielt  diese 
sehr  hoch,  und  —  wenn  ich  nicht  sehr  irre,  kann 
*  dem  Kenner  der  JSac/t'schen  Compositionen  und  des 
Jtfozar/'schen  Requiem,  besonders  etwa  der  grossen 
Fuge  Christe  eleison  —  das  Studium,  die  Werth- 
schätzung und  die  volle  Auffassung  des  Geistes  jenes 
alten  Contrapunctisten  bey  Mozart's  zu  allem  fälli- 
gen Geiste  nicht  entgehen.  „ 

In  demselben  Hause  stritt  man  sich,  nach  Mo- 
zarfs  Zurückkunft,  eines  Abends  über  das  Verdienst 
mancher  noch  lebender  Componisten,  besonders  über 
einen  Mann,  der  für  die  komische  Oper  offenbares 
Talent  hat,  aber  s  als  Kirchen -Compositeur  ange- 
stellt ist.    Vater  Doles,  der  überhaupt  etwas  mehr, 
als  recht  und  billig  war,  an  dem  Opernwesen  in  der 
Kirche  hing,  nahm  jenes  Componisten  Parthey  ge- 
gen Mozart's  stetes  Ist  ja  all9  nichts!  sehr  lebhaft. 
Und  ich  wette,    Sie  haben  noch  nicht  Vieles  von 
ihm  gehört,  fiel  Doles  ebenfalls  lebhaft  ein.  Sie  ge- 
winnen, antwortete  Mozart}  aber  das  ist  auch  nicht 
nöthig:  so  Einer  lann  nichts  Rechts  dieser  Art  ma- 
chen !  Er  hat  keine  Idee  davon  in  sich.  Herr,  wenn 
der  liebe  Gott  mich  so  in  die  Kirche  und  vor  ein 
solches  Orchester  gesetzt  hätte!  u.  s.  w.  —  Nun,  Sie 
sollen  heute  noch  eine  Missa  von  ihm  sehen,  die  Sie 
mit  ihm  aussöhnen  wird.  —   Mozart  nahm  sie  mit 
und  brachte  sie  den  folgenden  Abend  wieder. 

Nun,  was  sagen  Sie  zu  der  Missa  von  —  — 
Lässt  sich  all  gut  hören,  nur  nicht  in  der  Kir- 
che ?   Sie  werden's  nicht  übel  nehmen,  ich  habe  bis  0 
zum  Credo  andern  Text  unterlegt,   so  wird  sich* 


658 

■ 

noch  besser  machen«  Nein,  es  muss  ihn  Keiner  vor- 
her lesen!    Wollen's  gleich  auffuhren! 

Er  setzte  sich  an  das  Fortepiano ,  theilte  die  vier 
Singstimmen  aus ,  wir  mussten  ihm  schon  zu  Willen 
seyn,  sangen,  und  er  aecompagnirte. 

Eine  possirlichere  Aufführung  der  Missa  hat  es 
wohl  nie  gegeben.  Die  Hauptpersonen  —  Vater  Do- 
les  mit  der  Altstimme,  die  er  unter  stetem  ernsten 
Kopfschütteln  über  das  Scandal  doch  so  trefflich  ab- 
sang; Mozart  immer  die  zehn  Finger  voll  in  den 
Trompeten-  und  Pauken- reichen  Sätzen,  unter  aus- 
gelassener Freude  ewig  wiederholend:  Na,  geJifs 
nicht  so  besser  zusammen?  Und  nun  der  arge  und 
doch  herrlich  angepasste  Text  —  z.  B.  das  brillante 
Allegro  zu  Kyrie  eleison:  „Hol's  der  Geyer,  das 
geht  flink!"  Und  zum  Schlüsse  die  Fuge,  Cum 
saneto  spiritu  in  glöria,  Dei  patris:  „Das  ist  ge- 
stohlen Gut,  Ihr  Herren,  nehmt's  nicht  übel!a  * 

Es  lag  in  seiner  Reizbarkeit,  launig  zu  seyn, 
und  in  der  Stimmung  seines  Gemüths,  nicht  selten 
unmittelbar  von  einem  Extreme  zum  andern  überzu- 
gehen. Nachdem  er  in  jener  ausgelassenen  Lustig- 
keit noch  eine  Weile  verblieben  war,  und,  wie  öf- 
ters, in  sogenannten  Knittelversen  gesprochen  hatte, 
trat  er  ans  Fenster,  spielte,  wie  gewöhnlich,  Ciavier 
auf  dem  Fensterpolster,  und  schwärmte,  ohne  auf 
die  an  ihn  gerichteten  Reden  etwa,  Zn  geben,  als 
gleichgültige  Antworten,  fast  ohne  Bewusstseyn:  Das 
Gespräch  über  Kirchenmusik  war  allgemeiner  und 
ernsthafter  geworden.  Unersetzlicher  Schade,  sagte 
Einer,  dass  es  so  vielen  grossen  Musikern,  besonders 
der  vorigen  Zeit,  ergangen  ist,  wie  den  alten  Maiern  5 

t 


Dig 


( 

659 

dc-Lss  sie  nämlich  ihr©  ungeheueren  Kräfte  auf  meistens 
nicht  nur  unfruchtbare,  sondern  auch  Geist-  tödtende 
Sujets  der  Kirche  wenden  mussten!  —  Ganz  umge- 
stimmt und  trübe  wendete  sich  Mozart  hier  zu  den 
Anderen  und  sagte  —  dem  Sinne  nach,  obschon  nicht 
auf  diese  Weise:    Das  ist  mir  auch  einmal' wieder 
so  ein  Kunstgeschwätz !  Bey  Euch  aufgeklärten  Pro- 
testanten, wie  Ihr  Euch  nennt,  wenn  Ihr  Eure  Re- 
ligion im  Kopfe  habt  —  kann  etwas  Wahres  darin 
seyn;  das  weiss  ich  nicht«   Aber  bey  uns  ist  das  an- 
ders. Ihr- fühlt  gar  nicht,  was  das  will:  Jgnus  Der, 
qui  tollis  peccata  mundi,  dona  nobis  pacem  u.  dgl. 
Aber  wenn  man  von  frühester  Kindheit,  wie  ich,  in 
das  mystische  Heiligthum  unserer  Religion  eingeführt 
ist;  wenn  man  da,  als  man  noch  nicht  wusste,  wo 
man  mit  seinen  dunkeln,  aber  drängenden  Gefühlen 
hin  solle,  in  roller  Inbrunst  des  Herzens  seinen  Got- 
tesdienst abwartete,  ohne  eigentlich  zu  wissen,  was 
man  wollte;  und  leichter  und  erhoben  daraus  weg- 
ging, ohne  eigentlich  zu  wissen,  was  man  gehabt 
habe;  wenn  man  diejenigen  glücklich  priess,  die  un- 
ter dem  rührenden  Jgnus  Bei  hinknieeten  und  das 
Abendmahl  empöngen,  und  beym  Empfange  die,  Mu- 
sik in  sanfter  Freude  aus  dem  Herzen  der  Knieenden 
sprach :  Benedictes  qui  venit  etc. :  dann  ist's  anders. 
Nun  ja,  das  geht  freylich  dann  durch  das  Leben  in 
der  Welt  verloren;  aber  —  wenigstens  ist's  mir  so 
—  wenn  man  nun  die  tausend  Mal  gehörten  Worte 
nochmals  vornimmt,  sie  in  Musik  zu  setzen,  so 
kommt  das  Alles  wieder  und  steht  vor  Einem  und 
bewegt  Einem  die  Seele,  —  .      .  , 

Er  schilderte  nun  einice  Scenen  iener  Art  aus 


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* 

* 

seinen  frühesten  Kinder  jähren  in  Salzburg,  dann  auf 
der  ersten  Reise  nach  Italien,  und  verweilte  mit  be- 
sonderm  Interesse  bey  der  Anekdote,  wie  ihm  die 
Kaiserin  Maria  Theresia  als  vierzehnjährigem  Kna- 
ben aufgetragen  habe,  das  Te  Deum  zur  Einweihung 

—  ich  erinnere  mich  nicht,  eines  grossen  Kranken- 
hauses oder  einer  andern  ähnlichen  Stiftung,  zu 
componiren,  und  an  der  Spitze  der  ganzen  Kaiser- 
liehen  Kapelle  selbst  aufzufuhren«  Wie  mir  da  war! 

—  wie  mir  da  war !  —  rief  er  ein  Mal  über  das  an- 
dere. Das  kömmt  doch  all  nicht  wieder !  Man  treibt 
sich  umher  in  dem  leeren  Alltagsleben  —  sagte  er 
dann,  ward  bitter,  trank  viel  starken  Wein  und 
sprach  kein  vernünftiges  Wort  mehr« 

Bin  Beyspiel,  wie  Mozart  Künstler  behandelte. 
Am  Abende  seines  öffentlichen  Concertes  in  Leipzig 
nahm  Mozart  Berger  (Carl  Gottlieb  —  Violin-Solo- 
spieler, eine  Zierde  der  Leipziger  Concerte)  zur  Seite  i 
Kommen  Sie  mit  mir,  guter  Bergerl  Ich  will  //i- 
nen  noch  ein  Weilchen  vorspielen.  Sie  verstehen'* 
ja  doch  besser,  als  die  Meisten,  die  mich  heute  op- 
plaudirt  haben.  Nun  nahm  er  ihn  mit  sich,  und 
phantasirte,  nach  einem  kurzen  Mahle,  vor  ihm  bis 
Mitternacht,  wo  er  dann,  nach  seiner  Weise,  rasch 
aufsprang  und  rief:  Nun,  Papa,  liabe  ich's  recht 
gemacht?  Jetzt  haben  Sie  erst  Mozart  gehört.  Das 
Uebrige  können  Andere  auch. 

Bey  Mozart's  letzter  Anwesenheit  in  Leipzig, 
wenige  Jahre  vor  seinem  Tode,  rühmte  einmal  Hil- 
ler den  Gassman.*)  Doles  wollte  nicht  recht  ein- 
—  r  • 

*)  Koiserl.  Hof- Kapellmeister  und  Aofceher  über  die  musütali- 
•cho  Kaiaerl.  Bibliothek  in  Wien,  der  Liebling  teines  Leb- 


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* 

* 


stimmen.  Papa,  sagte  Mozart,  wenn  Sie  nur  erst 
Alles  'lennten,  Ufas  wir  in  Wien  von  ihm  haben! 
Wenn  ich  jetzt  heim  komme,  will  ich  seine  Kir- 
chenmusilen  fleissig  durchstudiren>  und  ich  hoffe 
viel  daraus  zu  lernen. 

Mozart  war,  wo  nicht  der  Erste,  doch  einer 
der  Ersten,  die  den  Deutschen  das  Vorurtheil  be- 
nahmen, dass  der  Silz  der  wahren  Musik  noch  im- 
mer in  Italien  wäre.  Doch  thun  ihm  die  Kunstrich- 
ter  Unrecht ,  die  behaupten,  er  habe  nur  kunstvolle 
Harmonie,  nur  gelehrte  Arbeit  an  Anderen  geschätzt. 
Er  liess  der  durchsichtigsten  Musik,  nur  musste  sie 
etwas  Geist  und  Eigentümlichkeit  haben,  Gerech- 
tigkeit wiederfahren.  So  sprach  er  sehr  vorteilhaft 
(in  Leipzig)  von  Paisiello,  dessen  Arbeiten,  ihm  sehr 
wohl  bekannt  waren.    Er  sagtet  Man  kann  dem, 
der  in  der  Musik  nur  leichtes  Vergnügen  sucht,  nichts 
Besseres  empfehlen.  Unter  den  alteren  Componisten 
schätzte  er  ganz  besonders  einige  Italiener,  die  man 
längst  vergessen  hat;  am  allerhöchsten  aber  Händeln. 
Die  vorzüglichsten  Werke  dieses  in  einigen  Fächern 
noch  nie  ühertroffenen  Meisters  hatte  er  so  inne,  als 
wenn  er  lebenslang  Director  der  Londner  Akademie 
zur  Aufrechthaltung  der  alten  Musik  gewesen  wäre: 
Händel,  sagte  er  oft,  weiss  am  Besten  unter  uns 
Allen,  was  grossen  Effect  macht;  wo  er  es  will, 
schlägt  er  ein,  wie  ein  Donnerwetter*   Diese  Liebe 
zu  Händel  ging  so  weit,  dass  er  Vieles,  was  er  aber 
nicht  selbst  bekannt  gemacht  hat,  in  seiner  Manier  v 

rers,  des  Paters  Martini ,  und  des  Kaisers  Joseph  und  des- 
sen Mutter,  der  grossen  Maria  Theresia»  (Mehr  lese  mau 
in  dem  klassischen  Werke  von  Gerbers  Lexikon.) 

9 

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schrieb,  Er  schätzte  und  liebte  nicht  allein  Handels 
Chöre,  sondern  auch  viele  seiner  Arien  und  Solo's. 
Wenn  er  da  auch  manchmal,  sagte  Mozart,  nach 
der  Weise  seiner  j£ '  eit  hinsc/ilendert ,  *so^  ist  doch 
uberall  Etwas  darin. 

Er  hatte  sogar  die  Grille ,  eine  Arie  in  ßeinem 
Don  Juan  nach  Handels  Manieren  zu  setzen,  und 
seiner  Partitur  diess  offenherzig  beyzüschreiben :  man 
soll  sie  bey  der  Aufführung  allenthalben  weggelassen 
haben.  Eben  so  findet  sich  in  seinen  Ciavierheften 
-     eine  Ouvertüre  nach  Händeis  Style. 

Von  Hasse  und  Graun  schien  er  weniger  zu  hal- 
ten, als  sie  verdienen.  Vielleicht  kannte  er  ihre 
Werke  nicht.  Jomelli  schätzte  er  hoch :  Der  Mann, 
sagte  er,  hat  sein  lach,  worin  er  glänzt,  und  so, 
das a  wir's  wollt  werden  bleiben  lassen  müssen,  ihn 
bey  dem,  der  es  versteht,  daraus  zu  verdrängen. 
Nur  hätte  er  sich  nicht  aus  diesem  heraus  machen, 
und  z.  B*  Kirchensachen  im  alten  Style  sclireiben 
sollen  . 

Von  Martini,  der  damals  die  ganze  Liebhaber- 
weit  zu  bezaubern  anfing,  behauptete  er:  Vieles  in 
seinen  Sachen  ist  wirklich  hübsch,  aber  in  zehn  Jah- 
ren nimmt  lein  Mensch  mehr  Notiz  von  ihm. 

Keiner,  sagte  er  ferner,  lann  Alles  —  schälern 
und  erschüttern ,  Lachen  erregen  und  tiefe  Rührung 

machen  —  und  Alles  gleich  gut,  wie  Joseph  Haydn. 

•  •  « 

Sein  gewandter  Geist  wusste  sich  den  Charakter 
eines  Jeden  so  anzueignen,  dass  er  sie  oft  zum 
Scherze  im  Satze  und  Style,  und  sogar  bis  zum  Täu- 
schen nachahmte.  '  " 

» 


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s  i  i  ■ 

Sein  Gehör  war  so  fein,  ei*  fasste  die  Verschie- 

7  9 

*  denheit  der  Töne,  so  gewiss  und  richtig  auf,  dass  er 
den  geringsten  Misston  selbst  bey  dem  stärksten  Or-  1 
ehester  bemerkte,  und  dasjenige  Subject  oder  Instru- 
ment, welches  ihn  beging,  genau  anzugeben  wusste. 
Nichts  brachte  ihn  so  sehr  auf,  als  Unruhe,  Getöse 
oder  Geschwätz  bey  der  Musik.  Da  gerieth  der  so 
sanfte,  muntere  Mann  in  den  grössten  Unwillen 
und  äusserte  ihn  sehr  lebhaft.    Es  ist  bekannt,  dass 

;  er  einst  mitten  im  Spiele  unwillig  von  dem  Claviere 
aufstand  und  die  unaufmerksamen  Zuhörer  verliess. 
Dieses  hat  man  ihm  vielfaltig  übel  genommen ;  aber 

,  ,  gewiss  mit  Unrecht.  Alles,  was  er  vortrug,  empfand 
er  selbst  auf  das  stärkste  —  sein  ganzes  Wesen  war 
dann  Gefühl  und  Aufmerksamkeit:  wie  konnte  ihn 
also  kalte  Fühllosigkeit ,  Unaufmerksamkeit,  oder  gar 
ein  störendes  Geschwätz  in  der  Laune  und  Fassung 
erhalten?  Als  begeisterter  Künstler  vergaass  er  da 
alle  andere  Rücksichten* 

Von  der  allzugewöhnlichen  Virtuosengrille,  sich 
nur  nach  überschwenglichem  Bitten  und  Flehen  hören 
zu  lassen,  war  wohl  kein  Virtuos  der  Welt  mehr 
frey  als  Mozart:  im  Gegentheil  machten  es,  beson- 
ders viele  gnädige  Herren  in  Wien,  ihm  zum  Vor- 
wurf, dass  er  vor  jedem,  der  ihn  gern  hörte,  eben 
so  gern  spielte.  Nur  war  dabey  sein  grÖsstes  und 
und  oft  von 

gewöhnlich  von  ihm  nur  mechanische  Hcxereyen 
und  gauke] hafte  Seiltänzerkünste  auf  dem  Instrumente 
erwartete  und  zu  sehen  wünschte;  aber  dem  hohen 
Fluge  seiner  Phantasie  und  seinen  gewaltigen  Ideen 
mcht  folgen  konnte  oder  nicht  folgen  wollte.  Als  er 


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I 

I 

nachN —  kam,  lud  der  kunstliebende  X —  eine  zahl- 
reiche Gesellschaft  der  Honoratioren  der  Stadt  zu- 
sammen, um  ihnen  das  Vergnügen  zu  machen,  Mo- 
zart  zu  hören,  der  versprochen  hatte,  in  die  Ge- 
sellschaft zu  kommen  und  dort  zu  spielen.  Mozart 
hielt  natürlicherweise  die  versammelten  Herren  und 

i 

Damen,  von  denen  er  kaum  zwey  kannte,  für  Kenner 
oder  doch  gebildete  Liebhaber:  fing  also,  wie  ge- 
wöhnlich, im  langsamen  Tempo,  einfacher  Melodie, 
noch  einfacherer  Harmonie,  die  nur  nach  und  nach 
interessanter  wurde  —  theils  um  sich  selbst  erst  zu 
erheben,  theils  um  den  Geist  der  Zuhörer  mit  sich 
empor  zu  tragen ,  an.  Die  Leutchen  saassen  im  Halb- 
cirkel  des  prachtvollen  Zimmers  und  fanden  das  all- 
täglich.  Mozart  wurde  nun  feuriger:  das  fand  man 
ganz  hübsch.    Jetzt  wurde  er  ernst  und  feyerlich, 
besonders  seine  Harmonie  frappant,  gross,  und  etwas 
schwer :  das  däuchte  den  meisten  langweilig,  verschie- 
dene Damen  fingen  an,  einander  etwas  —  wahrschein- 
lich eine  kurze  Kritik,  zuzuflüstern,  mehre  nahmen 
Theil,  am  Ende  sprach  vielleicht  die  halbe  Gesell- 
schaft leise;  der  wirklich  kunstliebende  Wirth  kam 
immer  mehr  in  Verlegenheit.  —  Jetzt  bemerkte  Mo- 
zart die  Wirkung  seiner  Musik  auf  sein  Auditorium« 
Er,  der  stets  leicht  gereitzt  und  jetzt  durch  das  Spiel 
selbst  noch  viel  mehr  reizbar  war,  liess  seinen  auf 
dem  Fortepiano  bisher  ausgeführten  Hauptgedanken 
nicht  fahren,  bearbeitete  ihn  aber  jetzt  mit  der  Hef- 
tigkeit, mit  welcher  sein  Blut  durch  die  Adern  flu- 
then  mochte.  Als  darauf  nicht  gemerkt  wurde,,  fing 
er  an  —  erst  ganz  leise,  dann  immer  lauter  auf  das 
unbarmherzigste  auf  sein  Auditorium  los  zu  ziehen 


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665 

and  fast  zu  schmähen.  Zum  Glück  war  die  Sprache, 
welche  ihm  zuerst  in  den  Mund  kam  (aus  anderer 
Ursache  gewiss  nicht)  die  italienische ,  und  nur  wenig 
Mitglieder  der  Gesellschaft  verstanden  diese  so  fertig, 
dass  sie  des  noch  immer  fort  Spielenden  polternde 
Apostrophen  verstanden  haben  sollten«   Man  merkte 


%  der  immer  noch  ununterbrochen  fortphantasirte,  muss- 
te1,  sobald  der  Zorn  hinweggepoltert  war,  heimlich  \ 

^uber  sich  selbst  lachen;  gab  seinen  Ideen  eine  galan- 
tere Wendung  und  fiel  endlich  ein  in  die  damals  auf 
allen  Strassen  gangbare  Melodie  des  Liedchens:  Ich 
klage  dir  etc.  Dies  trug  er  niedlich  vor ,  variirte  sie 
zehn  oder  zwölf  Mal,  abwechselnd  mit  Fingerhexerey 
oder  affectirter  Süsslichkeit,  und  beschloss  hiermit« 
Alles  war  nun  voll  Entzücken ,  und  nur  wenige  hatten 
errathen,  wie  grausam  er  seine  Leutchen  zum  Besten 
hatte.    Er  selbst  aber  ging  bald  weg,   liess  seinen 

Gastwirth  und  einige  alte  Musiker  der  Stadt  kommen, 

» 

behielt  sie  beym  Abendessen  und  phantasirte  den  Al- 
ten, auf  deren  schüchternes  Wünschen,  mit  Vergnü- 
gen bis  nach  Mitternacht  vor. 

Wie  reizbar  lebhaft  sein  Kunstsinn  gewesen  sey, 
kann  man  daraus  schliessen,  dass  er  bey  der  Auf- 
fuhrung einer  guten  Musik  bis  zu  Thranen  gerührt 
wurde:  vorzüglich  wenn  er  Etwas  von  den  beyden 
grossen  Haydn  hörte.  Aber  nicht  allein  Musik,  son- 
dern auch  jeder  andere  rührende  Gegenstand  ergriff 
sein  ganzes  Gefühl  und  erschütterte  ihn.  Seine  Ein- 
bildungskraft war  immer  thätig,  immer  mit  Musik 
beschäftigt,  daher  schien  er  oft  zerstreut  uud  gedan- 


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666 

.  So  gross  war  Mozart  als  Künstler!  Den  For- 
scher  der  menschlichen  Natur  wird  es  nicht  befrem- 
den, wenn  er  sieht,  dass  dieser  als  Künstler  so  sei- 
tene  Mensch  nicht  auch  in  den  übrigen  Verhältnis- 
sen des  Lebens  ein  grosser  Mann  war.  Eben  darin 
ist,  wie  uns  dünkt,  die  Natur  des  wahren  umfassen- 
den Genie's  begründet,  dass  dieses,  für  keine  Aus- 
sendince  Sinn  habend,  nur  auf  sich  selbst  beschränkt 
ist  und  nur  seiner  Kunst  lebt,  keinen  Einfluss  der, 
äusseren  Einwirkungen  und  der  Einzelnheiten  aner- 
kennend, die  nur  den  blossen  Verstand,  entblöst  von 

allem  eigentlichen  Genie,  zu  interessiren  vermögen. 

* 

So  hat  man  Mozart  häufig  seinen  Mangel  an 
Allem,  was  Wissen  heisst,  zum  Vorwurfe  gemacht, 
ein  Vorwurf,  der,  dünkt  uns,  durch  das,  was  wir 
do  eben  gesagt  haben,  vollkommen  widerlegt,  ja  so- 
gar  bey  ihm  zu  einem  ehrenden  Verdienste  wird. 

,  .  Die  Tonkunst  machte  die  Haupt-  und  Lieblings- 
Beschäftigung  seines  ganzen  Lebens  aus  —  um  diese 
bewegte  sich  sein  ganzes  Gedanken-  und  Empfin-  | 
dungs- Spiel  $  alle  Bilduüg  seiner  Kräfte,  die  das  I 
Genie  des  Künstlers  ausmachen,  ging  von  da  aus 
und  bezog  sich  darauf.    Ist  es  ein  Wunder,  wenn 
er  den  übrigen  Dingen  um  sich  weniger  Aufmerk- 
samkeit  widmete  und  widmen  konnte?    Er  war  » 
Künstler,  war  es  ganz,  und  war  es  in, einer  bewun- 
derungswürdigen Grösse :  das  ist  genug!    Wer  mag 
indess  die  Grenzlinien  seiner  Geisteskräfte  so  genau 
ziehen,  um  behaupten  zu  können,  Mozart  habe  aus- 
'  sjer  seiner  Kunst  zu  Nichts  sonst  Anlage  oder  Fällig- 
keit gehabt?   Man  setzt  freylich  das  Wesen  des 


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667 

* 

Künstler -Genie's  in  eine  überwiegende  Starke  der 
unteren  oder  ästhetischen  Kräfte  der  Seele;  aber  man 
weiss  auch,  dass  die  Künste,  besonders  die  Musik, 
häufig  einen  scharfen  Ueberblick,  Beurtheilung  und 
Einsicht  in  die  Lage  der  Dinge  erfordern,  wrelches 
bey  Mozart  um  so,  gewisser  vorauszusetzen  ist,  da 
er  kein  gemeiner  mechanischer  Virtuos  eines  Instru- 
mentes war,  sondern  das  ganze  weite  ,Gebiet.  der 
Tonkunst  mit  seltener  Kraft  und  Geschicklichkeit 

^       •        j  ■       ■  f 

Wie  schön  und  beneidens^rertli  ist  übrigens  jler 
Wirkungskreis  eines  Tonkünstlers!,  Mit  seinen  süs- 
sen Harinonieen  entzückt  er  tausend  gefühlvolle  See*- 
len$  er  schafft  ib nun  die  reinste  Wonne;  er  erhebt^ 
besänftigt,  tröstet l  Auch  dann,  wenn  er  nicht  mehr 
ist,  lebt  er  ^ennoch  in  seinen  wiederholenden  Q«t 
sangen  —  Tausende  segnen  und  bewundern  ihn» 

,  Mozart  hatte  schon  in  seiner  Jugend  zu  allen 
Kenntnissen,  die  man  ihm  beyzubringen  für  n olliig 
fand,  eine  grosse  Anlage  gezeigt,  in  allen  schnelle 
Portschritte  gemacht^  von  der  Aritlimeük  ist  Er- 
wähnung geschehen.  Auch  in  seinen  spateren  Jah- 
ren liebte  er  diese  Kennüriss  sehr,  und  war  wirkliclj. 
ein  ungemein  geschickter  Rechenmeister.  Eben  so 
gross  war  sein  Talent  zur  Sprachwissenschaft;  ,  er 
verstand  Französisch,  Englisch,  Italienisch  u.  Deutsch. 
Im  Allgemeinen  bietet  er  einen ,  ausserordentlichen 
Gegenstand  der  f  philosophischen  Betrachtung  dar. 
JDie  Erhabenheit  seine?  Compositionen  war  eben  so 
bemerkbar,  als  das  einfache  Gepräge  seines  persön- 
lichen offenen  Charakters.  Zu  bescheiden  für  Eigen- 
dünkel, jagte  er  nicht  nach  Beyfall :  im  Bewusstseyn 


,     Digitized  by 


668 

seines  wahren  Werthes,  war  er  zu  gerecht  gegen 
sich  selbst,  um  sich  denselben  absprechen  oder  be- 
streiten zu  lassen.  Ohne  Affectation  zeigte  er  seine 
'Seele  frey  und  unverstellt,  ohne  Stolz  achtete  er  das 
Talent  auch  in  seiner  niedrigen  Sphäre,  und  seine 
eigenen  geistigen  Kräfte  lassen  sich  in  der  Benen- 
nung zusammenfassen,  welche  ihm  die  Italiener  ga- 
ben :  Quel  mostro  d'ingegno  ?  —  Die  lateinische 
Sprache  lernte  er  nicht  erst  in  späteren  Jahren,  wie 
Einige  irrig  berichtet  haben,  oder  nur  so  viel,  als 
es  zum  Verständnisse  des  Kirchentextes,  den  er  allen- 
falls  in  Musik  zu  setzen  hatte,  erforderte.  Mozart 
hat  sowohl  für  die  lateinische  Sprache,  wovon  er 
mehr  wusste,  als  zum  Verstehen  des  Kirchengesan- 
ges  nothwendig  war  (wie  es  auch  seine  lateinischen 
Floskeln  in  Briefen  beweisen),  als  £ur  die  übrigen 
zu  seiner  Zeit  gewöhnlichen  Lehrgegenstände  in  der 
Jugend  eigene  Lehrer  gehabt,  und  machte  in  allen 
Fächern,  von  seinen  angebornen  Fähigkeiten  unter- 
stützt, guten  Fortgang,  indem  sein  Vater,  der  eine 
"gelehrte  Erziehung  gehabt  hatte,  ihm  zugleich  in 
Allem  an  die  Hand  ging,  ungeachtet  sein  Haupt- 
unterricht sich  auf  die  Musik  beschränkte. 

In  allen  übrigen  Sprachen  hat  er  mehre  gute 
Schriftsteller  gelesen  und  verstanden.  Er  machte  oft 
selbst  Verse,  meistens  aber  nur  bey  scherzhaften 
Gelegenheiten,  z. B.  sein  „Mandel,  wo  isVs  Bändel« 
ein  komisches  Terzett  mit  Ciavier -Begleitung.  So 
auch  unter  anderen  bey  dem  Tode  eines  geliebten 
Staares,  dem  er  in  seinem  gemietheten  Garten  ein 
ordentliches  Grabmal  errichtete  und  dieses  mit  einer 
Grabschrift  versehen  hatte. 


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6f>9 

In  Knittelversen  zu  sprechen  und  zu  schreiben, 
war  eine  von  den  Possirlichkeiten,  die  er  mit  ausser- 
ordentlicher Leichtigkeit  und  recht  gern  handhabte* 
Wie  ein  für  alle  Rhetorik  Ungebüdeter  in  der  Leb-, 
haftigkeit  des  Gesprächs  alle  Figuren  der  Redekunst, 
ohne  es  zu  wissen,  anwendet,  so  ging  es  ihm  mit 
den  Künsten  des  Versbaues,  von  denen  er  kein  Wort 
wusste.  (?  Durch  mechanische  Uebung  ist  man  leicht 
damit  bekannt,  durch  blosses  Hören  oder  Lesen.) 
Sein  Metrum  wechselte  immer  z.  B.  mit  dem  Aus- 
zudrückenden. Seine  Fertigkeit  darin  ging  so  weit, 
dass  er  ganze  Briefe  mit  einem  Echo  schrieb.  Man 
hat  einen  solchen,  der  drey  Xjuartseiten  lang  ist:  er 
ist  aber  eben  so  unartig  als  witzig.  Hier  als  Probe 
ein  Brief  an  seine  Schwester  aus  Wien  vom  löten 
August  1784: 

Ma  tris  chire  Soeuri 

Potz  Sapperment!  —  Jetzt  ist  es  Zeit,  dass  ich 
schreibe,  wenn  ich  will,  dass  Dich  mein  Brief  noch 
als  eine  Vestalin  antreffen  soll!  —  Ein  paar  Tage 
später,  und  —  weg  ist's!  —  Meine  Frau  und  ich 
wünschen  Dir  alles  Glück  und  Vergnügen  zu  Dei- 
ner Standes -Veränderung,  und  bedauern  nur  von 
Herzen,  dass  wir  nicht  so  glücklich  seyn  können, 
bey  Deiner  Vermählung  gegenwärtig  zu  seyn;  wir 
hoffen  aber  Dich  künftiges  Frühjahr  ganz  gewiss 
in  Salzburg  sowohl  als  in  St.  Gilgen  als  Frau  von 
Sonnenburg  sammt  Deinem  Herrn  Gemahl  zu  um- 
armen. Wir  bedauern  nun  nichts  ab  unsern  lieben 
Vater,  welcher  nun  so  ganz  allein  leben  soll!  — 
Freylich  bist  Du  nicht  weit  von  ihm  entfernt,  und 


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670 

er  kann  öfters  zu  Dir  spaziren  fahren  —  allein  jetzt 
ist  er  wieder  an  das  verfluchte  Kapellhaus  gebunden! 
—  Wenn  ich  aber  an  meines  Vaters  Stelle  wäre,  so 
würde  ich  vermöge  der  schon  so  langen  Dienstzeit 
bitten,  in  Ruhestand  gesetzt  zu  werden,  und  nach 

■ 

erhaltener  Pension  ging*  ich  zu  meiner  Tochter  und 
lebte  dort  ruhig.  —  "Wollte  der  Erzbischof  meine 
Bitte  nicht  eingehen,  so  begehrte  ich  meine  Entlas- 
sung und  ginge  zu  meinem  Sohne  nach  Wien  — 
und  das  ist's,  was  ich  hauptsächlich  Dich  bitte,  dass 
Du  Dir  Mühe  geben  möchtest,  ihn  dazu  zu  bereden; 
ich  habe  ihm  heute  das  Nämliche  geschrieben,  — 
Und*  nun  lebet  Beyde  so  gut  zusammen,  als  wie  — 
wie  Zwey.  —  D'rum  ni  mm  von  meinem  poetischen 
Hirnkasten  einen  kleinen  Rath  an;  denn  höre  nur : 

Du  wirst  im  Eh'stand»  viel  erfahren, 
Was  Dir  ein  halbes  Räthsel  war; 
Bald  wirst  Öü  aus  Erfahrung  wissen, 
.Wie  Era  einst  hat  handeln  müssen, 
Dass  sie  hernach  den  Kain  gebar. 

Wirst  Du  von  Herzen  gern  verrichten, 
Denn,  glaube  mir,   sie  sind  nicht  schwer. 
Doch  jede  Sache  hat  zwo  Seiten:  • 
Der  Eh'stand  bringt  zwar  viele  Freuden, 
Allein  auch  Kummer  bringet  er. 
D'rum,  wenn  Dein  Mann  Dir  finst're  Mienen, 
Die  Du  nicht  glaubest  zu  verdienen, 
In  seiner  Übeln  Laune  macht: 
So  denke,  das  ist  Männergrille, 
Und  sag':   Herr,  es  gesehen'  Dein  Wille 
.  >r   •   *•    —  •  _    _    ^    —    —    —  4  .  i 

Dein  aufrichtiger  Bruder 
.  : .  ,  W.  A.  Mozart.    ».  , 

Thiere  und  insbesondere  Vögel  liebte  er  sehr. 
In  den  übrigen  Fächern  hatte  Mozart  wenigstens-  so 

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- 


671  , 
— — — 

viel  historische  Kenntniss,  als  rar  einen  Mann  von 
Bildung  nöthig  war.  Er  zeichnete  auch  sehr  artig. 
Zu  hedauern  ist  es,  dass  er  nicht  über  seine  Kxmsi 
schrieb!  Aus*  seinen  Briefen  erhellt,  dass  Mozart, 
ohne  gerade  ein  Meister  im  Style  zu  seyn,  die  Feder 

doch  besser,  als  manche  Musiker,  zu  fuhren  wusste. 

• 

Warum  also  zweifeln,  dass  er  das  Talent  besessen 
habe,  sich  über  die  Theorie  seiner  Kunst  deutlich' 
und  bestimmt  auszudrücken  ?  Aus  einem  Briefe ,  wel- 
eben  er  an  Frau  von  Trattner,  eine  seiner  Schüle- 
rinnen,  über  den  Vortrag  der  für  sie  gesetzten  Cla- 
vier-Phantasie  geschrieben  hatte,  konnte  man  sehen, 
dass  er  nicht  nur  die  Praxis,  sondern  auch  die  Theo- 
rie seiner  Kunst  vollkommen  verstand.  Noch  mehr. 
•  •  •  .i 

—  Abbe  Stadler  besitzt  ein  sehr  schätzbares  "Werk, 
nämlich  einen  Unterricht  in  der  Composition,  wel- 
chen Mozart  seiner  Cousine  ertheilte,  und  den  er 
von  ihr  als  Andenken  erhielt.  So  oft  ich  diese  Blät- 
tor  durchgehe,  sagt  Abbe  Stadler,  erinnere  ich  mich 
an  den  grossen  Meister,  und  freue  mich,  daraus  zu 
ersehen,  wie  er  im  Unterrichte  zu  Werke  ging. 
Fundament  des  Generalbasses  von  W.  A.  Mozart; 
herausgegeben  und  mit  Anmerkungen  begleitet  von 
J.  G.  Siegmeier.  Berlin  1822.  —  und  bey  Steiner 
in  Wien,  unter  dem  Titel:  Kurzgefasste  General- 
bass-Schule  von  W.A.Mozart.' —  Man  untersuche, 
wie  er  den  Text  des  Titus  behandelt  und  abgekürzt 
hat;  man  lese  die  Briefe,  die  er  während  der  Com- 
position  des  Idomeneo  und  anderer  Opern  an  seinen 
Vater  schrieb;  und  man  wird  den  rasonnirenderi, 
denkenden  Kopf  erkennen.  Wie  viele  Logik  zeigt 
er  in  seiner  Musik!  "  ""        '  -  '  • 

■ 

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- 

672 

In  einem  Heft  einer  musikalichen  Zeitschrift  von 
Berlin  vor  mehren  Jahren  wurde  von  Mozart  behaup- 
tet, er  habe  eigentlich  keine  höhere  Bildung  gehabt« 
Gelehrte  Bildung  hatte  er  freylich  nicht.  Aber  es 
ist  schwer  zu  errathen,  was  der  Verfasser  mit  den 
Worten  „höhere  Bildung"  gemeint  habe«  Mozart 
hatte  die  ^Welt  gesehen«  er  kannte  die  Schriftsteller 
der  gebildetsten  Nationen,  zeigte  überall  einen  offe- 
nen freymüthigen  Geist:  was  fehlte  ihm  also  zur 
höhern  Cultur?  Muss  man  in  Göttingen,  Berlin 
oder  Jena  studirt  haben,  um  höhere  Bildung  zu  er- 
langen? Oder  besteht  die  höhere  Bildung  darin, 
dass  man  weiss,  was  deutsche  Schriftsteller  sagen? 
dass  man  von  allem  zu  schwatzen  versteht? 

Der  moralische  Charakter  Mozart's  war  bieder 
nnd  liebenswürdig.  Unbefangene  Herzensgute,  und 
eine  seltene  Empfindlichkeit  für  alle  Eindrücke  des 
Wohlwollens  und  der  Freundschaft  waren  seine  Grund- 
züge« Er  überliess  sich  diesen  liebenswürdigen  Re- 
gungen ganz,  und  wurde  daher  mehrmals  das  Opfer 
seines  gutmüthigen  Zutrauens.  Oft  beherbergte  und 
pflegte  er  seine  ärgsten  Feinde  und  Verderber  bey 

nebt 

Schon  der  Knabe  Mozart  hatte  sich  allen  Din— 

■ 

gen  und  Personen,  woran  sein  Geist  einiges  Interesse 
fand,  mit  der  ganzen  warmen  und  lebhaften  Innig- 
keit, deren  ein  so  zart  organisirter  Mensch  fähig  ist, 
ergeben«  Der  Mann  hatte  denselben  Haupt- Charak- 
terzug behalten,  welches  oft  zu  seinem  grössten  Nach- 
theile diente« 

Seine  Schwagerin  hat  Mozart  nie  betrunken 
gesehen,  was  man  auch  in  die  Welt  hinein  geschrie- 


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r»73 

■ 

ben  hat :  er  trank  indessen  bis  zur :  Lustigkeit«  Es 
freute  ihn  aber,  wenn  seine  Tischgäste  (leide1  rl&l- 
sehe  Freunde  und  Blutsauger  ohne?  sein  i  Wissen, 
werthk>se  Menschen;  die  ihm  -zu- Tisrlniarren  dien- 
ten) es  sich  bey  ihm  schmecken  .  Hessen^  Ihs  Um- 
gang schadete-  ihm  au  Credit  und  Huf.  hC[ 

Bey  einer  der  Sonntagsmusiken*  die  bey. -Mezaxt 

-gehalten  wurden*,  war  ein  polnischer  Graf  »zugegen, 
der  über  ein  neues  Quintett  mit  IHas- Instrumenten 

:twd*€lavier,  so; wie  alle  Zuhörer, Ifrxt  entzückt  ftar. 
Er  bezeugte  ihm  dieses  und  äusserte  seinen  AN  'misch, 
dass  Mozart  üör  ihn  ein Terzett ilirdie  FiötogeJe- 
gentlich  machen  mochte.  Er  versprach  es  gelegent- 
lich. So  bald  -der  Graf  «u  Hause*  war*  !  schickte  er 
Äioiart  100  halbe  Souverainsd'or)  {t&O  Kaiser;* Du- 
caten) ,  mit  einem  sehr  verbindlichen.  Bill  et  und  wie- 
derholten' Danksagungen  für  das  bey  ihm  genossene 

-  Vergnügen.  Mozart  war  »wiederum  erkenntlich  lmxl 
schickte  ihm  die  Original -Partitur  des  erwähnten 
Quintetts,  wie  er  sonst  nie  that,  und  erzählte  seinen 

"»Freiinddn  mit  Eifer  »dieses  schöne».  »Verfahren*?  Der 

:  Graf  verreis' te,  kam.  nach  ieinemi  Jahre  wieder  zu 
Mozart  und  iragte  nach  seinem  Terzett*  Mozart  ant- 
wortete, das*  es  noch  bichf  sieht  d*zn  aufgelegte  ge- 
fühlt hätte ,  ihm  etwaJ  seiner  (des  Grafen)  Würdiges 
•  »u  componiren.  Der  »Herr  Graf  erwieder te :  So  wer- 
ben Sie  sich  wohl  auch  nicht  aufgelegt  fühlen, .,  mir 
die  100  halbe  Souverainsd'or  wieder  zu  geben,  ..die 
ich  Ihnen  dafür,  voraus rbezahlte.  Man, erinnere  sicli 
obigen  Billets,  worin  das  Geld  für- nichts  anders  als 
einen  Tribut  seiner Bewunderung' /uxft^nes  Dankes 
für  genossenes  Vergnügen  passirte.   Maaart,  unwil- 

43 


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>Tigrf*b^ed*l^^  Der  iGmf 

behielt  die  Original -Partitur,  und  einige  Zeit  darauf 

^erachten  das  Quintett  als  Clavier-QuatteU,  mifcBe- 
Leitung  einer.  Violine,,  ! Viola  und!  Violonceü ,  ohne 
-Mozart -s  Zuthun,  bey  Artaria  in  Wien«  i.,  ,  >  [.  \ 

Diese  seihe;  Seh  wägerin  erzählte:  wenn  Er  Et- 
iwae'hatte,  so  hatten  Aach  die*  die  um  ihn  herum 

waren  und  welche  sein  gutes  unverbesserliches  Herz 
.  schandlkh  ««.hihtergehen  wusstem  Er  war  unglück- 

lich  in  der  .  \\a  hl  seiner  I  laus-  und  Tisch  freunde  : 

durch  ' sie  kam  er  um.  Vieles.   Die  Frau  litt*  in  der 
-Stille  und  unterdrückte  ihr  Missfallen. 
- : .    * iSr  hatte  , zwar ;  oft"  mit  : einem  schnellen  Blick e 

au  oh  versteckte  Charaktere  aus  dein  Innersten  aus- 

» 

gehört*  aber  iin  Ganzen  genommen  hatte  er  zu  viel 
Gutmüth igköii , : :  um  Mensch enken ntn iss  zü  erlangen. 
^Selbst  tue  Art  seiher  Erziehung^  die  unetäte  Lebens- 
art auf  Reisen,'  wo  er  nmrwfur  seine  Kunst  lebjte, 
machte  eine  wahre  Kenntniss  des  menschlichen  Hei - 
s*na  unmöglich.   Diesem  Mangel  muss  man  manche 
Unklugheit  seines  Lebens  Zuschreiben«  UebrigetJS 
hatte  Mozart  iur  die  Freuden  der  .Geselligkeit  und 
-Freundschaft  einen  offenen  Äinn.  r  Mozart!*  legend- 
-Hebe  Briefe  zeigen  [seine  liebende  Seele«   Hier  :  noch 
eine.  Probe  ihrer  Sprache.   In  seinem  Stammhiiclie 
unter  der  Inschrift  des  Doctor  Siegmund  Barisani 
findet  i  man  von  seiner  Hand  einen  Zusatz.  ■  Bey  des 
lautet  so:         »*!»••'..'  >"—if~u  *,  !f  .|J 

D«  rBHft»m»i  «kr,,  selbst  grps*  ron,  Q*i*V  /:  . . 

Den  grossen  Mann  zu  schätzen  weiss, 

JJahin  reisst  zur  Bewunderung; 
-:.  /,.,.     W*nn  t)eme  Kunst,  um  welch«  Dich  ...lirng 


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6^5 

,       ,  Der ,  we Ische  Comppnist  beneidet, 

luiu  >•!.  ^ttto^wW  it¥,iaw'im*Mist  Wfölgtr''       rf  ; 

i!  i  1"     Wenn  Deiue  launt,  an  der  Dir  ahr    •■  .I»«i 

.    i.     Ein  Bach,   ein  Joseph  Havdn  gleicht,  , 
Dir  langst  verdientes  Gluck  erwirbt, 
Verg^gr '^a* :Deinee  Freunder  nicht,"'       "  l!,v  ■»••»' 
j  sb  Der  sich  mit  Wonne  stets  un<l  $tej*  , 

•   i  .  StpM-  erinnern  wird  , ,  dass  .er  , 

*  ;  Als  Ar*t  W;twey  rMaS  tiV'gaaSint,        '    *  1 

.};  :  XJh&  •  IKeh  ;  der  *  W<eH  aur  Lu»t  - erhielt  |  •   -  L  ; . ;  *i  »j 

.   •  Da«a  Du  sein  Freund  bist,  so.  wie  er  _ 


am  14.  April  178?.  Physicuä  primaria*  *m  allaemeiuen 

•  :"    '  "  • »  '     l,  ,1<lÖalft©nliauiü* '  ^  '  '»i 

'  Heute  dm  iten  Sfcptember  dieses  ntmKcnen  Jahres  war  ibn'so 

•  unglücklich,  diesen,  edle»  M«nn^> Anbs^fnvfaeaten.Froniid  und 
■il'i,  •¥rF*t*er  WPWÄiLpV^ns  .gans,  unrermu^ert  ^ur.c^  denrTod  tu 

rerlieren.  —  Inm  ist  wohl  \  aber  mir,  — »•  uns  —  und  Allen, 
I:  '**  'die  ihn  genau  lyinnten  :  uns'  wird  es'  mihi  ah  weh!  wenden 
•fr,"         bis  wir  SO  glücklich  sind  , '  ihn  in  ein  er  .  bessern  Welt  — 

JuotärK  " 

-  j  <  i     '.»•.>.. .  »  tl.lt,  * .  .  v_:  »Ii  ,  2 .  1 '»t  i#  .Li .  1  .    l'§,  .  n;  iI/aO 

Unter  guten  Freunden  war  Mozart  vertraulich 
ä  ^jie^cin  Kind,  voll  n Hintere r  Laune;    diese  ergoss 
«ich  dann  meisteintheils  in.  die  iärolligstett  lEinfölle* 
Er  hatte  eine  reiche  Gabe  von  Witz  aus  3er  Hand 


*    1  I  1  * 


der  Natur  fmp&pgetL.  Dpi.,  er  diesen  Schate  offauf 
^  seltsame,  nicht  eben  ausgewählte  Weisq  an  den.  Tag 
legte,  konnte, nicht  anders  ^pniinen^  da  er,  ausser 
'«einer  K^nnife  äe.«ei;^^ehenden,  zuwe- 
nig verschiedenartige  Ideen ,  also  zu  wenig  Materie 
,be,aass,  an  der«'  f>tfnirun£  «ein"  Witz  «ichjatte 
auslassen  können.  •  Aber  wie  reich  floss  ihm  die 
fröhliche  Quelle  in  seiner  Kunst!  —  Wenn  er  z.B. 
auf  dent, Fortepiano  .p^taairte,  ^  leicht  war  e« 
ihm  jla,  ein  Thema  «o  .zu  bearheit^,  das« i  «  li|«r 

43* 


- 


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•    t  • 


und 


possierlich,  <lf>rt  gr* 


spitz,  oder  flel»en*lich'>ocJet  miserabel  auftretend  oder 
hervorlausch^nd^cfder  iich  hradtfrch1  arbeitiend  zeigte 
und  deuten  lies**.,  savdass  ei; ,  aait  ^ejyaen;  Zuhörern 
machen  konnte^  was**«r  wHtfe.  I)ns  -*  gerade  das 
hat  vielleicht,  vir  uid'Ä^m^iie1  efn  Clavierspie- 
ler  in  diesemJtfAasj(Mgehabt.;/EE;  parodirtq  mit  nicht 
übel  gemeinter  Persiflage  nicht; Helten  die  Kunst-  und 
GeschmackveräerBen'  ^Seine :  musikalische  Satyre  ging 

vjea6ch°wr  afäoMf  hinaus,  weniger  auf  gewisse 

italienische  Komponisten  und  ihre  Nachahmer  und 
die  ausübenden  Künstler  kam.  welche  damals-  hoch 
gepriesen  waren,  und  von  denen  freylich  sidh  Einige 
gar',übel  um  Um1. Verdient  geniäcmThatten.  Öa  rührte 
„  er  nnn  vor  seinem  Cla viere  ganz  , grosse  Operoqcenen 
—aMs'^i«int'i&tegrehce  •  in» «jener  Manier  auf,  und  -es  war 
unmöglich,  inrif  mit  «leich^uWgkeit  zuzuhören.  Er 
?  nahm  sich  nicht,  die  Müh^,  dergleichen  aufzuschrei- 
U  Den.'  ßoeh  Idsü  mau  eine  solche  grosscf^Bravoür-Arie 
' ^einer  Prima  Ijijonna.  *fis ist  ein '  künstlich  verwettes 

*  un^  auf  den  erstell  Anblick  sehr  ernstnaft  gemeintes 

*  Ganze  aus  Lieolingsideen  der  ÄlesYandri,  Gäzzaniga 

'•'i-'&ff  wii  sie •'^i&t^lM^■JmatÄt■•h«tt*,,« 

sich  gleichfalls  selbst  gemacht.  4  fir  bestand  aus  einer 

^\>\*  mia  :.)  »H-ucLiiyu,  w  «:« w  iiräiL  t»Jim»i  « 


1  'SÜmi  nV  von  den  noenitrabenden  öaer  wüthigen 

ifoir  xAArmMitä£in;:- ternttä  italienischen 

  ......  X.K  '«      I  »I  .    -I.        *     t„_  _  _* 


•31 


Qperpdichier  so  £eifh  *Älles  überschütten ,  uncl  diese 
Gilten  Glasperlen'4  Waren'  nun  'fdsierk'  p  öss&tfch 
";>sä'nimen  gerenkt.  «Ai  >Ji  fo^tf  tf 

ungefähr  die  erhalirae  Prinzessin" — 4  Öh  jJto!  questa 
pena!  o  prince  . .  o 


V.  lo  *re/no  ..  zo  miweo  .. 

t»  ■  *  « 

io  moro  .  .  ."o  dolce  motte.  ,  i  ".'  iDä  fallt,  wiö  eine 


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677 


t^ge  ^hn^lje^,  und  ,.^¥iedej?hakeu.u  I) och  r vielleicht  . 
^ifflnW^W^f^Hfi  verme^t;,«ugleich  den  de-  ' 

cUt'seji  einige  Belege  dqi>  Schelmerey  ^  des  possierlich» 

,ny  YW.t'<S»PV,cllo(  )^I)(?u  Jujn^eseni  ganajjvoll- 
epi^fen,  Qe^qpf«,,  ^»  musikahschen  Witz«  und 

♦«iHiraft^  fr?^.  6aS'  weil,  es  .hier  ' 

^«(ipeE  ^.if^hern  flj?lweis,un£  .Bedarf,  und  I^e^uiello 

fcWft  Wjigfir  ^o^dflt  mif?.ikaliSche  ' 

jKikU-i-.  des.  Don  AUvnso,  $ee,  sogenannten  Philosophen 

%MMJ^,:6¥t  «Jffi*?  j*,»?™?  j^^WWä  . 
W)«Wt^  a?,.a^4et  flwl^  fest  jda,  ..«ass  mau 

scJiun  uni.se^^iUeii.  beklagen  Iii ii »s^  dass  das  Stück,, 

WfflfflP»*r:  9»  9Wtpo«n  F J>i(ihter>  .,&F  ™\. 

JWfcW^W*?^  Ganye^u^njen  ^erfen,  und;' 
W^t^hr  aus  ,d<3;.^p*ik,  al^aus.  dem  italienisclien- 
Te:^*,,  etwas, Anderes  herstellen^  Das,  deutsche  Pu7r 
bluum  hat  ^ohl  überall  zu  ySel,  Schwere  pnd,  zu 
wenig  leitjhtfer^igen^  Mttth  fj^dje*^  Art  des  itopn- 
selien.;  und  unsere ,rneistent  Säiiffqr  und. Sängerinnen 
U*el  *u  S^auspieler und  voj  .Allem  >u 

wenig  fein,  possierlich  und  schelmisch  für  di^  G'at-. 
tmi**?.  itaüenüohen «Burleske, ,^e  sie 


i  « 


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678 

hier,  getrieben  \£ird;  So  scharf  gezefchiiet  jener*  Ate ' 
funso  nun  aüch  itfi:Äer'Mtöik  steht/ so  ist  man  döch" 
in  VeMefcenheit/  Wehn' man  mrtV«mgW^Jedei^to 
verstandlichen  Worten  sagen  'sba,  ynk  'er  ist.  •*-*EBf  •- 
BatÄV'feaei  V  prate,  -paföig^itörinchen,  "ftä  «V 
der  Mand  vie^inrige/i%fahrun^  gelernt  ^SÄJ'TÄ» 
manches  Grösse,  das  In  di  r  Welt  gesucht  %iriF,  zu 
lachen,  '  nnd  dafür '  inäncbe«  klein*;"  aas'  veracltef  : 
wird,' mit  einem  gewissen  Ernste'  zu'' behandeln'^  ffdr 
für  den'BeobaciiteT1  weit  #ehi£er  %rrist}  614  komlschl' 
ist.   Letzteres  ist  ^esbhcJers  Mtiz&tttmth gelmi^ 
gen.  Ernsthaft  kann  der  Alte  nun  einmal  nicht  seyn, 
und  selbst  wenn  er  mit  den  MJdcfcen  trauert,-  odfer* 
am  Ende  zum  To^e^e^hröcketl  s^yn  Will,  aö'itft 
und  bleibt's  Spaäss,   so  däss  sem  aufgeschrieen«?/ 
iMtfricör&a"  in  letzter1  Stelle* j fottüffifc  ni«hl  Weni* 
ger  drollig  ist,  afa^orii'sdn  ,^hiitö ^  ßnefn 

laudaf*  Einzelries  lasst  sich  rten  fcHnt' nicht  Tlel 
anfuhren,  weil  dks  Ganze  so ge^et 4st.  Auf  ^ 
nige.  einzelne  hiern et  gehörige  Züge  aus  den  anderen 
Partieqn  dieser  Oper  will  ich  aber  noch  hhidentett;- 
Zur  Änfuhruiig gleich  der  erÜterh  Zeilen der  Wfaf* 
tura  nage  ich  noch  eine'  besondere1  Veranrai^üngv 
Ein,  Kunstnchlerl  nicht  ohne'  Verdienst  und :Rn5f,  , 
schrieb .  einmal'  hin,  dieser  Anfang  gerade  sey  ein 
Beweis /wie  Mozarf  gar  keine  Auswahl  seiner  Ideen 
verständen  habe  :  denn  liier  stehe  einö  erhaben*  Aufc 
forderung,  unmittelbar  darauf  komme  ein  sehr  ge4* 
meines,  alltaglich  hingeblasenes  rÖatzchen,:  nnär  nun 
geh©  es/ wieder  unmittelbar,  im  lustigen  fr eyeh  AI* 
legro  fort  u.  s.  w.  "Wie  steht  es  denn  um  die  Sache? 
Also.  Der  Titel:  Coti  fah  tütie ,  ist  bekanntlich  era 

4 

« 

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679 

Sprichwort ,  auch  iü* 'der  Anwendung*  Äl..\velch6r  rfl»!j 
liier  gebraucht,  wird, r  j Zwey  Liebhaber  aind  tbi&  je-?; i 
nem  Phfloaophen  im  Jdbhajtett-Stmt«,  weüder  *wigc'> 
Lacher  ihnen  nicht,  zu  geben  will ,  •  dass  Niel  i  ts  in  der  > 
Welt  ihre  Mädchen  ihnen .  ün treu  machen  könnt«.  , 
Es  wird  ein  Plan  ersonnen,  die  guten  Kinder/ auf  ;t 
eine  harte  Probe  zu  stellen.    Der  Thui  >vü'd  auspe-  . 
fuliiit,  die  Prohrgelingt  —  aber  zumYortheuV*  dejiPhir, 
1  osophen.   Die  Liebhaber  wüthen , ; der  Alte  hält  ihr  3 
neu  eine  Kreuz-  und  . Trostpredigt,  bringt  sie  zur 
Raisont  macht  ihnen.wieder  gutes  Blut:  und  beschliessl; j 
in  seiner  alten  Laune:.  Kipetete  eon  mä,  eosi  /ah 
t utte.  Im  Durchbrechen  des  guten  Mutlies  fallen 
ein-:  ( W.  fan  tuttc.  Es  wird  Friede,  und  der  Dich- 
te setzt,  recht  gut;  den  Waidipruch  a«  die  Fronte, 
des  Ruckes.  Mozart  bleibt  nicht,  daliinten.  Br  lässt 
in   jener  Stelle«  den.  Spruch  choralinassig  absingen^ 
imdi  vorn  in  derOiseriura  kömmt  richtig  auch,  nach, 
einigen  imponirenden  Taeten,  welche  den«  Zuhörer, 
auffordern,  etwas  ,  höchst  Bedeutendes  zu  erwarten, 
die  Melodie  jener  Firma  des  Ganzen ,  so  gl  alt  hingen 
sagt,  als  ob  sie  vonxTihurme  geblasen  würde,  :jK>im/ 
man  das  Verkennen?  kWmte  manfs  liubewHer  macJi^t 
>Die, Scene  dWitiutäefflicheiii  era1ia:Finiu^idi48eri 
Operv  wo  die. Verzweifelten  Gifli;  geuowmen.  hÄhÄ 
wollen,  ist  toU ,  von rZrügen  der  Schelmefcey  und-desl 
possierlichsten: IWitzes^  ich.  müstte  aber  die  Noten:: 
abschreiben,  um  eaoanathaulich  »iL machen;..  VieUeicKi* 
gelingt .  mir  diess  aber  ohne  >enei :  'Abschreiben  mit 
einer  Scene  dea  zweyten  Finale.   Nachdem  Frieder 
gestiftet  und  Alles  in  integrum  restituirt  worden, 
necken  die  Herren,  wie  billig,  ihre  Mädchen  jnil, 


• 

• 

dem  Vorgefallenen.  5,Beson3crs '  füiirt  der 
neri  Geliebten  die«  Scene  ztr  Gemüthe,  wo  sie, 
dem  zweyt  en  'verstelltieB  •  Liebhaber  •  das  erste '  < 
schenk  angenommen , !  lind  wo  J>espihay  i 
die  Vergifteten »mawipulircnd  wieder  hergestellt  habe 
ufawl.M4kOrttmfrä&  aun- die. . Hauptideen  des  Ao- 
conipagnements,  welche  in  den  Seinen,  wo  jenes 
vorging;  weiter  ausgeführt  wurden,  herüber,,  wirft 
ste*'du^--ei^tt*rara«rbilAjt  <dariu^*fa«ui*m. 
fröhlichen  Satz,  welcher  so*  deni  Aufmerksamen  auch 
die  ganze  Musik  jeher  Seemen  im  entgegengesetzten 
Lichte  -  wi eder  vorüb et«  *  führt. ;  *  Wenn  •  man  i  darauf 
5ht  iheftt , io I Ist  däs-mobt  Mozarts  SchulA  . 
» »Mit  Vergnügen  y  «agt  Niemtschek,;  denken.' 
Freunde  in  i Vag  au  die  schönen  Stundeh,  die  sie  in 
seiner  XJeseUsckaft 4  verlebten;  sie  i  können  aein  gutes 
argloses  Herz  hie1  genbg  rühmen-;  man  vergaass  in 
seiner  Gesellschaft*  gatizy  dass  man  Momart,  den  be^ 
W«DÄe¥fen-Künafler  vor.  sifch  fcabefc.n  »in.,.-L.  .  •  i  r  ,  .« 

Wöch  ein  Beweis  seines  Witzes*  /Seine  Schwe- 
ster erzählt:  Als  ^ie  «'amilie^  |76Ö  wieder,  *u  Hauae 
war* 'Kind» •  Wblfgang  »sich  sch on '  damals  berühmt  ge- 


te  Jahr 


machte  obseHon^er -hoch  nicht  däs< 
reicht  hatte,  »bekamen  sie  viele  Besuche  der  grossen 
Herrschaften y  »worunter  i denn  auch  ein :  sehr  stolzer 
Herrlwar;  dttr'aBe*  nicht  w^witev  wie  er  deurilek 
nen  Mozart  titul  i  r  en :  soll  te.  Du  zu  i  Ii  m  zu  sagen, 
schien' ihm  nicht: 


immen,  Sie «ler Ihnertl 2 
UVid  so  glaubte  dieser  am  besten  zu  thun,  wenn  er 
Wir  zu  ihm  spräche.  Er  begann,  .also  :  Wir  waren 
also  auf  Reisen,  haben  Uns  viele  Ehre  gemacht 
u.  s.  f.    Sogleich  versetzte  der  kleine  Mozarts  Ich 


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JüAe\  Sü  -doch,nirgeriik  gesQhmAode^  gfitnpffm  saU  \ 

)    Nie  vewieth;  ier ,  eine»  i  gewissen,  iTwtf-jR««^, 
tismus  ode»  Caprice,  der  an,  maachett  Jiwgfiff^i^jp^l-,. 
lo's  so ■  widerlich  ist.  • 'JSf  epxraoh  selten  IlW|4f  Vtenig | 
von  seiner  Kaufst  und  .* immer ;  mU i  einea^jjif bj^nftwirrr  ^ 
digen  Bescheidenheit.    Unaufhörlich  ,#ity)fQ#igjpMJif.t 
CSomposiiJoA beschäftigt,  wr<to\*tinMpm  #nd,>«eist 
zu  voll  von  eigenen  Ifooductten ,  um  'ihm  in  seilen 
Unterredungen,»  «etfaubea&M  bey_  den  H#r^p jÄndev . 
rer  Meister»-  zu  velweilenvrj  ^icjitsr.'d^sxo  weniger: 
sprach,  .eptigerp  ,von  de».  yo^Sliohi.eitß^  ,*oJcber 
Compo*is*eh,  wie  Porporajund  JOnran^t  und, 
AI css antl ro  ■  S  Carla  tti ,  und i  seine  .Einsichten .  lehrten 
ihn'  gan*>,. dio^viüiexschweogUcli^|v .^al^te.; »aWel*,, 
soll  ätzen.  JBin  sagte,  oft  j.daas  eir  sich  durch  das»  Spie- 
len der  Bach'schen  Arbeit  .Ter  vollkönunnet,  #4V^ 
stm  Fingw-seUung  üir.  die-  einaig  ricMige ,  JiaUe.  / v 
Hochschätzung  des  watweÄ  YöI^ienfi^^^v\^xiVpb^!^ 
tung  für  flifePereanilehe^,^!^^^^,  &&unst- 
sachen.  .  Es  .  War  gewiss führend  * .  Wenn, ,  er ,  yqj^  c[en 
hfiyAßii\Bayda  V  loder  anderen  £r$ssen  Meistejrn  snr^ch^ 
inan^  glaubte  v  nicht .  den  allgewaltigen  iMozar  fi, , ;  sondern 
einen  ihrer  begeisterten  Schüler  zu  hören* *  Dass 
Mozart  nie,  ohne  diev  lebhaftere  Achtung  -von;  J.  Jlaydn 
sprach»;  hab^n  Wir ,  schon  S.  /;  13.  er^^h^t, uijicl  $en*eit- 
ken  nu^o^.  dass  er  v.d»Tch.  jenei?  dpxfr  erwälmjeft 
Einfall  sieb  qinen  unrers^hi^ctien  Fein^^ 

zeluch  zugezogen;        f;»\  w'wi  R>t.;*  «Salami;       .» j 
Mozart  war  sehr  human  gegen  Dilettanten,  die 
in  seiher  <^g$iwart  spielte^  und  furcjjjt^a^ 
Wackerer  M^t,  wie  ^t  Wd  freund^>be  icjt 


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1 


Dfoh  *vfä**ty*mAdkm  ^erainWmgfa  geÜthdeidt. 
Und  nicht  etwa  aus  Höflichkeit  oder  Galanterie ,  wo*»\ 
vwi  DS,-  da*'. Weiss  der  Igiflrmel,  bliltWttWg*  wusstest 
und  jKehts  mochtest ,  sondern  weil  er  infr  Deiner  gu—  \ 
ten  ehrlichen !  Seele  lag ,  '  und  -Du  von  aller  An m aas- 
sang und  Pedanterie  weit  entfernt  E*  hatte 
eine  liebendfe Seele»:  •••"rfliran;  J     .?  »i-.irlhdf^Ü 

: '>  VoW  Welcher '  richtigen  *  Seite  Mozart/'  Uos  vo»> 
seinen! i  GeiMs  geleitet,  die  Dinge  der  Musikwdt  an- 
sah, Sengt  fblgeftde  Anekdote.    Er  kam  auf  seinem 
Keiit>h  tfu       -dessen  jetzT  lebender  Sohn  in  seinem 
zwölften  Jahre  schon  sehr  Brav  Ciavier  spielte*  „Aber; 
Herr  Kapellmeister,  sagte  der  Knabe,  ich  möchte, 
auch  gerri  Etwas  componire».    Wie  fange  ich  das 
ata? H    Nicht*,  nichts,  müssen  warten,    „Sie  haben 
ja  noch  viel:  früher  componift.''  Abtornioht  gefragt.'  \ 
Wenn  man  den  Geist-  dazu  hat,  i:#b'< drüt  L  t\$  und 
quälfs Einen*  mkn  muss  et  machen,  und  man  tnachfs 
auch  und  ft*agt  nicht  darum,  '  '  •  • 

-»-'"DA:  Knabe  stand  beschämt  und  traurig,  da  Mo-5 
zkrt  däs  heräuspolterte,  und  sagte  endlfcfr:  |ch  meine 
ja  riur,  Üb  Sie  mir  kein  Buch  vorschlagen  können, 
wöräus^ioKV  recht  machen  lernte.  Nu*  tcJuum's, 
iratWortefe'  Mozart  freundlicher  und  st rei diel t e  dem 
Krisen  ^Wangen, -deu  ist  all*  nieder  Nichts. 
Tfiet,  ht&'  utö  hier  (er  zeigte  auf  Ohr,  Kopf  und: 
Herz)1' ist  Ifire  Schule.1  TsVs  da,  richtig,  dann  im 
GtitetWanlen  Feder  in  die  Hand,  und  steht** 
da  —  Mrnach  einen  verständigen  Mann  darüber  oe- 
fragtf  >1rrv'  t,  't  u  '     -  '«*•.'  ■  ": 

Einsendungen,  auch  Tadel  liess  Mozart  sieh  ge- 
fallen.   Nur  gegen  eine  einzige  Art  desselben  war 


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683 


er  seW'eiin^firiäHai,"  und  twBf  gegen dSey  weieh«1 
inin  gewae!1^!mr8tea  r;gemac1it-  wurde'  -«ftideH 
Wegen  allzöfeurigen  Geistes;  '-wegen  allznaussch wei- 
fen der  Hianüftiie."  ;I>ieie' Ei 


1 J 

Ii  1 

IPJ 

•  Ml* 

A 

taugte  gerade 'däs  EigentlräMr^te  ^d' Ausgezeich- 
netste seiner  Werke  niclrtäi,  und  sie  verloren  in  s«- 
rWh  Aagen'afled '' Werth/'"4 *>  *  ff  .ab.ii.v.  I 
f,i"  Seine  "  unglaubliche-  DingÄuflk  und  •Naeh»icnt 
rtit  kfeb^  welcnem  er  ieinn^ii  gvk  war,  er**Ht  aus 
Folgendita  i  Als  er  nach  Frahifu«ri7W  mseh  "#»lÄe^ 

und  Geld  dazu  brauchte,  wa.s  ihm  nur  zu  ungeheueren 
Zinsen  angeboten  ward,  schlug  seine  Frau  ilünf;'»brt; 
ihre  silberne  Toilette  und  Pretiosen  «ä  Vettetiett.» 
Es  geschah;  er  reis'te.  Als  er  zurück  karti  rind  nicht 
Viel  gewonnen blatte,  Whitft  Stadler  den ' AnfbitgV 
eiÄen  Theili  ä'fi;  Blesteek  ette.  einzülSse«,'  und 'das 
Andere  umschreiben  zu  lassen*.  Der  Vefsetzzeltel 
iur  den  ixest  wai  u  inrn  wanrscnemiicn  von  ciiesem 
HaüsfreunuV  entwendet" aus  »einer  stets  onehefc  *  ChM 
foulte.  MlteteÄ  Bekam  «W^B^ 
XJm  diese  m'eldete'  ^icTi**sögleieH*  der  lauernde  'Städler 
urid  sagte,  er^vvare  gänzlich  Verloren,  wenn  er  sie 
niclit  BekSmeV  -ifo^htmtto'täbst  das  «öl*  J  «ein 
gutes  Heri  vermöchte  ^ihi ,  ihm j  zwey  schwere  Repe- 
tft  - tJh&tf*  2?um?^ersat2: {tiä-  geben:  Dh  gtfc  und 
bring*  mir  dkn  Zettel  und  löse' sie  zu  rechter  Zeit. 


Da  diess  nicht'  geschah  und  "Mozart  deine  TJhreii 

m^Z-^U*  •^*JKA»ijji-  ;;f-  II«  ,      -iü » J*JU         •i.L,.:  >-44  a-uJ  „,rfi  n* 

nicnt  verlieren  wonte,.  so  gao  er  lnm  zu  acr  wior* 
derlichen  Zeit  die  50  Dücaten  und  Zins^.' ' '  Öieser 
Wdr  so  liiedertrSchtig,  sie  zu  behalten«  Mozart  zankte 
ihn  zwar  aus,  aber  blieb  sein- Freund,-  Wohlthäter 


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■ 


<M9fr$  x  r#»niP0*tioa.-,»Wjv  «fr  Wflpld 

nach  Puaov  und  machte  da&s  er  da  iLcbraucJit  wurde. 

TJTjibv  rz"  '  ^,rf'  -Tf,7f  ttt,*ä»   { p^rnTi  jt!it^t>^^^ 

lerwürde.  Wie  wäre  es  auch.TOÖ^^Wewp,,  ni^ts 
zur^wi^ea,  tjwi?  Ä7i<Vtf-  -  er  T  ser  m  ^  Al^ , ,  F  nie 

lea  uleitJiiiültiflr    was  bloss  aus  Neugierde  ihn  auzu— 

•  toi<^,wwe&  ,gf;iW^.dftber  bisw^pi der. 
9egfiii«fart ,gKgs?er,H^erv;iwm;jhvc^t^a  R*u}gfi.,aun* 
Spieffiu/nifillt,  b^w*g1»r!oder.«r^^::»^a  ak, 
Tändeleven.  wenn  er  merkte^  dassisie  keine  Kenner 
pc^ii^^e^kl^be^^aj^n^,.  ^ejr^psarj,  ^r*»**?* 
ffcCilüflfste  Mann  Ton  dur  Welt'-  "wenn  er  -aali«,  dass 

S>    r*  n'O" Tri i T   ~  -  r     "^TT*  ~ttl  /r  JTlrTT    J      *xxn*  (3 

lte*ii^gi.£fnfc  Mgew£fl0ent,)tf)4  «unb^annte^  Ifenr, 
S^W???"} c*^9Ct im o^^J £  •  j^tt^inij^x^^rn  d    ,  ^Axflil-^ajjnk  1. 1 1  ,  Ii  o 1 1  * 
er  die  Ypwucne  j  ull£cr  Künsl  J er  an  rt nd  w  eckte  d  1 1 refy 
eine  liebevolle  Bevlalls-Aeasserujni  das  schlummernde 

.-ur»r\  r*vrn~   i  .. jr i  _t  \,  rnuiTW  TTTB  .TVT"  «TT :m  .•  r"  ■ 

S^^b^u^yn.,  - .  Unser  f  fe^te^  rt^jpoto  (  muj 

fcejjjebjs^ ^«Esetzer^  Jo^^^i^^s^^iejn^ 

Pie'wenjgp^  Stufen,  bey  Mfflc*r 

schätzt  er  nach  eigenem  Gestäudiiiüse  für 

;*u  *^e/rj^&%nSib  j 
Menschenfreundlich  und  untH^ennützui  war  I 

part  Wawern  liobqu.  G^adfij   darum  sammelte 


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"Kirf 'WywKJP;  Gan* 'farf Aend, 
icliäk'ite'iii'' ^h  'WärtH  dei;  G'eföesr  haW'ikr  in%Hg«!n 
"Öinge;  'iüVeMgf  J)al,<^felfcfy<er  Iritis  4Xu3&, 

aus  Gefälligkeit  oder  Wohlrhäliukrit.    .TeoVr  reisende 

"^fiHÜoSf  W'gWwi*,1  THreiirf ^^^fe^ifififteH^alent 
f  odei*  ^nSo\,aiis;<^ein  'CHaraktejr"z&J%ia^ 
eine  Com^o^tf'Sar  'iffli11tfx  eMltehV^ ^fc'Mi^ 
-Ü^W^  ÖpetM  'tm^mitä  Arien  tod  ^Öe¥fc 
"aus  Weiitttfscftäft  "getoac&teil*  Sccnm 
•SetW'^^ytkÖilFw'^to  ewehieiierf.  'Ent- 
standen die  Concerte  für  die  übrigen*  liistruineute', 
~a'o;eine::Me»g^ 


^ai.derrf  tfe^aftwätiscWhi^Hö^  tirfd  die  EMtÜktU 
zu  dem  Schatfs^eleT  Köllig'  Wamos !in  E^ypteiP/^b- 
~  von  das:<JedHM^o*ä<Äi  »sief^kchlschek  töcekim*- 
'  1er  Baron  Gebier'  iit,  'WelöBeirC3iorrA:,derf  !e4haWnkten 
'Werieti  Händel  und"  Öfafcä?  Äi'' die  ^eite'  -gfeHefit 
werden  kßnnen  tind':u  nÜßerfi4'ffene;  MeSstebtückV  in 
diesem 'GfcrirVinVid.  '  Iii  Prag  Verden'  s'fe''äls  Grada- 
;  aiien  oder 'Offerten  lief  feVernchem  Gott&flienHe 
'  "seit1  den !  erJrftifo1'1790ger' Ähren*  Ununterbrochen"  £e- 
•^Un'cn't'  und /mit"  defti  groVst^'BeyfaÜe  ^lge*aTi&.  ' 
'  «Sie  sollen1  iü  Wien  für  einen  TKeälet-Üiiternelimer 


•  JIM 

Ulli 

Deik"  sie 

'"nicht  Viel '  Ute*  •  als  'if$v&jW£r  m  i t  we  1  rh em  Jah»e 
1  nanÜich"'äie  klassische"  Scho^aiigs-SririöaeuMbjin4's 
"a'nfari^t.  '  Atfh  in'Wieh-^ei^eä  idfe'bey  grcMi"«*- 
legetiheften'  eieeiitirt.  :  it86;  gah '  Momart! "InV'irf  ''Prag 

de,,,  l>edrängt«n'Th(-aler-L:nll-rnel„„erldeä<-afentSchen 

*  ScIifcospieTs,  IfaUa,  gratis;  und  sie*  Vfirichaffien  ihin 
;e'in%e <gute  Einnähnien.    •lM"  K;'.  , 


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Selbst  die  Bezahlung«  die  Mozart  für  seine  Ar- 
beitea  hekani,  war  meßten*  nur  hpcbst,  mittelmSsfiig. 
Der  Theater-  Unternehmer  Guar dasoni  zahlte  ihm 

für  Don  Juan  nur  100  Ducaten»   

.  yjVeratellung  und  Sclnneicheley  waren  seinen;  arg- 
losen Hewen  g^ch  ,£ren^:ini^  jeder  Zwang,  den 

W seinem  Geiste  anthun  musste«  unausstehlich«  Frev- 
müthig  nnd  öffen  in  seinen  Äusserungen  und  Ant- 
wur Leu « /beleidigte  er  nicht  selten  die  Empfindlich- 
st, der  Eigenliebe  und  aog  sich  dadurch  mancher- 
ley  Feinde*  *n-  .s<j  M>..  ,{.% 

:<fiW°  hohe  Knast  »ad  der  Hebenswürdige  Cha- 
vrakter  verschafften  ihm:  Freunde,  die  ihn  von  ganzer 
Seele  liebten  und  fär  sein  WoJW  eifrig  besorgt  wa- 
ren«   Es  würde  das  Zartgefühl  dieser  edlen  Men- 
sehen  beleidigen,  wenn  sie  hier  namentlich  angeführt 
würden*:  wie  wäre  es  auch  möglich,  alle  zu  kennen 
tnnd  zu  nennen!  jaden*  also  diese  Betrachtung  ver- 
bietet« von  der  grossmüthjgen  Freun^dscliaftv  eines  Ba- 
,ron  van  Swieten  und  des  Kauf manns,yon  Puchberg 
..in  Wien,  der  ihm  immPV  Geld  lieh,  und  bejr  «ejnem 
Tode  gegen  1000  fl.  zu,  Gut,e  hatte,  die  pr  erstj.  mehre 
..Jahre, später  von  der  Wittwe  verlangte;  und  erhiejt, 
..TO  ;  reden. :   so  sey  es ,  wenigstens  erlaub* ,  ,  hier  der« 
ausgezeichneten  Wohlthätigkeit  eines  Wiener  Bür- 
gers gegen  Mpzar^ zu  erwähnen.  Dieser  brave  Mann, 
.  Rind  tun,  ein  Flecksieder  vom  Gewerbe,  ulme  Mozart 

„persönlich  zu  kennen  * !  hlos  yon  Bewunderung  für 
seine  seiner  Juranken 

,  Gemahlin,  die,  nach  ärztlicher  Verordnung«  wegen 
einer  Lähmunn  am  Fusse.  Bäder  von - -gekochtem  Ma— 
gengekröse  brauchen  musste,  u^e  (Jelegei^eit,  in  sei- 


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nein  eieeneu  Hause  geraume  Zeit  hindurch  die  Kur 
mit  vieler  Bequemlichkeit  brauchen  KU  könnet  ,Er 

lieferte. ihr  nicht  wir  die  Stecke  *n^ntgcilüich ,  und 
-  iersparte  dadurch  Mozart  -eme i  Auslage  ,  yo n  m  elu*cn 
idhuridertnGulden,  sondern  >erUuigte  attefr  füfcyLogis 
.  «nid  .Kost  gajp.n Nichts.  > .  Aehnliohti '-.Bq^eki/mes 
solchen :  Enthusiasmus  für  die  hohe  Kunst  Mozart 's 
-sind  seh»: liin)*^.         /  . ;  m  >  «  ?>  r 
v •:! Als ^seitte  Frau  sehr  krank,  war,  eiripfing  er  je- 
den-Besrolienden  mit  dem  Finger  auf  dem  Munde 
u»d;  dem  leisen  Ausrufes  bstS    Dieses  war  ihm  nun 
,  •»  so  sehr  zur  Natur  geworden*  dass  er  in  der  ersten 

ihrer  Besserung,  auf  der.  Strasse  seinen 
Bekannten  mit  dem  Finger  auf  dem  Mundo  sein  bst! 
zuzuflüstern  und  sich  dabey  auf  die  Zehe  zu  heben, 
fortfuhr.       v»  **j>  -u  r '  r::  -'-'::r:iul  •'.  «».(I    rt»!/  , 
Er  ritt.  Mprgene  um  fu^iflff,  wenn  seine  Frau 


,»  •.. . 


Äranjk  »ucr' Schwach  war,  allein  spazieren, 
ohne  ein  Papier  in  Form  eines  Rece|>£s;  <vor:  dem 
Bette  seiner  Frau  zu  lassen.  Dieses  enthielt  folgende 
liebevolle  Vörschriftens  Guten  Morgen,  liebes  Weib- 
chen f  Ich  dass  Du  gut .  geschlafen  habest, 
dass  Dich  Nichts  gestört  habe,  dass  Du  nicht  zu  jäh 
aufstehst,  dass  Du  Bich  nicht  erkältest,  nicht  bückst, 


zürnst,  im  nächsten  Zimmer  nicht  über  die.  Schwelle 
frfallst.   Spare  häuslichen  Verdruss ,  bis  ich  zurück- 
"komme.  Dass  nur  Dir  Nichts  geschieht!  Ich* komme 
.  -um  —  Uhr  eta  ■   :  i.*     H •» 

~>     Die  Schwester  ' seiner  Frau  erzählt  Folgendes : 

"Wie  war  der  Schwager  besorgt,  wenn  seinem  Weibe 
'•.Etyma  fehlte!   So  war  es  einmal,  als  sie  sehn  krank 


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lag  und  *leh  volle  acht  Monate  ste  wartete.  Ich  saass 
an  ihrem  Bette;   Mozart  auch.     Er  componirte  an 
1  ihrer  Seite.   Ich  beobachtete  ihren  nach !  ;so  langer 
Zeit  sich  eingestellten  süssen  Schlummer.   Stille  hiel- 
ten s Wir  Alles,  wie  in  einem  Graba,' um/aie: nicht'  iu 
stören.   Plötzlieh  trat  ein  roher  Di enstbote  ein.  Mo- 
«aitt  iisciimk -ans  Furcht,  seine  Frau  .möchte  gestört 
seyn,  wollte,  still  zu  seyn,  winken,  rückte  den  Ses- 
sel rückwärts  hinter  (steh  weg  und  hatte  gerade  das 
Federmesser  offen  in  der  Ilaud.   Dieses  spiesste  sich 
zwiachem  den  Sessel  und  seinen  Schenkel, -so  dasa.es 
'  ihnrbir»an  das  Heft  in  das  Bein  einstach*:  Er,  der 
!  sonst  wehleidig  war,,  macht«  keine  Bewegung  und 
Terbiss  seinen/ Schmerz,  winkte  mir ,  ihm  Jhinaus  zu 
folgen,  und  ich  fand,  dass  die  Wunde  wirklich  sehr 
tief  war.    Durch  Johannisöl  wurde  er  geheilt.  \  Ob- 
;  schon; :ei%  f ür  S chmerz  etwas^  krumm  ging ,  i  so  m ach t e 
ner  idöch,  .dass  es  verborgen  büeb  und  deine  Irau 
f! Nichts /erfuhr*  . .  «*'  ui-3  nnf**!  ui  *fti»;,<.<i  •  • 

^ij;.MbeivjMqzarfr  hätte  «neb  Feinde,-  zahlreiche  und 
unversöHnüche  Feinde.   Wie  hatten  ihm  auch  diese 
.  mangeln  können,  da  er  ein  so  grosser  Kbtnithr  und 
leim: vdfyerader  Mann  war:?    Und  I diese  >waren  die 
r.unlautere  QueUe,  aus  welcher  60  viele  häusliche  Er— 
-  Zählungen '  von  seinem  .Leichtsinne  und  seinen  Aus- 
schweifungen etc.  Geflossen  sind.    Besaass  Mozart  als 
Mensch  vielleicht -manche  Schwachheiten,  so  mögen 
ihn  diejenigen  herabsetzen,   die  a»  isick  selbst  keine 
entdecken!    Ausgemacht  ist,  dass  ex  i  nie  deiner  Bos- 
:  heit  fähig  war,,  und  dass  ;er  sich  bey  - allen  Gelegen- 
uheiWm  grösser  als;  seine  Feinde  «igte*  Lebenslustig 
und  vergnügungssüchtig  ist  ^eri schon  in  aeiner  Jugtmd 


• 


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GH9 

gewesen.  Man  sieht  au*  Briefen  des  Vaters,*  dass 
er,  um  ihn  nach  Salzburg  zu  ziehen,  oft  und  emsig 
ihm  viele  Unterhaltungen  versprach.  Der  Vater 
hatte  ihm  also  wohl  stets  in  dieser  Neigung  nachge- 
geben, und  ihn  nicht  so  sklavisch  behandelt,  wie  er 
«s  in  den  Briefen  ziemlich  thut.  Und  so  blieb  er  in 
seinen  Mannesjahren  eigentlich  sehr,  lustigen  Humors. 
Plötzlich  konnte  er  aber  auch  sehr  ernsthaft  werden. 
Dann  hörte, und.  sah  er  Nichts,  ging  auf  und  ab  mit 
ewiger  Bewegung  der  Finger  an  einem  Theile  des 
Körpers,  an  seinen  Manschetten  u.  s.  w.  Dann  setzte 
er  sich  wohl  hin  um  niederzuschreiben,  und  während  f 
diesem  liess  er  sich  von  seiner  Frau  Mährchen  er- 
zahlen.  Diese  störten  ihn  nicht,  sondern  machten 
ihn  oft  Thranen  lachen,  und  je  dümmer  sie  waren, 
desto  mehr  erfreuten  sie  ihn. 

Mozart  war  Mensch,  folglich  Fehlern  unterwor- 
fen, wie  alle  Menschen.  Die  nämlichen  Eigenschaf- 
ten und  Kräfte,  die  das  "Wesen  seiner  grossen  Ta- 
lente ausmachten,  waren  zugleich  Reiz  uhä  Ählass 
zu  manchen  Fehltritten,  und  brachten  Neigungen  her- 
vor, die  freylich  bey  Alltagsmönschen  riidhi  ange- 
troffen werden.  Seine  Erziehung  und  Lebensart  bis 
zu  dem  Zeitpuncte,  wo  er  sich  in  Wien  niederliess, 
war  auch  nicht  geeignet,  ihm  Menschenkenntniss  und 
Weiterfahrung  zu  verschaffen»  jfrenke  man  sich  ei- 
nen so  zart  organisirten  Jüngling  —  einen  Tonkünst- 
ler von  seiner  Empfindung  in  Wien  und  sich  selbst 
überlassen:  braucht  es  mehr,  um  zur  Nachsicht 
gegen  seine  Fehler  gestimmt  zu  werden?  Maa-muss 
aber  gegen  diese  Erzählungen  überhaupt  misstrauisch 
seyn,  da  gewiss  der  grösste  Theil  reine  Unwahrheiten 

44 

I 

■ 

- 

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und  nichts  als  Schmähungen  des  scheelsüchtigen  Nei- 
des  sind.  Wir  haben  diess  in  Rücksicht  seiner  hin- 
terlassenen  Schulden  schon  bemerkt.  Niemand  wird 
es  unbegreiflich  finden ,  warum  die  Welt  diesen  Aus- 
streuungen so  leicht  Glauben  beymisst,  Wenn  er  sich 
erinnert,  dass  man  gewöhnlich  mit  einem  Tonkünst- 
ler den  Begriff  eines  Verschwenders  oder  Wollüst- 
lings verbindet.  Aber  zahlreiche  Beispiele  achtungs- 
würdiger Künstler  haben  bewiesen,  wie  sehr  dieses 
Vorurtheil  einzuschränken  sey. 


» .■» 


In  seiner  Ehe  mit  Constanze  Weber  lebte  Mo- 
zart vergnügt.  Er  fand  an  ihr  ein  gutes,  liebevolles 
Weib,  die  sich  an  seine  Gemüthsart  vortrefflich  an- 
zuschmiegen wusste,  und  dadurch  sein  ganzes  Zu- 
trauen  und  eine  Gewalt  über  ihn  gewann,  welche 
sie  nur  dazu  anwendete,  um  ihn  oft  von  Ueberei- 
lungen  abzuhalten.  Er  liebte  sie  wahrhaft,  vertraute 
ihr  Alles,  selbst  seine  kleinen  Sünden  au  —  und  sie 
vergalt  es  ihm  mit  Zärtlichkeit  und  treuer  Sorgfalt. 
Sie  sagt  noch  immer:  Man  musste  ihm  vergeben, 
man  musste  ihm  gut  seyn,  denn  er  war  zu  gut. 
Wien  war  Zeuge  dieser  Behandlung,  und  die  Witt- 
we  denkt  nie  ohne  Rührung  an  die  Tage,  die  sie 
mit  ihm  in  der  Ehe  verlebte.  Die  achtungswürdige 
Frau  betrug  sich  in  ihrem  Wittwenstande  sehr  klug, 
und  sorgte  für  ihre  zwey  Söhne  mütterlich.  Sie 
lebte  in  Wien  von  ihrer  Pension  und  dem  kleinen 
Erwerbe  aus  dem  Nachlasse  ihres  Mannes. 

,  Mozart's  liebste  Unterhaltung  war  Musik;  wenn 
ihm  daher  seine  Gemahlin  eine  recht  angenehme 
Ueberraschung  an  einem  Familienfeste  machen  wollte, 


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•  ■ 

« 

691 

so  veranstaltete  sie  im  Geheim  die  Aufführung  einer 
neuen  Kirchen  -  Compositum  von  Michael  oder  Jo- 
seph Haydn.  ' 

Seihst  Personen,  die  Mozart  gekannt  hahen  woll- 
ten, haben  behauptet,  dass  ihn  Nichts  in  der  Welt 
interessirt  habe  als  Musik.  Ob  diese  Beschuldigung 
für  den  Künstler  sehr  demüthigend  ist,  weiss  ich 
nicht,  wohl  aber  weiss  ich,  dass  sie  nicht  wahr  ist, 
Sie  scheint  auf  oberflächlicher  Beobachtung  seines 
Sinnes  und  folglich  auf  einem  Missverstande  zu  be- 
ruhen, welcher  seinen  Grund  darin' hat,  dass  sich 
ihm  z.  B.  Schönheiten  der  Natur  und  anderer  Künste 
als  der  seinigen  etc.  gleichsam  nur  in  der  Form  sei- 
ner Kumt  darstellten  und  nur  auf  diese  Art  ihn  an- 
zogen. Freylich  war  er  mit  der  Befriedigung  seiner 
körperlichen  Bedürfhisse  gar  bald  und  ohne  Umstände 
fertig;  er  übersah  sich  in  deren  Befriedigung  oder 
vielmehr  Abfertigung  mehr,  als  ihm  selbst  gut  war. 
Aber  welchen  schönen  uneigennützigen  Sinn  hatte 
er  für  Freundschaft,  für  allgemeines  Wohlwollen! 
Wie  viel  arbeitete  er  nicht  aus  blosser  Gefälligkeit, 
bloss  für  Bekannte!  Wie  viel  mehr  für  seine 
Freunde !  Wie  oft  verwendete  er  sich  mit  Auf- 
opferung für  arme  reisende  Virtuosen!  Wie  oft 
schrieb  er  für  sie  Concerte,  von  denen  er  nicht  ein- 
mal eine  Abschrift  behielt,  damit  sie  unter  gutem 
Vorurtheil  auftreten,  und  Unterstützung  finden  könn- 
ten! Wie  oft  theilte  er  mit  ihnen  Wohnung  und 
Tisch !  Kaum  Minuten  lang  ward  er  über  Undank- 
barkeit unwillig.  Als  er  die  erwähnte  Betrügerey  des 
Theater- Directors  erfuhr,  war  Alles,  was  er  sagtet 
Der  Lump!  Und  damit  war  es  vergessen. 

44* 

i 

4 

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692 

i  ■ 

Was  ich  früher  von  seiner  eigenen,  dem  wah- 
ren Künstler  natürlichen  Art  des  Genusses  ,  der 
schonen  Natur  dunkel  sagte,  will  ich  durch  einen 
kleinen  Zug  seines  Wesens  deutlicher  machen. 

Wenn  er  etwa  mit  seiner  Frau  durch  schöne 
Gegenden  reis'te,  sah  er  aufmerksam  und  stumm 
in  die  ihn  umgebende  Welt  hinaus;  sein  gewöhn- 
lich mehr  in  sich  gezogenes  und  d üs leres ,  als  mun- 
teres und  freves  Gesicht  heiterte  sich  nach  und  nach 
auf,  und  endlich  fing  er  an  —  zu  singen,  oder  viel- 
mehr zu  brummen;  bis  er  endlich  ausbrach: 

„Wenn  ich  das  Thema  auf  dem  Papiere  hätte» "  — 

Und  wenn  sie  ihm  etwa  sagte,  dass  das  wohl 
zu  machen  sey,  so  fuhr  er  fort:  . 

„Ja,  mit  der  Ausfuhrung  —  versteht  sich!  Es 
ist  ein  albern  Ding,  dass  wir  unsere  Arbeiten  auf 
der  Stube  aushecken  müssen!"  — 

Ich  denke,  auch  dieser  kleine  Zug  ist  für  den, 
der  Kunstsinn  kennt,  nicht  ganz  unbedeutend. 

Das  Billardspiel  liebte  er  leidenschaftlich  und 
hatte  sogar  ein  eigenes  zu  Hause,  bey  dem  er  sich 
täglich  mit  seiner  Frau  unterhielt.  Ausser  dem 
Billardspiel  liebte  er  noch  leidenschaftlich  das  Tan- 
zen, und  versäumte  weder  die  öffentlichen  Masken- 
bälle im  Theater,  noch  die  Hausbälle  bey  Freun- 
den. Er  tanzte  aber  auch  sehr  schön,  besonders 
Menuett.  Im  Tanzen  war  Vestris  sein  Lehrer  ge- 
wesen. Ueberhaupt  sah  er  sehr  auf  seinen  Körper, 
der  auch  sehr  proportionirt  war,  hielt  viel  auf 
schöne  Kleider,  Spitzen  und  Uhrketten.  Er  war 
einmal  recht  böse,  als  er  hörte,  dass  der  preussische 
Gesandte  Jemanden   ein   Empfehlungsschreiben  an 


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i 

693 

ihn  gegeben,  und  dabey  gesagt  hatte,  man  möge  sich 
au  Mozart's  unbedeutendes  Aeussere  nicht  stossen. 

•  *  * 

Er  tanzte  und  compouirte  selbst  Pantomimen 
und  BaUete.  In  den  Redouten  hatte  er  oft  Charak- 
ter ~Maskeq;  so  machte  er  unvergleichlich  den  Har- 
lekin und  den  Pierrot. 

•  .  • 

Die  Schönheit  der  Natur  im  Sommer  war  für 
sein  tief  fühlendes  Herz  ein  entzückender  Genuss; 
er  verschaffte  sich  ihn,  wenn  er  konnte,  ,und  mie- 
thete  daher  fast  alle  Jahre  ein  Gärt  che»  in  der  Vor- 
Stadt,  wo  er  den  Sommer  über  zuzubringen  pflegte. 

Erstaunend  ist  die  Arbeitsamkeit  seiner  letzten 

i 

Lebensjahre.  Und  man  kann  sich  der  Frage  um 
so  weniger  enthalten ,  ob  er  bey  längerer  Dauer 
seines  Lebens  nicht  noch  genialere  Werke  geschaffen 
haben  würde  ?  "Wer  ist  im  Stande  zum  Tröste  der 
musikalischen  Welt  diese  Frage  zu  verneinen,  oder 
unsern  Schmerz  um  Mozart's  frühen  Tod  immer 
dauernd  zu  machen,  und  jene  Frage  zu  bejahen! 
Aus  dem  vollst!  indigen  Verzeichnisse  seiner  Com- 
positionen  seit  dem  Jahre  1784  bis  zu  seinem  Tode, 
in  welches  er  mit  eigener  Hand  das  Thema  eines 
jeden  Stuckes  und  den  Tag  der  Vollendung  eintrug; 
sieht  man,  wie  viel  er  oft  in  einem  Monate  gear- 
*  Beitet  hatte.  Dieses  Verzeichniss  ist  bey  A.  Andre 
in  Offenbach  a.  M.  im  Verlage.  Bey  der  Heraus- 
gabe desselben  Versprach  Andre,  von  den  gegen  250 
in  seinem  Besitze  sich  befindenden  Äfozart'schen  Oii- 
ginal  -  Manuscripten  aus  früherer  Zeit  als  1784  ein 
chronologisch  geordnetes  thematisches  Verzeichniss, 
mit  den  nöthigen  Bemerkungen  versehen,  heraus- 


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zugeben.  Bey  Veranstaltung  der  Herausgabe  dieser 
Biographie  erklärte  sich  Herr  Andre  wegen  dieses 
nachträglichen  Verzeichnisses  in  Briefen  dahin ,  dass 
er  nicht  allein  dieses  baldigst  im  Druck  erscheinen 
lassen  werde,  sondern  dass  er  auch  zugleich  damit 
die  öffentliche  Bekanntmachung  dieser  Manuscripte 
auf  dem  Wege  der  Subscriptioh  bezwecke,  nur  habe 
er  mit  sich  noch  nicht  einig  werden  können,  wie 
diese  Subscription  zu  eröffnen  sey,  damit  sie  nur 
einigermaassen  Erfolg  habe.  •  ! 

Möchte  doch  dieses  schöne  und  uneigennützige 
Unternehmen  des  Hrn.  A.  Andre1  durch  eine  zahl- 
reiche Anzahl  von  Subscribenten  zur  Wirklichkeit 
werden.  Welch  ein  neuer  Gewinn  für  die  Kunst- 
geschieh te,  und  für  den  Kunstjünger  besonders  die 
beste  Schule  der  Musik,  Mozart's  Partituren  zu 
sehen  und  zu  lesen,  in  denen  die  erste  Anlage  und 
weitere  Ausführung  derselben  am  festen  einge- 

den  kann!  „ 
Die  Grösse  und  Fruchtbarkeit  des  Mozart'schen 
Genie's  macht  nur  allein  die  Möglichkeit  so  viel- 
Fächer  und  vielseitiger  Arbeiten  begreiflich. 

•  Die  grosse.  Arbeitsamkeit  in  den  letzten  Jahren 
seines  Lebens,  sagt  seine  Frau,  bestand  darin,  dass  er 
mehr  niederschrieb.  Eigentlich  arbeitete  er  von  jeher 
im  Kopfe  immer  gleich,  sein  Geist  war  immer  in  Be- 
wegung, er  componirte  so  zu  sagen  immer.  Obgleich 


u 

■ 

wurde,  ihn  zur  Arbeit  anzuhalten :  so  musste  sie  es  doch 
für  Pflicht  ansehen,  ihn  öfters  nur  noch  abzuhalten  1 
und  zu  temperiren.    So  wurde  Mozaxt  ein  Wunder 
seiner  Kunst,  der  Liebling  seines  Zeitalters!  Sein 


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I 


fi9r> 

— —  / 

•  *  V 

kurzes  aber  glänzendes  Kunstlerleben  macht  in  d#»i* 
Geschichte  der  Tonkunst  eine  neue  Epoche,  und 
sein  Talent  brach  seinem  Fache  eine  neue  Hahn* 
;  •  Die  erste  Periode  der  musikalischen  Bildung.  , 
überhaupt  ^ar:   der  Künstler  schuf  im  Mittelalter 
aus  reiner  schallender  Seele,   ohne  von  dem  zwei— 
feinden  Vei'stande  beengt  zu  werden,  und  das  Volk 
genoss  mit  kindlich  frohem  Sinne«     Noch  waren 
keine  Kunst-verderbenden  Dilettanten  zwischen  bey- 
den:  die  Kunst  ward  mehr  als  ein  »Handwerk  ge- 
trieben und  hatte  als  solches  einen  goldenen  Boden, 
und  dieser  liess  die  grössten  Meisterwerke  aller  Jahr- 
hunderte, die  Vorbilder,  in  so  fern  es  ihren  innern 
Gehalt  betrifft,    h ollen.     Graun  schloss  diese  in 
Deutschland  mit  Händel.  Kavser.  Hasse« 

« 

, .  Die  zweyte  Periode,  in  welcher  der  skeptische 
Verstand  jede  freye  Productivitat  unterdrückte  und 
die  theilweise  noch  jetzt  herrscht,  begann  mit  Gluck. 
Dass  Mozart's  Daseyn  in  diese  Periode  des  Skepti- 
zismus fallt,  darf  Niemanden  befremden,  denn  die 
Erscheinung  wahrhaft  vortrefflicher  Geister  ist  we- 
der an  Zeit  noch  Raum«  noch  auch  an  ein  Volk 
und  die  Einwirkungen  von  Aussendingen  gebunden* 
Was  übrigens  Mozart  ist,  wird,  da  sein  Tod  allem 
Parthey geiste  ein  Ende  gemacht  hat,  in  Deutschland  # 
sicher  Niemand  verkennen.  Er  ist  der  erhabenste 
Geist,  den  bis  jetzt  die  musikalische  Welt  aufzu- 
weisen hatte.  Ob  je  ein  erhabenerer  nach  ihm  er-  j 
scheinen  wird,  lässt  sich  wohl  bezweifeln,  aber  nicht 
absolut  verneinen.  Wer  hat  wohl  je  mehr  in  die 
Geheimnisse  der  organisch  und  intellectuell  bilden- 
den Natur  in  musikalischer  Hinsicht  geschaut  ?  —      (  . 

« 

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CM 


Der  grosse  feurige  Geist,  der  in  seinen  Werken 
waltet,  und  der  volle  Strom  der  Empfindung  reissen 
jede»  gefühlvolle  Herz  mit  unwiderstehlicher  Gewalt 
hin.  Der  süsse  Zauber  seiner  Harmonieen  entzückt 
das  Ohr;  die  Fülle  der  Gedanken  und  das  Neue  in 
ihrer  Ausführung  machen  das  Gefallen  an  seiner  Mu- 
sik dauerhaft.  Wer  einmal  an  Mozart  Geschmack 
gefunden  hat,  der  ist  durch  Anderer  Musik  schwer 
zu  befriedigen«  '  f  •  ■  i 

Und  alle  diese  Vollkommenheiten  hat  W  in 
einem  Alter  erreicht,  was  für  gewöhnliche  Künstler 
kaum  der  Zeitpunct  der  ersten  Ausbildung  ist!  Da 
er  starb,  hatte  sein  Ruhm  bereks  eine  Grösse,  wie 
sie  nur  selten  auch* -der  glücklichste  Künstler  hoffen 
Äarf  —  und  wie  kurz  war  sein  Leben!  Er  hatte  ja 
noch  nicht  das  36ste  Jahr  vollendet,  als  er  von  uns 
ging!  —  "Was  würde  sein  unerschöpflicher  Geist  der 
Welt  noch  geliefert  haben!  —  Sein  Genie  war  eine 
seltene  Naturerscheinung,  aber  noch  seltener  der 
hohe  Grad  seines  damit  verbundenen  Fleisses  und 
Geschmackes.  Viel  gab  ihm  die  Natur;  noch  mehr 
wusste  sein  Fleiss  und  seine,  unermüdete  Beharrlich- 
keit sich  zu  erwerben. 

Erst  nach  seinem  Tode  fühlte  man  den  Verlust, 
dass  er  in  der  schönsten  Blüthe  seines  Lebens  den 
grösseren  Hoffnungen  seiner  Freunde  und  aller  Ken- 
ner entrissen  wurde.  • 

Ware  er  nach  England  gegangen  —  sein  Ruhm 
wurde  neben  Handele  unsterblichem  Namen  glän- 
zen: in  Deutschland  rang  sein  Geist  oft  mit  Mangel; 
seinen  Grabeshügel  bezeichnet  nicht  einmal  eine 
schlichte  Inschrift!  —  -  * 


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1  • 


-697 

Die  sonstige  Steiner'sche,'  letzt  Hasslineer'sche 
Kunst-  und  Musik -Handlung  zu  Wien  forderte  vor 
mehren  Jahren  zur  Errichtung  eines  Denkmals  für 
Mozart  auf,  was  sich  zugleich  auf  seine  Zeit-  und 
Kunstgenossen  Haydn  und  Gluck  richten  sollte.  Die 
Handlung  erhot  sich,  die  Suhscription  dazu  anzu- 
nehmen. Die  Ünterzeichnun  gen,  welche  bis  jetzt 
geschahen,  reichten  aber  noch  nicht  zur  Ausführung 
,  obschon  der  Kaiser  dam  eine  bedeutende 
e  bewilligt  hatte.  Dieses  Denkmal  sollte  in 
der  schönen  Karlskirche  in  der  Vorstadt  Wieden  er- 
richtet werden,  wozu  die  Kosten  auf  30,000  fl.  C.  M.  . 
angeschlagen  waren.  Noch  ist  bey  weitem  nicht  der  \ 
vierte  Theil  unterzeichnet  worden«       ,  [ 

Das  Haus,  wo  Mozart  starb,  heisst  das  Kaiser- 
haus  und  war  einst  ein  Staatsgebaude.  ,„ 

Auf  Mozart's  Tod  erschienen  mehre  Trauer- 
Cantaten,  worunter  sich  besonders  zwey  auszeich- 
nen, nämlich  eine  von  Wesstty,  Kapellmeister  zu 
Rheinsberg,  und  eine  von  Carl  Cannabich,  Musik- 
Director  an  der  Münchner  Kapelle« 

Einfach  und  edel  war  das  Fest,  welches  die 
Hörer  der  Rechte  zu  Prag  in  ihrer  musikalischen 
Akademie  bey  der  Anwesenheit  der  Wittwe  im 
Jahre  1794  Mozart's  Andenken  weihetenj  es  wurde 
ausserdem  noch  durch  ein  Gedicht  vom  Professor 
Meinert  verherrlicht.  Ein  paar  Stanzen  daraus  ver- 
dienen hier  wohl  einen  Platz: 

Ach!  er  ward  uns  früh  entrückt,  »  ,;rM| 

Der  die  Saiten  der  Empfindung  i  . 

Wie  ihr  SchOpfeV  lannt»  und  ferißV 


In  harmomVhe  Verbindung  ' 


r 


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,  .!    •  .  .  Ihre  kühnste»  Töne  rief:     «  o 
Jetzt  ein  öott  in  «einet  Zunies 
Donner  rauschend  niederfuhr; 
.  ",   - '    Jet  zu  lispelnd  wie  des  Wiesenborncs 
i  Welle  floss  in  silier  Flur.   .  .  * 


!    .    Ach!  srhon  gribt  dos  Edlen  HügeL: 
r   .Aber  gan*  birgt  «r  ihp  nicht. 

Eine«,  dat  durch  Gräber,  Riesel, 


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■•  • 

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. .   •  •  & 


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---Ii.  J  m  m 


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•   •  •  t\  • 


1 1 


jung  und-  göttlich  bricht, 
Einet  W>t:.-  ffer  ho**,  rfc**^  : 
^Geistesabdmck  ist  diess  Eine,.         „  ■ 
Dat  zur  Ewigkeit  entolüht, 

'    Norne !  deinem  Dolch'  entflieht. 

«•••  • 

Fühlt  Ihr  in  der  Saiten  Beben, 
Im  begeisternden  Gesang, 
In  des  Herzens  Sturm  und  Drang 
Fühlt  Ihr  des  Entschlaf nen  Leben? 
Horch!  es  t<5nen  Engel  -  Harmonie'n  — 
—•''*'•  * ■      Dat  ilt  Mozartl  Seht  Ihr  ihn 
Licht  beksänzt?   Mit  Feentritt©, 

WaUt  tein  Geist  in  Eurer  Mitte. 

•  ■  i     •«  • 

,  Die  Verehrung  für  Mozart  in  Copenhagen  geht 
ao  weit,  dass  ein  angesehener  Kaufmann,  der  Hof- 
^jW^^t^:^^  Sphn,  ajs  er  auf  die 
Welt  kam,  Mozart  taufen  liw.;  —   Auch  sagt  di<* 

•      4  .  .   ~     -■  '  . 

Wittwe  Mozart,  .dass  die  Werlte  Mozart1«  nirgends 
besser  aufgeführt  würden,  als  in  diesem  Hauptstadt 
unter  der  Direction  des  so  sehr ,  geschickten  und 
einsichtsvollen  Directors  Schall,  in  Beziehung  auf 
das  Orchester.  Für  die  Singstimmen  blieb  jedoch 
noch  Vieles  zu  wünschen  übrig,  welches  sich  aber 
auch  sehr  verbessert  hat,  seitdem  der  König  von 
Dänemark  den  berühmten  Siboni  zum  Singmeister 
berief. 

Bin  Brief  aus  Paris  in  der  Lcipz.  allg.  musikal. 
Zeitung  von  1800  sagt: 


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699 


Ach  das«  noch  Mozart  lebte!  Es  sey  uns  er- 
laubt, einige  Blumen  auf  seinen  Grabhügel  zu  streuen! 
Er  war  der  Shakespeare  der  Musik.  Frankreich  und 
Italien,  die  jetzt  angefangen,  seinen  Werth  ganz  zu 
fühlen  und  seine  Verdienste  zu  verherrlichen,,  wie 
Deutschland«  das  man  um  den  Crossen  Mann  benei- 
den  möchte,  schon  längst  thut,  ehren  dadurch  sich 
selbst '  zugleich.  Wir  berufen  uns  in  Ansehung 
Frankreichs  auf  die  feyerliche  Huldigung,  die  Mo- 
zart bey  dem  jährlichen  Concerte  des  Conservato^ 
riums  in  der  Rede  Lucian  Bojjagarte's  zu  Theil 
ward.   Piccini,  Cherubim,  Gretry,  Mehiil  und  an- 


ihren  lebhaftesten  Beyfall  gleichsam  einige  schone 
Blüthen  zu  dem  Kranze  bey,  den  der  den  Künsten 
befreundete  Minister  wand. 


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Anmerkung.1 


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Da  die  eigentliche  Biographie  Mozart'*  dio  den  resp.  Sub- 
acribenten  rertprochenen  5o  Druckbogen  reichlich  füllte,  demohn- 
noch  Viele  'interessante  Nachrichten  roi 
Praren,  to  ist  sogleich  ein  Nachtrag  in 
rurwiiit  Und  gleicher  1  orin  ^cclrut  k.t  w  orden  ,  der  mit  tlicsi  r  J3io** 
graphie  ein  fortlaufendes  Ganses  bildet,  und  dieser  Nachtrag  wird 
den  resp,  Subscribenten,  wenn  sie  ihn  kaufen  wollen,  auf  Velin- 
papier um  l  Thlr.  18  Gr.  oder  3  11.  9  Xr.  rhein«,  auf  Schreib- 
pajpler  um  1  Thlr.  la  Gr.  oder3  a  fl.  4a  Xr.  rheim,  und  auf  weisses 
Öfuckpapier  um  l  thlr.  6  Gr.  oder  a  fl.  1*  Xr.  rhein.  Seygege- 
ben.4_.  Später  wird  auch. der  Ladenpreis  dafür,  gleich  der  Bio- 
graph*, bedeutend  «rh^öht  werden.         ,  1  .  .  .. 

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Inhalt. 


Vorwort  vom  27.  Feuerstein  ▼»» 

Vorrede  G.  N.  von  Nissen's  xnt 

Die  Vier  und  Zwanzig  ersten  Jahre  von  Mozart'»  Leben     •  1 

Erste  Reise  des  Vaters  mit  dem  Sohne  und  der  Tochter  nach 

München,  im  Januar  1762  20 

Zweyte  Reise  des  Vaters  mit  den  heyden  Kindern  nach  Wien, 

im  October  176a  v  .  .  •   •  20 

Dritte  Reise  ausser  Deutschland,  nach  Paris,  London,  Hol- 
land, oder  die  erste  grosse  Reise  genannt,  im  Juny  1763  36 

Vierte  Reise  des  Vaters  mit  den  beyden  Kindern  nach  Wien, 

im  September  1767    -  •  »•••••«  121 

*  * 

Fünfte  Reise  des  Vaters  mit  dem  Sohne  nach  Italien,  im 

December  1769  .   •  k   .  tf6 

Sechste  Reise  des  Vaters  mit  dem  Sohne  nach  Mailand,  oder 

die  dritte  italienische  Reise,  im  October  1772     ...  264 

Siebente  Reise  des  Vaters  mit  dem  Sohne  nach  Wien,  im 

July  1773  .   .  ,   275 

Achte  Reise  de,  V.tcr.  w*  tan  Sonn,  nach  München,  i» 
December  1774.  Die  letzte  Reise  des  Vaters  mit  dem 
Sohne  281 

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Seite 

Reise  W«  A«  Mozarts  mit  seiner  Mutter  nach  Paris« 
Die  sogenannte  grosse  oder  die  Pariser  Reise.  Im  Sep- 
tember 1777.  (Hier  fSngt  gewissermaassen  eine  Autobio- 
graphie,  eine  Autocharakteriatik  an)  293 

Zehnte  Reise.  W,  A.  Mozart  reis't  nach  Wien,  um  sich  dort 

zu  habilitiren,  im  November  1780  #   •  437 

als  Künstler  und  Mensch  622 


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Anhang 


zu 


Biographie 


Nach  Originalbriefen,  Sammlungen  alles  über  ihn 
Geschriebenen,  mit  vielen  neuen  Beylagen, 
Steindrucken ,  Musikblättern  und  einem 

Fac  -  simile* 


Von  .  .  ' 

#eotg  iliUlmz  bon  jtimn, 

Königl.  Dänischem  EtaUrath  und  Ritter  Tom  Daniiebrog- Orden  etr. 


Nach  dessen  Tode  herausgegeben 

•  Ton 

Constanze,  Wittwe  von  Nissen, 

irniicr  >v  lttwe  Mozart. 


Leipzig,   182  8. 

Gedruckt  bey  Breitkopf  und  Härtel. 


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MozartV  hinterlassene  Werke. 


I.  Verzeichniss  desjenigen,  was  Mozart  von  sei- 
nem siebenten  bis  zu  seinem  zwölften  Jahre 
lirte. 


1)  Sonatea  p.  le  Ciavecin  avec  Vaccomp.  de  Violon, 
dddieea  h  Madame  Victoire  de  France,  par  W. 
Mozart,  age  de  aept  ana.  h  Paria.  Oeuvre  I.  1764. 

2)  Sonatea  pour  le  Ciavecin  etc.,  dedidea  a  Mad.  la 
Comteaae  de  Teaae  etc.    Oeuvre  II.  iy64. 

3)  Six  Sonatea  pour  le  Ciavecin  avec  Vaccomp.  etc. 
dedidea  a  Sa  Maj.  Charlotte  Reine  de  la  Grande- 
Bretagne,  par  W.  Mozart,  age*  de  huit  ana. 
n  Londre.   Oeuvre  III.  i?65. 

4)  Six  Sonatea  p.  le  Ciavecin  avec  Vaccomp.,  dddieee 
a  Mad.  la  Princeaae  de  Nassau- JVcilbourg ,  nie 
Princeaae  d'Orange,  par  TV.  Mozart,  age  de 
neuf  ana.   h  la  Haye.    Oeuvre  IV.  1766. 

5)  Variationen  fur's  Ciavier,  (gravirt)  a  la  Haye  176G. 

6)  Andere  Variationen  fuVa  Ciavier,  gravirt,  a  Am- 
sterdam 1766. 

7)  i5  italienische  Arien,  theils  in  London  nnd  theils 
im  Haag  componirt.    1765  und  1766. 

8)  Ein  Quodlibet  unter  dem  Titel:  Galimathiaa  mu- 
aicum,  k  2  Violini,  2  Ob.  2  Corn.  Cembal.  obligat. 
2  Fagott.  Viol.  e  Basso.    Alle  Instrumente  haben 

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ihre  Solo's  und  am  Ende  ist  eine  Fuge  mit  allen 
Instrumenten  über  einen  holländischen  Gesang, 
der  Prinz  Wilhelm  genannt,  angebracht.  Ist  für 
den  Prinz  von  Oranien  componirt. 

9)  i3  Symphonieen  a  2  Violini,  2  Ob.  2  Corni,  VioL 
e  Basso* 

10)  Ein  Oratorium  von  5  singenden  Personen.  Die 
Originalsparte  ist  208  Seiten  lang. 

11)  Eine  Musik  zu  einer  iatein.  Comödie:  Apollo 
und  Hyacinth,  für  die  Universität  zu  Salzburg, 
von  5  singenden  Personen.  Die  Originalsparte 
ist  162  Seiten  lang.    Componirt  1767. 

12)  6  Divertimenti  a  4.  für  verschiedene  Instrumente, 
wie  Violin.  Clarin.  Com.  Flauto  travers.  Fagott, 

N      Trombone,  Viol.  Violoncell.  etc.  ' 

13)  6  Trio's  a  2  Violini  e  Violoncello.' 

14)  Eine  Cantate  zum  heil.  Grabe  Christi,  für  zwey 
singende  Personen.  Besteht  aus  2  Arien,  Reci- 
tativ  und  einem  Duett. 

15)  Ein  kurzes  Stdbat  mater  a  4  Voci,  ohne  Instru- 
mente. 

16)  Verschiedene  Solo's  für  Violin;  Violoncello  fin- 
den Fürs^zu  Fürstenberg;  für  Viola  di  Gamba; 
für  Flauto  traverso  für  den  Herzog  Louis  von 

s^*  Würtemberg  in  Lusana. 

17)  Viele  Stücke  für  2  Clarin.,  2  Corni,  und  für 
2  Corni  di  Bassetto. 

18)  Viele  Menuetten  mit  allerhand  Instrumenten. 

19)  Aufzüge  für  Trompeten  und  Pauken. 

20)  Verschiedene  Märsche  für  2  Violini ,  2  Corni ,  1 
Ob.  Basso  etc*  —  militärische  mit  2  Ob.  2  Com. 
e  Fagott.  —  und  dann  zu  2  Violin  e  Basso. 


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21)  ZWey  geschriebene  Bücher  mit  rerschiedenen 
Cla  vierstücken,  die  er  in  London,  Holland  etc. 
nach  und  nach  componirte. 

22)  Eine  Fuge  fuVs  Ciavier« 

23)  Eine  Fuge  k  4  VocL 

24)  Veni  sanete  spiritue,  a  4  Voci,  9  Violini,  2  Ob. 
'     2  Com.,  Clarin.,  Tymp.,  Viol.  etBasso.  1768. 

25)  Eine  deutsche  Operette:  Bastien  und  Baslienne. 
1768. 

26)  Eine  Opera  bufia:  La  finta  semplice,  auf  Kai- 
ser Josephs  Befehl  1768  componirt.  Die  Origi- 
nalsparte beträgt  558  Seiten. 

27)  Eine  grosse  Missa  ä  4  Voci,  2  Violini,  2  OK 
2  Viol.  4  Clarin.  Tymp.  etc.  1768. 

28)  Eine  kleinere  Missa  k  4  Voc.  2  Violini  etc.  1768. 

29)  Ein  grosses  Offertorium  a  4  Voc  2  Violini,  3.  Cla- 
rin. etc.  1768* 


II.  Verzeichniss  desjenigen,  was  Mozart  vom  gten 
Februar  1784  bis  zum  i5ten  November  1791 
componirte,  worüber  er  selbst  einen  thema- 

*  * 

tischen  Katalog  führte ,  der,  wie  schon  ange- 
geben, wörtlich  bey  J.  Andre  in  Offenbach  a.M. 
im  Druck  erschienen  ist 

■ 

.1  7  8  4.  ' 

Im  Februar:    1)  Conc.  p.  Pf.  Es  £  Tact. 

Im  Marz :    2)  Conc.  p.  Pf.  B.  f.  —  3)  Conc.  p.  Pf. 

D  fr  —  4)  Quint,  p.  Pf.  av.  Ob.  Clar.  etc.  Es.  %. 
Im  April:   5)  Conc.  p.  Pf.  G.  f.  —  6)  Sonate  p.  Pf 

et  V .  B. 


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6 


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Im  Aug. «  7)  Variat.  p.  Pf.  Un«er  dummer  Pöbel  etc. 

Im  September:    8)  Coric,  p.  Pf.  B. 

Im  October :    9)  Sonate  p.  Pf.  C  min. 

Im  November :    xo)  Quat.  p.  2  V.  A.  Vc.  B.  f. 

Im  December:    li)  Conc.  p*  Pf  F.  f. 

1  7  8  5. 

Im  Januar  1   12)  Quatuor  p.  2  V.  A.  Vc.  A.  J.  — 

i3)  Quat.  p.  detti.  C.  $. 
Im  Februar:    x4)  Co/*c.  p.  P/.  D  min.  f. 
Im  März:    i5)  Aria:  ^     /ra  tanti.  —  16)  Co/zc. 

p.  Piano f  C.  f.  —  17)  Aria:  Fra  toscure.  — 

x8)  Maurerlied:  Die  Ihr  einem  neuen  Grade  etc. 
Im  April:    19)  Andante  p.  V.  prinzipal.  H.  £.  — 

20)  Cantate :  Die  Maurerfreude.  Es*  $. 
Im  May:    21)  22)  25)   Drey  deutsche  Lieder.  — 

34)  Fantas.  p.  Pf  C  min. 
Im  Juny:    26)  Lied:  Das  Veilchen. 
Im  July:  26)  Maurerische  Trauermusik. —  27)  Quat. 

p.  Pf.  G  min.  £. 
Im  November:  28)  Quat.  p.  VOpera*  Villanella.— 

29)  Terzetto  p.  le  mime  Opera. 
Im  Decembetf :    5o)  Sonate  p.  Pf  et  V.  Es.  — 

Si)  Conc.  p.  Pf  Es.  f. 

1  7  8  6. 

.    Im  Februar:   5a)  Oper:  Der  Schauspieldirector. 
Im  März :   33)  Conc.  p.  Pf  A.  f.  —  54)  Duetto  p. 

Idomeneoz  Spiegarti.  —  55)  Seena  c.  Rondo  a». 

V.  obl.  —  56)  Conc.  p.  Pf.  C  min.  J. 
Im  April :   37)  Le  nozze  di  Figaro.  Opera. 
Im  Juny:    38)  Quat.  p.  Pf.  V.  A.  Vc.  Es.  f.  — 

39)  Bondeau  p.  Pf.  F.  f.  —  4o)  Conc.  p.  Corno. 


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Im  July  :   4i)  Trio  p.  Pf  V.  et  Vc.  G.  %.  \ 

I*n  August:  4s)  Sonate  *4  mains.  —  43)  Trio  p. 
Pf  Clor,  et  A.  Es.  f.  —  44)  QuaL  p.  2  Viol. 
A.  Vc.  D.  |. 

Im  September :   45)  Variat.  p,  Pf 
*  Im  November:  46)  Variat.  a  4  mains.  —  47)  Trio 

p.  Pf  V.  Vc  B.  f. 

Im  December:  48)  Conc.  p.  Pf  C.  }.  —  49)  Sin- 
fonie* D.  |.  —  5o)  Seena  con  Rondo  c.  Pf  oblig. 

-1  7  8  7. 

■ 

Im  Februar:    5i)  Sechs  deutsche  Tänze. 

Im  März:  B2)  Rondeau  p.  Pf  —  53)  Seena  edAria: 

Non  so  d'onde  viene.  —   54)  Aria:   Mentre  ti 

lascio. 

Im  April :    55)  Quint,  p.  2  Viol.  2  A.  Vc,  C.  f. 
Im  May:  56)  Quint,  p.  2  V.  2  A.  Vc*  Gmin.  $•  — 
57)  58)  59)  60)  Vier  deutsche  Lieder.  —  61)  So- 
nate ä  4  mains  p*  Pf  C. 
Im  Juny:    62)  Musical.  Spaass  f.  2  V.  A.  3  Cor.  u. 
Bass.  —  65)  Lied  f.  Pf.:  Abend -Empfindung^  — 
64)  Lied:  An  Chloe. 
Im  August:  65)  Kleine  Nachtmusik  f.  3  V.  A.  B. — 
|  66)  Sonate  p.  Pf  et  V.  A.  f. 

1  Im  October :    67)  //  dissoluto  punito,  ossia  il  Don 

Giovanni.  Opera. 
|  Im  November:   68)  Seena:  Bella  mia  fiamma.  — 

59)  70)  Zwey  Lieder. 
Im  December:    71)  Lied:  Die  Spinnerin. 

1  7  8  8. 

Im  Januar:  -73)  Sonate  p.  Pf  F.  —  76)  74)  VI  Con- 


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8 

Im  Februar:   76)  Coric,  p.  Pf.  D.  £ 

Im  März:  77)  Aria:        scia  ciel.  —  78)  Lied:  Ich 

möchte  wohl  der  Kaiser  seyn.  ~-  79)  Adagio  p. 

Pf.  Hmin. 

Im  April:  80)  Aria  p.  VOp.  Don  Giovanni t  Deila 
eua  pace.  —  81)  Duetto  p.  detta  Opera:  Per 
quelle  tue  manine+~-  82)  Seena  e  Rondo  p.  detta  t 
Mi  tradi. 

Im  May:   83)  Ariettai  Un  bacio  di  mono. 

Im  Juny:  84)  Trio  p.Pf.  V.  Vc.  E.  *.  —  85)  Sin. 

fonie.  Es  J.  —  86)  Kleiner  Marsch  f.  Orchester. 

—  87)  Sonate  facile  p.  Pf.  C.  —  88)  Adagio  in 

C  min.  ä  2  V.  A.  Vc%  p.  une  Fugue. 
Im  July :   89)  Sonatine  p.  Pf  et  V.  F.  f.  —  90) 

Trio  p.  Pf.  V.  Vc.  C.  f.  —   91)  Canzonetta; 

Piü  non  si  trovano.  —  92)  Sinfonie.  G  min.  $  T. 
Im  August:   93)  Sinfonie.  C.  J.  —  94)  Lied:  Beym 

Auszug  in  das  Feld. 
Im  September:   95)  8  Canons  —  96)  3  Canons  — 

97)  Trio  p.  V.  A.  Vc,  Es.  f. 
Im  October:   98)  Trio  p.  Pf.  V.  Vc.  G.  J.  —  99) 

2  Contratänze. 
Im  November;  Händeis  Acis  u.  Galathea  bearbeitet 
Im  December:    100)  Sechs  deutsche  Tänze.  —  ioi) 

Zwölf  Menuetten. 

1  7  8  9- 

Im  Januar:    102)  Arie:  Ohne  Zwang. 

Im  Februar:  io3)  Sonate  p.Pf  B.  J.  —  io4)  Sechs 

deutsche  Tänze. 
Im  März:   Handels  Messias  bearbeitet. 
Im  April :  io5)  Variat.  p.Pf.  sur  Menuet  du  Duport. 


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Im  May:    106)  Kleine  Gigue  f.  Ciavier. 

Im  Juny ;    107)  Quat  p.  2  V.  A.  Vc.  D.  %. 

Im  July:    108)  Sonate  p.Pf.  D.  f.  —  109)  Rondo 

p.  Op.  Figaro:  AI  desio. 
Im  August:    110)  Aria:  Alma  grande. 
Im  September:    111)  Arie:  Schon  lacht  der  holde 

Frühling.  —  112)  Quint,  p.  Clarinette,  2  V.  A. 

Vc.  A.  |. 

Im  October:    n3)  Aria:  Chi  eä,  cid  *ä.  —  u4) 

Aria:  Vado,  ma  dove? 
Im  December:    11 5)  Aria:  Ripolgeti  a  me.  —  116) 

12  Menuetten.  —  117)  12  deutsche  Tänze. 

1  7  9  0. 

Im  Januar:    118)  Cosl  fan  tutte.  Opera. 

Im  May:  119)  Quat.  p.  2  V.  A.  Vc.  B.  |.  —  120) 
Quat.  p.  detti.  F. 

Im  July:  Handels  Alexanders  fest  und  Cacilia  bear- 
beitet. 

Im  December:    121)  Quint,  p.  2  V.  2  A.  Vc.  D.  \. 

—  122)  Ein  Stück  für  eine  Spieluhr.  Fmin.  |. 

17  9  1- 

Im  Januar:  123)  Conc.  p.  Pf.  B.  f.  —  124)  Drey 
deutsche  Lieder.  —  12S)  6  Menuetten.  —  126) 
6  deutsche  Tänze. 

Im  Februar:   127)  4  Menuetten  a.  4  deutsche  Tänze. 

—  128)  2  Contratänze.  —  129)  2  Menuetten  und 
2  deutsche  Tänze.  —  i3o)  Contratanz  und  sech* 
Ländler. 

Im  März:  i5i)  Stück  für  eine  Spieluhr.  F.  %.  — 
i52)  2  Tänze.  —  i35)  Aria:  Per  questa  hello.  — 
i54)  Variat.  p.  Pf.;  Ein  Weib  ist  das  etc. 


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10 


Im  April :    i55)  Quint,  p.  2  V.  2  A.  Fe.  Es .  f.  — 

i36)  Coro:  Viviamo  felici. 
Im  Mays    i^)  Stück  für  eine  Orgelwalte.  F.  f.  - 

i58)  Quint,  p.  Harmonien  etc. 
Im  Juny:    159)  Ave  verum  corpus. 
Jin  August:    i4o)  Cantate:  Die  Ihr  des  unermessbV 
.v    chen  Weltalls  etc.  —  i4i)  Die  Zauber  flöte.  Oper. 
Im  September:    i42)  La  Clemenza  di  Tito.  Opera 

eeria.  —  i43)  Ouvertüre  und  Priestermarsch  zur 

Zauberflöte.  —  i44)  Conc.  p.  Clarinette. 
Im  November:    i45)  Kleine  Maurer- Cantate.  C.  f. 

Anm.  In  diesen  Jahren  componirto  Mozart  noch  Vieles, 
was  er  nicht  in  dies«  Verzeichnis«  eingetragen  hat  und  was 
nicht  aufgeführt  werden  kann,  weil  er  Mancherley,  ohne  eine 
Copie  für  «ich  zu  behalten,  an  Freunde  verschenkte.  —  Na- 
mentlich muss  hier  besondert  sein  Schwanengesang,  das  Re- 
quiem aufgeführt  werden,  und  vielleicht  dürfen  «eine  zwey 
solennen  Messen  aus  C  durt  die  bey  Brcitkopf  und  Härtel  un- 
ter No.  I.  und  II«  erschienen  sind,  in  seine  reiferen  Jahre 
gesetzt  werden. 


III.  Verzeichniss  der  in  Mozart's  Verlassenschaft 
gefundenen  musicalischen  Fragmente  und 
Entwürfe,  wie  es  grösstenteils  vom  Abbe 
Maxim.  Stadler  verfasst  worden. 

* 

■ 

A.  Fragmente  für's  Ciavier. 

1)  Cancer to  per  il  Cembalo  e  Violino  D%9  welches 
er  in  Manheim  1778  anfing.  Das  Ritornell  ist  eins 
der  prächtigsten  und  schönsten,  welch  es  er  jemals 
gemacht  hat.  Die  Violinen  fangen  mit  Piano  an 
und  die  Begleitung  der  Viole^  des  Vcello.  und  des 
Basso  ist  1 1  Tacte  hindurch  pizzicato.  Hierauf  folgt 


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ein  herrliche«  Forte  mit  Begleitung  von  2  Flöten, 
2  Oboen ,  2  Hörner,  2  Trombe  und  Tympani  von 
65Tacten,  welches  mit  dem  angenehmsten  Piano 
abwechselt«  Die  Principal violine  hat  das  erste  Solo 
11  Tacte  hindurch,  diesem  folgt  Cembalo  ebenfalls 
11  Tacte  lang,  denen  ein  kurzes  Forte  mit  der  gan- 
zen Begleitung  folgt.  Endlich  ertönen  VioL  princi- 
pale  und  Cembalo  zugleich  und  concertiren  wech- 
selsweise 21  Tacte  hindurch«  Bey  allen  diesen 
Solo's  fehlt  aber  noch  das  Accompagnement,  sonst 
ist  es  durchaus  vollendet«  » 

2)  Concerto  per  il  Cembalo  D  fl.  Von  diesem  sind 
nur  21  Tacte  für  Clavicembalo  geschrieben,  der 
Raum  für  die  Begleitung  ist  leer  geblieben. 

5)  Concerto  per  il  Clavicembalo  D  ü  |.  Hiervon  ist 
nur  das  Ritornello  durch  Violine  und  Bass  ohne 
Begleitung  der  Flöte,  2  Clarinetten.  2  Hörner, 
2  Fagotts  etc.  angemerkt« 

4)  Conc.  per  il  Cembalo  £  mit  Begleitung  von 
2  Violin.  Viol.  1  Flauto ,  2  Ob.  2  Fagott.  2  Hör- 
nern etc.  Das  Ritornello  besteht  aus  25  Tacten, 
doch  nicht  ganz  instrumentirt.  Hierauf  folgt  ein 
Solo  des  Cembalo  8  Tacte  lang,  alsdann  4  Tacte 

von  Instrumenten. 

5)  Conc.  per  il  CembaJo  C  9  mit  2  Viol.  VioL  Flauto, 
2  Ob.,  2  Corn.,  2  Clarin.  und  Tymp.  Hiervon 
ist  das  Ritornello  durch  Viol.  L  und  Basso  in  19 
Tacten  angemerkt« 

6)  Conc.  p.  il  Clavicembalo  D*  mit  2  Violin.  VioL 
Flöte,  2  Ob.  2  Corn.  di  Rosset,  2  Corn.  2  Fagott. 
Deren  sind  nur  6  Tacte  für  Violine  und  Basso  etc. 

7)  Anfang  eines  Rondo  für  ein  Ckvierconcert  Es  ü 


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I  - 

12 


'  besteht  nur  aus  5  Tacten,  ohne  die  übrige  Be- 
gleitung« 

8)  Rondo  aus  Ai  für  ein  Clavierconcert.  Das  Cia- 
vier macht  den  Anfang  Alla  breue  mit  8  Tacten, 
was  Violine  und  Basso  i5  Tacte  hindurch  fort- 
setzen.  Die  übrige  Begleitung  mangelt. 

9)  Rondo  A  8  f  für  ein  Clavierconcert.  Das  Ciavier 
fängt  4  Tacte  allein  an,  dann  spielt  Clarinett  4 
Tacte  und  das  Ciavier  weiter  durch  wieder  4  Tacte, 
Clarinett  wiederholt  dieselben  und  endlich  fangen 
die  Violinen  an,  wozu  die  Begleitung  nicht  ge- 

ist.  # 


10)  Ein  Ciavierquintett  B$  f  mit  Oboe,  Clarinett, 
Bassethorn  und  Fagott.  Sind  nur  55  Tacte,  aber 
canz  im  Mozart'schen  Geschmacke. 

11)  Anfang  eines  Ciavierstücks  D  %  mit  2  Violinen, 
2  Hörnern  und  Basso.  Besteht  aus  29  Tacten. 

12)  Anfang  eines  Trio  für  Ciavier  B  ä  mit  Violino 
und  Vcello.   Enthält  25  Tacte. 

13)  Anfang  eines  Trio  für  Ciavier,  Violine  und 
Vcello,  G  8.    19  Tacte. 

14)  Anfang  eines  Andantino  G*>  für  Ciavier  mit 
Begl.  eines  Vcello.   Enthält  55  Tacte. 

15)  Anfang  einer  Ciaviersonate  mit  Begl.  einer  Vio- 
line B  tf.   5i  Tacte. 

16)  Anf.  einer  Ciaviersonate  mit  Violine^ 8.  34 Tacte. 

17)  Einige  dergl.  aus  A\  J.    i5  Tacte. 

18)  Anfang  einer  Phantasie  für  Ciavier  F      i4  Tacte. 

19)  Anfang  einer  Ciaviersonate  F  8.    7  Tacte. 

20)  Einer  dergl.  F  &  Alla  breve.  Enthält  i5  Tacte. 

21)  Anfang  eines  Allegro  f.  Ciavier  Fi  f.  —  16  Tacte. 

22)  Ein  Rondo  aus  Fi  f.   33  Tacte. 


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•  •  I  I 

13  '  "  - 

■ 

!  .23)  Anfang  eine*  Adagio  in  D  K   4  Tacte  und  der 

erste  Theil  eines  Menuett  ans  D  #• 
*4)  Anfang  einer  Sonate  aus  B  8.    19  Tacte.  - 
25)  Ein  sehr  kurzes  Andante  aus  Es  8.    Der  erste 
Theil  enthält  8,  und  der  zweyte  12  Tacte« 
)>  26)  Thema  für  Variationen  aus  C  & 

27)  Anfang  eines  Adagio  DK   9  Tacte, 
.28)  Anfang  eines  Allegro  C *  für  2  Cembali,  22  Tacte, 
29)  Anfang  einer  Sonate  für  2  Cembali  B  8-  Das' 
<  Adagio  enthalt  89  und  das  Presto  44  Tacte. 

5o)  Anfang  einer  Sonate  f.  2  Cembali  B  &   i5  Tacte. 
|  .        3x)  Anfang  einer  Fuge  G  8-    35  Tacte. 

32)  Vierzig  halbe  Bogen,  welche  verschiedene  The- 
mata zu  Fugen ,  Canonen  und  Uebungen  in  Con- 
trapuncten  enthalten. 

35)  Eine  Sonate  f.  Ciavier  C8  mit  1  Violin.  Andante,  " 
welches  in  ein  Allegretto  übergeht.  Das  erste  Alle- 
gro und  Andante  ist  von  Mozart  vollendet,  das 
letzte  Allegretto  ist  von  einem  Andern  ergänzt. 

54)  Eine  Sonate  A%  für'a  Ciavier  mit  1  Violin.  Sie 
fangt  mit  einem  schönen  von  Mozart  ganz  bear- 
beiteten  Andante  an  und  geht  in  eine  Fuge  A  * 
über ,  welche  nur  zur  Hälfte  Mozarts  Arbeit  ist. 

55)  Ein  Allegro  D  min*  Ein  Tempo  di  Menuetto 
in  GH.  Ein  anderes  Allegro  JD  8  f  für  Ciavier, 
Violine  und  Vcello,  sind  ebenfalls  nicht  ganz 
vollendet.  Das  Fehlende  ergänzte  ein  Liebhaber. 

I  Zusammen  können  sie  ein  Trio  ausmachen. 

36)  Ein  schönes  Allegro  für  Ciavier  B  8.  Ist  auch 
von  einem  Liebhaber  vollendet. 

57)  Anfang  einer  Ciavier -Sonate  B  8  mit  1  Violine. 
Auch  von  einem  Liebhaber  vollendet. 


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58)  Eine  kurze  Fuge  für  Violine,  Viola'  u.  Vcello.  Gif. 

39)  Ein  Vorspiel,  Präludium  oder  kleine  Phantasie 
in  Ctf,  die  er  für  seine  Schwester  componirte. 
Et  hebt  an  mit  Allegretto  CC%  geht  dann  über 
in  ein  Cappriccio,  worauf  ein  Andantino  folgt. 
Dann  kommt  ein  Cantabile  und  ein  Cappriccio 
Allo  macht  den  Beschluss.    Ist  vollendet* 

40)  Ein  Concert  zu  3  Cembali  con  Violini,  2  Oboi, 
2  Corni,  Viola  et  Basso  in  F.  Der  Eingang  ist 
ein  Allo  in  F  tf.  Dann  folgt  ein  Adagio  in  B 
darauf  ein  Tempo  di  Minuetto  Rondo  in  F  8.  — 
Davon  ist  da  in  Stimmen:  Cembalo  primo,  Vio- 
lino  primo  et  secondo,  Viola  und  ßasso.  — • 
Dieses  kann  im  Jahre  1777  componirt  worden 
seyn.  Dass  es  vollendet  gewesen  ist,  beweisst 
nicht  nur,   dass  es  der  Componist  in  einigen 

L  Briefen  an  seinen  Vater  erwähnt  und  sogar  die 
Ausführung  in  Augsburg  vom  a4.  Octbr,  1777. 
erzählt  (siehe  hier  in  der  Biogr.  Seite  319.),  son- 
dern auch  das  zierliche  mit  musikalischen  At- 
tributen ausgestattete  Titelblatt,  worauf  von  der 
Handschrift  seines  Vaters  zu  lesen  ist:  Dedicatio 
al  incomparabile  Merito  di  sua  Excellenza  La 
Sigra.  Contessa  Lodron,  nata  Contessa  d'Arco, 
e  delle  sue  Figlie  —  le  Sigre.  Contesse  Aloisia 

e  Giuseppe  

in  F  0  ■  •  dal  loro  devotissimo  serpo 

Wolf gango  Mozart. 
Wahrscheinlich  war  die  Handschrift  W.  Mozart's 
für  eine  solche  Dedication  zu  schlecht. 

£1)  Seine  allerältesten  Compositionen  sind  dieser  Bio- 
graphie Seite  i5.  als  Beilage  zugegeben« 


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• 


B.    Fragmente  für  Violine. 

1)  Anfang  ejner  Symphonie  Eafi  mit  Violine,  Viola, 
Flöte,  vi  Ob.  2  Hörnern,  Fagott,  Vceilo  und  Bass. 
Das  Adagio  besteht  aus  i4  Tacten  und  ist. ganz 
vollendet  und  durchgehends  instrumentirt.  Der 
erste  Theil  des  Allegro  ist  gleichfalls  vollendet, 
auch  grösstenteils  instrumentirt  und  besteht  aus 
83  Tacten.   Der  zweyte  Theil  fehlt. 

2)  Ein  Fragment,  vermuthlich  zu  einer  Oper,  mit 
Violine ,  Viol.  Ob.  Corn.  Clarin.  Tymp.  Fagott 
und  Basso  aus  Z)^  enthält  64  Tacte  und^ist  ganz 
vollendet.  Es  fehlt  also  nur  das  diesem  vorher- 
gehende. # 

3)  Anfang  einer  Ouvertüre,  Andante  jEs$  mit  Vio- 
lin. Viol.  2  Flaut.  2  Ob.  2  Clarin.  2  Fagotts  2 
Corn.  Tymp.  und  Basso.  Enthält  8  Tacte,  wor- 
auf ein  Allegro  folgt,  wovon  nur  18  Tacte  ohne 
weitere  Begleitung  in  Violin  geschrieben,  da  sind. 

4)  Chosae  A  Jf  f  mit  2  Violinen,  Viola,  2  Flaut.  2  Corn.  ■ 
Ob.  und  Basso.   Der  erste  Theü  enthält  8  Tacte 
und  auch  der  zweyte,  und  sind  ganz  vollendet 
und  instrumentirt.   Hierauf  folgt  ein  Minore  von 

2  Theilen,  wovon  jeder  8  Tacte  enthält,  an  wel- 
.  eher  aber  die  Begleitung  fehlt. 

5)  Sinfonie  concertante  a  tre  Instrumenti,  Violino, 
Viola,  Vceilo.  A%  mit  2  Ob.  2  Corn.  2  Viol.  und  , 
Basso.  Das  Ritornell  ist  ganz  vollendet  und  be- 
steht  aus  43  Tacten.  Das  übrige  Concertirende  ent- 
hält 83  Tacte  und  meist  ohne  Begleitung. 

6)  Anfang  einer  Symphonie  Andante  G  $•  10  Tacte 
ohne  Begleitung. 


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- 

7)  Menuett  £  Violin.  3  Ob.  l  Fagott,  9  Com.  Flauto 
piccolo  und  Tamburin  A  8.  Der  erste  Theil  von 
8  Tacten  ist  vollständig,  vom  zweyten  sind  nur 

3  Tacte  da. 

» 

8)  Anfang  eines  Rondo,  aus  J38  mit  Viol.  Flaut. 
Ob.  Fagott.  Corn.  Alto  und  Basso.  Enthalt  a5 
Tacte.  Die  Begleitung  fehlt. 

9)  Anfang  eines  Rondo  aus  F%  zu  a  Violinen,  Viol; 
.   3  Corn.  und  Basso,  enthält  nur  5  Theile,  deren 

jeder  8  Tacte  enthalt.   Die  Begleitung  fehlt. 

10)  Anfang  eines  Quintetts  für  Violine,  Viol.  Clarin. 
Corhi  diBassetto  und  Vcello.  Fi.  Die  Beglei- 
tung ist  meistens  vollständig.    10a  Tacte. 

11)  Anfang  eines  Allegro  A*>  für  ein  Quintett  von 
a  Violin.  3  Viol.  und  Vcello.   7a  Tacte  lang. 

13)  Anfang  eines  Quintetts,  Allegro  J9#  für  3  Vio- 
lin, a  VioL  und  Vcello.  133  Tacte  alla  breve. 

13)  Quintett  f.  3  Violinen,  3  VioL  und  Vcello.  Alle- 
gro Es  8  J.  Enthalt  71  Tacte  und  ist  unvollendet. 

14)  Anfang  eines  Quintetts  Es  Ü  f.  3  Violinen,  3  Viol. 
und  Vcello.    19  Tacte. 

15)  Anfang  eines  Quintetts  D  8  für  3  Violinen,  3  Viol. 
und  Vcello.    18  Tacte. 

16)  Ein  dergL  Rondo  Gb  f.  —  Enthalt  8  Tacte. 

17)  Ein  dergl.  Rondo  F%  f.  —  Enthalt  10  Tacte. 

18)  Ein  dergL  Larghetto  C  8.  —  Enthält  16  Tacte. 

19)  Anfang  eines  Violin quintetts  aus  E  min.  Der 
erste  Theil  Allegro  ist  vollendet  und  enthalt  74 
Tacte. 

20)  Ein  dgl.  aus  G  min.  Alto.   Enthält  24  Tacte. 
31)  Ein  dgl.  Allegretto  aus  B      Enthält  56  Tacte. 
22)  Ein  dergleichen  Rondo  2?  8  von  10  Tacten« 


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« 

23)  Ein  dgl.  aus        f  von  109  Tacten» 

24)  Ein  dgl.  Adagio  7^1  von  8  Tacten. 

25)  Ein  dgl.  Rondo  jPÖ  f.  von  16  Tacten. 

26)  Ein  dgl.  mit  einem  Menuett  beginnend,  2?#  von 
9  Tacten.     '  . 

27)  Anfang  eines  Trio  G8  |  für  Violine,  Viola  und 
•  Vcello.   Der  erste  Theil  ist  ganz  vollendet  und 

besteht  aus  91  Tacten.   Der  zweyte  Theil  ent- 
hält 9  Tacte. 

» 

Anm.  Unter  diesen  Fragmente^  können  ▼oreüglich  ausge- 
hoben werden  No.  1.  2.  5.  5.  10.  11.  13,  i3.  19.  a3.  und  27. 
Diese  «eichnen  «ich  alle  durch  Originalität,  Melodie,  Harmonie 
und  gute  und  meisterhafte  Begleitung  vor  den  übrigen  aus.  , 

C.    Fragmente  für  Blasinstrumente. 

1)  Anfang  eines  Adagio  lur  eine  Harmonica  mit  1  , 
Flöte,  1  Ob.  1  Viola  und  Vcello.  —  Sind  10  Tacte. 

2)  Bruchstück  eines  Hornconcerts, 
5)  Eins  dgL       .  , 

4)  Quintetto  für  Clarinetto,  2  Violinen,  Viol.  undBass. 
B  #.  Der  erste  Theil  Allo  von  90  Tacten  ist  voll- 
endet. Der  zweyte  Theil  besteht  ans.  3  Tacten. 

5)  Quintetto  für  ein  Clarinetto,  2  Violinen,  Viol. 
undBass^tf.  Enthält  89  Tacte,  ist  unvollendet 
und  nur  hier  und  da  die  Begleitung  angedeutet. 

6)  Allegro  für  2  Ob.  2  Corn.  2  Clarinett.  und  2  Fa- 
gotts B  8.  Enthält  16  Tacte  und  ist  unvollendet. 

7)  Anfang  eines  Adagio  aus  jF#  für  1  Clarinett  und 
3  Corni  di  Bassetto.   6  Tacte  lang. 

8)  Anfang  eines  Allegro  für  1  Clarin.  und  3  Corni 
.  di  Bassetto.   22  Tacte  lang. 

9)  Anfang  eines  Adagio  für  1  Corno  Jnglese,  2  Vio- 
linen und  Basso.  ;Der  erste  Theil  aus  23  Tacten 


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18 


ist  vollendet.   Der  zweyte  Theil  von  56  Tacten 

ist  auch  vollständig,  doch  ohne  Begleitung. 

.  « ■ 

D.   Fragmente  für  den  Gesang, 

1)  Anfang  eines  Kyrie  aus  Es  |  J  Largo  für  4  Voc. 
12  Violin.  2  VioL  2  Ob.  3  Corn.  a  Tromb.  Tymp. 
e  2  Fagotti.  Enthält  22  Tacte  und  ist  voller 
Andacht  im  Kirchens tyle  verfasst,  die  angenehm- 
ste Molodie  ist  mit  abwechselnder  harmonischer 
Begleitung  durchgeführt.  Das  Chris te  enthält  kleine 
Solo's  für  Sopran  und  Alt. 

2)  Anfang  eines  Kyrie  aus  Cfl  für  4  Voc  2  Violin. 

3 darin,  und  Tvmp.  mit  Oreano.    Besteht  aus 
9  Tacten. 

3)  ^Anfang  eines  Kyrie  aus  Dil  ä  4  Voc  2  Violini, 

Viol.  2  Ob.  etc  enthält  11  Tacte  ganz  im  Kir- 
chens tyle  und  ist  überaus  schön. 

4)  Fragment  eines  Kyrie  a  4  Voc  Violin.  Viol.  2 
Ob.  2  Fagotten,  2  Clarin.  und  Tymp.  im  erhabe- 
nen Style.   Enthält  Zj  Tacte 

5)  Eins  dgl.  fangt  mit  Adagio  inGft  an,  worauf  ein 
fugirtes  Andante  folgt.    Sind  nur  54  Tacte. 

6)  Eins  dgl.  in  D  8  ein  fugirtes  Allo,  besteht  aus 
52  Tacten. 

7)  Eins  dgl.  in  C}f.  Der  Anfang  ist  ein  Adagio  von 
i4  Tacten,  dann  folgt  ein  Allo,  wovon  nur  55 
Tacte  geschrieben  sind..  * 

8)  Fragment  eines  Gloria  aus  Cfl  von  26  Tacten. 

9)  Ein  unvollendeter  Psalm:  Memento  Domine  Da- 
vid etc.  aus  Fi  vierstimmig.   Sind  nur  52  Tacte  . 
geschrieben. 

10)  Eine  deutsche  Cantate:  Die  Seele  des  Weltalls, 

1 


* 


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_'9_ 

o  Sonne!  etc.,  fiir  2  Tenore  und  i  Bass.  Der 
erste  Chor  aus  Es%  ist  ganz  vollendet,  er  bebt 
mit  einem  prächtigen  Unisono  an  und  es  herrscht 
in  ihm  eine  simple,  edle  und  angenehme  Melodie. 
Li  den  Worten :  Von  Dir  kömmt  Fruchtbarkeit, 
Wärme,  Licht  etc.  wird  besonders  der  Name 
Licht  durch  ein  überraschendes  Forte  im  Septi- 
menaccorde  herausgehoben  und  kann  nicht  ohne 
Wirkung  seyn,  wenn  die  Begleitung  durch  die 
angemerkten  Instrumente  der  Flöten,  Oboen,  Cla- 
rinetten,  Fagotten  etc.  dazu  gesetzt  wird.  —  Nach 
diesem  Chore  folgt  eine  Tenorarie  in  2?  8  voll 
der  zartesten  Melodie  und  mit  einer  herrlichen 
Begleitung  des  Contrabasses.  Hierbey  fehlt  auch 
die  Begleitung  der  übrigen  Instrumente,  wozu 
der  Raum  leer  gelassen  ist.  —  Auf  diese  folgt 
eine  unvollendete  zweyte  Tenorarie  in  F  von 
17  Tacten. 

11)  Ein  angefangenes  Duett  für  2  Soprane:  Ich  nenne 
Dich,  ohn'  es  zu  wissen  etc.,  mit  Begleitung  des 
Claviers.    27  Tacte  lang.  ' 

12)  Ein  Recitativ:  O  Calpe,  Dir  donnert's  am  Fusse 
etc.,  mit  Begleitung  des  Claviers.  Ist  unvollendet. 

l5)  Anfang  einer  Arie :  Einsam  bin  ich  etc.,  aus  D 
Enthält  nur  8  Tacte.  '  '  1 

14)  Einer  dgl.:  V'anvo  dl  core  etc. 

15)  Sined's  (Denis)  Bardengesang  auf  Gibraltar,  (lie- 
ber diesen  schreibt  er  selbst  vom  2isten  Decbr. 
1782.  Siehe  in  d.  Biographie  Seite  472.) 

16)  Eine  unvollendete  italienische  Operette,  worin 
die  Personen:  Bettina,  Don  Astrubale,  Pulcherio 
und  Bocconio  vorkommen« 

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t 

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20 

17)  Eine  unvollendete  deutsche  Operette,  die  in  der 
Manier  Aebnlichkeit  mit  der  Entführung  aus  d. 
Serail  hat,  und  worin  die  Namen  H.  v.  Dumm- 
.kjppf,"  Rosaura,  Trautel,  Leander,  Casperl,  Wurstl, 
Knödl  etc.  vorkommen.  .  :j 

18)  Ein  Wiegenlied  in  5  Strophen,  mit  Begleitung 
des  Pf. :  Schlafe,  mein  Prinzchen,  schlaf  ein  etc. 
Andante  Ffa  Es  (ist  ganz  mozartisch,  naiv,  ori- 
ginell und  launig.  Es  ist  lüer  als  Beylage  zu- 
gegeben. .iL* 

19)  Eine  Arie :  Dentro  il  mio  petto,  D  j|  |.  Allegro 

,  maestoso.  Unvollendet. 

1  «    

tV.  Verzeichniss  derjei  ligen  Composit innen ,  wel- 
che Mozart  ausser  den  hier  angeführten  noch 
vollendet  hinterlassen  hat. 

1)  Ein  Oratorium:  Davidde  penitente,  vom  J.  1785, 
wovon  in  der  Biographie  mehres  gesagt  ist. 

2)  5o  verschiedene  Kirchen  -  Compositionen ,  wie: 
Missen,  Litaneyen,  Offertorien,  Motetten,  Hym- 
nen, Cantaten  u.  dgl.,  worunter  auch  ein  Requiem 
mit  ist.  Vorzügliche  Auszeichnung  unter  diesen 
verdient  ein  Stabat  mater  ä  5  Soprani  von  lau- 
ter Canons,  und  dann  die  Antiphona  a  4  Vod9 
welche  er  1770  zu  Bologna  als  Aufgabe  zur  Auf- 
nahme in  die  dortige  filarmonische  Gesellschaft 
scnrieb.  Siehe  die  Beylage  zur  Biogr.  S.  227.  —  Die 
grösste  ist  sein  schon  aufgezähltes  Requiem. 

3)  4  Chöre  fiir  4  Singstimmen  und  volles  Orchester. 

4)  43  italienische  Arien,  Duette  und  Terzette,  mit 
und  ohne  Recitative,  mit  vollem  Orchester,  fiir 


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Anhang,   S.  20- 


Ai 


|              *  T. 

prstummt,     auch  nicht  ein  Biel 

4 

ichenmehr 

E^o-  (f  >— 1 

Schein, 


schlafe  raein  Prinzchen,  schlaf 


ii? 

Ruh! 

lauf. 
,uf, 


j       J       —  £=| 


nicht  schreit, 
seyn? 
Ischlaf  ein ! 


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besondere  Sänger  und  verschiedene  Stimmen  ge- 
.  schrieben, ' 

5)  16  Canons  mit  u.  ohne  Text  zu  5  und  4  Stimmen. 

6)  Einige  Solfeggi  zur  Gesangsübung. 

7)  54  Ciavierlieder. 

8)  33  Orchester  -Syraphonieen.  Davon  sind  zu  Wien 
und  Offenbach  viele  erschienen. 

9)  i5  Opern -Ouvertüren.    7  davon  sind  zu  Offen- 
bach gestochen. 

10)  4i  Divertissements  für  mehr  und  weniger  In- 
strumente. Zu  diesen  gehören  auch  mehre  Har- 
moniesuiten. 

11)  8  Quintetten  für  2  Violinen,  2  Violen  und  Bass. 
Diese  sind  alle  in  Leipzig,  Wien  und  Offenbach 
erschienen. 

12)  28  Quartetten.  26  davon  sind  für  zwey  Violinen, 
Viola  und  Basao;  eins  ist  mit  Öboe  und  eins 
mit  Flöte. 

13)  10  Violihtrio's. 

14)  4  Ballette  und  Pantomimen. 

15)  5  Violinconcerte.    Eins  davon  ist  zu  Offenbach  * 
gestochen  erschienen. 

16)  6  Hornconcerte.  Davon  sind  drey  zu  Offenbach 
herausgekommen. 

1  17)  Ein  FagottconcerU   Ebenfalls  in  Offenbach  er- 
schienen. 

18)  Ausser  den  schon  zuvor  angegebenen  noch  i5 
Clavierconcerte.  Im  Ganzen  componirte  er  näm- 

^lich  29  solche.  Bey  Breitkopf  und  Härtel  in 
Leipzig  sind  davon  21,  und  bey  Andre  in  Of- 
fenbach 25  erschienen. 

19)  Fünf  Ciavier- Quartetten. 


« 


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20)  23  Claviertrio's«  Sind  alle  in  den  Oeuvr*  compl. 

in  Leipzig  bey  Breitkopf  u.  Härtel  abgedruckt« 
ai)  5i  Claviersolo's  für  2  Hände.   Sind  ebenfalls  in  I 

Leipzig  erschienen« 
22)  4  Sonaten  für  Ciavier  zu  4  Händen. 
35)  2  Stücke  für  3  Claviere,  nämlich  eine  Sonate 

und  eine  Fuge. 
34)  Viele  variirte  Themata  für'*  Ciavier  zu  3  und 

4  Händen. 

2 5)  4  Rondo's  fiir's  Ciavier» 

26)  Mitridate.   Opera  seria.    1770  zu  Mailand  ge- 
schrieben. 

27)  Ascanio  in  Alba,  eine  dramatische  Screnate, 
1771  zu  Mailand  verfertigt. 

28)  II  «o£7zo  di  Scipione,  Serenate,  1772  zur  Instal- 
lirung  des  Erzbischofs  zu  Salzburg  geschrieben. 

29)  Lucio  Silla,  Opera  seria,  1775  zu  Mailand  ge- 
schrieben. 

00)  La  finta  Giardiniera,  Opera  buffa,  1774  zu 
München  geschrieben. 

31)  II  Re  Pastore.  Pastorale,  \jj5  zu  Salzburg  ge- 
schrieben. In  diesem  begann  der  hohe  Genius 
Mozarts,  der  in  seinen  späteren  Werken  durch- 
aus herrscht« 

32)  Zwischenacte  und  Chore  zum  Schauspiele:  Tha- 
mos  von  Egypten,  für  4  Singstimmen  und  Or- 
chester. 

* 

33)  Tdomeneo,  Re  di  Creta.  Opera  seria  in  3  Attu 
1780  für  das  Münchner  Carneval  geschrieben. 

34)  Die  Entführung  aus  dem  Serail,  oder  Constanze 
und  Belmonte.  1782  auf  Kaiser  Josephs  Befehl 
componirt. 


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23 

• 

35)  Dann  ist  noch  von  ihm  vorhanden  eine  „Kurz 
gefasste  Generalbass  -  Schule ,  oder  Fundament 
des  Generalbasses,"  deren  Aechtheit  nicht  zu 
ein,  wenn  gleich  es  Mozart  nie  für  die 
itliche  Bekanntmachung  geschrieben  hat« 


Anm.  Obgleich,  wie  schon  angegeben,  noch  so 
Composition  Mozart's  theils  gänzlich  verloren  gegangen  und 
theils  noch  in  Händen  mancher  Kunstfreunde  verborgen  liegt, 
so  musa  man  doch  staunen,  dass  dieses  möglichst  sorgfaltig 
zusammengestellt©  Verzeichniss ,  mit  Inbegriff  der  Fragmente, 
und  Entwürfe,  über  800  Stücke  zählt,  von  denen  doch  viele 
sehr  bedeutend  sind  \  und  alter  ist  Mozart  nicht  geworden !  — 


Mozart  und  die  Eigenthümlichleit  seiner  Werke. 

Nach  dem  vorhin  angegebenen  Verzeichnisse  der 
Werke  Mozart's  bedenke  man,  wie  ausserordentlich 
Viel  er  in  einem  kurzen  Leben  in  allen  Gattungen 
d  Arten  der  Musik,  vom  kleinsten  bis  zum  gross- 
ten,  vom  Einfachsten  bis  zum  Zusammengesetztesten 
Und  Verwickeltsten  in  so  mannich  faltigen  Werken 
geliefert  hat.  Hatte  man  unter  diesen  zahlreichen 
Schöpfungen  seiner  genialen  Einbildungskraft  und 
durch  Studii 


1 

miti 

sinnes,  womit  sich  die  vertrauteste  Kenntniss  aller 
Kunstmittel  verband,  hätte  man  unter  diesen  Produc- 
ten  nur  in  jeder  Gattung,  ja  nur  in  einer,  eines  der 
vorzüglichsten;  kennte  man  z.  B.  nur  eine  seiner 
herrlichen  Symphonieen,  wie  die  hinreissend  grosse; 
feurige,  kunstreiche  und  pathetisch  erhabene  in  Cü; 
nur  eines  seiner  schönen  Clavierconcerte ;  nur  eines 
seiner  ausgezeichneten  Quartetten,  Quintetten,  Trio's; 
mir  Eine  seiner  im  Ernsten  wie  im  Heitern  und  Ro- 


1 

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mantischen  deich  bewundernswerthen  Ooern.  seine 
Entführung  aus  dem  Serail,  oder  seinen  Don  Juan,  das 
anerkannte  Meisterstück  der  theatralischen  Musik; 
unter  so  manchen  würdigen  €ompositiouen  für  die 
Kirche  sein  erstaunenswerthes  Requiem  —  so  würde 
man  ihn  schon  für  eines  der  ersten  Genie's  der  neuern 
Zeit  erkennen  müssen.  Und  nun  hat  er  sich  in  allen 
diesen  verschiedenen  Fächern  mit  so  hoher  Origina- 
lität der  Erfindung,  mit  so  viel  Geschmack,  Einsicht 
und  meisterhafter  Gewandtheit  zugleich  hervorgethan ! 
Dazu  kommt  noch,  dass  Wenige,  wie  er,  die  Gründ- 
lichkeit, den  Ernst  und  tiefen  Gehalt  der  Musik  mit 
den  Reizen  und  der  Anmuth  der  modernen  und  an- 
tiken Musik  so  glücklich  vereinigten.    Der  Anbeter 
eines  Seb.  Bach  war  selbst  der  gewandteste  Contra- 
punetist  und  zugleich  ein  anderer  Gluck  in  der  pa- 
thetischen dramatischen  Musik.  Er  verband  den  Ge- 
halt und  die  Würde  der  deutschen  mit  dem  Zauber 
und  der  Lieblichkeit  der  italienischen  Meister,  ohne 
desswegen  minder  originell  zu  bleiben.  Rechnet  man 
hiezu  seine  glänzende  Virtuosität  auf  dem  Pianoforte 
nnd  von  Seiten  seiner  Denkungsart  seine,  bey  allem 
richtigen  Selbstgefühl ,  für  Seb.  und  K.  Ph.  E.  Bach, 
Händel,  Gluck,  Jos.  und  Mich.  Haydn  u.  a.  bewie- 
sene Hochachtung;  seine  Gefälligkeit,  die  Wünsche 
der  Kunstfreunde  zu  erfüllen,  und  überhaupt  das. 
Sanfte  und  Menschenfreundliche  seines  Charakters; 
so  wird  man  mit  Bewundrung  und  Rührung  das  An- 
denken eines  Künstlers  feyern,  welcher  der  Stolz 
Deutschlands  und  des  ganzen  gebildeten  Europa  blei- 
ben wird,  so  lange  der  Sinn  für  geistvolle  Ausübung 
der  Tonkunst  in  ihrem  gauaeft  Umfange*  frey  von 


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I 


aller  tadelsüchtigen  Einseitigkeit  und  Beschränktheit, 
die  Gemüther  der  Gebildeten  belebt  und  erwärmt« 
(Gerber.)  . 

Nachdem  Busby  von  Haydn  gehandelt  hat,  geht 
er  auf  Mozart  über  und  sagt:  Von  der  Betrachtung 
solcher  Talente  und  Kenntnisse,  wie  Jos«  Havdn  be- 
saas,  zur  Würdigung  der  natürlichen  und  erworbe- 
nen Fähigkeiten  eines  Tonsetzers,  wie  Mozart,  über- 
gehen, heisst  das  Vergnügen  jenes  Uebergarigs  zu 
empfinden,  welcher  den  entzückten  Naturfreund  von 
einer  blühenden  Flur  auf  die  andere  oder  in  einen 
Garten  bringt,  worin  die  Blumen,  zwar  nicht  von 
derselben  Gattung  wie  die  ersten  und  nicht  so  geord- 
net sind,  um  dem  geblendeten  Auge  dieselben  irdi- 
schen Consteilationen  darzubieten,  aber  doch  gleich- 
falls mit  dem  Glänze  der  Gestirne  wetteifern,  und 
nur  die  Schönheit  einer  andern  Hemisphäre  zu  ent- 
falten scheinen.  Allein  Mozarts  schöne  Erzeugnisse 
Viraren,  wo  nicht  glänzender,  doch  weniger  einfo>- 
mifir«  als  die  gleichmässig  dauerhaften  immer  blühen- 
den  Werke  Haydn's,  und  erforderten  bloss  einen 
langer  von  dem  vereitelnden  Ueberfalle  der  Sterblich- 
keit freien  Boden,  um  nicht  weniger  zahlreich  zu  seyn. 

Nachdem  man  all  mahl  ig  mehr  auf  das  Leichte, 
Populäre,  Sentimentale  hinarbeitend,  mit  Ausnahme 
weniger  Meister,  sich  immer  weiter  von  der  alten 
Seb.  Bach'schen  Gründlichkeit  entfernt  hatte, ,  trat 
Mozart  auf,  der,  mit  tiefer  Verehrung  für  Bach  er- 
füllt, in  seinen  eigenen  Compositionen  italienische 
Anmuth  mit  deutscher  Kraft,  und  merklich  mit  Bar- 
scher Kunst  (in  dem  Reichthume  der  Harmonie  und 
in  den  melodischen  figurirten  Bässen,  in  contrapuncti- 


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26 


tischer  Behandlung  überhaupt)  verknüpfte,  und  nebst 
Jos.  Haydn  eine  neue  Epoche  der  Tonkunst  begrün- 
dete, mit  welcher  derjenige  moderne  Styl  begann, 
dessen  Reichthum,  Fülle  und  Glanz  sich  auf  der 
Bühne,  im  Concert  und  in  der  Kirche  zu  verbreiten 
anfingen*  So  viel  aber  die  vielseitige  Ausbildung 
der  Instrumentalmusik  hierdurch  gewann,  so  ging 
doch  zum  Theil  dadurch  oft  die  grössere  Einfalt  und 
Würde  des  Kirchenstyls  verloren. 

Indessen  erschienen  Mozarts  geniale  Werke  mit 
ihrem  Reichthume  an  neuen  Ideen,  ihrem  romanti- 
schen und  humoristischen  oder  pathetischen  Geiste, 
ihrer  epischen  Grösse  und  Pracht,  und  mit  all'  ih- 
ren Reizen  und  Schönheiten  der  Melodie  und  der 
harmonischen  Ausführung.  Dieser  Genius,  dessen 
Lob  nie  genügend  ausgesprochen,  dessen  Name  vom 
Kunstjünger  nie  zu  sehr  verehrt  werden  kann,  dessen  ( 
Ruhm  ewig  leben  wird,  war  ganz  Liebe  und  Har- 
monie, ein  Nachhall  des  Schwanengesangs,  der,  mit 
Engelsharfen  vermischt,  die  Seligen  in  den  Gefilden 
der  Ewigkeit  einst  empfangt.  Bey  ihm  waltet  nicht 
dieser  innere  Kampf,  der  die  menschliehen  Naturen 
zerwühlt,  bey  ihm  werden  Mühe  und  Anstrengung 
nie  sichtbar,  jeder  Satz  scheint  sich  an  den  vorher- 
gehenden reihen  zu  müssen,  Alles  ist  so  leicht,  so 
natürlich,  so  rein  und  eben  so  tief,  als  das  uner- 
messliche  Blau  des  Himmels  an  einem  schönen  Früh- 
lingstage. Daher  erregen  seine  Werke,  obenhin 
leicht  betrachtet,  jetzt  nicht  weniger  Bewunderung 
als  andere  Meisterwerke,  deren  reine  Verhältnisse 
'  und  vollkommene  Symmetrie  fallen  nicht  so  sehr  in" s 
Auge,  als  eine  etwas  fehlerhafte  Anordnung,  und 


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man  erkennt  bey  dem  ersten  Blicke  die  gigantischen, 
aber  herrlich  gestellten  Massen  nicht*).  Dringt  man 
aber  tiefer,  so  erscheint  die  wahre  Schöne,  die  co* 
lossalische  Tiefe  nnd  Grossheit  der  mit  höchster 
Kunstvollendung  verknüpften  Elemente,  man  knieet 
nieder  und  betet  an. 

Mozart  gehört  in  die  Zahl  derjenigen,  die  mög- 
lichst unabhängig  vom  Modegeschmacke  der  Zeit,  nach 
dem  Ideale  ihres  Geistes  arbeiteten,  und  Gründlich- 
keit mit  Feinheit  und  Schönheit  der  Behandlung  in 
ihren  Producten  zu  verbinden  wussten. 

Frühzeitigen  Talenten  drohen  aber  auch  gewöhn- 
lich grosse  Gefahren;  denn  indem  man  sie  zu  An- 
strengungen reizt,  gehen  sie  gegen  die  Kindesnatur« 
So  nur  bey  unserm  Mozart«  Er  spielte  schon  in 
seinem  6ten  Jahre  brav,  im  7ten  und  8ten  schrieb 
er  Sonaten,  im  I2ten  oder  i4ten  ein  Te  Deum,  was 
wir  noch  jetzt  nicht  ungern  hören!  —  So  glaubt 
ihr  wirklich,  mit  eurem  Kinde  dieselbe  Ausnahme 
zu  erfahren,  die  die  Natur  in. fast  einem  vollen  Jahr- 
hunderte (seit  Handel)  nur  ein  Mal  machte?  glaubt, 
weil  ihr  ein  Loos  in  der  Lotterie  habt,  den  gross ten 
Gewinn  zu  erhaschen  (dieser  Vergleich  sagt  noch  viel 
zu  wenig) ,  und  macht  in  dieser  Zuversicht  den  gan- 
zen Zuschnitt  des  Lebens  darnach?!  v 

Ich  frage  auch  nicht:  war  denn  Mozart  glücklich? 
—  Ich  habe  ihn  gekannt,  er  war  es  nie«  Ich  erinnre 
euch  auch  nicht  daran,  wie  kurz  sein  Leben  war« 
Ihr  würdet  wohl  nur  sagen :  so  brachte  er  Glück  und 

Leben  der  Kunst  zum  Opfer!  so  steht  er  darum  vor 



•)  Wie  in  der  Symphonie  CjJ  mit  der  SchluMfnge.  • 

•  i 

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aller  Welt  ton  «,  hoher  da!  —  Ihr"  habt  Recht»  Aber 
das  ist  gewiss,  Mozart  wurde  in  früher  Kindheit 
weniger  gereizt,  weniger  in  der  Kunst  angestrengt, 
nicht  einmal  wissentlich  zu  ihr  geleitet,  sondern  nur 
sielt  selbst  überlassen,  ja  sogar  zurückgehalten g  bis 
seine  ganz  eigenthümliche  Natur  Ton  selbst  unauf- 
haltsam hindurch  brach  und  unverkennbar  ankün- 
digte :  Dieser  soll  einmal  unter  Millionen  allein  ganz 
gegen  die  Regel  gerathen.  Nun  so  wartet's  nur  still 
ab,  ob  sie  über  euejr  Kind  dasselbe  unwiderstehliche 
Machtwort  zu  sprechen,  und  ihnen  diess  grosse,  nur 
änderen  wohlthätige  Opfer  aufzulegen  vorhabe. 

Mozart  schineb  seine  Noten  in  seiner  Kindheit 
für  sich  auf  Papier,  wie  es  ihm  eben  zur  Hand  war; 
kleine  Notenköpfe,  aber  verhaitnissmässig  grosse 
Schwänze.  Die  Noten  sind  einander  sehr  gleich, 
recht  deutlich  und  ohne  alle  Abkürzungen;  selbst 
das  Forte  und  Piano  etc.  schrieb  er  durch  alle 
Stimmen  der  breiten  Partituren  ganz  genau  bey;  in 
späteren  Jahren  hingegen  schrieb  er  sehr  nett,  nicht 
selten  mit  Verbesserungen,  wo  er  denn  das  eben  Ge- 
schriebene mit  den  Fingern  auswischte,  oder  das  schon 
getrocknete  mit  einem  einzigen  dicken  Kreüz  ver- 
dammte. Radirt  hat  er  wohl  nie,  und  eben  so  hat 
er  selten  Was  nachgetragen  und  eingehängt. 

Mozarts  Körper  kränkelte  in  seiner  letzten  Le- 
benszeit und  litt  besonders  an  äusserst  leichter  Reiz- 
barkeit der  Nerven,  und  wurde,  wie  sich  wohl  psy- 
chologisch erklären  lässt  —  überhaupt  sehr  furcht- 
sam, was  er  auch  schon  früher  war,  besonders  viel 
von  Todesgedanken  beunruhigt.  Nun  arbeitete  er  so 
viel  und  schnell,  —  freylich  desshalb  zuweilen  auch 

/ 


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" 

flüchtig,  —  dass  es  scheint,  er  habe  sich  vor  dem 
Aengstenden  der  wirklichen  Welt  in  die  Schöpfum- 
gen  seines  Geistes  flüchten  wollen.  Seine  Anstren- 
gung ging  dabey  oft  so  weit,  dass !  er  nicht  nur  die 
ganze  Welt  um  sich  her  vergaass,  sondern  ganz  ent* 
kräTtet  zurücksank  und  zur  Ruhe  gebracht  werden 
musst'e.  Jedermann  sah,  dass  er  sich  auf  diese  Weise 
bald  aufreiben  müsse.  Die  Zuredungen  seiner  Gat- 
tin und  seiner  Freunde  halfen  nichts,  die  Versuche, 
ihtr  kü  Berstreuen,  eben  so  wenig.  Er  that  Etwa« 
seinen  Lieben  zu  Gefallen,  fahr  mit  ihnen  aus; 
nahm  aber  an  Nicht*  mehr  wahren  Antheil,  sondern 
lebte  immer  fort  in  seinen  Phantasie* -n ,  aus  denen 
ihn  nur  zuweilen  ein  Schauder  vor  dem  Tode,  der 
.sich  schon  um  sein  Gebein  zu  winden-  anfing,  er- 
weckte. Seine  Gattin  bestellte  oft  heimlich  Per*- 
sonen,  die  er  liebte:  sie  mussten  ihn  zu  überraschen 
scheinen ,  wenn  er  sich  wieder  zu  tief  und  anhaltend 
in  seine  Arbeit  versenkte :  er  freute  sich  zwar,  blieb 
aber  dennoch  beym  Arbeiten.  Sie  mussten  nun  viel 
schwatzen:  er  hörte  Nichts:  man  richtete  das  Ge- 
spräch an  ihn:  er  ward  nicht  unwillig,  gab  einige 
Worte  dazu,  schrieb  aber  fort.    '  i-  -  '  ? '! 

In  dieser  Zeit  und  traurigen  Gemüthsstimmung 
schrieb  er  bekanntlich  die  Zauberflöte,  La  Clemenza 
di  Tito  und  sein  Requiem.  Schon  über  der  Zauber- 
flöte, versank  er,  dem  Tag  und  Nacht  gleich  war, 
wenn  ihn  der  Genius  ergriff,  in  öftere  Ermattung 
und  minutenlange  halb  ohnmächtige  Bewußtlosigkeit. 
Die  Musik  dieser  Oper  hatte  er  recht  lieb,  obschpn 
er  über  manche  Sätze,  die  gerade  den  allgemeinsten 
Beyfall  erhielten,  lachte.   Man  hat  zwar  das  Seit- 


I 


30 

samc  des  Gesanges  der  geharnischten  Männer,  wäh- 
rend der  fromme  Tamino  die  Famina  durch  Feuer 
und  Wasser  führt»  und  die  wunderleisen  grillenhaf- 
ten Uebergange  und  besonders  Ausgange  der  Melo- 
die in  mehren  Kritiken  bemerkt ,  aber  die  eigent- 
liche Pointe,  von  welcher  jene  Sonderbarkeiten  ab- 
hängen, nicht  angemerkt.  Die  schwarzen  Männer 
singen  nämlich  unter  dem  düstern  melancholischen 
Accompagnement  die  uralte  Kirchenmelodie  etc. 

»•  .  .  (Rochlitz.) 
Mozart  konnte  seine  Zauberflöte  wegen  Kränk- 
lichkeit einmal  nicht  selbst  diriciren,  desshalb  legte 
er  zu  Hause  die  Uhr  neben  sich  und  horte  im  Geiste 
die  Musik.  „Jetzt  ist  der  erste  Act  aus  —  jetzt  ist 
die  Stelle:  Die  grosse  Königin  der  Nacht  etc«  sagte 
er,  und  dann  ergriff  ihn  wieder  der  Gedanke,  dass 
das  Alles  für  ihm  bald  ganz  vorbey  seyn  werde,  und 
er  schauderte  zusammen. 

Busby  sagt:  Die  Ouvertüre  der  Zauberflöte  und 
die  der  Clemenza  di  Tito  und  das  Requiem  durch 
Flights  und  Robsons  erstaunenswürdige  cylindrische 
Orgel  zu  hören,  heisst  die  Wunder  der  Musik  und 

Instrumentenbaue  kennen  lernen.  • 

•  ■   

So  sehr  auch  Mozart  als,  ausgezeichneter  fCunst— 

ler  anerkannt  wurde,  so  blieb  er  doch  auch  nicht 
frey  von  Tadel.  Hier  einige  Beyspiele: 

Gerade  desshalb,  weil  Mozart  Genie  war,  hatte 

er  weit  mehr  Fehler,   als  andere  Componisten.  *) 

  ■ 

•)  Jo.  Bapt.  Schau]  Ostcrvaz,  inst  ruf  tive  all*  uso  degli  amanti 
della  lingua  Holum a  e  dellc  belle  etr.  Fnmkf.  h.  Willmanns. 


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 31 



I  — 


Das  Genie  wül  Alles 
um  Regeln  oder  ältere  Vorbilder;  die  Meisterbahn, 
die  so  viele  Andere  vor  ihm  betraten,  verschmähend, 
will  er  selbst  Original  seyn  und  alle  Uebrigen,  die 
mit  ihm  in  die  Schranken  treten  konnten, 

Ueber  Mozart's  eigenhändigen  Katalog 
Werke  heisst  es  ferner:   Diese  Ueberschwemmung 


nes  Talents,  aber  zugleich  ihre  Aehnlichkeit  einer 
Ueberschwemmung,  welche  Alles  verheert  und  Erde 
und  Pflanzen,  Steine,  Holz  und  Wasser  unter  ein- 
ander wirft.   Seine  Werke  enthalten  Gutes,  Mittel- 


sie  keines  solchen  Aufhebens  Werth  sind,  als  seine 
Verehrer  davon  machen.  Ich  behaupte,  dass  die  Me- 
lodie in  den  Singstimmen  nicht  selten  gezwungen 
und  schleppend  ist,  und  den  natürlichen  Fluss 
behrt.  welcher  den  italienischen  Gesang 
Seine  Harmonie  ist  rauh,  hart  und  gesucht:  die 
Ouartetten,  Quintetten,  Septetten  und  Finalen  seiner 
Opern  sind  allzu  überladen:  ja,  wie  oft  sogar  hat  er 


digt!  Ist  wohl  das  letzte  Finale  der  Zauberflöte  mit 
der -gesunden  Vernunft  zu  vereinbaren,  da  er  die 
drey  Knaben  in  so  schweren  Tonen  singen  lässt, 
welche  selbst  einem  erfahrnen  Sänger  auszuführen 
Mühe  kosten  würden!  —  Im  Tito  singt  Sextus,  von 
Gewissensbissen  gequält,  zu  Titus  ein  Rondo!  Ist 
das  Sextett  aus  Es  #  im  zweyten  Acte  des  Don  Juan, 
in  welchem  die  Spitzbüberey  des  Leporello  entdeckt 
wird,   nicht  in  einem  höchst  tragischen  Style  ge- 


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32 

■ 

sehen  Anstrich  haben  sollte?  (mezzo  carattere.)  —  Im 
letzten  Duette  des  Don  Juan  mit  Leporello  aus  £  <j 
sind  die  Flöten  ganz  gegen  ihre  Natur  gesetzt,  der- 
gestalt* dass  auch  der  geübteste  Spieler  nicht  im 
Stande  ist,  die  so  schweren  Stellen  mit  Deutlichkeit 
und  Reinheit  auszuführen.  Noch  ist  eine  Arie  der 
Donna  Anna  aus  D  8,  welche,  man  mag  das  Zeit* 
in  aas  s  noch  so  geschwind  nehmen,  immer  für  die 
Singstimme  zu  schleppend  bleibt,  hingegen  für  die 
Begleitung  stets  zu  schnell  ist,  so  dass  ein  Misch* 
ma&ch  daraus  entsteht*  In  den  Arien  überhaupt  ist 
er,  wenige  ausgenommen,  niemals  glücklich  gewesen« 
Weil  die  Begleitung  meistentheils  nur  aus  Nachah- 
mungen besteht,  nämlich:  wenn  die  erste  Violine 
eine  Idee  beginnt,  so  wird  diese«  voa  der  zweyten, 
von  der  Viole  oder  dem  Basse,  oder  von  Bks-In- 
strumenten  wiederholt,  so  dass  die  Instrumente  eine 
yon  der  Singstimme  ganz  verschiedene  und  eigene 
Sprache  reden.  Und  wie  oft  offenbart  es  sich,  dass 
sein  Haupt -Instrument  das  Ciavier  war  und  er  we- 
nig von  der  Natur  der  Instrumente  verstand,  indem 
er  für  sie  setzte,  was  ihm  eben  beliebte,  ohne  sich 
um  die  leichte  oder  schwere  Ausführung  zu  kümmern. 

Die  Begleitung  muss  einfach,  natürlich  und  fass- 
lich seyn;  dann  gewinnt  sie  an  Ausdruck,  Energie 
und  Effect«  Aber  man  soll  für  ein  Orchester  keine 
Concerte  setzen  und  mit  Gewalt  die  Saiten -Instru-. 
mente  mit  einer  übertriebenen  Anzahl  Veto  lärmen- 
den Blas -Instrumenten  übertönen,  wie  Mozart  ge-* 
than  hat,  als  Posaunen,  Hörner,  Flöten,  Oboen,  Cla- 
rinetten,  Fagotten,  Trompeten  und  Pauken,  welche 
sich  alle  vereinigen,  den  armen  Violinen  sowohl  ^ls 


* 


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den  Singstimmen  den  Krieg  zu  erklären*   Ich  ver- 
damme in  dieser  Rücksicht  daher  jeden  Tonsetzer, 
er  sey  Deutscher  oder  Italiener;  doch  in  den  italie- 
nischen Opern  sind  die  Instrumente  weit'  weniger 
gemissbraucht ,  als  in  den  deutschen.   Wo  man  aber 
solche  Fehler  findet,  sind  sie  tadelnswerth  und  ab- 
scheulich, weil  ein  solcher  üppiger  Luxus  zur  Bar- 
barey  fuhrt,  und  alle  philosophischen  Musiker  soll- 
ten sich  der  Verbreitung  eines  solchen  ausgearteten 
und  verdorbenen  Geschmackes  widersetzen.   Wo  ist 
der  Sänger,  dessen  Stimme  durch  das  Geräusch  der 
Harmonie,  durch  die  aufgehäuften  Accorde  und  die 
Millionen  von  Noten  durchzudringen  vermag?  Man 
könnte  mit  Recht  sagen,  dass  die  Instrumente  sin-« 
gen,  und  nicht  der  Sänger.   Von  allen  Opern  Mo- 
zart's,  obgleich  viel  Triviales  darin  ist,  halte  ich  die 
Zauberflöte  für  die  melodieenreichste.    Es  herrscht 
Einfachheit  und  Sparsamkeit  darin.  —  Die  Arie :  Diess 
Bildniss  ist  bezaubernd  schön  etc.  nennt  er  einen 
Gassenhauer!  —  Einige  Stücke  ausgenommen,  ist  Tito 
so  trocken  und  langweilig,  dass  diese  Arbeit  weit 
eher  für  die  ersten  Früchte  eines  aufkeimenden  Ta- 
lents, als  für  die  eines  ausgebildeten,  gelten  kann. 
Es  leuchten  nur  einige  Genieblitze  hervor,  welche 
zeigen,  was  Mozart  bey  besserer  Leitung  Latte  wer- 
den können.  Das  Wenige,  was,  mir.  die  Italiener  ge- 
ben, macht  mir  mehr  .Vergnügen ,  als  alle  Reich  Um- 
mer der  Deutschen ,    weil  das  Wenige  zu  Herzen 
geht,  hingegen  jener  Reichthum  Nichts. 

Dieser  Schäul  lässt  nicht  einmal  das  Urtheil  gel- 
ten, was  Jos.  Haydn  1785  zu  Mozart's  Vater  über 
Mozart  äusserte,  der  damals  29  Jahre  alt  war,  „weil 

3 

■ 

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das  Urtheil  ein  Doctor  der  Musik  fällte,   und  die 

* 

Gelehrten  oft  das  Wissen  und  das  Ungewöhnliche 
eines  Talents  nur  deswegen  beloben,  um  ihre  per- 
sönlichen Eigenheiten  zu  rechtfertigen."  —  Schaul  be- 
hauptet, die  Ouvertüren  Mozart's  sind  nie  im  Stande, 
die  Wirkungen  hervorzubringen,  als  die  Jomelü's, 
die  man  eigentlich  nur  Ouvertüren  nennen  kann*  *) 

Nachdem  nun  dieser  Schaul  den  Jomelli,  den  er 
den  Gott  der  Harmonie  nennt,  Salieri  und  Andere, 
deren  Ruhm  Niemand  schmälern  wird,  bis  in  die 
Wolken  erhebt,  sagt  er  noch:  Wenn  Mozart  seine 
Unzulänglichkeit  gefühlt  hätte  und  den  wahren  Trieb 
eur  Kunstausbildung,  so  würde  er  barfuss  nach  Bo- 
logna gewandert  seyn,  um  Martini,  den  Nestor  der 
Musik,  zu  Rathe  zu  ziehen*  (Man  weiss  übrigens, 
dass  Mozart  den  Martini  schon  kannte  und  ihn  im 
Jahre  1770  besucht  hat.) 

Anderswo  **)  heisst  es,  Mozart  habe  kaum  den 
Beruf  zu  einem  Ciavierspieler,  und  dioKritik  schliesst 
so:  Si  puofar  di  piü  per  far  stonare  ä  professori? 
womit  besonders  der  Anfang  des  Quartetts  gemeint  ist« 

Rochlitz  selbst  sagt,  dass  Mozart  in  den  Feldern 
seiner  Kunst  als  Fürst  herrschte  und  glänzte,  dass 
es  aber  doch  einige  giebt,  worin  er  sich  als  unbe- 
dachtsamer A^anderer  verirrte» 

Anderwärts  ist  er  auch  ein  Sänger  des  Waldes 

ohne  Idealität  genannt  worden. 

»  • 

*)  Briefe  über  den  Geschmack  in  der  Musik,  von  J.  11,  Schani, 
Königl.  Würtemb.  Hofmusicus.   Carlsruhe.  Maklot.  1809. 

♦•)  Osserrazioni  critiche  sopra  im  QuarUtto  di  Mozart.  Von 
Sarti.  Es  ist  dieses  das  Violin -Quartett,  welches  mit  Ada- 
gio C}|  |  beginnt,  das  Final  ist  C  in  Achtelnoten. 

♦ 

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I 

I  • 

In  Italien  heisst  es:  Wir  bewundern  tief  Mozart's 
Opern,  aber  nicht  als  Gesangmusik.  (Dieses  erklärt 
sich  nun  aus  dem  Sinne  und  Geiste  der  Nation,  aus 
dem  Stand  und  Gange  ihrer  musikalischen  Cultur 
und  aus  ihrer  Sprache.)  Sie  sagen :  „seine  Melodieen 
sind  uns  noch  nicht  fliessend  genug:  er  lässt  den 
Sängern  zu  wenig  freyen  Abdruck,  und  wir  haben 
Sänger,  die  sich  darauf  sattsam  verstehen:  er  ver- 
stand die  italienische  Sprache  nicht  genug,  oder  ging 
zu  willkührlich  mit  ihr  um:  er  hat  bey  weitem  zu 
viel  und  nicht  leicht  genug  zu  ubersehendes  Accom- 
pagnement,  die  Soloparthieeu  sind  zu  überladen: 
Alles  ist  nur  nath  reifer  Ueberlegung  vom  Herzen 
zu  geniessen.  (Hier  darf  wohl  zugesetzt  werden: 
Mozart's  Musik  gut  zu  executiren,  ist  für  Italiener 
zu  schwer,  denn  in  ganz  Italien  ist  bis  1801  kein  . 
Orchester,  das  z.  B.  den  Don  Juan  gut  aufzuführen 
im  Stande  wäre.) 

In  Frankreich  führt  man  nicht  gern  Mozart's 
Symphonieen  auf,  man  kann  sich  ihren  Geist  noch 
immer  nicht  recht  aneignen«  Man  sagt:  Mozart  ist 
allerdings  als  Instrumental- Componist  Haydn's  iW 
benbuTiler,  aber  weniger  weiser  Nebenbuhler:  er  be- 
weist weit  mehr  Genie,  als  Geschmack. 

Der  Italiener  verlangt,  der  Gesang  in  der  Oper 
solle  deutlich  und  klar,  nicht  der  künstliche  Gesang 
der  Kirche  und  frey  von  jenen  kühnen  gesuchten 
Modulationen  seyn,  die  man  in  der  Instrumental- 
"  Musik  mit  Vergnügen  hört.  Er  giebt  nicht  zu,  dass 
das  Orchester  den  Sänger  bedecke,  um  nur  Künste 
,  des  Tonsetzers  und  der  Instrumente  hören  zu  lassen, 
geht  aber  hier  in  seinen  Forderungen  zu  weit,  und 

•  *  ,  Digitized  by  Google 


will  Alle«  gar  zu  plan  und  kahl.  Daher  machen  die 
Opern ,  auf  die  Deutschland  stolz  ist,  in  Italien  kein 
Glück.  Die  Zauberflöte  und. Z,a  Clemenza  di  Tito 
gefielen  in  Mailand  nur  wenig,  und  Cosl  fan  tuite 
fiel  in  Neapel  gänzlich  durch. 

In  Paris  war  1823  ein  Streit  zwischen  Mozart's 
und  Rossini'«  Anhängern,  wie  einst  über  Gluck's 
und  Piccinrs.  Alles  nahm  an  dem  Kampfe  Theil. 
Die  Musiker  waren  auf  Mozart's  Seite  und  die  Di- 
lettanten, die  Literatoren  und  die  meisten  Journali- 
sten auf  Rossini's.  Die  letzte  Parthey  hatte  dabey 
den  Vortheil Alles,  was  sie  für  ihre  Meinung  zu 
sagen  wusste,  leichter  durch  den  Druck  zur  allge^ 
meinen  Kenntniss  zu  bringen.  Die  Musiker  wurden 
damit  abgefertigt:  der  Neid  spreche  aus  ihnen. 

Man  sagt,  *)  die  Rossini'sche  Musik  lasse  keine 
solche  tiefen  Eindrücke  im  Gemüthe  zurück,  wie  die 


TT 

IM 

r» 

der  Gesang  der  absolute  Monarch  derselben  und  die 
begleitenden  Instrumente  seine  getreuen  Unterthanen ; 
Rossini'sche  Opern  werden  daher  dem  Publicum  im- 
mer besser  als  die  Mozart'schen  gefallen.  Rossini's 
Musik  wird  allenthalben  nachgesungen:  wo  sind  die 
singbaren  Arien  in  den  Mozart'schen  Opern,  welche 
den  Dilettanten  gefallen?  Ausser  dem  Duett:  Lad 
darem  la  mano,  welches  übrigens  so  trivial  ist,  dass 
weder  ein  Liebhaber  noch  ein  Kenner  sich  dessen 
erinnert,  welch  anderes  Stück  macht  im  Dou  Juan 
auf  die  Seele  einen  Eindruck?  Die  allgemeine  Tinte 


*)  Cenni  di  una  Donna  giä  contante  sopra  Rossini.  Bologna. 
Sassi.  i8a3.  (Sioheisat:  Carolina  Giorgi  Righctü  auaBologua.) 


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♦  » 


sowohl  dieser  als  aller  anderen  Opern  Mozart  s  scheint 
mir  ohne  Haltung  {non  sostcnuta);  viel  weniger  jene 
der  verschiedenen  Empfindungen  und  Charaktere. 
Der  Bauer  singt  oft  wie  der  Held,  und  die  ernst-  x 
hafteste  Person  singt  in  einem  trivialen  Style.  Die 
Scene  des  Geistes  im  Don  Juan  ist  schrecklich  und 
majestätisch;  allein  auf  dem  Theater  del  Corso  fand 
man  in  ihr  ein  Quantus  tremor  und  ein  Tuba  mi- 
rum  der  kältesten  Puristen  des  verwichenen  Jahr- 
hunderts. Man  behauptet,  dass  die  Mozart'sche  Mu- 
sik einen  hohen  Grad  Aufmerksamkeit  md  ein  sehr 
empfangliches  Gefühl  erfordere,  um  in  alle  ihre 
Tiefen  einzudringen;  allein  die  Aufmerksamkeit  finr 
det  nur  da  statt,  wo  Etwas  wahres  Interesse  erregt; 
der  Eindruck  der  Musik  ist  schnell  und  kann  weder 
üef  noch  permanent  seyn,  der  Mechaniamua  in  der 
Musik  erregt  Langeweile  und  Gähnen. 

In  Mailand  hat's  geheissen:  die  Zauberflöte  hat 
gar  keinen  Gesang.  Auch:  sie  hat  Nichts,  als  Ge- 
sang, und  das  Orchester  zu  wenig  zu  thun.  Auch : 
diese  Oper  hat  eine  Musica  scellerata.  Letzteres 
sagten  diejenigen,  die  nur  einer  Musica  di  piazza 
'  huldigen. 

Von  Clemenza  di  Tito  sagten  einige  Mailänder, 
dass  sie  in  der  Scala  keinen  Effect  machen  könne, 
'  weil  sie  eine  Miniatur- Musik  habe,  denn  die  Oper 
hat  kleine  und  kurze  Stücke.  (Duette,  Terzette.) 
Andere  erklären  den  Ausdruck  so:  die  Harmonie 
ist  bis  ins  kleinste  Detail  ausgearbeitet.  (Ueber  dem 
Einzelnen  ist  aber  wohl  das  Ganze  zurückgesetzt  ?  — ) 
—  Noch  ein  Vorwurf,  der  dort  Mozart  gemacht 
.  wird,  hilft  ebenfalls  Ort  und  Zeit,  Urtheil  und  Ge- 
»  « 


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•  ■ 

I 

schmack  bezeichnen.  „Viele  Stücke  Mozart/s  endigen 
leise,  das  ist,  wo  nicht  überhaupt  unrecht,  doch  ge- 
gen den  Effect."  Und  doch  sagt  man  in  Italien  von 
jener  lärmenden  Cadenz,  mit  welcher  fast  alle  Stücke 
der  italienischen  Oper  endigen,  sie  sey  eine  Bettel- 
Cadenz,  weil  nämlich  der  Componist  oder  Sänger  sich 
durch  dieselbe  den  Beyfall  des  Publicums  erbettele. 

Es  ist  wohl  nichts  leichter,  als  jedem  Stücke  diess 
ewige  Einerlev  anzufiicen :  allein  ob  dergleichen  lär- 
mende  Schlusscadenzen  überall  am  rechten  Orte  ste- 
hen, ist  eine  Frage,  und  Mozart  wusste  gewiss  am 
besten,  wo  sie  hingehörten.  Will  man  letzteres  nicht 
eingestehen  J  was ,  sagt  man  zu  der  Erfahrung,  dass 
sogar  ein  Finale,  wie  das  erste  im  Titus,  leise  en- 
digt und  doch  in  Italien  auf  dem  Theater  den  gröss- 
ten  Beyfall  erregte  ?  Und  hat  nicht  das  Terzett  Quello 
di  Tito  e  il  volto  bey  jeder  Vorstellung  sehr  grossen 
Beyfall  erhalten,  wiewohl  es  leise  endigt? 

„Musik,  wie  die  Mozart'sche ,  bedarf  keiner  vor- 
züglichen Sänger."  Was  wird  nicht  hiermit  ausge- 
sprochen? 

Einige  in  der  Musik  nicht  unbedeutend  seyn 
wollende  Zuhörer  von  Mozart's  Opern  in  Italien 
meinten,  er  hätte  doch  auch  Vieles  von  anderen  Mei- 
stern entlehnt,  und  citirten  Opern  zur  Behauptung 
ihres  Satzes.  Als  man  ihnen  aber  sagte,  diese  Opern 
wären  erst  wenige  Jahre  alt,  und  Mozart  sey  seit 
25  Jahre  unter  der  Erde  —  war  freylich  die  Sache 
anders« 

Vala-Bregues  sagte,  dass  Mozart  im  Grunde  nicht 
für  den  Gesang  habe  gut  schreiben  können,  weil  er. 
mit  keinem  guten  Sänger  zu  thun  gehabt  hätte.  „Er 


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habe  leben  sollen,  Um  die  Bekanntschaft  seiner  Frau 
(der  Catalani)  zu  machen." 

Die  Opernarien  Mozart'«  sind  den  Italienern  auch 
desshalb  zuwider,  weil  daraus  Nichts  anders  gemacht 
werden  kann  oder  muss,  als  was  es  schon  selbst  ist; 
und  um  eine  Arie  voll  tiefer  Seele,  Empfindung  uud 
Ausdruck  zu  begreifen,  dazu  gehört* gerade  wieder 
tiefes  Gefühl  und  Seele. 

'  Die  Bässe  sammtlicher  Mozart'scher  Opern  liegen 
ausser  dem  Reiche  der  italienischen  und  französischen 
Kehlen:  ihre  Besetzung  bietet  unbesiegbare  Schwie- 
rigkeiten. 

Ueber  Mozart's  Modulali ons- Manier  sagten  die 
Italiener :  Dieses  plan-  und  zwecklose  Herumschwei- 
fen ist  nur  Folge  der  Unbeholfenheit,  sich  glücklich 
auf  dem  Platze  zu  helfen,  wo  man  eben  ist.  In  den 
herrlichsten  Werken  der  grössten  Meister  aller  Zei- 
ten betrachtet  man  die  Einfachheit,  Ruhe,  Ordnung 
und  Klarheit  als  die  nicht  geringsten  Eigenschaften. 
—  Aber  auch  darin,  wie  fast  in  Allem,  ist  Mozart 
Meister  und  wird  es  bleiben,  wenn  auch  neuere  Scri- 
benten,  die  Niemand  kennt,  obgleich  sie,  sich  zu 
nennen,  den  Muth  haben,  ihm  Geist  und  Urtheils- 
kraft  absprechen  und  nur  Kunstinstinct  zugestehen* 
(Risum  teneatia  — ) 

Nägeli*)  weis't  der  Instrumentalmusik  zu:  das 
Gefühlleben,  die  Bewirkung  einer  freyen  Stimmung 
durch  ein  freyes  Tonspiel  5  die  Vocalmusik ,  das  Ge- 
biet der  Affecte,  der  Situationen.  Diese  wendet  sich 

*)  In  seinen  Vorlesungen  über  da«  Wesen  der  Musik,  gehalten 
in  Stuttgart  1824« 


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40 

an  die  Einbildungskraft  und  dringt  selbst  in  den  Geist 
und  das  Reich  der  Ideen.  Er  tadelt  die  falsche  Can- 
tabilität  in  der  Instrumentalmusik,  eine  solche,  die 
unvermittelt  zwischen  Instrumentalsätzen  steht^  um 
durch  Gegensatz  Effect  zu  machen.  Er  beschuldigt 
Mozart  dieses  Fehlers  und  misst  ihm  bey  das  Umsich- 
greifen eines  musikalischen  Unneils,  das  Anwenden 
eben  dieser  falschen  Cantabilitat  und  das  Erregen  von 
AfFecten,  durch  Contrastirungen,  da  wo  blos  freyes 
Tonspiel  zu  Herbey fuhrung  einer  freyen  Gemütha- 
8tiinmung  herrschen  sollte.  Es  kam  so,  weil,  was  bey 
ihm,  besonders  in  den  Symphonieen,  aus  Uebermaass 
des  Reichthums  geschehen,  von  wenigen  begabten, 
als  ächte  Kunst  nachgeahmt  worden.  Kaum  ver- 
mochten seine  unbedingten  Verehrer  unter  den  Zu- 
hörern durch  das  Lob,  das  z.  B.  seinen  Claviercon- 
certen  uud  durch  die  Huldigung,  die  ihm  als  Schö- 
pfer unsterblicher  Opern  gezollt  wurde,  mit  jener 
frechen  Kritik  ausgesöhnt  zu  werden. 

Einige  halten  den  Don  Juan,  wiewohl  für  gross 
und  harmonisch,  doch  aber  mehr  für  schwer  und 
kunstvoll  w  als  gefallig  und  populär. 

Rochlitz  sagt,  man  könne  wie  Sterne  die  Rei- 
senden, so  die  Musikhörenden  und  Beurteilenden 
ebenfalls  in  vier  Classen  zerwerfen.  In  die  zweyte 
setzt  er  die,  welche  nur  mit  dem  Verstände  hören 
und  den  Namen  der  Kunstkenner  fuhren.  —  Die 
Einen  lieben  nur  alte  Musik  und  hören  das  Neue 
nicht  gern.  —  Die  Zweyten  suchen  ihre  Freude  bey 
dem  Anhören  der  neuen  berühmten  Meister ,  falsche 
Quinten,  verbotene  Oclaven  zu  finden. 


41 

Den  ersten  war  Mozart  zuwider  sein  ganzes 
ben  laug,  und  nur  nach  seinem  Tode  wurden  sie 
mit  ihm  versöhnt  durch  sein  Requiem,  in  welchem 
er  sich  dem  altern  Kirchenstyle  nähert.  Den  letz-  . 
teren  war  er  durch  frühere  Arbeiten  interessant,  weil 
sie  in  seinen  damals  nicht  seltenen  Vernachlässigungen 
der  grammaticalischen  Regeln  Stoff  zum  Tadel  des 
Meisters'  fanden  und  in  seinem  Beyfalle  bey  dem  Pu- 
blicum Stoff  zu  klagen  über  die  Geschmacklosigkeit 
der  Zeitgenossen«     *  >  • 

In  der  Zauberflöte,  die  weniger  wahren  innern 
Werth  hat  als  Don  Juan,  Cosi  fan  tutte  etc.  sind 
bey  vielen  einzelnen  meisterhaften  Scenen  auch  ver- 
schiedene Arien  und  dergL  in  einem  gar  zu  kleinli- 
chen, beynahe  niedrigen  oder  gemeinen  Style  ge- 
schrieben« Das  Ganze  hat  daher  nicht  die  gehörige 
Haltung,  so  wie  man  auch  nicht  selten  Wahrheit 
oder  richtige  Darstellung  des  Charakters  vermisst, 
z.  B.  wenn  eine  königL  Prinzessin  und  ein  Vogel- 
steller sich  auf  ein  und  dieselbe  Art  ausdrücken.  Auch 
beweiss t  es,  dass  Mozart's  Stärke  nicht  in  richtiger 
Declamation  bestand.  (Aus  der  allgem.  deutsche» 
Biblioth.  so  wie  auch  das  folgende.) 

Ueber  den  Schauspieldirector.  Einzelne  sehr 
schöne  Züge  machen,  dass  diese  Operette,  von  einem 
minder  als  vorzüglich  bekannten  Tonsetzer  compo-  , 
nirt,  allenfalls  für  ein  Meisterstück  gelten  könnte  5 
allein  gegen  M/s  übrige  theatralische  Arbeiten  ist  sie 
unbedeutend.  Man  findet  darin  nicht  die  ihm  sonst 
eigene  Originalität,  ja  sogar  ganz  gewöhnliche,  zum 
Theil  bekannte  Gedanken.  Ja,  man  möchte  hier  und 
da  den  Text  für  untergeschoben  halten,  wenn  man 


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nicht  schon  wüsste,  das«  es  dem  Verfasser  in  Absicht 
auf  die  Declamation  zuweilen  nicht  glücken  wollte. 
Auch  die  Modulation  ist  hin  und  wieder  sehr  gemein, 
und  von  kleinen  Nachlässigkeiten  gegen  den  reinen 
Satz  ist  diese  Musik  nicht  durchgängig  frey.  füebri- 
gens  sehr  hübsch.) 

Siehigke  sagt  gegen  zwey  Aufsätze  wider  Mo- 
zart im  Journal  von  und  für  Deutschland  1799,  die 
wahrscheinlich  von  J.  F.  Reichard  herrühren :  eigent- 
lich ist  es  freylich  nicht  zu  entschuldigen;  aber  Mo- 
zart opferte  oft  lieber  die  Worte  auf,  als  eine  schöne 
Melodie,  wofern  diese  nur  auf  die  herrschende  Haupt- 
empGndung  passt«  Man  verdankt  bey  ihm  diesem 
Fehler  die  lieblichsten  Melodieem  Die  Hauptempfin- 
dung hält  er  vortrefflich« 

Nägeli  tritt,  in  der  ganzen  Welt  allein,  gegen 
die  ganze  Welt  allein ,  gegen  Mozart's  Quartette  auf, 
als  neuen  das  Vollkommenste,  was  man  irgend  in 
dieser  Gattung  besitzt  —  weil  er  nun  einmal  aus 
eigener  Machtvollkommenheit  und  wieder  gegen  die 
ganze  Welt  behauptet  hat,  die  Instrumentalmusik 
solle  blos  durch  freyes  Tonspiel  eine  freye  Stimmung 
herbeyführen:  jene  Quartette  aber  tliaten  mehr,  drück- 
ten Affecte  aus  etc.,  und  das  gebühre  ihnen  nicht, 
sondern  der  Gesangsmusik  i.  sie  sängen  zugleich  und 

werflich.  —  (Wenn  er  min  einmal  gegen  diese 
Werke  sich  aufmachen  will  und  Nichts  gegen  sie 
einzuwenden  hat,  als  dass  sie  des  an  sich  Guten,  ja 
Vortrefflichen  zu  viel  und  auch  aus  anderen  Gattun- 
gen musikalischer  Werke  enthalten  —  wie  kann  man 
dea  Meister  besser  preissen,  als  dadurch?  — ) 


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Mozart,  ce  gtnie  de  la  douce  mtlancolie ,  cet 
komme  plein  de  tant  d'idees  et  d'un  goüt  ei  gran- 
diose, cet  auteur  de  Vair :  Non  so  piü  cosa  son,  cosa 
faccio,  a  quelquefois  un  peu  abuse  des  modulations. 
II  lui  est  arrivS  de  gdter  les  beaux  chants,  dont  les 
premieres  nie  sur  es  sont  exactement  les  soupirs  d'une 
cime  tendre,  En  les  tourmehtant  un  peu  vers  la  fin, 
souvent  il  les  rend  obscurs  pour  VoreiUe,  quoique 

CÄflC^J^    J  Cl-   J^yClf*tlt>LQTl'    1  £  £t    SQ^i  @Tl%    Cs^&l-  F*  f$      OZ£F*  l& 

Quelquefois,  dans  ses  accompagnemens ,  il  met  des 
cliants  trop  diffdrens  de  celui  de  tacteur  en  scenez 
mais  que  ne  pardonneroit  -  on  pas  en  faveur  du 
chant  de  Vorcliestre,  vers  le  rnilieu  de  l'air:  Vedro* 
mentr'  io  sospiro,  felice  un  servo  miol  (Figaro)  -ü 
cliant  divin,  et  que  tout  homme  qui  souffre  d'amour 
st  rappella  involontairemenU  .  ■  ; ' 

Üissonances)  Les  gens  du  mdtier  Von*  diront,  - 
que  Mozart  abuse.  sur tout  des  Intervalle*  de  dimi- 
nude  et  de  superflue. 

Clementi,  l'dmule  de  Mozart,  dans  ses  composi- 
tions  pour  le  Piano,  a  publik  a  Londres,  cette  pa- 
trie  des  caripatures,  un  recueil  de  caricatures  har- 
moniques,  dans  lesquelles  ü  contrefait  les  plus  cer 
lebres  compositeurs  de  Pianot  quiconque  a  la  con- 
noissance  la  plus  legere  de  manieres  de  Mozart, 
Haydn  etc.,  et  entend  ces  petites  Sonates,  composees 
tfun  prdlude  et  d'une  cadence,  devine  sur  le  cltamp 
le  mattre  du  quel  on  se  moque;  on  y  reconnoit  son 
style,  et  sur  tout  les  petites  affectatione  et  erreurs 
dans  Irsauelles  il  est  suiet  ä  tomber.  *  ' 

Bey  anderen  Gelegenheiten  heisst  es:  Mozart  hat 
ungeachtet  seines  sonst  bewunderungswürdigen  Ge- 


I 


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44 
■  ■ 

schinacks  sich  in  seiner  Bearbeitung  des  Messias,  wo— 
bey  doch  die  höchste  Vorsicht  nöthig  gewesen  wäre,  , 
Ueberladungen  und  Einschaltungen  zu  Schulden  kom- 
men lassen,  welche  der  erhabene  Schöpfer  jenes  Mei- 
sterstücks gewiss  als  störend  verwerfen  würde.  Die 
herrliche  Bassarie:  das  Volk,  das  im  Dunkeln  wan- 
delt,  ist  tief  melancholisch,  und  es  gehört  dazu  eine 
ernste  Ruhe  in  der  Begleitung.  Händel  hat  hier  ! 
daher  auch  nur  Violinen  und  Bässe  (aber  ohne  Zwei- 
fel so  viele  tüchtige,  als  der  Sänger  erschreyen  kann). 
Mozart  dagegen  hat  unbedenklich  die  Flöten ,  Clari- 
uetten  und  Fagotts  zu  Hülfe  genommen.  Gleich  im 
vierten  Tacte  fallen  sie  ein,  als  ob  jemand  aufzu- 
wecken wäre,  brechen  dann  gleich  ab,  stellen  sich 
aber  der  betrübten  Malerey  wegen  wieder  ein,  wo  die 
Worte :  „ein  grosses  Licht"  kommen,  schweigen  noch- 
mals, kommen  bald  wieder  etc.  Man  kann  sagen 
dass  auch  dabey  wieder  Mozart's  Genie  erkennbar 
ist;  aber  Händeln  hat  er  hier  zu  Grabe  getragen 
und  den  ganzen  Charakter  des  Stücks  aufgehoben. 

Der  Verfasser  von:  Ueber  Reinheit  der  Ton- 
kunst schreibt:  Mozart's  Kirchensachen,  in  ein  rein 
verliebtes  leidenschaftliches  Wehen  ausartend,  tragen 
ganz  und  gar  das  Gepräge  der  weltlichen,  der  ge- 
suchtesten und  also  der  recht  gemeinen  Oper.  (Er 
will  wohl  nicht  vom  Ave  verum  corpus,  oder  vom 
Requiem  etc.  sondern  von  seinen  Jugendarbeiten  diess 

*  * 

gemeint  haben«  ■ 

Von  einigen  Mozart'schen  Ciaviervariationen  mit 
Violine  sagt  man:  Schwierigkeiten  folgen  auf  Schwie- 
rigkeiten und  schnell  beflügelte  Sätze  der  rechten 
Hand  wechseln  mit  solchen  für  die  linke.  Das  giebt 

» 

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» 

* 

> 

I  45 

 *  > 

denn  diesen  Producten  eine  solche  Einförmigkeit ,  das* 
wenn  man  eins  gehört  hat,  man  beynahe  alle  gehört 
hat«  Zwar  wird  man  diese  Variationen  immer  gern 
hören  und  sie  als  Muster  und  Uebungsstücke  schätzen; 
allein  man  vermisst  doch  in  ihnen  die  sinnreichen 
Inversionen  und  Nachahmungen  und  die  in  der  ge- 
bundenen Schreibart  variirten  Sätze,  wodurch  solche 
Compositionen  allein  einen  wahren  Werth  erhalten 
können.   Vergleiche  ähnliche  Arbeiten  Bachs. 

An  anderen  Orten  heisst  es,  Mozart's  Misericor- 
.  '  dias  Domini  sey  nach  einer  gewissen  Regel  sehr  me- 
lodisch gesetzt.  Der  Text  besteht,  wenn  man  so  sa- 
I  gen  will,  aus  zwey  kurzen  Sätzen:  Misericordias 
JJojnini  und  Cantabo  in  aeternuni?  im  Grunde  aber 
nur  aus  Einem  Satze.  Man  nimmt  entweder  das 
Eine  oder  das  Andere  als  den  Grundgedanken.  Ist's 
ersteres,  so  muss  äuch  das  Cantabo  sich  mit  beugen; 
ist* s  Cantabo,  so  muss  der  Begeisterte  auch  die  Barm- 
herzigkeit mit  in  den  Jubel  aufnehmen.  Der  belieb- 
ten Malerey  wegen,  der  auch  Handel  manches  Opfer 
brachte,  hat  es  Mozart  so  gemacht,  dass  das  Miseri- 
cordias  Domini  als  Grave  leise,  das  Cantabo  in  aeter- 
mun  aber  stark  und  in  einem  frischen  Fugensatze 
gesungen  werden  soll.  Ist  die  letzte  Spindel  abge- 
wickelt, so  kömmt  wieder  das  Grave,  und  dann 
wieder  die  Fuge. 

Was  immer  gegen  Mozart's  frühere  Kirchenstucke 
gesagt  werden  mag,  so  sind  am  15ten  October  1825 
zu  Wien  im  St.  Stephan  und  in  der  Hofkapelle  zwey 
grosse  Vespern  von  ihm  aufgeführt  worden,  erstere 
durch  Gänsbacher,  welcher  bezeugt,  dass  sie  ganz 
das  Gepräge  von  Mozart's  Genius  tragen.  Beyde  sind 


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46  ' 


aus  C  für  vier  concertirende  Singstimmen,  zwey 
linen,  Trompeten,  Pauken,  Orgel  und  Violon. 

Auf  eine  Ciavier- Sonate  mit  Violine  von  Mo- 
zart lautet  das  Unheil  dahin :  Es  wäre  nur  zu  wün- 
schen gewesen,  dass  er  sich  weniger  vom  Modege- 
scnmaclt  unsers  z<eitaixers  lessem  iiess.  Hir  Kann  uns 
stärkere  Speise  vorsetzen«  Der  zweyte  Theil  ist  in 
Vergleichung  zum  ersten  viel  zu  lang.  Zwar  gieht 
es  keine  bestimmte  Vorschrift,  aber  ein  Unterschied 
von  3i  Seiten  ist  kein  Verhältnisse  Das  Adagio  ist 
voll  sanfter  Empfindung,  wahrer  Ausdruck  schmach- 
tender Liebe,  und  die  Verwechselung  der  Klangge- 
schlechter, die  Mozart  sich  in  diesem  Satze  zweymal 
erlaubt,  ist  nicht  nur  ohne  Harte ,  sondern  auch  von 
guter  Wirkung, 

■ 

Das  Grosse  der  Kunst. 

Kein  Componist  der  Welt,  unter  den  Alten  wie 
unter  den  Neuen,  hat  das  Grosse  musikalisch  glück- 
licher dargestellt •  als  der  mächtige,  unsterbliche  Re— 
volutionair  unserer  Musik  —  Mozart.  Was  auch 
dieser  Strahlen  werfende  Genius  in  seiner  Kunst  ver- 
suchte, gelang  zwar  frey lieh  mehr  oder  weniger, 
aber  es  gelang  —  jedoch  hier,  im  Gebiete  des  Gros- 
sen, des  Erschütternden,  ist  seine  eigentliche  Hei- 
math. Und  hier  verweilte  er  auch,  war  es  irgend 
zulässig,  mit  unverkennbarer  Vorliebe  —  hier  in  ei- 
nem Lande,  wo  fast  immerwährende  Stufen  und 
Erdbeben  ihn  selbst  nothwendig  früh  aufreiben  muss- 
ten.  Es  haben  andere  vor  ihm,  wie  Jomelli,  und 
noch  mehre  nach  ihm  diess  Feld  mit 


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47 

_ 

tem  Glücke  bearbeitet;  aber  keiner  mit  größerem, 
wohl  keiner  mit  gleichem  Glücke*  Und  vornehmlich 
bat  keiner  sich  auf  diesem  Boden  so  innerhalb  der 
Grenzen  des  wahrhaft  Schönen  zu  halten  gewusst  — * 
so  frey  sich  zu  halten  gewusst  von  allen  betrachtli«* 

in  das  Groteske,  Bizarre,  Widerhaarige.  Man  über- 
sehe erst,  höre  dann  und  studire  nun  seine  bedeu- 
tenderen Werke,  besonders  die  Ouvertüren,  die  Fi* 
nalen  und  hierher  gehörigen  Scenen  des  Don  Juan, 
mehre  Stücke  des  Idomeneo,  besonders  das  erste  K* 
nale  und  die  Scene  Volgi  intorno,  das  erste  Finale 
der  Clemenza  di  Tito,  die  meisten  seiner  Sympho- 
nieen,  seine  Clavierconcerte,  z.  B#  das  aus  1)  l> ,  Chf 
C#,  2*8,  von  welchen  die  ersteren  posthuma  sind; 
dann  verschiedene  seiner  Quartetten  —  man  gehe 
über  zur  Kirchenmusik,  zu  seinen  Motetten,  z.  B. 
zu  der  aus  D  und  zum  ersten  Satze  der  aus  D  bf 
und  nun  besonders  zu  seinem  Requiem :  Requiem 

hat  über  die  hier  besprochene  Gattung  von  Musik  in 
Absicht  auf  zweckmässige  Anwendung  der  Kunstmit- 
tel zugleich  die  schönsten  Muster  fiir  das.  was  sich 
nicht  mehr  in  Worte  und  Rasonnement  einfangen 
lässt.  Seine  besten  Nachfolger,  Cherubini  und  Beet- 
hoven, haben  bisher  (1805)  noch  nicht  vermocht, 
wie  er,  die  Kunst  der  Natur  zu  bezwingen  und  sich 
überall  vor  Ausschweifungen  zu  bewahren. 

»•  •  •       ;  ■ 

Das  Ideal. 

*  •      •  »  « 

Zum  Erstaunen  öffnete  Mozart* s  Zauberhand'  mit 
einem  Male  die  bisher  fest  verschlossenen  Thore. 


Er  war  es,  der  alle  die  herrlichen  Zweige  des  gros- 
sen Baumes  in  ihrer  eigentümlichen  Form  und  Far-  - 
benpracht  überschauend,  diesen  G  esain  mt  ein  druck  in 
flieh  aufnahm«  um  als  höchster  schaffender  Genius 
alle  diese  Form  und  Farbe  nur  als  Masse  zu  betrach- 
ten, und  daraus  die  erhabenen  Werke  zu  bilden,  in 
denen  sich  die  Uebereinstimmung  und  Harmonie  aller 

i 

zu  einem  Zwecke  verbundenen  mannigfaltigen  Xheile 
in  so  hohem  Grade  vorfinden,  dass  nirgends  eine 
einseitig  hervorstrebende  Kraft,  ein  pradominirendes. 
nicht  aus  der  Urschö nheit  abgeleitetes  Frincip  daran 
nachzuweisen  ist,  sondern  alle  schöne  Form.  Bewe- 
gung und  Farbe  in  höchster  Ruhe  und  Einheit  ver- 
schmilzt, als  freyes  Proddct  des  schaffenden  Geistes« 

Parallelen  zwischen  Mozart  und  Anderen. 

.  .  Will  man  zwischen  Mozart  und  seinem  Zeitge- 
nossen Jos.  Haydn  eine  Parallele  ziehen,  so  ist  wohl 
folgende  thunlich*  Wenn  wir  Haydn  und  Mozart 
zusammenstellen,  so  zeigt  uns  ein  erfreulicher  Blick 
die  heüige  Einheit  in  der  individuellsten  Mannigfal- 
tigkeit; und  die  verschiedenen  Verhältnisse  Beyder 
stören  das  Fortschreiten  ihrer  Geister  nicht,  wenn 
wir  schon  in  der  Bestimmung  des  Schicksals  Beyder 
auf  merkliche  Verschiedenheiten  stossen.  Musik  der 
Väter  weckte  den  Tonsinn  der  Söhne,  Mozart  war 
der  Sohn  eines  musikalischen  Vaters;  Jos.  Haydn 
weckten  die  Gesänge  und  Accorde  der  ländlichen 
Cither.  Der  Sohn  des  Musikers,  dessen  Genie  frü- 
her gepflegt,  sich  früher  entwickelte,  hatte  mit  we- 
niger Hindernissen  zu  kämpfen,  als  der  Sohn  des 
BAdmachers  Haydn,  Mozart  entwickelte  sich  früher, 


i 


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« 


.  I 


N 


vollendete  aber  auch  früher.  Mozarts  Genius  wurde 
früh  unter  den  gefälligen  Musen  Wiens  gepflegt  5 
Haydn  lebte  auch  in  Wien;  aber  seine  Jugend  ver- 
wundeten die  Dornen,   wahrend  Mozart  auf  ihren 
Rosen  gewiegt  wurde.  Haydn  kam  nie  nach  Italien, 
wie  Mozart,  wohl  aber  in  das  Land  des  tiefsinnig- 
sten Ernstes ,  England ,   wohin  Mozart  nicht  kam. 
Mozart  zeigte  in  seinen  früheren  Compositionen  ei- 
nen düstern  Ernst,  strengen  Contrapunct,  und  leicht 
war'  ein  zweyter  Seb.  Bach  aus  ihm  geworden,  hät- 
ten ihn  nicht  Wiens  gefallige  Musen  umgeben  und 
Italiens  Zauber  -  Melodieen  mit  ihren  Blumenketten 
umwunden.   Aber  dabey  wirkte  seine  Kraft  wohl- 
thätig  auf-  die  Ammith  seiner  Umgebungen,  theilte 
sich  ihnen  mit,  und  so  ward  Mozart  Schöpfer  jenes 
neuen  Styls,  der  italienische  Anmuth  mit  deutscher         '  > 
Kraft  verbindet.  —  Haydn's  frühere  Compositionen 
sind  melodisch,  tändelnd;  denn  er  hörte  nichts  als 
gefallige  Musik,  und  Porpora  war  ein  Italiener.  Die- 
ser  heitere  melodische  Genius  reis'te  nach  England, 
und  dort  ward  er,  wie  Mozart  im  Süden,  der  Schöpfer  1 
eines  neuen  Styls  im  Norden,  der  die  Anmuth  des 
Südens  mit  der  Kraft  des  Nordens  vereinigte.  — 
Beyde  bekamen  ihre  eigene  Popularität,  die  sich  in 
dem  Maximum  des  Idealen  umarmte.    Mozart  gab 
der  südlichen  Popularität  nordische  Gelehrsamkeit  $ 
die  Grazie  seiner  gefalligen  Melodie  umwand  aber  1 
der  düstere  Ernst  der  englischen  Musik  tiefer  in 
Haydn,  denn  er  gab  der  nordischen  Gelehrsamkeit 
südliche  Popularität.  —  In  Beyden  war  vereint,  was 
sie  einander  zu  geben  schienen.  Mozart  suchte  seine 
Melodie  mit  der  Kraft  der  Harmonieen  zu  begleiten, 

4 

»  ■ 

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er  gab  der  Anmuth  des  Südens  die  Kraft  des  Nor- 
dens; Haydn  beschenkte  die  Kraft  des  Nordens  mit 
südlicher  Anmuth.  Haydn  versteckt  seine  tiefen 
Harmonieen  unter  Rosen  und  Myrtengewinde  seiner 
Melodie  ;  Mozart  drangt  unaufhaltsam  durch  Ton- 
ströme, kämpfend  wie  der  jugendliche  Held.  —  - 
Haydn  wandelt  gemüthlich,  wie  der  jugendliche 
Weise,  auf  Blumengefilden  der  erquickenden  Ruhe- 
stätte zu;  Mozart  erscheint  plötzlich r  prächtig  und 
gross ,  majestätisch  wie  der  Blitz  oder  die  Sonne.  — 
Haydn  bereitet  vor,  wie  ein  Frühlingstag  aus  san£- 
tem  Morgenlichte,  und  schafft  sich  erst  rings  herum 
den  Himmel,  in  dem  sich  seine  Erwählten  freuen 
sollen;  Mozart  tritt  wie  ein  Sohn  des  Lichts  plötz- 
lich und  unerwartet  unter  die  Sterblichen  und  reisst 
sie  mit  allmächtigem  Arme  im  unaufhaltsamen  Fluge 
hoch  empor  zum  Olymp.  —  Haydn's  Genius  sucht 
die  Breite ;  Mozart's  Genie  aber  die  Höhe  und  Tiefe, 
—  Haydn  führt  uns  aus  uns  heraus ;  Mozart  versenkt 
uns  tiefer  in  uns  selbst,  und  hebt  uns  über  uns.  — 
Aber  beyde  Genien  stehen  kraftvoll,  gleich  anmu- 
thig  da,  und  wandeln  so  in  den  Schatten,  wie  sie 
von  uns  ausgegangen  sind.  —  Mozart  starb  in  seiner 
schönsten  Blüthenzeit  und  sein  Geist  schuf  im  Ver- 
scheiden noch  ein  vollendetes  Meisterwerk  des  höch- 
sten Ernstes;  Haydn  ging  als  ein  lebenssatter  Greis 
von  hier  und  schuf,  als  solcher,  —  ein  Jüngling  am 
Geiste  —  eine  neue  Schöpfung,  und  einen  neuen 
Frühling  und  einen  glühenden  Sommer  im  Winter 
seines  Erdenlebens.  —  Jeder  von  Beyden  behauptet 
seine  Originalität,  aber  Beyde  sind  die  Schöpfer 
eines  cuten  Geschmacks. 

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Kindliche  Einfalt,  Naivetät,  Unschuld,  Bestreben 
des  naturgemässen  Ausdrucks  der  Empfindung  ohne 
Ueberladung  und  Willkühr,  Klarheit,  Ordnung  und 
Verständlichkeit  machen  die  Lichtseite —  Einförmig- 
keit, Steifheit,  methodische  Leere  und  Trockenheit 
aber  die  Schattenseite  der  Tonkunst  vor  Haydn  aus. 
Er  schliesst  sich  durch  seine  musikalische  Ordnungs- 
liebe, durch  das  Methodische  und  Planmässige  seiner 
Werke,  welche  —  die  früheren  vorzüglich  —  oft 
sogar  den  Anschein  eines  bestimmten  Zuschnitts  ha- 
ben, und  durch  die  kindliche  Einfalt  seiner  Melo- 
dieen  an  die  beschriebene  Periode  an.  Aber  durch 
den  Reichthum  seiner  Gedanken,  durch  die  uner- 
schöpfliche Gewandtheit  in  der  Ausführung  dersel- 
ben und  in  dem  Gebrauche  der  Instrumente  kann 
er  als  Stifter  einer  neuen  musikalischen  Epoche  an- 
gesehen werden.  Sein  scherzendes,  humoristisches 
Wesen  verlor  bey  allen  Spielen  seines  Geistes  nie 
den  entworfenen  Plan  aus  den  Augen.  —  Mozart 
nahm  noch  einen  kühnern  Flug  5  bey  ihm  schimmert 
nie  oder  nur  höchst  selten  die  Reflexion  über  seine 
Werke  hervor,  welche  in  Haydn's  Werken  von 
dem  erfahrnen  Kenner  grösstenteils  wahrgenommen 
werden  kann;  und  doch  bleibt  auch  Mozart  darin 
höchst  bewundernswürdig  und  im  Ganzen  unüber- 
troffen, dass  bey  dem  freyesten  Gange  seiner  Ton- 
weisen und  bey  der  Ueppigkfeit  und  Fülle  seiner 
Harmonieen  dennoch  nie  ein  Mangel  an  Zusammen- 
hang oder  eine  gesuchte  willkührliche  Verbindung, 
nie  eine  grelle  Modulation,  stets  die  tiefste  seelen- 
vollste Verkettung  musikalischer  Gedanken  wahrge- 
nommen wird.    Seine  Producte  sind  wahrhaft  orga- 


nisch  zu  nennen ,  indem  sich  alles  Einzelne  in  ihnen 
mit  Noth wendigkeit  aus  dem  Ganzen  entwickelt; 
und  doch  zeigen  sie  die  Freyheit  jedes  wahren  Kunst- 
werkes. Sie  sind  die  Erzeugnisse  eines  tiefsinnigen 
Geistes,  und.  doch  verräth  Nichts  ihr  Entstehen; 
man  lebt,  denselben  hingegeben,  in  einer  eigenen  un- 
sichtbaren Welt,  und  nur  das  Wiedereintreffen  der 
Gedanken  in  die  Wirklichkeit  nach  dem  Verschwin- 
den seiner  Töne  erinnert  an  den  Künstler  und  die 
Kunst. 

■ 

Scheint  uns  in  Haydn's  Werken  die  Phantasie 
dem  Verstände  noch  unterworfen,  so  stehen  beyde 
in  Mozart's  Tonstücken  in  so  unauflöslicher  Verbin- 

■ 

dung,  dass  sie  fast  nirgends  einzeln  und  getrennt 
erscheinen. 

Haydn  und  Mozart  haben  auch  das  mit  einander 
gemein,  dass  auch  nicht  das  unbedeutendste  Denkmal 
ihre  Grabstätten  anzeigt  —  in  dem  Wien,  in  dem 
sie,  der  Stolz  der  deutschen  Musik  durch  die  ganze 
gebildete  Welt,  gelebt,  gesungen,  gestorben,  sie, 
ehemals  das  Eigenthum  dieser  Kaiserstadt,  wodurch 
sie  ihre  grosse  Celebrität  in  Ansehung  auf  Musik  er- 
reicht hat. 

Beyde  haben  in  mehren  ihrer  Quartetten  zuerst 
die  gewöhnliche  und  auf  die  Stufenfolge  menschli- 
cher Empfindung  consequent  und  gut  berechnete, 
mithin  der  Wirkung  auf  das  Gemüth  sehr  vortheil- 
hafte  Reihe  der  Sätze  in  so  fern  abgeändert,  dass 
sie  das  Scherzando  oder  die  humoristiche  sogenannte 
Menuett  nicht  nach  dem  Andante  folgen,  sondern 
ihm  vorgehen  Lessen.    Diesaf  wird  jetzt  zuweilen 


•  ■ 

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selbst  bey  Symphonieen  (wo  jene,  wohl  bedacht,  es 

•  *  I  9 

^niemals  thaten)  keinesweges  verstandig  nachgeahmt. 

r 

Man  thut  es  schon,  an  die  Absichten  jener  Manner 
zu  denken,  ja  nicht  selten  offenbar  denselben  ent- 
gegen. —  Der  psychologische  örundriss  eines  Quar-  „ 
tetts  im  Ganzen  seiner  Sätze  ist:    Erstes  Allegro, 
Andante  oder  Adagio,  Scherzando  etc.    Nun  schrei- 
ben aber  jene  Meister  ihre  Sätze  nicht  selten,  ohne 
vom  Hauptcharakter  derselben  abzuweichen,  doch 
sehr  ernst,  in  einfach  edlen  künstlerischen  Verhält- 
nissen, für  ein  sehr  gemässigtes,  wenigstens  nicht 
rasches,  nicht  Siegendes  Tempo  und  auch  lang:  da, 
fühlten  sienun,  konnte  das  Andante,  das  sich  jenem 
Satze,  in  der  Empfindung  wie  in  der  Ausarbeitung, 
nun  einigermaasseri  nähert,  nicht  vollgültig  wirken. 
Es  musste  erst  etwas  lebhaft  Reizendes ,  etwas  Feuri- 
ges folgen,  um  dann  durch  Contrast  das  Andante 
zu  heben  und  den  Zuhörer  fähig  zu  machen,  es  naeh 
"Wunsch  aufzunehmen:  und  darum  nahmen  sie  das 
Scherzando  vor,  wodurch  sie  ihren  Zweck  erreichten. 
Hingegen  nach  einem  heitern,  raschen  und  glänzen- 
den, feurigen  ersten  Allegro  macht  das  Andante  in 
unmittelbarer  Folge  gerade  den  schönsten  Effect,  und 
das  Scherzando  darnach  ebenfalls.        '  ' 

Jene  grossen  Männer  wurden  wahrscheinlich,  wie 
alle  genialen  Erfinder,  mehr  durch  ihren  innern  Sinn 
als  durch  Reflexion  auf  jenen  Gedanken  gebracht  und 
in  der  Anwendung  desselben  dahin  gebracht,  fast 
ohne  alle  Ausnahme  auch  hier  das  Rechte  zu  treffen»'  * 
Den  Nachfolgern  liegt  es  ob,  sich  über  das  Warum 
ins  Klare  zu  setzen  und  nur  in  denselben  Fällen  ih- 
ren  Abweichungen  zu  folgen.  ;* 


54 


Gleich  merkwürdig  sind  Mozart  und  Haydn 
gen  der  Lauterkeit  und  Deutlichkeit  ihres  Styl«  und 
der  auserlesenen  Anordnung  ihrer  musikalischen  Pe- 
rioden. Der  erste  schien  wegen  seiner  umfassenden 
Manier  und  Kenntniss  'des  Effects,   der  andere  in 


P 

Fi 

Ausdruck  ausgezeichneter  zu  seyn.  ■ 

Was  Haydn  und  Mozart  (später  Beethoven  und 
Romberg)  in  der  Gattung  der  Symphonieen  geleistet, 
und  die  Höhe,  worauf  diese  Meister  sie  erhoben  ha- 
ben, macht  es,  man  sollte  fast  glauben,  (wenigstens 
in  der  Form)  beynahe  unmöglich,  noch  etwas  durch- 
aus Neues  auf  diesem  Felde  der  Composition  zu  er- 
zeugen. In  der  gegenwartigen  Form,  welche  die 
Symphonieen  (als  Gattung  überhaupt)  nach  und  nach 
durch  jene  Meister  erhalten  hat,  scheinen  diese  Alles 
erschöpft  zu\ haben,  was  erforderlich  ist,  um  sie  als 
die  vollendetste  darzustellen. 

Haydn  und  Mozart  wagten  es  zuerst,  bey  äus- 
serst leidenschaftlichen  Stellen  den  Orgelpunct  in  die 
Höhe  zu  verlegen.    Haydn  brachte  in  einer  seiner 
neusten  (1798)  und  schönsten  Symphonie  aus  C  in 
den  Schlusssatz  eine  Fuge;  auch  Mozart  that  diess 
früher  in  seiner  furchtbaren  Symphonie  aus  C8  mit 
der  Schlussfuge,  worin  er  es  bekanntlich  ein  wenig 
arg  macht,   ^ber  wie  thaten  diese  Meister  daa?  — 
Nun  kam  der  Schweif  des  Löwen.   Warum  setzen 
die  meisten  modernsten  Componisten  die  Hörner, 
offenbar  ihrer  Natur  und  eigentümlichen  Schönheit 
zuwider,   Trompetenmässig,    die  Trompeten  nicht 
selten,  ebenfalls  ihrer  Natur  zuwider,  Hornmassig? 
Auch  hier  sind  die  Duces  gregis,  Mozart  öfterer, 


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6-5 

1 

Haydn  seltener,  vorangegangen;  aber  muss  man  denn 
gerade  Alles  blind  nachahmen,  oder  vielmehr  plump 
nachmachen?  Und  dann  —  wo  haben  jene  Männer 
es  gethan?  wo  es  besonders  frappiren  sollte  und 
musste.  ,  i 

Zur  Instrumentalmusik  gehört  viele  Phantasie 
und  Eigenheit.  Nachdem  Haydn  und  Mozart  eine 
Kunst  erschaffen  und  auch  gleich  auf  den  höchsten 
Gipfel  geführt  haben,  wie  sie  weder  das  Alterthum 
noch  irgend]  eine  Zeit  gekannt,  reicht  Studium  und 
Talent  zur  Melodie  nicht  mehr  hin,  um  etwas  Be- 
deutendes und  Grosses  in  der  Instrumentalmusik  zu 
liefern. 

.  •  Wo  anders  lies't  man  sogar  von  einem  Feinde 
Mozart's:  Haydn  erschuf  das  Quartett  aus  der  hel- 
len reinen  Quelle  seiner  lieblichen  originellen  Natur. 
An  Naivetat  und  heiterer  Laune  bleibt  er  daher 
auch  immer  der  Einzige.  Mozart's  kräftigere  Natur 
und  reichere  Phantasie  griff  weiter  um  sich  und 
sprach  in  manchem  Satze  das  Höchste  und  Tiefste 
seines  innern  Wesens  aus:  er  war  auch  selbst  mehr 
executirender  Virtuose  und  muthete  daher  den  Spie- 
lern weit  mehr  zu;  setzte  auch  mehr  Werth  in 
künstlich  durchgeführte  Arbeit  und  bauete  so  auf 
Haydns  lieblich  phantastisches  Gartenhaus  seinen 
Pallast. 

0 

Mozart  und  Beethoven  —  der  Tag  und  die  NachU 
Es  hat  mich  lange  beunruhigt,  dass  ich  so  oft  einen 
Widerspruch  in  mir  wahrzunehmen  glaubte,  wenn 
ich  anerkennen  müsste,  dass  so  Vieles  in  Mozart  so 
viel  vollkommener  sey  als  in  Beethoven,  und  dass 
der  letzte  mich  dennoch  wunderbarer  —  und  tiefer 

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56 

ergriffe.  Endlich  fand  ich  im  Verhältnisse  des  Ta- 
ges zur  Nacht  eine  ganz  ähnliche  geheimnissvolle 
Erscheinung;  denn  wir  müssen  Alle  anerkennen,  * 
dass  der  Tag  in  seiner  leuchtenden  Klarheit,  in  der 
tausendfältigen  Entwickelüng  aller  Gegenstände  der 
Natur,  reicher  .und  vollkomj  melier  ist,  als  die  Nacht. 
Aber  dennoch  bleibt  dem  königlichen  Herrscher  ein 
gewisses  Gebiet  der  Ahnung  ganz  verschlossen,  und 
wir  können  es  eben  so  gut  begreifen,  wie  wir  die 
Majestät  des  Tages  anerkennen,  dass  der  Dichter 
mit  Recht  unmuthig  ausruft:  „Dein  allleuchtender 
Tag,  Phöbos,  ist  mir  verhasst,"  oder  dass  sich  ein 
Anderer  über  „die  gemeine  Deutlichkeit  der  Dinge" 
verächtlich  äussert.  Der  Tag  erreicht  das  höchste 
Ziel  der  Wonne,  was  in  der  Befriedigung  liegen 
kann;  die  Nacht  dagegen  strebt  nach  dem,~  was  nur 
im  Wunsche  und  in  der  Ahnung  empfunden  wird, 
also  nach  einem  Unendlichen.  Und  daran«  entwickeln 
sich  alle  Erscheinungen,  die  durch  Tag  oder  Nacht 
hervorgebracht  werden.  Der  Tag  gebiert  die  Ruhe, 
die  Freude,  die  Lust,  die  Sicherheit  seiner  selbst, 
das  Glück  5  denn  er  nährt  sich  von  dem  himmlischen 
Lichte  der  Sonne.  Die  Nacht  dagegen  erzeugt  Ban- 
gigkeit, Wehmuth,  Sehnsucht,  verlangende  hei sse 
Liebe,  Ahnung  und  Drang  nach  dem  Höchsten,  nach 
dem  Unerreichbaren  5  denn  kein  Licht  erhellt  sie, 
aber  jenseits  der  Fiusterniss  strahlen  dem  Hoffenden 
die  ewigen  Sterne,  die  mächtigeren  Sonnen  einer  an- 
dern, aber  fernen,  unerreichbaren  Welt.  —  Mozart, 
strahlender  Söhnengott  der  Kunst,  der  Pu  uns  mit 
Wanne,  Leben  und  Wonne  durchdringst,  erfülle 
mich  mit  Deinem  in  göttlicher  Freude  schwelgenden 

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I 


Geiste,  wenn  ich  Von  Dir  reden  will!  Wer  tör 
hiublicken ,  entzückt  uns  der  harmonische  Geist  de* 
Ordnung  des  Beherrschers,  der  in  allen  Deinen 
Schöpfungen  waltet.  Alles  dient  dem  Ganzen  und 
ist  darin  gross,  und  doch  hat  es  eigene  herrliche  Be- 
deutung« —  Don  Juan  mit  allen  seinen  Schauem  und 
Schrecken  ist  in  der  That  ein  Werk,  das  mehr  tlero 
'  Tage,  als  der  Nacht  angehört.  In  die  furchtbare*  ent4 

Setzliche  Geheimnisse  bewahrende,  Introduction  fallt 
•  *  ..." 

doch  einiges  Tageslicht.  Sie  gleicht  einem  durch  Ge- 
wi U  er  wölken  schwarz  und  dräuend  verhangenen  Mor* 
gen,  der  aber  mehr  und  mehr  die  feindlichen  Gewalten 
besiegt.  Plötzlich  bricht  der  Feudrstrom  der  Sonne 
durch  die  zerreissenden  Wolken  und  das  Leben  liegt 
vor  uns  in  üppiger  Herrlichkeit  und  Fülle  und  Kunst,  . 
schäumend  und  gewaltig,  wie  ein  vollendeter  Gebirgs- 
strom.  Doch  ist  dieses  Werk  das  mächtigste  von 
allem,  was  Mozart  je  geschrieben.  Der  Schmerz  der 
^Anna  geht  in  jene  Welt  hinüber  und  richtet  '«ich 
aus  der  Nacht  nach  den  Sternen  hinauf.  —  Hier 
berühren  sich  beyde  Meister.  —  Wie  heilige  Dämme- 
rung noch  das  verglimmernde  Sonnenlicht  und  zu- 
gleich schon  die  blinkenden  bleichen  Gestirne  zeigt, 
so  haben  beyde  ein  gemeinschaftliches  Element,  darin 
schmelzen  sich  WehmUth  und  Lust  so  wunderbar 
zusammen,  dass  das  Ganze  sich  selbst  nicht  mehr 
kennt.  Mit  der  einen  Hand  bieten  wir  der  Nacht 
den  Gruss  des  Willkommens,  die  andere  drückt  uns 
noch  der  schmerzlich  Abschied  nehmende  Tag,  und 

III,  ^ll^^S^?Hl      .1 0 TT1   H  t  ^?  ^    ^/^^^  ^91^5  UUS  B^J^^^l^?  SO  tl^^^*1* 

vten,  erkennen  wir  sie  als  verwandte  Geschwister.  — 
Beethovens  dämmernd  hinaufsteigende  Nacht  ist  Mo- 

0 

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*  I  I 

zarfs  wehmüthig  sinkender  Tag;  seine  Abend  roifu? 
ist  Beethovens  Morgenröthe,  die  aber  nicht  den  Tag, 
sondern  die  Nacht  verkündet.  Beethoven  steigt  da- 
her in  seinen  hellsten  Momenten  nur  bis  zu  der  Zeit 
hinan,:  wo  der  erste  entzündende  Morgenstrahl  des 
Lichts  am  hohen  Berggipfel  glänzt,  während  Mozart 
in  seiner  düstersten  Tiefe  doch  immer  noch  einen 
Strahl  des  versinkenden  Tags  in  das  bange  Herz 
fallen  lässt.  So  das  ewige  Requiem;  denn  auch  in 
dieser  Musik  erbleicht  ihm  die  Sonne  unseres  Tages, 
und  durch  die:  dämmernde  Nacht  leuchten  ihm  schon 
die  Gestirne  des  Jenseit  und  durchdringen  das  Ganze 
mit  göttlicher  Ahnung.  Darum  fasst  es  die  Seele  so 
wunderbar  und  erhebt  sie,  ohnehin  sie  zu  beruhi- 
gen, und  tröstet  sie,  ohne  ihr  den  Schmerz  zu  neh- 
men. Leben  und  Tod  ringen  noch;  das  Himmlische 
wird  aber  schon  geahnet,  empfunden ;  das  Leben  halt 
uns  noch  mit  Liebe;  es  ist  verklärender  Todeskampf. 
t—  Ja  der  Sonnenaufgang,  das  Jenseit  ist  nahe.  Die 
Nacht  des  tiefen,  dunkeln  Grabes  wird  durch  rosige 
Üchtwolken  dämmernd  erleuchtet.  Noch  liegen  die 
Todten  in  der  GrufFt;  die  Posaune  des  Gerichts  don- 
nert  sie  in  dem  erhabenen  Tuba  nurum  auf;  halb 
sind  ihre  Sinne  noch  irrdisch,  schwer;  aber  in  äus- 
s erster  verschwebender  Ferne  vernehmen  sie  schon 

* 

den  süssen  Laut  der  Encelstumnen;  das  Benedictas 
tönt  herüber,  wie  wenn  es  die  verklärte  Cäcilie 
selbst  seegnend  hinhauchte.  —  Fürwahr,  es  bricht 
wirklich  schon  der  Tag  jener  Welt  herein,  und  hier 
geht  der  Meister  weiter  in  der  Ahnung-,  als  Beetho- 
ven, dem  nur  die  Sterne  des  Jenseit  leuchten,  da 
die  Mozart'sche  Nacht  wenigstens  durch  eine  Mond- 


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59  ' 

- 

• 

morgenrothe  erhellt  wird,  —  Der  wunderbare  Ge- 
nius stand,,  als  er  diess  Werk  erschuf,  schon  in  je- 
ner Welt;  sie  erschien  ihm  wie  ein  Traum,,  der 
aber  schnell  bey  dem  Entstehen  verschwindet.  Beetho- 
vens ganzes  Leben  hingegen  bewegt  sich  in  dieser 
göttlichen  Ahnung;  und  eben  darum  muss  er  cjer 
irrdischen  Wirklichkeit  so  ganz  fremd  seyn.  Denn 
er  hat  Nichts  von  dieser  Erde,  als  den  Staub,  äer 
seinen  Leib  bildet«    Sein  erhabener  Geist  lässt  ihn 
nie  sich  zur  irrdischen  Tiefe,  hinunterbeugen.  Die 
Gewalt  des  leuchtenden,  siegenden,  triumphirenden 
Tages,  die  in. Mozart  wohnt,  ist  in  keinem  Werke 
so  allmächtig,  als  in  der  Symphonie  C  Jf.  Schon  der 
erste  Satz,  obschon  vielleicht  der  schwächste,  ist  ein 
herrlicher  Sonnentag  mit  blauem  wolkenlosem  HimmeL 
Im  Adagio  umfangt  uns  die  geheimnissvolle  Nacht 
des  Waldes;  Sonne  und  Himmel  äugeln  freundlich 
in  die  duftige  Dämmerung  hinein  ;  die  Waldwässer 
rauschen  leise  schauerlich  neben  uns«  Plötzlich  deckt 
eine  Wolke  Phöbus  leichten  Schil4,  düstere  bange 
Nacht  droht  uns  zu  begraben  —  da  bricht  das  seelig 
wonnevolle  Thema  wie  Sonnenstrahl  durch  die  Ge- 
wölke und  der  goldene  belebende  Strom  des  Lichta 
dringt  mit  erquickender  Wärme  ins  Herz«  Aber 
vollends  der  Schlusssatz!   diess  ist  ein  Feyertag  der 
Welt,  ein  Sonnenaufgang  über  weiten  Wassern,  wo 
Himmel  und  Erde  in  zurück  strahlender  herrlicher 
Verdoppelung  erscheinen«  Mit  leichter  Anmuth  ent- 
falten sich  die  ungeheuersten  Kräfte,  die  vier  Ele- 
mente der  Themate  bauen  eine  Welt  aus  ihren  ein- 
fachen Grundstoffen  auf  Himmel,  Erde,  Meer  und 
Sonne,  die  erhabensten  Gedanken  des  Weltall'*,  die 

*  • 

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ungeheuersten  Urmotive  desselben  y  sind  hier  in  sol- 
cher Uetiereinstimmnng  und  Harmonie  gehalten,  dass 
das  Ganze  leicht  wie  der  Erguss  des  flüchtigen  Au- 
genblicks vor  uns  'stellt.  Spielend  stand  dem  Mei- 
ster  das  Gewaltigste  zu  Gebote,  wie  •ein  Gott  den 
Riesenschwung  der  Planeten  um  die  Sonne  zu  einem 
Hahlen  Tariz  flammender  Steme  macht.  —  Das  ist 
.aber  die  Tagesklarheit,  die  uns  so  vertraut  mit  dein 
fjebergrossen  macht,  indem  sie  es  uns  in  seinem  har- 
monischen Gteichgewiohte  darstellt,  welches,  indem 
es  alle  ungeheueren  Kräfte  gegen  einander  abwägt* 

immer  in  ruhiger  Anmuth  bleibt.  Wie  dage- 

gegen  die  Nacht  geringe  Gegenstände  zu  einer  er- 
grabenen schauerlichen  Grösse  erheben  kann,  so  weiss 
4er  unendlich  tief  schaffende  Genius  Beethoven'*  aus 
einem  Senfkorn  einen  Riesenbaum  zu  entwickeln. 
Man  denke  an  die  Symphonie  C*,  wie  die  kleine 
schmerzlich  hingehauchte  Figur  aus  zwey  Tönen  un- 
ter der  erzeugenden  Kraft  des  Meisters  zu  ungeheu- 
rer jtraft  emporschwillt  und  als  donnernder  Wald- 
stjom  zuletzt  den  Hörer  auf  unerbittlichen  Wogen 
dahinreisst.  Anfangs  ist's  >ein  leiser  Luftzug,  der 
durch  die  Wipfel  der  Bäume  malerisch  streift  und 
sie  im  blossen  Strahle  des  versinkenden  Mondes  leicht 
bewegt;  aber  die  Schwingen  wachsen  ihm  gewaltig 
und  plötzlich  brausst  es  als  Orcan  durch  den  Wald, 
dass  die  alten  Stämme  scheu  und  bebend  die  Häup-  r 
ter  gegen  einander  drängen  und  die  stolzen  Kronen 
furchtsam  beugen.  Aber  noch  soll  die  Vernichtung 
des  jüngsten  Gerichts  nicht  hereinbrechen  ;  wie  eine 
zauberische  Elfenkönigin  tritt  die  melodische  Grazie 
weder  ein  und  beruhigt  schmeichelnd  den  empörten 

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^M  a   |  ^^M— MT¥ 

Sturm;  LeucoLhea,  die  selige,  welche  das  wild  geho- 
bene  Meer  wieder  zum  heitern  Spiegel  des  Himmels 
und  der  tröstenden  Gestirne  ebnet«  Leicht,  ätherisch 
schwebend  wiegt  sie  sicJi  im  Glänze  des  Mondes 
dahin,  und  unser  Herz  folgt  ihr  mit  unendlicher 
Sehnsucht  und  Wehmuth;  sie  ist  uns  eine  Geliebte, 
von  der  uns  dieKlufft  des  Lebens  weit  unerreichbar 
scheidet,  —    Wahrlich ,  kein  Meister  vermag  das 
Geheiinniss  der  Liebe  so  ergreifend  in  Tönen  auszu- 
drücken, als  Beethoven,  wie  je  aber  auch  die  Nacht 
die  Sehnsucht  eines  liebenden  Herzens  in  die  heftig- 
ste Wallung  bringt.    Wo  ist  eine  süssere,  seligere 
Nacht  der  Liebe,  die  nur  im  Uebermaass  ihrer  Ent- 
zückung wieder  ihren  Schmerz  erzeugt,  geschildert, 
als  in  der  Adelaide?    Senkt  sich  nicht  der  ganze  , 
wunderbare  Hauch  einer  südlichen  Nacht  auf  uns 
nieder?   Hören  wir  nicht  die  Klage  der  Nachtigall? 
Rauscht  die  Welle  nicht  melodisch  unserm  Ohr  ent-  • 
gegen?    Lächeln  nicht  aus  dem  dunkeln  Blau  des 
Himmels  ewige  Sterne  liebevoll  herab?  Und  durch- 
schauen wir  nicht  den  Garten  der  Geliebten,  die 
wir  in  jenem  fernschimmernden  Marmorschlosse  süss 
ruhend  wissen,  ja,  die  von  uns  träumt?  —  Wahr- 
lieh,  dabey  werden  wir  erst  unseres  eigenen  Herzeus 
bewusstj  wer  nie  geliebt  hat,  erkennt  daraus  die  Se- 
ligkeit  der  Liebe. 

Vielfältig  hat  man  auch  Parallelen  gezogen  zwi- 
schen Tonhänstlern  und  Malern,  und  hierin  hat  man 
Mozart  verschieden  verglichen.  In  dieser  Beziehung 
behaupten  Manche,  dass,  gleich  grossen  Malern,  in 
Mozart's  Erfindung  poetischer  und  artistischer  Reich- 
thum,  unerschöpflicher  Reichthum  und  Glück,  und 

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62 


er  in  seiner  Ausführung  bey  weitem  am  glücklich- 
sten in  dem  sey,  was  gross  und  prachtig,  nicht  so 
auf  dem  Reinen  in  dem,  was  erhaben  ist. 

Carpani,  der  eine  Vergleichung  zwischen  vielen 
Tonsetzern  und  vielen  Malern  angestellt  hat,  nennt 
unsern  Mozart  den  Giulio  Romano  in  der  Musik. 

Wo  anders  wird  behauptet :  Gleichwie  Raphael 
Sanzio's  einfache  Grösse  —  Trockenheit,  Kälte,  stör- 
rige  Reizlosigkeit  eine  Zeit  lang  in  die  romanische, 
Correggio's  Farbenzauber  leere  Farbenspielerey ,  ge- 
zierte Licht-  und  Schattentandeley  eine  Zeit  lang  in 
die  lombardische  Schule  brachte,  so  hat  auch  Mozart 
im  Ganzen  mehr  üebles  als  Gutes  in  seiner  Schule 
veranlasst. 

Der  Vater  Mozart's  pflegte  zu  sagen:  sein  Sohn 
sey  das  in  der  Tonkunst,  was  Klopstoci  unter  den 
Dichtern. 

Man  hat  an  Shakespeare  gerühmt,  und  man  kann 
es  eben  sowohl  an  Mozart,  dass  ihre  Kunstschöpfun- 
gen auch  auf  das  Volk  Kind  ruck  machen,  dass  sie 
auch  den  Ungebildeten  Freude  und  Ergötzung  ge- 
wahren. Von  Mozart's  grösseren  Werken  hat  wohl 
nur  die  Zauberflöte  wegen  ihrer  durch  die  meisten 
Parthieen  verstreuten  Anmuth ,  die  die  höchste  Pracht 
gleichsam  schonend  verschweigt,  allgemein  gefallen. 
Den  Don  Juan  ganz  zu  gemessen,  ist  schon  mehr 
vonnöthen,  aber  man  geniesst  ihn  wie  den  Hamlet, 
Macbeth,  Romeo;  man  ahnet  dunkel  die  lebendige 
Grösse,  die  göttliche  Kraft,  mit  der  hier  die  Gei- 
sterwelt in  die  irdische  tritt,  um  sie  zu  zerstören. 
Idomeneo,  Cosi  fan  tutte  und  Figaro  haben  dem 
.Volke  nie  ganz  behagen  können,   so  wie  Göthe's 


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I 

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Tasso,  Iphigenie,  Egmont  und  Claudine  von  Villa- 
belhu 

Auch  das  Wunderbare  wird  in  Shakespeare  fast 
immer  musikalisch  vorbereitet,  und  dieses  Dichters 
Geister  sind  gleichsam  umgeben  von  seltsamen  Tö- 
nen, durch  die  sie  von  der  lebendigen  "Welt  geschie- 
den  werden,  und  die  selbst  zu  dem  nüchternsten  Ge- 
müthe  mit  jenem  süssen  Schauder  reden,  den  ausser 
ihm  noch  Niemand  hervor  zu  rufen  vermochte,  als 
Mozart  im  Don  Juan.  Mozart  ist  denn  auch  der 
Einzige  unter  allen  modernen  Künstlern,  der  eine 
Vergleichung  leidet  mit  Shakespeare.  In  ihnen  Bey- 
den  erscheint  uns  das  allseitige  Leben  in  jenem  war- 
men Glänze,  der  sich  Niemanden  beschreiben  lässt, 
der  ihn  nicht  selbst  zu  erblicken  vermag;  in  ihnen 
Beyden  ist  kein  Streit  mehr  zwischen  dem  Ideellen 
und  Reellen,  dem  Intensiven  und  Extensiven,  die 
hier  in  sicherster  Vereinigung  ruhen ;  in  ihnen  über- 
haupt ist  von  keinem  Kampfe  mehr  die  Rede,  son- 
dern wir  erblicken  nur  die  stille,  ewig  siegende  Ge- 
walt, die  in  sich  selbst  beschlossen  ist,  da  sie  das 
Uebersinnliche  ergriffen  hat.  Sie  ist  bestimmt,  be- 
grenzt durch  sich  selbst,  wodurch  das  Unendliche 
eine  Erscheinung  wird  für  die  Phantasie.  Das  Ver- 
mögen dieser  bestimmten  sichern  Begrenzung  bey 
dieser  Ansicht  ist  nur  Mozart's  und  Shakespeare'« 
Eigenthum. 

Die  Vorwürfe,  die  man  dem  grossen  Britten  ge- 
macht hat,  sind  auch  dem  edlen  deutschen  Künstler 
zu  Theil  geworden.    Das  Komische  und  Tragische, 
t      sagt  man  von  Shakespeare,  liegt  in  seinen  Werken 
auf  eine  seltsame  Art  durch  einander  geworfen,  und 


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eben  dieselbe  Person,  die  una  durch  die  ruhrende 
Sprache  der  Natur  Thränen  in  die  Augen  gelockt 
hat,  macht  uns  in  wenig  Augenblicken  darauf  durch 
einen  bizarren  Einfall  oder  barocken  Ausdruck  ihrer 
Empfindungen  zu  lachen,  oder  kühlt  uns  doch  der- 
gestalt ab,  dass  es  dem  Dichter  hernach  sehr  schwer 
wird,  uns  wieder  in  die  Fassung  zu  setzen,  in  der 
*  er  uns  haben-  möchte.  Göthe  hat  Shakespeare  ge- 
rechtfertigt. Nur 4 von  Mozart,  der  doch  so  ganz  ei- 
nig ist  mit  dem  ersten  der  modernen  Dichter,  weil 
er  der  erste  Musiker  ist,  dauert  das  Urtheil  fort: 
selbst  geistvolle  Verehrer  seines  Genie's  sprechen  ihn 
nicht  frey  von  dieser  Vermischung  des  Tragischen 
und  Komischen.  Allein  hier  ist's  gerade,  wo  sie 
irren,  denn  es  ist  nicht  das  Tragische  und  Komische, 
welches  er  zusammenstellt,  sondern  das  Romantische 
'  mit  der  Parodie  desselben,  so  wie  diess  auch  bey 
Shakespeare  der  Fall  ist,  der  nicht  eigentlich  Tra- 
gödien und  Komödien,  sondern  romantische  Dramen 
schrieb.  Kurz,  Shakespeare  wird  im  Mozart  ange- 
troffen. 

■  * 

Mozart  und  Shakespeare  kommen  auch  darin 
uberein,  dass  sie  die  einzigen  Künstler  sind,  die  dem 
Sinne  des  Zuschauers  einen  Geist  erscheinen  lassen 
können,  an  dessen  Unbegreiflichkeit  das  Gemüth  zu 
glauben  gezwungen  wird.  Auch  ist's  gerade  das  Be- 
greifen dieser  Uiibegreiflichkeit  allein,  das  uns  mit 
jenem  süssen  Schauer  erfüllt,  wenn  die  dunkle  Ge- 
stalt des  dänischen  Königs  über  die  Bühne  schreitet. 
i  Wir  fühlen  bestimmt,  dass  keine  eiuzelne  Function 
hinreichend  war,  um  diesen  Geist  hervor  zu  rufen, 
und  auch  der  nüchternste  Mensch  nimmt  hier  den 


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r      -    ,  r 


6.5 

— —  , 

■  einseitig  klügelnden  Verstand  gefangen;  damit  er 
nicht  die  reine  RecepUvität  des  Gemiiths  störe.  Doch 
fast  noch  allmächtiger  wird  der  Geist  des  Gouver- 
neurs im  Don  Juan  wirken  müssen,  denn  von  ihm 
ist  selbst  die  Sprache  entfernt  worden,  durch  welche 
Hamlets  Geist  uns  näher  befreundet  wird.  Jenen 
umgiebt  eine  Musik,  für  die  die  Sprache  kein  Wort 
zu  sagen  vermag,  ausser  dass  sie  keines  für  sie  habe. 
Diese  Töne  des  finstern  Wesens  sind  durchaus  grell 
geschieden  von  denen ,  die  das  klare  Leben  bezeich- 
nen, auch  wenn  es,  wie  bey  den  meisten  Personen 

• 

dieser  Oper,  schon  im  Sinken  ist.  In  der  That, 
man  dürfte  den,  der  an  dem  Satze  zweifelt,  dass 
•  die  Kunst  die  Darstellung  des  Unendlichen  im  End- 
lichen sey,  nur  in  diese  Oper  führen,  und  er  wird 
von  der  Wahrheit  jenes  Princips  überzeugt  werden 
müssen«  Somit  sind  Shakespeare  und  Mozart  die  , 
einzigen  Künstler,  die  Geister  auftreten  zu  lassen 
im  Stande  sind,  welche  sich  wirklich  als  Geisler 
geriren. 

Tiefe,  kühne,  glückliche  Griffe  ins  menschliche 
Herz  und  lebhafte  Darstellung  der  Affecten  sind  ihnen. 
Beyden  gemeinschaftlich.  Eben  so  der  Hang  und  das 
Talent  zum  Grotesken ,  sowohl  im  Tragischen  als  im 
Komischen»  Beyde  trifft  der  Vorwurf  einer  gewissen 
Gleichgültigkeit  gegen  alte  Kunstregeln:  bey  Shake- 
speare  gegen  die  poetische  Einheit,  bey  Mozart  ge- 
gen den  reinen  Satz.  Beyde  hatten  tiefes  ästhetisches 
Gefühl,  ohne  ganz  geläuterten  Geschmack,  aus  Man- 
gel wissenschaftlicher  Bildung.  Daher  die  öftere 
Verletzung  des  Schicklichen  bey  Shakespeare  durch 
Anachronismen  und  Gräuelscenen,  bey  Mozart  durch 

6 

■ 

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die  häufigen  Contraste  des  Komischen  mit  dem  Tra- 
gischen und  durch  bizarre  Tongänge.  Indessen  war 
hieran  ihr  Publicum  auch  nicht  wenig  schuld.  Da- 
gegen unterdrückt  Shakespeare  wieder  die  Stimme 
der  Kritik  durch  frappante  Situationen,  und  Mozart 
durch  frappante  Modulationen« 

Verstümmelungen  und  Ausscheidungen  hat  sich 
Shakespeare  in  Frankreich  müssen  gefallen  lassen: 
und  eben  so  ist  auch  die  Zauberflöte  daselbst  ver- 
stümmelt  und  zerrissen  worden.  Bey  der  Zauber- 
flöte war  indess  der  innere  Zusammenhang  der  ein- 
zelnen Theile  so  klar  und  in  die  Augen  leuchtend, 
dass  es  in  der  That  von  jenem  unberufenen  Umar- 
beiter  eine  arge  ästhetische  Myopie  voraussetzt,  die, 
so  lange  sie  noch  nicht  durch  gute  Hülfe  von  aussen 
her  den  organischen  Zusammenhang  und  die  techni- 

sehe  Untheilbarkeit  eines  Kunstwerkes  zu  entdecken 

• « 

im  Stande  ist,  es  nicht  wagen  sollte,  über  bedeu- 
tende Compositionen  deutscher  Meister,  viel  weniger  ^ 
über  die  eines  Mozart  zu  urtheilen. 

MozarVs  Opern  überhaupt. 

Es  mag  wohl  mancher  schätzungswerthe  Com-  - 
ponist  über  die  Wahl  der  Texte,  welche  Mozart 
zum  Behufe  seiner  Compositionen  getroffen ,  mitlei- 
dig  gelächelt  haben.  Mozart  hat  eine  Zaubernöte, 
einen  Don  Juan  in  Musik  setzen  können:  würde  er 
auch  den  französischen  Tarare  componirt  haben? 
worauf  aus  innigster  Ueberzeugung  Nein  zu  antwor- 
ten ist.  Ein  Componist  von  Talent  und  Genie,  oder 
der,  der  Beydes  und  die  Natur  der  Musik  nicht 
muthwillig  verkennt,    kann  unmöglich   von  dem 

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Beaumarchais'schen  Pasquinaden  -  Witze  begeistert 
werden« 

Bey  Betrachtung  der  Mozart'schett  Opern  lasst 
matt  sich  gewöhnlich  zu  sehr  von  den  grossen  her* 
vorragenden  Hauptmassen  hinreissen$  matt  lasst  die 
Detail- Schönheiten ,  in  denett  doch  unendlich  mehr 
des  Verdienstes,  der  Gelstesgrösse  und  der  Schöpfer- 
kraft liegt,  zu  sehr  ausser  Acht«  Aber  der  gebilde- 
tere Theil  des  Publicüms  sollte  nicht  Schönheitert 
tibersehen,  die  nur  diesem  grossen  Künstler  eigen 
sind.  Don  Juan  wird  stets  als  sein  gross tes  Meister- 
werk angegeben«  Nach  der  gewöhnlichen  Art  zu 
urth  eilen,  ist  diess  natürlich!  die  Handlung  vertragt 
eine  Menge  imponirender,  stark  erschütternder  Stel- 
len* die  um  so  starker  wirken,  als  sie  leicht  deut- 
lich gefasst  werden  können.  —  Was  den  meisten 
Menschen  entgeht,  ist  die  fein  gefühlte  Charakteri- 
stik, nicht  allein  der  einzelnen  Personen«  sondern 
der  ganzen  Handlung  einer  jeden  Oper« 

Im  Doti  Juan  ist  Mischung  Von  Erhabenheit  und 
Leichtsinn  $  im  Figaro  die  joviale  Haltung  des  Gan- 
zen 5  in  "der  Zauberflöte  Munterkeit  mit  Würde  und 
feyerlichem  Ernste  gepaart;  in  Cosl  fait  tutte  die 
sanften  Halbtintett  der  feineren  Weltverhältnisse« 
diese  süsse  Schwärmerey,  die  von  der  Ouvertüre  bis 
zum  letzten  Accorde  das  schönste,  in  allen  Th eilen 
harmonischste  Ganze  ausmachen,  das  je  ein  Künstler 
hervorzubringen  vermochte  $  in  der  Entführung  aus 
dem  Serail  diese  National -Charakteristik  irt  der  er- 
habensten Darstellung  —  was  überhaupt  ein  Vorzug 
Mozart's  und  nur  bey  ihm  in  dieser  Grösse  anzu- 
treffen ist:  diese  Einheit  des  Charakters«  —  Wenn 

5*  ' 

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nun  aber  ein  Jedes  seiner  theatralischen  Werke  das 
grosse  und  seltene  Verdienst  der  Einheit  und  Cha- 
rakteristik, das  Gepräge  des  feinsten  Menschenken- 
ners an  seiner  Stime  trägt,  welchem  soll  ich  den 
Vorzug  geben?  Wollte  man  aus  dem  Inhalte  seiner 
Opern  oder  dessen  Behandlung  von  Seiten  des  Dich- 
ters einen  Vorzug  herleiten  —  ist  mehr  Abwechse- 
lung der  Situationen  in  einer  dieser  Geburten  des 
Aberwitzes,  was  kömmt  Mozart  dabey  zu  Schulden, 
oder  was  hat  er  hier  für  Verdienst  dabey?  Daher 
gefallt  mir  von  Mozart's  Opern  am  besten  diejenige, 
die  ich  zuletzt  höre. 

< 

Zwar  behauptet  ein  Theil,  dass  Mozart  ein  gros- 
serer Instrumental-  als  Singcomponist  gewesen  sey, 
und  er  hätte  oft  die  Worte  nur  mit  glücklichen  und 
angenehmen  Instrumental -Sätzen  bekleidet*  Allein, 
wenn  auch  diess  bisweilen  der  Fall  ist,  so  ist  es 
doch  unleugbar,  dass  in  Ansehung  des  Ausdruckes 
und  dessen,  was  grosse  prächtige  Wirkung  hervor- 
bringen muss,  Mozart  immer  Muster  bleibt.  Er  be- 
saass  eine  grenzenlose  Phantasie:  von  ihrem  Strome 
hingerissen,  sali  er  nur  auf  das  grosse  Ganze,  und  so 
entstanden  oft  bey  der  Ausführung  für  einzelne  In- 
strumente beynah  unausführbare  Schwierigkeiten« 

Sevelinges  sagt:  von  der  einfachen  Romanze  bis 
zur  lyrischen  Tragödie,  von  dem  Walzer  bis  xur 
Symphonie  wird  Mozart  stets  als  derselbe,  immer 
gleich  gross  gefunden.  Nie  ging  er  in  Augenblicken 
der  Begeisterung  zum  Claviere:  so  wie  er  die  Feder 
ergriffen  hatte,  schrieb  er  schnell  fort,  dass  es  ei- 
ner Uebereilung  gleich  sah.  Das  ganze  Stück  wurde 

i 

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I 


69 

Empfangen,  durchdacht  und  gereift  in  «einem  Kop 
während  er  die  Noten  zu  Papier  brachte. 

Bey  Mozart  hält  die  reiche  Instrumentirung  die 
Hauptideen  desto  enger  zusammen,  und  lässt  diese 
desto  kleiner  hervortreten}  auch  weiss  er  zu  rechter 
Zeit  aufzuhören,  und  sagt  nicht  Alles  über  ein  The- 
ma, was  er  wohl  hätte  sagen  können*. 

Mozart  erhebt  durch  seine  Opern  die  Tonkunst 
zur  höchsten  Höhe  und  zeigt  sie  in  ihrer  höchsten 
Mannigfaltigkeit.  Es  scheint  in  denselben  Alles  so 
natürlich  aufgefasst,  dass  wir  uns  manche  wesentliche 
Verbindung  zwischen  der  Musik  und  dem  Gedichte 
vorstellen  können,  bis  wir  das  Daseyn  einer  solchen 
Verbindung  dadurch  widerlegt  finden,  dass  der  Cora- 
ponist  die  nämlichen  Melodieen  auf  verschiedene 
Texte  anwendet,  und  überall  damit  dieselbe  natür- 
liehe  Wirkung  hervorbringt* 

Wenn  die  Vocalmusik ,  nach  d'Alembert,  Nichts 
ist,  als  eine  Uebersetzung  der  Worte,  auf  welche 
man  den  Gesang  schreibt,  so  folgt,  dass  diejenige 
Vocalmusik  die  schlechteste  ist,  die  sich  am  weite- 
sten von  diesem  Begriffe  entfernt  —  und  so  grau- 
sam wird  man  gewiss  nie  einen  Mozart  lästern  wol-  ' 
len  —  Mozart,  gleich  Raphael,  den  Seelenmaler,  den 
Dolmetscher  der  innersten  geheimsten  Empfindungen, 
der  den  Accent  jeder  Leidenschaft  so  sehr  in  seiner 
Gewalt  hatte,  dass,  fände  man  seine  Gesänge,  zu-  • 
mal  die  dramatischen,  ohne  Text,  jeder  richtig  Füh- 
lende dieselben  Worte  darunter  schreiben  würde, 
auf  welche  die  Musik  gesetzt  war. 

Der  grosse  Vereinigungspunct  aller  Style  in  der 
Musik  fand  sich  in  den  Werken  Händeis.  Manche 


; 

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TO 


derselben  sind  in  der  That  merkwürdiger  für  scien- 
tifische  Composition  nnd  sinnreiche  Erfindung,  als 
für  Einfachheit  der  Wirkung.  Er  liebte  die  nach- 
ahmende Begleitung.  Der  Geschmack  der  spateren 
Meister  war  mit  diesem  Style  sparsamer.  Unter 
.  diesen  wird  Mozart'«  Name  ewig  als  einer  der  an- 
gesehensten stehen,  da  er,  mit  nicht  minderer  Strenge 
als  Händel  und  Andere,  aber  mit  einem  fruchtbarem, 
unbeschränktem  Genie  aus  gediegenen  und  edlen 
Stoffen  die  grösste  Neuheit  und  Mannigfaltigkeit  der 
Effecte  hervorzubringen  verstand.  Alle  Vorzüge  der 
neueren  und  älteren  Schulen  sind  in  ihm  vereint« 

Unter  den  Operntexten  wählte  Mozart  nur  der 
Musik  wahrhaft  zusagende  Gedichte  zu  seinen  klassi- 
schen Opern,  so  paradox  diess  auch  Manchem  schei- 
nen mag.  Es  ist  übrigens  ja  Erfahrung,  dass  die 
poetischsten  Componisten  sogar  herzlich  schlechte 
Verse  gar  herrlich  in  Musik  setzten.  Da  war  es  aber 
der  wahrhaft  opernmässige  romantische  Stoff,  der  sie 
begeisterte,  wovon  die  Zauberflöte  ein  Beyspiel  seyn 
kann.  Obiges  gilt  nun  z.  B.  von  Cosl  fan  tutte,  weil 
(d  in  die  Musik  kann  das  Komische  in  allen  seinen 
Nuancen  ausdrücken)  in  dieser  der  Ausdruck  der 
ergötzlichsten  Ironie  liegt.  —  Figaro's  Hochzeit  ist 
mehr  Scliauspiel  mit  Gesang,  als  wahre  Oper. 

In  der  Behandlung  der  Geister  hat  sich  Mozart 
in  aeinen  Opern  unübertrefflich  gezeigt.  Er  lässt 
nämlich  den  Geist  im  zweyten  Acte  des  Don  Juan 
eine  Melodie  in  fremden  Intervallen  und  langen  No- 
ten ,  in  feyerlichem  Tempo  und  mit  schauerlichem 
Accompagnement  singen:  er  bietet  allen  Reicbthum 


ri 

'  -  — — — 

•  •  •  •  * 

«eines  Genie1 s,  und  alle,  auch  die  liefer  verborgenen 
Schätze  der  Harmonie  auf,  um  Schauder  zu  erregen : 
lasst  den,  welcher  dem  Gange  seiner  zusammenge- 
pressten  Ideen  folgen  und  sich  nur  dem  Total -Ein- 
drucke überlassen  will,  unter  deren  Fülle,  Kraft 
und  Menge  fast  erliegen  —  und  erreicht  seinen  Zweck  t 
,  vollkommen* 

Da  in  der  Oper  der  Gesang  (ordentliche  Melo- 
die mit  Harmonie  verbunden)  Natur  ist,  so  hat  Mo- 
zart seinen  Geist  natürlich,  also,  menschlich  zu  spre- 
chen, wie  einen  Menschen  behandelt«    Gebe  man 
den  Gesang  des  Geistes  einem  erhabenen  Menschen, 
z.'B.  einem  würdigen  Alten,  und  man  findet  nichts 
Anstössiges,  nichts  befremdendes.    In  der  That  hat 
auch  ein  steinerner  Mann,  der  erst  hübsch  anklopft, 
dann  zu  Tische  kömmt  und  einem  Lüstlinge  die  Buss- 
predigt hält,  etwas  sehr  Menschliches.    Nur  durch 
die  Hoheit  der  musikalischen  Ideen  und  die  Summe 
der  vereinigten  Mittel  der  Musik  hebt  Mozart  seinen 
Erscheinenden  vor  den  übrigen  Personen  heraus  und' 
giebt  ihm  einen  Anstrich  des  Ueberuatürlichen.  Wer 
also  von  dem  Dichter  einen  so  menschlich  gezeich  - 
neten Geist  vorfindet,  wie  Mozart,  der  folge  ihm! 
aber  er  hat  eine  duram  provinciam  erhalten:  denn 

♦ 

wem  steht  das  unabsehbare  Reich  der  Töne  so  zu 
Gebote,  dass  er,  wie  dieser  Componist,  darin  schal- 
ten und  walten  kann,  und  also  seine  Absicht  so  gut, 
wie  er,  erreicht?  — 

« 

La  finta  semplice*   Opera  buffa. 

Mozart  war  erst  12  Jahr  alt,  wie  ihm  Kaiser 
Joseph  (1768),  vor  dem  er  sich  damals  auf  dem  Pia- 

♦ 

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73 

j  10 fürte  hören  liest,  auftrug ,  diese  Oper  zu  schrei- 
ben.   Sie  erhielt  den  Beyfall  des  Dichters  Metasta- 
sio  und  des  Kapellmeisters  Hasse,  ist  aber  nicht  auf-* 
'   gerührt  wdrden. 

■ 

Mithridate.  Opera  teria. 
Dieses  ist  die  erste  Oper,  welche  von  Mozart 
auf  dem  Theater  erschien.  Er  schrieb  sie  in  seinem 
I4ten  Jahre  1770  für  das  Carneval  zu  Milano.  Trotz 
dem,  dass  sie  eine  Jugendarbeit  Mozart's  ist,  in  wel- 
cher sich  sein  Talent  erst  zu  entwickeln  begann ,  so  er- 
hielt sie  dennoch  allgemeinen  Beyfall  bey  der  Auf- 
führung und  wurde  wiederholt  gegeben. . 

,  Lucio  Sulla.    Opera  seria. 

Der  eingeerntete  Beyfall  voriger  Oper  bewegte 
Mozart  zur  Compositioii  dieser  zum  Carnevall  1773. 
Er  schrieb  sie  ebenfalls  zu  Milano  schon  1772,  und 
sie  erhielt  noch  mehr  Beyfall  als  die  vorige,  daher  sie 
auch  noch  mehrmal  wie  jene  gegeben  wurde.  Diese 
beyden  Werke  tragen  den  Styl  der  gewöhnlichen 
italienischen  Opern ,  indess  heben  der  feurige  Gesang, 
das  Leben  und  der  warme  Geist  seiner  lieblichen 
Melodieen  sie  weit  über  den  Tross  des  welschen 
Gesanges.  Sie  behaupten  noch  den  dreystimmigen 
Satz  und  zeigen  wenig  von  jenen  künstlichen  Har- 
monieconstructionen ,  die  späterhin  in  seinen  Wer- 
ken angestaunt  werden.  Die  Chöre  dieser  beyden 
Opern  zeigen  noch  eine  Steifheit,  die  sich  angstlich 
noch  an  die  Regel  bindet  und  die  man  mehr  von 
einem  trockenen  Componisten,  als  von  dem  sich  ent- 
wickelnden Talente  Mozart's  erwartet. 

1 


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73 

■ 

La  famosa  Buonsolazzi  era  in  quell*  epoca  la 
prima,  Donna  del  Teatro  Ducale.   Non  conoscendo 
M.  ella  si  merapigliö  fortemente  que  fosse  stato  in-  ~ 
caricato  a  scrivere  Vopera,  nella  quäle' ella  dovea 
sfoggiare  i  suoi  rari  talenti  pel  conto,  poiche  trop- 
po  giovine  maestro  lo  reputava  ed  incapace  di  ac- 
commodarsi  alla  sua  voce*  Rese  ella  per  mano  M. 
e  gentilmente  pregholo  di  poler  prima  di  tutto  co- 
municare  a  lei  le  sue  idee  relatwamente  alle  arie  ed 
alle  scene,  nelle  quäle  ella  dovea  cantare,  soggiun- 
gendo,  che  ella  avrebbe  jsupplito  alla  composizione. 
M.  rise  seguentemente  sulV  orgoglio  di  questa  donna 
e  rispose  che  Ii  avrehbe  servita  secondo  i  suoi  desi- 
deri.   Pocchi  giorni  dopo  presentoli  M.  alle  prove, 
e  rivoltosi  alla  B.  la  chiede  scusa,  se  aveva  osato 
.  di  scrivere  tutta  la  composizione  de  IIa  prima  aria* 
Prese  in  manola  Cantante  questa  composizione,  vi 
gettb  un  rapido  sguardo,   e  confusa  per  le  tante 
bellezze,  ond'  era  sparsa  e  per  la  maestria,  con  cui 
era  condotta  a  termine  non  potea  finire  di  ricoU 
mare  d'elogi  il  giovinetto,  e  se  stessa  di  rimproveru 
M.  sorridendo  Ii  diceva,  che  se  quelP  aria  non  ü 
fosse  piaciuta,  ne  aveva  un9  ultra  tutta  differente 
ed  espressamente  composta  per  lei,   e  se  anche  la 
seconda  non  se  tornava  a  genio,  gliene  poteva  pre- 
sentare  una  terza.    E  tutte  queste  arie  da  IIa  B. 
esaminate  e  sehtite  degli  intelligenti  si  sono  trovate 
un  capo  d%opera  e  questo  fu  per  Mozart  un  trionfo 
privato  come  un  publico. 

Un  celebre  maestro  e  suonatore  non  voleva  per- 
suadersi,  che  M.  fosse  cosl  celebre  negV  improvisi 
come  si  diceva.    Egli  sfida  lo  in  un  pübblico  ci- 


% 

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74 

mento,  ed  i  due  Professori  ricorromi  nella  cJdesa  ' 
della  Passione\similmente  a  Milano)  dope  ritravansi 
due  organi,  Immensa  folle  di  gente  vi  accorse.  M. 
dietro  i  temi,  che  l'altro  Professore  gli  ttommini-  . 
strava  sul  primo  organo,  improviab  sul  secondo  in  . 
un  modo  divino. 

La  bella  finta  Giardiniera.    Opera  hujfa. 

Dieses  für  Kaiser  Joseph  IL  1774  geschriebene 
gehört  zu  den  früheren  Kunstwerken  Mozart's  vor  sei- 
ner classischen  Periode.  Sie  übertrifft  die  vorigen 
bey  weitem  und  es  ist  ihr  Originalität  und  Regel-  * 
mässigkeit  nicht  abzusprechen,  wodurch  sie  manche 
italienische  Oper  weit  hinter  sich  lässt.  Hier  ent- 
wickelt sich  Mozart's  Talent  schon  mehr  als  im  vo- 
rigen, und  der  Styl  zeichnet  sicli  durch  eine  ganz  be- 
sondere Weichheit  und  aufTallende  Zärtlichkeit  aus* 
Manche  wollen  behaupten,  es  habe  irgend  eine  ar- 
cadische  Oper  von  Piccini  oder  Guglielmi  ihm  hier- 
bey  zum  Modelle  gedient.  Vorzüglich  lieblich  ist 
hierin  die  Romanze  aus  C#  mit  obligater  Föte,  die 
auch  hier  und  da  zu  einem  beliebten  Volksliedchen 
geworden  ist.  Man  kennt  sie  unter  dem  deutschen 
Namen:  die  schöne  Gärtnerin,  oder:  die  Gärtnerin 
aus  Liebe. 

* 

* 

Idomeneo,  Re  di  Creta.   Opera  seria. 

Diese  Oper  bildet  den  Uebergang  der  frühem 
Periode  in  die  classische  Mozart's.  Er  schrieb  sie 
i780  für  den  Fasehing  in  München. 

Die  Ouvertüre  ist  prächtig  und,  ganz  in  demsel- 
ben heroischen  Style  wie  die  Oper  selbst,  mahlt  sie 

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I 

Krieg  und  Sturm.  Wild  bewegen  sich  die  Ton- 
massen  durch  einander,  grosse  Erwartungen  nährend, 
auffordernd  zum  Streite  in  die  donnernde  Schlacht, 
zum  Kampfe  mit  den  im  Sturme  braussenden  Ele- 
menten. Ohne  ein  vorausgehendes  Adagio  macht  sie 
nur  einen  Satz  und  eilt  mit  Riesenschritten,  wie  * 
Wetterwolken  vom  Sturme  getrieben,  einher.  — 
Die  erste  Arie:  padre  parenti  G*  ist  voller  Aus- 
druck, und  in  den  Worten:  Grecia  caggion  tu  sei 
in  dem  Uebergange  in's  S  8  liegt  viel  süsse  Schwer- 
muth  und  Wahrheit. 

Das  Finale  mit  den  Choren  der  Argonauten  ist 
ganz  besonders  malend.  Welcher  Tumult!  welch  ein 
kriegerisches  Lärmen!  wie  beweglich  die  Saitenin- 
strumente! wie  wirkt  gegen  das  Ende  hin  das  schnel- 
lere Zeitmäass  so  vortrelllich ! 

Die  Arie  des  Arbace  im  zweyten  Acte:  Zefi- 
retti  lusinglieri  etc.  ist  sehr  sanft  schmeichelnd,  und 
das  grosse  Quartett  in  diesem  Acte  ist  vielleicht  in 
seiner  Gattung  eines  der  schönsten  aller  Zeiten  und 
Meister.  Die  Tiefen  der  Harmonie  sind  unergründ- 
lich, der  Styl  der  erhabenste  und  die  Oeconomie 
der  Stimmen vertheilung  das  Resultat  des  reifsten 
Nachdenkens,  die  Verwebung  beinah  unerforschlich; 

Der  Chor  der  Schiffer:  Placido  e  il  mare:  an- 
diamo!  tutto  ci  rassicura  etc.  mit  untermischtem  Solo 
ist  der  reinste  Abdruck  der  ruhigsten  heitersten 
Seele ;  man  scheint  die  blaue  Spiegelfläche  des  stillen 
wellenlosen  Meeres  vor  sich  zu  sehen,  und  mit  dem 
Boote  sanft  über  ihre  Fluthen  zu  gleiten.  Clarinetten 
und  Fagotte  coloriren  vorzüglich  dieses  heitere  Ge- 
mälde. 


76 

■  ■  ~ 

Wie  ausdrucksvoll  der  tum  ul  tu  arische  Schluss- 
chor des  zweyten  Finales,  wie  schon  und  deutlich 
die  allgemeine  Bestürzung  in  diesem  fugirten  Chore 
und  in  der  sonderbaren,  ungewöhnlichen  Tactart. 
Das  Ineinandergreifen,  Abfallen,  Einsetzen  und 
Nachahmen  der  Stimmen  unter  und  mit  einander  ist 
zum  Erstaunen  hinreisseud,  und  wie  gewaltig  wer- 
den dabey  die  Hörer  ergriffen !  Man  wird  unwill- 
kürlich mit  dem  Tonstrome  fortgerissen,  man  fühlt 
sein  ganzes  Selbst  in  ängstlicher  Eüe  vorwärts  ge- 
trieben, und  kann,  wie  von  einer  grossen  Angst  be- 
freit, erst  mit  dem  Fallen  der  Gardine  beym  Schlüsse 
diesses  furchtbaren  Chores,  freyer  athmen. 

Eben  so  reichhaltig  an  Schönheiten  und  interes- 
santen Situationen  ist  der  dritte  Act,  besonders  die 
Scene  initldomeneo  und  dem  Oberpriester,  die  Auf-  . 
tritte  im  Tempel  u.  m.  Endlich  lös't  der  Orakel- 
spruch Neptuns  den  Knoten«  Der  Schlusschor  ist 
einer  der  erhabensten  und  feyerlichsten  5  und  ein 
Vorzug  dieser  Oper  besteht  darin,  dass  sie  sich  bis 
zur  letzten  Note  gleich  bleibt:  kein  zweckwidriges 
Tempo,  keine  üppig  melodischen  Auswüchse  ver- 
nichten hier  die  erhabenen  Eindrücke;  edle  und  an- 
ständige Freude  und  Jauchzen  des  Volkes  beschlies- 
sen  dieses  heroische  Stück. 

Mozart  composa  cette  musique  sous  les  auspices 
lea  plus  favorables.  L'Electeur  de  Baviere,  qui 
Vavait  tpujours  comble  de  graees  et  de  prtfdrances, 
liu  avait  demande  cet  opera  pour  son  thiatre,  dont 
Vorcheztre  etait  un  de  mieux  composes  de  VAÜe- 
inagne*  II  se  trouvoit  alors  dann  toute  la  fleur  de 
son  genie,   il  avait  25  ans,  et  itait  eperdument 

■ 

■  • 

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I 


'•.  -21—  ■ 

amoureux  (oder  wenigstens  zum  ersten  Male)..  II 
trouva  dans  ses  sentimens  pou,r  sa  Mailresse  /es 
motifs  des  airs  passionnes  dont  ü  avait  besoin  pour 
son  ouvrage.  L'amour  et  Famour -propre  du  jeune 
compositeur  (sein  Vater  wollte  ihn  nicht  die  Lange 
heirathen  lassen,  weil  sie  Beyde  nicht  etablirt  wa- 
ren; es  scheint,  er  habe  ihm  wollen  zeigen,  was  er 
Werth  sey  und  erlangen  könne:  er  meinte  sicher, 
der  Churfiirst  würde  ihn  anstellen)  exaltes  au  plus 
haut  degrd,  lui  firent  produire  un  opera  qu'il  a 
toujours  regardS  comme  ce  qu'il  avait  fait  de  mieux, 
et  dont  il  a  mime  souvent  emprunti  des  idtes  pour 
ses  compositions  suivantes. 

■ 

•  ■ 

Die  Entführung  aus  dem  Serail,' 
oder:  Belmont  und  Constanze, 
-      Deutsches  Singspiel  in  drey  Acten. 

Dieses  componirte  Mozart  auf  Befehl  des  Kaisers 
Joseph  IL  für  das  deutsche  Nationaltheater  in  Wien 
1782  nach  Bretzners  Texte.  Es  giebt  dieses  Stück 
zugleich  einen  schönen  Zug  Josephs,  der  den  Ge- 
schmack an  italienischen  Opern  durch  deutsche  Sing- 
spiele zu  verdrängen  suchte  und  mehr  für  das  Va- 
terländische stimmte,  wesshalb  er  die  Compositum 
diese«  Stückes  aufgab. 

Dieses  Kunstwerk  schuf  Mozart  in  seinem  Bräu- 
tigamsstande, daher  fühlt  man  auch  den  Einfluss, 
den  diese  Seelenstimmung  auf  diese  Composition 
hat.  Sie  ist  roll  süsser  Gefühle  schmachtender  Liebe, 
und  hierin  spricht  sich  auch  Mozart's  musikalisches 
Leben  und  Weben  und  seine  Originalität  aus.  Im 
Ganzen  hat  dieses  Stück  noch  den  gewöhnlichen  Zu- 


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schnitt  deutscher  Singspiele.  Die  Ouvertüre  hat  ge- 
gen Mozart's  sonstige  Gewohnheit  noch  ihre  drey 
Satze,  Ailo,  Andante  und  Allo,  und  keine  Finalen. 
Daher  schadet  die  Ouvertüre  durch  die  schleppende 
Verzögerung  der  Ueberraschung ;  und  statt  sonstigen 
Finalen  schliesst  der  erste  Act  mit  einem  Terzette, 
der  «weyte  mit  einem  Quartett  und  der  dritte  nach 
JHÜlers  und  Standfuss  hergebrachter  Weise  mit  ei- 
nem Rundgesauge,  wo  jede  Person  zu  guter  letzt 
ihr  Verschen  singt«  ;  .  . 

Im  Ganzen,  abgerechnet  die  Fehler  seines  Zeit- 
alters, ist  der  Plan  dieses  Singspiels  vortrefflich  und 
die  Fabel  vielleicht  das  vernünftigste  aller  übrigen 
Opernsujets«  Die  Charaktere  sind,  wie  sich  von 
Bretzner  erwarten  lässt,  vortrefflich  gezeichnet  und 
von  Mozart  noch  vortrefflicher  colorirL      .     '  •  . 

Constanze  ist  ganz  das  leidende  Und  treu  liebende 
Mädchen;  in  ihrer  Partie  zeigt  sie  bange  Sehnsucht 
und  ist  von  Muth  beseelt,  wenn  es  darauf  ankommt, 
ihrem  Geliebten  treu  zu  bleiben  oder  mit  ihm  zu 
sterben.  Ihre  Arie:  Ach*  ich  liebte!  war  so  glück- 
lich! lebt  ganz  in  der  Phantasie  der  hellsten  Erin- 
nerung« Und  welche  Schwermut h ,  welcher  nagende" 
Kummer  scheint  die  Musik  in  der  zweyten  Arier 
Traurigkeit  ward  mir  zum  Loose  etc.  selbst  zu  ver- 
zehren in  den  Worten:  Gleich  der  Wurm- zer- 
nagten Rose,  gleich  dem  Gras  im  Wintermoose, 
welkt  mein  banges  Leben  hin*  Welche  Malerey  in 
der  letzten  Zeile,  welches  lebendige  Bild  des  Hin- 
Sterbens  in  der  Instrumental -Begleitung,  wo  das 
Horn  decrescendo  fortsingt,  der  Fagott  in  ziehenden 

r 

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I 


\  - 

79  ; 

  : 

strumente  sterbend  abwärts  sinken!  —  Wie  wahr 
sind  Musik  und  Worte:  Selbst  der  Luft  darf  ich 
nicht  klagen  raeiuer  Seele  bittern  Schmerz;  denn 
unwillig  sie  zu  tragen ,  haucht  sie  alle  meine  Klagen 
wieder  in  mein  armes  Herz!  t  > 

Der  Heroismus  in  der  Arie  t  Martern  aller  Ar- 
ten etc.  ist  ausserordentlich  und  charakterisirt  die 
treue  und  standhafte  Liebe.  Und  wessen  Thränen 
flössen  nicht  beym  letzten  Duette,  wo  Belmont  und 
Constanze  sich,  wechselnd  tröstend,  zum  Tode  be* 
reiten?  .  , 

Belmont  ist  ein  schönes  Ideal  eines  treuen  Lieb- 
habers. Wie  malt  sich  sein  Mutli,  für  sein  Mädchen 
Alles  zu  wagen,  und  die  Angst,  sie  vielleicht  für 
sich  verloren  zu  sehen!   Die  malerische  Arie:  Ach 

4 

wie  ängstlich,  ach  wie  feurig  klopft  mein  liebevolles 
Herz  etc.  ist  sie  nicht  die  reinste  Sprache  des  liebe- 
sehnenden Herzens!  Wie  schön  malen  die  Violinen 
das  Pulsiren  des  ängstlichen  Herzens;  und  bey  der 
Stelle:  War  das  ihr  Lispeln?  war  das  ihr  Seufzen? 
Wie  passend  steht  das  Flötensolo  da!  Die  Decla- 
mation  des  kurzen  Recitativs  mit  nachahmender  Oboe 
ist  so  redend,  als  durch  die  Instrumentation  eigen- 
tümlich charakterisirt.  —  Die  Melodie  der  zwey- 
ten  Arier  Wenn  der  Freude  Thränen  fliessen  etc.  , 
ist  schwärmerische  Liebe,  der  Abdruck  der  zärtlich-  - 
sten  Empfindung.  —  Die  dritte  Arie:  Ich  baue  ganz 
auf  deine  Stärke,  vertrau,  o  Liebe,  deiner  Macht! 
etc.  wird  durch  Zuversicht,  durch  starken  Glauben 
der  Liebe  mit  allmächtigem  Odem  beseelt,  und  bie-  .  * 
tet  einen  festen  Glanz  in  der  Melodie  dar.  Wie 
sicher  tritt  der  Bass  auf!  welche  Wärme  und  frohe. 

»- 

» 

■ 

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1 

sich  mit  diesem  Glauben  verschwisternde  Hoffnung 
malen  die  kurzen  und  heiteren  Zwischenräume  der 
Hörner  und  Clarinetten  in  die  zuversichtliche  Decla- 
mation?  Sie  bilden  einen  glänzenden  Pallast  wer- 
dender Seligkeiten,  die  gewisse  Aussicht  auf  den 
süssen  Lohn  der  Liebe,  auf  den  festen ,  unwandel- 
baren  Grund  der  Treue. 

Blonde,  die  freie,  auch  in  der  Sclaverey  das 
Gefühl  ihrer  Würde  nicht  verlierende  Engländerin, 
entzückt  durch  Naivetät  und  erheitert  durch  ihr© 
Launen«  Solche  naive  Mädchencharaktere  waren  über- 
haupt Mozart's  Lieblingsarbeit«  —  Die  Arie:  Wel- 
che Wonne,  welche  Lust!  ist  voller  Feuer  und  ath- 
met  muntern  Geist,  daher  bewegt  sich  die  Melodie 
rasch  und  die  Flöten  charakterisiren  das  frohe  Mäd— 
chen.  Bey  der  Stelle  in  dem  Duette  mit  Osmin :  Ich 
gehe,  doch  rathe  ich  dir  etc.  kann  man  sich  kaum 
des  Lachens  enthalten :  wie  drollig  parodirt  sie  ihren 
alten  grämlichen  Osmini  Die  Wirkung  der  meister- 
haften Stellen  Blondchens:  Nicht  so  viel,  du  armer 
Geselle  etc.  und  Osmins :  Wahrhaftig  nicht  eh'  von 
der  Stelle  etc.  ist  ganz  der  Natur  abgeschrieben. 

In  Blondchens  erster  Arie:  Durch  Zärtlichkeit 
und  Schmeicheln  etc.  beweisst  Mozart  seine  Meister- 
schaft im  Gebrauche  der  Instrumente,  wo  er  die  bla- 
senden weglässt,  und  Alles  mit  Geigen,  Viola  und 
Violoncello  accompagnirt.  , 

Pedrillo's  lustigen,  gewandten  und  feigen  Cha- 
rakter bezeichnet  seine  Arie:  Frisch  zum  Kampfe 
etc.,  worin  er  sich  Mulh  einsprechen  will  und  doch 
seinen  eigenen  Worten  nicht  traut.  Die  Tonart  der 
Entschlossenheit  D  #  will  sich  zwar  geltend  machen, 


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8t 

aber  das  Accompagnement,  und  besonders  die  originell 
angebrachten  Trompeten,  die  immer  da  schweigen, 

!  1  wo  sie  laut  werden  sollten ,  widerspricht  dem  Texte 
bestandig,  wie  Pedrillö's  inneres  Gefühl  seinen  Wor- 
ten. Wie  zitternd  accompagniren  die  Geigen  bey 
den  Worten:  Sollt'  ich  zittern,  sollt'  ich  zagen?  — 
Sogar  der  Declamation  merkt  man  den  bloss  geborg- 
ten Muth  an,  hingegen  die  Stelle:  Nur  ein  feiger 
Tropf  verzagt  etc.  singt  er  aus  völliger  Ueberzeu- 
gung.  Diese  Arie  ist  überhaupt  eine  der  durchdach- 
testen, die  Mozart  je  componirte.  —  Der  unerwar- 
tete Trompetenstoss  bey  Pedrillö's  Stelle  in  der  Fer- 
mate: Frisch  zum  Streite!  etc.  ist  niehr  ein  Angst- 
geschrey,  als  wirkliche  Aufforderung.  Und  die  Angst 
in  der  Romanze :  Im  Mohrenland  etc.  ist  unverkenn- 
bar, da'  sie  sich  in  die  entferntesten  Töne  verliert. 
Mit  diesem  sonderbaren  Tonstücke  wollte  Mozart  wohl  _ 
nicht  allein  die  Romanze  und  die  Mitternachtszeit 

j  charakterisiren ,  sondern  auch  zugleich  Rücksicht  neh- 
men auf  den  Sänger  und  die  Umstände,  unter  denen 
aie  gesungen  wird.  ..'  *    :  .  >v  * 

Osmin  ist  ganz*  was  er  seyn  soll,  ein  grober, 
niederträchtiger  Türke.  Sclavensinn  und  die  ihm  so 
nahe  verwandte  sinnlose  Grausamkeit  und  läppische 
Brutalität  charakterisiren  diese  orientaliche  Nichts- 
würdigkeit in  scharfen  Umrissen.  Wie  grell  hallt 
seine  Grausamkeit  \  durch  den  wilden  Eisenton  der 
Janitscharenmusik  in  dem,  die  Musik  der  Morgenlän- 
der charakterisirenden,  wilden  Ahi  Erst  geköpft 
und  dann  gehangen  etc.  wieder!  Und  wie  ist  der 
Ausdruck  der  wilden,  barbarischen  Grausamkeit  mit 

;         schreyenden  Farben  aufgetragen  bey  der  Stelle :  Dann 

« 

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gespiesst  auf  Ii  rissen  'Stangen  etc.,  was  durch  den 
Triangel  unwillkürlich  gemalt*  wird;  man  hört  die 
Eisen  klappern.  Welche. Wuth  schwellt  die  wild  in 
einander  heulenden  und  winselnden  Blasinstrumente 
bey  der  Stelle:  Dann  getaucht,  dann  gebunden  -elc 
liier  spricht  schon  die  Musik  allein*  Die  wilde  rohe 
Schadenfreude  in  der  Arie:  Ha!  wie  will  ich  triam- 
phiren!  etc.  ist  empörend.  Man  wendet  sich  mit  Ab- 
scheu yon  dem  Ungeheuer  und  scheint  selbst  Mozart 
zu  verkennen.  Wie  hart  und  unbeugsam  ist  der 
Gang  der  Melodie,  und  wie  viel  Wahres  liegt  in 
dem  ersten  Unisonosatze  bis  zu  der  Stelle:  Und  die 
Hälse  schnüren  zu  etc.  Der  Accent,  der  auf  das 
„und"  gelegt  ist,  so  wie  die  schnelle  Wiederholung 
des  „schnüren  .zu"  ist  voller  Wahrheit  und  zeugt 
von  tiefem  Studium.  —  Die  dritte  Arie:  Solche 
hergelaufne  Lallen  etc.  giebt  das  einzelne  Bild  sei- 
ner rohen  Schlauheit  und  abgeschmackten  Brutalität 
Er  bemüht  sich,  dem  listigen  Pedrillo  begreiflich  zu 
machen,  dasa  er  gewaltig  klug  wäre,  und  betet  ihm 
wiederholt  vor:  Ich  hab  auch  Verstand!  das  Ge- 
wöhnliche jener  Leute,  die  keinen  haben,  dass  sie 
desto  öfter  damit  prahlen.  Die  Wiederholung,  und 
immer  einen  Ton  höher,  bis  auf  die  Letzt  dar  nach- 
drückliche „Ich"  unter  dem  Ruhepuncte,  und  hinterher 
—  „hab'  auch  Verstand"  ist  voller  Wahrheit.  Danu 
im  schnellern  Zeitmaase,  mit  eilends  nach  einander 
folgenden  Sylben:  Drum  beym  Barte  des  Prophe- 
ten etc.  ist  ganz  die  Sprache  solcher  kleinen  elenden 
Tyrannen,  die  bey  jeder  Gelegenheit  ihren  Unter- 
gebenen ihre  Gewalt  fühlen  lassen.  Alsdann  die  in 
schnell  aufsteigenden  Noten  wiederholte  Drohung: 


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83 

-  » 

Nimm  dich  in  Acht  etc.  —  Sogar  in  seinen  Liedern 
der  Liebe  ist  der  Kerl  fatal,  wie  in  seinem  schlep- 
penden Vortrage  des  Liedchens :  Wer  sein.  Lieb- 
chen hat  gefunden  etc.  wie  ganz  in  seinem  Charakter 
in  und  wie  träge  schreitet  Melodie  und  Zeit- 

maass!  Alles  deutet  darauf  hin,  dass  der  Kerl. gar. 
nicht  fühlt,  was  er  singt,  und  dass  er  gedankenlos 
trällert.  Auch  sein  „Trallera"  ist  höchst  erbaulich 
und  reizt  mehr  zum  Einschlafen,  als  zur  Freude, 
In  diesem  Liedchen  erscheint  Mozart  allein  schon 
als  grosses  Genie*  Selbst  das  Ritornell  ist  ein  Kunst- 
griff, indem  er  die  Melodie  des  Schlusses  angiebt. 
Hierdurch  will  er  uns.  überreden,  Osmin  habe  schon 
lange  im  Hause  gesungen,  eh'  er  herauskam,  und 
was  wir  hören,  sey  bloss  die  Fortsetzung  des  Lied- 
chens, das  er  inwendig  anstimmte* 
u  Dieser  Osmin,  so  schläfrig  bey  Liebe  und  Fr ennd- 
schaft  —  was  gar  nicht  in  seinem  Charakter  liegt  — 
wie  ganz  anders  erscheint  er,  wenn  vom  Hängen 
und  Spiessen  die  Rede  ist,  wie  geräth  er  da  in  Feuer 
und  Flammen!  Man  fühlt  die  grausamen  Arien: 
Erst  geköpft  und  dann  gehangen  etc.  und;  Ha!  wie 
will  ich  triumphiren  etc.  wo  der  Charakter  in  grel- 
len Zügen  am  Tage  liegt.'  ..... 
•/  Da  das  Stück  irgend  an  einem  Orte  der  Türkey 
spielt,  so  hatte  Mozart  Gelegenheit,  Janitscharenmu- 
sik  anzubringen:  und  wie  vorteilhaft  er  diess  thar, 
beweisst  die  Ouvertüre ,  so  wie  die  Partieen.  Osmins 
und  der  Türkenchore,  die  ganz  im  asiatischen  Style 
geschrieben  sind  und  ausserordentlich  wirken.  Die 
Türkenchöre  bey  der  Ankunft  des  Lustschiffes  und 
am  Schlüsse  athmen  einen  starken,  kühnen  Geist, 

* 

6* 

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zumal  das  erstere :  Singt  dem  grossen  Bassa  Lieder  etc. 
Auch  beym  Trinkliede:  Vivat  Bacchus  etc.  ist  die 
Janitscharenmusik  sehr  gut  angebracht;  sie  tritt  ein, 
sobald  Osmin  den  ihm  Vorgesungenen  Vers  nachsingt. 

Und  nun  das  unnachahmlich  schöne  Quartett 
zum  .  Schlüsse  des  zweyten  Actes.  Welche  Haltung 
der  Charaktere!  Welche  Beleuchtung  der  Empfin- 
dungen ,  wie  richtig  gedacht  und  wie  meisterhaft 
durchgeführt!  Man  müsste  es  vielmals  hören  und 
die  Partitur  auswendig  lernen,  um  alle  die  namen- 
und  zahllosen  Schönheiten  ganz  zu  verstehen,  wie 
namentlich  die  feine  Nuance  in  dem  canonischen 
Satze:    Ich  verzeihe  deiner  Reue  etc. 

Blondchen  ist  ein  edles  Mädchen,  Constanze  ist 
aber  in  Hinsicht  auf  ihre  Bildung  und  Empfindungen 
weit  über  sie  erhaben;  denn  Constanze  vergiebt  eher 
als  Blondchen,  und  diese  scheint  blos  dem  schönen 
Beyspiele  ihrer  Gebieterin  zu  folgen,  indem  sie  ihr 
den  angefangenen  Canon  abnimmt  und  ihrem  Pedriilo 
die  Hand  zur  Versöhnung  reicht.  Im  Tutti  bey: 
Nichts  fache  das  Feuer  der  Eifersucht  an  etc.  spielt 
die  Trompete  eine  sehr  vortheilhafte  Rolle,  denn 
indem  sie  diapasonisch  mit  der  Singstimme  geht,  hebt 
sie  den  Ausdruck  der  Stelle  gewaltig. 

Die  Scene  vor  dem  Schlusschore  zwischen  Bel- 
mont  und  Constanze,  wo  sie  sich  wechselnd  zärtli- 
che Vorwürfe  machen,  dann  wieder  trösten  und  auf 
ihr  Schicksal  vorbereiten,  ist  der  Triumph  der  gan- 
zen Oper,  das  correcteste  Gemälde  liebender  Leiden 
und  erhabenen  Duldens,  von  der  traurigen  Hoffnung 
überdämmert,  dass  ein  gleiches  Schicksal  Beyde  tref- 
fen werde. 


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Welcher  Odem  himmlischer  Ahnung  weht  au* 
der  Melodie  und  Begleitung  der  Stelle:  Mit  dem 
Geliebten  sterben,  ist  seliges  Entzücken.  Mit  won- 
nevollen Blicken  verlässt  man  da  die  Welt.  . 

Und  nun  eine  Uebersicht  der  mannigfaltigsten 
Charaktere,  der  verschiedenen  Situationen  in  dieser 
Oper;  eine  Parallele  zwischen  Constanze  und  BeL- 
inont,  mit  dem  rauhen  Osmin:  welcher  Unterschied!  ' 
Dort  die  sanften  Töne  der  zärtlichsten  Liebe;  hier 
der  Ausbruch  wilder  und  geistloser  Brutalität!  Und 
wie  schön  paaren  sich  alle  diese  Widersprüche  zum 
vollendeten  Ganzen! 

In  diesem  Stücke  schäumte  gewissermaassen  der 
junge  Geist  Mozart's  auf,  er  fühlte  zum  ersten  Male 
seine  Kräfte,  die  plötzlich  hervorgetriebenen  Blüthen 
des  jungen  Kernstammes  nach  der  wohlthätigen  Er-  '  • 
schütterung  des  ersten  Frühlingsgewitters.  Im  Ido- 
meneo  versuchte  er  seine  Schwingen;  hier  fliegt  er 
kühn  zum  Olymp.  In  der  Folge  zieht  sich  die  em- 
porstrebende Kraft,  nachdem  sie  einmal  ihren  Flug 
versucht  hat,  in  die  bescheidenen  Schianken  der  Re- 
gelmässigkeit zurück. 

Der  orientalische  Styl  dieser  Oper,  der  in  spä- 
teren  Opern  Mozart'fl  nicht  wieder  anzutreffen  ist, 
darf  hier  nicht  unberücksichtigt  gelassen  werden.  -  • 
Nirgends  finden  sich  in  anderen  Werken  Mozart'« 
Reminiscenzen  dieser  Schreibart. 

Der  Schauspiel- Director. 

Komisches  Singspiel  in  einem  Acte. 

Dieses  kleine  Singspiel  ist  für  Kaiser  Joseph  TL 
1786  componirt  und  ist  ein  blosses  Gelegenheitsstück 


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für  den  Kaiserlichen  Hof  zu  Schönbrunn.  Nebst  der 
Ouvertüre  enthält  es  nur  drey  Arien  und  ein  Finale.. 
Zu  ihm  gehören  die  allbekannte  Arie:  Bester  Jüng- 
ling, mit  Entzücken  etc.  und:  „Da  schlägt  die  Ab- 
schiedsstunde" etc.,  welche  sehr  schön  sind  und  im- 
mer gern  gehört  werden. 

•  « 

Le  nozz  e  di  Figaro. 

Opera  bujfa  in  4  Acten. 

Damals  machte  Beaumarchais's  Lustspiel:  Figaro 
sein  Glück  und  war  der  Klepperhengst  aller  Theater. 
Der  Kaiser  Joseph  bestimmte  Mozart,  ihm,  in  eine 
welsche '  Oper  umgeschaffen ,  auch  auf  Welschlands 
Bühnen  durch  seine  Musik  Celebrität  zu  verschaffen, 
und  durch  diese  Veranlassung  componirte  Mozart  sie 
1786  für  die  italienische  Oper  zu  Wien,  die  auch 
dann  nicht  allein  in  Wien,  sondern  auch  an  vielen 
anderen  Orten  Glück  machte. 

Die  Bewunderung  für  den  Verfasser  dieser  Oper 
ging  so  weit,  dass  Graf  Johann  Thun,  ein  grosser 
Kenner  der  Musik  und  der  selbst  eine  vortreffliche 
Kapelle  unterhielt,  ihn  nach  Prag  einlud  und  ihm 
Wohnung,  Kost  und  alle  Bequemlichkeiten  in  sei- 
nem Hause  anbot.  Mozart,  zu  sehr  über  die  Wir- 
kung seiner  Musik  auf  die  böhmische  Nation  erfreut, 
begierig,  ein  Volk  mit  solch  einem  Tonsinne  kennen 
zu  lernen,  ergriff  die  Gelegenheit  mit  Freuden.  Am 
Tage  seiner  Ankunft  (im  Februar  1787)  wurde  Fi- 
garo gegeben.  Mozart  erschien  darin,  und  als  sich 
der  Ruf  von  seiner  Anwesenheit  im  Parterre  ver- 
breitete, so  applaudirte  ihm  das  gesammte  Publicum, 
als  die  Ouvertüre  zu  Ende  ging.  > 

'  m 

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Wüsste  man  auch  bevm  Eintritte  ins  SchausiDiel- 
nicht,  dass  «ine  Oner«  5w^a  gegeben  würde, 
so  raüsste  man  es  doch  an  der  Ouvertüre  hören,  die 
hier  das  ganze  Stück  charakterisirt.  Der  tändelnde 
Anfang  ist  überraschend;  das  Ganze  ein  Spiel  der 
schönsten  muth willigsten  Laune.  Man  sieht  darin 
den  verschmitzten  Figaro  mit  seinen  Sprüngen  und 
Wendungen,  noch  ehe  sich  der  Vorhang  öffnet. 
Alles  wirbelt  und  paukt  durch  einander;  die  Ge- 
danken drängen  sich  und  geben  das  treuste  Bild 
froher  Laune. 

Dieses  Tändeln  geschieht  aber  nicht  auf  Kosten 
der  Gründlichkeit.  Vielmehr  wusste  Mozart  mit  die- 
ser Anmuth  so  viel  Kraft  zu  verbinden,  dass  Ken- 
ner und  Liebhaber  vollkommen  befriedigt  werden. 
Die  Finalen  und  Sextetten  sind  unnachahmlich  und 

•  •  • 

voll  tönender  Harmonie.  Figaro  hat  besonders  den 
Vorzug,  dass  die  mehresten  Scenen  für  den  Gesang 
bearbeitet  sind,  was  ihn  an  Terzetten,  Duetten,  Quar- 
tetten und  Sextetten  vorzüglich  reich  macht.  Das 
Genie  des  Künstlers  erhielt  dadurch  Gelegenheit, 
sich  auszubreiten  und  dem  Ganzen  mehr  Einheit 
und  Bestimmtheit  zu  geben. 

Ohnstreitig  ist  diese  Oper  klassisch  und  das 
schönste  Muster  komischer  Singspiele.  In  Ansehung 
ihrer  Anlage,  ihres  Zusammenhanges,  der  Ausfüh- 
rung der  Charaktere,  scheint  sie  dem  Don  Juan  weit 
vorzustehen.  Das  starke  Personale  bietet  eine  Menge 
verschiedener  Charaktere  dar,  die  richtig  durchdacht 
und  vom  Hauptcharakter  des  Figaro  bis  zum  episo- 
dischen Hannchen  fein  behandelt  sind. 


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63 
■■  - 

■ 

Figaro.  —  Leichtigkeit ,  Leben,  Frohsinn  mit 
Schlauheit  gepaart,  sind  die  Hauotzüee,  welche  sich 
gleich  in  der  ersten  Arie,  sowohl  durch  die  Wahl 
der  Tact-  als  Tonart  und  Instrumentation  deutlich 
herausheben.  Figaro's  Parthie  hat  gewöhnlich  Tanz- 
Melodieen.  So  die  Arie  No.  5. :  Se  vuol  ballare 
$ignor  Contino  etc.  —  Selbst  dem  Verdrusse  wusste 
Mozart  den  Anstrich  von  Laune  zu  geben;  der 
leichte  Figaro  satyrisirt  über  sich  selbst.  Wie  un- 
endlich verschieden  ist  seine  Eifersucht  von  jener 
des  Grafen  Almaviva!  Wie  gravitätisch  zeigt  sich 
dieser  Spanier  im  Terzette,  wo  die  Geigen  in  der 
Tiefe  mit  Pralltrillern  anfangen  und  sich  in  demsel- 
ben Verhältnisse  hinaufwirbeln!  Am  schönsten  ist 
er  im  Finale  des  zweyten  Actes  und  im  grossen 
Sextette  des  dritten  behandelt. 

In  dem  Richter  Don  Curzio  hat  Mozart  seiner 
Satyre  ungezügelten  Lauf  gelassen.  Unwissenheit 
bläht  sich  mit  der  Würde  des  anvertrauten  Amtes 
und  sagt  mit  feyerlichem  Ernste  7-  allgemein  aner-^ 
kannte  Abgeschmacktheiten.  Wie  Lachen  erregend 
ist  seine  Arie  aus  Djft,  und  mit  welcher  Gravität, 


■  - 

•  IOMII 

■  0  m 

aufgeführt:  Sich  zu  rächen,  welche  Wollust  für  den 
Weisen  etc.!  Und  dabey  sieht  es  im  Accompagne- 
ment  so  confus  aus,  wie  im  Kopfe  des  dummstolzen 
Amtmannes.  Menschen  solcher  Art  blähen  sich  nir- 
gends mehr,  als  wenn  sie  Gelegenheit  finden,  die 
Würde  ihre*  Amtes,  gestützt  von  ihrer  Oberherr- 
schaft, gegen  Schwächere  zu  missbrauchen,  wie  der 
Fall  im  Finale  des  zweyten  Actes  ist,  wo  er  als 
Masclüne  de*  Grafen  mit  diesem  auftritt  und 


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Mähend  sein  Amt  vergaltet*  Es  ist  der  vorletzte 
Satz,  wo  das  Finale  in  Es  #  modulirt,  in  welche« 
Mozart  die  Gravität  dieser  erlauchten,  wohlweisen 
Gerichtsperson  persifflirt.  Die  ernste  Tonart  ist  ko- 
misch behandelt,  und  die  Melodie,  in  ungleicher  Be- 
wegung fortrückend,  gieht  ein  groteskes  Bild  lächer- 
licher Amts  würde. 

■ 

Basilio's  niederträchtiger  kriechender  Charakter 
liefert  ein  bedeutungsvolles  Gegenstück  zu  dem  vor- 
hergehenden. Eben  so  abgeschmackt,  wie  Jener,  aber 
kriechend,  geschmeidig,  weil  er  nicht  das  Ansehen 
des  Erstem  hat,  macht  er  den  Liebediener  von  dem 
Grafen,  den  Kuppler,  und  v erschienst  seine  Bolzen« 
In  seiner  Arie  im  dritten  Acte,  in  den  Jahren,  wo 
die  Stimme  der  Vernunft  vergebens  spricht,  liegt 
der  ganze  Cubus  seines  Charakters:  Feigheit,  Schmei- 
<  cheley  und  Arroganz.  Die  abgestossenen  Violinnoten 
des  Accompagnements  benehmen  dem  kühnen  Gange 
der  Melodie  alle  Kraft  und  scheinen  die  Worte  Lü- 
gen  zu  strafen. 

•  Der  Page  Cherubino  ist  eines  der  schönsten  Ge- 
mälde in  der  Gallerie  unsers  Ran  ha  eis.  Welches 
Schmachten,  welche  Sehnsucht!  Und  wie  verschmilzt 
*  der  zum  Jüngling  heranreifende  Knabe  zwischen  Mann 
'  .  und  Weib!  Seine  Melodieen  führen  einen  sonder- 
baren Charakter.  Es  athmet  in  ihnen  die  emporkei- 
mende Kraft  des  Jünglings,  von  jungfräulicher  Scham- 
haftigkeit  gebunden.  Der  Knabe  fühlt,  lernt  seine 
Bestimmung  —  in  der  Schule  lüsterner  Weiber  — 
kennen;  seine  Erfahrungen  sind  seinem  Alter  vor- 
gerückt, wollüstige  Gluth  Jiat  sein  Herz  entzündet, 
und  noch  kann  er  sie  nicht  stillen.   Er  wünscht  der 

■ 

* 

♦  *  .        Digitized  by  Google 


Zeit  Flügel ,  1  um '  Alles  gen i essen  zu  konneu ,  was  ety 
aus  dem  bereit*  Erfahrenen,  ahnet.   Wie  ist  Allen  J 
diess  gemalt  in  der  schmachtenden  Arie:   Voi  che 
aapete  che  cosa  e  arnor  J 

-  Der  Charakter  der  Gräfin,  wie  achön  ist  er  be- 
handelt! r—  Betrogene  Hoffnungen,  Kummer,  freu- 
denleere Tage,  getrübt  von  der  Eifersucht  eines  Man- 
nes, der  sie  mit  Liebe  täuschte,  und  —  betrog! 
Wie  schön  wusste  Mozart  den  Ausbruch  dieser  Ge- 
fühle in  dem  edlen  Charakter  zum  Theilnehmen  er- 
weckenden,  erhabenem  Dulden  zu  verwandeln!  Wie 
edel  und  mit  welcher  Delicatesse  ist  diese  Parthie 
behandelt  in  der  ersten  Arie  des  zweyten  Actes  Es%\ 
Selbst  durch  die  lärmenden  Finale,  wenn  der  Stru- 
del verworrener  Gefühle  Alles  mit  sich  fortreisst, 
bleibt  er  sich  gleich,  durch  die  ganze  Oper  gut  ge- 
halten; selbst  bey  der  verfänglichen  Situation,  wo 
sie  zum  Abentheuer  willigt,  mit  welchem  die  Treue 
der  Männer  probirt  werden  soll,  entschliesst  sie  sich 
nur  schwer,  und  man  fühlt,  wie  viel  Ueberwindung 
ihr  dieser  Entschiusa  kostet.  Unter  allen  weiblichen 
Charakteren,  die  Mozart  zeichnete,  ist  dieses  der 
vollendetste  und  edelste. 

Susanna,  das  verschmitzte  Kammermädchen,  eine 
Zerline  im  Umgange  mit  der  Welt,  mit  ihren  Feh- 
lern und  Schönheiten  bekannter,  weiss  ihren  Mut- 
terwitz besser  zu  brauchen,  und  handelt  mit  mehr 
Unbefangenheit;  der  Schleyer  erborgter  Unschuld  ist 
durchsichtiger,  als  bey  jener.  Das  Duett  mit  Mar- 
zelline  im  ersten  Acte  wo  sich  die  eben  so  tref- 
fend  gemalte  Haushälterin  mit  ihr  zankt,  und  die 
Bey  den  einander  ziemlich  plebej  —  doch  aus  der 


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.» 

91 

V 

Natur  solcher  Geschöpfe  gegriffen  -«  persifliren  urii 
mit  steigender  Galle  auslachen,  liefert  die  deutlichste 
Uebersicht  beyder  Charaktere,  . 
%   - .    Hannchen  ist  das  weibliehe  Gegenstück  des  Che- 
rubino,  und,  wenn  schon  als  Gegenstück  in  schwä- 
cheres Licht  Gestellt,  dennoch  verhältnissmassic  au*»- 
geführt.    Ihre  kleine  Ariette,  womit  der  vierte  Act 
beginnt,  passt  in  der  Wahl  der  Tonart  und  des  Zeit- 
raaasses  völlig  zu  jener,  jungen  Mädchen  in  gewissen 
Jahren,  ehe  sie  zur  Liebe  völlig  erwachen,  charak- 
teristisch  eigenen,  ängstlichen  Bedach tlichkeit.  Und 
wie  artig  wusste  Mozart  das  Suchen  an  der  Erde  zu 
malen :  „L'ho  per  data  —  nie  meschina!"  —  Die  Melo- 
die kriecht  nur  unmerklich  vorwärts,  wiederholt  sich, 
fasst  die  kaum  gehörte  Notenfigur  wieder  auf,  wie 
Einer,  der  Etwas  sucht  und  immer  wieder  auf  den 
Platz  sieht,  den  seine  Augen  kaum  verlassen  haben, 
als  müsse  er  es  da  und  nirgend  wo  anders  finden.  ' 
Nur  bey  der  Stelle,  wo  ihr  einfallt,  was  der  Graf, 
was  der  Pathe  darüber  sagen  werde,  erschrickt  sie; 
die  Noten  werden  geschwinder,  die  Melodie  drängt 
sich  im  Verhältnisse  mit  dem  Vorhergehenden  bey 
den  Worten:  „e  il  Signor!"  Aber  sie  findet  nicht, 
was  sie  sucht,  fallt  in  ihre  vorige  Trostlosigkeit  zu- 
rück und  schliessi  ihre  Ariette  so  traurig,  bedach  t- 
lich  und  schleppend,  als  sie  begann.  .  .. 

Ueberhaupt  verdient  diese  Oper  wegen  der  glück- 
lieh  behandelten  Nüancirung  ihrer  Charaktere,  deren 
fast  jeder  sein  Seitenstück  darin  findet,  vorzüglich 
studirt  zu  werden.  Man  halte  z.  B.  Don  Curzio  und 
Basilio,  Susanne  und  die  ältere  Marcelline,  Cherubin 
und  Hannchen ,  die  Schilderung  der  Eifersucht  des 


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92 

Grafen  und  Figaro's  gegen  einander  —  welche  herrlich 
nüancirte  Farbengebung  im  Verhältnisse  zum  Ganzen ! 

Italienische  Componisten  begnügen  sich  gewöhn- 
lich, bey  ihrer  Opera  buffa  dem  leichten  plappern- 
den Gesänge  ein  eben  so  gehaltloses  einzelnes  Ao 
compagnement  unterzulegen*  Betrachtet  man  dage- 
gen die  Volltönigkeit  der  Instrumentation,  den  schön 
geregelten  Contrapunct,  der  den  Quartetten  und  Sex- 
tetten hier  zum  Grunde  liegt,  die  unüberzählbare 
Menge  komischer  Gedanken  und  Malereyen,  und 
dabey  die  ganz  einfache  sangbare  Melodie,  so  tän- 
delnd, anschmiegend,  so  leicht  zum  Nachsingen  — 
«11er  Wust  italienischer  BuiTonaden  sinkt  in  sein 
altes,  längst  verdientes  Nichts.  Hier  ist  keine  Wie- 
derholung, keine  ekelhafte  Monotonie,  sondern  Alles 
athmet  hesperische  Fülle  und  Neuheit;  Blüthe  drängt 
sich  an  Blüthe;  wohin  man  blickt,  lacht  Jugend  und 
.Frühlings-Heiterkeit  aus  dem  schönfarbigen  Büde. 

* 

Coal  fan  tutte.  , 

Opera  buffa  in  swey  Acten. 

Die  Uebersetzung  dieser  Oper  kennt  man  unter 
den  Titeln:  „Die  Schule  der  Liebenden."  —  „Die 
Mädchen  sind  von  Flandern."  —  »Die  Wette."  — 
„Eine  macht's  wie  die  andere."  —  „So  sind  sie  Alle." 

—  „Weibertreue."  Sogar  der  wesentliche  Gang 

der  Fabel  des  Stückes  ist  nicht  bey  allen  Theatern 
überein,  daher  man  der  Musik  ganz  veränderten  Text 
unterlegte,  von  denen  aber  keiner  sonderlich  erbau- 
lich ist.  Man  muss  sich  fast  wundern,  wie  Mozart 
sich  herablassen  konnte,  an  so  elendes  Machwerk 
seine  himmlischen  Melodieen  zu  verschwenden.  Es 


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I 


stand  indess  nicht  in  seiner  Gewalt,  den  Auftrag  ab^» 
zulehnen,'  und  der  erbärmliche  Text  des  Originals 
wurde  ihm  ausdrucklich  aufgetragen.   Er  seh  rieh  sie 
für  die  italienische  Oper  in  Wien  zu  Ende  des  fafc-f 
res  1789«  *  Wf 

Man  kann  in'  diesem  Stücke  weder  Plan  noch  • 
Anordnung  finden,  und  es  würde  schwer  halten,'-^ 
als  ein  Kunstwerk  zu  beurtheilen.  Es  ist  eine  Samn**1 
lung  einzelner  Schönheiten,  doch  trägen  sie  grösstien-^ 
theils  das  Gepräge  froher,  muthwilliger  Laune«  Ju— 
gendkraft  und  üppige  Fülle  blüht  in  . ihr.  Der  Reich- 
thum der  Melodieen  ist  unerschöpflich.    In  dieser 
Hinsicht  hat  es  viel  Aehnlichkeit  mit  Figaro,  doch 
strebt  in  ihm  die  heitere  Laune  weit  höher  an. 

Die  Charaktere  der  Damen  sind  naiv,  flatterhaft' 
ä  buhlerisch  gezeichnet;  i"  1  i'  ••' 

Der  humoristische  Educationsrath  zeichnet  sich 
vorzüglich  aus.  Mozart,  dem  überhaupt  nie  Etwas 
misslang,  hat  auch  diesen  Charakter  mit  vielem 
Glücke  bearbeitet.  '     >  '  • 


über  sie,  wie  über  die  anderen  Charaktere,  verbrei- 
tet sich  eine  leichte,  etwas  grelle  Farbengebung. 

Die  Ouvertüre  versinnlicht  den  Titel  der  Oper« 1 
„Die  Mädchen  sind  von  Flandern"  durch  ihr  bestän- 
diges Wechseln  der  Instrumente.  Mit  einer  äusserst 
muthwilligen  Laune  giebt  Mozart  bald  den  Blas  -  In- 
strument en ,  bald  den  Streich -Instrumenten  die  Me~ 
lodie,  und  wechselt  hierin  so  schnell  und  unverse- 
hens, dass  das  Gehör  beständig  getäuscht  wird,  und 
oft  die  Geigen  noch  zu  hören  wähnt,  wenn  schon 
die  Blas  -  Instrumente  an  ihre  Stelle  gerückt  sind, 


» 


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94 


and  so  auch  im  Gegentheile  mit  den  Violinen.  Oft: 
schweigen  diese  plötzlich  und  die  Blas -Instrumenta 

Melodie  wandert»  gleich  den  Mädchen  von  Flandern, 
Ton  einem  zum  andern  —  Instrumente«  In  dieser, 
ao  wie.  in  jeder  andern  Hinsicht  ist  diese  Ouvertüre 
eine  der  künstlichsten  und  angenehmsten  Composi- 
tionen  Mozart's.  Ihre  Ausfuhrung  erfordert  die  äus- 
serste  Genauigkeit  und  den  strengsten  Tact.  :  i 
:  In  der  ganzen  Oper,  so  wie  in  der  Ouvertüre,; 
herrscht  eine,  immerwährende  Abwechselung,  eine 
überaus  liebliche  Melodie  und  ausgesuchte  Instrui 
mental  r  Begleitung. 

Man  kann  also  nicht  gerade  zu  sagen,  dass  diese 
Oper  das  .unbedeutendste  Werk  Mozart's  sey,  frey- 
lich vielleicht  von  seinen  theatralischen  Werken  als 
Ganzes  betrachtet.  Zu  seiner  Gestaltung  hat  somit 
die  allzugrosse  Einfachheit  des  Gegenstandes,  die 
schwache  Zeichnung  der  Charaktere  von  Seiten  des 
Dichters,  die  Unwahrscheinlichkeit  der  Situationen, 
das  Matte  der  Auflösung  und  vor  Allem  die  er- 
bärmlichen üebersetzungeri  viel  zu  diesem  Ürtheilb, 
beyge tragen»  Um  desto  grösser  waren  daher  die 
Schwierigkeiten,  mit  denen  der  Componist  zu  käm- 
pfen hatte.  Und  wie  hat  er  diese  überwunden?  Zu- 
erst fallt  in  die  Augen,  mit  welcher  Delicatesse  diese 
Oper  instrumentirt  ist;  wie  Mozart  sich  dabey  aller 
ihm  vorgeworfenen  Ueberladungen  enthalten  hat; 
wie  zweckmässig  er  sich  aller  Blas -Instrumente  be- 
dient. .  Man  nehme  dazu  die  Haltung  des  Ganzen, 
die  Grazie  in  den  einzelnen  Gemälden,  mit  welcher 
Zartheit  jede  Empfindung  behandelt  ist;  die  Wahr- 


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heit  de*  Ausdrucket  Die  »andlung  vertragt  teilt* 
starke  Colorirfung,  und  doch  diese "leine  Nuancirung 
der  Charaktere  i  Das  Ernste,  Bestimmte  der  Fiordil%H 
das  Lichte,  Frohsinnige  der  Dorabella^  ]Perrando?Ä 
sanfte  Schwarmerey*  GuglielmoY -fröhliche  Lauge* 
Despina's  Schlauheit,  wie  meisterhaft!  Und  in* ahW 
diesen  Charakter- Schilderungen  nicht  einen  einzigen 
kleinen  Widerspruch!  Sollte  man  endlich»  das  Gänse 
*u  flach  finden  (ohne  des  Dichters  Schuld),  so  be* 
weisen  einzelne  Situationen  das  GegentheiL  1  Haupt- 
sächlich das  Terzett t  Soave  etfi  ü  vetitb  etc.,  das 
Sextett:  Alla  bella  Despinetta  etc., die  Arie:  timkt± 
nie  implacabili  etc.  etc.     ;       •»'»••'         •  '  * 

.  JD  o  n    Q  i  o  'v  ay n  n  i.      •  1  *  •'»•  •! 

-i.,  /  ....     Qperi*  a  Aptin.   .  •  1    ...l  -  .  *.S»,r 

Man  kennt  diese  Oper  unter  dem  Titel:  Tt  dit* 
soluto  punito,  Und  nach  der  Uebersetzung :  Don  Juan^ 
oder  der  steinerne  Gast.  Der  Originaltext  ist  vorii 
Abbate  di  Ponte.  Ausser  der  Schröderschen  UmanU 
derung  in  vier  Acte  und  Nationalisirun£  der  Cha- 
raktere hat  man-  Verschiedene  tjebersetzungen.  Die 
Bearbeitung  von  Friedr.  Rochlitz  ist  unstreitig  die 

,  .  •  .«t  •  •        •  /  c 

beste. 

Mozart  schrieb  diese  Oper  bekanntlich  für  dad 
Präger  Theater  unter  der  Direction^  des  bekannten 
Bondini,  im  Jahre  178%   '    A      '  •   1  '  :        -  ' 

Wenn  schon  in  Hinsicht  der  Compositum  diese 
Oper  eines  der  vorzüglichsten*  Kunsterzeugnisse  Mo* 
zart's  ist,  so  kann  sie  doch' nichts  weniger  als  den 
Forderungen  des  Aesthetikerä  Genüge  leisten,  weil 
man  sie  nicht  als  eine  ganze  Schönheit  betrachten 


kann.  Die  Gefühle  sind  zu  verschieden,  zu  wider- 
sprechend,  die  Charaktere  greifen  nicht  in  einander 
und  von  allen  Aufgaben,  die  in  der  Zauberflöte  so 
meisterhaft .  gelöVt  sind ,  konnte  hier  nicht  die  Rede 
seyn.  Mozart  selbst  hat  dies«  gefühlt,  aber  er 
konnte  nicht  anders  ;  der  Text  las  nun  einmal  da. 

Bey  dem  Dichter  und  bey  dem  Componisten 
findet  kein  gutes  Verhäitn  iss  zwischen  den  beyden 
weiblichen  Hauptrollen  Statt*  Anna  soll  Hauptper- 
son seyn,  verhält  sich  aber  überall  nur  leidend  und 
hat  doch  die  ausgefuhrtesten  Gesangstücke.  Elvira 
ist  heroisch,  übereil  ihätig  und  hat  zwar  trefflich 
gearbeitete  aber  doch  in  Ansehung  der  Sängerin  nicht 
so  hervorstechende  Stücke.  Mozart's  richtiges  und 
feines  Gefühl  würde  «ihn  schon  vor  dieser  Incon- 
venienz  gehütet  habe», 'wenn  er  nicht,  wie  bey  al- 
len seinen  Opern,  auf  viele  Nebenumstände  hatte 
Rücksicht  nehmen  müssen*  Auch  hier  musste  er  die 
besonderen  Kräfte  der  Sänger  und  Sängerinnen  bev 
der  Aufführung  beachten  und  musste  ihnen  nachge- 
ben 5  und  bedenkt  man,  was  er  unter  diesen  Ver- 
hältnissen dennoch,  leistete,  so  wird  man  Stoff  zu 
neuer  Bewunderung  genug  finden*  > 

J)ie  Musik  soll  nicht  malen,  nicht  einmal  pitto- 
resk seyn.  Aber  es  giebt  eine  gewisse  malerische 
Darstellung  in  der  Musik,  die  gerade  die  vollendetsten 
Kunstwerke  bezeichnet.  Ich,  föchte  sie  die  unsicht- 
bare Malerey  nennen;  aber  sie  ist  nur  den  erhaben- 
sten Genie's,  einem  Mozart ,  eigen«,  Aus  einer  ganz 
alltäglichen  Phantasie  wird  durch  den  Don  Juan  ein 
romantisches  Leben  erscheinen,  und  alle  seine  wech- 
selndcn  Cjcstaltcu  ^vexden  sich  vor  dem  innem  Auge 


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.  — 22L_ 

i 

zu  kühnen  und  bedeutenden  Gruppen  bilden,  die  sich 
immer  kühner  und  immer  bedeutungsvoller  verdrän- 
gen, bis  zuletzt  die  dunkle  Ahnung  erfüllt  wird  und 
eine  unbekannte  übermenschliche  Kraft  dieses  Leben 
untersinken  lässt,  um  ein  anderes  furchtbares  her« 
vorzurufen* 

In  dem  Andante  der  Ouvertüre  ergreifen  einen 
die  Schauer  des  furchtbaren,  unterirrdischen  regno 
f      del  pianto  }  Grausen  erregende  Ahnungen  erlullen  das 
Gemüth.  Wie  ein  jauchzender  Frevel  klingt  die  ju- 
belnde Fanfara  im  7ten  Tacte  des  Allo;  man  sieht 
aus  tiefer  Nacht  feurige  Dämonen  ihre  glühenden 
Krallen  ausstrecken  —  nach  dem  Leben  froher  Men- 
schen, die  auf  des  bodenlosen  Abgrundes  dünner 
Decke  lustig  tanzen.   Der  Conflict  der  menschlichen 
Natur  mit  den  unbekannten  grässlichen  Mächten ,  die 
ihn,  sein  Verderben  erlauernd,  umfangen,  tritt  klar 
vor  die  Augen  des  Geistes.    Durch  den  Sturm  der 
Instrumente  leuchten  wie  glühende  Blitze  die  aus 
ätherischem  Metall  gegossenen  Töne-  Mehr  als  Ver- 
zweiflung über  den  grausamsten  Frevel  liegt  in  den 
entsetzlich  herzzerschneidenden  Tönen.   Das  Terzett 
der  Masken  ist  ein  Gebet,  das  in  rein  glänzenden 
Stralen  zum  Himmel  steigt,  und  der  fugirte  Chor 
rundet  das  Werk  herrlich  zu  einem  Ganzen. 

» 

Thut  denn  zur  Oper  das  Gedicht  mehr,  als  zum 
Gemälde  die  grundirte  Leinwand  ?  Wahr  ist's :  ohne 
Grund  lässt  sich  eben  nicht  viel  malen,  aber  das 
Grundiren  kann  auch  allenfalls  ein  geschickter  Far- 
benreiber  hinlänglich  besorgen.  Solche  poetisch  mu- 
sikalische Farbenreiber  finden  sich  jetzt  in  allen  Ecken : 
fanden  sich  nur  auch  die  poetisch  malenden  Musiker! 


• 


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98 

—  ■  • 

« 

—  Mozart  —  Wetter  noch  einmal  S  der  hat  um  wahre 
Opern  gegeben:  aber  wie  wenige!  und  wie  viele 
müssen  wir  auch  von  den  wenigen  abziehen!  Ido- 
meneo  und  die  Entführung  sind  nicht  übel  —  das 
versteht  sich:  doch  aber  nur  jugendlich ,  gleichsam 
Versuche  der  Fühlhörner  auskriechender,  aufdäm- 
mernder Genie's.  Figaro  ist  besser:  aber  nach  Kai- 
ser Josephs  Geschmack;  italienisirt  und  ohne  Ro- 
mantik. Den  Titus  musste  der  Meister  in  zwölf  Ta- 
gen sehreiben,  einem  seinem  Wesen  nicht  zusagen- 
den Texte  «ich  bequemen,  und  fast  Alles  überdiess 
einem  kleinen  Häufchen  italienischer  Sänger  auf  den 
Leib  zuschneiden*  So  blieben  denn  nur  Cosl  fem 
tntte,  die  Zauberflöte  und  Don  Juan.  Diese  sind 
aber  auch,  sagt  Jemand,  nebst  Cimarosa's  Matrimonio 
segreto,  die  eineigen  wahrhaft  göttlichen,  d.  h.  end- 
lich doch  die  einzigen  Opern,  die  die  Welt  hat. 

Wenn  Mozart  Opern  componirte ,  ward  er  für 
uns  Dichter!  Die  Ouvertüre  zu  Don  Juan  lasst  alle 
Schauder  der  Unterwelt  ahnen.  Die  hohe  Idealität 
Mozart's  macht,  dass  man  keinen  Maassstab  einer 
anderweitigen  Vergleichung  für  sie  findet  Alle  ge- 
nialen Kräfte  des  Menschen  stehen  in  diesem  schaf- 
fenden Geiste  in  ihrer  höchsten  Blüthe  und  geben 
jeder  durch  ihn  gebildeten  Form  einen  Abglanz  vom 
Göttlichen,  der  dem  Gefühle  des  Beschauenden  die 
hohe  Wonne  schon  von  selbst  mittheilt,  aus  deren 
zeugender  Kraft  jede  seiner  Melodieen  entsprungen, 
jedes  seiner  grossen  Tonbilder  gleich  einem  organi- 
sehen  Keime  entwickelt  ist.  Daher  der,  immer  wie- 
der aufs  neue  geweckte,  Enthusiasmus  bey  jeder  Auf- 
ilihrung;  daher  die  ewige  Jugend  und  reizende  An- 


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99 

mulli  der  Ideen,  und  die  bey  den  Werken  des  Ge- 
nie'« nur  zu  beobachtende  Erscheinung,  dass  Jeder 
sie  versteht,  und  wäre  er  auch  ein  Laye  der  Ton- 
kunst« 

Anna  ist  der  höchste  Charakter,  den  Mozart  ge- 
schaffen, eines  der  edelsten  weiblichen  Gebilde,  wel- 
ches die  Literatur  der  Tonkunst  aufzuweisen  hat« 
Vom  ersten  Auftritte  an  sehen  wir  sie  in  tragischer 
Bewegung.  Man  fühle  die  rhythmische  und  melodi- 
sche Steigerung  des  Gesanges  bey  den  Worten:  non 
aperar  se  non  m'uccidi,  cti  io  ti  lasci  fuggir  mai 
etc.  bis  im  letzten  Tacte  die  Stimme  in  Zorneswuth 
wieder  zurückgeschleudert  wird  —  man  höre  den 
Sturm  des  Orchesters!  Es  ist  nicht  mehr  zu  ver- 
kennen, dass  ein  furchtbares  Geheimniss  Anna  aus 
dem  sichern  Schlosse  Don  Juan  nachreisst.  Das  Un- 
glück kettet  sich  an  die  Schmach:  Anna's  Vater  fällt: 
•ie  hat  den  Zweykampf  und  seinen  Tod  herbeyge- 
zogen.  Nun  ist  lur  sie  keine  Ruhe  und  Rettung, 
daher  ist  nach  dem  bewusstlosen  Schrecken  ihr  erster 
Gedanke,  der  neben  den  tiefsten  Schmerzen  Raulen 
Sprache  erringt,  der  Aufruf  zur  Rache.  Ja,  ehe  er 
noch  Worte  findet,  ahnet  man  es  schon  in  dem  für 
blosse  Klage  viel  zu  gewaltigen  Ausbruche  des  Alle- 
gro:  Fuggi  crudele  fuggi,  lascia  che  mora  anch' 
io  etc.,  indem  sich  aus  ihrem  Gemüthe  eine  kraft 
entfaltet,  die  selbst  aus  der  leidenschaftlich  stürmen— 
den  Introduction  nicht  zu  ahnen  war.  Diese  Kraft 
und  das  Beruhen  in  dem  einen  Zweck  der  Rache 
wird  bewährt  durch  die  ruhigere  Haltung  im  Quar- 
tett. Aber  Don  Juan's  letzte  leidenschaftliche  Worte 
zu  Elviren  verrathen  ihn,  vernichten  ihre  Hoffnung 

7* 


1 


100 

—  unfähig,  sich  und  die  Verhältnisse  zn 
ruft  sie  in  dem  heftigsten  Ausdrucke  der  Angst  nach 
Hülfe,  Schutz:  Per  pieta  eoccorretemi  !   Nun  kann 
sie  nicht  mehr  schweigen  — •  was  verborgen  war, 
wird  nun  offenbar,  und  nun  ist  ihr  Geist  jeder  lasten- 
den Fessel  frey  —  erhebt  sich  über  Unglück  und 
Schmach  —  der  Tod  des  Vaters  wird  nicht  mehr 
beklagt.   Die  Glut  der  Leidenschaft  bricht  in  helle 
Flammen  aus  (daher  Schlag  auf  Schlag  die  Modula- 
tion von  A*>  nach  Gfl,  von  E*>  nach  G*,  nach  E  8) 
und  in  gewaltigen  Accenten  werden  die  letzten  W orte 
der  Erzählung:    Cvmpie  il  misfatto   suo  —  der 
erste  Ruf  zur  Rache.  Diese  durchströmt  die  folgende 
Arie  in  einem  unversiegenden  Feuergusse :  von  ihr  er- 
füllt, tritt  Anna  aus  den  Schranken  ihres  Geschlechts, 
steht  als  gerüstete  Heldin  da:   jede  Bewegung  ist 
gross  und  voll  sieggewisser  Kraft,  jeder  Ton  in  dem 
ersten  Satze  der  Arie :   Or  sai  chi  Vouore  —  ist  ein 
herrschender  Ruf.    Die  rollenden  Basse  schlagen  an, 
wie  die  Brandung  an  den  Fels ,  nicht  ihn  erschütternd, 
sondern  seine  Unerschütterlichkeit  bewahrend.  Wie 
ein  Blitzstrahl  schlägt  der  Racheruf:    Vendetta  ti 
chieggio  —  die  Seele  und  zwingt  das  aufgeregte  Or- 
chester, nachzuhallen.  Selbst  der  Schmerz  der  Rück- 
erhmerung:   Rammenta  la  piaga  etc.  bis  zum  er- 
stickenden Zorne,  bis  in  der  letzten  Steigerung  Ven- 
detta, Vendetta  ti  chieggio  etc.  der  die  Welt  durchzie- 
hen %  möchte  und  in  die  Waffen  rufen  gegen  Don 
Juan  —  und  wo  doch  ein  leiser  Nachklang  des  tiefsten 
Wehe  nicht  unterdrückt  wird.   Der  Ruf  der  Rache 
'ist  erhört,  Anna's  Pflicht  erfüllt.   In  ihr,  die  nur 
reinen  Sinn  und  Liebe  kennt,  musste  der  Gedanke 

■ "  ■  ■  ^»      1  »  mW  ^  mm  mm      y        m  mm  *»ww  w»  w       ^™  ^  Ä         ~  ^  mM  mm.  ^ 


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*  - 

•  *  « 

der  Rache  geboren  werden,  um  geheiligt  zu  sevn. 
Sie  nicht  soll  das  Werkzeug  der  Vollstreckung  seyn; 
ihr  Verlobter  ist  zu  schwach  5  machtigere  Wesen 
vollbringen  es*  Anna  hat  nur  noch  das  Gebet  zum 
Himmel  um  Schutz  und  Rache. 

Aber  eben  nun  muss  sie  vergehen ,  das  Geschäft 
ihres  Lebens  ist  vollbracht,  ihr  Geschick  ist  nicht 
wieder  herzustellen.    Wenn  sie  im  Sextette  wieder  . 
erscheint,  wird  sie  schon  bey  ihrem  Eintritt  als  das 
Opfer  verkündet  als  die  unrettbar  Hingeopferte  — 
wer  erkennt  das  nicht  mit  unbeugsamer  Gewissheit 
in  dem  leisen  Paukendonner,  der  in  dem  Es$  Satze 
bey  der  unerwarteten  Wendung  nach  D  #  auf  A  ah- 
nungsvoll eintritt?   Der  arme  Ottavio  wollte  trösten 
—  da  wendet  sich  der  Gang  aus  dem  hellem  Dur 
nach  Moll       der  ahnungsvolle  Donner  rollt  verhal- 
lend, und  in  langen  Tönen  haucht  Anna  ihren  Schmerz 
und  ihre  Lebenskraft  aus.  Sie  möchte  den  bald  ganz 
Verlassenen  noch  ein  tröstendes  Lächeln  schenken  — 
daher- die  unendlich  tief  gefühlte  Wendung  nach  B  tf. 
Aber  nur  einen  Augenblick  ist  sie  dieses  Liebes- 
opfers fähig:    Sol  la  rnorte  il  mio  pianto  pub  finir 
etc.  Noch  nie  ist  das  Vergehen  im  Schmerz  und  die 
zuverlässige  Ahnung  der  nahen  Auflösung  so  gesun- 
gen worden,  wie  hier  von  Mozart.  Die  nun  folgende 
Scene  der  Anna  ist  der  Rückblick  der  Scheidenden 
auf  das  blühende  Leben  —  es  ist  der  Sinn  von  Gö- 
the's  unsterblichem:   So  lasst  mich  scheinen,  bis  ich 
werde  —  dieses  sind  die  Grundzüge  des  erhabensten,  ' 
reinsten,  edelsten  Charakters,  den  Mozart  geschaf- 
fen hat. 

Auf  vielen  Bühnen  ist  Don  Juan  ein  Wüstling, 


/ 


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103  . 

der  armselig  von  einem  Madchen  zu  dem  andern 
taumelt ,  mit  kaltem  Blute  Menschen  hinmordet,  und 
der  Gemordeten  in  gedankenloser  Rohheit  spottet, 
der  in  dieser  tiefen  moralischen  Entwürdigung  keine 
einzige  Kraft,  nicht  einmal  die  einer  tüchtigen  Lei- 
denschaft entfaltet  —  kurz,  ein  dumpfes  Thier  unter 
menschlicher  Maske.  Ob  diess  ein  Gegenstand  für 
die  Kunst  ist,  den  Mozart  im  Sinne  gehabt,  als  er 
die  edelsten  Regungen  seiner  Seele  in  Tönen  ergoss? 
Daran  setzte  er  die  höchste  Kraft  seines  grossen  Ge- 
niels? Im  Werke  selbst  findet  sich  nicht  ein  einzi- 
ger  Zug  eines  gemeinen,  niedrigen  Charakters«  Wir 
sehen  Don  Juan  in  der  Introduction  bedrängt,  fast 
ausser  Fassung  —  dennoch  stolz.  Ein  Zug  der  Ge- 
ringschätzung verräth  sich  in  seinem  Gesänge  nach 
dem.  blutigen  Zweykarapfe,  aber  zugleich  in  der  gan- 
zen Melodie  eine  gewisse  Rührung.  Vielleicht  möchte 
Don  Juan  sich  ihrer  entäussern,  vielleicht  schämt  er 
sich  ihrer  —  doch  kann  er  sie  nicht  unterdrücken. 
Wir  finden  ihn  nachher  lüstern  beyZerlina,  heuch- 
lerisch im  Quartett  und  zweyten  Terzette  mit  Elvira, 
,  scherzend  mit  Leporelfo,  zu  wilder  Lust  aufgeregt 
;  in  der  Champagnerarie,  in  hoher  Bedrängniss  im 
ersten  Finale,  wir  sehen  seinen  furchtbaren  Unter- 
gang —  nirgends  ist  er  der  aller  menschlichen  Re- 
gung haare  Wüstling. 

Sein  letzter  Frevel  ist  der  an  Anna.  In  ihm 
und  der  Ermordung  des  Gouverneurs  ist  seine  Bahn 
beschlossen,  und  wahrlich !  es  ist  genug  an  dem  dop* 
pelten  Verbrechen,  das  Anna's  Leben  ganz  zerstört. 
Ohne  es  zu  wissen,  hat  Don  Juan  auch  sein  Geschick 
dabey  entschieden.    Er  versucht  sein  frivoles  Leben 


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103 

fortzusetzen  in  Ausgelassenheiten  aller  Art;  Alles 
misslingt  ihm:  Alles  drängt  ihn  immer  näher  zur 
Strafe*  Die  letzte  Gewaltthat,  die  er  an  Zerlinen 
versucht,  misslingt,  wie  Alles  und  treibt  ihn  in  die 
Flucht.  Diese  führt,  ihn  an  das  Monument  des  Gou- 
verneurs. In  dem  wilden'  2?#- Duett  packen  ihn  zu- 
erst Ahnungen  des  bevorstehenden  Untergangs;  es 
scheint  fast,  als  sey  er  des  Treibens  selber  müde ; 
sein  Scherz  mit  dem  Geiste,  sein  Hohn  ist  erzwun- 
gen, jene  Regungen  zu  unterdrücken.  Und  dennoch 

sein  nahes  Geschick. 

So  steht  nach  der  Grundanlage  des  Drama  Alles 
in  notwendiger  Folge  und  im  wirkungsreichsten 
Zusammenhange.  Don  Juan  mit  den  edelsten  Anla- 
gen, mit  einem  Herzen  voll  liebender  Glut,  von 
Menschen  umgeben,  die  ihm  keine  Befriedigung  ge- 
währen können,  höher  stehend,  als  sie  alle,  und 
doch  nicht  hoch  genug,  um  in  sich  selbst  und  eig- 
nem thätigem  Leben  Genüge  zu  finden,  um  jene  zu 
entbehren  —  wird  seiner  edlen  Natur  abtrünnig, 
fallt,  und  wenn  er  zuletzt  dem  Wesen  naht,  das 
allein  seine  Sehnsucht  hätte  befriedigen  können,  dann 
ist  er  durch  den  eigenen  Abfall  schon  verderbt  und 
nur  fähig,,  auch  sie  zu  verderben. 

Ist  dieser  Untergang  einer  reichen  Natur  nicht 
hinlänglicher  Stoff  für  ein. Drama?  —  wozu  die  dop- 
pelte Mordthat  am  Monumente?  Durch  diese  sinkt 
er  unter  die  Banditen  und  Strassenräuber  herab,  die 
bestimmte  Antriebe  haben.  Ein  Mensch,  der  sinn- 
los mordet,  kann  nur  Abscheu  erregen,  und  ist  kein 
Gegenstand  für  die  Kunst.  (Ist  bey  diesen  Anlässen 


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Musik?)  —  Fast  eben  so  störend  ist  der  trockne 
Spaass  mit  dem  Glaubiger.  Es  ist  nun  nicht  mehr 
Zeit  zu  zerstreuenden  Possen,  Don  Juan  kann  ihrer 
nicht  mehr  fähig  seyn,  und  im  Bacchanal,  womit 
das  Finale  beginnt,  sucht  er  nur  sich  zu  betäuben. 
"Wozu  waren  noch  fremde  Spässe? 

Leporello  ist  ein  Tropf,  der,  in  der  Schule  der 
Nichtswürdigkeit  seines  Herrn,  eingeweiht  in  die  Ge- 
heimnisse der  Verführungskunst,  erborgten  Witz  mit 
origineller  Dummheit  paart,  und  —  wie  jedes  Ge- 
schöpf dieses  Schlages  —  nur  klug  erscheint,  wenn 
sein  Herr  nicht  zugegen  ist.  Daher  hebt  sich  seine 
Partie  nur  immer  da,  wo  er  nicht  mit  seinem  Herrn 
in  Collision  kömmt,  wie  in  der  Arie:  Madamina! 
il  catalogo  i  questo  etc.  und  im  grossen  Sextett :  Sola, 
sola  in  bujo  loco  etc.  im  zweyten  Acte,  wo  er  sich 
ganz  ausbreiten  kann,  ohne  zu  riskiren,  dass  sein 
Herr  ihn  mit  seinen  Albernheiten  prostituire.  Hin- 
gegen in  Gesellschaft  seines  Herrn 'ist  er  nur  das 
Echo  des  erstem,  um  doch  etwas  zu  sagen,  ohne 

■ 

sich  zu  blamiren.  Solche  nachbetende  Stellen  sind 
unter  anderm  vorzüglich  im  ersten  Finale.  —  Der 
Dichter  hat  freylich  zu  sehr  auf  diesen  faden  Spaas- 
macher  gerechnet,  dass  durch  ihn  nicht  selten  der 
Totaleindruck  mancher  ernsthaften  Scene  geschwächt, 
oft  gänzlich  vernichtet  wird,  wie  bey  der  Mord  scene 
auf  dem  Kirchhofe  und  besonders  bey  der  Geister- 
scene,  wo  er  völlig  zum  Hanswurste  herabsinkt.  Die 
ganze  Scene  hätte  sich  selbst  verderben  müssen ,  hätte 
Mozart  nicht  Leporello's  Partie  als  blos  ausfüllendes 
Accompagnement,  mit  dem  Basse  gehend  in:  La 
terzana  d'avcrc  mi  aembra  etc.  behandelt,  worin  er 


• 

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alle  Aufmerksamkeit  nur  auf  Don  Juan  leitet  und 
Leporello's  Worte  nur  mit  den  Triolen  weniger  be- 
merkt dahin  rollen  lässt.  « 

Ottavio  ist  —  ein  wahrer  Bräutigam.  Er  will 
die  gekränkte  Ehre  rächen ,  und  zittert  bey  dem  Ge- 
danken an  die  Möglichkeit,  sein  Leben  dabey  zu 
verlieren.  Selbst  das  Schwankende  seines  Charakters 
malt  Mozart  vortrefflich  in  der  Arie :  tl  mio  tesoro 
intanto  etc.  Die  ganze  Musik  seiner  Partie  malt  den 
Jüngling,  dessen  Feuer,  gebunden  durch  die  süssen 
Bande  der  Liebe,  nur  hier  und  da  noch  auflodert, 
schnell  aber  wieder  in  den  Busen  zurückkehrt,  wenn 
ihn  sein  Bräutigamsstand  an  die  Pflichten  für  sein 
Mädchen  erinnert.  Annas  Besitz  liegt  ihm  näher 
am  Herzen  als  die  nutzlose,  gefahrvolle  Rache  des 

—  doch  nun  einmal  todten  —  Vaters. 

Masetto's  Charakter  erlangt  seine  meiste  Bestimmt- 

■ 

Heit  durch  die  späterhin  eingelegte  Arie :  Ho  capito, 
signor  si  etc.  und  mit  dem  Anfange  des  ersten  Fi- 
nals:  Presto  presto!  pria  eh9  ei  venga  etc.  Der 
Bauer  ist  in  beyden  Stellen  in  der  Declamation  so- 
wohl, als  im  Accompagnement  meisterhaft  geschildert.* 

—  Der  Gouverneur,  so  kurz  seine  Scene  ist,  so  edel 
ist  sein  Charakter  behandelt.  Und  wie  schön  malt 
Mozart  die  Stelle,  wo  der  Verwundete  nur  mit  äus- 
serster  Anstrengung  spricht,  da  ihm  der  Stich  die 
Luft  versetzt,  immer  in  abgebrochenen  Noten,  ein 
Achtel,  ein  Viertel,  dann  wieder  Pausen.  Endlich 
bey  abnehmendem  Athem  bleiben  die  Achtel  aus  und 
die  einzelnen  abgebrochnen  Athemzüge  erscheinen 
in  Gestalt  einzelner  Viertel  zwischen  Pausen  in  jedem 
Tacte.    Erst  wo  die  Singstimmen  schweigen,  malt 


m 

Mozart  mit  der  klagend  einfallenden  Oboe  das  Win- 
den und  Krümmen  des  Sterbenden.  Dieses  Solo  bebt 
sich  auf  dem  trefflich  gewählten  Instrumente  bey 
der  schwachen  Begleitung  meisterhaft  heraus;  der 
Hörer  selbst  fühlt  ein  unwillkürliches  Zusammenzie- 
hen  in  der  Brust.  Wie  viel  Ueberlegung  herrscht 
in  der  Abnahme  dieser  Stelle  durch  die  Flöte  mit 
dem  Fagott !  Man  kann  hier  malerisch  sagen :  Mo- 
zart hat  seine  Farben  trefflich  in  einander  verschmol- 
zen.   Diese  Scene  ist  überhaupt  classisch« 

Elvira,  das  treueste  Bild  eines  edlen,  gemisshan- 
delten  Weibes,  das,  vom  Gram  und  Gefühl  ihres 
Unglücks  niedergebeugt,  ihren  traurigen  Verhältnis- 
sen entfliehen  will  und  nicht  kann,  ihren  Verführet 
hassen,  verabscheuen  möchte,  und  noch  immer  mit 
Liebe  an  ihm  hangt*  Ihre  Würde,  so  wie  ihre 
Schwermuth  wird  sehr  wahr  mit  Es  geschildert. 

Zerline  scheint  ein  Lieblings- Charakter  von  Mo- 
zart gewesen  zu  seyn,  denn  sie  ist  con  amore  bear- 
beitet und  ganz  das  unbefangeuene  Naturmädchen 
mit  einer  gehörigen  Gabe  Vorwitz  unter  dem  gewöhn- 
lichsten Deckmantel  der  Sanftmuth  und  Eingezogen- 
heit.  Schon  die  Wahl  der  ruhigen  Tonart  Fi  in: 
Batti,  batti  o  belMasetto,  etc.  und  der  andern  sanft- 
fliessenden,  tändelnden  C8  in:  Vedrai  carino  etc. 
charakterisiren  sie  hinlänglich. 

Das  Terzett  in  der  fünften  Scene,  wo  Elvira  er- 
scheint: Ah  cid  mi  dice  mai  —  drückt  die  Angst 
der  Forschenden  mit  den  lebhaftesten  Farben  aus.  —  ,  i 
Wie  schön  ist  die  Abwechselung  im  Accompagne- 
inent.  welche  Farbenmischung  der  Instrumente  und 
welche  Charakteristik  in  der  Action  in  der  allbelieb- 

* 

*  M 

f 

I 

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107 

ten  Arie  Leporello's :  Madamina!  il  catalogo  i  que- 
sto.  —  Man  fühlt  gleichsam  in  den  kurzen  Achtel- 
noten das  Hin-  und  Herdeuten  mit  dem  Finger  bald 
auf  dieses ,  bald  auf  jenes  Mädchen,  und  die  staccato 
herunter  burzelnden  Läufer  zeigen  das  Wegmessen 
ganzer  Provinzen  auf  der  Bandrolle«  Da,  wo  er  in 
der  Erzählung  schneller  wird  und  die  Mädchen  ge- 
schwinder vorzeigt,  häufen  sich  auch  die  Instrumente 

V 

zum  lärmenden  Tutti:  V  hon  fra  queste  conta- 
dine,  cameriere,  cittadine,  S  hon  conteaae,  baroneaae, 
marclieaane,  principeaae.  — 

Die  später  eingelegte  Arie  Elvirens:  In  qua  Ii 
„  ecceaai,  o  numi!  etc.  ist  ganz  charakteristisch  und 
unstreitig  eine  der  vollendetsten,  die  Mozart  je 
schrieb,  und  leistet  allen  Forderungen  des  Aestheti- 
kers  Genüge.  In  der  Declamation  liegt  so  viel 
Weichheit,  und  doch  so  viel  Tiefe  der  Empfindung, 
in  der  Melodie  so  viel  Ausdruck  des  edelsten  Schmer- 
zes$  —  sie  reisst  unwillkürlich  mit  sanfter  Rührung 
allmälig  zur  innigsten  Theilnahrae  hin.  Sie  packt 
'  nicht,  aber  ihr  modülcirter  Stufengang  wirkt  desto 
sicherer,  bleibender,  schöner  — -  wie  es  jedes  vollen- 
dete Kunstwerk  sollte. 

■ 

In  dem  muntern  Hochzeitchore:  Giovinette  che 
fatte  all'  amore  etc.  malt  Mozart  die  reinste,  innig- 
ste Freude,  wie  sich  unschuldige  und  gute  Natur- 
menschen freuen. 

Elvirens  Arie:  Ah  fuggi  il  traditor!  etc.  ist 
ein  contrapuncüsches  Kunststück.  Es  scheint,  als 
habe  Mozart  zeigen  wollen,  dass  er  auch  in  Bach'- 
scher  Manier  schreiben  könne. 


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# 

Ihr  Styl  ist  schon,  aher  von  allen  andern  Piecen 
dieser  Oper  so  unendlich  verschieden,  dass  ihre  Aus- 
führung bey  den  Vorstellungen  befremdet,  und  wie 
mit  dem  Schlage  einer  Zauberruthe  in  das  goldene 
Zeitalter  Bach 's,  Handels  und  Hasse's  versetzt.  In  . 
Ansehung  des  Tactes  ist  sie  für  manche  Sängerin 
eine  gefährliche  Klippe,  wesshalb  man  sie  auch  häu- 
fig weglässt. 

Das  grosse  Quartett :  Non  ti  fidar  o  miscra !  — 
gehört  nicht  allein  zu  den  vortrefflichsten  Composi- 
tionen  im  Don  Juan,  sondern  auch  in  allen  Werken 
seines  unsterblichen  Schöpfers.  In  ihm  sind  alle 
Forderungen  eines  guten  Quartetts  aufs  angenehmste 
befriedigt. 

Die  Arie  Don  Juan's :  Fin  ch*  hon  dal  vino  cal- 
da  la  testa  etc.  ist  das  Charakterstück  der  ganzen 
Rolle.  Hier  malt  sich  die  wilde,  taumelnde  Freude 
des  Wollüstlings  unverkennbar,  besonders  in:  „Se 
trovi  in  piazza"  —  wahre  Tanzmusik;  Alles  schnurrt, 
geigt  und  pfeift  lustig  schwärmend  durch  einander; 
Alles  dreht  sich  im  Kreise  und  musicirt  in  vollem 
Athem.  Eben  so  charakteristisch  ist  Zerlinens  Arie : 
y,Butti,  batti,  o  hell'  M eiset to  etc. 

Das  erste  Finale  ist  wohl  eines  der  vorzüglich- 
sten vielleicht  von  allen,  die  je  geschrieben  wur- 
den. —  Man  merkt  es  gleich,  wenn  der  Dichter 
Etwas  für  den  Componisten  that,  dass  er  es  zehn- 
fach zu  vergelten  wusste.  Die  Anlage  ist  wirklich 
brav  und  das  einzige  Gelungene  im  ganzen  Texte.  • 
Alle  Erfordernisse  eines  guten  Finale's  sind  berück- 
sichtigt: öftere  Abwechselung,  keine  Leeren,  das 
Ensemble  gewählt  und  kein  zweckloses  Kommen 


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und  Gehen  der  Personen,  die  Vereinigung  zum 
letzten  Chore  aus  dem  Anfange  zwanglos  entwickelt*. 
Was  Mozart  für  dieses  Finale  that,  ist  ausseror-  . 
dentlich!  —  Seine  Schönheiten  lassen  sich  nur  em- 
pfinden  und  von  Kennern  beym  Lesen  der  Parti- 
tur verstehen.  Wie  wechseln  die  Gefühle«!  welche 
Combination  der  Charaktere!  Von  der  ersten  Pri- 
vat-Streitigkeit  Maselto's  mit  seiner  Braut  an,  bis 
zum  allgemeinen  Lärmen  am  Ende,  durch  alle  Ab- 

• 

Wechsel ungen  der  Empfindungen  consequent  bearbei- 
tet. Maselto  —  man  sieht  in  ihm  die  Hauptpersou 
des  Finales  —  erneuert  es  immer  fort  durch  alle 
Abwechselungen;  bey  der  lustigsten  Musik  brütet 
er  über  Rache.  Die  Menuett  und  das  Gespräch  der 
verschiedenen  Personen  während  derselben  ist  ganz 
aus  der  Natur  gegriffen.  Keines  hat  auf  das  andere 
Bezug  und  die  Musik  geht  ihren  eigenen  Gang.  Das 
hier  angebrachte  Kunststück  mit  der  Vereinigung 
dreyer  verschiedener  Tactarten  verdient  Bewunde- 
rung und  giebt  die  schönsten  Aufschlüsse  über  die 
Behandlung  dieser  Tactarten. 

Der  Schlusschor:  „Trema,  trema  aceUratol"  ist 
die  Krone  dieses  Meisterwerkes.  Wie  malt  die  Be- 
handlung der  Geigen  die  Verwirrung!  welches  im- 
merwährende Aufbrausen,  Wogen  und  Stürmen  in 
den  Triolen!  Die  Blas -Instrumente  vereinigen  sich 
mit  dem  Chore,  das  Don  Juan  nicht  zum  Worte 
kommen  lässt  und  immer  schrecklicher  hereinbraus't. 
Seine  Wirkung  ist  einzig  und  das  Ideal  seiner  Grösse 
unerreichbar!  —  ' 

Das  Terzett  im  zwey ten  Acte :  ,^dh  taci  ingiusto 
core  etc.  mit  seiner  sprechenden  Declamation  ist 

- 

» 

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trefflich  gearbeitet.  Das  Ganre  gleicht  einem  italie- 
nischen  Abendgemälde!  — 

Das  Ständchen  mit  der  Mandoline  ist  eanz  im 
Geschmacke  italienischer  Serenaten.  Welche  süsse 
Töne  überredender  Liebe,  welch  warmer  Odem  im 
Gesänge  find  Accompagnement! 

Das  grosse  Sextett:  „Sola,  sola  in  bujo  loco 
palpitar  ü  cor  m  sento"  etc.  ist  ein  erhabenes  Ge- 
genstück zum  Quartette  des  ersten  Actes  und  dem 
ersten  Finale.  Jede  Forderung  wird  in  ihm  befrie- 
digt 5  man  muss  es  aber  sehr  aufmerksam  studiren 
wenn  man  die  Enden  des  künstlichen  Gewebes  her- 
aus finden  will. 

Der  Choral,  so  wie  die  Gesangstellen  der  Statüe 
und  Don  Juan's,  ist  von  ungeheurer  Wirkung,  und 
Mozart  ist  in  Behandlung  solcher  Stellen  ganz  origi- 
nell. Etwas  Aehnliches  hat  der  Orakelspruch  Nep- 
tuns im  Idomeneo» 

Die  Armuth  des  Dichters  im  zweyten  Finale  ist 
zu  auffallend,  und  fürwahr!  nur  ein  Mozart  konnte 
ihre  Blosse  bekleiden.  Er  hat  Alles  aufgeboten,  um 
die  Zuhörer  zu  amüsiren,  und  wie  schön  ist  e«  ihm 
gelungen!  Ueberhaupt  gelang  Mozart  Alles,  sein 
schöpferischer  Geist  wusste  aus  Nichts  ein  schönes 
Etwas  hervor  zu  rufen.  Fürchterlich  schön  ist  der 
Eintritt  des  Geistes,  das  Erscheinen  eines  mehr  als 
menschlichen  Wesens  vortrefflich  idealisirt.  Hier 
stehen  d^e  Posaunen  an  ihrem  eigentlichsten  Platze. 

So  wenig  Einheit  des  Gefühls  der  Dichter  in 
den  Text  gebracht  hatte,  so  wenig  konnte  Mozart 
wieder  geben.  Eben  jenes  Ineinandergreifen  zu  ei- 
nem Zwecke,  jenes  ununterbrochene  Fortstreben  zum 


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Ziele  nnd  am  Ende  die  scheinbar  ruhige  Freude, 
Alles  diess  war  für  Don  Juan  verloren.  Wild  brau- 
sen die  widersprechendsten  Gefühle  im  planlosen 
Style  durch  einander.  —  Wie  war  es  möglich,  aus 
diesem  Plane  ein  schönes  Ganze  hervor  zu  rufen? 
Und  dennoch  ist  Don  Juan  eins  der  reichsten  Werke 
an  Kunstschönheiten*  Aber  immer  nui*  im  Einzelnen. 
Jede  Scene  ist  für  sich  schön  und  bildet,  ein  einzel- 
nes Kunstwerk  >  das  nie  auf  das  neben  ihm  stehende 
Bezug  hat.  Man  beurtheile  diese  Oper  nie  als  "ein 
Kunstwerk.  Don  Juan  ist  kein  schönes  Ganze,  es 
ist  eine  Bildergallerie  einzelner  Schönheiten.  . 

Man  muss  erstaunen,  wie  Mozart  bey  solchen 
grotesken  Sprüngen  des  Sujets  dennoch  so  viel  Gros- 
ses mit  Kleinem,  den  grössten  Schreck  mit  dem  fa- 
desten Spaasse  zusammenstellen  konnte!  Denn  man 
halte  nur  die  Geisterscene  gegen  die  Bauernhochzeit, 
dieMordscene  gegen  die  Arie:  Fin  ch'lian  dal  vino 

•  ■  ■ 

etc.!  

Dass  das  Sujet,  diese  so  abgeschmackte  Farce, 
weiland  jesuitischer  Erfindung  ist,  ist  bekannt.  *) 
Nur  zu  bedauern,  dass  Mozart  seine  himmlische 
Musik  daran  verschwendet  hat. 

%  •)  Die  erste  Veranlassung  zu  diesem  Mährchen  war  ©in  politi- 
scher  Koman ,  von  einem  portugiesischen  Jesuiten  verfasst, 
unter  dem  Titel:  Vita  et  mors  scelemtissimi  2*rincipis  Do~ 
•  mini  Joannis,  und  hatte  «um  Zwecke,  daa  Publicum  mit  den 
achlechten  Streichen  des  damaligen  Könige  Alfons  VI.,  eines 
Sohnes  Don  Joannes  von  Braganza,  zu  unterrichten  und  zur 
Empörung  gegen  ihn  zu  verleiten.  Der  darin  aufgestellte 
Don  Juan  ist  König  Alfons  selbst,  gegen  welchen  sich  seine 
eigene  Gemahlin,  die  als  Donna  Elvira  auftritt,  mit  seinem 
Bruder  Don  Pedro  verband  und  ihn  vom  Throne  brachte. 
Er  wurde  auf  eine  der  azorischen  Inseln  gebracht,  wo  er 


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ig» 

Dil    Zauber  flöte. 

Oper  in  a  Acten. 

•  Diese  Oper  hat  den  Kunstrichtern  viel  zu  schaf- 
fen gemacht.  Einige  verwarfen  das  Gedicht  als  rein 
toll  und  abgeschmackt  und  sahen  Alle  (sich  seihst 
mit),  die  sich  darin  geachtet  zum  Schauspiel  dräng- 
ten, als  Verführte  durch  Mozart' s  Musik«  Sie  mein- 
ten, Mozart  habe  aus  dem  Unsinne  Schikaneders  nur 

• 

erst  Etwas  gemacht,  aber  ein  Etwas,  das  in  Schika- 
ne der  gar  nicht  begründet,  gar  nicht  zu  ahnen  ge- 
wesen wäre.  Aber  Mozart  twar  kein  Schikaneder 
und  seine  Opern  sind  nicht  aufgesetzte  Flicke,  son- 
dern die  Beseelung  der  Gedichte  im  Elemente  der 


▼erhungern  sollte,  nach  der  Zelt  aber,  als  der  neue  Regent 
nichts  mehr  rem  ihm  au  furchten  hatte,  wieder  aurückgebracht 
und  bis  an  seinen  Tod  in  einem  Thurme  bey  Lissabon  ver- 
wahrt.   Die  Jesuiten  mschteh  dem  Volke  weiss,  der  Teufel 
habe  ihn  in  den  Lüften  fortgeführt.  Er  war  ein  gleich  schlech- 
ter Regent  und  bey  spie  Unser  Bösewicht,  allen,  selbst  den  un- 
natürlichsten Lastern  mit  Aufopferung  seiner  Gesundheit  und 
seines  Verstandes  ergeben.    Die  Jesuiten ,  die  am  thätigsten 
su  seinem  Unglücke  mitgewirkt  hatten,  sogen  ans  dem  Ro- 
mane eine  Komödie  und  liessen  sie  von  ihren  Schülern  auf- 
führen ;   wandernde  Schnuspielertruppen  brachten  sie  als  ex- 
temporirtes  Stück  nach  Spanien  und  Italien,  wo  es  als  Hallet, 
Pantomime,  Schauspiel,  Farce,  Oper  und  Marionetten  -  Ko- 
mödie aufgeführt  wurde.   In  letater  Qualität  ergötat  es  noch 
jetzt  die  Bauern  im  Oestreichischen.    Goldoni  bearbeitete  ea 
schon  als  skJssirtes  Schauspiel  für  Venedig.    Moliere  führte 
es  ans,  und  der  Abbas  di  Ponte,  Theaterdichter  bey  der  ita- 
lienischen Oper  in  Wien  (Metastasio's  Nachfolger),  fertigte 
den  Text  für  Moxart's  Composition,  wo  Arien  und  Dialog, 
wie  in  den  mehresten  italienischen  Opern,  durchgängig  gereimt 
sind.    Man  könnte  sehr  gut  dieser  Oper  die  Geschichte  Al- 
fons VI.  unterlegen,   ohne  dass  die  Musik  verrückt  würde. 
Und  auf  diese  Weise  würde  Mosa*'«  Musik  allenfalls  noch 
gerettet. 


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<13 

Musik.  Seine  Zauberflöte  ist  das  musikalische  Leben 
der  Schikanederschen«  Andere  hatten  auch  diese 
Ansicht  und  den  Glauben  an  eine  innere  nothwen- 
dige  Verknüpfung  des  Textes  und  der  Musik,  und 
so  wenig  sie  mit  jenem  an  und  für  sich  anzufangen 
wussten,  so  galt  er  ihnen  doch  nur  in  seiner  musi- 
kalischen Belebung.  Aber  solch  ein  Schatz  von  mu- 
sikalischen  Schönheiten,  so  mannigfache  und  tiefe 
Empfindungen,  die  Mozart  dem  Gedichte  abgewon- 
nen, waren  denn  doch  wohl  zu  köstlich,  um  an  ein 
blosses  Zauberspiel,  über  dessen  abergläubischen  und 
inepten  Inhalt  verständige  Leute  nur  lächeln,  ver- 
schwendet zu  werden?  Was  war  denn  die  Absicht 
des  Dichters  gewesen?  „Eine  Parodie,  eine  Apo- 
theose des  Freymaurer- Ordens."  Symbolisch:  der 
\  Kampf  der  Weisheit  mit  der  Thorheit  —  der  Tu- 
gend mit  dem  Laster  —  des  Lichtes  mit  der  Fin- 
sterniss. 

Ich  ziehe  vor,  mich  dem  Künstler  bey  dem  Ge- 
[  nusse  seines  Werkes  ganz  hinzugeben  und  ohne  Kopf- 
>       brechen  nur  das  im  Kunstwerke  für  mich  gelten  zü 

lassen,  was  sich  daraus  offen  ergiebt.  Versucht  es> 
.  Euch  dem  Künstler  und  seinem  Werke  ganz  hinzu* 
\  geben,  wie  das  Kind  der  Mutter.  Vielleicht  geben 
r  die  Weisen  des  Künstlers  Euch  eine  Ahnung,  die 
1  höher  schwebt,  als  Ihr  auf  dem  Fittige  des  Text- 
\       buches  empor  flattern  könntet.    Ruft  die  Kindheit 

zurück,  wenn  Ihr  die  Zauberflöte  verstehen  wollt. 

Zertrümmert  mir  nicht  sogleich  die  Feenpaläste  mit 
f       rohem  Geschrey,  läutert,  klärt  mir  nichts  ab  mit 

Greisen- Weisheit,  was  nur  als  Unerklärbares  die 

Kinderseele  entzückend  berauscht.    Wahrlich,  der 


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Gewinn  ist  nicht  erheblich,  zu  ergründen,  wie  und 
warum  die  Fabel  in  dem  Kinde  entstanden:  das 
Mährchen  nur  und  der  Glaube  daran  kann  das  Mähr- 
chen belohnen.  So  glaubt  zwey  kurze  Stunden,  oder 
entsagt  dem  Genüsse  des  holden  Wahnes. 

Mozart  hat  es  zuversichtlich  nicht  anders  gemeint. 
Er  hat  nicht  hochmüthig  über  Schikaneder  gelächelt 

—  wie  hätte  er  ihn  denn  sonst  componiren  können? 

—  oder  in  thörigter  Weisheit  die  Tiefe  gesucht,  wo 
nur  die  Oberfläche  in  gleissender  Farbenpracht  ent- 
zücken und  nur  die  Ahnung  der  Tiefe  im  Entzücken 
uns  durchschauern  konnte.  Er  ist  mit  Schikaneder 
Eins  geworden;  allem  Vermögen  des  Kindes  gebeut 
er,  keiner  Schwäche  schämt  er  sich.  Hört  nur  die 
Ouvertüre,  wie  ernst  es  ihm  war,  wie  dem  holden 
Kinde  im  Glauben  an  die  Zauber  weit  die  erste  Ah- 
nung eines  Göttlichen  in  feyerlichen  und  so  kindlich 
süssen  Weisen  erwacht!  Wie  löset  sich  Tamino's 
verzweifelnde  Angst  und  der  .Triumphgesang  der 
Damen  in  die  niedlichste  Kinder  -  Koketterie,  wie 
närrisch  der  Vogel  Papageno  die  Bühne  um  das  Pu- 
blicum vergisst  —  und  wie  verliebt  Tamino  und  wie 
majestätisch  und  klagenvoll  die  Königin  thut  —  erst 
Tamino,  und  dann  der  Tochter  gegenüber  —  und 
sich,  so  kinderhaft  vergessen,  in  die  zartesten  Lerchen- 
triller verirrt!  Ueberall  holdes  Spiel,  der  kösüichste 
Selbsttrug  mit  Herzenskummer  und  Seeleuquaal,  und 
überall  fuhren  die  Spuren  zurück  zur  Kinderlust 
und  zum  herrlichen  sorglosen  Spiele  mit  dem  ern- 
sten Leben. 

Wäre  eine  Truppe  der  kindlichsten  Wesen  zu 
finden,  die  sich  und  die  Bühne  und  das  Publicum 


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I 

145 

vergässen,  mit  Mozart  Kinder  zu  werden;  eine  mu- 
sikalische Fee  müsste  an  der  Spitze  stehen!  Dann 
würde  die  Zauberflöte  zum  ersten  Male  und  voll- 
kommen verstanden« 

In  der  Zauberflöte  sind  alle  ästhetischen  Aufga- 
ben der  Tonkunst  gelös't,  wenn  man  nämlich  zur 
innern  Schönheit  eines  dramatischen  Tonstückes  die 
Sittlichkeit  mit  zur  Hauptbedingung  des  Wohlgefal- 
lens macht  $  wenn  Harmonie  im  Gange  der  Hand- 
lung, reines  Gefühl,  ruhige,  innige  Freude  am  Ziele 
des  Gebildeten  Sinn  erfreut:  so  ist  die  Zauberflöte 
gewiss  der  vorzüglichste  Gegenstand  des  Wohlgefal- 
lens für  den  mit  achtem  Kunstsinne  begabten  Ken- 
ner. In  diesem  Werke  herrscht  durchaus  ein  Haupt- 
gefühl jenes  ruhigen,  aber  ununterbrochenen  Hin- 
atrebens  an  das  Ziel,  und  ruhige  Freude  bey  Errei- 
chung desselben» 

Das  Hauptgefiihl  ist  durch  die  Ausdrücke  von 
Ergebung  in  Widerwärtigkeiten,  des  ruhigen,  aber 
kraftvollen  und  unablässigen  Kampfes  mit  Wider- 
wärtigkeiten, unnachahmlich  schön  colorirt,  und  mit 
anderen  Gefühlen,  wie  z.  B.  dem  des  Ausbruches 
wilder  Freude  und  unzweckmässigen  Ringens,  mit 
Schilderung  unedler  Lust  und  verbotener  Wünsche 
-  aufs  vollkommenste  contrastirt.  Dabey  sind  aber 
alle  die  verwandten  und  zur  Hebung  des  Hauptge- 
fühles dienenden  Gefühle,  bey  aller  Lebhaftigkeit 
und  Richtigkeit  der  Darstellung,  doch  immer  so 
gezeichnet,  dass  sie  gleichsam  im  Schalten  stehen, 
während  sich  jenes  im  vollen  Lichte  heraushebt, 
dass  sie  also  nie  den  Haupteindruck  im  Zuhörer  ver- 
löschen, sondern  immer  nur  auf  die  Hauptsache,  auf 

» 

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■ 

116 

die  kindliche  Sittlichkeit  hindeuten  und  eine  Selm- 
sucht nach  dieser  vennehren. 

Desshalb  ist  dieses  Meisterwerk  vollkommen  ge- 
eigenschaftet,  einen  Beleg  zu  den  Regeln  der  Kritik 
abzugeben.  Das  Gefühl,  dessen  Schilderung  das 
Thema  des  Ganzen  ausmacht,  ist  sittlich  im  hohen 
Grade,  ja  es  ist  etwas  Vollkommenes,  und  ist  auch 
in  einer  sehr  vollkommenen  Darstellung  ausgeführt 
worden.  Für  Annehmlichkeit  und  Reiz  des  Ohres 
ist  durch  Abwechselung  jeder  Art  gesorgt.  Die  äus- 
sere Schönheit  des  Gänsen  besteht  zum  Theil  eben 
darin,  worin  die  Annehmlichkeit  liegt,  zum  Theil 
wird  sie  durch  die  immer  wechselnde  Theilnahme 
und  die  immer  bestimmtere  und  hervorstechendere 
Zeichnung  des  Hauptgefuhls  bezweckt, 

"Was  im  Ganzen  dem  Künstler  so  wohl  gelun- 
gen ist,  hat  er  auch  im  Einzelnen  erreicht.  Die 
kleineren  Stücke  behaupten,  so  wie  die  grösseren, 
eine  Einheit  der  Darstellung,  die  zur  Bewunderung 
hinreisst.  Noch  mehr :  man  kann  in  Beürtheüung 
dieser  Stücke  nie  übersehen,  dass  sie  nur  Theüe  eig- 
nes Ganzen  sind;  so  geschickt  deuten  sie  bestandig 
auf  die  Hauptsache  hin,  so  richtig  ist  die  Schattirung 
der  einzelnen  Partieen  in  jene  des  Ganzen  verwebt. 
Man  nehme  eine  Arie,  ein  Chor  etc.  heraus,  wo 
man  will:  es  hat  einen  edlen,  ruhigen  Charakter, 
die  Farbe,  die  es  trägt,  ist  eine  gemilderte  Farbe, 
uud  die  Freude,  die  es  athmet,  ist  der  stillen,  ru- 
higen Freude  des  Weisen  verwandt.  Diess  freylich 
mehr  oder  weniger,  wie  es  der  Zweck  erforderte, 
denn  die  untergeordneten  Personen  durften  nicht  so 
edel  empfinden  als  die  Hauptpersonen  5  allein  der 


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117  . 

Ausbruch  des  Gefühls  ist  selbst  bey  den  Ernsteren 
gleichsam  durch  die  Verbindung,  in  welcher  sie  ste-.  - 
hen,  geadelt,  und  der  Schauspieler,,  der  den  Mono- 
statos  oder  Papageno  spielt,  muss  ein  sehr  gewöhn- 
licher Mensch  seyn,  wenn  er  durch  sein  Spiel  der 
Rolle  das  Schickliche  und  Anständige  nimmt,  wel- 
ches der  Tonkünstler,  freyiich  nur  mit  einem  leisen 
Hauche,  über  dieselbe  zu  verbreiten  wusste. 

Was  die  Charaktere  betrifft,  so  sind  sie  gleich 
gut  gewählt  und  behandelt.  Mozart  bewies*  sieh 
darin  als  einen  sehr  gemüthvollen  Zeichner;  er  hat 
die  Scene  gut  gewählt,  wenn  gleich  nur  Schatten 
darauf  zu  spielen  scheinen.  Diese  Schatten  zu  leben- 
den Gestalten  zu  erheben ,  das  lebendige ,  aber ,  nur 
zu  verworrene  Leben,  welches  diese  Oper  bezeichnet, 
zur  blühendsten  Romantik  auszubilden ,  diese  Auf- 
gabe, welche  Mozart  bey  der  Bearbeitung  dieses 
-Stückes  vorfand,  hat  er  sehr  glücklich  gelös't.  Mit 
acht  künstlerischer  Willkürlich keit  hat  er  die  halb 
verwischten  und  von  Widersprächen  mitunter  durch- 
kreuzten Charaktere  aufgegriffen  und  mit  festem  Sinne 
behandelt.  Von  der  reizenden  Fülle  seiner  Töne 
*  wie  von  einer  goldenen  Wolke  umgeben,  gekräftigt 
und  gediegen,  wie  von  einem  Zauberstabe  berührt, 
erscheinen  sie  jetzt  in  schöner  Frische  und  üppiger 
Jugendlichkeit.  Wenn  die  Personen  zu  reden  an- 
fangen, so  kömmt  es  uns  nicht  anders  vor  als  miss- 
lungene  Ironie  gegen  sich  selbst,  wodurch  das  Stück 
indessen  eine  gar  nicht  uninteressante  Duplicität  be- 
kömmt. 

Die  Ouvertüre  ist  die  Ouvertüre  aller  Ouvertü- 
ren, sie  ist  gewiss  die  erhabenste  aller  Ouvertüren, 


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118 

die  je  compomrt  wurden  —  ja,  man  kann  sagen  — 
sie  ist  ein  Monument,  das  Mozart  dem  unsterblichen 
Ruhme  der  Kunst  und  der  Verzweiflung  seiner  Ne- 
benbuhler errichtet  hat. 

Sarastro,  der  König  und  Oberpriester  —  ein 
Greis,  ehrwürdig  und  weise,  gut  und  streng,  sanft 
und  erhaben ;  sein  Charakter  ist  sehr  bestimmt*  Grau 
geworden  in  den  Lehren  der  Mystik  bleibt  er  sich 
immer  gleich;  kein  Ausbruch  heftiger  Leidenschaft 
entweiht  die  Zeichnung  des  Charakters  des  stil- 
len, ruhigen,  erhabenen  Weisen«  Mozart  hat  die- 
sen Charakter  äusserst  richtig  bearbeitet«  Die  Ton- 
arten, die  er  ihm  anwiess.  athmen  Ruhe  und  Sanft- 
heit,  wie  in  der  Arie:  In  diesen  heil'gen  Hallen  etc, 
DieTempo's  sind  feyerlich,  erhaben*  sanft  und  vol- 
ler Würde.  Man  nehme  das  Gebet:  O  Isis  und 
Osiris  etc.  welche  Inbrunst  und  edle  Einfalt  in  Me- 
lodie und  Ausdruck!  Wie  schön  hebt  sich  sein  Cha- 
rakter in  dem  Terzette:  Soll  ich  dich  Theurer  nicht 
mehr  sehn  ?  und :  Ihr  werdet  froh  euch  wiedersehn  etc 
Wenn  gleich  die  Musik  der  anderen  Sänger  Unruhe 
und  Angst  ausdrückt,  so  verräth  das  Accompagne- 
ment  doch  hier  und  da  einige  innere  Unruhe  des 
Weisen  über  den  ungewissen  Ausgang  der  bevor- 
stehenden Probe.  Sein  Trost  ist  mehr  wohlgemeint 
als  gründlich,  und  soll  nur  den  Augenblick  der  Tren- 
nung erleichtern,  was  sich  auch  in  der  Folge  und 
dem  Schlüsse  entwickelt.  —  Die  besänftigende  Arie: 
In  diesen  heil'gen  Hallen  etc.  hat  so  viel  edle  Ein- 
falt, so  viel  namenlose  Sanftmuth,  und  ihre  Decla- 
mation  ist  so  richtig  und  dem  Charakter  des  erhabe- 
nen Weisen  so  anpassend,  dass  sie  nicht  schöner  ge- 


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geben  werden  könnte.    Die  einfache  Begleitung,  das 
leidenschaftlose ,  ruhige  Zeitmaass,  die  heitere  Be- 
reinigung einilössende  Tonart,  alles  malt  uns  den 
ruhigen  Greis  durch  Weisheit  und  Erfahrung  von 
allen  Leidenschaften  geheilt,  den  väterlich  Nachsich- 
tigen, den  Bemitleidenden,  Lehrenden,  Bessernden. 
Nicht  strafen,   nur  bedauern,   ist  der  Geweihten 
Pflicht.  —   Er  nimmt  an  der  Wuth  des  boshaften 
Weibes,  selbst  da  sie  ihrer  Tochter  den  Dolch  zu 
seinem  Morde  vertraut,  keinen  Autheil,  sieht  mit 
gleichgültigem  Bedauern  auf  ihre  machtlose  Wuth 
herab,  sein  Herz  schlägt  nur  für  Menschenliebe  — 
die  wahre  Weisheit.  —   Wie  schön  malt  uns  diess 
Mozart  in  derselben  Arie:   Den  Müden  reichen  wil- 
den Stab  etc.  oder:    Man  reicht  sich  treulich  hier 
die  Hand  und  hat  die.  Rachsucht  nie  gekannt  etc. 
Bey  dieser  Lehre  wird  das  Herz  des  alten,  silber- 
lockigen  Greises  warmer  —  die  Melodie  steigt  auf- 
war ts  und  verkündigt  die  wärmeren  Pulse  für  Men- 
schenwerth, die  auch  im  Herzen  des  Greises  nicht 
erstorben  sind.    Und  seines  Charakters  eingedenk, 
schliesst  die  Arie  doch  so  traulich  sanft,  als  sie  be- 
gann, als  wollte  der  Weise  die  Wärme  seines  Her- 
zens  nicht  laut  werden  lassen,  und  sein  halbverhalt- 
nea  Feuer  lässt  uns  nur  die  warmen  Gefühle  seines 
Herzens  unter  dem  Priesterrocke  —  errathen,  die  er 
schnell  verbirgt,  sobald  er  merkt,  dass  sie  dem  Her- 
zen überwallen.  Welche  ruhige,  aber  desto  innigere, 
leidenschaftlose  Freude  webt  und  lebt  in  dem  Reci- 
tativ,  am  Ende,  wo  die  Königin  der  Nacht  mit  ih- 
rem schwarzen  Plane  und  ihrer  Rotte  unter  Getöse 
in  ihr  ünsteres  Reich  zurückstürzt,  alles  Ungemach 

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120 


verschwunden,  alle  Prüfungen  glücklich  überstanden 
sind!  —  Der  Orean  der  Instrumente  schweigt;  die 
Dissonanzen  lösen  sich;  der  wilde  Chor  verstummt, 
alles  lÖYt  sich  in  feyerliche  Stille.  Die  Glücklichen 
sind  am  Ziele  ihrer  Prüfungen.  —  Traulich  fasst 
sie  der  Weise  bey  den  Händen:  Es  fliehen  die 
Feinde,  nun  herrschet  in  Ruh'.  Es  goben  die  Götter 
den  Seegen  dazu  etc.  Und  nun  der  sanfte,  innige 
Chor  —  die  Herzlichkeit  der  Theilnahme  der  Ein- 
geweihten! *—  Hier  ist  kein  wilder  Uebergang,  kein 
tändelndes  Rondo,  kein  Gassenhauer,  kein  kindischer 
Alltagsschluss.  —  Nur  die  ruhige  Freude  des  Wei- 
sen, innig  liebender,  erprobter,  tugendhafter,  guter 
Menschen  ist  am  Ziele!  Sie  sehen  die  Belohnung 
ihrer  Tugend ;  der  Weise  hat  seinen  schönen  Zweck 
erreicht,  der  tugendhafte  Jüngling  seiner  Wünsche 
Gegenstand  errungen ;  die  Weisen  sehen  einen  wür- 
digen Nachfolger  ihres  erhabenen  Sarastro's,  und 
Alles  ist  froh;  eine  allgemeine  Heiterkeit  verbreitet 
sich  über  alle,  und  alles  Gewühl  ist  in  die  höchste 
Reinheit  des  Herzens  aufgelöst.  —  Eine  Freuden- 
thräne  im  Auge,  ein  Druck  der  Hand  und  der  kurze 
aber  Inhaltschwere ,  einstimmige  Wunsch:  Ihr  liebt 
euch  —  seyd  glücklich  und  froh  etc.  —  öffnet  alle 
Herzen.  Die  Orcane  sind  vorüber,  der  Donner  ver- 
hallt, zerrissen  die  finsteren  Wolken,  und  die  heitere 
Abendsonne  lächelt  am  blauen  Himmel  im  Thränen 
beperlten  Hayne!  — 

An  der  Hand  des  grossen  Weisen  wallt  ein 
schuldloses  Mädchen,  ihrer  Mutter  zum  Glücke  ent- 
rissen ,  Pamina.  Wer  will  hier  den  Meister  in  der 
Zeichnung  ihres  Charakters  verkennen  ?  Welche  Sanft- 


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» 

heit,  welche  Unschuld  verbreitet  «ich  über  das  schone 
Gebild;  und  wie  wusste  der  Künstler  ihren  Charak- 
ter durchzuführen,  wie  nach  allen  so  mannigfaltigen 
Verhältnissen  zu  motiviren ,  ohne  dem  geliebten  Bilde 
auch  nur  eine  einzige  Grazie  zu  entziehen.  Man 
nehme  das  Duett:  Wer  zärtlich  liebt,  kann  nicht 
betrügen  etc.  Welche  Unschuld  und  Einfachheit! 
Welch  argloses  Anschmiegen  der  Melodie !  Die  Schuld* 
lose  empfindet,  wie  sie  spricht;  Worte  und  Gefüllt 
haben  nur  einerley  Gang.  Schöner  noch  malt  sich 
die  Unschuld,  wo  sie  mit  Papagenq  entfliehen  will. 
Sie  fühlt  den  strafbaren  Schritt,  den  sie  gegen  Sa- 
rastro's  Gebot  vor  hat,  aber  Liebe  treibt  sie  vor- 
wärts. Furcht,  Freude  und  Hoffnung  durchstürmen 
ihr  Herz  in  der  Piece:  Schnelle  Füsse,  rascher  Muth 
etc.  und:  „nur  geschwinde"  —  Alles  deutet  auf  Angst 
und  Verwirrung  eines  schuldlosen  Mädchens,  dos 
diesen  Schritt  zum  ersten  Male  wagt.  In  der  Folge 
sieht  man  deutlich,  dass  ihr  schuldloses  Herz  mehr 
vor  Uebertretung,  als  vor  der  Gewalt  des  Monostatos 
zittert;  denn  auch  da,  wo  Papageno's  Glockenspiel 
die  Peiniger  verscheucht  hatte,  verräth  sich  ihre 
Angst  noch  in  der  Melodie  und  die  schwankende 
Bewegung  zwischen  Furcht,  Hoffnung,  Angst  und 
Freude  ist  in  der  Begleitung  meisterhaft  dargestellt, 
die  ein  völlig  unbestimmtes  Gefühl  charakterisirt  und 
einigermaassen  dem  Texte  zu  widersprechen  scheint 
in  der  Stelle:  „Könnte  jeder  brave  Mann."  —  Pa- 
mina  möchte  sich  nämlich  freuen  über  ihre  unver- 
mnthete  Befreyung  durch  das  magische  Glockenspiel ; 
aber  der  Gesang  ihrer  Freude  ist  nicht  jener  der 
Beruhigung,  er  wird  in  seinem  Gange  von  innerer 


» 

4 


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Furcht  unterbrochen.  Um  dieses  ganz  zu  fühlen, 
declamire  man  sich  die  Stelle  nach  den  Noten  und 
-überblicke  zu  gleicher  Zeit  die  Begleitung  der  In- 
strumente. Schön  zeichnet  sich  ihr  fester  Charakter 
und  der  ihr  eingeflößte  Wahrheitssinn  vor  dem  ängst- 
lich verlegenen  Alltaesmenschen  PaDaeeno  in  der  Stelle 
desselben:  „Sarastro  kömmt,  was  werden  wir  nun  sa- 
gen?" Die  Bewegung  in  der  Musik,  das  ängstliche 
Kücken  des  Pulses  in  den  punctirten  Noten,  und 
nun  darauf  Pamina :  „Die  Wahrheit"  wie  mit  ei- 
nemmale  die  Melodie  sanft  gleichfliessend  wird,  und 
die  Begleitung  der  Instrumente  in  lang  gezoge- 
nen Noten  fest  steht!  —  Welcher  Wahrheitssinn 
und  welche  Festigkeit!  Wie  schön  contrastirt  hier 
das  gebüdete  Mädchen  mit  ihrem  Wahrheitssinne 
gegen  den  gewöhnlichen  Papageno,  der,  ganz  im 
Charakter  seiner  Art,  seine  Zuflucht  zum  Lügen  neh- 
men und  sich  mit  Pamina  auf  eine  Ausrede  besinnen 
will:  „Was  werden  wir  nun  sagen?"  —  welche 
edle  Zurückweisung  in  Pamina s  Worten:  „Die 
Wahrheit!"  — 

»  Pamina's  Charakter  ist  mehr  leidend  behandelt, 

und  eben  diese  Passivität  schöner  Weiblichkeit  ist 
es,  die  uns  so  sehr  für  sie  interessirt.  Mozart  wollte 
uns  ein  sanftes  Mädchen  malen  und  er  hat  sein  Ge- 
mälde trefflich  vollendet.  »  Einer  Menge  Klippen, 
die  ihm  der  Dichter  in  den  Weg  stellte,  ist  er  glück- 
lich ausgewichen.  Denn  was  wäre  Pamina's  Charak-r 
ter  unter  den  Händen  eines  minder  denkenden,  ei- 
nes  oberflächlich  fühlenden  Cumno  nisten  geworden? 
«—  Ihr  Gesang  ist  sanft  fliessend  und  mehr  unter 
Noten  gelegte  Declamation.   Der  fein  fühlende  Mo- 


123 

1 


zart  wollte  uns  ja  ein  wohl  gezogenes  Frauenzimmer 
geben,  die  ihre  Empfindungen  nicht  durch  leiden- 
schaftliche Ausbrüche  entweiht,  aber  eben  desto  in- 
niger fühlt,  je  minder  Schwatzens  von 
düngen  sie  macht,  und  das  ist  eben  das,  was  uns 
desto  mehr  für  sie  interessirt;  diese  halbverhaltene 
und  halbverrathene  Liebesunruhe,  dieser  innere 
Schmerz,  die  so  sanfte  Rührung  schliesst  uns  an 
die  Leideride,  die  wir  bewundern  und  an  ihrem 
Schicksale  desto  innigem  Antheil  nehmen,  weil  sie 
mit  Ergebung  duldet.  —  Was  rührt  wohl  den  mo- 
ralischen Menschen  mehr  als  stummes  Dulden?  Und 
was  schmelzt  die  Herzen  sicherer,  als  efne  unter- 
drückte Thräne?  *—  Wer  übertreibt,  sagt  nichts, 
und  alle  die  lärmenden  Bravourarien,  mit  ihren 
Windsbräuten,  Saussen,  Quieken,  Braussen  und  To- 
ben von  Instrumental-Begleitung,  beleidigen  das  rei- 
nere und  zartere  Gehör,  übertauben  den  Text  und 
machen  nicht  selten  die  leidende  Königin  zum  to- 
benden Fischerweibe. 

Pamina  leidet,  freut  sich  am  Ziele,  ja  sogar 
Schwermuth  und  Wahnsinn  bemeistert  sich  ihrer  — 
und  Mozart  vergisst  in  keiner  der  mannigfaltigen 
Situationen,  dass  ein  gebildetes  Mädchen,  eine  Prin- 
zessin, Alles  dieses  betrifft,  die  so  gut  wie  andere 
Erdgeborne  leidet,  aber  ihren  Kummer  zu  verber- 
gen, wenigstens  mit  Anstand  zu  tragen  weiss.  In 
der  Scene  des  Wahnsinns,  unstreitig  der  gefahrlich- 
sten  Klippe  für  den  Tonsetzer,  zeigt  sich  Mozart  in 
•seiner  ganzen  Grösse  *).  —  Hier:   „O  Dolch,  du 

mm  * 

-     -  — 

♦)  Pamina'»  Arie:  „Ach,  ich  fühl»»,  es  ist  verschwunden "  etc. 
wird  dem  Publicum  nicht  selten  langweilig,  weil  man  das 


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i!4 

bist  mein  Bräutigam!"  hätte  der  Wahnsinn  alle 
Schranken  in  einer  Bravourarie  durchbrechen  können 
—  wahrscheinlich  wollte  auch  Schikaneder  seinem 
schaulustigen  Publicum  in  dieser  Soene  ein  Spectakel 
geben,  wollte  vielleicht  eine  Rasende  sehen  lassen, 
die  die  Luft  mit  ihren  Affecten  zerfetzt  —  und  Mo- 
zart gab  uns  eine  süsse  Schwärmerin,  die  wir  auch 
mit  ihrem  kränkelnden  Verstände  lieben  und  be- 
dauern.   Kurz,  Paminas  Charakter  ist  das  schönste 


i  • 


rechte  Tempo  verfehlt  und  das  aller  langsamste  Andante- 
Tempo  fast  Adagio  nimmt ;   sie  muss  in  einem  Tempo  von 
6"  bis  7"  rhein.  genominen  werden.    So  nahm  sie  auch  Mo- 
mart selbst,  als  «r  dirigirte.  —  Gleichfalls  auch  das  Terzett: 
„Soll  ich  Dich  Theurer  nicht"  etc,  nahm  Mozart  beynahe 
..  noch  einmal  so  schnell,  als  es  fast  überall  vorgetragen  wird. 
*  Man  halt  sich  an  das  Wort  Andante  und  vergisst,  dass  der 
;     Meister  den  Allabreve-Tact  vorzeichnete ;  die  eigenthum- 
liclifi  Bewegung  der  Violoncelle  und  Fagotte.,  wobey  Moaart 
immer  das  erste  der  drey  Achtel  etwas  scharfer 
'    'Hess,  eharakteriairt  genau  Pamina's  ängstliche 
*•  ■■      ruhe,  die  Freude,  mit  dem  Geliebton  sprechen  21 
und  den  Schmerz,  ihn  wieder  verlassen  zu  müssen 
das  durch  solchen  Wechsel  lebendigerer  Gefühle 
brachte  kurze  Athemholen, 
..  •;  r^ite  Besorgnisse :  Du  wirst  dem  Tode  nicht  entgehen,  und 
der  Vorwurf:  O  liebtest  Du,,  wie  ich  Dich  liebe,  Tamino's 
männliche  Hoffnung:  Der  Götter  Wille  muss  geschehen,  Sa- 
rastro's  drängendes:   Nun  eile  fort,  Dich  ruft  Dem  Wort. 
,§l   -t    Die  Stimde  schlägt;  der  wehmüthige  Abschied:  Wie  bitter 
sind  der  Trennung  Leiden!  — -  Kurz,  Alles  wird  so  das  ächte 
Colorit  erhalten  und  sich  zu  einem  schönen  Ganzen  endigext, 
wenn  man  sich   die  Aufschrift  All9  moderato   im  \  Tact 
,    denkt.    Beym  letzten  Lebewohl  und  dem  tiefen,  ernsten: 
Wir  sehn  uns  wieder,  mag  man  immerhin  etwas  langsamer 
werden;   auch-  Mozart  hielt  ein  wenig  zurück,  nahm  aber 
das  kurze  Schilfas -»Ritornell  wieder  im  ersten  Zeitmaasse. 
Die  Sänger  mit  wahrem  Sinne  für  dramatische  Darstellung 
werden  gewiss  auch  lüerin  dankbar  den  Geist  des 


0 


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< 


musikalische  Bild  des  reinsten  Ideals  weiblicher  Gra- 
zie, sanfter  Empfindungen  und  ungetrübter  Unschuld* 
Sie  ist  für  jeden  Componisten  das  vollkommenste 
Muster  schöner  Weiblichkeit. 

Tamino,  ihr  Geliebter,  ein  Jüngling  mit  allen 
Männertugenden  und  Männerschwächen,  der  sich 
durch  die  Sirenenstimme  eines  listigen  Weibes  zu 
Mord  und  Entführung  bereden  lässt,  und  eben  so 
schnell  durch  die  Weisheit  der  Priester,  die  ihm 
das  Ziel  seines  Ringens  immer  in  einer  gewissen 
Entfernung  zeigen,  ins  rechte  Gleis  geleitet  wird. 
Thatkraft,  fester  Wille  für  das  Gute  liegt  in  seiner 
Seele,  aber  ohne  Plan,  ohne  Richtung.  Erst  als  er 
in  die  Lehre  der  Priester  kömmt,  wird  sein  Cha- 
rakter entwickelt  und  erhält  seine  feste  Norm,  Wel- 
che Sanftheit  —  doch  von  jener  Pamina's  und  Sara- 
stro's  ganz  verschieden  ist  über  den  Jüngling  ver- 
breitet !  Welche  Anmuth  mit  männlicher  Kraft  ge- 
paart! Die  Arie:  „Diess  Bildniss  ist  bezaubernd 
schön!"  wie  richtig  empfunden,  wie  aphoristisch 
der  Anfang!  Das  Bild  sehen  und  in  diese  Worte 
ausbrechen  ohne  Ritornell,  bloss  einige  charakteri- 
stische Accorde,  die  nur  dem  Sänger  den  Ton  an- 
geben, und  die  Erschütterung  der  Seele  beym  A117 
blicke  des  reizenden  Bildes  ausdrücken  und  die  Worte 
selbst  blosse  Noten  der  Declamation  untergelegt  — 
wenn  der  erste  Ausbruch  der  Bewunderung  vorüber 
ist  und  die  Gefühle  der  Liebe  allmählig  in  einander 
verschmelzen  —  von  der  Stelle:  „Ich  fühFs"  und 
das  Fortarbeiten  der  Seele  durch  alle  Nüancirungen 
bis  zu  der  Frage:  „Soll  die  Empfindung  Liebe  seyn?" 
Wie  schön  verstefit  er  nicht  die  abwechselnden  Em- 


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<26 

pfin düngen  zu  malen!  Und  endlich  der  Uebergang 
zur  völligen  Gewissheit:  „Pamina  wird  auf  ewig 
Dein!"  —  Der  Strom  der  Empfindungen  wird  reis- 
sender,  die  Pulse  gedrängter,  die  Musik  eilt  in  ge- 
drängten Noten  vor-  und  aufwärts,  man  bemerkt 
den  Stufengang  der  Empfindungen  und  wie  die  Seele 
zu  jener  schwindelnden  Höhe  des  höchsten  Erden- 
gliicks  exaltirt  wird.  Der  Uebergang  vom  Adagio 
bis  zum  gedrängten  Allegro  ist  so  richtig  gedacht; 
das  Schwindeln  und  Schwärmen  in  dem  erstem  so 
schön  durch  alle  Nuancen  durchgeführt,  dass  der 
Zuhörer  seinen  Empfindungen  von  einer  Stufe  zur 
andern  folgen  kann.  Diese  Arie  ist  ein  Beweis  von 
der  äussersten  Delicatesse  des  Gefühls,  von  der  Rich- 
tigkeit und  Bestimmtheit  seiner  Empfindungen.  Mo- 
zart giebt  uns  hier,  wie  immer,  reines  Gefühl  ohne 
Ueberladung,  richtig  angelegt  und  auch  richtig  aus- 
geführt« Diese  Arie  ist  ein  classisches  Modell,  wor- 
an junge  Tonsetzer  den  motiven  Stufengang  der  Em- 
pfindungen studiren  können* 

Die  sternflammende  Königin  —  ein  leidenschaft- 
liches, ränkevolies  Weib  —  Rachsucht  in  ihrer  fin- 
stern  Seele  —  wie  sehr  verschieden  von  dem  Cha- 
rakter ihrer  schuldlosen  Pamina!  —  Wer  verkennt 
gleich  in  der  ersten  Arie,  die  listige  Verführerin,  die 
erst  Schrecken,  dann  Seufzer  und  Thränen,  und  end- 
lich die  dringendste  Aufforderung  mit  schmeichelnden 
Versprechungen  anwendet,  den  unerfahrnen  Jüngling 
für  ihren  Plan  zu  interessiren.  —  Das  Ritornell  mit 
seinen  majestätisch  aufsteigenden  Noten  feyerlich  in 
die  Höhe  wogend,  malt  ihr  Aufsteigen  von  dem  un- 
terirdischen Reiche  und  bereitet  auf  was  Grosses  vor. 


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Tamino  wird  gespannt  —  und  nun  das  Sirenen -Re- 
citativ:  „O!  zitt're  nicht,  mein  lieber  Sohn,  Du  bist 
unschuldig,  weise,  fromm."    Jetzt  hat  sie  ihn  ge- 
wonnen und  fallt  in  die  klagende  Melodie  ein,  be- 
gleitet  von  dem  schwermüthigen  Fagotte.    Wie  ma- 
lerisch beredt  ist  ihre  Erzählung  des  Raubes  ihrer 
Tochter,  wie  lebhaft  die  Unterbrechung:  „Ach  helft!" 
um  dem  Zuhörer  neue  Spannung  zu  geben.  Und 
nun  wieder  der  Rückfall  in  die  Erzählung  unisono 
mit  dem  Fagotte:  „War  Alles,  was  sie  sprach."  — 
Jetzt  hat  sie  den  Prinzen  auf  dem  Puncte,  wohin 
sie  ihn  haben  wollte;  jetzt  wird  sie  dringender,  sie 
stürmt  mit  aller  Macht  auf  ihn  ein,  verspricht  ih 
den  Besitz  der  reizenden  Famina  und  verschwindet 
unter  einem  tobenden,  prächtigen  Orcan  aller  In- 
strumente, die,  nachdem  sie  in  der  Begleitung  ein- 
zelner Stellen,  jedes  besonders,  ihre  Beredsamkeit 
aufgeboten  haben,  jetzt  mit  vereinten  Kräften  her- 
einstürmen und  den  betäubten  Jüngling  zum  festen 
Entschlüsse  fortzureissen  suchen.    Die  Arie:  „Der 
Hölle  Rache  kocht  in  meinem  Herzen!"   ist  die 
grellste  Schilderung  der  höchsten  Wuth  eines  von 
Mordlust  heissen  Weibes.   Alles  kocht,  Alles  siedet, 
tobt  und  schäumt;  Alles  bläs't  und  tobt  unter  ein- 
ander; die  Rednerin  selbst  scheint  sich  im  Gefühle 
ihrer  Rache  zu  verwirren,  die  Wuth  lässt  ihr  keine 
Zeit,  die  Worte  auszusprechen.     Diess  giebt  der 
Componist  dadurch,   dass  er  die  Noten  gleich  an- 
fangs verkürzt.   Dann  schöpft  sie  Odem  zu  neuen 
Lavaströmen  ihrer  Wuth.  —  Hier  steht  kein  Punct, 
kein  Sechzehntheil  vergebens,  und  selbst  die  hohen 
Läufer  bezeichnen  das  Wühlende,  Zitternde  ihrer 


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Rache  bebenden  Seele,  Die  Pralltriller  und  Doppel- 
schläge thun  hier  eine  allmächtige  Wirkung,  und 
dann  der  schnelle,  kurz  abgebrochene  Schluss,  von 
einem  Sturme  der  Instrumente  begleitet.  —  Sie  ver- 
sinkt, und  die  Erde  scheint  unter  dem  Hörer  mit 
xü  versinken.  —  Hier  ist  die  Bravourarie  im  eigent- 
lichsten Sinne  an  ihrem  rechten  Platze. 

* 

Monostatos  ist  ganz  der  niedrige,  feige  Sclav ; 
sein  untergeordneter  Charakter  ist  im  Geschmacke 
seiner  Nation  bearbeitet,  was  sich  in  dem  Liedchens 
„ Alles  fühlt  der  Liebe  Freuden"  etc.  auflallend  zeigt, 
da  es  von  der  übrigen  Musik  dieser  Oper  gänzlich 
abweicht.  Die  Melodie  und  die  hohe  Begleitung,  die 
fliessende  Tonart,  Alles  charakterisirt  den  Mohren, 
der,  so  feig  er  im  ersten  Acte  erscheint,  in  groben, 
bäuerisch  imponirenden ,  unmelodischen  Noten  der 
Königin  vorschreibt,  die  sich  seiner  Hülfe  bedienen 
muss:  „Doch,  Fürstin,  halte  Wort,  erfülle!  Dein 
Kind  muss  meine  Gattin  seyn.£ 

• 

Papageno  ist  ein  ganz  gewöhnlicher  Alltags- 
Mensch,  und  Mozart  componirte  seine  Lieder  so, 
dass  sie  Jedermann  nachsiugt,  tändelnd,  leicht,  aber 
nichts  desto  weniger  wahr  und  gefühlvoll.  Er  zeich- 
net uns  einen  einfachen  Natursohn,  nicht  einen  Pos- 
senreisser,  wie  er  auf  manchen  Bühnen  gegeben  wird. 
Nirgends  findet  sich  in  der  Musik  eine  Spur,  die 
auf  Harlekinade  hindeutete  5  sangbare  Melodie  und 
der  —  wie  das  bey  Naturmenschen  gewöhnlich  ist 
—  sich  schärfer  markirende  Ausbruch  der  Freude, 
zeigt  eben  keinen  Hanswurst  an;  daher  muss  der 
Schauspieler  ein  sehr  gewöhnlicher  Mensch  seyn, 


• 

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/ 

wenn  er  durch  sein  Spiel  der  Rolle  da*  Schickliche 
und  Anständige  nimmt,  welches  der  Componist,  frey- 
lich nur  mit  einem  leisen  Hauche,   über  dieselbe 

*  • 

verbreitete« 

Im  Priestermarsche,  so  wie  im  Gebete:  „O  Isis  ' 
und  Osiris!"  und  demselben  Priesterchore  herrscht 
der  schönste  gereinigte  Kirchenstyl,  und  Glucks  und 
Händeis  Chöre  bleiben  weit  hinter  ihnen  an  edler 
Einfalt,  Anmuth  und  Bestimmtheit  des  Charakters 
zurück« 

Die  Feuerprobe  mit  ihrem  Chorale  ist  unstreitig 

das  nön  plus  ultra  dramatischer  Darstellung« 

•  « 
Die  Zauberflöte,  kann  man  sagen,  trägt  das  Bild 

einer  gereiften  Frucht.  Mozart  musste  erst  seine  vo- 
rigen Opern  componiren,  ehe  er  im  Stande  war,  uns 
eine  Zauberflöte  zu  schaffen  $  alle  seine  früheren 
Werke  scheinen  gleichsam  Vorbereitungen  zu  diesem 
Meisterwerke,  und  selbst  sein  späteres  Kind,  La 
Clemenza  di  Tito,  sagt  ziemlich  laut:  mein  Vater 
hat  sich  bey  der  Zauberflöte  erschöpft.  —  Das  Genie 
bringt  erst  seine  üppigen  Producte  mit  allen  seinen 
Auswüchsen  und  Schönheiten,  aber  nur  anhaltendes 
Studium  bringt  das  Kunstwerk  hervor«  Mozart'« 
frühere  Opern  sind  gleichsam  mehr  oder  minder  Er- 
zeugnisse des  Genie's,  als  der  überlegenden  Kunst; 
die  Zauberflöte  aber  ist  das  Werk  gereifter  Erfah- 
rung, das  Resultat  lang  vorbereiteten  Studiums,  ein 
reinea  Kunstproduct. 

* 

In  der  Zauberflöte  scheint  sich  Mozart  selbst 
übertroffen  zu  haben. 

«  * 

9 

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130 


Titus  der  Gütige.  {La  Clemenza  di  Tito.) 

Opera  seria  in  iw©y  Acten» 

Dieses  ist  Mozart's  letzte  Oper.  Er  schrieb  sie 
bey  hinschwindenden  Kräften,  wo  schon  sein  Geist 
im  Begriffe  war,  von  seiner  irdischen  Hülle  zu  schei- 
den. Der  Text  ist  von  Metastasio  und  wurde  von 
den  böhmischen  Standen  zur  Krönung  des  Kaisers 
Leopold  II.  als  böhmischer  König  bestellt.  Er  be- 
gann die  Composition  im  Reisewagen  von  Wien 
nach  Prag  und  vollendete  sie  innerhalb  18  Tagen  in 
Prag  1791.        '  . 

* 

Der  musikalische  und  dramatische  Charakter  die— 

m 

ses  Stücks  ist  mehr  poetisch  als  romantisch,  daher 
nimmt  die  Vorstellung  desselben,  von  Italienern  aus- 
geführt, eine  Physiognomie  an ,  welche  Deutsche  die- 
ser Oper  nicht  zu  geben  vermögen,  eine  Physiogno- 
mie, welche  dem  Werke  eine  Wirkung  verleiht,  die 
dasselbe,  auch  von  den  besten  deutschen  Sängern 
vorgetragen,  nie  macht« 

Einige  Italiener  nennen  diesen  Schwanengesang 
Mozart's  das  Erhabenste,  womit  ihn  die  Musen  je 
begeisterten.  Sie  vergleichen  das  erste  Finale  hin- 
sichtlich der  grossen  Idee,  des  leidenschaftlichen  Aus- 
drucks von  Angst,  Schreck,  Mitleid  und  Schmerz 
mit  den  trefflichsten  Scenen  Shakespeare's  und  zie- 
hen es  allen  vor.  Freylich  stattete  der  einzige  gött- 
liche Meister  stets,  und  auch  hier,  die  Nebenstimmen 
aus  seinem  nie  versiegenden  Schatze  mit  verschwen- 
derischer Fülle  aus.  Als  Mozart  diese  Oper  in  Prag 
aufführte,  musste  die  Rolle  des  Titus  einem  Sänger 
ohne  Stimme  zugetheilt  werden  5  daher  lässt  es  sich 


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13« 

entschuldigen,  dass  man  ihr  oft  Compositionen  an- 
derer Meister  einlegt. 

Da  Mozart's  Geist  beym  Schreiben  dieser  Oper 
schon  im  Abschiednehraen  begriffen  war  und  sein 
siechender  Körper  die  Energie  des  Geistes  ermattete, 
so  fühlt  man  deutlich,  wie  sich  das  musikalische 
Leben  des  Meisters  auch  hier  noch  trefflich  aus- 
drückt, denn  die  einzelnere  Instrumental -Begleitung, 
die  stille  Erhabenheit  und  —  die  Schwermuth  in  den 
Melodieen  und  im  Charakter  des  Titus  sprechen 
dafür. 

Dass  Mozart  die  von  Metastasio  gestellten  drey 
Acte  in  zwey  umschmolz,  ist  früher  schon  angege- 
ben worden,  und  auch,  wie  meisterhaft  er  diess  that. 
Statt  dass  er  früher  sich  über  Alles  verbreitete  und 
allenthalben  die  Schätze  seines  Genie's  verschwen- 
derisch aus th eilte,  wurde  er  hier  mit  einem  Male 
verdriesslich  und  karg.  Dazu  sind  noch  obendrein 
die  dialogisirenden  Recitative  von  einem  seiner  Schü- 
ler gefertigt,  von  ihm  aber  corrigirt  worden. 

Unter  diesen  Umständen  erhielt  diese  Oper  ei- 
nen ganz  eigenthümlichen  Charakter  und  gleicht  hierin 
keiner  der  anderen  Arbeiten  dieses  Künstlers.  In  den 
Arien  herrscht  das  Gefühl  eines  sinnenden,  trauern- 
den, stillen  Geistes,  und  alle  zärtlichen  Empfindun- 
gen färben  sich  mit  einer  Farbe  von  Schwermutli 
au.  Nur  in  den  Finalchören  rafft  sich  der  im  Schei- 
den begriffene  Meister  gewaltsam  aus  seinem  hinster- 
benden Schlummer  empor.  Es  ist  diess  das  letzte 
Auflodern  des  verlöschenden  Lichts,  was  noch  ein- 
mal alle  seine  Kräfte  sammelt,  ehe  es  in  gänzliche 
Finsterniss  versinkt.  Daher  mochte  es  kommen,  dass 

9* 

% 

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132  . 

i 

auch  der  Mangel  an  zusammengesetzten  Stücken,  wie 
Quintetten,  Sextetten  etc.  auffallend  ist«  Es  sind 
meistens  nur  Arien  und  Chöre,  und  die  Duetten 
sind  nur  sehr  kurz.  Man  fühlt  beym  Anhören  der- 
selben die  Leere  und  das  Erschlaffen  der  Energie 
des  grossen  Meisters.  Die  Instrumente  concertiren 
weniger,  sind  weit  einzelner  —  was  überhaupt  von 
aer  ganzen  Begleitung  verstanden  werden  kann  — 
als  in  seinen  anderen  Werken.  Seine  Lieblingsarbei- 
ten, die  canonischen  Sätze,  machen  sich  seltner. 

An  edler  Einfalt  hat  das  Ganze  allerding«  ge- 
wonnen; allein  es  ist  bekannt,  dass  Mozart  auch  bey 
dem  grössten  Aufwände  seiner  Kunst,  bey  der  reich- 
haltigsten Instrumentation  dieses  Gesetz  nie  aus  den 
Augen  verlor. 

Viele  schon,  die  diese  Oper  studirten  und  sie 
mit  anderen  Mozart'schen  verglichen,  fühlten  diese 
angegebene  Verschiedenheit  auffallend,  und  konnten 
sich  der  Thränen  nicht  enthalten,  wenn  sie  sich  die 
Auspicien,  unter  welchen  Mozart's  Geist  hier  arbei- 
tete, recht  lebhaft  vorstellten  und  die  immer  leerer 
werdenden  Tactcolumnen  der  Blas -Instrumente  den 
gebundenen  Fittig  seines  Genius  anzudeuten  schienen. 
In  dieser  Stimmung  beweisst  sich  die  schwermüthige 
Arie:  Ach!  nur  einmal  noch  im  Leben  etc.  und 
die  Arie:  Nie  wird  mich  Hymen  lächelnd  entzücken 
etc.  Eine  geheimnissvolle  Ahnung  scheint  den  Sän- 
ger umschwebt  zu  haben,  dass  auch  ihm  die  holden 
Kinder  des  Frühlings  nimmer  wieder  blühen  würden. 

Titus  ist  der  Hauplcharakter  und  gewissermaassen 
mit  einer  ängstlichen  Sorgfalt  gezeichnet.  Mit  fei- 
nem Sinne  fasste  Mozart  die  Einfachheit,  die  Ruhe 


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und  stille  Erhabenheit  des  Titus,  mit  Kummer  schat- 
tet, auf,  und  übertrug  sie  —  damals  wohl  seine 
eigenen  Empfindungen  —  in  die  Compositum.  Jeder 
Theil,  selbst  die  gemässigte  Instrumentalpartie,  trägt 
dieses  Gepräge  an  sich  und  vereinigt  sich  zur  schön- 
sten Einheit  des  Ganzen. 

* 

Vitellia  steht  diesem  schönen  Charakter  ganz  ent- 
gegen. Mozart  malte  ihre  Wildheit,  ohne  jedoch  zu 
vergessen,  was  er  der  darstellenden  Kunst  schuldig 
war;  und  ist  Vitellia  gleich  ein  moralisches  Unge- 
heuer, so  schont  Mozart  doch  das  feine  Gefühl  des 
Zuhörers  und  zeigt  uns  die  Unmenschliche  immer 
noch  menschlich  genug. 

Servilia,  die  Geliebte  des  Titus :  (  welcher  Edel-  " 
muth!  welche  immer  wahre  Grösse!  Ganz  das  Sei- 
tenstück ihres  erhabenen  Geliebten!  Ihr  stummes 
Dulden,  ihre  gewaltsam  unterdrückte  Flamme,  wie 
schön  wusste  Mozart  diess  in  ihrem  Gesänge  zu 
malen ! 

Sextus  und  Annius,  das  Bild  der  zärtlichsten 
Freundschaft,  spiegelt  sich  in  dem  liebevollen  Duette : 
„In  deinem  Arm  zu  weilen,  Freund,  welche  Selig- 
keit!" 

Die  Ouvertüre  ist  im  heroischen  Style  und  ent- 
hält den  ganzen  Plan  der  Oper.  —  Alle  übrigen 
Stücke  verralhen  den  grossen  Geist  ihres  Schöpfers. 
Das  Finale  des  ersten  Actes  ist  eine  der  vollkom- 
t  mensten  Arbeiten  Mozart's;  es  wetteifern  Ausdruck, 
Charakter  und  Empfindung,  um  den  grössten  Effect 
hervorzubringen.  Gesang,  Begleitung,  Instrumenta- 
tion, Modulation  und  der  Wiederhall  der  fernen 
Chöre  bewirken  bey  jeder  Aufführung  eine  bey  Opern 


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134 
■  — 

seltne  Täuschung,  Der  Schlusschor  des  zweyten  Ac- 
tes ist  gewiss  unter  allen  Chören  der  fliessendste, 
erhabenste  und  ausdrucksvollste. 

Der  Genuss  dieses  Kunstwerkes  erfordert  ein© 
reingestimmte  Seele  und  ein  vollkommen  ruhiges 
Gemüth.  Auch  wirkt  es  nur  nach  und  nach,  und 
nur  wiederholtes  und  aufmerksames  Hören  weihet 
allmahlig  in  seine  erhabenen  Mysterien  ein« 


Pianofortespiel. 

Die  Ciavierstücke  Mozart's  enthalten  einen  sol- 
chen Reichthum  der  Ideen  und  sind  so  fein  gebildet 
in  ihren  kleinsten  Nuancen,  dass  der  darin  herrschende 
Charakter  stets  genug  interessirt  ist,  um  das  Gemüth 
des  Spielers  und  des  Hörers  anzuziehen.  Sie  sind 
zugleich  von  so  zweckmässiger  Natur,  dass  die  wahre 
Bildung  des  Ciavierspielers  dadurch  erreicht  und  die 
Ableitung  nach  schiefen  Richtungen  vermieden  wirdL 
Die  schöne  Haltung  der  Hand  ist  durch  die  abwech- 
selnden Figuren  und  besonders  die  ordentliche  Be- 
wegung des  Basses  möglich  gemacht ,  und  dadurch 
wird  theils  die  Beweglichkeit  der  linken  Hand  sehr 
befördert,  theils  die  Ausbildung  des  Vortrags  in 
Rundung  und  Schönheit  nicht  gehindert;  denn  seine 
Ciaviersachen  enthalten  keine  Figuren,  die  durch  un- 
ablässige Fortsetzung  die  Steifheit  der  Hand  her- 
beyführen  —  oder  durch  eine  Bewegung,  der 
Behandlung  des  Claviers  zuwider,  die  Ausführung 
mit  Neuigkeit  unmöglich  machen  —  oder  überhaupt, 
die  nicht  singen,  ausgenommen  die  Arpeggio's  wel- 
che dem  Bau  des  Hammers  und  seinem  Anschlage 

* 


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135 

nicht  angemessen  sind.  Mozart's  Ciavierwerke  ent- 
halten Tiefe  und  Klarheit ,  Einfachheit  und  Kunst, 
Reichthum  der  Ideen  und  Adel  des  Styls,  Kraft 
und  Lieblichkeit.  Durch  ihren  geistreichen  Styl  er- 
heben seine  Sonaten  das  Gemüth  und  erfüllen  das 
Herz  mit  starken  oder  sanften  Empfindungen.  , 

Die  Anhänger  des.  neuen  Systems,  wonach  nur  * 
Schwierigkeiten  geschätzt  werden,  behaupten:  man 
könne  durch  die  Ausführung  Mozart'scher  Clavier- 
sachen  seine  Fähigkeit  nicht  hinlänglich  zeigen;  in- 
dess  weiss  doch  jeder,  der  eine  gesunde  Beurtheilung 
hat,  dass  man  bloss  mit  Zeit,  Geduld  und  Mühe 
anfangs  unmöglich  scheinende  Schwierigkeiten  zu- 
letzt überwinden  könne ;  dass  aber  weder  Zeit  noch 
Geduld  genügen,  Werke  vorzutragen,  die  geläuter- 
ten Geschmack,  tiefes  Gefühl  und  richtigen  Aus- 
druck verlangen. 

Mozart  schrieb,  unbekümmert  um  den  Schüler: 
Clementi's  Schüler  behalten  nur  das  Instrument  und 
den  Spieler  im  Auge.  —  In  wie  vielen  Arietten 
Mozart's  ist  edle  Schwermuth  des  Künstlers,  der 
aber  nicht  abgespannt  ist,  sondern  dessen  Geist  wie 
mit  erschwerten  Flügeln  in  den  trüberen  Regionen 
der  Dissonanzen  verweilt.  Welche  Andante-  und 
Adagio  -  Stellen  Mozart's  wären  in  jedem  Betracht 
nicht  himmlisch  zu  nennen.  Alles,  Alles  ist  schön, 
und  Alles  gleich  schön.  Die  meisten  seiner  Ciavier- 
sachen sind  die  vollendetsten  Arbeiten  seines  uner- 
schöpflichen Genie's. 

Obgleich  sich  Mozart's  Phantasie  in  einigen  Cla- 
viersachen  vielleicht  bisweilen  etwas  zu  eingeschränkt 
fühlte,  so  haben  sie  doch  eiuen  Ungeheuern  Reich- 

0  J 


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thum  an  neuen  Gedanken,  an  glücklichen  Melodieen, 
an  beständig  abwechselnden  harmonischen  Wendun- 
gen, und  sein  unerra  esslich  es  Genie  ~  wenn  man 
gleich  öfWs  in  seinen  Opern  Fehler  in  der  Decla- 
mation  und  Recitation,  wohl  nicht  immer  ohne  Grund, 
rügt  —  bleibt  ein  Gegenstand  der  grössten  Bewun- 
derung selbst  der  Nachwelt. 

Mozart's  ehrwürdigster  Zeitgenosse  Jos.  Haydn 

j  ist  wohl  auch  hier  ein  competenter  Richter.  Dieser 

gemüthliche  und  herzliche  Mann  sagte  einst  einem 
seiner  Freunde  mit  tiefer  Rührung  und  thrän enden 
Augen:  „Mozart's  Verlust  ist  unersetzlich,  sein  Spiel 
am  Ciavier  vergesse  ich  in  meinem  Leben  nicht:  das 
ging  an's  Herz." 

Mozart's  Clavierconcerte  sind  Voll  blühender 
Composition  und  sie  f Hessen  so  leicht  dahin,  als  hätte 
es  gar  keine  Kunst  erfordert,  sie  zu  schaffen.  Das 
ist  aber  eben  die  Kunst,  das  Werk  zu  zeigen  ohne 
die  Mittel  sehen  zu  lassen.  —   In  allen  diesen  schö- 

|  nen  Werken  herrscht  eine  richtige  Applicatur  in 

schwierigen  Figuren,   wie  schwerlich  bey  neueren 

(  Ciavier  -  Compositionen  eine  vorkommen  wird,  die 

sich  nicht  bey  Mozart  fände.  —  Aber  es  gehört  zum 
richtigen  und  genauen  Vortrage  Mozart'scher  Con- 

j  certe  mehr  als  richtige  Fingersetzung,  und  die  Folge 

davon,  rundes  und  präcises  Herauskommen  der  Pas- 
sagen. 

So  wie  überhaupt,  so  auch  hierin  hatte  Mozart 
f  vor  allen  Tondichtern  im  hohen  Grade  die  schöne 
Gabe,  einen  einmal  gefassten  Gedanken  nicht  wieder 
zu  verlassen,  bis  er  ihn  in  allen  Formen  des  Schönen 
entfaltet  hatte. 


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137 

Mozart  schrieb  gewissermaassen  zwey  verschie- 
dene Arten  von  Ciavier  -Concerten.  Die  eine  dieser 
Arten  ist  von  ihm  selbst  geschaffen ;  und  wollte  man 
einzig  auf  den  Sinn  sehen,  [so  könnte  man  sagen, 
HändePs  Orgelconoerte  wären  Mozart'sche  in  der 
Kindheit«  Diese  Art  bildete  er  aus  und  vervoll- 
kommnete sie  dermaassen,  dass  kein  Anderer,  wer  er 
auch  sey,  darin  es  ihm  gleich  gethan  hat.  Diese  sii 
vollkommen  ausgearbeitete  Musikstücke  für  das  Or- 
chester mit  obligaten  Instrumenten,  unter  welchen 
nur  das  Pianoforte  bey  weitem  am  meisten  vorherr- 
sehend  auftritt.  Dieses  ist  die  edelste  und  kunst- 
reichste Art.  —  Hiervon  unterscheiden  sich  die  Con- 
certe  Mozart's,  mit  welchen  er  seine  letzten  Reisen 
machte  und  die  erst  nach  seinem  Tode  herausgekom- 
men sind.  Diese  gehören  zu  der  zweyten  Art:  zu 
der  populärsten,  brillantesten.  Diese  Art  bedient 
sich  des  allgemeinen  Concertstyls  und  der  gewöhn- 
lichen Formen  für  Concerte  überhaupt  und  wendet 
Beydes  nur  auf  diess  Instrument  in  seinen  Eigenhei- 
ten, besonders  auch  den  Ungeheuern  Fortschritten 
gemäss,  an,  die  in  der  neuesten  Zeit  auf  dem  Cla- 
viere  gemacht  sind.  Das  Orchester  bleibt,  ausser 
in  den  Ritornellen  (die  hier  mehr  oder  weniger  sym- 
phonieartig ausfallen),  fast  nur  aufs  eigentliche,  doch 
darum  nicht  uninteressante  Begleiten  beschränkt. 


Manches  kam  von  der  einen  Art  für  die  andere 
zu  ihrer  Bereicherung  herüber  genommen  werden. 
Auch  hierin  ist  Mozart  mit  herrlichen  Beyspielen 
vorausgegangen :  in  seinen  letzten  Concerten  hat  er, 
„ohne  sich  selbst  und  der  erwählten  Gattung  untreu 


uigiiizeo 


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138 

■ 

zu  werden,  dem  Pianofortespieler  beträchtlich  mehr 
und  beträchtlich  Glänzenderes  zugetheilt,  als  vordem. 
Mozart  ging  also  von  der  bis  auf  ihn  einzigen 
*  Form  ab  und  schuf  eine  neue.  Er  erwählte  das  Ge- 
gentheil  der  bisherigen  Theorie,  nach  welcher  die 
Solostimme  das  einzige  bedeutende  —  Alles  war.  Er 
nahm  an,  das  Concert  ist  das  höchste  der  Musik  im 
Zartem  (als  Gegensatz  der  Symphonie,  des  Höch- 
sten im  Grossen):  Alles,  was  zur  Erreichung  dieses 
Zweckes  beyträgt,  muss  in  höchstmögliche  Bewegung 
gesetzt  werden:  mithin  müssen  alle  Stimmen  voll- 
kommen gearbeitet  seyn:  der  Solospieler  muss  nur 
die  hervorstechendste  unter  diesen  haben :  die  Ritor- 
nelle  müssen  grosse  Erwartungen  erregen,  beflügeln: 
auch  die  natürlichen  Reize  aller  Instrumente  zum 
Accompagnement  müssen  in  hervorstechendes,  an- 
muthiges  Spiel  gesetzt  werden.  —  Es  ist  bekannt,  dass 
der  für  Wissenschaften  und  Kunstphilosophie  so  gar 
nicht  gebildete  Mozart  diese  Grundsätze  nicht  dedu- 
cirte,  die  Pläne  nicht  entwickelte  und  berechnete, 
sondern  ihm  gab  es  in  dämmernder  Ahnung  sein 
Gefühl  —  der  Gott  in  ihm. 

So  wurden  die  in  ihrer  Art  auch  jetzt  noch  fast 
einzig  dastehenden  Werke  geschaffen.  In  ihrem  Cha- 
rakter und  ihrem  Vollendetsten  findet  sich  die  grösste 
Aehnlichkeit  in  Geist,  Tendenz  und  reinem  Kunst- 
werthe  mit  den  vollendetsten  Quartetten  Mozart's,  so 
dass  das,  was  dort  als  ganz  vorzüglich  und  immer 
gelungen  sich  findet,  auch  hier  ganz  vorzüglich  und 
immer  gelungen  erscheint. 

Unser  Meister  hat  den  glücklichen.  Einfall  ge- 
habt, Fugen  für  zwey  Claviere  zu  schreiben.  Dabey 


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hat  theils  der.  Lernende  Gelegenheit,  sich  desto 
mehr  im  Tacte  und  im  Pausiren  zu  üben;  theils 
wird  er  durch  das  Spiel  derselben  allmählig  um  so 
viel  leichter  mit  dem  Fugenstyle  vertraut,  weil  er 
hier  nicht  mit  so  grossen  Schwierigkeiten  zu  käm- 
pfen hat,  als  bey  den  mehresten  solcher  Fugen,  die 
bloss  für  einen  Spieler  bestimmt  sind. 

Das  Eigentümlichste  und  Individuellste  in  Mo- 
zart  ist  bekanntlich:  Erfindung,  poetischer  und  arti- 
stischer Reichthum,  unerschöpflicher  Reichthum  und 
Glück.  Daher  steht  er  als  dichtender  Tonkünstler 
in  seinem  eigentlichen  Fache  nicht  nur  hoch,  son- 
dern einzig.  Seine  Compositionen  haben  auf  den 
Gang  und  die  weitere  Ausbildung  der  Tonkunst  den 
entschiedensten  Einfluss  gehabt  —  sie  machen  im 
reichsten  Sinne  des  Wortes  Epoche. 

* 

Wenn  man  die  Menge  derselben  übersieht,  so 
begreift  man  die  Tiefe  Vieler  kaum;  wenn  man  die 
Tiefe  Vieler  untersucht,  begreift  man  die  Menge 
kaum.  So  ist's  natürlich,  dass  man  viele  vor  ge- 
nauerer Ansicht  für  untergeschoben  halten,  gegen 
die  äusseren  historischen  Erweise  der  Aechtheit  miss- 
trauisch  seyn  kann.  Aber  nach  genauerer  Ansicht 
führen  sie  einen  inneren  Beweis,  den  es  nicht  schwe- 
rer ist  zu  fassen,  als  die  Erkennung  wahrhaft  grosser 
Maler.  Aber  Bewunderung  wird  die  Menge,  bey 
der  Verschiedenheit,  immer  erregen.  Denn  es  giebt 
kein  Fach,  keine  bisher  entdeckte  Form,  in  welcher 
Melodieen  und  Harmonieen  gebildet  werden  können, 
worin  er  nicht  —  mit  mehr  oder  weniger  Glück  ge- 
arbeitet hätte. 


< 


140 

■ 

In  mehren  Mozart'schen  Sonaten  ist  gleichsam 
ein  liebevolles  Umschlingen  zweyer  schönen  Gestal- 
ten sichtbar,  die  sich  in  holder  Anmuth  einander 
nähern,  und  wo  der  männliche  Theil,  der  Bass,  die 
graziösen  Bewegungen  des  weiblichen,  der  Sopran- 
Melodie,  mit  aller  Zartheit  und  dennoch  mit  anzie- 
hender Stärke  unterstützt  und  auf  seinen  Armen 
huldvoll  dahin  trägt.  Die  verschiedenen  Wendun- 
gen Beyder,  die  Frucht  der  keuschen  und  doch  se- 
ligen Annäherung  ihrer  Seelen  bringt  mit  sich  das 
innige  Spiel  der  Geberden  und  die  Beredsamkeit 
ihrer  Blicke.  Sie  wandeln  daher,  ihre  Geister-Ver- 
wandtschaft ahnend,  bald  sich  mit  gleichen  Gefühlen 
entgegen  kommend,  durch  zarte  Scheu  wieder  in  ihr 
Inneres  zurückgedrängt  und  die  Sehnsucht  zu  won- 
niger Vereinigung  verbergend,  bis  dem  kühnen  Muthe 
des  Mannes  (des  Basses)  es  endlich  gelingt,  die  Zwei- 
fel zu  lösen  und  die  Verschlingung  zweyer  Seelen 
in  wonnevoller  Eintracht  zu  bewerkstelligen.  —  Die- 
sen Geistervertrag  lässt  der  Tonkünstler  seine  in 
Tone  gehauchten  Gestalten  gewöhnlich  auf  dem  Ue— 
bergange  zur  ersten  Hauptcadenz  schliessen;  denn 
von  da  an  entfaltet  nun  erst  die  seelenvolle  Innig- 
keit und  Einigkeit  die  Ausdrücke  des  Entzückens 
über  die  freudige  Annäherung  und  Ahnung  ihrer 
Verwandtschaft  in  dem  Mittelsatze,  welcher  desshalb 
auch  gewöhnlich  ganz  den  Charakter  des  Graziösen, 
Wonnevollen  annimmt.  Die  Melodieen  sind  dann 
liier  gewöhnlich  zarter  und  blühender  und  umschlin- 
gen sich  schon  mehr  mit  liebevoller  Ergebung,  die 
durch  zarte  Spiele  des  Scherzes,  der  Weigerung, 
der  scheinbaren  Annäherung  zu  verzögert  wird,  dass 


i 

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Iii 

«  -  —  ■ 

der  poetische  Musiker  die  zwey  durch  Liebe  verei- 
nigten Wesen  oder  Themata  immer  noch  sich  flie- 
hen und  in  einem  reizenden  Kampfe  begriffen  sieht, 
bis  endlich  die  Stärke  den  Reiz  oder  der  Reiz  die 
Stärke  besiegt  und  Beyde  durchdrungen  und  um- 
schlungen nur  dahin  schweben  in  schöner  schmieg- 
samer Vereinigung  und  ihre  bewirkte  Harmonie  in 
triumphirender  Wonne  kund  thun. 

Hier  ahmen  sich  Bevde  oft  schon  scherzhaft,  ia 
bisweilen  ironisch  mit  naiver  Laune  einander  in  Gang 
und  Bewegung  nach,  bis  nach  neuer  Zögerung  und 
sinnreichen  Zweifeln  sie  endlich  einander  die  Hände 
reichen  zum  festen  Bunde  in  der  Cadenz  des  ersten, 
Theils.  Mit  anmuthigen  Neckereyen ,  oft  mit  den 
Spuren  einer  schnell  entstehenden  Uneinigkeit,  die 
sich  in  kurzen,  geschwind  beantworteten,  doch  leisen 
Vorwürfen  ausspricht,  beginnt  der  zweyte  Theil. 
Plötzlich  ergiesst  sich  der  eine  Theil  in  entflammtem 
Zorne  in  langen  und  schnellen  Perioden,  welche  der 
andere  mit  Zwischenreden,  die  aus  der  ersten  frü- 
hern  Annäherung  ihrer  Geister  hergenommen,  also 
mit  jenen  analog  sind,  stellenweise  nun  unterbricht, 
um  die  Versöhnung  zu  bewirken.  Kaum  lässt  der 
zürnende  Theil  ahnen,  dass  er  besänftigt  sich  wieder 
nähern  wolle,  so  verwechselt  jener  die  Rolle  und 
nimmt  den  Zorn  des  andern  in  sich  auf  und  giebt 
dieselben  Zweifel  und  Einwürfe  nur  in  pikanterer 
Beziehung  zurück,  indessen  jener  cjas  schöne  Ge- 
schäft der  Versöhnung  übernimmt.  Die  mannigfal- 
tigsten Gradationen  der  Empfindungen  zeigen  sich  in 
den  Perioden.  Der  eine  Theil  steigt  in  seiner  Lei- 
denschaftlichkeit, indess  der  andere  mit  scheinbarem 


142 

Phlegma  «orglos  und  anbekümmert  «einen  Weg  al- 
lein geht,  aber  doch  einige  Einwürfe  macht,  welche 
oft  mit  rhetorischer  Kunst  in  kurze  Absätze  getrennt, 
nur  nach  und  nach  das  Ganze  aussprechen,  oft  nur 
einen  Theil  für  das  Ganze  angeben,  oft  starke  Zwei- 
fel erheben,  plötzlich  sich  scheinbar  zur  Vereinigung 
nahern  und  doch  wieder  sich  trennen,  bis  durch  eine 
ganz  unerwartete  Wendung  die  Freyheit  der  Geister 
den  Kampf  zu  beendigen  und  sich  in  schöner  Ein- 
tracht einander  zu  nahem  beschließt,  und  Beyde  nun 
im  Hauptthema  wieder  harmonisch  umherwandeln. 

Hier  nimmt  der  Mittelsatz  schon  eine  weit  be- 
ruhigendere Gestalt  ah,  indem  er  in  der  Tonica  des 
Stückes  nun  auftritt  und  die  festeste  Verbindung  in 
der  geahneten  Conclusion  kund  thut. 

Der  wonnevolle  Sieg  über  die  gegenseitige  Er- 
gebung verkündigt  sich  hier  in  den  brillantesten  Fi- 
guren, in  dem  entzückungsvollsten  Aufschwünge  und 
der  seligsten  Umschlingung  der  Melodieen,  in  dem 
reichen  und  blühenden  Schlüsse  der  Tonstücke. 

Auf  diese  Weise  hat  der  Seelen  maier  Mozart 
alle  seine  von  seinem  Geiste  durch  schöne  Formen 
gezeichnete  Tongebilde  durch  Mannigfaltigkeit  der 
Bewegung,  durch  Reichthum  an  geistreichen  Ideen 
und  besonders  durch  ideale  Schönheit  und  Einheit 
aller  einzelnen  Theile  beurkundet. 

Sehr  viele  andere  seiner  Ciaviersachen  sind  mit 

9 

vieler  Begeisterung  erfunden  und  sehr  sinnreich  aus- 
geführt. Der  Wechsel  des  Lebens  in  beyden  Hän- 
den macht  sie  einem  Dialoge  ähnlich,  worin  immer 
Einer  des  Andern  Wort  nimmt,  mit  noch  grösserer 
Beredsamkeit  seinen  Satz  ausführt,  und  dann  wird 


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143 

das  Nachäffen  und  Ausspotten  dessen,  was  Einet* 
sagte,  durph  den  Andern  sehr  jovial  durchgeführt* 
Die  forte  angeschlagenen  Accorde  treten  wie  heftige 
Verneinungen  zu  obiger  Rede,  weil  sie  keine  Beru- 
higung herbey führen,  und  plötzlich  übernimmt  die 
zweyte  Parthie  das  Gespräch,  indess  die  erstere  nur 
mit  ihren  schnellen  Einreden  dazu  tritt. 

•  Solche  Aehnlichkeiten  kann  man  finden,  wenn 
man  auch  keine  Phantasie  hat;  denn  womit  hat  denn 
überhaupt  eine  Ciavier- Sonate  (im  Allgemeinen  alle 
Instrumental -Musik)  mehr  Aehnlichkeit,  als  mit  dem 
mimischen  Tanze?  Die  Form  der  Melodie  in  der 
Rechten  und  die  harpeggirte  Bewegung  der  Harmo- 
nie in  der  Linken  gleichen  dem  Duette  zweyer  Tän- 
zer, wo  ein  Theil  seine  Triller  mit  abwechselnden 
Füssen  schlägt,  indess  der  Andere  in  ganzen  und 
gebrochenen  Zirkeln  bald  die  Hälfte  seines  Raumes 
zierlich  misst,  bald  mit  Entrechats  kühn  hervortritt 
und  nach  mannigfaltiger  Wendung  des  Körpers  in 
höchster  Schönheit  plötzlich  a  plomb  steht. 

Die  Imitation  ist  im  Ballette  ganz  aufzufinden; 
eben  so  die  contrapunctische  Verkehrung.  In  sol- 
chen Stücken  hebt  sich  Mozart  auf  der  von  göttli- 
chem Hauche  beflügelten  Sohle  fast  mit  spanischer 
Leidenschaft  und  Gluth,  ja,  seine  Themata  schwin- 
gen  in  der  Rechten  stets  die  Castagnetten,  wie  man 
in  seinen  Pralltrillern  sieht. 

Andere  seiner  Stücke  sind  wieder  von  anderer 
Art.  Gleich  einem  Bache  stürzt  sein  Thema  herab 
von  der  Höhe  und  rieselt  dann  in  der  Ebene  fort. 
Er  lässt  dann  bisweilen  die  Leidenschaft  in  höchste 
Wirksamkeit  treten  und*  fuhrt  den  Bass  so  schön, 


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<44 

dass  er  dem  Wrellenflusse  gleichsam  immer  neue 
Hindernisse  in  den  Weg  schiebt,  damit  derselbe  sie 
desto  siegreicher  zu  überwinden  in  den  Stand  gesetzt 
werde.  —  Zur  Wiedervereinigung  des  Thema's  pflegte 
Mozart  dann  den  Fluss  in  Achteln  zu  besänftigen, 
der  nur  durch  ZÖgerung,  Zweifel  und  allerhand 
künstliche  Irrire  winde  sich  fortschläneelu  bis  nach 
langem  Zweifeln  und  Aufhalten  er  endlich  seinen 
schnellen  Strömen  die  Schleusen  wieder  öffnet  und 

denselben  in  schöner  Freyheit  sich  seiner  Kraft  ent- 

- 

laden  lässU 

So  üross  IMozart  in  Bearljeitunt?  lnstrumentirteir 
Singstücke  war,  wo  ihm  zum  Ausdrucke  der  Gefühle 
jegliches  Instrument  zu  Gebote  stand,  eben  so  gut 
"verstand  er,  auch  ohne  das  Rauschen  derselben  sei- 
jien  Liedern  mit  Pianoforte-  Begleitung  Geist  und 
Leben  einzuhauchen.    Manche  von  diesen  sind  ganz 
vorzüglich,  und  fast  nie  verfehlte  er  eins  im  Ganzen. 
Hierher  gehören  besonders:  das  Lied  an  Chloe;  die 
Abend-  Empfindung  *  das  Veilchen;  das  Bändchen; 
der  Abschied  etc.    Wie  heisst  der  Talisman,  der 
bey  so  geringen  Mitteln  so  grosse  Wunder  wirkt, 
dass  durch  ein  so  einfaches  Figurmanöuver  der  Finger 
durch  überall  angebrachte  Harmonieenfojge  das  bey 
den  Alltags  -  Erscheinungen  der  Zeit  so  verwöhnte 
Ohr  noch  den  Klangen  begierig  lauschen  kann,  die, 
wie  Urtöne  der  Kunst,   in  so  schöner  Einfachheit 
und  doch  mit  so  geistiger  Kraft  das  Herz  des  Hö- 
renden rühren?     Wie  heisst  diese  Wunderkraft? 
Etwa  Genius?  / 
Wie  oft  schrieb  Mozart  zum  Abschiede  eine« 
Freundes  oder  einer  Freundin  ein  Liedchen  in  ihr 


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 .  i  -    —  % 

%  * 

i  *  * 

Stammbuch!  —  Und  trotz  dieses  fast  immer  schnei- 
Jen  Hinschreibens  liegt  in  diesen  kleinen  Stücken  so 
-viel  Ausdruck,  Einfachheit,  Anmüth  und  Empfin- 
dung, dass  man  behaupten  kann,  Mozart  habe  sich 
schon  in  diesem  Fache  unsterblichen  Ruhm  erwor- 
ben. —  In  diesem  Fache  ist  Zumsteeg  mit  Mozart 
classisch  und  Beyde  verdanken  nur  ihrer  edlen  Ein- 
fachheit ihren  Beyfall.  Demnach :  die  höchste  Ein- 
heit, die  edelste  Einfalt,  ist  die  höchste  Schönheit! 

Man  hört  oft  Zweckmässigkeits  -  Virtuosen  Mo- 
zart tadeln ,  dass  er  so  viele  Sonatensätze  nur  zwey- 
oder  dreystimmig  geschrieben  habe.  Allein,  wenn 
er  z.  B.  den  Faden  der  Melodie  mit  der  Rechten  in 
einer  Linie  fortspinnt,  weil  dadurch  die  Form  ent- 
schiedener wird,  indess  die  Linke  arpeggirt  und  die 
Dreyklänge  im  Wechsel  der  Sechzehntheile  harmo- 
nisch dazu  anklingen  lässt,  ist  das  nicht  voll  genug? 
Ist  es  nicht  vierstimmig?  Soll  etwa  jede  Mittel- 
stimme singen?  nur  bisweilen,  wo  es  der  Ausdruck 
erfordert.  Die  Melodie  ist  ja  aber  der  Contour,  der 
durch  den  Bass  als  zweyte  Linie  geschlossen  wird; 
die  Mittelstimmen  sind  nur  die  Schattenfarben,  Tin- 
ten.  Sollen  diese  etwa,  immer  und  gleich  aufgetra- 
gen, neben  einander  hinfliessen?  Müssen  sie  nicht 
gerade  oft  verschieden  und  einer  scheinbaren  Leere 
Platz  machen,  um  den  Contour  (die  Melodie)  her- 
vortreten zu  lassen,  die  da  gerade  einen  Glanzpunct 
haben  soll?. 

An  und  für  sich  wäre  es  Thorheit,  zu  fordern, 
dass  eine  Sonate  immer  vierstimmig  gehen  soll,  wenn 
man  nicht  gerade  ein  solches  Kunstwerk  beabsichtigt : 
sondern  die  Mittelstimmen  sollen  nur  so  hinzutreten, 

10 


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146 

7» 

wie  bey  einem  Gemälde,  wo 

Farbe  erfordert  wird,  wo  also  hier  die  Periode  durch 
eigene  Biegungen  einen  neuen  Charakter  annimmt, 
den  sie  vielleicht  absichtlich  zuvor  ein-  oder  zwey- 
stimmig  erst  andeutete. 

Namentlich  berühmte  Orgelspieler,  die  immer 
vollgrilfig  Alles  haben  wollen,  weil  es  auf  der  Or- 
gel nöthig  ist,  gerathen  darüber  in  Eifer,  das*  Mo- 
zart nicht  in  einem  fort  vierstimmig  geschrieben  habe. 
Ganz  recht  ist's,  dass  einer,  der  seine  Hände  ge- 
wöhnen will,  immer  recht  vielstimmig  zu  greifen, 
Tonstücke  wählt,  welche  so  ersonnen  sind.  Allein 
diess  ist  ja  nimmermehr  der  Zweck  der  Clavierso- 
nate  als  Kunstwerk,  dass  man  darin  nur  spielen  ler- 
nen solle.  Vorher  soll  man  spielen  lernen  an  Ue- 
bungsstücken,  die  die  Zweckmässigkeit  als  ihren  höch- 
sten Vorzug  zum  Unterricht  an  sich  tragen,  die, 
vielleicht  ohne  Begeisterung  geschrieben,  nur  immer 
die  Hammerbewegung  der  Finger  vor  Augen  haben, 
statt  des  höchsten  Gesetzes  der  Schönheit,  was  in 
jedem  Kunstwerke  das  erste  Augenmerk  des  Schöpfers 
desselben  seyn  soll. 

Uebrigens  kann  man  auch  bey  dem  Studium 
Mozart/scher  Sonaten  süielen  lernen.  Aber  Alozart 
schrieb  sie  nicht  desshalb,  sondern  weil  er  ein  See- 
lengespräch in  diese  Form  goss,  das,  durch  tausend 
verschiedene  Nuancen  geführt,  in  eigenem  Wechsel 
der  Gestalt  und  Farbenmischung  fortlebt  und  durch 
Vereinigung  der  verschiedenen  einzelnen  Theüe  «um 
harmonischen  Ganzen  so  das  höchste  Postulat  der 
Kunst  erlullt  —  die  EinheiU 


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r  m 

147  ' 

— T  

I 

In  einer  an  productiven  Geistern  so  frachtbaren 
Zeit,  wo  immer  neue  musikalische  Werke  einander 
verdrängen,«  ist  es  wohl  der  Mühe  werth,  einmal 
einen  Rückblick  zu  thun  auf  die  Werke,  welche  , 
über  das  Schicksal  des  Verdrängtwerdens  erhaben 
aind. 

Mozart's  Genius,  der  in  allen  Fächern  der  mu- 
sikalischen Setzkunst  mit  so  grossem  Glücke  sich 
bewegte,  dass  er  in  einem  jeden  beynahe  ein  Muster 
aufstellte,  wie  es  seine  Zeit  noch  nicht  gesehen  hatte, 
Mozart's  Genius  ist's,  der  auch  in  der  Ciaviermusik 
einen  so  wunderbaren  Cyclua  von  Werken  schuf, 
welche,  obgleich  unendlich  verschieden  an  Charakter, 

■  •  •  •  •     •  * 

dennoch  alle  den  Stempel  der  höchsten  Vollendung 
an  ihrer  Stirn  tragen.  Besonders  aber  treten  dadurch 
diese  Werke  aus  allen  anderen  hervor,  dass  eine  Seele 
in  ihnen  wohnt,  /welche  alle  Ahnungen  des  hoch- 
sten  Schönen,  von  denen  sie  durchdrungen  war,  durch 
ihre  Zauberkraft  in  dem  Gemüthe,  das  sich  ihrem 
Kreise  nähert,  wieder  zu  erwecken  im  Stande  ist. 

Ja,  so  viel  des  Guten  auch  gleichzeitige  Meister 
geliefert  haben ,  Mozart's  Ciavierwerke  stehen  immer 
durch  ihre  gemüthvolle  Tiefe,  durch  den  vollende- 
ten  organischen  Bau  ihres  Innern,  dnrch  die  Har- 
monie aller  einzelnen  Theile  zum  Ganzen  bey  so 
grossem  Reichthume  der  Phantasie,  und  ganz  beson- 
ders durch  äie  ideale  Schönheit  ihres  Styls  allen  an- 
deren voran,  welche  die  damalige  Welt  oft  mit  Recht 
neben  ihnen  bewunderte.  Denn  selbst  des  grossen 
Jos.  Haydn's  Ciavierwerke  (wir  reden  jetzt  nicht  von 
neuerer  Zeit),  welche  doch  allein  durch  ihre  Genia- 
lität sich  auf  eine  gleich  hohe  Stufe  der  allgemeinen 
V     '  10» 

- 

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14H 
♦ 

Bewunderung  zu  schwingen  wussten,  tragen  überall 
doch  mehr  Spuren  des  Humors,  oft  des  ausgelassen- 
sten an  sich,  und  bleiben  öfter  noch  auf  der  Stufe 
der  Zweckmässigkeit  stehen,  indess  Mozart's  Clavier- 
Compositionen  wahre  Seelengespräche  sind,  die  in 
ihrer  zaubervollen  Form  das  Gemüth  des  Spielers 
und  des  Hörers  auf  die  innigste  und  oft  erhabenste 
Weise  berühren  und  denselben  einen  Eindruck  zu- 
rücklassen, den  nur  die  Anschauung  des  höchsten 
Schönen ,  das,  rein  von  allem  Nebenzwecke,  in  sei- 
ner eigenen  geistigen  Natur  verklärt  wird,  denselben 
rein  zurückzulassen  im  Stande  ist. 

■ 

Wie  viel  der  reinsten  Genüsse,  also  auch  wie 
viel  an  geistiger  Bildung  und  Erhebung  die  Mensch- 
heit der  Beschauung  dieser  schönen  Kunstgebiide 
verdankt,  deren  Anschaffung  durch  die  häufigste 
Vervielfältigung  im  Drucke  mit  wenig  Kosten  ver- 
bunden, und  deren  Aufführung  nicht  mit  so  grossen 
Schwierigkeiten  verknüpft  ist,  als  andere  Instrumen- 
talmusik, diess  zu  ermessen,  sey  das  freudige  Ge- 
schäft solcher,  welche  in  den  engen  Schranken  die- 
ses irdischen  Lebens  sich  ein  zweytes  unendliches, 
durch  keinen  irdischen  Einfluss  zu  störendes  Leben 
in  der  Kunst  zu  schaffen  wussten* 

Unser  sey  das  schöne  Vergnügen,  den  organi- 
schen Bau  der  Mozart'schen  Ciavierwerke  in  seinem 
Innern  zu  beschauen,  die  geistigen  Fäden  der  Ver- 
bindung zu  ahnen,  und  so  die  Werkstatt  des  Mei- 
sters mit  dem  frommen  Sinne  zu  belauschen,  wel- 
cher die  Entweihung  durch  allzudreiste  Voreiligkeit 
dem  kritischen  Bewunderer  unmöglich  macht. 


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I 


149 

 ;  '       '  i 

'  Deshalb  fürchten  wir  auch  nicht,  dass  diess  Be- 
ginnen eine  Blasphemie  genannt  werden  dürfte,  weil 
nur  der  Geist  der  Verehrung  gegen  diesen  Genius 
uns  in  dieser  nähern  Beleuchtung  seiner  an  wahrer 
Schönheit  reichen  Werke,  einzig  leiten  und  bestim- 
men wird.  Auch  ist  das  Jahrhundert  so  ziemlich 
inne  geworden,  was  es  an  dem  unter  uns  fortleben- 
den Geiste  Mozart's  besitzt,  und  daher  erklärt  sich 
das  immerwährende  Zurückkehren  der  Freunde  an 
Ciaviermusik  zu  den  Werken  dieses  Künstlers.  Eine 
solche  Analyse  wird  künftig  Kanne  uns  schenken. 


.Instrumentalmusik. 
*  <  i 
Mozart's  frühere  Instrumentalstücke  sind  mei- 
stens in  Salzburg  oder  auf  seinen  Reisen  bis  ±7Si 
verfertigt,  ehe  Wien  auf  seinen  Genius  seine  grosse 
und  vortheühafte  Wirkung  machte;  denn  Frankreich 
und  Italien  hatten  damals  weit  weniger  in  diesem 
Betrachte  gewirkt;  Wien  aber  später  sehr  rieh  Diese 
Stücke  sind  nun  meistens  in  Pichl's  Geschmack  und 
Weise,  so  weit  nämlich  ein  genialer  Mensch  die 
Weise  und  den  Geschmack  eines  andern  annimmt. 
Sie  sind  einfach,  lebhaft,  melödiös,  klar,  fast  durch- 
gängig sehr  gut  verbunden  und  auch  sehon  mit  un- 
verkennbaren, wenn  gleich  noch  flüchtigen  Spuren 
des  Sinnes  und  der  Neigung  für  tiefere  contrapunc- 
tische  Combination  und  Ausarbeitung.  Manche  Lee- 
ren, die  wohl  erst  seit  jener  Zeit  geworden,  kann 
*  man  wohl  hingehen  lassen.    Auszuführen  ist  Alles 
leicht  und  in  den  wenigen  Blasinstrumenten  sogar 
kinderleicht« 


Ulylllzeu 


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150 


Es  giebt  eine  Lehrlingsepoche,  flie  jedes  Genie 
durch  wand  ein  muss.    Denn  es  liegt  in  der  Natur 
des  menschlichen  Gemüths,  das  von  dem  Einzelnen 
zur  Zusammenstellung  des  Ganzen  fortschreitet,  dass 
es  erst  Theile  auffassen  muss,  um  zum  Ganzen  einer 
Vorstellung  zu  kommen,  und  das  Genie  sowohl  als 
der  bloss 1  mechanische  Kopf  gehen  im  Anfange  ihrer 
Laufbahn  von  einem  Puncte  aus,  arbeiten  nach  den- 
selben Regeln.    In  der  Folge  erst,  wenn  es  seine 
Kräfte  an  einzelnen  Schöpfungen  nach  schon  vornan— 
denen  Formen  geübt  und  geprüft,  schreitet  es  zur 
Schöpfung  einer  heuen  allgemeinen  Form.  AucR 
diese  Schöpfung  hat  aber  auch  ihre  Periode,  in  der 
sie  reifen  und  zeitigen  muss,  ehe  die  classische  fol- 
gen kann.    So  sind  nun  Mozart's  frühere  Arbeiten 
aus  seiner  Lehrlingsperiode  noch  Nachahmungen  von 
vorhandenen  Formen  und  nichts  weniger  als  classisch. 
Da,  wo  die  Periode  der  beginnenden  Steifheit  all- 
mählig  eintritt,  erscheint  auch  die  Originalität  kräf- 
tiger, und  wenn  man  seinem  Geiste  vom  ersten  Pro- 
duete  bis  zum  letzten  chronolgisch  nachschleicht,  wird 
die  allmählige  Ausbildung  und  Progression  seines  Ge- 
nius klar,  und  selbst  wie  sich  seine  Form  nach  und 
nach  in  sich  selbst  und  der  innern  Vollendung  nähert, 
ans  der  die  neueren  Producle  natürlich  immer  rei- 
ner, reifer  und  vollendeter  hervorgehen  mussten. 
Hierbey  drängt  sich  einem  unwillkürlich  die  Frage 
auf:  Wie  hat  Mozart  das  vorhandene  benutzt,  und 
wer  hat  vor  ihm  so  benutzt,  wie  er? 
Die  reine 

ren  Text  selbst,  und  in  ihr  wird  ein  Thema  so  entr- 
wickelt,  bestätigt,  variirt  und  conlrastirt,  wie  der 


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1.5/ 

■ 

Gegenstand  der  Meditation  in  einer  philosophischen 
Ideenreihe.  Begleitend  ist  sie  das  Meer  und  die  Luft, 
worin  die  Menschenslimme  schwimmt  und  ihre'Fittige 
achlägt«  Für  die  Poesie  ist  sie  das,  was  die  Lebhaf-  . 
tigkeit  des  Colorits  für  eine  gut  entworfene  Zeich- 
nung oder  der  belebte  Contrast  des  Lichts  und  Schat- 
tens für  die  Figuren  ist.  Dem  Genie  sagt  die  In- 
strumentalmusik am  mehrsten  zu,  und  es  gehört  zu 
ihr  unstreitig  mehr  Erfindungskraft  und  Phantasie 
als  zur  Singcomposition.  Daher  vermögen  Hunderte 
Verse  von  Texten  leidlich  zu  componiren,  da  kaum 
einer  von  ihnen  im  Stande  ist,  ein  erträgliches  In- 
strumentalstück zu  machen.  Es  steht  sicher  anzu- 
nehmen, dass  Mozart  und  auch  Haydn  ihre  Namen 
als  musikalische  Genie's  mehr  durch  ihre  Instrumen- 
tal- als  durch  ihre  Singsachen  befestigt  haben  5  we- 
nigstens haben  gewiss  jene  zur  Ausbreitung  ihres 
Namens  am  meisten  beygetragen. 

Mozart,  der  effectuirendste  aller  Orchestercom- 
ponisten,  hatte  aber  auch  unverkennbar  vieles  den 
ausübenden  Meistern  auf  Bogeninstrumenten  abge- 
lauscht: und  es  ist  bekannt,  dass  selbst  die  Men- 
schenstimme durch  nichts  so  sehr  gehoben  und  ge- 
tragen wird,'  als  durch  die  moderne  und  namentlich 
die  Mozart'sche  Instrumentation  der  Bogeninstrumente. 

So  sehr  nun  auch  in  dieser  Art  Mozart  Muster 
ist,  so  legen  es  doch  seine  Nachahmer  zu  häufig  auf 
Fülle  und  Ueberfulle,  auf  stürmende,  wohl  auch 
scharf  einschneidende,  leidenschaftlich  fortreissende 
Kraft,  hartnäckig  kunstvolle  Verwebung  und  Aus- 
führung an:  es  entgeht  ihnen  nämlich,  dass  Mozart 
bey  aller  Fülle  klar  und  folgerecht  bleibt,  dass  er 


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« 


i52 

seine  leidenschaftlich  gesteigerte  Kraft  stets  durch 
edle  würdioc  Mittel,   nie  durch  bloss  Rauschendes 
und  Lärmendes,  ausübt  nnd  geltend  macht:  dass  er 
seinen  kunstvollen  Ausführungen  stets  eigentüm- 
liche,   fassliche   und  ausdrucksvolle  Melodieen  zu 
Grunde  legt,  bey  denen  lange  zu  verweilen  der 
Mühe  werth  ist  —  Melodieen,  die  das  Gemüth  des 
Zuhörers  sogleich  ansprechen  und  es  diesem  damit 
erleichternden  Meister  durch  alle  seine  Details  zu 
folgen*    Ihre  .Empfindungen  sagen  oft  an  sich  und. 
vor  ihrer  Ausarbeitung  zu  wenig  aus  und  sprechen 
das  Gemüth  nicht  an,  oder  auch,  sie  sind  oft  nicht 
eigentlich  die  ihrigen:  sie  sind  nicht  um  diese  sorg- 
sam genug  und  übereilen  sich:  ihre  gründliche  in 
ihren  Combinationen  nicht  selten  bewundernswerthe 
Ausführung  verdunkeln  sie  durch  immerfort  ange- 
häufte Instrumente ,  so  dass  man  ihnen  nur  mit  an- 
gestrengtem Verstände,  mithin  nur  einseitig  folgen 
kann :  dadurch ,  dass  sie  von  einer  ergriffenen  Figur 
gar  nicht  ablassen,  so  lange  sie  sich  nur  etwas  dar- 
über aussinnen  können,  dehnen  sie  ihre  Stücke  zu 
lang  aus  und  ermüden  auch  den  aufmerksamsten  Zu- 
hörer.   So  machte  es  Mozart  nicht.    Seine  Erfin- 

• 

düngen  sind  schon  an  sich  bedeutend,  ansprechend 
und  ganz  sein  eigen:  seine  reiche  Instrument  innig 
ist  so  gestellt  und  gearbeitet,  dass  sie  die  Hauptideen 
nicht  aus  einander  treibt,  sondern  nur  um  so  enger 
zusammen  hält,  durch  den  Wechsel  der  Instrumente 
sie  auch  um  so  angenehmer  und  klarer  hervortreten 
lässt.  Endlich  weiss  er  auch  überall  mit  der  Aus- 
führung einzelner  Theile  wie  mit  dem  Ganzen  sei- 
ner Sätze  zu  rechter  Zeit  aufzuhören. 

i 


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Mozart's  Instrumentalaachen,  insonderheit  Beine 
Quartetten  und  Quintetten  haben  gewiss  zur  Allge- 
meinheit seines  Ruhms  mehr  beygetragen,  als  Viele 
denken  mögen.     Ein  Tonkünstler  kann  in  dieser. 
Gattung  am  mehrsten  Genie  zeigen;  denn  nicht  nur 
muss  er  hier  ganz  allein  erfinden  und  sich  selber 
allen  Stoff  geben,  sondern  er  ist  auch  einzig  und 
allein  auf  die  Sprache  der  Töne  eingeschränkt*  Seine: 
Gedanken  haben  ihre  Bestimmtheit  in  sich  selber' 
ohne  von  der  Poesie  unterstützt  zu  seyn.   Bey  Nie- 
,  mandem  unter  den  neueren  Deutschen,  ausser  Haydn, r 
lässt  sich  die  Superiorität  des  musikalischen  Genies 

i 

so  sicher  aus  Instrumentalarbeiten  deduciren,  als  aus 
den  Mozart'schen,  und  daher  haben  sie  auch  so  vie- 
len Werth  und  bestimmten  Einfluss  auf  Gefühl  und 
Urtheil  der  musikalischen  Welt  gehabt« 

Mozart  handhabte  mit  Leichtigkeit  grosse  con- 
trapunctische  Kunst.  Mit  Leichtigkeit!  Das  ist  der 
Probirstein  der  Vortrefflichkeit;  denn  man  kann  baltf 
ein  Thema  linden,  welches  alle  contrapunctischen 
Versetzungen  zu  lässt,  ohne  dass  es  gerade  desshalb 
ein  Gegenstand  der  Kunst,  ein  Bild  der  Schönheit 
genannt  werden  kann.  Den  Fluss  der  Rede  muss  es 
in  seinen  Wellen  spielend  mit  sich  tragen  und  in  so 
natürlicher  Ungezwungenheit  vorüber  schweben  las-, 
sen,  dass  die  Seele  des  Spielers  unwillkürlich  sich 
hingezogen  fühlt,  diese  interessante  Wendung  noch 
ein  Mal  zurückzurufen,  um  bey  näherer  Beschauung 
den  innern  organischen  Bau  naher  zu  betrachten.; 
Bey  Mozart  ist  aber  eben  diess  immer  der  Fall,  denn  , 
sein  Geist  schwebt  stets  in  den  Regionen  der  Har- 
monie und  Melodie  mit  hoher  Besonnenheit  und  ge- 

* 


* 


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<54 


nialer  Freyheit  und  dem  ersten  Anscheine  nach  mit 
solcher  Un Gebundenheit  dass  die  technisch«  inn^r^ 
Vollendung  des  Werkes  erst  bey  genauerer  Beschau- 
ung dem  Kenner  sichtbar  wird,  und  er  die 


$ t  volle  Schönheiten  hinzuzaubern  wusste,  zu  he-  ' 
gezwungen  wird.  —  Die  Steifheit  und  Ge- 
zwungenheit ist  der  Tod  der  Kunst,  besonders  der 
Tonkunst,  wo  alle  Form  in  höchster  Bewegung,  alle 
Farben  im  höchsten  Glänze  und  Wechsel  und  alle 
mannigfaltigen  Reize  im  höchsten  Einklänge  seyn 
müssen.  Also  geht  daraus  hervor,  dass  bey  Mozart 
die  Nothwendigkeit  mit  der  Freyheit  durch  Einheit 
verbunden  war. 

Mozart's  Quartetten  und  Quintetten  sind  eine 
wahre  Zierde  ihres  Geschlechts.  Selbst  Haydn's  Quar- 
tetten entgeht  die  Rundung,  die  bey  Mozart,  mit 
der  ernsten  Regel  des  Quadrosatzes  gepaart,  anmu- 
thig  den  Hörer  -  erfreut.  Nur  beym  Studium  und 
fleißigem  Zuhören  lassen  sich  diese  Schönheiten  füh- 
len und  durch's  Gefühl  erklaren;  die  Wortsprache 
ist  hierzu  nicht  hinreichend.-  Sie  sind  mit  dem  Feuer 
der  Einbildungskraft  und  mit  Correctheit  geschrieben. 
Selbst  die  Menuetten  darin  sind  mit  seltenem  Fleisse 
gesetzt  und  mit  seltener  canonischer  Nachahmung  ge- 
arbeitet*  öie  zeicnnen  sicn  sammtucn  aurcii  Heiter- 
keit, frohe  Beweglichkeit  und  Jugendkraft  vor  ihres 
Gleichen  aus.  —  Man  kann  sagen,  Mozart's  Quar- 
tetten und  Quintetten,  mit  und  ohne  Ciavier,  sind  fast 
ohne  Ausnahme  höchst  bedeutend,  von  festem  Cha- 
rakter, hoch  gedacht,  tief  gefühlt,  unerschütterlich 
gehalten,   oft  wahrhaft  leidenschaftlich.     In  diesen 


uigiiizeo 


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* 

» 


Zirkel,  geht  sein  Geist  in  seltener  fremdartiger  Weise 
gross  und  erhaben  einher,  wie  eine  Erscheinung  aus 
einer  andern  Welt;  und  schmilzt  er  auf  Momente 
in  Wehmuth  dahin,  oder  tändelt  in  fröhlicher  Lau* 

y  (Sind.  03  0IV9^  ^S^t^^m u t ^5 y  n^icia-  d  t^ncn  ^51* ^  ^vüi 
es  auch  nur  auf  Momente,  sich  wieder  aufreisst  in 
kühner,  zuweilen  wilder  Kraft,  oder  sich  windet  in 
bitterm,  schneidendem  Schmerz,  der  dann  nach  dem 
Siege  zu  triumphiren  oder  im  Kampfe  zu  ersterben 
scheint.  Damit  man  diess  nicht  für  Schwärmerey 
halte,  sondern  gleich  in  Einem  beysammen  finde,  so 
rauss  man  sie  fleissig  studiren  oder  sie  mit  Aufmerk- 
samkeit und  wiederholt  hören« 

Wenn  man  ein  Mozart'sches  oder  auch  ein  Haydn'- 
sches  Quartett  hört,  klaubt  man  einer  Unterhaltunfir 
von  vier  geistreichen  Personen  beyzuwohnen.  Die 
erste  Violine  ist  ein  liebenswürdiger  junger  Mann, 
der  zu  reden  weiss,  und  daher  die  von  ihm  in  An- 
regung gebrachten  Ideen  am  lebhaftesten  auseinander 
setzt.  Die  zweyte  Violine  ist  sein  Freund,  der  gern 
im  Schatten  steht,  wenn  er  nur  dem  erstem  ein 
paar  Nebengedanken  geben,  oder  durch  seine  Bey- 
stimmuiig  den  Hauptgedanken  jenes  grösseres  Ge- 
wicht verleihen  kann.  Als  recht  gelehrter,  weisheits- 
voller, aber  nicht  redseliger  Mann  tritt  der  Bass  auf« 
Was  die  erste  Violine  sagt,  bekräftigt  er  mit  ein 
oder  zwey  Worten,  manchmal  deutet  er  auch  eben 
so  lakonisch  an.  was  die  erste  Violine  schon  von 
!  selbst  gebracht  haben  würde,  und  übrigens  hält  er 
noch  hübsch  darauf,  dass  die  Ideen  nicht  zu  weit 
ausweichen,  hübsch  in  der  Association  bleiben  und 


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keine  Sprunge  machen.  Die  Viole  ist  eine  etwas 
geschwätzige  Alte;  viel  Bedeutendes  hat  sie  nicht 
zu  sagen.  Aber  sie  giebt  doch  gern  ihr  Wörtchen 
freundlich  und  redselig  dazu,  und  füllt  auch  wohl 
eine  kleine  Pause  aus,  wo  die  anderen  Leutchen  Athem 
schöpfen  wollen.  Uebrigens  halt  sie  es,  weil  sie 
schon  in  den  Jahren  vorgerückt  ist,  doch  mehr  mit 
dem  weisen,  ernsten  Basse,  als  mit  den  Violinen, 
die  nur  allein  das  Wort  führen  wollen.  Viele  neuere 
Quartetten  unterscheiden  sich  von  den  genannten  da- 
durch ,  dass  die  erste  Violine  allein  das  Wort  führt, 
und  die  anderen  Instrumente  Ja,  ja,  ja  dazu  sagen. 

•  Mozart's  Tafel-  und  Nacht- Musiben  (Harmo- 
nieen)  bezaubern  auch  das  minder  fühlende  Herz. 
Die  Nachtmusik  für  13  Instrumente  ist  von  ausser- 
ordentlicher Schönheit  und  unbeschreiblichem  Ein- 
drucke. 

Die  grossen  Symphonieen  sind  diejenige  musika- 
lische Gattung,  in  welcher  sich  das  Genie  am  frey- 
sten  und  verwegensten  bewegen  darf,  wo  es  allge- 
meiner wirkt,  wo  es  alles  musikalische  Zubehör  als 
Mittel  zu  seinem  Zweck  aufbieten  kann;  —  eine 
Gattung,  von  welcher  sich  also  in  Instrumentalmusik, 
wie  vom  Chor  im  Gesänge,  behaupten  lässt,  dass  sie 
am  sichersten  den  Künstler  selbst  darstelle.  Mozart's 
Symphonieen  (hier  ist  nur  von  denen  aus  reiferen 
Jahren  die  Rede)  sind  an  Tendenz  und  Geist  den 
Quartetten  ähnlich,  nur  noch  freyer,  kühner,  rei- 
cher, energischer,  aber  auch  hin  und  wieder  noch 
wilder,  schneidender,  drückender,  so  dass  der  Geist 
des  Künstlers  zuweilen  mehr  die  Gährung,  als  das 
durch  Gährung  Abgeklärte,  mehr  die  aus  dem  Chaos 


Uigitizeci  py 


G( 


1 


157 

sich  selbst  gebahrende,  als  die  aus  ihm  neu  gebome 
Schöpfung  giebt.  Der  ordnende  und  geordnete  Ver* 
stand  dürfte  sie  also,  mit  Einwendung  des  erst  hin- 
gerissenen, aber  mit  Einstimmung  des  dann  gerühr* 
ten  Gefühls,  in  Ansehung  des  reinen  Kunstwerthei 
den  schönsten  Quartetten  Mozart's  nachsetzen ,  und 
hier  Haydn'die  Palme  reichen.  «  :  » »«» 

Seine  grosse  Symphonie  Cfl  mit  der  Schlussfuge 
ist  wohl  die  erste  aller  Symphonieen.  In  keinem 
W erke  dieser  Art  glänzt  der  göttliche  Funke  des 
<Jenie's  heller  und  schöner.  Alles  ist  himmlische* 
Wohllaut,  dessen  Klang  wie  eine  grosse  herrlicto 
That  zum  Herzen  spricht  und  es  begeistert,  Alles 
die  erhabenste  Kunst,  vor  deren  Gewalt  der  Geist 
sich  beugt  und  staunt*  ■  i»  '  »i*t'*«»      •  *\ 

In  ßezug  auf  seine  Symphonie  aus  f;  h  kann  matt 
sagen:  wie  viele  von  allen  seit  dieser  Mozart-schen 
geschriebenen  Symphonieen  möchten  wohl,  also 
gleichsam  entkleidet  —  gleich  lebhaft  ■colorirteu  Ge-> 
mälden,  auf  eine  einfarbige  Zeichnung  zurückgeführt 
—  auch  nur  halb  so  viel  für  Einsicht,  Empfindung 
und  Geschmack  darbieten?  —  Die  in  2£sfl  hat  ein 
an  sich  unbedeutendes  Thema,  welches' aber  auf  eine 
bewundernswürdig  kunstreiche  und  angenehme  Weise 
durchgeführt  ist.  '  .       •    V  '  " 

Im  Ganzen  genommen  sind  die  Mozart'schen 
Symphonieen  Kernwerke,  die  einen  dauerhaften  Ge~ 
nuss  verschaffen,    und  die  man  von  Zeit  zu  Zeit 

0 

wiederholen  kann,  ohne  ermüdet  zu  werden.  Wie 
herrlich  belohnt  wird  man  für  das,  bey  einigen' vor- 
züglich schwere,  Einstudiren,  wenn  man  endlich  die 
Schwierigkeiten  glücklich  überwunden  hat,  und  dann 


158 


die  einzelnen  Schönheiten 
und/ bemerkbar  werden! 

Die  grosse  Orchester- Symphonie  ist  dnrch 
zart  und  Haydn  auf  einen  Gipfel  geh« 
von  welchem  unsere  Vorfahren  sich  nicht  träumen 
Hessen,  und  wofür  auch  jetzt  noch  selbst  Nationen, 
wie  die  Italiener,,  keinen  oder  sehr  wenig  Sinn  ha- 
ben« —  Sie  ist  seit  Mozart  und  Haydn  verlassen !  — 

Zartheit,  Kraft  und  Tiefe  ?  Wer  kann  ihnen  folgen, 
wie  Beethoven,  der  ihnen  aber  bisher  (1803)  nur 
Ein  Mal  hat  folgen  wollen? 

Die  Instrumental -Musik  der  Deutschen  auf  ihrer 
wundervollen  Bahn,  wie  sieh  dieselbe  vorzuglich  in 
den  Symphonieen  der  drey  grössten  Meister  dieses 
der  Tonkunst  entfaltet  hat,  möchte  man 
der  Sonnenbahn  vergleichen.  Haydn  als  den 
Morgen*  Bey  Mozart  sind  alle  Hoffnungen,  die  uns 
jener  Morgen  verkündete,  in  Erfüllung  gegangen«  In 
voller  Majestät  prangt  die  Sonne  im  Zenith  und 
giesst,  ein  Feuerineetf,  ihre  erwärmenden  leuchten- 
den Strahlen  über  dio  Welt*  Zum  Westen  scheint 
sie  geneigt  bey  Beethoven. 

Haydn,  Mozart  und  Beethoven  in  Sonaten  und 
Symphonieen.   Die  Symphonie  war  auf  dieser  Stufe 
Sonate  für  Orchester.   Doch  schon  bey  dieser 


Symphonie  Eigentümliche.  —  Daher  erhielt  die 
Symphonie  im  Ganzen  statt  des  freyen  und  äusser- 

Sonate  einen  gehaltenem,  grossartigem  Gang,  und  tie- 
Inhalt,  die  Melodieen  gestalteten 


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159 

i 

bedeutender,  die  Harmonie  wurde  reicher  und 
kunstvoller,  die  Modulation  kühner,  die  Stimmfüh- 
rung war  nicht  durch  die  geringen  Mittel  eine«  oder 
weniger  Ausfuhrenden  gefesselt 5  contrapunc tische 
Verschlingung,  ja  die  Form  der  eigentlichen  Fuge 
treten  auch  in  der  neuern  Form  der  Instrumental- 
Compositionen  freyer  in  das  Leben.  In  der  Instru- 
mentation wurden  vor  allem  die  Kräfte  der  verschie- 
denen Instrumente  und  in  mehrem  oder  minderm 
Grade  ihre  Eigentümlichkeit  beachtet  $  die  Saiten- 
instrumente galten  als  Hauptstimmen  r  deren  sich  die 
Blasinstrumente  meist  als  Verstärkung  und  Ausfiil- 
lung  zugesellten,  und  so  oft  auch  namentlich  Mo- 
Ausnahme  des  hier  Behaupteten)  einigen 
menten  Solo's  übertrog,  so  wenig  ist  doch 
selbst  von  diesen  Stellen  zu  verkennen,  dass  den 
Bläsern  im  Ganzen  nur  eine  zweyte  Rolle  zuer- 
theilt  war. 

Man  muss  diesen  Symphonieen  in  Rücksicht  auf 
ihre  geistige  Bedeutung  und  auf  die  Natur  des  Ein- 
druckes, den  sie  hinterlassen,  eine  rein  lyrische  Ten- 
denz zuschreiben»  Dieselbe  Gefühlsanregung,  die 
von  einzelnen  ausgesprochen,  oder  von  einer  Masse 
ausgesprochen  Hymne  wird,  gestaltet  sich  in  der 
Musik  nach  Art  der  Ode  zur  Sonate,  und  nach  Art 
der  Hymne  zur  Symphonie.  Diess  ist  es,  was  Mo- 
zart in  seinen  Symphonieen  niedergelegt,  was  er 
Vollendung  gebracht  hat;  und  wer  hätte 
mocht,  als  er,  dessen  Geist,  dessen  ganze  Natur  sich 
in  die  musikalische  Empfindung  .aufgelöst  hatte?  Wir 
weisen  auf  seine  Symphonie  G  b  zurück ,  die  durch- 
gängig den  Ausdruck  einer  unstäten, 


.'denschaft,  eines  Ringens  und  Kämpfens  gegen  mäch- 
tig eindringende  Unruhe  zeigt;  auf  die  aus  jFs  |,  in 
der  die  Sprache  weicher,   nicht  Thränen —  aber 

auch  nicht  trostloser,  vielmehr  von  manchem  himin- 

*  *  i 

lischen  HofFnungsstrahle  durchleuchteter  Sehnsucht 
herrscht«    .  I  ••     •*  •.!.  11  \\ 

.-K-i.-Sb  gleichartig  in  dem  bisher  Angefahrten  die 
.Symphonieen  Haydn's','  des  Vorgängers  Mozart's ,  der 
Jlaup&ache  nach,  Mozart'schen  sind|  ist  in 
jenen  doch  noch  «ine  Beimischung,  die  bey  Mozart 
'durchaus  fehlu  Es  scheint,  es  hätte  seine  Empfin- 
dung/ besonders  die  kindliche,  ungetrübte  Freude, 
uliW  sd  oft  selbst  nner wartet  bey  ihm  hervorbricht, 
«ich  öfters  bestimmter  äusserer  Gegenstände  bemäch- 
tigt und  ihre  Darstellung  in  den  Ausdruck  des  Ge- 
fühls selbst  gemischt.  Wer  mit  Empfänglichkeit  z.  B. 
das  Scherzo  der  C h  Symphonie i  anhört,  dem  muss 
neben,  fast  vor  dem  allgemeinen  Ausdruck  der  Fröh- 
lichkeit eine  ländliche  Scene,  ein  ländlicher  lustiger 
&eigen.I*u  der  dörflichen  Weise  des  Violoncells  auf- 
gehen ,  und  selbst  des  ausgelassenen  Juchhe!  ist  in 
<len  Violinen  nicht  vergessen.  —  Diess  sind  die 
.Grundzüge  der  Leistungen  im  Symphonieenfache  vor 
Beethoven. 

Beethoven  begann  im  Sonaten-  und  Sympho- 
nieenfache auf  der  Mozart'schen  Stufe:  seine  ersten 
Ergüsse  sind  lyrisch.  Wenn  sich  in  ihnen  die  Em- 
pfindung oft  bestimmter,  oft  inniger  aussprach,  wenn 
auch  als  Nachklang  der -Haydn'schen  Schule,  man- 
cher Moment  frischer  und  heller  hervorglänzte,  als 
bey  dem  weichern  Mozart,  wenn  sich  endlich  auch 
eine  grössere,  tiefer  begründete  Einheit  in  Beetho- 


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vcns  Compositionen  kund  gab,  so  war  doch  der  Grund- 
gedanke derselbe.  —   In  diese  Periode  gehören  vor 
allen  seine  CJt  und  Z>ft  Syrnphonieen;   erstere  ge- 
radehin Mozartiscb  zu  nennen,  letzere  in  ähnlichem 
Geiste  geschrieben,  aber  gross  erausgebildet  und  dess- 
wegen  schon  dem  Umfange  nach  über  die  Mozart'- 
«che  Symphonie  hinausgehend.    In  Beethoven  ist, 
nach  Mozart,  der  grösste  Fortschritt  der  Kunst  sicht- 
bar geworden.  —  Aus  der  unbestimmtem  Lyrik  der 
Mozart'schen  Syrnphonieen  ging  zunächst  Beethovens 
Ch  Sympliouie  hervor,  noch  der  Lyrik  angehörend, 
allein  nicht  ein  Gefühl,  sondern  eine  Folge  an  See- 
lenzuständen  mit  tiefer  psychologischer  Wahrheit 
darlegend.  —  Diese  Symphonie  ist  als  die  erste  Er- 
hebung über  den  Mozart'schen  Stand punct  anzusehen* 
Die  eigentliche  Bedeutung,  der  Charakter  und  die 
Fälligkeit  der  verschiedenen  Instrumente  gingen  dem 
unermüäet  vorwärts  strebenden  Meister  immer  klä- 
rer auf.    Bald  waren  sie  ihm  nicht  mehr  todte  Mit- 
tel.   Sie  traten  in  voller  festgezeichneter  Persönlich- 
keit vor  ihn,  und  das  Orchester  ward  ihm  ein  be- 
lebter, in  dramatischer  Thätigkeit  begriffener  Chor. 
Aber  jene  ersteren  Tendenzen  wurden  nicht  aufgege- 
ben, sondern  nun  vereinigte  sich  Alles  in  psycholo- 
gische Entwickelung ,  geknüpft  an  eine  Folge  äusse- 
rer Zustände,  dargestellt  in  einer  durchaus  dramati- 
schen Thätigkeit  der  das  Orchester  bildenden  Instru- 
mente. —  Und  diess  ist  der  höchste  Standpunct,  der 
in  der  Ausbildung  der  Symphonie  erreicht  worden  ist. 

•  4 

■ 

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1f>2 

Kirchen  -  Compositiönen. 

Die  Kirchenmusiken,  die  Mozart  in  seinen  frü- 
heren Jahren  setzte,  ehe  er  auf  Reisen  seine  hohe 
Schule  machte,  sind  zwar  angenehm,  zum  Theil  gar 
nicht  unbedeutend,  aber  dennoch  keine  Kirchenmusik  5 
später  arbeitete  er  weniger  in  diesem  Fache,  aber 
auch  zweckmässiger,  und  zuletzt  sein  himmlisches 
Requiem.  ♦ 

Bey  aller  Verschiedenheit  in  der  Erfindung  ha- 
ben sie  sämmtüch  eine  unverkennbare  Familienähn- 
lichkeit im  .Gesehmacke ,  Styl  und  gewissen  Zufällig- 
keiten. In  dieser  Hinsicht  entwickeln  sie  sich  aüs  der 
damaligen  Zeit,  aus  dem  örtlichen  Geschmacke  vor- 
züglich des  ErzbischoPs  Colloredo,  der  auch  darin 
schlechterdings  seinen  Willen  haben  wollte  und  von 
dem  Mozart  damals  noch  eine  Versorgung  hoffte, 
und  aus  den  beschränkten  Mitteln ,  die  dem  Compo- 
nisten  zu  Dienste  standen.  Mozart's  Vater,  ein  gründ- 
licher Kirchen  -  Componist,  der  aber  nichts  wollte, 
als  in  und  mit  seiner  Zeit  achtbar  einherschreiten, 
hatte  den  Sohn  frühzeitig  auch  für  diess  Fach  gleich- 
falls gründlich  erzogen.  Aber  die  Jahre,  häussliches 
Leiden  und  eine  gewisse  Art  und  Gewohnheit  sei- 
nes Herrn,  nach  welcher  derselbe  nur  das  Fremde 
hoch  hielt,  das  Heimische  gleichgültig  behandelte,  wie 
damals  noch  viele  deutsche  Fürsten,  dabey  auch  von 
den  Seinen  Viel  verlangte  und  sie  so  schlecht  als 
möglich  besoldete  —  diess  vereinigt  hatte  den  Vater 
Mozart  endlich  ermüdet.  Er  schrieb  Nichts  mehr 
uud  zog  sich  bloss  auf  seine  amtliche  Pflicht  zurück. 
Mozart,  der  Sohn,  voll  Liebe  und  Begeisterung  für 


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I 


163 

0 

seine  Kunst,  ertrug  das  nicht;  wiewohl  noch  ein 
Jüngling,  seiner  Kräfte  sich  bewusst,  vorzüglich  durch 
seine  früheren  Reisen  und  die  Aufnahme  seiner  Ar- 
beiten in  Italien  und  Frankreich,  überdiess  hinge- 
halten in  der  Hoffnung,  dem  Vater  mit  einigem 
Gehalte  an  die  Seite  gestellt  zu  werden  —  griff  ein 
als  Componist  und  Director.  Da  er  aber  am  Orte 
fast  nur  Kirchenmusik  zu  öffentlichem  Gehör,  we- 
nigstens nur  zur  Beachtung  seines  Fürsten,  bringen 
konnte,  warf  er  sich  in  diese  und  bequemte  sich  bey 
seinen  Arbeiten  aus  den  angeführten  Rücksichten, 
nach  den  nun,  einmal  entschieden  ausgesprochenen 
Forderungen  und  aus  Nothwendigkeit  nach  den  nun 
einmal  vorhandenen  geringen  Mitteln.  Jene  Forde- 
rungen liefen  auf  Folgendes  hinaus.  Die  Kirchen- 
musik muss  seyn  höchst  populär  (nur  eine  Fuge 
wurde,  gleichsam  Ehrenhalber,  gestattet),  so  kurz 
als  bey  gehöriger  Anwendung  aller  Textesworte  der 
Liturgie  möglich  und  bey  Verwaltung  der  gottes- 
dienstlichen Handlungen  thunlich  (nur  die  Schluss- 
sätze beyder  Haupttheile  der  Missa  durften  und  das 
Benedictus  sollte  länger  ausgeführt  werden)  5  im  Ge- 
schmack und  der  Schreibart  sollte  sie  sich  nicht,  oder 
doch  so  wenig,  als  möglich,  von  dem  entfernen,  was 
man  Gutes  früher  nun  eben  gewohnt  worden  war; 
in  der  Erfindung  und  dem  Ausdrucke  sollte  sie  (in 
den  lebhafteren  Sätzen  nämlich)  so  heiter  und  fröhlich 
seyn  als  die  Worte  und  die  Kirche  irgends  zuzu- 
lassen schienen,  wobey  es  sogar  keinesweges  ungern 
gesehen  ward,  wenn  zuweilen  etwas  vorkam,  das 
fast  lustig  hätte  genannt  werden  dürfen;  und  in  der 
Besetzung  waren  vorzüglich  Trompeten  und  Pauken 

Ii! 


uiyiiizeu 


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164 

nicht  zu  schonen.  Zu  diesen  Forderungen  der  Indi- 
vidualität setzte  nun  die  Notwendigkeit  von  Seiten 
der  sehr  beschränkten  Mittel  zur  Ausfuhrung  noch 
hinzu:  an  den  Sologesang  müssen  äusserst  massige 
Ansprüche  gemacht,  der  Chorgesang  muss  sehr  leicht 
und  wie  von  selbst  dahinfliessend,  die  Orchesterbe- 
gleitung wenigstens  durchaus  nicht  schwer  seyn. 

In  dieser  Weise  nun,  aber  freylich  mit  eigenem 
Geiste,  regsamem  Gefühle  und  vieler  Sicherheit,  le- 
bendig, einfach,  sehr  anmuthig  und  schon  mit  wenig 
geübter  Kunst  schrieb  Mozart  alle  seine  ziemlich 
zahlreichen  Kirchenstücke  in  Salzburg,  bis  ihn  Um- 
stände wegführten. 

Hierher  gehören  aber  nicht,  wiewohl  gleichfalls 
aus  ziemlich  frühen  Jahren,  seine  vortreffliche  Lita- 
uey  und  die  in  ihren  Hauptsätzen  dieser  gleichzu- 
stellende Missa  jPK,  und  auch  eine  spätere  grosse 
Missa  von  ihm  aus  €,  aus  welcher  Mozart  später 
mehre  Hauptstücke  zu  seinem  Dcwidde  penitente  be- 
nutzte, die  noch  nicht  gedruckt  und  vielleicht  gar 
nicht  mehr  vorhanden  ist.  Zwey  grosse  Messen  im 
ächten  Kirchenstyle  sind  aus  seinen  reiferen  Jalrren. 

Auf  diese  Weise  muss  dem  grossen  Manne  von 
der  urtheilenden  Nachwelt  auch  in  dieser  Hinsicht 
sein  Recht  wiederfahren.  Denn  es  ist  schon  gesche- 
hen, dass  mau  auch  in  diesen  Stücken  einen  Kirchen- 
styl,  etwa  wie  in  seinem  Requiem,  gesucht,  und, 
da  man  diesen  im  geringsten  nicht  gefunden,  gegen 
diese  Stücke  nicht  nur,  sondern  selbst  gegen  den 
Meister  achselzuckend  abgesprochen  hat. 

ßey  einer  Gelegenheit  wird  in  der  Leipz.  allg. 
mus.  Zeitung  über  den  schädlichen  Einfluss  des  Opern- 


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styls  auf  Kirchenmusik  geklagt,  wo  es  unter  anderin 
heisst:  „TrefFliches  enthalten  die  Messen  von  Mo- 
zart: aber  Iiis  non  est  hic  locus"  —  MozartV Le- 
ben war  zu  kürz.  Die  kleinen  Messen,  welche  er 
für  seinen  Erzbischof  schreiben  musste,  konnten  ihn 
nicht  begeistern.  In  Wien  hatte  er  mit  anderen  Din- 
gen zu  tliun.  Er  musste  leben.  Bis  zum  Kapellmei- 
ster brachte  er  es  kaum.    Als  er  in  München  Ido- 

• 

meneo  schrieb,  dachte  er  vielleicht  dort  an  Anstel- 
lung.  Für  einen  Gehalt  von  500  fl.  war'  er  geblie- 
ben. Aber  alle  Plätze  waren  besetzt.  Es  erging  ihm 
wie  dem  Schiller'schen  Poeten  bey  der  Theihmg  der 
Erde.  In  seinem  Requiem  erscheint  der  grosse  Mann, 
von  welchem  eine  Reform  der  Kirchenmusik  hätte 
ausgehen  können.    Es  war  aber  zu  spät. 

Rochlitz  sagt:  Aus  Mozart's  Requiem  sieht  man, 
dass  Mozart,  wie  so  mancher  grosse  Mann,  Zeit  sei- 
nes Lebens  nicht  an  seinem  Platze  war.  Er  war  der 
Mann,  die  gesunkene  religiöse  Musik  dahin  zu  er- 
heben, wohin  sie  gehört  —  auf  den  Thron  über  alle 
Musik.   In  diesem  Fache  war'  er  der  erste  Künstler 
der  Welt  geworden:  denn  diess  sein  letztes  Werk 
gehört  schon,  nach  dem  einstimmigen  Urtheile  aller 
Kenner,  selbst  derer,  die  sonst  nicht  Mozart's  Freunde 
sind,  unter  das  Vollendetste,  was  die  neueste  Kunst 
aufzuweisen  hat.   Die  vorhandenen  Messen  von  ihm 
sind  meistens  frühe  Arbeiten,  die  er  wohl  grossen- 
theils  mit  Recht  lieber  vergessen  wissen  wollte. 

Selbst  der  gewaltige  Mozart  erhielt  sich  (so  we- 
nig als  Jos.  Haydn)  rein  von  der  ansteckenden  Seuche 
des  weltlichen  prunkenden  Leichtsinns,  der  in  der 
letzten  Hälfte  des  löten  Jahrhunderts  in  die  Kirchen- 


uigiiizeo 


musik  eingedrungen  war.  Die  Messen,  die  er  aber 
nach  vorgeschriebener  Norm  componirte,  sind  bey- 
nahe  seine  schwächsten  Werke,  Er  hat  indessen  in. 
Einem  Kirchenwerke  sein  Inneres!  aufgeschlossen. 
Und  wer  wird  nicht  von  der  glühendsten  Andacht, 
von  der  heiligsten  Verzückung  ergriffen,  die  daraus 
hervorstralt?  Sein  Requiem  ist  wohl  das  Höchste, 
was  die  neueste  Zeit  für  den  kirchlichen  Cultus  auf- 
zuweisen hat. 

Unter  seinen  älteren  Kirchenmusiken  ist  die  Messe 
in  F$y  welche  in  Paris  bey  Porro  langst  erschienen 
ist,  aber  in  Deutschland  wenig  bekannt  geworden  zu 
seyn  scheint,  nach  dem  Requiem,  mit  seine  bedeu- 
tendste Compositum  in  diesem  Fache,  und  kann  den 
Freunden  eines  fliessenden  und  doch  gründlichen 
Kirchenstyls  nicht  genug  empfohlen  werden. 

In  gleichem  Maasse,  wie  Mozart,  wie  er  gleich 
seinen  Gesangmusiken,  nach  und  nach  freyeres  Feld 
gewinnt,  sich  mehrer  Mittel  bemächtigen,  sich  mehr 
ausbreiten  darf,  werden  seine  Arbeiten  für  den  Kir- 
chenstyl  auch  charakteristischer,  geistreicher,  origi- 
neller, gediegener,  folglich  reicher  an  Effect,  und 
selbst  die  Wortkritik  hat  dann  weniger  auszusetzen. 

Seine  Cantate :  „Herr,  Herr,  vor  deinem  Throne" 
etc.  gehört  ohne  Zweifel  zu  seinen  früheren  Arbeiten, 
wie  man  diess  aus  dem  Style,  aus  der  Anlage  und 
Behandlung  der  Harmonie  und  aus  der  Anwendung 
der  Blasinstrumente  schliessen  kann.  Sie  enthält  eine 
Menge  der  herrlichsten  Ideen,  und  wird  den,  der 
wahre  Kirchenmusik  zu  schätzen  weiss,  nicht  unbe- 
friedigt lassen.  —  Der  zweyte  Satz,  Andante  für 
vier  Solostimmen,  das  zwar,  vorzüglich  in  den  In- 

s 

*  .  < 

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* 


strumenten  verschiedene  nicht  moderne  Figuren  ent- 
hält ,  hat  aber  dennoch  etwas  sehr  Liebliches.  — •  Der 
vierte  Satz  enthält  zwar  auch  mehre  sehr  ausdrucks- 
volle Stellen,  scheint  aber  bey  der  öftern  Widerho- 
lung  der  Hauptgedanken  etwas  zu  gedehnt:  wenig- 
stetia  contrastirt  seine  Länge  mit  den  anderen  ver- 
gleichungsweise  ziemlich  kurz  gehaltenen  Sätzen.  — 
Auffallend  ist,  dass  der  Verfasser  die  hier  zwey 
Mal  vorkommende  Stelle,  wo  der  Erlöser  die  Völ- 
ker Wahrheit  lehrt  etc.  absichtlich  (denn  was  hätte 
wohl  ein  Mozart  ohne  Absicht  getlian?)  dunkel  ge- 
halten hat.  —  Sie  enthält  bey  weitem  nicht  so  viele 
Schwierigkeit  für  Sänger  und  Instrumente,  als  an- 
dere Werke  Mozart's.  Aus  dieser  Ursache,  und  ( 
weil  einige  Instrumente  ohne  bedeutenden  Nacht  heil 
weggelassen  werden  können ,  muss  sie  imbemittelten 
Orchestern  willkommen  seyn. 

Von  ähnlichem  "Werth  e  sind  in  diesem  Fache 
noch  seine  Motette:  „Ob  fürchterlich  tobend  sich 
Sturme  erheben "  etc.  seine  Hymnen :  „Preis  dir 
Gottheit  durch  alle  Himmel  etc.  und:  „Gottheit,  dir 
sey  Preis  und  Ehre"  etc.  seine  Cantate:  „Heiliger, 
sieh'  gnädig  hernieder"  etc.  sein  Te  Deum  und  viele 
Andere.  Eben  so  seine  Messen  aus  D  8,  B  8,  G  i,  etc. 

Seine  Cantate:  Das  Lob  der  Freundschaft  und  \ 
sein  Ave  verum  corpus  sind  aus  seiner  letzten  Zeit 
und  daher  von  ganz  an  der m,  von  jenen  wesentlich 
verschiedenem  Charakter. 

* 

Sein  Misericordias  Domini  ist  ein  einziger,  sehr 
langer,  langsamer  und  im  edelsten  Kirchenstyle  ver-  | 
fasster  Chor.   Mozart  soll  in  seinen  letzten  Jahren 
gesagt  haben,  dass  er  dies«  Stück  hoch  hielte  und 


• 


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168 

1 

bedauerte,  (in  seiner  kindlichen  Sorglosigkeit)  keine 
Abschrift  behalten  zu  haben.  Keine  aller  seiner 
Kirchencompositionen  kann  indess  den  andächtigsten 
Sätzen  des  Requiem  in  diesem  Betracht  an  die 
Seite  gesetzt  werden.  Die  Wirkung  desselben  ist 
unwiderstehlich \  die  tiefste  Rührung,  die  frömmste, 
wahrhaft  religiöse  Stimmung  wird  das  Stück  allent- 
halben bewirken  und  vom  ersten  bis  zum  letzten 
Tone  erhalten,  wenn  man  es  in  der  Kirche  gut  auf- 
führt. Es  ist  dieses  Misericordiaa  schon  vor  1784 
geschrieben. 

Das  Requiem. 

Durch  das  Dunkel,  welches  über  die  Bestellung 
dieses  Requiem  verbreitet  war,  und  durch  die  übri- 


Li 

mung  ward  Mozart  gleich  innig  ergriffen.  Er  ver- 
sank vom  Neuen  in  tiefes  Nachdenken,  hörte  auf 
keine  Zuredungen  und  forderte  zu  seiner  Arbeit 
bald  Papier  und  Dinte,  und  arbeitete  sogleich  anhal- 
tend. Mit  jedem  Tacte  schien  sein  Interesse  daran 
zuzunehmen,  denn  er  schrieb  Tag  und  Nacht.  Da 
sein  Körper  65es>r  Anstrengung  nicht  gewachsen 
war,  so  sank  er  bey  der  Arbeit  wiederholt  ohnmach- 
tig hin.  Als  nach  mehren  Tagen  es  seiner  Frau  ge- 
lang, mit  ihm  in  den  Prater  zu  fahren,  so  fiel  ihr 
auf,  dass  er  immer  süll  und  in  sich  gekehrt  saass. 
Endlich  leugnete  er  nicht  mehr,  dass  er  gewiss  glau- 
be, er  arbeite  jetzt  zu  seiner  eigenen  Todesfeyer  *). 

*)  AU  Benedict  Schack  an  Schikaneders  Theater  nach  Wien 
kam,  wurde  er  Moxart'«  Freund,  Vertrauter,  Hausgenosse, 


I 


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169  • 

Von  dieser  Idee  war  er  nun  nicht  mehr  abzubrin- 
gen, und  er  arbeitete  also  wie  Raphael  Sanzio  seine 
Verklärung,  stets  im  Gefühle  seines  nahen  Todes,  und 
lieferte,  wie  dieser,  die  Verklärung  seiner  selbst. 
Ja,  Mozart  äusserte  über  die  sonderbare  Erscheinung 

und  Bestellung  des  Unbekannten*)  selbst  andere, 

s* 

•  ■■■■        i  " 

und  wusste  von  iJim  eine  Menge  Zöge,  Anekdoten,  die  des- 
selben Kunst-  und  häusliche»  Leben  schildern  und  die  gut- 
xnüthige  Seele  enthüllen.  Für  ihn  wurde  Tamino  geschrie- 
ben, er  konnte  angeben,  wie  und  aufweiche  Veranlassung, 
SU  welcher  Zeit,  in  welcher  Lage  jedes  Stück  der  Zauberflöte 
entworfen,  geändert  und  endlich  ausgeführt  worden.  Dio 
Composition  des  Requiem  war  ihm  nicht  fremd,  da  er  im- 
mer  um  aen  Jueister  war,  wanrena  derselbe  sien  mit  aieser 
Arbeit  beschäftigte.  Sein  Umgang  war  desshalb  unterhaltend 
und  belehrend.  Man  erfuhr,  welche  Wege  und  Irrwege  auch 
das  grösste  Talent  in  der  rauhen  Wirklichkeit  des  Lebens  su 
durchwandern  hat.  Dieser  erzählt,  Mozart  habe  für  die  Com- 
position des  Requiem  5o  Ducaten,  die  Hälfte  davon  voraus- 
bezahlt erhalten.  Den  grössten  Theil  seines  Requiem  schrieb 
er  auf  der  Laimgrnbe  im  Trattner'schen  Garten.  So  bald  er 
eine  Nummer  rollendet  hatte,  Hess  er  sie  sogleich  singen  und 
spielte  dasu  die  Instrumentation  auf  dem  Pianoforte.  Selbst 
an  dem  Vorabende  seines  Todes  liess  er  sich  die  Partitur  des 
Requiem  noch  zum  Bette  hinbringen  und  sang  (2  Uhr  Nach- 
mittags) selbst  noch  die  Altstimme;  Schack  sang  Sopran,  Ho- 
fer, Mozart's  Schwager,  den  Tenor,  Gerle  (später  Bassist  in 
Manheim)  den  Bass.  Sie  waren  bey  den  ersten  Tacten  des 
Lacrymosa,  als  Mozart  heftig  zu  weinen  anfing,  die  Partitur 
bey  Seite  legte  und  eilf  Stunden  später  (um  1  Uhr  Nachts, 
den  5ten  December  1791)  verschied. 

Oft  kam  Mozart  zu  Schack,  um  ihn  su  einem  Spaziergange 
abzuholen,  und  während  Schack  sich  ankleidete,  setzte  sich 
Mozart  einstweilen  an  dessen  Schreibtisch  und  componirte 
hier  und  da  ein  Stück  in  desselben  Opern;  daher  kommen  in 
Schack's  Opern  mehre  Stellen  von  Mozart's  eigener  Hand  und 
Genie  vor. 

•)  Als  Breitkopf  und  Härtel  das  Requiem  herausgeben  wollten, 
baten  sie  die  Wittwe  um  ihre  Copie :  sie  hätten  schon  mehre : 
das  Werk  wäre  bekannt:  sie  wünschten  es  nach  der  besten 

1 


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«ehr  seltsame  Gedanken,  und  wenn  man  sie  ihm 
auszureden  versuchte,  so  schwieg  er,  aber  unüber- 
zeugt.  | 

Es  ist  bekannt,  dass  auch  Mich.  Haydn,  gleich 
Mozart,  an  einem  Requiem  in  der  dunkeln  Ahnung 
und  dem  Vorgefühle,  er  schreibe  zu  seiner  eigenen 
Todesfeyer,  arbeitete  und  noch  vor  der  Beendigung 
starb.  Haydn  ergriff  schon  bey  der  Stelle:  '„Liber 
8criptii8  proferetur"  die  starre  Hand  des  Todes, 
während  die  Parze  Mozart's  Lebensfaden  erst  beym 
Sanctus  gänzlich  abgesponnen  hatte. 

In'  solcher  Gemüthsstimmung  schuf  Mozart  also 
seinem  eigenen  Namen  ein  Denkmal.  Die  vielen 
Zerstreuungen  kurz  vor  seinem  Tode  hatten  sei- 
nen Muth  noch  einmal  belebt  und  seinen  Sinn  noch 
einmal  aufgeheitert  bis  zur  leichten  Fröhlichkeit  — 
das  Lämpchen  flammte  vor  dem  gänzlichen  Erlöschen 
noch  ein  Mal  hell  auf  und  dann  —  nicht  wieder. 
Er,  nach  allerley  Anstrengungen  entkräftet  und  des 
Gebrausses  der  Pracht  überdrüssig,  arbeitete  selbst 
als  schon  halb  verklärter,  und  schuf  sein  im  Tode 
Rulie  verkündendes  Requiem,  dessen  Geisterklänge 

die  Seele  ergreifen. 

•  •  • 

Copie  herauszugeben.  Herausgegeben  wäre  es  immer  worden ! 
die  Wittwe  musste  zix  Ehren  ihres  Mannes  wünschen,  das«, 
diess  nach  der  besten  Copie  geschähe :  über  «ehn  Jahre  war 
das  Werk  schon  alt.  Sie  gab  ihre  Copie  her.  Indessen  mel- 
dete sich  der  unbekannte  Besteller  des  Requiem,  Graf  ron 
Wallsegg  (damals  auf  seinem  Landgute  Stuppach  in  Unterst- 
reich), durch  den  Wiener  Adrocaten  Sortsch  an,  beschwerte 
eich  höchlich,  drohte,  und  erbot  sich,  mit  mehren  abge- 
schriebenen Musicalien  zum  Ersätze  sich  begnügen  ru  wollen, 
die  er  auch  erhielt. 


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171 

In  diesem  sogenannten  Schwanengesange  herrscht 
die  Sprache  weiser,  nicht  thränender,  auch  nicht 
trostloser,  vielmehr  von  manchem  himmlischen  Hoff- 
nungsstrahle durchleuchteter  Sehnsucht.  —  Sein  er- 
habenes, tiefes  Werk:  Misericordias  Domini ,  so  wie 
sein  Davidde  penitente,  scheinen  wichtige  Vorarbei- 
ten und  tiefe  Studien  des  Requiem  für  diesen  —  den 
erhabensten  und  reinsten  Styl  zu  seyn.  —  Ob  wohl 
Händel,  der  das  Utrechter  Te  Deum  laudamus 
schrieb,  " und  Astorga  der  Aeltere,  der  uns  das  Sta- 
bat  mater  hinterliess  —  wären  diese  zu  Einem  Manne 
zusammengeschmolzen  und  dieser  hätte  jetzt  gelebt 
—  uns  das  Requiem  so  geschrieben  hätte,  als  es 
Mozart  that?  — 

Dieses  tiefe,  überschwänglich  herrliche  Requiem 
Mozart's  ist  das  Meisterwerk,  das  die  Kraft,  die 
heilige  Würde  der  alten  Musik  mit  dem  reichen 
Sclimucke  der  neuern  verbindet,  und  das  in  dieser 
Hinsicht,  vorzüglich  auch -in  der  so  weise  angeord- 
neten Instrumentirung,  als  Muster  gelten  kann.  Das 
Tuba  mirum  mag  vielleicht  der  einzige  Satz  seyn, 
der  in  das  Oratorienartige  fallt:  sonst  bleibt  aber 
die  Musik  reiner  Cultus,  und  nur  als  solcher  ertö- 
nen die  wunderbaren  Accorde,  die  von  dem  Jenseits 
sprechen,  ja,  die  das  Jenseits  selber  sind,  in  ihrer 
eigenthümlichen  Würde  und  Kraft.  Dieses  Requiem 
aber  im  Concertsaale  ist  nie  dieselbe  Musik,  da  ist 
sie  die  Erscheinung  eines  Heiligen  auf  dem  Balle  — 
eine  Predigt  im  Theater.  Denn  die  für  den  Cultus 
bestimmte  Musik  ist  selbst  Cultus. 

Es  ist  in  diesem  Werke  eine  Fülle  der  Kunst, 
gepaart  mit  dem  seelenergreifendsten  Ausdrucke,  des- 


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.■  1 


sen  Musik  nur  fähig  ist.  In  ihm  malte  der  grosse 
Meister  wirklich  mit  hohem  Sinne  und  mit  erhabe- 
ner Freyheit.  Das  ganze  Wunderwerk  bietet  über- 
all die  schönsten  Stellen  dar,  die  für  diese  Haupt- 
gattung sprechen,  und  welche  bisher  noch  kein  blas- 
phemischer  Tadler  zu  betasten  wagte.  Der  Styl  des- 
selben ist  der  strengste  Kirchenstyl  5  düsterer  Emst 
und  finstere  Melancholie  sind  seine  Hauptcharaktere. 
Die  Melodieen  sind  antik  und  tragen  das  Gepräge 
hoher  Erhabenheit.  Die  Stücke  sind  durchgängig 
fugirte  Sätze.  Die  Declamation  ist  so  sprechend 
und  der  Gesang  so  ausdrucksvoll,  dass  alle  Forderun- 
gen der  strengsten  Kirchen  -  Cpmposition  in  diesem 
schönsten  Producte  seiner  Gattung  weit  überstiegen 
sind.  Jede  Note  dieses  unerreichbaren  Werkes  trägt 
ihren  bestimmten  Gehalt!  Jede  Fuge  ist  Charakter, 
alles  erhaben,  gross  und  prächtig!  Dieses  Requiem 
ist  die  höchste  Tendenz  des  erhabensten  Kirchenstyls. 

Schauerlich  schön,  furchtbar  gross  ist  das  Ge- 
mälde des  jüngsten  Gerichts:  Dies  irae,  dies  illa  etc. 

Das  Posaunen-Solo:  Tuba  mirum  spargens  sonum 
macht  einen  grausenvollen  Effect.  —  Man  wird  wohl 
ziemlich  überall  nicht  leicht  Jemanden  finden,  der 
das,  was  für  die  Posaune  gesetzt  ist,  auf  diesem  un- 
behülf Liehen  Instrumente  gut  genug  heraus  bringt: 
eine  Erfahrung,  die  Mozart,  der  die  Posaunen  selbst 
zu  seiner  Zauberflöte  in  der  Folge  nicht  dulden  . 
mochte,  wenn  er  sein  Requiem  aufgeführt  hätte, 
gleichfalls  würde  gemacht  haben. 

Die  Stelle:  Rex  tremendae  majestatia  ist  einzig 
in  ihrer  Art. 

Ein  Gleiches  gilt  vom  Recordare. 

s 

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> 


\  • 


173 

Sehr  meisterhaft  ist  das:  Confutatis  maledictis, 
und  wie  einzig  schön  ist  die  Malerey  im  Accom- 
pagnement  der  Violinen  im  darauf  folgenden:  Oro 
supplex!  —  Dieses  Confutatis  maledictis  schildert 
die  Ausbrüche  der  Verzweiflung  der  Verdammten 
im  Gegensatze  mit  den  Jubelsängen  der  Gerechten: 
dieser  Contrast,  der  höchste  musikalische  Glanzpunct 
schafft  der  Musik  grandiose  Effecte.  »Man  findet  in 
diesem  Stücke  den  Uebergang,  welcher  den  Gesang 
Susannens  in  Crudel!  perchb  finora  so  angenehm 
herbeyführt.  Das  Werk  ist  von  allen  Fugen  frey, 
deren  Ausführung  zu  schwer  seyn  würde,  und  deren 
Verkettung  das  Publicum  nicht  folgen  kann. 

Das  trauernde  Chor:  Lacrymosa  dies  illa  etc. 
giebt  die  täuschendste  Nachahmung  einer  ängstlichen 
Stille,  von  Schluchzen  ünd  Stöhnen  unterbrochen. 
Die  weinende  Tonart  G*>  trägt  nicht  wenig  zur 
Vollendung  dieses  schönen  Gemäldes  bey. 

Aber  das  höchste  Gefühl  der  Andacht  beseelt , 
das:   Domine  Jesu  Christel  Rex  gloriae!   Wie  ist 
es  doch  so  hingebend  und  so  betend !  In  seiner  Ton- 
art G  h  !  die  dann  in  Es  ö  im :  Hostias  et  preces  etc. 
übergeht. 

Und  welche  Zuversicht  herrscht  in  der  Fuge: 
Quam  olim  Jbrahae  promisisti,  et  semini  ejus  in 
saeculal 

Das  Sanctus!  So  viel  deren  auch  compo- 
nirt  worden  sind,  so  kömmt  doch  diesem  keines  an 
Erhabenheit  bey.  Die  immer  absetzenden  Chöre, 
der  Donner  der  Pauke,  der  ihre  Zwischenräume  füllt, 
die  mit  den  Vocalstimmen  singenden  Posaunen,  Alles 
füllt  die  Seele  mit  Ehrfurcht  vor  dem,  der  da  heilig 


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ist!  —  Es  ist  ein  feyerliches,  wahrhaft  Ii  eiliges 
Sanctus!  Sehr  zweckmässig  wird  es  mit  der  kurzen 
Fuge:  Ö8anna  geschlossen  und  mit  dem  herrlichen 
gern iith vollen  Benedictus ,  als  achtes  Quartett  Dehan- 
delt. —  In  dem:  Pleni  sunt  coeli  et  terra  gloria 
tua  ist  der  aesthetische  Lichtpunkt  der  Messe ,  wie 
es  Mozart  vortrefflich  beobachtete,  welcher  uns  hier 
die  Herrlichkeit  und  Grösse  des  Schöpfers  und  der 
erhebenden  Bestimmung  alles  Geschaffenen  in  dem 
majestätischen  sich  gegen  alle  übrigen  gedämpften  Ton- 
arten so  imposant  hervorhebenden  D  |  verkündigt. 

Das  Benedictus  ist  ein  wahres  Benedictus  aus 
2?  8,  und  das:  Osanna  darin  ist  ohnstreitig  eine  der 
schwersten  und  kritischsten  Fugen. 

Im  Agnus  Dei  ergreift  Mozart  durch  die  kind- 
liche Frömmigkeit  das  Gemüthj  —  durch  das  Lux 
aeterna  luceat  eis  hebt  er  den  Geist  höher  —  und 
in  dem:  Cum  sanctis  entrückt  er  ihn  dem  Irdischen. 

Wie  genial  es  übrigens  gedacht  sey,  die  Fuge 
des  Kyrie  nun  als  Schlussfuge  zu  behandeln  und 
auch  so  dem  Werke  Einheit  und  innern  Zusammen- 
hang zu  verschaffen,  wie  beruhigend  endlich  der 
kurze,  höchst  einfache  Schluss:  Quia  pius  es  sey, 
darf  wohl  kaum  angedeutet  werden. 


Mozart's  Requiem  wird  immer  als  einzig  da 
stehen ,  bis  ein  Künstler  erscheint,  der  mit  Mozart's 
hoher  Genialität  und  kindlich  frommen  Sinne  sein 

9 

richtiges,  schönes  und  tiefes  Gefühl  verbindet  und 
über  die  Kunst  so  unumschränkt  herrscht,  dass  jede 
mehr  im  Innersten  des  Gemüths  als  im  Geist  em- 
pfangene Idee  in  jeder  gewählten  oder  sich  von  selbst 


uigiiizeu 


by  G' 


175 

darbietenden,  wenn  auch  noch  so  kunstreichen  Form 
einfach ,  klar  und  natürlich  sich  ausspreche.  Das 
Mozarfsche  Requiem  nimmt  den  ganzen  Menschen, 
mit  Leben  und  Tod,  mit  dieser  und  mit  jener  Welt, 
mit  physischer  Vernichtung  und  mit  geistiger  Un- 
sterbliclikeit  in  Anspruch.  Man  möchte  bey  dessen 
Anhörung  gleichsam  wünschen,  schon  in  die  ewige 
N  Ruhe  übergegangen  zu  seyn,  um  das:  Ruhe  will 
ich  dir  geben  mit  Mozart'schen  Tönen  nachrufen  zu 
lassen.  Alles  diess  und  noch  eine  ganze  Welt  an- 
derer Gefühle  fühlt  man  bey  diesem  Requiem. 

Wäre  Cherubini  mit  seinem  trüben  Genius  im 
frohen  Italien  geblieben,  er  wäre  der  italienische 
Mozart  geworden:  seine  Kraft  hätte  sich  mit  der 
nationalen  Anmuth  verschmolzen  und  jene  glückliche 
Mischung  des  Geschmackes  bezweckt,  die  Mozart  bey 
seinen  Landsleuten  so  glänzend  realisirte.  —  Mo- 
zart's  frühere  Compositionen  athmen  ebenfalls  Düste- 
res, Ernstes,  Festes,  Kirchliches,  und  unter  anderen 
Verhältnissen  wäre  ein  Bach  aus  ihm  geworden.  Nur 
seine  Umgebungen  im  gefalligen  Wien  machten  seine 
Compositionen  heiterer  und  gaben  ihnen  den  Ton 
des  Leichten,  Naiven,  Gefalligen,  ohne  die  innere 
Würde  des  Künstlercharakters  mit  sich  fortzuneh- 
men.  I£ben  dieses  würde  der  Fall  bey  Cherubini 
gewesen  seyn.  Die  Anmuth  seines  Vaterlandes  hätte 
die  düsteren  Falten  des  Ernstes  geebnet,  ohne  der 
Kraft  Abbruch  zu  thun,  die  aus  den  tiefsten  Tiefen 
seiner  Seele  quoll.  , 

Mozart  (in  seinem  Requiem)  mit  seinem  weichen, 
von  Liebe  überfliessenden  Herzen  betend,  zagend, 

■ 

■ 

»  ■ 

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176 

/  — — — 

hoffend,  kindlich  schmeichelnd,  umringt  von  engel- 
schönen Knaben  und  Juugfrauen  in  einem  offenen 
griechischen  Tempel,  der  vom  sanften  Abhänge  eines 
Hügels  in  reiche  Frühlingsthäler  herab  schaut.  — 
Cherubini's  Priester  (in  seinem  Requiem)  mit  blei- 
chem Gesichte,  strenger,  vererzter  Miene,  mit  Au- 
gen, in  denen  Fanatismus  und  der  harte  Kampf  der 
Selbstüberwindung  verzehrend  glühen,  mit  abgezehr- 
ter Gestalt  und  doch  stolzer  Haltung  in  unabselüich 
langen  dunkeln  Fichtengängen  wandelnd,  mit  ver- 
nichtendem Feuereifer  die  Gemeinde  ängstigend,  er- 
schütternd, das  Herz  zerknirschend. 


Denkmale  TV.  A.  Mozart's. 

(Händel  hat  sein  Grab  unter  den  grössten  Britten  in  der  Wett- 
munster — Abt  ey.  Gluck  ward  in  Paris  mit  einer  Statue  beehrt.) 

1)  Im  Garten  zu  Tiefurt,  bey  Weimar,  hatte 
ihm  die  verwittwete  Herzogin  zu  Sachsen- Weimar, 
Amalie,  1799  ein  von  Klauer  von  gebranntem  Thone 
verfertigtes  Denkmal  aufstellen  lassen.  Es  stellte 
einen  runden  Altar  vor,  auf  welchem  eine  Lyra  auf- 
recht stand,  an  deren  beyden  Seiten  eine  tragische 
und  eine  komische  Muse  angelehnt  waren.  Am  Al- 
tare steht :  „Mozart  und  den  Musen."  —  Die  Abbildung 
und  Beschreibung  findet  sich  im  November-Stücke  des 
Journals  des  Luxus  u.  d.  Mode  1799,  und  auch  in  der 
Allg.  Leipz.  musik.  Zeitung,  II.  Jahrg.  S.  239  u.  420.  — 
Schade,  dass  diess  nicht  aus  anderer  Masse  verfertigt 
war,  denn  es  steht  schon  lange  nicht  mehr. 

2)  Zu  Graz,  im  Garten  des  Kaufmann  Deyer- 
kauf,  ist  ihm  am  15ten  May  1792  ein  Denkmal  er- 


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I 


177  - 

•  - 

richtet*  Plafond i  Gott  Apollo  hält  das  Bildnis  des 
Verewigten  in  der  Höhe,  Genien  unterstützen  es 
und  die  neun  Musen  frohlocken  darneben  hin.  Die 
Fama  verkündigt  seine  Unsterblichkeit.  Der  Wald- 
gott Pan  mit  seinen  Gehülfen  bedeutet  die  schlech-  . 
ten  Autoren,  denen  der  Genius  den  Mund  zuhält. 
Die  freyen  Künste  sind  mitunter  angebracht,  «r  An 
der  Seite  des  Tempels,  weil  auf  dem  Plafond  kein 
Raum  mehr  übrig  war,  erscheint  die  Göttin  der 
Ewigkeit,  die  die  Büste  Mozart's  krönt,  und  hinter  * 
ihr  erscheint  Minerva,  welche  mit  ihrem  Speere  den 
Neid  zu  Boden  schmettert*  (Der  personificirte  Neid 
scheint  auf  Salieri  zu  deuten.)  Zwey  kleine  Knaben 
erinnern  durch  Seifenku gelblasen  an  die  Vergäng- 
lichkeit aller  Dinge.  —  Die  Buchstaben:  II  TI  AM 
bedeuten:  Mirabilia  tua  in  aeternum  manebunt* 

-3)  Zu  Roveredo,  im  Garten  des  Banquiers  Jos. 
Ant.  Bridi,  der  früher  in  Wien  und  Mozart'*  per- 
sönlicher Freund  war,  ist  ihm  und  einigen  anderen 
Musikern  ein  Denkmai  errichtet,  was  Bridi  auch  in 
Kupfer  hat  stechen  lassen.  Die  Inschriften  lauten  so  j 
Inscriptiones  Joann.  Petri  Beltratnii  sacerd,  robor* 
Pro  aedicula  musicae  sacfa  in  Suburbano  Bridio- 
rum  sub  ouaaiLß  imap'ine  musices  masristrorurn.  «— « 
Christopherus  Glucchius,  natione  Bohemicus,  ■ 
in  modis  musicisverbo  aptissimis  faciendis  clarissi- 
mus.  Decessit  a.  MDCCLXXXVIL  —  Georgius 
Fridericus  Haendel,  Magdeburgensis ,  musicae 
artis  et  musici  organi  pulsandi  insignis  magisten 
Decessit  A.  MDCCLVIIII.  —  Josephus  Hayde-  . 
nus,  natione  Germanus,  vel  ob  ejus  modos  musicoä 
de  Deo  creante  deque  Christo  in  cruce  loquente  toto 

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178 


orbe  clarissimus*  Decessit  A.  MDCCCVTIJI.  — 
IVolf gangus  Amadeus  Mozartus,  Salisbur- 
gensis  ,  qui,  a  sola  natura  musice  doctus,  musicae 
est  artis  princeps.  Decessit  A.  MDCCLXXXXI.  — 
Antonius  Sacchinius,  Domo  Neapoli,  musices 
insignis  magister ,  musicae  suavitatis  exemplum* 
Decessit  A.  MDCCLXXXFL  —  Nicolaus  Jo- 
mellius,  Neapolitanus,  musicae  artis  reparator  cui 
grex  musicorum  plurimum  se  debere  fatetur*  De- 
cessit A.  MDCCLXXUIL  — 

4)  In  Mariagrün,  einem  sehr  romantisch  gelege- 
nen Belustigungsortc  bey  Graz,*)  der  bey  schöner 
Jahreszeit  stark  besucht  wird,  wo  eine  kleine  Kirche 
und  ein  kleiner  Park  mitten  in  Waldungen  liegen, 
sind  zwey  Monumente  Haydn  und  Mozart  errichtet. 
Die  Büsten  selbst  sind  aus  Stein  gehauen  und  bron- 
zirt.  Sie  sind  in  gehöriger  proportionirter  Grösse, 
in  römisches  Costüm  gekleidet,  und  sollen,  nach 
Kenner- Aeusserungen,  gut  getroffen  seyn.  Mozart's 
Büste  steht  auf  einer  kleinen  Anhöhe,  mit  immer- 
blühenden Rosen  umgeben,  und  auf  einer  entgegen- 
gesetzten Seite  steht  Haydn's  Büste,  mit  Wintergrün 
umgeben.  Am  Piedestal  Mozart's  stehen  in  Marmor 
die  Worte:  Gross,  erhaben,  unerreichbar  und  un- 
vergesslich.  A.  Mozart.  —  Unter  Haydn's  Büste  steht 
gleichfalls  in  Marmor:  Immer  neu,  originell  und 
unerschöpflich.  J.  Haydn.  —  Der  jetzige  Besitzer 
oes  Berggutes  Mariagrün,  Jos.  Seidl,  pflanzte  hinter 
jede  Büste  eine  schöne  Thränenweide,  die  die  uu- 
vergesslichen  Geister  umschatten. 

*)  Der  damalige  ^Besitzer  war  Kargl,  Verwalter  der  deutschen 
Ordens- Commende  am  Lech. 


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179  % 

• 

Anm.  Steiner  et  Comp,  in  Wien  luden  im  April  1819  » 
der  Wien.  aUg.  musik.  Zeit,  zur  Subscription  auf  ein  Denkmal 
Tür  Haydn  und  Mozart  ein.  Die  Einladung  wurde  mit  reich- 
lichem Erfolge  gekrönt.  Dies*  Denkmal  wäre  allerdings  in 
Wien  am  passendsten,  wo  Beyde  lebten,  ihro  Werke  schufen,  - 
und  starben.  Seit  jener  Einladung  weiss  man  aber  nichts 
Weitere«  über  die  Ausführung.  ' 

• 

Denkmünzen, 

*  *  * 

1)  Carl  Emanuel  Barend  zu  Dresden  hat  1796  ' 
eine  Denkmünze  verfertigt.  Auf  der  einen  Seite  be- 
findet sich  Mozart's  Brustbild,  mit  der  Unterschrift 
seines  Namens;  auf  dem  Revers:  Orpheus,  auf  der 
Leyer  spielend,  dem  ein  Löwe  zuhört,  mit  der 
Umschrift:  Auditus  saxis  intellectusque  ferarum 
sensibus.    Sie  ward  in  Silber,  2i  Loth  schwer,  für 

3*  Thlr.  und  in  Zinn  für  l£  Thlr,  verkauft- 

» 

2)  Eine  Denkmünze  von  Mozart  soll  auch  der 
Münzgraveur  Krüger  zu  Dresden  verfertigt  haben. 

/ 

In  Kupfer  gestochene  und  in  Holz 
geschnittene  Bildnisse. 

1)  Mozart  und  die  Familie.    Folio,  gemalt  von  * 
L.  C.  de  Carmontelle,  gestochen  von  De  la  Fosse  in 
Paris  1764. 

2)  Mozart.  Folio.  Gestochen  von  Quenedey  in 
Paris.  • 

3)  Mozart.  Quer -Folio,  an  einem  Monumente 
von  trauernden  Genien  umgeben.  Gestochen  von 
Rossmässler. 

4)  Mozart,  in  Octav.  Gemalt  von  C.  J.  Posch, 
gestochen  von  Mannsfeld  1789- 

5)  Mozart.  Octav.  Gestochen  von  Nabholz  1796« 

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180 

6)  Mozart.  Gestochen  von  Nettling,  befindlich 
vor:  Mozart's  Geist.  Erfurt,  1803. 

7)  Mozart.  Gestochen  von  Kohl.  Wien,  1799- 
Befindlich  vor :  Mozart's  Leben.  Graz. 

8)  Mozart,  in  Duodez,  befindlich  auf  dem  Titel- 
blatte der  Mozart'schen  Ciavierwerke  bey  Breitkopf 
und  Härtel  in  Leipzig. 

9)  Mozart,  in  Duodez,  befindlich  auf  dem  Titel- 
blatte der  Mozart'schen  Gedächtnissfeyer  von  Canna- 
bich.  München,  bey  Falter,  1797« 

10)  Mozart,  in  Duodez,  gestochen- von  J.  Berka, 
befindlich  auf  dem  TiteJLblatte :  Mozart's  grosse  Sym- 
phonie, ins  Ciavier  gesetzt  und  Herrn  F.  Duschek 
gewidmet  von  Jo.  Wenzel  zu  Prag.  Leipzig,  bey 
Hoffmeister. 

11)  Mozart,  in  Duodez.  Nachstück  in  Siebigke's 
Museum. 

12)  Mozart,  auf  H.  de  Jatloty  Parnass,  auf  wel- 
chem 27  Bildnisse  von  Musikern  vorgestellt  sind,  wor- 
unter Haydn  und  Mozart  obenan  stehen.  Dieser  Par- 
nass hat  die  Unterschrift:  /.  Iuundseer  sc.  P.  S.  de 
Loutterbourg  del.  The  lihenesses  from  Miniature 
Cameos  by  H.  de  Janoty.  Dublislied  48  Jan.  1801. 

13)  Mozart,  in  Klein-Folio.  Wien,  bey  Arta- 
ria  et  Comp. 

14)  Mozart,  in  Octav,  lithographirt  von  J.  B. 
Ciarot,  in  A.  Schlossers  Biographie  Mozart's.  Prag, 
1828. 

In  Kupfer  gestochene  Silhouetten. 

1)  Mozart,  in      bey  dem  Rath  Bossler  in  Speyer. 

2)  Mozart,  in  Octav,  bey  Hofmeister  in  Wien. 

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Gemälde*  > 

1)  Eins  für  den  Padre  Martini  gemacht  und  ihm 
damals  zugesandt.  1777. 

2)  Die  Wittwe  besitzt  sein  Bildniss  mehre  Male 
in  Oel  gemalt  von  verschiedenen  Jaliren  und  alle 
auffallend  ähnlich. 

Büsten. 

1)  Eine  in  Wachs,  sehr  gut  getroffen,  von  Poscli 
in  Wien  verfertigt. 

2)  Professor  Bosch  verkauft  seine  Büste  klein  in 
Wachs  und  in  Gyps.  ✓ 

3)  Am  Sterbetage  drückte  der  Eigenthümer  des 
Kunst -Cabinets  .zu  Wien,  Graf  Deym  (uuler  dem 
Namen  Müller),  Mozarts  Gesicht  in  Gyps  ab. 


Gedichte  auf  W.  A.  Mozart.  , 

Auf  Mozart  sind  sehr  viele  mehr  und  .minder 
schöne  Gedichte  gemacht  worden;  vielleicht  sind 
mehre  davon  den  Verehrern  des  grossen  Meislers 

0 

nicht  unwillkommen,  wesshalb  wir  folgende  zu  ge- 
ben uns  unterstehen: 

Momart* 

-  • 

So  süss  wie  Liebeshauch  vom  Rosemnunde, 

So  fühl'  ich  Mozart'*  Töne  mich  umschweben, 
Als  säh»  ich  sanft  der  Jungfrau  Brust  sich  heben, 
So  sinkt's  und  atcigt's'lm  Harmouieen -Bunde. 

•     Doch  plötzlich  schlagt  die  Geisterstunde. 

Ha !  da  beginnt  ein  ahnungsvolles  Leben ! 

Ich  soll  dem  Geist  die  Hand  zum  Pfände  geben: 

Er  bringt  aus  seiner  Welt  mir  grause  Kunde. 


1R2 


Wie  TÖne  in  des  Aethera  Meer  verhallen, 

So  kamst  auch  Du,  ein  Meteor,  hernieder; 

Zu  bald  5ah*n  wir  entflieh'n  den  Sphärenboten.  ' 

Doch  fort  soll  Dein  Gesang  auf  Erden  schajlen ; 
Du  hauchtest  Deinen  Geist  in  heil'ge  Lieder, 
Und  sangst  noch  scheidend:  „Ew'ge  Ruh»  den  Todten! 


Sonettenkranz.  Mozart. 

Auf  gleichen  Boden  hat  mit  Dir  gcstellet 

Die  Wiege  mir  des  mächtigen  Schicksals  Pfand, 
Und  dunkle  Thränen  hat  im  Jugendland 
Dein  Blitzesstrahl  mir  wunderbar  erhellet. 

Um's  «arte  Her?,  von  hoher  Lust  geschwellet, 
Schlangst  Du  Dein  zaub'risch  Harmonieenband, 
Und  hobst  empor  bis' an  der  Sterne  Stand 
Auch  mich  mit  Tausenden,  von  Dir  beseelet. 

So  weit  ein  Ton  an  Ohr  und  Herzen  schlaget, 
In  einer  Brust  der  heil'ge  Funken  glühet, 
Bist  Du  die  Sonne  nun  der  Sängerwclt! 

In  Deinem  warmen  Himraelsstrahl'  erblühet, 

Was  sich  an's  Licht  ans  stillem  Busen  weget, 
Sich  Deinem  Geiste  strebeud  nun  vermählt. 


An  Mozarfs  Geburtstags -Feyer. 

Wen  sich  die  Himmlischen  mit  Göttersegen 
Zu  ihrem  treu'sten  Liebling  ausersehn, 

Dem  ziehen  sie  am  ersten  Tag»  entgegen 

Und  mögen  gern  an  seiner  Wiego  stehn; 

Sie  folgen  ihm  auf  seines  Lebens  Wegen 

Und  fuhren  ihn  zu  ihren  heit'ren  Höh'n. 

Beglückt,  wen  die  Unsterblichen  so  lieben, 

Dass  keines  Gottes  Gunst  ihm  ausgeblieben ! 

Du,  Mozart,  hast  dies*  schöne  Glück  erfahren: 
Kaum  da  die  Muse  Dich  als  Kind  geküsst, 

Da  nahm  auch  die  andern  Götterachaaren, 

Nicht  einer  ist,  der  Dich  nicht  freundlich  grusst. 

Dich  lehrt  Apoll  Geheimes  offenbaren, 
Merkur  verlieh  erfindungsreiche  List, 

Den  Grazien  magst  Du  Huld  und  Anmuth  danken, 

Minerva  gab  die  Tiefe  der  Gedanken. 


163 

So  lebtest  Du  im  Gauzen  und  im  Schönen, 
Da  ward  ein  jedes  Werk  ein  Götterbild ; 

D»i  hast  uns  nicht  mit  unbestimmtem  Sehnen, 
Mit  trüber  Ahnung  nur  die  Brust  erfüllt, 

Und  locktest  Du  in  uns're  Augen  Thräuen, 
Nie  liessest  Du  das  Hoffen  Ungestillt; 

Aus  Tönen  schufst  Du  wirkliche  Gestalten, 

Die  ewig  sich  der  Jugend  Reis  erhalten. 

So  lange  Menschenherzen  fühlend  schjagen, 
Wird  Don  Juan  sie  rühren  und  erfreuu; 

Des  Titus  Milde,  wie  Constauzens  Klagen, 

Den  Meistern  werden  sie  ein  Vorbild  seyn. 

Spat  in  der  Zeiten  allerfemsten  Tagen 

Wird  man  der  Zauberflöte  Scherz  erneu'n, 

Und  Engel  werden  mit  der  Tuba  Klangen 

Am  Weltgericht'  zuletzt  die  Gräber  sprengen. 

Da  wir  nun  aber  hier  beym  Gläserklange 

Am  hcil'ren  Tag»  Dein  schönstes  Fest  begehn, 

So  sey  begrüsst  mit  fröhlichem  Gesänge, 
Mit  Saitenspiel  und  munterem  Getön; 

Heut*  war  uns  nicht  um  guten  Vorrath  bange, 
Du  hast  uns  mit  dem  Trefflichsten  versehn, 

Und  die  Dir  sonst  mit  Ruhm  und  Liebe  dienen, 

Du  riefst,  da  sind  sie  Alle  gern  erschienen. 

Susanna  wird,  die  Zarte,  heut»  nicht  fehlen, 
Und  Donna  Anna  mit  der  Stimme  Pracht  ; 

Donna  Elvira  mit  dem  Ton'  der  Seelen  ; 

Im  Strahlenkranz»  die  Königin  der  Nacht. 

Wir  dürfen  auf  Belinont,  Octavio  zahlen) 
Sarastro  hat  gewiss  sich  aufgemacht; 

Auch  Don  Juan,  der  nirgends  seines  Gleichen: 

Sie  Alle  wollen  Dir  den  Lorber  reichen. 

Und  wie  sich  alle  Herzen  zu  Dir  neigen, 

Zu  Dir,  wie  nach  tJem  schönsten  Sterne,  «rhau'n, 
So  nennet  Deutschland  Dich  mit  Stolz  sein  eigen, 

Wir  werden  ewig  uns  an  Dir  erbau'n. 
Du  trägst  den  Kranz  von  immer  grünen  Zweigen, 

Und  gilt  os  Kampf,  wir  dürfen  Dir  vertrau'rt. 
Heil,  Mozart,  Dir,  der  uns  den  Sieg  geschenket, 
Und  Heil  dem  Vaterland»,  das  Dein  gedenket!  —  • 


1*4 
— — 

An  Mozart  gesandt* 

Wenn  Xngstig  und  fieb'risch  Dein  Saitenspiel  bebt. 
Durchfrieren  uns  Schauer  und  Angst.    Doch  belebt 

Uns  Freudo,  wenn  Töne  sich  necken  und  scheinen. 
Wenn  wimmernd  und  dumpf,  wie  des  Grabes  Getön, 
Die  klagenden  Lieder  die  Ohren  umweh'n, 

Ertöuen  auch  Wehmuth  die  Saiten  der  Herzen.  . 

Sieh!  Deutschland,  Dein  Vaterland,  reicht  Dir  die  Hand, 
Nach  Sitte  der  Deutschen,  und  löset  das  Band 

Der  Freundschaft  mit  Fremdlingen  auf,  und  verehret 
In  Dir  nun  den  deutschen  Apoll,  nnd  versöhnt  , 
Sich  so  mit  Germaniens  Musen,  und  höhnt 
.  Des  schielenden  Neides,  der  selbst  sich  versehret. 

(Im  Namen  einer  zahlreichen  Gesellschaft 
Musikfreunde  aus  Prag.) 


Zur  Ouvertüre  von  Mozarts  Don  Juan. 

Es  zucken  Blitze  durch  des  Himmels  Höhen, 
Es  rollen  Donner  durch  der  Erde  Tiefen, 
Ceweoket  sind  die  Todten,  die  da  schliefen, 
Dass  sie  hervor  zum  Werk»  der  Rache  gehen. 

Doch  Paukenschall,  Trompetenklänge  wehen 
Die  Schrecken  fern,  die  Juan  kalt  umliefen, 
Und,  Gott  und  Engeln  trotzend,  die  ihn  riefen, 
Wagt  er  auglcich,  der  Hölle  Macht  zu  schmähen. 

So  steht  er  da,  der  rasende  Verbrecher, 

Obwohl  verflucht,  doch  gross  in  seinen  Sünden  — 
So  fährt  er  hin  in  ew'ge  Flammenquaalen. 

Diess  Bild,  zu  trüb»,  zu  fürchterlich  dem  Sprecher, 
Darf  nur  Musik  gehcimnissvoll  verkünden, 

Darf  Mozart  nur,  der  Herr  der  Töne,  malen, 

j  

An  Mozart, 

Bey  Vorstellung  seiner  Oper:  Figaro.  1785. 

Was  soll  ich  die  Musen,  begeistert  von  Dir, 
Um  Beystand  beschwören?    Sey  Muse  Du  mir! 

Sey  Du  mir  des  Pindus  berauschende  Quelle !  , 
Ich  hört*  Dich,  melodischer  Denker,  und  pricss 
Dein  Schöpfertalent,  und  in's  Wonnemeer  riss 

Mich  bald  der  Empfindungen  mächtigste  Welle. 


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- 


185 


/ 


Nicht  Felsen  herbey?  nicht  fabelhaft  hallt 

Dein  sprechendes  Spiel  dem  gefrässigen  Tiger. 

Doch  bist  Du  der  Fühlenden  Orpheus  Wehr, 

Bist  Herrscher  der  Seelen,  Dir  frffiuit  das  Gehör 

Der  Kinder,  der  Mädchen,  der  Männer,  der  Krieger. 

•  •  • 

Wenn  Liebe  Dein  schmelzendes  Saitenspiel  tönt,         .  \ 

Sucht  trunken  der  Jüngling  sein  Liebelten;  und  stöhnt, 

Und  heftiger  hämmert  der  Busen  dem  Liebchen»  r 

Sie  winkt  den  Geliebten  «um  GÖttcrgenuss, 

Und  mit  in  Dein  Saitenspiel  lispolt  ein  Kuss 

Von  LiDDCn  des  Jünsliucs .  von  Linnen  des  Liebchen» 


Bey  Erbliclung  des  Kupferstichs  von  Mozart 

Ein  Strahl,  entströmt  den  lichten  Regionen, 

War  Mozart's  Geist.   Die  Götter  senden  ihn,' 
Verwandte  Geister,  so  im  Staube  wohnen, 

Durch  himmlisches  Getön  empor  zu  ziehen. 
Doch  Mozart's  Geist  hielt  kein  Gewand  rom  Staube: 

Der  Strebende  die  Hülle  früh  zerbrach. 
Nach  seiner  Heimath  eilt*  er  wie  die  Taube: 

Wir  seh'n  ihm 


't  r 


Ich  soll  Mozart  und  Rossini  vergleichen?  —   Dieser  ist 
Eine  schqne  Tulpe;  Mozart  eine  Aloe,  die  nur  alle  hundert 

Jahre  blüht. 


„Solch  ein  Genius,  solch  ein  Kind!"  O  wahrlich,  ich  sag' Euch: 
Werdet  ihr  so  nicht,  ihr  kommet  nie  in  den  Himmel  der 


Mozart's  Oper  Schöpfungen, 

Vor  herrscht  hier  der  Gesang?  Das  Orchester?  Dir,  ewiger  Mozart, 
Ist,  allgrosse  Natur!   Alles  Ein  innigstes  All« 


Nur  Er. 


Anderer  Dichtung  durchgründ'  ich  allmahlig:  Du,  Shakespcar- 

Mozart, 

Beutst  mir,  wie  die  Natur,  tmerschöpllichen  Stoff. 


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186 


Text  am  Jahrestage  von  Mozart. 

Musik  von  Danzi» 

Die  Tonkunst  trau'rt.    In  dumpfen  Klagetönen 
Beginnt  ihr  Saitenspicl  ein  feyerliche«  Lied;  . 
Der  Liebling  unter  ihren  Söhnen, 
Ihr  Mozart  war's,  der  heute  schied. 
Er  schied.    Doch  seines  hellen  Geistes  Spuren 
Liess  er  als  Studium  der  Kunst,  zum  Erbtheil  für  die  Nachwelt. 
Wer  staunt  nicht  dieses  Geistes  Fülle  in  seinen  Werken  an  ? 
Sic  sind  der  Nachwelt  Eigenthum, 
Und  unvergänglich  ist  seiu  Ruhin« 

Ja,  unvergänglich.  Wie  aichtbar  ist  in  ihnen  das  schöpferische 

Werde, 

Wodurch  sein  Saitenspiel 

dedanken,  Ahmuth  und  Gefühl  i 

Und  Leben  manchem  .Dichterwerke  gab,  .  . 

Das  längst  vergessen  wäre, 

Wenn  seine  Zauberharmonie 

Nicht  allgemeinen  Reiz  hineingelegt. 

Der  Zeitgenoss  hat  ihn  geehrt-, 

Die  Nachweit  fühlt  noch  seinen  Werths 

Und  dies*  Gefühl  Ton  seiuem  Werth  vereinigt  uns  in  diesen 

kleinen  Zirkel,  den  Manen 
Dieses  grossen  Mannes  ein  feyerliche«  Jahresfest  zu  weih'u. 
Es  steige  in  schwellenden  Tönen    .  • 
lias  Loblied  des  Edlen  empor ! 
*    '  Mit  seiner  allmächtigen  Leyer 

Besänftigt  und  rührt  er  die  Herzen, 

Weckt  wieder  zum  Scherz  und  zur  Freude 

Nach  Stürmen  des  Schicksals  sie  auf.  * 

Diesem  Geber  froher  Stunden 

WehYh  wir  unsere  Dankbarkeit, 

Und  für  das,  was  wir  empfunden,  . 

Lohne  ihn  Unsterblichkeit! 


Mozart. 

In  Salzburg  war  ein  Wunderkuabe, 
Dem  seine  Muse  früh  erschien. 

Beschenkt  mit  ihrer  liimmelsgnbe, 

Schwand  jedes  Spielwerka  Reiz  für  ihn. 


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I 


187 


Beflügelt  er  sich  seine  Zeit,,       •  (  t 
Vorahnend ,  da««  dereinst  ihn  kröne     ■  * 
Der  Lorber  der  Unsterblichkeit.- 


Fünf  Ltnaen,  Witfite^n  erat  dem  Kleinem  • 

Da  war  er  am  CJavier  ein  Held.      ,  - 
Jetzt  sollt*  er  als.efc  Stern  er« ch einen,  ,  j 

Sein  Vater  führ^  ihn  in  die  W?ty  , 
Umstaunt  beherrscht'  er  wie,,  ein,  Meister,  •  t 

Von  Land  zu  Land  daa  Saitenspiel; 
Doch  war  der* Jubel  roher  Geister  , 

Kein  Ehrenlohn,  der  ihm  gefiel. 

Er  sagte  kühl :  Was  *  ann  mir  frommen 

Der  Laycn  wüste«  Lobgeschrey! 
Den  ATÖssten  Meister  lasst  mir  kommen; 

Und  was  ich  gelte ,  sag*  er  frey  \ 
Kam  nun  ein  Fürst  der  Kunst  und  lauschte, 

Und  sprach  ein  Wörtchen  mild  und  hold, 
Das  hob  sein  Herz  und  er  vertauschte 

Des  Kenners^Beyfall  nicht  um  Gold, 

In  Welschland  hört'  er  einst,  tlass  leise 

Bey  seinem  Spiel  die  Rede  ging: 
Der  Deutsche  zwingt  geheimer  Weise 

Durch  seinen  macht'gen  Zauberring. 
So  rannten  knnstbeflissne  Junger 

Von  Neid  befangen  sich  in's  Ohr: 
Er  aber  zog  den  Ring  vom  Finger 

Und  spielte  schöner,  als  zuvor. 


Die  Jahre  stärkten  ihm  die  Schwingen, 

Und  leicht  und  kräftig  flog  der  Aar, 
Der  Bühne  manchen  Schatz  zu  bringen, 

Voll  Urgeist  aber  sonnenklar. 
Wie  glänzt  die  gold'ne  Liederkette, 

Die  er  dem  span'schen  Wüstling  schuf! 
Diess  Wunderwerk  der  Tonkunst  hatte 

Allein  verewigt  seinen  Ruf. 


•  Der  Kummer  floh  von  jeder  Wange, 

Und  das  Gemüth  war  frey  von  Schmerz, 
Betrat  er  nur  mit  einem  Klange 

Die  Brücke  zwischen  Ohr  und  Herz. 


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Der  König  wtnl  von  ihm  erheitern/ 
Das  Hirtenmädchen  ««ig  »ein  LM.  > 

So  hatte  Keiner  noch  erweitert  7 
Der  edlen  Tonkunst  Machtgobietj 

Doch  schwankend  neigte  sich  zur  Erde  » 

Des  grossen* Geistes  enges  Maus, 
,  Und  dass  es  bald  verfallen  Verde, 

Sprach  ahnendes  Gefühl  ihm  aus. 
Es  flog  ihn  an,  als  in  sein  Zimmer 

jc.in;>tninis  nn  unDCKannier  trat 
Und  dringend  mit  des  Golde*  Schimmer 
'    Um  ein«  Seelenmesse  bat; ji"  ■ 

•  9  «  * 

Der  Kunstler,  lenksam  «um  Gewähren, 

Gelobte  sie:  der  Fremde  schied. 
Und  jener  sprach  mit  leisen  Zahrcn: 

Ich  dichte  mir  mein  Tqdtenlied. 
Und  noch  vom  alten  Geist  durchdrungen, 

Der  Ruhm  und  Herzen  ihm  erwarb, 
War  schier  sein  Schwanenlied  gesungen, 

Dann  neigt  er  sanft  sein  Haupt  und  —  »Urb. 

4  •    I     •  f 

In  diesen  Stunden  sank  er  nieder 

Auf  seiner  halben  Erdenbahn, 
Und  Schaareu  seelenvoller  Lieder, 

Sie  flohen  mit  ihm  Himmelan.    .  . 
Wer  seiner' Töne  Zauber  hörte, 

Beklagt,,  das«  sein  Geschick  ihn  rief; 
Und  eine  heit're  Welt  «erstörte, 

Die  noch  in  seinem  Busen  schlier. 

MW 

m 

■ 

Ihn  zeigt  kein  Standbild  hoch  und  Jielir* 
Doch  von  Jahrhundert  zu  Jahrhundert 

Lebt  er  unsterblich  wie  Homer. 
Wenn  Tausend  gleichen  Flug  auch  wogen, 

Sie  holen  seinen  Flug  nicht  ein« 
Er  wird,  so  lange  Herzen  schlagen, 

Der  Liebling  jedes  Herzens 

(Zu  seiner  Todtenfeyer  am  5.  Dvcbr. 


Bey  Arilwrung  des  Mozart9 sehen  Requiem. 

In  schwarzer  Trauer  tiefer  Nacht  gehüllet 

Steh'u  bang'  die  Freunde  an  dem  Grab  und  weinen» 
Kein  Hoffnungsstrahl  will  ihrem  Schmerz  erscheinen, 
Kein  Trost  ist,  der  der  Liebe  Klagen  stillet. 

Des  Weltgerichtes  Schreckenstag  erfüllet 

Mit  bangem  Schauer  selbst  den  Geist  des  Reinen: 
Es  zittern  um  des  Todten  Ruh  die  Seinen, 
Dass  bebend  ihr  Gesang  zum  Himmel  quilleU 

Und  drey  Mal  zu  dem  Heiland  dringt  ihr  Sehnen : 
Lamm  Gottes,  gieu  dem  Todten  ew'gen  Frieden! 
Da  schwebt  dejr  Geist  herab  auf  heil'gen  Tönen, 

Des  Himmels  Ruh*  erquickt  die  Schmcrzensmüden, 
Zur  leisen  Klage  wird  ihr  lautes  Stöhnen, 
Und  ihres  Todten  Asche  ruht  im  Frieden  I 


Vom  R  e  q  u  i  e  m. 

% 

Von  Heldenkraft  erzeugt  in  glüh'nder  Stunde, 
Kühn  hingeworfen  der  Natur  in  Schoos, 
Ob  er,  der  Sohn,  ergeben  seinem  Loos, 
Er  sterbe,  ob  er  «um  Unsterblichen  gesunde. 


Und  er  erwuchs,  der  Heldensohn.   Vom  Bunde 
Des  Hergebrachten  reisst  sein  Arm  sich  los; 
Kühn  blickt  sein  blaues  Aug',  auch  schmachtend  gross 
Steht  er.  und  hört  aus  kalter  Richter  Muude : 

Verweg'ner,  wühlst  Du  auf  der  Menschheit  Grauen? 
Nur  Kreuz,  nicht  Palrae  lässt  Dein  Glaube 
Nur  seine  Thrane,  ohne  sein  Vertrauen? 


Nacht  deckt  mich,  doch  vom  Stern  der  Lieb'  erhellt 
(Ihr  seht  den  nicht)  so  bin  ich  aufgestellt, 
Ein  Bild  des  Werden»  überirdischer  Welt* 


Das  Requiem, 

Amadeus  sitzt  im  kleinen  Zimmer, 

Still  und  eigen  in  sich  selbst  gekehrt. 


> 

« 


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190' 


Durch  die  Scheiben  blinkt  des  Mondes  Schimmer, 
Kühl  der  Nachtwind  durch  die  Blumen  fährt. 

Stumm  ist's  allzumal, 

Und  in  süsser  Quaal 
Zucken  dumpfe  Schmerzen  durch  dio  Brust. 

Plötzlich  wird  er  leise  angerühret, 

Und  es  steht  vor  ihm  ein  spater  Gast. 
„Wer  hat  nur  Dich  noch  herein  gefuhret? 
Ist  es  doch  um  Mitternacht  schon  fast*  — " 

„„Thür  und  Angel  wich;  *      •  - 

Als  ich  kräftielich  _  . 

Porhte,  ward  mir  aufgethan«  • 

Bin  der  Diener  eines  grossen  Herren.'1  J 

Kennst  ihn  wohl,  und  er  weiss  a,nch  von  Dir. 
Weltlust  konnte  Dich  nicht  von  ihm  zerren. 
Höre  nur,  was  er  gebeut,  von  mir. 
Einen  Todtensang, 
Einen  Trauerklang 
Sollst  Du  setzen,  Amadeus,  schnell. 

Dreyer  Tage  Licht  ward  Dir  gegeben, 

Nach  drey  Tagen  schnu'st  Du  mich  auPs  Neu'. 
Auf!  o  Amadeus,  und  das  Leben 
Setze  gern  an  diese  Melodey: 

Deiner  Künxtlerschaft  , 
Krone,  Blüth'  und  Kraft 
Lod're  d'raus  in  ew'gen  Flammen  her. 

Denn  an  eines  grossen  Todten  Grüften 
Soll's  ertönen  wie  ein  Splifrcnlied. 
soll  es  den  entzückten  Lüften, 


Herrlich  ist  der  Lohn. 
Du,  mein  lieber* Sohn,  • 
Lebe  wohl;  sey  meines  Spruchs  gedenk.' 

Leise,  wie  er  kam,  so  geht  er  wieder, 

's  ist,  als  wehte  ihn  die  Nachtluft  fort. 
Amadeus  starrt  zur  Erde  nieder: 


„Wer  war  dieser?  —  Welch  ein  seilsam  Wort! 

Floss  es  nicht  wie  Licht 

Von  dem  Angesicht? 
Blitzt'  es  nicht  wie  Sterno  durch  die  Nacht? 


Wem  soll  ich  zur  ew'gen  Ruhe  tönen? 

Wer  ist  dieser  hohe  Himmelssohn? 
Warum  zählt  «ich  dieser  zn  den  Söhnen? 

Und  was  ist  des  Werkes  Preiss  und  Lohn?" 
Also  quält  und  fragt 
Er  sich,  bis  es  tagt, 
Und  ein  kurzer  Schlummer  ihn  umfangt. 

Wie  nun  Helios  in  bunten  Lichtern 

Deinen  heil'gen  Graus,  o  Nacht,  begrabt, 
Sagt  der  Töne  Meister  leis*  und  schüchtern 
Trauter  Gattin,  was  er  hat  erlebt, 
„Liebes  Herz,  das  hat 
Irgend  ein  Magnat 
Dir  geboten,  folge  dem  Geheiss."  — 

„„Frau,  mit  nichten;  dieser  Jüngling  mahnet 
An  ein  hohes,  ewig  fernes,  Bild.""  — 

„Herzchen,  wie  Du  schwärmst!    Was  mir  nun  ahnet, 
Ist  ein  Beutel,  reich  mit  Gold  gefüllt, 

1  Mach»  es  gut  und  schön, 

Und  wir  werden  seh'n, 
Wie  der  fremde  Herr  die  Kunst  belohnt."  — 

Und  der  leichten  Rede  leichte  Wellen 
Spülen  tief'res  Ahnen  aus  der  Brust« 
i  Heiter  geht  er  zu  der  Kunst  Gesellen, 
Ruft  den  Tönen  in  gewohnter  Lust. 
„Schon  zwey  Tage  hin  — 
Denk'  an  den  Gewinn, 
Denke  unVrer  Noth  und  eile  Dich." 

„„Noch  war  nicht  die  Stund',  o  Frau,  gekommen : 

Tagelöhnern  kann  ich  einmal  nicht. 
Ist  der  Weihe  Funken  erst  entglommen, 

Strahlt  es  schnell  hervor  in  Feu'r  und  Licht. 
Aber  Mühe  dringt  — 
Aber  Sorge  ringt 
Keine  Töne  ab  dem  Genius."" 

Und  der  zweyte  Abend  schwimmt  im  Rothe, 
Und  die  Hand  ist  nicht  an's  Werk  gelegt. 

„Kehrt  nun  morgen  wieder  jener  Bote, 

Traun !  mit  vollem  Flug'  sein  Zorn  sich  regt." 


<92 


„„Eine  Nacht  Ist  mein  — 
Wirst  nicht    hörigt  scyn  — 
Cieb  den  Kusa  mir  noch  —  Nun ,  gute  Nacht ! 

Drauf  verschliesst  er  sich  in  seine  Klause, 

Da  wird  ihm  so  hoch  und  ernst  und  weh« 
„Dunkel  waltet  nun  im  ganzen  Hause ; 
Aber  gülden  blickte  ron  jener  Höh*. 
Himmel,  gross  und  hchrl 
Erde,  schwarz  und  schwer! 

Du,  mein  Herz,  immitteu  roll  und  heiss!** 

» 

Silbern  durch  den  Garten  Lilien  glänzen 

Glühwurm  zieht  die  kleine  helle  Spur. 
Droben  kreisen  nun  in  ew*gen  Tänzen 

Leyer,  Schwan  und  Wagen  und  Arctur. 
Manche  Blüthe  keimt, 
Und  die  Erde  träumt 
Von  verlorner  Unschuld  Paradies. 

Amadeus  kühlt  den  Brand  der  Wange 

An  dem  offnen  Fenster  —  blickt  hinauf, 
Blickt  hinab,  und  steht  und  sinnet  lange, 
Endlich  rinnt  der  Thränen  milder  Lauf. 
„Ach  vielleicht  wie  bald 
Lieg*  ich  stumm  und  kalt 
In  dem  engen  Breterkämmerlein, 

Leben,  Leben,  wie  die  Blase  nichtig! 

Tod,  Du  Unerbittlich  finstVe  Macht! 
Irdisch  spielen,  eitel,  leer  und  flüchtig f 
Der  langen,  langen,  stummen  Nacht! 
Lange  währt  die  Nacht, 
Aber  in  ihr  lacht 
Von  drey  Lichtern  rosenroth  der  Schein? 

• 

Glaube,  Liebe,  Hoffnung,  heil'ge«  Scheinen! 

Winkt  vom  Himmelsbogen  sanft  mir  zu. 
Lasst,  ihr  müden  Augen,  ab  vom  Weinen: 
Christus  lebt  und  schenkt  euch  süsse  Ruh'. 
Kommt,  ihr  Klänge,  gleich: 
Ich  beschwöre  euch, 
Tönet,  tönet  mir  von  Tod  und  Grab." 

Zu  dem  Tische  treibt  es  ihn  zu  schreiten. 
Aus  den  Augen  glüht  Begeist'rung  vor. 


193 

■— — — — 


Wuilderaamo  Weisen  ihn  umgleiten, 

Achtsam  lauschet  das  eutzuckte  Ohr. 
Ob's  von  innen  singt, 
Ob's  von  dranssen  klingt, 
Scheiden  die  entflammten  Sinne  nicht. 

i 

Was  er  hört,  das  musa  er  emsig  schreiben? 

(So  ersteht  der  Töne  dauernd  Bild) 
Kann  vor  süssem  Schmerze  fast  nicht  bleiben, 
Durch  die  Adern  jagt  das  Blut  ihm  wild. 
Doch  er  lä'sst  nicht  ab, 
Riss»  es  ihn  in's  Grab,  , 
Müsst'  er  geben  d'rum  sein 'Leben  hin. 

Rastlos  schreibt  er  fort  durch  manche  Stunde. 

Zu  dem  Zeichen  fügt  das  Zeichen  sich. 
Eins!  ertönet  aus  der  Glocke  Munde, 

Eben  zieht  die  Hand  den  letzten  Strich. 
Nun  erschöpft  zurück 
Siukt  er,  und  sein  Blick  «  , 

Hellet  brechend  sich  an's  hohe  Werk. 

Horch  1   Da  schallen  ernste  Harfentöne, 

Dämmernd  Fallt's  hinein  "wie  Morgenroth. 
Leuchtend  in  crhab'ner  Himmelsschöne 

Steht  der  Fremdling  da,  der  ihm  gebot. 
Gold'ner  Haare  Licht 
Kränzt  das  Angesicht, 
Von  den  Schultern  sinkt  ein  Flügelpaar. 

Kein  Gewand  verhüllt  die  schlanken  Glieder, 

.  Um  die  Ferse  fliesst  ein  gold'ner  Dunst. 
Lock'  und  Licht  und  mächtiges  Gefieder 
Küuden  Dich,  o  Engel  schöner  Kunst! 
Aber  mild  und  weich, 
Einer  Flöte  gleich, 
Oeffnet  bald  die  hohe  Lippe  sich: 

^Amadeus,  Du  hast  Wort  gehalten, 

Sollst  empfahen  den  verheiss'nen  Lohn. 
Muss  der  Leib  auch  eine  Weil'  erkalten, 
Gehst  Du  selber  doch  zu  Vaters  Thron. 
Morgen  Abend  bringt  — 
Morgen  Abend  singt 
Djch  zuerst  Dein  Requiem  in  Ruh. 

13 


i94 

Würdig  ao,  vom  Schwanenlied  umklungcn, 

Mein  erwähltes  Kind  hinüber  zieht« 
AndYe  Meister  hatten'*  nicht  gesungen, 

Welch  ein  helle«  Licht  der  Kunst  verglüht ! 
Sangst  es  selber  vor 
Dir  im  Trauerchor, 
Und  Dein  Engel  heischte  dieses  Lied. 

Sage  Lebewohl  der  grünen  Erde, 

Schau  sie  froh  und  kräftig  noch  'mal  an!" 
Spricht'«,  und  küsst  mit  liebender  Geberde 
Sanft  die  Stirne  dem  verzückten  Mann. 
Schnell  das  Leben  weicht, 
t  Seine  Wange  bleicht, 

Schmerzlos  sinket  Amadeus  hin. 

Mittag  ist's.    Die  Gattin  weint  und  klaget, 

An  der  festverschloss'nen  Thüre  drückt. 
„Sagt,  ihr  guten  Leute,  mir,  o  saget: 

Habt  ihr  meinen  Gatten  nicht  erblickt?" 
Jünger,  fromm  und  treu 
Ahnend,  wo  er  scy, 
Stemmte  an  die  Pforte  sich  vereint. 

Endlich  wankt  die  festgefügte  Platte, 

Schloss  und  Riegel  springt  —  hinein  die  Schaar. 
Und  was  Jeder  schwer  gefürchtet  hatte, 

Schauen  sie,  sthau'n  ihn  des  Lebens  bar. 
,  Lächelnd,  unentstellt 

Mit  der  Rechten  hält 
Fest  an's  Hera  er  ein  beschrieb'nes  Blatt. 

Zahllos  strömen  bitterheisse  Thränen 

Aus  des  Grames  dunklem,  tiefem  Born. 
„Musstest  Du  so  frühe  Dich  verklären, 

Gatte,  Vater,  Meister,  Ziel  und  Sporn? 
Lässt  uns  einsam  stehn, 
Lässt  uns  traurig  gehn, 
Und  wir  blicken  ewiglich  nach  Dir." 

Sanft  der  ält'ste  Jünger  ihm  entwindet, 
Was  die  Hand  gefasst  im  Todesstreit, 

Und  mit  schmerzlichem  Entzücken  findet 
Er  die  Weise  von  der  Ewigkeit, 


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Zeigt  sie  Allen  hm : 
„Wer  hegt  frommen  Sinn, 
Bringt  sie  Meisters  letzter  Ehre  dar." 

Ernsthaft  stehn  des  Domes  weite  Hallen 

In  der  Kerzen,  in  der  Ampeln  Glanz. 
Süsse  Weihrauchdüfte  wehn  "und  wallen, 

Auf  dem  schwarzen  Sarge  grünt  der  Kranz. 
Vor  dem  Hochaltar 
Weilt  der  Jünger  Schaar, 
In  den  Gängen  ein  unzählig  Volk. 

Jetzo  hauchen  wehmuthreiche  Flöten 

Und  Clarinen  sanftes  Klaggetön. 
„Tod,  warum  das  frische  Leben  todten? 

Glüht's  und  blüht's  von  Blumen  doch  so  schön ! 
Blume ,  Frucht  und  Laub, 
Werden  soll**  ein  Staub?*4 
Fragen  lange  bange  weinend  sie. 

Plötzlich  schmettert,  dass  die  Hallen  zittern, 

Der  Trommete  Ruf  durch  diesen  Laut: 
„Schweig' ,  o  Klag' !    In  leuchtenden  Gewittern 
Naht  der  Todtenrichter.    Aufgeschaut  1 
Sünder,  schüttelt  euch, 
Fromme,  freuet  euch! 
Das  Verborgeue  wird  offenbar." 

Aber  milde,  wie  ein  Maienregen, 

Fliesset  nun  das  Friedensliod  herab. 
Alle  Töne  künden  frey  den  Seegen, 

Den  der  Mittler  uns  am  Kreuze  gab. 
v  „Hölle,  Deine  Macht 
Ist  zu  Schanden  bracht, 
Fried'  im  Himmel  und  auf  Erden  spriesst." 

Stille  wird's,  da  redet  Keiner  Worte, 

In  gewaltiger  Rührung  bricht  das  Herz, 
Schaurig  Öffnet  sich  djc  dunkle  Pforte ; 

Doch  nach  Oben  blickt  der  heilige  Schmerz. 
Nieder  sinkt  der  Sarg, 
Aber  den  er  barg, 
Hört  im  Blau  der  Engel  sel'gen  Chor# 


13' 


196 

Auf  Mozart'a  Tod. 

m 

Wohin,  nach  seinem  Tod\  wohl  Mozart'a  Geist  geeilet, 

Bleibt  jedem  Grubler  unbewusst; 
Ward  er  dem  düstern  Ort  der  Busse  zugethcilet, 

So  wandelt  ihn  sein  Spiel  alsbald  zum  Ort  der  Lust; 
Und  kam  er  in  das  Reich  der  Freuden, 
So  müssen  seine  Kuust  die  Seraphim  beneiden! 


Mozart*  8  Tod. 

Der  Herr  der  Götter  öffnete  die  Himmel 
Und  blickto  auf  das  irdische  Gewimmel, 

Als  Phöbus  aus  dem  Meere  stieg. 
Hier  hob  die  Freudo  jubelnd  ihre  Arme,  • 
Dort  stöhnt  der  Jammer  flehend  sein  „Erbarme!" 

Und  ihre  Laute  mischen  sich. 
Durch  Jammerruf  und  Freudenjubel  bringen 
Sich  SaitcntÖne,  die  sich  aufwärts  schwingen 

Bis  zu  der  Götter  hohem  Haus. 
Was  sind  die  TÖne,  die  so  rein  erschallen 
Und  durch  die  Wolken  zu  den  Himmeln  wallen? 

Hüft  Jupiter  voll  Stauucn  aus. 
Ist  Orpheus  auf  die  Unterwelt  gestiegen? 
Sind's  Phöbus  Töne,  die  zum  Himmel  fliegen? 

Wer  zaubert  diesen  Himmelslaut? 
Nicht  Orpheus,  spricht  Merkur,  stieg  auf  die  Erde, 
Und  Phöbus  leitet  seine  Sonnenpferde 

Dahin,  im  weiten  GÖttersaal'» 
Die  Saitentöne ,  die  so  rein  erschallen, 
Und  durch  die  Wolken  zu  den  Himmeln  hallen, 

Schuf  Mozart  dort  im  Donauthal'. 
Da  sendet  Zeus  mit  flüchtigem  Gefieder 
Den  Götterboten  zu  der  Erde  nieder, 

Den  Sterblichen  zu  holen  zum  Olymp ; 
Der  nah't  sich  ihm  auf  leisen,  luft'gen  Schwingen, 
Doch  als  des  Meisters  Harmonie'n  erklingen, 

Eilt  er  zurück  zum  GÖtterthron' 

■ 

Und  spricht:    Herr,  dessen  Töne  dort  erklingen, 
Er  ist  ein  Gott!  ich  kann  ihn  Dir  nicht  bringen, 
Unsterblich  ist  er,  Göttersohn! 


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197 

Da  sendet  Zeus  Von  «einem  Himmekthrone 
Der  Tonkunst  sanfte  Göttin  xu  dem  Sohne, 

Ihn  abzuholen  zum  Olymp. 
Die  weht  ihm  Schlummer  auf  die  Angen  nieder, 
Wiegt  ihn  in  Schlaf  und  singt  ihm  Hitnmclslieder, 

Und  schlummernd  raubt  sie  ihn  der  Weh, 
Am  Götterthron'  verhallen  ihre  Lieder, 
Er  Öffnet  die  geschloss'nen  Augen  wieder 

Und  staunt  den  Glanz  der  Gottheit  an* 
Zu  gross  war'st  Du,  für  Menschen  nicht  geboren, 
Und  Deine  Harmooie'n  bestimmt  für  Götterohren, 

Spricht  Zeus,  d'rura  rief  ich  Dich. 
Die  Erdenhülle  hemmt  des  Geistes  Flügel, 
Dort  schiebt  der  Körper  schwere  Iüsenriegel 

Vor's  Heiligthum  der  Grazien! 
Vernimm  nun  hier  die  Sphären -Harmonieen 
Und  töne  Deine  reinen  Melodieen 

In  aller  Sterne  Feyer-Tanz, 


Mozart9  8  Ende. 

1- 

•  •  • 

Schon  neigt  sich  dämmernd  meines  Lebens  Tag, 
Schon  seh'  ich  seine  frischen  Farben  schwinden; 

Es  kündet  mir  des  Herzens  matter  Schlag: 

Bald  wird  mein  Geist  den  Weg  zum  Lichte  füideiu 

So  sey  es  denn!    Was  auch  da  kommen  mag, 

Des  Höchsten  Wille  lässt  sich  nicht  ergründen  \ 

Doch  heimwärts,  fühl'  ich,  strebet  meine  Seele, 

Zu  flieh'n  des  Leibes  morsche  Kerkerhöhlei 


Ich  habe  nicht  gegeizet  mit  dem  Leben, 

Die  süsse  Gabe  hab»  ich  rasch  verzehrt}  . 
.Nickt  fesseln  könnt'  ich  meiner  Kräfte  Streben, 
Des  Blutes  Trieben  hab'  ich  nicht  gewehrt. 

Wer  aber  kann  an  dem  Einfbrm'geu  kleben, 
Der  im  Gemüth'  unlÖschbar  Feuer  nährt? 

Und  frühe  Hess  ich  reich  in  Tönen  blühen. 

Was  liebend  mir  mein  Genius  verliehen. 


*9S 


3- 

In  deinem  Schoos»',  o  Kunst,  ward  ich  geboren, 
Mit  weih'ndcr  Huld  hast  du  mich  angeblickt; 

Es  tranken  deine  Zauber  meine  Ohren, 

In  deinem  Himmel  ward  ich  früh  entzückt; 

Dir  hab»  ich  frühe  heil'go  Treu»  geschworen, 
Und  täglich  ward  ich  mehr  in  Dir  beglückt; 

All  meiner  Kindheit  goldgewebtes  Träumen 

Erging  sich  nur  in  deinen  heitern  Räumen. 

4. 

Du  locktest  oft  des  weichen  Knaben  Thranen, 
Sein  regsames  Gemüth  belebtest  du; 

Ich  dachte,  fühlte,  träumt»  und  wacht»  in  Tönen, 
In  dir  nur  fand  ich  Wirken ,  fand  ich  Ruh». 

Nur  deine  Blüthen  sollten  einst  mich  krönen, 

D'rum  schloss  mein  Hera  ich  allen  Dingen  zö, 

Die  an  Alltäglichkeit  den  Menschen  ketten. 

Die  deine  Huld  mir  leicht  entzogen  hätten. 

5. 

So  kprosst*  ich  auf,  als  wio  genährt  von  Klangen, 
Und  mir  erschien  die  Welt  gaus  Harmonie; 

Es  drohte  fast  des  Knaben  Brust  zu  sprengen, 
Was  mir,  o  Göttin!  deine  Huld  verlieh; 

Es  strebte  frühe  sich  an's  Licht  zu  drängen, 
Was  mir  lebendig  schuf  die.  Phantasie ; 

Ich  reifte  schnell,  es  durften  meine  Schwingen 

Früh  nach  des  Ruhmes  steilem  Gipfel  ringen. 

6* 

Doch  war  ich  nie  vom  stolzen  Wahn'  befallen, 
Als  kam',  was  ich  geleistet,  nur  aus  mir: 

Vernahm  ich,  Knabe  noch,  mir  Beyfall  schallen 
In  fernen  Reichen,  er  gehörte  dir. 

In  meinem  Ring'  ist  Thoren  eingefallen 

Zu  wähnen  Zauberkraft;  ich  Üiat  von  mir 

Des  Fipgers  Schmuck,  damit  ich  ihnen  zeigte, 

Dass  reiner  Liebe  nur  die  Kunst  sich  neigte. 
• 

Ermessen  hab'  Ich,  Tonreich,  deine  Tiefen, 
De«  Neuen  und  des  Grossen  viel  gestaltet; 


199 

• 

Viel  Zauber,  die  noch  nngchört  da  schliefen, 
Die  dunkel  mir  im  Innersten  gewaltet. 

Die  an  das  Licht  nicht  Gluck  noch  Händel  riefen, 
Und  deren  Macht  mir  selbst  das  Hera  gespaltet: 

Ich  rief  sie ,  weckte  sie ,  und  wie  sie  rauschten, 

So  schien  mir  oft,  als  ob  die  Engel  lauschten. 

8- 

O  Liebe ,  hab'  ich  nicht  dein  glüh'ndes  Sehnen, 
Hab'  ich  nicht  alle  deine  Zärtlichkeit, 

Dein  Schmachten,  deine  Wonne,  deine  Thrä'neu 
An  meiner  Lieder  bunten  Kranz  gereiht? 
.  Auch  süssen  Scherzen,  Tä'ndeley'n  und  Wähnen 

Hab*  ich  manch  zart  gehauchtes  Lied  geweiht ; 

Und  wie  mich  selber  deino  Gluth  durchdrungen, 

Hab*  ich  sie  Andern  tief  ins  Herz  gesungen. 

9. 

Gleich  Blumen,  die  auf  Wiesen  dar  sich  bieten, 
Verjünget  sie  der  Lenz  mit  frischem  Segen; 

So  kam,  wenn  deine  Flammen  mich  durchglüh'ten, 

»    Begeisterung!  gern  jeder  Ton  entgegen. 

Wie  Westhauch,  der  um  Blumen  spielt,  wie  Wüthen 
Des  Wettersturms,  gleich  raschen  Donnerschlägen 

Ist  mir's  geglückt,  die  Hörer  zu  erschüttern; 

Ich  sah»  sie  schmachten,  weinen,  jubeln,  zittern, 

10- 

So  lange  wohl  Thaliens  Tempel  stehen, 
Wo  tiefe  Regung  sich,  Gefühles  Drang 

Des  menschlichen  Gemüüis  begleitet  sehen 
Von  recht  gewähltem  seelenvollem  Glanz : 

Wird,  hofl'  ich,  me  mein  Name  untergehen, 
Wird  mit  den  Meistern  von  dem  ersten  Rang, 

So.  lang'  die  Muse  wandelt  hier  auf  Erden, 

Mit  Lieb»  und  Achtung  stets  genennet  werden. 

11. 

Dir  selbst,  Allhöchster!  reicht»  ich  Feyerklä'nge, 
Sie  durften  in  der  Kirche  hehren  Hallen  * 

Zu  Deinem  Preiss  bey  festlichem  Gepränge, 

Und  zur  Erweckung  heisser  Andacht  schallen. 

Ein  schwacher  Dank  nur  sollten  die  Gesänge 
Für  Deino  Vaterhuld  zum  Himmel  wallen: 


uigiiizeo 


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200 

 1 

i 

Da  alte  Kunst  nur  dann  erst  froh  gedeiht, 
Wemi  sie  ihr  Streben  Deiner  Ehre  weih'U 


Nimm  meinen  Dank  1   Durch  Dich  ist  mir**  gelungen, 
Was  ich  su  schaffen  feurig  war  bemüht; 

Durch  Deine  Huld  ha)/  ich  das  Ziel  erschwungen. 
Nach  welchem  schon  mein  Knabenherz  geglüht. 

Dein  Engel  hielt  mich  liebevoll  umschlungen, 

Liess  mich,  von  schönern  Traumen  stets  umblüht, 

Die  Harmonie^  der  seel'  gen  Geister  hören, 

Uud  nicht  der  Erde  Tanu*  mein  Herz  bethören. 

13. 

Ein  weich  gestimmtes  Kind  bin  ich  geblieben, 
Und  lebte,  wie  die  Laune  mir's  gebeut; 

Nachgiebig  meinen  wandelbaren  Trieben, 

Hab*  ich  den  kalten  Ernst  von  mir  gescheut. 

Ich  fühlt'  es  brennend  mir  in*s  Herz  geschrieben, 
Dass  ich  nicht  lebte  für  die  Spanne  Zeit, 

Die  mir  auf  Erden  hier  war  zugemessen, 

D'rum  hab'  ich  ihrer  Güter  leicht  vergessen. 

i 

14- 

Du,  treue  Gattin!  host  es  wohl  erfahren, 
Wie  ich  das  Leben  sorglos  hingeträumt; 

Dass  ich  ein  and'res  suchte  zu  bewahren, 

Als  was  mir  tönend  in  der  Brust  gekeimt. 

Ach  Deiner  Liebe ,  der  unwandelbaren, 

Bedurft'  ich  sehr,  da  Alles  ich  versäumt, 

Was  von  dem  Mann  und  Gatten  heischt  das  Leben 

An  Sorgfalt,  Müh»  und  häuslicherm  Bestreben. 

15- 

Wie  schnell  war  alles  oft  der  Hand  entronnen. 
Die  ich  stets  offen  zum  Verschwenden  hielt, 

Was  meine  Kirnst  an  frohem  Lobu  gewonnen, 
Mit  Allem  hatt'  ich  kinderhaft  gespielt; 

Versäumt,  vertändelt  hatt'  ich  unbesonnen, 

Wonach  der  selbstbedachte  Fleiss  nur  zielt. 

Und  alle  Sorgen  meidend,  alle  Plagen, 

Licsa  ihre  I<ast  ich  Dich,  o  Gute!  tragen. 


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201 


16. 

Verzeihe  mir,  wenn  ich  nun  froh  erblasse. 

Den  leichten  Sinn,  der, nicht  mich  sorgen  Hess, 

Dass  ich  die  Gattin ,  die  ich»  bald  verlasse, 

Und  der  mein  Ruhm  ein  glücklich  Loos  verhieaa, 

Bedroht  vom  herben  Mangel  hinterlasse. 

Doch  wenn  die  Welt  nicht  heuchelnd  meist  mich  priess, 

So  wird  sie,  denk.'  ich,  selber  sich  zu  Ehren, 

Von  Dir,  Constanze!  Noth  und  Kummer  wehren, 

•  • 

17-       .  . 
O  schone  nun  der  ThrJnen!   Diesen  Waffen, 

Geliebtes  Weib!  erliegt  mein  sieches  Hers« 
Lass  mich  den  letzten  Math  zusammenraffen^ 

Dass  nicht  absinge  mir  der  Trennung  Schmerz : 
Lass  schauen  mich  auf  das,  was  ich  geschaffen, 

Damit  ich  freudig  schaue  himmelwärts; 
Denn  was  in  mir  gelebt,  ich  hab's  ergossen: 
So  sey  denn  meiner  Tage  Kreis  geschlossen. 

18- 

Zwar  hatt'  ich  gern  noch  Grösseres  vollendet  1 
Denn  Grösseres  noch,  als  ich  je  vollbracht, 

Wozu  dem  Himmel  ich  die  Tön*  entwendet, 
Was  nur  das  Ohr  der  Seraphim  gedacht, 

Ha*tt*  ich  der  Welt  zum  Abschied  gern  gespendet; 
,        Es  reget  sich  in  mir  mit  heft'ger  Macht; 

Das  Niegehörte  möcht1  ich  gern  noch  wagen, 

Doch  was  es  ist,  ich  weiss  mir'a  nicht  zu  sagen. 


19. 

Allein  der  Funken  hat  nun  ausgeglühet, 

Der  Himmeisfunken,  der  mich  einst  belebt; 

Das  Reich  der  heitern  Phantasie  verblühet,  ' 
Des  Geistes  Flügel,  der  so  hoch  gestrebt, 

Er  ist  erlahmt!   Des  Leibes  Bürde  ziehet 

Zur  Grtifft  mich ,  wo  kein  süsser  Laut  mehr  schwebt. 

Ermattet,  ach!  gebrochen  ist  die  Kraft; 

So  sprenge  denn,  o  Seele,  Deine  Haft!«« 


20- 

Still  saass\  die  blassen  Wangen  feucht  von  Thra'uen, 
Der  Meister  an  der  lieben  Gattin  Hand; 


In  seinem  Auge  glüht'  ein  tiefes  Sehnen, 

Zum  Himmel  blickt'  es  lang*  und  unverwandt. 
Es  war  ja  leider!  auch  kein  eitles  Wähnen. 

Was  er  im  Innern  j:t  zt  so  wahr  empfand : 
Ganz  hingegeben  seinem  Todesahnen 
Erging  sein  Geist  sich  schon  auf  lichtem  Bahnen. 

/  i 
21- 

Constanzen  war  nicht  aller  Trost  entschwunden, 

Es  dämmert  ihr  noch  schwacher  Hoffnuugsscheiu, 

Der  theure  Gatte  könne  noch  gesunden, 

Es  sey  noch  HülP  in  kra'ft'gen  Arzeney*u. 

Die  zarte  Pflege  lindert  ihre  Wunden, 

Die  stets  um  ihn  sie  hiess  geschäftig  seyn. 

Ach ,  Hülfe ,  so  wir  Leidenden  erzeugen, 

Sie  heisst  des  Busens  eig^e  Leiden  schweigen. 


22- 

Da  pocht  es  an  der  Thüre  mit  drey  Schlagen ; 

„Was  für  Besuch  am  Morgen  früh?  Herein!44 
Rief  Meister  Wolfgang  sanft ,  und  ihm  entgegen 

Tritt  eine  hohe  Mannesbildung  ein. 
Schwarz,  wie  wir  es  um  Tode  trauernd  pflegen, 

War  sein  Gewand ,  und  bleich  wie  Mondenscheiu 
Sah  das  mildernste  Antlitz ;  in  den  Zügen 
Und  Blicken  schien  geheimer  Schmerz  zu  liegen. 

■ 

23. 

Den  Meister  fasst  ein  ungewohntes  Bangen, 

Wie  Grabes  Hauch  umweh'ts  ihn  leis  und  kalt ; 

Zu  Schnee  entfärben  schnell  sich  seine  Wangen, 

Doch  freundlich  nahead  spricht  die  Mannsgestalt : 

Mich  treibt  zu  Dir,  o  Meister!  ein  Verlangen, 
Das  Du  nur,  der  den  Scepter  der  Gewalt 

Im  Tonreich  fuhrt,  vermagst  recht  zu  erfüllen; 

Vernimm  denn  ruhig  meinen  Wunsch  und  Willen. 

24- 

Es  löVte,  ferne  Dir,  die  ird'sche  Bande 
Von  einer  hohen  Seele  jüngst  der  Tod, 

Sie  heim  zu  führen  in  dos  Friedens  Laude, 
Wie  es  der  ew'ge  Vater  ihm  gebot. 

Sie  flog  empor  aus  ihrem  Nachtgewand  e, 

Sie  schwang  sich  froh  zum  schönem  Morgenroth. 


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203 


Doch  hier  auf  Erden  liess  sie  tiefe  Trauer 

Üb  ihres  frommen  Wandeins  kurzer  Dauer. 

i 

■ 

»  r 

25- 

Der  Abgeschied'nen  oft  noch  au  gedenken, 
Zu  sanfUgen  der  Hinterlassen  Schmerz, 

Sollst  Du  der  Welt  ein  herrlich  Denkmal  schenken, 
Das  bleibender,  als  Marmor  sey  und  Era. 

Weg  von  der  Erde  nach  dem  Himmel  lenken 
Süll  es  der  Menschen  sündenbanges  Herz, 

Soll  es  versöhnen  mit  den  Machtgedauken 

An  seine»  Daseyrts  engbemess'ne  Schränken. 

26-  •  * 

Wie  Rauch  und  Nebel  soll  vor  ihm  z  er  iiiessen 

Der  Erdengüter  bunte  Flitterpracht  j 
Der  Zukunft  Pforte  sich  dem  Geist  erschliessen. 

Damit  er,  wie  aus  schwerem  Traum  erwacht, 
Froh  den  Verklärungsmorgen  möge  gTÜsseu, 

Zum  laicht  eingehend  aus  der  trüben  Nachts 
Ermuthigt  und  ersehnend  Gott  «u  schauen, 
Von  sich  abwerfe  Todesfurcht  und  Grauen. 

27« 

Und  solch  erhabenes  Denkmal  zu  vollenden, 
Hat  Deine  Kunst  die  Reife  nun  erlangt, 

Dä  Deine  Blicke  sich  nun  heimwärts  wenden« 
Da  nach  dem  Ew'gen  Deinen  Geist  verlangt« 

Ermanne  Dich!  Gott  wird  noch  Kraft  Dir  spenden 
Vollbring*  es  kühn,  'wie  auch  davor  Dir  bangt 

Tod  und  Gericht,  Verklärung  und  Vernichtung 

Sey  Deüier  Muse  letzte  schönste  Dichtung. 

28- 

Und  mit  dem  letzten  Wort  war  er  verschwunden« 
Woher  er  kam,  wohin  sein  Fuss  ihn  trug? 

Man  hatte  nimmer  eine  Spur  gefunden« 

Doch  in  des  Meisters  bange  Seele  schlug 

Em  heller  Blitz ;  er  meinte  zu  gesunden, 

Er  fühlt  sich  stark  genug,  den  höchsten  Flug 

Iirs  Zauberreich  der  Töne  noch  zu  wagen. 

Und  gilt»  es  auch  den  Rest  von  seinen  Tageu. 


204  ' 


29. 

Lang»  »aast  er  sinnend ,  tief  in  riet  versunken, 

Die  Hände  faltend  über  «eine  Brust; 
Sein  Auge  glänzt  von  neuen  Lebensfunken, 

Er  schien  kaum  halb  sich  seiner  selbst  bewusst. 
"Dann  blickt  er  aufwärts,  gans  gedankentrunkeu, 

Und  lächelt  wie  entzückt  in  Himmelsluat, 
Bis  er  aufathmend,  wie  nach  tiefem  Schlafen, 
Umschauet  und  seiu  Weib  die  Blicke  trafen. 

*  30- 

* 

Er  sprach:  Woher  ist  dieser  Traum  gekommen, 

Da  mich  umleuchtet  klar  des  Tages  Licht? 
Hab*  ich  nicht  deutlich  jedes  Wort  vernommen  ? 

Noch  tönt  es  mir,  wie  seino  Stimme  spricht. 
Mein  ganzes  InnVe  fühl'  ich  heisa  entglommen ! 

Tod,  Untergang,  Verklärung  und  Gericht  . 
Soll'  ich  in  nie  gehörten  Weisen  singen  — 
Ach,  müder  Geist,  wie  wirst  Du  dies«  vollbringeu! 
• 

3t. 

Ein  Todesengel  bist  Du  mir  erschienen, 

Du  fremde,  düsterfreundliche  Gestalt! 
Ein  ernstes  Mahnen  sprach  aus  seinen  Mienen, 

Es  fasste  mich  mit  heimlicher  Gewalt. 
Der  schönste  Kranz  soll  meinen  Sarg  umgrünen, 

Mit  dem  die  Kunst  je  Lieblingen  vergalt: 
Was  ich  geahn't,*  es  wird  nun  doch  geschehen, 
Wie  ich  es  soll,  ich  hab'  es  jetzt  ersehen. 

32.  '   '  • 

Klar  schwebt  mir  vor  das  Werk,  das  imgeheu'rc, 
Es  rauscht  ein  Strom,   der  alle  Ufer  brach, 

Dasa  ich  dadurch  den  eignen  Hintritt  fey»re, 

Ich  glaub»  es  fast,  geliebtes  Weib !  denn  ach! 

Auch  mir  hat  es  gegolten,  mir,  o  Theure! 
Was  ernst  des  Todesboten  Lippe  sprach; 

Ich  bin  der  Schwan,  der  mit  melod'schen  Schwingen 

Sein  schönstes  Lied,   sein  Sterbelied  soll  singen. 

33- 

So  schlagt  denn  auf  noch  einmnl  lichterlohe. 


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205 

■         .* » 

Noch  einmal  fasse  mich,  o  Himmel«  frohe 
Begeist'rung,  die  mich  oft  empor  gerafft; 

Hauch'  Glut  mir  ein,   dass  ich  das  Ziel,  das  hohe 
Erflieg»,  eh»  mir  zerfällt  der  Seele  Haft-, 

Ein'n  Riesenstrom  soll  der  Gesang  hinrauschen, 
Die  Erd*  erstaunt  an  seinen  Ufern  lauschen. 

34. 

Vergiss  mein  Ohr  nun  üppig  weicher  Klänge, 

Mit  welchen  ich  die  Herzen  süss  durchdrang; 

Erfinden  will  ich  niegewagte  Gänge, 

Zu  singen,  was  kein  Sterblicher  noch  sang. 

Lasst  mich  belauschen  eure  Festgesänge, 

Lasst  mich  umrauschen  eurer  Harfen  Klang, 

O  Engel ,  die  ihr  singt  auf  gold'nen  Sternen 

Des  Höchsten  Lob  durch  alle  Himmelsfernen ! 

35. 

Er  eilt  an'a  Werk,  von  muthigem  Vertrauen 
Auf  höh'ren  Beystand,  glühend  angefacht; 

Den  Prachtpallast  von  - Tönen  aufzubauen, 

Gönnt*  er  sich  keine  Ruhe  Tag  und  Nacht; 

Gern  möcht»  er  durch  des  Grabe«  Dimkel  schauen 
Um  jener  Harmonicen  Schreckensnacht, 

Die ,  wenn  die  Welten  einst  in  Staub  versinken, 

Erbraussen  werden  —  kühnen  Ohr's  zu  trinken. 

36. 

Der  grossen  Arbeit  Hallte  zu  vollbringen  — 

Es  war  dem  Meister  bald  und  schön  geglückt; 

Doch  galt  es  wohl  ein  stetes  heises  Ringen 

Mit  schwerem  Siechthum,  so  ihn  niederdrückt: 

Da  brachen,  ach!  des  Geistes  muth'ge  Schwingen, 
Er  liegt  der  Blume  gleich,  vom  Sturm  zerknickt, 

Der,  ob  sie  wohl  das  welke  Haupt  schon  neiget, 

Im  Sterben  auch  noch  süsser  Duft  entsteiget 

'  ■  '37. 

Im  Kampf  mit  immer  wachsend  herben  Leiden, 
Mit  einem  Fuss  schon  auf  des  Grabes  Rand, 

Will  er  doch  nicht  der  Arbeit  Zehrglut  meiden, 

Wie  auch  die  Kraft  ihm  stündlich  mehr  entschwand, 

Bis  er  zuletzt  sich  schmerzlich  muss  bescheiden, 
Und  trauernd  legt  die  Feder  aus  der  Hand ; 


20fi 
*  r- 

Da  pocht  es  an  der  Thür©  mit  drey  ^Schlägen, 
Uud  ernst  tritt  ihm  der  Todesbot'  eutgegen. 

30- 
Er  spricht:  Bald  ist  nun  Deine  Zeit  verronnen : 

Noch  fehlt  im  Kranze,  den  Du  Dir  gewunden, 
Die  schönste  Blum',  erblüht  an  warmem  Sonnen, 

Ihr  stilles  Thal,  Du  hast  es  aufgefunden-, 
Halb  hat  die  unverwelkliche  gewonnen 

Dein  frommer  Muth  in  trüben  Leidensstunden; 
Lass  nimmer  ab,  Tollendet  soll  es  werden, 
Womit  sich  Deine  Wallfahrt  achliesst  auf  Erden. 

39. 

„So  werd'  es,  möge  Gott  mir  Kraft  noch  senden M 
Rief  Mozart  aus,  ron  Himmelsgluth  durchweht. 

Wie  nun  auch  bittend  Freund»  an  ihn  sich  wenden, 
Wie  trostlos  ihn  die  treue  Gattin  fleht, 

"Er  wolle  kurze  Rast  sich  manchmal  spenden: 
Vergebens;  denn  der  Todesboto  steht 

Nur  sichtbar  ihm,  nun  stets  vor  seinen  Blicken, 

Nichts  kann  sein  hohes  Ziel  ihm  mehr  entrücken. 

40. 

So  steigt  in  dunkler  Nacht  die  Sternrakete 

Mit  raschem  Aufschwung  in  den  Aether  auf; 

Hoch  in  den  Lüften,  wähnet  man,  mm  tÖdte 
Ein  Hauch  sie,  schon  geendet  sey  ihr  Lauf: 

Sie  fallt;  und  sieh',  wie  gold'ne  Morgenröthe 

Schliesst  jetzt  sie  stralend  erst  ihr  Wres  auf; 

Die  halb  verloschene  prangt  in  blauen  Fernen 

Erst  wunderherrlich  noch  mit  tausend  Sternen. 


41- 

„Geschaffen  ist's,  roll  endet;  darf  ich  sehen 

Mein  liebstes  Werk!  Ich  danV  es  höh'rer  Marht. 

Nimm  jetzt  mich,  Herr!  Dein  Wille  soll  geschehen, 
Durch  Deine  Hülfe  hab'  ich  es  vollbracht. 

Schon  fühl*  ich  Himmels  Lüfte  mich  umwehen, 
Von  meinem  Auge  sinkt  der  Erde  Nacht; 

Wie  strebt  und  sehnet  sich  mein  Geist  zu  fliehen 

Empor  in'a  Reich  der  cw'gen  Harmonie en. 


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» 

207 


42. 

Du  siehst  mich  an,  o  Werk!  dem  Leichensteine 

Vergleichbar,  .welcher  meinen  Staub  verschliesst ; 

Auf  dem,  bald  wandelnd  über  mein  Gebeine, 
Der  Fremdling  des  EntschlaPnen  Leben  lies't. 

Nur  einen  Wunsch,  Allgütigerl  verneine 

Mir  nicht,  eh»  mich  der  starre  Schlaf  umachlicsst : 

„Die  Töne,  so  da  soelenlos  nun  schweigen, 

Lasa  sie  belebt  vor  mir  «um  Himmel  steigen." 

43- 

So  Mozart:   Zu  erfüllen  sein  Verlangen, 

War  eifrig  schnell  der  Freunde  Schaar  bemüht; 

Denn  solcher  Schöpfung  Labsal  zu  empfangen, 

War  sehnlich  wünschend  Jeder  längst  entglüht. 

Auch  sah'n  sie  ja  mit  kummervollem  Bangen, 
Dass  nur  unwillig  noch  sein  Geist  verzieht, 

Auf  d  iesem  TÖnesturm  sich  zu  erheben 

Und  in  der  Ruhe  stille  Welt  zu  schweben. 

44. 

Und  eines  Morgens  sah  man  alle  Söhne 
Euterpen's,  die  das  künstlerische  Wien 

Herbergte,  wo  die  holde  Ton-Kamöne 

Gern  thronte,  nach  des  Domes  Hallen  «ieh'n, 

Zn  wecken  hier  das  kühne  Heer  der  Töne, 

Das  auf  den  Pulten  rings  zu  schlummern  schien, 

Damit  an  seiner  letzten,  schönsten  Gabe 
%  Des  Meisters  krankes  Hera  sich  scheidend  labe. 

* 

45. 

Da  kommt  er  selbst  mit  EÖgcmd  wankem  Schritte, 
Ach!  leichenblass,  von  Freunden  sanft  geführt; 

Noch  ein  Mal  sch'n  sie  ihn  in  ihrer  Mitte, 
Ihn,  dessen  Wink  sie  feurig  sonst  regiert; 

Jetzt  naht»  er  ihnen  mit  der  letzten  Bitte, 
Wie  innig  waren  Alle  sie  gerührt! 

Und  als  sie  ihn  gegrusst  mit  vielem  Neigen, 

Ergoss  sich  tiefes,  feyerliches  Schweigeu. 

46- 

Und  horch  i  es  tönt  wie  leise  Wehmuthsklage, 
Wie  sanftes  GeisterfleVn  in  hoher  Luft, 


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208 


Da«  nach  dem  frohen  Auferstehnngstage, 
Das  um  Erbarmen  auf  zum  Himmel  ruft) 

Als  ob  es  vor'«  Gericht  die  Seufzer  trage 

Der  Todten,  ao  nun  steigen  aus  der  Gruft, 

Und,  gleich  als  mehrte  sich  stets  ihre  Menge, 

So  schwellten  immer  Toller  die  Gesäuge. 

47- 

Und  in  ein  brünstig  lautes  Gnaderufen 

Geht  über  bald  das  leise,  scheue  FIch'n; 

Es  dringt  bis  an  des  höchsten  Thrones  Stufen, 
Es  -will  die  Wolken  fort  vom  Himmel  weh'n. 

Der  Andacht  Brunst,  so  diese  Töne  schufen, 
O  wie  erbaut's  den  Meister,  sie  zu  seh'n! 

Er  selber  betet ,  Blick  und  Händ'  erhoben, 

Und  höret  kaum,  wie  alle  Freund»  ihn  loben. 

48- 

Doch  plötzlich,  wie  mit  hundert  TTngewittern, 
Vom  Sturm  getragen,  und  umhüllt  die  Nacht, 

Von  Donnern,  die  der  Erde  Grund  erschüttern, 
Umhallt,  y erlöschend  Sonn*  und  Sternenpracht, 

Erscheint  der  Tag,  dem  alle  Wesen  zittern, 

Der  Tag  des  Zornes  der  allmächt'gen  Macht, 

Der  ew'gen  Macht,  auf  deren  schrecklich  Winken 

In  Asche  muss  das  Welten -All  versinken. 

49- 

Wer  Hess  Dich  diese  Schreckenstöne  hören? 

Wann  lauschtest  Du  der  Welten  Untergang? 
Ha!  furchtbar  tobend  brauset  das  Zerstören, 

Es  wendet  sich  das  Herz  bey  jedem  Klang. 
Ach!  horcht,  wie  Erd»  und  Himmel  sich  empören! 

La ss  ab,  eh»  wir  erliegen  dem  Gesang; 
Du  selbst  erliegst,  Du  kannst  es  nicht  ertragen, 
Was  Du  so  kühn  zu  aingen  konntest  wagen. 

50- 

Mit  ma'cht'gem  Schalle  dröhnet  durch  die  Lüfte 
Des  Weltgerichts  Posaune  wunderbar; 

Da  bersten  rings  der  weiten  Erde  Grüfte, 

Aufwacht  der  Todten  zahllos  bleiche  Schaar; 

Es  spalten  krachend  sich  der  Berge  Klüfte, 
Das  Tiefverborg'ne  wird  nun  offenbar. 


> 


209 

i 

Der  ernst«  Ruf,  er  ruft  zu  Gott«  Throne, 
Zur  ew'gen  Qual,  10  wie  zum  ew'gen  Lohne. 

51. 

Ach !  süss  aufweinend  hör*  ich  nun  Dich  fragen, 
Was  werö?  ich  meinem  Richter,  wenn  er  nah't, 

Was  werd'  ich  Armer!  dann  dem  Strengen  sagen? 
Doch  finden  diese  Töne  nicht  den  Piad 

Zu  seinem  Ohr,  wie  sollen  wir  denn  klagen? 
Mit  welchem  Wort'  anrufen  seine  Gnad'  ? 

In  diesen  Tonen  schmilzt  die  ganze  Seele, 

Und  fleht  Verzeihung ,  reuig  ihrer  Fehle.  — 

62- 

* 

Wer  widersteht  euch,  zaubervolle  Laute? 

Wo  ist  ein  Auge,  das  nicht  heisse  Fluth 
Erbarmung  fleh'nder  Thränen  niederthaute? 

Ein  Herz,  das  nicht  zerschmolz  in  Fenergluth ? 
Und  doch,  wie  vor  dem  Richterstuhl  ihm  grau'te, 

Vor  dem  auch  sinket  des  Gerechten  Muth, 
Wo  aller  Sunden  Buch  liegt  aufgeschlagen, 
Sich  nicht  von  Hoffnung  fühlt  empor  getragen. 

63. 

Wie  Sturm  3en  Hain  durchrauscht  mit  Ungestüme 
Gleich  eines  Stromfall's  lautem  Donnerschall, 

Verkündet  jetzt,  es  nahe  Gott  im  Grimme 
Der  Majestät,  der  Töne  hoher  Schwall: 

Doch  Engel  weinen  nur  mit  solcher  Stimme 
Beklagend  einer  Seele  tiefen  Fall, 

Wie  jetzt  aufsäuselnd  flehen  die  Gesänge 

Um  Heil  und  Rettung,  statt  gerechter  Strenge. 

64- 

Auf  neuen  Flammen  will  der  Geist  sich  schwingen 
Anbetungsvoll  zum  Thron  des  Herrn  empor, 

Da  man  das  dreymal  Heilig  höret  singen 

Als  tönt  aus  Lüften  hoch  der  Scel'gen  Chor* 

Es  wirbeln  Pauken,  die  Trommeten  klingen, 
Und  hingerissen  lauschet  jedes  Ohr) 

Demüthig  hat  sich  jedes  Knie  gebeuget, 

Als  in  die  Wolken  das  Osann«  steiget. 

14 


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56- 

Wie  trenn  das  Meer  rorher  ron  Nacht  umzogen^ 
Von  wilder  Wuth  der  Winde  laut  umbrüllt, 

Bis  an'«  Gewölbe  hob  die  finstem  Wogen, 

Das  Mond  und  Sterne  düster  ihm  verhüllt; 

Nun  aber,  da  die  Wolken  fortgeflogen, 

Der  Sturm  verhallt,  das  Toben  sich  gestillt, 

Und  auf  der  Spiegelfläche  sich  die  Straten 

Der  schimmernden  Gestirne  friedlich  malen: 

66» 

So  schwinden  Todesgraus  und  Furcht  und  Bebens 
Vorüber  ist  das  schreckliche  Gericht ! 

Und  süsser,  froher  Jubellaute  Schweben 
Ergiesst  um  uns  ein  morgenhelles  Licht. 

Sit  preissen  ihn ,  der  uns  den  Weg  zum  Leben 
Geebnet,  der  die  Macht  der  Hölle  bricht}  . 

Gebenedeyet  schallen  sie  dem  Frommen, 

Der  in  de«  Herren  Namen  ist  gekommen! 

67. 

O  Meister!  Herrlich  ist  das  Werk  gelungen, 
Das  Dich  Dein  hoher  Genius  gelehrt; 

In  Wonn*  und  Wehmuth  hast  Du  jetzt  gerungen, 
Des  Lebens  Mark  hat  es  Dir  aufgezehrt! 

Er  achtet  kaum  der  vielen  Huldigungen 
Von  allen,  so  es  staunend  angehört; 

Ihn  bald  bewundern,  glühend  in  Entzücken, 

Bald  Trennung  ahnend  schmerzroll  auf  ihn  blicken« 

0 

i 

5»  . 

# 

Die  letzten  Thranen  muss  sein  Auge  thauen; 

Als  die  Gesang»  um  ew'ge  Ruhe  fleh'n. 
Da  fühlt»  er  von  des  Paradieses  Auen 

Des  Friedens  Palmen  kühl  herüber  weh'n. 
Es  strebt  sein  Geist  das  ew'ge  Licht  zu  schaue», 

Er  sieht  die  Erde  neblig  untcrgeh'n : 
Sanft  lös't  sein  Engel  ihm  die  ird'schen  Bande 
Und  er  entschwebt  zum  lichten  Sternenlande. 


211 

i 

M  o  &  a  r  t  •  i  Grab* 

Wo  ist  Dein  Grab?   Wo  duften  die  Cypressen? 

Wo  prangt  der  wappenstolze  Marmorstein? 
Hat  denn  die  Welt  den  Iieil'gen  Ort  vergessen. 

Der  Deine  Hüllo  tchliesst  in  Dunkel  ein? 
Hat  sie  geglaubt,  es  wäre  zu  vermessen, 

Dir  eines  Denkmals  ird'sche  Zier  zu  weih'n? 
Und  Jeder  spricht:    „Vergeblich  ist  Dein  Fragen; 
Durch  jenes  Thor  ward  er  hinaus  getragen." 

Wo  Ist  ein  Land,  das  rühmt  «ich  Deines  Gleichen, 
Das  einen  Solchen  hat  der  Welt  geboren^ 

Dem  Deinen  Kranz  dio  Nachwelt  müsstt  reichen,  *  » 

Weil  sie  Dein  Bild  aus  ihrem  Aug*  verloren, 

Weil  Deine  Glorie  vor  ihm  erbleichen 

Sie  sah  dort  an  des  Tempels  Strahlenthoren? 

Und  leise  hallt's:    „Wohl  prangen  neue  Sterne^ 

Doch  Mozart  strahlet  fort  in  hoher  Ferne.44 

Wo  isf  Dein  Lohn,  die  Schatze,  dio  Jnwelen»  - 

Die  Deine  Zeit  als  armen  Dank  Dir  gab  ? 
Wo  der  Palast,  dess  Mauern  mir  erzählen: 

„Hier  schwang  der  Meister  seinen  Zauberstab"? 
Wollt  Ihr  mir  neidisch  Alles  denn  verhehlen? 

Ein  Jeder  wendet  schweigend  sich  mir  ab. 
Da  sprach's:    „Um  dessen  Stirn  der  Lorber  pranget,. 
Dem  ziemt  es  nicht,  dass  er  nach  Gold  verlanget*" 

So  ist  nur  Prüfung  Künstlers  Erdenwallen, 

Ob  er  in  Feuersgluth  bestehet  rein? 
Ob  er  entsagen  kann  den  Freuden  allen, 

Die  auch  der  ärmste  Sterbliche  nennt  sein?' 
Ob  ihm's  genügt,  zu  wandeln  in  den  Hallen, 

Durch  die  das  Weltgeräusch  nicht  dringet  ein, 
Durch  die  nur  leise  Geisterworte  dringen, 
Die  nieder  aus  den  hohen  Sphären  Idingen? 

Du  gingst  im  Wald  und  mit  Dir  Deine  Töne: 

Du  standest  am  Meer*,  sein  Brausen  ward  Gesang:  •>  • 

Du  hörtest  in  den  Wogen  Angsrgestöhne, 

Im  Geist  des  Weltgerichts  Posaunenklang: 

Du  lasest  in  der  Storno  Wunderschöne 

Auch  da  der  Sphären  -  Melodieen  Gang: 

14* 


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212 

Im  Becherklaug  remahmst  Du  süsse  Lieder, 
Im  Taubenruf  Cytheren«  Stimme  -wieder. 

»  • 

So  schwebtest  Du  auf  leichten  Aetherwogen 
Imraitten  durch  des  Zeitrada  Brausen  fort. 

Von  Himmelsahnung  sanft  hinauf  gezogen, 

Vernahmst  Du,  ach  su  früh!  das  Schickaalswort. 

Seht,  wo  die  Leyer  prangt  am  Himmelsbogen, 
Dahin  entfloh  der  Geist.    Ich  ahn'  ihn  dort. 

D'rum  lob'  ich  Dich  in  Deiner  hohen  Ferne, 

In  stiller  Nacht,  Du  schönste«  Bild  der  Sterne! 


Verzeichnis*  derjenigen  TPerle, 

die  über  Mozart  ex  profesao  erschienen 
sind,  oder  in  denen  gelegentlich  von 
ihm  mit  einiger  Ausführlichkeit  ge- 
handelt wird« 

1)  Mozart's  Leben,  in  Schlichtegroll's  Nekrolog. 
Gotha,  1791, 

2)  Mozart's  Leben,  von  Sonnleithner  jun.,  in  sei- 
nem Wiener  Theater -Almanache  für  1794. 

3)  Mozart's  Leben,  mit  seinem  Bildnisse.  Grätz, 
1794.   (Nachdruck  des  NekrologSt) 

4)  Mozart's  Biographie  in  musikalischer  Hinsicht, 
von  N..  Br.    Prag,  1797. 

5)  Mozart's  Leben,  von  Niemtschek*  Prag,  1798. 
Zweyte  Auflage.  1808. 

6)  Kurze  Darstellung  des  Lebens  und  der  Manier 
Mozart's,  vpn  Siebigke,  in  seinem  Museum  be- 
rühmter Tonküustler.   Breslau,  1801. 

7)  Mozart's  Geist.  Seine  kurze  Biographie  und  äs- 
thetische Darstellung  seiner  Werke.  Bildungsbuch 
für  junge  Tonkünstler.    Erfurt*  x8o3. 

• 

1 


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I 


213 

'  8)  Leipziger  Allgemeine  musikalische  Zeitung,  in 
welcher  viele  Anekdoten  von  Mozart,  namentlich 
vom  Hofrath  Rochlitz  zu  Papiere  gebracht  sind. 
Jahrg.  I.  Seite  17,  4q,  81,  n5,  i45,  ity9  289,  56o. 
—  Jahrg.  IL  Seite  64 1.  —  Jahrg.  III.  Seite  45o, 
495,  590.  —  Jahrg.  VIII.  No.  29.  über  Musik  und 
Poesie.  —  Jahrg.  XI.  S.  793.  —  Ausserdem  über 
ihn  und  seine  Werke  fast  in  allen  Jahrgängen. 

9)  Account  of  a  very  remarcable  young  Musician, 
von  Barrington.  Philosophical  Transactions  Vol. 
LX.   London,  1770. 

10)  Anecdotes  sur  Mozart,  in  MlUmges  de  litdra- 
ture,  de  Suand.  Tom.  2.  i8o4.  pag.  55? — 347. 

11)  Notices  sur  Mozart,  par  Winckler,  in  Magaz. 
encyclopidique.  VII.  annie.  T.  III.  Paris,  1801.  • 
redige'  par  Miliin.  pag.  29—72. 

12)  Cramer  Anecdotes  sur  Mozart.  Traduites. 
Paris,  1801,  chez  Viditeur,  rue  des  bons  enfans. 
(Sind  die  erwähnten  Rochlitz'schen  mit  einigen 
Anmerkungen.) 

13)  Notice  sur  Mozart,  par  Gingueni.  Decad. 
Philos.  T.%U 

■ 

14)  Notice  sur  Mozart,  par  Sevelinges.  Nach  dem 
Titelblatte  des  i8o5  vom  Pariser  Conservatorium 
herausgegebenen  Mozart'schen  Requiem. 

15)  Memorie  intorno  la  vita  e  gli  studj  del  celebre 
Mozart,  in  Novelle  politico-literarie  di  Mantova 
4  Gennaro  1806.  Unter  der  Rubrik:  Varietä 
letterarie. 

16)  Memoire  encyclop.  romane,  T.I.  1806. 

17)  Cenni  biografici  intorno  a  Mozart,  von  Lich- 
tenthai.   Milano,  1816. 


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214  * 

18)  Elogio  storico  di  Mozart,    von  dem  Grafen 

» 

Schizzi.    Cremona,  1817« 

19)  Mozart  und  Haydn.  Nachtrage  zu,  ihren  Biogra- 
phieen.   Versuch  einer  Parallele,    Erfurt,  1810. 

20)  Biographie  Mozart'* ,  in  An  account  of  tJie  first 
Edinburgh  musical  festival,  by  Graham.  Edin- 
burgh, 1816. 

21)  Bombet.  Lettres  dcrites  de  Vienne  sur  Haydn, 
suivies  d'une  vie  de  Mozart.  Paris,  Didot  l'aine. 
i8i4.  (<5W  M^$«4ffo) 

22)  Bombet.  Life»  of  Haydn  and  Mozart,  in  a  se- 
ries  of  Utters ,  translated  from  the  french.  Lon- 
don* Murrey,  1817. 

23)  Vie*  de  Haydn,  Mozart  et  Metastase,  par 
•  Stendhal.  . 

24)  Vie  de  Rossini,  par  Stendlial.  Ist  ohngeßhr 
die  Uebersetzung  August  Wendt's  ü\  Rossinis 
Leben  und  Treiben, 

25)  Holländische  Uebersetzung  der  von  Rochlitz  ge- 
lieferten Anekdoten  in  der  Leipz.  Allgera,  musik. 
Zeitung. 

26)  Discours  tenu  le  11.  Octobre  1766  ä  Lausanne 
/     (über  Mozart).  In  Aristide  ou  le  citoyen  N.  XVI. 

ä  Lausanne,  chez  Francois  Grasset  et  Comp. 

27)  Dieselbe  Rede  deutsch.  1771. 

28)  Oesterreichischer  Plutarch. 

29)  Neuer  Plutarch,  nach  Peter  Blanchard,  fortgesetzt 
Von  Kraft,  im  ersten  »Bande.   Pesth,  18 15. 

30)  Geschichte  der  Tonkunst,  von  Jones,  übersetzt 
u.  s.  w.  von  Mosel.    Wien,  1821. 

31)  Ideen  zu  einer  Aesthetik  der  Tonkunst,  von 
Schubart.   Wien,  x8o6. 

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< 

s,  L   — 

32)  Allgemeine  Geschichte  der  Musik,  von  Busby, 
übers,  von  Michaelis.  2ter  Band.  Leipzig,  1822. 

33)  Rochlitz.  Für  Freunde  der  Tonkunst.  Leipzig. 
2  Bände. 

34)  Cacilia.   Zeitschrift  für  die  musikalische  Welt. 

Mainz,  1024.  fi. 

35)  Wiener  allgemeine  musikalische  Zeitung. 

36)  Lexikon  salzburgischer  Künstler,  von  Pill  wein. 
Salzburg,  1821. 

37)  Gerber's  Tonkünstler- Lexikon,  altes  und  neues. 
Leipzig,  1790.  1812. 

38)  Conversations-Lexikon,  6ter  Band  der  5ten  Aufl. 
Leipzig,  1820. 

39)  Baierisches  Musik-Lexikon,  von  Lipowsky.  Mün- 
chen, 1811. 

40)  Lebensnachrichten  von  Mozart,  in  der  musikali- 
schen Correspondenz.    Speyer,  1792. 

41)  Gallerie  historischer  Gemälde  aus  dem  i8ten 
Jahrhunderte,  von  Baur.  4ter  Theil.  Hof,  i8o5. 

42)  Mozart,  ein.  dramatisches  Gedicht,  von  D.  Hoff- 
hauer.   Grätz,  1825. 

43)  Mozart's  Tod,  ein  Original  -  Trauerspiel,  von 
A.  von  Schaden.    Augsburg,  1825. 

44)  Mozart's  eigener  thematischer  Katalog.  Offen- 
bach a.  M. 

4.5)  Gretry's  Versuche  über  die  Musik,  von  Spazier. 
Leipzig,  1800. 

46)  Geschichte  der  Musik,  nach  dem  Französischen 
der  Frau  von  Bawr,  frey  bearb.  von  August  Lewald. 
Nürnberg,  1826. 

47)  Allgemeine  deutsche  Bibliothek,  Recension  des 
zvpeyten  Bandes  vom  Nekrolog  1791. 


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48)  Recenaionen  der  Schriften  über  Mozart  in  der 
Jenaischen,  Hallischen  und  Leipziger  Literatur- 
Zeitung* 

49)  Ueber  Reinheit  der  Tonkunst.  Heidelberg  1826. 
zweyte  Auflage. 

50)  Journal  Deutschlands  von  1799.  Zwey  tadelnde 
Aufsätze  über  Mozart,  wahrscheinlich  von  J.  F. 
Reichardt. 

51)  W.  A-  Mozart,  eine  begründete  und  ausführliche 
Biographie  von  J.  A.  Schlosser.    Prag,  1828- 

Ausserdem  wird  mehr  und  weniger  von  Mo- 
zart in  folgeuden  Schriften  gesprochen: 

Joseph  Haydn's  Biographie.    Erfurt,  1810. 

Dittersdorfs  Biographie,  von  ihm  selbst.  Leipzig. 

Cherubini'a  Biographie.    Erfurt,  1810. 

Winter's  Biographie.  Erfurt. 

Paesiello's  Biographie.  Daselbst. 

Hiller's  Leben  von  ihm  selbst. 

Hiller's  Lebensbeschreibungen  berühmter  Ton- 
künstler, erster  Band.  Leipzig. 

Griesinger'*  biographische  Notizen  von  Joseph 
Haydn.    Leipzig,  1810. 

ForkeFs  musikalischer  Almanach  1782.  ff. 
•     Bossler'sche  Zeitung,  1789.  1791. 

Musikalisches  Taschenbuch  von  Werden,  Leip- 
zig,  i8ö5. 

Aeltere  und  neuere  Berliner  musikalische  Zeitung. 

Reichardt's  Briefe  über  Italien  in  der  musikali- 
schen Monatsschrift. 

Reichardt's  Reise  nach  Wien  1790.  1791. 

Gallerie  der  berühmtesten  Tonkünstler.  Erfurt, 
1810. 

« 

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* 


217 

Burney 's  musikalische  Reisen,  dritter  Band, 

Burney  General  History  of  Music,  vierter  Band 
1788.  Vol.  5.  1789.  Vol.  4.  1789.  VoL  2. 1782.  ' 

Cramer's  Magazin  der  Musik. 

Forkel^  Literatur  der  Musik. 

Forkel's  Geschichte  der  Musik. 

Meusel's  Museum  für  Künstler. 

Meusel's  Künstler- Lexikon. 

Wiener  Jahrbücher  der  Literatur,  1821.  Ent- 
halt einen  Aufsatz  von  Mosel. 

LucianBonaparte's  Rede  im  Conservatorium  1799* 

Journal  des  Luxus  und  der  Moden.  November 
*799«  No:  29.  55.  1825. 

Augsburger  Intelligenzblätter  1762.  Ein  Brief 
aus  Wien  über  Mozart's  Kinder. 

Mozart's  Briefe  an  die  Duschek,  1781.    M  s  er« 

Grimmas  und  Diderot's  Korrespondenz,  beson- 
ders aus  den  ersten  Jahren  Mozart's. 

Stadler's  Geschichte  der  Musik  in  Oesterreich. 

Salieri's  Biographie  von  Mosel.  Wien« 

Und  nächstdem  giebt  es  eine  Menge  kleiner 
Aufsätze  über  Mozart  und  dessen  Werke  in  sehr 
vielen  periodischen  Blättern. 


• 

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218 

Schliesslich  erfülle  ich  noch  die  liebe  Pflicht, 
denjenigen  Mozart'schen  Verehrern  und  namentlich 
dem  Hrn.  Kapellmeister  und  Ritter  Spontini  in  13 er- 
liu,  Hrn.  Chor-Director  A.  Jähndl  in  Salzburg,  Hrn. 
D.  jur.  Hoffbauer  in  Graz,  Hrn.  Musik -Director 
Weber  in  Prag,  Hrn.  Hofrath  Andre  in  Ottenbach 
a.  M.,  Hrn.  Banquier  A.  Bridi  in  Roveredo,  Hrn. 
D.  med.  Lichtenthal  in  Mailand,  Hrn.  Postoff.  C. 
Dannliausen  in  München,  Hrn.  Apotheker  Fenderl 
in  Innspruk,  Hrn.  D.  med.  Feuerstein  in  Pirna  und 
Baronesse  Eggers  in  Copenhagen  etc.  die  theils  durch 
gütige  und  wichtige  Beyträge  und  theils  auf  andere 
Weise  bemüht  waren,  diese  Biographie  möglichst  zu 
vervollständigen,  auch  zugleich  im  Namen  meiner 
beyden  Kinder  und  meines  seeligen  Nissen's  den 
schuldigsten,   tiefgerührtesten  und  unversiegbarsten 
Dank  hier  öffentlich  .abzustatten.    Möge  ihnen  Au- 
dio vielen  Beweise  ihrer  Liebe  und  Verehrung  um 
die  Manen  des  Meisters  Gott  das  lohnen,  was  ich 
nicht  weiter  vermag!  — 

Zugleich  scheint  nöthig  und  zweckmässig  zu  seyn 

- 

liier  zu  bekennen,  dass  ich  früher  weder  Notizen 
von  Mozart's  Leben,  noch  auch  Beyträge  zu  den 
schon  erschienenen  Biographieen  Mozart's  zum  Be- 
huf der  öffentlichen  Bekanntmachung  gegeben  habe. 


21') 

So  wie  ich  mich  unterstand  diese  Biographie  mit 
meines  Nissen's  Portrait  zu  beginnen ,  so  vermag  ich 
nicht  zu  unterlassen  sie  mit  der  Abbildung  seines 
hier  in  Marmor  errichteten  Monumentes  und  den 
daran  befindlichen  Inschriften  zu  beschliessen.  Mö- 

4 

gen  mir  die  hochverehrten  Leser  dieses  entschuldi- 
gen und  das  trauliche  Liebesopfer  in  dem  Sinne  mit 

hinnehmen,  als  es  gegeben  ist. 

•  *  . 

Salzburg,  zu  Michaelis,  1828. 

,  Constanze, 

verwittwete  Etatsräthin  von  Nissen, 
früher  Wittwe  Mozart. 


uigiiizeo 


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Inhalt: 

Verzeichniss  ron  Mozart's  hintcrlassenen  Werken     .    «    •  « 

Mozart  und  dio  Eigenthundiehkeit  seiner  Werke       .    »  ?; 

Pas  Grosso  der  Kunst       «»»»,«»..•»«.  4fj 

Mozart1«  Opern  überhaupt      .♦,.,»....«,»  fiß 

Insbesondere :  , 

Mitridate,  Opera  seria  7f 

Lucio  Sulla,  Opera  sevia   .    .  72 

.fca          /fafa  Giardiniera,  Opera  bufia  74 

Irfomeneo ,        di  Creta.    Opera  seria     ........  74 

JP/'c  Jintfiihrung  aus  dem  Serail ,    oder  Belmont  und  Con- 
stanze, deutsches  Singspiel  77 

/Ar  .S'<  hausficl  -  Dircctor .   komisrhes  Singspiel   S.~> 

//<?  AV>=zg  glt  Figaro  t  Opera  baffa     »   »♦««•»»»  g| 

('o.w          /////e,   Opera  buda    f'J 

iPo»  Giovanni \   Opera       .»»•.«...«.»»  W 

JPi'g  Zauberflöte  %  deutsche  Oper     ««..♦....»  1A1 

7/Q  clemenza  di  Tito  (Titus  der  Gutige)  Opera  seria     *    •  130 

Mozart's  Pianoforte- Spiel  und  seine  Compositioncn  dafür  .  134 

Instrumental  -  Musik   •   ««<»#.♦..»  1TJ 

Kirchen- Comp  ositioneri    «»««»»««••  Ii  V? 

—  Requiem    ...............  168 

Denkmale  W.  A.  Mozart's  t   r.>; 

J)enkmiinzen  auf  ihn       •»«•«»•..•••>    «    «  179 

Mozart's  Bildnisse,  in  Kupfer  gestochen  und  in  Holz  geschnitten  j?Q 

—  Silhouetten   f>:»> 

—  Gemälde  —  Büsten  •    •   «    •   •  181 

Gedichte  auf  Mozart   181 


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Hinterseite. 


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